Landfotografie

Freier geschichtlicher Exkurs Teil 1



***

Ich moechte vorweg schicken:
Ich gehoere keiner Partei an, bin kein Religions- oder Gewerkschafts- oder Vereinsmitglied und versuche so neutral wie denkbar zu sein -
immer mit dem Gedanken oder Wunsch nach einer direkten demokratischen Mitbestimmung, der Emanzipation aller Menschen.
Also weder links noch rechts.

Dabei kann ein Religionsbezug oder Betrachtung dazu unmoeglich ausbleiben.
(Meine persoenlichen Erkenntnisse gehoeren also dazu von "Geschichtliches, was die alte Zeit,
bis Reihenweck, mit welchem ich die neue Zeit beleuchten wollte)

***

Laengst vergangenen Ueberlieferern und Erzaehlern zur Ehr und Angedenken, mit eigenen Bemerkungen versehen,
wird Geschichtliches zu Geschichten am Kamin, die schon einen beachtlichen Umfang angenommen haben !





Geschichtliches.



In dicken alten Waelzern und Chroniken fand ich viele interessante Begebenheiten aus alten Zeiten,
wissens- und lesenswerte Dinge, die man heute kaum noch erfaehrt.
So waechst eine besondere Seite heran, die sich in lockerer Weise mit unserer Geschichte befasst:
Wie lebten die "Gemeinen", die einfachen Leute auf dem Land -
ohne den ueblichen Fokus auf Jahreszahlen und "Schlachten" oder Herrschaften,
die in meiner Beleuchtung der Historie nur am Rande vorkommen - wie Ungluecke und Unwetter.
Langweilig wird die Sache nicht- versprochen !
Geschichte ist ein abgeschlossener Zeitraum bis zum Jetzt, was wir daraus lernen und machen, wird die Zukunft zeigen.

Grosse Persoenlichkeiten lobten den Taunus
in den hoechsten Toenen und machten sich fuer die neue Wanderbewegung stark,
die ihren Ursprung als Feldberg - Laeufer hatte - immer fuer die Natur,
fuer die Gesundheit und fuer die demokratischen Grundrechte,
die niemals leicht und immer nur unter erheblichen Opfern durchzusetzen waren.
Frueher drueckte und presste der Adel und der Klerus, heute sind es seilschaftende Machtmenschen,
die ihre Profitgier ueber die gerade erst gewonnenen Freiheiten der kleinen Leute stuelpen
und bereits wieder weite Teile in totale Abhaengigkeit gebracht haben.
Sklaven nennt man heute nicht mehr so, es gibt viele Ausdruecke dafuer, wenn von der Hand in den Mund gelebt werden muss.

Nach der Lektuere ziemlich vieler Buecher habe ich ein paar Dinge herausgefunden, die speziell den Taunus-Raum betreffen.

Germanenstaemme gab es viele, Voelkerwanderungen waren die Regel, denn die Ausnahme-
die Gruende dafuer waren neben Pluenderungsabsichten,
Landnahmen oder oft genug auch schlicht der Hunger oder Krieg oder Verfolgung.
Groessere Verbaende der Germanen, die man als zerfaserten Volksstamm bezeichnen koennte, waren in vielen Regionen "daheim",
wobei der Taunus mir wie eine recht ungeordneter Lebensraum vieler Herkuenfte erscheint.

Zu fruehen Zeiten war unser Lebensraum eine tundra-aehnliche Flaeche
mit einzelnen Baeumen oder Baumgruppen, wohl ohne ausgedehnte Waelder.
Der Wind mag rauh, die Temperaturen muessen hoeher als heute gewesen sein..

(Die "Emanzipation" war wohl selbstverstaendlich,
weil auch die Frauen mit Waffen umzugehen wussten und jede Arbeit taten, sie waren schlicht "gleichberechtigt" -
wie schon in der Jung- oder Altsteinzeit des Cromagnon-Menschen, der auch weibliche Jaeger und Schamanen kannte.

In diesem Zusammenhang muss man den Zusammenhang der Kontinente und daraus die Verwandtschaft aller Menschen erahnen,
bevor sich die heutige Weltkarte herausbildete:
In den 60iger Jahren wurde ich von meinem Lehrer dafuer ausgelacht..
ganz offenbar war er gebildet, aber doch irgendwie dumm.)

Die germanischen und keltischen Staemme bildeten im Taunus wohl eher eine wandernde Gesellschaft,
zusaetzlich in der Sesshaftigkeit meandernd- es waren keine Nomaden, die Germanen zogen nur so weit,
wie die Weiden ausgelaugt waren und das Haus sowieso neu gebaut werden musste.
Die Haeuser waren einfache Pfahlbauten, deren Stuetzen im Boden wegmorschten, so zogen die Leute
von Zeit zu Zeit weiter, mit all ihren Tieren.

Sie lebten in Sippenverbaenden und betrieben eher Jagd und Weidewirtschaft -
weil der Ackerbau sich erst ab dem 9.-2. Jahrtausend vom Orient her mit Gemmer und Gerste oder Urkorn durchsetzte
und mit den Gebiets- und Siedlungsflaechenzuteilungen durch die Roemer kam dann die echte Sesshaftigkeit.

(Nach Ehre oder Ansehen und Eignung wurden die Flaechen zugeteilt, der Grundstock des fruehen Mittelalters
mit Lehen und dienenden, spaeter leibeigenen Leuten bildete sich, aus dem sich der Adel entwickelte.)

In dieser Beleuchtung kam Tacitus, der roem. Geschichtsschreiber doch recht spaet zum Zuge -
der von "Keltern mit Obst und Beeren, aber nicht von Weintrauben" schrieb.
Aus dem Sueden kamen dann die heute bekannten Gemuese- und auch Obstsorten als Geschenk
der neuen Kultur in die von den Roemern beherrschten oder beeinflussten Gebiete.

Das heisst, dass in den vielfaeltigen Gebieten des mitteleurop. Raumes bereits Wein gemacht wurde -
wenn es auch wohl ein eher rauher, saurer, obergaeriger Obstwein gewesen sein muss.

Die roemische Gesetzgebung ist z.T. heute noch gueltig, sie wurde direkt und wohl auch gerne angenommen.
(in dubio pro reo)
Der neue Adel -die Nachfahren der von Rom aus taktischen Gruenden beguenstigten Gewogenen-
hat dann und viel spaeter- die "Geschaeftsidee" der Maut erfunden, weshalb ueberall Burgen und Schloesser oder Steuerburgen
-und Heeres - auch Handels-Strassen, die jene verbanden- entstanden.
Diese Guenstlinge der roemischen Statthalter haben alles unterjocht, was ihnen habhaft wurde, dabei waren sie nicht zimperlich.
Aus den kleinen Fuerstentuemern, die sich im Laufe der Zeit vermaehlten oder ausloeschten oder im "Mannesstamm" ausstarben,
sowie aus den klerikalen Staatengebilden, die ebenso willkuerlich und z.T. menschenfeindlich regierten,
erwuchsen somit auch viele neue Kriege, die ihre fadenscheinige "Legitimation"
aus der Glaubensrichtung und deren Deutungen herausgelesen haben..
deren absolut unheilige Existenz noch heute zu -sinnlosem- Streit um Lufthoheit
(Stichwort: Sendungsbewusstsein)
und Missverstaendnissen ohne Hoffnung auf ein gutes -bruederliches oder christliches- Ende fuehrt.
Die neuere Geschichte, die daraus entstand, ist wohl allgemein bekannt und Grund zur Hoffnung auf ein dauerhaftes friedliches Miteinander,
wo immer ein wachsames Auge auf zuviel Einfluss von Religion angebracht und ratsam ist.

(Mit diesem Thema habe ich mich lange und ausdauernd beschaeftigt, viele religionenvergleichende Schriften,
sowie die Heilige Schrift gruendlich gelesen und bin ausgetreten,
als unser -ehem.- Bischof oeffentlich verkuendete:
"Kirche ist und kann nicht demokratisch sein.."
Dem Vorgaenger des jetzigen Verschwenders. )

Eine Urkunde im Jahr 782 fuehrte das Koenigsrecht im Bereich der Sachsen ein,
unterstellte sie der Hoheit Karls des Grossen,
und sicherte so die Durchsetzung des Christentums-
was zur Hinrichtung mehrerer tausend Sachsen bei Verden / Aller fuehrte.
Das ist nur eines der vielen grausamen Vorkommnisse, die im Zusammenhang mit Religion standen.

Die Chatten (man darf wohl davon ausgehen, dass die Roemer damit die Hatten meinten, weil sie das "h" nicht sprechen konnten-
lebten um die Fulda und Eder herum- sie nahmen das Gebiet zwischen Rhein,
Westerwald und Taunus ein, - mit roemischen Gnaden, nachdem die Ubier von dort auf die andere Rheinseite umgesiedelt worden waren.
Nachfolgend lese ich, dass das Wort "Chatten" von Katzen kommen -
aus dem "Hessen" entstanden sein soll, den Luchs auf deren Wappen fuehrend..

Die Ubier, die den Roemern wohl gesonnen waren, sind von kriegerisch hochfahrenden Sweben hart bedraengt worden.
( "ueppig"-ubier, die in Wohlstand und reichem Lebensstil lebten, waren nicht eindeutig "Germanen")
Caesar schlug nach dem Hilfegesuch die Sweben, die Streitigkeiten zwischen Ubiern und den Sweben gingen aber weiter,
so dass Agrippa, der Feldherr und Freund des spaeteren Kaisers Augustus 39 v.Chr. beschloss,
die Ubier in das linksrheinische Gebiet zu schicken, das von den ausgerotteten Eburonen blieb.
Spaeter bildeten die Ubier mit Kelten, Roemern und Cheruskern die Ureinwohner Koelns,
dem damaligen Ara Ubiorum, dem folgenden Colonia Agrippinensis...

Somit waren die Ubier die Ureinwohner des Taunus-Gebietes,
nicht die Chatten, die als Hatten den Ursprung des Namens "Hessen" bilden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ubier
Ubier koennte man vor ihrer Umsiedlung mit stark keltisierten Bewohnern des Lahntals und des Mittelgebirgsraumes identifizieren.
Romanisiert gingen die Ubier in den Rheinfranken auf.

Die Chatten unterwarfen sich 9 v.Chr. den Roemern und durften danach das Gebiet der Swebenstaemme besetzen,
die nach Boehmen abgezogen waren.
15 n.Chr. ging Mattium, der Hauptsitz der Chatten (Metze bei Gudensberg oder Altenburg) in Flammen auf- ein Rachezug des Germanicus,
weil ein Chattenfuerst an der Ermordung des Arminius beteiligt gewesen sein soll.

Die Roemer teilten und herrschten, sie brachten eine enorme Kultur mit - der Strukturaufbau der Missionare ging ganz aehnlich vor:
Erst die Fuersten, dann das Volk.
Beiden, den Klerikern und dem Adel gemeinsam war die Gier nach Macht und Einfluss,
der sich zum grossen Teil auf die Munt und die Gefolgschaft gruendete, Lehen und Kriege.

Die Strukturen der alten Zeit gruendeten sich auf das Thing und eine Art der Kastenstruktur,
wo die meisten Leute Halb- oder Teilfreie waren.
Der Name Karl oder Kerl stand fuer Friling oder Frei (vermutlich stammt von da die Bezeichung oder der "Titel" Freiherr ab.)
Dieser war wirklich frei und brauchte niemandem Abgaben oder Verpflichtungen zu leisten.

Die Grausamkeiten und Gemetzel, die "Schlacht"-Ordnungen und Plaene lasse ich mal aussen vor,
wo auf den Roemischen wie auf den Germanischen Seiten die immer wiederkehrende Scharaden bis Voelkermorde vorkamen.
Eine elitaere und gierige Hochmuetigkeit Roms traf auf Stammesstrukturen,
die kleinraeumig dachten und noch weit von der Verwaltungsstruktur und Schriftsprache entfernt waren.
Unglaublich viel spaeter besannen sich die Gebrueder Grimm,
die Worte unserer Sprache aufzuscheiben und begruendeten damit die Germanistik.
Abschliessend kann ich sagen, dass das Gebiet des heutigen Taunus eine kleinteilige Struktur der Bevoelkerung besessen haben muss,
duennere Besiedlung und staendig durchwandernde Staemme aus allen Richtungen -
ueber Jahrtausende hindurch immer wieder durchgemischt..
nicht einmal der Begriff "Germanen" als Oberbegriff ist wirklich haltbar,
am "Indogermanischen" habe ich meine Zweifel, dunkel wie der Ursprung der Menschheit -
je mehr Buecher ich ueber diese Zusammenhaenge lese,
um so groesser wird die Ungewissheit oder Unsicherheit in diesen Fragen
-auch nur andeutungsweise- einen Menschentypus als "Urbewohner" des Taunus ausfindig zu machen..

So belasse ich die Lektueren als Erweiterung und als "Background" fuer unsere feinen Wandertouren im Taunus und Westerwald,
mit einem leichten Schaudern, wird derer gedacht, die vor uns die Wege gingen..

Der Adel ist ein Thema, das sich dauerhaft durch die Menschheit zieht und wohl so entstanden ist:
Wer rhetorisch begabt war und eine gute Phantasie hatte,
die Natur beobachtete, sich ein wenig mit der Kraeuterkunde vertraut war, dem waren bald Tricks gelaeufig,
mit denen er seine Geschichten am Feuer eingaengiger werden lassen konnte:
Die Menschen waren immer schon den mystischen Dingen zugewandt, die der Ursprung jedes Kultes waren,
wo sich heute noch Stories von Sintfluten und Gesetzestafeln, Wundertaten und Heilungen, Verdammnis,
Tod und ewiges Leben wiedertreffen, wie in Sagen, Maerchen, alten Ortsnamen usw.
Wer geschickt war, konnte mit Hilfe von wilden Geschichten ueber Ueberirdische und Schreckenswesen "erklaeren",
warum mal das Glueck, mal das Pech ueber einen kam..
in den langen Jahren der Geschichte und in den vielen Staemmen und Gegenden kamen auf diese Weise
ganze Sammlungen von Ungeheuern und ganze Familien von Goettern vor,
die alle bestimmte Aufgaben oder Eigenschaften hatten.
Noch heute kommen Dinge "unter den Hammer" - Thor ist noch bei uns..

Die Kirche hat eine ganze Menge alter Kulte (Weihwasser, Weihrauch, Baeume, Klaenge) und deren Bezeichnungen
in abgewandelter Form, sogar Kultplaetze uebernommen und ueberbaut.

Ueberlieferungen wurden gerne muendlich gemacht, am Thing wurde Recht gesprochen -
wohl am Dienstag, der sich von "Ding" ableitete.
Teilweise verflochten war dieser Adelsursprung durch das Glueck und Tuechtigkeiten, dem Gelingen und dem Erfolg einer Sippe usw.
Wer also aus einer solchen Sippe kam, die sich mit diesen Vorzuegen auszeichnete, hatte eine Macht:
Jene Leute mit der grossen Phantasie und der grossen Ueberzeugungskraft verbrachten die Tage nicht mit Arbeit im klassischen Sinne,
(wie bei einigen Religionen "heilige Maenner" sich ausschiesslich dem Gebet widmen,
die sich dazu berufen fuehlen- also nicht nur Ordensleute) sondern sannen ueber immer neue Geschichten nach,
die nur noch glaubhaft mit vielfaeltiger Symbolik unterlegt werden musste.

Adel und Glauben und Macht waren ganz eng verflochten.

Die spaeteren Auskristallisierungen sind allgemein bekannt, der "Aberglauben" wurde bezwungen,
die Berufung von und auf hoehere Maechte ist den Klerikern wie dem Adel gleichermaßen heilig und wird noch immer toleriert,
manchmal auch hofiert und wie wir wissen wird "Glaube" schnell zum Zankapfel und Kriegsgrund,
wenn jeweils Andersglaeubige als "Heiden" oder "Unglaeubige" beschimpft werden,
die man mit allen Mitteln auszumerzen suchte.

Die Machtmenschen haben immer regiert und obsiegt und sich zur Durchsetzung ihrer Ziele aller denkbaren Mittel bedient,
ohne zu zoegern auch Intrigen, Mord und Kriege ohne Zahl angezettelt und durchgezogen.

Die Spuren der Kelten (Urnenfelder, maechtigste Kultur Europas) sind auch bei uns im Taunus an vielen Orten zu sehen,
auch in Orts- und Fluss- oder Bergnamen:
Aller, Brenz, Elbe, Enz, Iller, Isar, LAHN, Lippe, MAIN, Neckar, RHEIN, Ruhr und Weser.
Grosser und kleiner Belchen, Hornisrinde, Melibokus (Malchen)
Die Grenzen zwischen den Kelten und den im Osten und Norden beheimateten Germanenstaemmen lassen sich wohl mit Sicherheit nicht genau festlegen.

Zu viele Voelker wanderten in diesen Zeiten - die alle indogermanischen oder besser indoeuropaeischen Urspruegen zuzuordnen sind.
Man unterscheidet zwischen der Kentum- und der Satemgruppe (k und g Laute als Zischen ausgebildet) im Sprachlichen.
Die Sprachverwandtschaft der lat.griech.kelt.got. oder germ. gehoert zur Kentumgruppe:
(die Zahl Hundert ausgeschrieben) und altind. altiran. altslaw. u. litauisch auf der Satemseite.
Die dicken Ausnahmen sind: Basken, Finnen und Ungarn, die ganz offenbar anderen Ursprungs sind, als des indoeuropaeischen.
Diese kurzen Ausfuehrungen zeigen schon einmal, wie komplex die Verschiebungen sind,
die eine eindeutige Zuordnung bestimmter Staemme auf ein Gebiet zu bestimmen und wenn es nur fuer einen Zeitausschnitt waere..
Die "Germanen" sind ein eher dehnbarer Begriff, der auf viele kleine Staemme und Voelker zutraf.

Es sollen keineswegs zottelige und ungepflegte Leute gewesen sein,
wie so gerne dargestellt wird, sondern solche mit gepflegten und geschnittenen Haaren und Baerten,
geflochtenen Frauenhaaren, ausgepraegter Kleidung und monogamer Sitten.
Man kannte Ohrringe und diversen Schmuck, - der "chattische Schaum" war bekannt,
um damit die Haare feuerrot zu faerben- das war selbst in Rom beliebt,
wie der Bernstein, der alle Voelker damals verband als ein gutes Tauschobjekt, wie das Salz und Metalle und Erden fuer die Keramik,
die in Germanien noch lange nur mit der Hand geformt wurde- obwohl die Toepferscheibe sich laengst durchgesetzt hatte.
Brenntemperaturen von max 900Grad liesen nur grobe Toepferwaren zu,
die komplexen Oefen mit 1300 Grad fuer lasiertes Steinzeug waren zu teuer und erforderten Fachleute.
Die kleinen Sippen kamen mit den billigen selbstgeformten, groben Sachen besser zurecht.
Die Quarden siedelten "noerdlich des Mains", evtl. oestlich des Rheins? -
bis jene nach Boehmen umgesiedelt wurden, wo nach einigen Wirren die Spur bis nach Galicien fuehrt.
Auch dieser Stamm kommt in Betracht, wenn man nach den Ureinwohnern des Taunus forscht.

"Hessisch" -zumindest in den meisten Teilen des heutigen Bundeslandes-
ist einer der 16 groesseren Dialekte in Deutschland,
die nach der 2. "konsonantischen Lautverschiebung" 600-800 stattgefunden haben soll.
Die Namen der Dialekte lassen die alten Volksstaemme noch erahnen,
die ihre Spuren hinterlassen haben. Wissenschaftler haben die Hochsprache erfunden,
trotzdem hat sich der Dialekt erhalten und die Annahme, dass nur auf dem Land "Platt" gesprochen werden wird,
halte ich fuer einen Irrtum:

Wer in den Staedten war und nur ein klein wenig aufgepasst hat, weiss dass das nicht stimmt -
auch dort gibt es mundartliche Besonderheiten.
Durch weitere Zuwanderungen veraendern sich diese sprachlichen Besonderheiten freilich, aber viel langsamer,
als man annehmen sollte.
Die Erkenntnisse, dass die fruehen Bewohner des Landes in einem sehr duenn besiedelten Raum lebten
und nur rudimentaer stationaeren Ackerbau betrieben,
die Haeuser oder Gehoefte weiter von einander entfernt lagen,
Staedte eigentlich nicht bekannt waren, bestenfalls befestigte Hausgruppen oder Kleinsiedlungen -
ist eine gemeinsame Sprachausbildung eher den Verwandtschaftsgraden zuzuschreiben, als einer urbanen Naehe.

Das muss zu Tacitus-Zeiten noch der Fall gewesen sein.
Seine Bemerkung, dass die Germanen wohl nicht bauen koennen, laesst ausser acht,
dass das Gebiet nicht so dicht besiedelt war, wie im Sueden, im Roemischen Reich, wo man dicht an dicht,
Haus an Haus wohnte und Strassen bilden konnte.
Unsere Vorfahren hatten offenbar keinen Grund zu dicht zusammen zu wohnen - sie haben zudem Staedte nicht geschaetzt.

(Der Auftakt dazu kam erst sehr viel spaeter durch das Christentum)
Diese lockere Bebauung und der Trend, sich dort niederzulassen, wo der Acker besser,
weniger ausgelaugt oder etwas gerodet werden konnte, laesst ein wenig an die indianische Lebensweise denken,
die Tacitus bezueglich der Kampftechnik derer beschreibt, die er "Germanen" nannte.
(Diese haben sich aber selbst nicht so genannt, sondern nur ihre Stammes- oder Volksgruppe betitelt- z.B. Chatten oder Sueben)
Die Haeuser standen -im Gegensatz zu jenen im Norden, wo das Langhaus dominierte-
in Gebaeudegruppen, wo Stallungen, Scheunen, Backhaus etc. einzeln und etwas abseits standen.
Das Wohnhaus war deutlich kleiner als im Norden.
Zusaetzlich muss noch eine Art ueberbauter Erdkeller als weitere Wohnmoeglichkeit bestanden haben.

Die kargen Aecker wurden sicher regelmaessig vom Wild verwuestet, weil rundherum viel Wald war- ein hartes Leben.
Die Zeiten waren von verschiedenen Volksnamen durchsetzt, bei denen nur ungefaehr bekannt war, in welchem Gebiet sie siedelten:
Tencterer/Tenkterer sind wohl rechtsrheinisch, oberhalb des Mains bis Oberhessen,
diese waren "eng mit den Usipeten verbunden".
Von Ubiern und Tungern wird auch berichtet, dass die rechtsrheinisch waren. So viele Namen, so lange Zeiten,
so viele Wanderungen, Kriege und Vertreibungen!

Das lateinische "teile und herrsche" (divide et impera") war nicht "christlich" gemeint, sondern bezeichnete die Heimtuecke,
Feinde gegeneinander zu halten um selbst leichtes Spiel zu haben..
(Wie heute in den Betrieben mit dem Personal umgegangen wird)

Die angeblich trunksuechtigen Nordmaenner haben ein weinaehnlich hergestelltes, schaeumendes Getraenk aus Gerste und Weizen getrunken,
das sie -in Ermangelung an geeigneten Flaschen und deren Verschluesse- nicht lagern konnten.
Also wurde es gleich ausgetrunken, damit es nicht verdirbt.
Das konnte wohl schon mal dazu fuehren, dass sich jemand "verschaetzte".

Bei den antiken Hochkulturen war ein anderer Genuss Sitte:
Wer es sich leisten konnte, trank den ganzen Tag ueber Wein, je schwerer um so besser.

Vom Meth jedoch, der auch Kultgetraenk und Opfergabe war,
ist bekannt, dass bereits die alten Aegypter ein sehr aehnliches Getraenk gehabt haben mussten - lange vor den Wikingern.

Die "Germanen" bezeichneten sich selbst nicht so, wie oben erwaehnt,
sie wurden raffiniert uneinig gehalten, sonst haetten die Roemer keine Chancen gehabt, einzufallen.
Uneinigkeit ist immer der Grabstein einer Kultur und auch die eines jeden Landes oder auch von Europa..

Dieser Exkurs handelt von der Zeit lange vor den "Blutlinien" - des spaeteren Adels,
der sich aus den oben genannten Schamanen und den daraus entstandenen heiligen Maennern und den daraus entstandenen Religionen
zu einer Macht-Glauben Dualitaet verband, aus dem spaeter die Missionare und ihre "Exekutive",
Ritter/Kreuzritter, Voegte und ganze Bistuemer entsprungen sind.
Noch heute ist diese Dualitaet in allen Laendern der Welt zu sehen,
wo sich Religion und Staat eng verschwistert zur Machtausuebung verbuenden:
Was Gesetze nicht schaffen, macht die Dauerhirnwaesche des Glaubens, der die ungebildete Masse lenkt.
Wer sich entsprechend bildet, dem muesste eine Religionszugehoerigkeit eigentlich unmoeglich sein,
es sei denn, er lenkt mit oder versteckt seine wahren Interessen dahinter, tarnt sich damit:
Sekten und Elite-Unis / "Bruderschaften" sind solche Kontrukte, die eigentlich nachdenklich machen sollten.
Die Machtinstrumente sind das "Seelenheil" auf der einen, Macht und Geld auf der anderen Seite,
mit Hilfe von Seilschaften erklimmen die Gewogenen alle wichtigen Posten, ob weltliche oder klerikale,
die den Adel in seiner Bedeutung spaeter wieder abgeloest haben, der heute nur noch die Nebenrolle als Komparse spielt.
Der Zulauf bei sogenannten Mittelaltermaerkten und "Ritterspielen" zeigt die Sehnsucht der Besucher nach der "guten alten Zeit" -
die aber eher nicht gut so gut war, zumindest nicht fuer die Massen,
die zu hunderttausenden in den "Schlachten" geopfert wurden.
Gegeneinander gehetzt, von Adel und Kirche absichtlich dumm gehalten.

Wie auch immer - das Schild und die Streitaxt war die typische Ausstattung der germanischen Krieger,
Pferde und Schwerter hatten nur wenige.
Die Schilde wurden bemalt,
damit der Gegner wusste, mit wem er es zu tun hatte.
Daher kommt das Schild-Wappen.
"Auf das Schild heben" nannte man die Ernennung eines Anfuehrers.
Burgen kamen erst nach dem Einzug der Feudalherrschaft und Befestigungen, die einen Ort oder Flecken zur Stadt erheben konnten.
Die "hemmungslos wilden Saufgenossen, die blindlinks drauflos schlugen" sind z.T. der Polemik
der damaligen Berichterstatter zuzuschreiben
und der zahlenmaessigen Unterlegenheit der Staemme,
die gegen die einfallenden Roemer und die im Osten vertriebenen Menschenmassen kaempfen mussten,
die vor den Hunnen hergetrieben wurden.
Und das mit primitiveren Mitteln- die meisten "Germanen" waren Sammler und Ackerbauern, keine Krieger,
sie kaempften eher aus schier verzweifeltem Zusammenhalt der Sippen,
die von Staatswesen oder gar ausgefeilter Verwaltung nichts wussten.
So wild wie die Wikinger auf ihren Raubzuegen und Pluenderungen waren sie nie gewesen-
"Nordmaenner" sind eindeutig ein anderer Menschenschlag gewesen als die, die man als "Germanen" pauschalisierte -
aufgesplittet in ein erstaunliche Zahl an Kleinvoelkern und vereinzelt lebenden Sippen ohne ausgekluegeltes Informationssystem,
hatten sie einen sehr schweren Stand gegen Occupation und Raenke.
Vermutlich - so meine Schlussfolgerung, waren sie den Kelten sehr viel naeher verwandt,
als den Menschen aus dem Norden, inklusive den Ost- und Westgoten.

Von allen ist jedoch ein wenig haengen geblieben,
sind einige sesshaft geworden und schlossen sich zusammen, zu einem neuen Mischvolk.
Nirgendwo auf der Welt ist der Schmelztiegel bunter, als bei uns, mitten in Europa, mitten in Deutschland, im Taunus.

Heute geht es weiter, weil nicht nur Waren aus aller Herren Laender kommen, sondern auch Menschen und ihre Gebets-Haeuser.
Wie schwer sich viele mit dem Einfuegen tun, koennen wir heute im praktischen taeglichen Erleben erkennen -
was freilich nur die Leute wissen,
die konkrekt und direkt damit in Kontakt kommen,
und nicht nur im Elfenbeinturm mit ebenso Gebildeten aus fernen Laendern sitzen.
Der Grund dafuer ist ganz einfach:
Ubi Patria, ubi bene- wo es mir gut geht, ist meine Heimat.
Das wird leider von politischen Ideologen gerne torpetiert, die alles Alte zertreten wollen
und die Neubuerger zum Beibehalten ihrer Lebensweise ermutigen -
welche in den meisten Faellen den Grund zur Auswanderung brachte, wenn man das ehrlich und nuechtern betrachtet.
Ein gettomaessiges Nebeneinander ist nicht erstrebenswert, sondern die Gemeinsamkeit - es sei denn,
das altroemische "teile und herrsche" soll die "Massen" fuer die Politik gefuegiger werden lassen.. alles schon mal da gewesen! )

In manchen Orten werden wieder Winterwend-Feiern gemacht, z.B. auf dem Knuell bei Neuenstein.
Sogenannte "Heidnische Braeuche" sind im Ausdruck eine Erfindung der jetzigen Religion,
die fast alle rituellen Dinge und viele Symbole uebernommen und sogar Kultplaetze ueberbaut hat.
Von den Roemern blieben die unglaublich vielfaeltigen Gesetze und Verwaltungsstrukturen,
die eigentlich nur weiter ausgebaut worden sind -
die "konstitutionelle Demokratie" gab es schon in Rom und das in einem sehr ausgekluegelten System,
viel effektiver als in Griechenland, wo die Demokratie erfunden wurde.
Im den fuenf Zensus-Staenden im Tribus und Zensus in Centurien.
Die Ausgesuchten sprachen fuer die Mehrheit.
Die Wohlhabenden konnten sich von der Wehrpflicht freikaufen und hatten im Parlament die eigentlichen Buergerrechte -
jene zahlten den Sold (weniger als ein Tageloehner bekommen hat) an die Soldaten,
die zuweilen auch Anteile aus der Kriegsbeute erhielten,
genau wie die erstgenannten, die dadurch ihren Obolus wieder zurueck bekamen.

Was heute die Parteien sind, waren damals die Zensusgruppen,
die ihre Mitglieder nach der Herkunft, "Rasse", oder Familie, Alter, koerperliche und geistige Faehigkeiten,
Besitz und Vermoegen, evtl. auch die Nachkommenschaft wurden peinlich genau im Zensus festgehalten.
Danach war der Mensch in diese Werteordnung eingeteilt und so war auch die Mitbestimmung.
Von geheimen Wahlen mittels Abstimm-Taefelchen und zur "Waehlerrente"
von 1000 Sesterzen unter Augustus fuer die ersten beiden Tribus- war alles drin:
Korruption der Mandatstraeger und Stimmenkauf, Detaillierungskuenstler in Politik und Religion,
Juristerei und Verwaltung taten ein Uebriges, dass irgendwann der Ruf nach dem "starken Mann" laut wurde und das Kaiserreich kam.

(Das ist nicht den einfachen Leuten zu verschulden, denen man schon immer die Bildung absprach, politisch mitreden zu koennen:
Der Begriff "Bildung des Lebens" war damals noch nicht erfunden, aber z.T. in die Auswahl der aelteren Kandidaten eingeflochten-
wovon man heute weggekommen ist, zu Gunsten vollkommen resort- oder fachfremder Akademiker,
die nur aus Parteignaden nach oben rutschten und somit eher reine Repraesentanten sind,
die sich wie jeder andere Laie nur "einlesen" koennen.)
Schon damals waren hohe Teile der Bevoelkerung alimentiert- prozentual nicht weniger als heute!
(Nach der Rationalisierung des 20.Jahrhunderts wurde die Neuverteilung von Arbeit und die Neureglung der Gewichtungen
untereinander "vergessen", was im alten Rom fuer die Arbeitslosigkeit verantwortlich war, kann ich nicht mal erraten.)
Was frueher in Rom die Familien oder Kasten oder Zensus (mit ihren Flamen und Senatoren, ihrem schraegen Mix aus Priestern und Reichen) waren,
sind heute die Parteien, die "Koalitionen", "Schwesterparteien" und Absprachen bilden, um das Wahlergebnis zur ihren Gunsten zu veraendern.

Aus der roemischen Buerokratur wurde eine europaeische Juriskratur,
aus den "Feldzuegen" und "Schlachten" wurden anonym zu verantwortende pseudogemeinschaftliche "Einsaetze" mit verborgenen Hintergruenden,
die vermutlich in der Teilhabe an Resourcen und Bodenschaetzen zu suchen sind.
Das zeigt sich an der Wahlbeteiligung, obwohl heute jeder erwachsene Staatsbuerger das freie und geheime Wahlrecht hat.

Weitere Ausfuehrung und naeheres Beleuchten der inneren Strukturen des Roemischen Reiches (und Vergleiche) erspare ich uns,
weil nicht nur Roemer, sondern viel mehr Goten und Kelten,
andere Volksgruppen s.o. schon noch sehr viel laenger-
in dem Gebiet unseres jetzigen Landes, insbesondere im Taunus- lebten,
die sich von Wikingern oder Nordmaennern, sowohl auch von Roemern auf der anderen Seite deutlich unterschieden haben.
Die einseitig patriarchen und menschenverachtenden Praktiken der Roemer muss man aus Buechern erfahren,
Filme verherrlichen die Ungleichheit und Unfreiheit:
"Buerger" waren das, was wir heute als Investoren oder reiche Lebemaenner bezeichnen wuerde,
nicht mal deren Frauen konnten sich als "Buerger" bezeichnen.
Die Gleichberechtigung der Geschlechter und das Miteinander war bei den "Barbaren" deutlich hoeher angesiedelt,
als bei den Griechen oder Roemern, obwohl jene den Fortschritt und Entwicklung und Jurisprudenz erfunden haben -
Dinge, die man zu einem modernen und vor allen Dingen humanen Miteinander nur sekundaer benoetigt.
Die heutigen Kapitalismus-Auswuechse basieren auf einer roemischen Erfindung der totalen Ausbeutung, zu Gunsten von Kapitalgebern.

Das andere Extrem, der Kommunismus, war wohl nur ein kurzer zeitgeschichtlicher Irrtum,
da die Menschen von sich auch nicht "gleichgeschaltet" leben wollten
und lieber der persoenlichen Gier nachgegangen sind -
oder eher der Freiheitsliebe, lies dieses Gebaeude des 20. Jahrhunderts,
wie zuvor die verschiedenen klerikalen und weltlichen und patriarchen
Despoten- und Unrechtssysteme- einstuerzen und im Staub der Geschichte versinken.

Damalige roemische Sklaven kann man direkt mit Arbeitern uebersetzen, die ebenfalls nicht denken sollen,
dabei aber einen Freizeitanteil haben, der den Erstgenannten strikt verweigert wurde -
vom perfekten "Roboter" Sklave zu einem solchen aus Blech und Elektronik war der Schritt nur jener der Zeit,
die Ideologie ist die gleiche.

Die unglaubliche Ueberheblichkeit, die aus den Texten antiker Autoren klingen,
zeigen den gleichen Hochmut der "Upperclass" ebenso wie heute.
Es sind eben nur deren Schriften ueberliefert, die Klassen, Berufsstaende und Menschen,
die attackiert und diffamiert haben.
Die Patienten oder Leidenden sind still, in der Versenkung der Geschichte verschwunden.
Der Gewinn der Kaufleute und Kleinhaendler wurde als anruechig,
die viel hoeheren Salere der "Prinzenerzieher", "Dichter",
"Philosophen" und "Poeten" als immer noch zu niedrig angesehen.

Nicht nur, dass der Unterschied zwischen arm und reich so extrem war,
die Armen wurden auch noch verachtet, mit Spott bedacht und mit Argwohn beaeugt,
die Kinder starben wie die Fliegen oder wurden auf Abraumhaufen ausgesetzt, Tiere frassen die Leichen,
Mausoleen wurden zu Latrinen und Bordellen, unfassbar war die Wohnungsnot
und der staendige Zuzug neuer Billigarbeitskraefte, die einheimische Landarbeiter vom Feld verdraengt hatten-
zusammen mit ehemaligen Soldaten versuchten Freie, Freigelassene und Sklaven zwischen Butikern
(kleine selbstaendige Budenbetreiber) ihr Auskommen und Leben zu finden- entgegen aller Maer,
war damals kein Haus an die grossen Entwaesserungssysteme unter der Stadt angeschlossen..
jenseits des Tiber, im Gettoviertel waren die Juden und andere, die in der Stadt selbst keine Chance hatten-
wo die Senatoren versuchten die Fassaden und Prachtgebaeude moeglichst vom latenten Massenelend frei zu halten.

Wenn nun gewaltig grosse und starke, brutale Leute in die Garde gerufen wurden,
sind die einheimischen jungen Soldaten lieber zu den ueberall zu findenden Raeuberbanden uebergelaufen,
die sich aus ehemaligen Legionaeren,
die ihr Auskommen verjubelt hatten und auch Moerdern, Dieben und Pluenderern zusammensetzten.
Dort gab es so etwas wie "Gleichheit" es wurde wohl immer geteilt und zusammengehalten-
was nicht wenige verlockte, die in Rom selbst Ungerechtigkeit erfuhren.

Offizielle haben heimlich mit den Raeuberbanden kooperiert, Fischer verrieten das Auslaufen der Schiffe,
andere haben Schutzgeld erpresst, mit Menschenfleisch und Sklaven gehandelt.
Die Wege und Strassen sollen so unsicher gewesen sein, dass viele
-auch Ritter und Adelige "verschwanden" und nie wieder aufgetaucht sind.
Frech mit Licht und Prunk und lautem Gesang klangen in den Buchten der Meere
der Seeraeuber Gesang, richtige Horden mit paramilitaerischer Ausruestung
wurden von den einst offiziellen soldatischen Killern gefuehrt,
eine echte Schattengesellschaft in manigfaltigster Art,
die dem sogenannten "organisierten Verbrechen" und ihren Seilschaften nicht unaehnlich gewesen sein muss,
wenn es um Erpressung und Menschenraub ging.

Mit dem vielen gestohlenen Gold und Geld wurden auch hohe Beamte bestochen,
wenn diese nicht schon vorher heimlich ein wenig Mithilfe geleistet haben.

Ein lange gesuchter prominenter Raeuber, der in Spanien sein Unwesen trieb,
auf den eine Riesensumme an Belohnung ausgesetzt war,
hat nachher durch geschicktes Verhandeln mit dem Kaiser
einen Senatorenposten erhalten und noch viel Geld dazu- warum?
Nun, vermutlich, weil sehr viel der Beute an Rom und seine Kriegskasse kam.

Die Staatsgewalt war -unmittelbar hinter Roms Stadtmauern- sehr schwach, wie man liest,
jede Reise wurde zum Gluecksspiel mit ungewissem Ausgang.

Die Lektuere dieses ungewoehnlichen Buches zeigt wieder einmal mehr,
dass schon zu allen Zeiten geheuchelt und gemeuchelt wurde und es gipfelte in der Aussage,
dass das Imperium zwar keine Unterschiede zwischen den "R assen", Herkunft,
"Geschlechtern" und Religionen machte, aber:
Eine entsakralisierte und imperiale Gesellschaft brauchte keine "Legitimation" um sich zu nehmen,
was gerade beliebte-
grausamste Voelkermorde sind waren sozusagen "Kollateralschaeden" und sind staendig und immer wieder vorgekommen,
ohne dass jemand dagegen protestierte oder auch nur ein "schlechtes Gewissen" hatte.

Das muss intolerant, autoritaer, patriarch und exklusiv gewirkt haben,
zusammen mit einem quasi von den Goettern gegebenen Anspruch,
der seinen Nachfolger im Katholizismus fand, welcher spaeter "die Atmosphaere vergiftete",
wie zu lesen ist.

Dererlei Beispiele gibt es viele, die abgehobene Literatensprache ist noch heute so,
dass sie mir total unverstaendlich ist und bleibt-
selbst in der Uebersetzung nicht nachzuempfinden.
Vulgaerlatein, Umgangslatein und das der "Dichter und Denker" (Lebemaenner, meistens ledig, den Geldgebern huendisch ergeben) -
sind ein paar sehr unterschiedliche Schuhe.
Die Sprache der Masse der Menschen, die des "einfachen" Volkes, die schon immer jene durchgefuettert haben,
die sich die Finger nicht dreckig machten, ist die wichtigste Sprache, nicht die Geringste!

Ueberhaupt halte ich die "gelebte" Sprache - mit all ihren Lautveraenderungen - als den eigentlichen Lehrmeister.

Grammatik ist nur ein kuenstliches Geruest zur Reproduzierbarkeit und Rahmen, nicht Selbstzweck oder gar Messlatte.

Nochmal:
Nicht die Literaten sind sprachbildend, sie meinen das nur-
die Masse der Menschen, die Leute auf der Strasse sind "Sprache".
Alles andere ist hobbyistisches Geschwafel oder "Kunst".

Fuer mich ist das Latein der Vulgata, uebersetzt von Hieronymus,
die Koenigin der Latinitaet und so kann sie sich erlauben, verstaendlich zu sein !

(Cicero, als wichtigster Vertreter der "klassischen Latinitaet" ist zwar verstaendlich,
arbeitet aber mit viel zu vielen verschachtelten Nebensaetzen,
so dass dies schon dem Gebot der Hoeflichkeit widerspricht, klipp und klar,
kurz und buendig zu formulieren, was auch dem Gebildeten moeglich sein muesste.
Zwischen ihm und Tacitus haette es bestimmt noch einen gangbaren Mittelweg gegeben- oder?)

Je mehr jemand weiss, je mehr Lebenserfahrung in ihm steckt, um so weniger -in der Bedeutung unsichere oder weniger bekannte-
Fremdworte wird er in der Rede einbringen.
Je mehr jemand die Bildung des Lebens aufsog, um so mehr wird der Mundart und der Sprache der Menschen angedacht.
Missverstaendnisse sollten mit den Mitteln unserer Sprache vermeidbar sein - ganz besonders in lateinischen Texten!
Wie das geht, haetten Philologen bei Hieronymus lernen koennen.

Dem Ausdruck einiger gehobener Personen, die nicht nur heute, sondern schon zu allen Zeiten ihre Mitmenschen "ungebildet" schimpfen,
nur weil sie die verdrehten Worte der Prosa und deren "Versmaße" nicht "nicht mal hoeren, geschweige denn verstehen",
kann man das boese Wort der Verbildung entgegenhalten, das ich von Verkrueppelung ableite:

Wenn ein Ast nicht gerade ist, sondern verwachsen - ist er verkrueppelt.

Desgleichen geschieht an unseren armen Vokabeln, wenn sie in die Haende von Literaten gelangen,
die beugen und biegen wie es gerade in den Reim passt,
die meinen, dadurch, dass sie niemand mehr versteht, die einzig wahre Bildung erlang zu haben.

Ich denke hierbei gerne an "des Kaisers neue Kleider" von Andersons Maerchen.
Da nuetzt es auch nichts, wenn Grammatiker versuchen diesen Verdrehungen einen Namen zu geben und ueber die Jahrtausende weitergeben -
zum Gaudium weniger Abgedrehter, denen Worte nicht genug sind:
So zementiert man sprachliche Aristokratie in Regeln und Versen, die einer lebendigen Sprache abhold sind.
Die alten Schriften sind leider nur von diesen Leuten erhalten- die meisten Menschen werden damals -wie schon erwaehnt-
weder lesen noch schreiben gekonnt und bestenfalls Theaterstuecken beigewohnt haben, als jemals in die Versuchung zu kommen,
in stundenlanger Kleinarbeit den Sinn von Konstrukten,
die "feinsinnig" und "geschliffen" in zuweilen selbsterdachten oder hausgemachten Vorschriften
gestricktem Gequirle zu erraten oder zu erforschen.

Was blieb ausser einer toten Sprache der Gelehrsamkeit noch?
Nun, die Jurisprudenz, die heute noch nach dem 12 Tafel Gesetz Roms gestrickt ist -
eine der Pfeiler unserer modernen Zivilisation!

Diese "urbanen" Probleme hatten die "Germanen" mit Sicherheit nicht, mit denen in den "Hochkulturen" gekaempft wurde,
dafuer waren die Ansiedlungen viel zu klein, ohne Schulen- das Leben und die Arbeit lehrte.

Wie auch immer, schnell zurueck in den Taunus:
Die echten Ureinwohner des heutigen Taunusgebietes waren den Kelten wohl naeher als den Occupatoren und der Kultur
der damaligen Hochkulturen aus dem Sueden,
teils sind sie spaeter sogar in den Keltenstaemmen aufgegangen - oder umgekehrt?
Fuer alle gilt gleichermassen:
Aus den ersten Schamanen und deren Helfern bildeten sich Hexer, Magier,
Erzaehler, Heiler, Priester und Adel und dann jene neuen Machtmenschen mit ihren Anhaengern,
die staendig Kontrolle ueber die Menschen haben wollen.
Mit Hilfe der Juristerei, die immer engmaschiger wurde und der religioesen Dinge wurde und wird noch immer manipuliert,
geknebelt und gedungen und aufgestachelt, sonst waeren Kriege nie moeglich gewesen. -

Heute bedient man sich zusaetzlichen elektronischen Verfeinerungen um diese Kontrolle so eng wie moeglich zu haben.
Heute sind Entfernungen kein Thema mehr,
was die eine weitere Vermischung in Gang und den Gen-Pool gesuender haelt.

Die Geschichte ist ein unendliches Ding, das auch noch von vielen Seiten beleutet wurde und werden kann-
so kommt noch einiges zusammen, was ich fuer erwaehnenswert halte, was man nicht ueberall hoert-
im Geschichtsunterricht schon mal gar nicht !

Sind wir den Kelten naeher als den Germanen?
Na, ich weiss nicht - zumal die Urbevoelkerung schon Jahrtausende vorher bestanden haben muss..
vermutlich gab es damals schon Volksgruppen, die weder dies noch das waren,
weder "Germanen" noch Kelten, noch Hunnen noch Goten.
Die Menschen der Altsteinzeit erlebten den neuen Menschen, der schon den heutigen aehnlich sah-
beide waren aber zeitweise nomadisierend, weil die Natur das erzwang.
In dem nie von der Eiszeit tangierten Streifen Mitteleuropas, zwischen dem Nordeis und dem Alpen-Eis
kamen die Indogermanen gezogen, die sich zur Erfolgsstory machten, die schon existenten Voelker auf ihrer Wanderung untertan zu machen
oder sich mit ihnen zu vermischen um dann -um so wissender- weiterzuziehen,
wenn die wachsende Bevoelkerung einen neuerlichen Aufbruch noetig oder ratsam werden lies.
(Indogermanen= Zwischen Indien und Germanien, eine hohe Kultur, eine hochstehende Sprachlichkeit
mit vielen Verbalformen und grammatikalischen Feinheiten, haupts. Viehhaltung, siehe Wiki)
Diese Indogermanen waren also nicht genau definiert als Volksstamm,
weil sich daraus die aeltesten europ. Sprachen heraus bildeten,
je nachdem, wo jene durchzogen, so entstand wohl eine neue Grundsprache..

Nun haben wir bereits den Urmenschen der Altsteinzeit,
den spaeteren in der mittleren Steinzeit und den Indogermanen in der endenden Jungsteinzeit.
Die Viehhaltung kam so zu den einfachen Jaegern und Sammlern,
die Rodungen erweiterten den Siedlungsraum..
nun ist klar, dass schon lange, lange vor der Zeit der klassischen Sprachen unser Taunusgebiet besiedelt war,
schon lange vor der Zeit aller spaeteren alten Hochkulturen bereits Menschen wohnten und arbeiteten
und durch den Zuzug neuer Menschen nicht duemmer, sondern gesamt klueger wurden..
deutlich unterschieden sie sich durch die hohe Achtung vor ihren Frauen:
Die patriarchen Systeme des Suedens und den Orients, die spaeter kamen, waren da leider anders,
was ich den spaeteren Nahost- Religionen zuschreibe, die noch immer Probleme mit der Gleichberechtigung haben.

Das Meer hat die Landverbindung zum Kontinent gekappt oder durchbrochen, den Wall vor der Kueste
zu Nordfriesischen Inseln, England zur Insel werden lassen, was eine deutliche Klimaveraenderung brachte,
viel mehr Regen und - Besiedlungsraum, was den Besiedlungsdruck aus der Region genommen hat.

Wie auch immer- die Kelten muessen in spaeterer Folge der Indogermanen nachgekommen sein,
aus umgekehrter Richtung und vermutlich von zweiteren abstammen-
gewissermassen nach einem Reifeprozess, der sehr viel spaeter die Christianisierung Europas tat.
Ganz sicher, dass die Ur-Indogermanen das erste Volk ueberhaupt waren, ist sich die Wissenschaft wohl nicht,
eher darf diese Annahme als "gaenzlich unbewiesen" angesehen werden.
Wenn also diese Indogermanen sich mit den Voelkern so gerne vermischt hatten,
muessen folglich schon laengst heimische Voelker existent gewesen sein.

(Vielleicht hat die Menschheit 3 oder 4 Urspruenge?
Unsere Freunde mit der Schaufel und der Radiokarbonmethode werden sicher nicht rasten noch ruhen...
die Erde ist noch voller Schaetze!)

Die Aufzaehlungen der Ausbreitungen und die Gruende hierzu, die jene vielen Voelker bewog
nach Sueden oder Westen zu wandern, waere ewig lang.
Uneinigkeiten, mangelndes Geschick in der Kriegsfuehrung oder die nackte Gier fuehrten oft zum Untergang eines ganzen Volkes.

Manche blieben jahrhunderte in der Fremde und kehrten wieder zurueck,
manche gingen unter, andere gingen auf.

Die Chatten als die "ersten Hessen" anzusehen, waere als sehr oberflaechlich gesehen-
zumal jene an der Fulda ihren Hauptsitz hatten-
mit Sicherheit waren noch einige Voelker oder besser Staemme zwischen Lahn und Main,
deren Namen noch nie Erwaehnung oder Entdeckung gefunden hat:
Lassen wir sie in Frieden ruhn und hoeren, was sie uns aus den Maerchen und Ueberlieferungen berichten,
lauschen wir den eigenen Erbanlagen, auf die wir aufbauen.

Oder so:
"Kaiser Domitian -81-96 n.Ch. - setzte das Werk seines Vaters fort und galt als eigentlicher Schoepfer des Limes.
Er begann den Krieg gegen die Chatten
(die wohl die vorher bestandenen Volksgruppen bereits uebersiedelt hatten
und nun den ganzen Taunus beherrscht und von dort immer wieder Ausfaelle in die Wetterau gemacht hatten)
und so besetzte die roemische Armee
das ganze Gebiet der Wetterau und des Taunus.."
Die Uneinigkeit der Germanischen Staemme war auf alle Faelle deren Untergang, da sind sich alle Autoren wohl einig,
nicht die Organisationsform, nicht fehlender Mut, nicht die geringere Waffentechnik waren dafuer verantwortlich.
Sie wurden von den Roemern gegeneinander ausgespielt und verdungen,
gegeneinander aufgestachelt, um dann mit den Segnungen der Verwaltung,
roem. Zivilisation bis zur Gartenbaukunst befriedet zu werden.)
Die Germanen waren zwar zuweilen kriegerisch wie die anderen Voelker,
aber in der Hauptsache Jaeger, Sammler und vor allen Dingen kleine Bauern.

Von "Disziplin" und "Heeresordnung" oder "Verwaltung" oder "preussischer Tugend" ein ganzes Stueck entfernt.
Der "Kadavergehorsam" und "Obrigkeitsglaeubigkeit" waren denen,
glaubt man den Ueberlieferungen, nicht nur fremd, sondern eher zuwider.

Einzig zaehlte die Familie, die Sippe, noch nicht der "Staat" - mit der alles stand oder fiel- die Ehre,
die daraus erwuchs, war ihnen heilig, wie alle muendlichen Ueberlieferungen:
(Schulen waren unbekannt,
man lernte "on the fly", direkt bei der Arbeit dessen, der dies oder jenes am besten konnte)

Ich denke, man kann durchaus von einer gewissen Sturheit und Grobklotzigkeit sprechen,
die aber innerhalb des engen Kreises warmherzig und eng war-
sie arbeiteten nur so viel, wie noetig und nicht auf Vorrat- alles Tugenden,
die in militaerischen Kreisen eher nicht gefragt sind..

Die Gastfreundschaft war ein heiliges Recht, das jeder Reisende in Anspruch nehmen durfte,
solange es nicht zu lang war oder die Vorraete zu neige gingen-
dann wurde der Gast zum naechsten Haus gefuehrt, wo er ebenso herzlich aufgenommen und bewirtet wurde.
Die Haeuse waren vor der dauerhaften Sesshaftigkeit einfachst, aus mit Lehm ausgeschmiertem Geflecht
(flechten, winden = Waende)
und strohgedecktem Dach, eine Feuerstelle in der Mitte mit einfachem Abzug.
Spaeter war das Vieh nicht mehr im gleichen Gebaeude, sondern in einem separaten, wie die Vorraete,
die in einem weiteren Gebaeude- oder Keller untergebracht waren.
(Wohl aus Gruenden des Brandschutzes)
Die germanischen Schinken
(haupts. aus dem heutigen Westfalen)
waren in Rom sehr begehrt,-
ein reger Tauschhandel durch die Pforten des Limes war normal.
Toepferwaren waren damals noch alle handgeformt und verziert,
fast aller Hausrat wurde von der Sippe selbst hergestellt.
Aber- wie geschrieben- gab es schon lange, lange Zeit vor den Roemern, Chatten,
Kelten und wie sie alle hiessen- Besiedlung im Taunus..
Jahrtausende an Geschichte stecken in der Erde, die noch immer auf Entdeckung warten und "reden" wollen -
der Bogen zur "altsteinzeitlichen Besiedlung des Wetzlarer Raums",
wie eingangs erwaehnt, schliesst sich bereits ein wenig.

Der Adel war noch nicht erfunden,
der seine damals unbestreitbaren Habenseiten der Ruhmesgruender spaeter in der-
zumeist unverdienten- Erbfolge weiter gab und dabei schlicht dekadent wurde,
ebenfalls in viel spaeteren Jahren gab es das Gerangel
mit der Kirche und den Koenigen um die Macht im Volk.

Ruecksichtslose Pluenderer, Selbstgefaellige und Despoten,
es waren keine fuersorglichen Haeuptlinge mehr, wie in alten Zeiten!

Wanderbewegungen kamen meistens aus der Not heraus, weil immer mehr Menschen ernaehrt werden mussten.
Ueberhaupt scheinen groessere - zu Anfangs total untypisch fuer Germanen -
Voelkergruppen durch Zusammenklumpungen mit Nachbarn
oder Zugewanderten oder haengengebliebenen Durchgewanderten entstanden zu sein,
aus denen dann z.B. die Teutonen oder Kimbern enstanden sind.

Wie gross dabei die Spannungen waren, lehrt die Geschichte Spaniens oder Frankreichs sehr gut.
Ueberhaupt ist die Geschichte des Abendlandes hauptsaechlich ein Kampf zwischen germanischen Voelkern
in erstaunlicher Vielfalt, den Kelten, Roemern und den Hunnen gewesen -
alles sehr grosse Voelker, die sich bis aufs Messer bekaempften.

Letzlich bin ich immer mehr zu der Ansicht gelangt, dass Schloesser,
Burgen und der gesamte Adel -und in Teilen auch die Glaubensleute,
wenn Personalunionen waren- schlicht geraubt, gepluendert, versklavt und gezwungen haben-
ob deren Hinterlassenschaften "erhaltenswert" sind oder eher als Kitsch
oder Zeugen grausamer Vergangenheit sind, ob das "Kulturgut" oder nur touristische Magnete sind-
bleibt jedem selbst ueberlassen!

Erwaehnenswert waere noch dies:
Nach der zweiten Lautverschiebung nach dem 6. Jahrhundert wurde aus th das d, so auch das Wort "Deutsch"
Es soll von der urgermanischen Wurzel "theudo" (Volk) abgeleitet sein,
im Altsaechsischen "thiudisk" zu Althochdeutsch "diudisk"
und bedeutet urspruenglich "volkstuemlich".
Damals sprach alles in verschiedenen Dialekten, die offiziellen Stellen kommunizierten in Latein.

Ein Kaplan berichtete dem Papst:
" tam latine quam theodisce, quo omnes intellegere possent".
Das Althochdeutsche war noch keine einheitliche Sprachform,- die sollte spaeter kommen.

Von den Kelten stammen viele Erfindungen und auch Sprachgewohnheiten, die heute noch in den Wortwurzeln stecken.
Aus kultischem oder religioesem Wahn wurden damals zur Keltenzeit und vermutlich nicht nur da und hier,
sondern auch bei anderen Voelkern, "Menschenopfer" gebracht- meistens Leute,
die irgendwelche Verbrechen begangen haben, manchmal aber auch andere..
Der "Schaedelkult" war eine Art Trophaeensammlung, wie heute bei den Jaegern die Geweihe ueber dem Kamin-
die besonderen Gaesten gezeigt wurde.
Deshalb wurden die Koepfe von ehem. Feinden sorgsam mit Oel gesalbt.
Bei manchen rituellen Handlungen wurden sogar Menschen verspeist- oder.. gefressen.

Die gute alte Zeit hatte so manchen Unfug und Irrsinn parat,
vom kultischen und mystischen, den Sagen bis zu Heldenepos etc.
was sich in Opern und Operetten spiegelt, die mir die Haare zu Berge stehen lassen.
Ob griechische, germanische oder keltische Mythologien ist gleich,
der Phantasie der Menschen war keine Grenze gesetzt
und das schlimmste daran ist, dass sich dieser Mist erhalten hat,
bei dem ich unwillkuerlich an die Ausfaelle von "Kiffern" denken muss.

Das umschliesst Klosterregeln und so manche "ligurgische Ordnung", weite Teile "heiliger Buecher" etc.

Aus den Druiden erwuchsen immer wieder "Geheimbuende" bis zum naechsten Wahn,
der 1781 als "vereinigter alter Orden der Druiden in Deutschland"
wohl als "freie Maurer, namhafte Maenner mit ueberragender Begabung-
die sich der Lehre des Pythagoras verpflichtet fuehlten".
Sie widmeten sich "verborgenen, erhabenen Dingen"- sie erklaerten menschliche Angelegenheiten
fuer nichtig und sprachen von der Wiedergeburt der Seelen.
Man schmueckte sich zeitweise gerne mit den Helden der Vergangenheit und baute sein Haeuschen darauf,
das eigentlich eher und wohl noch immer eine Seilschaftenkultur ist,
von denen es inzwischen einige gibt.
Der erkennbare Sinn ist der, sich gegenseitig auf den Sessel zu heben.

Noch heute versucht so mancher Wahn den anderen zu "missionieren",
wobei die Grenzen von Sektiererei und Religion wohl fliessend sind -
die Druiden der alten Zeit haben alles nur muendlich ueberliefert,
deren Nachwuchs ging viele Jahre in die Lehre -
was daran stimmt und was nicht, wird niemals in Erfahrung zu bringen sein.
Stimmig ist wohl, dass sich aus den universellen Druiden Barden, Vaten (Seher)
Priester, Heiler, Natur- und Moral-Philosophen
spezialisiert zu haben scheinen, das Grundgeruest der modernen Kultur.
Auf die Druiden einzugehen heisst, mit grausamsten Menschenopfern,
blutbespritzen Altaeren, brennenden, riesengrossen Geruesten,
die mit Mensch und Tier gefuellt waren, einem Opferkult beiwohnen zu wollen,
vor dem es nur gruseln kann, wo man sich mit Abscheu abwenden muss.

Religionen stammen also aus dieser Ecke der Angst um Ungewisses,
dem Dunklen, Verborgenen, um das was nach dem Tod kommt, Fuerbitten,
Heilshoffnung bis zur Verwuenschung des Gegners.

Das Erlesen dieser Zusammenhaenge erfordert viel Zeit und noch viel mehr Selbstueberlistung.

Die Urvoelker des Taunus waren also mehr Urstaemme kleinerer Auspraegung,
die wie Halbnomaden lebten, nur rudimentaer Landbau betrieben, sie mehr dem Nutzvieh
und deren Weidegruende widmete und deshalb von Zeit zu Zeit etwas weiterziehen musste.
Sie lebten als Jaeger und Sammler, ohne politische und kulturelle Zusammenhalte -
exakt diese fehlenden Zusammenhalte waren es,
die sehr viel spaeter die verschiedenen einfallenden Voelker genutzt haben,
um Gebiete zu erobern - parallele Zusammenhaenge zu den "sendungsbewussten" Religionen,
welche in Wahrheit die Flaeche suchen?

"Der heilige Blasius zaehlt zu den 14 Nothelfern,
er hat irgendwann mal jemandem eine Fischgraete aus dem Hals geholt-
nun wir er von der katholischen Kirche als Retter und als Helfer bei Halskrankheiten verehrt"
(Blasius von Sebaste)

Weitere Beispiele erspare ich Dir, geneigter Leser, gerade deshalb,
weil mir die heilige Schrift vertraut und auch als Vulgata lesbar ist,
wie einige andere Schriften aehnlicher Art.
Nach fast 20.000 Seiten Latein ist jenes wohl buchstaeblich an seinem Ende angekommen,
weil immer von Krieg und Eroberungen und Schlachten erzaehlt wird,
die noch unbekoemlicher sind, als Mythen und Irrwitz -
vom Leben der einfachen Leute ist nicht zu finden, weil jene nicht wichtig waren,
nicht lesen und schreiben konnten -
so bleibt etwas Prosa, Dichtung und Komoedie und anderer weltfremder Kram und nutzlose Bildung,
die nichts mit Vernunft und Bodenhaftung zu tun hat.

Statt mich auf "70 Jungfrauen" oder "Teufel" oder "Hoelle" oder "Himmel mit Engelchen" zu freuen,
halte ich es lieber mit den alten Germanen,
von denen ein roemischer Berichterstatter (es war nicht Tacitus) gesagt hat:
"Die Germanen glauben nur an das, was sie sehen- an die Sonne, an den Mond, an die Erde, die sie anbeten!"
Nun gut, Harfespiel waere wohl sowieso nicht mein Fall gewesen ;)
ebenso wenig der Umgang mit verklaert dreinblickenden "Heiligen" und "Belzebuben" und "Erz-Engeln".

Nun sollte man wissen, dass sich die Germanen eher nicht als solche bezeichnet haben, desgleichen die Kelten,
- es waren viele Staemme, mit vielen Bezeichungen und Eigennamen,
die den beiden Gruppen angehoert haben k o e n n t e n,
haetten sie voneinander gewusst und haetten sie sich zusammenschliessen koennen,
statt einander staendig zu befehden.

Auf diese Weise konnten durchreisende Voelker,
occupierende und einfallende Gruppen und Heere ein leichtes Spiel haben:
Die Germanen haben wohl nie so viele Krieger aufbringen koennen, wie noetig gewesen waeren,
sich gegen grosse Massen -zumindest erfolgreich- zu wehren,
egal wie stark, gross, wild und tapfer die Einzelnen gewesen sind,
obwohl ihre Frauen ebenso tapfer mitkaempften..

Archeologen und Sprachforscher reden von "Indogermanen"
- ein weitgefasstes Wort - die Zukunft wird in der Genforschung liegen,
die vermutlich noch ganz andere Erkenntnisse bringen wird.

Meine Recherchen mit Hilfe vieler dicker Buecher,
die genau durchgelesen werden mussten, sind nun abgeschlossen und haben mich,
was die Kelten anbelangt, eher besonders ausgepraegt gruseln lassen,
obwohl damals viele Voelker grausame Sitten hatten.

Wie unterschiedlich heute Fremdworte aus einer anderen Sprache stammend,
in den jeweiligen Nutzerlaendern oder bei Personen anderer Kulturkreise behandelt werden,
zeigt das heute vielgebrauchte Wort "Respekt",
das in den U SA als "Respect" eine deutlich mildere und andere Bedeutungsausrichtung erlangt hat.
(Sprache ist Wandel) Wenn nun "Machos" bei uns "Respekt" fordern,
kann das eine vollkommen andere Aussage in sich tragen,
als jener Respekt dem Vorgesetzten gegenueber?
Desgleichen Unbehagen loest zuweilen das Wort "Toleranz" aus,
das ebenfalls gerne zweideutig, wenn nicht sogar irritierend angewandt wird,
wenn damit Ruecksichtslosigkeit oder mangelnde Integrationsbemuehung "hoffaehig" gemacht werden soll.

Das sogenannte "Neusprech" der rot-gruenen Bewegung hat
so manches lustige (oder wirre?) Ding gebracht,
das nicht nur wirre Ansprachen, sondern zuweilen auch Pluralwoerter sexifiziert,
"Katzendamen" und "Rottis" schafft,
"Gaestinnen" und aehnliche Wortungeheuer, die in den Fernsehsendungen immer wieder zu hoeren sind.
Die Endsilbe er wird kaum mehr gesprochen und endet in "a": Wetta statt Wetter.
Dieses eine Beispiel sprachlichen Wandels soll genuegen, von dem es eine grosse Zahl gibt-
neue Ausdrucksformen, Anreden, Schreibweisen,
Formulierungen bis zur Aenderung der Wortbedeutung.

Die Lutherbibel -z.B. ist heute kaum mehr verstaendlich,
noch weniger lesbar sind saekulare -deutsche- Texte aus jener Zeit,
in der Gelehrte Latein sprachen und schrieben, bei Hofe Franzoesisch angesagt war.

So gesehen ist unser Deutschland eigentlich ein junges Land-
das in seiner eigentlichen und einheitlichen Form erst 1871 gegruendet wurde,
was sich auch in der Einheitlichkeit der Sprache widerspiegelte.

Wie auch immer, die Literaten, Philosophen, Dichter und Denker-
brauche ich bestimmt nicht, wirklich Sinnvolles kann ich in deren Tun
immer noch nicht finden, egal wie viel ich bislang darueber gelesen habe:
Die letzten Buecher waren Klassische Philologie, Rhetorik - ein steiniges Pflaster.

Duenkelhaft ist gern der Uebermut, oft nur platonisch der Wille der Soehne reicher Eltern,
die den Tag irgendwie herumbringen wollten.

So mancher Zeitgenosse hielt auch von den Go ethes nicht sonderlich viel.
Zieht man sich in eine bestimmte Ecke des Humanismus zurueck,
kommt spaetestens bei der Vita der bekannten Leute einen Horror-
Erasmus von Rotterdam war nicht nur gebildet, sondern auch eingebildet
und immer auf dem Weg zu seinem eigenen Olymp oder Elfenbeinturm.
Heute wuerde man sagen, viele der damals bekannten Groessen
hatten schlicht den "Gottkomplex", der daraus kam,
dass den Maechtigen und Einflussreichen eine elitaere Unterhaltung geboten wurde,
die das einfache Volk meistens nicht verstand
oder nicht teilhaftig werden konnte.
Man war unter sich.

Irgendwann habe ich den Mist zu den Akten gelegt und mich wieder den hessischen Waeldern gewidmet:
Die Rhetorik ist eine Pseudowissenschaft, eher eine schlitzohrige Ueberredungskunst, planmaessige Gaunerei,
um duemmere Zeitgenossen ueber den Tisch zu ziehen.
Die Vergleiche der verschiedenen Rhetoriklehren/er eine leere Phrase.
Wie immer die Hochachtung vor der Kultur der Griechen kam, ist mir noch immer schleierhaft.
Das einzige Verdienst der Grammatiker ist,
dass eine gewisse Vereinheitlichung oder allgemeiner Verstaendlichkeit, das der Sprachforscher jenes,
die Herkunften der vielen Wanderungen ueber die Jahrtausende aufzuhellen und so der Archeologie zuzuarbeiten.
Sprache ist dennoch und immer noch Wandel - egal was von oben vorgeschrieben wird.
Studierte Rundfunk- und Fernseh-Moderatoren verderben die Endsilben immer drastischer
und verbreiten dadurch die persoenliche Sprachfaulheit als Allgemeingut -
egal was die Wissenschaftler vorgeben oder meinen festnageln zu muessen.
Letztlich wird die Sprache immer die des Volkes sein -
und so reden, wie diesem der Schnabel gewachsen ist.

In einer Historien-Sammlung lese ich, dass Goethes Mutter Aja
von "geschlossenen Ringwaellen, die in der Sonne glaenzten" schrieb -
die sie von ihrem Fenster im Frankfurter Hirschgraben gesehen haben soll.
Gemeint ist der Altkoenig, der zweithoechste Taunusberg oberhalb Kronbergs,
der wohl, wie der ganze Taunuskamm, ohne Waldbewuchs gewesen sein muss.
Das wuerde die Fichtenbepflanzung erklaeren,
die damals die preiswerteste Art war, einen Wald entstehen zu lassen.
Die uralte Besiedlung hat dort oben ueberall ihre Spuren hinterlassen
und das wohl schon lange vor den Roemern und Kelten.

Ueberlegung:
Durch die vielen Strukturwandel ist schon der Versuch eine private kleine "Ahnenforschung" machen zu wollen,
zum Scheitern verurteilt - die Entfernungen, "Migrationen" und die Namenswechsel,
die verschiedenen Religionsangehoerigkeiten oder das Gegenteil davon sind nicht die einzigen Gruende,
sondern auch das Desinteresse der Nachkommen an einer solchen Sache.
Zudem muss man sich fuer ein solches Vorhaben Suetterlin- und Latein-Kenntnisse aneignen,
sonst gehts nicht weiter, weil heute selbst Pfarrer diese Schriften weder lesen noch uebersetzen koennen.
So ist schon fast zu vernachlaessigen, dass sogenannte "Armenbuecher" in den Pfarreien
(Die immer freundlich und hilfsbereit die alten Folianten einsehen liesen)
existierten, wo Menschen, die kein Geld fuer eine richtige Beerdigung hatten, aufgefuehrt wurden.
Es gab auch schon damals Leute "ohne Glauben", die man dort vergebens suchen wird.
Die Spuren der Geburten- und Sterbe, der Konfirmationsbuecher
reichen meist nur bis zur Zeit des "Dreissigjaehrigen Krieges",
der alles angezuendet und verbrannt hatte.

In Muenzenberg hat man Faustkeile aus dem Altpalaeolithikum gefunden:
Fuenfhunderttausend Jahre alt..
Der Taunus konkret scheint weder eine keltische noch eine chattische oder fraenkische,
suebische, ubierische noch eine germanische Hauptstroemung,
sondern eher eine noch unbekannte Volksgruppe,
bzw Mischung aus allen Randgebieten als Einwohnerschaft gehabt zu haben,
die sich auch noch zeitlich ueberlagert hat.
Die Zahl der Gegenstaende aus fremden Gebieten koennte die Vermutung naehren,
dass das Gebiet des heutigen Hessen - so auch der Taunus -
schon immer ein Durchzugsgebiet war - was man an den Nord-Sued-Senken
und Ost-West-Richtung fuehrenden Fluessen an vermehrten Funden
und Huegelgraebern erahnen kann, mit Grabbeigaben der unterschiedlichsten Kulturen.
Moor- und Kiessenken-Funde, Furten und Opferplaetze mit kultischen Opfergaben,
in den Fluessen und an Land erhaerten das.
Kirchen der verschiedenen Epochen wurden gerne ueber alte heilige Staette gesetzt,
die man heute zunehmend tiefenerforscht.
Ein Beispiel:
In Limburg/Dietkirchen ist auf einem 34mtr hohen Kalkfelsen an der Lahn die St. Lubentius Stiftskirche gebaut worden.
Ein bedeutendes Bauwerk der Frueh- und Hochromantik.
Dort sollen die Gebeine des hl. Lubentius liegen, der im 4. Jh diese Kirche baute-
seine Gebeine sind wohl noch vor 841 dort hin gekommen.
In den 50iger Jahren wurde das Gebaeude umfassend renoviert und Grabungen bis zum Felsgrund gemacht.
So entdeckte man eine karolingische Steinkirche (mitte 8.Jhd)
und darunter einer ottonische Basilika (vor 1000)
darunter eine urnenfelderzeitliche Schicht,
in den Felsspalten Knochenreste und Scherben aus vermutlich latenezeitlicher Epoche.
Die unterste Schicht brachte zahlreiche neolithische Knochen unterschiedlicher Groesse
und Steingeraete ans Licht.
Die Ausarbeitung dieses uralten und wichtigen Kultplatzes ist wohl noch nicht abgeschlossen.
(Zumindest nach dem mir vorliegenden Buch, das schon eine Ecke aelter ist)
Die Erde hat noch einige Ueberraschungen fuer uns bereit,
da bin ich mir sicher - immer in der Hoffnung, dass Raubgraeber die Verstecke
nicht finden und wertvolle Kulturgueter nicht -wie so oft aus Habsucht- unwiederbringlich zerstoeren,
was wichtige Bindeglieder bedeuten kann.

Allgemein:
Die Besiedlung frueher Jahre war wohl recht duenn, dh. das "Heilige Roemische Reich Deutscher Nation"
wird wohl 15 Millionen Einwohner gehabt haben.
Koeln war dann mit 35.000 Einwohner die groesste Stadt.
Pest, Kriege, Raeubereien, Misswirtschaft oder besser adelige Ausbeuter
(die auch noch ihre jeweilige Religionzugehoerigkeit,
ueber die der Glauben einstroemen konnte, aufzwangen) brachten Leibeigene oder Unfreie,
aus denen -nicht nur unser- Dorf bestand,
bevor nach und nach im 18. Jhd. man sich aus dieser Umklammerung zu loesen begann.
Scheiterhaufen, hohe Kindersterblichkeit, keine oder sehr schlechte aerztliche Versorgung mit langen,
langen Arbeitszeiten und entbehrungsreichem,
kargen Leben sorgten fuer meist nur kurze Leben.
Mit Bismark begannen sich die Zustaende zu bessern, die Hygiene, die Gesundheitsvorsorge,
Altersabsicherung und andere moderne Einrichtungen wurden geboren.

Die neue Zeit hat viele Annehmlichkeiten, vor allen Dingen Sicherheiten der Versorgung,
die viel eher als "Kultur" bezeichnet werden sollten,
als ueberkommene Schriftsteller oder "Dichterfuersten" oder religioese Traditionen,
die sonderbarer Weise noch immer hochgehalten werden,
obwohl sie mit "Demokratie" nichts am Hut haben.
Uns faellt auf, dass die Zersiedelung der Doerfer im Taunus,
besonders im Westerwald doch recht arg zugenommen hat.
Reiche Prachtbauten im "Speckguertel-Stil", wo jeder mehr als der Nachbar sein und haben will,
sind schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme.
Ehemalige "arme Gebiete" sind mit florierender Industrie und Handel zu neuen Zentren geworden.
Windraeder sind weitaus schoener anzusehen als Solardaecher,-
beide helfen zur sinnvollen dezentralen (leitungsverlustfreier) Stromversorgung im laendlichen Raum.
Moderne Kommunenverwaltung haben den Wohnwert verbessert.
Bedauerlich sind die Leerstaende alter Haeuser und Scheunen,
die das Dorfbild inzwischen immer auffaelliger verschlechtern.
Mein Rat an die Ortsbeiraete:
Die Eigentuemer sollten zum Handeln aufgerufen werden,
wobei Hilfen zur optischen Verbesserung dem ganzen Ort dienlich sind.
Verwahrlose Haeuser, die schon lange leerstehen,
gehoeren -unter Verguetung des Grundstueckswertes- enteignet:
Abreissen und einebnen, damit neu gebaut werden kann.
Denkmalschutz, Ensembleschutz, Bautenschutz koennen hinderlich und wenig sinnvoll sein,
weil die Natur bereits Veraenderung ist und war-
wo Menschen wohnten, gab es schon immer Anbauten, Umbauten, Modernisierungen etc.
Wachstum stirbt ab, wenn zu viele Vorschriften gemacht werden!
Ein Ort muss wachsen und atmen, er darf nicht zementiert werden.
(Das schreibe ich als Fachwerk-Freund und Liebhaber von altem baeuerlichen Geraet)
Ich finde, man muss auch ein wenig an die Immobilienwerte denken,
die in einem ungepflegten Ort leiden.

Neulich haben wir beim Wandern ein interessantes Gebaeude gesehen, das die Formensprache eines uralten Bauernhauses aufnahm:
Moderne Steine und Fenster, aber alles mit Fachwerk-Verblendungen gemacht und weiss ausgeputzt.
Eine sehr alt wirkende Haustuere mit ebensolchem Vordach, links und rechts eine Rankenpflanze..
selbst der moderne Carport passte gut dazu, weil er eingewachsen und mit Steintoepfen etc. verziert war.
Das sah prima aus und hat einen hohen Wohnwert -
ein Blickfang mitten im Dort, mitten zwischen vergammelten, windschiefen Buden.

Schamanen waren die ersten, die einen Glauben installierten, an den sich geschwind "Opfergaben" anhefteten,
die dann von jenen und von den spaeteren Priestern gefressen
(anders kann die ausufernde Voellerei wohl nicht bezeichnet werden,
die im grassen Kontrast zu dem Fleischkonsum der "Spender" stand, die man in der Angst um ihr "Seelenheil" hielt)
wurden- nur die Knochen und den ungeniesbaren Rest haben sie unter Bremborium verbrannt..
"gestiftet" wurden die Opfertiere immer von anderen,
nie von den "heiligen Maennern" selbst.

Nun habe ich die dicke Chronik der Gemeinde Niederslters im Taunus gelesen, die -wiedermal- sehr aufschlussreich war.
Immer wieder die gleichen Erkenntnisse, dass sich religioese und weltliche Fuersten
den ganzen Grund und Boden genommen haben und die Menschen,
die darauf lebten, fast alle als "Eigentum" behandelten.
Wie das kam, fragt ihr?
Nun, wenn in praehistorischer Zeit jemand Kraft und in der Familie Zusammenhalt hatte,
kamen schnell ein paar Gesellen dazu, die das "Kriegshandwerk" beherrschten-
was bald den Anfuehrer mit jener Kraft zum Herrscher werden lies.
Wie die Entwicklung weiter ging, kann man sich leicht vorstellen:
Mord und Totschlag, Intrigen und Versklavung, Landnahmen-
alles mit dem Deckmantel "Glaube" und "Schutz" (Buerger).
Das sehr lesenswerte Buch "Geschichte von Niederselters" von 1994 zeigt u.a.,
dass die Religion schon immer heidnische Braeuche
strikt ueberbaut hat und die Leute manipulierte.
In einem Rezitat wurde erwaehnt, dass die Buerokratie alles Volkstuemliche hasst und verfolgt,
schon deshalb, weil sie den Anschluss an das Volk verlor-
sogar alte Gemeinderechte sind ihr ein Greuel !

Die gruendlichsten Erkenntnisse ueber Land und Leute erfaehrt man wohl beim Studium "alter Geschichten",
die sich nicht an vorgegebene Vorgaben der Herrscher oder Behoerden halten und aus dem Volk heraus erzaehlen.
Ueberliefertes und maerchenhaftes- meistens ist da mehr dran und ueber eine Stadt zu erfahren,
als in offiziellen historischen Buechern, die Schilderungen von Feldherren und ihren Schreibern,
die nicht in Ungnade fallen wollten.
Das unsaegliche Leid, das die Ritter und Feudalen, leider aber auch die Religionsfuersten
ueber die Bevoelkerung brachten, ist kaum in Worte zu fassen.
Das wird durch solche Geschichten deutlicher denn je- zumal die einfachen Leute kaum lesen oder schreiben konnten.
Das war bis nach 1800 noch viele Jahre der Fall- so ein wenig Lesefertigkeit kam.
Die Patrizier und Amtsleute, Apotheker und Aerzte oder Schriftgelehrte/Anwaelte etc. stellten die Szene.
Deshalb sind lange Zeit nur die muendlichen Ueberlieferungen ueblich, wie schon in der Urzeit der Menschheit.
Das hat eigentlich ganz gut funktioniert,
auch wenn das eine oder andere Detail etwas gelitten haben mag- der Sinn ist wohl geblieben.
Die Gebrueder Grimm und andere haben viele dieser Geschichten kanalisiert -
veroeffentlicht wurden diese wohl deshalb, weil sie als Maerchen durchgingen.
Auch die Grimms durften sich mit den Herrschern nicht ueberwerfen und so werden sie eher vorsichtig geblieben sein.
Damals wie heute galt:
Wer das falsche Lied sang, bekam nirendwo mehr eine Anstellung, nicht die geringste.
( http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Heinrich_Riehl )
1861-1961 Ausgaben 385 - 400 Seiten "Geschichten aus alter Zeit"
Beachtlich und beachtenswert, was damals schon erforscht und beschrieben wurde, Erkenntnisse,
die heute noch lange nicht ueberall Fuss gegriffen haben..
Mit ein wenig Glueck werden sich die Wurzeln der regionalen Besiedlung ein wenig klarer offenbaren.
Interessant fand ich den Satz des Autors, der meinte,
dass heute die Kapitalisten anstelle der Feudalherren getreten sind
und aehnlich regieren, allein der Michel merkt es nicht..

Erstaunlich und erschreckend war mir allemal die Tatsache,
dass sich Herrscher und die Kirche einfach mal so eben alles Land
-mitsamt den darauf befindlichen Dingen und auch den Menschen (!) als ihr Eigentum einsacken konnten -
wobei sie die letzteren "Gemeine" nannten.
Wie Vieh behandelt und ausgebeutet, gedungen durch kriegsluesterne Vasallen und Haescher,
wie das Wild vor der Flinte des Jaegers.

Rechtlos und "leibeigen", fuer dumm gehalten - ob ihres "Seelenheils" als Waffe,
die sich zuweilen auch gegen Fuersten richtete..
der Ruf nach "Vaterland und Ehre" komplettierte den Irrsinn, der -zu der Pest,
Colera und Typhus und Kindbettfieber und Kindersterblichkeit-
die Menschen in grausame Kriege trieb.

Nur das obsiegende Fuerstenhaus hatte den Gewinn- die Soldaten blieben meistens "auf dem Feld".

Spaeter nannte man das Gemetzel "er war gefallen" - als ob dann jemals einer wieder aufgestanden waere!

Die Lektuere alter Geschichten wird mir kuenftig die Lesestunden versuessen und so einiges Licht ins Dunkel bringen,
das offizielle Buecher und Verlautbarungen nicht bringen konnten:
Jeder Bericht ist so gefaerbt, wie es sein Auftraggeber wollte.
In alten Erzaehlungen kommen Details des Lebens der einfachen Leute zum Ausdruck, die man sonst nirgends erfaehrt-
nicht der Wahrheitsgehalt der "Story" ist massgebend,
sondern die Umstaende und Lebensbedingungen, Gefuehle und familiaere Dinge,
die mir sehr sehr viel mehr liegen, als irgendwelche Jahreszahlen von irgendwelchen Besetzungen,
"Schlachten" oder Kriege, wie bereits zur Genuege erwaehnt..

Meine Hoffnung liegt noch mehr auf der Aufklaerung durch die Medien, wozu in besonderem Hinblick das Internet zaehlt,
das in aktuellerer Art ergaenzend zur Bildung steht -
und (hoffentlich) somit bewaffnete Konflikte kuenftig nicht mehr denkbar werden lassen wird.

(Waere da nicht wieder die Religion, die absichtlich verdummt und immer wieder hetzt und aufpeitscht,
mit "Sendungsbewusstsein" versucht weite Teile der Welt fuer ihr jeweiliges Dogma zu gewinnen.

Ich halte das fuer sehr bedenklich und zuendelnd, zumal viele Verbreitungsinhalte verfassungsmaessig nicht zu halten sind:
Rueckstaendig, rassistisch und frauenfeindlich sowie aufwieglerisch bis menschenverachtend.
Es wird dringend an der Zeit, dass ein Toleranzpatent die "Religionsfreiheit" abloest,
sonst hoert die Provokation untereinander niemals auf.

"Glauben" kann von Heils-Hoffnung schnell zur grenzdebilen Sache mutieren!
(Eine Art Sucht oder Flucht aus der Realitaet)

"Goethe an der Lahn" Eine Pflichtlektuere fuer mich hier an der Lahn- aber:
Nicht nur, dass der "Dichterfuerst" wohl eher aus schierer Langeweile gereimt haben mag,
er war auch bekanntermassen Wanderer..
Die akademische und geldadlige Aufgeblasenheit der Seilschaften und Guenstlingswirtschaft
oder Kluengeltum damaliger Zeit war schon heftig und duenkelhaft.

Goethes Abneigung gegen Efeu ist mir so zum Ansporn, seine Verkleidungen und Anmassungen waren mir zuwider zu lesen.

"Man kann nicht beurteilen, ob man fuer andere deutlich genug war" (Goethe) - meine Antwort darauf waere:
Leer ist deutlich genug, sie ist aus nutzlosen Reimen leicht zu erfahren.

Ich war froh, das Buechlein ueber reiche hochnaesige Prasser und Fresser durchgeackert zu haben.

Die Verquickungen und Einheiraten, wechselnde "Besitze" von Laendereien UND Menschen, ob Kirchen oder weltliche Fuersten,
ob Klerus plus einem Vogt als "Beschuetzer" - folgten groessere Gebilde der Macht (oder besser Allmacht),
die heute wohl vom Kapital abgeloest worden sind,
wie ich pikanterweise in einem Buch las..
das traefe die inneren Strukturen der jetzigen Laender und Staaten durchaus,
auch wenn Wahlen als Tuenche oder Blendwerk ablenken.

Interessant war wohl auch die Bezeichung "Grundholde", die den Grundherren abgeliefert werden musste.
Starb ein Unfreier oder Leibeigener, dann forderte der Fuerst das "Besthaupt",
dh. das beste Stueck Vieh aus dem Nachlass !

(Adel und Klerus, die Halunken, die sich das ganze Land zuvor aufteilten
und die in sehr unheiliger Union nur unter sich Vertraege machten, zahlten dagegen KEINE Steuern,
ausser sie benutzten selbst ein Lehen oder mussten ihren geklauten Grundbesitz veraeussern und dann zurueckmieten..
auch das kommt mir irgendwie bekannt vor)
Fazit:
Man darf die "gute alte Zeit" nie glorifizieren und hofieren,
wozu der Gedanke an mehr Einigkeit und Demokratie gehoert (zwei sehr schwache Pflaenzchen),
damit nie wieder jene oben genannten Despoten
an die Macht kommen, die mit einer unglaublich grossen Phantasie die verruecktesten Anreden erfanden..
"Durchlauchten", "Princeps serenissimi", "Eminenz" und so weiter.

Die Zukunft der Region "Taunus", welche mir mit dieser Homepage-Seite nochmal naeher gekommen ist,
moeche im Sinne unserer Kinder und Enkel wohl gestaltet, in Freiheit und Wohlergehen gelingen!

Nicht Reichtum oder "Groesse", sondern Gesundheit und Zufriedenheit sind die ersten Ziele.
Hier auf dem Land gibt es das typische Problem der Gross-Stadt eher nicht,
das durch einheimischenfeindliche "rotgruene" Politik aufgestuelpt wurde,
wo sich niemand anpassen muss, der zu uns kommt:
Hier auf dem Land ist jeder gut, der sich einheimisch fuehlt und gibt-
Zusammenballungen von zu viel Fremdheit verhindert eine sinnvolle Anpassung,
das "Wir-Gefuehl",
das eine Grundvoraussetzung friedlichen Zusammenlebens ist.

Zurueck zur Historie:
Die alte Hessenstrasse ist ein uralter Handels- und Fernweg,
den schon die Kelten und Roemer oder Katten (Chatti) gingen und fuhren.
Spaeter Heeres-Strasse und Postweg, eine wichtige Verbindung zwischen den Herrscherhaeusern ebenso.
Abseits der Vicinalwege zwischen den Orten, hauptsaechlich auf den Hoehen verlaufend.
Erst mit der Lahntalbahn verlor diese Strasse langsam an Bedeutung!

Die evangelischen Stroemungen nach der Reformation, die Lutheraner, Reformierte und "Unierte"
oder besser Unionierte fuehrten Blutspuren genug mit sich in ihrer "christlichen Art",
ja sogar in "Verkuendigungen" in sozialdarwinistischer Denkweise,
wo der Reiche von Gott geliebt, der Arme aber bestraft wurde, ob seines Lebenswandels.

Das Konzil von Trient sollte dem schrumpfenden Einfluss der katholischen Kirche begegnen,
die Reformation zurueckdraengen..

Das fuehrte zum Abschlachten von 20.000 Hugenotten in Frankreich durch roemische Schaergen
und zum 30 jaehrigen Krieg, der Not und Elend,
religioesem Hexenwahn, Seuchen, Rohheiten, Gewalt und Verelendung brachte
und einem Drittel der gesamten damaligen Bevoelkerung der Laender das Leben kostete !

Alles durch den "Glauben" oder das, was man dafuer hielt.

Ich flechte gerne mal neuere Sachen ein, das macht die Seite lebendig..
Interessant war, dass im oder nach dem 2. Weltkrieg Maulbeerbaeume gepflanzt wurden, dessen Blaetter Seidenraupen gefuettert wurden,
deren Cokons dann von der Landbevoelkerung verkauft wurden - zusammen mit Buchecker-Sammlungen ein kleines Zubrot.

http://de.wikipedia.org/wiki/Maulbeeren

Aus dieser Zeit stammen einige Walnuss- Edel-Kastanien- und Schwarzkirschenbaeume,
die von Soldaten mitgebracht worden sein sollen, so die Erzaehlung der Alten.

In der Chronik eines Taunusortes fand ich erstmals einen Hinweis,
dass die Roemer am Limes erstmals geschmiedetes Eisen kennenlernten - das wohl bislang nicht bekannt war.
Der Handel mit den roem. Kastellen muss schwunghaft gewesen sein,
weil direkt vor Ort Feldbrocken in Rennoefen geschmolzen (verhuettet)
und auch gleich vor Ort geschmiedet worden sind.
Die spaetere Verbindung von Gruben- und landwirtschaftlicher Taetigkeit war schon von daher gegeben,
dass die Bezahlung in den Zechenbetrieben lausig war:
Ein "Nebenerwerbsgrund", damit die Familien ueberleben konnen,
musste jedes Familienmitglied auf dem kleinen Hof mithelfen.
1891 hatte ein Bergmann 40 Mark im Monat, (8 Stunden mal 26 Tage)
Brutto 19 und Netto - er musste Knappschafts- und Krankenkasse
und auch noch das Arbeitsmaterial bezahlen - 15-16 Pfennige die Stunde.
Im Taunus gab es Silber, Kalzium, Kupfer, Eisen, Mangan, Phosphor,
Blei, Schiefer, Schwefel und Silizium auszubeuten.
Dazu ein paar Nahrungsmittelpreise:
4 Pfund Brot= 45 Pfennig, 1 Pfund Schweinefleisch= 70 Pfennige, ein Pfund Rindfleisch 75 Pfennige,
1 Pfund Butter eine Mark, 1 Ei= 10 Pfennige, 1 Zentner Kartoffeln 1 Mark und 80 Pfennige -
fuer ein Pfund Speck musste er 5 Stunden arbeiten..
Nach und nach ging den Gruben die Puste aus- teil weil sie ausgebeutet waren, teils wegen billiger Konkurrenz,
so zogen immer mehr Arbeiter als Pendler aus und brachten die Lebensgewohnheiten der Stadt mit-
Strom und Wasser wurde in die Haeuser gelegt,
bald waren die Dorfplaetze nicht mehr Mittelpunkt der Doerfer.
Ganz frueher gab man Briefe und Nachrichten reisenden Kaufleuten, Handwerksburschen,
Pilgern und "sonstigen Reisenden" mit, bis die "Fussbotenpost" den zunehmenden Postverkehr uebernahm.

(Die Dorfbewohner hatten kaum Interesse am Kontakt nach draussen)

Erst 1539 nahm die "Schwedenpost" des Koenigs diese Aufgabe, bis T hurn und T axis als Konkurrent dazu kam.
Die Hessenstrasse war immer im Gespraech.
1704 hatten Staedte wie Weilburg bereits eine Posthalterei, die Doerfer folgten mit Postfilialen sehr viel spaeter.

Bei meinen Lektueren geht freilich auch einiges in die Taunus-Seite ein, das man nicht ueberall erfahren kann:

Die Chronik ueber Laubuscheschbach war diesmal die Quelle..
Die Leute frueherer Zeiten arbeiteten schon alle "zu", jede sich bietende Moeglichkeit eines Zuverdienstes wurde genutzt,
man war sich fuer keine Arbeit zu schade.
Zumindest hier auf dem Land wurde zuweilen auch in Naturalien bezahlt,
was die "Waehrungsreformen" ueberleben lies und an die heutige "Bad-Bank"
denken laesst und wo "Anleger" ihr ueberfluessiges Geld oder "Kapital" fuer harte Zinsen wuchern liesen,
was eine Blase eigentlich gar nicht vorhandener Gelder brachte, die immer mal platzt, das nennt man Waehrungsumstellung.

Die unersaettliche Gier der Wucherer und Geldwechsler ist hinlaenglich bekannt.

Wie auch immer, das Ziel meiner Seite ist, das Leben der "einfachen Leute" zu betrachten, die in unserer Gegend wohnten und lebten:

Eine einzige "gute" Kleidung musste oft das ganze Leben reichen,
die Hochzeitskluft wurde gut geschont und immer wieder mal aufgearbeitet und an allen Feierlichkeiten getragen.
Manche haben sich damals einen Spass daraus gemacht, Spuckgeschichten zu erfinden und zu verbreiten, es gab bekanntlich
-ausser den Saufereien der spaeteren Kirmes, die tagelang ging, kaum Abwechslung -
so konnte auch die Kirche mit ihrem Kampf gegen den Aberglauben einen neuen hinzu oder drueberstuelpen-
als Hauptfach in den Schulen, was viele andere Faecher deutlich vernachlaessigte.
(Die Menschen sollten dumm und gefuegig oder "glaeubig" gehalten werden)

Den jungen Leuten heute scheint die Spinnstube zu fehlen,
wo man sich kennenlernen konnte und wo die ersten zarten Banden geknuepft wurden,
die dann die spaeteren Tanzpartner zusammen brachte.
Tanzen war ein wichtiges Mittel fuer die Auswahl der spaeteren Partnerschaft-
wer nicht tanzen konnte, war im Nachteil bei den Feierlichkeiten.
Die "Brocksupp" war ein Mix aus Schnapps, Honig- oder Weizenkuchen-Stueckchen, Zucker und etwas Wasser,
was gemeinsam "ausgeloeffelt" wurde- ein garantierter Kopfweh-Hammer!

Der Baecker buk zur Kermes oder aehnlichem Anlass im Herbst einen Brotkuchen:
Brotteig kam auf ein Kuchenblech, darauf wurden Pflaumen (entsteint und aufgeschnitten) gelegt und gebacken.
Morgend gebacken, Abends gegessen.

Unglaublich, was die Quelle einer Dorfchronik alles zu berichten weiss!
Die Story der Heimatvertriebenen gehoert dazu, die damals gut ein Drittel der Bevoelkerung stellten, wo alle zusammenruecken mussten.
Nach dem verlorenen ersten Weltkrieg kamen originaere deutsche Gebiete an die Tschechei,
die dort lebenden Deutschen verstanden erst mal kein Wort dieser Sprache..
dann wurde der naechste Weltkrieg verloren und die Deutschen wurden vertrieben,
ihr Hab und Gut weggenommen, bis auf das, was sie tragen konnten.
Diese heimatberaubten Leute suchten einen neuen Start,
den sie in unendlicher Muehe und mit Hilfe der Einheimischen auch schafften.
Lange zuvor (1813) berichteten die Erzaehler, dass die fluechenden Franzosen Napoleons
nicht halb so schlimm waren, wie die Preussen mit ihren "Freunden" oder Verbuendeten,
den Russen mit ihrer Voelkervielfalt,
die sich furchbar benommen haben muessen.

Pendler wissen:
Der Taunus hat gut 3 Wetterzonen, auf die man sich einstellen muss - ein deutlicher Unterschied zum Flachland..

Weiter gehts mit alten Geschichten aus Hessen/Taunus:
Dem blinden "Hadu", dem Sohn Woudans abstaemmig, wurde den Hessen angedacht.
Aus der Zeit des Goetterglaubens, die offensichtlich noch immer nicht ganz vorbei zu sein scheint,
wenn einfaeltige "Dreifaltigkeit" noch immer angebetet oder "verehrt" wird.
Das wird wohl, heute wie frueher eine gewisse "Nachfrage" befriedigt haben.

Etliche Hessen gingen auf Ruf der Koenigin Katharina II 1762 nach Russland,
man erhoffte sich mehr Fortschritt durch "knowhow-Transfer".
Man warb durch Steuerfreiheit und zinslose Darlehn, sowie der Befreiung der Leibeigenschaften.
100 Doerfer sind so in Russland, an der unteren Wolga neu entstanden.
(Im Weltkrieg wurden diese Deutschen umgesiedelt, aus Angst,
sie koennten sich auf die Seiten der angreifenden deutschen Truppen schlagen.
So entstand die Basis der spaeteren "russlanddeutschen Auswanderer" retour nach dem Zusammenfall der D DR.

Die wohl aeltesten mythologischen Gestalten sind die Geister- oder Leichenzuege,
die -denkbar- aus den Priesterwanderungen von einer heiliger Quelle zur naechsten gingen.*
Diverse Lesarten lassen den Schluss zu, dass die Chatten des heimischen Raumes
(der, wie ganz oben schon erwaehnt, nie in die Eiszeit involviert war)
ein neues Mischvolk aus Kelten, Mattiakern und Germanen gewesen sein koennten..

Mir ist klar, dass der gelehrte Sammler Grimm von Sagen mit seiner jeweiligen Prosa und Reimkunst heftig und kraeftig gebogen
und gebeugt hat und passend geschliffen, um es mal vorsichtig zu formulieren, was bis dato muendlich ueberliefert wurde.
Durch die Schrift starb die muendliche Erzaehlung oder Ueberlieferung
-langsam aber sicher- aus, das Verdienst der Maerchen- und Sagensammler war
deshalb der, diese Sachen ueberhaupt aufzuspueren und festzuhalten,
die in den Koepfen durch die Jahrhunderte, Jahrtausende hallten.
Der Fortschritt, welcher wenigstens Allgemeingut geworden ist
und die enorme laenge der Zeit haben schon einige Abweichungen in den Inhalten gebracht, ganz ohne Frage.

Dieses Mark der menschlichen Kommunikation wurde von "Nationalromantikern"
(mit den gleichen Methoden aufputschend eingeschleust, wie die Religionen arbeiten)
freilich idealisiert und zweckentfremdet,was eigentlich sehr viel regionaler war,
als die neue Ideologie eines Despoten, der nur eine winzig kurze Zeit in der langen Geschichte des Landes war:
Noch immer wird wieder viel engraeumiger gedacht, als dass ein wirkliches "Deutschlanderwachen" wiederholt denkbar waere:

Seit Urzeiten war die Sippe die Wurzel, nicht mal das naechste Dorf !
Gedrucktes bringt die Erzaehlung zum Stillstand, das Internet das Gedruckte?
Nicht nur mir kommt dieser Verdacht nahe, der aber wohl nur eine blose Befuerchtung ist..
Vieles kann nebeneinander bestehen und wird immer weiter Mitmacher finden.

Die Jahrhunderte alten Bemuehungen der Kirche um Tabuisierung
halten auf Dauer nicht von den Wurzeln ab, die viele Jahrtausende alt sind und -
in der Region Taunus - aus der Altsteinzeit heraus reichen.

Dazu passend ein altes Sprichwort:
" Wo Hessen und Hollaender verderben, kann niemand Nahrung erwerben".

Druiden bestimmten am Paarungsverhalten (meistens Mitte Februar) der Spatzen, wann der Fruehling kommt..
"Michel" bedeutet "gross", "Luetzel" war der Ausdruck fuer "klein" - noch heute Bestandteil von Ortsnamen.

Die schriftlichen Ueberlieferungen um die Jahrtausendwende kamen von den Roemern,-
diese machten aus Heruskern "Cherusker" und aus Hauken "Chauken".

Wotan war der Gott der Wege und der Wanderer..

Steinerne Astrologie und Kalendarien findet man heute noch an einigen Orten,
die den Bauern halfen die Frucht zu bestellen, den Magiern um vorher zu bestimmen.
Diese Anlagen sind aelter, als fast alles, was man bislang gefunden hat,
zigtausend Jahre aelter als das neue und sogar als das alte Testament,
das veraechtlich von "Heiden" spricht - schlimmer noch:
"Queste" waren heilige Staedten, die gerne von der eingefilterten Religion aus dem nahen Osten ueberbaut worden ist.
(Kirchen in Nord-Ost-Richtung, statt nach Osten sind Hinweise auf solche Ueberbauungen)
Die spaeteren "Heiligen" bekamen die gleiche Funktion zugeteilt,
wie die frueheren der "Heiden" mit ihrem "Aberglauben" !
Diese Queste also waren Quellheiligtuemer uralter Zeiten,
die in schnurgerader Linie miteinander verbunden waren.

Sicher sind meine Ausfuehrungen auf dieser Seite nicht wissenschaftlich und nicht mal chronologisch -
sie sollen ja auch nur zum Weiterlesen bringen, das Interesse ein wenig anheizen:
Die Themen sind es mehr als wert !

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Hessens
Im Taunusgebiet koennte sich eine Mischform aus Chatten, Mattiakern, Sugambrer und Ursipetern entwickelt haben -
wer weiss das schon, zumal sich diese alten Voelker vermutlich nicht mal selbst so betitelt haben,
sondern eher von roemischen Berichterstattern oder Feldschreibern ueberliefert worden.

"Maikundgewunge met Polittikergerede en su hu eich offm Land nie erlebt- eich glawe, do waer aach koaner hingegonge !"
So typisch wie der Klang dieses Dialektes, so typisch ist auch die Denkweise der Leute im Taunus,
nimmt man mal die grossen Staedte mit ihren Studenten und den anreisenden "Berufsdemonstranten" mal aus..

"Su woarsch, so war es" - ein lesenswertes Buechlein der persoenlichen Kindheitserlebnisse der Autorin Marlit Hoffmann sagt viel aus:
www.hoffmann-daubhausen.de und www.vemuk.de dann sind Sie rundum informiert.. so die Autorin am 29.7.2013 per Mail.

Bei dieser Zahl an ausgeliehenen Buechern kommt schon hin und wieder mal eins vor,
dass diese typisch feudalistischen Prosa mit ihrer langatmigen Nichtsnutzigkeit nervt,
die den meisten beruehmten Dichtern und Denkern eigen war.
Immer auf der Suche nach wirklich volksnahen Erzaehlungen -
mit dem Geruch modriger Blaetter der alten Buecher - gehts weiter und weiter!

Zusammenfassende Ortschroniken oder Festausgaben zum Bestehen eines Dorfes wissen viel interessante Dinge..

Im 15. Jhd. willkuerten die Lehnsherren und loesten einen Mangel an Mahlkorn und so manche Missernte aus, die Parallelen zum "5-Jahres-Plan"
des alten Ostblocks andenken liesen, die aehnlich erfolglos waren.
Heute versuchen hohe Fehlqualifikanten aehnliches - Hauptsache in den eigenen Saeckel wirtschaften,
der Rest der Bevoelkerung kann oder konnte sehen, wie sie fertig wurde.

Effizient arbeitete - damals wie heute - nur der, der fuer sich selbst taetig ist.

Das Kloster "Pfannenstil" wurde 1630 aufgeloest ( http://de.wikipedia.org/wiki/Pfannstiel )
und mit ihm fiel die gewaltsame Trennung von leibeigenen Kindern von deren Eltern weg !
1730-42 hielten Klee, Schwarz- und Hackfruechte Einzug und brachte Modernitaeten in die Fuetterung:
Eine Weidekuh verbrauchte so viel, wie drei Stallkuehe.

25 Jahre dauerte es, bis die Verhandlungen das 8 fache statt dem 16 fachen des mittleren Reinertrages
als Abloese fuer den Zehnt an Kreditsumme aufzunehmen und -plus Zinsen- abzuzahlen hatten.
(Kredite waren auch neu) Zuvor mussten die Frevel durch Napoleons Truppen von den Bauern selbst getragen werden.

Den anderen Menschen ging es auch nicht besser..
Aehnliche Lasten mussten von den Kommunen getragen werden, denen der Adel und die Kirchen unerbittlich auferlegten.
Die Bauern haben wohl 42 Jahre gebraucht umd die Lasten und Zinsen abzuzahlen,
welche aus dem "Anspruch" der Abloeseberechtigen entstanden waren.
Vielen wurden diese hohen Bankschulden zum Verhaengnis.
(Wir erinnern uns, dass die ganzen Laendereien vor langen Zeiten einfach vereinnahmt worden waren,
die dann vom Adel und von den beiden Kirchen grosszuegig in Lehen gegeben worden sind -
mit Gewalt und Listen und selbsgebastelten Gesetzen an sich gebracht,
die bereits zuvor vielfach erwaehnte Grundlage allen Reichtums dieser beiden Gruppen)

Wir heutigen Taunusbesucher freuen uns an der frischen Luft,
dem sauberen Wasser, an Resten der Historie und der Koehlerei,
die an vielen Stellen in den Waeldern noch zu sehen ist.
Die zahlreichen Zeugen vielfaeltiger Bergbau-Taetigkeit sind auch interessant.

Geschichten aus alter Zeit, wie jene aus dem Buch "Der Raritaetenschrank" sind mir inzwischen ein guter Freund geworden,
der viel mehr von oder aus dem Leben der damaligen Bevoelkerung zu erzaehlen vermag, als noch so viele wissenschaftliche Berichte.

An dieser Stelle passend, kann das Buch "Wandern an Lahn und Dill" empfohlen sein, das ich auch der Buecherei entliehen
und dann im Antiquariat erstanden habe.
(Das wird die Fortfuehrung unserer Wandertouren werden)
Immer oefter werden die kleinen Idylle, die ich auf Bildern der beiden Galerien festhielt,
verschwinden - ersetzt, erneuert, umgebaut, abgerissen..

Ueber den Sinn oder Unsinn vom Festhalten an der Mundart brauche ich mich eher nicht auszulassen,
wo doch durch die unglaubliche Zahl an neuen Woertern
und mit dem Verschwinden alter Berufe und deren Ausdruecke und Begriffe vom Hochdeutschen eingerueckt wurde.
Hoert man die Alten sich unterhalten, ist jedes zweite Wort in Platt ein "haeh? Was hosste gesaat?"
Wenn keiner so recht versteht, von Dorf zu Dorf unterschiedliche Dialekte waren,
dann noch Leute mit anderen Mundarten zugezogen sind-
was soll da noch an gemeinsamer Sprache sein, wenn nicht das aufgestuelpte Hochdeutsch, das uns heute rettet?!

Auf alle Faelle habe ich inzwischen so manches Buch weggelegt, das in Platt geschrieben ist -
das Wetzlarer ist doch recht fremd zu unserem in Graeveneck
oder in Weinbach oder in Weilburg.

Die Chronik von Braunfels (gedruckt 1990) ist sehr aufschlussreich, wie die meisten dieser Ortschroniken,
die alle denkbaren Aspekte der alten Tage behinhalten..
So begab sich im Jahr 1600 ein Verwandtenbesuch im Adelshaus, wo 250 Gaeste kamen
und innerhalb zweier Tage 15.000 Liter Wein soffen.. das waren 30 Liter pro Person!
(So sind sie, die Verwandten- wenns was umsonst gibt - damals wie heute)
Zu anderen Zeiten wueteten die Spanier und dann die,
die sie vertrieben - wie alle Kriegsvoelker raubten und brandschatzen, wueteten und verwuesteten, was nur ging.
Die Bevoelkerung hat zwischen den Eroberungen und Rueckeroberungen arg an der Pest gelitten.
"Sie wueteten ohne Unterschied"
Der Adel heiratete aus Machtkalkuel, quasi nach selbstgemachter "Gebietsreform" -
sie breiteten ihre Machtstrukturen ueber ganz Europa aus- jeder mit jedem verwandt und eng verbunden.
So entstanden Machtmonopole.
Ein paar Einkommen aus dem Jahr 1424: 1 Turnos war ein halber Gulden, 1 Turnos 18 Heller.
Frauen bekamen fuer das Heumachen 11-14 Heller den Tag, Maenner fuer das Kornschneiden 27 Heller plus Kost.
Der Jahreslohn eines Knechtes betrug 6 Gulden, 6 Ellen leinernes Tuch (pro Elle 14 Heller wert) und zwei paar Schuhe.
Ein Zimmermann, Maurer oder Steindecker (Dachdecker) erhielt als Tageslohn
im Sommer 2 Turnos ohne Kost oder 24 Heller und dreimal zu essen,
zu jedem Essen ein Eichmass Wein oder fuer den Wein einen Heller.
Im Winter bekamen sie ohne Kost 27 Heller, mit Kost 15 Heller als Tageslohn.
Fuer das Roden eines Weinbergs 1 Turnos Tageslohn ohne Kost oder 12 Heller mit Kost.
Ein Tageloehner ergielt 9-14 Heller
(ohne-mit Kost, abhaengig von der Jahreszeit genau fest gestaffelt in der Hoehe)

Auf dieser Seite sollen lediglich subjektive Eindruecke festgehalten werden,
die mir jene Bemerkungen sinnvoll machten.
Die Historie ist keinesfalls langweiliger Zahlenstoff !

Beispiel:
"Christliche" Missionare auf Samoa sollen befohlen haben,
dass die Brotfruchtbaeume abgeholzt werden - die Begruendung:
"Die Eingeborenen sollen nicht zu leicht von Gott ernaehrt werden, damit sie allzeit fromm blieben".
Das erinnert an die "Mutter" Theresa, die selbst und ihre Patienten (woertlich genommen)
"im Leiden Gott naeher" waeren, dh. sie verabreichte wohl keine Schmerzmittel..

Zurueck zur Braunfelser Chronik:
Der Fuerst schob ausufernden Gelagen und Saufereien und Bewirtungen bei Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen etc.
durch eine ganz genaue Anordnung zur Sparsamkeit einen Riegel vor.
Neue Mitglieder des Presbytertums mussten 1/2 Florin bezahlen, um mitmachen zu duerfen.
(Das waere doch mal ein gutes Beispiel, wie man Politiker, die allzu machthungrig sind,
zur Kasse zu bitten und dabei eine ganze Menge Geld in die Staatskasse befoerdern koennte -
desgleichen mit den Heiligen Leuten, die bislang Geld fuer ihr Treiben erhalten..
Vagabunden lies der Fuerst damals kurzerhand erst mal einsperren,
statt diese nach deren Gewohnheit oder Glaubensvorschriften durchzufuettern,
wie das heute gefordert und getan wird.

Die Fuersten hatten auch gute Seiten, die kuemmerten sich um Forst/Bauernwirtschaft,
um Aecker und Saaten und Zuchten, die seinerzeit vorbildlich gewesen sein muessen.
Der Name von D ungern aus Weilburg fiel immer wieder sehr haesslich auf -
durch Intrigen und Hilfen oder Absprachen mit Napoleon,
der grausam in Braunfels und der Gegend gewuetet haben muss.
"Befreit" mit Hilfe schwedischer Truppen gab das folgendes Erlebnis:
Alle fremden Truppen, die befreiten oder die besetzten, waren Wueteriche, die raubten, brandschatzten und vergewaltigten.

Alle gleicher Art.

Zwischendrin kam der Tod durch Typhus oder Pest, eingeschleppt durch Fluechtlinge oder Verwundete oder durch Verfolgte -
das "gemeine Volk" musste sich in den Zeiten von 1840 an von zwei Herrscherhaeusern bevormunden lassen -
von dem preussischen Koenig und vom ortsansaessigen Fuersten.
1848 wurde New Braunfels von Auswanderern aus Braunfels gegruendet-
die Not war die Triebfeder, eine solch lange Reise anzutreten.
Bis 1870 blieben die Besatzungssoldaten im Staedtchen haften.

Es ist ueberliefert, dass es damals bereits Leute gab,
die "Mehrfachverdiener" gewesen sind und deren Frau die Stirn besass,
beim Metzger "100gr Gesindewurst" zu kaufen - desgleichen haben wir in juengerer Zeit erlebt,
wo eine ebenso begueterte Frau aus unserem Dorf fuer ihren hochverdienenden Mann und Familie
"Wurstabschnitte fuer den Hund" bestellt hatte..
(Der Hund kam erst sehr viel spaeter in deren Haus)

Sicher sind das eher Glossen, aber 1920 weniger,
wo die Leute mit voller Kleidung eingeliefert - aber buchstaeblich des letzten Hemdes beraubt,
nur mit einem Blatt Papier bedeckt, so nackt bestattet wurden, wie die Natur sie schuf..

Die Bruederschaften St. Georgen und Sebastian
lebten inzwischen vom schwungvollen Handel mit "Ablassbriefen", den bekannten "Suendentilgungen"
durch bare Muenze:
Wenn die Muenz im Kasten klingt, die Seel aus dem Fegfeuer springt ;)

Der Georg von Solms, der gute Fuerst war nicht bereit,
in irgendeiner Form mit der Stadtbevoelkerung zu kontaktieren -
das lies er ueber seine Knisterminister machen - waehrend seine Frau schon rotkreuzlerisch taetig war,
zumindest ein solches Werk fuehrte.

Zurueck zu den Eiferern 1585, wo Graf Conrad eine "Synodalordnung" mit schaerferen Bestimmungen erlies,
als es die Kirche urspruenglich vorsah- dh.
die reformierten Glaubensgesellen waren keinen Deut besser, als die Altvorderen Katholischen:
Nach dieser Verordnung also sollte "Hurerei, Ehebruch, Blutschande
und Ungehorsam der Kinder gegen ihre Eltern mit Hinrichtung geahndet werden"

Des Grafen Sohn verschaerfte diesen Erlass damit, dass "Kirchenversaeumnisse mit Zuchthaus,
fernbleiben vom Abendmahl mit Verbannung und Zauberei mit dem Tode bestraft werden"

Der riesige Wust an schriftlichen Ueberlieferungen laesst mir stauend den Mund offen werden !

Die Untaten des "tausendjaehrigen Reiches" waren die einzigen,
die Religions- und Herrscher-Terror mit deren verrueckten Anordnungen und Gesetzen
uebertroffen haben -ideologisch und ungerecht waren alle- ein letztes Beispiel:

So war bis zum 20. Lebensjahr der Religionsunterricht fuer Ledige Pflicht,
bei hohen Strafen der Nichtbeachtung..

Unehrliche, rechtlose,unredliche, beruechtigte, verleumdete,
bescholtene, besprochene, ohnrechte, unechte, wandelbare Leute zaehlten-
neben Heiden, Zigeunern, Juden, Tuerken und Wenden- von Berufs wegen Standeslose,
- zunftsunfaehig waren jene auch-..
An der Spitze stand der Scharfrichter oder Henker den Ausgegrenzten.
Abdecker, Schaefer und Hirten, Mueller, Leineweber, Toepfer, Ziegler, Tuermer,
Nachtwaechter, fahrende Gaukler und Spielleute, Marktschreier
und Freudenmaedchen, Bader und Barbiere - folgten dieser Reihe.

Damals war man nicht zimperlich, wenn es um Ausgrenzung ging-
"Gerechtigkeit" oder gar Gleichheit war ein Fremdwort.

So liest man weiter, dass der Adel fuerchtete, die Bewaffnung -selbst im Verteidigungsfall-
des Volkes oder der Bauern das Gefuehl der Kraft zu staerken -
was mit "so viel wie moeglich durch unmerklichen Zwang in Subordination zu halten" sei.

Auf diese Weise vorverurteilt und klein gehalten, lies sich am besten herrschen und legal pluendern-
die Grundlage deren heutigen Reichtums, das kann man nicht oft genug sagen.

Die Ungerechtigkeit an den Juden kam schon beim " 4. Lateran Konzil " der katholischen Kirche im Jahr 1215 !
Schlimm, was dort alles "vorgeschrieben" und verboten wurde- bis zum Tragen von gelben Ansteckern,
die ihre ungluecklichen Traeger von jedem Gassenjungen groebste Beschimpfungen ertragen lassen mussten.
Von Berufsverboten bis zum Wort Wucher und Zinsen war alles dort drin.
(Wucher war frueher nur der Ertrag der Arbeit und des Feldes,
bis nach dem Berufsverbot fuer die Juden die Beschaeftigung mit dem kam,
was man heute Bankgeschaefte nennt.
So wurde das Wort Wucher zu Wucherer und beschimpft die Zinsen - ganz generell.

Ich will damit sagen, dass "Glaubensgesetze", egal von welcher Fraktion auch immer,
sehr unheilig oder unchristlich gewesen sind.
Wer naeheres wissen mag, kann gerne Wiki bemuehen)

1791 wurden in Frankreich die Juden den christlichen Religionen gleichgestellt,
erst 1812 endlich auch in Preussen.

Im Uebergang vom 17. ins 18.Jhd. kam in Frankreich die Revolution gegen die Diktatur der Jakobiner,
was sehr viele Arme und protzende Reiche brachte.

In den deutschen Landen war das wohl nicht viel anders, die Kleinstaaten hatte nicht einmal eine uebergreifende Justiz -
so wurde geraubt, gepluendert, ge- und erpresst, gemordet allerorten.

Ganze Distrikte wurden zu Raeuberhoehlen,
weil die politischen Aufbrueche aus den Staedten kamen und auf dem Land eher nicht griffen.

Damals wurde vor "Deserteuren, heiligen Maennnern und Vagabunden" gewarnt,
die "ueberall Buergerkriege entzuenden".
Der beruechtigte Raeuber Schinderhannes war unweit von uns,
in Langhecke im Taunus vertreten - dort wurde er auch gefasst.

http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%BCckler
Heute raubt man nicht mehr mit Pistolen, aber noch immer mit Komplizen-
man traegt Nadelstreifen und hat die Haende rein..
lacht sich ueber die kleinen oder ehrlichen Leute kaputt,
denen man Wahlmaerchen auftischt und dabei immer nur an die "Gewinnerwartung"
der "Anleger" denkt und an moeglichst viele Nebenverdienste fuer sich selbst.

Die Gesetze sind laengt zu Instrumenten der Parallelwelten geworden,
zu allem Ueberfluss heute auch noch "auslegbar"!

Noch im 19.Jhd war das Gemetzel im Namen der Gerechtigkeit
und die daran anschliessenden medizinischen Versuche an den Deliquenten
durchaus den Grausamkeiten ebenbuerdig,
die jene Missetaeter zuvor begangen hatten, denen zufolge sie hingerichtet wurden.
Galvanische und elektrische Versuche, Obduktionen und Praeparationen aller Art sind belegt,
wie auch die schlimme Sitte,
das Blut der Opfer im Becher aufzufangen und den Umstehenden zu trinken zu geben -
das soll gegen die "Fallsucht" geholfen haben..

Diese Dinge sind detailliert von zig Seiten berichtet und dokumentiert worden -
auch aus franzoesischen Uebersetzungen der Anklage und Verteidigung
und des gesamten Prozesses gegen den Johannes Bueckler, genannt Schinderhannes,
wo alleine die Anklageschrift ein und einen halben Tag gedauert haben soll.

Die Chroniken sind ein unglaublich interessanter und vielseitiger Fundus aus der alten Zeit!

1663 hatten die Kurfuersten und Staende des Reiches dem Kaiser die sogenannte "Tuerkenhilfe" zu gewaehren,
dh. es wurden umfassende Vermoegenserhebungen gemacht,
die in 32 Orten der drei Nassau-Weilburger Aemter 98000 Gulden ergaben.
Daraus wurden die Abgaben errechnet, mit denen Truppen bezahlt wurde,
die den Einfall obiger Voelker verhindern sollte.
Heute undenkbar, wo schon das uralte Wort fuer herumziehende Volksgruppen als strafbar
oder zumindest als politisch inkorrekt gilt.

Adlige oder Freiadlige Gueter waren von diesen Abgaben uebrigens nicht betroffen-
watt fuer ein Zufall.

1 Morgen = Die Flaeche, die man mit einem normalen Gespann an einem Morgen hat pfluegen koennen.
(1 Morgen gleich 160 Quadratruten 1 Rute sind 2,5mtr) http://de.wikipedia.org/wiki/Morgen_(Einheit)
Vor den Soldaten brachten die Bauern all ihr Vieh und Hab und Gut,
mitsamt den Kindern in den Wald- die Frauen versteckten sich im Korn.
Sich mit den Truppen gut zu stellen, brachte nicht viel- wenn die Vorhut nichts kaputt machte,
verwuesteten die versprengten oder nachrueckenden Verbaende um so mehr.
Alle Maenner wurden verpruegelt - was mit den Frauen geschah,
darueber schweigt der Chronist mehr aus Furcht und Entsetzen.

Im Jahr 1814/15 des Wiener Kongresses begann die Neuordnung der Religionsbedingungen:
Niemand musste mehr den Glauben uebernehmen, den der Fuerst gerade nahm
oder durch einen Machtwechsel dem Volk danach aufzwang oder -guenstigstenfalls- zum Auswandern Andersdenkender trieb.
Heute waere laengst eine Ueberarbeitung der Religionsfreiheit noetig,
die eine Art "Provokationsverbot" braucht,
damit die neuen, zugewanderten Religionen sich nicht untereinander an die Gurgel gehen.
Alle haben sie das "Sendungsbewusstsein" und "Alleinvertretungsanspruch des Allerhoechsten" im Gepaeck!
Zusaetzlich muss wohl deutlicher Religion und Staat getrennt werden,
damit die unausrottbaren religioesen Gegensaetze,
um nicht zu sagen Feindseeligkeiten aussen vor bleiben.
Auch das kann nicht oft genug gesagt werden.

Durch meine neuentdeckte Lieblingslektuere "Dorfchroniken" bleibt es nicht aus,
dass immer wieder Nachtraege auf diese Seite kommen:
Die verschiedensten Beleuchtungen der Vergangenheit, aus der wir alle abstammen,
lassen Dinge zutage treten, die kaum fassbar sind!

Aus dem "Heimberger" oder "Praetor" oder "Schultheiss", die dem Fuersten hoerig waren,
wurden ab 1827 gewaehlte Buergermeister.
Die alten Formen waren eher unbeliebt,
weil sie fuer die "Durchlauchten" den Frohn ueberwachten und einteiben halfen.
Ehre und Pflichterfuellung, fuer Kaiser und Vaterland lies Lehrer und Pfarrer zu Einpeitschern werden
fuer Treue und Pflichterfuellung - fuer "dem Volk auferzwungene" Kriege.
Statt Freiheit und Gerechtigkeit war Gottgefaelligkeit und Treue gesetzt -
die Gruende fuer militaerische Aktionen waren beliebig und austauschbar,
Blut, Ehre und Boden wurden vorgeschoben,
statt mit Demokratie und Menschenrechten einen noetigen Fortschritt einzulaeuten.
Ewig dumme heroische und pathetische Sprueche wurden gedroschen:
Den Kriegsministern war kein "Glockenopfer" oder keine "Gefallenen" zu schade,
um ihre "uebergeordneten" Ideen durchzusetzen.
Diese Kirchen - Glocken wurden zu Munition umgeschmolzen !
Mit Hurra-Rufen in den Krieg- in den "Endsieg", gegen den Feind zu maschieren, den zuvor niemand kannte.
Man fragt sich, warum niemand die christliche Botschaft verstanden zu haben scheint,
die seit Jahrhunderten -offenbar erfolglos- gepredigt wurde.
Wie kann ein Mensch den anderen erschiessen?
Nun, die Massenpolemik - woran die Presse nicht unschuldig war - trommelte fuer den Irrwitz !

Die Folge war immer die gleiche:

Zerstoerung, unzaehlige Tote auf allen Seiten, Not und Armut, Hunger und Seuchen
- am 1.1.1958 sind nach dem "Allgemeinen Kriegsfolgegesetz" die 800 Milliarden Reichsmark weitestgehend geloescht
und bis auf wenige Ausnahmen tilgungsfrei gestellt worden- um den Deutschen Staatsbankrott abzuwenden.
Das liest man sonst nirgendwo, das hoert man auch nicht im Geschichtsunterricht.

Die Landwirtschaft hat durch die Gebietsreform und verbesserter Fruchtfolge und Duengung
und Schaedlingsbekaempfung und Mechanisierung ganz enorme Ertragssteigerungen gehabt.
Statt 4 Menschen ernaehrte nun ein Bauer 75 Menschen!
Um einen Hektar Land zu pfluegen brauchte man mit dem Kuh/Ochsengespann noch 40-60 Std,
mit dem Pferdegespann nur noch 24 Std,
erste Schlepper leisteten das in ca 5 Std,
heutige Traktoren sind -in besserer Qualitaet des Ergebnisses- in 3/4 Std fertig !

Die Wetzlarer Chronik erzaehlt zuerst davon,
dass die letzte (Wuerm) Eiszeit -vor ca 50.000 Jahren- an der Donau
und an den ersten Mittelgebirgen endete,
unsere Gegend eisfrei blieb und so zum Durchzugsgebiet von Ost nach West wurde.
Fruehe Jaegergruppen zogen durch.
In der Dahlheimer Schlucht fand man Spuren menschlicher Bearbeitung
an Knochen von Wildpferd, Wollnashorn, Bison und Riesenhirsch -
primitive Steinwerkzeuge fand man in der Umgebung bis Braunfels,
die in die v o r l e t z t e (Riss) Eiszeit zuzueckdatiert werden konnten!
Die Vegetation soll trundra-aehnlich gewesen sein, wie ganz oben bereits beschrieben.

Vieles aus der Historie wurde von Moenchen festgehalten,
von Schenkungen und deren Vorgeschichte, wobei die ortseigenen Originale
laengst schon verloren, verschuettet, verbrannt oder vernichtet worden sind.
Die Schenker von "Streubesitz" waren Adlige oder auch Kloester,
denen zu weit abgelegene Besitztuemer zu teuer waren in der Verwaltung und Beaufsichtigung.

Freie Leute gehoerten weniger zu den Gebern solcher Besitzungen, sie waren eher Paechter oder besser Lehnsnehmer.

Freie Bauern konnten - wenn sie dem Verteidigungsbeitrag oder dem Thing
mit seinen Anspruechen der Gemeinsamkeitsleistung nicht mehr gewachsen waren -
ihren eigenen Besitz potenteren Maechtigen veraeussern,
die jenen dann per Lehen ein lebenslanges Nutzungsrecht bei Zahlung
des Lehensbeitrags zugestanden.
Die Lehen konnten sogar vererbt werden -dann aber unter dem Zwang des "Besthauptes" und dem,
dass die Nachkommen Unfreie waren und blieben,
haben diese das Erbe oder Lehen angetreten um ihr Auskommen zu haben.
Die "aergere Hand" setzte den Vormund auf die Erbenschaft, die dann im niedrigsten Stand war.

Irgendwie zwingt sich ein kurzer Vergleich mit den Pendlern auf,
die ihr Auto auf Kredit kaufen muessen um zur Arbeit zu kommen -
wehe, wenn das vorzeitig den Geist aufgibt - schups ist eine Hypothek auf dem Haus,
sollte eines vorhanden sein, das beliehen werden kann..

Wie oben schon erwaehnt, verwalten Voegte die Besitzungen der Kirche,
jene "Streubesitzungen", die in die Kloester als Mitgift
fuer die Toechter oder Soehne der Edlen eingebracht wurden.

Die Voegte und deren Erben erkannten zwar den Lehenbrief an,
machten aber sonst was sie wollten, veraeusserten das Lehen weiter,
unterverlehnten und bauten Kirchen in Eigenregie und stellen Priester ein-
die nur vom Archibresbyteriat oder vom Erzpriester oder Bistum anerkannt sein mussten.

Da die Adligen ebenfalls unter der Besitzteilung durch Erbschaften litten, hoben sie ihre Soehne in dieses Priesteramt,
die durch den Kirchenzehnt so ein einigermassen gutes Auskommen hatten.

Die Religion hatte ihre eigene Gerichtsbarkeit, das Sendgericht,
das aus willkuerlichen Zusammensetzungen bestand und mit der Zivilgerichtsbarkeit nichts zu tun hatte.

Die Kirche verlangte, dass jeder anzeige, was ihm zu Ohren gekommen sei:
Fluchen, Beschwoeren, Aberglaube, Ketzerei, liederliches Leben,
Ehevergehen, Wucher, Unterschleif (Schmuggel),
Gewalt und Missbrauch gegen Dienstboten, Bedraengnis gegen Witwen/Waisen.

Geistliche und weltliche Besitzungen ueberschnitten sich zuweilen, weil vererbt,
gepfaendet, verlehnt oder hinzugeheiratet,
gestiftet oder sonstwie vereinnahmt wurde -
manche schnitten wichtige Handelswege ab und lieferten so den Grund
fuer dauernde Fehden und Kriege bis zur gegenseitigen Selbstvernichtung.

So sind die Beilsteiner Herren als Wormser (Bistums) Voegte zu Macht und Geld gekommen..

Im 12.Jdh. entstand der Gedanke "Stadt", die gewissermassen aus der Retorte und nicht aus einem Dorf erwachsen,
zum marktlichen Mittelpunkt der Region werden sollte.

Wo zuerst Bauern die Abgaben entrichteten, bildete sich ein lebhafter Handel mit Unterhaltungsfaktor aus.
Die unterschiedlichsten Handwerke und Haendler verbesserten
und verguenstigten die bislang vor Ort hergestellten Gegenstaende.

Die freie Reichsstadt Wetzlar unterstand nicht dem regionalen Adel, sondern direkt dem Kaiser -
das war neu und verlangte nach gesonderter Befestigung der Stadt,
wo auch Buerger entsprechende Dienste tun mussten.
(Der Begriff Buerger kam aus "im Schutze der Burg") "Stadtluft macht frei":
Wer ein Jahr und einen Tag hier lebte, war frei von alter Abhaengigkeit und Leibeigenschaften etc.

Der Kaiser setzte einen Vogt ein, bevor der Propst sich zum Alleinherrscher aufschwingen konnte-
so musste er sich auf Kirchenbelange zurueckziehen
und ein weltliches Gericht mit Schoeffen regelte Sitten und Strafen.

Grund und Boden waren nur in Erbleihe zu erwerben und
so entzog man Spekulationen ganz frueh den Boden!

Wohnungen wurden gebaut, die ebenfalls in Erbleihe -eine Art von Miete- bezogen werden konnten,
ohne dass der Bewohner dadurch unfrei wurde,
wie das bei den Regionalfuersten der Fall war.
Eigenes Geld wurde gepraegt, das Wort "Pfenning" kam vom keltischen "Pfaennchen",
einer kleinen schuesselfoermig gepraegten Muenze.

Mit 4 Bannmailen ausgestattet, waren die Zugaenge zur freien Reichsstadt vor Zukaeufen sicher,
die so manchen Ort durch Wegesteuern fremder Maechte behinderten.
Ein reger Austausch zwischen Stadt und Land kam auf..

Der Namenszusatz "von" ist keinesfalls ein Hinweis auf Adelige,
sondern bezog sich auf die geographische Herkunft - zum Beweis dieser These:
Eine Reihe Niederadlige haben kein "von" im Namen.

Interessant fand ich folgende Bemerkung:
So manche Strasse war schmutzig, ausgefahren, jedermanns Abfallgrube und von niemandem bereut,
solange sie nicht ganz und gar unwegbar war..

Strassen im heutigen Sinne kamen erst im 19.Jhd. auf -
zuvor hiess z.B. eine Strasse nicht grundlos "Guellgasse":
"gole, Unrat, gully, engl. Abwasserrinne"
Von den Blaufaerbern,
Metzgern oder anderen Zuenften flossen die Abwaesser schlicht vom Hof auf die Strasse.

Wer mal auf dem Altkoenig (Koenigstein, Falkenstein) war, spuerte die Ausstrahlung dieses Ortes, die eine ganz besondere ist..

Die gewaltsame Ausloeschung einer alten Religionskultur der Kelten durch das Christentum,
das alle Kultstaetten ruecksichtslos ueberbaute,
konnte wohl auf diesem heiligen Berg nicht landen- er lag zu hoch und zu weit weg von den Staedten.
Er war Fliehburg und Kultplatz, mit heiligen Quellen und allem was dazu gehoert.

Leider fehlte allen damaligen Voelkern der Zusammenhalt,
die uebergeordnete Lenkung und so wurden sie von anderen ueberrannt, die in Massen kamen.

Diese Seite ist ein Sammelsurium von Dingen, die sich in langen Jahrtausenden zugetragen haben
und so kommt aus div. Buechern das Mittelalter wieder vor:
33 % Zins nahmen diejenigen, in deren heiligem Buch davor ausdruecklich geflucht wurde.
Das Geld siegte ueber alle Froemmigkeit, zumal nur wenige Einnahmequellen fuer jene frei waren.

Aufgesetzter Glauben, angetaeusche Religioesitaet?
Aussaetzige, Leprakranke wurde in sogenannten "Gutleuthaeusern" untergebracht
und mussten klappern, wenn sie Betteltouren machen wollten.

Dagegen hockten die Wohlhabenden in Badehaeusern bei Schmauss, Bier und Wein,
sie frassen und soffen - das Geld war da:
Wenige Familien waren "schoeffenfaehig",
aus deren Reihen wurden die 12 (heilige Zahl) Schoeffen "generiert", wenn kein geeigneter da war,
kamen die Schwiegersoehne an die Reihe.
(Vetternwirtschaft und Seilschaften in Reinkultur)
6-8 Familien dieser feinen Art gab es in Wetzlar,
die 12 Schoeffen stellen?

Ja, weil die Familiennamen noch nicht festgeschrieben waren-
so konnte mancher unter anderer Bezeichnung noch einen weiteren Posten ergattern.
Diese Schoeffen waren wie Patrizier, mit so viel Geld ausgestattet,
dass sie dieses Amt ausueben und ihrer eigentlichen Beschaeftigung laengere Zeit fernbleiben konnten.
Sie schlemmten und tranken alleweil auf Kosten der Stadt - bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
Die Einkuenfte kamen nicht aus der mageren Besoldung als Schoeffe,
sondern aus Zins- und Kapital- und Fruchtrenten.

Eine Art "Geldadel", der sich auch mal mit dem niedrigen echten Adel mischte.
Manche kamen -wie heute die Bauern- durch die Aufwertung des Ackerlandes als Bauland zu viel Geld.

Um 1350 wurden Verbindlichkeiten privater Schuldner als "Leibrente" sogar weiterverkauft-
so kam die Stadt beliebig an hohe Sofortgelder-
bei Saeumigkeit wurde der gesamte Betrag vom umspruenglichen Schuldner sofort faellig, mit hohen Zinsen.

Das weckte die Gier der Zuenfte mit ihren wohlhabenden Kaufleuten und selbstaendigen Handwerkern (wie heute) ,
die am "Entscheidungsprozess" teilhaben wollten -
die Zuenfte regierten und verwalteten nun mit- was der Landesherr unterbinden wollte
und so kam ein Aufstand, bei dem die Zuenfte alles zerschlugen und zerdepperten,
was die Schoeffenfamilien hatten:
Fenster, Kacheloefen, Geschirr und sie zerfetzten die Schuldbriefe oder "Leibrent-Scheine".
Die umliegenden Grafen hafteten sich sofort an den Konflikt, um ihre Interessen zu staerken -
was die Kleriker ebenso machten, die gerne in Personalunion auftraten.
(Den aermeren Leuten fehlte es an Fensterglas
und sie hatten beissenden Qualm durch das offene Feuer in den Augen, wenn sie heizen mussten.)

Damals wurden ganze Staedte verpfaendet oder abgetreten (wie heute die Firmen mit Mann und Maus) an den Meistbietenden.

So ging es auch Wetzlar, wo anschiessend die Grafen des Umlandes ihre Willkuer trieben.
Durch Fehden, Schulden, Seuchen wanderten viele Menschen ab, ganze Bezirke standen leer.
Die Schulden blieben haften und so manche Familie zahlte daran bis in die Enkelgeneration,
manchmal ohne den Grund fuer diese hohen Schulden zu kennen, die diese Leibrenten abverlangten.
Die Nachkommen der Glaeubiger fochten unbarmherzig ihren ererbten Anspruch durch.

Gab es damals schon "Abmahner"? Sogenannte "Freischoeffen" klagten im Namen der Glaeubiger Rechte ein,
ohne zuvor einen Auftrag dafuer erhalten zu haben.
Vermutlich waren die Gewinne aus dieser "Anwaltstaetigkeit" recht gut.

"Wuestungen" und Leerstaende sind also schon vor dem 30jaehrigen Krieg da gewesen -
schier aus oekonomischen Gruenden,
mal war der Boden nicht gut gewaehlt, mal starb die Mannlinie aus, mal war der Hof verpfaendet -
weil der Inhaber sich Bares goennen wollte oder musste.

Lustig ging es in den "Stiftungen" zu, die religioese Absichten zumindest vorschoben,
um dem adligen Nachwuchs ein festes Auskommen zu garantieren.
Diesen Stiftungen flossen Schenkungen zu, sie unterschieden sich somit deutlich von Bettelorden.
In einer Parallelwelt lebten Leute, die nicht mal unbedingt die Priesterweihe haben mussten.
Sie beteten fuer Geld zu Gunsten des Zahlers.
Eine Art Gebets-Messe-Manufakturen fuer Wohlhabende mit schlechtem Gewissen. Nuechtern,
durch die Kaufmanns- oder Anwaltsbrille betrachtet,
trachtete man nach Gewinn - und wenn dieser durch die Verwaltung des Glaubens zustande kommt!

Diese Art der Volksverdummung war latent angelegt
und gestattete Anwesenheitspraemien fuer den Geistlichen, die "Praesenz" genannt wurde.
Damit besserten sich die Fuerbitter -zu den Tandiemen aus dem eingebrachten Fond-
durch ein stattliches Zusatzeinkommen ein "Zubrot" auf.
(Aehnlich wie heute die Politiker mit den "Zuverdiensten" durch irgendwelche schlauen Reden ausserhalb ihres Amtes)

Zudem bekamen diese Prediger einen festen Anteil an den Geldern, die in der Messe einfliessen.
Alle Kleriker genossen Immunitaet vor weltlicher Strafverfolgung:
Trotz des ueberlieferten "skandaloesen Lebenswandels",
den einige an den Tag gelegt haben sollen.

Interessant waren die genau aufgeschluesselten Ablasse,
die ein Besuch bei der Messe oder Andachten und Prozessionen einbrachten:
Nach Tagen und Anlaessen gestaffelt konnte der "Suender" frei von Schuld werden.

(Beispiel: 1000 Tage laessliche Suenden, 1 Fastensuende, 26 Festsuenden) Wie nach einem Kontobuch!

Die verschiedenen Facetten der Ueberlieferungen sind raeumlich unterschiedlich festgehalten worden -
nach einigen Orts-Chroniken verdichtet sich die Geschichte zu einem deutlicheren Eindruck.

Interessant fand ich den Umstand, dass nicht jeder der Schoeffen
(zur Erinnerung: Patrizier, Richter und Anwalt, Ratsherr)
schreiben und lesen konnte.
(Nicht jeder Chef kann maschinenschreiben oder mit dem PC umgehen)

Stiftsueberschuesse an Lebensmitteln sind auf den heimischen Maerkten aufgetaucht -
konkurrenzlos billig, weil sie eigentlich Eigenbedarf und damit steuerfrei waren.
Das schwaechte den Markt und schuf nochmal ein misstrauig beaeugtes Ungleichgewicht.

Es wird berichtet, dass das ausgehende Mittelalter zu "groben Genuessen und laermenden Festen" neigte,
die "auf der anderen Seite uebertriebene Buß-Eiferer schuf,
die Dauerbeten, Wallfahrten bis zu "Wanderprozessionen" zeigte.
(Dabei wurde der hl. Andreas - zumindest seine Darstellung -
mitgeschleppt und auf den Stationen immer wieder angebetet oder "verehrt".
Ueberhaupt war der "Glaubenseifer", Standesduenkel und uebersteigerte Vorliebe
fuer den engsten Lebenskreis in den Koepfen ein Problem.
(Ist das heute nicht zuweilen ebenso?)

Weitere Buendnisse eurp. Art fuehrten -leider- nicht zu besseren Bedingungen,
sondern eher zu immer wirreren Buendnis-Verwicklungen und zu noch mehr Kriegen.
Da die Bevoelkerung immer wieder alles abgenommen bekam,
was sie schafften und bewirkten, meldeten sich immer mehr zu den Soldaten
und kaempften zuweilen mal fuer Frankreich, mal fuer Schweden, mal fuer Holland, mal fuer einen der Fuersten rundherum..
Was dem 30jaehrigen Krieg folgte, war der Absolutismus und Prunksucht der Fuersten- dem alles gehoerte.
Einfach so, per "Edikt" - ein wenig klingt aus den Anordnung unserer heutigen Ministerien noch immer durch:
"ist zu tun" oder "hat eingehalten zu werden" etc.

Schultheiße und deren Helfer, die "Heimberger" waren Vertrauensleute der Fuersten,
sie schaetzten die Ernte und Ertraege, damit die Abgaben garantiert abgefuehrt wurden.
Der "Landesvater" lies keine Gelegenheit aus, seinen "Kindern" oder besser Einwohnern
"Raison" beizubringen mit zig Verordnungen, die in jedes Lebensdetail reichten.

(Beliebt waren diese Leute freilich nicht- man erkannte sie an der guten Ausstattung schon von weitem,
sie sollten sich gegen die einfache Bevoelkerung abheben)
Bis zu Vorschriften fuer Feierlichkeiten, was die Zahl der Gaeste,
die Menge und Art der Getraenke und Speisen und die Dauer der Festlichkeiten anging.
Das Ziel?
Die Leute sollten sparsam leben, damit das Herrscherhaus im Bedarfsfall zahlungsfaehige Untertanen hatte-
geschwind noch mal eine neue Steuer, eine Abgabe auf Einfuhren oder Importe oder fuer eine Kriegslast etc.
Der Fuerst regelte alles und wurde so ueberall "Teilhaber" und der einige Grossunternehmer,
der an jedem Geschaeft verdiente.

Ach ja:
Noch im 17.Jhd. haben Luchse und Woelfe grosse Schaeden in der Mitte Hessens angerichtet, so wird berichtet.
Deshalb hat man sie in diesen Jahren ausgerottet.
(Dass auch das Jagdrecht allein dem Fuersten gehoerte, duerfte nicht verwundern-
die Untertanen durften als Treiber taetig sein-
ob denen dieser Dienst passte oder nicht)

Rauschende Feste und bestens ausgestattetes Hofleben war ein "must have" -
man wollte sich nicht blamieren, wenn hohe Gaeste kamen.
Das grosse Vorbild war Paris, dort kam die Hofart her und diesem Treiben wurde nachgeaefft, koste was es wolle.

In der alten Zeit, als die Lehrer in den Elternhaeuser ihrer Schueler Geld einholen mussten,
kam es wohl oft zu peinlichen Szenen,
zu Gewogenheiten aber auch, wo wohl "Ruecksicht auf die Spender" genommen werden mussten,
wenn Noten verteilt wurden.
Ich selbst kann mich noch daran erinnern,
dass in der Volksschule oft genug mit Dosenwurst geschmiert wurde!
(Kein Witz, es finden sich bestimmt noch genug, die aehnliches berichten koennen)

Zurueck in die alte Zeit:
Im Kampf gegen den Aberglauben verbot man das "Wetterlaeuten" zum Vertreiben von Gewitter,
gegen Wahrsagen, Besprechen und Bannen -
von den Hexenverfolgungen gibt es so viele Berichte, dass ich mir das spare.

Zur Ehrenrettung Napoleons muss gesagt sein,
dass er vom Joch der kleinen Fuersten und deren Willkuer ein Ende gesetzt hat,
auch wenn seine Soldaten in dem staendigen Hin und Her zuweilen die feine Art verloren haben
und in schlechter Erinnerung waren.

Die Anfaenge der Demokratie gingen ueber die Vertreter der Zuenfte,
die an Stelle der alten Patrizier-Schoeffen kamen-
holprig und manchmal guenstlingsartig.

Wetzlar wurde 1689 noch als "bergig, als uebles Pflaster,
habe noch Strohdaecher und Dungstaetten auf den Gassen" beschrieben.
Diese Dinge besserten sich erst, als die rueckstaendigen Zuenfte zu mehr Vielfalt des Angebotes gebracht wurden
und zu besseren hygienischen Bedingungen
- die der Zuzug von hochwohlgeborenen und feinen Leuten forderte, die das Reichskammergericht mit sich brachte.
Bald bluehte der Luxus und bislang unbekannte Dienstleistungen und Geschaefte mit fremden Sachen aus aller Welt,
mit Schauspiel und Malern und Heilern.

Trotzdem wurde die Stadt als "uebel gebaut" betrachtet und so berichtet die Chronik:
"vom alten Friedhof am Domplatz stiegen Sonnenaufgangs im Sommer etliche Schuhe hoch
der blaue Dampf seiner Ausduenstungen hoch",
so ueberbelegt sei dieser gewesen..

Seit 1811 musste jeder einen festen Familiennamen haben oder annehmen und eintragen lassen.
Zuweilen kamen so recht lustige und phantasievolle Namen zustande, aus dem Tier- und Pflanzenreich stammende.

Nach 1824 "widersetzten sich die Esel, ob beladen oder nicht,
der Verkehrsordnung hartnaeckig - die Leute werden aufgerufen, darob besser Sorge zu tragen".
In diesem Jahr wurde die erste Strassenlaterne in der Stadt angeschafft,
die man an einer Kette herablassen, putzen und befuellen konnte.
Der Stadtsaeckel konnte die folgenden Laternen nicht bezahlen
und so wurde das Instrument der "Hundesteuer" eingefuehrt, die dieses zu finanzieren half
- zusaetzlich gab es fuer 10 Jahre eine "Chausee-Steuer",
damit die Pflasterarbeiten bezahlt werden konnten.
Erst 1876 entsprach eine Zeitung den heutigen Vorstellungen -
zuvor traf man sich in Gasthaeusern zu Diskussionsrunden oder vor der Post,
wenn der Reiter oder die Postkutsche kam- freizuegig erzaehlte man den Freunden,
was die fernen Verwandten ueber allerlei Zustaende schrieben
und blieb so ein wenig auf dem Laufenden, was in der Ferne geschah -
ohne Zensur durch die Obrigkeit,die so manches "filterte",
wie heute auch, wenn durch Auslassungen manipuliert wird.

(Das kann man leicht feststellen- indem div. Quellen
zu einer Nachricht herangezogen werden -
so manchmal glaenzt es durch Auslassungen oder Gendern,
und anderen Verschleierungsversuchen..

1848 - die revolutionaeren Gedanken der grossen Staedte
hatten wohl im heimischen Raum wenig Freunde und Anhaenger gefunden,
was schon im "Links-Sprech" gelegen haben mag.

Die Unternehmer waren weniger "Kapitalisten", die Arbeiter weniger "Proletarier",
als das die Studentenverbindungen gerne gesehen haetten.

Hier pendelten die Mitarbeiter der Firmen lieber weiter auf das Land,
weil sie an der kleinen Scholle als Zusatzeinkommen hingen-
Steckenpferd, Zusaetzernaehrung und Sicherheit waren besser, als eine Gettoisierung in der Stadt zu erleiden.
Diese -im Grunde wohl konservative, wie auch positivistische Einstellung der Leute liebte geruhsames Leben,
keine Revolutionen und keinen Krieg.

So wurde die beginnenden Industrialisierung nicht zur Entmenschlichung durch die Rationalisierung,
sondern blieb bodennah - auch politisch.

"Klassenkaempfer" haben hier nie Fuss fassen koennen, das ist bis heute so.

Das "deutsche Wunder" kommt also aus dem "Wir-Gefuehl" und Zusammenhalt,
der in laendlichen Raeumen doch noch groesser ist.

Soweit aus der Wetzlarer Chronik in Nachempfindung des Gelesenen.

Die 1000 jaehrige Geschichte eines kleinen Ortes im Taunus - Muenster -
wird die Grundlage der nachfolgenden Zeilen werden.

Die Autobahn A3 verlaeuft 6km suedwestlich von Muenster/Taunus und ist mir deshalb die Erwaehnung wert,
weil sie wie die fruehmittelalterliche Route
von Byzanz-Ungarn-Boehmen-Nuernberg-Frankfurt-Limburg-Altenkirchen-Koeln- nach Flandern und Brabant geht!
In die anderen Himmelsrichtungen gingen die Hessenstrasse und die Heeresstrasse direkt am Ort vorbei-
wie fast ueberall, waren auch an diesem Knotenpunkt fast alle Leute unfrei oder Leibeigene,
die "wie Vieh verkauft oder gekauft, ohne gefragt zu werden" -fremdbestimmt wurden.
So bekam der Lehnsherr -nur von der Gemeinde, ohne die umliegenden Gueter-
im Jahr 1596 fuenfzig Kaese, 30 Huehner, 2 Gaense, 7 Gulden, 19 Albus,
6 Pfennige, 18 Malter Korn, 1,5 Sester Weizen, 7 Malter Hafer und 8 Simmern Erbsen an Fron oder Abgaben.

Nicht zu vergleichen mit heutigen Abgaben,
die zu sozialen und gesundheitlichen oder logistischen Zwecken bestimmt sind- wo die Gemeinde und Gemeinschaft
fuer Strassen/Strom/Gas/Wasser und Verwaltung sorgt.

Die Fron - Abgaben wurden schlicht von den Klosterleuten vertilgt oder verkauft,
ohne dass die Gemeinden etwas davon hatten.

Das Geheimnis der krummen Fachwerkbalken:
Frisch geschlagenes Holz aus dem Wald!
"Die Scheune wurde spaeter stark gerichtet"
Vom Foerster ueber die Handlanger aller Art,
vom Maurer und vom Buergermeister und Wirt haben alle sehr kraeftig gegelangt,
viel gegessen und noch mehr getrunken, wie die Abrechnungen dieser Zeit belegen.
Muenster war evangelisch und Villmar katholisch:
Melanchton war der wichtigste Mitarbeiter Luthers und weilte eine Zeit auf Schloss Runkel,-
er und andere Reformatoren besuchten gerne die Fuerstenhaeuser,
teils auf Vermittlung der adligen Verwandten -
die sich allesamt von den Klerikern mit ihren befestigten Bischofsitzen
mit den krakenhaft ausgedehnten Besitzungen loesen wollten..

Die eigentlichen Gruende der Evangelisierung waren wohl Gebietskaempfe und Begierlichkeiten -
mehr Politik als Glauben!

Es gab Uebergriffe vom evangelischen Runkel gegen die katholische Kirche zu Villmar,
wo auf primitive Art gewuetet worden sein soll.

Damals wie heute gab es oberste Moralapostel, die stets unter sueffisantem Grinsen erklaeren,
dass es eine "Kopfsache" sei, ob man Zuwanderung als Konkurrenz oder als Bereicherung "empfinden" koenne..

Der 30jaehrige Krieg war von allen Kriegen der Schlimmste,
er verschonte nichts und niemanden, auch nicht die "Brueder im Glauben"!
Als Beispiel dient die Kostenaufstellung der 9 mtl. "Einquartierung" einer Companie Kuerassiere in Runkel 1636:
Das Regiment Montecuculi mit 30 Reitern und 63 Pferden kostete die Stadt 1950 Reichtaler
und fast 200 Ztr Hafer, fast 400 Ztr Heu und 17 Ztr Stroh.
(Zusaetzlich kam die Verpflegung der Menschen)

Interessant finde ich, dass die Familien der Soldaten mit "ins Feld" zogen!

Nach dem 30jaehrigen Krieg kamen in Reihenfolge 6 verschiedene Kriege ueber das Land,
die stets bittere Not und Schulden hinterliesen:
"Die Krise" gab es damals schon - so erlies der Fuerst Christian Graf zu Wied
ein umfassendes Edikt der Abwicklung und dezitierter Sparsamkeit fuer die Untertaten - z.B. "durfte" ein Waldstueck abgeerntet,
das Holz "meistbringend" verkauft und folglich darauf Feldfruechte angebaut werden.
(Er bekam von allem freilich weiterhin den Zehnten).
Die Wiederaufforstung war nach einer Zeit vorgeschrieben, das Saatgut ist freilich von der Gemeinde zu leisten.

O-Ton des Grafen:
"die nachlaessigen, halsstarrigen und liderlichen Einwohner aber sollen von Zeit zu Zeit nach heischender Notdurft
(Beduerftigkeit) Unserer Regierung zu weiterer Massnahme oder Zuechtigung schriftlich angezeigt werden"

Im Gebiet blieben fast nur noch 7-12 Haeuser des Dorfes uebrig!

Die Runkeler Grafen zeigten sich sehr absolutistisch, frech und herrisch - trotz allem Unheil.
1648-1651 verbrannten 18 Hexen und zwei Hexer im Kirchspiel Muenster.

Eine Schwester eines der "Hexer" leugnete, dass es Hexen gaebe -
und tat so die "strafwuerdigste Ketzerei", die erst nach langen Prozessen
in div. Gerichten zum Erfolg der Straffreiheit gefuehrt haben soll.
(Die Anklagen waren so manigfaltig, dass praktisch jede Krankheit,
jeder Tod und jedes sterbende Vieh auf sie abgewalzt worden war)

Ein anderer Fall: "Am 8.1.1706 starb Margrete Hasselbaecherin,
104 Jahre alt und 45 Jahre Wittib (Witwe).
Sie war 15 Jahre zu Beginn des 30j. Krieges, den sie um 58 Jahre ueberlebt hat!"

Die vielfaeltige Grubentaetigkeit der Gegend war freilich auch mit einigen Ungluecken behaftet:
"Eine eingefallene Wand zerquetschte Anton Hepp, 14 Jahre und 3 Monate alt"
Die groesste und zugleich letzte Grube des Ortes -
die wie alle anderen der "Rentabilitaet" zum Opfer fiel,
weil aus anderen Laendern billigere Erze kamen -
foerderte von 1948-1970 gut 2 Millionen Tonnen 40%iges Eisenerz.

In jedem Dorf gab es einen "Backes", ein Backhaus mit grossem, gemauerten Ofen,
der mit Reissig -in der Backroehre selbst-
angeheizt und dann ausgekehrt wurde, wenn die Steine heiss genug waren:
Eine Kornaehre zeigte an, wenn die Temperatur richtig war.
Braun wurde sie- war sie schwarz, war die Temperatur zu hoch.
Es war bei Strafe strikt verboten, in den Haeusern zu backen:
Fachwerk und Strohdach waren schnell eine "zuendende Sache"!
Oft genug sind ganze Dorfseiten abgebrannt,
wenn die dicht stehenden Stallungen und Scheunen (auch selbstentzuendend) Feuer fingen.
In diesen Backes war die Ratsstube untergebracht, bevor eigene Haeuser dafuer gebaut wurden.
Manchmal war oben auch - mit Zugang von oben - eine "Armenstube" untergebracht,
dh. eine Art Sozialvorsorge.

Der Friedhof in Muenster lag auf dem Backesberg, bei der Kirche und war in 3 Klassen eingereiht.
Am Gruendonnerstag bekam der Pfarrer von jedem Abendmahlteilnehmer ein Osterei,
nach 1768 waren es 4 Eier.

(Zu den vielen kleinen Geldern, die durch Taufen, Umschreibungen, Heiraten und jede Handreichung faellig waren)

Maennliche Buerger waren zu Tag- und Nachwachen verpflichtet -
trotz dem ein Feldschuetz vorhanden war - und zu Botengaengen fuer die Gemeinde,
den Pfarrer oder den Landesherren heran zitierbar !
Der Zehnt wurde 1845 durch eine einmalige Abloese-Summe geloescht,
was das Dorf enorm verschuldete: 50.000 Gulden !
Die Pfarrei bekam nochmal 1080 Gulden von den Buergern.
Wir zahlen heute nurmehr etwa ein Drittel des Zehnten,
weil die kleinen Leutchen die anspruchsvollen herrschenden Schichten direkt bezahlen mussten,
die sich aus Fabrikbesitzern, Fuerstenhaeusern, Offiziere,
hohen Beamten und der sogenannten Geistlichkeit zusammen setzte,
wo auch noch laufend rivalisierende Kleinkriege ausgefochten
und Feudalleben finanziert wurden, wobei der ganze Adel -der immer weiter wurde-
keine Abgabenlast zahlen musste.

Muehlen waren immer eine eintraegliche Steuer-Sache - es ist ueberliefert,
dass eine Verpfaendung der Muehlenpacht im Jahr 1622 gut 4000 Gulden brachte!
(Es gab in den meisten Orten den "Muehlenbann", wo der ganze Ort und das Umfeld dort mahlen lassen mussten)

Interessant war, dass ein Gulden faellig wurde, wenn jemand beim Spaziergang auf den Feldern am Sonntag "erwischt" wurde:
Diese Strafe kam in die Almosenkasse der Kirche und war fuer jedes Fehlbleiben des Gottesdienstes gedacht.
Bei jeglichen Arbeiten oder sogar fuer das Kartenspiel am Sonntag
musste umgehend Strafe an die Kirche gezahlt werden, die unerbittlich eingezogen wurden:

"Das gute Wort Gottes" kam so den Menschen naeher!

Im Jahr 1851, so ist ueberliefert, bekam der 2. Lehrer
(der keine Zusatzeinkommen oder Felder hatte) 180 Gulden netto im Jahr an Besoldung
plus freier Wohnung.
Mit einer Familie, so der Chronist,
waere damit ein eher beschwerliches Leben moeglich gewesen.
(Grubenarbeiter waren nicht studiert und bekamen weniger,
mussten aber mit ein wenig Landwirtschaft zuarbeiten, damit die Familie leben konnte)
Geldwert - Beispiel aus diesem Jahr:
Von diesen 180 Gulden konnte man 450 Brote und 27 Ztr Kartoffeln kaufen.

Wissenswert ist, dass die Orts und Ortsverbindungsstrassen erst nach 1945 geteert wurden.

Im Jahr 1916 soll die Uhr erstmals um eine Stunde vorgestellt worden sein,
damit das Sonnenlicht besser ausgenutzt werden konnte.
.. und immer waren es die "Honoratioren", die fuer die Kriege einpeitschten,
Reden schwangen und "patriotische" Lieder bauten ..
die wichtigen Mitlaeufer waren es, die Potentaten und Fuersten Macht gaben und nichts anderes-
diese zwangen die kleinen Leute und so waren sie letztlich mit die Hauptverantwortlichen
fuer das nachfolgende menschliche Leid, Elend und den Hunger,
der die Dorfbewohner wie eine Seuche heimsuchte.
Inmitten der Verluste der Maenner, die "ins Feld gezogen" waren,
kamen Krankheiten und Hungerfluechtlinge aus der Stadt,
die all ihre Habe verloren haben.

Die Ursache des Krieges ist mal Groessenwahn, mal alte Adelsfehden,
mal Gier von Despoten nach Land und Macht,
oft genug war der Glaube, aber auch weite Arbeitslosigkeiten daran schuld,
die mit Hilfe der Kriegsmaschinerie uebertuencht wurde.
Das Ende der Chronik aus Muenster schreibt vom "Zusammenwachsen",
von Freundschaft und von "Durchmischung" von Neubuergern und Einheimischen,-
damals, nach den Weltkriegen schweisste die Not zusammen, heute tun sich die Staedte sehr schwer damit-
weil zu viele aus einem Zuwanderungsgebiet aufeinander hocken und schon deshalb unsere Sprache nicht zu erlernen brauchen -
hier auf dem Land sind diese Separat-Gesellschaften nicht zu finden.
Friedvolle Einigkeit statt Parallelgesellschaften ist allemal das beste Predigtziel,
besser als jede ferne Berliner Ideologie.

Die naechste Chronik, diesmal von Obernhausen..
700 Jahre alt, ein Ort im Westerwald, nahe der Lahn, am Kallenbach gelegen.
Im Nachbarort Niedershausen soll in frueher Zeit "ausgedehnter Weinbau" betrieben worden sein.
Die Ueberlieferung, dass im Jahr 1783 der Schnee so hoch gelegen haben soll,
dass man Gaenge zwischen den Haeusern und den Scheunen graben musste,
finde ich bemerkenswert.

1830 soll ein starkes Erdbeben die "Moebel in den Haeusern wandern" gelassen haben,
starke Baeume wurden in Mengen niedergelegt,
Haeuser in den Hoehenlagen eingedrueckt und zerstoert.

Den Titel "Graf" durfte man wohl als "Grafen-Amt" verstehen, das ein hoher Verwaltungsposten / Vogt war,
das vom Koenig des Gaues auf Lebenszeit verliehen wurde.
Der Adel uebernahm seinen Familiennamen interessanterweise vom Burg- oder Ortsnamen!

Zum Beispiel der Burg Nassau, die ein- oder uebernommen wurde von den Laurenburgern,
die sich dann fortan und bis heute "Grafen von Nassau" nannten.
Diese Burschen hatten zwar einen sehr engen Draht zu den Stauferkoenigen und Kaisern,
durften aber dennoch nicht in Weilburg eine Schutzburg
oder befestigte Anlage errichten, weil das Bistum Worms die Hand in weiten Teilen darueber hatte -
Nicht dumm, bauten die "Grafen von Nassau" an der Weil bei Freienfels,
unmittelbar bei Weilburg, eine neue Burg und erorberten so das,
was ihnen per Edikt nicht erlaubt war -
trotz "Exkommunikationsdrohung fuer den Grafen und seine Nachkommen" - lies sich spaeter ein Handel machen,
indem sich der Eroberer freigiebig zeigte und den Kirchen Gelder zukommen lies.

(Geld regiert die Welt)

Ob aus Worms oder anderen Orten am Rhein -
immer kamen die Herrschaften von weit her und nahmen sich, was sie kriegen konnten.
Walram I von Nassau nahm trotz der Differenzen an den "Kreuzzuegen" teil -
damit und mit den Geschenken heilte er den Schmach der Kleriker ganz geschwind.
In der sogenannten "kaiserlosen Zeit" schwand jede Hemmung und die Wegelagerei der "ehrbaren" Fuersten begann.
Wilhelm V. von Nasse schuf den Beamtenstand mit seinem Kadavergehorsam,
dafuer sogar eine Waisenkasse der Staatsdiener -
und viele neue gesetzliche Sicherheiten, die schliesslich die Grafschaft zum Erbluehen brachte.
In Nachfolge der Prinzen von Oranien, die zu "Erbstatthaltern der Vereinigen Provinzen"
( und seit 1815 zu Koenigen der Niederlande) geworden waren

Der Cent (Zent, Zehnt) war die Hundertschaft (lat. Centum) an Feuerstellen (Familien) an Leibeigenen.
Der Zehnt betrug also jede 11. Garbe, das "Medum" lies den 6. Teil der Ernte, des Ertrages abfuehren.
Letzteres war identisch mit dem "Neurod", die Abgabe auf den Ertrag eines neu gerodeten Stueck Landes.

"Kanoniker", Priester, Voegte und Fuersten waren oft genug in "Personalunion" zu finden.

Die Waldschmieden folgten nicht unbedingt dem Eisenstein - die Findlinge wurden vor Ort geklopft,
das taube Gestein abgeschlagen und dann dorthin transportiert, wo Wald war.
Die riesigen und zahlreichen Halden wurden lange Zeit zur Befestigung von Waldwegen benutzt,
sie bestanden aus dem tauben Gestein,
besonders aber aus poroeser Eisenschlacke. Diese Deponien entlang der Wege sind noch lange nicht erschoepft.

Mit Faltenbaelgen und gemauerten Rennoefen wurden die Eisensteine und Holzkohle -geschichtet- geschmolzen.
Anschliessend wurden die Oefen aufgebrochen und die "Luppe" entnommen.
Diese wurde mit Holzhaemmern in Form geschmiedet, so dass sie auf an Stricken angebunden (auf der Schulter) und so auf die Maerkte
oder zu den Dorfschmieden transportiert werden konnten.
Die Holzkohle gewann man direkt vor Ort.
Spaeter wurde die Wasserkraft zur Windentfachung genommen, so kamen die Waldschmiede in die Auen.
Der so gewonnene Stahl soll recht hochwertig gewesen sein,
trotzdem ist durch diese harte Taetigkeit keiner reich geworden..

Im 30jaehrigen Krieg tobte die "protestantische Union" gegen die "katholische Liga" -
erstere spaehte mit Hilfe von abgerichteten Eichelhaehern,
die laut ueber den Baeumen kreiste, wo sich Teile der Bevoelkerung vor den Schweden,
den "Befreiern" (Deubel mit dem Belzebub ausgetrieben) versteckten..

Ein schraeger Fall von damals:
Ein Korb Futter-Gras, das eine Frau am Waldrand fuer ihre Ziegen gesammelt hatte, brachte ihre Unannehmlichkeiten
wegen Diebstahls und eine Nacht im "Bullesje" ein, weil der damals preussische Foerster sie erwischt hatte.

Die schulischen Geschichtsvermittlungen sagen kein Wort davon, dass spaeter,
im Hungerwinter 1946/47 das Leben so hart war, dass 500.000 starben..

Mittelhessen hatte im Jahr 1919 noch 21% der Eisenfoerderung des Deutschen Reichs!
Wer heute die Landschaft durchwandert, wird das kaum glauben.
Fuer 1 Wagen Eisenerz benoetigte man 32 Wagen Holz um dieses zu bearbeiten -
wenn man bedenkt, dass in der Grube Eppstein
wohl 750.000 Tonnen Erz gefoerdert wurden..
.. so entstanden die grossen Kahlflaechen der damaligen Zeit.

Interessant oder am Rande bemerkt:
Mitte der 1950iger Jahre kamen die ersten Kuehltruhen in die Laeden,
- endlich gab es Speiseeis zu kaufen!
Noch ein paar Zahlen?
1900: Die Geschaefte durften werktags von 05.00 bis 21.00 oeffnen,
im Jahr 1919 von 06.00 bis 19.00 - mit dem Sonntag als Ruhetag.
Erst ab 1956 war 18.30 Uhr Ladenschluss - Samstags 14.00 Uhr.
Der "lange Samstag" folgte 1957.

In der Ortschronik von Obersdorf bin ich auf einen Hinweis zum "Westerwaelder Kuhhund" gestossen- ein zaeher,
mit langen roten Haaren und angstfreier Hund,
der in der Groesse zwischen Schaeferhund (DSH) und dem Spitz angesiedelt ist.
Die "reinste altdeutsche Huetehunderasse", heisst es weiter..

Die Flachsfelder seien damals typisch gewesen, mit ihren kornblumenblauen leuchtenden Blueten.
Flachs gab es als Oelflachs und solchen, bei dem die Samen gleich in der Kueche verwendet wurden.
Diese Frucht war lange vor der Baum-Woll-Zeit "Mode"- mit der Wurzel ausgezogen,
auf Hausten getrocknet, die Samenkapseln entfernt-
begannen nach ein paar Tagen die Fasern frei zu werden,
damit diese gehaspelt und spaeter versponnen werden konnten.
(Man hat die Pflanze dann an der Wurzel gehalten, um die Fasern mit dem Eisenkamm zu vereinzeln)
Zu Garn gedreht, wurde dann der Webstuhl,
erst die Laengsfaeden einspannen, dann kam das "Schiffchen",
in das Garn aufgewickelt war, durchgeschossen- Reihe fuer Reihe,
immer abwechselnd die Laengsfaeden hochgestellt.
Dann wurde mit dem Kamm festgedrueckt.
Wenn das Tuch fertig war, kamen Oesen angenaeht,
die dann auf der Bleiche das fertige Produkt auf Holzpfloecken hielten,
damit es immer wieder gewaessert werden konnte, ohne wegzufliegen.
Die Oelmuehlen, die Bucheckern und andere Oelsaaten ebenso annahmen,
erhitzen die Samen in einer grossen Wanne,
damit diese anschliessend mit einem grossen Stoessel aufgebrochen,
in Tuechern reihenweise uebereinander gelegt,
unter grossem Druck gepresst werden konnten.

Die Hausschlachtungen wurden immer mit der Trichinenbeschau
-vor der Schlachtung die Visite und danach eine gruendliche Fleischbeschau gemacht.
Besonders gruendlich ging man bei Wildschweinen und ..
Dachsen vor, die bekanntlich Aasfresser sind:
Von Dachsen wurden sehr teuere Delikatess-Schinken gemacht!
(Wer weiss das heute schon noch?)

Interessant finde ich, dass heute ein Maehdrescher in einer Stunde maeht und drischt,
wozu frueher mit der Sense eine Familie 2 Wochen brauchte!
Die Chronik berichtet von einem Mutterschwein (Sau genannt) mit einem Lebendgewicht von 250kg !
Dieses Tier hatte 21 Ferkel.
Eber und Ziegenboecke waren eigens bei einem bestimmten Bauern eingestellt,
der von den Muttertierhaltern und von der Gemeinde seine Bezahlung erhielt.
Wenn diese maennl. Zuchttiere zu alt waren, wurden sie kastriert,
um diese spaeter doch noch schlachten zu koennen.

Ein guter Bau:
Der Aushub fuer das Wohnhaus "auf der Lahmekaut" (Lehm-Grube)
ergab 50.000 Ziegelsteine, die direkt vor Ort geformt
und gebrannt worden sind - wie unglaublich praktisch !
Der Gockelhahn auf der Obershaeuser Kirche traegt die Buchstaben "H" und "N"
(Herzogtum Nassau) und die Jahreszahl 1686 !
Im zweiten Weltkrieg hat sein Hinterteil zwei Durchschuesse erlitten,
die das schmiedeeiserne Ding schneller rosten lies.
Im Jahr 2001 restauriert und mit einer vergoldeten Kugel
-mit ein paar Dingen zur Zeit drin- so kam er wieder auf seinen alten Platz.

Wie ueberall in der Region auf dem Land sind die "Tante Emma"- Laeden ausgestorben,
weil die Mobilitaet der Kunden durch den techn. Fortschritt kam,
was auch die kleinen Handwerksbetriebe betraf.
Letztere sind gewinnmaximierten Grossbetrieben gewichen,
die nur noch die Autobahn als Standortvorteil sehen,
nicht mal mehr die Zahl billiger Arbeitskraefte oder Anreize durch die Kommunen.
Gelenkt werden die Geschicke mehr durch Geldgeber als durch die Inhaber.

Die Bedarfsdeckung der Landbevoelkerung geht heute zuweilen skurrile Wege,
wenn der Bauer kein Milchvieh mehr hat und seine Milch im Diskounter holt,
wenn Eier aus dem fernen Gefluegelgrossbetrieb kommen,
wenn "heimische" Firmen in Polen oder sonstwo billiger produzieren lassen
und jedes Broetchen ueber tausend Kilometer zum Diskounter transportieren..

Frueher war ein Ehe-"Partner" (was meistens Frauen waren) "daheim"
und zog Gemuese und Kleintiere auf, heute "pendeln" alle - wehe,
wenn der Treibstoff mal knapp werden sollte!

Die Uhr dreht keiner mehr zurueck, so bleibt nur die Reflektion auf die "gute alte Zeit", die zwar alt,
aber keineswegs immer "gut" war- diese soll auf dieser Seite zu Wort kommen.

Mit Dingen, die man nicht so leicht erfaehrt und die durchaus eine interessante Sache sein koennen:
Nur wer die Wurzeln kennt, kann die Zukunft erkennen und verstehen.

Der Tante-Emma-Laden hielt alles vor, was man auf dem Land so brauchte:
Gartengeraete, Samen, Struempfe, Toepfe, Geschirr und Bestecke, Mehl und Huelsenfruechte,
eingelegte Gurken bis Fisch- alles zum Abpacken in grossen Behaeltnissen.
Kaffee wurde hier gemahlen und in der Tuete nach Hause mitgenommen.
Ein buntes Gemisch aus Geruechen stand im Laden!
Was der Kunde wuenschte, wurde sogleich notiert und beim Grosshaendler besorgt,
meistens auch noch ins Haus geliefert, wenn noetig.
Das "Anschreiben" oder Fuehren eines Kontobuches war damals normal-
bezahlt wurde am Monatsletzten oder wenn Geld vorhanden war.
Das Lebensmittelgeschaeft war Treffpunkt, wie die "Milchpritsche", wo Bauern ihre Milchkannen hin lieferten,
damit diese vom Molkereiwagen abgeholt werden konnten.
Metzgereien gab es nur in groesseren Orten, in den kleineren Kommunen hatte dafuer kaum einer Geld-
es wurde hausgeschlachtet, was meistens Kleintiere waren.
Ziegen oder Hasen, Gaense, Huehner, auch mal Enten oder Schafe.
Wurst war eine seltene Sache, selbst fuer Leute, die sich ein Schwein zur Hausschlachtung leisten konnten.
Grossvieh, Rind und Pferd wurde vom Metzger geholt.

Hutewaelder und Waldfeldbau-
Die frischen Austriebe der am Stock abgemachten Neuwuechse sorgten fuer immer nachwachsendes Holz -
diese Methode kannte man bereits in der Steinzeit.
Zwischen dieses lichten Bewuechsen pflanzte man damals Hafer,
Waldstauden-Roggen oder Buchweizen, der Weizen des Waldes.

Die Tiere wurden planmaessig in den Wald zur Mast gefuehrt,-
und so wurde der Boden extrem ausgelaugt.

Das Brennen von Ton und Kalk, die enorme Nachfrage nach Holzkohle lies ueberall Meiler entstehen-
vom Buegeleisen ueber Oefen bis zur Eisenschmelze,
fuer chemische Prozesse- wurde ueberall Holzkohle gebraucht.

Fuer einen einzigen Meiler gingen 40-120 Raummeter Wald weg.
Um das Jahr 1600 wurde 1 Hektar Wald fuer 1250kg Stabeisen gebraucht!
Die sogenannten "Backwellen" -
grosse Nieder- und Restholzbuendel zum Anheizen des doerflichen Backofens waren eine Art der Waldnutzung,
die auch noch den letzten Kruemel vom Waldboden verschwinden lies.
Eine Familie bekam 5 Raummeter Holz plus Schlagraum oder Sammelholz zugewiesen-
damit musste man ueber den Winter kommen.
Holznot bedeutete damals Hungersnot,
weil durch die Kahlen vermehrt Naturkatastrophen heraufbeschworen worden sind,
die auch noch klimatische Veraenderungen brachten, die den Feldbau erschwerten.

Eine Notiz nach dem 30jaehigen Krieg aus dem Ort Obershausen:
Es lebten hier 9 Maenner, 11 Weiber, 17 Rinder - Punkt.
Erst 1860 kam die Steinkohle zum Einsatz und die Holzkohle verlor an Bedeutung,
der Wald bekam wieder mehr Ruhe,
die planmaessige Aufforstung war moeglich.
Zuerst die Schutzhecken, dann die Schonungen.
Siehe da- das Klima verbesserte sich merklich!
Frueher galt die Linde, die Ulme, die Wildkirsche, der Ahorn, die Birke,
Esche und Robinie als "forstliches Unkraut"-
heute weiss man es besser und pflanzt mehr gemischt.
Sogar die Elsbeere, Walnuss bis Hickory sind heute zu finden -
aus damaligen Versuchsgaerten der Forstwirtschaft.
Pappel, Tanne und Fichte sind neben der Buche die Massenhoelzer, Eiche hat ueberall den Vorzug.
Weitere Nadelholzarten sind die Douglasie,
Kiefer, Sikafichte, Laerche,
der Abendlaendische Lebensbaum und die Jeffreys Kiefer - um die wichtigsten zu nennen.

Bis zum 16.Jhd. gabe es keine gesetzlichen Ordnungsvorschriften fuer den Wald,
ab Mitte des 18.Jhd. wurde planmaessiger gearbeitet.
Heute geht man wieder zum naturnahen Hochwald ueber.

Am Ende der Dorfchronik, die in der Buecherei zu Weilburg steht,
sind die Seiten 393-464 dringend zu empfehlen.
(Persoenliche Berichte aus der Zeit des 2. Weltkriegs, die man sonst nirgendwo findet, nicht immer so gute Sachen wie folgende:
Dort ist von "Ropselkraebbel" die Rede- und wie man diese in Orscha, Russland isst:

Mit Zucker bestreut, ohne Oel gebacken..)

Nun kommt die Chronik des Dorfes Probbach dran..
"Eine Chronik schreibt nur derjenige,dem die Gegenwart wichtig ist" (Goethe)

"Wer die Vergangenheit nicht ehrt, verliert die Zukunft, wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen!"
(Hundertwasser)

Interessant, dass es tausend Jahre nach Christi dauerte, bis sich Familiennamen in der heutigen Form auspraegen konnten,
bis zur Norm vergingen nochmal 200 Jahre.

Interessant, dass die Kelten 275 v.Chr. im Gebiet von Ankara einen Reststaat hatten:
Galatia!
(Zur Erinnerung: Paulus schrieb 50 n.Chr. an die Galater)

Das Westerwald-Dorf Probbach- Brabach, Braychebach,Brachbach, -
wo bei der Praeposition eine Assimilation zu sehen ist, ggf. von Prope
(lat. nahe) kommen koennte:
Statt Prop-bach Prob-bach.
Immerhin sind 24 verschiedene Schreibweisen bekannt!
Der Hickhack um den Kahlenberger Zehnt traf auch diesen Ort, wie oben bei anderen Orten bereits erwaehnt.
7 Kreuzzuege (und zwei Kinderkreuzzuege) fanden zwischen 2096 und 1270 statt -
zuerst gegen die "Christusmoerder", dann gegen die Kirchenketzer !

http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderkreuzzug
Den Bischoefen entglitt ihre eigene Hetze,
nun kam die unsteuerbare Wut ihrer Schafe, die es zu kanalisieren galt.
Im 30j. Krieg soll es noch einen zweiten Ortsteil, Niederprobbach gegeben haben,
das wohl abgebrannt ist oder "wuest" wurde.
Nach 1413 sei davon nichts mehr zu lesen, schreibt der Chronist.

Die "Landwehren" waren ein Hainbuchen-Gebueck, das die Grafschaft vor Eindringlingen schuetzen sollte-
selbstredend war die Unterhaltung den ohnehin schon hart arbeitenden Dorfleuten als Frohn aufgebrummt..
1624 soll eine "schlimme Wolfsplage, die nicht mal das Vieh im Stall verschonte" gewesen sein.
Die Pest kam urspruenglich aus Nordindien und Zentralafrika nach Aegypten,
sie reiste mit den Schiffsratten nach Konstantinopel und im 6. Jhd. nach Europa.
Nach 1720/21 zog sich die Pest aus Mitteleuropa zurueck.
Erst 1894 kam die Entdeckung, Vorbeugung und Bekaempfung des Erregers.
Daten und Zahlen aus der "Nassau-oranische Scharfrichter-Gebuehrenverordnung":
Finger oder Hand abschlagen: 3fl, mit dem Schwert hinrichten:
4fl, mit dem Rad lebendig hinrichten:
4fl, lebendig verbrennen:
15fl, Scheiterhaufen:
6fl, Missetaeter mit 4 Pferden zerreissen:
12fl (Gulden)

Fuer einen Gulden bakam man in Weilburg im Jahr 1713:
12 Pfund Fleisch vom Rind oder Schwein, 50 Liter Milch, 10 Liter Bier, 1 Pfund Kaffee.
Ein Kammerdiener verdiente im Jahr 100fl, Maegde und andere "Dienstleister" 18fl im Jahr,
ein Leutnant 18fl, ein Oberst 60fl.
(Andere Verguenstigungen, wie wohnen oder essen kamen dazu)

Etwas aus der Probbacher Chronik-
Im Jahr 1900 wurden drastische Ordnungsstrafen durch den Feldschuetz verhaengt:
Nicht abgeholtes ersteigertes Holz aus dem Wald kostet 7 Mark und 10 Pfennig, ersatzweise 2 Tage Haft..
ein frei laufender Hund kostete 3 Mark Strafgeld..
Immer war eine "Rechtsmittelbelehrung" und ein Strafgeld von 20 Pfennig aufgeschlagen,
wenn nicht zeitig bezahlt wurde.
(Heute ist das der "Saeumnisaufschlag")
Im Jahr 1624 wurde erwaehnt,
dass die Einwohner von Probbach und Dillhausen keine Hunde in den Gottesdienst mitgebracht werden duerfen -
unter 3 Albus Strafandrohung! (Damals war der Kirchenbesuch vorgeschrieben)

1734 loeste eine willkuerliche Kriegssteuer einen Bauernaufstand aus,
der mit Hilfe der Soldaten unterdrueckt und zusaetzliche Strafen
(50 Gulden Herrschaftsstraff) fuer den Ort brachte.
"Der Buerger unserer Gegend ist sehr ruhig und friedfertig,
bis zu dem Moment, wo es existenziell gegen ihn geht", so die Chronik.
Mit 10 Morgen Land konnte man damals -mit der 3 Felder Wirtschaft-
gerade mal einen Menschen fuer ein Jahr ernaehren, so mager waren die Felder.
Eine einheitliche Tracht gab es wohl in unserer Gegend wohl eher nicht.
Die Oberbekleidung wurde niemals gewaschen, zumindest die "guten Sachen" nicht,
nur mit Schmierseife und Kaffee gebuerstet und "gemaerzt",
dh. im Fruehjahr zum Lueften an die frische Luft gehaengt.
Bei dem Maennern gab es das knielange geschlitzte Hemd, das die Unterhose ersetzte.

In der Pfarrchronik Mengerskirchen im Jahre 1850:
"Das aeussert niedliche Haeubchen der Frauen
schmiegt sich leicht und grazioes in geringem Umfange um den Wirbel ihres Hauptes,
aus dem ueppigsten Haarwuchs neckisch herauszuquellen scheint;
nach der Stirn gescheitelt, umschliesst er ungekuenstelt kerngesunde, von reiner Luft gemalte Wangen.
Reizend wallen breite Baender und zuechtig verhuellte Nacken herab.

Die Maenner tragen an Sonn- und Feiertagen gleichfalls eine tuchene Kleidung,
die diese starken, grobkoernigen, schoenen,
etwas hageren Gestalten von zierlichem Wuchs umhuellt,
die mit offenen Gesichtszuegen und Augen, die List und Scharfsinn verraten.
Beide Geschlechter sind muskelstark gebaut, besitzen eine natuerliche Einfachheit des Sinnes,
ein frischbluehendes Inkarnat auf den Wangen
und ein von wahrer Lebenskraft funkelndes Auge."

Die Leute damals haetten etwas fuer sich aufbauen koennen, haetten noch besser leben koennen,
wenn nicht immer wieder die Blutbuben des Adels gekommen,
die mit Hilfe gedungener Vasallen (Soldaten) ein Grossteil der Muehen gestohlen haetten.
Die Kirche haengte sich nur allzu gerne daran und saugte ebenso aus.

Frauen hatten ihr Haar immer mit einem Tuch bedeckt, wenn sie das Haus verliesen.

1730 wurde Zucker aus Zuckerrueben und Kartoffeln im Westerwald bekannt.

Um Christi Geburt kamen Sauerkirschen, Zwetschgen, Wein und Pfirsich in die Gegend.

Erst waehrend des Mittelalters gab man das Verlassen der Doerfer auf,
wo ein wenig weiter neu aufgebaut werden musste- auf und wurde so sesshaft.

Der Flurzwang, wo alle gleichzeitig eine Frucht anbauen und beim naechsten Feld wechseln
und beim 3. Feld eine Brache einhalten mussten, wurde eingefuehrt.

Zwei Drittel aller Maenner sind um 1920-25 nach Westfalen
und ins Rheinland gezogen um als Maurer oder Stukkateur zu arbeiten.
Die Nebenerwerbslandwirtschaften wurden von den Frauen, den Kindern und Greisen aufrecht gehalten,
die dann 12 Stunden an Winter- und 18 Stunden an Sommertagen arbeiten mussten.
6 Tage die Woche, wer Vieh hatte, musste dieses freilich auch Sonntags versorgen.
4 Wohn- und Schlafraeume bewohnten 14 Menschen!

Seit 1800 ist Soda bekannt, seit 1900 die Fabrikseife.
Zuvor stellte man Pottasche aus Farn- oder Unkraut her, das mit Salzwasser eine Lauge bildete.
Wurde darin Fett gesiedet und mit Salz gehaertet, gab es Seife!
Wollsocken blieben nach dem Waschen in Form,
wenn sie ueber einen Hohlkoerper mit heissem Wasser gezogen und so getrocknet wurden.

Interessant :
Salzfleisch versorgte nicht mehr den ganzen Winter ueber die Landbevoelkerung, sondern gar Seeleute.
Erst 1810 kam die erste Konservendose auf, was eine deutlich bessere Qualitaet brachte:
Napoleon richtete ein Preisausschreiben ein,
weil er seine Soldaten auf den langen Feldzuegen gut ausstatten wollte.
So wurde die Konservendose erfunden!
Die Technik des Einkochens wurde immer weiter verbessert und hygienischer,
was ab 1860 zu groesserer Sicherheit fuehrte.
1900 kamen die Weissbleichdosen mit jahrelanger Haltbarkeit:
Vollkonserve!
Nun war alles haltbar zu machen,
die Dosen wurden mit einer kleinen Maschine nach Gebrauch ein wenig oben abgeschnitten und mit neuem Deckel
verpresst, wenn sie gereinigt und neu gefuellt waren.
Egal ob Fleisch, Fisch, Wurst, Gemuese, Obst oder Brot - alles war haltbar zu bevorraten.
Spaeter kam das Einwecken auf, benannt nach den Herstellerfirmen W eck und R ex - in Glaesern.
Weisskraut, Wirsing, Zwiebeln, Sellerie, rote Rueben, Moehren,
Mangold, Spinat und Salat kannte man schon lange,
um 1930 kamen Tomaten, Erdbeeren dazu,
spaeter Schwarzwurzeln, Radieschen, Rhabarber, Johannisbeeren, Stachelbeeren.
Himbeeren und Brombeeren und Heidelbeeren und wilde Walderdbeeren holte man im Wald.
Die erste Konfituere wurde fuer die spanische Gattin des engl. Heinrichs VIII gekocht,
weil sie sich nach den heimischen Orangen sehnte..

Zucker war bis 1750 schierer Luxus aus Uebersee - dann kam die Spielart der Runkel- oder Wasserruebe auf,
welche wohl auch der Stamm von Mangold und Moehre war:
Die Zuckerruebe vom heimischen Feld.
Von nun an war die Zuckerversorgung kein Problem mehr!
Die Marmelade und Gelee gehoerten fortan als wichtiger Ernaehrungsbestandteil dazu.
Erst 1850 kam die Imkerei auf, die das Bienenvolk ueberwintern lassen konnte,
statt einfach das ganze Volk zu pluendern -
vermutlich war dieser Raubbau auch ein wenig Ursache fuer Missernten der Vergangenheit !

Vor dem 2. Weltkrieg sollen, glaubt man den Erzaehlungen, Freundschaften aus Neigung
nur in der weiteren Familie gewesen sein, nicht im Dorf und nicht unter Nachbarn.
Sehr Persoenliches oder gar Intimes besprach man nicht.

Maenner waren die ersten Stricker, sogar in Zuenften organisiert.

Die ersten Lampen waren ausgehoehle Steine,
die mit Fett gefuellt waren, mit einem zerfaserten Zweig als Docht.
1859 kam Petroleum auf, 1879 die erste Gluehbirne.

Damalige Bagatellmedizin,um es mal modern zu sagen,
waren Wickel und Salben und Tees, Waermeflaschen -
die, wie angewaermte Ziegelsteine, nicht nur die Kinderwiegen warm hielten.
1960-1970 gaben die meisten Nebenerwerbsbetriebe auf / heute
bewirtschaften nur noch zwei Aussiedlerhoefe die ganze Gemarkung des Ortes.
Maerz bis Oktober waren die Fernpendler daheim und halfen in der kl. Landwirtschaft der Familie mit,
sie waren aber in dieser Zeit nicht krankenversichert und mussten sich freiwillig in der Rentenkasse weiter versichern,
damit spaeter einmal die meist spaerliche Rente stimmte.
Das in der Ferne verdiente Geld musste sehr sparsam gebraucht werden und den ganzen Winter reichen.
Davon sind wir heute nicht mehr so weit entfernt.

1808 wurde die Plattern- oder Pockenschutzimpfung eingefuehrt.
1839 der Antrag auf eine Apotheke in Mengerskirchen
von der Herzoglich Nassauischen Landesregierung mit der Begruendung abgelehnt,
"dass den Einwohnern ein Fussweg von 2 1/2 Std. duruchaus zugemutet werden koenne.."

Die "haeusliche Pflege" gab es 1910/1960 durch die Schwesternstation,
spaeter durch Caritas und Pflegeversicherung ersetzt -
bis dahin war aber ein langes Loch zu verzeichnen.
Die arme Bevoelkerung konnte sich meistens die 3 Mark fuer die Geburt nicht leisten
- oft wird die Fuersorge eingeschritten sein.

Nach der Feldarbeit gingen die Maenner gerne mal ins Wirtshaus,
sofern sie sich das leisten konnten -
desgleichen nach dem sonntaeglichen Gottesdienst.
Nach dem Sonntagsspaziergang auch mal mit ihrer Frau.. sonst alleine.

Die erste freiwillige Feuerwehr kam 1804, um 1906 wurde eine Pflichtfeuerwehr eingefuehrt,
die Maenner von 20-50 verpflichtete.
Ab 1934 kam es wieder zu einer freiwilligen Feuerwehr.

1816-1866 wurde das Jagdrecht im Herzogtum neu geregelt -
und damit den Gemeinden die Moeglichkeit gegeben, ihren Wald und ihre Gemarkung
'an Personen jeglichen Standes' zu verpachten.
Die Pachtdauer war 9-12 Jahre und kostete 1919-28 jaehrl. 1110 Mark !
(Kein Wunder, dass nur wohlhabende Industrielle sich das leisten konnten- genau wie heute)

Soweit aus der Probbacher Chronik.

Denkwuerdiges aus der Geschichte des Dorfes Eschenau,
das heute auch schon ueber 790 Jahre alt ist, kommt im Anschluss:

Ein Leiter eines Gaues, der von den Freien bestimmt wurde
(an der Mal- oder Ding-Staette), war bis zum "Koenigsbann",
die oberste Gerichtsbarkeit -spaeter wurden Grafen die obersten koeniglichen Verwalter.
Mit der Zeit wurden Gaue als koenigliche Lehen betrachtet, die Gau- oder Zehntgrafen hoerten auf,
koenigliche Beamte zu sein, das Amt wurde erblich.
Der Gaugraf erwarb die Rechte des Koenigs, die sogenannten Regalien -
und war sodann alleiniger Lehnsherr, der kleinen Herren seines Gebietes,
an des Koenigs statt, er besass somit den groessten Teil des Landes,
er mehrte so die eigenen Lehen und war dem Koenig ein Lehen abgabenpflichtig.

Die alten Gaue zerrissen, die Laendereien, die noch nicht aufgeteilt waren,
wurden in kirchenfuerstliche- oder uradelige Haende vergeben.
In den Jahren zwischen 600 und 1000 n.Chr. "entsiedelte" man verstreut liegende Gehoefte,
die innerhalb von Bannzaeunen der Orte neu aufgebaut wurden -
"zu viele Plagen" taten sich an den Stalltieren guetlich.

(Um 1970 ging die Entwicklung wieder rueckwaerts- zum Aussiedlerhof)
Dieses 6 Jhd. jedoch wurde von den ackerbauenen und viehzuechtenden Franken dominiert,
die als Staerke oder Fluch die Christianisierung
mit sich und systematisch in die Gegend brachten.

Durch Stiftungen und Schenkungen von Laendereien an die neuen Kloester
oder kirchliche Zentren gehoerte bald der Zehnt oder das Lehen diesen Leuten.
Bis 1300 wurde sehr viel gerodet, Wald in Ackerland verwandelt,
weil die Bevoelkerung stark angestiegen war und nach Ernaehrung draengte.
Da Boden nicht sonderlich gut war und ohne oder kaum Duengung nicht viel abwarf,
entstanden bald Wuestungen.





Der Berufsstand "Bauer" kam erstmals im 11. / 12. Jhd. in Erwaehnung,
bis dahin sprach mal von Freien,
Halbfreien oder Unfreien, die grundherrlich eine nur untergeordnete Rolle spielten -
der Grundherr war ein anderer, entfernt wohnender.

Der ehemals in seinem verstreut liegenden Gehoeft wohnende,
wehrhafte Landmann war Vergangenheit.
Im 12. bis 14. Jhd. nahm wieder die Bevoelkerung stark zu,
die starken Parzellierungen deckten kaum mehr den Eigenbedarf,
folgten Missernten und Viehseuchen, daraus entstanden Hungersnoete. (1315-1317)
Der Tod hielt reiche Ernte, die gierigen Lehnsherren aber wollten trotz allem "ihren" Teil -
trotz Lockerungen war das nicht mehr leistbar.
Im Jahr 1813 ersann man eine Vereinfachung des Abgabensystems und lies folgende Abgaben wegfallen:
Additionalsteuern, Servicesteuern, Waidhaemmel, Rauchhuehner,
Rauchhahnen, Fastnachtshuehner und Hahnen, ordinaere Schatzung,
Monatssteuer und Contribution, Dienstgeld, Landfahrtengeld, Atzgeld,
Wellengeld, Dienstgesinde- und Aufdinggeld, Frohndhafer,
Frohndreluitionsgeld wegen Erbstandsgut, Huehnerzins und Wachsgeld,
Rauchhafer,- Gaense,- Wachs,- Leinoel,- Unschlitt- und Hahnenabgabe.
Mantelhuehner und Huehnereier und noch andere kuriose Abgaben,
die auch noch regional unterschiedlich waren..

Den Zehnt darf man nicht mit dem Kirchenzehnt verwechseln, ersterer war ein Lehen.
Durch Heiraten kam manches zu den Besitztuemern dazu, aus dem Vogt wurde ein Graf oder Fuerst -
in diesen komplizierten Verhaeltnissen waren die "kleinen Leute" - wie immer die Dummen.
Sie trugen die Hauptlasten und mussten jaehrlich den Herren ihre Hoheitsrechte bestaetigen und huldigen,
geloben, weiterhin artig zu sein..
Aus der weitreichenden territorialen Zersplitterung erklaert sich,
wieso zuweilen rund um einen evangelischen oder katholischen Ort
eine Reihe der jeweils anderen Religion angesiedelt war.
Durch Vertreibung und Zuzug gab es nochmals Durchmischungen.
Bei Bekehrungen und Einziehungen von Geldern aus Kirchenguetern
wird oft von gewaltsamen und ruecksichtslosen Vorgehen berichtet!
Aus den Truemmern des "Religionsfriedens" von 1555 entstand der 30j. Krieg,
weil sich beide Parteien nicht an die Abmachungen halten wollten.
Dir furchtbaren Belastungen fuer die Bevoelkerung kamen daher,
dass sich die Soldaten selbst zu versorgen hatten -
sie raubten und pluenderten alles Essbare, alles wurde weggeschleppt oder mutwillig zerstoert,
Tueren wurden zu Brennholz, Menschen gequaelt und geschunden.
Verwilderte Soldaten hausten wie die schlimmsten Raeuber und liesen nichts und niemanden aus.
Kein Wunder, dass nach diesem 30j. Krieg die Verrohung aller Sitten zunahm und auch der "Aberglaube" bluehte..
Wenig bekannt ist,dass auch im evangelischen Lager schonungslose Hexenverfolgungen stattfanden.
Der Papst "Innovenz VIII" (1484-1492) galt als "unbestaendiger, sittenloser Mensch",
der sich besonders dem Hexenwesen widmete,
er darf fuer sich in Anspruch nehmen, der Begruender und Foerderer der Hexenprozesse genannt zu werden.
(Zumindest nach der Chronik von Eschenau)
Der Vorwurf, sie wuerden unter dem Vorsitz des Teufels Gott laestern,
Unzucht treiben, sich in Woelfe und Katzen verwandeln,
das Wetter beeinflussen, auf Besen reiten oder auf Ziegenboecken und Hunden, zum Thron des Teufels den Hexentanz verfallen..
war latent und geschwind gegen jeden x-beliebigen Widersacher zu richten.

Irrsinn?
Wer die heiligen Schriften liest, wird sich wundern -
es passt schon irgendwie zu den Glaubensinhalten.
Das alles glaubte nicht nur das Volk, sondern auch die Geistlichen bis zum Papst,
von Juristen und Wissenschaftler als bare Muenze inhaliert.
Das Zeitalter des "Absolutismus" feierte die Kontrollfreaks,
die wie heute alles und jeden belauschen und antragen und kontrollieren und bevormunden wollen -
deren eigentliche Geburtsstunde in der Geschichte.

Das endete in einem schlimmen Untertanengeist - bis zum "Kadavergehorsam",
ohne den die beiden letzten grossen Weltkriege kaum denkbar gewesen waeren.

"..bei Braenden muss jeder mit einem Eimer erscheinen,
sich in die Reihe stellen und Wasser weitergeben.
Wer sich davonschleicht,
soll mit derben Stockschlaegen wieder in die Reihe kommen.
Es ist darauf zu sehen, dass sich die zuschauenden müßig herumlaufenden
oder mit ihrem unnuetzen Lamentieren oder nur Confusion verursachenden Weibsleuten
mit Gewalt in die Reihe gebracht und darin gehalten werden!"

Jede kleinste Kleinigkeit wurde vorgeschrieben -
1730 : "Auslaender", dh. Leute aus dem benachbarten Bezirk mussten 6 Gulden zahlen, wenn sie zuziehen wollten.
Zudem mussten die Neubuerger einen Feuereimer und einen schwarzen Mantel kaufen,
welches in die Kirche mitgebracht werden musste- selbst der Kirchgang war vorgeschrieben..

Immer wieder wurde von gutem Weinbau im unteren und mittleren Lahnverlauf berichtet.
Das Gebiet des heutigen Kreises Limburg-Weilburg im 18Jhd. war in 9 Herrschaftsbezirke gegliedert-
Nassau-Oranien, Nassau-Weilburg, Wied-Runkel,
Westerburg, Kur-Trier und Gemeinschaftsbezirke der erstgenannten, sowie Hohenfeld.
Die Zersplitterung eines einstigen Gaues zeigt schon,
wie problematisch die Strafverfolgung und andere Administrationen waren.

Interessant:
In der Bronzezeit sollen die Menschen vermutlich nur 18 Jahre alt geworden sein, um das Jahr 1000 ca 30 Jahre,
um 1800 ganze 38 Jahre,
um 1850 bereits 40 Jahre und erst 1900 ueberstieg die Lebenserwartung die 50 Jahre..

Karl der Grosse fuehrte 779 mit Zustimmung der Staende in seinem Reich die Abgabe des Zehnten ein.
Er buerdete damitden Bauern eine schwere Last auf, die ueber tausend Jahre gedrueckt hat.
Erst 1808 wurde die Leibeigenschaft und das "Besthaupt" aufgegeben -
wir erinnern uns - das beste Vieh aus dem Stall -
allerdings nicht, ohne den Fuersten mit einer deftigen "Einmalzahlung" dafuer entschaedigen zu muessen..
die "Herrgoetter der Doerfer", die Schultheisse wachten ueber jede Abgabe,
erst recht ueber diese letzte, die viele in die Verschuldung trieb.

Meine geschichtlichen Aufzaehlungen sollen keine politischen oder gar parteipolitischen Dinge sein,
sondern ein moeglichst neutraler Abriss mit dem Ziel der Beleuchtung der Lebensverhaeltisse
oder Umstaende der "kleinen Leute" auf dem Land.
Die grosse Politik lasse ich dabei gerne aussen vor,
diese wird schon mehr als genug und von vielen Seiten portiert.

Dieser Ort Eschenau also hatte damals viele Schreibungen - hier 16 an der Zahl.
1808 ging der Schullehrer nach Wirbelau, einer unweiten Ortschaft-
so wurde der Ludwig Acker als Lehrer eingesetzt, der ganze 16 Jahre alt war.
(zuvor war er schon 2 Jahre in Falkenbach, ebenfalls in der Naehe, als Lehrer eingesetzt!)

1617 hatten die 12 Haushalte Eschenaus 20 Pferde, 30 Kuehe und Rinder, 109 Schafe
1807 waren von 43 Familien 35 Bauern mit 10 Pferden, 17 Ochsen, 64 Kuehen, 89 Rindern, 271 Schafe und 44 Schweine.

Ein Kaufmann und 7 Handwerker lebten nun im Dorf.

1634 im November hat "Kriegsvolk", vermutlich Schweden ueber Nacht alles Vieh abgenommen um das Heer zu versorgen.
Der Ortsname Eschenau kommt vom Esche - Baum.
Das Jahr 1911 brachte eine "ungewoehnliche Hitze, wie man sie seit Menschengedenken nicht mehr erlebt hatte"
Duerre und Futtermangel waren die Folge.
Die tiefgruendigen Boeden der Gegend milderten diesen Umstand etwas,
bis sich Ende September die Hitze wieder gab.

Alles wurde gezaehlt, von Ziegen ueber Huehner und sogar Bienen- Obstbaeume und vieles mehr.
Immerhin hielten 1913 noch 44 von 49 Haushalten eigenes Vieh.
Der Winter 1923/24 war eine sehr strenge Kaelte, sehr viel und sehr lange Schnee.
Es folgte ein kalter, nasser Fruehling, eine sehr schlechte Ernte und nur kurze sonnige Abschnitte.
Nur mit viel Kraft und Arbeitsaufwand und List konnte etwas Ertrag gerettet werden.
Genau anders herum verlief das folgende Jahr, ein milder Winter,
viel Regen bis zum Dezember, wonach extremer Frost bis minus 23 Grad einsetzte.
1926 erfroren im Mai die Setzkartoffeln,
die Wetterschwankungen der folgenden Jahre waren sehr heftig - wie eine Strafe fuer den Krieg.

Wer die Umstaende des 1. Weltkrieges recherchiert, wird eher geneigt sein, darauf zu achten,
dass sich unser Land nicht allzu abhaengig von andern Staaten macht
und dabei immer aufmerksam die ewigen Kriegsgewinnler im Auge behaltend.
Verbuendete schwenkten geschickt ins Lager der Feinde ueber- was zum Angedenken bleiben darf.
4 Jahre trotzte das Reich der ganzen restlichen Welt, was wohl weniger schlimm war,
als die Zeit nach dem Zusammenbruch 1918,
nach den Friedensverhandlungen.
Freunde erkennt man in der Not am besten !
Heute wird wohl keiner mehr ernsthaft bezweifeln,
dass diese Lasten fuer die Ueberschuldung und Inflation und Massenarbeitslosigkeit verantwortlich war,
in deren Gefolge sich das "1000j. Reich" mit seiner Ideologie breit machen konnte.
Die Leute haetten alles getan und gewaehlt, was Besserung versprach, der "einfache Mann",
der viel versprach, lies Hoffnung aufkommen
und das Land erbluehen-
warum oder woher dieser Wachstum kam ist heute klar:
Die Ruestungsindustrie brummte im Hintergrund.
Was diese Ideologie im Schilde fuehrte, wie graussam Einzelheiten waren, kam erst spaeter ans Licht-
die kleinen Leute erfuhren das mit Sicherheit nicht oder erst dann,
als nichts mehr verheimlicht werden konnte.
"er stammt aus B raunau am Inn", dozierte der Lehrer, sagte aber nie,
dass dieser Ort gar nicht in Deutschland, sondern in Oesterreich liegt.
Ein "Migrant" also war verantwortlich oder hat die Massen glaubend gemacht,
wie ein "Messias" bekehrt?
Alleine wird er das wohl nicht geschafft haben..

Mich erinnert diese Geschichte an jene Roms, wo der Kaiser Caligula
(Stiefelchen, ebenfalls ein "Fremdstaemmiger" ein grausames Regiment gefuehrt hatte..)
Genug, das kann schliesslich jeder ueberall nachlesen.

Doch nun lieber wieder zurueck ins Jahr 1772,
wo die Pflichten der Heimberger, Schuldheißen und Buergermeister oder Orts-Oberhaeupter
in Nassau-Weilburg genau geregelt waren.

Die herrschaftlichen "Gefaelle", Geld oder Fruechte mussten eingetrieben und Buch gefuehrt werden,
dazu gehoerte auch andere anzuzeigen,
wenn durch Erblass Vermoegen jenseits der Grafschaftsgrenzen verbracht werden koennte.
Die Fuersten gierten nach dem "Besthaupt" des Verstorbenen und nach dem Loskauf-Geld,
ohne herrschaftl. Genehmigung
durfte niemand in fremde Kriegsdienste treten-
unter Androhung sein Hab und Gut eingezogen zu bekommen.

Die Ortshaeupter kuemmerten sich darum, dass jeder taetig war, um die Wege,
Brunnen, Aecker, Flure, Backhaus - die intakt gehalten werden mussten.
"Gemeinschaedliche Diebereien" hatten sie vorzubeugen, ggf. Haussuchungen vorzunehmen.
Der Heimberger achtete sogar ueber die Haushaltsfuehrung der Bewohner,
die "nicht luederlich oder verschwenderisch" sein durfte.
Wer "ohne Not Schulden machte", wurde "getreulich abgewarnt".
Fuer Tag- und Nachwachen hatte er zu sorgen,- nicht selbst freilich,-
den Ort von "herumvagierenden Zigeunern, Raub,- Diebs,- Bettel,- und
dergleichen herrenlosen Gesindel" frei zu halten.
Hinterbliebene und Unmuendige standen unter seiner Aufmerksamkeit,
was die Vermoegensverwaltung und das ganze persoenliche Wohl und Wehe anbelangte.
Damals, im Jahr 1772 gab es laengst eine "Feuer - Ordnung", Feuerstaetten wurden "zeitig visitieret",
lederne Eimer in "tuechtiger Bereitschaft" zu halten.
Der Schultheiß "hatte sich selbst eines stillen, gottseeligen, ehrbaren und nuechternen Wandels zu befleißigen,
ohne sich unerlaubten Vorteil anzumaßen."
Ortsmittelpunkt war schon immer das Backhaus und der Brunnen,
wo die Neuigkeiten bekannt wurden, auch Gasthaeuser, der Laden oder im Winter die warmen Staelle,
wo sich die Leute gerne aufhielten.
Die schlechte Hygiene foerderte Viruskrankheiten und Seuchen,-
z.B. die schleichende Tuberkulose, die im Siechtum endete.
Einige waren immun dagegen, viele Familien raffte es dahin.
Das Backhaus hatte einige Vorteile:
1. Die Benutzer hafteten nicht persoenlich dafuer, die Gemeinde stand dafuer gerade.
2. Zu Hause ging kein Wohnraum fuer die Backeinrichtung verloren.
3. Die Brandgefahr im eigenen, mit Stroh gedecktem Haus wurde gemindert.
4. Es konnte Holz gespart und Nachbarschaftshilfe in Anspruch genommen werden.

Ein typisches Beispiel dafuer,
wieso die Besitzungen in Gebieten mit zersplitterten Streubesitzen entstanden sind,
ist dieses:
"Graf Georg Wilhelm hatte sich von dem hochedelgeborenen Johann Friedrich Schuetz
von Holzhausen 300 Spezies Reichstaler (Taler in Hartgeld) geliehen
und diesem als Pfand den Hof Goetzenboden verschrieben."
Die landwirtschaftlichen Ertraege wurden von 1840 stetig,
durch verbesserten Anbau, Duengung und Zuechtung verbessert.
1850 waren noch rund 52% , 1950 noch 25% ,
1990 nur noch 2% der Bevoelkerung in der Landwirtschaft beschaeftigt !
Wenn man bedenkt, dass die Gespanntiere 25% der Ernte gefuttert haben, um ihre schwere Arbeit verrichten zu koennen..
Mais-Silage ersetzte die arbeitsintensive Hackfrucht,
die Feld- oder Runkelruebe, die noch in den 1970iger Jahren ueberall zu sehen war,
genau wie die Kartoffel bei uns Menschen, die schon im 19.Jhd. ihren Siegeszug hielt
( http://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffel )
Die Milchleistung der Kuehe hat in 100 Jahren verfuenffacht!
Das kam, dass man nach dem 2. Weltkrieg Tuberkulose, Brucelose und Leukemie !
bei den Tieren durch Impfung bekaempfen konnte -
Mit der Erfindung der Melkmaschine und Kuehleinrichtungen,
der Abholung von Milch am Hof bis zur Molkerei hat sich viel getan.

Es klingt seltsam, was aus dem Jahr 1900 berichtet wird:
"Die Mutter holte morgens in selbst hergestellten Weidekoerbchen Kartoffeln aus dem Keller,
wusch sie und schnitt darin die Kartoffelknollen in der Mitte durch.
Die einzelnen Stuecke klebte sie mit der feuchten Schnittflaeche an die heisse Ofenplatte
des gemauerten oder gusseisernen Ofens.
Wenn die selbstgeroesteten Schnitten weich oder gar waren,
fielen sie von der Eisenplatte ab auf den Fussboden.
Die Mutter sammelte sie auf und stellte die dampfende Schuessel mit diesem
-Brot der armen Leute- auf den eichenen Kreuztisch der Stube.
Daneben stand der Topf mit selbst bereiteten Zwetschenmus des vorigen Herbstes.
Alle langten tuechtig zu und liesen sichs mit der Haferschleimsuppe -Morgensuppe-
oder dem selbst bereiteten Eichelkaffee gut schmecken.."
Als Saatgut benutzt man 1900 beim Kartoffelanbau
nur gut ausgelesene und gesunde Knollen- man kannte damals nur zwei Sorten:
Die gelbfleischige Kartoffel, und die weissfleischige "englische" Kartoffel,
die jahrzehntelang angebaut wurde,
ohne dass sich merkliche Entartungserscheinungen bemerkbar machten.
Die Kartoffeln, die zum Setzen vorgesehen waren, wurden zeitig aus dem Keller geholt,
damit sie schon mal vorkeimen konnten :
Aus Sparsamkeitsgruenden schnitt man die dicken Kartoffelknollen in mehrere Stuecke.
Jedes Stueck musste mindestens zwei gesunde Augen haben,
die nicht zu dicht an der Schnittflaeche stehen durften.
Die Saatstuecke wurden an den Schnittflaechen mit Holzasche bestaeubt und in Saecke gefuellt.
Mit dem Kastenwagen mit Spitzpflug ging es aufs Feld,
wo die Frauen jede dritte Furche im Abstand von 25-30cm ein Saatstueck gesetzt wurde.
Dann wurde eingeeggt, damit nichts hervor lugte.
Wenn die Pflanze 10cm hoch gewachsen war, wurde sie von Unkraut befreit und die Reihen aufgehaeufelt.
Alles war Handarbeit, auch das spaetere Ernten, fahren und einlagern.
Pro Einwohner verzehrte man gut einen Zentner ueber den Winter-
und so wurde auch ordentlich viel eingelagert, was Sicherheit gab.
Ueber die Kartoffel kann man allerorten viel erfahren-
auf dieser Seite geht es nur um Dinge, die man nicht ueberall erfaehrt..

Es wird von der "groessten Selbstverstaendlichkeit des Unterschiedes zwischen arm und reich" berichtet
und davon, "wer reich war, hat den Reichtum verdient,
wer arm war, hatte Pech, was konnten die anderen dafuer.."
Wo es Baecker gab, bekam dieser 10Pfg pro Brot fuer das Backen,
jede Familie, die Getreide hatte, hatte ein "Brotbuch",
wo das abgegebene Brot eingetragen und spaeter abgerechnet wurde.

Ab dem 40. Lebensjahr trugen die meisten Frauen nur noch dunkele Kleidung,
hatten die Haare zu einem "Nest" (Knoten) gesteckt.

Ein alter Spruch bekundete die Wertung zum Thema "Gleichberechtigung":
"Weibersterben kein Verderben, Gaeulverrecken, das bringt Schrecken!"

Vor dem Lehrer, Buergermeister und Pfarrer zogen Kinder und Jugendliche die Muetze und gruessten respektvoll.
Erwachsene dutzten sich- so die Ueberlieferung.
Ich kenne das noch so, dass "Honoratioren" und aeltere Leute in der 3. Person angesprochen worden sind.
In der Kirche saßen die Maenner oben auf der Empore,
die Frauen unten in der Kirche, die Kinder und Konfirmaten links und rechts unter der Kanzel.
Selbst bei Beerdiungen ging der Zug geschlechtergetrennt.
Samstags um 18 Uhr laeuteten zwei Glocken,
dann mussten alle Arbeiten beendet und die Strasse gekehrt sein.
Wenn bei schwierigen Ernten der Sonntag herhalten musste,
war zuvor der Pfarrer und der Buergermeister um Erlaubnis zu fragen.

Nach der Geburt musste die "Woechnerin" bis zu 6 Wochen im Bett bleiben -
aus dem Haus durfte sie erst gehen, wenn sie in der Kirche "ausgesegnet" war.
Dann kam die Taufe, wo die Mutter das Kind ueber dem Taufbecken hielt,
die Paten ihre rechte Hand darueber hielten - Pate zu sein, war eine Ehre.
Knaben trugen fast bis zum dritten Lebensjahr ein Roeckchen, genau wie die Maedchen-
das war wohl einfacher zu handhaben als die Hosen, die spaeter angezogen wurden.

Jeder Schultag begann und endete mit einem Gebet.
Zuechtigungen waren an der Tagesordnung, auch oder gerade in der Schule.

Wenn Kinder einmal laenger bei der Ernte helfen mussten,
war fuer die Zeit nach 19Uhr beim Lehrer die Erlaubnis dazu einzuholen.
(Ansonsten wurde streng darueber gewacht,
dass sich nach dieser Uhrzeit kein Schueler auf der Strasse aufhielt)
Wandertag:
Am 3. Weihnachtsfeiertag gingen die Knechte und Maegde zu einem anderen Dienstherrn, sie wanderten sozusagen.
Fuer das Bleiben gab es 5 Mark "Bleibegeld",
was ein weiteres Jahr Dienst beim alten Herren bedeutete.

"Freizeitgestaltung" war ein Fremdwort.
Sonntags, bei schoenem Wetter oder besonderen Anlaessen ging man grueppchenweise, die Maedels vor,
die Burschen hintenan - zum Tanzen oder zum Kartenspielen, Musik und aehnlichen Darbietungen.

Das wichtigste Glied in der Nahrungskette war das Brot.
Dieses wegzuwerfen war eine Suende, da die Herstellung sehr viel Muehe machte und Zeit kostete.
Wir hier im Hause halten das noch ebenso - wenn trockene Brotreste bleiben,
werden diese dem Eierlieferanten mitgegeben, er freut sich darueber.
Zudem backen wir unser Brot selbst-
heute zwar mit fertigen Backmischungen, die aber sehr naturnah sind und koestlich duften.

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Immer wieder taucht in den alten Buechern und Ortschroniken das Thema Milch und Quark auf - kein Wunder,
da im Sommer viele Essen daraus bestanden und weshalb ich hier nochmal darauf eingehen will:
Die frische, unbehandelte und warme Milch wurde durch ein feines Sieb laufen lassen.
Nach drei Tagen war die Milch geronnen und der Rahm (Schmand) hatte sich an der Oberflaeche gesammelt.
Dieser wurde abgetrennt und in das hoelzerne Butterfass mit dem Holzstoessel gestossen, bis es Butter gab.
(Tipp: Mit der Kuechenmaschine geht das nicht, weil der Haken zu schnell laeuft-
es wuerde Schlagsahne daraus werden)
Die Buttermilch loeste sich, die Butter wurde entnommen und mit einem Holzloeffel in einer Schuessel geknetet,
bis die restliche Molke auslief-
dann kam ein wenig Wasser zur Butter, die Prozedur wurde wiederholt und die Butter zu einem Butterweck geformt.
Die uebrig gebliebene Buttermilch konnte frisch als kuehler Trunk genossen oder weiter stehen gelassen werden,
bis Dickmilch daraus wurde.
Diese konnte ebenfalls getrunken oder zu Kartoffeln gegessen werden -
oder man ging zum naechsten Verarbeitungsschritt ueber:
Die Dickmilch kam in ein Leinensaeckchen und musste abtropfen.
Zurueck blieb die Kaese-Matte (Sprichwort- Matte gewaehren lassen, dann wird ein Kaese daraus)
erste Quark (den man kennt und mit Zwiebeln und Kraeutern schaetzt),
dann entweder als Kochkaese oder zu einem Handkaese oder Bauernkaese
weiter reifen lassen kann - je nach Weiterverarbeitung.
xxx

Zuckerrueben wurden gewaschen, geschrotet und gekocht,
ausgepresst und zu Sirup weiter eingedickt- als leckerer und haltbarer Brotaufstrich.
Die Reste oder der Trester davon kam als Viehfutter zur Verwendung.

Die Sprache ist ein Spiegel der Lebensverhaeltnisse und schon deshalb immer im Wandel begriffen-
somit kam mit der Veraenderung autarker Orte zu Schlafstaetten fuer die Auspendler
auch eine schleichende Verstaedterung der Umgangs-Sprache.

In Deutschland war die erste ueberkonfessionelle Schule die in unserem Nassau zu finden,
obwohl die Geistlichen stets eng damit verflochten blieben und das Sagen hatten.
Schulinspektoren und Kirche arbeiteten Hand in Hand.
Der Limburger Bischof versuchte immer wieder diese Schulform -zu Gunsten getrennter Konfession- zu torpetieren.
Zum Glueck gelang das damals nicht.
Fuer die folgende preussische Volksschule lautete die Anordnung
"..die Klassenstaerken sollen nicht ueber 80 Schueler steigen"
1919 uebernahm dann der Schulrat die Kontrolle, die Geistlichen blieben aussen vor.
Nach der Entideologisierung nach dem verlorenen 2. Weltkrieg kam nach einem schweren Lehrer-
und Schulnotstand endlich die Hessische Schule. (ohne Preussen)

Soviel zu Eschenau, nun kommt einiges aus der Seelbacher Chronik an die Reihe.

Seelbach ist heute ein Ortsteil Villmars.
Ueber 860 jahre hat Seelbach auf dem Buckel - ein lebendes Beispiel waere der "Villmarer Kirchenpfad",
auf dem die Seelbacher ihren Zehnten
nach Villmar zur Kirche bringen und wohin sie zu Kirche zu gehen hatten.
Spaeter wurde der Landesherr reformiert und somit auch seine Untertanen evangelisch,-
dieser Religion gehoert der Ort heute noch an.
Wie fast ueberall in der Gegend, fanden sich auch hier Zeugen uralter Zeiten:
1975 wurde ein "spitznackiges" Beil aus Basalt und eine aus Olivinbasalt gefertigte Axt,
beide gut 5000 Jahre alt, aus der Jungsteinzeit stammend, gefunden.
Die Dorfgeschichte faengt so an, dass die Trierer Abtei den Koenigshof zu Villmar
(wohl eine Domaine) samt der zugehoerigen Kirche und Zubehoer geschenkt bekam.
Dies war eine Gegenleistung von Heinrich III,
der fuer seine Lieblingskaiserpfalz in Goslar - Skelettknochen (Reliquien) eines Trierer
Bischofs aus dem 3.Jhd., der wohl irgendwie als besonders fromm galt, bekam.
Jener "Heinrich der Schwarze" - der wegen seiner Gesichtsfarbe so genannt wurde,
gehoerte zum fraenkischen Hamster, pardon, Herrschergeschlecht der Salier.
Heinrich wurde 1046 Deutscher Koenig, spaeter hatte der seinen Aufstieg zum Kaiser gepackt.
(Was wohl die Reliquien bewirkten)
Auf jeden Fall wurden fuer den Besitzwechsel Dokumente erstellt,
von denen welche mit einigen zeitl. Unterschieden existieren,
wovon das Letzte Nachtraege erhielt, die auf dem ersten Dokument nicht zu lesen waren..
Im 12.Jhd. wurde auf einem umstrittenen Papier der Ortsname Seelbach erwaehnt.
Der Unterlahn-Gau, der oberhalb des Kerkerbachs und der mittleren Weil seine noerdlichen Grenzen zeigte,
hatte den Stammsitz der Gaugrafen in der Burg Limburg,
die heute hinter dem Dom ein Schattendarsein fristet.
Verwaltungsmittelpunkt war Dietkirchen,
der Ort an der Lahn mit seiner attraktiv gelegenen Kirche, dem Lubentius-Stift.
Gaue waren in Cent-Bezirke aufgeteilt und zu dem von Niederselters gehoerte Seelbach,
die "Hochgerichtsstaette" war auf dem "Galgenberg" oberhalb Villmars.
Wie damals ueberall waren Herrschaftsaenderungen, groessere und kleinere Kriege,
durchziehendes Kriegsvolk, Pest und Seuchen auch in Seelbach.
Die Uebertragungsurkunde jedoch, die zuletzt kam, war schon was Besonderes:
Der Erzbischof Hillin 1154 schrieb im Schluss-Satz
"Mit Zustimmung des Klerus und Volk bischoeflichen Bannes,
der Exkommunikation und dem verlust der kirchlichen Gemeinschaft des Fleisches
und des Blutes Jesu Christi.
Wer dies aber beachtet, moege leben in Gottes Segen.
Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen."
7 x das Wort "Amen"? War der Bischof aberglaeubisch?
Mit diesem leckeren Satz faengt die Lektuere dieser Schwarte an,
Spass zu machen, das hat sich richtig gelohnt!
Der umstrittene Nachtrag beim 2. Dokument forderte den Zehnten von 17 !
namentlich aufgefuehrten Orten, die im ersten Dokument nicht zu finden waren.
Es ging also ums Geld, das die Gemeinden dem Klerus abzudruecken hatten,
um nichts anderes als um den schlichten "Mammon",
der von diesen heiligen Pharisaeern und Philistern eingefordert wird,
um jenen Mammon, der bei den Schaefchen als "Suende" gebranntmarkt wurde..
(heute prassen sie immer noch, die Bischoefe,
wie man an der juengsten Sache des Umbaus des Bischofs-Sitzes lesen kann-
uebrigens wird das "Gehalt" des Bischofs vom Staat bezahlt)
Die Kirche begruendet diesen "Anspruch" des Zehnt auf das Alte Testament.

Der in Seelbach eingesetzte Pfarrer war auch gleich Schulmeister.
Die Kirche des Ortes ist noch nicht so alt, aus dem Jahr 1876,
drei Jahre nach dem zweiten grossen Brand neu erbaut.
Dieser verheerende Brand war in der Nacht vom 29. zum 30. August 1873,
bei welchem 73 Haeuser, 149 Nebengebaeude,
2 Schulhaeuser, das Pfarrhaus und die Kirche abgebrannt waren.
Zuvor bestanden Kapellen,-12./13.Jhd.-
die aber wohl baufaellig und zu klein waren und durch die groessere Kirche von 1772 ersetzt wurden.

Viele Menschen wissen heute Bescheid, was es mit dem Glauben auf sich hat-
und da schreibe ich als jemand, der die 60 laengst ueberschritten hat:
Es kann sich bei kritikloser Glaeubigkeit nur um ein Augenzudruecken handeln,
mit dem sogar die Institution als "heilig" oder "unfehlbar" angesehen wird.
Eine Flucht aus der Realitaet, mit der man mit fortschreitendem Alter immer weniger klar kommt..
doch nun wieder zurueck zur Chronik:

Der Wiederaufbau Seelbachs gelang in nur 3 Jahren - es handelte sich um ein reiches Bauerndorf.
Lange vor diesem Brand war schon mal ein grosser, im Jahr 1767 !
Erschuetternde Berichte der Verwaltungsraete sind ueberliefert,
in denen es um Probleme bei der Brandbekaempfung ging,
woraus man beim 2. Brand wohl nicht so viel gelernt hatte !

Wasser, Helfer und Materialknappheit wird geschildert, von rein technischen Dingen,
einen solchen Grossbrand wirksam bekaempfen zu koennen.
In "gar nicht einer Stunde" war - bis auf 4 Anwesen -
die namentlich aufgelistet waren, der ganze Ort abgebrannt -
nicht mal die Sturmglocke konnte gelaeutet werden, um die Helfer zu organisieren.
"Lichterloh brannten die Strohdaecher der vollen Scheunen"
"Wir mussten ausserhalb bei Verwandten unterkommen
und hatten zuvor unser gerettetes Hab und Gut im Totenhof verstaut-
was freilich bewacht werden musste"
Aber es kam ruehrend und grosszuegig Hilfe und Mittel aller Art aus allen Doerfern rundherum,
der koenigliche Landrat verteilte von Herbst
bis ins Fruehjahr hinein Material und Gelder zum Wiederaufbau.
"Der Herr hat geholfen, er wird auch ferner helfen"
Das Vieh wurde damals teilw. abgeschafft, weil das Futter schlichterdings verbrannt war
und neues noch nicht in ausreichender Menge zur Verfuegung stand.
Manches Vieh wurde in den Staellen hilfreicher Leute aufgenommen.

Nach dem das Dorf abgebrannt war und aufgeraeumt werden konnte,
gab es eine neue und grosszuegigere Strasseneinteilung.
Deshalb konnte einige Leute nicht mehr an ihren angestammten Bauplatz,
weshalb man zur Verlosung schritt, wenn freiwillig keine Einigung kam.
Die Hauskollekten nach einer grossangelegten Spendenaktion mit Aufrufen brachten
aus dem Oberlahnkreis immerhin 1481 Taler und 6 Pf. ein, so die Chronik.
Der milde Winter lies die Planier- und Bauarbeiten eifrig vorangehen,
bis zum nachfolgenden Herbst stand das Dorf in groben Zuegen wieder.
Vor dem Weihnachtsfest war die Kirchturmspitze mit Wetterhahn und Blitzableiter installiert,
wenn es auch noch keine Glocken hatte..
Durch den Zuzug von Handwerkern kam "allerlei grobe Elemente,
die jede Ordnung litten und lieber in den Wirtshaeusern hockten" -

Vom finanziellen Schlag des Brandes haben sich viele Familien nicht mehr erholt.
Zugunsten kam die rege Grubentaetigkeit der Gegend, die vielen Arbeitsplaetze bot:
Eisen,- Blei,- Silber,- Mangan und Kupfererze, Ton, Dachschiefer, Massenkalt (auch Marmor gehoert dazu) !
Auf der Lahn wurden die Erze abgefahren auf bis zu 20mtr langen und 3,5mtr breiten Kaehnen, die "getreidelt" wurden.
(Auf einem Pfad entlang des Flusses mit Pferden und langen Leinen gezogen)
Bis zur Lahntalbahn war das Schiff die guenstigste Transportmoeglichkeit.
Es gab auch Erdfarben-Gruben Ocker und "Arfurter Gruen", was ein Exportschlager war.
Im Herzoeglichen Schloss zu Biebrich stehen Saeulen aus Seelbacher rotem Marmor.
Ein modernes Abwassernetz und ein ausgebautes Frischwasser-Netz
oder gar Strom und Gas war noch lange nicht in Aussicht,
das Brunnenwasser war bei der Einwohner- und Vieh-Zahl schnell knapp.
Spaeter wurde die stillgelegte Grube Georg Josef an der Lahn bei Graeveneck
zur Trinkwasseraufbereitung genutzt.
Die Post wurde zwei mal am Tag vom Arfurter Bahnhof abgeholt..

Ein Sohn des Westerwaldes war Friedrich Wilhelm Raiffeisen, 1818 geboren.
Ihm kam als ehrenamtlicher Buergermeister einer Westerwaldgemeinde die Idee,
die Not der Bevoelkerung durch die Agrarreform und Spekulanten zu mildern,
indem er die bekannte Sparform ins Leben gerufen hat.
(jede Aehnlichkeit mit unserer juengsten Krise waere rein zufaellig)
"menschliche Giftpflanzen, welche sich ein Geschaeft daraus machen,
die Not ihrer Mitmenschen in der herzlosesten Weise zu ihrer Bereicherung zu benutzen"

Die Land- und Forstwirtschaften entwickelten sich aehnlich wie ueberall in der Gegend.
In der Chronik ist zu lesen, dass vor 110 Jahren "ein betraechtlicher Weinbau" betrieben worden ist:
Noch in der 2. Haelfte des 19.Jhd. wollte der gute Pfarrer Hoppe seine Ersparnisse in einem Weinberg anlegen-
die Mauern und das ordentliche Portal hat er geschafft,
die tolle Jagdhuette und ein paar kuemmerliche Zwetschgenbaeume auch-
(Stand 1955)- dann zog er es vor nach Amerika auszuwandern..
Heute wird der verhinderte Weinberg "Hoppwigs Garten" genannt.

Wie so oft, war ein Streit der Grund, dass in den Archiven etwas aus alten Tagen zu lesen ist:
1575: Der Heimberger Seelbachs gab vor, dass der Kellner des Stiftes St. Matthias zu Villmar die Anordnung gegeben haette,
dass diesmal keine Meldung vom Beginn der Weinlese stattfinden soll..
In der Beschwerde stand, dass sich die Seelbacher geweigert haetten,
jede 10. Buette der Lese den Klosterleuten abzuliefern.
Die Zehntknechte waren aber schnell dabei - keine Frage -
denn diese Schlawiner haben immer schon gerne genommen ohne zuvor das Feld zu bestellen.
Man nimmt an, dass zwischen 15 und 40 Morgen Weinstoecke in Seelbach und Aumenau bestanden haben-
zumindest steht in den Staatsarchiven, dass 1337 Weingaerten in Speyche (bei Arfurt) und Dodenhausen (heute Wuestung) waren.

Der Weinbau des beliebten "Runkeler Roten" soll 1270 bis zuletzt 1933 bestanden haben.

Die Seelbacher Chronik kann sich -bezueglich der Gewerbe und des Handels-
oft nur auf Erzaehlungen der Aeltern berufen, vieles ist nicht festgehalten worden.
Es war ein steter Wandel und viel Nebenerwerb,
ob im landwirtschaftlichen oder handwerklichen oder Handelssektor, mit stetem Trend zur "gruenen Wiese", wie ueberall im Land.
1970 oraktelte der "C lub of R ome" bereits das "Ende der Wachstums- und Mobilitaetsgesellschaft" an,
was heute schon wieder 40 Jahre her ist,
ohne dass diese Prognose irgendwie eingetroffen waere.
Mir kommt der Trend eher gegenteilig vor !

Zurueck zum Dorf, zum Thema "Backes".
Die vor 1900 geborenen Frauen beherrschten noch die Kunst, die grossen und schweren Kuchenbleche
mit Hilfe des "Kretzel" (einem Kraenzchen) auf dem Kopf zu balancieren.
Hierzu ein altes heimisches Rezept: "Aebbelranze", - Brotteig wird ausgerollt
und dick mit Apfelstuecken belegt, zusammengeklappt und gebacken..
Diese Spezialitaet liebte wohl der Seelbacher Lehrer August Stamm ganz besonders.
Aus dem Sammelsurium der Geschichte und Geschichten erinnert sich der Autor an die erste Eismaschine,
die noch mit Stangeneis verkauften.
(geholt aus der Wirtschaft vor Ort, die das Eis mit dem Bierlastwagen von der Brauerei bezogen)
Zusammen mit guter Milch und Eispulver oder auch mit frischen Erdbeeren war diese Schleckerei hochbeliebt..
Nach dem Backes kamen die Baecker in Mode, man brachte zu Feierlichkeiten die Kuchen zum Backen
oder die Zutaten zum Baecker, der dann alles fertigte.
Wer weiss heute noch, dass der Reihenweck seit langen Zeiten bei Beerdigungen gebacken wurde,
mit zuvor erhitzten Fetten, Schmalz,
Speckfett, Rinderfett, Butter und spaeter auch Margarine - zusammen geschmolzen.
Noch zu Beginn der 1990iger Jahre brachten Verwandte,
Nachbarn und Freunde die Backzutaten zum Reiheweck ins Trauerhaus,
was eine aktive Trauerarbeit und Schmerzbewaeltigung war -
man sprach miteinander, war im Schmerz nicht so allein,
wenn ueber den Verstorbenen gesprochen wurde.
Diese ins Haus gebrachten Back-Zutaten waren ein Zeichen der Verbundenheit und des Zusammenstehens,
was ganz anders war als in der grossen Stadt.

1934 gab es in Seelbach schon den ersten Kindergarten,
der 1975 durch einen grosszuegigen Neubau abgeloest wurde,
dessen Leiterin (lt. Dorfchronik) -bis 1978- meine Frau war.
Der Dialekt folgt eigentlich keinen festen Regeln, die Worte sind ein Mix aus Hochdeutsch,
Franzoesisch und Haebraeisch, etwas Latein -
von allen Durch- und Einwanderern gepraegter Mischmasch aus gelebter Kommunikation,
lange bevor die Deutsche Grammatik ueber das Land kam:
Wer handeln wollte, musste mit jedem reden- ganz einfach so..

Heute kaum vorstellbar:
Die Hebamme aus dem Nachbarort Aumenau soll mehrmals taeglich ueber einige Tage
bei den Woechnerinnen nachgeschaut haben-
zu Fuss und das bei jedem Wetter! Verschiedene umliegende Orte wurden so betreut.
Die Frau Lange hat von 1912-1956 ihren schweren und verantwortungsvollen Dienst
bei 1300 Geburten geleistet, so die Chronik..
sie haette es sich nicht nehmen lassen, bei den Taufen anwesend zu sein.
Die Wiege und das Taufkleidchen waren damals in Familienbesitz und wurden von Generation zu Generation weitervererbt.
Im Jahr 1819 steht die Akte des Herzoeglich Nassauischen Amtes in der Chronik zu lesen,
bei der es um die Wahl einer Hebamme geht:
"Zukuenftigen Hebammen und deren Stellvertreterinnen sind in Zukunft nur weibliche Personen,
welche so viel als moeglich folgende Eigenschaften besitzen, von den Ortsvorstaenden in Aussicht zu nehmen:
1. Die auszusehende Frauenperson kann ledig oder verheiratet oder Witwe seyn,
nur da wo an einem Orte mehrere uebrigens gleich gut geeignete Frauen sich befinden,
wovon die eine ledig, die andere aber verheiratet oder Witwe ist,
und schon ein- oder mehrmal geboren hat,
ist einer der letzteren der Vorzug zu geben;
es versteht sich uebrigens von selbst, dass Muetter, die eine schwere Haushaltung
oder sehr viel noch kleine Kinder haben, so viel immer tunlichst, uebergangen werden muessen.
2. Die kuenftige Hebamme oder Stellvertreterin darf in der Regel nicht unter 30 und nicht ueber 40 Jahre alt seyn;
Nur in Notfaellen ist besonders bey den Stellvertreterinnen
hiervon die Ausnahme zu machen und eine zwischen 20 und 30 Jahre alte Person ,
wenn sie uebrigens qualifiziert ist,
nie aber eine aeltere in die Wahl nehmen.
3. Der zu waehlende Frauensperson
darf ein guter offener Verstand und die Faehigkeit ewas zu erlernen und zu begreifen
wowie die erforderliche Geistesgegenwart nicht abgehen.
Sie muss auf jeden Fall Gedrucktes fertig lesen und wo moeglich leserlich schreiben koennen.
4. Die in Aussicht genommene Person muss einen guten,
sanften, tadellosen, sittlichen Charakter haben,
gottesfuerchtig, gewissenhaft, gefaellig und unverdrossen, reinlich,
dem Trunk durchaus nicht ergeben und nicht aberglaeubisch seyn,
auch ueberhaupt das Vertrauen
der Mehrzahl des weiblichen Theils der Gemeinde, wofuer sie gewaehlt wird, geniessen.
5. Die gewaehlte Person muss gutes Gehoer und Gesicht besitzen,
ueberhaupt einer festen dauerhaften Gesundheit geniessen, mithin nicht kraenkliche,
wirklich nervenschwach, gebrechlich, lahm, mit Geschwuerden,
offenen Schaeden, riechendem Atem, stinkenden Fuessen,
haesslichem Haarausschlag im Gesicht behaftet seyn;
ihre Haende duerfen nicht zu gross, breit oder rauh,
oder zu kurz oder steife Finger haben, vielmehr solche gehoerig lang, gelenkig
und in ihnen ein moeglichst feines Gefuehl besitzen.
6. Zu kuenftigen Hebammen ausersehene uebrigens qualifizierte Weiber,
welche entweder die zweite Haelfte ihrer Schwangerschaft ueberschritten haben,
oder welche einen nicht 8 bis 9 Monate alten Saeugling selbst stillen,
sind entweder fuer jetzt mit der Uebernahme des Hebammendienstes
ganz zu verschonen, oder solche, wenn kein anderes taugliches Subjekt alsdann,
wenn ein angeordneter Hebammen Lehrcurs beginnet,
in der Gemeinde vorfindlich ist, auf den nachfolgenden Lehrcurs zu verweisen.
Der Herr Stadtschultheis hat sich in den vorkommenden Faellen bey der wahl darnach zu richten."

Soviel zum Wortlaut aus dieser Verordnung jener Zeit-
der Tonfall oder Ductus kommt mir recht bekannt und noch immer gelaeufig vor..
hat zu sein, ist zu tun!

Zurueck zu den "gemeinen Leut": Der Braut wurde um Mitternacht der Schleier
und und der Kranz abgenommen und eine Haube aufgesetzt-
"unter die Haube bringen" ist ein Sprichwort, das aus dieser Zeit kommt.
Was die Runkeler Fuersten an "Freizuegigkeit" in der Ansiedlung von "Neubuergern" taten,
um moeglichst viele Untertanen anzulocken -
wo ploetzlich die Religion ganz egal war - kam um so klingelischer herueber,
wenn es um strikte Anordnungen zur Verhinderung
von "Ausuferungen bei Feierlichkeiten und Verschwendungssucht" ging.
Die Leute bekamen haarklein diktiert,
wieviel bei welcher Feier aufzutischen war und was verboten ist.
Der Hintergrund ist klar:
Niemand sollte sich bei den Hochzeiten,
Beerdigungen und anderen Feierlichkeiten verschulden,
damit der Graf seine Abgaben erhielt, die willkuerlich genug festgesetzt wurden.
Die Halunken in feiner Kluft wollten lediglich zahlungskraeftige Steuerzahler in den Orten haben...
auch da kommt so manche Parallele im Kopf.

Der Sellbaecher Debbekuche:
2 Kilo Kartoffel, 1 dicke Zwiebel, 2 Eier, 1 EL Mehl, 1 EL Haferflocken,
ca 1 1/2 TL Salz, Pfeffer, Oel, 200gr geraeucherten Speck (in ca 1/2 cm dicken Scheiben)
Zubereitung:
Kartoffeln und Zwiebeln schaelen und reiben.
Die weiteren Zutaten unter die Masse ruehren.
1 Tasse Oel in einem Braeter erhitzen, Kartoffelteig dazugeben und ruehren,
bis sich die Masse vom Rand loest.
Die Masse in eine Schuessel fuellen, Braeter reinigen.
Nochmals 2-3 EL Oel in den Braeter geben, Boden mit Speck auslegen,
Kartoffelteig darauf verteilen und mit dem restlichen Speck belegen.
Den "Deppekuche" ca 1 1/2 Std bei 200 Grad im Backofen mit Umluft braten,
danach ca 15 Min bei 150 Grad stehen lassen, bis er schoen knusprig ist.

Sauer Brueh:
Ein einen grossen Topf kommen ca 10 Liter Fleischbruehe,
10 kleingeschnittene Broetchen, 6 grosse Zwiebeln, 6 Knoblauchzehen, 5 Lorbeerblaetter,
1 Teeloeffel Nelken, 10 Pfund Schweinehack, 15 Eier, Salz und Essig.

Diese Version aus alten Tagen unterscheidet sich von meiner dadurch,
dass kein Maioran und Fleischbruehe genommen wird.

Bevor die Wasserleitung ins Dorf kam, gingen die Frauen mit dem Joch, an dem Ketten mit zwei Eimern daran hingen,
zum Brunnen um Wasser fuer den Waschtag zu holen.
Manche Haeuser hatten einen "Pitz", ein gemauerter Brunnen, der vom Grundwasser gespeist wurde -
dessen Wasser wurde mit einer Handpumpe in der Kueche hochgepumpt.
(Vermutlich nur zum Waschen und Spuelen verwendet, nicht zum trinken..

Die Lahn hatte damals noch viele Fische - so lag es nahe,
die Karfreitag-Speise dort zu holen:
Der Fisch wurde in Mehl gewaelzt, ein wenig gesalzen,
in der Pfanne gebraten und in einem Gurkentopf aehnlichen Ansatz saeuerlich mit Zwiebeln eingelegt.
Der Steintopf mit Holzdeckel hielt den Fisch einzige Zeit frisch.
Es handelte sich meistens um "Rotaugen",
einem graetenreichen Fisch, der etwa handflaechengross und schmackhaft war.
Nach der Wiederaufbauzeit der 50iger bis 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts
haben sich die Fischbestaende in der Lahn wieder gut erholt,
weil dank vieler Aufbereitungsanlagen viel besser geworden ist.

Die Angelvereine sind ruehrig um neuen Besatz und den Erhalt typischer Fischgewaesser bemueht.
Interessant finde ich, dass ganz frueher keine Klaeranlagen -
aber trotzdem viele Fische vorhanden waren.

Zum Osterfest gab es oft Ziegenlaemmchen, gefuellt.
Fuer die Kinder eine schlimme Angelegenheit -
aber was will man machen, wenn Fleisch selten und teuer ist?
Die Ostereier faerbte man mit Spinatwasser zu gruenen,
mit Zwiebelschalensud zu gelben
und mit roter Bete-Saft zu roten Exemplaren,
die dann mit einer Speckschwarte abgerieben wurden, damit sie gut glaenzten.

Im Herbst, wenn die Kirmes bevorstand, wurde Hausputz gemacht,
- falls auswaertige Verwandte zu Besuch kamen-
viele gingen so zu einigen rund um den Ort gelegenen Kirchweihen.
Die Sonntagsklamotten wurden mit Kaffee aufgebuerstet, die Schuhe zum Schuster gebracht..
Die Kriege liesen das Vereinsleben immer wieder erliegen.
Nicht nur zur Zeit des "tausendjaehrigen Reichs" kamen immer wieder die Kontrollfreaks
offen aus ihren Loechern und machten Vorschriften und trugen jeden an, der dagegen wirkte.
Sie waren die wahren Ursachen vieler Zwiste
und sie wirken heute noch fort - meist im Hintergrund.

Soweit zur Ortsgeschichte Seelbachs, das heute ein Ortsteil von Villmar ist,
dem noch die Orte Aumenau, Falkenbach, Langhecke und Weyer angehoeren,
oder besser zwangseingemeindet wurden.
Wie weit sich diese sehr willkuerlichen und menschenfremden Konstrukte,
die der Grossgemeinden an sich,
mit einem vielbeschworenen Zusammengehoerigkeitsgefuehl verbinden lassen,
muss jeder selbst beurteilen.
Bei meinen historischen Auslesen halte ich mich klar an den einzelnen Ort und klammere das obige Thema lieber aus.

Villmar.

Auch dieser Ort ist bereits ueber 1200 Jahre alt und mit historischen Spuren ueber und ueber voll.
Funde aus der Jungsteinzeit an belegen das:
1935 fanden Schueler ein 19,6 cm langen Schuleistenkeil aus Gruenstein.
So manches Graeberfeld in der unmittelbaren Umgebung hat bis zu 40 und mehr Huegelgraeber,
rund um den Galgenberg sind -wen wunderts?- besonders viele.

Meine weiteren geschichtlichen Schilderungen werden sich nicht mehr mit Kirchen,
Schenkungen, Fuersten, Schultheissen und Pfarrern etc. beschaeftigen,
sondern mehr und als Kuer das Leben der "gemeinen Leute" beleuchten,
nicht die Villen reicher Leute bewundern,
das haben die schon selbst oder untereinander getan, wie zu allen Zeiten!
Es ist fuer meine Seite unerheblich,
zu welchem Cent (Zehnt) ein Ort oder eine Gemarkung, ein Hof gehoert hat.
Wen interessieren "Huldigungsurkunden", "Kirchspiele" oder Pfarrbezirke?
Von urzeitlichen Funden braucht nichts weiter ausgefuehrt zu werden,
weil in der Gegend aehnliche Vorkommen zu finden sind,
Beschreibungen der Heimberger, Pfarrer und schulische Dinge sind genug getan...

Folgende Begebenheit gibt meiner obigen Einschaetzung recht,
dass davon genug berichtet worden ist:

"Ein Jahr zuvor, im November 1562, setzten die Villmarer
Vogteiinhaber Reinhart von Isenburg-Buedingen und Ernst von Solms-Muenzenberg
die Verbrennung dreier Hexen
an der ehemaligen Gerichtsstaette der Cent Niederselters auf dem Galgenberg
-bei dem Schlag der Langen Hecke- durch,
obwohl der Herr von Runkel hier den Villmarern die Exekution
als ein Recht des Landesherrn nicht zugestehen wollte
und die bereits bei einer Huette an je eine Saeule gebundenen gewesenen
und nachts durch Feuer erstickten Frauen von der Gerichtsstaette
entfernen und vor Villmar schleifen lies.
Daraufhin wurden naemlich die versengten Leichen unter Anfuehrung des Isenburger Vogts von einem Villmarer Landesaufgebot
von insgesamt 52 Reisigen auf zwei Wagen und einem Schlitten zum Galgenberg unters Hochgericht zurueckgeschafft,
und die dort postierten 3 Runkeler Wachknechte gefesselt,
und zwar solange bis die 3 Leichen voellig durch Feuer eingeaeschert waren.
Unbestrittenes Villmarer Blut- und Hochgericht wurde der Galgenberg jedoch erst nach 1596,
so dass an der dortigen Richtstaette im Jahre 1603
zwei und am 11.September 1618 nochmal 3 Hexen verbrannt werden konnten,
waehrend eine letzte wegen Hexerei im Jahre 1652 enthauptete Hebamme
unter dem dort befindlichen Galgen begraben wurde"

Der Name des Ortsteils "Weyer" soll von "Wiler" kommen, von einem Einzelgehoeft oder Weiler.
Der Name Villmar kommt von "vilimer" oder "vilmare",
was so viel wie reichlich Wasser bedeutet.
Der Ortteil Langhecke wuchs aus Gruben und deren Zechenhaeusern "lange Hecke",
langer Wald, wo der beste Schiefer
Deutschlands zu finden war, 1270 "Duneberg" genannt, wohl nach dem Gott Donar.
"Amana" war urkundlich Aumenau, ein Ort in den Auen der Lahn.

Villmar brannte 1536 fast vollstaendig ab, was sich 1608 und 1697 wiederholte.
(trotz der vielen Heiligenhaeuschen an allen Ecken und Enden der Gegend,
trotz der "schmerzhaften Gottesmutter" in der Kirche.)
Der Ort war wohlhabend, hatte eine flaechige Landwirtschaft,
viele Gruben und entsprechend viele Handwerker.
Bekannt geworden ist der Villmarer Marmor.

Chroniken sind zuweilen widerspruechlich, so wird 1791 davon berichtet,
dass bestenfalls 10 Bauern als wohlhabend,
die anderen 90 aber als so arm angesehen werden konnten,
dass Gueterversteigerungen und Auswanderungen nach Ungarn an der Tagesordnung gewesen waren..
Danach wurde Raps, Oelwicken, Tabak, Hopfen und Kohlrabenzucht betrieben,
was die Brachflaechen minderte und durchgehendere Ertraege lieferte.
Ein beliebtes Bauern-Hobby war die Obstbaumveredlung und spezielle Viehzuchten, die endlich zu besserem
und vermehrten Ertraegen fuehrten- gestuetzt von der damaligen Regierung.
Damal war die Fuelle der unterschiedlichsten Sonderabgaben enorm,
sogar Weinpflocksteuern und Eckernmastgeld gab es in der "guten alten Zeit".
Viel spaeter, in den 1950er Jahren, wurde die baeuerlichen Betriebe auf ein Mindestmass von 30 Morgen aufgestockt
und neue Wirtschaftswege angelegt,
damit man nicht immer ueber den Nachbaracker fahren musste, um das Feld zu bestellen.

Aus Wildaepfeln wurde Essig gewonnen, Obst- und Kornbraende waren modern- Bier-Brauereien kamen verstaerkt hinzu -
das machte von den schwankenden Ertraegen des Weinbaus unabhaengiger.

Ein Waldaufseher von Langhecke (OT) gestand 1793, dass er 14 Raubmorde begangen hatte und wurde anschliessend gehenkt.
Er ist wohl bei der Verfolgung von Holzdieben, die in dieser Gemarkung,
wo sich die 31 Haeuser auf 4 Herrschaftsgebiete aufteilten,
ueber die Straenge geschlagen und dabei selbst zum Raeuber und Moerder geworden.
Zur Zehntabgabe fuhren die Bauern nach Villmar, sie trafen sich dort auf einem zentralen Platz,
wo 1495 ein grosser Landmarkt entstand.
Man darf sich das wie eine Messe vorstellen, wo allerlei Dinge gekauft werden konnten:
Sonntagmorgens um 9 Uhr des Jahres 1561 sollen schon 500 Landleute dort versammelt gewesen sein,
99 Wein- und Bierwirte, Kannengiesser fuer Zinngeschirr, acht Juden mit Handelsstaenden aller Art kamen
bis aus Wetzlar angereist, 18 Wirte sorgten fuer Speis und Trank,
Tanzveranstaltungen und Scheibenschiessen gab es -
wie auf einer Kirmes groesserer Auspraegung.
Die Standrechte und Ausschankgenehmigungen etc. fuehrten oft zu erbitterten,
handfesten Auseinandersetzungen unter den Teilnehmer, so die Chronik.

1876 erhielt der Aumenauer Faehrmann (OT) von jedem der 602 Aumenauer Einwohner jedes Jahr einen 2 Kilo-Laib
Brot und von jedem, der uebergesetzt wurde 3 Pf an Faehrlohn.
Bis in die 1920er Jahre gab es nur wenige massive Bruecken ueber die Lahn, Faehrleute waren die Regel,
selbst in Villmar zu Zeiten der Lahntalbahn,
wo nur mit einem Kahn der Bahnhof erreicht werden konnte.
Erst 1894 bekam Villmar die neue Marmorbruecke,
(das Material kam ganz aus der Naehe) die 100.000 RM gekostet hat.
Zu dieser Zeit befuhren noch bis zu 2.000 Lastkaehne die Schleusenanlagen der Lahn.
Die 188 Grubenfelder in der Gemarkung und 7 Kalksteinbrueche,
7 davon waren Blei- und Silberminen- luden ihre Frachten
auf Lahnkaehne zum Abtransport zur Verhuettung.

Der Run auf die Eizenerz- und Manganvorkommen lies den Trierer Kurfuersten Johann Hugo von Orsbeck die "Schutzjuden"
http://de.wikipedia.org/wiki/Judenregal
Moyses aus Niedernhausen und Suesskind aus Limburg das Recht zukommen, 12 Jahre im Bezirk Runkel nach Eisenstein
graben zu lassen, wobei die Felder bis zur Sohle ausgebeutet werden sollten..
Fuer diese Lizenz verlangte der Fuerst jaehrlich 200 Reichstaler.
Bis 1689 verbauten die beiden 4000 Frankfurter Gulden ihrer Geldgeber -
und gingen dann in Konkurs - damals wie heute aehneln sich die Zustaende verzweifelt.
In den Gemeinden blieb nur der Lohn der Bergleute, der ferne Fuerst bekam die Lehen,
die fernen Geldgeber und Eigner die erbeuteten Bodenschaetze wurden wohl in den Kriegen verdorben,
die Herrschaften und die Investoren wechselten froehlich,
die zerschundene Landschaft bleibt bis heute.

Die Orte Aumenau und Langhecke waren typische Bergmannsdoerfer.

Der Langhecker Schiefer war weithin bekannt, er hielt 200 Jahre das Dach wetterfest -
er war so hart, dass selbst das grubenfeuchte Material
beim beschlagen mit dem Stahlhammer Funken gab.
Der Schiefer wurde in Kauten abgebaut, deshalb nannten sich die Hauer "Kaeutner" -
jene waren bis zu 21% von der Staublunge, der Silikose, der "Langhecker Krankheit", dahin gerafft worden.
(Viele Familien standen bald ohne Ernaehrer da)

Das Ende der franzoesischen Revolutionskrieg 1799
gab das Ende der Bergaufsicht und so kam allerei Gesindel nach Langhecke-
vom Georg Zerfass, Schwarzer Jonas, Johannes Bueckler,
letzterer der bekannte Raeuber Schinderhannes war,
gaben sich die Klinke in die Hand und machten die ganze Gegend unsicher -
dabei durfte der Dicherfuerst Goethe nicht fehlen, der sich dort die Gruben zeigen lies.

Villmarer Marmor ist kristalliner Massenkalk, in verschiedenen Farben und mit Einschluessen von Armfuesslern,
Schnecken und Muscheln und Pflanzen-Abdruecken.
Der Weilburger Schiffstunnel, Schleusenanlagen, unzaehlige Schloesser in Europa
und Kirchen waren mit Villmarer oder Arfurter oder Seelbacher Marmor ausgeschmueckt oder gebaut.
Luxushotels, Indische Palaeste, das Theater von Rio, das Empire State Building,
die Eremitage in Moskau bis zu wohlhabenden Geschaeftshaeusern
Belgiens schmueckten sich damit, ganau wie Edelkaufhaeuser und illustre Brunnenanlagen oder grosse Bahnhofs-Bauten.

Frueher brauchte man eine Stunde um einen Zentimeter Marmor zu saegen, spaeter kam man 15cm tief in das Material,-
6-8qm waren die Tages- Schleif- und Polierleistung, spaeter kamen Maschinen, mit denen bis zu 150qm geschafft werden konnten.

Nach Villmar soll ein wenig aus der Dietkircher Chronik geplaudert sein, der Ort,
wo die bekannte Lubentius-Kirche auf dem Felsen an der Lahn steht.
"90% der Gesamtbevoelkerung lebte im Mittelalter noch auf dem Land.
Das Landleben war dem zufolge die typische Lebensform,
auch wenn sich das in den historischen Quellen kaum niederschlug".
So beginnt die Dorfchronik zu erzaehlen - Karl der Grosse (768-814)
benannte die Kalendermonate nach diesen Gegebenheiten um..

Die Kleriker und die Adeligen umgaben sich mit dicken Mauern,
trennten sich von den ackertreibenden "Geringen" ab.

Deren Bauwut sorgte fuer "Konjunktur" und so kamen Handwerker und Gewerbetreibende und Verkaeufer von Landerzeugnissen,
die fuer die notwendige Ernaehrung sorgten,
die von den baeuerlichen Betrieben auf dem Land ihre Ware erhielten.
Mittelalterliche Doerfer haben aus ca 3-10 Gehoeften bestanden,
bis zu 70 Einwohner lebten in diesen Gemeinschaften.
Ein kleiner Lebenskreis!
1542 waren gerade mal 23 Steuerbuerger wohnhaft,
1564 zaehlte man 18 Haeuser.
1644-56 schrieb der Pfarrer jaehlich eine Geburt ins Buch.
Ein dramatischer Rueckgang durch den 30j. Krieg mit seinen Seuchen?
Genaueres ist nicht berichtet,
nur dass in diesem Buch die Eintraege von weiteren Pfarrfilialen geschrieben standen:
Dehrn, Lindenholzhausen und Eschhofen, sowie div. Muehlen.
Vermutlich hielten sich noch einige Familien in den Waeldern verborgen,
wo sie seit den Kriegswirren ihr Versteck suchten.
1730 huldigten 44 Maenner (das war ein Zwang, keine Freiwilligkeit) und zwei Witwen
aus Dietkirchen der "Churfuerstlichen Gnaden
Frank Goerg von Schoenborn"
"Schirmgulden" zahlten voruebergehend Anwesende,
Verwandte und wohl auch Haendler und Reisende qua Edict an die fuerstliche Rentkammer, -
was einer Schutzgeld-Erpressung gleich kam.
Armut praegte bis Ende des 18Jhds. das Geschehen im Dorf
und seiner Umgebung, waehrend die hohen Staende prassten
und Hof hielten - wie ueberall in Europa.
"1780 wurde die Gemeinde angemahnt, die seit drei Jahren faellige Bezahlung
des Lehrers endlich zu begleichen, doch die Gemeinde war zu unvermoegend."
1806 antwortete Pfarrer Roemer auf die Frage:
"stehen die einzelnen Untertanen wohl?"
..mit "die Dietkircher sind durchgehend bettelarm, sind arme (Schul) Kinder da,
die nichts zahlen koennen, 18 dermalen."
Legt man 40 Schueler zugrunde, waere das ein hoher Anteil.
1874 wurde eine zweite Hilfslehrerstelle eingerichtet-
obwohl es hies, Dietkirchen sei eine der aermsten Gemeinden im Schulbezirk.
Im Jahr 1790 "werden daselbst 36 Buerger, 8 Beisassen in 48 Haeusern geehlt, sodann sind allda 21 Scheuern und 29 Staelle.
Die Einwohler sind theils Ackersleuthe, teils Handwerker,
welche von dem daselbst befindlichen Collegiat-Stift ihre gute Narujng beziehen"
An anderer Stelle liest man 300 Seelen des Dorfes..
Zur Gruendung des Deutschen Reiches 1871 waren es bereits 658 Personen, die dort wohnten.

Der Faehrmann im Lehen war gut angesehen im Stand,
er erhielt am Lubentiustag "drei Brote, ein Viertel Wein,
einen Braten im Wert von drei leichten Denaren und eine Schuessel mit gekochtem Fleisch,
wie es auch fuer die Stiftsherren im Refektorium zubereitet wurde"
Bis 1980 wurde der Faehrbetrieb gehalten, trotz vieler Streitigkeiten wegen des Seils -
weswegen die Schiffe und Boote anhalten mussten, bis dieses wieder eingeholt worden war.

Der Pfarrer Caspar Schorn plante, als er 1683 sein Amt begann, eine Schule einzurichten:
"da die Bewohner sind so schlecht erzogen waren, plane ich die Jugend anders zu erziehen"
So mancher Schullehrer versuchte mit allerlei Nebentaetigkeit
-sogar Maurertaetigkeiten- ueber die Runden zu kommen,
weil das Salaer sehr gering gewesen sein muss -
was den hochnaesigen Pfarrer zu folgender Bemerkung veranlasste:
"allerdings schreibe er (der Lehrer) wohl hier und dort Briefe,
da dafuer aber nichts als Branntwein gewoehnlich gegeben werde,
ist es mehr Schaden als Nutzen fuer den Schullehrer"
(Der Pfarrer betrachtet sich als Lehrer fuer alle,
waehrend der Lehrer nur fuer die Kinder zustaendig ist)

1823 fand man keinen einzigen Einwohner in Dietkirchen, der soweit des Schreibens maechtig war,
um der Gemeinde als Rechner dienen zu koennen..
Ueber dem Backhaus war eine Stube, in der jener Lehrer wohnte und unterrichten musste !
Erst 1809 wurde ein geeignetes Gebaeude angekauft, das zur Schule eingerichtet wurde.
Streitigkeiten ab es immer und so wurde vom Pfarrer der Buergermeister als "zwar talentiert,
aber ohne Faehigkeiten" eingestuft wurde -
alles gut dokumentiert in Buechern, die ausser ihm keiner las.
Schon frueh, 1292 stand am Lubentiustag,
also da wo das Lehen von allen Bauern angefahren wurde, den Zoellnern aus Limburg
von den Stiftsherren gegeben
"6 Weissbrote, ein Viertel Wein, drei Braten zu je einem leichten Denar, 3 Schuessel mit gekochtem Fleisch zu."
Dafuer waren die Stiftsherren vom Zoll befreit!
Der gleiche Festschmaus stand auch den Schoeffen im Hof des Archidiakons zu, ein echtes Herrenmahl.
Der Dietkircher Markt erwuchs wohl aus diesem Tag des Lubentius.
So kam bald die "Haensegebuehr" auf,
(Hanse, Handel, Haense)
so eine Art Standplatzgebuehr, wie beim Flohmarkt der heutigen Tage.
Rundum gelegene Orte neideten diesen Aufschwung,
so sann der Fuerst geschwind Wegenutzunggelder und danach,
wie der Markt in einen anderen Ort zu ziehen waere..
so wurde fuer "Schutzjuden" die Haense ausgesetzt,
damit sie sich mit ihren Handelswaren einfanden.
Die jungen Maenner nutzten den grossen Markt fuer Zwistigkeiten und Schlaegereien,
Rabattschlachten wurden schon damals gehalten,
um den Kaeufer zu mehr Konsum anzutreiben:

Es wurde ueberliefert, dass 7 Metzger, 11 Wollweber, 3 Eisenkraemer,
2 Nagelschmiede, 2 Weissgerber, 7 Strumpfweber, 14 Wirte,
27 Kraemer, und 28 Baecker gezaehlt wurden.

1853: "Die rauften sich nicht um eine Dirne, um einen Tanz, um ein paar Kreuzer,
die rauften sich hierin den baierischen Wackerl vergleichbar,
um das Vergnuegens willen zu raufen.
Erinnere ich mich doch des einzigen Dietkirchener Marktes,
den ich besuchte und wie da gleich im Anfang die Zollbude umgeworfen wurde -
der graeflich Walderdorfische Kellner (Verwalter) hatte gewisse Zollgebuehren zu erheben -
und wie der Kellner und seine Gaeste
kuemmerlich durch die Fensterlucke der Bude fernerer Drangsal entrannen.
Die Flucht blieb aber ohne Einfluss auf den Gang der Schlacht,
bei der sich sofort das ganze Marktpublikum beteiligte.
Unvergleichliche Hiebe sind da ausgeteilt worden, absonderlich von einem Kittelbauer,
der alles, was ihm vorkam, ohne Unterschied niederschmetterte.
Seinem Wuethen entlief, Bude, Casse, Gaeste im Stiche lassend,
der Kellner, neu in seinem Amte - hatte der arme Mann Aehnliches noch nicht erlebt.
Kopfueber rannte er der Faehre zu um die Lahn zwischen sich und den Pruegeln zu setzen,
indem er aber den Nachen bestieg, fand sich zu ihm jener schreckliche Kittelmann,
fuer jetzt zwar scheinbar ruhig und gelassen.
In der friedlichen Stimmung ihn zu befestigen, versuchte der Kellner ein Gespraech anzuknuepfen
"das war ja ein fuerchterliches Gemenge" -
"Spass" entgegnete der Andere,
"lauter Spass, sonst haette ich mich nicht neutral gehalten".

Ansonsten herrschte ein friedliches Miteinander auf dem Vieh- und Kram-Markt und Schaubuden-Betreibern.

Viel spaeter, unter den Nationalsozialisten wurde in Limburg eine Gegenkirmes befohlen, ein Oktoberfest-
damit die gewogeneren Teile auch etwas vom Treiben abgekamen.

Durch diesen groesseren Markt kam die "Dikkericher Maedes" langsam ins Hintertreffen,
das Oktoberfest gewann staendig an Bedeutung.
Die "Kraft durch Freude" wollte das wieder ein Stueck umkehren,
als 1939 der deutsche Angriff auf Polen dazwischen kam.
Es folgte ein lange Unterbrechung bis 1991 - wo der Ortsvorsteher van der Burg
unter Mitwirkung aller Dietkircher Vereine wieder einen "Dikkerischen Markt" startete.

In Dietkirchen ging es nicht anders zu als in anderen Orten der Gegend,
wo durchziehende Truppen aller moeglichen Arten
und Herkuenften marodierten und pluenderten, raubten und mordeten.
Verwundete, Vertriebene, Gefluechtete und Gefangene kamen und gingen.
Seuchen, Hunger und Religion drueckten, Fuersten pressten und versklavten durch Frohn und viele sonderbare Steuern.

Meinung:
Nach meinen Beobachtungen blieben die Wohlhabenden stets unter sich,
sie waren eine geschlossene Gesellschaft, waehrend heute "das Bad in der Menge" erfrischt
und den herrlichen Neid erst so richtig genussvoll werden laesst..
Ehedem fuhren die Feinen 2,4 oder 6-Spaennig mit Kutscher vor, die "Gemeinen" waren buchstaeblich das Fussvolk.
Heute hebt man sich von der Massenmotorisierung eher mit riesigen SUVs, Oberklasse-Automobilen, Wohnmobilen, Yachten oder Privatflugzeugen ab.
Wie wird man reich, ausser durch einen Lottogewinn?
Nun, durch entsprechende Seilschaften, durch Pressen und Ausbeuten, Erbschaften, durch Abstammung oder Heirat.
Reich ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch eine der inneren Zufriedenheit
-zumindest wenn die Grundbeduerfnisse gesichert sind-
was z.T. immer eine Domaine der Religion war, der spirituelle Schnuller fuer Erwachsene.
Gut, ich bin nie mit "hohen Tieren" in Kontakt gekommen, erlebe aber doch, dass sich Wohlhabende aergern,
wenn "Proleten" mit nicht gerade billigen Fahrzeugen und Haeusern zeigen was sie koennen - schlicht um "mitschwimmen zu koennen".
(Die Arbeit dahinter sieht niemand)
Die Werbung forciert allerorten die Gier etwas Neues haben zu muessen, darauf fusst das ganze Wirtschaftssystem.

Wer ist nun "reich"? Ich meine es ist derjenige, der genug UEBRIG hat um ueber noetige Ruecklagen zu sparen und dazu noch Geld anlegen kann.
Im Gegensatz dazu die breiten Massen, die mit "Minijobs" klar kommen muessen, weil die Reichen die normalen Berufseinkommen
-aus schierer Gier- ueber die Politik zerdeppert haben.
Schwache Einkuenfte breiter Massen an Konsumenten- bei gleichzeitiger Teil-Alimentation
(Miete, Aufstockerloehne) wird uns das Rueckgrat brechen,
wenn der Export laengere Zeit schwaechelt.
Ein solider Binnenmarkt wird immer noch hartnaeckig gemieden, weil jetzt und ehedem von den oberen Zehntausend,
heute von einer Geld-Anleger-Schicht gerafft und geramscht wird..

Soweit mein Zwischenruf, weiter gehts mit der gelesenen oder auserlesenen Historie
aus meinen dicken Waelzern - nachfolgend werde ich weniger ortsbezogen berichten.

Die Verquickungen und Gewogenheiten, Abhaengigkeiten und Zweckverbindungen zwischen den Adelshaeusern
und den Klerikern waren einzig zur Vermehrung von Macht und Geld angelegt -
stets auf dem Ruecken des Volkes und jahrhunderte lang geschickt gestrickt worden..
letztlich fusst aller Reichtum auf Beutezuegen,
Pluenderungen, Zweck-Heiraten, Schutzgeld-Erpressung unter div. Namen und Bezeichnungen und Unterwerfung, Wucher -
aber auch mit dem Druck des "Seelenheils"..

Interessant:
Ueber den Kirchen-Kanzeln war ein "Schalldeckel" angebracht, praktischer Nutzen mit Verzierung als Baldachin.

Nach einigen Chroniken ekelt mich das Lesen der Fakten und Historien ueber die Maechtigen der Zeiten regelrecht an,
die Hoffnung auf ein paar Details aus dem Leben der einfachen Leute haelt mich an der Lektuere.

Wir erinnern uns:
Die wenigsten einfachen Menschen waren des Lesens oder Schreibens maechtig,
folglich ist von dieser Seite wenig an Ueberlieferungen zu erwarten.
Was bleibt, sind Kirchenbuecher und Frohn-Buecher und Besitz-Beschreibungen-
ab und zu mal eine kontinuierliche Chronik der Stadt-Schreiber.
Nur durch die Technik des Querlesens ist eine derartige Durchforstung von Ueberlieferungen denkbar, die ich in div. lat. Lektueren erworben habe:
So lernt man die Spreu ganz gut vom Weizen zu trennen, wenn Professoren meinen,
mit 13 zeiligen Saetzen "Bildung" zu Papier bringen zu muessen..

"Wie von Pfarrer Schmitt berichtet, wurden in den ersten Amtsjahren seit 1702 umfangreiche Reparaturen am Pfarrgebaeude durchgefuehrt.
Ausser den Treppen- Keller- und Fenstererneuerungen wurde auch eine Studierstube eingerichtet."
Der Pfarrer sagte weiter, das er bei seiner Ankunft die unterste Stube im Pfarrhaus so schwarz wie ein Schornstein vorgefunden haette.
An den Waenden seien tausende von Wandlaeusen gewesen.
Es sollte frisch ausgefacht und mit Kalk neu gebunden werden, damit die Waldlaeuse sterben sollten..
"Aber ich habe bis dato 1714 dies nicht erlangen koennen, daher sich nun dieses Ungeziefer in den 12 Jahren so vermehrt,
dass wir die Laeuse tagsueber in den Kleidern und nachts in den Betten hatten. "
Die Stube war bei seiner Ankunft mit Stein gepflastert,
und an derselben wr eine Kammer mit Lehm, der aber so durchgetreten war,
dass man in den Keller sehen konnte..
Die Kueche war nicht gepflastert, ganz dunkel, ohne Fenster und Laeden.
Der Keller war 2 Schritt breit und 4 lang, so niedrig, dass man nicht darin stehen konnte.
Die Huehner hockten unten im Gang, und machten das Haus voll Ungeziefer. Der Pfarrhof ist ein Wasserloch,
so dass man das ganze Jahr nicht trockenen Fusses hindurchgehen kann.
Das Dach der Kirche ist so schlecht, dass es mir und meiner Frau auf den Kopf regnet,
der Boden vom Regen durchweicht, einbricht.
Die schweren Uhrensteine sind schn zweimal runtergefallen
und haben den Deckel des Taufsteins zerschlagen - auch das Pfarrgut war sehr verwahrlost.
Der Wein muss in steinernen Kruegen auf den Altar gestellt werden,
weil die alte adelige Frau und die zinnernen Kannen entzog."

1757 verleiht Serenissimus Graf von Nassau das Pfarrgut an das Walburgisstift in Weilburg fuer 7000 fl.
Das Pfarrhaus war wohl noch immer in desolatem Zustand,
man hatte den Keller 2 Schuh tief ausgegraben und darin stand jetzt das Wasser.
Kein Abtritt (Toilette) und die Stuben und Kammern waren noch immer viel zu klein und zu niedrig-
so dass der Pfarrer seinen Hausrat nicht unterbringen konnte..
1788 sollen die Schulkinder sehr zurueck gewesen sein, der Schulmeister beim Hausieren mit selbstgefertigten
Wagnerarbeiten unterwegs gewesen sein, um sich den Branntwein zu verdienen..
1797, den 22. August: Die Abstuetzungen der maroden Kirche polterten ploetzlich auf die Maennertribuenen,
die Seitenmauern bildeten Buckel, der Turm war schon lange abgestuetzt und senkte sich immer mehr im Gebaelk.
1886 wurde das alte Pfarrhaus versteigert, fuer 5640 Mark vom Buergermeister Friedrich erworben.

1893 war eine grosse Duerre, die Bauern schlachteten ihre Kuehe und verkauften das Fleisch zu 30 Pf das Pfund.
In den Jahren 1898 und 1900 brachte der Pfarrgarten jeweils 25 Zentner an Pflaumen,
die zu 4 Mark der Zentner verkauft werden konnten..
Im Jahr 1900 schrieb der Elkerhaeuser Pfarrer Freudenberg:
"Die Frau des Pfarrers Mueller aus Weinbach und meine Frau zogen es vor,
waehrend des Gottesdienstes in meinem Studierzimmer zu schnueffeln."
1901 jammerte er, dass die Jauche durch die Gassen fliesst,
der Gestank und der Laerm der Eisenraeder bis in das Pfarrhaus dringen.
1902 wollte der Weilburger Amtsrichter Heymann (der das Amt wohl dazu missbrauchte,
mit wertvollen alten Sachen Geschaefte zu machen)
mit Ueberredungskunst fuer 35 Mark die alten Sakralgefaesse schnorren,
die spaeter mit 450 Mark getaxt wurden..

Die Geschichte der Schule begann im 16.Jhd.- die Reformatoren wollten,
dass jeder das Wort Gottes aus freien Stuecken lesen koennen sollte.
1854 wanderten 3555 nassauische Bauern nach Texas aus,
weil die Boeden zu stark ausgelaugt waren und kaum noch etwas hergaben.

Die chemische Duengemittelproduktion begann mit allerlei Rohstoffen:
Horn, Haare, Leder, Lumpen, Knochen und Klauen.
Phosphorit wurde aufgeschlossen und als Kunstduenger nutzbar gemacht.

Um jeden Herrenhof bildeten sich kleine Ansiedlungen von einfachen Katen,
in denen die Unfreien wohnten, die zur Bewirtschaftung des Hofes noetig waren.
Der Bauernstand besteht nach den heutigen Erkenntnissen erst seit dem 11Jhd. als soziale Gruppe.
Bei 2-3 Gehoeften einer Siedlung kann man von 30-50 Einwohnern ausgehen.

Besonders interessant finde ich die etymologische Herleitung alter Ortsnamen-
eine spannende Sache, die gerne mal akademisch klemmen mag...
Das Beispiel des Weilburger Ortsteils Kubach liegt vor mir, in Gestalt einer Ortschronik..
In einer Urkunde aus dem Jahr 1000 heisst es "Coubach".
Im Althochdeutschen "Bach" "bah", Germanisch "beki", im Mittelhochdeutschen "bach" - in allen drei Entwicklungsstufen
unserer Sprache ist dieses Wort maennlich, also "der Bach", in der hiesigen Mundart "die Bach".
In der alten Urkunde wird die weibl. Endung verwendet
,d.h. statt "parvulum" (fuer einen der drei angenommenen Teile dieses Ortes - Pfaffenhausen, Gross-Kubach, Wenigenkubach)
ist in der Urkunde "parvulam" geschrieben worden.
Einige meinen, dass es sich um einen Abschreibefehler von "rivulum" - Akkusativ lat. von Fluesschen handeln koennte.
Der zweite Bestandteil des Ortsnamens koennte auf das althochdeutsche "kuo" oder "cho",
germanisch dann "k(w)o" -mittelhochdeutsch "kuo" hinweisen - und das bedeutet "Kuh", weiblich.
Andere reden von der Herleitung aus "Quell-Bach" zu Kullbach und Kubach-
es koenne aber auch eine Dialektform sein.

Die Anfangssilbe ist halt ein wenig kurz geraten, um eindeutige Schluesse zu ziehen.

Wieder andere Annahmen meinen, dass "cu" etwas mit "zwischen" oder "zwei" zu tun habe.

Die orohydrographische Karte von Kubach zeigt,
dass zahlreichen Baeche sich dort gegen das Weiltal richten - das waere schon mal ein Indiz.
Die Herleitung aus dem Keltischen waere zu kurz, obwohl ueberall Kelten siedelten,
was an den Flussnamen heute noch zu ersehen ist.
In Kubach gibt es genug Quellen, was auch noch eine Herkunftsannahme sein koennte.
Somit kaeme der Name von "Quellbach"?
Oder ist das Wort "Kuhle" oder Senke oder Grube dafuer ursaechlich?
Die Wissenschaft straeubt sich gerne gegen einfache Sachen - so passt die mundartliche Aussprache (kou-)
zu einem Ort, an dem bevorzugt Kuehe gehalten worden sein koennten..
Diese ominoese Abschreibung "rivulum" oder "parvulum" zu dem Teil des Ortes
koennte eine Latinisierung von "klein, geringfuegig, armselig" gewesen sein und wuerde wieder in eine andere Ecke lenken.
- Eine weniger glueckliche Lage dieser Siedlung vermutlich?
Die Ableitung von der Kuh erschien ein wenig zu "baeuerlich", um korrekt anzumuten.
Die offizielle Schreibweise war bis 1935 "Cubach",
wo per Rundschreiben an die Landraete ging, dass der Ort kuenftig mit "K" zu schreiben sei:
"Ich ersuche sie daher dringend, sich dafuer einsetzen zu wollen,
dass die Schreibweise des Anfangsbuchstabens des Ortes Cubach auf das deutsche K umgesellt wird!"
So ist es bin heute geblieben, Proteste aus der Bevoelkerung kamen wohl keine.

Soviel zu den Grabenkaempfen der Aufarbeitung von alten Namen.

Ein Beispiel, wie Kirchenvermoegen entstanden sind, ist hier beim Kloster Pfannstiel zu lesen:
Die Einkuenfte und Schenkungen von Cubacher Einwohnern- Clessgin Lower aus Weilmuenster und seine Hausfrau Katharina,
Schwester des vorgenannten Henn, und ihre Miterben geben zu ihrem Seelenheil der Kirche "Unserer lieben Frau im Pfannstiel!
zwei Drittel von folgenden Guelten: 1/2 Malter Hafer, 1 Malter Korn nach Weilburger Mass, vom Heynen-Hof zu Cubach.
Dafuer soll man ihre Namen in das Seelenbuch der Kirche schreiben und ihnen eine Messe lesen, Anno 1469 Juni 14.

Das Kloster betaetigte sich als Lehnsherr, Geldverleiher, Pfandleihe und als Anlagebank fuer Renten !
Richtig fromm waren diese Johanniter..
Der Name Pfannstiel leitet sich von einer der Reliquien ab, dem "Stiels der Breipfanne Jesu, dem Jesukind.
Dabei war die Rede von einem Marienbild, das in einem Baum gefunden worden sein soll
und das spaeter in der Klosterkirche verehrt wurde.
Als die Kirche abbrannte, soll dieses Marienbild als einziges Stueck uebrig geblieben sein- wie damals,
als der Baum abbrannte, brannte auch das Kloster bis auf die Grundmauern nieder.
Die Reformation, die von Klosterprior als "Baals-Dienst" verunglimpft wurde, obsiegte durch den bekehrten Weilburger
Fuersten, der sodann das Kloster nach und nach "beerbte" und abreissen lies.

Die Flurnamen des Ortes Kubach sind freilich auch schon tausend Jahre alt und z.T. noch heute in Gebrauch.
Briebach - (mundartl. von Brueh-Bach) ockerhaltiges Wasser - von den vielen Gruben eingefaerbt, ist ein Beispiel.
Paffen: Erst seit der Reformation mit pejorativer Bedeutung.
Schindgraben:
Schinden, enthaeuten, schlachten.
Aus der Haut wurde Leder gegerbt, vom Rest wurde Seife gemacht,
was nicht zu verwerten war, wurde vergraben.
Alte Erzaehlungen oder Sagen vom Kloster Pfannstiel:
Das Kuehchen im Pansel.
Als einst der Hirte von Drommershausen im Pansel seine Herde huetete, sah er,
wie ein weissgeschecktes Kuehchen aus dem Wald kam,
sich unter seine Herde mischte und mit dieser weidete.
Am Abend lief es wieder in den Wald, und das wiederholte sich jeden Tag,
bis die Zeit des Weidetriebes zu Ende war.
Am letzten Weidetag sagte der Hirt zu seinem Buben:
Fahr du mit der Herde heim.
Ich will einmal dem Scheckchen nachgehen und sehen, wohin es geht und wem es gehoert.
So tat er denn auch und folgte dem Tier bis zu einer Bergschlucht, in der es verschwand.
Er ging ebenfalls in die Schlucht hinein und kam in die Naehe einer Hoehle.
Vor der standen zwei Maenner in altertuemlicher Tracht, die eifrig mit Schaufeln Sand durch ein Sieb warfen..
Ist das gescheckte Kuehchen euer, fragte er sie.
Jawohl, hoerte er als Antwort.
Dann bekomme ich wohl auch einen Huetelohn, frage der Hirte weiter.
Komm her und halte deine Kappe auf, brummte einer der beiden.
Das tat er und sogleich schoepfte der andere ihm die Kappe voll Sand.
Dann ging der Hirte - unterwegs dachte er sich:
Warum soll ich den schweren Sand heimschleppen?
Er drehte die Kappe um und schuettete den Sand aus.
Als er aber zu Hause die Kappe an den Nagel haengte,
da rieselte heraus, was im Kappenrand haengengeblieben war.
Doch das waren keine Sandkoerner, sondern pure Goldkoerner!
Er lief zurueck in den Pansel, aber er fand den ausgeschuetteten Sand nicht mehr,
und die Hoehle und die Maenner waren verschwunden...

Vergiss das Beste nit.
Es ging einmal ein Mann aus dem Weiltal nach Drommershausen.
Als er in den Pansel kam, sass oben im Baum ein Rabe, der rief ihm zu:
Vergiss s Beste nit!
Als er weiterging, stand da ein Hahn vor einem Haeufchen Weizenkoerner.
Der kraehte und mahnte ihn:
Vergiss s Beste nit!
Endlich sah er am Weg einen grossen Eisenring liegen.
Er wollte ihn aufheben, aber das ging nicht.
Als er ihn packte und kraeftig daran zog, tag sich eine schwere Falltuer auf,
an welcher der Ring befestigt war.
Eine Treppe fuehrte hinunter.
Die betrat unser Mann, und drunten kam er in ein Gemach,
in dem ein schwarzer Mann an einem steinernen Tisch sass.
Auf dem Tisch standen eine brennende Kerze und ein Kaestchen.
Der Weiltaler schaute sich das staunend an.
Dann nickte er dem schwarzen Mann zu und ging wieder zur Treppe.
Da rief ihm der nach:
Vergiss s Beste nit!
Waere der Weiltaler schlau gewesen, und das Kaestchen voller Gold waere sein gewesen.
Doch er war ein Dummkopf und beherzigte die dreifache Mahnung nicht.
Als er droben war, klappte die eiserne Falltuer von selbst zu und schlug ihm beide Fersen ab..
Das Pfannstieler Wunder.
Als das Gotteshaus kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1489 abbrannte,
schickt Graf Philipp II Kollektanten in die Weilburger und Saarbruecker Lande.
Den Bittbrief schrieb Elisabeth, seine Schwiegertochter.
In diesem Brief berichtet sie ueber die Wunder, die von dem Bilde im Pfannstiel ausgehen:

Elisabeth von Gottes Gnaden Landgraefin von Hessen, Graefin von Nassau und Saarbruecken
(Witwe des Grafen Johann III)
und Graf Philipp von Nassau und Saarbruecken, Herr zu Weilburg
tun jedermann allen und iclichen fuersten geystlichen und werntlichen, prelaten, graven, frihen,
rittern, ettelen, knechten, strengen, vesten, irbern, wirdigen,
unssirn lieben herren und aller mennuiclich Kund:
In Gottes Namen amen.
Durch hochgelobteb Koeniginn, und in Ehren des Himmelsfuersten Sanct Johannis des Taeufers,
da ein Bild der hochgelobten Jungfrauen Marien in einem Baum gestanden,
durch welches Bild Maria merkliche Wunderzeichen gethan,
und noch Scheinbarlich taeglich thut, im sambt dem Baum, Glocken, Messgewandten, unverletzt blieben,
und das Bild der Jungfrauen Marien, so in der Erd lebendig gefunden worden,
vom Feuer unversehrt blieb, auch ein Priester.
Und die weil haben maria durch das Bild viel Wunder wirket, als:
Erstlich, ein Kind, so in ein Feuer gefallen und fast sehr vom Feuer beschaedigt,
dass die Eltern dem Kind die Hirnschale aus seinem Haupt genommen,
und dieselbige Hirnschall hanget noch heut zu tag vor dem Bild unserer lieben Frauen
im Panstill, und das Kind noch beym leben.
Zweitens ein Frau wollt ein Kind geberen, konnt ihr von den Frauen nit geholfen werden,
dass si vom Leben kam, und war todt.
Da ging derselben Frauen mann in ein ander Schloss und wolt Regeln holen zu der Laden.
Unter der Hand kam ein Bruder in dasselbig Hauss,
und sprach, wa sie da vor ein wesen betten:
da antworteten ihm die frauen, dass solch frau mit einem Kind blieben waere;
da sprach der Bruder, das sie die frau gelobten zu der himmlischen Koenigin zum Pannstill,
das geschah also, die Frau von Stund ward wieder lebendig und gebar einen jungen Sohn, und noch byde am leben sindt.
So haben Elisabeth Lantgrefin und Pilppsgrav zu Nassau-Saarbruecken solchs Gottshaus
mit fuenf Altaeren sambt neuen Glocken, kilchen, Monstranzen wieder angefangen zu erbauen und um heilig Almosen
und Steuer gebeten, mit Vertroestung 1. dass sie in eine heilige wunderliche Bruderschaft der heiligen Jungfrauen Marien
kommen sollen, und alle jar uf fronhaften mit Vigilien, Seelmessen;
brennenden Kerzen vor sie,
lebendige und todte, eine Mess soll gehalten werden.
Solcher Brief ist versiegelt worden von Elisabeth der Lantgrefin, von Philippsen Grafen zu N.S.
und von Kormann zu Catzenfurt, Statthalter des Gottshauss im Panstill.

Der Brunnen im Dorf war nahe beim aeltesten Hofgut Kubachs,
dort wurden Abends die von den Weiden heimkehrenden Tiere getraenkt, bevor sie in den Stall gingen.
Dieser Brunnen war auch ein beliebter Treffpunkt fuer alle Leute.
Diese Hofgueter unterlagen nicht dem landesherrlichen Befehl, sondern waren frei,
sie waren nur dem Kaiser direkt weisungspflichtig
und zur aeusseren Landesverteidigung gedachte Rittergueter oder Burgen.
Die Leute darin waren ganz pedantisch mit genauem Ahnennachweis ausgesucht und kontrolliert.
Der Kaiser wollte unbedingte Verlaesslichkeit bei diesen Erbtiteln haben,
damit Heerfahrts- und Muenzprivilegien nicht in falsche Haende kamen.
Noch waehrend des zweiten Weltkrieges hatte Kubach einen Schweinehirten,
der diese gemeinschaftliche Aufgabe wahrnahm:
Er tutete in sein Horn und die Scheine versammelten sich zu einer ansehnlichen Rotte auf der Strasse,
mit der jener Hirte dann in den Wald zog, wo sich die Tiere mit Eicheln und Bucheckern, Wurzeln, Pilze
und Engerlingen maesteten - ganz offenbar blieben sie dadurch gesund.
Interessant war, dass man sich damals das Anrecht auf einen Kirchenstuhl erkaufen konnte.

1806 brach im Zuge der napoleanischen Eroberungen das Deutsche Kaiserreich zusammen,
so auch die Rechtsgrundlage der freien Hoefe und Gueter, Burgen und aehlicher Anlagen, um die sich damals die kleinen Katen
der Unfreien sammelten, die dort Arbeit fanden..
diese Gueter waren meistens der Ursprung eines Dorfes.
Kubach ist einer der wenigen Orte, wo Kirchenbuecher bereits vor dem 30j. Krieg gefuehrt und sogar erhalten geblieben sind:
Der Zustand ist freilich schlecht, schlechtes Papier, Flecken, Risse, vergilbt und beschaedigt.
Das Staatsarchiv in Wiesbaden versucht nun aufzuzeigen, welche Namen bereits vor dem 30j. Krieg vorhanden waren,
diese extrem schweren Zeiten mit ihren Uebergriffen und Seuchen ueberlebt haben,
und welche neu dazu gekommen sind.
Es sind wohl viele Ungenauigkeiten vorhanden, weil noch nicht alle Familien feste Nachnamen hatten.
Der ehemalige Pfarrer und Pfarrerssohn und spaetere Kirchenpraesident Hild schrieb ueber die die Zeit im Jahr 1929:

Die Lebensverhaeltnisse 1929 waren der Reformationszeit aehnlicher gewesen, als in der Gegenwart..
Der Rhythmus der Leute war noch ganz von der Landwirtschaft gepraegt,
Einfluesse von aussen spielten kaum eine Rolle.
Zwei Autos und ein Lastwagen gab es damals in Kubach, selbst Radios waren noch selten -
so draengten sich schnell mal 20 Buben im Wohnzimmer des Radiobesitzers,
wenn ein Fussball-Laenderspiel uebertragen wurde, so Hild.
Im Dorf sprach man Platt, wer Hochdeutsch sprach, galt als eingebildet.
Hild meinte, dass der Dialekt die moderne Entwicklung nicht fassen koenne - die Jahre nach Hild zeigten,
dass das nicht der Fall war und sehr wohl Aktualisierungen in das Plattdeutsch eingeflossen sind,
die Dorfsprache noch immer recht lebendig gehalten wird, wenn man unter sich ist.
Zu jener Zeit bis in die 1960ige Jahre erwartete die Kinder bei der Einschulung ein echter Sprachschock,
weil eine Fremdsprache gelernt werden musste:
Hochdeutsch.
Damals waren nur wenige Fernstrassen geteert,
die Kubacher Strassen waren mit dem heimischen Kalkstein geschottert und gewalzt.
Bei starkem Regen weichte die obere Schicht zu einem zaehen Schlamm auf, deshalb hatten alle Familien einen Schieber, um diesen Schlamm zu beseitigen.
Die Frauen trugen - wie die Maenner - derbe genagelte Lederschuhe.
Reiche Bauern hatten Zugpferde, aermere Kuehe als Zugtiere, die dann freilich weniger Milch gaben.
20-30 Morgen Land waren schon viel- nach den heutigen Anspruechen waere ein solcher Hof nicht ueberlebensfaehig.
(Weil teuere Maschinen zu erhalten sind und EU-Vorgaben zu beachten sind)
"har" (links), "heut" (rechts) und "hue" (halt) schallte es durch das Dorf,
wenn die hochbeladenen, eisenbereiften Wagen vom Feld kommend in die Hoefe einzogen ..
Hild erzaehlt von den Hausschlachtungen, die ich auch noch selbst erlebt habe und von der "sauer Brueh",
deren Rezept seinen Niederschlag auf meinen Seiten gefunden hat.
Die Lehrer leisteten in der damals noch zweistufigen Schulform noch richtige Fundamental- und Schwerstarbeit,
weswegen ihnen der Respekt sicher war - 40 Kinder in einem engen, mit Gussofen beheizten Raum, das ist schon was!
Wie selbstverstaendlich wurden den Kindern, die zu den weiterfuehrenden Schulen gingen,
der Fussweg nach Weilburg (einf. 3Km) zugemutet.
Schlecht bekommen sei das nicht, so Hild, der weiter erzaehlt,
"dass die Strassen damals noch nicht von Autos bedroht gewesen waren".
(Das halte ich fuer eine sehr interessante Aussage:
In den Autos sitzen zumeist die Eltern, heute die Muetter der Kinder-
dennoch wird ziemlich ruecksichtslos und auch noch unaufmerksam gefahren)
Die Kinder haette sich auf den Strassen noch richtig austoben koennen, so Hild-
wenn sie nicht "in der Bach" oder im Wald gespielt haetten..
Das Einkaufen in den kleinen Tante-Emma-Laenden ging auch anders als heute- man kaufte nur das, was nicht selbst angebaut werden konnte:
Zucker, Mehl, Huelsenfruechte, Oel und Essig waren lose in grossen Behaeltnissen im Laden und mussten abgepackt oder abgefuellt werden.
Naehzubehoer und Geraet gab es damals auch dort zu kaufen.
Im "Koeppche" wurde Geld fuer den Einkauf gesammelt- (Vorlaeufer der Zuckerdosen-Sparkasse) oft wurden Kinder geschickt,
um Besorgungen zu machen - zur Belohnung gab es im Laden ein Bonbon..
Der Erzaehlter hat sich im Winter als Bub mit dem Holzhacken warm gehalten- eine dauerhafte Beschaeftigung,
denn Holz war meist das einzige Brennmaterial, das zur Verfuegung stand.
Hild schrieb, er haette von dem Vater eines Schulkameraden mal eine schallende Ohrfeige bekommen,
weil er sich abschaetzig gegen Thaelmann aeusserte:
"Ein Transportarbeiter kann doch nicht Reichspraesident werden, der hat gar nicht das Zeug dazu!"
Weniger die geschimpfte Person, als vielmehr die gekraenkte Ehre als Arbeiter hat diesen Mann dazu gebracht,
diese Lehre zu erteilen, die der spaetere Pfarrer nie wieder vergessen hat:
"es war ein Zeichen von Charakterschwaeche" und wohl verdient.
Er schilderte das, war mir selbst noch in guter Erinnerung ist:
Die Handwerksbetriebe des Dorfes stoerten sich keinesfalls an den Fragen der Kinder,
die mal eben ungehindert Zutritt hatten..
es war eine arme, aber keine schlechte Zeit,
die praktische Erfahrungen ganz konkret "umsetzte" und so weltfremde Theoretiker erst gar nicht aufkommen lies:
Auf dem Land musste jeder anpacken und mithelfen - "haptische Intelligenz" oder "learning by doing" wuerde man heute dazu sagen.

Kurt Tucholsky:
"Die Leute blicken immer so veraechtlich auf vergangene Zeiten, weil sie dies und jenes -noch- nicht besassen, was wir heute besitzen.
Dabei setzen sie stillschweigend voraus, dass die neue Epoche alles das habe,
was man frueher gehabt hat plus dem neuen.
Das ist ein Denkfehler.
Es ist nicht nur vieles hinzugekommen, es ist auch vieles verloren gegangen, im guten und boesen.
Die von damals hatten vieles noch nicht, aber wir haben vieles nicht mehr."

"der heutige Technikstand in der Landwirtschaft ist ohne Computer- und Satellitentechnik kaum mehr denkbar" - so die Chronik,
ich denke aber, dass spaetestens nach dem ersten groesseren Sonnen- oder Magnetsturm,
der die Leiterbahntechniken allesamt betrifft oder ausfallen laesst,
sich vieles auf fruehere Zeiten besinnen muss um zu ueberleben..
(Hochmut kommt vor dem Fall -
man kann nicht weiter die Atmophaere mit der Vielfliegerei ruinieren und hoffen, dass die Schutzwirkung
der Erdhuellenschichten erhalten bleiben wird)
In der alten Zeit jedoch, die mit dieser Seite ein wenig beleuchtet werden soll, hat man aus Asche und Eichenrinde Felle gegerbt,
die Nutztiere waren noch ein Drittel kleiner ..
Eine Art Spitz war Jagd- und Huetehund.
Jahrhunderte herrschte in der keltischen Zeit Friede- man hatte genug mit der Feld- und Hausarbeit zu tun-
wuchs die Bevoelkerung, wurde ein Stueck Wald gerodet- die "Gewann" gewonnen.
Als die Franken zuwanderten, begann man unter die Holzhaeuser Bruchsteinfundamente zu setzen,
unter dem Einfluss der Roemer kam das Wissen um die Kalkmergelduengung auf und die Ueberproduktion -
dh. die Bauern lernten, dass man verkaufen konnte, was nicht zum Leben gebraucht wurde.
Sie brachten auch neue Obst/Gemuesesorten mit!
Zum Beispiel Kirsche, Aprikose, Pfirsich, Pflaume, Walnuss, Sellerie, Rettich, Zwiebel und Kopfsalat,
Kraeuter wie Dill, Majoran und Petersilie wuchsen nun in heimischer Erde..
Im Weinbau waren Faesser aus Holz eine germanische Erfindung.
Viele denken, dass das Laeuten der Glocken um 11.00 Uhr nur wegen des Mittagstisches war-
weit gefehlt, man sollte sich -fuerstl. Ediktes halber- von 11-13 Uhr nicht mehr auf dem Feld aufhalten.
So sollte verhindert werden, dass etwas an den Frohn-Abgaben-Zaehlern vorbei geschmuggelt wird.
Genau wie der Tabakanbau 1747, wo haarklein Felder und Personen dafuer ausgewaehlt wurden,
ist alles peinlich genau abgerechnet worden.
Dieser Anbau ist bis 1808 in Kubach belegt.
1824 schaute man noch immer skeptisch auf die Jaucheduengung und lies bis dahin lieber die Guelle
in den Walzbach laufen - 1873 waren das -lt. amtl. Zaehlung- immerhin 16 Pferde, 448 Stueck Grossvieh,
317 Schafe, 161 Schweine, 61 Ziegen, 27 steuerpflichtige Hunde und 22 Bienenstoecke-
das Federvieh war wohl nicht aufgefuehrt..

Spaeter kam dann doch der Durchbruch, dass die Guelle auf die Felder verbracht wurde- Justus Liebig (1803-1873)
hat fuer die Menschen mehr bewirkt, als alle Feldherren aller Zeiten zusammen, indem er sich um die Duengung kuemmerte:
Die Ertraege haben sich danach verdoppelt !
1843 zaehlte man 5133 Obstbaeume im Bezirk, keine kleinen Plantagenkrueppel, nee, richtige Obstbaeume..
Wer die Bilder in der Dorfchronik aufmerksam betrachtet, kommt ins Gruebeln:
Da sieht man Schmiedemeister und Gesellen,
Bauern und Bergleute, die eher schmaechtig sind und ganz anders ausschauen,
als die heutigen Bodybuilder, die wie Baeren dagegen wirken-
die Menschen damals haben aber hart gearbeitet,
die Schmiede bestimmt fest genug zuschlagen koennen..
Das Wasser war immer ein brennenden Thema, nicht nur bei Feuer, sondern immer-
es musste fuer die Menschen und das liebe Vieh reichen, -
wobei eine Kuh im Sommer gut 60 Liter brauchte.
So wurden immer neue Brunnen gesucht oder gegraben, Hochbehaelter angelegt und Leitungen gelegt.
Das duerfte gewiss eine Menge gekostet und beschaeftigt haben.
In ebendieser Chronik ist ein Bild, wo links und rechts eines zu bauenden Feldwegs je ein dicker Herr mit Anzug
und Hut steht, die Haende in die Seiten gestemmt- auf dem rohen Weg lagen Feldsteine,
die von drei gebueckten Arbeitern gesetzt wurden..
Im Bergbau Kubachs, der manigfaltigst war,
kamen einige Hoehlen zum Vorschein, wobei die sagenumwobene Polsterhoehle
nur entdeckt, dann aber nicht wiederzufinden gewesen ist.
Zwei Seiten des damaligen Berichtes fehlten- ob es jene waren, wo die Lage verzeichnet war?
Eine andere- die bekannte Kubacher Kristallhoehle ist dabei entdeckt und touristisch erschlossen worden !
Der stark zerkarstete Untergrund wird noch einige Geheimnisse fuer die Nachwelt aufgehoben haben,
da sind sich viele begeisterte Hoehlenvereinsmitglieder einig.

Nochmal:
Geschichte ist ein abgeschlossener Zeitraum bis zum Jetzt,
was wir daraus lernen und machen, wird die Zukunft zeigen.
Das Wort "Kirche" kommt aus dem Griechischen Kyriake, "dem Herrn zugehoerig".
Die Christianisierung kam wenig durch persoenliche Missionierung oder Eifer,
als vielmehr durch den oertlichen Adeligen, der sich zumeist aus taktischen Gruenden fuer diese oder jene Religion entschied,
der dann alle Untertanen zu folgen hatten. (Gefolgstreue)
Kirche wurde immer als ein Teil des staatlichen Systems oder als Amtskirche empfunden,
die Pfarrer waren eine Art Ersatz- und Volkslehrer oder Hilfserzieher.
Ein fruehes Sprichwort aus Kubach:
Dr Paerrner schaeht dr n Nahl en Kopp!
Schule musste bezahlt werden, was zum Ausfall der Kinder als Arbeitskraft- die Familien zuweilen deutlich belastete.
In der Kubacher Chronik ist man der Meinung, dass der 30j. Krieg nichts mit Religion zu tun hatte
- ich bin zum Glueck - damals nicht dabei gewesen!
Der Weilburger Graf hielt sein Land zwar lange neutral, was aber nicht viel nuetzte:
So war die Gier nach dem Hab und Gut,
nach der Ernte und den Vorraeten bei den herumvagabundierenden Truppen aller Art noch groesser- ohne Essen und Futter kein Feldzug!
Deshalb wurde auch hier geraubt, gepluendert und gebranntschatzt -
von evangelischen Truppen, von katholischen Truppen.
Es wurde alles radikal unter das Messer genommen und so kam es in Kubach zu Seuchen, durch Hunger
ausgeloest oder uebertragen durch die Fremden - und das in einem eigentlich reichen Bauerndorf!
Nach diesen langen Jahren folgte der Pietismus,
eine besondere Form der Froemmigkeit, die heute noch in manchen Orten zu erleben ist.
Die Religion hat sich schon immer wie eine Schlange gewunden
und mit Worten gesuelzt um zu verschleiern, was sie eigentlich wollte:
Mitregieren! Nach gewonnener Schlacht "mit Gottes Kraft", mal spendete Gott Trost nach der Niederlage.
Wie es gerade passte, Hauptsache die Leute blieben fromm und dumm.
Im Jahr 1870 gab es in Deutschland noch 5 Muenzsysteme!

"Die Verwendung modernistischer Bauelemente ist auszuschalten, vorhandene derartige Bauelemente sind wieder zu entfernen"
Dieser von mir bei jeder Gelegenheit reklamierte -ungehoerliche- Sprachduktus des Kaiserreichs in Anordnungen und Verwaltungsbescheiden zeigt,
wie wenig die Demokratie dort Einzug gehalten hat, wie das Obrigkeitsdenken dort noch verhaftet ist.
Wissenschaftler und Verwalter in den Ministerien sind gleichermassen damit beseelt,
die das Volk wie einen Wurm im Reagenzglas betrachten.
Dieses Reservat der Selbstherrlichkeit sollte zurueckgefahren werden, am besten in allen Parlamenten gleich mit:
Die Haelfte der Teilnehmer mit der Haelfte an Einkommen ist immer noch viel mehr,
als weite Teile der Bevoelkerung zur Verfuegung haben- das bringt Bodenhaftung..
In dem Buch "Das hessische Dorf" aus dem F rankfurter I nselverlag von 1982 zeigt sehr schoen, wie dort oben gedacht wird,
wie studentisches Denken funktioniert, wenn sich dieses austoben kann.
Dabei werden Anordnungen erlassen, die Baeume auf Inseln auf belebte Strassen stellen, um den "Induvidualverkehr" zu mindern,
dabei fahren die selbst jeden Meter- privat und dienstlich.
Dabei wurde gefordert, auf jedem Marburger Dach Solaranlagen zu installieren - egal, ob sich das finanziell traegt,
ob die Struktur des Daches und der optische Anblick dadurch leidet,
ob sich dadurch die Brandgefahrt (Kurzschluesse sind z.Zt. die Ursache von so manchem Scheunen- und Lagerhausbrand)
erhoeht, ob sich dadurch die Hausbrandversicherung enorm erhoehen wird..
Durch massive Buergerproteste wurde obiges abgeschmettert.

In dem Buch wird klar- dass eine Art "Hessenpark" fuer alle angedacht wird,
wo "alte Gemeinschaftseinrichtungen fuer Einheimische und Gaeste wiederbelebt werden sollen, Backhaeuser, Naehstuben,
Tanzsaele, Altentreffs, Bastelstuben ggf. wieder eingerichtet werden sollen"

Das Buch "Hessische Doerfer" von 1982, wie oben bereits erwaehnt, ist mit seiner Statistik freilich laengst veraltert,
weil sich nicht nur die innerdeutsche Grenze, sondern auch die europ. Freizuegigkeit gruendlich veraendert hat.
Das betrifft somit auch Sozialkontakte, die immer mehr in Gruppendynamiken versanden, die sich aus der Herkunft der Einwanderer ergibt,
selbstredend auch die ganze Kultur, nicht nur den Dialekt der Gegend, den Baustil usw.
So lag 1982 der Anteil "nichterwerbstaetiger Hausfrauen" (lt. Buch) bei 20-30%, heute duerfte dieser wohl 5-10% kaum ueberschreiten.
Die Autoren des Buches hielten die befragten Dorfbewohner "beim Kaertchenspiel und den umfangreichen Bilder-Tests - zumeist aus Altersgruenden -
psychisch und physisch fuer ueberfordert"!
Deswegen seien die Antworten der "soziologischen Befragung" (wo auch "Kulturanthropologen" zugegen waren) auch nur unvollstaendig ausgefallen..
"Zweifelsohne wurden durch die Vorinformationen beim Buergerabend (Einfuehrungsvortraege der Professoren)
bereits Denkprozesse in Gang gebracht.
Sie entwickelten sich waehrend unserer Erhebung weiter, sowohl in den ersten Gespraechen mit den Befragern,
die dabei bewusst oder unbewusst ihre Vorverstaendnisse mit eintrugen, als auch durch fortschreitende Kontakte
und immer intensiveren Austausch - auch der Bevoelkerung untereinander"
Die besonders augenfaellige Hochmut akademischer Einfalt in diesem Werk halte ich fuer kaum noch steigerbar,
deshalb genuegten mir hernach die Bilder alter Fachwerkhaeuser im Anhang vollkommen:
Der Besuch im Zoo, getarnt als wissenschaftliche Arbeit.
(Das war mir Grund genug, das Werk zuzuschlagen und als abgehandelt zu betrachten)

So gehe ich besser nur naechsten Dorfchronik, die von Drommershausen ueber.
Dieser Ort war - wie Kubach und Hirschhausen nahe am Kloster Pfannstil, somit aehneln sich die Schilderungen ziemlich.
Der kleine Ort hatte keine guten Boeden und folglich waren nur maessige Ernteertraege zu verzeichnen -
die Eisengruben waren deshalb eine willkomme Einkommensquelle.

Interessant: Faselochse, Faselvieh: Zuchttiere.

1895 lebten 454 Personen in 89 Haushalten in Drommershausen, 16 Gewerbetreibende, 14 Knechte/Maegde,
20 haben sich nur von der Ackerwirtschaft ernaehrt,
29 Haushalte mit Nebenerwerben, 45 sollen wohl nebenher noch etwas Ackerbau gemacht haben.

Alte Masse und Gewichte und Muenzen:
Simmer: Trockenmass, 1 Simmer= 1/4 Malter, die Groesse wechselte zwischen 12,5 und 113 Liter.
Schuh/Fuss: Masseinheit vor Einfuehrung des Meter-Systems. Zwischen 0,25 und 0,34 Meter.
Malter: Hohlmass, insbesondere fuer Getreide und Kartoffeln.
In Hessen 1 Malter = 4 Simmer = 128 Liter.
Morgen: Feldmass, 1 Morgen =25 Ar, 1 Ar = 100 Quadratmeter.
Albus: Rheinisch-westf. Silbergroschen, bis 1842 in Umlauf.
Fuder: Festkoerpermass besonders fuer Erz; "was ein Wagen aufnimmt";
1 Fuder = 60 Zentner oder eine Wagenladung, eine Fuhre.
Viertel: Flaechen - und Hohlmass, als Flaechenmass = 1/4 Morgen,
schwankte von 625 bis 900 Quadratmeter, als Trockenmass 1/4 Malter,
als Fluessigmass 7-43 Liter.
Rute: Laengenmass, zwischen 2,8 und 5,3 Meter, unterteilt in Fuss, Zoll und Linien.
Ohm: Fluessigmass in Nassau 160 Liter.

Gulden: Goldmuenze des Muenzvereins der vier rheinischen Kurfuersten, erstmals Mitte des 14. Jhds.
Heller: Vergleichbar mit dem Pfennig, im 12. Jhd. erstmals erwaehnt, ab dem 18. Jhd. Kupfermuenze als kleinste Muenzeinheit.
Taler: Von Ende des 15. bis ins 19. Jhd. wichtigste Silbermuenze, urspruenglich gleicher Wert wie Gulden, spaeter 1 Gulden= 2/3 Taler.
Turnose: Silbermuenze, wichtige Handelsmuenze mit Ursprung im franz. Tour des 13.Jhds.
Schilling: Rechnungsmuenze im karolingischen Muenzsystem, zuerst uner Ludwig IX, nach dem Reichsmuenzfuss 1 Schilling = 1/32 Taler.
Pfennig: Seit dem 8. Jhd. - taucht auch als Heller oder Kreuzer auf, 1 Pf = 1/12 Schilling, seit 1871 gilt 1Pf= 1/100 Mark.

In der Grenzgemarkung Drommershausens liegt der 1197 erstmals erwaehnte Hof "Steinzler Hof"
der noch heute - als einziger der drei Nasssau-Weilburger Hofgueter, Windhausen, Wehrholz und Steinzler Hof - bewirtschaftet wird.
Die Geschichten erzaehlen, dass dereinst ein Dorf dort gewesen sei, wo dieser Steinzler Hof nun ist, belegt konnte das nicht werden -
die Pest wird es ausgeloescht haben, wie so viele in dieser Zeit.
Diese drei Hoefe jedoch dienten einzig des Grafen von Weilburg zur Atzungs-Sicherung.
1369 wurde der Hof als "herrschaftliches Hofgut" nochmals besonders erwaehnt,
weil wohl die Ertraege nicht so ganz den Erwartungen der hohen Herren entsprachen,
weshalb es fortan in Lehen und Erblehen in den Jahrhunderten in zig Haende ging, mehr oder weniger gluecklich.
1665 umfasste der Hof 90 Morgen Land,
1688 bezog die Graefin Maria Polyxena lange Jahre ihre Rente aus dieser Verpachtung als Privateinkunft.
1692-1701 kam die Brannweinbrennerei und das Braurecht dazu, das Glueck auf bessere Ernten jedoch nicht,
es gab sogar einige Pfaendungen bei den Paechtern.
1779 brannte fast der ganze Hof ab - die geschnappten jungen Landstreicher konnten nicht ueberfuehrt werden,
deshalb gab man ihnen ein paar Brote und schickte sie ueber die Landesgrenze weg.
1813-15 hausten 691 Soldaten auf dem Gelaende, die alle versorgt und verkoestigt werden mussten -
und zudem noch 608 Gulden fuer ihre Kriegszuege forderten..
Fuer die 18 fache Summe einer Jahreseinnahme (3000Mark) wurde der Hof von der Pacht abgeloest, dh. gekauft.
Von nun an war ein privater Bauer Eigentuemer, dessen Nachfahren den Hof biologisch orientiert betreiben.

1917 war die Stimmung auf einem Familientreffen so, dass das Land gebeten wurde, alles bereitzustellen,
um durchzuhalten (den 1.Weltkrieg) beizutragen, die Staedter wurden ermahnt,
nicht gering oder veraechtlich auf die Arbeit der Bauern herabzusehen..
Interessant finde ich den Stil, der im Kaiserreich in oeffentlichen Amtsbekanntmachungen anhob und im d ritten R eich seine Bluete
-besonders in der unnachsichten Exekution- fand,
welcher heute gerade wieder von "Alternativen" Bestimmungen aufgegriffen wird-
ob aus Absicht oder Fahrlaessigkeit, kann ich nicht mal erraten.

Auf einem Grubenbild standen gut hundert Bergleute vor einem derben bruchsteinernen Grubeneingang, einige hockten obenauf,
vor dem Mund stand ein Tisch, an dem 4 wichtig aussehende Personen waren.
Das erinnert mich an aeltere amerikanische Filme, wo die Tagloehner gemustert, kontrolliert und bezahlt wurden..

Wie ueberall im Taunus gaben die Gruben jahrhunderte lang Arbeit im Bergbau, Transport, Schmelze und Hammerwerken.

Interessant:
1959 schrieb die Drommershaeuser Schuelerin Ursula Gloeckler
in ihrer Arbeit ueber das Johanniterhaus und gab so den Anstoss fuer Ausgrabungsarbeiten am Pfannstil !

Die alten Fernstrassen sind in der Gegend schon seit der Bronzezeit in Gebrauch, die Namen sind gerne dem Nutzen entnommen -
Wingert, Hohl, Totenweg, Leiner-Weg (am Hang entlang), die Heide oder Hinweise zum naechsten Ort- z.B. Braunfelser Weg.
Drommershausen hat 496 Hektar Land, wovon 200 Hektar landwirtschaftlich genutzt werden, 224 Hektar sind Wald, 3,4 Hektar Wasser,
der Rest ist Bebauung und Strassen/Wege.
Der Waldanteil liegt noch ueber dem hessischen Schnitt.
Hafer und Gerste gehen weit in die Vergangenheit zurueck, Kohl, Hanf und Huelsenfruechte ergaenzten - auf kleiner Anbauflaeche-
vor der Klee/Kartoffel/Hackfruechte/Mais-Epoche
das Angebot, das sonst nur noch Heu lieferte, um die Tiere zu versorgen.
Die alte Landwirtschaft bestellte die Felder mit selbstgemachtem Geraet, Holzpflug, Holzegge und Saehsack.
Fuer die Ernte war die Sichel, das Reff, der Rechen, die Harke, Karst und Gabel wichtig- auch selbstgemacht.
Die huegelige Mittelgebirgslandschaft war schon zum "Fitness" angetan,
weil die Felder und Gewanne erst einmal erklommen werden mussten- die Orte waren oft im Tal.

Wo Schafe ueber Nacht eingepfercht waren, entstand wertvoller Dung fuer die Felder- so begehrt,
dass eine Versteigerung am folgenden Tag stattfand -
der Meistbietende musste dabei noch den Schaefer und seine Hunde bekoestigen!
Ueberhaupt waren Schafe ein wichtiger Einkommenszweig, die Wolle war fuer Struempfe und Pullover noetig und begehrt.
Damals waren die Kuehe noch nicht so ertragreich und viel kleiner als heute- sie gaben auch weniger Milch-
aus diesem Grunde hatten die meisten Familien eine oder mehrere Ziegen, die "Kuh des kleinen Mannes".
(Nicht zu verwechseln mit den kleinen Zwergziegen- die alten Rassen waren richtig gross..)
Die von der Kaesebereitung oder vom Butterstossen uebrige Magermilch oder Molke wurde fuer die Schweinezucht gebraucht-
es wurde nichts weggeschuettet oder weggeworfen !
Ich kenne das noch gut von der kleinen Lohnkelterei im uralten Bauernhaus am Ortsrand,
wo die Hausfrau jeden Apfel und jede herabgefallene Birne
sorgfaeltig schaelte und die schlechten Stellen heraus schnitt, um das Obst weiter zu verarbeiten.
Dort kam bestimmt kein Obst oder Gemuese so einfach auf den Mist (Kompost),
wenn es ein wenig "angegammelt" war !
Mit den Maschinen in der Landwirtschaft ist wohl auch die Nachbarschaftshilfe eingeschlafen, die froehlichen Runden gleich mit,
sieht man mal vom Vereinsleben ab, das doch eher recht speziell ist.
Man traf sich zum Spinnen, Stricken und Schwaetzchen - letzteres ist auf dem Land heute noch immer und ueberall gegeben..
"Einen guten Nachbarn an der Hand, ist besser als ein Bruder ueber Land!" (Ein alter Spruch)
Im Taunus wimmelte es nur so von Muehlenbetrieben, Schlag- und Mahlmuehlen, die sich gegenseitig Konkurrenz und somit das Leben schwer machten,
als der alte Muehlenbann fiel.
Die Abgaben fuer Mahlrechte und Wasserrechte waren immer noch da, selbst wenn die Pacht durch eine Abloesesumme abgegolten wurde.
So starb eine Muehle nach der anderen- einige wenige sind heute noch in Betrieb und haben expandiert, andere haben auf die Stromerzeugung umgeruestet.

Die Schulvisitation von 1803 zeigt:
" Wer je die Schulstube betreten hat, muss nothwendig erstaunt seyn, wie doch in einer solchen Spelunke,
unter Ausdunstung vieler unreinlicher Kinder, ein Mann ueber 70 Jahre haben koennen.
Eins drueckt hier das andre Kind, so enge ist der Raum, und ausser der erbaermlichen Stube, worin auch das Beth stehen muss,
hat die gantze Familie des Lehrers keinen Platz, ja selbst die Kueche ist nur ein Erker von der Schulstube.
Soll es besser werden, so muss die Gemeinde zur Erbauung eines neuen Hauses angehalten werden."

1829 berichtete der Geheime Regierungsrat Pagenstecher:
"Das bisherige Schulhaus zu Drommershausen ist ein altes kleines Gebaeude.
Die nach Norden gelegene Schulstube ist fuer die 43 Schulkinder zu klein, und ebenso wie die Wohnstube in demselben feucht.
Es haben daher die bisherigen Schulvicarien meistens nicht in derselben, sondern auswaerts gewohnt."
Der Lehrer Kretzer schonte sein Zugtier, indem er die Schueler den Acker bearbeiten lies -
was zu heftigen Protesten der Elternschaft fuehrte - trotzdem blieb er bis zur Pensionierung im Amt
und sanktionierte fleissig durch willkuerliche Beurteilungen..

1734 erliess Graf Karl Augus von Nassau Weilburg eine Bauverordnung,
die den Holzverbrauch einschraenken sollte, um die arg dezimierten Waelder zu retten.
Die Not im 30j. Krieg hatte sehr viele Wuestungen entstehen lassen und viele Schaeden.
Die stattlichen Fachwerkhaeuser mit ihren ueberdimensionierten Eichenbalken (das schreibt ein anerkannter Fachmann fuer Fachwerkhaeuser)
sollten nicht mehr sein.
Es werden also alle derartigen Bauten VOR dieser Zeit -bis 1707, wo der Beginn dieser Ueberlegung war- zuzuordnen sein,
alle verputzten Fachwerke aus Nadelholz der spaeteren Zeit.
Not macht erfinderisch, so schreibt der U do S atorius weiter, was nach neuen Baustoffen suchen lies:
Berglehm, ein Ton-Sand-Schluff-Gemisch, das mit bis zu faustgrossen Steinen versetzt ist.
Solche Vorkommen gibt es auch in Frankreich bei Grenoble.
(Wo diese Bautechnik Pisebau erstmals entstand)
1796 wurde in Weilburg das Kanapee, eine bekannte Kneipe als erster derartiger Bau gewagt,
dem bald eine ganze Reihe stattlicher Gebaeude folgte-
diese Kneipe ist das aelteste und ein 5 stoeckiges Wohnhaus in der Hainalle
ist das hoechste Bauwerk dieser Art in Deutschland.
Nun folgten einige dieser Haeuser in den umliegenden Orten.
1850 waren wieder genug Nadelhoelzer zur Verfuegung und so verschwand diese Bauweise wieder-
nur die Eckstaender wurden in Eiche ausgefuehrt, die anderen Balken aus Nadelholz.
Die zeitliche Zuordnung von Fachwerkbauten ist somit leicht machbar.
Wer in Weilburg weilt, sollte sich die Piseebauten anschauen- es sind dort ueberall glaeserne Info-Tafeln angebracht!

Weiter geht die Dorf-Chronik nach Hirschhausen, einem Nachbarort von Drommershausen, geographisch oberhalb
und bei dem bekannten Weilburger Tierpark gelegen.
1327 ist Hirschhausen erstmalig erwaehnt - wobei das Dorf schon sehr viel aelter sein duerfte - was bei den meisten Doerfern
der Gegend der Fall sein wird, weil kaum jemand auf den Gedanken kam schreiben und lesen zu lernen.
Zumindest vor dem 30j. Krieg sind historische Ueberlieferungen fast nur in Kirchenbuechern und fuerstl. Akten vermerkt.
Der Koenig Konrad gruendete 912 neben seiner Burg in Weilburg
das Stift St. Walburgis, begueterte es reich und schuf damit die spaetere Herrschaft Weilburg.
Im 10.Jhd. nahmen die Bischoefe zu Worms das Reich zum Lehen, sie bekamen nie genug,
spaeter kam durch div. Schenkungen alles in deren Besitz.
So auch das Dorf Hirschhausen in die Zehntabhaengigkeit dieser Wormser "Heiligen".
Im 12.Jhd. wurden die Grafen von Laurenburg (die sich spaeter einfach in "Grafen von Nassau" umbenannten) als Voegte
(Verwalter) in dem Weilburger Gebiet eingesetzt.

Noch 1574 hatte Hirschhausen nur 18 Haushalte, 1629 waren es ganze 24- der Ort war also nur ein kleines, unbedeutendes Lehen.
Durch die einquartierten kaiserlichen Truppen im 30j. Krieg musste sich der Ort extrem ueberschulden,
weil -wie fast ueberall in dieser Zeit- alle Soldaten und Anhaenge ernaehrt werden mussten.
Danach zaehlte man nur noch 16 Haeuser, die uebrig blieben.
1634 wurde allein Weilburg dreimal vollstaendig gepluendert, den anderen Orten ging es nicht besser
in dieser Zeit der marodierenden Soldaten und Dieben, die sich alles nahmen, was sie wollten.
1648 soll die ganze Gegend einer Wuestenei geglichen haben- was bis zum Westfaelischen Frieden so blieb,
nach dem sich Leute aller Herren Laender trauten zuzuziehen und das Land wieder gedeien liesen,
neues Leben begann und der Aufschwung.

Der Schultheiss wurde vom Landesherren ausgesucht und nicht von der Gemeinde- er fungierte als Vertreter des Landesherrn und als Ortspolizei.
Im standen 2-4 Vertreter und ein gewaehlter Buergermeister zur Seite.
Die Schultheisse hafteten mit ihrem Vermoegen, deshalb wurden eigentlich immer die wohlhabensten Leute ausgesucht,
die dieses Amt zu begleiten hatten, der Zweck war die Ueberwachung der steuerlichen Abgabenehrlichkeit,
die Festsetzungen dazu und auch wie sorgfaeltig die Felder bestellt wurden.
Die Maerzrevolution 1848 hob dieses Amt auf.
Der Vogelfaenger war ein Ausbildungsberuf, der jahrelang gelernt werden musste- damals mit einer heute kaum vorstellbaren Intensitaet betrieben,
bereicherte er den Tisch der Obrigkeiten.
Tauben, Haselhuehner, Goldammern, Finken u.a. bis zum im Dutzend gezaehlten kleinen Singvoegeln war einiges als jagdliche Beute freigegeben.
1910 war die Hygieneverordnung durchgesetzt, die fuenf Jahre zuvor begonnen wurde.
Von nun an liefen- so die Chronik- keine Guelle- und Jaucheabwaesser aus den Mistkauten auf die Strasse.
(Sonderbar, denn noch gut in die 1960iger Jahre hinein liefen links und rechts der alten Hauptstrasse
in Graeveneck die Guellebaeche entlang- weil die Mistgruben in den baeuerlichen Innenhoefen immer ueberliefen,
weil sie in schlechtem Zustand waren oder zu selten geleert wurden.)
Wie auch immer- von "Oberflaechenwaessern", die in die Trinkwasserbrunnen liefen, sprach man 1905 schon
und versuchte mit allen Mitteln dieses krankmachende Faktum abzuschaffen.

Noch 1939 schauten die Frauen auf einem alten Foto aus, als waeren sie aus Anatolien, schwarz verschleiert,
mit Sensen und Rechen in der Hand, die Kuh an der Leine,
den Schuppen aus grob gezimmertem Holz im Hintergrund.
Die Maenner waren zwischen den Weltkriegen meistenteils arbeitslos und bezogen "Stempelgeld"
und taten gemeinnuetzige Arbeiten im Strassenbau und andere Hilfsleistungen fuer die Gemeinde.
1849: Der Lehrer soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch erziehen.
1825: Fuenf der besten SchuelerInnen starben am Scharlachfieber, der Unterricht fiel wochenlang in Hirschhausen aus.
1862: Viele Kinder erkrankten an Roedeln, es starben 3 Knaben und 2 Maedchen und noch viele Kinder unter 6 Jahren.
1893/94: An den Krankheiten Diphtherie, Masern, Influenza und Lungenentzuendung sterben 16 Kinder! (Von 491 Einwohner im Jahr 1885)
Interessant: In den kleinen, ein- und zweiklassigen Schulen hockten die Schueler, die Nachzuegler waren,
zwischen den Juengeren, dem Leistungsstand entsprechend.
Interessant: "Affolder" geht auf das alate Wort fuer Apfelbaum zurueck, alte Flurnamen folgen gerne der Bestimmung und des Nutzens.

"Krieg 1870/1- Auszug aus der Schulchronik Hirschhausens.
Das Jahr 1870 begann friedlich.
Der unfriedliche Nachbar an der Saine, Frankreich, der Erbfeind Deutschlands,
welcher schon soviel Elend ueber unser Land gebracht, suchte eine Ursache zum Krieg und fand sie.
Er konnte Deutschland nicht einig und emporbluehen sehen und im Juli, als der Koenig von Preussen in Bad Ems weilte,
erscholl das schreckliche Wort Krieg in ganz Deutschland und versetzte Jung und Alt in Schrecken und Aufregung.
Doch Napoleon hatte sich verrechnet.
Ganz Deutschland stand auf und in wenigen Tagen stand ein kampfbereites Heer und mehrere hunderttausend Mann am Rhein
um Wacht zu halten und den Eindringling abzuwehren.
Am 4. August erfolgte der erste Hauptzusammenstoss bei Weissenburg, einer alten franzoesischen Festung.
Die Franzosen wurden zurueckgeschlagen und die Stadt im Sturm genommen.
Am 6. August wurde bei Woerth eine Hauptschlacht geschlagen, wobei die Franzosen vollstaendig unterlagen.
Gott war sichtlich mit der gerechten Sache Deutschlands,
denn Sieg auf Sieg erfolgte und am 2. September gab sich Napoleon nach mehrtaegigem Kampf bei Sedan mit seinem ganzen Heer gefangen.
Frankreich sagte sich von Napoleon los, setzte eine republikanische Regierung ein und setzte den schauderhaften Krieg fort.
Die verbuendeten Deutschen zogen nach der Hauptstadt Paris, schlossen diese ein und eine fast den ganzen Winter dauernde Belagerung erfolgte.
Nach allen Anstrengungen konnte Paris sich nicht befreien. Eine Hungersnot wuetete und paris musste sich ergeben.
Die Deutschen zogen in die Riesenstadt ein.
Ein Friedensengel begann sein Werk. Die Friedensverhandlungen begannen und nachdem sich Frankreich zu einer Kriegsentschaedigung von 5 Milliarden Franken
bequemen und die vor beinahe 200 Jahren geraubten Deutschen Reichslande Elsass und Lothringen wieder an Deutschland zurueckgeben musste,
wurde Friede geschlossen.
Was nun die elf aus hiesigem Ort mit in den Kampf gezogenen Krieger betrifft, so ist die schuetzende Hand Gottes recht sichtbar mit denselben gewesen.
Sie sind alle, trotz der grossen Anstrengungen und des Schlachtgewuehls gesund zurueckgekehrt.
Nur Hermann Lieser, Sohn des Tierarztes Lieser wurde in der Schlacht bei Woerth durch die Brust geschossen,
trotzdem hat sein Leben keinen Schaden gelitten.
Moege aus der blutigen Saat eine recht gesegnete Ernte erbluehen.
Und sie erbluehte, denn das so lange zerrissene Deutschland ist geeinigt,
die verbuendeten Deutschen Regierungen haben unseren ruhmgekroenten Koenig
zum Deutschen Kaiser gewaehlt und seiner Fuehrung die Geschichte Deutschlands anvertraut.
Moege unter seiner noch langen Regierung Deutschland gross und gesegnet werden."

Soviel die Chronik zu einer sichtlichen Luecke im schulischen Unterrichtsstoff der neuen Nachkriegszeit,
die -zumindest einen Teil- jener Hintergruende erklaeren helfen koennten,
die zu dem 1. und 2. Weltkrieg gefuehrt haben.
Ganz offenbar muss dieser Aspekt -der auch mir nicht bekannt war-
eines Tages zu den bekannten Fakten hinzugerechnet werden.

Hirschhausen hat auch einen Tierpark, der in Nachfolge zur Dammwildzucht des Grafen Albrecht 1590
von dem Grafen Johann Ernst zu Nassau-Weilburg im Jahr 1732-36 angelegt wurde- bzw. hat anlegen lassen,
er wird wohl kaum Hand angelegt haben,
um diesen Baller-Park fuer Besserverdiener zu bepflanzen.
In diesem Park gab es ein Lustpark mit Jagdhaus - 8 eckig mit Pilastern und Deckengemaelde des Malers Seekatz mit Jagdmotiven.
Die Schneisen waren so angelegt, dass man das Wild, wenn es aus der Schonung kam,
direkt aus den Fenstern abballern konnte- wie bequem!
(Spaeter kam an diese Stelle das Forsthaus)
Eine Fischzucht und eine dicke Bruchsteinmauer rund um den Park gab es auch- freilich netterweise in Frohnarbeit angelegt.
Dort konnte hoch zu Ross und mit der Meute Jagdhunde die Freizeit gut totgeschlagen werden.
Div. Gebaeude halfen spaeter, den Park als Hofgut zu verpachten- wo ausserhalb noch viele Felder zugehoerten.
Eine Zeit war ein Gestuet dort angesiedelt, 1934 wurde der Gutshof abgerissen und erst 1969
gruendete die Hessische Landesforstverwaltung den heute so bekannten Tierpark,
der eine Attraktion fuer Familien mit Kindern geworden ist.

Bei Hirschhausen ist auch ein Maerchensee, 6mtr tief, der aus einem eingestuerzten Schacht Grube Anna gespeist wird.
Darin haben viele das Schwimmen gelernt..

In der Gemarkung des Ortes waren 34 Gruben und Schuerfstellen verzeichnet - die Rechte an allen Eisengruben der Lahn wurde von der Firma Krupp 1864 gekauft.

Die Grube "Florentine" wurde 1949 geschlossen, spaeter als Lebenshilfezentrum fuer Behinderte ausgebaut.

Eine schoene Geschichte:
Im Tiergarten war ein Paechter, dessen Sohn Hermann Friedrich August Lieser kam 1846 zur Welt -
und wurde zu einem stattlichen jungen Mann, so die Chronik.
Eines Tages wollte er in die grosse weite Welt, der Krieg 1870/71 gab die Gelegenheit dazu
- er wurde Lieutnant, verwundet und erhielt das eiserne Kreuz.
Damals kamen nach Langenschwalbach Kurgaeste von weit her- einen internationalen Badeort wuerde man das heute nennen.
Sogar aus Russland kamen Leute angereist, die Familie deren von Loewenthal mit Sohn und zwei Toechtern war auch dabei.
Man geht spazieren, reitet und trifft sich beim Kuren - so geschah es denn,
dass die junge Tochter Marie Emilie (Mascha) von Loewenthal
(geb. 1850 zu St. Petersburg) sich verliebte und den ebenso jungen Hermann Lieser aus dem Weilburger Tiergarten.
Der Chronist ist der Meinung, dass es sich hierbei um einen Fall der sogenannten "Liebe auf den ersten Blick" gehandelt haben muss..
Aber Hermann behielt einen klaren Kopf,
die Loewenthals zaehlten zu den ersten Familien von St. Petersburg- wer war er schon, der Sohn einfacher Herkunft?
Wollte man etwa mit ihm einen Scherz treiben?
Mascha schickte ihre Schwester als Unterhaendlerin - ohne Erfolg - im Gegenteil, Hermann erkannte den Ernst der Lage,
setzte sich von Langenschwalbach ab und ging ins Elternhaus nach Weilburg zurueck.
Darin sah er eine vernuenftige Loesung- aber die Liebe geht oft seltsame Wege:
Mascha entwarf einen Plan, sie ging damit aufs Ganze.
Was ihrer Schwester nicht gelungen war, musste ihrem Bruder gelingen!
Eine vierspaennige Kutsche - wie auch anders- wurde hergerichtet und los ging die Fahrt, der Bruder allein zum Tiergarten..
Seine Order lautete klipp und klar und unmissverstaendlich:
"Wenn nicht kommt Hermann - Mascha geht kaputt!"
(Der Text ist authentisch)
Wer sollte dabei noch fest bleiben?
Mascha hatte gesiegt - die Kutsche wurde auf der Stelle vollgepackt
mit allem Hab und Gut Hermanns, dann wurde Abschied genommen von Eltern und Geschwistern, vom Hof und den geliebten Staellen
- in eine ungewisse Zukunft..
Von hier an kam nur Gutes, Schoenes, Erfreuliches - zwei Menschen hatten zueinander gefunden!
Mit allem Prunk und Glanz fand die Hochzeit statt, 1883 - nach nur 14 Tagen.
Es wird ueberliefert, dass sich der Hermann durchaus zu benehmen verstand, auch wenn er geringerer Herkunft war.
Dann ging es zurueck nach Deutschland, wo Hermann Amtsbuergermeister wurde in Dierdorf und Unkel/Rhein.
Spaeter fand ein Wechsel nach Goslar statt.
Dort starb Hermann 1928 und seine Mascha 1944.
Ihr einziger Sohn -Manni genannt- starb als Oberst in Goslar 1963.

Der versunkene Ort Rabenscheid, der wuest gegangen ist, soll zwischen Hirschhausen und Tiefenbach in der Waldparzelle "Im Wolfsboden" gelegen haben.
Niemand weiss, wo diese Siedlung genau lag - 1271 erscheint das Dorf noch in den Mittelrheinischen Regesten als Rabenscheid bei Schoenwerk.
Der Zehnt gehoerte den Herren von Mudersbach, war aber 1450 solmsisch (Braunfels)
- zu dieser Zeit koennte das Dorf schon verlassen gewesen sein,
die Felder wurden der Grafschaft zugeteilt, wenige gingen an Nachbarorte mit dem Besitz und mit den Leuten ueber.
Der Wissbach floss durch das kleine Tal, wo der Ort gelegen haben muss oder koennte-
dort war aber auch die Grube Anna mit viele Abraumhalden,
die den Bach ein anderes Bett nehmen lies- er muendet nun in den Lindelbach.
Die Felder waren ohnedies nicht sonderlich ertragreich und so wird der Wegzug nicht allzu schwer gefallen sein.

1886 kostete der Dauborner Kornschnaps gerade mal 79 Pfg. der Liter!

Nach der Chronik Hirschhausens geht es zur selbigen des Marktfleckens Weilmuenster..

Im idyllischen Weiltal gelegen, liegt der Flecken verkehrsguenstig an der Weilstrasse L3025 zwischen Weilburg und Oberreifenberg/Koenigstein.

Die Inschrift auf einem alten Haus lautet: "Ein jeder kehr vor seiner Thuer, so werden die Strassen alle rein" - aus dem Jahr 1610, kurz vor dem 30j. Krieg..

In Weilmuenster wurden seit 1601 Maerkte abgehalten, zuerst zwei, dann bis zu 13 im Jahr.

Vorgeschichtliche Fahrwege fuehrten von suedlich Giessens an den Roemer-Kastellen entlang bis Nastaetten.
Drei Tuerme, Mauern und zwei Tore schuetzten die Stadt, die eine der aeltesten Kirchen der Gegend hat- aus dem 9.Jhd.
Mittelalterliche Wege sind die Hessenstrasse und die Limburg-Usinger-Strasse.
Erstere verband die Grafschaft Katzellnbogen und die Residenz Rheinfels-St.Goar am Rhein mit der Landgrafschaft Hessen-Kassel.
Die Limburger-Usinger-Strasse verbindet das Altsiedelland um Limburg mit Usingen-Taunus.

Das Gasthaus "Einhaus" war ein beliebter Treff- und Rastpunkt an der Kreuzung Hessenstrasse und der alten Frankfurter-Strasse,
die L3025, die ueber Oberreifenberg nach Koenigstein fuehrt.
Auch in Weilmuenster waren viele Gruben und Eisen/Metallbetriebe angesiedelt, die z.T. noch heute bestehen.
Ein grosser Steinbruch mit der Zementwarenfabrikation ist ebenfalls hier noch aktiv.
Um den Riesenkopf sind Steinwallanlagen zu finden, die Foerderung von Silber, Blei, Kupfer, eisen und Dachschiefer
sind die Grundlage fuer den wirtschaftlichen Aufschwung des Fleckens.
Wer genau schaut, wird in manchem Dickicht noch Mundloecher der alten Gruben entdecken.

Die trotzdem noch reine Natur ist mit seltenen Blumen/Pflanzen dabei-
Fichtenspargel, Geflecktes Knabenkraut, Geflecker Aronstab, Vielbluetige Weisswurz,
Maennliches Knabenkraut, Seidelbast, Gelber Fingerhut,
Zweiblaettrige Schattenblume, Wasser-Schwertlilie, Wasser-Hahnenfuss,
Dunkle Akelei, Borsten-Glockenblume, Tauben-Skabiose und das Berg-Sandgloeckchen!

Bei Dietenhausen, das zu Weilmuenster gehoert, fand man bei Ausgrabungen eines Huegelgrabes u.a. das "Idol von Dietenhausen",
eine stilisierte Menschenfigur, wohl eine Fruchtbarkeitsgoettin aus der Zeit der Bandkeramiker, 3000-2000 v.Chr. so der Grabungsleiter.

Die vielen durchlesenen Ortschroniken zeigen viele Bilder, erste fotografische Aufnahmen aus alter Zeit,
die Dorfansichten zeigten, schulische Ereignisse, Feierlichkeiten, Hochzeitsbilder und aehnliches - auffallen ist,
dass der heutige Pflegezustand von Strassen und Plaetzen, Hoefen und -zumindest einfacheren Wohnhaeuser und Bauernhoefe-
recht "gammelig" aussahen, mit fehlenden Putz-Stellen, schadhaften Zaeunen und wenig schmueckenden Zutaten,
wie Holzstapel nahe dem Eingang..
..die Maenner hatten eine ziemliche "Macho"-Haltung,
zumindest diejenigen, die offenbar etwas Besseres waren oder etwas zu sagen hatten.
(Die Bergleute bildeten einen ganz anderen Eindruck)
Auf optische Schoenheit des Ortsbildes wurde weniger geachtet, Funktionalitaet und finanzielle Machbarkeit bestimmten das Bild.
Die schoenen Pflaster von heute sind nur in wenigen Hoefen zu sehen gewesen.

Die Loehnberger Chronik der 20iger und 30iger Jahre folgt nun:
Im Vorwort ist die Rede von Heimau-Laneburg-Loehnberg an der Lahn.
Die Laneburg ist 1324 erstmalig erwaehnt, 524 nach der Siedlung Heimau.
Die Burg war 240 Jahre lang bewohnt- bis zum 30j. Krieg.
1321 bekam Loehnberg die Stadtrechte verliehen - somit waren die Buerger ihre Leibeigenschaft los.
Der Sauerborn soll schon 1553 bekannt gewesen sein und sein erfrischendes Wasser allen Buergern gespendet haben-
das in Tonkruegen nach Hause und mit ins Feld oder zur Grube genommen wurde.
Die Kinder tranken dieses billige und beliebte Wasser gerne mit Himbeersaft, so wird berichtet.
Die rundumliegenden Eisengruben gaben vielen Maennern Arbeit und Brot, spaeter kam die Eisenbahn,
die eine schnelle Verbindung nach Wetzlar brachte-
dort gab es viele grosse Unternehmen- wie Leitz, Buderus, Roechling und sogar Kaufhaeuser.
Aus den noerdlich gelegenen Westerwaldgemeinden kamen die Leute zu Fuss oder mit dem Rad zum Loehnberger Bahnhof.

Bis Mitte der 20iger Jahre soll es zwei Hundegespanne gegeben haben, die ihre gehbehinderten Besitzer transportierten..
Die groesseren Bauern bearbeiteten die Felder der kleinen Nebenerwerbsbauern, deren Frauen dafuer mit auf den Feldern helfen mussten.
So konnte es passieren, dass der Abends von der Grube heimkommende Vater einen Zettel mit solchem Wortlaut vorfand:
"Des Esse stieht of em Herd. Flaasch gibts haut kans, dau host jo wurscht off deim Brut gehoat.
Wann de gegesse host, kimmste en die Wasserdell, do mache mer Gedoffel aus.
Eil dich, dej Zeiring kannste de de Oawend lese. Mach vieru!"

Ansonsten gingen die Schnitter zwischen Tau und Tag in die Wiesen, sie maehten in einer Reihe bis die Wiese fertig war.
Dass kostete nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Kraft.
Zum anschliessenden Fruehstueck gab es frisch angeschnittenen Schinken (der erste fuer dieses Jahr), dazu Bier und Aeppelwoi.

Die 20iger Jahre auf dem Land waren durch extreme Wetter und dem zufolge durch schlechte Ernten gekennzeichnet.
Schmalhans war fast ueberall Kuechenmeister!
Damals waren in Wandnischen die Kuechenschraenke eingebaut, die Ziegel fuer den Hausbau, der damals oft 3 Jahre dauerte,
wurden direkt am Bauplatz gebrannt und vermauert !
(Die Haeuser stehen heute noch)
Die Waende waren innen mit Kalk und Leinoel getuencht, der Fussboden war aus Fliesen oder Holzdielen.
Das Mobiliar war spaerlich, 1-2 Betten reichten fuer 4-5 Kinder!
Die nach 1925 gebauten Haeuser hatten schon eine Toilette mit Wasserspuelung IM Haus.
Das Geld fuer hochwertige Haushaltsgegenstaende war bei den allermeisten Leute schlicht nicht da.
Dafuer gab es bei den meisten Haeusern eine Apfel- Birn- Pflaumenbaum, wobei die "Honikbir", eine kleine suesse Birne,
die mit den Pflaumen reif wurde, als Zuckerersatz herhalten musste.
Ansonsten nahm man Zuckerrueben, aus denen ebenfalls ein guter Sirup gekocht werden konnte.
Diese zaeh-klebrige, dunkelbraune und wenig durchsichtige Masse
lief wie Honig und konnte vielseitig genommen werden- zum Backen, Kochen.

In der Chronik steht ein guter Artikel ueber das erste Radio:
Drei Bewohnern wurde 1924 seitens der Ortspolizeibehoerde - der Buergermeister - die Genehmigung erteilt,
von Oktober an taeglich zwischen 7 und 11 Uhr abends einen Radioapparat zu betreiben..

Man hatte Angst vor Explosionen und dadurch ausbrechende Panik unter der Bevoelkerung.
Dieses neue Medium trat dann seinen Siegeszug an- ach ja, 10 Mark war fuer die Bescheinigung an "Lustbarkeitssteuer" zu zahlen..
..damals eine Menge Geld, denn nach der Inflation war alles knapp.
Damals verdiente man im Durchschnitt in der Woche 22 Mark, die Arbeitslosenunterstuetzung betrug 11Mark.
Es pfiff und knatterte, 20-30mtr lange Antennen waren noetig, um ueberhaupt etwas zu hoeren..
1924 kam das erste Radio mit Lautsprecher, das die Dedectorgeraete (mit Kopfhoerer) ersetzte.
Nach 1933 hatte jeder Haushalt einen "Volksempfaenger" und war mit der Welt verbunden- das nuetzte das damalige System
freilich fuer Propaganda aus- heute manipuliert man Nachrichten durch Auslassungen..
Der 1. Weltkrieg war sehr teuer- wie jeder Krieg, der sich flaechig ausdehnt- dadurch werden Waren und Dienstleistungen entzogen,
der Geldwert steht ohne Deckung im Raum: Inflation.

Wenn nach einer langen Arbeitslosigkeit und Hunger jemand kommt, der Besserung der Lage verspricht, ist das immer gefaehrlich,
wie wir in der Zeit der 20iger und 30iger Jahre als Volk erleiden mussten.

Die Loehnberger Chronik schrieb:
"In Dachau richtete man das erste Konzentrationslager ein" -
Was so nicht stimmt-
denn nicht nur in der unsaeglich gemeinen Ideologie des Volksverfuehrers gab es solche verbrecherischen Einrichtungen,
sondern schon lange zuvor in anderen Staaten!
( 1896 aus dem Spanischen: http://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager )
Dramatisch finde ich, dass eine Diktatur aus demokratischen Wahlen hervor ging.

"Wer die Vergangenheit leugnet, ist in Gefahr, sie zu wiederholen" (Georg Santayana 1863-1952)

Ein Thema ist die "Kaesfra", das Hessekaetche, aus Hochelheim bei Huettenberg, die von Haus zu Haus ging und ihren eigens hergestellten Handkaes verkaufte.
Im Loehnberger Gasthaus "Zum Lahntal" uebernachtete sie, mit vielen anderen Kaufleuten und Monteuren,
Herren der Bergaufsicht, Besucher der Loehnberger Muehle -
sie tranken Apfelwein aus dem grossen Holzfass im Keller des Gasthauses..
Der Wirt holte jedes Glas frisch aus dem Keller.
Er war nebenbei Landwirt und grosser Bienenzuechter, weshalb sich die Bienenfachleute von weit her hier trafen.
Viele Wirte hatten noch einen Biergarten und eine Tanzbuehne, eine Brennerei etc. als Zubrot dabei.

Mit seiner kleinen Kutsche mit kleinen Pferden davor (Welschponys?) fuhr der Baecker seine Broetchen aus -
auch diese Baeckerei mit Gaststaette war nahe dem Bahnhof gelegen - sehr praktisch.
Fuhrleute brachten zu dortigen Bahnverladestelle Basalt und Holz aus dem Westerwald und uebernachteten in Loehnberg.
Die Kutschen konnten bei Dunkelheit nicht fahren- so wurde uebernachtet.
Eine Laterne am erten und am letzten parkenden Fuhrwerk bildete den Sicherheitsaspekt, so dass auch der Polizist zufrieden war.
1,90 Mark kostete in den 30igern der Liter Dauborner Schnaps-
wovon einige Flaschen mit nach Hause und in die Nachbarschaft mitgenommen wurden-
freilich wurde auch genug verkostet- das treue Pferd fand den Weg nach Hause auch allein:
So manchesmal suchte man den Kutscher, der hinten auf der Ladeflaeche seinen Rausch ausschlief!
Die vielen Pferde hinterliesen viele Pferdeaeppel- die fleissig von den Kindern aufgesammelt und zu Taschengeld gemacht wurden:
Guter Dung fuer den Garten!

Der selten gute und sonstwo kaum so frisch zu findende Hopfengeschmack des "Waldschloesschen" Bieres des Ortsteils Niedershausen,
das man unter vielen sofort herausschmecken konnte, kam spaeter unter anderer, ueberregionaler Brauerei zu Fall,
heute haust ein Troedler in dem mit herrlichen Kupferkesseln ausgestatteten Raeumen.

Sonntagsmorgens, zwischen 7-9 konnte man bei einem kleinen Metzger frische Fleischwurst holen:
Kartoffelsalat und Fleischwurst sind eines der Traditionsessen in unserem Gebiet!
(Meine Eltern sagten noch in den End-Fuenfzigern, als das Haus gebaut wurde:
"Wenn wir uns jeden Samstag Kartoffelsalat und Fleischwurst leisten koennen, sind wir reich!") -->
Ueberhaupt hatte Loehnberg sehr viele Gastwirtschaften, die noch nicht mit Burger, Doener, Pizza, Pommes oder Zatziki etc. zugange waren,
die noch richtig einheimische, baeuerliche Fruehstuecke bereiten konnten, wo Schnaps gebrannt wurde, waren begehrt.
Der Wirt der "Krone" fuhr vor Pfingsten seine Mistkaute leer, die mitten im grossen Hof lag -
darauf wurde der Tanzboden aufgeschlagen,
auf dem mindestens 2 Tage lang nach der Musik der Loehnberger- und Weilburger- Buergergarde getanzt wurde.

1928/29 konnte an in den Duschraeumen der erweiterten Schule Wannenbaeder fur eine halbe Stunde mieten
- wo sich regelmaessig Warte-Schlangen bildeten -
wohl auch um zu tratschen, was heute noch gerne auf dem Land, bei jeder Gelegenheit gemacht wird..
Der Chronist schreibt:
Man kann gar nicht glauben, wie viele Familien in so wenigen Raeumen der eng stehenden, schmalen Haeusern wohnten.
"Interessantes erfaehrt man ueber die Bewohner der Kreuzbass aus der Zeit vor dem Brand des Schlosses am 5. September 1900,
soweit es um das erforderliche Waeschewaschen ging.
Gewaschen wurde alle halbe Jahre.
Waschmittel waren nur wenige im Angebot und teuer.
Man mahm im allgemeinen Kernseife und Holzasche, (Pottasche - in der Regel aus Buchenholz)
die ja zur Genuege zur Verfuegung stand. 5-6 Eimer in einen Leinensack gefuellt.
Die Waesche kam in einen hohen schmalen Kuebel, der unten einen Abfuellstutzen hatte. Obendrauf kam der Sack mit der Asche.
Dann wurde der Kuebel mit Regenwasser gefuellt.
Alle 2 Stunden wurde das Wasser unten abgelassen und oben wieder drueber gegossen. Das ging 2-3 Tage, je nach Verschmutzungsgrad.
Anschliessend wurde die Waesche herausgenommen, ausgewaschen, ausgewrungen und zum Trocknen hergerichtet.
Ein Teil der Kreuzplatzbewohner jedenfalls hatte Gelegenheit, sie auf dem Speicherboden des Schlosses aufzuhaengen.
Die Waschfrau (meistens die Hausfrau) setzte das Kizzel (ein ca 5 cm dickes rundes Polster) auf den Kopf,
die Wanne mit der nassen Waesche drauf und trug das Ganze auf den Schloss-Speicher, um sie zum Trocknen aufzuhaengen."

"Endlich war er da, der "Eisenkoenig Heros",
Er kam mit Pferd und Wagen und war ein Einmannbetrieb.
Ein grosser, kraeftiger Mann mit sichtbar starken Muskeln. 4 der staerksten Pferde des Dorfes wurden herangefuehrt.
Je 2 auf jeder Seite, Heros in der Mitte, das Zuggeschirr in den Armen -
hielt er die Pferde am Platz.
Nach vereinbarter, kurzer Zeit mussten die Fuhrleute mit den Pferden aufgeben.
Wie immer, Heros hatte gewonnen.
Er zeigte noch weitere 4-5 Kraftakte, die besonders uns Kinder in Erstaunen versetzten.
Dann ging er mit dem Hut rund und sammelte Geld. Im naechsten Jahr kam er wieder."

Der Name "Backstania" in Weilburg, das in unmittelbarer Nachbarschaft liegt,
kommt tatsaechlich von den dort gebrannten Back- oder Ziegelsteinen.
1923/24 nannte man das Neubaugebiet Fellersborn "Milliona" - es war Inflation, wer ein Grundstueck kaufen wollte,
ging schon mal mit einer Million Mark bezahlen, - geschwind, denn morgen war alles noch viel teuerer!
Weiter berichtet die Chronik:
"Wo ist Kamerun? Eine Frage des Hauptlehrers Frey im Geographieunterricht wurde von einer Schuelerin wie folgt beantwortet:
Beim Wasserbassin, Herr Lehrer!
In gedanken war sie in der Waldhaeuser Strasse, denn da stand eine Reihe von kleinen Haeusern.
In Loehnberg wurde dieser Ortsteil im Sprachgebrauch "die Kamerun" genannt.
Im allgemeinen hatten diese Haeuse im Erdgeschossein Zimmer und eine Kueche, im Dachgeschoss war noch eine Kammer.
Einige dieser Haeuser hatten im Keller, der von aussen begehbar war, ein kleines Nebengebaeude.
Da befand sich auch der "Ab", der Abort oder Trockenklosett, mit dem in der Tuer ausgeschnittenen Herzchen.
Im Sommer waren es die Fliegen, im Winter die Kaelte, die einem verleideten, diesen Ort aufzusuchen..
Bei annehmbaren Temperaturen war es der Ort, wo man die Zeitung fertig lesen konnte - bevor sie fuer "hinterlistige" Zwecke verbraucht wurde.
Wenn die gefuellte Jauchegrube, meist im Herbst, leergefahren werden sollte,
wurde 2-3 Tage vorher gekoerntes Kupfervitriol eingestreut, damit sich das Papier aufloeste.
In vielen Faellen wurde die jauche in einem kleinen Jauchefass (ca150Liter) auf dem Handwagen in den Garten gefahren.
Eine Jauchepumpe hatten die kleinen Nebenerwerbsbauern nicht.
Die ganze Bruehe wurde mit dem "Puddelschepper" unter Zuhilfenahme eines Trichters in das Puddelfass gefuellt.
Anfang der 20iger Jahre waren nur wenige Haeuser in der Strasse, die zum grossen Teil grosszuegig umgebaut wurden."

Anfang des Krieges, 1939, waren freilich viele private Haeuser noch nicht bezahlt-
die Landwirtschaft jedoch erhielt 90% der Schulden erlassen - staatliche Hilfe "Entschuldung".
Handwerkern verblieben nur 10% ihrer Forderungen, der Rest war futsch- sie schauten in die Roehre,
wie die privaten Leute ohne Landwirtschaft.
"Der Winter 1928 war unheimlich kalt. Alles, aber auch alles war steinhart gefroren.
In den meisten Haeusern gabe es nur eine Feuerstelle und die war in der Kueche.
Abends ging man mit der Waermflasche bzw. mit einem im Kuechenherd aufgeheizten Ziegelstein zu Bett.
Morgens waren die Fenster mit millimeterdicken Eisblumen verziert.
Die Wasserleitungen waren alle zugefroren.
Probleme gab es vor allen Dingen bei den Bauern, die das Vieh traenken mussten.
Gluecklich der, der am oder im Haus noch eine funktionierende Pumpe hatte.
In unserer Strasse ging nichts mehr, nur vor Jungs Haus im Graben
- aus einer Tiefe von 70cm - quoll Quellwasser, etwa in Bleistiftdicke hervor.
.. so konnten alle nacheinander die Kaffeekessel fuellen."

Eine sonderbare Zeit, wo man nur Kredit bekam, wenn die Fahne des 3. Reichs aus dem Fenster gehaengt wurde,
die man kurioserweise nur beim juedischen Haendler in Weilburg bekam- ein Jahr spaeter und man waere fotografiert worden,
wer das Geschaeft wagte zu betreten..

Viel frueher war es auch nicht besser:
Wer jaeh an der Pest starb, den glaubte man durch Gottes Finger als einen Schuldigen abgeurteilt,-
ja, man liess die Pestkranken verschmachten (W.H.Riehl, Werke der Barmherzigkeit)

Der kleine Nachbarort Hundsbach starb 1461 mit denen "von Hundsbach" am Hundsbach gelegenen Gutshof aus.
Was folgte, war ein erbitterter Streit um die Nutzungsrechte der Laendereien und Wiesen, der bis 1787 ging-
bis die Weilburger Herren entnervt die Nutzung den Streithaehnen ueberlies, ohne sich weiter einzumischen.

Die Lahn war damals die einzige Moeglichkeit schwimmen zu lernen - so hatten viele Orte Freiluft-Schwimmbaeder eingerichtet,
teil sogar mit Umkleidekabinen und mit abgetrennten Nichtschwimmer-Zonen.
(Mittels Schwimm-Tonnen, die im Eck 15x20mtr mit Planken verbunden waren, ueber die man laufen konnte.
Nach unten und nach den abfallenden Seiten mit Latten abgesichert. So wurde niemand weggetrieben.)
So mancher sprang zwischen der Heuernte geschwind mal in die Lahn, um sich zu erfrischen.
Schwimmer trafen sich, um in Pulks nach Ahausen oder bis nach Weilburg zu schwimmen, um dann stolz ueber den Leinpfad wieder nach Hause zu gehen.
Einige "Eiferer" freuten sich, als das Hochwasser nach dem 2. Weltkrieg die Anlagen fortgerissen hat.

Der Lumpensammler zog durch die Strassen: "Lumpen, Alteisen, Knochen, Papier- wir zahlen die besten Preise dafuer !"
Er zog den Handkarren hinter sich her und gab am ehesten Naturalien fuer die abgelieferten Dinge- Tassen, mit und ohne Henkel,
die konnte jeder gebrauchen.
Wer oder was zog noch umher? Musiker und auch Zigeuner mit Tanzbaeren, die auf ein paar Muenzen aus waren.

Die Kinder spielten damals mit dem Springseil, machten Ball- und Ringewerfen, Versteckspiele,
Schubkarrenrennen, Sackhuepfen, Messerspiele, Klickerwerfen (Murmelspiel)
Fussball kam erst spaeter, in den 20iger Jahren auf- nach den Schlittschuhen und lange nach dem beliebten Schittenfahren.

Solange man denken kann, sorgte der Nachtwaechter mit Hund, Stock und Horn fuer Sicherheit, der achtete auch darauf,
dass alles gut verschlossen war und meldete evtl. Braende durch die Feuerglocke.
Was Tags der Feldschuetz, war Nachts der Nachtwaechter.

Huehner in dem Gemeinde-Blumenbeet gesichtet!
"Sie werden angezeigt, da sie am 6.4.1935 um 11.00 Uhr ein Huhn auf der Anlage haben weiden lassen.
Die Uebertretung gemaess 9 STGB des Feld- und Forstgesetzes vom 1.4.1880,
in der Fassung vom 21.1.1906, ist gegeben.
Unterschrift: Der Feldhueter Krauskopf, hier.
Strafgebuehr 2 Mark + 10 Pfg. Gebuehr und bare Auslagen.
Ersatzweise 1 Tag Haft"

Vor der Schur mussten die widerspenstigen Schafe im Bach gewaschen werden, damit die Wolle spinnbar war.
Kraeftige junge Burschen machten sich eine Gaudi daraus- auch die Scheeren war eine Tortur, nicht so einfach.

Als Max, der schwere Kaltblueter die schweren Arbeiten nicht mehr machen konnte,
bekam er von seinem Besitzer, dem Saegewerksbetreiber eine Weide, auf die er gestellt wurde.
Die Loehnberger Kinder, so die Chronik, hatten einen Mordsspass mit dem maechtigen Tier, das einst die schweren Baumstaemme aus dem Wald gezogen hat.

Ein Dachdeckermeister machte eigene Hohlblocksteine mit zwei Luftkammern, aus eisenhaltigem Schlacke-Abraum der Gruben- pfiffig.
Nach und nach setzten sich die Ziegel durch, die schwerer und stabiler waren- die den teueren Schiefer
und den zwischenzeitlichen Kunstschiefer und die Ton-Ziegel abloesten- selbst im Westerwald gab es danach immer weniger Reed-Daecher.

5-6 Schuster gab es in Loehnberg, die wohl alle leben konnten - so waren auch "Fruehstuecksmeister" dabei,
die mit den anderen Zunftsmeistern gerne mal einen Nachmittag in der verschwiegenen Wirtschaft "blau" machten, um Skat zu spielen.

An der Lahn waren einige Berufsfischer, die feste Streckenabschnitte befischten.
Barben, Aale, Rotaugen, Ploetze, Nasen, Schleien, und Hechte wurden in recht beachtlichen Mengen gefangen
- bis zu 65Pfg kostete das Pfund Fisch.
So mancher hat in der "armen Zeit" seinen Tabak im Garten oder Feld angebaut- das war beliebt und lohnte sich wohl.
Mein Urgrossvater gehoerte auch zu diesen Leuten:
Lange fleischige Blaetter, die getrocknet und zusammengelegt wurden.
Von den Stielen befreit, dick in Zeitungspapier eingewickelt
und zugeschnuert, in Bloecken im Mist vergraben,
harrten sie ein paar Wochen aus, bis sie -warm war es ja- vermentiert waren.
Danach wurde ausgepackt, auf dem Holzbrett sauber in feine Streifen geschnitten und in alte Tabaksdosen gestopft.
Mancher hatte so sein "Geheimrezept", um den Geschmack aufzupeppen- was immer das auch war- ich denke mal,
es werden Wachholder- oder Holunderbeeren etc. gewesen sein, die den besonderen Geschmack gaben.

Im Maerzen der Bauer sein Pferdchen anspannt- das passt nicht in unsere Gegend, wo das meistens mitte April los ging..
Die Wasserrueben, "Ramschen" oder "Dickwurz" genannt, waren eines der Grundfuttermittel fuer die Stalltiere-
die frischen Blaetter wurden gleich verfuettert, die Rueben wurden in Mieten in der Erde eingegraben und gut zugedeckt.
Im Winter wurden sie nach und nach ausgegraben, im Bach gewaschen und gehaeckselt verfuettert- oft mit Kleie und Heu zusammen.
Irgendwann in den 1970iger Jahren wurde diese Futterfrucht durch den Mais abgeloest, der geschrotet und eingemietet oder frisch verfuettert wird.

Wenn die grosse Dreschmaschine weg war, wurde Winterfutter fuer die Voegel eingesammelt,
weil dabei grosse Mengen Wickensamen ausfielen- die sich auch im Kallenbach wiederfanden- was die Rotaugen in Mengen anlockte.

Die Loehnberg-Chronik ist noch nicht ganz fertig: 1896 war der Selters-Sprudel ein wichtiger Arbeitgeber- heute,
unter dem Dach eines Konkurrenten mit aehnlichem Namen, besteht die Quelle noch heute.
In Loehnberg gab es ein paar Transportseilbahnen, die mal Erz, mal Basaltsteine aus den Bergwerken/Bruechen zur Bahnverladestation fuhren.
Eine der Bahnen schaffte pro Stunde bis zu 30 Tonnen Material zur Eisenbahn.
Erst in den 1970ier Jahren wurde diese Epoche der Entwicklung abgebaut, mit den Drahtnetzen, die ueber die Strassen und Schienen gingen,
damit niemand von Steinen getroffen wurde.

Heftig: Wenn einer gestorben war, wurde er von den Frauen aus der Nachbarschaft gewaschen
und hinterher mit seinen besten Klamotten angezogen, fuer den letzten "Gang".
Ende der 20iger Jahre kam man vom Eisenkreuz mit der Emaille-Tafel ab und lies Grabsteine setzen.

Ein Schild an einer damaligen Tuer: "Bock, Spatz, Maus wohne all in ahm Haus" - die Leute hiessen wirklich so..

Noch einen Spruch aus der Loehnberger Chronik: "Der frisst ja wie ein Scheunendrescher!"

Nach den Orts-Chroniken folgen Alte Geschichten und Erzaehlungen, aus denen die Lebensumstaende der einfachen Leute damals-
extrahiert und hier auf dieser Seite eingepflegt werden, was mir interessant oder wissenswert erscheint:
Auch diese Buecher werden eine ganze Menge bringen. (5 Titel liegen schon vor, parat um durchgeforstet zu werden)

1797 brauchte Goethe noch 26 1/2 Stunden, um mit der Kutsche von Fritzlar nach Frankfurt zu fahren.
Der Intercity braucht heute nur eine knappe halbe Stunde dafuer.

"Das lag zum einen an dem Befoerderungsmittel selbst, und zum anderen an dem jaemmerlichen Zustand der Strassen.
Gepflastert waren die meisten Wege, auch die vielbefahrenen, in der Regel nur mit Schlagloechern..
Richtige Chausseen, die ein halbwegs zuegiges Fortkommen gewaehrleisteten, konnte man nur selten antreffen;
selbst in groesseren Staedten gehoerten Staub im Sommer und Morast im Winter zur Standardausstattung.
Die Wirte der Herbergen und Gasthaeuser hatten kein Interesse daran, die Reisenden moeglichst schnell aus ihrer Stadt verschwinden zu sehen,
und so versuchten sie alles, um die Fahrt zu verzoegern.
Wie Bettina von Arnim in "Ilius Pamphilius" berichtet, schreckten sie sogar nicht davor zurueck,
die Kutschen bei kleinen Aufenthalten heimlich so zu manipulieren,
dass sie schon bald ein Rad verloren oder nur noch eine Achse hatten.
Die Insassen mussten dann zerknirscht in ihre alte Herberge zurueckkehren.
Was Bettina von Armim auf Gelnhausen bezog, galt auch fuer viele andere Staedte.
Damit niemand auf die Idee kommen konnte, die Nepphoehlen zu meiden, regelten landesherrliche Verordnungen im allgemeinen ganz genau,
wo die Kutschen in dem jeweiligen Gebiet zu fahren hatten.
Die offizielle Begruendung dafuer lautete, die Nebenwege seien zu gefaehrlich- das stimmt schon:
Raeuberbanden gab es ueberall, vornehmlich in den grossen Waldgebieten, wie dem Spessart und im Taunus,
aber wer schon eine laengere Fahrt hinter sich hatte, den konnten die verwegenen Gestalten kaum noch schrecken.
Denn staatliche Zolleinnehmer und private Wirte waren ihm schon so an die Boerse gegangen,
dass sich nicht mehr viel darin befunden haben duerfte!
Reisende Privatleute zaehlten zu den beliebtesten Opfern.
Sie mussten essen und schlafen, auch wenn die Speisen und die Betten nicht nur schlecht, sondern auch teuer waren;
und sie mussten, wenn sie ihr eigenes Gefaehrt benutzten, an jedem Schlagbaum Wegzoll zahlen.
Allein das konnte schon eine Muehselige und kostspielige Beschaeftigung sein, denn bis 1803 regierten noch ueber 300 Fuersten
und Herren in Deutschland, deren Besitz zumeist weit verstreut lag.
Aber auch wer Glueck hatte und durch ein groesseres, zusammenhaengendes Territorium kam,
wurde immer wieder zur Kasse gebeten.
Angeblich dienten die so gewonnenen Einnahmen dazu, die Strassen instand zu halten, aber davon merkten die Reisenden wenig.."
Der letzte Satz kommt mir doch sehr bekannt vor, der in dem Buch "so sahen sie Hessen" zu finden war.

Von Frankfurt nach Stuttgart dauerte die Fahrt 40 Std, wo 15 Std. auf Zwischenaufenthalte kam. (1821)
Durch Hilfsvertraege mit England gingen oder wurden gegangen- um 1780 ca 20.000 Maenner nach den Nordstaaten der USA,
nur die Haelfte der Geshankhaiten oder Ueberlisteten kehrten zurueck, die andere Haelfte ist "gefallen",
verkauft von den hinterlistigen Werbern von den noch hinterlistigeren Fuersten,
die mit den 20 Millionen Taler durch den Verkauf der Soldaten ihren Luxus finanzierten.
Die Ausruestung der Soldaten mussten -lt. Vertrag- in Hessen gekauft werden, was fuer einen Aufschwung sorgte.
Derzeit sammelten sich in Kassel "Bettler, Diebe, Kuenstler und Dichter" zu dem zweitgelangweiltesten Fuersten der Welt, nach dem in Versailles..
"Ich war in Kassel, meiner Karoline wegen:
In Tonklumpen wohnten die Bauern.."
Oder:
"in der Stadt gibt es wenige Ellnbogen, die nicht eine bettelnde Hand aufmachten, statt (mir) zu helfen!"

Die gute alte Zeit war vermutlich nur fuer wenige Leute "gut", fuer die allermeisten eher "alte Zeit".

Jacob Grimm in einem Brief an Ludowine von Haxthausen:
"Ein Wasserfall, von Menschenhand gemacht, kann uns nicht befriedigen.
Alle Wilhelmshoeher Fontaenen setzen uns zwar in Erstaunen, dass die blosse Kunst dergleichen unternimmt und ausrichtet.
Bei naeherer Ueberlegung spueren wir aber doch etwas Leeres in der Sache.
Das ruehrt daher, weil nichts an seiner wahren natuerlichen Stelle ist.
Ein kleiner Wiesenbach enthaelt viel mehr Wahrheit und Poesie, und nun gar ein herrlicher Strom wie der Rhein und sein Fall, wie bei Schaffhausen.."

In den vielen Erzaehlungen div. Leute kommt zum tragen, dass Kassel und Darmstadt eigentlich kuenstliche Orte sind und fuer reiche,
eigentlich nutzlose Nichtstuer mit Geld gemacht und fuer Tagtraeumer worden sind, die schon recht hochnaesig
bis zynisch die "Bauern" und Bediensten kommentierten- wenn ueberhaupt..
Boerne schrieb von der Ruhe in Darmstadt, wo die Leute "nicht lauter auftraten wie die Schnecken".

Damals im "Hessischen Landboten":
"Darmstadt im Juli 1834
Friede den Huetten! Krieg den Palaesten!
Im Jahr 1834 siehet es aus, als wuerde die Bibel Luegen gestraft.
Es sieht aus, als haette Gott die Bauern und Handwerker am 5ten Tage, und die Fuersten und Vornehmen am 6ten gemacht,
und als haette der Herr zu diesen gesagt:
Herrschet ueber alles Getier, das auf Erden kriecht, und haette die Bauern und Buerger zum Gewuerm gezaehlt.
Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schoenen Haeusern, sie tragen zierliche Kleider,
sie haben feiste Gesichter und reden eine eigene Sprache;
das Volk aber liegt von ihnen wie Duenger auf dem Acker.
Der Bauer geht hinter dem Pflug, der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihn mit den Ochsen am Pflug,
er nimmt das Korn und laesst ihm die Stoppeln.
Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag;
Fremde verzehren seine Aecker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiss ist das Salz auf dem Tisch des Vornehmen...
Geht einmal nach Darmstadt und seht, wie die Herren sich fuer euer Geld dort lustig machen, und erzaehlt dann eueren hungernden Weibern und Kindern,
dass ihr Brot an fremden Baeuchen herrlich angeschlagen sei, erzaehlt ihnen von den schoenen Kleidern, die in ihrem Schweiss gefaerbt,
und von den zierlichen Baendern, die aus den Schwielen ihrer Haende geschnitten sind, erzaehlt von den stattlichen Haeusern,
die aus den Knochen des Volkes gebaut sind;
und dann kriecht in euere rauchigen Huetten und bueckt euch auf eueren steinigen Aeckern, damit euere Kinder auch mal hingehen koennen,
wenn ein Erbprinz Rat schaffen will, und durch die geoeffneten Glastueren das Tischtuch sehen,
wovon die Herren speisen und die Lampen riechen, aus denen man mit dem Fett der Bauern illuminiert.
Das alles duldet ihr, weil euch Schurken sagen:
Diese Regierung sei von Gott.
Diese Regierung ist nicht von Gott, sondern vom Vater der Luegen."

Eine bittere Klage, der nichts mehr zuzufuegen sein duerfte.

Goethe in Biebrich:
"Im Schlosse sah ich den Hof speisen, welcher Aufwand, so viele Diener als Tischgenossen und der letzteren waren es wohl vierzig.
Sie essen wie wir mit dem Mund"
Heute wissen wir, dass er sich nur zu gerne von reichen Goennern einladen lies..

Der Schriftsteller, Demokrat und Leiter der landgraeflichen Regierung, Isaak von Sinclair, beschrieb die (Bad) Homburger Verhaeltnisse 1793 so:
"Homburg ist immer der Ort, der einzig in seiner Art ist:
denn er ist vielleicht der einzige a proportion seiner Groesse, wo so wenig aborigines und so viele Fremdlinge aus allen Zonen sind,
die oft das Spiel des Schicksals waren und alle sehr heterogen und oft originell sind.
Das Schoense dabei ist, dass das Staatsband, das sie zusammenhaelt, so lax ist, dass sie sich nicht aneinander abschleifen;
jeder duenkt sich sein eigener Herr und behaelt seine Ecken und Eigenheiten bei!"

Karl August Varnhagen von Ense prangerte 1845 in seinem Tagebuch die Abhaengigkeit an,
die erst mit dem Tod des letzten landgrafen, 1866 beendet wurde:
"Ueber die homburgischen Verhaeltnisse; liederliche Wirtschaft, Willkuer, Gewaltsamkeit,
offenbare Rechtsverweigerung, der Landgraf unkundig und schwach,
man achtet seiner nicht, kriecht aber doch vor ihm und seinen Bruedern, strebt mit dem Hof in Verbindung zu sein.
Die Spielbank macht Homburg zuu einem Nest von Gesindel, Abenteurern, Beutelschneidern, liederlichen Weibern,
besonders im Winter, wo einige englische Familien, die hier ueberwintern,
gewoehnlich das Opfer der Raenke und Betruegereien werden."

Der Schriftsteller Friedrich Christian Laukhard machte sich in seinen Lebenserinnerungen lustig:
"Zu Frankfurt am Main sind viele Bordelle, aber keins ist oeffentlich privilegiert.
Der Magistrat schickt eben darum zuweilen die Haescher hin, welche visitieren und die Maedchen wegbringen muessen;
die Visitationen bleiben ohne Folgen, die zweibeinigen ausgenomen."

Fuer den jungen Goethe war die Judengasse zu Frankfurt eine fremde und unheimliche Welt:
"Zu den ahnungsvollen Dingen, die den Knaben und auch wohl den Juengling bedraengen, gehoerte besonders der Zustand der Judenstadt,
eigentlich die Judengasse genannt, weil sie kaum aus etwas mehr als einer einzigen Strasse besteht,
welche in fruehen Zeiten zwischen Stadtmauer und graben wie in einen Zwinger mochte eingeklemmt worden sein.
Die Enge, der Schmutz, das Gewimmel, der Akzent einer unerfreulichen Sprache, alles zusammen machte den unangenehmsten Eindruck,
wenn man auch nur am Tor vorbeigehend hineinsah.
Es dauerte lange, bis ich alleine mich hineinwagte, und ich kehrte nicht leicht wieder dahin zurueck,
wenn ich einmal den Zudringleichkeiten so vieler etwas zu schachern unermuedet fordernder oder anbietender Menschen entgangen war."

Auch Friedrich Hegel, der von 1797 bis 1800 Hauslehrer am Rossmarkt war, gestand seiner Freundin Nanette Endel:
"Bei mmir brauchte es einige Zeit, ehe ich mich von den Schlacken, die die Gesellschaft, das Stadtleben,
die daraus entspringende Zerstreuungssucht in uns einmischt,
von der Sehnsucht danach, die sich durch Langeweile aeussert, ein wenig reinigen konnte.
Aus Frankfurt treibt mich jetzt immer das Andenken an jene auf dem Lande verlebten Tage."

Der Wiener Literat Johann Ludwig Deinhardstein 1831 in seinen Reiseskizzen:
"Die Reicheren gehen an Sonntagen auf ihre Villen, die aermere Klasse geht ins Forsthaus, um Kaffee,
oder nach Bornheim und Bockenheim, um Apfelmost zu trinken.
Die strenge Trennung der Reicheren von den Aermeren faellt hier unangenehm auf und stoert die eigentlich gesellige Unterhaltung.
Das Geld spielt ueberhaupt in Frankfurt eine grosse Rolle."
"Grosse und herrliche, im modernsten Stile erbaute Haeuser wechseln auf die auffallendste Weise mit den kleinsten,
schmutzigsten und elendsten, die man sich denken kann:
breite, lichte Strassen mit unflaetigen und so engen Gaesschen, dass in manchen derselben kaum zwei Menschen nebeneinander gehen koennen.
Die schoensten Gebaeude Frankfurts sind in der Regel die Gasthoefe."

Auch der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy, der gerne die Umgebung Frankfurts aufsuchte,
schaetzte den Sachsenhaeuser Berg mit seinen reifen Kirschen und den bluehenden Weinstoecken..
1828 hatte der Dauerreisende Karl Julius Weber ein Loblied auf die Sachsenhaeuser gesungen, die einen bescheidenen Lebensunterhalt nicht als Haendler,
sondern als Gaertner, Fischer, Schiffer oder Tageloehner verdienten:
"Oft habe ich ihre Kraft bewundert- mir nichts dir nichts hebt der Kraemer seinen beladenen Karren mit den Schultern aus tiefem Geleise;
unter einer Ledermasse keuchend, die ein Pferd erforderte, draengt sich der Lastentraeger durch das Messegewuehl
und klimmt in der groesseren Hitze die steilsten Weinbergpfade hinauf
mit einer schweren Duengerbuette auf dem Ruecken -
wie ein Vieh arbeitet er auf dem Felde, und wer wollte ihm nicht verzeihen,
wenn er beim Aepfelwein mehr als ein Vieh tut?
Vor lauter Fleiss und Arbeit vergessen sie ihre Armut.
Die Weiber sind meist Gemuese-, Obst- und Fischhaendlerinnen, und was bei ihren Maennern die Faust,
ist bei ihnen die Zunge.
Ihre Sitten sind besser als ihre Manieren, ihre taetige Moral beschaemt viele Reiche jenseits der Bruecke,
wer verzeiht ihnen nicht laechelnd alle Weisheiten, zumal wenn sie ein -nix fuer ungut- vorausschicken?"

Johann Kaspar Riesbecks 1783 Reiseschilderung:
"Als wir unsere Augen auf dem praechtigen und lachenden Rheinbau geweidet hatten, fuhren wir in das Dunkel des engen Tales hin,
welches sich unter Bingen oeffnet und dessen ganzen Boden der gedraengte Rhein einnimmt.
Der Kontrast tat unseren Augen unbeschreiblich wohl.
Die Berge, welche sturzdrohend in diesem Tal ueber dem Fluss haengen, sind bald mit dem mannigfaltigsten Gruen bedeckt,
bald nachte Felsen, hier und da blauer oder roter Schiefer und oft auch harter Urfels.
Ihre Gestalten, ihre Einschnitte, ihre Verkettung, ihre Bekleidung, ihr verschiedener und seltsamer Anbau
hier und da und die gestaendigen Kruemmungen des Stroms machen die Aussichten alle Augenblicke abwechseln.
Ungeachtet der groesseren Beschwerden, sind die Ufer dieses Tales doch ungleich staerker angebaut
und bewohnt als die Ufer der Donau in irgendeiner Gegend.
Fast alle Stunde hat man eine Stadt vor sich.
Fast jeder Berg ist mit den Truemmern eines alten Schlosses gekroent, worin ehedem ein deutscher Ritter hauste.
Die Lage dieser Staedte und Flecken haette die erhabenste Phantasie nicht romantischer und malerischer angeben koennen."

Jens Baggesen verliebte sich in das Marktschiff von Frankfurt nach Wiesbaden (1789), er nannte das Schiff "Schmacke":
"Diese Schmacke ist ueberaus merkwuerdig gebaut und eingerichtet, sie ist ausserordentlich lang und schmal
und hat einen kleinen Mast und ein Rahsegel am Bug.
Sie wird mit einem ungeheueren Holzloeffel gesteuert und von Pferden gezogen, die bald auf dem Land, bald im Wasser gehen.
Unter einem Oberdeck, wie in einer Art Deckskajuete, sitzen die Passagiere holterdiepolter zwischen Kohl, Erbsen,
Rueben und allen Arten von Obst, Huehnern und anderen aehnlichen Dingen.
Die Gesellschaft bestand aus etwa zweihundert Personen beiderlei Geschlechts, aus verschiedenen Voelkerschaften, allen Staenden und allen Religionen.
Deputierte, Kaufleute, Soldaten, Bauern, Juden, Rattenfaenger, Pfarrer, werber, Handwerker, Komoedianten,
Frauen, Maedchen und Kebsweiber (Maetressen, Konkubinen) waren durcheinander verstaut.
Das Fahrzeug glitt von der Bruecke ab, die Stadt, die Gaerten, die Weinberge verschwanden.
Wie in einer Zauberlaterne eilten an den entgegenkommenden Ufern die abwechslungsreichsten Landschaften an uns vorueber.
Zu Anfang war alles still, der eine kannte den anderen nicht; man suchte sich Plaetze, sonderte sich ab, bildete Gruppen.
Die materie ordnete sich, unser Chaos wurde eine kleine Welt. Sie war jedoch noch weit von einer vollkommenen Konstitution entfernt -
wir kamen nach Mainz, ohne es so weit gebracht zu haben,
dass wir unsere eigentliche Regierungsform haetten angeben koennen.
Die Menge war fuer die demokratische gestimmt.

Aehnliche Erfahrungen machte Ludwig Boerne, genau 30 Jahre spaeter, im September 1819:
"Die Gesellschaft im Marktschiffe war so auserlesen, dass ich kaum in das Schiff eingetreten,
eine Pfeife in die Hand nahm, weniger um zu rauchen, als um zu raeuchern" schrieb er an Jeanette Wohl.
"Die Vornehmen sassen oben auf dem Vordecke, das gemeine Volk unten, und so bildeten wir ein wahres Ober- und Unterhaus."
Obligatorische Zwischenstationen auf der Fahrt von Mainz nach Frankfurt war das damals noch selbstaendige Hoechst,
das von dem regen Pendelverkehr zu profitieren wusste:
"In Hoechst lauerten ein Karfen und ein schwarzer Baer, um die aussteigende Schiffsmannschaft zu verschlingen.
Es gibt nichts Komischeres als die beiden Wirtinnen, deren Gasthaeuser gegen einander ueber liegen,
an der Tuere stehen und sich, je nach ihrer Gaeste Zahl, neidische oder schadenfrohe Blicke zuwerfen zu sehen.
Mich verschlang der Baer, der aber so fromm war, mir fuer den nicht getrunkenen Wein keine Bezahlung abzunehmen;
das erste Beispiel solcher Grossmut, das ich in einem Gasthause je erfahren."

Trotz der nicht geringen Nebenkosten blieb das Marktschiff, das spaeter auch mit Dampf fuhr und luxurioes ausgestattet war,
bis zum Bau der Taunuseisenbahn eine preiswerte Alternative zur Postkutsche.

Hoelderlin 1794 hat eine kleine Exkursion uebers Rhoengebirge hinein ins Fuldarer Land unternommen:
"Man glaubt, auf den Schweizer Bergen zu sein, den kolossalischen Hoehen und fruchtbaren reizenden Taelern nach,
wo die zerstreuten Haeuserchen am Fusse der Berge, im Schatten der Tannen, unter Herden und Baechen liegen.
Falda selbst hat auch eine recht liebliche Lage. Die Bergbewohner sind wie ueberall etwas barsch und einfaeltig."

Wilhelm Heinrich riehl, dem eher konservativen Volkskundler, draengten sich die Bilder des Elends so auf,
dass er ihnen 1856 eine eigene Abhandlung widmente, in der er u.a. auch ueber die Bettelei auf der Kinzigstrasse berichtete:
"Ich bin auf der ganzen Hohen Rhoen von keinem Menschen angebettelt worden.
Ich habe ganz allein, lediglich mit einem tuechtigen Eichenstock, flinken Beinen und einem frischen Wandermut bewaffnet,
die weitgedehnten Waelder und die schaurig-oeden Hochflaechen durchwandert.
In der tiefen Einsamkeit bei wildem Schneeesturm und bei sinkender Nacht sind mir oft seltsam zerlumpte, verwogene Gestalten begegnet.
Aber es hat mir niemand ein Leids getan. Und doch wuerde meine geringe Reisebarschaft fuer eine hungrige Rhoener Familie ein Kapital gewesen sein,
von dem sie flott haette leben koennen bis zur Kartoffelernte.
Erst als ich in die beguenstigteren Taeler der Fulda und Kinzig niederstieg, stroemten mir Bettelleute in Scharen entgegen.
Hier hebt die moderne Not an. Hier wird die Armut selbstbewusst, der Arme bespiegelt sich in seinem Elende, trotzt und spekuliert auf dasselbe.
Er koennte einer gegenwaertig ueber die ganze Hohe Rhoen reisen, ohne den erhoehten Notstand ueberhaupt wahrzunehmen,
waehrend er nicht einmal im Postwagen von Fulda nach Hanau fahren kann, ohne dass ihm allenthalben das duestere Bild der Armut entgegentritt.
Neben den Bettelleuten flutet auf dieser Strasse jetzt ein wahrer Strom von Auswanderern.
Bei Hanau begegne ich einem Weibe aus dem Fulderland, welches als einziges Reisegepaeck ein etwa vierteljaehriges Kind auf dem Arme trug.
Und in dieser Verfassung hatte sie sich zu Fuss nach einem Seehafen auf den Weg gemacht!"
(Viele Rhoenbauern sahen die letzte Moeglichkeit zum Ueberleben darin, ihre Heimat zu verlassen,
z.B. nach Ungarn (Fuenfkirchen), wo eine starke deutsche Kolonie die Fuldarer Tradition bewahrt hat.

1793 schieb Adolf von Knigge in seinen "Briefen, auf einer Reise aus Lothringen nach Niedersachsen geschrieben":
"Die kleinen Staedtchen im Hessen-Kasselschen haben ein trauriges, oedes, schmutziges Ansehn.
Armut und Gewerbelosigkeit blicken aller Orten hervor; nicht die geringste Spur von Wohlstand und froehlicher Betriebsamkeit!
Wie sehr verschieden von dem zustande der lachenden, freundlichen Doerfer am Rhein, in der Pfalz,
in der Bergstrasse und um Frankfurt und Hanau herum, die, mit ihren steinernen weissen Haeusern
und regelmaessigen Strassen, kleinen Staedtchen gleichen!
Es gibt Gegenden in Hessen, wie z.B. die von Eschwege und Wanfried an der Werra,
wo uns weniger das bild der Duerftigkeit und Niedergeschlagenheit auffaellt und wo auch Gewerbe, Handel und Schiffahrt
mit einigem Erfolg getrieben zu werden scheinen; aber hier an der Fulda,
besonders je weiter man sich vom Strome entfernt, erblickt man nur muehselige und unlustige Anstrengung des Landmanns,
gegen die natuerlichen und auferlegten Lasten zu kaempfen."

Aus dem Lebenwerk eines Pfarrers las ich folgendes:
"Blasi us kann kein Latein!
Die Kirche war voll mit Glaeubigen in der Erwartung des Empfanges des damals beliebten Blasius-Segens.
Da sparte man den Weg zur Apotheke und auch zum Doktor, braucht keine Zunge herauszustrecken,
nur den Hals hinhalten und hoffen, dass die Hutkrempe oder die Haare, kein Feuer fangen.
Die geweihte Kerze soll ja nach Dr. Jone, einem Kirchenlehrer, an den Hals angelegt werden
-natuerlich brennend und dabei soll ein langer Vers gesprochen werden - lateinisch klingt es ueberzeugender,
deutsch ist es verstaendlicher.
Pfarrer und Kaplan gehen mutig an das Werk.
Der Pfarrer mit seinen 222 Pfund Lebendgewicht sagt inhaltsschwere Worte bei der Predigt,
wie wirksam dieser Segen ist, dem folgt ein Gebet begleitet mit einem Lied,
so kommen die ersten Glaeubigen zur Kommunionsbank.
Sie knien und beide Geistliche teilen sich ihr goettliches Arbeitsfeld, murmeln ihr Gebet,
der bewaehrte Pfarrer perfekt im vollendendem Latein -
aber fuer den Kaplan war es das erste mal und bei ihm haperte es im ersten Teil,
so sagte er es etwas leiser deutsch, aber dann trug er stets den letzten Abschnitt in Latein vor.
Dem heiligen Stankt Blasius schien es zu gefallen, dem Pfarrer weniger,
denn als er es bemerkte, bruellte er dem Kaplan laut vernehmbar zu: Latein!
Aber so schnell lernt man das nicht.
Die Glaeubigen machten dabei ein froehliches Gesicht:
Sie konnten wenigstens beim Kaplan etwas verstehen.
Was sie begehrten, bekamen sie hoerbar um Hals und Ohren.
Sehr lange dauerte die zeremonie und immer, wenn der Zufall beide Geistliche in die Mitte der Kommunionbank brachte,
klang des Pfarrers strenge Bitte:
Latein!
Der Kaplan schwitze etwas, aber bitte, die Gemeinde soll es nun genau erfahren.
Der beleibte Pfarrer kniete sich vor dem Altar nieder - und im klassischen Latein abt er nun um den Blasiussegen.
Hilfreich wie er war, sagte er nun Wort fuer Wort die Segnungsformel in Latein auf,
der Kaplan musste Wort fuer Wort, wie ein Papagei noch aufsagen - dann wechselte das Segnungspersonal.
Der Kaplan kniete nieder und nun wurde ihm die Schoenheit der lateinischen Sprache bewusst,
und unser Pfarrer sagte es fuer alle hoerbar mit maechtiger Stimme,
so geht man mit Lehrbuben Gottes um, das waere ja noch schoener.
Damit brauste die Orgel zum Schlusslied auf und beide verschwanden nach einer guten Kniebeuge in der Sakristei.
Keine der Apotheken ging pleite, man lutsche Malz, trank Honigtee und auch der Doktor konnte ueberleben.
Es war acht Tage spaeter in der Pfarrhauskueche.
Zwei geistliche Herren, einer mit 222 Pfund Gewicht, der andere juenger und leichter schlechthin,
sassen tief gebeugt ueber einem Rextopf aus dem der Dampf quoll.
Jeder ein Handtuch vom Kopf herabhaengend bis zum Topfesrand.
Sie sassen sich gegenueber, meditierend ueber Gott und seine Halskrankheiten.
Einmal traf sich der gegenseitige Blick, man sah die Schweisstropfen rinnen.
Der Pfarrer fragte den Kaplan dabei: Womit haben wir das verdient?
Da antwortete der Kaplan spontan: Herr Pfarrer, St. Blasius kann sicher kein Latein!
Schmunzelnd gingen die Vorhaenge zu - Ein Blick seitwaerts lies erkennen, dass dieser Satz selbst den 222 pfuendigen Herrn erschuetterte,
ja, er lachte.
Immerhin durch Schaden wird man klug, wie auch die Kirche, die daraus gelernt hat und so duerfenw ir heute das Gebet ungestraft in deutsch sprechen.
Ja, der heilige Geist geht auch ueber Handlungen der Kaplaene."

Gefaehrliche Segnung.
"Sonntags, im feuerlichen Amt, wurde am Anfang, unter Intonierung des -vidi aquam- das Kirchenvolk in den Baenken mit Weihwasser besprengt.
Der Pfarrer mit dem Weihwassersprenger in der Hand, sein Kaplan zur Seite seinen Segensmantel haltend, gehen durch die Kirche.
Die 222 Pfund kommen zum Tragen und die Weihwassertropfen fliegen zu den aeusseren Glaeubigen in den Kirchenbaenken.
Mitten im Volk, flog beim Schwengen der nasse Kopf des Schwengels durch die Luft und direkt in das Dekollete einer Dame.
Jene Frau erschrank bei Singen und wusste gar nicht woher diese seltsame Erfrischung kam, aber der Pfarrer hatte den Lauf verfolgt.
Er ging durch die Bank zu dieser Frau: Geben sie das her!
Und sehr verschaemt holte die Dame den goettlichen Erfrischer aus ihrem Busen, fast zitternd.
Sie hatte gar nicht die Absicht ihn zu behalten - der Pfarrer machte ihn am Schwengel fest und setzte seine Liturgie fort..

Eine Schneckensgeschichte 1961
"Ab und zu gibt es ein Zusammenkommen von Pfarrern, man nennt es Conveniat.
Man bietet an, womit man ueberraschen kann. Als ehemaliger Baecker und Conditor hat man die Wahl."
(Pfarrer Jamin war zuerst Baecker - viel spaeter Priester)
"Ich backte Torteletts aus blaetterteig und fuellte sie mit einem Schneckenragout.
Es sah in der Tat aus wie ein Kalbsragout.
Als es auf den Tisch gebracht wurde, ach wie gierig waren da die Augen und dann ging man an die Speise heran.
Man fuehlte sich an eine Koenigstafel versetzt, nur einer, Pfarrer Freiburg aus Weilburg, musste einen Argwohn gehabt haben
oder eine Vorahnung.
Er schaute nur zu, wie man mit Heisshunger die appetitlichen Torteletts verschlang.
Als dann der Tisch geputzt war, fragte man rundum: Das war alles?
Pfarrer Hans meinte, bei seiner Primiz solches schon gegessen zu haben.
Auch Monsignore Professor Gerhardt sprach das Wort -herrlich- gleichsam als ob er es im Himmel wieder bekommt.
Ich sage, ihr habt recht, ein Genuss, ein Vorgeschmack des Himmels, wenn auch auf der Erde gefunden.
Und nun offenbarte ich das Geheimnis-
Ihr habt heute ehemals kriechende und schleimende Schnecken gegessen.
Die ersten gingen schon zur Toilette, nur Pfr. Freiburg lachte aus vollem Hals.
Monsignore fragte nach: Welche Schnecken?
Weinbergschnecken, aber wegen ihrem roten Maentelchen gab ich ihrer Portion noch zwei rote Schnecken bei..
Auch er verlies fuer eine kurze Zeit den Tisch. Nachher beim Wein haben alle kraeftig gespuelt. Aber die Rache kam.
Ein Brief vom Ordinariat.
Der Pfarrer aus Waldernbach hatte seine falsche Darstellung gegeben und ich gab Antwort an das Ordinariat.
Im naechsten Conveniat gab es ein grosses Lachen, denn Freiburg hatte eine Schneckenouvertuere gedichtet..

Der eine isst gern Kaviar
der andere Sardellen
der trinkt den Schnaps am liebsten klar
und der liebt Frikadellen.
Der isst gern Erbsen mit Puerree,
und jener Schweinebraten,
der schwoert auf Aale in Gelee
und jener auf Poullarden.
In Thule isst man Walfischfleisch,
in Saigon Schwalbennester
der isst die Eier lieber weich
der Kaese, wenn verwest er,
die Masai trinken Milch mit Blut
die Inder Tee mit Butter,
und dem schmeckt ein Kotelett so gut
als wie dem Doktor Luther.
In Hamburg isst man Kabeljau
in Bayern Leberknoedel
in Frankfurt Rippchen von der Sau
auf Jawa Palmenwedel
In Probbach isst man Ei mit Speck
im Orient Heuschrecken
der Jaeger liebt gar Schnepfendreck
Pfui Deuwel, - muss das schmecken.
Wir kultiviert, sogar bei Tisch,
ernaehren uns manierlich
von Brot und Butter, Fleisch und Fisch
so ist es auch natuerlich!
Jedoch von ekler Viehcherei
da wollen wir nichts wissen
im hoechsten Fall die Schweinerei
gibt ab einen guten Bissen!
Doch was da kriecht auf dieser Welt
hebt uns nur hoch den Magen
und wer sich fuer gesittet haelt
kann sowas nicht vertragen.
Im Zorn hat Gott dies Zeug gemacht
und um uns zu erschrecken,
hat er nie daran gedacht,
dass man auch isst; die Schnecken.
Wenn unser Garten voll von Schleim
und weislich - ekler Sosse
dann geht man angewidert heim
zieht an die Arbeitshose
kauft Gifte in der Drogerie
bestreut dieses wiederwaert'ge Vieh,
soll moeglichst rasch verrecken!
So war es Brauch in unserem Land
der Himmel sei gepriesen
bis einer dann Geschmack dran fand
und sammelt auf den Wiesen
die Schnecken und die Schneckenbrut
in Eimern, Schuesseln, Saecken.
Er fand das Zeug phantastisch gut,
es wuerde prima schmecken.
Erst werden sie mit Salz bestreut
dass sie den Schleim verlieren
den Tierschutz, der das Vieh betreut,
muesste man alarmieren.
Dann nimmt er sie mit spitzer Hand
trennt ab die Eingeweide
Wenn er sie auf dem Friedhof fand,
hatt er besondre Freude!
Dann braet er sie im eigenen Saft
und einer Knoblauchzehe
das letzte hzwar Beschwerden macht
bringt oft Magenwehe.
Doch nimmer er dieses gern in kauf
weil er total besessen,
von frueh bis spaet nur wartet
auf sein Weinbergschnecken-Essen.
Drum Schnecken spaet und Schnecken
frueh und Schnecken aller Enden
selbst vor der Predigt isst er sie
er will sie auch versenden:
erst neulich ging sein Angebot
an hoechste Kirchenkreise
bis man den Handel ihm verbot:
er nahm ja Wucherpreise!!!"

Die Antwort an diese Zeilen an das Bischoefliche Ordinariat zu Limburg kam vom Pfarrer auch prompt:

" ..Sie schrieben -von Seiten der Glaeubigen ist ihnen mitgeteilt worden, dass ich mich neben den Seelsorgspflichten der Zucht von Weinbergschnecken hingebe.
Solange diese etwas eigenartige Beschaeftigung nur dem eigenenHausgebrauch dient, haben wir nichts einzuwenden.
Wir wuerden es nur nicht gerne sehen, wenn diese Zucht zu einem Nebenerwerb wird- das heisst, wenn Schnecken gekauft und zu hoeheren Preisen weiterverkauft wuerden.
Wir bitten um Mitteilung, was an diesen Berichten seitens ihrer Glaeubigen wahr ist.."
Jamin: " Nun Gottes Guete hat es so eingerichtet, dass ich in der Pfarrei, neben ueblichen Suendern und Heiligen
auch reichlich Schnecken vorgefunden habe, mit denen meine Glaeubigen bisher nichts anzufangen wussten.
Man nannte diese Tiere unnuetz und ekelerregend.
Im Zeitalter der Genuss-Sucht sah ich in diesen Tieren einen Wink Gottes,-
durch den Genuss derselben wird die Tugend des Starkmutes und der Selbstueberwindung geuebt.
Wenn in den Behausungen anderer Geistlicher der Duft eines saftigen Schmorbratens das ganze Haus erfuellt und zur Gaumenlust reizt,
so empfindet er bei mir noch den kraeftigen erdhaften Duft einer garenden Schnecke,
welche zur Tugenduebung ansport und an die Erdverweisung erinnert.
Man muss um das Geheimnis des Schneckenwunders wissen.
Mancher Geistliche, dem meine Gastfreundschaft Schnecken servierte, sichtbar oder unsichtbar,
glaubt zunaechst vor einem Bußgericht zu stehen.
Isst er aber tapfer nach einer tugendhaften Ueberwindung dieselben, laesst der Lohn nicht auf sich warten.
Das Bußgericht wird in seinem Munde zu einer Delikatesse.
Um so froher lobt er Gott ob dieser Guete.
Von einer Zucht zu sprechen ist ebenso abwegig.
Diese Tiere sind friedlich und kennen keine Zucht.
Sie legen ohne jegliches Tun meinerseits Eier, und nach vier bis sechs Wochen sind junge Schnecken vorhanden.
Natuerlich muessen sie gefuettert werden.
Auch brauche ich die Schnecken nicht zu kaufen, sondern sie werden von mir auf Pfarrgrundstuecken abgelesen.
Besonders die Hecken unseres Friedhofs, auch jede von Priestergraeber, wie in Probbach, sind eine Quelle von Qualitaetswaren.
Sie sind besonders fett.
An einen Wiederverkauf ist nicht gedacht. Ich kaufe sie ja nicht.
Bin aber gerne bereit, dem Bischoefl. Ordinariat eine Kostprobe meiner selbst eingeweckten Weinbergschnecken, hergestellt nur unter Verwendung natuerlicher Zusaetze,
wie Zwiebeln und reichlich Knoblauch, kostenlos zuzusenden.
Dosen zu 25 und 50 Stueck stehen auf Abruf bereit.
Da die Tiere Kaltbluetler sind, koennen sie auch Freitags und an Fasttagen gereicht werden.
In der Hoffnung, sie eingehend informiert zu haben, sehe ich einer Auftragslieferung fuer die Kueche des Priesterseminars auch der Bischofskueche mit Freude entgegen.
Fuer Rueckfragen steht ich ihnen stets zu Diensten - hochachtungsvoll .."

Mein lieber Schwan, der hat Mut und Stil- das musste ganz einfach hier auf diese Seite, auch wenn ich der Meinung bin,
dass die Kirche ihre Darseinsberechtigung darin findet,
den "Schaefchen" glauben zu machen, nur durch deren hinzuerfundenen "liturgischen" Dinge
das goettliche Wohlwollen vermitteln zu koennen.
Wer "austritt", wird dennoch seinem Gott nahe sein- in jedem hohen Wald naeher als in den "Gotteshaeusern":
Wie schreibt das alte Testament so schoen?
Ihr sollt euch keine Altaere machen aus behauenen Steinen und meinen Namen nicht unnuetz im Mund fuehren..
Das soll in dieser Sache erst einmal genug sein!

In einer lebendig geschriebenen Familiengeschichte konnte ich lesen, dass die Fuhrleute in Gasthaeusern naechtigten,
dabei die Pferde getraenkt, gefuetter, evtl. gestriegelt oder gar neu beschlagen wurden, der Wagen repariert,
mit neuen Eisen auf den Raedern oder dieselben gerichtet, Achsen etc. repariert, das Pferdegeschirr geflickt werden konnte,
haben die Fuhrleute gegessen, getrunken und ihr Zimmer genommen.
Am andern Tag ging es durch das andere Tor aus dem Hof- so musste keiner wenden.
Als die Eisenbahn kam, sind dabei viele Arbeitsplaetze weggefallen!
Dienstmaedchen und Koechinnen hat heute auch kaum noch ein edler Haushalt - ggf. noch mal eine "400-Euro-Kraft", das wars dann auch schon.
Vermutlich laesst auch kaum jemand seine Schuhe in Handwerksarbeit herrichten oder gar herstellen, wenn nicht gerade ein orthopaedischer Fall vorliegt- aber:
Wir Wanderfreunde haben tatsaechlich noch Schuhwerk, das in aufwaendiger Handarbeit hergestellt worden ist..
Damals liefen alle gleich, ob Frau ob Mann oder Kind- in derben Lederschuhen herum, die mit Naegeln an den Sohlen und mit Metallspitze genagelt waren.
So schlecht waren die Wege, dass nur derartige Schuhe ein rutschfestes Fortkommen garantieren konnten.
Es war ueberall usus, dass vor dem Essen gebetet wurde und nach dem Essen ein Dankesspruch gesetzt wurde-
niemand haette sich getraut, bei Tisch zu reden oder aufzustehen, bevor nicht alle fertig und das Prozedere des Hausherren beendet war.
Selbstredend konnte sich auch niemand vor dem sonntaeglichen Gottesdienst druecken, ausser er war sehr krank.
Sparsamkeit war eine hohe Tugend, "Selbstverwirklichung", "Emanzipation" oder "Freizeit" etc. waren Fremdwoerter, die nicht mal in der Zeitung vorkamen.
Der Pfarrer sorgte schon dafuer, dass solche "sozialistischen Ideen" nicht zu sehr um sich griffen-
die Kanzel war so manchesmal ein kleines goettliches Strafgericht fuer die Gemeinde - und freilich auch politische Einflussnahme.

Auf meiner Seite "AlteRezepte.html" sind nochmal ein paar Dinge aus alter Zeit an euch, geneigte Leser und gerne auch Leserinnen- "vererbt",
bei denen auch die Kritik nicht zu kurz kommen darf.





Bei aller Freude ueber "neue" Dinge aus der Vergangenheit sind heute fundamentale Muehen von ehedem so leicht ueberwindbar geworden,
dass der Ursprung oftmals bereits verloren ging.
In dem Buch "Der Schusterjakob" von Ottilie Martin, Brunnenverlag 2003-
das ich in diesem Zusammenhang und in dem der sehr guten Darstellung der Lebensumstaende damals- ans Herz legen moechte,
wird sich eine Fuelle an Dingen finden.
(Mehr will ich nicht verraten, damit die Spannung bleibt- soviel bleibt versprochen:
Langweilig ist dieses Buch mit Sicherheit nicht!)

Ein Beispiel der fruehen Rechtschreibung, anhand einer Glockeninschrift:
die suender schreck ich
die schlafenden weck ich
die toden bewein ich
zum gebet ruf ich
des juemten gericht erinnere ich
zu der circh tho ich aufmahnen
die wetzflarer underthanen
in gottes namen flos ich
dilman schmid von aslar gos mich 1686
(Vater unser - Glocke zu dem Dom in Wetzlar)

Noch zu Anfang des 19.Jhds, waren die Haeuser der Stadt Wetzlar zumeist schlecht gebaut, schmal,
4 Stockwerke hoch- so fiel wenig Sonnenlicht nach unten, in die duesteren winkeligen steilen Gassen.
Uebel roch es damals, ueberall lag Mist und Dreck- die Einwohner schuetten die Abwaesser und Faekalen auf die Strasse-
die dort verrotteten - was auch die Handwerker taten:
Metzger und andere Gefache liesen ihren Unrat und Abwaesser einfach aus dem Hof laufen -
der Regen trug alles von der Ober- in die Unterstadt- prompt kamen im Sommer die ansteckenden Krankheiten.
Die Hebammen trugen - unwissend, das Kindbettfieber von Frau zu Frau.

Haeufig traten bei der Geburt Schwierigkeiten auf - Rachitis war in Wetzlar eine weitverbreitete Krankheit,
die meist auf "natuerlichem Wege" den Tod der Muetter brachte.
(Die Rachitischen Verkrueppelungen waren wohl in der Schuhgasse besonders- Fehlernaehrung,
Mangel an Sonnenlicht und Bewegungsarmut waren die Ursachen.
Die Geburten erfolgen noch gegen Ende des 18. Jhds. auf dem Boden, spaeter im Gebaerstuhl.
Der Stadtarzt half bei Problemen und machte einen Kaiserschnitt -
was bei diesen rachitischen Beckenveraenderungen meist lapidar hies:
"Durch Kaiserschnitt entbunden, Mutter starb 7 Stunden nach der Operation, Kind auch tot."
An ein Krankenhaus war noch nicht zu denken- ein Hospital hatte Raeume fuer lebensbedrohlich Erkrankte,
einen Raum fuer "Wutbefallene", ein Zimmer und eine Kammer fuer Besucher der Stadt-
auswaertige Kranke wurden nicht aufgenommen.

Typische Berufskrankheiten fuer Wetzlar waren im Sinne der Entstehung genannt:
Lungenentzuendung und Lungentuberkulose der Perueckenmacher, Strumpfwirker und Wollkaemmerer
fuehrte man auf das Einatmen von Haaren und Staub zurueck.
Mueller und Steinmetze wurden asthmatisch durch Mehl- und Steinstaub.
Schuhmacher und Schneider hatten Wirbelsaeulen- und Hueftgelenksveraenderungen.
Im Alter hatten sie Wassersucht und Brustbeklemmungen - Schreiber und Gelehrte wurden Hypochonder-
sie galten als Geisel der Aerzte!
Erkaeltungsinfekte gingen ephedemisch daher, wie Leberentzuendungen mit Gelbsucht
oder die Gicht mit ihren Gelenkveraenderungen und Fieberschueben,
auch Typhus trat so auf.
Die Tuberkulose wurde erst bei Blutstuerzen bemerkt..
Wegen der Tollwutgefahr wurden zu Beginn des 19.Jhds. viele Hunde getoetet.

Die Lebensmittel liesen oft die einfachsten hygienischen Grundsaetze vermissen.
In Wetzlar gab es zwar ein Schachthaus, aber noch keine Fleischbeschau-
der Marktmeister konnte sich gegen die Interessen der Zuenfte nicht durchsetzen.
So waren Lebensmittelvergiftungen nicht selten!
Heute sind die Zustaende zwar besser- die Zuenfte wurden durch die Industrie abgeloest,
die aber durchaus aehnlich reagiert und durch sogenannte "Lobbyisten" mehr als die ganze Bevoelkerung Europas bewirken kann.

Dramatisch:
Die Kinder waren noch im 17.Jhd durch Woelfe (die im Taunus noch haeufig waren) in ernster Gefahr,
wenn sie in den Nachbarort zur Schule gehen mussten!

Denkwuerdig ist, dass auch heute noch ausgebaute Verkehrsstrassen "Wege" genannt werden,
Ein abgelegener Holzrueckweg weist diesem Weg jedoch seit Menschengedenken den Ausdruck "Strasse" zu.
(Trompeterstrasse als Beispiel)
Der Begriff "Strasse" heisst "verbreitert, planiert, befestigt"
Diese Merkmale waren Fern- Handels- und Heeres-Strassen vorbehalten,
(lat. Stratum, Plural Strata, "Schicht, Decke"- vermutlich ist der Begriff noch aelter)
die in der Gegend Hessens schon 7-8000 Jahr in Gebrauch sind- die mittlere Steinzeit laesst gruessen.
Damals noch in feuchtwarmen Klima- aehnlich des heutigen Mittelmeeres- mit Haselnuss-Wald
und unglaublich vielen Seen, Teichen, Suempfen- weshalb die Strassen und Wege
ueber die Hoehen folgten, weil die Flussniederungen viel zu sumpfig gewesen sein muessen.

Im Weiltal soll noch im 30j. Krieg viel Wein gezogen worden sein!

Zusammenfassend laesst sich schon einmal sagen,
dass in den kleinen Siedlungen sich immer ein Schamane fand,
das war einer, der etwas heller war und sich komplexere Strukturen erarbeiten konnte.
Anfangs machten diese Schamanen Heilversuche, Metallgewinnung, Jagdwaffenverbesserungen bis Eheschliessungen,
sie sprachen Recht und hielten das Thing ab, die Versammlung.
Die "Ausbildung" zum Schamanen fuer einen begabten Nachwuchs dauerte viele Jahre -
So bildete sich schnell die spezielle Neigung heraus, wo sich ein Schamane mehr auf die Heilungkunst konzentrierte,
der andere war begabter in der Erklaerung uebernatuerlicher Dinge,
der naechste war gut in der Verwaltung/Jurisprudenz/Metallurgie etc.
Diese neuen Staende entsprachen den Bader und Barbieren, den spaeteren Aerzten und Chirurgen,
dem verwaltenden und rechtsprechenden Adel, der auch die Verteidigung innnehielt,
sowie denen, die dann Alchemisten genannt wurden - die heutigen Wissenschaftler oder Forscher
und denen, die Uebernatuerliches erklaerten, den spaeteren Priestern und Religionsfuehrern.

Das "peinliche Halsgericht" behandelte keine zivilrechtlichen Dinge, sondern mehr strafrechtliche:
Es gab noch kein Strafgesetzbuch, sondern die sogenannte "Carolina", die Constitutio Criminalis Carolina,
die zugleich Strafgesetzbuch, wie auch Strafprozessordnung war.
Vom Kaiser Karl V. 1532 zum allgemein gueltigen Reichsgesetz erhoben,
in welchem auch die Begriffe "Teilnahme", "Versuch" und "Nothwehr" festgelegt waren.
Die Strafen waren extrem:
Durch den Strang, mit dem Richtschwert, Vierteilung, Lebendigbegraben oder Feuertod auf dem Scheiterhaufen..

Der "Stab wurde gebrochen", wenn das Urteil gefaellt war, dann wurde der "Nachrichter (Scharfrichter) gerufen,
der den Suender zum Pfarrer fuehrte, der Trost spenden sollte.
Dann ging der Buettel vorweg um Platz durch die Menge zu schaffen-
mit Geleit ging der Schultheiss hinterher, der Scharfrichter und der Delinquent auf dem Weg zum Galgen.
Oberster Richter und Instanz war der Landesherr, Einsprueche waren schon aus der kuerze der Ablaeufe schwer denkbar.
"so man den armen Mensch zu der Gerichtsstatt bringet, soll er mit ernstem Fleiss an das Leiden Christi vermahnet werden"
Der Schultheiss hatte dafuer Sorge zu tragen, dass er "darselbst einen gerauten Kreis macht, damit der Meister an seinem Werk nit gehindert werd"
(Die Galgensaeule oberhalb Oberndorfs bei Braunfels ist die ehem. Gerichtsstaette derer von Solms)

Die "Landgaengerei" der armen Leute aus dem Westerwald war eine Mischung aus Betteln,
Hausieren und Verkaufen von selbst gemachten Sachen, vom Tand bis zu praktischen und wertvollen Utensilien.
Die Leute versuchten aus ihrer Not eine Tugend zu machen und zogen singend einher,
vom Fruehjahr bis zum Herbst auf weite Tour- manchmal bis nach Russland und nach Holland,
manche machten Geschaefte mit jungen Maedchen und Buben bis in den Orient.
So manche arme Familie verhoekerte die Tochter oder den Sohn,
viele landeten pulkweise in Amerika als Tanzmaedchen und "Deutsche Sklaven" im Ausland.
Aus diesen Sachen entwickelte sich eine Art Geheimsprache und Kauderwelsch, das aus Rotwelsch,
Englisch, Platt, Franzoesisch und Zigeunersprachen zusammensetzte-
das Ziel war, nur untereinander verstanden zu werden.
Sie trugen von 1820-1900 (bis das Land preussisch wurde und diesem Treiben Einhalt geboten wurde)
ihre Lieder und Dinge weit aus dem Westerwald weg und kamen mit Geld,
manchmal sogar mit recht viel Geld zurueck ins Dorf,
um den Winter ueber in Sauss und Braus zu leben, ausgelassen zu feiern..
"Hurdy-Gurdy-Girls" waren damals ein weit bekannter Begriff,
besonders bei feinen Herren der Oberschicht, die die Unerfahrenheit der Bauernmaedchen ausnuetzten.

Ein Beispiel des Einkommens eines Dorfpfarrers habe ich in Buechern ueber Geschichten
aus unserer Vergangenheit gelesen,
das ich euch nicht vorenthalten moechte:

Im Jahre 1730 sah der Jahreslohn so aus- Korn 8 Achtel, Gerste 2 Achtel, Weizen 1 Achtel, an Brot von jedem Mann in der Gemeinde
ein Laib, an Geld 14 Gulden, an Holz 2 Klafter. Dazu brachten die Kinder "Schul-Scheiter" zum Heizen mit,
fehlendes Holz durfte im Wald geholt werden.
Die Benutzung an 12 Morgen Acker, 19 Ruthen und 4 Schuh, an Wiese 1 Morgen 29 Ruthen.
Von jedem Kind, das zur Schule geht, bekam er nochmal 15 Kreuzer, von jeder Kindtaufe 2 Kreuzer.
Eine Leiche brachte 10 Kreuzer, bei jeder Hochzeit gab es eine freie Mahlzeit.
Die Aepfel und Birnen und das Gras, das auf dem Kirchhof wuchs gehoerte auch dem Pfarrer.
Im Schulbrief war ausserdem festgelegt, dass er 2 Schweine halten, eines davon im Wald maesten durfte.
Die Umrechnung auf heutige Verhaeltnisse gestaltet sich in mehrfacher Hinsicht schwierig,
weil die Lebensmittelpreise und die Einkommen anders waren, die Gulden hatten 240 Pfennige,
ein Kreuzer hatte 4 Pfennige an Wert,
Nun kostete ein Pfund Rindfleisch nur 4 Kreuzer,
ein Pfund Butter 10 Kreuzer und ein groesseres Huhn 18 Kreuzer.
Wenn er pro Kindtaufe 2 Kreuzer erhielt, konnte er sich immerhin 1/2 Pfund Fleisch,
fuer die 10 Kreuzer fuer eine Beerdigung 2 1/2 Pfund Fleisch
oder ein ganzes Pfund Butter kaufen, letzteres stand besonders hoch im Kurs.
Die ihm zustehenden 2 Klafter Holz waeren heute 8 Festmeter- heute kostet der Festmeter 65-70 Euro..
Das Korn gewichtet in heutigen Einheiten:
Roggen 640 Kilogramm (1 Achtel = 80kg) Also 14 Zentner-Saecke!
Die 2 Achtel Gerste waeren ueber 3 Zentner schwer und an Weizen auch noch mal 1 1/2 Zentner.
Die 14 Gulden "Festgehalt" waren schon nicht wenig,
wenn man sich die Durchschnittsbevoelkerung ansah- trotzdem jammerten die Pfarrer..

Zum Thema Bierbrauen:
Im Jahr 1749 ist enau umrissen, welche Ingredienzen in Marburg zum Biersieden verwendet werden durften:
"Die erforderliche Qualitaet Gerste oder Mlaz, sodann guter und unverlegener Hopfen und Wacholderbeeren."

1750 erlies Weilburg ein "Landesherrlicher Spezialbefehl", der jeweils Ende Maerz, Juli, September und Dezember das "Ruegegericht" tagen lies.
Einzelne Bestimmung daraus sind lesenwert:
"Wer aus Bosheit oder Muthweillen Obst- und Waiden-Baeume umhauet, soll ein halbes Jahr geschlossen im Schubkarren arbeiten"
"Wer von seinem Naechsten uebel redet oder ihn gar in das Gesicht laestert, soll solches mit 3 Gulden buessen."
"Wer den anderen gelind oder mit der Faust schlaeget, soll 5 Gulden erlegen"
"Wer aber den andern mit einem Stock oder andern Instrument hefftig oder gar blutruenstig schlaeget,
soll nach Befinden mit 10,20 bis 30 Gulden bestrafet werden."
"Wer kein Wasser in einr Buette oder Fass vor den Thueren hat, soll 15 Weisspfennige erlegen;
wer aber einen Brunnen vor dem Haus hat, ist hiervon befreiet."
"So jemand auf den Hoefen, Strassen, in Scheuer oder Staellen Taback rauchet, soll das erstemal 5 Gulden angesehen werden,
das zweitemal aber ein Vierteljahr im Schubkarrn arbeiten."
"Soll derjenige, der sich nach der Abendstunde badet, an Straf erlegen 2 Gulden."
"Die Spiel- und Spinnstuben, wie auch alle uebrigen unordentlichen Zusammenkuenfte bleiben bei 5 Gulden Strafe verboten"
"Wer mehr als einen oder zwei seiner Nachbarn zur Nachtzeit in seinem Hause duldet, soll allemal erlegen 10 Gulden."
"Das aberglaeubische Umbinden der Baeume mit Strohwinden in der Neujahrsnacht bleibt ebenmaessig bei 5 Gulden Strafe verboten"
"Wenn Kinder aus Nascherei oder Unverstand Gartenfruechte abbrechen und entwenden,
soll deren Zuechtigung den Eltern aufgegeben werden.
Waeren sie aber der Pubertaet nahe, sollen sie in den Schulen oeffentlich gepeitscht,
auch wohl durch den Buettel auf dem Rathaus in die Futter-Wanne gespannet und maessig gepeitscht oder aber in den Triller gestecket werden.
Reifen Burschen und Maedchen aber soll von den gestohlenen Sachen etwas aufgestecket und selbige solchergestalten durch den Buettel
mit vorgehender Trommel durch die Strassen gefuehret,
oder aber statt des Umfuehrens eine oder mehrere Stunden an das Hals-
oder Fusseisen gestellt und angeschlossen werden."

Goethe meinte "ich ging im Walde so fuer mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.."
- er konnte das auch, denn er war der Herr Minister in Weimar:
Der einfache Mann jedoch war der Zugang zum Wald in bestimmten Zeiten des Jahres verschlossen, wenigstens in Hessen..
"einige Unserer Unterthanen zur Unzeit in die Waelder gekommen"
So befahl der Landgraf dem Schultheissen
"an alle und jeden zu dem Euch anvertrauttem Ambt
gehoerigen Orten oeffentlich verkuenden zu lassen,
dass forthin die Waldungen in Unserem Lande und Angehoerungen im Fruehling
fuenff Tag vor Pohien- biss auf Medardi Tag im Herbst aber von Mariae Geburth
an biss fuenff Tag nach Galli alles nach dem jetzigen neuen beschlossen gehalten
und diejenige sich ohne sonderbahre erlangte Erlaubnis zu gedachten Zeiten darinnen betreten lassen
mit der darauf gesetzten Straff ohnnachlaessig belegt werden sollen"
Somit war die Zeit vom 10. Mai bis 8. Juni und vom 8. September bis 21. Oktober
fuer die Bevoelkerung verboten, (71 Tage) damit der Fuerst
und ihro Gnaden nicht bei der Jagdausuebung gestoert wurden.

Die rote Kornrade ist laengst ausgerottet- damals hat man deren giftige Samen noch mitgemahlen,
genau wie das Mutterkorn, das im Korn verborgen
fuer Erkrankungen sorgte, die bis dato keiner kannte.

Die Spinnstube im Westerwald war wohl eine wunderbare Einrichtung,
die bei dem eisigen und schneidenden Wind und zugeschneiten Zeiten fuer ein wenig Abwechslung sorgte- viele dieser Erinnerungen sind laengst verschuettet.
Ab und an stosse ich nochmal auf ein paar Schilderungen, die hier freilich ihren Niederschlag finden duerfen und sollen:
"Auf den Hoehen des Vogelsberges", so sagt die Ueberlieferung, sei es "ein dreiviertel Jahr Winter und ein viertel Jahr kalt gewesen.."
In einer langgestreckten Hofraite befand sich die ganze Familie am gusseisernen, mannshohen Ofen,
der auf vier Fuessen stand und eine behagliche Waerme verstroemte..
Ein alter Bauernschrank, der mit Schnitzereien verziert war, ein grosser eichener Tisch mit Stuehlen,
eine kleine Kommode und der unvermeidliche Blumenstaender aus alten Tagen waren die Einrichtung.
Im Lehnstuhl hockte die uralte Grossmutter, die gerne erzaehlte, was sie erlebt hat.
So einfach kommen Fremde mit dem wortkargen Menschenschlag nicht klar, wenn das Eis aber ersteinmal gebrochen ist..
Die alte Petroleum-Lampe mit ihrem warmen, gelben Schein leuchtete das Surren und Schnurren
des Spinnrads mischte sich in das Lachen der Burschen und Maedchen,
Lieder wurden gesungen, waehrend die Maedchen spannen.
Die Alte erzaehlt weiter, wie die Burschen nicht scheu oder tatenlos auf der Ofenbank blieben,
sondern sich die Zeit mit Neckereien vertrieben.
Man schnitzte Loeffel und Rechen oder huebsche Kuchenteller- geschickte Haende flochten bunte Koerbe.
Um die 10. oder 11. Stunde erklang dann die Ziehharmonika und alles, ob alt oder jung drehte sich im Kreis.
Ans Arbeiten dache bis zum Heimgehen dann niemand mehr, so sinnierte sie.
Ja, es war eine schoene Zeit damals, fuer uns wr der Walzer das Schoenste- meint die Alte,
Sehen sie das Bild auf der Kommode- das ist mein verstorbener Mann. Den habe ich in einer Spinnstube kennengelernt.
Vor ueber 60 Jahren. Ich war damals als 19j. Maedel zu Gast, als mich die aeltere Cousine dort hin schleppte.
Als wir damals ins haus traten, scholl uns helles Lachen entgegen -
auf dem Tisch tuermten sich Berge von Kuchen und in der Ecke standen
weitbauchige Korbflaschen mit selbstgemachtem Apfel- und Johannesbeerwein..
(Das ist uebrigens auch einer der Gruende, weshalb ich meine Rezepte ins Web gestellt habe)
Fast die ganze Dorfjugend hatte sich versammelt- etwas schuechtern und verlegen erzaehlt sie weiter, drehte ich an meinem Taschentuch.
Als Staedterin fuehlte ich mich recht verlassen, aber nach einer halben Stunde war das Eis geschmolzen,
lachend und scherzend sass ich unter den anderen.
Gesponnen wurde an diesem Abend nicht, man war zusammen gekommen, um das Spinnjahr anzutrinken-
es war Brauch, dass nach getaner Feldarbeit die Spinnstube "angetrunken" wurde.
Als einen schoenen Brauch wurden die AbgaengerInnen des letzten Schuljahres in die Spinnstube aufgenommen.
Die 14-15 Jaehrigen versammelten sich mit dem Spruch "Die Buben und Maedchen,
die dieses Jahr aus der Schule gekommen, und wollen zu euch in die Spinnstube rein..
so fragen wir euch, kann das jetzt sein?"
Die Antwort kam sogleich:
"Gewiss, gewiss, sie sind willkommen und in die Spinnstube aufgenommen.."
Danach zahlten die Juengsten ihren Einstand in Form von Geld oder Getraenken.
Der Obstwein lockerte bald die Gemueter und schliesslich schwangen sich alle im Tanz, der bis in die spaete Nacht dauerte.
Auch an die Armen des Dorfes wurde gedacht und manches Paar Struempfe gestrickt, die dann zu Weihnacht verteilt wurden.
Damals litten noch viele unter der Not.

Die "Lange Nacht" des 21. Dezember, die alt und jung auf die Beine brachte- da schleppte man Kuchen ueber Kuchen zum Backhaus.
Bis zum naechsten Tag wurde durchgetanzt, dann gingen die Burschen von Haus zu Haus um zu pruefen,
welche von Maedchen den besten Kuchen gebacken habe..
Die Siegerin wurde dann zur "Spinnstuben Koenigin" erkoren - diese Spinnstuben und Braeuche brachten viel Freude im Dorf.

Dazu meinte der "Grossherzogliche Hessische Kreisrath":
"Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, dass in allen Ortschaften des Kreises Giessen,
in der einen mehr wie in der anderen, auf Fastnacht und in der ganzen Woche, in welche die Fastnacht faellt,
von der erwachsenen Jugend der Gemeinden durch Schmausereien, Trinkgelage und rohe Belustigungen mancherlei Art
vieler Unfug betriebenw ird, dass namentlich von saemtlichen, eine s.g. Spinn-Gesellschaft bildenen Maedchen
Viktualien in grosser Masse zusammengebracht und gemeinschaftlich mit den hinzugekommenen Burschen, welche den Branntwein stellen,
verzehrt werden, dass solche Gelage meistentheils bis tief in die Nacht fortgesetzt werden,
hierdurch haeufig die oeffentliche Ruhe gestoert und der Unfug sogar mehrere Tage hintereinander von denselben Gesellschaften fortgesetzt wird.
So wenig man auch die Absicht hegt, der Jugend ein erlaubtes und anstaendiges Vergnuegen zu versagen, so muss doch Excessen dieser Art,
welche zu groben Unsittlichkeiten Veranlassung geben und den eingekommenen Berichten bereits vielfach wirklich gegeben haben, nach Moeglichkeit entgegengewikt werden."
Davon mal abgesehen, dass die wildesten "Excesse" bei den Oberen und Adligen stattfanden, wozu die Dorfbevoelkerung kaum die Phantasie hatte-
ging es den Herrschaften doch nur um die Sorge, dass die "Gemeinen" oder "Unterthanen" genug uebrig hatten,
um die Abgaben an den -nichtstuenden- Kluengel abzudruecken..
"Indem ich ihnen daher, mit Bezug auf die wegen dieses Gegenstandes Statt gefundenen, ihnen bekannten, Eroerterungen,
dringend empfehle, vor Allem durch die geeigneten Belehrungen und durch ernstliche Ermahnungen, namentlich der Eltern,
Wiederholungen und dergleichen Ungehoerigkeiten zu verhindern zu suchen und das Verbot der oeffentlichen Ruhestoerungen
in der Fastnachtswoche mit besonderer Aufmerksamkeit und Sstrenge handhaben, weise ich sie noch besondere an:
(nana, wer hat denn da immer Carneval und mit Masken gespielt, in "Lustgaerten" und "Lusthaeusern"
die Zeit mit schraegen Damen und sogar mit gleichen zugebracht, was man sonst nur bei Schnecken vermutet?)
Weiter im Text der hohen Belehrung und wilden Anordnungen:
"1. die Bestimmung der Verordnung von 1812, wonach bei Zusammenkuenften in den Spinnstuben keine unsittlichen Lieder gesungen,
keine Gastereien gehalten, keine berauschenden Getraenke genossen, und die Hausvaeter und Hausmuetter,
welche diesen Bestimmungen entgegenhandeln, mit angemessener Strafe belegt werden sollen -
sogleich durch wiederholte Publication einzuschaerfen, sodann darauf zu halten, dass dieser Verordnung nachgelebt wird.
Uebertretungen dieses Verbots aber zur Anzeige zu bringen, ueberdies:
2. solche Zusammenkuenfte, bei welchen die erwaehnten verbotenen Handlungen
der oeffentlichen Ruhestoerung vorkommen, alsbald zu schliessen und diejenigen Betheiligten,
welche Ihrer oder des Ortsdieners Aufforderung zur Entfernung nicht Folge leisten,
zu arretieren und in ihre Wohnungen zu verweisen"
(Der Bischof und der Graf hatte freilich unterirdische Gaenge zu den Frauenhaeusern, oft genug auch zum Nonnenkloster.)
Weiter im Text:
"3. Keinem Wirthe in der Fastnachtswoche erlaubniss zur Verlaengerung der Feierabendstunde zu ertheilen,
vielmehr die Wirtshaeuser puenktlich zur bestimmten Stunde schliessen zu lassen.."
Die haesslichen Eigenschaften, die man uns Deutschen nachsagt, entstammen diesem Denken und Sprachduktus,
das heute noch in Anfluegen spuerbar wird..
von den Dorfbewohnern kommen solche "Vorschriften" bestimmt nicht, die stammen von den Kontrollfreaks, wie heute auch!
Weiter im Text:
"endlich: 4. Umzuege in den Strassen zur Nachtzeit durchaus nicht zu dulden.
Ich hoffe, dass sie sich jetzt und in Zukunft ernstlichst angelegen sein lassen,
dem bezeichneten sittenverderblichen Unfuge zu steuern und dass es ihren Bemuehungen gelingen wird,
denselben fuer jetzt wenigstens zu vermindern, sowie fuer die Folgezeit ganz zu beseitigen."

Nassauer "Brocksel"
In Dehrn an der Lahn, durch Schnaps bekannt, entstand lange vor der vorletzten Jahrhundertwende die "Nassauer Brocksel".
Die schwer arbeitenden Leute trafen sich nach der Schicht oder der Feldarbeit in der Gastwirtschaft
zu einem Klaren mit Lebkuchen, der an Ort und Stelle gebacken wurde.
Ebendieser Lebkuchen war knallhart, weil er nicht so lange muerbe liegen lassen wurde-
deshalb tauchte man jenen in den Schnaps, um weicher beissen zu koennen..
Irgendwann fiel der Wirtin etwas dazu ein und so schnitt sie den Lebkuchen in kleine Stueckchen,
ueberzuckerte diese und goss Dauborner Schnaps drueber- dass die Lebenkuchen gerade so schwimmen konnten.
Das muss ein Erstaunen gewesen sein, das den Wirtsgaengern an Ueberraschung an den Tisch getragen wurde-
mit Loeffel in einer grossen Schuessel serviert!
Das war neu und hat sich wohl als Sylvestertradition in vielen Orten Hessens eingebuergert..

Ab und an treffe ich bei meinen Streifzuegen durch die Voilanten der staedtischen Buecherei
auf Werke feinsinniger Schwermut "ausgestiegener" Soehne reicher Eltern,
die in ihrem Selbstmitleid eine dichterische Zukunft hervorbrachten,
die nutzloser und duesterer kaum sein konnte.
Sie schufen eine verquarste Geisteselite, die spiessiger war als die Alten, deren eigene Eltern,
auf die sie nur solange herabsahen, bis deren Beziehungen interessant wurden, der brotlosen Kunst den Bauch zu fuellen.
Dabei kam der Buecklung weitaus tiefer, als das erhobene Kinn,
der trutzig zurueckgeworfene Kopf des um Anerkennung ringenden Sprosses
vor dem -oft unkommentierten, ja unbemerkten Stolperns vor dem eigenen Ego.

Was schert uns "Heimatkundler", was Dichter dachten, wie sie nach oben buckelten,
um aus der Schatulle der Maechtigen etwas zu erbeuten, wie ein Hund,
der Maennchen macht?
Mich interessiert nur das, was die einfache Bevoelkerung damals kuemmerte..

In jedem Dorf war eine Geraeuschkulisse aus Hahnengeschrei, Hundegebell,
Gemuhe der Kuehe, Klappern von Milchkannen, Hammerschlaege aus der Schmiede,
das Schleifen und Saegen des Tischlers und aehnliche Eindruecke-
untermalt von gelegentlichem Glockenschlag der kl. Kirche.
Hier in Hessen kann man solche Dinge noch erleben, wenn auch mit Motorenlaerm uebertuencht-
so mancher haelt sich wieder Huehner, kann sich an den Kueken erfreuen,
die wie goldgelbe Baellchen hinter der Glucke herlaufen, unter ihr Gefieder klettern, wenn diese in der Erdkuhle hockt.
Die Grossvieh- und Schweinehaltung ist aus den Ortskernen gewichen und in abgelegene Gehoefte zentralisiert,
die alten Bauernhaeuser sind aber vom Leerstand bedroht,
die Scheunen sind schon lange leer und stehen nutzlos herum.
Das Backhaus ist schon weit frueher abgerissen und in den Hessenpark verbracht worden,
das Spritzenhaus ist auch nicht mehr das, was es mal war.
Doerfer wurden zu Trabantenstaedten und Schlaf- und Wohnstaetten der Pendler und zum Wohnort von Rentnern.

Anno dunnemals - nach dem 30j. Krieg, kam die Backesverordnung, weil sehr viel weniger Holz durch gemeinsames Backen verbraucht wurde
- noch davor hatte jedes Haus einen Backofen.
Wir erinnern uns, dass "Backwellen" den Backes durch die grosse Ofenklappe aufheizte-
der Grannen zeigte, ob die Backtemperatur stimmte,
schier anhand der Farbe, wenn jener kurz in den Backraum gehalten wurde.
Anschliessend wurde der Ofen ausgeraeumt und die Holzkohle geloescht und gesammelt,
weggeworfen wurde nichts, sondern alles wurde anderweitig weiter verwendet.
Selbst die Ofenasche diente noch einem guten Zweck- zum Verbessern der Gartenerde.
Neben der Ofenklappe war ein kl. quadratisches Loch mit Schieber, dort kamen ein paar Holzspaene hinein,
die hell aufloderten- so konnte man den Backraum beleuchten:
Leuchtspaene!
Links angefangen, wurden die Brote zu viert neben- und zu viert voreinander eingeschossen
und die Ofenklappe geschlossen- fuer eine Stunde- dann kamen die Brote wieder heraus,
wurden mit Wasser eingepinselt und wieder fuer ca 15 Minuten eingeschossen.
Schoen braun sollten sie sein und vor allen Dingen haltbar!
Gebacken wurde nur alle 14 Tage- das letzte Brot soll ziemlich hart gewesen sein.
Nach dem Brot kam der Kuchen dran- der nur 20 Minuten benoetigte.
Pflaumen- und Riwwelkuchen- der zum Abkuehlen mit dem Blech auf die nahe Wiese gestellt wurde-
was die Kinder zum Stibizen einlud ..

Bei dieser Gelegenheit darf ich mein Rezept
"Kuhfladen"
empfehlen- beim Genuss dieses Essens ist die alte Zeit recht nahe, zumindest gedanklich.

Das selbstgebackene Brot - ganz ohne Chemie - ist heute bei uns wieder da:
Brotbacken
Vor 1900 kam die frisch gemolkene Milch in grosse Steingutschuesseln, die man Satte nannte, hinein geseiht -
durch ein Leinentuch oder feines Sieb laufen lassen.
Diese Milchsatten kamen im Sommer in den Keller in den Sattenschrank,
der mit feinstem Drahtnetz in den Tueren den Schaedlingen den Zutritt verwehrte.
Nach etwa drei Tagen war die Milch geronnen, der Schmand (Rahm) hatte sich an der Oberflaeche gesammelt.
Der Schmand wurden von der geronnen Milch abgenommen und in das hoelzerne Butterfass getan
und so lange gestossen, bis Butter daraus wurde.
Damals hatte jeder Kuhhalter eine Zentrifuge, in jene die noch warme Milch eingeseiht wurde.
Beim drehen zentrifugierte der Rahm in einen Behaelter und die entrahmte frische Leiermilch lief in einen zweiten Behaelter.
Der Rahm wurde in Steingut-Toepfen (Milchdeppe) zugedeckt im Keller und im Winter in der Kueche aufbewahrt,
bis er ganz steif und sauer war.
Das Butterfass wurde gruendlich gereinigt- klar- Fingerspitzengefuehl war bei der ganzen Arbeit schon gefragt, auch klar.

Die entrahmte Frischmilch wurde zum Gerinnen in Steingut-Toepfe an einen warmen Platz in der Kueche -zum sauer werden- verbracht.
Die gedickte Milch musste sehr fest geronnen sein, dann kam ein grobes Sieb an die Reihe,
wo die Molke von der Kaesemasse ablaufen konnte.
Die feste, trockene Kaesemasse kam in eine Schuessel und wurde auf die hintere Herdplatte gestellt-
nach ein bis 2 Tagen wurde diese leicht gelblich-
die Zeit zum Wuerzen mit Salz und Kuemmel war gekommen.
(Mit den Haenden eingeknetet.)
Aus der fertigen Masse wurden tennisballgrosse Kugeln geformt, die auf ein Kaesebrett gesetzt wurden.
Oberhalb des Kuechenherdes war auf zwei Eisen der Platz fuer das Kaesebrett, ein feines Tuch hielt die Muecken fern.
Die Kaese mussten eine Woche lang taeglich gewenden werden, anschliessend mit Salz oder Essigwasser gewaschen,
um dann in einem Steingut-Topf (Kaesdebbe) aufeinandergeschichtet - auf den Verzehr zu warten.

So ein Handkaes ist nur dann richtig schmackhaft,
wenn keine weisse Stelle mehr in der Mitte zu sehen ist, er wird hellgelblich - glasig.
"lactosefrei" ist er sowieso und gesund auch - eine reine Geschmacksache,
ich mag ihn sehr und lasse (den gekauften Handkaese) so lange im Kuehlschrank liegen, bis er richtig reif ist.
Ablaufdatum hin, Ablaufdatum her:
Handkaes auf meine Art

Den Weidenkorb auf dem Kopf, der auf dem "Kitzel", dem mit Wolle gefuellten runden Kissen,
ging die "Hockefraa" Dienstags zu den Bauern der umliegenden Doerfer, um Eier und Butter aufzukaufen.
Es sollen einige hundert Eier gewesen sein, die sie zu 5 Pfennige das Stueck einkaufte,
Butter kaufte sie zu 80 Pfennigen ein.
Am Vorabend des Marktes wurden die Viertel- und Achtelpfundstuecke abgewogen und in Pergament verpackt.
Die Eier lagen also zusammen mit der Butter in dem Weidenkorb, auf dem Rhabarberblaetter oder Bachblaetter gelegt wurden, das hielt die Hitze ab.
Morgens um 3 Uhr ging sie zu Fuss zum Bahnhof Weilmuenser, gegen 4 ging der Zug ueber Graevenwiesbach, Usingen nach Bad Homburg zum Markt.
Dort hatte sie ihre festen Kunden, die dann die Eier zu 7 Pfennig das Stueck kauften.
An der Butter hatte sie dann 10 Pfennige das Pfund und an den Eiern 2 Pfennige das Stueck verdient.
Aber Obacht:
Stolpern durfte sie auf dem Waldweg zum Bahnhof nicht!

1601 erhielt Weilmuenster das Marktrecht.
Der Oberschultheiss und der Unterschultheiss als Marktvogt und der Marktmeister,
sein Gehilfe ueberwachten das Marktgeschehen.
Der Marktbeginn wurde durch das hissten der Marktfahne angezeigt.
Ein Aufgebot der Landmiliz unter Fuehrung des Buergerleutnants kontrollierten die Strassen und sorgten fuer Ruhe und Ordnung.
Die Zunftmeister achteten ihrerseits darauf, dass nichts aus dem Ruder lief-
das Ziel war freilich, dass moeglichst viele einheimische Bauern und Haender unterstuetzt wurden.
Fremde Haendler wurden von Maerkten in Schwaermen angezogen- sie naechtigten in den Gasthaeusern,
die wiederum strenge Vorlagen der preislichen Gestaltung hatten, sonst haetten sie die Situation ueber Gebuehr ausgenutzt-
wie das heute bei grossen Messen zu sehen ist.
Bis zu hunert Staende wurden gezaehlt am Neumarkt am Sand, als der Viehmarkt hinzu kam.
Kuehe, Rinder und "Anbinder", Jungrinder oder Faersen wurden am Gelaender der Weil festgebunden,
dann wurde gefeilscht was das Zeug hielt.
Bis zu 3 Tage lief das "Widerrufsrecht"- der Vertrag wurde per Handschlag gemacht.
Nebenan war der Ferkelmarkt, die Tiere waren in Kastenwagen verbracht, die dick mit Stroh ausgestreut waren-
damit alles weiss und rosig aussah.
Die Schweinchen wurden am Pfingstmarkt gekauft um bis zum Winter schlachtreif zu werden.
Damals wurde ein Schwein ein Jahr alt und musste dicken Speck angesetzt haben.
Auf dem Markt wurden allerlei Waren verkauft und keiner ging von dort weg, ohne wenigstens ein Stueck gekauft zu haben-
und anschliessend noch ein Viertel warme Fleischwurst verzehrt, ein Bier und einen Korn dazu getrunken zu haben.
Der Markt war schliesslich auch Treffpunkt von entfernt wohnenden Verwandten und Bekannten, dort wurden auch Freundschaften geknuepft und-
wie besonders auf dem Land ueblich, jede Menge spontanen Tratsch gehalten.
Jeder grosse Markttag endete mit einem Tanzvergnuegen im Rathaus-Saal oder unter der Linde.
Spaeter kamen noch Kettenkarussell, Kinderkarussell, Schiffschaukel, Schiessbuden, Gluecksraeder, Schau- und Losbuden dazu.
Heute werden 14 Kram-Maerkte im jahr abgehalten, der Viehmarkt ist in die ferne Markthalle abgezogen.

(War ein Kranker im Krankenhaus verstorben, wurde der Sarg mit dem Pferdewagen zurueck in das Heimatdorf gefahren;
in den am Weg gelegenen Doerfern musste aber vom Buergermeister die Durchfahrt genehmigt werden,
ansonsten mussten sehr beschwerliche Umwege gekarrt werden.)

Ein heisses Buegeleisen auf dem Bauch hat es wieder gut gemacht..
Alte Hausmittel aus uralten Zeiten sollen nicht vergessen sein!
Von Generation zu Generation muendlich weitererzaehlt, will ich hier einmal ein paar nennen:
Die Heilmittel wurden in den Kloestern erprobt und dann an die Bevoelkerung weitergegeben.
Heilpflanzen brachten in Form von Tee oder in Salben Hilfe und Linderung.
Die gebraeuchlichsen waren:
Bei Grippe wurde Lindenbluetentee getrunken und das Bett mit einem heissen Backstein, den man in Zeitungen oder Lappen packte, vorgewaermt.
Dann musste der Kranke tuechtig schwitzen.

Fieber senkte man mit Wadenwickeln. Dafuer benutzte man nasse Tuecher,
machte kalte Quarkumschlaege oder legte einen aus Lehm und Essig gemischen Brei auf.

Bei Husten gabe es vielerei Rezepturen:
Man hoehlte eine Dickwurz oder einen Rettich aus, streute braunen Kandiszucker hinein und lies das Ganze ueber Nacht stehen.
Es bildete sich ein Saft, der dann loeffelweise eingenommen wurde.
Auch rohe Zwiebeln konnte man so in einen Hustensaft ansetzen.
Heute noch gebraeuchlich ist der Zwiebeltee..
Dafuer werden rohe Zwiebeln mit braunem Kandiszucker und Wasser dicklich eingekocht, abgeseiht und getrunken.
Hinzu kamen noch die Brustwickel.
Es wurde ein Leinentuch angewaermt, auf dieses gab man Schweineschmalz oder geriebenen Speck,
streute geriebene Muskatnuss darueber - das kam auf die Brust gelegt.

Halsschmerzen linderte man ebenfalls mit Umschlaegen, aus geriebenem Speck oder heissen, zerdrueckten Pellkartoffeln.
Mit Salzwasser, Salzheringswasser oder Branntwein wurde gegurgelt.
Manche banden sich "einen linken Strumpf um den Hals" !

Geschwaermt wurde bei Schnupfen- in einem Topf wurde Kamillentee gekocht,
man hielt den Kopf drueber und bedeckte alles mit einem grossen Tuch.
So atmete man den Dampf durch die Nase ein, schwitzte und machte so die Neben- und Stirnhoehlen frei.

Ohrenschmerzen linderte ein Leinensaeckchen, das mit heissen Kartoffeln gefuellt war,
auf das man sich mit dem Ohr legte- den ganzen Kopf mit ungewaschener Schafswolle eingepackt,
wurde ein Tuch um die Sache gebunden.

Blasentee kochte man vom Schachtelhalm.

Blaehungen und Magenschmerzen: Fenchentee, Kuemmeltee oder Holundergelee.

Furunkel oder Abzess kamen zur Oeffnung, indem man Blaetter des Roemisch Kohls und gekochten Leinsamen in einem Saeckchen auflegte.
Heisse Kartoffeln sollen auch geholfen haben.

Warzen wurden mit dem gelben Saft des Schoellkrauts oder durch Einreiben mit Schulkreide ! vertrieben worden sein.

Mit getrockneten Pflaumen, die eingeweicht und gegessen wurden, ging man gegen Darmtraegheit an.
Bei Verstopfungen fuehrten Zaepfchen aus Kernseife zum Erfolg.

In Kernseife badete man entzuendete Finger, auch Umlauf genannt.

Bei Lungenkrankheiten wurde Hundefett empfohlen.

Bei Zahnschmerzen wurde mit Branntwein gespuelt und das Koepfchen einer Nelke in den hohlen Zahn verbracht,
Zaehne putze man damals mit Salz oder Schlemmkreide.

Das "Kopfwehtuch" wurde fest um den Kopf gebunden und so lange getragen, bis man keine Schmerzen mehr hatte.

Erfrierungen an den Fuessen -oft durch schlechtes Schuhwerk entstanden-
wurden mit Dachsfett behandelt oder mit einem Sud aus Eichenrinde oder Efeu.

Lebende Schafslaeuse in einem Butterbrot versteckt, sollen gegen Gelbsucht helfen.

Bei Rheuma wurde ein schwarzes Katzenfell, warme Pellkartoffeln oder Kastanien an die erkrankten Stellen gebunden-
der sogenannte "Vorlauf" des ersten Destillats beim Schnapsbrennen anfaellt,
mit jungen Fichtenzweigen angesetzt- zur Anwendung gebracht.

Bei heissem Wetter legten sie die Frauen bei der Feldarbeit grosse nasse Blaetter auf den Kopf, unter das Kopftuch.

Woechnerinnen mussten 9 Tage "platt, wie gebuegelt" liegen.
Sie durften erst "uebers Floss" (Strassenrinne), dh. das Haus verlassen,
wenn sie den Gottesdienst besuchen oder das Kind taufen lassen wollten..
Als Essen gab es nur die Kindbettsopp (Suppe, die aus geroesteten Weckbroeckchen, Wasser, Milch und Butter gekocht wurde).

Seit ungefaehr 1747 wird in unserem Land die Runkelruebe angebaut, die unter vielen Bezeichnungen bekannt ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Futterr%C3%BCbe
Anspruchsvoll im Boden, mussten Salpeter, Phosphor, Kali und Kalk - heute Kunstduenger - zugesetzt werden, damit diese Pflanze gut wuchs.
Zuerst wurden die Pflaenzen vorgezogen, dann der Acker vorbereitet und Daemme angelegt, auf die dann die jungen Pfaenzchen gelegt wurden.
Frauen oder Lohnarbeiter pflanzten diese dann ein und gossen an.
Spaeter kam die Kopfduengung, ggf. auch noch weitere Waesserungen dran,
Unkraut musste ausgestochen werden, damit die Pflanzen genug Licht zum Gedeihen bekamen.
Alles war muehsame Handarbeit- bis die Maschinen einen grossen Teil (zumindest der Erntearbeit) abnahmen.
Ehedem mit der Hacke ausgehackt, von den Blaettern befreit,
wurden die in langen Reihen liegenden Rueben auf den Wagen geladen,
um in einer speziellen Anlage im Bach gewaschen und nach Hause gefahren zu werden.
Meistens wurden die Rueben gehaechselt und verfuettert,
in Mieten -mit Erde abgedeckt- ueber den Winter eingelagert.
Die frischen Ruebenblaetter waren willkommenes Viehfutter-
Kinder hoehlen noch heute die Rueben aus, schnitzen gruselige Gesichter heraus,
stellen eine Kerze hinein, um ihren Schabernack in der Dunkelheit zu machen.

Der Ortsdiener schellte aus, wenn die Heuernte anstand.
Zu der Zeit, dass die Grassamen beim Schnitt ausfallen konnten,
damit sich das Gras selbst wieder regenerieren konnte.
Bis dahin hatten die Bauern die Geraetschaften wieder repariert und klar gemacht-
und so ging es zwischen 3 und 4 Uhr morgens in die Wiesen..
..um 7 verlies einer aus der Familie die Heuernte und ging zum Hof um das Vieh zu versorgen und Fruehstueck zu machen.
(Das Gras laesst sich leichter schneiden, wenn es noch feucht vom Tau ist)
So hoerte man schon sehr frueh das Schaerfen der Sensen und Sicheln im Dorf -
bis zu 3 Wochen lang ging man bis es dunkel wurde in die Wiesen.

Der Jahrgang 1860 erzaehlt:
Angebaut wurden Korn (Roggen), Weizen, Hafer, Gerste, Raps, Lein und Linsen, Klee, Kohlraben und Dickwurz (Rueben),
Lein- auch Flachs genannt und Linsen.

Das "Kaffeebrennen" war eine Sache der Notzeit- manche hatten noch lange so ein gutes Stueck auf dem Speicher aufgehoben-
In vielen Haushalten wurde aus Gerste, Korn oder Weizen gebrannt-
was zum Teil auch in einem gusseisernen Braeter mit Deckel und Ruehrwerk
oder in eisernen Pfannen geschah.
Emsig mussten die Koerner ueber lebhaftem Holzfeuer geruehrt werden.
Ab und zu wurde der Deckel geoeffnet, damit der beissende Roestdampf abziehen konnte,
sonst wurde der Kaffee bitter im Geschmack.
War der Inhalt schoen braun geroestet, wurde mit einem breiten Holzloeffel geruehrt und zum Erkalten gebracht.
Ohne das Kaltruehren nahm die ganze Nachbarschaft den beissenden Geruch wahr, der drei Tage durchhielt.

Das Bucheckern-Sammeln war in Notzeiten eine gute Moeglichkeit fuer die ganze Familie,
gemeinsam saeckeweise sorgfaeltig saubere Fruechte einzusammeln, getrocknet,
die dann in der Schlagmuehle abgegeben und in einem Buechlein vermerkt wurde.
War das Kontigent gemahlen und gepresst, wurde das Oel -entsprechend der gesammelten Menge- verteilt:
Aus einem grossen Fass wurde in mitgebrachte Gefaesse abgefuellt.
Das gab ein feines, klares Oel, das vielfaeltig eingesetzt werden konnte.
(Die Buchen tragen leider nur alle 7 Jahre Bucheckern)

Die Menschen der Doerfer waren mit Reichtuemern wahrlich nicht gesegnet,
sie hatten ein bescheidenes Auskommen,wozu oft eine kleine Landwirtschaft beitrug.
Ihre Ernaehrung war der Lebensweise angepasst und deftig.
Die selbstgestossene Butter wurde beim Gemischtwarenhaendler gegen Graupen, Zucker Essig usw. eingetauscht.
Die Zwetschen- und Birnenernte war ein arbeitsreicher Einsatz, der fuer das ganze Jahr einen guten Brotbelag sicherte.

Einige Leute hielten Gaense- die zweimal im Jahr gerupft wurden:
Der Kopf der Gans unter dem Arm, mit einer Hand die Fuesse festgehalten,
mit der anderen Hand wurden die lockeren Pflaumfedern ausgerupft.
Die Federn wurden in einem Kessel unter Ruehren keimfrei gemacht und in einem grossen Bettbezug auf dem Speicher getrocknet.
Um Maria Lichtmess (2.Februar), wenn die Tage laenger wurden und es draussen recht kalt war,
traf man sich in der warmen Wohnung zum Federschleissen.
Das war eine Sache, die erst mit den Heimatvertriebenen zu uns kam.
Die Hausfrau hatte zuvor fuer Kaffee und Kuchen gesorgt, genuegend Inlett besorgt, so konnten die Frauen loslegen.
(So kamen die Nachbarn zusammen, bis zu 10 Frauen nahmen am grossen Tisch platz, der auf beiden Seiten ausgezogen war.)
Waehrend die Feder an der Spitze festgehalten und links und rechts des Kiels der Flaum abgezogen wurde,
hatten die Kinder ihren Spass, wenn sie in die Federn bliesen,
waehrend die Frauen Neuigkeiten und Rezepte tauschten,
Erziehungsprobleme besprachen etc.

Wer weiss heute noch, dass Flachs den beliebten Leinsamen bringt, der im Gesundheitsbrot steckt?
In Hessen wurde noch bis in die 1940iger Jahre Flachs angebaut, der muehsam und in vielen Arbeitsschritten
geernet, getrocknet, gebrochen, gesplissen, gehechtelt, gesponnen, gewebt und gefaerbt wurden -
das konnte schon mal bis zu zwei Jahre dauern - von der Aussaat an gerechnet, bis alles verarbeitet war.
Von grobem Sackleinen, derben Schuerzen bis zur feinen Bettwaesche wurde aus Leinen so ziemlich alles gemacht,
wovon auch in der Aussteuerkiste vieles zu finden war,
die jedes Maedchen ab 14 Jahren bekam.
Als absolutes Muss fuer die Aussteuer galten je den dutzend Hemden,
Hosen, Handtuecher, Trockentuecher, Bettlaken- und Bezuege,
Kopfkissen und Tischtuecher- Ballen von unverarbeitetem groben und feinem Leinen.
Der Stolz war, seine Aussteuer selbst zu erarbeiten und sie mit Stickerei und Haekelspitzen zu verzieren.
Das gestickte Monogramm in den Waeschstuecken war selbstverstaendlich.
Zuweilen war der volle Name und das Geburtsdatum eingestickt.
Die Heiratskissen enthielten auch eine fest eingearbeitete, abgedeckte Leiste fuer das Bargeld.
Die zu Weihnachten und aehnlichen Anlaessen gegebenen "Paten-Thaler" wurden dort aufgehoben.
(An "Zinsen" dachte dabei wohl keiner - was gut war)
Maedchen aus wohlhabenden Kreisen hatten mehrere gut gefuellte Aussteuer-Truhen, auch Brandtruhen genannt.
Diese Truhen wurden uebereinander zusammen gefuegt.
Es versteht sich von selbst, dass ausserdem noch Silber, Moebel, Federbetten, Geschirr und Hausrat dazu gehoerte.
Manche bekamen auch ein paar Kirschbaumstaemme mit zur Ehe- davon wurden spaeter die gewuenschten Moebel gemacht.
Dass zwischen den Elternpaaren auch ueber das Heiratsgut gesprochen wurde, war klar -
Die Stellung der jungen Frau in ihrer neuen Familie wurde auch vom Wert ihrer Mitgift bestimmt.
"Sie sind gekommen, um den Mist abzuschreiten!"
Damals war die Liebe wohl zweitrangig,
aber damals wie heute heirateten sich nur Gleichrangige, nie ein Armer eine Wohlhabende und umgekehrt,
man heiratete "unter seinesgleichen".
War alles klar geregelt, wurde der "Hochzeits-Bitter" bestellt, der in weitem Umkreis die Gaeste einlud
und sich dabei den "Kuppel-Pelz" oder die "Stiwwelcher" verdiente.

Wer weiss heute noch, wie damals Waschmittel hergestellt wurden?
(In den vielen Buechern ueber und aus alten Tagen taucht immer mal wieder was auf, was unbekannt..)
Buchenholzasche siebte man duch ein feines Drahtsieb und fuellte sie in einen Sack,
der nun in einem mit Wasser gefuellten Waschtopf oder Waschkessel lange gekocht werden musste,
damit eine brauchbare Waschlauge entstand..
Ein anderes Waschmittel war das Wasser, in dem Wirsing, Gruenkohl oder Spinat abgekocht wurde.
Diese Bruehe eignete sich gut zum Waschen von Leinenschuerzen, Maennerkitteln und dunklen Wollstruempfen.
Ueberbruehte man kleingeschnittene Efeublaetter, erhielt man ein anderes Waschmittel,
mit dem Tuchkleidung ausgebuerstet wurde- etwas fuer alle dunklen Textilien.
Wenn weisse Bohnen 24 Stunden in kaltem Wasser eingeweicht wurden, erhielt man ein weiteres Waschmittel-
das abgesiebte Bohnenwasser eignete sich gut zum Reinigen von weissen Spitzenkragen und feine helle Sachen.
Zum Einweichen der Waesche benutzte man Soda, das es beim Kaufmann gab.
Schmierseife gab es dort auch zu kaufen, die in ein mitgebrachtes Gefaess abgewogen wurde.
Diese Schmierseife verwendete man fuer die Koch- und Buntwaesche.

In den langen Wintermonaten wurde nicht gehetzt oder gedraengt-
alte Maenner reparierten die Geraete, alte Frauen die Waeschestuecke-
andere strickten, haekelten, haben gesponnen, gewebt und aehnliche Dinge mehr, wozu auch das Korbflechten gehoerte.
Haselstraeucher fand man ueberall, wie heute auch noch.
Die langen Aeste wurden abgeschnitten, gespalten, gebogen, abgezogen, gekocht, genagelt und geflochten..
..derbe Koerbe und Rispen, ein kleinerer ovaler, flacher Korb mit zwei Griffmulden -
sehr praktisch fuer die Obsternte, zum Aufsammeln,
fuer Strickzeug oder wozu auch immer, Koerbe brauchte praktisch jeder und ueberall.

Die meisten Hoefe hatten ihre Holzschuppen, einfache Leute an ihren kleinen Haeusern auch,
die dann in Pultdach-Form drangesetzt wurden.
Dort war der Hackklotz, das Beil, ggf. auch Axt und Saege untergebracht-
hohe Stapel von fertig geschnittenen Holzstuecken umsaeumten die Waende,
die meistens aus Latten bestanden, damit das Holz gut trocknen konnte.
Viele Gegenstaende des taeglichen Lebens wurden aus Holz gemacht, es war der wichtigste nachwachsende Rohstoff.

Das Fronleichnamsfest (Fron - dienen) ist ein wundersames Ding,
das noch heute in recht seltsam anmutendem Mummenschanz gefeiert wird-
der Ursprung war 1246, als eine Ordensschwester Namens Juliana in Luettich eine Vision hatte:
"Der verklaerte Leib Jesu sei der Nonne in unbeschreiblicher Schoenheit erschienen,
und eine Stimme habe sie beauftragt, alles zu tun, damit das einmalige Vermaechtnis Jesu
im Abendmahlsaal in Jerusalem zu einer guenstigen Zeit gebuehrend gefeiert werde,
weil es am Gruendonnerstag wegen des bevorstehenden Kreuzestodes Christi, nicht moeglich sei!
Von da ab wurde Fronleichnam zunaechst in der Umgebung Luettichs
"mit feierlicher Prozession zur Huldigung des in der Monstranz mitgetragenen eucharistischen Gottes alljaehrlich gefeiert."
Die spaeter irrwitzig ausgeschmueckten Formen erspare ich uns, die kann man ueberall nachlesen.
Passend zum Thema "Tod und Beerdigungen" noch dies:
"Pfarrer und Leichentraeger bekamen, bevor sich der Trauerzug in Bewegung setzte,
von einer JUNGEN FRAU EIN GRUENES ZWEIGLEIN - auch Keime genannt, ueberreicht.."
(Warum auch nicht?!)


"Einige Wochen vor Pfingsten gingen alle Kinder jeden Mittag nach der Schule gemeinsam in den Wald,
um das Pfingsthuettchen zu bauen.
Der Platz zur Errichtung des Huettchens musste etwa sechs mal acht Meter gross sein.
Die Buben nagelten duennte Stangen an die Buchen,
wir Maedchen mussten den Boden saeubern und eventuell eben machen.
Auch ein Tanzplatz wurde hergerichtet und bis zu dem naechsten Waldweg ein Pfaedchen gekehrt werden.
Im Innern des Huettchens wurden ringsum Holzpfloecke eingeklopft, darauf wurden Bretter genagelt.
Dies diente als Sitzgelegenheit.
In der Mitte des Raumes wurde auf die gleiche Art und Weise ein Tisch errichet.
Pfingstsamstag mussten grosse Aeste Buchenlaub herbei geschafft weden.
Damit wurden die Waende und das Dach ganz dicht geflochten.
Am ersten Pfingsttag trafen sich alle Kinder im Schulhof.
Eine Birke wurde mit bunen Baendern geschmueckt.
Die Kinder stellten sich zwei und zwei auf.
Am Arm jedes Kindes hing eine kleine Brezel oder Kranz, die die Mutter aus Hefeteig selbst gebacken hatte.
Weiterhin hatte jedes Kind noch ein kleines Flaeschchen mit Maiwein in der Hand.
Mit dem Maibaum zogen wir dann singend durch das Dorf zum Pfingsthuettchen.
Alle Erwachsene, die noch gut zu Fuss waren, kamen zu den Kindern in das Huettchen.
Auf einer Mundharmonikka wurde gespielt und auf dem Tanzplatz tanzten die Kinder Reigen.
Auch meine Grossmutter erzaehlte schon vom Pfingsthuettchen."
Seit vielen Jahren gibt es diesen Brauch nicht mehr, der an das biblische Laubhuettenfest erinnert und das auch in Graeveneck im Bauwald gefeiert wurde.

Es war das Jahr 1606, nach dem Tode des Grafen Johann VI.
Das reiche Nassau zerfiel in 5 Teile, zu Gunsten seiner 5 Soehne- der eine war reformiert, der andere katholisch.
Als im 30j. Krieg der schwarze Tod kam, hoffte man mit Hilfe von 60 Heiligen der Seuche Herr zu werden, die grausam wuetete.
Die von allen Seiten einfallenden Soldaten konnten von den Zwergstaaten nicht aufgehalten, geschweige denn zurueck gedraengt werden.
Die Massenhysterie brachte vom Denunitiatismus seitens der Glaeubigen gegen die jeweils Anderglaeubigen bis zum Kanibalismus unsaegliches Leid.
Das wurde auch durch grausame Zuechtigungen durch die Machthaber nicht besser.
Wer sich der Kirche widersetzte, war ein Ketzer, Zauberer oder Hexer.
Ueble Nachrede endete schnell auf dem Scheiterhaufen - so schnell war man den Nachbarn los..
Durch Eintrichtern von Jauche folterte man die Herausgabe der Geldverstecke herbei.
Der Boden lag brach, der Wald verwilderte, Haeuser und Strassen zerfielen, Brunnen versumpfte-
alles, auch Kadaver wurden gegessen, die Menschen gebaehrdeten sich wie wilde Tiere.
Vandalierende Soldaten und Raeuberbanden nahmen sich alles, was die Abstands- und Praeparations-
und Beistandsleistungen der feindlichen und verbuendeten Truppen uebrig liesen, -
wie ich schon zuvor mehrfach habe schreiben muessen.
Unheilvolle Zeichen kamen: Colera, Pestilenz und grosse Scharen unbekannter Voegel,
grosse Wolfsrudel rissen die Schafsherden.
Allein im Dillenburger Gebiet wurden 400 Woelfe erlegt.
Bei den Soldaten soll sich "viel liederliches Gesindel beiderlei Geschlechts" herumgetrieben haben.
So mancher wurde von Soldaten in den Rauchfang ueber seinem eigenen Feuer hineingehaengt, damit er sein Geldversteck verriet.
Seiner Frau ging es nicht viel besser.
Einen marodierenden Obristen hat man mit dem Schwert enthauptet, seinen Koerper auf ein Rad gelegt, den Kopf auf einen Pfahl gespiesst.
Viele Menschen sterben den Hungertod, Brot hat man aus Eicheln, Hanfkoernern und Wurzeln gebacken, so gross war die Verzweiflung.
Ein hexenglaeubiger Vater lies seine eigene Tochter verbrennen, solch unheiligen Einfluss uebte Religion aus.
Zuerst zwang man die Menschen zum Christentum, dann zwang die Reformation sie zu deren Bekenntnis,
dann kamen wieder andere, die das Spiel umdrehten und zum Katholizismus in die Liga fuehrten,
die wiederum von den Herrschern des Nachbarstaates befehdet wurde.
Aus taktischen Gruenden wechselten die Herrscher ihre Konfession, jeweils mit dem Druck,
der alle Landesbewohner betraf sich diesem neuen Glauben anzuschliessen -
notfalls auch durch Ausweisung oder Folter.
Man schreckte nicht davor zurueck, alte Frauen als Hexe verbrennen zu lassen, Vieh wurde erschlagen,
Hab und Gut angezuendet oder sonstwie zerstoert, Lebensmittel,
die nicht mitgenommen werden konnten, wurden mit Kot unbrauchbar gemacht.
"Kein Haus blieb ungeschoren, und die Buergersweiber mit ihren Kindern wurden aufs Grausamste tyrannisiert."

"1635 septembris 23, abendts um 6 uhr Joh. Bernhard Gottsleben pastorn ein toechterlein,
Anna Margreth genannt, gestorben.
1635 octobris 12. ist Magdalena, mein des pastors Joh. Bernhard Gotslebii hertzliebe haussfraw sel.,
alss eben die glock eylf geschlagen, sanfft und seliglich im herren entschlafen,
und folgenden tag mit ziemlicher frequentz und vieler gutherziger frommer leuth weinen und klagen begraben.
Gott verleyhe ihr eine froehliche uferstehung.
1635 oktobris 16. morgens um 6 uhr ist mein sohn sel. Joh. Philipps .. gestorben
und den 17. morgens um 8 uhr begraben.
1635 octobris 17. abends ein viertel stundt nach 5 uhr ist mein noch uebriges einziges hertzliebes toechterlein Maria Magdalena,..
sanfft und ruhig im herren entschlafen und am folgenden tag begraben.
Also habe ich dem lieben gott in diesem Sterben innerhalb dreyen wochen vier seelen geschicket,
die mutter mit drey kinder, sonsten noch zeit unseres waehrenden ehstandes fuenf Kinder,
und ist also das reich meines gottes im Himmel durch mich mit neuen Seelen vermehret worden.
Die leichnam wird der fromme gott ahm juengsten tag froelich auferwecken,
mit ihren seelen vereinigen und sie also mit leib und seel zu sich in sein ewiges reich nehmen"

Der schwer gepruefte Seelsorger hat sein entsetzliches Unglueck nicht lange ueberlebt.
Durch die stetige Beruehrung mit seiner pestkranken Familie wurde er selbst angesteckt und starb am 1. November 1635.
10 Tage nach seiner letzten TOchter wurde Gottslebius bei Weib und Kindern begraben- sein Familienname ist erloschen.

1643 - kein Mensch wusste mehr, wer Freund, wer Feind war, so verworren waren die Umstaende,
als starke Unwetter die Grafschaft Diez ueberfluteten.
Mannshoch gingen die Wassermassen ueber die Stadtmauer, riss die Bruecke weg,
aus Runkel und Weilburg kamen Haeuser die Lahn herab geschwommen.
Niemand konnte sich an eine vergleichbare Flut erinnern.
Zusaetzlich verbreiteten Woelfe die "Wutkrankheit" bei Mensch und Tier.

"Ueberhaupt ist auf den herrschaftlichen Hoefen, dessgleichen in den Kirchspielen,
wie auch dem Amt Mengerskirchen, nicht das allermindeste, von Korn, Heu, Stroh,
Gerste, Hafer, Erbsen, Linsen, Speck, Federvieh, Haussrat, Kleidung,
Vieh oder war nur der Unterthan in seinem Hause haben mag, uebrig geblieben.
Die Wagen, Karren, Pfluege, hoelzerne Baenke, Thueren und Kasten wurden in das Lager gefahren und darselbst verbrannt.
Die Fruechten wurden in solchem zum Theil ausgedroschen, und der Unterthan, der schon soviel
und noch erst ganz kuerzlich von dem Weimarischen Oehnischen Regiment, welches viel Vieh weggeholet,
erlitten hatte, wurde in ein solches Elend gestuertzt, bey welchem ihm fast keine Aussicht uebrig bliebe,
wie er sein Leben ferner durchbringen sollte.
Nach einem ganz geringen Anschlag betrug nur allein der Schaden an Vieh, Frucht und Fourage 161.848 1/2 fl.
Bey solcher noch nie erlebten Verwuestung musste er daher dem Lande wohl zu einem geringen Trost gereichen,
wann Kayser Ferdinand III. hierauf nochmahls befahl Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar, sein Land zu schonen."

Vom Kriegsjahr 1618 an reduzierte sich die Deutsche Bevoelkerung von 18 auf 7 Millionen.
Verwuestet wurden 1600 Staedte, 18310 Doerfer, 2000 Schloesser und 1000 Kloester.

Ein fester Bestandteil der Hexenprozesse war, nach "Mit-Hexern" zu fragen -
Gestaendnisse und Verrat halfen, das Urteil "Verbrennen" in das bessere "Einsperren" zu mindern-
selbst wenn danach der Scharfrichter kam und den Kopf abschlug.
So mancher redliche Buerger, jeder x-beliebige konnte so zum Opfer einer "Hexe" werden.
So mancher soll ich noch mal geschwind an seinem Nachbarn,
seiner ungeliebten Nachbarin oder an sonstigen Widersachern raechen.
80-90% der Verurteilten sollen Frauen gewesen sein, gegen Ende des 17.Jhds. auch Kinder.
Der Flammentod wurde allgemein als der "reinigende" angesehen.
Der Hexenwahn war auch Machtinstrument zur Gehorsamkeitspflicht der Machthaber, die sich gerne an den Kirchenwahn haengten-
und dabei sehr sorgfaeltige Dokumentationen und Prozessakten fuehrten.
Das Ritual des Strafvollzuges fand vor einer jubelnden Menge statt.
Am liebsten wurden wohlhabende Witwen beschuldigt,
zumal nicht unerhebliche Gerichts- und Bewirtungskosten fuer Schoeffen, Richter und Zeugen
anfielen, Scharfrichter, Henker und Pfarrer bezahlt werden mussten.
Das wurde akribisch dokumentiert und aufgelistet, ist heute noch archiviert.

Nach vierhundert Jahren ging die laendliche Umgangssprache verloren.
Aus den alten Prozessakten konnten noch alte Ausdrucksformen extrahiert werden,
was an Westerwaelder Dialekt zu finden war.
(So macher verstand nur Platt)
Die vielen gleichnamigen Leute erhielten zur Unterscheidung Beinamen manigfaltigen Ursprungs.
Meistens durch Hinzufuegung des Vater-Namens oder dem des Ehemanns -z.B.:
"Barben Jung Hansen! (der Mann hies Hans) und Barb fuer Barbara als Rufnamen.

Ein paar Beispiele:
geziegen - bezichtigt, grawicht - grau, Griesel - Grusel, hero - her, leibig - zugenommen, Mawern - Mauern, mehrgen - mehreren, Moocken - Mutterschwein, Patt - Patenonkel, Platz - flacher Kuchen, Brotkuchen, Sagenrey - Erzaehlung, sahmend - insgesamt, gemeinsam, sans - sonst, Trewen - Treiben, Undern- Nachmittag, Wasen - Rasen, Wiese, worgt - erbrochen, angetraewerter - angedrohter, anhero - nach hier, Bedachts - Verdacht, bedeumelt - eingedrueckt, beschaedigt, beduencke - bedenke, bemelte - bekannte, Bevelch - Befehl, Born - Brunnen, daroff - darauf, dasmahl - diesmal, derowegen - deswegen, Doetgen - Tuetchen, Dung - Brotscheibe, duencke - denke, echtewas - etwas, erhalete - wiederholte, erschmeisse - erschlagen, Fawr - Feuer, forchtsam - aengstlich, Fraw- Frau, gedeucht - gedacht, gekennet - gekannt, gekieben - gezankt, geliebete - beliebt, Gemuermel - Gerede, Geruecht, getrawet - getraut, getraewet - gedroht.

Das Geldwesen war kaum nachvollziehbar - so wurden seit dem Jahr 1530
die Turnos und Schillinge durch Gelden, Albus und Heller ersetzt.
1 Gulden waren 24 Albus, 1 Albus waren 12 Heller.
Ein Gulden gleich 60 Kreuzer oder 20 Blafferte oder 15 Batzen.
1631 hatte mal Reichstaler - gleich 45 Albus, ein Albus gleich 8 Heller.
1660 war der Reichstaler 48 Albus gleich 90 Kreuzer - 8 Pfennige ergaben einen Albus.

Maennliche Kornschnitter erhielten 3, eine weibliche 2 1/2 Albus.
Holzhacken war 2 1/2 Albus wert.
Tageloehner bekamen 2 Albus am Tag.
Wegen der hohen Sterberaten wollte kaum einer ausserhalb arbeiten.
1648 kostete im Westerwald 1 Pfund Ochsenfleisch 2 Albus und 2 Pfennige,
Kalbfleisch 1 Albus und 4 Pfennige, Hammelfleisch 1 Albus,
Schweinefleisch 2 Albus und 2 Pfennige, Ziegenfleisch 1 Albus und 6 Pfennige.

Noch im Jahr 1782 wurde das letzte Todesurteil wegen Hexerei gesprochen - in der Schweiz.
Der Dichter und Jesuitenpater Friedrich Spee schrieb 1631 anonym die "Cautio Criminalis",
eine weit verbreitete Schrift,
in der jener Verblendungswahn des Aberglaubens und der Hexerei angeprangert wurde.
1629 wurde in Donsbach (Westerwald) einem Mann vorgeworfen, weil "Wehrwolf" zu sein - hingerichtet.
Luther hat Exodus 22,18 so uebersetzt: "die Zauberer sollst du nicht leben lassen" -
In meiner Einheitsuebersetzung steht : "jeder, der mit einem Tier verkehrt, soll mit dem Tod bestraft werden."
Das in die richtige grammatikalische Form gebracht, kaeme "Zauberinnen" dabei heraus.
Frauen sollen sich dabei in Katzen, Maenner in Woelfe verwandelt haben..
Maleficos non patieris vivere.
Eigentlich muesste das heissen: Schmaehende (Fehlerhafte, Schlechte) sollten nicht leben.
Enger uebersetzt: Schlecht redende Personen duerften dem Leben nicht teilhaftig sein.

Was der Luther dabei gedacht hat, entzieht sich meiner Kenntnis- vermutlich wollte er ein wenig aufmischen-
Fakt war wohl, dass in den herrschenden religioesen Systemen der Wahn, Aberglaube einen festen Platz gehabt hat.
Nebenbei waren "Disziplinarmassnahmen" beliebt, Angst machen sozusagen.
Noch heute ist die Missgunst, Habgier, Verleumdung und die moderne Form-
Mobbing gewiss noch immer eine Beschaeftigung von Leuten,
die plattdeutsch als "ueberzwerch" (giftig, unleidlich) bezeichnet werden koennen.

Nach 1560 kam die "kleine Eiszeit", mit Missernten, Hunger, Seuchen -
der Tod hielt reiche Ernte, genau wie der Glaube, der die Leute geiselte und verdummte.
Aber auch Wahrsager, Segner und aehnliche Scharlatane fanden genug Zuspruch.
Noch 2003 mussten zwei Frauen wegen Hexereivorwurfs sterben!
1935-44 haben die N azionalsozialisten riesige Datenmengen ver- und bearbeitet,
Karteien angelegt und "Wissenschaftler" angesetzt,
Runen und andere Geheimnisse in deren Ideologie einzubinden.
Eine Verwandte des damaligen 2. Mannes, H immler, soll 1629 in "Teufelsbuhlschaft,
Hexerei und ausgeuebtem Tier" angeklagt und verbrannt worden sein:
Margarethe Himbler.
Vermutlich war der Name der Grund fuer diesen seltsamen Eifer,
alten Aberglauben derart aufarbeiten zu lassen?

Wie auch immer - "Gnadenerlass" war, wenn jemand bis zur Bewusstlosigkeit gewuergt
oder gar bis zum Tode stranguliert und erst dann den zuegelnden Flammen des Scheiterhaufens uebergeben wurde.
Des weiteren ist ueberliefert, dass in Einzelfaellen den Todeskandidaten Pulversaeckchen umgehaengt wurden,
die explodierten, bevor die Flammen ihr Todeswerk vollenden konnten.
Das sollte uns genuegen - furchtbar genug!

Urbar gemachtes Land wurde auch "Bifang" genannt.

Am 23. September 1841 schoss der Jaeger Schmidt in Hasselborn am "Dreiherrenstein" im Brandoberndorfer Wald
den letzten Wolf im Nassauer Land,
ganz ausgehungert und dennoch 73 Pfund schwer, so wird berichtet.
".. dass die Orte mit der Endung auf -dorf, -bach oder -hausen ihren Ursprung in der Frankenzeit gehabt haben."
Karl der Grosse teilte sein grosses Land bereits in Verwaltungsbezirke ein, an deren Spitze Grafen standen.
Diese bildeten ihre Macht aus und so entwickelte sich der Stad der Ritter.

In vorgeschichtlicher Zeit wurden Kultstaetten benannt, die auch heute noch von Interesse oder Bedeutung sind.
Am Dreisbacher Hasenberg findet man einen Monolith aus Quarzitgemisch.
Dieser geheimnisvolle Stein hat den Namen "Goldkist" und ist aus "hartem, fremdartigen Material".
Das zeigt auf eine Besiedlung des Raums um etwas 800-500 v. Chr. hin.

Auch in Erda waren die Leute des Mittelalters zumeist Leibeigene, die vom Ackerbau und Viehzucht lebten-
mit dem damaligen Geraet ein hartes, bei dem Boden ein steiniges Unterfangen.
In der 2. Haelfte des 17.Jhds. versuchte man sich mit dem Kartoffelanbau- langsam entwickelte sich der Obstanbau dazu.

Aus dem Namen des Gutshofes "Heisterberg" bei Stockhausen geht hervor, dass "Heister" schlicht "Buche" bedeutete.
Damals muss dieser idyllische Ort noch eine kleine Ortschaft gewesen sein,
der bis auf den Hof wuest und deren Flur spaeter aufgeforstet wurde.
Der Erhalt und die Restauration des Gutshofes hat das fuerstliche Haus Braunfels wohl viel Geld gekostet.

Nach einer interessanten Volkszaehlung aus dem Jahr 1855 wohnten in Kraftsolms 444,
in Bonbaden 518, in Griedelbach 272, in Laufdorf 483,
in Kroeffelbach 373, in Nauborn 682, in Neukirchen 187,
in Oberwetz 242 und in Schwalbach 455 Einwohner.

Der Viehbestand betrug 113 Pferde, sechs Maultiere, 25 Esel, 20 Bullen, 793 Ochsen,
1349 Kuehe, 1339 Stueck Jungvieh, 3704 Schafe, 132 Ziegen und 1042 Schweine.

Die Handwerker waren: 15 Schuhmacher und neuen Gesellen, 18 Schneider und zehn Gesellen,
zwei Zimmermeister und 28 Gesellen, vier Flickmeister, 18 Tischlern und vier Gesellen,
fuenf Flickmaurern, einem Schornsteinfeger, 29 Schmieden, einem Schlosser und einem Buchbinder.

An Gewerbetreibenden waren: 21 Kraemer, 21 Hausierer, 20 Schankwirte, 256 Leinenweberstuehle,
16 Wassermuehlen mit 17 Mahlgaengen, sechs Oelmuehlen, eine Ziegelbrennerei und eine Branntweinbrennerei.
Die Kirchen des Schoeffengrundes waren in 6 Pfarreien eingeteilt.

So gewinnt man heute noch ein wenig Einblick in die damaligen Strukturen.

In Kroeffelbach gibt es mit dem koptischen Kloster eine Besonderheit:
In Deutschland und in Westeuropa wohnenden und arbeitenden Kopten
mit ihren Familien tragen sich hier zum Gottesdienst und zur Geselligkeit.
So kommen Menschen von weither ins schoene Solmsbachtal.
"Die Kopten sind christliche Aegypter und Soehne des Pharao"!

Die Besiedlungsgeschichte unseres Nachbarn Vogelsberg zeigt,
dass in der Keltenzeit mehr Menschen dort gelebt haben muessen,
in hoeheren Regionen Ackerbau betrieben haben,
als nach dem 15.Jhd, als das Klima kaelter wurde -
Zuvor mied man die nassen Tal-Lagen, danach wurden auch diese besiedelt.
Man gab nach dieser Zeit Doerfer auf oder rueckte zusammen.
Das Siedlungsgebiet muss Ende des 15.Jhds. aehnlich wie heute ausgesehen haben, aber mit weniger Menschen.

In der Anfangszeit der Christianisierung draengten die Germanen den Kelten nach,
der kulturell bedeutende Stamm der Chatten -lt. Julius Caesar-
geriet unter Druck und wurde wohl ueberlagert.
Die Ueberdeckungen geschahen durch die Franken und dem Faelischen Stamm,
so traegt der heutige "Stammhesse" (also nicht generell der Einwohner des Landesgebietes Hessen) -
die beiden Merkmale der alten Hessen und der Franken noch deutlich in sich.
Man betitelt die hervorstechenden Wesens-Merkmale dieser Gruppe Menschen
als "lebensernst, nuechtern, bestaendig, manchmal nicht ganz ausgeglichen,
mit ploetzlichem Aufbegehren, jaeher Ungehaltenheit und einem typischen Geradeaus,
das sich bis zur Grobheit steigern kann"
Gut, wir wissen freilich, geneigter Leser, dass gerade unsere Akademiker ein wenig ueber das Ziel hinausschiessen
und sich vor jeden Karren spannen lassen, wenn dieser nur genug Geld abwirft-
was wir in der Zeit vor dem 2. WK deutlich sehen konnten.
Deshalb bin ich bei diesen Wesens-Einschaetzungen auch sehr vorsichtig und setze diese nur in Anfuehrungszeichen.
Die naeheren Schilderungen - wie "schmale Lippen", "zusammengekniffene Augen" und aehnliche "Beobachtungen" spare ich mal ganz aus.
Die Leute in der Region sind halt ein wenig vorsichtig, wenn sie "aufgetaut" sind,
begegnen sie jedem normalen Menschen mit Herzlichkeit und Offenheit.

Das lustige Zusammensein in den Spinnstuben wird von vielen Quellen beleuchtet- hier mal eine ganz andere:
Hier werden die alten Volkslieder gesungen, gescherzt und geplaudert und den anderen Teilnehmern "Maerchen aufgebunden".
Dieses Zusammen nannte man "Spillegaenger".
Als Beleuchtung diente noch vor hundert Jahren ein hoher Holzstaender mit einer Gabel,
darin zwei Buchenspaene heller brannten als das duestere Oellicht, das sonst ueblich war.

Nicht nur bei dem Vogelsberg mit seinen riesigen Ausdehnung, sondern auch in kleinraeumigeren Gefilden kann man sehen,
wie der Kampf um die Hoehen tobte,
wie sich die Macht buchstaeblich von oben herab auf die Leute ergossen hat.
Wer von "oben herab" tronte, hatte die Herrschaft und konnte so leicht davon nicht herabgestossen werden.
"Der stolze Herr mit Mord und Drohn
richt Doerfer und Felder zugrunde,-
Still heilt der Bauer und sein Sohn des Landes blutende Wunde"
(Ihrer, auf deren Ruecken ja schon immer das ausgetragen wurde,
was man so allgemein Weltgeschichte nennt, sei hier dankbar gedacht:
hinzufuegen darf ich wohl, dass nicht nur Bauern, sondern gerade diejenigen,
die Erze brachen und bearbeiteten,
die im Wald Holz holten und andere, die es formten und Haeuser bauen konnten,
und ungezaehlte andere Gewerke dieses Tun auf dem Feld erst ermoeglichten)
Viele Ortsnamen sind auf die alten Herrscher zurueckzufuehren, die sich gerne durch Gebietstausche eingerichtet haben.
Die Fuldarer Abtei mit ihrem streitsuechtigen Abt Berthold fuehrte ein kriegerisches Schwert, wie ueberliefert wurde-
mal schlug er mit dem Bischofsstab und der Schrift, dann mit dem Schwert - gegen die Landadeligen,
was staendige Verwuestungen in den Ortschaften mit sich brachte.

Die hohe Kunst des Fachwerkbaues, besonders in Eiche, war der "wilde Mann", eine Stuetzkonstruktion inmitten der Fachwerk-Fassaden,
bereits eine imposante Schmuckform der zweigeschossigen Bauern-Haeuser, die alles unter einem Dach vereinten.
Die damaligen Buergerhaeuser der Stadt waren mit schmaler Fassade tief nach hinten gebaut,
mittig senkrecht in der Giebelfront von oben nach unten durch
Trennwaende geteilt - als Doppelhaus, das gerne 3-4 stoeckig war.
Damals war der Platz knapp im Stadtzentrum, deshalb kragten die Haeuser ueber die Strassen- was nochmal zusaetzlich Raum gab.
Man erzaehlt sich, dass die Nachbarn beinahe einander die Haende haetten geben koennen ..
Sehr freundlich waren die Fachwerkkirchen anzusehen, die ihre Glocken in kleinen Dachreiter-Tuermchen haengen hatten-
Spaeter kamen Kirchenbauten aus Stein mit grossem Turm in Mode und Wehrbauten, die an den Fernstrassen wohl noetig waren.

Alte heidnische Braeuche suchten die Pfarrer schon von jeher zu verhindern, was aber nicht gelang-
so blieb das Osterfeuer und auch der Maibaum bis heute erhalten.
Wenn einer gestorben war, wurde die Uhr angehalten und das Fenster geoeffnet, damit sie Seele hinaus konnte.
(Wenn wir ehrlich sind, wird das noch heute ganz genau so gemacht)
Damals wurden die Geschichten und Erzaehlungen in den Spinn- und Wohnstuben muendlich ueberliefert-
es wurde auch noch viel vorgelesen- was nach dem 2.WK versunken ist in "Ich - Sucht und hilfloser Verzagtheit", wie das Heimatbuch meint.
"Die Dorfgemeinschaft ist mitten ins Herz getroffen worden"
Moderne Medien, Radio und spaeter das Fernsehen ersetzen die Zusammenkuenfte obiger Art.

Von planmaessiger Forstwirtschaft, so wird berichtet, konnte wohl erst seit der Mitte des 18.Jhds. ausgegangen werden.
Viele Tuchmacher, die z.B. das Schlitzer Leinen und Damast-Waren fertigten,
Koehler, Salzsieder, Korbmacher, Holzschnitzer waren am Vogelsberg taetig,
aber auch die uralte Riedeselsche Bierbrauerei, Ziegeleien und die grosse bekannte Lauterbacher Kaeserei sind bekannte Groessen.
Ganze Schiffsladungen gesponnener Flachs ging nach Irland, wo man die "Hessians" wob,
jene Sack- und Pack-Leinentuecher, die spaeter durch das billigere Jute abgeloest wurden.

Der Ortsname "Schotten" stammt von den Iro-Schottischen Moenchen her- aus der Zeit der Christianisierung.
Unter einem Felsen fand man ein Depot eines bronzezeitlichen Haendlers:
2 Bronze-Beile, die wohl vergessen wurden.
In den 1920iger Jahren fand man ganze Werkstaetten in Hoehlen, wo grosse Mengen Werkzeuge aus Quarzit hergestellt worden waren.

Diese Seite wird wohl niemals fertig,
immer wieder finde ich neue Buchquellen, deren Inhalte kaum einer lesen wird-
weil die Titel schon uralt sind.
Was derart ueberkommen und grau ausschaut, muss aber nicht langweilig sein!
So manches staubige Ding aus duesterer Vorzeit ist es wert,
einer Nachwelt erhalten zu werden, die nur noch mit dem Handy daddelt-
bis zu einem gewissen Punkt im Leben, wo andere, bestaendigere Werte zaehlen..

So waren im 17.-18Jhd. keinesfalls alle Strassen durch breite und ordentliche Wege verbunden-
wie das heute der Fall ist.
Die Heimberger achteten nicht nur darauf, dass die Abgaben an den Fuersten getan wurden,
sondern auch auf die Sittenstrenge und Arbeitsamkeit der Leute.
Wie schon erwaehnt, waren Kirchenbesuche Pflicht, wer dagegen handelte und fernblieb,
musste mit dragonischen Strafen rechnen.
Desgleichen durfte niemand "laesterliche Reden halten" - ob gegen Gott oder gegen den Fuersten.
(Der sich bekanntermassen als von Gott eingesetzt empfand)

Die Orte brannten schnell und leicht, Strohdaecher und die enge Bebauung,
sowie die offenen Feuer waren fast der Garant dafuer.
Der Dorflehrer oder Pfarrer drosch ganz gehoerig auf "Schwaenzer" ein,
die Eltern um Hilfe zu bitten, war nicht denkbar- sie waren zu fromm
oder hatten die Froemmigkeit eingeblaeut bekommen, als sie selbst noch Kinder waren.

Ein Beispiel fuer das Westerwaelder Platt:
De Duure fo Hajer gengen duur'd Föld.
Aich honn se geseh goestern Noocht.
Se brannten wie Fackeln, se glenzten wie Göld.
Wie Geister, honn aich gedoocht.
De Menner reff: "Doot Buße ihr Sönner,
Drääd röm, in dr Schdadt,
Dr Himmel worr, wie in Hajer, su ruud.
"Doot Buße, sonst hölltauch dr Duud."

Im Namen Gottes und des Herrschers wurde mancher grausamst hingerichtet,
wo z.B. eine Frau mit gluehenden Zangen in die Brueste "gezwickt" bekam,
wie es der Richter wollte, und anschliessend- mit schwarzen Loechern als Brueste-
auf ein Reff gebunden vor die Stadt zum Scheiterhaufen gezogen wurde,
wo sie -wieder vor aller Augen- oeffentlich und lebendigen Leibes verbrannt wurde.

Das alte, einstoeckige und mit Strohdach geschuetzte Haus hatte zwei krumme Treppenstufen,
ueber die man zur zweifluegligen Haustuer gelangte.
Durch den breiten Tuerspalt zog staendig die Luft und wenn man durch die Tuer eintrat,
fiel die feuchte Kuehle des Hauses auf uns herab.
Im Winter legte man einen Sack vor diesen Spalt, der doch noetig war,
damit die grosse Esse dem Kamin den entsprechenden Abzug gab.
Geradeaus ging man in den Flur, der "Ern" genannt wurde,
dessen Fortsetzung die Kueche mit dem offenen Herdfeuer war,
das auf einer grossen, glatten Basaltplatte brannte oder gerade die Glut hielt.
Ueber dem Feuer hing ein Topf an einer Kette, die an einem schwenkbaren Eisenarm,
dem "Esel", befestigt war.
Ueber das Feuer konnte man auch ein niedriges, eisernes Dreibein als Pfannenuntersatz aufstellen.
Der breite Rauchfang nahm den staendigen Durchzug an und befoerderte den Rauch und Dunst nach draussen.
Neben dem Herd stand eine Wasserbank mit ein paar Eimern Wasser, darueber ein Regal.
Das Wasser zum Trinken wurde am Dorfbrunnen geholt,
das fuer die Tiere kam aus dem niedrigen Keller mittels einer Hand - Pumpe,
zu welchem eine Falltuer mit Leiter fuehrte.
Eine Treppe fuehrte direkt in den Stall, ein Durchgang zur Stube und zur Schlafkammer.
Oben, auf dem Speicher wurde Korn gelagert, ueber dem Stall das Heu.
In der Kueche stand das Butterfass und der Backtrog.

Der Fuerst prasste nach Herzenslust, wenn er pleite war, wurden die Steuern erhoeht und hart eingetrieben.
Er machte willkuerliche Gesetze, die durch seine Richtern und Beamten rechtschaffen umgesetzt wurden.

An dieser Stelle empfehle ich den Roman "Bauernkappe und Fuerstenhut",
der nach Notizen in einer sorgsam aufbewahrten Holzkiste geschrieben wurde
und welcher sehr gut geschrieben und lesenswert ist.
Romane sind sonst nicht mein Ding, dieser ist jedoch eher ein Ausnahmefall,
aus welchem ich mit eigenen Worten ein wenig -als Anreiz- erzaehlen will..

" 18. Jhd. im Fuerstentum Oranien-Nassau, gelegen zwischen Lahn, Rhein und Sieg,
ein Jahrhundert der grossen Stadt- und Dorfbraende,
der Siebenjaehrige Krieg, die Konflikte zwischen Frankreich und England.
Schlagworte, die in die kleine Welt des Johann Peter Haas,
genannt Hanspeter, einbrechen und sein Leben nachhaltig beeinflussen,
Ganz als Kind des 18.Jhds, in den alten "gottgewollten" Ordnungen behaftet,
macht er sich doch Gedanken ob der Richtigkeit der von Gottes-Gnaden-Herrschaft
der Fuersten und ihrer Beamtenschaft.
Auch die reformierte Kirche spielt im Machtkalkuel kraeftig mit;
Die Ueberwachung des Kirchenbesuchs, der Hochzeiten und des Privatbereichs
wird durch Organe des Staates durchgefuehrt;
die Bevoelkerung zur Denunziation verpflichtet.
In der Charakterisierung der Dorforiginale des "Allbabbe Julius" und
des "schnappig Jul" gelingt dem Autor eine besonders lebensnahe Beschreibung,
die die Echtheit unterstreicht.
Mit Witz und Humor erzaehlt er Werbung und Hochzeit Hanspeters mit Aennchen,
so dass der Leser sich in die Geschehnisse gut hineinleben kann.
Durch einen zweifachen Rahmen umfasst E.I.Betz die Lebensereignisse Hanspeters:
Die weltpolitischen Ereignisse bestimmen ein Teil seines Handelns ebenso wie
die Erzaehlung ueber Philipp, den Liebhaber einer Kindsmoerderin und spaeteren Brandstifterin."

Soweit die Buchbeschreibung des 215 Seiten Romanes, den ich euch anrate..

Besonders beeindruckt hat mich die Schilderung jener Zeitzeugen,
die von der Einfuehrung der Kartoffeln berichteten:
Ein Herborner Medizin-Professor habe eine einzelne, seltene auslaendische Pflanze erhalten-
im Laufe der Zeit hatte man die Kartoffeln vermehrt und baute sie nun auf Feldern an.
Zuerst fuer die Schlosskueche, wo die geschaelten Kartoffeln gekocht und ein Salat aus Kartoffelscheiben gemacht wurde.
Mal mit zerlassenem Speck gebraten, mal zerstossen zu Brei.
Es muss fuer die Bewohner unserer Region ein Erlebnis gewesen sein,
wenn die Knollen aus der Erde gegraben wurden- wo doch deren oberirdischen Fruechte so schlecht schmeckten..
Die Kartoffeln verbreiteten sich als Geschenk weiter, nur wenige Knollen jeweils.
Spaeter gab es Setzkartoffeln (Saatkartoffeln) zu kaufen und es dauerte nur wenige Jahre,
bis sich diese Frucht als wahrer Segen entpuppte, der die unbestaendigen Fruchternten,
die regelmaessig zu Hungersnoeten fuehrten, besserten.
Einer brachte von seiner Grubenarbeit ein gebogenes Stueck Blech mit, arbeitete eine Griffmulde ein,
schlug mit dem Hammer vierkantige Hufnaegel in regelmaessigen Abstaenden in das Blech,
so dass eine Reibe entstand- sehr bald war der Reibekuchen geboren,
der sich -bis heute- allergroesster Wertschaetzung erfreut, besonders bei jungen Maennern.
Mit Eiern, etwas Mehl und Salz, Muskatnuss, Zwiebeln und gut in Oel oder Fett ausgebacken,
sind diese Pfannkuchen ein Gedicht.
Wer kein Oel hatte, bestrich mit einer Speckschwarte die heisse Ofenplatte auf die dann der Pfannkuchenteig kam.

Aus dem Katzenelnbogischen Gerichtsordnung geht hervor:
"1567 - Veraechter des Gottesdienstes sollten im Fall fruchtloser Warnung wie ein Missetaeter,
und wie das unvernuenftige Vieh verscharrt werden."
Die Prediger mussten klar reden und das Publikum bei Gehoer halten,
"damit sie mit ihren Gedanken nicht umherschweifen und andere unziemliche Dinge treiben"

Den Gesetzen zuwider handeln, konnte in der Trillstube enden-
in einem drehbaren Kaefig eingesperrt, wurde der Delinquent bis zur Bewusstlosigkeit gedreht.
Die Heimberger mussten Listen bezueglich der vielen Abgabenverordnungen fuehren
und mittels ihrer Polizeigewalt genau kontrollieren.
Es gab sogar besondere Steuern, die ein Ausreisewilliger zu zahlen hatte-
10% seines Vermoegens und nochmal ein "Auszugsgeld" von 2%.
Zehntknechte knoepfen noch am Feld den Bauern den zehnten Teil in Naturalien ab,
die spaeter durch Geldabgaben ersetzt wurden.
"Schatzungen" wurden faellig, wenn durchziehende Truppen ernaehrt werden mussten.
Der Heimberger irrte nie und wurde nicht wankend:
"Es steht im Gesetz, und wohin kaemen wir, wenn nicht jeder das von gottgegebene Gesetz befolgen wuerde?
Unser Fuerst ist unser Herr von Gottes Gnaden, und es steht geschrieben,
gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist."
Er von Kindheit an gelernt zu gehorchen,
wenn herrschaftliche Anordnungen nicht im Widerspruch zur christlichen Lehre stehen,
die der Herr Pfarrer jeden Sonntag verkuendet.
"Ich erweise Gott und unserem Fuersten die zustehende Ehrfurcht,
denn ich weiss, dass zur Ehrfurcht das Wissen um den Abstand gehoert,
der uns Geringere von den Groesseren trennt, - ganz besonders von Gott."
Er empfand - wie alle Leute damals - Furcht den Hohen zu nahe zu treten,
"vor denen man sich zu verneigen habe"
Schlimm waere es, wenn diese Ehrfurcht schwaende..

Schnell sind wir gedanklich bei unserer Demokratie, deren "Stimmvieh" durch eine Menge Recht-Macher in Schach gehalten wird,
deren gesetzlicher Stromzaun den Rahmen vorgibt.
Selbstverstaendlich so formuliert, dass alles absichtlich auslegbar gehalten, demjenigen zu Diensten wird,
der das meiste Geld hat, sein Recht durchfechten zu koennen.
Mit Versprechungen gewaehlt, durch "Koalitionsverhandlungen" in ihrer Aussagekraft so entschaerft,
dass man von einer Wundertuete sprechen koennte.
Wirklich wichtige Kontrakte werden wohl noch immer geheim gemacht, wobei jeder jeden ausspioniert und ggf. auch bedrohen kann.
Noch immer sind die alten Ausreden von Religionskonflikten und politischen Systemen oder Entwicklungshilfen da,
die jene alte Jagd nach Resourcen verschleiern helfen -
wie zu den Zeiten der alten Fuersten und Feldherren-
tiefgreifend hat sich wohl nichts geaendert an der Prunksucht und am Machtkalkuel,
das betrifft religioese Maechtige ebenso!

Zurueck zur Geschichte, um dem Seitennamen die Ehre zu geben:
Das Straf- und Prozessrecht war die "CCC"
Die Constitution criminalis Carolina, von Kaiser Karl V. erlassen,
sowie vom Reichstag zu Regensburg anerkannte "peinliche Gerichtsordnung.
Viele hielte nicht viel von den gelehrten Juristen:
"Den Doktoren ist das Recht haerter als den Laien verschlossen und kann denen keinen Schluessel dazu finden"
"Nach dem Gerichtsbeschluss wurden die Koerper der Raeuber wurden enthauptet und geraedert."
Ein Richter der damaligen Zeit hierzu:
"..echtes Richtertum sei nicht nur Schulung des Verstandes,
sondern erforderte auch eine charakterliche Haltung,
in der aeuserste Selbstzucht das hervorstechende Merkmal sei.
Wissenschaftliches Studium sei fuer die Aneignung dieser Haltung allein geeignet
und koenne auch Vorbild fuer die Schoeffen sein"
Der Gesetzgeber, der Fuerst, nahm fuer sich und fuer den Adel andere Rechte in Anspruch-
begruendet aus der Bibel und dem Recht, das sich der Staerkere nimmt -
wie damals ein Vater und die Mutter andere Rechte als die Kinder hatten..

Aus der gerade erst zerschossenen Ruine des Schlosses
mussten die Buerger der Doerfer rundum in Frondient die Steine
zu den Baustellen der herrschaftlichen Regierungsgebaeude fahren,
die der fuerstliche Bauinspektor Sckell plante.

Viele Krankheiten sind damals noch nicht heilbar gewesen,
der Gang zum Babier oder zum Physikus war damals noch weit- und vor allem teuer..
So traf es eine junge Frau die "entsetzliche Schmerzensschreie bis in die Nachbarshaeuser ausstiess,
bis das Schreien in ein Stoehnen und Jammern ueberging,
wo sie bald niemanden mehr erkannt hat und bald starb.."
Dieser Vorgang des heute als "finales Fieber" -zumindest in Fachkreisen- bekannt ist,
kam aus obigem Satz doch arg hervor-
ich bin kein Arzt, meine da aber gewisse Zusammenhaenge erkennen zu koennen:
Trifft das evtl. alle Sterbenden? (mehr oder weniger stark)
Es soll sich um eine Hirnhautentzuendung gehandelt haben, wie zu lesen war...

Reisende aus den USA, die in unserer Heimat zu Gast waren,
aergerten sich ueber die vielen Kontrollen und Mautzonen,
ueber die strengen und staendigen Untersuchungen und Fragen nach dem "woher und wohin" und darueber,
dass die Einwohner sich solche Restriktionen und Gaengeleien gefallen liesen..

Das Buch schliesst mit einem denkwuerdigen Epilog,
der davon erzaehlt, dass sich der Ort sehr ausgedehnt hat,
Die "Stille des Sonntagnachmittags" sei nicht mehr zu erleben,
Unterhalb des Berges fuehrt nun eine Strasse und eine Eisenbahnstrecke entlang,
wo in kurzen Abstaenden die Geraeusche der Fahrzeuge zu hoeren sind.
Nach dem Bau der neuen Verkehrswege sind wohl die Wiesen des Dorfes ausgetrocknet,
so wie am Anfang des 18.Jhds.
Betriebsamkeit ist von frueh bis spaet,
ohne Kirchenzwang und ohne die strenge hierarchische Ordnung der alten Tage.
Auf den wenigen noch bearbeiteten Wiesen und Feldern sieht man keine Schnitter mehr-
nur noch selten ein landwirtschaftliches Geraet.
(Im Westerwald ist die Weidewirtschaft immer mehr zur Hobbypferdehaltung mutiert)
Alte Graeber sind laengst abgeraeumt, nicht mal mehr die Namen derer,
die hier von Anfang an lebten, sind zu finden.
Der Friedhof wurde an den Ortsrand verlegt, alte Haeuser stehen leer,
die jungen Leute haben neu gebaut und so das Dorf -nur flaechenmaessig, nicht von der Einwohnerzahl her- ausgedehnt.
Keine Kuh- und Ziegen, die gemaechlich durchs Dorf getrieben werden,
selbst die Familienbande sind so viel anders als damals.
Die alten Berufsbilder sind verschwunden, so dass kaum noch einer weiss,
wie die Arbeitsablaeufe damals waren.
In manchen Vorgaerten oder verlassenen Scheunen findet man noch seltsame alte Geraete,
die wohl die meisten Menschen nicht mal mehr dem Namen nach kennen.
Die Dorfsprache ist eine andere geworden - der Dialekt ist fast nur noch im Zungenschlag zu hoeren.
"Der Dorfklatsch tritt gegenueber dem uebermaechtigen Schwall von Nachrichten und Sensationen aus dem Fernseher"
Schreibt der Autor- was ich so aus unserem Dorf nicht kenne,
wo ueberall -wie eh und je- ausgedehnt und bei jeder Gelegenheit "Dorftratsch" gehalten wird.
Selbst in der nahen Kreisstadt Weilburg wird diese Tratschkultur gepflegt!
Zum Laerm in den Wohngebieten muss ich sagen, dass hier die Einwohner selbst schuld sind-
man muss nicht jeden Meter mit zu dicken Fahrzeugen zu schnell und ruecksichtslos fahren-
ruecksichtsvoll und mit mehr Miteinander geht auch !

Wir koennen aus der alten Zeit einige gute Sachen uebernehmen,
ohne unserem modernen Denken abtraeglich zu werden.
Modernitaeten sind nicht immer Fortschritt, manchmal sind sie sogar Verarmung:
Wenn jede Mutti -womoeglich mit der Grossraumlimousine- jedes Kind einzeln vom Bahnhof oder von der Bushaltestelle abholt,
wenn die Schule aus ist- wo bleibt der soziale Kontakt und die Gesundheit,
wenn die Kinder nicht mehr zusammen den Weg gehen, sich dabei unterhalten und frische Luft tanken,
die Glieder nach dem stundenlangen stillsitzen wieder bewegen koennen?
Die Zeit und die Lebensqualitaet wird auch nicht besser dadurch,
dass die Kids nach der Schule zu Events, Reiten, Musikschule, zu Sportclubs gekarrt werden-
das fuehrt nur zur hypernervoesen Zappeligkeit und dem inzwischen als Krankheit anerkannten Aufmerksamkeitsdefizit,
wenn jenen in der Freizeit -nach den Hausaufgaben- alles verplant und verstellt wird.

Fazit:
Ich waere dafuer, dass Haeuser, die laengere Zeit leerstehen abgerissen werden,
damit ein neuer Bauplatz in der Ortsmitte entsteht.
Hier stoert der Denkmalschutz das Leben, das immer Veraenderung war!


Zur Zeit des Baues der Lahntal-Eisenbahn rief die Nassauer Herzogin Adelheid
zu wohltaetigen Spenden fuer die hungernde Bevoelkerung des Oberwesterwaldes auf.
Das grosse alte Nassau-Oranien war in Erbteilung zerteilt und wohl nicht mehr sonderlich zahlungskraeftig.
Die ergreifenden Bitten mancher Pfarrer aus dieser Gegend suchten nach Brotgetreide und Kochmehl nach:
"um den Kleinsten wenigstens ein paarmal die Woche ein Sueppchen kochen zu koennen!"


Die Sonne war eben untergegangen.
Ueber den flachen Westerwaldbuckeln lag noch das Abendrot.
Müde ging Anton Spiesgen heimwärts,
die schwere Hacke auf der Schulter,
und suchte stolpernd seinen Weg zwischen Wacholdergebüsch
und den gewaltigen Basalt-Blöcken, die, moosbewachsen,
weithin das Land bedeckten.
Er hatte den ganzen Tag gearbeitet, Büsche gerodet,
und Steine auf dem Rain zusammengetragen, damit das Gras
für seine Kühe und Schafe nicht gar zu spärlich bliebe.
Aber nein, es war ein Jammer mit diesem Land.
Sobald die Hacke in die Erde fuhr, traf sie auf Felsen und lockeres Gestein.
Kein Wunder, dass hier nichts wachsen wollte.
Nun blieb er stehen und nahm die Hacke von der Schulter.
Sein Blick ging hinüber auf das Dorf.
Königshofen hieß es.
Welch ein fürstlicher Name!
Aber wie erbärmlich sah es darin aus!
Die Häuser waren zerfallen.
Der Wind strich durch offene Fenster und Türen.
Von neun Familien waren acht fortgezogen.
Nun wohnte nur noch er mit seiner Frau, den Kindern und dem alten Vater darin.
Wie lange noch?
Er setzte sich auf einen der Basaltblöcke und lies die Hacke ins Heidekraut fallen.
"Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben",
murmelte er, den Kopf gestützt, vor sich hin.
Er dachte an die Ernte dieses Jahres.
Fünf Säcke Hafer hatte er auf den Speicher gebracht,
kaum das Doppelte der Aussaat.
Und Gerste, nein, es lohnte sich nicht, davon zu reden.
Welch eine Plage war es gewesen, das Land zu pflügen!
Vier Kühe hatte er vor den Pflug gespannt, und am Abend hatte er seine Arme nicht mehr gespürt.
Und der Sumpf, dieser furchtbare Sumpf!
Jeden Herbst und jedes Frühjahr wurde er zu einem See, der die Aecker überschwemmte.
Mühsam stemmte Anton mit beiden Armen seinen Körper von dem Steine hoch
und nahm die Hacke wieder auf die Schulter.
Jeden Abend, sobald die Sonne untergegangen war, kroch die Kälte an den Gliedern empor,
und der Wind trieb es stärker als bei Tage.
Ja, immer war er da, der Wind, mitten im Sommer.
Erst recht im Winter, wenn der "Woost" über die kahlen Hoehen "jaikte"
und Wege und Gräben, ja, selbst die Dörfer, mit seinem Schnee verschüttete,
so dass man wochenlang nichts tun konnte als Schnee schippen und manchmal einen Tunnel graben
vom Haus zur Scheuer oder zum Nachbarn hinüber.
Und die Kinder zitterten und beteten ein Vaterunser, wenn der Wind und die Wölfe vor dem Dorf um die Wette heulten.
Es war ein Jammer in diesem Land!
Da drunten aber an Rhein und Lahn - so hatte er sagen hören -
wuchsen Korn und Weizen, da trugen die Bäume Früchte.
Aepfel und Birnen, da gab es keinen Woost und keine Wölfe.
Ach, wenn er sich doch vom Vater nicht hätte umstimmen lassen, damals,
als er hinunterziehen wollte ins Limburgische.
Aber auch er selbst hatte es nicht übers Herz gebracht,
alles zu verlassen, den alten Mann, das Haus, in dem er Kind gewesen war, den Hof.
"Geh, Anton," hatte der Vater gestern gesagt,
"geh ruhig, ehe deine Kinder vor Hunger umkommen.
Ich aber - ich will in Königshofen sterben".
Doch Katharina, die Frau, hatte gemeint:
"Nein, wir dürfen den Vater nicht allein lassen".
"Wir werden es müssen, wenn er nicht mit uns geht",
sprach Anton jetzt gesenkten Kopfes vor sich hin.
In der Nacht hörte er ein Klopfen an der Tuer.
"Die Wölf", keuchte die heisere Stimme des Vaters,
"die Wölf sind da, im Schafspferch"
Anton sprang aus dem Bett.
Im Augenblick hatte er Kleider am Leib und Schuhe an den Füßen.
Er eilte die knarrende Treppe hinunter.
Im Dunkel des Schuppens nahm er die Axt, die jederzeit greifbar neben der Tür lehnte.
Er lief durch den Garten und sprang über den Pferchzaun.
Wie Gespenster huschten die Wölfe mit langgestreckten Leibern um ihn her und stoben davon,
nur noch als schwarze Striche im fahlen Mondlicht erkennbar.
Zwölf seiner Schafe waren gerissen.
Nur drei lagen noch lebend am Boden und er selber -
er bemerkte es erst jetzt - war an der Schulter verwundet,
dass ihm das Hemd in Fetzen herabhing und Blut am Arme niederrann.
"Nun gehts nicht mehr länger", sagte er zu Katharina,
als sie ihm mit noch zitternden Händen einen Verband um die Schulter legte.
So packten sie am nächsten Tag den Wagen.
Sie sprachen kein Wort bei dieser Arbeit.
Manchmal trat Katharina ins Dunkel unter dem Kamin und lies den Tränen freien Lauf.
Auch Anton würgte es in der Kehle.
Martin, der Alte, hatte sich in der Aushaltkammer eingeriegelt.
Er wollte nicht sehen, was im Hause geschah.
Die Kinder liefen eifrig hin und her und halfen, was sie konnten.
Ihre weitgeöffneten Augen waren voller Erwartung.
Nur der Aelteste fragte einmal die Mutter:
"Kommen wir denn gar nie mehr zurück?"
Am folgenden Morgen saßen sie noch einmal in der rauchgeschwärzten Küche
um den schweren Eichentisch zusammen und aßen den Haferbrei aus der irdenen Schüssel.
Anton hatte seine besten Kleider angezogen:
Den blauen Kittel, die blauen Kniehosen ueber weißen Strümpfen und Schuhe mit blanken Schnallen.
Der große Dreispitzhut hin schon am Nagel der Tür.
Ja, Anton wollte auch im Niederland ein Westerwälder bleiben.
Martin Spiesgen ging noch ein Stück Weges mit ihnen.
Vier Kühe waren vor den Wagen gespannt und eine neben den drei Schafen am Seil hinten angebunden.
Der Alte stützte sich auf den Arm des Sohnes, bis zum Salzburger Kopf.
Keiner sprach ein Wort.
Dann griff Anton den Kühen in die Zügel.
"Jetzt mußt du umkehren, Vater!" sagte er.
Die Kinder sprangen vom Wagen, und Großvater Martin umarmte sie alle,
während seine Lippen zuckten und die Enden seines Bartes ueber den blauen Kittel zitterten.
"Daß es euch gut gehe", murmelte er, "und Korn und Weizen.. und Aepfel auf den Bäumen.. und mir ein gnädiges Ende."
Er saß noch lange auf dem moosbewachsenen Basaltblock.
Er sah, wie sie auf die feste Kölner Straße einbogen, und wollte ihnen winken.
Aber er brachte die Hand nicht mehr hoch.
Er blickte ihnen nach, so lange er sie sehen konnte.
Dann schlurfte er heimwärts.
O Gott, wie schwer ihm das Gehen wurde!
Erst nach Stunden erreiche er das Haus.
Er setzte sich auf die Bank in der Küche und ließ den Kopf langsam auf den Eichentisch sinken.
So fand ihn vier Tage später ein Bauer aus Neukirch.
Und man begrub ihn auf dem vergessenen Friedhof, ihn, Martin Spiesgen,
den letzten Einwohner von Königshofen, im Jahre 1566.

(Alte Ueberlieferung, gefunden im Rhein-Lahnfreund von 1962)


Das Reisen vergangener Tage war total anders - hier eine Beleuchtung:
Kaum ist Mattes auf der Koeln-Frankfurter-Strasse, wird es lebendig ringsum.
Drei, vier, nein fuenf schwere Packwagen kommen von Koeln und fahren nach Arnshoefen hinunter.
Vorweg zwei Reiter in bunter Kleidung, vor jedem Wagen vier schwere Pferde,
und zum Abschluss drei Reiter.
Die Wappen auf dem schwerbeladenen, knarrenden Wagen, das messingbeschlagene Lederzeug
an den gutgenaehrten schweren Pferden, alles das laesst auf ein reiches Unternehmen schliessen.
Jetzt lenkt eine elegante Kutsche die Aufmerksamkeit von Mattes auf sich, deren Pferde in
leichtem Trab die Hoehe herunterkommen.
Auf dem Bock sitzt ein vornehm gekleideter Kutscher, die Zuegel laessig in den Haenden haltend.
Die Fenster aber sind dicht verhangen, gewiss schlaeft die Reisegesellschaft.
Vor sich erblickt Mattes eine Weile spaeter einen grossen Trupp, es sind Bauern, die Kuehe und Rinder
mit sich fuehren; sie wollen wohl nach Koblenz zum Markt.
Immer bewegter wird die Strasse.
Hier kommt ihm ein Handelsmann entgegen, erkenntlich durch die hohe breite Kiepe auf seinem Ruecken,
vollbepackt mit allerlei Kram, dort wandern Handwerksburschen, Zimmerleute, Maurer,
man erkennt sie an der Kleidung und an dem Werkzeug, das sie mit sich fuehren.
Auf der Koblenzer Strasse ist der gleiche Betrieb:
Fuhrleute mit Holzladungen, Saecken, Faessern, und da sogar ein Hochzeitswagen.
Er ist mit Moebeln vollbeladen, die Brautleute obenauf,-
hier auf dieser Strasse sieht man in einer Stunde mehr Leue als im Dorf in der ganzen Woche-
schon allein das ist ein Fussweg nach Koblenz und zurueck wert!

Am 29. Maerz 1853 ist ein ganzes Dorf nach Amerika ausgewandert- Sespenrod im Gelbachtal.
Ein einsames steinernes Kreuz am Wegrand im Gebuesch blieb und die alte Kirche-
der Rest wurde geschleift oder abgebaut und zu den Nachbardoerfern gebracht.

Noch ein wenig zu den Marktpreisen:
In den Jahren zwischen 1856/66-1900 , umgemuenzt auf die Mark,
kostete die Tonne Weizen 194 Mark, Korn 142 Mark, Gerste 135 Mark, Hafer 130 Mark.
Vom Hektar Land kam - je nach Bodenguete - 8 bis 18 Doppelzentner Weizen oder Korn,
5-15 Doppelzentner Gerste oder Hafer.
Der Tageloehner verdiente Eine bis Zweimarkvierzig am Tag.
Ein Arbeiter beim Wasserbau bekam 1,08 Mark fuer seine 12 bis 14 Stunden Schicht,
ein guter Maurer bis zu 1,50 Mark.
Steinbrecher und Tunnelarbeiter kamen auf 2,40 Mark.
Frauen bekamen etwas mehr als die Haelfte der Maennerloehne.
1859 bekam der Lehrer 865 Mark im Jahr, so viel wie ein Eisenbahnfuehrer.
Ein Pferd kostete 450-600 Mark, ein Ochse 240-375 Mark,
der Kilometerpreis in der III. Klasse betrug 3 Pfennige,
der Leutnant des Nassauischen Militaers bekam im Jahr um 1864 1100-1350 Mark.
Der Hauptmann erhielt 2500-3600, ein Tierarzt 1100-2200, ein Medizinalrat 2900-4300 Mark,
ein hoeherer Lehrer (Gymnasium) 1800-3600 Mark im Jahr.
Der Direktor der Nassauischen Staatsbahn bekam im Jahr 4800 Mark, ein Lokomotivfuehrer 900-1100 Mark.
Der Zentner Kartoffeln kostete 2 Mark, das Pfund Butter 1 Mark, das 4 pfuendige Brot 50 Pfennig,
Rindfleisch 60 Pfennig (Pfund) , Schweinefleisch 66 Pfennig, ein Schoppen Bier (1/2Ltr) 14 Pfennig.

Nach dem 2. WK bestand offiziell kein Unterschied mehr zwischen Mann und Frau, wenn es um die Loehne ging.
"Eine gute Lebensschule machen die jungen Maenner mit, die auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht,
ihres Gesundheitszustandes und ihrer Abkoemlichkeit zur Bundeswehr muessen.."
"Die grossen sozialen Veraenderungen haben auch Schattenseiten. Da der wirtschaftliche Aufschwung
den Bedarf an Arbeitskraeften so enorm gesteigert hat, ist das Reservoir voellig erschoepft.
Das fuehrt zu unerfreulichen Situationen in vielen Betrieben, zu immer groesseren Anspruechen
auf dem Lohnsektor und zu einer immer groesser werdenden materialistischen Einstellung.
Man strebt im Eiltempo einen immer besseren Lebensstandard an."
Der Autor dieser Zeilen aus dem Jahr 1965 ist sich dessen wohl nicht bewusst, dass "Wertschoepfung" auch Teilhabe bedeutet,
dass durch den Zuzug der ersten Gastarbeiter diese Entwicklung -zum Nachteil der einheimischen Beschaeftigten- gedaempft wurde,
waehrend der Unternehmer sich wahrhaft goldene Zeiten holte.

Doch zurueck zu den Zeiten, als die Kutschen noch fuhren, an Eisenbahnen noch nicht zu denken war:
Das "Grundruehrrecht" war ein Ding, das die Herrschaften erfunden haben, um ihre Kassen durch eine Sonderabgabe zu fuellen:
Wenn ein Wagen - was nicht so selten geschah, weil die Strassen in einem schlimmen Zustand waren - ein Rad brach,
die Kutsche den Boden beruehrte, kamen sofort Reitersleut der Herren und beschlagnahmten den Wagen.
Nicht aus Sicherheitsgruenden, sondern nur, um alles fuer den Fuersten zu requirieren-
was den Grund und Boden beruehrte, der dem Herrscher war, dem war auch alles, was darauf stand.
Windig, aber wohl war gewesen. Die Pferde verblieben im Eigentum des Haendlers oder Kutschers.
So manche teuere Ladung ist dabei in den Kammern der Burgen und Schloesser gelandet..

Knittrige alte Maenner ohne Zaehne wurden mit einem Loeffel im Mund rasiert, damit die Haut straff genug war,
dass das Messer nicht einschnitt. Ueber den Loeffel barbieren!

1880 hatten die Laeden Sonntags ab 11-16 Uhr und an Werktagen bis 21 Uhr geoeffnet..

Der "feurige Elias" fuhr zwischen St. Goarshausen und dem Hinterland,
Berufspendler und Schueler fuhren in den gruenen Wagen,
manchmal wurde im Schein von Kerzenstummeln die Hausaufgaben gemacht..
Der Lokfuehrer war noch eine richtige Autoritaet, er rauchte sein Pfeifchen erst zu Ende,
dann ging die Fahrt los - nicht vorher!
(Spaeter lud man zu viele und zu schwere Lasten auf die Wagen, die mit immer staerkeren Lokomotiven gezogen wurden-
das hat das Gleisbett zerruettet und die Schienen deformiert, die dafuer nicht ausgelegt waren.
Das Ende vieler Kleinbahnen kam auf diese Weise- nicht nur durch die mangelnden Passagierzahlen.
Der Dichter H.A.Weber schildert seine Eindruecke, die ich Euch, geneigte Leser, nicht vorenthalten will.

"Ich stehe auf dem Bahnsteig zu Katzenelnbogen und warte auf den Zug.
Vielleicht hat der Name Katzenelnbogen, dem ich nachsinne,
ein wenig schuld an der verwandlung, der in anheimfalle.
Das Stationsgebaeude ist ziegelrot und vom Russ angeschwaerzt.
Ein Pfiff reisst mich aus dem Zustand zwischen Wachen und Traum.
Ich blicke auf. Ich laechele.
Ein Spielzeugbaehnlein bimmelt heran, ein Baehnlein Liliput.
Man moechte sich auf den Bauch legen und wie ein Kind zu Weihnachten mit der Eisenbahn spielen.
Aber da blickt aus dem winzigen Stand der Lokomotive ein schnauzbaertiges Gesicht.
Dieses russige Gesicht verschaffte dem Baehnlein Respekt.
Ein wenig verzaubert gehe ich ueber die fingerbreiten Schienen.
Ich suche die Zapfen, mit denen sie ineinandergesteckt sind.
Hinter der Lokomotive haengen zwei Wagen, zwei Waeglein.
Der eine hat kleine Fenster, das andere ist der Packwagen.
Das Waeglein mit dem Personenabteil hat bequeme kleine Trittbretter,
das unterste ist nur eine Spanne breit vom Boden entfernt.
Blecherne Tueren und halbhohe Seitenteile umschliessen die Plattform.
Die Verzauberung wird staerker.
Die Gestalten schrumpfen ein.
Ich selbst werde kleiner, setze mich an ein Fenster auf eine zierliche Bank.
In der Ecke steht ein viereckiger Ofen.
Es muss sehr angenehm sein, wenn im Winter das Feuer im Ofen brennt und der Pfeifendunst woelkt.
Barockengelchen halten einen Aschenbecher an der Wand unter dem Fenster fest.
Es hat den Anschein, als wollten sie durch das Fenster ins Blaue entfliegen;
aber da steht in sehr deutlicher Schrift:
Nicht hinauslehnen!
Unter dem Fenster, das nicht aufgeht, wie die aufgemalten Fenster der Spielzeugeisenbahn.
Es kommen maerchenhafte Passagiere in den Wagen.
Ein Dicker mit einer Eichelhaeherfeder am Hut,
eine duerre Frau mit einer Warze neben der Nase,
eine Jungfer Helene und ein strahlendes Bauernmaedchengesicht.
Sie fragen sich gegenseitig nach Woher und Wohin und sind bald in einem umstaendlichen Gespraech.
Mit markerschuetternden Pfiff setzt sich die Lokomotive in Szene.
Es gibt ein Gerucke - und wahrhaftig, das faehrt das Baehnlein langsam aus der Station.
Quer durch die Aecker geht die Fahrt.
Die Furchen rennen ueber die Buckel in der Ferne.
Doerfer liegen im Sonnenlicht, blinkend, klein, wie nicht ganz wirklich.
Die Lokomotive Pustestark legt Tempo vor.
Es gibt verwegene Kurven, beaengstigend legt man sich nachgebend ein wenig zu Seite.
Man kann ja nie wissen.
Es ist eine laermende Fahrt, die Zaehne schlagen aneinander.
Das Baehnlein hat eine gewalttaetige Art, wenn es so im Rennen liegt.
Draussen gehen in ungenauen geschuettelten Linien die Hoehen des Einrichs vorueber.
Wellblechstationen gebieten Halt, sie liegen ab von den Doerfern.
Eine Talsenkung ist durchfahren.
Nun kommt die Steigung zur jenseitigen Hoehe.
Die Lokomotive "Ichschaffsvielleicht" strengt sich furchtbar an.
Ich bin auf die Plattform gegangen.
Die Lokomotive aechzt und stoehnt.
Der russ-ige Lokfuehrer schaut durch das ovale Fensterlein zu mir zurueck,
er lacht mir mit blankem Gebiss und freundlichen Augen zu.
Ein Spatz flattert daher.
Er laesst sich auf den kleinen Tender nieder und macht die Reise mit, ein blinder Passagier.
Aber da hat die Lokomotive die Hoehe geschafft und eilt leichtfertig zu Tal,
blickt angeberisch nach rechts, nach links.
Das Zueglein klirrt und schuettelt und laermt.
Selbst der Spatz plustert bedenklich das Gefieder, bereit zum Start vor der Gefahr.
Dann aber ploetzlich zieht die Lokomotive alle ihre musikalischen Register.
Dampf zischt, die Pfeife schreit, die Glocke bimmelt.
Da entflieht der Spatz.
Ich blicke ihm nach, indessen der Zug stolz und im Endspurt Nastaetten anlaeuft."

Ein alter Landrat erzaehlt:
"In unserer Heimatgemeinde lebten Menschen von beispielhaftem Lebensmut gepraegt
und geformt von einer mehr als 1000 jaehrigen, wechselvollen Geschichte,
Katastrophen und Pruefungen wurden ihnen zuteil,
sie wurden mit aufgewuehlt von den Erschuetterungen der Jahrhunderte.
Die Maenner mit wetterharten Gesichtern und klaren Augen, bekleidet mit den blauen Kitteln,
bisweilen hart wie die duerftigen Aecker, die Frauen mit ihrer schlichten Art, in sich gekehrt,
die aber am Tisch auch zu befehlen und zu regieren gewohnt waren-
sie haben das Bild unserer Heimat geformt."


"Unsere Ahnen taten ihr Werk mit Gottvertrauen.
Wenn mein Vater morgens die Kuehe anspannte zum Pfluegen der Flur, dann rief ihm die Mutter nach- Gott walts! zu.
Unsere Vorfahren lebten mit der Kirche, in der Welt der Kirche vom Taufstein bis zum Friedhof"
An dieser Stelle moechte ich ein wenig einhaken und bemerken, dass Kirche stets Zwang von oben war-
eine Freiwilligkeit sehe ich dabei nicht- was nichts mit dem tiefsitzenden Glauben zu tun hat,
der wohl eher aus der Ur-Zeit stammt und mit der Natur zu tun hatte.

Noch ein paar Daten aus der Besatzungszeit und Inflation:
So kostete 1923 ein Brot von 1900gr
im April 850, im Juni 2500, im September 900.000 im Oktober 350 Millionen im November 800 Milliarden Mark!
Im April 1922 zahlte ein Werkstudent eines grossen Stahlwerks in der Kantine fuer ein Mittagessen ohne Fleisch 12 Mark.
Bei 8 Stunden Arbeit am Tage im Steinbruch verdiente man 1923 im Maerz 12.000 Mark.
1923 kostete eine Tasse Kaffe 3 1/2 Milliarden Mark.
1912 kostete 1/2 Pfund Wurst -halb Leber- halb Blutwurst 35 Pfennige.

Vor 1918 waren die Orte und Strassen nachts in voelliger Dunkelheit- das elektrische Licht kam erst langsam auf.
Schlechte, nicht ausgebaute Ortsstrassen gab es da, man begann lansam in den Gassen Rinnen anzulegen.
1913 wurde in vielen Orten erstmals eine Kanalisation gebaut-
das Wasser wurde noch am Ziehbrunnen geholt und in die Kueche
mit ihrem Lehmstampfboden gestellt, der oft nur zum Teil gepflastert war..
Das offene Feuer brannte und schwaerzte unsere Kuechen im Dorf, im Westerwald.
Der Rauch zog ab durch den Rauchfang, in dem Schinken und Wuerste hingen.
(Letzteres duerfte nur in Bauernhaeuser der Fall gewesen sein)
Das Wohnzimmer, das zugleich Schlafzimmer war, wurde spaerlich beleuchtet durch eine Petroleumlampe.
Im Wohnzimmer, ausgeschmueckt mit dem Kruzifix und drei Heiligenbildern, einem kleinen Schraenkchen,
mit Familienerinnerungen nd dem Brett, auf dem die Hl. Schrift lag, stand das elterliche Schlafbett.
Am Fussende, in der Naehe des Ofens, wie allgemein ueblich (wohl nur im Westerwald),
die Bettbank- darin langen zu viert die vier Buben, wie der Landrat berichtete.
Die Waende oben in den Haeusern waren duenn, die Fenster zugig und klapperten-
im Winter mit Eisblumen dran an den Scheiben.
Neugierige Maeuse aeugten aus einem Loch in der Decke- dort wo Korn auf dem Boden lag.
Kinder behandelten die Igel geradezu heilig, dagegen sollen die Fledermaeuse,
die zu hunderten in den Scheunen schliefen, bei einsetzender Daemmerung mit hochgeworfenen Muetzen
zu einem -unfreiwilligen Besuch bei den Buben eingeladen worden sein..

Ein alter Spruch aus einem Schloss:
"Moderata durant" (Mass und Mitte haben Bestand- oder wie ich das uebersetzen wuerde:
In Bescheidenheit durchhalten)

Der "Kanonenkoenig" und Stahlhersteller weilte gerne in seinen ausgedehnten Jagdpachten,
lud allerlei Politiker und Magnaten und Adelige und andere Prominente
zu sich ins Jagdschloesschen ein, um rauschende Feste und prunkvolle Jagdten zu veranstalten.
Damals soll eine "schier endlose Reihe schwerer feiner Gespanne" vorgefahren sein.. (wie heute auch)
Den vielen Zaungaesten blieben generoes wie er war, die Reste, den Treibern ein feines Mahl, von dem die Familien noch lange erzaehlten..
Ich koennte mir denken, dass die wirklich wichtigen Verhandlungen auch heute noch in aehnlicher Weise getan werden..
Die Jagdstrecke eines Tages betrug 50-60 Hasen, 30-40 Rehe, 20-30 Stueck Flugwild,
das in einen eigens bereit gestellten Wagen zum Verkauf an die Wildbretgeschaefte der Staedte gingen.
Zuvor wurde das Wild- wie heute heimlich auch getan wird-
jaehrlich zwischen November und April ca 250 Zentner Dickwurz,
30 Zentner Malzkeime und Kleie, - zusaetzlich Mengen an Kastanien, Eicheln und Moehren - an- und fettgefuettert.
Wie weit das "waidgerecht" genannt werden kann, obliegt freilich den hohen Herren.

Ein Bericht, der typisch fuer die Taten der durchziehenden Truppen war, egal ob Freund oder Feind:
"Eine schreckliche Zeit war fuer unsere Heimat der grosse Krieg, der 30 Jahre dauerte.
Damals hat Runkel an der Lahn seinen schlimmsten Tag erlebt.
Es war am 1. Oktober 1634.
Eben daemmerte der Morgen, da schreckten wiederholt Hornsignale die Runkeler aus dem Schlaf.
Die Waechter der Burg hatten verdaechtige Reiter wahrgenommen,
die sich dem Ort naeherten.
Der Kuhhirt vom Obertor und der Schweinehirt von der Bornpforte bliesen aus Leibeskraeften Alarm.
Die aufgeschreckten Menschen in den kleinen strohgedeckten Haeusern hinter der Burgmauer ahnten nichts Gutes.
Mittlerweile hatten sich die fremden Reiter dem Staedtchen genaehert.
Dem Vortrupp folgte bald eine groessere Horde wildaussehender Gesellen zu Pferde.
Es waren Kroaten, dunkelhaarige, grausame Kerle.
(Damals Verbuendete Preussens gegen Napoleon)
In der Herrgottsfruehe waren sie vom Hauptlager der kaiserlichen Truppen in Limburg aufgebrochen,
um zu rauben und zu pluendern.
(Soldaten hatten sich selbst zu versorgen!)
Jetzt erreichten die Kroaten die Stadtmauer.
Wie die Wiesel kletterte ein Haufen auf mitgefuehrten Leitern empor.
Der Widerstand der ueberraschten Bewohner war bald gebrochen.
Die wilde Schar drang schreiend in den Ort.
Anderes Raubgesindel stuerzte nach.
Ein Teil der Feinde stuermte zum Tor.
Wer sich ihnen in den Weg stellte, wurde niedergestochen.
Als das Stadttor von innen gewaltsam geoeffnet war,
konnte die Uebermacht der kroatischen Reiter in Runkel einfallen.
Bald wimmelte es von ihnen im ganzen Ort.
Laut jammerten und wehklagten die Frauen.
Junge Maedchen fluechteten eilends ins Versteck.
Angstvoll klammerten sich weinende Kinder an Vater und Mutter.
Nun hoerten die Einwohner auf der Gasse lautes Fluchen.
Die Pluenderer zogen truppweise vor die Haeuser, waehrend etliche bei den Pferden blieben.
Wo sich die Hausbewohner hinter verschlossenen Tueren in Sicherheit glaubten,
schlugen die rohen Soldaten Fenster und Tueren ein.
Erbarmungslos hieben sie auf die zu Tode Veraengstigten.
Gierig durchwuehlten sie in Suben und Kammern die aufgebrochenen Truhen, Kisten und Kasten.
Geld und Schmuck, Kleider und Leinenzeug, sogar Hausgeraete holten sie da hervor und liessen alles mitgehen.
Aus den Raeucherkammern stahlen sie Wuerste und Schinken.
Andere stuerzten in die Scheunen und Staelle.
Dem aufgescheuchten Federvieh drehte man die Haelse um.
Schweine und Kaelber wurden abgestochen.
Ihr Hauptbegehr aber waren Pferde, Rindvieh, Hafer, Erbsen und Korn.
Heiner Dick wollte seine zwei Pferde nicht hergeben.
Da schlug ihm einer der wuesten Kriegsleute mit dem Saebel so ueber den Kopf, dass er bald danach starb.
Schlimm ging es auch bei der Schankwirtschaft zu.
Die feindlichen Reiter forderten Wein, Bier und Schnaps.
Ans zahlen dachte keiner.
Und weil der Wirt und seine Wirtsfrau nicht schnell genug das Verlangte herbeischafften,
zerschlugen die Kerle Tische und Stuehle und holten sich alles selbst aus dem Keller.
Das war ein Schreien, Johlen und Toben!
Betrunkene Kroaten stuerzten sich auf wehrlose Buerger,
um ihnen die letzten Habseligkeiten zu erpressen.
Von etlichen alten Leuten wollten sie wissen, wo sie ihre Wertsachen vergraben haetten.
Und da sie keine mehr hatten oder einige es nicht erraten wollten,
warfen die Rohlinge sie zu Boden und fesselten sie an Haenden und Fuessen.
Dann legte man den Ungluecklichen ein Seil um den Hals, um sie zu foltern.
Mit dieser Schlinge erwuergte man einige alte Leute ohne Barmherzigkeit.
In der Kirche zerschlugen Trunkenbolde den Sammelkasten und raubten das Almosengeld fuer die Armen.
Dann zog der groesste Teil der Horde vor das Schloss.
Die Burgleute mussten vor der Uebermacht weichen und das Schloss wurde vollstaendig gepluendert.
Dem jungen Grafen Philipp Ludwig fuehrten sie als Gefangenen mit.
Am schlimmsten aber trieben die Kroaten ihr Teufelswerk vor ihrem Abzug aus Runkel.
Kaum waren die Wertsachen aus der Burg fortgeschafft,
da flogen Brandfackeln in das trockene Holzgebaelk und auf die Schindeldaecher.
Im Nu breitete sich das Feuer aus.
Krachend brach die Decke des Rittersaales und der angrenzenden Gemaecher zusammen.
Die lodernden Flammen fanden in der Burg immer neue Nahrung.
So brannte sie fast vollstaendig nieder.
Nicht besser erging es dem Staedtchen.
Auch dort zuendeten die sinnlos Wuetenden viele Haeuser an.
Entsetzt flohen die meisten Einwohner.
Der frische Oktoberwind entfachte die ersten Braende zu einer weithin sichtbaren Feuersbrunst.
Rauchende Truemmerhaufen, geschwaerzte Mauerreste und verkohlte Balken verrieten noch lange Zeit,
wie die Kroaten in Runkel gehaust hatten.
Nur acht Haeuser von etwa 50 sollen erhalten geblieben sein.
Die meisten Ueberlebenden suchten bei Verwandten in der Umgebung eine neue Unterkunft.
Viele waren durch die Quaelereien der Fremden zum Krueppel geworden.
Brand, Raub und Pluenderung hatten die Runkeler zu armen Menschen gemacht.
Deshalb vergingen viele Jahre, bis man den Ort und die untere Burg wieder aufbauen konnte."

Soweit dieser Bericht, der so echt wie moeglich sein sollte -
da gleich noch eine Geschichte, die ganz gut erklaert, was es mit der sonderbaren Verordnung,
die oben bereits angeschnitten worden ist, auf sich hat: Strikte Gesetze fuer Feierlichkeiten.

"Der Taeufling ging verloren"
Von Karl Adamczak im Jahr 1964 verfasst.
"Der Herr Oberamtmann schon seinen Teller von sich, wischte sich mit dem Mundtuch ueber die Lippen,
und faltete es dann wieder zusammen.
Das war mal wieder ein feines Mittagessen, lobte er seine Frau, die beleibte Frau Oberamtmann,
die ihm gegenueber saß.
Geschmeichelt laechelte diese ihren Ehegemahl an und erwiderte:
Das hoere ich gern, obgleich der Hauptteil des Lobes unserer Koechin gebuehrt.
Dennoch glaube ich, dass wir in unserem Haus ziemlich bescheiden leben!
Was mir da kuerzlich wieder erzaehlt wurde von grosen Festgelagen in unserer Gegend,
das grenzt ja foermlich an Ausschweifung!
Der Herr Oberamtmann nichte und lange nach einem Aktenstueck, das auf einem kleinen Nebentisch lag.
Jaja, diese Festgelage haben in juengster Zeit ein Ausmass angenommen, dass ich nicht anders kann,
als von amtswegen dagegen einzuschreiten.
Ich habe hier einen von mir angefertigten Bericht an die kurtrierische Regierung ueber Sitte und Charakter der Einwohner des Amtes Camberg,
den ich noch heue absenden werde.
Dieser Bericht ist mir, du kannst es mir glauben, nicht leicht gefallen.
Doch muss es sein.
Wenn es dich interessiert, will ich dir daraus vorlesen..
Ich habe in den letzten Jahren von Parrern, Lehrern, Buergermeistern u.a. zahlreiche Mitteilungen erhalten,
wie auf unseren Doerfern die Hochzeiten und Kindtaufen begangen werden.
Selbst wenn ich zugebe, dass bei derartigen Gelegenheiten an Speise und Trunk nicht gespart wird,
schliesslich will das Volk sich auch mal etwas goennen und froehlich sein-
so muss mich Umfang und Dauer solcher Festlichkeiten doch in allerhoechstes Erstaunen versetzen.
Ich hoere da, dass Hochzeiten nd auch Kindtaufen mehrere Tage und Naechte,
ja eine ganze Woche hindurch in Saus und Braus gefeiert werden.
Nicht selten nimmt mehr als die Haelfte der Dorfgemeinschaft daran teil.
Alle Gaeste bringen als Geschenke Fleisch, Mehl, Eier und Butter in solchen Mengen mit,
dass das Brautpaar ein halbes Jahr und laenger haette davon leben koennen.
Mir wird von tauffeierlichkeiten berichtet, es soll dabei so hoch hergegangen sein,
dass schliesslich die Kindbetterinnen voellig vernachlaessigt wurden.
Von einem Fall wurde mir bekannt, dass ein Taeufling auf dem Wege von Camberg nach dem Filialdorf
von den Weibern unterwegs verloren wurde, nachdem die Taufpaten in Camberg
mit alkoholischen Getraenken derart traktiert worden waren,
dass sie betrunken des Kindes nicht mehr ordentlich achteten.
Zum Glueck war der Saeugling in seinen dicken Umhuellungen weich in den Strassengraben gefallen
und darum ohne groessere Beschaedigungen davongekommen.
Dieser Umstand wurde dann daheim erst recht gebuehrend begossen..
Der Oberamtmann unterbrach hier seinen Bericht und staerkte sich mit einem kraeftigen Schluck.
Seine Frau tat es ihm nach, waehrend ob des Gehoerten schallendes Lachen aus ihr hervorbrach.
Der Herr Oberamtmann, nachdem er sein Glas auf den Tisch zurueckgestellt,
hob die Hand, worauf die Frau ihr Lachen im Taschentuch erstickte.
Dann fuhr er mit ernster Stimme fort:
Noch betrueblicher sind die Nachrichten ueber die Begraebnisse.
Kaum, dass der Tote unter die Erde gebracht, die letzte Traene aus den Augen der Trauernden gewischt,
geht es schnurstracks vom Kirchhof in das Trauerhaus zurueck,
oft auch wegen der vielen Trauergaeste ins Wirtshaus.
Und dann wird geschmaust und getrunken ohne Maßen.
Von Trauer ist bald nichts mehr zu spueren, es wird gelacht und gescherzt,
schliesslich getobt und gebruellt.
Selbst von Schlaegereien ist in den Berichten die Rede,
denen nicht selten Klagen bei Gericht folgten.
Der Aufwand an Trauerkleidung erregt auch verschiedentlich grosses Aufsehen,
weil Erben und Schuldner sich um ihre Rechte betrogen fuehlen.
Auch die Fastnacht wird von Jahr zu Jahr toller begangen.
In den Doerfern verkleiden sich Alte und Junge beiderlei Geschlechts,
ziehen unter lautem Gesang und Gejohle halbe Naechte und laenger durch die Gassen
und verueben mancherlei Unfug.
Oeffentliche Belustigungen bei Musik und tanz in den Wirtschaften, aber auch private in den Haeusern
ziehen sich ueber mehrere Tage und Naechte hin.
Was dabei gegessen und noch mehr getrunken wird, geht schon nicht mehr auf die beruehmte Kuhhaut.
Desgleichen nimmt in letzter Zeit auch die Feier der Kirchweih Formen an,
die mit ihrer eigentlichen kirchlichen Bedeutung immer weniger zu tun hat.
In manchen Doerfern erstrckt sie sich ueber mehrere Tage.
Es waaere zu erwaegen, so schlage ich vor,
das Kirchweihfest allgemein auf einen einzigen Sonntag im Herbst zu verlegen.
Soweit der Bericht, den der Oberamtmann seiner Frau vorlas.
Noch am gleichen Tage ging das Schreiben an die kurtriersche Regierung ab.
Nach einiger Zeit ergingen durch den Erzbischof von Trier etliche geistliche Verfuegungen,
die das uebermaeßige Feiern in den Gemeinden zum Bezug hatten.
So wurden u.a. die Kirchweihen im gesamten Erzstift Trier auf den Sonntag nach Martini festgelegt.
Dammit sollte erreicht werden, dass die Dorfbewohner bei der Kirchweih unter sich blieben
und das Umherziehen auf fremden Kirchweihveranstaltungen unterbunden wurde.
Durch eine Landesherrschaftliche Verordnung vom Jahr 1773 wurde dann allgemein die Kirchweih auf einen Tag festgesetzt
und anbefohlen, diese Lustbarkeiten auf hoechstens zwei Tage zu beschraenken.
Gleichzeitig verbot diese Verordnung die ueblen Gewohnheiten des Neujahranschießens
und des Mayensteckens an leidigen Weibspersonen und Wittiben,
wobei nicht selten naechtliche Ausschweifungen vorgekommen waren.
Auch die oeffentlichen (nicht kirchlichen) Prozessionen zu Pferde,
die alljaehrlich von jungen Burschen abgehalten worden waren,
wurden hiermit untersagt und unter Strafe gestellt.
Auch diese waren mehr und mehr ausgeartet und hatten außer dem Namen Prozession nichts Religioeses an sich.
Zu erwaehnen bleibt noch, dass bei allen Festlichkeiten, sowohl oeffentlichen wie privaten,
nur Bier und Branntwein ausgeschenkt wurde.
Wein und Kaffee wurden allenfalls bei vermoegenden Buergern getrunken.
Fuer das Fest Christi Himmelfahrt wurde gagegen um die Kornflur eine Prozession ohne Geistlichen erlaubt.
Verantwortlich dafuer blieb der Buergermeister.
Nach Rueckkehr dieser Prozession wurde in den Familien Milch mit eingebrocktem Weck verzehrt.
Daher bekam diese Prozession den Namen Weck- und Milchprozession"

Soweit diese lebendige Story aus alten Tagen,
die vom Obrigkeitsdenken mit dem seltsamen Sprachduktus berichtet,
der allenthalben anzutreffen war, wenn es um "Verordnungen und Verfuegungen" ging.
Deren "Denke" - so wuerde man heute mancherorts sagen, war schon ziemlich schraeg..

Zweihundert Jahre spaeter zogen die Kosaken und Kalmuecken, Kosaken und Husaren
kamen als halbwilde Vaterlandsbefreier und trieben die Franzosen vor sich her,
die ihre Schlacht verloren hatten, durch Hadamar.
Die Chronik schreibt von grausamen Verstuemmelungen, schreienden Menschen,
von denen 2/3 bald starben und wie Klafterholz aufeinander geschichtet wurden.
Die "Honoratioren" der Stadt hatten sich geschwind ein schlichtes baeuerliches Gewand gekleidet-
was nicht mal Feigheit genannt worden ist, weil jeder mit sich selbst genug zu tun hatte,
bei diesen Horden nicht unter die Raeder zu kommen.

Bereits 1585 fand man in den Bachbetten und Haengen der Grossen und Schwarzen Nister (Um Hachenburg) Kohlenstuecke,
Mit denen aber niemand was rechtes anzufangen wusste.
Man sprach von "unterirdischem Wald" - ueber den Verdacht, dass diese Braunkohle nur eine Deckschicht
ueber der eigentlichen Steinkohle waere und deshalb nutzlos.
So verbrannte man die Braunkohle am Feld und gab die Asche als Duenger auf die Aecker,
bis sich dieses Brennmaterial als eine wertvolle und sichere Energiequelle entpuppte.
Die Foerderung war allerdings sehr schwer und nur von kurzer Dauer, weil die Gruben schnell voll Wasser liefen.
Das Abtaeufen des Wassers kam erst spaeter auf, erst recht die Pumpwerke, die zuerst mit Pferden betrieben wurden.
Erst 1900 konnte von einem ordentlichen Abbau gesprochen werden.
Die Entdeckung der Kohle hat wohl- glaubt man den alten Aussagen-
gut ein Drittel der Bewohner des Westerwaldes in der Heimat gelassen,
die sonst haetten auswandern muessen, um zu ueberleben.

Der "Rhein-Lahnfreund" hat ab hier noch 11 Exemplare fuer mich,
die von den 1960iger bis zu den 1980iger Jahre fuehren und so manche Kuriositaet
oder manches Wissenswerte in sich bergen, was entdeckt werden will.
Diese alten Hefte sind schnell verschwunden und unrettbar verloren,
sollte diese Buecherei einmal von der Stadt Weilburg (aus Kostengruenden) aufgegeben werden.
Da von den Autoren keiner mehr lebt- was auf alle Zitate und Berichte auf dieser Seite zutreffen wird,
bin ich mir sicher, sie waeren mir nicht boese, dass ich keine besondere Erlaubnis angefuegen konnte.
An dieser Stelle sei ihrer guten Arbeit gedacht und eine Weile innegehalten:
In dem Muehen in der heutigen Multimedia-Zeit ein wenig aus den alten Tagen zu erzaehlen,
wird diese Seite wohl selbst zum Kuriosum, modern hin, digital her.
(Wer das selbst nachlesen moechte, dem kann ich nur das Buchantiquariat empfehlen,
der Druck ist laengst eingestellt, soweit ich herausfinden konnte)
Weiter gehts mit interessanten Dingen aus dem Rhein-Lahnfreund:

Trotz staendig wachsender Industrialisierung waren- zumindest bis zum ersten Weltkrieg
die Bewohner des Westerwaldes keine Proletarier, sondern zum Gewerk auch meistens
"Geisenbauer" und Kleinlandwirt- in welcher Form auch immer.
So bluehte der Hopfenanbau und erreichte erstaunliche Groessenordnungen.
Gemeinsam nahm man die bis zu 15mtr langen Stangen,
die alle zusammengebunden in einer Art Pyramide am Acker standen und den Orten ihren Winter-Touch gaben,
im Fruehjahr, spitzte sie, tauschte morsche gegen frische aus und stellte sie in Reihen auf.
Fleiss und Zaehigkeit waren gefordert, denn der Hopfen "wollte jeden Tag seinen Herren sehen",
wie ein altes Sprichwort sagt.
Zur Ernte wurden die Stangen mit speziellen Hebetechniken abgesenkt
und die langen Ranken (Mahn) geschnitten und in Buendeln nach Hause transportiert.
Drei dieser Mahnen konnte eine fleissige Schnitterin am Tag schneiden.
Anschliessend wurde der Hopfen gedoerrt und verkauft.
Der Zentnerpreis lag zwischen 40-120 Mark.
Im Jahr 1911 war eine so gute Ernte im Westerwald, eine so schlechte in Bayern, dass der Preis auf 330 Mark ging.
Den mittleren Hopfenbauern kamen 15, den besten 30 Zentner zur Ernte.
1941 wurden durch ein Erlass die Stoecke vernichtet und eine Entschaedigung gezahlt.
Seit dem sieht man nur noch vereinzelt wild wachsenden Hopfen.

Gegen Ende des 16.Jhds. zogen zwei Junker des Limburger Schlosses regelmaessig pluendernd in die Stadt,
nachdem diese sich einmal "blutige Koepfe geholt" hatten, hoerte das auf und eine seltsamer Spuk begann:
Das "Muhkalb", ein Gespenst, setzte den Reisenden und Einwohnern zu.
Vorratskammern wurden gepluendert, wobei es immer sehr derb zuging-
das Gespenst sprang auf den Ruecken derer,
die gerade die Bruecke ueberqueren wollten und nahm ihnen das Geld ab.
Die Leute verwuenschten und reckten drohend die Faust zum Schloss - beweisen konnte man aber nichts.
Ein Amtman lies einen Trupp ins Schloss nachgehen,
als vermummte Gestalten schwer beladen dort hin zogen und so wurden die Taeter ueberfuehrt und spaeter geraedert.
Es muss wohl 1850 gewesen sein, als ploetzlich mit Gebruell das "Muhkalb" erneut erschien,
und sich auf den Ruecken eines Passanten schwang-
dabei handelte es sich aber um einen der staerksten Maenner aus Limburg,
welcher beherzt zugriff und wie mit Eisenzangen das Gespenst mit beiden Haenden fest hielt
- im Galopp auf die Wirtschaft zusteuerte, in der sich die uebliche Runde zum Runkeler Roten traf..
er warf das Gespenst auf den Tisch..
Selbiges soll noch lange sehr krank gewesen sein, bevor es fuer immer verschwand..

Euler = Toepfermeister.

1478, so wird berichtet, sollen Stoere noch haeufiger,
ab 1786 jedoch keine mehr in der Lahn, ganz selten noch im Rhein gesichtet worden sein.
1567 soll ein Stoer mit 83 Pfund Gewicht und 6-7 Fuss Laenge gefangen worden sein.
(Selbstverstaendlich gehoerte Edelfisch sofort dem Landesherrn, keine Frage..)

So mancher holte sein "Preimchen" aus dem kleinen Laden,
wo auf der einfachen Holztheke ein handhoher, eherner Topf mit Deckel stand-
mit einem Holzgreifer wurden die in kleine Rollen gedrehter Kautabak
aus der Tabaksbruehe gefischt,
der dadurch feucht und frisch und mundgerecht gekauft werden konnte.
Daher wurden damals die "Spucknaepfe" gebraucht-
weil wohl die meisten den Tabak nach dem Genuss ausgespuckt haben.
Es sollen aber auch genug Leute den Tabak anschliessend geschluckt haben.
"H annewacker" hiess der Hersteller dieses Tabaks, das war allgemein bekannt.
Als aus hygienischen Gruenden immer mehr gegen die Spucknaepfe waren und gleichzeitig die Zigarre und Zigarette aufkam,
hat man vom Prim gelassen, die Ausrede, dass dadurch die Zaehne keimfrei wuerden, war dahin.
Nur noch bei den Bergleuten, die bekanntlich wegen dem Schlagwetter (Explosionsgefahr) nicht rauchen durften,
hielt sich die alte Gewohnheit noch laenger.

Item - itemer - iddim.
In alten Urkunden werden Verzeichnisse gerne mit "item" fortgesetzt oder eingeleitet.
"item ein Morgen Land bei.. item ein halber Tag am Bach.. "
"Die drei Bernbacher Itemer kommen auch noch zur Messe"
Bei diesem Eintrag des Pfarrers, der eigentlich Latein konnte, wurde das Binde- zum Hauptwort.
(item, lat. ebenso, auch als desgleichen oder ferner uebersetzt)
"Iddim of de Stockmauer" wurde in der Mundart gesprochen, was des oefteren ueberliefert wurde.
Die juengere Generation nutzt dieses Wort, dessen Bedeutung kaum noch jemand kennt, nicht mehr.

Im 16.Jhd. hielt man nichts von Konfessionskaempfen-
die Untertanen mussten den Glauben des jeweiligen Landesherrn annehmen.
So wird von einem besonders pragmatischen Pfarrer erzaehlt, der 4 x die Konfession gewechselt hat,
mehrfach verheiratet war, div. Kinder hatte.
Als jener Kaplan Jakob Ebersbach in Breitscheid starb,
war er gut 85 Jahr alt und hatte ueber 60 Jahre lang in den Pfarrgemeinden
Siegen, Haiger, und Breitscheid als katholischer,
lutherischer, nochmals katholischer, wieder lutherischer
und schliesslich reformierter Geistlicher gewirkt!
Viel Handschriftliches hat er nicht hinterlassen,
seine "Herde" war mit dem "Hirten" wohl zufrieden.
Die Christenpflicht nach Roemer 13,1 "Jedermann sei untertan der Obrigkeit"
hat er als Vorbild fuer seine Gemeinde erfuellt:
Der Nachsatz zum Apostelwort war in jener Zeit
-zumindest bei diesem Kaplan- nicht umstritten.
"..denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott.."

Das erklaert das oftmals hochnaesige Verhalten mancher Dienststellen
und sogar bei gewaehlten "Volksvertretern" der heutigen Zeit..

Im Jahr 1527 schrieb der Pfarrer in Hundsangen ins Taufbuch, dass er zwei Kinder getauft habe, mit "gutchristlichen Namen".
Die Zigeuner sind nicht immer "Haareleut" gewesen, wie es scheint. (Haare - Heiden)

Sonderbar, dass niemand dem Joseph Niepce gedenkt, der das erste Negativ zeigte, das leider noch nicht fixierbar war.
Desgleichen ist der Physiker Carl August von Steinheil ziemlich unbekannt, der den "Aplanat",
ein photographisch-symmetrischer Linsensatz erfand,
der das Bild unverzerrt bei kleiner Blendoeffnung auch bis zum Rand scharf wiedergab..

In alten Fachwerkhaeusern ist oben am Giebel manchmal ein "Jahreszeitenrad" aus Holzgewerk eingelassen.
Die Bedeutung wird vielfaeltig mit den Jahreszeiten gesetzt,
ein oder zwei Balken inmitten als die vier Jahreszeiten gedeutet.
Zeitgleich ist das eines der aeltesten Symbole die man kennt.

Betrat man ein Westerwaelder-Haus, so befand man sich gleich im Hauptraum,
dem "Ehrn" oder "Ern".
Sein wichtigstes Stueck war der Herd, der urspruenglich aus einer niedrigen,
viereckigen Basaltsteinmauerung bestand.
Spaeter machte er dem eisernen Herd Platz.
Er war in der Wand zum Wohnraum eingemauert und heizte diesen mit.
Die Feuerstelle lag unter einem maechtigen Rauchfang, dem "Haerf".
Der Boden des Ern bestand aus gestampftem Lehm, der vordere Teil war meist mit Basaltplatten belegt.
Ueber der offenen Feuerstelle hing an einer eisernen Stange der "Hehl",
ein eiserner Kochtopf mit drei Fuessen, in dem die Alltagskost,
der Haferbrei "Breimelsbrei" gekocht wurde.
So berichtet die Chronik.
Das Kuechengeschirr war ebenfalls sehr einfach.
Neben eisernen Toepfen und Pfannen waren hoelzerne oder irdene Schuesseln in Gebrauch.
Buntes Steinzeug kam erst spaeter hinzu, z.B. die "Stollertcher" und "Siegerlaender Meckes".
Bis zum 17. Jahrhundert wurde die Stube von dem in die Wand eingebauten Herd mitgeheizt.
Nun kam ein besonderer Stubenofen aus Eisen, der "Verlorene Sohn" auf.
Er hatte als Verzierung die Darstellung des bekannten Gleichnisses aus der Bibel.
Ausserdem erhielt die Wohnstube einen Tisch, eine Bank, mehrere massive Stuehle,
ein Truhe, das Bett der Eltern und die Wiege der Kleinsten.
Das gesamte Mobiliar war aus Eichenholz und oft schoen verziert.
Betten im heutigen Sinne gab es nicht.
Die Bettstelle war mit Stroh gefuellt, darauf lag ein mit "Kaaf" (Haferspreu) gefuellter Sack.
Die Kopfkissen hatten dieselbe Fuellung, waehrend das Deckbett mit Stroh oder Grummet gefuellt war.
Die Einrichtung der Wsterwaelder waere jedoch ohne Erwaehnung des Spinnrades und des Webstuhls unvollstaendig,
letzterer wurde auf dem Speicher gelagert, in den Wintermonaten zusammengebaut und in der Stube aufgestellt.
Hier wurde der selbstgezogene Flachs zu Leinen gewebt.
Im Fruehjahr wurde er wieder demontiert und auf den Speicher zurueck gebracht.

Aus einem Brief eines Dorflehrers an seinen Vorgesetzten:
"..Auch habe ich anzuzeigen, dass die Leute hier grosse Saeue sind, weil sie an der Kirche herum
Unreinlichkeiten machen, da waere denn meine Meinung,
dass sich das Amt darein legen sollte; auch bei der Musik
tanzen die Weibsbilder so toll, dass ihnen die Kittel bis auf den Kopf schlagen,
da sollte doch die Geistlichkeit eine Ansicht von nehmen.
Die Bauern saufen sie toll und voll,
dass sie speien, da sollte doch der Richter sein Maul aufmachen
und solche Sachen dem gnaedigen Herrn vortragen.
Auch wird in den Naechten so viel gestohlen, dass kein Mensch mehr etwas hat,
die Obrigkeit muss besser wirken, sonst gibts kein Ende.
Ich bitte also, hoffe auch, dass Ew. Wohlgeboren das Beste thun und darueber einen scharfen Befehl werden ergehen lassen.
Achtungsvoll Ew. Gnaden unerthaenigster Harras, Lehrer und Kantor."

Zu der Zeit, als juenger Menschen und Kinder aeltere Personen noch mit "Tante" oder "Onkel" ansprachen,
was das noch aeltere "Weß" und "Vetter" (Petter) ersetzte,
kannte sie jeder, die Klatschtanten..
Gerne mit dem Titel "Dorfzeitung" bedacht, trugen sie neugierig bis zum Abwinken,
was so weit ging, dass schon mal der Deckel des Kochtopfs gelueftet wurde,
um zu erfahren, was gerade in dem Haus gekocht wurde, wo sie gerade war..
Da gab es solche, die richtig bissig waren und andere, die nur gute Dinge erzaehlten,
so wird zumindest erzaehlt- Fakt war, dass diese ueberall waren und alles mitbekamen.
Im Zweifelsfall war von diesen Frauen alles zu erfahren, was man zu wuenschen begehrte:
Wer da gerade neu eingezogen war, wo ein Kind kommt, warum letzte Nacht die Sirene geheult hat usw.
Wer einmal in dieser "Abonnentenliste" der "News" aufgenommen war, sollte im Gegenzug auch bereit sein,
etwas dazu beizutragen.
Das half mit, sein entfernteres Miteinander im Dorf kennen zu lernen,
die Scheu vor dem Fremden abzulegen, mehr Menschlichkeit zu portieren.
Diese Frauen also brachten eine Perfektion der Erzaehlung hin, mit Gesten und Effekten,
dass man nur staunen konnte - gerne wurde Kaffee gereicht, wenn die wandelnde Spinnstube kam.
Heute faengt man in unserer Gemeinde mit einer Kaffeestube an, wo im Pfarrhaus
ein fester Treff installiert wurde, der sich wohl wachsender Beliebtheit erfreut, wie ich hoere.
Nun ist seit langem kein Geschaeft mehr im Ort, wo ein taeglicher Plausch gehalten werden koennte-
der Blumenladen wird halt doch nicht so oft besucht.
Viele Alleinlebende sitzen in ihrem -inwischen viel zu grossen alten Haus- die Kinder haben weit weg
ihre Arbeit gefunden, der Ehepartner ist laengst tot, so kommt die grosse Einsamkeit.
Mit dieser Stube will man wieder mehr Miteinander schaffen- warten wirs ab.

Ein Beitrag in der Chronik erzaehlt von einer vollen Broetchentuete,
die er an einer -damals noch zugaenglichen- Muellanlage sah,
was ihn graemte, weil die Notzeit des Krieges noch gut in Erinnerung war.
Die Anspruchshaltung sei zu hoch geworden, sinniert er,
nur das Beste sei noch gut genug, das Zufriedenheitsgefuehl nicht mehr da.
Kaum sei ein Gegenstand angeschafft, denke man wieder ueber das naechste "Event" nach..
An kleinen Dingen Freude haben, ist zum "no go" geworden,
als "klein-klein" oder gar als "spiessig" verrufen.
Ob das wohl das sei, denkt er, was man "Fortschritt" nennt?

Meine Zeilen sollen auch ein wenig das Interesse am grossen Ganzen wecken,
die Demokratie foerdern, den Mut die Meinung, so diese hoeflich ist,
vorzutragen und dazu zu stehen.
Gerade heute scheint mir wieder eine Tendenz zu entstehen,
die nur noch eine bestimmte Schicht der Bestimmer zuzulassen scheint.
Die neue Elite tritt bereits aus dem elitaeren zu einem immer mehr
mit einem totalitaeren Gehabe draengenden Denken an,
das kaum mehr eine zweite Meinung, geschweige denn Kritik zulaesst,
weil -wie damals- den einfachen Leuten jeglich Kompetenz abgesprochen,
ja geradezu unwirsch bedacht und belacht wird.
So werden Gesetze zur Keule gegen die Bevoelkerung -
was dem Grundgedanken zur Demokratie widerspricht.

Im Jahr 1838 setzte sich Willhelm Albrecht fuer diese heute so typischen Schutzhecken an den Feldern ein,
was eine spuerbare Verbesserung der Ertragsergebnisse brachte.
So wurde der harte Nordostwind eingedaemmt, der die zarten Pflanzen regelmaessig erfrieren lies.

"Mancher ist arm bei grossem Gut, und mancher ist reich in seiner Armut!"
350 Jahre alter Spruch eines Frankfurter Webers..

.. über den Zeitgeist.
Von Friedrich Schult.
Die bloße Klugheit,
blank und glänzend
wie ein ärztliches Besteck,
hat erschreckend zugenommen
und steht
auf jedem Flecke
in besten Ansehn;

die Einfalt
des Herzens aber,
die sich an aller kreatürlichen Nähe
entzündet und erwärmt
und in Zeiten der Gefahr
durch Rauch
und Feuer geht,
ist überall
selten geworden
und nur noch eben
gelitten.

Wie wirr die Zustaende in der alten Zeit (1800) waren, zeigt die Reise eines Mannes aus Rod an der Weil,
der nach Oberlahnstein und zurueck wanderte.
In drei Tagen durch 18 Laender!
Durch Hasselbach einer zweiherrischen Obrigkeit zugehoerig, Nassau-Usingen und Kurtrier.
Durch Haintchen, ebenfalls zweiherrisch, Nassau-Oranien (Diez) und Kurtrier.
Durch Eisenbach, das Oranien, Kurtrier und dem Freiherrn von Hohenfeld gemeinschaftlich war.
Durch Dauborn-Eufingen, zu Oranien gehoerig.
Durch Kirberg, gemeinsam zu Nassau-Usingen und Nassau-Oranien gehoerig.
Durch Kaltenholzhausen, das Nassau-Oranien unterstand.
Durch Burgschwalbach, das zu Nassau-Usingen gehoerte.
Durch Mudershausen der Zigeunersiedlung und Allendorf nach Katzenellnbogen mit eigener Grafschaft.
Durch Zollhaus, die Zollstation des Nassau-Oranien, hinueber zu den Oraniern.
Durch Mittelfischbach und Rettert, das zu Nassau-Weilburg gehoerte.
Durch Niedertiefenbach - wieder ein Ort der Grafen von Katzenellnbogen.
Durch das Kloster Arnstein, das reichsunmittelbar war, nur dem Kaiser unterstand.
Durch Langenau jenseits der Lahn, das dem Herrn von Mariot war.
Durch Nassau, mit dem gleichnamigen Grafen und vorbei an der Burg des Reichsritters vom und zum Stein,
gemeinsam den Nassau Oraniern und den Nassau - Usingern.
Durch Dausenau und Ems, das Nassau-Oranien und dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt gehoerte.
Durch das Dorf Ems und die Orte Fachbach, Nievern und Miellen,
alle drei dem Reichsritter und Grafen von der Leyen gehoerig.
Durch Fuecht, dem Reichsritter vom Stein gehoerig
Durch Oberlahnstein, zum Kurfuersten von Mainz gehoerig.
Durch das rechtslahnige Niederlahnstein, kurtrierisches Gebiet.
Durch Arzbach, Welschneudorf, Huebingen und Diez ueber Holzappel, der Herrschaft Schaumburg-Holzappel.
Durch Balduinstein, kurtrierisch.
Er hatte 24 Mal aus dem Gebiet eines Landesherren in das eines anderen uebertreten.
Der Wanderer, haette er diese Strecke 15 Jahre spaeter getan, waere alles im Gebiet des Herzogs von Nassau passiert.
Diese Zeilen sollen zeigen, wie arg die Zersplitterung in jener Zeit war.
Die Suchmaschine errechnet ca 80 Kilometer fuer diese Strecke,
hin und zurueck also 160 Kilometer in 3 Tagen und 3 Tagen zurueck.
Ueber 26 Kilometer jeden Tag- mein lieber Schwan!
Als begeisterter Wanderer kann ich das ganz gut ermessen..

"Da liegt der Hund begraben"
Dieses Sprichwort kommt von dem deutschen Wort "hunde", was Beute, Raub, Schatz bedeutet.

"Jemanden ein X fuer ein U vormachen"
Im lateinischen Alphabet bedeutet das X sowohl Buchstabe wie Zahl 10,
das Zeichen U wurde wie V geschrieben und bedeutete den Buchstaben, sowie die Zahl Fuenf.
Wenn ein Glaeubiger aus einem V ein X machte, in dem die Striche verlaengert wurden,
entstand auch einer Fuenf eine Zehn.

"Er ist floeten gegangen"
Das kommt vom haebraeischen "Peleta" = "Flucht des Betruegers".
(Pleite, zugrunde gegangen, ruiniert)

Nach dem Conscriptionsgesetz aus dem Jahr 1816 wurde die allgemeine Wehrpflicht
in Nassau eingefuehrt - jeder maennliche Einwohner des Herzogtums
war verpflichtet, diesen Dienst abzuleisten.
(Sofern er koerperlich tauglich war)
Ausnahmen bildeten die Angehoerigen standesherrschaftlicher Familien !!
Wie schon erwaehnt, konnte man sich mittels sogenannten "Einstehern" davon loskaufen,
die dann gegen 800-1000 Gulden dafuer bereit waren.
Jene mussten ihren einen Wehrdienst bereits abgeleistet haben und nicht ueber 33 Jahre alt sein.
6 Jahre betrug diese Dienstzeit und ein Jahr als Reservist.
September 1846 hatte der Corporal seinen Dienst abgeleistet und 9 Gulden und 30 Kreuzer Sold ausbezahlt..

Interessant: Die Melisse ist schon 2300 Jahre bekannt als Heilmittel fuer allerlei nervoese Leiden.

"Betroffenheit und waches Hinsehen um Uebergriffe gegen Rassismus und die Menschlichkeit zu foerdern.."
Schwurbelte die Ansprache unseres Landesoberhirten- er hat wohl noch nichts davon gehoert,
wie viele Jahrhunderte im Glauben so entsetzlich viele grausame Dinge getan wurden, die nicht besser waren, als das,
was weltliche Diktatoren und Despoten taten.
Wie vernagelt muss man sein, heute noch predigen zu wollen?

Die "Polizeistunde" war schon vor 400 Jahren eingefuehrt.
"Sonntags, den 3. Juli 1664 ist die Policeiordnung zu Weilburg von der Cantzel publicirt,
allen Gewerken und Buergerschaften ueberreichet,
extractus darauß zugestellt und foerderst nach und nach in die Aemter dies- und jenseits
des Rheins copaliter geschickt und zu publiciren befohlen worden"
Ein wird war bei Strafen von 5 Gulden gehalten,
"des Abends nach neun Uhr Wein, Bier oder Brandenwein in die Stadt geben oder folgen lassen"
Es wird dem Wirt verboten, "Gesoeff und Geschwaerm" nach dieser Zeit zu dulden.
"Kindbetterinnen und krancke Leuth, die nach solcher Zeit in ihre Haeuser einen Trunk zu ihrer Notturft holen lassen"
Sind wohl ausgenommen worden.

"Es soll kein Wirth auf die Sonn- und Feyertage uner den Predigten,
nach auch des Abends ueber acht oder neun Uhr seinen Gaesten oder Zechgesellen
Wein oder bier auftragen oder reichen, vielweniger denselbigen verbotene Spiel und
andere Ueppig- und Leichtfertigkeit mit Fluchen, Tantzen, Jauchtzen und Schreyen
auch garstigen unzuechtigen Reden und Gespraechen gestatten und keineswegs
durch die Finger sehen bey zwei Gulden Straffe, welche sowohl der Wirth,
so solches gestattet als auch die Gaeste so hierwieder handeln und freveln bezahlen sollen"

"Ferner soll auf Einhaltung der angemessen zu bestimmenden Polizeistunden geachtet werden.
Die Polizeistunde wird fuer hiesige Stadt auf 11.00 Uhr Abends,
fuer die uebrigen Amtsgemeinden auf 10.00 Uhr Abends festgesetzt.
Gegen Wirthe, welche fuer Einhaltung dieser Stunde nicht durch Schließung
der Wirtschaft sorgen, wird eine Strafe von 1-10 Gulden und im Wiederholungsfaellen,
nach schriftlicher Verwarnung, Entziehung der Wirthschaftsconzession,
eben so gegen Gaeste, welche nach der vorbestimmten Stunde die Wirthschaftslocale nicht verlassen,
gleiche Strafe erkannt."

Na ja, die Kontrollfreaks gab es schon zu allen Zeiten,
mit denen als Bub keiner spielen wollte und die sich dann,
wenn sie zu Amt und Wuerden gekommen sind, sich bitter raechen ..
Das ist zumindest mein Reim auf diese Dinge!

Noch ein nettes Ding:

Die Polizeistunde. (unbekannter Verfasser)
"Wer des Berufes schwere Pflichten
Mit Fleiss und Eifer gut vollbringt,
Den wird man nicht so strenge richten,
Wenn Abends er ein Schoeppchen trinkt.
Doch kaum hat man recht angefangen
Und ist damit im besten Zug,
Da kommt sein Saebelheld gegangen
Und sagt: Ihr Herrn! Es ist genug.
Die Glocke hat schon elf geschlagen
Drum trinket rasch die Glaeser leer,
Und lasst es euch nicht zweimal sagen,
Sonst gebt ihr dreissig Kreuzer her.
Dagegen ist nun nichts zu machen
Obgleich man garnicht gerne aufsteht,
Und durch so ganz verkehrte Sachen
Manch schoener Durst verloren geht.
Dies Neue laesst sich schwer gewoehnen
Und wenn man die Geruegten zaehlt,
So sind es meistens Herren, denen
Die Frau als Polizeiwacht fehlt.
Die Menschheit hat genug der Schmerzen,
Drum lass sie doch des Nachts in Ruh,
Nehmt ihr den harten Stein vom Herzen
und drueckt dabei ein Auge zu.
Denn wer den Wirthen all zum Leide
Die Polizeistund aufgebracht,
Der hat mehr an den Schlaf der Leute
Als ihren grossen Durst gedacht.
Und dieser Durst! der treue Bruder
Wie wirkt er heilsam in der Welt,
Er haelt die Taetigkeit am Ruder
Und kostet uns das meiste Geld.
Drum sollte man ihn ja nicht stoeren,
viel besser waers ihn noch geweckt,
Er hilft die Einnahm euch vermehren
Die als Accis die Schulden deckt.
Und drohen oefters auch Gefahren
Und es entsteht des Nachts ein Brand,
Wer ist im Loeschen mehr erfahren
Und auch am Ersten bei der Hand?
Damit der Zwang des Abends falle,
So lasst die Polizeistund sein
Und fuehrt sie mit mehr Glueck fuer alle
zum Aufstehn lieber Morgens ein."

Es begab sich zu der Zeit, als ein falscher Kaiser sich in Wetzlar als "Friedrich II" in Wetzlar ausgab und.. aushalten lies.
Die Leute damals waren nicht so sonderlich an Zahlen und Daten interessiert- sonst haette auffallen muessen,
dass "der falsche" noch nicht so alt war, wie der "echte" haette sein muessen,
zudem der Friedrich II relativ frueh im fernen Italien verstorben war.
Der Missetaeter trat mit dieser Nummer in mehreren Staedten auf- bis er mit List und Trick
unter Anwesenheit des rechtmaessigen Koenigs
Rudolf von Habsburg verurteilt und hingerichtet wurde..

Der Pfarrer F.W. 1884 in Wallmerod erzaehlte von "Gesundbetungen", die gewisse Leute mit recht beachtlichem Erfolg machten.
Das wirkte freilich zwischen Glauben und Zauberspruch, Magie und hoher Naivitaet der Kranken hypnotisch-suggestiv.

Das "Magenfieber" vertrieb man so, indem den meistens mit Holzasche ueberfuellten Aschenkasten des Herdes
hervor zog, machte in die Asche drei "Kaeutchen",
goss in jedes ein wenig Urin des Patienten,
kratzte sie dann andaechtig und feierlich zu "im Namen des Vaters..."

Gegen Zahnweh sollte man ein Kreuzchen in eine Rosskastanie einschneiden und diese in der Tasche bei sich tragen.

Zur Blutstillung wurde der Spruch gemurmelt:
Adam und Eva gingen ueber einen Kirchhof, stiessen wider einen Stein.
Ader zu Ader!
Ader an ihren Schoss!
Ader an unsers Herrgotts Schoss!
(3 Kreuze, die beim letzten Mal: Amen)

Gegen Schmerzen: Ich nehme den Schmerz wie ihn Gottvater seinem Sohn am Kreuz genommen hat.
Im Namen des Vaters u.d. Sohnes u.d.hl. Geistes:
Lass meine Schmerzen von mir weichen!
(Sprich dies dreimal, beim letzten Mal: Amen!)

Diese Beispiele von "Schaeferline" und "Markplaetzersch Philipp", Seck, sollten genuegen
weitere erspare ich uns, geneigter Leser!

Gerichtsbezirke der alten Tage entstanden aus den germanischen Hon- oder Hundertschaften.
Hundert Familien oder Feuerstellen bildeten eine solche Hundertschaft-
der Ortsname "Hundsdorf" ist wohl daraus entlehnt.
Unsere Heimat war damals noch spaerlich bevoelkert.
Unsere Vorfahren mussten frueher dreimal im Jahr zum "ungebotenen Thing" erscheinen.
Spaeter kamen sie auf der Gerichtsstaette, der "Landesveste" zusammen.
In ihnen hat sich die germanische Gerichtsbarkeit bis ins 16. Jhd. erhalten.
Viele Mitglieder schoepften Recht aus ihrer reichen Lebenserfahrung,
die spaeter als Urteile aufgeschrieben worden sind.
Solche Rechts-Sammlungen nannte man "Weisthuemer" - aus denen vorgelesen wurde,
weil nur wenige lesen konnten.
Alte Flur- und Gemarkungsnamen erinnern noch heute an diese unter freiem Himmel angelegten Gerichtsstaetten.

Schon damals, so wird berichtet, gab es viele hochstudierte Leute, ja sogar Genies,
die leider jedoch ohne charakterliche Eignung oder Verantwortungsgefuehl leiteten-
das ist keine Erfindung der heutigen Zeit, wo manch einer den Hals nicht voll genug bekommen kann.

Alte Flur- und Gemarkungsnamen sind in unserer Heimat noch zahlreich anzutreffen,
deren Erklaerung mit diesen Zeilen gesagt sein soll:
Kopf oder Kopp: Die hoechste Kuppe
Koeppel oder Huebel, Huegel: Kleine runde Bergkuppe.
Hardt: Steil abfallender Waldhang.
Hahn oder Haehn, Hain: Trockene Stelle, meist auf der Bergkuppe gelegener Niederwald.
Struth: Auf feuchtem Untergrund wachsender Niederwald.
Bitz: Trockenes, in der Dorfnaehe gelegenes Wiesengrundstueck, gerne mit Obstbaeumen bepflanzt.
Au: Fruchtbarer, feuchter Wiesengrund.
Born: Ein Ort, wo eine Quelle entspringt.
Seifen: Jedes kleine Baechlein, meist auch den umgebenden Wiesengrund- viele Ortsnamen enden so.
Heck: Aeltere Bezeichnung fuer Wald.
Bruch oder Bruehl: Ein sumpfiger Wiesengrund.
Hohl oder Huell: Ein Hohlweg.
Helde oder Halde: Am Abhang gelegenes Feld.
Dell oder Dellchen: Eine flache Senke.
Kaut oder Kaul: Eine Grube oder ein Steinbruch.
Gewann: Ein gerodetes Stueck Wald, das als Acker urbar wurde.
Rossel oder Gerissel, Gerassel: Steingeroell, trockener, magerer Acker.
Allmend oder Alm: Gemeinschaftliche Weideplaetze.
Katzenstein, Katzenkopf,Katzenstrauch: Geringerwertiges Land, wo manchmal Fels hervor lugt.
Lei oder Ley, Lai: Felsvorsprung, meist am Ufer.
Stich oder Stieg, Steig: Steil ansteigender Weg, nur mit Vorspann zu befahren.
Schlag: Alte Grenzen, Schlagbaum.
Burg oder geborgen: Fliehburgenplaetze, manchmal nur Waelle.
Gebueck: Herabgebogen und eingewachsen ein Geflecht oder Dickicht, kuenstl. angelegt.
Auf dem Heljen oder Heiligen oder Haljen: Vermutlich der Ort eines alten Heiligenstocks.
Rheinstrasse: Alte Durchgangsstrassen, die zum Rhein fuehrten.
Alte Saelzerstrasse: Kaum mehr erkennbare Querfeldein-Wege
Der Zehnte: Zur Zehntscheuer, Abgabeplatz fuer den Herrenzins.
Stock: Wegweiser, Heiligenstandbild, Bethaeuschen.
Bungert oder Bangert, Bamert: Baumgarten.
Wingert: Weingarten
Hut: Viehweide (hueten)
Traenken: Vieh-Traenke
Trift: Vieh-Trieb-Weg.
Leinpfad: Ein Treidelpfad zum Ziehen von Lastkaehnen.

Ein wenig zum Thema Aberglauben, zu dem freilich auch der Hexenglaube gehoert:
Man sagt, dass die Verbreitung seltsamen Aberglaubens das Ende der Spinnstuben einlaeutete..
Spinnen brachten mal morgens Glueck, Gelingen andern Tags oder des Abends Pech..
Beim Schaelen von Aepfeln sollte die Schale moeglichst an einem Stueck sein,
die dann hinter sich geworfen - mit etwas Phantasie - den Anfangsbuchstaben des Kuenftigen zeigte..
Wurden Heringe geputzt, hob man die Schwimmblase auf um diese dann gegen die Zimmerdecke zu werfen-
blieb die "Heringsseele" dort haengen, dann ging der Herzenswunsch des Maedels in Erfuellung.
Man brachte diese Blasen zuweilen auch mit in die Spinnstube, damit mehr daran teilhaben konnten.
Hatte jemand Warzen an den Haenden, dann wurden diese gezaehlt und die entsprechende Anzahl Knoten in einen Zwirnsfaden gemacht,
- fuer jeden Knoten brauchte man eine andere Person, die auch noch nichts mit diesen Zusammenkuenften zu tun hatte -
dann machte sich die Spinnstube auf und vergrub den Knotenfaden unter der Dachtraufe.
So wie der Faden verfaulte, verschwanden angeblich auch die Warzen..
War eines der Jungen oder Maedchen nicht recht gesund, dass hiess es- es oder er hat das Abnehmen.
Nun wurde wieder der Brauch bemueht - wobei es stets geheimnisvoll zuging.
Alle sollten daran glauben, Zweifeler durften gehen.
Ein Stueck Band mit einem Ellenmass (60cm) wurde gemessen und das Ergebnis mit Kreide auf dem Tisch vermerkt.
Das Band wurde in die Bibel gelegt, die Anwesenden murmelten vorher gelernte Sprueche.
Das "Abnehmen" war bewiesen, wenn dieses Band 2-3 cm kuerzer wurde.
Sogleich wurde der oder die Befallene an die Heilerin, Braucherin oder weise Frau verwiesen.
Das Brot durfte nie auf der Obenseite liegen, sonst ging der Segen heraus..
Hufeisen wurden nie mit der Oeffnung nach unten aufgehaengt- sonst fiel das Glueck heraus..
Das Messer lag nie mit der Schneide nach oben in der Schublade, sonst traten die Engelchen hinein..
Zu Ostern gingen Burschen und Maedchen um Mitternacht zum Brunnen oder Wasserquelle.
Dabei durfte niemand ein Wort sprechen, sonst blieb die Wirkung aus..
Dieses Osterwasser wurde zu Heilzwecken gebraucht.

Im Jahre 1775 hatte die Landesregierung von Dillenburg den Verkauf von Kaffee in den Doerfern verboten.
Unter Androhung von Strafen und Beschlagnahme, damit "Ausschweifungen" unter der Landbevoelkerung verhindert werden-
Das galt nicht fuer die Staedte!
Die Geldsummen zum Kauf dieses Genussmittels haette unter Umstaenden zu viel Geld aus dem Land gezogen,
was der Obrigkeit ggf. verlustigt gegangen waere..
Erst als durch die im Februar 1787 einquartierten Offizieren und Husare im Dorf waren,
wurde der Kaffee in alle Haeuser eingefuehrt, wo diese Leute untergebracht waren -
zudem muesse sich jedes Haus auf Kaffeegeschirre einstellen..

Das Wort Hexe tauchte um 1419 inder Schweiz auf und bedeutete in der fraenkischen Mundart "Druden" (Druiden?)
Zauberschen oder Unholdinnen, Deiweilsweybern oder Teufelshuren genannt.
Dieser Hexenwahn war unabhaengig von Bildung oder Stand, von Geistlichen, Richtern und Maennern der Wissenschaft veruebt.
Man schaetzt, dass im siebzehnten Jahrhundert der Hoehepunkt war
und dass die Gesamtzahl der Todesopfer bei einer Million gelegen haben wird!
Das wohl schauerlichste Buch der Weltliteratur soll der "Hexenhammer" oder
"Malleus Maleficarum" von 1487 sein, das katholischen wie protestantischen Hexenverfolgern als Leitfaden diente.
Geschwind war jemand denunziert, ein paar "Zeugen" und schon war der ploetzliche Tod
eines Saeuglings oder die Unfruchbarkeit von Leib und Wiese "geklaert",
weil das nur eine "Verwuenschung" gewesen sein konnte..
Ueber die armen "Weyber" sassen der Schultheis,
sein Sohn, der Pastor, ein anderer Schultheis aus dem Nachbarort,
ein paar Landknechte und zwei Schoeffen zu Gericht..
Die Gerichtsherren eilten sich freilich nicht, "Recht zu sprechen"-
schliesslich gingen 3 Mahlzeiten jeden Gerichtstag fuer jeden Teilnehmer und Getraenke zu Lasten der Angeklagten!
Der Amtmann fungierte als Richter- noch ein Schlemmer mehr.
Es gesellten sich Hofprediger und Henker und Folterknechte dazu.
Am ersten Tag sollen bereits 71 Mass Bier oder Wein getrunken worden sein..

Der Hexenglaube ist wohl bis heute noch nicht so ganz ausgestorben,
fleissig von der "heiligen Schrift" geschuert, die immer noch nicht revidiert worden ist.

Ich kann mir nicht helfen, aber auch Wuenschelrutengaenger
und so manche Heilpraktiker machen mir einen verdaechtigen Eindruck,
den sonst nur Scharlatane zu machen pflegen.

Mach net bluß
(von Ludig Nies)
Mach net bluß, wat annern mache,
Tou net, wat en jeder tout!
Freieweg besorg dei Sache,
Stracks-gradaus es recht un gout!
Tou dei Ranze selwer trage,
un marschier net stets am Schwanz!
Tapper guck dem Muß en't Aage;
un was sein muß, dat tou ganz!

In unserer "freien demokratischen Grundordnung" gibt es noch herrschaftliches Gehabe unter den Maechtigen,
die wir auch noch selbst gewaehlt haben, Volksvertreter sozusagen, die sich hier entaeussert haben:
http://de.nachrichten.yahoo.com/union-spd-f%C3%BCr-volksabstimmungen-bundesebene-062944925.html
(Oder sich enttarnt haben, wie man das sehen will)

http://www.focus.de/politik/deutschland/die-user-zum-streit-ueber-homo-ehe-jedes-kind-hat-ein-recht-auf-vater-und-mutter_aid_1156203.html
Es wuerde viele Themen geben, ueber die es sich zu streiten lohnte. Mir tun die Kinder heute einfach nur leid.
Diese Randbemerkungen ueber die Moderne sollen nur einen kleinen Kontrast zur Geschichte-Seite sein, ein Quentchen Salz in der Suppe.

Die Nagelschmiede deckte den unterschiedlichsten Bedarf an Naegeln, lange bevor die industrielle Fertigung kam.
Hufnaegel, Decknaegel fuer Dachschindeln, Naegel fuer hoelzerne Fahrzeuge, Schuhnaegel in div. Ausfuehrungen.
Man rechnete in tausend Stueck Einheiten, die zwischen 2 und 5 Pfund wogen.
Obwohl die Nagelschmiede keine so umfangreiche Ausbildung - wie Schmiede zum Beispiel -
hat man oft genug erlebt, dass sie das besser und schneller und gefuehlvoller konnten, als jene.
Die Geschicklichkeit war wichtig, jeder Schlag hatte seine genaue Bestimmung
Mit den ersten zwei Schlaegen auf die gluehende Eisenstange wurde zugerichtet und mit weiteren
6-8 Schlaegen die Spitze, die auch die immer gleiche Laenge haben musste.
Dann kam der Schlag der Abtrennung des kleinen Eisenteils fuer den Nagelkopfs,
an dessen Ende die Spitze war.
Nun kam die Spitze in das Nageleisen - auf den kleinen Eisenteil kamen zwei Schlaege, die den Nagelkopf formten.
Gewoehnlich fuehrte der Nagelschmied 24 Hammerschlaege fuer einen Nagel aus- das sind 24.000 Schlaege fuer 1000 Stueck!
Geschick und ein gutes Auge ersetzten Masse und Gewichte.
Im ersten Weltkrieg hat ein Vater mit seinen zwei Soehnen taeglich mehr als 5000 Stueck geschafft..
In einer Winter-Arbeitswoche sollen in Mengerskirchen etwa 1,2 Millionen Schuhnaegel hergestellt geworden sein!

Wie schon erwaehnt, standen in den meisten Haeusern der Westerwalddoerfer noch aus Lehmsteinen
gemauerte und mit einer Eisenplatte abgedeckte Herde.
(Im Ern - der Diele - oder in der Kueche)
das Feuerloch des Herdes war so gemacht, dass groessere Holzscheite hinein passten-
elektrische Saegen gab es noch nicht, alles musste muehsam mit der Handsaege und dem Beil zerkleinert werden.
Auf dem Ofen in der Wohnstube wurde winters gekocht, vom Flur aus wurde dieser Ofen beschickt.
In der Stube stand das elterliche Bett, wo die Kleinen -schoen im warmen- zum Einschlafen gebracht,
spaeter zu den groesseren Kindern in die unbeheizten Kammern gebracht.

Gepflasterte Strassen oder Gehwege gab es nicht.
Vor den Haeusern lagen einzelne groessere Steine - man kann sich vorstellen,
wie das bei Regenwetter in den Haeusern aussah, obwohl bei jeder Haustuer ein Reiser-Besen stand,
mit dem die Schuhe notduerftig gereinigt wurden.
Die Schuhe konnte bei dem schlechten Zustand der Strassen nicht derb genug sein!
Handgemacht, oft geflickt und neu benagelt mussten das Schuhwerk lange halten.
Der Mittelpunkt des Dorfes war der Brunnen, wo sich das Leben bei schoenem Wetter abspielte.
Fuer die Haushalte und fuer das Vieh wurde dort das Wasser geholt- was im Winter bei Eis und Schnee
nicht so reibungslos ablief.
Dort wurde auch das Geschirr nachgespuelt, Waesche nachgewaschen, Salat und Rueben gewaschen.

Die Strasse gehoerte den Kindern- Autos gab es noch keine und die wenigen Fuhrwerke waren wohl ruecksichtsvoller..
15 Pfennige fuer einen Schoppen Bier, ein Pfund Butter fuer 80 Pf, ein Liter Milch kostete 2 Pf,
ein Laib Brot 40-50 Pf, ein Liter Rueboel 75Pf - ein schwerarbeitender Drescher in der Tenne
erhielt (ausser der Verpflegung) 0,80-1Mark, ein Maurer 2-3 Mark am Tag.

Schwere hoelzerne einachsige Koehlerwagen zogen mit ihren 1,80mtr hohen Raedern mit Ochsen davor
ueber die schlechten Wege,- hinten schliff ein Brett an einer Kette her, wo der Fuhrmann drauf stand-
wenn es bergab ging. Bremsen, damals "Hemme" genannt, waren wohl keine eingebaut.
Die Fuhren dauerten oft zwei Tage, bis das Gespann wieder daheim war.
So manche Schmuggelfahrt kam dabei rum- der Lenker schlief in einer Kiste auf dem Wagen,
das tapfere Pferd fand wieder in den heimischen Stall.

Nun ist die Zeit fuer ein Pfeifchen gekommen:
Im Fruehling, wenn der Saft in die Zweige steigt,
die Knospen springen, dann ist die Zeit fuer viele Buben gekommen,
Weidenpfeifchen zu machen !
Heute ist deren Herstellung weitestgehend verloren gegangen,
deshalb setze ich hier an dieser Stelle ein kleines Denkmal..
Geschicklichkeit braucht man schon dafuer!
Zunaechst such man sich eine gerade Weidenrute,
strohhalm- bis daumendick und etwa 15 cm lang.
Nun schneidet man dim unteren Viertel die Rinde durch.
Den uebrigen Teil beklopft man mit dem Griff des Taschenmessers so lange,
bis sich die rinde durch behutsames Drehen vom Holze loesen laesst.
Dann kerbt man am Mundstueck eine Rille mit dem Luftloch ein.
Schiebt man nun den ausgezogenen Holzkern im Rindenrohr hin und her und blaest dabei,
entstehen verschieden hohe Toene.
Die Pfeifchen nannte man Flaeuten, Brummer, Huppen oder Happer -
waehrend der Bearbeitung sangen die Kinder eintoenig gesungene Liedchen.
(Bastloeserreime, wie Zauberformeln der Beschwoerung)

Das Zisterzienserinnenkloster Aftholderbach ist bereits im Jahr 1222
als "Versorgungsinstitut fuer die Toechter des nassauischen Adels"
gegruendet worden - freilich mit ordentlich Pacht und Lehen als Einkommensquelle.
Uebrigens betreiben manche Bruderschaften und Kloester heute noch Exorzitienhaeuser..

Der "Deutsche Michel" war wohl Michael Elias von Obentraut, geb. 2.10.1574 auf Burg Stromberg im Hunsrueck-
er hat den spanischen Truppen das Fuerchten gelehrt, so wird berichtet.

Ein interessante Stellenausschreibung von 1872:
"Bei dem Amtsgericht Nassau kann ein junger Mensch, der eine schoene Hand schreibt,
als Canzlist Beschaeftigung finden.
Lusttragende wollen sich dieserhalb an den Unterzeichneten wenden.
Belohnung wird nach Leistung gewaehrt.
Nassau, den 11. Dezember 1782, Becker, Sekretaer."

Die segensreichen Bucheckern haben um die vorletzte Jahrhundertwende
viel geholfen, wie in den Schulanalen Hachenburgs zu lesen ist.
Die Schueler sammelten fleissig - was dann an die meistbietende Oelmuehle verkauft wurde.
So war das Schulgeld und die Ausfluege gesichert.
Das Sammeln von Bucheckern wurde auch spaeterhin im Westerwald getan.
Eine Statistik im Kreis Marienberg erzaehlt, dass dort -im Jahr 1888-
3802 Zentner Bucheckern gesammelt umd im Wert von 19.000 Goldmark
an die aufnahmefreudigen Muehlen verkauft worden ist.
Alleine die Gemeinde Fehl-Ritzhausen hatte mehr als 500Ztr gesammelt.
Dann kamen die beiden Weltkriege- mit dem Jahr 1947, in dem besonders reiche Ernte gewesen sein soll-
in einem Gebiet, wo sonst kaum noch etwas wuchs..
so manche Familie hat das Sammeln von Bucheckern ueber die schwere Zeit gerettet.

Ein Baum spart (1972) 250.000 Mark (heute wohl in Euro) -
eine Buche von 25m Hoehe hat eine Krone von 15m und eine Blattoberflaeche von 1600qm.
Sie produziert pro Stunde 1,7kg Sauerstoff.
Soviel benoetigen drei Menschen taeglich zum Leben!
Wird nun dieser Baum gefaellt, muesste man 2500 junge Buchen nachpflanzen,
um den gleichen Sauerstoff-Ausstoss zu erhalten, das waere eben 250.000 Mark teuer..

Ein Kardinal klagte: Die Priester in den Beichtstuehlen sein kaum mehr gefragt,
und die Kirchen wuerden immer leerer.
Das "Suendenbewusstsein" habe sich in der letzten Zeit gewandelt.
Jedoch koenne der Glaeubige nur im Beichtstuhl eine Bestandsaufnahme seines Lebens machen..
(Klar, sonst koennte er ja nicht "spannen" oder mithoeren)

Die Grube Holzappel beschaeftigte viele Leute und nahm starken Einfluss auf das Leben der umliegenden Orte.
Kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende war diese schon mehr als 1000 Meter tief-
die Arbeit in den Stollen und Schaechten war sehr ungesund, so wurde ueberliefert.
Den Jugendlichen blieb auch keine grosse Wahl, Arbeit war knapp.
Viele Bergleute erkrankten frueh an Staublunge, die sich zur Tbc entwickeln konnte.
Mehrere Dutzend Familien, so der Chronist aus Laurenburg, haetten ihren Ernaehrer vorzeitig verloren.
Niemand wuerde es fuer moeglich halten, mit derart geringen Hinterbliebenenrenten auskommen zu koennen..
Die Kinder wuchsen dennoch gesund und sauber auf.
Die Mutter des Erzaehlers starb zwei Jahre nach ihrem Mann, der nur 38 Jahre alt wurde.
Zurueck blieben 5 Kinder zwischen 4 und 15 Jahren.
"Schnell ging es mmit dem Foerderkorb im Stephanschacht unter die 16. oder 18. Sohle,
von dort auf Rollwagen und zu Fuss durch lange sollen und Gaenge bis vor Ort,
wo die Hauer und Schlepper arbeiteten. Die Luft war so heiss, feucht und dumpf,
es roch nach Carbid und Sprengstoff.
Die eigentlichen Erzgaenge waren so schmal und niedrig, dass die Bergleute
knieend und liegend mit Hammer und Meissel arbeiten mussten,
bevor sie die Bohrmaschine ansetzen konnten."
Er erzaehlt weiter: "Ich hielt es kaum fuer moeglich,
dass man hier stundenlang arbeiten konnte und war heilfroh, als wir wieder oben waren"

Wie reich an Fischen der Rhein und die Lahn damals gewesen waren,
geht aus der Fischereiverpachtung der Rheinstrecke von Lahnstein bis Kamp hervor,
wobei auch der Salm erwaehnt wird.
In der Lahn gab es auch noch Krebse.
Im Januar 1913 nahm man fuer 12 Heringe auf dem Markt 48 Pfg.
Haalgaense und Schnepfen noch gejagt.

Seltsame Geschichten wurden ueberliefert..
Der "Maenni", ein Braunfelser Original, dessen Schlagfertigkeit bekannt war,
musste zum Gerichtstermin. Der Amtsrichter war gestreng und eroeffnete:
"Maenni, ich habe mir sagen lassen, sie waeren ein ganz Gerissener!"
Darauf jener treuherzig:
"Herr Amtsrichter, ich habe mir sagen lassen, sie waern kein Gerissener.."
Das wurde mit einer "Ordnungsstrafe" belegt.
Eine Zeit spaeter geht Maenni mit einem ausrangierten Ziegenbock die Gasse hinab,
wo der gestrenge Herr Amtsrichter geradewegs entgegen kam.
"Nun Maenni, wohin damit?"
Dieser denkt an die Ordnungsstrafe und meint:
"Herr Amtsrichter, ob S' es glawe oder net, ich will en nach Marburg bringe,
e' soll Jura studieren!"
Unter dem Gelaechter der Umstehenden ging der Richter zuernend seines Weges..

Noch eine Geschichte?
Diese hat allerdings, ob der juengeren Skandale mit Jungen und Priestern, ein besonderes Geschmaeckle..
Kurz vor dem ersten Weltkrieg kam der neue Pfarrer in den evangelischen Filialort,
wo ihn gleich der Kinderlaerm stoert - am Loeschteich vergnuegten sich splitternackt die Juengsten.
Der Pfarrer runzelte die Stirn und forderte die Kinder auf,
den Teich zu verlassen und weist sie auf ihr "ungehoeriges Tun" hin.
Ein paar Tage spaeter wiederholte sich das grosse Baden, - nur dass diesmal alle Unterhosen trugen.
Der Pfarrer schon des Lobes voll, wollte anerkennende Worte finden,
als sich einer nackend aus dem Wasser erhob..
Herbeigerufen, meinte der Kleine:
"ich brauch kei Badehos, ich sein katholisch!"

Revolution auf nassauisch?
1848 war ueberall in deutschen Landen die freiheitliche Forderung stark,
so stroemten tausende Revoluzzer nach Wiesbaden, der Landeshauptstadt.
Alle blickten grimmig drein,viele wussten wohl nicht so recht um die Sache Bescheid.
Im Schloss zu Biebrich beschwichtigte die anwesende Herzogin die Menge:
"der Sohn wird gewiss alle Forderungen erfuellen!"
Unterdessen kam der Herzog mit der Bahn von Berlin ueber Eisenach, Frankfurt nach Wiesbaden angereist.
Der Ruf "der Herzog kimmt" ging durch die wartenden 20.000 Menschen.
Zu Fuss vom Bahnhof kommend, stritt der damals 31j. Herzog durch die wogende Menge-
ohne militaerische Begleitung, ohne Schutz.
Er ging zum Schloss, wo der mit dem Staatsminister von Dungern,
seiner Mutter und seinem Bruder auf den Balkon trat und mit seinem Federhut winkte:
"Nassauer! Was mein Minister bewilligt, was meine Mutter, was mein Bruder verbuergt haben, ich halte es!"
Die Wirkung seiner Wort zu schildern, sei unmoeglich gewesen, so der Erzaehler.
Urploetzlich wurde aus dem aengstlichen Spannungszustand lauter Jubel,
der Herzog hatte alle Herzen wieder erobert.
Das wars mit der nassauischen Revolution, ein neuer Bund begann.

Bilder von Limburg sind heute auffallend fachwerklastig,
schoen anzuschauen und nicht nur vom Dom und der Lahn..
Das war nicht immer so. In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg
hat man sich auf das kulturelle Erbe besonnen und den Putz abgeschlagen.
Restauriert und so die historische Schoenheit wieder neu gemacht.
Modernitaet muss nicht immer seelenlos sein, hier ist sie gelungen.

Die weiblichen Namen im Kirchspiel Kroppach
klingen heute recht fremd: Freigen.
Freigen war die alte Schreibweise fuer Veronika.
(Die Einzige, die Wahrhafte oder Wahre)
Vermutlich Fruhn ausgesprochen.
Im 16. und 17. Jhd recht haeufig, auch mit Anna,
mit Annefreigen oder Annefrei.
Aus Katrin wurde Freikatrin, Kuerzungen wie Trin, Tringen kamen dazu.
Der Name Catharina hatte meistens noch Beinamen wie Maria, Leisa oder Elise,
auch Anna und Barbara (Barvchen). Ferner Girta oder Girtchen,
wo leicht Gertrude zu erkennen ist.
Christine, Magdalene, Agnes und Eva, letzteres wurde Iv oder Iwelchen gesprochen.
Manche Hausnamen kuenden noch davon - Iwele, Iwels-Henrichs.
Der Name String ist noch unerforscht, denkbar, dass er mit Ernestine zu tun hat.
Gerufen wurde die Traegerin "Sting".
Weiter gab es Kuengen, Kuni, Kunichen, was Kunigunde heisst.
Im 18. Jhd nimmt der Name Maria eine beherrschende Rolle ein,
allerdings fast immer am Ende weiterer Vornamen,
Anna, Katharina, Elisabeth, Magdalena, Eva usw.
Abarten von Maria waeren Marelisabeth, Elsemarei, Annemarei und Ivmarie.
Ende des 19.Jhd lesen wir
Lina, Bertha, Emma, paula, Pauline, Alma, Klara, Luise, Mathilde,
Helene, Hedwig und Johanna, Adele, Hilda, Ida,
martha, lisette, Auguste, Elli, Antonie, Hulda , Rosa und Emmy.

Vor vielen Jahren in Remscheid: In ihrem beschaulichen Leben kaemmte sich Philippine Meuser,
geb. Wagenbach vor dem grossen schoenen Spiegel ihr Haar,
als dieser ploetzlich zersprang.
Das hat das Paar dem Nachbarn erzaehlt- er meinte, das waere ein boeses Omen.
Die Nachricht kam zwei Tage danach:
Der Tod des Schwagers ihrer Mutter starb genau in dieser Stunde in Merenberg.

Aus dem Strafbuch des Buergermeisters Wilh. Adolf Vohl
erfahren wir detaillierte "Vergehen" und deren Strafgelder,
woraus einiges ueber die wirklichen Umstaende der alten Zeit gesagt werden kann.
1893 Karl Gross, 1 Mark ruhestoerender Laerm.
August Aller 3 Mark Grober Unfug gegenueber Nachtwaechter Eiser
1894/95 1Mark wegen Uebertretung der Polizeistunde.
C.O. Sommer 3 Mark Uebertretung der Polizeistunde.
Adolf Kahn 2 Mark Hund ohne Maulkorb beim Kaelbertreiben
1895/96 Gottfried Gross 1 Mark Fahren ueber fremdes Eigentum
Heinrich Wilhelm Steif 1 Mark Hueten auf fremdem Eigentum
Wilhelm Heinrich 1 Mark Nachtwache nicht gehandhabt
Gustav Sayn, 3 Mark Holz zu lange liegen gelassen
Wilhelm Eiser, 1 Mark Huehner auf fremdem Eigentum
Wilhelm Ludwig 1 Mark Schaden durch Enten
Wilhelm Heidrich 2 Mark Uebertretung der Polizeistunde
1896/97 Ludwig Karl Gross 5 Mark Werfen in ein Fenster
Wilhelm Heuzeroth 2 Mark Revision der Schankgefaesse
Wilhelm Heuzeroth II 2 Mark Bierleitung schmutzig.
August Aller 1 Mark Streichhoelzer lose in der Tasche
1898/99 Wilhelm Link 1 Mark Maehen vor Erlaubnis
Jakob Brenner, 2 Mark Verbotenen Weg gefahren
Johann Jakob Hehl 1 Mark Ohne Schild am Wagen
Gustav Schweizer 1 Mark Ohne Leitseil auf dem Wagen gesessen
Johann August Sayn, 1 Mark Zur Feuerwehruebung nicht erschienen
Johann Peter Doehmer 3 Mark Polizeiliche Anmeldung unterlassen
Gottfried Giel 2 Mark In der Hochwies Feuer angezuendet
Friedrich Wilhelm Kober 1 Mark Strassenraeume nicht gereinigt
1899 Ehefrau des Wilh. Ludwig 1 Mark Baum beschaedigt.
Friedrich Wilhelm Sanner 1 Mark Feldschaden durch Walzen
Wagner Wuest 2 Mark Verbotenen Weg gefahren
Philipp Wilhelm Gross 1 Mark Huehner im Hafer
Wilhelm Ludwig 5 Mark Eber vorfuehren lassen
Karl Baldus 5 Mark Maul- und Klauenseuche-Sperre uebertreten
1900/01 Anton Wilhelm Vohl 5 Mark Sonntagsarbeit
Christian Schlosser 3 Mark Viehhueten
Nathan Strauss 1 Mark Kaelbertransport, Hund ohne Maulkorb
Elise Langschied 50 Pfg Schulversaeumnis
Sebastian Schreiner 6 Mark Schafe weiden lassen
Johann Heinrich 1 Mark Kohlraben in der Strassenrinne gewaschen
Karl Busch 20Pfg Schulversaeumnis
1901/02 Gustav Schaefer 1 Mark zur Feuerwehruebung nich erschienen
Wilhelm Eiser 1 Mark Huehner auf fremdem Eigentum
Wilhelm Gross 10 Mark Nach Sonnenuntergang im Wald Holz geholt
Karl Theodor Heuzeroth 1 Mark Fahren ueber fremdes Eigentum
Heinrich Sartor 1 Mark Unterlassen des Feierabendbietens
1902/03 Gustav Hommrich 5 Mark Ruhestoerender Laerm, Strafe erlassen weil kein Vermoegen und Militaer
1903/04 Hollerbach, Knecht bei Christian Enspel 6 Mark Rasches Fahen und Tierquaelerei - nach Widerspruch beim Amtsgericht freigesprochen
Gustav Sayn Holzhaendler 6 Mark Jagd waehrend des Gottesdienstes
1904 Karl Gross 5 Mark Ruhestoerender Laerm und Steinewerfen
Nachtwaechter Vohl 3 Mark Nachtwache nicht gehandhabt
Wilhelmine Fein 1 Mark durch die Wiese gegangen
Karl Julius Heuzeroth 1 Mark Feuerleiter nicht abgeliefert
Direktor Karl Link 5 Mark wegen Bauaenderung
1904 Friedrich Neil 5 Mark an fremdem Obst vergriffen
1907/08 August Menges 2 Mark Fahren ohne Leitseil in den Haenden
August Menger 2 Mark Ungeeichte Waage benutzt
Molkereigenossenschaft 3 Mark Lysol und giftige Farben feilgehalten
1909 Wilhelm Ludwig Heuzeroth 5 Mark Bierleitung schmutzig
Heinrich Sartor 1 Mark Plombe fehlt an der Bierleitung
1910 Johann Rink 2 Schafe ueber Grenze weiden lassen
1912 Ludwig Schmidt 1 Mark Huehner auf fremdem Eigentum
Sebastian Horn 10 Mark Holz abfahren ohne Schein
Max Griebling 1 Mark Jauche in Strassenrinne
Anton Wilhelm Vohl 1 Mark Drei Wagen aneinander gekoppelt
Karl Wilhelm Vohl 1 Mark Urinieren auf der Strasse
Eduard Vohl 1 Mark Hundefuhrwerk ohne Laterne
Peter Heidrich 1 Mark Radfahren ohne Laterne
Ludwig Karl Gross 6 Mark Huehner in fremdem Hafer, 6 mal
Friedrich Wenter 1 Mark Mist auf der Strasse
1913/14 Moritz rother 2 Mark Tauben auf fremdem Eigentum
Ludwig Aller 1 Mark in der Fortbildungsschule gefehlt
Frau Reinheimer 2 Mark Sonntags Grummet geholt
1915 Karl Julius Heuzeroth 2 Mark Vieh gehuetet
Heinrich Sartor 1,50 Mark Hundejagen
Frau K.G. Stupf 25 Mark Zuwiderhandlung gegen Bestimmungen der Fleischversorgung
Das soll genuegen, um zu erfahren was frueher bestraft worden ist..

Die "Grenzer Ami" ist Sonntags zur Kirmes, werktags zum Markt gegangen.
Eine Frau aus Grenzau, geb. 1855 in Kleinmaischeid,
heiratete 1880 den Grenzauer Maurer Peter Goebel.
Mit 40 Jahren, im Jahr 1890 erkrankte ihr Mann und blieb bis zu seinem Tode 1903 arbeitsunfaehig.
Damals gab es keine finanzelle Unterstuetzung,
so musste sie fuer ihn, als er noch lebte und fuer ihre zehn Kinder den Lebensunterhalt verdienen.
1884, waehrend des Baues der Bahnstrecke Bendorf-Siershahn, als Gastarbeiter
aus Holland und Italien in das stille Doerfchen zogen,
besorgte sie ihnen einen Teil ihrer taeglichen Bedarfsartikel.
Dazu musste sie zwei mal die Woche zu Fuss die "Gumschlag" gehen.
Jene alte Handelsstrasse, die schon 1347 zwischen Grenzhausen und Vallendar bestand.
Zu jener Zeit war diese Strasse schon eher ein ueberwucherter Waldweg,
den die arme Frau gehen musste- 20 Kilometer hin, 20 Kilometer zurueck.
Sie trug auf dem Kopf und in beiden Armen weidengeflochtene Koerbe-
eine beachtliche Leistung, bei der ihr ab und an eines ihrer Kinder half.
Diese Botengaenge wurden bald bekannt und so kamen auch aus den Nachbarorten Auftraege.
Sie konnte bald ein Pferd fuer hundert Mark erstehen, eine hurtige Summe!
Nun kam vom Stellmacher ein Kastenwagen dazu, damit fuhr sie dreimal die Woche
nach Koblenz. Dienstags donnerstags und samstags waren in Koblenz Markttage.
Recht frueh, bereits kurz nach Mitternacht musste sie aufbrechen,
um gegen 3 Uhr auf dem Koblenzer Marktplatz zu sein,
wo die Bauern und Haendler der Umgebung ihre Waren feilboten.
"Grenzer Ami, hei, wills'te uns nix abkaafe? Guck, wat wir en fein War' han!"
Riefen sie ihr entgegen.
So kaufte die Ami ein, das Kind machte Botengaenge und kleinere Besorgungen in den Geschaeften.
Anschliessend gingen beide in das Cafe Bubenheim und gegen 11 Uhr fuhr man zurueck,
berichtet der Chronist.
An den uebrigen Werktagen vertrieb sie in den Doerfern Seife,
Schuhcreme, Spielwaren, Wolle, Zucker, Kaffee, Gemuese und Heringe.
Sie war reell und ehrlich, man vertraute ihr und kaufte wohl gerne.
Sonntags ging sie zur Kirmes und baute einen kleinen Stand auf -
wo ihre Waren angeboten worden waren.
Bis ins hohe Alter, bis zu ihrem Tod 1939 uebte sie das Wandergewerbe aus.
Ihre Kinder erzog sie zu ehrbaren Menschen, sie wurden Arbeiter, Handwerker und Beamte.
Inzwischen werden wohl alle gestorben sein.
Diese Geschichte soll ihr als Denkmal dienen.

Aus Hadern und Lumpen? Der Papiermacher Simon Henrich Roemer aus Runkel
hat 1727 der fuerstlichen Rentkammer den Vorschlag gemacht diese Muehle zu errichten.
Der Bedarf an gutem Schreibpapier war gross- die Genehmigung kam also sogleich.
Aus Resten eines alten Jagdhauses wurde die neue Muehle in "Recycling" sozusagen - erbaut.
Die Muehle wurde ausgestattet mit dem sogenannten Deutschen Geschirr
(Wasserraeder, Stampfwerk, Spangen, Truegger und Pumpen)
Das Muehlrad hatte 4 mtr Durchmesser und war einen Meter breit,
mit einer 50cm dicken Achse (Wellbaum) in der Mitte, die zum Kammrad im Innern der Muehle fuehrte.
Dieses Kammrad oder Zahnrad bewegte die Daumwelle, die mit ihren Zapfen den Haemmer in Gang setzte.
"Dort stampfen die Stampfen die Hadern und Lumpen,
Dort strudeln und wudeln die plumpenden Pumpen,
Dort presset, dort laesset man leimen Papier,
Dort schaelet und zaehlet und gibt man's herfuer."
Die Grundstoffe zur Papierherstellung im 18. Jhd waren Hadern,
(leinwandreste) und Lumpen, Wollreste.
Im Sammelmonopol gingen diese Rohstoffe zu dieser Muehle.
Diese wurden dann sortiert, zerstueckelt, eingeweicht und ein eine Faulgrube gebracht.
Der leicht angefaulte Stoff kam spaeter in Stampfmuehlen, ins sogenannte Geschirr.
Im Loecherbaum dieses Werkes zerstampften eisenbeschwerte Haemmer unter Wasserzugabe die Lumpen
und Hadern in 18 stuendiger Arbeit zu einer breiartigen Masse, dem sogenannten Halbzeug.
Dieses wurde nach der Trocknung in den Hollaender gebracht und darin erneut zerfasert.
Aus dem Halbzeug war nunmehr Ganzzeug geworden.
Sollte nun Papier geschoepft werden, so kam das Ganzzeug mit Wasser vermischt in die grosse Buette,
ein Fass mit breitem Holzrand und uebergelegten Stegen.
An der mit dem Zeug gefuellten Buette begann nun des Papierschoepfers Werk.
Der Schoepfrahmen wurde die milchige Fluessigkeit getaucht
und mit der duennen Haut des feuchten Papierblattes herausgehoben.
Waehrend das Wasser nach unten ablief und der Stoff sich verteilte,
wurde die Form in einer bestimmten Weise geschuettelt.
Die feinen Stoffasern setzten sich nun auf dem Sieb fest, sie lagerten sich kreuz und quer,
verfilzten miteinander und bedeckten den Rahmen mit einer Art Haut von gleichmaessiger Dicke.
Die Groesse der Schoepfform, von denen fuer die fortlaufende Arbeit stets ein Paar zur Verfuegung gehalten wurde,
richtete sich nach dem Format des zu schoepfenden Bogens.
Dann uebergab der Meister die Form dem Buettgesellen, auch Gautscher genannt,
der das feuchte Papierblatt von dem Sieb entfernte.
Ein weiterer Filz wurde auf den Papierbogen gelegt und die Form dem Meister zurueckgegeben,
der inzwischen einen neuen Bogen gebildet hatte.
So wurde papier auf Filz, Filz zu Papier gestapelt, bis ein Stoss von 181 Bogen und 182 Filzen dastand,
der in der Papiermachersprache "Pauscht" genannt wird.
Dieser Pauscht kam nun in die Presse, damit dem Papier durch Druck Wasser entzogen wurde.
Dem ausgepressten Pauscht wurden nun die Bogen entnommen und darauf durch einen weiteren Gesellen,
dem "Leger" nochmal ohne Filze zusammengelegt und erneut ausgepresst.
Der Papierbogen war nun soweit gefestigt, dass er auf dem grossen Trockenboden,
dem Henkboden, ueber die dort gespannten Stricke gelegt werden konnte,
um endgueltig auszutrocknen.
nach dem Trocknen musste der gewellte und unebene Bogen geleimt werden,
damit auf ihm die Tinte nicht auslaufen konnte. (Verlaufen)
Die Bogen wurden also durch die Leimbruehe gezogen,
ausgepresst und zum zweiten Mal auf dem Henkboden getrocknet.
(Henk- von Haengen)
Danach wurde der Bogen geglaettet, entweder mit dem eisernen Hammer,
oder vn Hand auf einer Marmorplatte mit einem Achatstein.
Nun konnten die Bogen "geschaelt", dh. sortiert und umgelegt werden.
Die einwandfreien Bogen wurden abgezaehlt und zu einem "Ries" (1000 Bogen) verpackt.
Jeder Bogen war bis zu seinem Verkauf 30 Mal durch die Hand und etwa 10 Mal durch die Presse gegangen.
1751 kostete ein Ries Schreibpapier 1 fl. 15 Alb. und ein Ries Konzeptpapier 1 fl. 5 Albus.
Ein geschickter Papiermueller konnte etwa 300 Bogen pro Stunde schoepfen,
Durch das staendige Eintauchen der Haende und der Arme
in das "Zeug" entstanden mancherlei Hautkrankheiten der Papiermacher.

In St. Goarshausen wurde beim "peinlichen Halsgericht" durch einen Richter,
sieben Schoeffen und dem Anklagevertreter 1679 die Anna Elisabeth Hager wegen Kindesmordes angeklagt.
In der "Voruntersuchung" wurde ihr das "Gestaendnis" unter Folter ausgepresst.
Sie bestritt die Tat, als ihr erneut Fuss-Schrauben angesetzt wurden, wimmerte sie:
"Ich habe das Kleine in den Rhein geworfen!"
Das Urteil wurde gesprochen:
"Anna soll lebendig in ein Grab, eine Dornhecke auf ihren Leib,
sie mit Erde beschuetten und einen eichenen Pfahl
durch ihr Herz geschlagen werden"
Nun draengte sich die Witwe Hager, die Mutter der Verurteilten durch die Soldaten.
Sie warf sich vor dem Richter nieder und schrie:
"Uns Anna is unschuldig!"
Schluchzend gestand sie, die Tocher habe ihr Kind in Wirklichkeit zu Verwandten gebracht,
weil es der Kindesvater umbringen wollte.
Die Mutterliebe war es, die die Angeklagte schweigen und die furchtbaren Folterqualen auf sich nehmen lies.
Der Landgraf von Hessen suchte diesen Rechtsirrtum durch Verheiratung der Gefolterten mit ihrem Verlobten gutzumachen.
"Jedoch eine reiche Aussteuer und die Schenkung einiger Weinberge vermochten die Braut nicht wieder heilzumachen",
schliesst der Chronist seinen Bericht.

Ein paar Preise von 1881, Wilh. Linkenbach Ems:
Petroleum pro Liter 23 Pfg
Rueboel pro Schoppen 30 Pfg
Pro Pfund:
Gelbe Gemuesenudeln 28 Pfg
Griesbandnudeln 32 Pfg
Echte ital. Macaroni 40 Pfg
Tuerkische Pflaumen, kleinkernig 28 Pfg
Edelbirnschnitzen 32 Pfg
Huzeln 28 Pfg
Leicht schmelzende Wuerfelraffinade in Kisten 42 Pfg
Gemahlene Raffinade in Kisten 42 Pfg
Brodraffinade in Broden 44 Pfg
Sultaninen 50 Pfg
Korinthen 45 Pfg
Kaiserauszugmehl 22 Pfg
Tafelschmalz 69 Pfg
Hollaend. Magarinbutter, ausgez. Schmelz und Backbutter 85 Pfg
Grobkoerniger Tafelreis 18 Pfg
Grobkoernige holl. Gerste 16 Pfg
Geroesteter Hafergries 22 Pfg
Obstkraut 19 Pfg
Marmelade aus Himbeer und feinem Steinobst 45 Pfg
Reinschmeckender Kaffee ab 90 Pfg

Inserat vor 140 Jahren:
"Jeden Mittwoch bin ich in Ems und ziehe Zaehne.
Bitte gefl. Bestellungen beim Pfaelzer Hof abgeben.
Louis Bein, Zahnoperateur, Coblenz, Schloss-str 20
500 Mark zahle ich dem, der beim Gebrauch von
KOTHES ZAHNWASSER a Flacon 60 Pfennig
jemals wieder Zahnschmerzen bekommt oder aus dem Munde riecht.
Joh. Georg Kothe, Hoflieferant, Berlin; in Ems bei H. Probst Coblenzer-Str."

1881 Main 12. Mai
"Wie das Mainzer Tageblatt vernimmt, ist gegen verschiedene Geschaeftsleute
von hier - "Cravattenfabrikanten" nennt sie das Volk -
Untersuchung wegen Abnahme wucherischer Zinsen eingeleitet worden.
Es handelt sich bei fraglichen Faellen um 50 bis 70 %, welche diese Ehrenmaenner
ihren Opfern abgenommen haben.
Moege eine empfindliche Strafe ihnen die Luft verleiten, noch weitere solche Geschaefte zu machen!"

Aus dem Anzeigenteil des "Lahnboten":
"Es werden 300 Stueck Wanzen zu kaufen gesucht,
um ein gemietetes Logis, das am 1. August 1881 verlassen wird,
wieder in den Zustand zu versetzen, in dem es angetroffen wurde.."

Der aelteste Westerwaelder war wohl der am 11.2.1828 in Montabaur geborene
Peter Schupp, der im 105. Lebensjahr am 20. 2. 1932 in Baumbach starb.
Er arbeitete nach den Lehr- und Wanderjahren als Wachszieher in der Kerzenfabrik.

An dieser Stelle sei dem Vorkaempfer der Volksmitbestimmung gewidmet,
Freiherr vom und zum Stein focht gegen die Allmacht des Staates.
Er wuerde heute wieder helfen koennen, das uebermaechtige Behoerdenjoch der EU zu relativieren.

Ludwig Nies (t):
Sterbende Muehlen.
Glueck zu!
So gruessten einst die Mueller wider.
Ihr Bach war klar und sauber wie ihr Blick.
Romantik wob um traute Muehlenlieder.
Da brach den Stab ein irdisches Geschick.
Nun huellen sich die Muehlen tief in Schweigen,
wo sie verdammern dort im kuehlen Grund.
Bemoosten Raedern fallen aus die Speichen.
Verstummt sind Klipp-klapp-Takt und Plaetschermund.
Einst waren Mueller wohlbestallte Leute.
Dann fing im Wiesental der Abschied an.
Manch ehrbar handwerk ward des Fortschritts Beute.
Schon manches hat den letzten Gang getan...

1889 schildert der Lehrer Kaferstein aus Marienberg;
"Einen hoechst inressanten Muenzfund machte am 12. August nachmittags der Gemeindediener Ludwig Steup II.
Als derselbe im Begriff war, im Gemeindewald, Distrikt Haehnekopf, einen Wagen Basaltsteine zu laden,
fand er unter den Basaltsteinen, nahe der Erdoberflaeche,
einen grossen irdenen Topf voll alter Muenzen vergraben.
Ungefaehr zweihundert Stueck waren von der Groesse einer Mark,
einige groesser. Die Kleineren, ungefaehr siebentausend Stueck,
waren verschieden, von der Groesse unserer Fuenf- Zehn- und Zwanzig-Pfennigstuecke.
Saemtliche Muenzen waren Silbermuenzen.
Nach naeheren Ermittlungen befanden sich folgende Muenzsorten unter dem Fund:
Prager Groschen aus der Zeit des Boemenkoenigs Johann von 1310-1346.
Groschen der Stadt Tours in Frankreich (Tournosen), vorwiegend aus der Zeit Philipps IV 1285-1314.
Brakteaten (Hohlmuenzen) aus dem 13. Jhd, aus Thueringen, wahrscheinlich Saalfeld stammend.
Denare aus Aachen aus der zeit Kaiser Albrechts 1298-1308
Haendelpfennige aus dem 13. Jhd (5-lothiges Silber) Muenzen der Stadt Hall
in Schwaben und Frankfurt a. M.
Der Topf war leider ein Opfer der uebergrossen Freude des gluecklichen Finders geworden.
Die Gemeinde, die die Haelfte des Fundes beanspruchen konnte, leistete auf ihren Anteil Verzicht
und ueberlied den ganzen Fund dem Finder."
Die Muenzen sind spurlos verschwunden.
Trotz intensiver Bemuehungen gelang es nicht, ihren Verbleib aufzuspueren.

Bei der Restauration eines Fachwerkhauses in der Limburger Innenstadt
hatte die Arbeitsgruppe fuer Bauforschung einen "Koelner Pfennig" von 1260 gefunden.
Dieser machte im Mittelalter immerhin einen Wochenlohn aus -
er klebte verbacken im Aufbau des inneren Kellerabgangs,
wo noch weitere Silber- und Kupfermuenzen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert gefunden wurden.
Sesshaft gewordene, vermoegende Kaufleute gaben damals das schmale,
mehrstoeckige Stadthaus in Staenderbauweise in Auftrag.
Die Restauration in den 1980iger Jahren verschlang ueber 2 Millionen Mark !

Heute nennt sich kaum noch einer "Nassauer", die alte Landesbezeichnung
ist aus dem Sprachschatz verschwunden.
Hier ist man "Westerwaelder", mit gleichem Stolz, was nicht immer so war.
(Es war einmal eine arme Gegend, heute ist allerorten Industrie angesiedelt)
Selbst im Zwitterkreis Limburg-Weilburg, der Westerwald und Taunus behinhaltet,
ist das Westerwaelder Gefuehl stark gewachsen.
Die alten nassauer Wurzeln sind nur noch zuweilen spuerbar.
Die Staedte und Doerfer des Lahntals und seiner Randhoehen
fuehren ein landschaftliches Eigenleben - man ist nicht vom Taunus, nicht vom Westerwald,
man ist eben "von der Lohn" oder "von de Luh".
Allein Limburg hat es verstanden, nach allen Seiten auszustrahlen.
Die anderen Lahnstaedtchen fuehren eher ein heimatkulturelles Eigenleben.
(Weilburg, Diez, Nassau, Bad ems oder Lahnstein)
Die Lage im Taunus ist noch komplizierter,
Parallelen zum Heimatgefuehl des Westerwaldes sucht man hier vergeblich.
Eine eigenstaendige Taunus-Kultur hat sich nicht gebildet.
Frankfurt und Wiesbaden strahlen weit in diesen Raum aus,
ohne wirklich kulturell wirksam zu werden -
die Orte wurden leicht zu Schlafstaetten und sind tagsueber recht still.
Man kommt bestenfalls aus dem Goldenen Grund,
http://www.goldenergrund.org/portal/index.htm
von der Aar,
http://www.wir-von-der-aar.info/
aus dem Einrich, (Katzenellnbogen)
http://www.termininfo-einrich.com/
aus dem Blauen Laendchen,
http://www.blaues-laendchen-info.de/
aus dem Rhein-Taunus
http://www.rheingau-taunus-info.de/
oder aus dem Rheintal.
Wir selbst wohnen hier:
Im oestlichen Hintertaunus, welcher eine eigene und noch nicht so recht erfasste Region
mit kultureller Eigenstaendigkeit ist.

In einer Chronik aus dem Jahr 1862 aus Arzbach nahe Bad Ems an der Lahn
kann man lesen, dass drei Brueder aus Baumbach dort den halben Ort mit dem Namen "Gerharz" gefuellt haben..
Es waren tuechtige Kannenbaecker.

Vor 130 Jahren fand man in Ems einen 24cm grossen Krug mit tausend Silbermuenzen
kurtrierischen Gepraeges aus der Zeit von 1620-1670.
Weitere 25-30 grosse Silbermuenzen Ludwig XIV und "Brabanter" aus dem Jahr 1650.
Als Kuriosum ist erwaehnt, dass der Onkel des Gartenbesitzers getraeumt hatte,
dass im Garten Geld vergraben sei..

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84pfel
Besonders mit unserem Kulturkreis verbunden ist der Apfel, der in einer unglaublichen Vielfalt auftritt.
Die Zuchten des "Tafelapfels" stammen vom Adel, der sich die Natur "untertan" machen wollte
und dabei -diesmal- etwas Bleibendes, Wertvolles schuf.
Den "feinen Apfel" fuer die fuerstliche Tafel, -
anfaenglich als Dekoration, spaeter schnell als "marktfaehige" Frucht beliebt.
Er half, als die Weinstoecke durch Krankheiten eingingen und hat sogar zu ganz eigenem Obstwein verholfen- dem Aeppelwoi,
dem Traditionsgetraenk des hohen Taunus und Frankfurts, das spritzig und sueffig, sogar als Gluehwein hervorragend ist.
(Dazu rate ich zu meinen Weinrezepten, die hier zur Genuege eingepflegt wurden)

Es schreibt ein Heimatfreund: "Ueber Ziegen (Gaase) von Elz kann ich sagen, dass wir frueher auch etwa 10 - 15 Ziegen hatten.
Vor 1920 konnte man im Goldenen Grund noch Herden von 200-300 Tiere sehen.
Der heutige Wohlstand hat den Gaase-Bauer ueberfluessig gemacht."
Er, der Walter Jung, dichtete dazu:
"Die Gaas.
Was gibt es all fuer Sache heut,
doch frueher, glaubt es liebe Leut,
da stand fast ueberall,
bei jedem Haus en Gaasestall.
Angebunne und auf weichem Stroh,
konnt mer seh die Gaase do.
Mal eine, zwei oder auch drei,
so standen sie in einer Reih',
gaben Milch tagein, tagaus,
man machte auch oft Butter draus.
Die Not war gross, es gab nichts zu esse,
wohl dem, der da'ne Gaas besesse.
Doch heut kann mehr suche ueberall -
ka Gaas zu faenne ess aem Stall!
En Gaas hot auch prima Mist gemacht,
den hot mehr aen de Goade gebracht.
Und nicht nur fuer Salat und Kraut
hot man den gute Mist gebraucht.
Ohne Gift und Umweltschmutz
brachte er den allerbesten Nutz.
Doch heut waechst Dill und Sellerie
nur mit Hilfe der Chemie.
Ohne die kein Klee, kein Gras,
es fehlt halt nur en Gaas.
Doch die kann er suche ueberall,
man find se net, in kanem Stall.."

Hier darf ich anmerken, dass geschriebene Mundart immer befremdlich ausschaut, selbst wenn man diese Sprache spricht;
unsere Ur-Ur-Ahnen haben nicht geschrieben, sie haben NUR gesprochen..

Die Orte sind seit den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts einem enormen Wandlungsprozess ausgesetzt:
Es gibt weniger Kinder, die Leute pendeln weit aus in die Staedte um zu arbeiten- beide Ehepartner,
die heute durch seltsame "Lebensgemeinschaften" ausgeduennt werden, muessen einer Beschaeftigung nachgehen,
sonst raucht der Schornstein bald nicht mehr.
Alte Leute bewohnen die grossen alten Haeuser, die einst fuer die Familie gebaut wurden-
oft alleine, manche stehen schon leer, Bauernhoefe sind ohne ihre Bestimmung.
Allerorten sind ehemalige "Tante Emma Laeden" dicht, die Scheiben zugeklebt, leblos und tot.
Einsam haengt ein kaputter Kaugummi-Automat an der Wand, wo noch manches alte Reklameschild vergilbt.
Von den paar Alten, die noch einkaufen koennten, kann der Laden nicht leben, die Jungen kaufen unterweg, im Supermarkt ein.
So fahren heute noch ein paar Verkaufswagen herum- die aber ebenfalls bald wegen Unrentabilitaet aufhoeren werden.
Die Orte gleichen am hellen Tag Geisterorten aus dem wilden Westen - langsam aber sicher zerfaellt der alte Ortskern,
der einst die Betriebsamkeit schlechthin war, wo das Zentrum und Dorfmitte war.
Im Neubaugebiet sind einige der Jungen in den Neubau gezogen- was heute auch schon wieder ruecklaeufig ist:
Die neuen Haeuser und die Grundstuecke sind teuer, Erschliessungskosten und Anliegergebuehren sind hoch,
die Umweltvorschriften machen den Neubau kaum mehr bezahlbar.
So kommt mancher darauf, eines der alten Haeuser in Augenschein zu nehmen und fuer 50-90.000 Euro zuzuschlagen,
nach und nach, wie das Geld da ist, zu restaurieren.
Nun darf man nicht vergessen, dass durch die Waehrungsreform,
die den Euro brachte, die Loehne halbiert, die Preise aber gleich geblieben sind - auch bei den Haeusern!
Die Autos, mit denen die Pendeltouren gemacht werden muessen, da die Oeffentlichen sehr unzureichend fahren,
sind zu 3/4 in der Zahl auf Pump, nicht etwa bar bezahlt.. (Das hat mir ein grosser Autohandel erzaehlt)





Nun zurueck zu den Alten, am liebsten vor der Zeit der beiden Weltkriege:
Der "Scheuerbambeler" war der selbstgezogene Tabak, der in der Scheune trocknete..
..fuer den "Sonntagstabak", wie der "Werktagstabak" aussah, wollt ihr nicht wirklich wissen:
Kartoffelkraut, vermischt mit Huflattich, Buchen- und Eichenblaettern, div. Kraeuter aus der Wiese, Wald und Flur..

Das Woertchen "echt" wurde ehedem als "ächt" geschrieben, auch auf offiziellen Aushaengen.

Frueher gingen die Fuhren buchstaeblich ueber Stock und Stein, Zugpferde waren nicht zum Reiten geeignet,
und mussten heim gefuehrt werden.
Ueberhaupt ging man meistens zu Fuss, weitere Strecken, von Ort zu Ort-
ganz normal, dass ein Vater mit seinem Sohn nach der Lehre eine Stellung suchen ging.
(Schon damit, dass ein Esser weniger im Haus war - das Essen fuer Gesinde in Arbeit
war duerftig. Drei Mann teilten sich einen Hering, Hauptnahrungsmittel waren Kartoffeln mit Salz.)

1885 Hachenburg: Die Durchschnittspreise fuer je 50 Kilo Weizen waren 11,59 Mark,
Weizenmehl 13,98 Mark, Roggen 9,80 Mark, Roggenmehl 12,34 Mark, Hafer 8,07 Mark,
Heu 2,78 Mark, Stroh 2,71 Mark.

Nun noch eine wilde Geschichte!
Ende des 16. Jhds waren Schornsteine in den Westerwalddoerfern nur selten vorhanden.
Erst nach der Jahrhundertwende kam auf obrigkeitliche Anordnung der Wandel,
oft gegen den Widerstand der Bevoelkerung, die das nicht einsehen wollte, trotz der Brandgefahr.
Bei Androhung von 5 Gulden Strafe dauert die Umsetzung noch eine geraume Zeit.
Schornsteine hielten die Bauern nicht fuer noetig.
Die Baustoffe waren - nach heutiger Sicht- waermedaemmend aus Holz, Lehm und Stroh,
auf der Rueckseite des Hauses mit "Niederlass", nur wenige und kleine Fenster,
so dass gegen Kaelteeintritt genug Schutz war.
Gegen Waermeverlust schuetzte das Strohdach.
Zunaechst hatten die Haeuser nur eine Feuerstelle im "Ern", wie oben schon mal erwaehnt,
der zugleich als Flur und Kueche diente.
Der gemauerte Herd stand an der Mittelwand des Hauses und waermte durch eine Oeffnung
in der Wand den Nebenraum, die Wohn- und Elternschlafstube- mit.
Der Rauch des Herdes zog durch das Dach ueber dem ofenen Ern und durch das Oberteil
der quergeteilten Haustuer ab, was der rauch - und geruchsarmen Holzfeuerung genuegte.
Der bereits erwaehnte breite untere Tuerspalt tat der Sauerstoffzufuhr gut.
Das Haus brauchte also nicht unbedingt einen Schornstein- was sich spaeter,
als der Wohnzimmerofen kam, freilich aenderte: Ohne Kamin ging das nicht.
Lange Zeit waren diese Schornsteine nur aus Holzfachwerk mit Lehmfuellung,
allenfalls aus ungebrannten Lehmziegeln.

So mancher baute muehsam Kartoffeln von Hand an, haeufelte, beseitigte Unkraut, duengte,
erntete mit vielen Helfern, lud alles in Saecke, verstaute diese auf dem Leiterwagen, spannte
die Kuh davor, manchmal auch zwei - und zockelte in muehsamer Tour die holprigen Wege zum Kaeufer
manchmal einen ganze Tag Fahrt entfernt um dann auf einen "Feilscher" zu treffen,
der so arg runterhandelte, dass dem Geplagten nichts anders uebrig blieb,
als abzuladen- womoeglich noch in den Keller zu tragen,
damit er endlich nach Hause konnte.. Frau und Kinder brauchten Geld fuer Schuhe.
Geld regierte schon damals die Welt.
So manches Mal hielten die Kuehe an, wenn ihnen die Fuesse weh taten oder sie muede wurden-
da half nur gutes Zureden, warten, streicheln..
Abends um 9 Uhr kam er endlich nach Hause.

Fleisch gab es auch fuer Bergleute nur an Festtagen, der Arbeitstag war 12 Stunden,
das Rheuma war in den Braunkohlegruben garantiert, wenn nicht die Staublunge oder Tbc zuvor kam.
Quetschungen der Brust, an Knien und Ellenbogen, Rippen- und Beinbrueche waren haeufig.
Diese Verletzungen fuehrten manchmal auch erst spaeter zu Invaliditaet,
die erst sehr viel spaeter von der Knappschaftskasse anerkannt wurden.

Wenn die Glocken um 11 Uhr zum "Angelus" laeuteten,
verharrten die Leute im Gebet.
Sogar die Kuehe vor dem Pflug hatten sich darauf eingestellt
und waren nicht mehr bereit, auch nur noch eine Furche weiter zu ziehen.
Abends um Sieben toente die Abendglocke,
dann durfte der Lehrer keinen seiner Schueler auf der Strasse erwischen..
Palmzweige, die geweihten Kraeuter "Wirzwesch" und ein Zweig vom Fronleichnamsaltar
wurde in der Wohnung in das Kruzifix gesteckt.
Bei schweren Gewittern oder jeglicher Gefahr wurde ein Zweig
in das Herdfeuer gelegt, zuweilen noch eine gesegnete Kerze angezuendet.
In fruehen Jahrhunderten war das Wetterlaeuten ueblich, wenn ein Unwetter aufzog.

Ostereier wurden gefaerbt und fuer kurze Zeit in den Ameisenhaufen gelegt-
die Saeure, die dort von den Tieren antraf, gab interessante Muster.
Wenn ein Laib Brot angeschnitten werden sollte, wurde zuvor ein Kreuz eingeritzt.
An Maria Lichtmess wurde abends eine geweihte Kerze angezuendet,
und dabei den Rosenkranz gebetet.
Nach dem Gebet machte der Vater an die Wohnstubendecke mit der Kerze ein Kreuzzeichen.
Anschliessend brannte er jedem der Anwesenden mit der Kerze einige Haare am Kopf ab.
Am Heiligen Abend wurde ein Buendel Heu in den Hof gelegt und nach der Bescherung
dem Vieh in den Stall gebracht zum Verfuettern.
In der Silvesternacht sangen alle in der Gastwirtschaft anwesenden:
"Grosser Gott wir loben Dich".

Bis 1929 diente ein Pferdefuhrwerk als Leichenwagen.
Die naechsten Angehoerigen des Verstorbenen gingen am Schluss des Leichenzuges-
sie trugen dunkle Trauerkleidung und als Kopfbedeckung ein weisses Spitzenhaeubchen
oder zumindest ein weisses Leinentuch.
Der Sarg wurde noch in dem Haus des Verstorbenen aufgebahrt,
dabei wurde der Rosenkranz, eine Litanei und die "Fuenf Wunden" gebetet.
Als Totenwache war aus jeder Familie mind. eine erwachsene Person dabei.
Nach der Beerdigung trafen sich die Trauergaeste im gleichen Zimmer zum Kaffe und Kuchen wieder..
(Wer das nicht kennt: Das troestet taetsaechlich)
Nach der Beerdigung wurde das "Schaaf"- das Bettstroh und Zeug in der Gemarkung,
meist auf einer Feldwegekreuzung verbrannt.
Dabei wurden wieder die "Fuenf Wunden" gebetet.
Die Angehoerigen eines Verstorbenen - vornehmlich Frauen -
trugen ein ganzes Jahr schwarze Trauerkleidung.
So kam es, dass Frauen schon mit 30 bis 40 Jahren nur noch Trauerkleidung trugen.
In frueheren Jahrhunderten war die Trauerzeit amtlich streng geregelt,
Zuwiderhandlungen wurden sogar bestraft.
Der Ehemann hatte ein halbes Jahr, seine Frau ein ganze Jahr trauern muessen.
Bei Eltern war die Trauerzeit fuer ein Kind ueber 12J. drei Monate,
Kinder trauerten um die Mutter oder um den Vater 6 Monate,
um Stiefeltern einen Monat.

Der Pfarrer Plebanus von Miehlen hat einiges aus dem Dreissigjaehrigen Krieg ueberliefert.
Am Neujahrstag 1636:
"Haben wenig Pfleg und Wartung und geringe Mittel zur Nahrung haben koennen,
obwohl wir alles gerne zum teuersten kaufen und bezahlen wollen.
Die Feiertage ueber ist nicht ein Bissen Fleisch zu bekommen gewesen.
Meinem Wirt, weil er noch seine Huehner im Stall hatte, gab ich in meiner traurigen Schwachheit fuer eins 18 Albus!"
Nach 5 woechiger Krankheit ist der Pfarrer erstmal wieder vom Krankenbett aufgestanden.
"Ende Januar ist Margaretha Michel oder Baeckersfrau zu Miehlen nach ihrem Mann sechzigjaehrig verstorben.
Sie hat einen Tag oder etliche in Hans Schreiners Haus unbegraben gelegen,
weil sich kein Mensch im Dorf hat blicken lassen.
Der Leichnam wurde die Stiege heruntergeworfen, Hunde und Katzen haben ihn bis auf den Kopf aufgefressen.
Hunde seien mit ihren abgebissenen Haenden auf den Gassen herumgelaufen.
Es seien in dieser Zeit nicht nur in Miehlen, sondern auch anderswo Menschen gestorben,
weil sie keine Nahrung, noch nicht einmal etwas Brot, beschaffen konnten.
Wegen der Kriegsvoelker, die das Land durchstreifen, koennte sich kein Pfarrer
bei seinen Pfarrkindern umsehen und daher fanden auch keine Gottesdienste mehr statt."
Im Februar sei es lau gewesen, dann aber sehr kalt geworden, weshalb der Rhein Eisgang hatte
und schwer war, ueber den Strom zu setzen.
Dann sind von den Pfarrkindern in Miehlen, Nassau und Patersberg wieder eine ganze Anzahl
infolge Unterernaehrung gestorben.
Zu Beginn dieses Elendskrieges 1618 zaehlte Miehlen 130 Feuerstellen, im Februar notiert er:
"Zwei Weiber von Endlichhofen sind nicht weit von der Reichenberger Muehle tot aufgefunden worden.
Ohne Zweifel sind die armen Leute erfroren und von einem Fuchs oder Hund angefressen worden."
Ende Februar besuchte er Endlichhofen, traf aber dort ebenfalls Leichen an, die von Hunden angefressen worden sind.
Woertlich:
"Sind also in diesem Doerflein acht Menschen von den Hunden in ihr bestialisch Gedaerm gegraben!"
"Einen Hund hat die Kuhhirtin zu Ruppertshofen in diesen Tagen geschlachtet und verspeiset.
Wie gewiss berichtet wurde, hat die Kuhhirtin auch von ihrem toten Mann Fleisch abgeschnitten
und solches gekocht und mit ihren Kindern gegessen.
Als sie gefragt wurde, wie es geschmeckt hat, sagte sie- wenn ich ein wenig Salz dazu gehabt haette,
haett es ganz gut geschmeckt."

Am 4. Maerz haben "Crabaten" (Kroaten) am Kirchhof in Ruppershofen gelegen,
die Turmwacht gehalten und die Strassen beobachteten.
Jeden, den sie erhaschten, haben sie sehr misshandelt.
Beinahe waere auch der Pfarrer in deren Haende gefallen.
Er erwaehnt die Belagerung der Stadt Lahnstein und der Burg Stein in Nassau und
schreibt von einer schlimmen Hasen- und Fuechsen-Plage, die sich ueber die Hausgaerten her machten,
waehrend die Bewohner sich in Huetten im Wald vor den Soldaten versteckt hielten.
Der anschliessende Sommer war heiss und trocken, die Vegetation verwelkte.
Erst im Juli kam der Regen, so die Sommerfrucht noch gewachsen sei.
Er erzaehlt von einer gewaltigen Himmelserscheinung in St. Goar,
ueber der Loreley von zwei Kometen, der eine blutrot, der andere feurig, schrecklich anzusehen.
Er fuerchtet, dass das kein gutes Zeichen war.
"Gott wende alles zum Besten, bekehre die, so zu bekehren sind, und verschone gnaediglich um der Unschuldigen
und Unmuendigen willen die alten Bußfertigen"
Dieser Krieg, das habe ich Eingangs schon geschrieben, kam aus den Anfeindungen und Spannungen
zwischen den evangelischen und katholischen Herrschaftsgebieten in Deutschland.
Jeder noch so hartnaeckige Versuch diese Tatsachen zu verleugnen, kann nur aus religioeser Verblendung passieren.
Der Friede wurde erst 1648 zu Muenster und Osnabrueck geschlossen und hat das Land in eine lange und tiefe Armut gestuerzt.

Zum Trost noch eine lustige Geschichte:
Ein Karussellbesitzer hatte einen einaeugigen Schimmel, der sein Pferdchenkarussell antrieb.
(Das Ding wurde mit einer Kette, an der ein Brems-Brett montiert war, auf dem der Bremser stand, angehalten)
Nun war nicht immer Kirmes und der Gaul musste auf dem Feld helfen, wo er- wer haetts gedacht-
nie geradeaus lief, egal wie oft und wie laut der Herr "Haar" links rief.
Da half auch kein wildes Zerren an der Leine- der Schimmel ackerte immer Rechtskurven.
Nun lagen die Kartoffelreihen im Kreis herum und in der Mitte des Feldes war.. nichts.
Der Pferdefreund haette sein Tier deshalb niemals abgeschafft und so gab ihm der Nachbar einen Rat:
"Pflanz doch einfach Rueben in die Mitte!"
Gesagt, getan- es muss ein ulkiges Feld gewesen sein..

Der Scholastiker Peter von Dern, erwaehnt Mengerskirchen, dessen Chronik nun durchgeackert wird,
bereits im Jahr 1292 als "Oppidum" (Landstaedtchen, Befestigung)- dh. es waren bereits Befestigungen
oder eine Burg vorhanden.
Nassau, Greifenstein, Merenberg und Lichtenstein wurden 1303 als Streubesitzer vermerkt-
bis nach Worms gehoerten in der Gemarkung Mengerskirchens die Laendereien durch div. Heiraten
und dem "Calsberger Zent" den unterschiedlichsten Herrschaften.
Staendig wirbelten die Anteile durch Erbfolgen und Schenkungen durcheinander-
aber auch durch Verpfaendungen!
Schloss und Staedtchen wurden im Jahr 1373 fuer 1400 Gulden verpfaendet.
10 Jahre spaeter:
Die Beilsteiner von den Nassauern fuer 4000 Gulden fuer sich eingenommen,
was keine 20 Jahre dauerte und neue Verpfaendungen, diesmal in Anteilen- brachte,
nach Weilburg, dann nach Trier.
Bei so manchem Herren mussten in diesen Zeiten die Leute huldigen!
Einige Jahre hatten die Witwen der Verwandtschaften dort im Schloss ihren Aushalt-
den letztlich die Paechter der Aecker zahlen durfen.
1452 wurde der Seeweier angelegt- als verpachtetes Fischgewaesser.
1561 kam die Pest durch Mengerskirchen, der Adel floh wie die Ratten vom sinkenden Schiff..
Dann verpfaendeten die Nassauer fuer 22.000 Gulden ihren Anteil,
um die vom Kaiser auferlegten Kriegskosten am Niederlaendischen Feiheitskampf zu finanzieren,
kauften diese nach 17 Jahren 1587 wieder zurueck.

"Die reinste Waidmannsfreude" war den Herrschaften vorbehalten, nicht etwa der Bevoelkerung,
deren Aecker von den vielen Wildtieren in Mitleidenschaft gezogen wurden..
Die Besitzungen wurden verhoekert, verpfaendet, verheiratet, geteilt, als Schenkung verbracht-
ein wirres Wechselspiel mit "Salischem Recht" (maennl. Erbfolge) oder durch Testamente vollstreckt.
Das "Jus Reformandi" bestimmte, dass die Menschen die Konfession des Herrschers annahmen.
Die Rechte der "geistigen Jurisdiktion wurde hartnaeckig von den Fuerstbischoefen verfolgt,
selbst dann noch, wenn laengst nur noch ein Teil in deren Haenden war.

"Ein Grandseigneur belastete die Besitzungen mit einer massiven Hypothek"
berichten die Chroniken, gemeint war Fuerst Christian, der leichtfertige Bruder Wilhelms von Dillenburg.
Als das Geruecht kam, jener Schuldenkoenig sei in den Niederlanden verstorben,
schickte man in "verdaechtiger Eile" aus Diez den Kapitaenleutnant Siegel mit 40 Mann nach Mengerskirchen,
um Fakten zu schaffen, den Ort einzunehmen.
Die Kunde lief schnell, man verschloss die Stadttore und so musste Siegel die Belagerung machen,
die ausgerechnet waehrend der Erntezeit war und die Bauern vom Feld in die Stadt und umgekehrt
ewig langen Verhoeren aussetzte.
Nach ein paar Tagen rueckten die Soldaten unverrichteter Dinge ab.
Die Linie drohte auszusterben, so erhielt Christian von Wilhelm ein Drittel der Vermoegen um zu heiraten.
Diese Ehe bleibt leider kinderlos.
Dann starb Wilhelm und Christian erbte das naechste Drittel.
Der Leichtfuss Christian erhielt von seinem Bruder das naechste Drittel, weil Kriegslasten
vom Kaiser ausgehoben werden sollten- was eine grosse Bauernrevolte brachte.
In Wellen kamen Soldaten, in Wellen verstaerkte sich die Revolte- bis 1700 Aufstaendige
und hunderte Soldaten campierten im Feld- bewaffnet mit Mistgabel, Aexten, Messern und Knueppel
drohten sie den Soldaten, diese "in kochtopfgerechte Stuecke zu zerhacken", wenn sie nicht abzoegen.
Nun wurde das Wetzlarer Reichskammergericht angerufen,
weil die Staedte Haiger und Driedorf von diesen Kriegslasten befreit waren,
die Staedte sozusagen "freigestellt", mit eigenen Marktrechten versehen waren.
(Wie Wetzlar auch)
Das Gericht stellte auch Mengerskirchen frei, die Streiter gingen nach Hause.
1739 starb, von allen Einwohner aufrichtig bedauert- der Christian, Fuerst von Dillenburg.
Das Erbe fiel an Diez.
Zwischenzeitlich war fuer ein betagter Fuerst Wilhelm Hyazinth eingesetzt,
ein Spross der Siegener Linie, der nicht lange lebte.
So fiel ein Teil dessen Erbes an Siegen, der andere Teil an Diez.
Infolge der dann kommenden Reoranisationen der Verwaltung stellte
"der von einem glaenzenden Beamtenkoerper Oranien/Nassaus regiert"
-bis 1806 alles im Grossherzogtum Berg aufging.
Der Prinz von Oranien schloss sich Oesterreich an- den Rest kennen wir-
sodann kamen die Preussen mit ihren Hilfstruppen, die Franzosen "ueber den Rhein trieben".
Der Prinz von Oranien nahm den Titel des Koenigs der Niederlande an
und trat seine nassauischen Stammlande an Preussen ab.

Waehrend des 30j. Krieges- ich finde immer wieder neue Quellen zu diesem Thema
und immer wieder unbekannte Begebenheiten, die nie zusammen in ein paar Buechern,
geschweige denn in einem Waelzer zu finden gewesen waeren!
Die Homogenitaet dieser Seite erzwingt, diesen Spuren in der Form nachzugehen,
wie die Fundstellen aufgetaucht sind- eine Zusammenfuehrung waere u.U. ein Irrweg,
zudem recht unverdaulich - so ist mehr Abwechslung oder Erholung durch andere Themen gegeben..
"Die Spanier zogen daher unter Fluechen und Drohungen ab (es war nichts zu holen)
In Waldernbach erschossen sie den Heimberger, wie sie auch in mehreren Weilburger Orten
ihren noch in frischem Glanze strahlenden Kriegsruhm durch blutige Gewalttaten befleckten"
Eine ganze Heerschar geueber Reiter unter Waffen gegen eine recht armseelige Landstadt?
"Die Bewohner der Doerfer waren den unbarmherzigen Raeubern voellig schutzlos preisgegeben.
Wenn sie mit ihrer Habe nicht auch noch das Leben verlieren wollten,
blieb ihnen nur die Flucht in den Wald oder hinter die Mauern eines festen Ortes uebrig.
So stroemten in Mengerskirchen die Geaengstigten oft genug mit ihrem Vieh zusammen"
Die spanischen Eroberer kannten nicht mal Ruecksicht vor Menschen gleicher Religion wie die ihre,
brandschatzen und pluenderten erpressten Geld und Vieh durch ihre "zuchtlosen Horden",
wie der Chronist bitter vermerkte.
Selbst ausgehandelte Schutzbriefe wurde missachtet - so vesuchten die Bauern mit gleicher Muenze heimzuzahlen.
Einzelgaenger, Kundschafter oder schwache Nachzugstruppen wurden aufs Grausamste hingemordet.
Unterdessen hockten die Frauen und Kinder in den Hecken und heimlichen Schlupfwinkeln, den Tieren gleich.
Staendig gehetzt und bedroht von einer haltlosen Soldateska, deren barbarische Roheit ein Bericht
des in Not und Gefahr unerschuetterlich ausharrenden Pfarrers Laurentius zu Mengerskirchen anklagt:
"Sie gehen mit den leuthen gantz unchristlich umb, also das sich kein mensch darff sehen lassen.
Wen sie bekommen, den fesseln sie an und schlagen wie wie hund darnieder"
(Anklang an die Sitte des Hundeschlags. Nach zu Beginn des 17Jhds. ging im Westerwald
der Scharfrichter mit seinem Gehilfen in gewissen Zeitabstaenden durch die Doerfer
und erschlug die raeudigen und herrenlosen Hunde mit einem Knueppel)
Der Hoehepunkt der Kriegsnot kam 1635.
Zu 5000 Mann bandete die Welle den Marschwege den Mittellauf der Lahn hinauf,
gegen Loehnberg zu - unvorstellbar, eine solche Truppe verkoestigen zu muessen..
Waehrend der von der Bevoelkerung aufgebrachten Mahlzeit war Ruhe,
danach wurde alles gestohlen und zerschlagen, was irgendwie von Wert war.
In den Unmengen an Einzelheiten liegen freilich die Berichte der Fuersten an oberster Stelle.

Die wirtschaftlichen Verhaeltnisse in den Jahren 1650-1815 waren kaum aufschreibenswert.
Alles lag in Truemmern, handtuchgrosse Feldchen durch die Erbteilungen,
nur noch 12 Haeuser waren in Mengerskirchen (wie auch anderswo) bewohnt,
als die schwarze Pest sich den wilden Horden angeschlossen hatte und den Rest bedrohte, der noch uebrig war.
Muehsam durch Konsolidierungen und Landzusammenlegungen revidierte Boeden, das fehlen von Vieh-
das entsprechende Arbeitsleistung vor dem Pflug oder Wagen bringen wuerde,
keinen Duenger fuer die Felder, lies nur Weidewirtschaft und das Aufziehen von Jungtieren zu-
fuer diejenigen, die noch etwas Geld hatten, dieses ueberhaupt kaufen zu koennen.
(Was nuetzten die vielen Wiesen, wenn kaum noch Heu gebraucht wird?)
Die Schafzucht nahm aus diesen Gruenden stark zu und wieder ab, wenn das Rindvieh an Bestand gewann.
Besonders schlecht sah es um die Pferdehaltung aus, weil die Soldaten kaum welche uebrig liesen.
Zum 17.Jhs. hin wuchs die Bevoelkerung geradezu dramatisch an-
was die Felder ueberforderte. (Gezielte Duengung oder gar Zucht war noch nicht ueblich)
Der kuemmerliche Ertrag erforderte staendig neue Rodungen,
die heute noch das Gesicht des Westerwaldes praegen.
Die Feldbausysteme waren nicht steigerungsfaehig, als zudem Missernten und Viehseuchen kamen
und das Elend noch verstaerkten- so gewann Diebstahl und Bettelei als "Erwerbsquelle" an Bedeutung.
Die Hute-Rechte verhinderten das schnelle Umsetzen der Landreform nicht unerheblich.
"Auf diesem Hintergrund der stendig wachsenden Not ist auch leicht einzusehen,
dass der im Knotengebiet um 1742 einsetzende Kartoffelanbau nach Ueberwindung
gewohnheitsmaessiger Vorurteile rasch Boden gewann.."
Der Chronist weiter:
Die ungeheuere Bedeutung der neuen Knollenfrucht fuer den armen Westerwald war zu augenfaellig,
als dass sie haette ubersehen werden koennen.
Einige glueckliche Ernten reichten aus, selbst Zweifler von ihrem Wert
zu ueberzeugen.
Bald ernaehrte sie, als Geschenk des Himmels begruesst, Mensch und Vieh.
Die ersten Kulturversuche waren auf Gartenland erfolgt,
der feldmaessige Anbau nahm zumeist das Brachfeld in Anspruch.
Mengerskirchen legte im Gegensatz zur Mehrzahl der damals beilsteinischen Doerfer
jedoch sogenannte Kartoffelbitzen im Aussenfeld an und entsprch damit einem Wunsche der Rentkammer,
die mit Ruecksicht auf die Einbußen an Zehnt der Kartoffel die Fruchtfelder nur widerstrebend oeffnete.
Auf die Dauer liesen sich freilich die einschraenkenden Bestimmungen nicht aufrecht erhalten."
Die Regierung zog die Reformen und Kosolidierungen durch und bestand auf den Anbau von Klee und Runkelrueben.
Das traf auf Widerstand der Bauern, die einen Wohlwollen nicht darin erkennen konnten.
"Die Mengerskircher Bauern waren weit davon entfernt, die wohlgemeinten Neuerungen zu foerdern.
Sie standen in Opposition und suchten mit dem typischen Eigensinn des Westerwaelders
die Maßnahmen zu durchkreuzen, die leidiglich ihr Bestes wollten."
Man sieht gleich, auf welcher Seite der Chronist stand- "Opposition" ist eigentlich ein Wort,
das die Masse eher nicht, sondern der Minderheit zufallen sollte..
Fuerst und Vasallen waren- selbst wenn hier die Absicht wohlwollend war- Diktatoren.
Wie auch immer- weiter mit dem Chronisten:
"Den Kleebau lehnten sie rundweg ab und bei ihrem ausgesprochenen Hang zur Widersetzlichkeit
nimmt es auch nicht Wunder, dass die unbedingt notwendige Konsolidation erst nach Ueberwindung
ausserordentlicher Hemmungen in Fluss kam.."
Der Feldbau muss sich allerdings in jaemmerlichster Verfassung befunden haben.
Trotzdem sprachen sich nur 11 von 87 Buerger der Gemeinde fuer die Gebietsreform aus, wie man heute sagen wuerde.
"Die Mehrzahl bekaempfte das Vorhaben mit allen Mitteln, vermochte aber seine Durchfuehrung nicht zu verhindern,
weil die Regierung auf ihrem Standpunkt verharrte"
Das Volk scheint in der Minderheit gewesen zu sein?
Immerhin kamen Wegeverbesserungen und Strassenzuege, die sinnvoll waren.

Klippe-di-Klapp.
Der Mueller und seine Muehle.
Oben genannter Seeweier war freilich auch fuer die Muehlen da, nicht nur fuer das Spektakel
herrschaftlicher Fischerei, er speiste einige Muehlen.
Vor allen Dingen aber die herrschaftliche Tafel, da die Froehner den Fisch in Faessern anzuliefern hatten..
Ein alter Muehlenbrief ist ein Zeugnis dessen, dass der Graf die Fragen des praktischen Lebens
mit kaufmaennischer Gruendlichkeit verbinden konnte.
So war der Mueller verpflichtet, alles Holzwerk an der -gepachteten, ratet mal wem die gehoert hat?- Muehle,
Mahlwerk und Gezeug nebst Laeufern auf eigenen Kosten instand zu halten.
Der Muehlenbann untersagte (das haessliche Wort wird noch heute von unserer Justiz verwendet) den "Mahlgaesten"
woanders als in den Muehlen des Banns mahlen zu lassen - Kosten hin oder her.
Die gebannten Doerfer hatten zudem die Aufgabe, den Wasserlauf sauber zu halten,
nach heftigen Gewittern etc. wieder zu reinigen -
zudem mussten sie die Muehlsteine von den Kauten- meist Dreieich oder Bingen, weit weg gelegen- holen.
Auflegen, Hauen, Zurichten und Schaerfen der Steine war dagegen des Muellers Sache.
Nur den "gebuehrlichen" Molter, vom Malter eine Meste- durfte der Mueller behalten.
Die "Pacht an Frucht" betrug 20 Malter im Jahr.
Daneben musst alljaehrlich auf Weihnachten ein gemaestetes Schwein
in die Beilsteiner Hofkueche geliefert und die auf dem Schloss Mengerskirchen
benoetigte Frucht -ohne Entschaedigung- gemahlen werden..
Im Gegenzug "durfte" der Mueller zwei Schweine in den Wald zur Mast fuehren. (Eintrieb)
Zuvor waren junge Jagdhunde aus der Rinder- und Hetzmeute des Grafen aufzuziehen.
Daher stammt auch der Ausdruck "Ruedenbrot", das noch im 18.Jhd. genommen wurde.
Der Mueller konnte auch zur Pachtfestsetzung unparteiische Schaetzleute heranziehen.
Es tangiert diese Seite weniger,dass spaeter noch zwei, drei andere Muehlen folgten,
wovon eine als Oelmuehle lief- die wachsende Bevoelkerung verbrauchte zeitweilig mehr,
als gemahlen werden konnte.
Der Chronist weiter:
"Wenn nicht die Kammerrechnungen das ganze Elend des damaligen Muehlengewerbes aufdeckten,
koennten die niedrigen Pachtsaetze davon ueberzeugen, die man neuerdings ersann."
Die Fuersten witterten Geld,das dringend gebraucht wurde, um die Prachtbauten und den Luxus
zu finanzieren, den jeder kleine Herrscher so sehr brauchte.
Gerne stimmten sie dem schnellen Neubau von weiteren Muehlen zu- was zu arger Konkurrenz und Verarmung der Mueller fuehrte.
Die haeuftigste "Berufskrankheit" der weissen Zunft war somit der Bankrott.
So mancher Muehlenteich wurde wieder Wiese.
Die Muehlen konnten spaeter "abgeloest", von der Pacht befreit werden-
wenn einer das Geld dazu hatte, den beachtlichen Batzen an Hypothek zu bedienen..

Im 16.Jhd. war der Markt Mengerskirchens vor dem heute als Klippe
bezeichneten Hohlenstein und der Heiligkreuzkirche.
Von fern und nah stroemten die Bauern mit ihrem Vieh herbei,
Handwerker, vor allem Wagner fehlten nicht;
Pflugraeder waren eine wichtige Ware.
Um die Basaltbloecke an diesem Ort wogten Scharen wolliger Schafe
und der Hang des Knoten hallte vom Bruellen der Rinder wider.
Viehzucht war die ausschliessliche Gewerbequelle,
die gut gestellte Bevoelkerung hatte noch nichts mit der spaeteren Armut im 18.Jhd. zu erahnen.
Wer nicht im Bußen den Weidner (Weidmesser) trug,
dem blinkte vom Guertel die Axt als typische baeuerliche Wehr.
Teidingsleute (Unterhaendler, Makler) halfen beim Kauf und Verkauf.
Schon damals war das ein Rechtsgeschaeft, dem der Erwerb von Wein folgte-
so manches oehmig Faeßlein rheinischen oder Loehnberger Weins
rann an solchen Tagen durch die Kehlen der trinkfesten Bauern..
Wurde das zu hitzig oder der Haendel geriet blutig, rief das den Buettel
mit den Gerichtsknechten auf den Plan
und vor das Marktgericht gezogen, wo der Schultheiß und Schoeffen
"unbeschwert von landfremden roemischen Formelkram schleunige Justiz uebten"
Hatte ein "beweinter" (trunkener) Bauer seinen Widersacher "Wehrwolf" gescholten,
oder seine Anschuldigungen durch Faustschlaege zu erhoehen versucht,
war die Sache einfach, die Sache mit ein paar Weißpfennigen oder Gulden zu suehnen.
Die Eigenart des "jaeh aufbrausenden und zu Gewalttaten neigenden Westerwaelder Volkscharakters"
brachte oft schlimmere Faelle, was den Taeter nach Beilstein in den Turm brachte.
Im alten Scheidbuch, das bis ins Jahr 1530 zurueck reicht,
erfaehrt man von der "gar locker im Guertel sitzenden Beil oder Axt",
die schwere Verwundungen bis zu Totschlaegen brachte, die nicht selten waren an Markttagen..
Sogenannte Glueckshaefener suchten das leichtglaeubige Landvolk zu erleichtern-
Okulisten (Augenheilkundige), brauch- und Steinschneider priesen ihre Kuenste an.
Stoerger und Therialskraemer (Pillen aus Vipernfleisch) verkuenden von den Wundern an Heilkraft ihrer Pulver,
Pillen und Traenklein - es gab keine Krankheit, fuer welche das Zeug nicht taugen sollte.
selbst der "bresthafteste" Leib wurde in "jugendliche Schoene" gewandelt und gesund.
Auch die suendige Seele fand ihren Arzt - aus fernen Gauen kamen Heiltumfuehrer
(Reliquienverkaeufer) "Statzionierer" schwatzten den "gaffenden Weibern bunte Heiligenbilder auf"
So bekam der Markt am Knotenhang etwas das farbenfrohe Bild der staedtischen Messe ab.
Gaukler und Betrueger werden in der Volksdichtung in koestlischer Weise geschildert..
Der Zentgraf war in Emmerichenhain- auf der Strasse zu Koeln und Brabant,
die immer Vieh benoetigten.
Die wirtschaftlichen Verhaeltnisse hielten den Markt in Mengerskirchen,
auch wenn die Herrschaft diesen nach Emmerichenhain verlegen wollte.
Die Umwallung der Marktorte war signifikant fuer die mittelalterliche Zeit.
Seit 1321 genuegte Mengerskirchen diesen Voraussetzungen staedtischer Entwicklung und Verfassung.
Die Ernennung zur Stadt war aber nur kuenstlich aufgepfropft und organisch nicht zu halten,
dafuer war der Ort denn doch zu klein.
Eine Stadtgeschichte waere die der Zuenfte, die mit Patriziern um die Herrschaft ringen.
Mengerskirchen hatte aber nur 30 Haeuser und die Landwirtschaft war die einzige Einkommensquelle.
Erst spaeter wuchsen Handwerker hinzu, Windenmacher und Armbruster, Waffenschmiede fuer
die Verteidigung der Feste Mengerskirchens.
Fausthaemmer und Bogen waren sehr gefragt, aus trefflichem Stahl der Waldschmieden gemacht,
die auch die Barten (Beile) und die spitzen Lothaemmer ausschmiedeten.

Damals war die "Wachsabgabe" an die Kirchen ueblich, die von den staedtischen Zuenften,
die wie Bruderschaften gefuehrt waren, abgefuehrt wurde.

Die Kirche kam durch Stiftungen, Schenkungen und hochherzigen Gaben zu Geld und Macht,
waren in der Gunst der Herrscher, die dann -indirekt oder in Personalunion-
direkt in die Koepfe ihrer Unterthanen als "Schaefchen" sehen konnten..
Heute wuerde man sagen: "Jeden Morgen steht ein Dummer auf"
"Mit der Bestimmung Mengerskirchens zum Erbbegraebnis der damaligen Landesherrn
haengt zusammen, dass 1468 Februar 14 die Grafen Johann und Heinrich von Beilstein
eine Verordnung fuer die Geistlichkeit ihrer Herrschaft erlassen,
die im Lichte unserer Zeit betrachtet, ganz merkwuerdig anmutet.
Die beiden Grafen, Vater und Sohn setzen dem allmaechtigen Gotte zu Lobe und Ehren Mariens,
seiner lieben Mutter, und allen glaeubigen Seelen zu Trost und Huelfe
und sonderlich fuer alle ihre Vorfahren und sich selbst ein ewig Testament und zu Westerwald
in jedem Jahre auf Sankt Agnetentag sich im Schloss zu Mengerskirchen versammeln,
dortselbst Vigilie und Messe fuer alle glaeubigen Stellen lesen und sonderlich die hohe Messe Den Priestern wurde nun versprochen, sie nach ihrem Tod "nicht mehr zu berauben"
und ihnen das Vermoegen Weitergabe zu belassen,
die sich auf das Gotteshaus beziehen sollte.
Der Fuerst koederte den Gehorsam der Geistlichen mit freiem Speis und Trank- wie praktisch.

"Dass der Glaubenswechsel nicht nur religioesen Motiven entsprang,
der Wetterauer Grafenverein, zu dem Beilstein gehoerte,
sich vielmehr auch von recht realen Erwaegungen leiten lies,
ist bekannt und wird durch die Verhandlung des Wetterauer Grafentags in Butzbach bestaetigt.
Aus ihnen geht nicht nur hervor, dass schon 1525 zumindest Neigung bestand,
der neuen Lehre keine Schwierigkeiten zu machen,
sie lassen such erkennten, dass man in der Besteuerung der Geistlichkeit ein bequemes Mittel sah,
die Kosten fuer Kriegsruestung aufzubringen.."
1614 suchte die Post die ganze Herrschaft Beilstein heim,
schreibt der Chronist,
Mengerskirchen blieb verschont, umso heftiger wuetete sie jedoch in den Nachbargemeinden
Dillhausen und Probbach.
Man hatte die grosse Ansteckungsgefahr schon damals erkannt
und suchte deshalb die Ausbreitung der Seuche durch strenge Isolierung zu hemmen.
Jost Klauer, seit 1614 Schulmeister und Kaplan in Mengerskirchen,
uebernahm auf Befehl des in Beilstein residierenden Grafen Georg die Seelsorge in den pestbefleckten Orten.
Er sammelte die Gemeinden vor den Doerfern auf freiem Feld
und hielt aus gewisser Entfernung Gottesdienst,
um die Ungluecklichen nicht ganz ohne die Troestungen der Religion zu lassen.
Ein ueber den anderen Tag erschien Klauer am Dorfrand, machte sich durch Rufen bemerkbar
und erkundigte sich nach dem Stand der Krankheit in den voellig abgeschlossenen Doerfern.

Noch ein Schmankerl aus der Vergangenheit:
Dem Mauerzug war ein Graben vorgelagert,
der den Flecken (Ort, Markt) in seiner ganzen Ausdehnung umzog.
Er wurde vom Waschweier vor dem Untertor gespeist und stand wieder mit dem Muehlenweiher
durch einen Kendel (Ueberlauf, Ablauf) in Verbindung.
Sein Wasser erfuhr daher eine staendige Erneuerung und lies recht stattliche Karfen reifen,
an denen sich meist der Mengerskircher Amtmann labte..
Der Grabenteil der Suedwestseite wurde schon frueh,
wahrscheinlich vor dem Dreissigjaehrigen Krieg, trockengelegt.
1768 befand sich nur noch der Abschnitt zwischen Schlosspforrte und Untertor im Gebrauch.
In dem genannten Jahre wurde mit Einwilligung der Rentkammer eine direkte Verbindung
zwischen Wasch- und Muehlenweiher hergestellt.
(Die Ausfuehrlichkeit dieser Schilderungen ist noetig, damit die Pointe verstanden werden kann)
Sie erfolgte, um der Dollenmuehle am Suedrande des Weihers auszuhelfen.
Der Schlossgraben nahm jetzt nur noch die geringen Wassermengen auf,
die aus dem Brunnen abliefen und bildete in der Hauptsache das Reservoir fuer die Abteiche,
die aus jedem anstossenden Haus einmuendeten..
An der Suedmauer des Schlosses sind noch die weit vorgekragten Tragsteine der Aborte sichtbar,
aus denen die Faekalien direkt in den Graben gefuehrt wurden !
Im Hochsommer verwandelte sich sein Inhalt in einen stinkenden Morast,
der pestilenzialische Duefte ausstroemte..
Da die trueben Fluten die Schlossmauern auf der Sonnenseite umspuelten,
litten die Bewohner des Amtsgebaeudes nicht nur ausserordentlich unter der Feuchtigkeit,
sondern konnte auch kaum wagen, ein Fenster zu oeffnen,
ganz abgesehen davon, dass ihre Deputatkarpfen nach Sumpf und Moder schmeckten..
1776 lies der Amtmann Muzelius wieder die urspruengliche Verbindung zwischen Waschweiher und Schlossgraben herstellen,
ohne deswegen die gesundheitlichen Zustaende voellig beseitigen zu koennen.
Das gelang erst seinem Nachfolger- als 1782 der Muehlenweiher
ausgeschlaemmt wurde, schlug er vor, den Schlossgraben mit dem Aushub zu fuellen,
um auf diese Weise einen Garten fuer den Amtmann zu schaffen.
(Diese historischen Gedanken sind recht bedeutsam,
wenn man heute an die Restauration von Burgen und Schloessern geht-
aber auch um das allgemeine Verstaendnis, Sittengemaelde und Hygiene, verstehen zu koennen.)
Die Ausfuehrung scheiterte an dem Widerspruch der Gemeinde,
die mit Erfolg auf die Bedeutung des Grabens im Fall eines Brandes hingewiesen hatte.
1792 erlaubte die Dillenburger Regierung jedoch dem Amtmann Gail, den Teil des Schlossgrabens trocken zu legen,
der unter den Fenstern des Schlosses hinzug.
Das Material wurde dem 1791 geschleiften Damm des Muehlenweihers entnommen,
der umfangreiche Steinpackungen aufwies.
Mit ihnen wurde der untere Teil des Grabens gefuellt.
Darueber kam eine Erddecke.
Die Mengerskircher hatten auch jetzt wieder versucht, die Schleifung des letzten Grabenstueckes zu hintertreiben,
waren aber von der Regierung abgewiesen worden.
So entstand der Schlossgarten, an dem sich Gail noch bis zur Aufhebung des Amtes freuen durfte.
Unter franzoesischer Herrschaft war er verpachtet.
Seit dem Uebergang des Schlosses in Gemeindebesitz steht dem Lehrer des Ortes die Nutzniesung des Gartens zu.
Soweit zu dieser Chronik, die freundlicherweise in der Buecherei zur Verfuegung stand.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Religion, die schon frueh zu uns kam, -
durch die Schamanen kultiviert, wie oben bereits beschrieben.
Heute waeren angeblich 80% der Jugendlichen "Heiden",
was allerdings ein herabsetzendes Wort der Kirche darstellt,
die, angefeuert durch jene eigenen Aussagen, eine "Neumissionierung" ins Auge fasst.
Juengere, Frauen und Hochschulabsolventen glauben zur Haelfte an Naturreligionen eher als an "die fremde Lehre aus dem Sueden".
Die Zahl der Kulte und glorifizierende Feste zur Huldigung der alten Zeit ist keine Idee von heute,
Ideologen aus der Zeit des 2.WK sind Schuld daran, dass ein hartes "Denkverbot" entstand,
das sich niemand mehr gefallen lassen moechte.
Andere Voelker kennen diese Verbote nicht und forschen weitaus weniger gehemmt nach ihren Ahnen.

"Plaetze koennen nicht heilen, aber deine eigenen Heilkraefte wecken"
Das koennte der Antrieb fuer das neuerlich aufflammende Interesse an Okkultem und Religioesem sein,
das sich ausserhalb des Zaunes der Christlichen Religionen abspielt.
Werden diese heiligen Orte koerpereigene Hormone oder Drogen einen "schizophrenen Schub" bewirken?
Wieso spueren nur wenige Menschen diese "Erdstrahlen" zum Auffinden von Wasseradern und aehnlichen Dingen?
Kann man sich kultische Staetten selbst machen durch Bestattungen und Kontemplation?
Regen Denkmale eine Autosuggestion an, wenn bestimmt Komponenten, wie Duft, Toene und Stimmungen zusammentreffen?
Ich denke, dass selbst Tier- und Menschenopfer durch Tanz, Musik, Litanei, Beten, Beschwoerung angeregt und trainiert werden KOENNEN ..
Selbstfindung oder Wahnsinn - jeder steht vor dem Baum der Erkenntnis- wie hoch man klettern moechte ist uns selbst ueberlassen.
Tauben fliegen nach dem Erdmagnetismus, was gestoert wird, wenn Sonnenstuerme sind,
halten sich Menschen dafuer begabt, sind es Okkultisten.

Descartes: "Die Methode der Naturwissenschaft ist die Austreibung der Geister aus der Natur!"
(Das sehe ich ebenso.)

Man behauptet hartnaeckig, dass an vorchristlichen Kultplaetzen und unter Kirchen
(die ueber alte Kultstaetten gebaut wurden, um diese zu eliminieren)
"signifikante Reaktionsphaenomene" festgestellt werden.
Spueren nun ein paar Leute mehr als der Rest von uns Menschen, haben wir gar einen Teil unserer Instinkte verloren?
Wer sich mit dem Magischen befasst, sieht bald ueberall Phaenomene und Geister, Strahlen und Geheimes.
Glaube und Gott-Tum, Marienkult und Goetzenanbetung liegt wohl arg nahe beieinander.
Religion ist nicht nur nicht demokratisch, wie der Bischof formulierte, sondern ist auch konservativ,
beharrlich und zaeh,- egal um welche Religion es sich auch immer handeln mag.

Die Missionierung durch Bonifazius ist ein uebler Zwang geworden,
wo sich der Irrtum in Australien am besten zeigt:
Die Zuwanderer feierten 1988 die zweihundertjaehrige Inbesitznahme des fuenften Kontinents.
Aber die Ureinwohner dieser Erde waren dort schon 40.000 frueher, heute "Aborigines" genannt.
Diese alten Bewohner hatten sehr wohl ihre eigene Religion, die heute noch lebendig ist!
Heute wissen wir, dass deren Totengebraeuche bis ins 19.Jhd erhalten waren,
dass Frauen vor 26.000 Jahren einen besonderen Stellenwert hatten,
und dass die Farbe roter Ocker seit 4000 Jahren eine religioese Bedeutung besitzt.
Die Ritzungen in den Felsen sind 20.000 Jahre alt und wurden immer wieder aufgefrischt.
Wuerde das unterbleiben, waere der Lauf des Jahres gestoert.
Jeder Clan hatte eigene Gesaenge, die als gesungenes Geschichtsbuch galten.
Das gab hunderte von Strophen.. das Leben der Alten als Lehrstueck fuer die Jungen.
So wird das auch im uralten Europa gewesen sein.
Land galt bei den Ureinwohnern als unveraeusserliches Gut, Kriege wurden nie um Land gefuehrt.
Das Heiligtum Ayers Rock wurde wieder zurueckgegeben,
als man den Irrtum und die Fehleinschaetzung an den Aborigines erkannte- immerhin!

In Indien und Korea koennten wir die Entstehung eines Heiligtums noch heute erleben:
Gibt es in der Naehe des Dorfes einen ungewoehnlichen Felsen oder Baum, hat ein Bewohner davon getraeumt,
hat der darunter Schutz gefunden, kehrt er am naechsten Tag dorthin um eine Blume niederzulegen..
Das sehen andere Leute, die dort vorbei kommen, der Baum (Beispiel) erregt Aufmerksamkeit.
Der Mensch moechte sich dessen Kraefte zunutze machen - ich gebe dir was, du hilfst mir -
und so kommen kleine Gaben, die jene Bitten um Schutz, Glueck und Gesundheit,
Kraft, Segen oder was auch immer mit sich bringen moegen..
Man spendet Weihrauch oder Wasser, kniet nieder, murmelt etwas, zuendet Kerzen an..
Nun, denken die Nachbarn, schaden kann es ja nichts, wenn wir auch ein wenig dort opfern.
Sie behaengen die Zweige mit Blumengirlanden, betasten die Wurzeln, bemalen die Rinde mit gelb-roter Kultfarbe.
Ein kleines Dach macht der Naechste am Wegesrand,
damit alle im Trockenen stehen, der Kultbezirk wird abgegrenzt von der profanen Umwelt..
Irgendwer macht sich die Muehe und formt einen Opfertisch oder Altar aus Lehm,
einer steckt bunte Scherben dazu, eine Blumenvase, ein Goetterbild.
Die naechste Stufe waere das blutige Tieropfer - vielleicht um eine Missernte abzuwenden..
Man gesellt sich dazu, opfert das Blut und den Kopf, braet und isst gemeinsam das Fleisch.
Vorueberkommende sehen die heilige Staette und wollen nicht "gedankenlos vorbeieilen",
halten inne in Kontemplation, bringen vielleicht fromme Lieder mit..
Bald hat jeder eine Kleinigkeit dabei, wenn der Weg dort entlang fuehrt.
Wer nichts hat, kann beim geschaeftstuechtigen Bauchladen, dann spaeter an der Votivbude Gaben erstehen.
So entsteht ein Kultbezirk, bald ein Tempel - vom Baum wird bald nichts mehr zu sehen sein.
Maechtige Kultstaetten, Wunderorte und der Vatikanstaat, auch der Felsendom in Jerusalem wird so entstanden sein.
Wir als begeisterte Wanderer legen gerne einen Stein auf einen kleinen Steinturm,
den andere Wanderer vor uns errichtet hatten..

Soll die Geschichte ihre Fortsetzung erfahren, wird uns nichts anderes uebrig bleiben,
als den schnellen Gewinnen auf Kosten der Umwelt und dem Auspluendern des Planeten,
dem Vergiften von Luft, Boden und Wasser die rote Karte zu zeigen -
andernfalls geht die Menschheit in den Status ausgestorbener Arten ein;
also ein neues Bewusstsein, nach dem "macht euch die Erde untertan", wird kommen muessen!
Dazu bedarf es in allen Lenkungsebenen der Welt:
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mischer_Triumph
Als Foerder darf ich mal zitieren:
Der Staats-Sklave, der hinter dem Triumphator auf dem Wagen stand,
die goldene Eichenlaubkrone ueber jenen,
und mahnte ihn ununterbrochen:
Respice post te, hominem te esse memento !
Sieh dich um, denke daran, dass auch du nur ein Mensch bist
Ich wuerde das ein wenig anders uebersetzen, was schon aus der anderen Syntax begruendet ist:
Bedenke, du bist ein Mensch, beruecksichte das nach dir..

Ein Berliner Religionswissenschaftler drueckte es mal so aus:
"Man gewinnte eine Art Heil in ihnen, indem man mit dem Anfang der Welt,
als noch alles in Ordnung war, magisch oder auch nicht magisch in Beruehrung kommt.
Deshalb sind sie in einer Welt, in der nicht mehr alles in Ordnung ist, nicht nur Kultstaetten, sondern oft auch Asyle."
(Prof. Carsten Colpe)
Das magische, unnatuerliche, oft auch zwitterartige Wesen war immer auch Mittelpunkt von Religionen,
Wesen zwischen Mensch und Tier, zwischen Mann und Frau, zwischen Mensch und Gott,
dem der Respekt in Stellvertretung der Natur gezollt wurde,
bis die vollstaendige Abstaktion die Gegenstaendlichkeit, das Goetzenbild abloesen wollte,
durch die Vielzahl an Zugestaendnissen an die alten Traditionen aber selbst in den gleichten Trott verfiel-
der Mummenschanz feiert in Prozessionen und Heiligen- und Marienverehrungen,
gegenstaendlichste Dinge, wie Hierachien der klerikalen Oberschicht
bis zu den alten Wunderheilungen froehliche Urstaend..
Ein Beispiel soll genuegen, der den signifikanten Unterschied zwischen evangelischer und katholischer Christenreligion ausmacht:
Beim Abendmahl wird die geweihte Hostie und Wein gereicht,
der symbolisch die Geste des letzten Zusammentreffens Jesu mit seinen Juengern zelebriert:
Tut das in meinem Gedenken.
Die Evangelen sehen das als Andenken und Symbolik, die Katholen haengen ein Tuechlein drueber
und bimmeln mit einem Gloecklein,
erzaehlen anschliessend von der "Wandlung",
dass dies nun das Fleisch und das Blut Jesu ist, das die Gemeinde zu sich nimmt..
Diese Dinge werden ganz, ganz eng gesehen
und verhindern jedes Zusammenwachsen beider Religionen, die eigentlich einen Ursprung haben.
Wenn das kein Opferkult ist, dann weiss ich auch nicht mehr weiter..

Das Thema ist wohl unerschoepflich:
1734 schrieb ein von Falckensstein ueber das Koenigreich Pegu / Indien ueber Jungfrauenopfer:
"Die Itinera berichteten.. dass sie Heyden ihren Abgoettern alle Jahre
eine eine Jungfrau wie ein Schlachtvieh maesten und auf ihr grosses Fest erwuergen.
Der Goetzenpfaffe schneidet ihr den Leib mit einem scharpfen Messer,
reisset das Herz aus demselben und schmeisset es dem Abgott in das Gesicht,
worauf er es zu Pulver verbrennet, die Asche in das Wasser thut
und damit den Abgott besprenget.
Das uebrige Jungfernfleisch fressen nachgehnds die Pfaffen mit grossem Appetit,
wobey die Eltern sich grosse Freude machen, dass ihre Tochter zu so grossen Ehren gelanget"

Die klassische Antike kennt Menschenopfer nicht mehr, dennoch musste im Jahre 97
der roemische Senat ausdruecklich und wiederholt solches verbieten..
Welche Riten oder gar Ausschweifungen sexueller Art in den Hoehlenheiligtuemern
in Delphi gefeiert wurden und ob sich um "heilige Hochzeiten" handelte, kann keiner mehr sagen.
In unseren Landen war die schriftliche Weitergabe (Kelten) verboten,
die Priester oder Schamanen durften keine Notizen machen.
Erwaehnenswert ist, wie gerichtsmedizinische Gutachter meinen,
"sinnlose" Handlungen rauschartige, skstatische, orgiastische Zustaende der Opfer hervorriefen.
Es waere klar, dass bestimmte beim Faeulnisprozess einer Leiche entstehende Gifte
wie Muscarin und Muscaridin beim Verspeisen Rauschzustaende herbeifuehren koennen..
In Boehmen und Maehren nannte man Mohn-Kapseln "Schlafaepfel", wo das Maerchen vom Schneewittchen,
das bekanntlich nach dem Apfel einen "kleinen Tod" hatte, klarer wird.
Ein Tafelapfel wird das wohl eher nicht gewesen sein.. aus Opferstaetten erfuhr man,
dass 1500 v. Chr. in Mexiko "Pilzsteine zum Pilzkult" gehoerten.
Der Stamm der Pilze trug Darstellungen von Menschengesichtern und von Tieren.
Die Pilze gelten als das "Fleisch Gottes", das nur von einer Jungfrau bei Neumond vor Sonnenaufgang gesammelt wurde.
Die erzeugten Halluzinationen sind aehnlich wie bei dem kl. Kaktus "Peyotl" - das Mescalin,
das heute kuenstlich hergestellt werden kann, galt als "heilige Medizin".
Dadurch kommen seherische Faehigkeit, nur bei Schamanen bei Zeremonien verwendet.
Als Forscher davon kosteten, wurde ueber "optische Halluzinationen in den brillantesten Farben,
ueber einen ekstatischen Zustand gesteigerter Perzeption, Verlust der Zeit- und Raumkonstante
und ueber ein Gefuehl des inneren Friedens,
als ob man in eine andere Welt gekommen sei.." berichtet.
Dererlei Pflanzen gibt es einige- die religioesen Wahnsinn bis hemmungslose Raserei und wilde Orgien bringen.
So haben wir den Fliegenpilz- der beim Berserkergang der Wikingischen Maennerbuende als Ekstasemittel galt.
Der "Flugswamp" - skandinavisch fuer Fliegenpilz - ist dafuer bekannt.
Mmit Ambrosia und Nektar spuelten die alten Griechen den Saft des Fliegenpilzes als "Nahrung der Goetter" hinab.
So erfuhren sie ihre "grossen Visionen", die heute so gerne gelehrt werden.
Zusammen mit Bilsenkraut, Petersilie, Eisenhut, Stechapfel,
Tollkirsche wurde in den Hexenprozessen auch der Fliegenpilz genannt,
als Bestandteil der "Hexenflugsalbe", die halluzinogene Wirkung hatte.
Um Genitalien und den Innenseiten der Schenkel und Achselhoehlen gerieben,
vermittelte das wohl orgiastische Erlebnisse des Fliegens..
Es gibt wohl Rezepte zum "Hieronymus-Bosch-Trip" aus einem Drogenkochbuch,
wo verbranntes Bilsenkraut auf gluehende Kohlen trifft -
dessen Wurzel, Samen und auch Blaetter koennen vom Rausch bis Tobsucht
und Wahnsinn alles moegliche ausloesen - deshalb auch Prophetenkraut genannt.
Narkotischer Schlaf mit erotischen Traeumen, mystische Trunkenheit soll schon
bei den suedrussischen Reiternomaden bekannt gewesen sein.
In Verbindung mit dem nachgewiesenen rituellen Kannibalismus seit der Jungsteinzeit
unserer Vorfahren eine allemal bedenkliche Sache,
wo die Opfer und die Taeter unter Drogen gestanden haben muessen.
Auch auf dem amerikanischen Kontinent sind solche Dinge zu finden.
782 hat Karl der Grosse Sachsen gewaltsam "bekehrt"
und jeden mit dem Tode bestraft, der "Hexenfleisch isst".

Die Sache mit den Hinkelsteinen, die eine weite Verbreitung hatten und die heute zu 90% veschwunden sein sollen,
ist schon denkwuerdig: Viele wurden zerschlagen, gestohlen, zu Kreuzen umgeformt-
der Stein galt schon immer als heilig, wenn er ungewoehnlich genug aussah.
Keltisch: Menhir (men-Stein hir-lang).
Um 2000 v.Chr. verbreitet zog sich dieser Kult ueber weite Teile Europas.
Fruchtbarkeitsriten wurden noch in diesem Jahrhundert gesehen-
"im Schatten einer grossen Mutter- und Todesgoettin"
Klar, dass daran sich ein Fruchtbarkeits- und Jagdzauber ergab.
Die Megalithkultur war ein Ausdruck des Ewigen, Goettlichen, der uebersinnlichen Kraefte.
Die Steinanbetung wurde schon durch Moses bekaempft, der den Befehl bekam, die Kultsteine
in Kanaan zu zerstoeren und es heisst:
"Ihr sollt euch keine Goetzen machen noch Bilder aufrichten,
noch einen heiligen Stein und ihr sollt in euerem Lande keinen Malstein setzen,
vor dem ihr euch demuetigt!"
Spaeter suchten die Roemer die uralten, 4000 Jahre alten Kultstaetten der Kelten zu vernichten.
Danach trachten die Christen nach dem gleichen Ziel.
Sagen, Braeuche, Umzuege, Maitaenze, Sonnenwendfeiern und der Maibaum sind wohl Fortsetzungen des Opferpfahls und der Menhire.
In der Eifel sind Steine bekannt, auf die sich kinderlose Frauen setzten um fruchtbar zu werden.
Aus Ueberlieferungen ist bekannt, dass man sich die Geschlechtsteile (Frauen Leib und Brueste) daran rieb-
um mittels Kontaktzauber zum Erfolg zu gelangen.
Junge Maedchen rutschten den heissen Stein hinunter, um die Liebe eines Mannes zu gewinnen.
Moeglichst sieben Mal und mit entbloeßtem Unterleib.
In 19.Jhd noch glitten schwangere Athenerinnen einen Felsen abeim Areopag hinab, riefen Diana an.
Die "phallischen Steine" werden deutlich, wenn junge Burschen beim Steintanz handgreiflich sind..
Die christliche Kirche in ihrem Missionswillen solche Staetten verbieten,
mit Drohungen und "Erlassen"- bis einie "Apostel" die heilige Wut packte und die Steine zu Kreuzen umformen lies.
So wurde die heidnische Prozession zur christlichen Wallfahrt!
In die Steine wurden kleine Opferloecher gehackt, wo Blut, Milch, Fett und Honig geopfert wurden-
das Steinpulver galt als heilbringend. So mancher Stein alter Kirchen hat seltsame Loecher und Abriebe.
Erhoehte Radioaktivitaet stellte man bei 74% dieser Steine fest, die "weit ueber das normale Maß hinaus ging" -
aber nur bei 7% der gewoehnlichen Findlinge..

Die gemeinsame Wurzel von Kelten und Griechen wird auch am Brandaltar deutlich,
wo bis zu 6,5mtr hohe und 37mtr breite Huegel aus Knochenasche und kl. Vasen bestehend.
Das Fleisch der geopferten Tier wurde im Wasser gereinigt,
bevor sie beim Festmahl verzehrt und die Knochen verbrannt wurden.
Wasser hat eine heilige, reinigte Wirkung.
Festliche Kleidung, Gesaenge, Floten- und Harfenmusik und Raeucherwerk gehoerte dazu.
Es wurde gesungen und getrunken bis die Sonne aufgeht- daran erfreut sich der Gott..

Strabo und Caesar ueberlieferten:
"Das die von schweren Krankheiten befallenen
oder die von Kampf und Gefahr bedrohten statt der Tiere geopfert wuerden-
sie sind der Ansicht, dass ein Menschenleben fuer ein Menschenleben gegeben werden muesse,
damit die Goetter besaenftigt werden."

Opferschaechte gab es, die mit allerlei Opfergaben gefuellt und verschlossen wurden.
Wenn der Rauch zum Himmel gezogen war, kam als letzter Akt,
dass der Priester einem Menschen die Kehle durchschnitt,
damit das Blut in den Opferschacht lief- bevor die Anlage verfuellt wurde.
Fuer Teutates wurden die Opfer in einem Fass ertraenkt.
Diodor berichtet, dass Priesterinnen den Dolch in einen Menschen stachen,
um aus dessen Zuckungen und dem Fluss des Blutes zu weissagen.
(Aehnlich der "Vogelschau" bei den Roemern)
Strenge Maßnahmen des Kaisers Tiberius Claudius gegen die Druiden
und Zauberer lies die Tieropfer anstelle der Menschenopfer zu.
Dagegen bei den Inselkelten ist im 12.Jhd der achaische Ritus der Ulsterkoenige ueberliefert:
Vor der Thronbesteigung musste der Koenig in aller Oeffentlichkeit eine Stute befruchten.
Dann wurde das Tier geschlachtet, die Stuecke in Wasser gekocht-
der Koenig aß das Fleisch mit den Versammelten,
badete in dem Wasser und trank die Bruehe als Bestaetigung seiner Herkunft..

http://www.gmx.net/themen/nachrichten/panorama/40ax6i8-gewalt-gehirnwaesche#.focus.Gewalt%20und%20Gehirnw%C3%A4sche.143.726
Nicht nur in der Vergangenheit gab es Grausamkeiten!

Verunreinigungen des Wassers konnte frueher die Todesstrafe bedeuten -
als im alten Aegypten ein Pharao in frevelhaftem Uebermut seinen Speer
in den Nil schleuderte, soll er "auf der Stelle erblindet" sein.
Die alten Griechen ueberquerten niemals einen Fluss ohne Gebet oder mit ungewaschenen Haenden.
Aus der Heilquelle wurde getrunken, im Wasser gebadet, dann kamen Terrakotten,
spaeter Muenzen als Opfer hinein.
Dieser Brauch, eine Muenze in den Brunnen zu werfen, damit man wieder zurueck kehrt, ist heute noch usus.
Christen haben die mystischen Orte systematisch zerstoert,
die Tempel zerschlagen und von "heidnischen Braeuchen" gesprochen.
350 n.Chr. verteufelte Bischof Kyrill aus Jerusalem das Anzuenden
von Lichtern und Weihrauch in den Goetzentempeln,
den Wasserkult ebenso, obwohl die christliche Kirche das Gleiche tut..
ebenfalls im Wahn, im Wasser Heilung zu erlangen und von Leiden befreit.
Die Krypta in Chartres hat einen 33mtr tiefen keltischen Schachtbrunnen,
und Reste eines kleinen Heiligtums.
Die gallische Muttergoettin wurde wurde eine Madonnenstatue ersetzt.
Aus heidnischem Kult wurde ein Marienkult.
In Nuernberg ist eine der Maria geweihte Kapelle bei einer Heilquelle,
wo die alte Muttergottheit ausgetauscht worden ist- wie in vielen anderen Orten.
Lourdes und seine Heilkraft, was von der Kirche offiziell anerkannt ist,
wurde 1858 entdeckt.

Rituale sind manigfaltig, heute setzt die junge Generation eher auf den Sport,
mit extremen Laufleistungen, "Iron-Man" und aehnliche Dinge,
die durchaus vergleichbare (koerpereigene) Drogenraeusche bringen,
wie das in den alten kultischen Braeuchen und Handlungen der Fall war.
Ob als Ablenkung von der traurigen Realitaet des Berufslebens, heraus-
aus privaten Unerfuelltheiten oder als "Sado-Maso-Nummer" weiss ich nicht.
Immer wieder interessant ist die Tatsache, dass die Alten
sehr wohl zwischen Trinkwasserquellen und solche mit Heilwirkung unterscheiden konnten!
Noch nach dem 2. WK wurde eine Quelle Gutenborn zur Behandlung von Bindehautentzuendungen empfohlen,
als die spaetere Analyse ergab, dass diese Bor enthaelt- ein bekanntes Mittel zur Linderung dieser Erkrankung.
Der Gute Born im Riesengebirge enthaelt radiumhaltiges Wildwasser.
Die Heilige Quelle in Suederbrarup war schon vor Christi Geburt bekannt und leicht radioaktiv.
Radium wird seit einiger Zeit zu Heilzwecken eingesetzt..
In Heckenmuenster ist die Schwefelquelle, die schon von den Kelten zu Badekuren genutzt wurde.
Schwefel wird heute noch zur Behandlung von Hautleiden verwendet.
In Pyrmont ist der Brodelbrunnen, wo man viele Opfergaben fand, die wohl meistens von Frauen
gebracht worden waren. Pyrmont ist noch heute ein Frauenbad.
An radioaktiven Quellen steigen heisste Dampfwolken auf, die den Schnee schmelzen lassen,
salzhaltige Quellen zogen Jagd- und Weidetiere an.
Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Religion, Magie und Medizin, Heilkundigen und Priestern.

Zuweilen findet man in Grabbeigaben sonderbare Dinge:
In einem Frauengrab kamen in einer kleinen Dose zum Vorschein-
Schwefelkies, ein Ebereschenzwei, zwei Bruchstuecke von Pferdezaehnen, ein Wieselskelett, ein Klauenstueck vom Luchs,
ein Stueck von einer Vogel-Luftroehre, drei Glieder eines Schlangenskeletts, ein paar Stueckchen gebrannter Knochen, ein Bronzedraht..

Ein anderes Grab hatte kleine Weidenholzstaebchen, zum Teil in Stoff steckend, mit einer Huelle aus Pfaffenhuetchenrinde umschlossen,
ein versteinerter Seeigel, ein aus Schilfblaettchen geflochtener Behaelter mit Pinienzapfenschuppe,
und drei Samenkoerner der Pimpernell, die Spitze eines Flintspeeres, ein Wetzstein und ein paar runde und ovale Steine.

Die Forscher gehen davon aus, dass es wohl Heilkundige, Zauberinnen, Priester oder Regenmacher,
Medizinleute oder Schamanen waren, die solche Dinge mit ins Grab bekamen.
Diese muessten ueber einiges an Wissen verfuegt haben, soweit ist klar -
zumal bereits in der Jungsteinzeit schwere Schaedeloperationen
die ueberlebt wurden, vorgekommen sind.
Spaeter trennten sich die Heilberufe und die Forscher und die Priester aus dem Schamanentum heraus.
Die zunehmende Wissenfuelle war schon so gross, dass zwanig Jahre "Lehrzeit" erforderlich waren-
ein wenig zu viel, Angesichts der Lebenserwartung der damaligen Zeit.
Die Spezialisierung musste folglich unweigerlich kommen.
Interessant: Die alten Pfeiler der Roemerbruecke in Trier - im Jahr 144 erbaut,
stehen noch immer und tragen seit 2000 Jahren den Verkehr ueber die Mosel.
Die Kinder tauchen zwischen den Pfeilern nach Muenzen aus roemischer Zeit, die dort zu tausenden in den Fluss geworfen wurden..
Die Wasseropfer lassen gruessen, die aus Gruenden der Bitte um Wohlergehen fuer Mensch und Fracht getan wurden.

Der Matronenkult hat in der Marienverehrung einen Nachfolger gefunden, zuweilen auch mit Dreigestaltigkeit.
In der Christianisierung lebte in den "drei Marien" und den "drei Jungfrauen"
die volkstuemliche Verehrung der muetterlichen Dreiheit weiter..
Die langen Roehrenknochen des Kranichs wurden nicht nur als Floeten bearbeitet,
der Zug dieser Tiere lenkte auch den Ackerbau und die Ernte wie ein fliegender Kalender.
Das alte zwittergeschlechtliche Matriachat lebt im Priesterrock immer noch ein wenig weiter.
Alte heidnische Umzuege hielten sich hartnaeckig, deshalb uebertuenchte der Bischof
zu Luettich 1246 diese mit dem "Fronleichnamsfest", das ebenso mummenschanzig um
gutes Wetter, bessere Ernte und Glueck und Gesundheit flehte.
Aus einem Umzug wurde eine "Prozession" - sonst aenderte sich nicht viel.

Der Grazer Religionsphilosoph Prof. Grabner:
"Es gibt keinen Aberglauben, es gibt nur Glauben, wer die Macht hat , erklaert das andere zum Aberglauben!"

Interessant: Die Festlichkeiten, so wird berichtet, endeten spaetestens dann, wenn das Bier ausgegangen war..

Halunken als Missionare getarnt oder Rowdys on Tour?
Die "Slawenchronik" der Missionare erzaehlt:
"Da geschah es, dass wir auf dem Zuge in einen Wald kamen, den einzigen in jenem Lande,
das sich ganz eben hinstreckt.
Dort sahen wir zwischen sehr alten Baeumen heilige Eichen,
die dem Landesgott Prove geweiht waren;
ein freier Hofraum umgab sie und ein sorgfaeltig von Holz gefuegter Zaun mit zwei Pfosten.
Denn neben den Hausgoettern und den Ortsgoetzen, von denen die einzelnen Ortschaften
voll sind, bildete dieser Ort ein Heiligtum des ganzen Landes,
fuer das ein eigener Priester, Festlichkeiten und verschiedene Opferhandlungen bestimmt waren.
Dort pflegte jeden Dienstag die Lndesgemeinde mit Fuerst und Priester zum Gericht zusammen zu kommen.
Der Eintritt in den Hofraum war allen verboten, ausser dem Priester und denen, die opfern wollten,
oder von Todesgefahr bedraengt wurden; denn diesen blieb die Zuflucht niemals verwehrt."

Der Bischof Gerold und sein Chronist Helmold fanden wohl keine Goetzenbilder vor;
"Die einen stellen phantastische Goetzenbilder in Tempeln zu Schau, wie etwa das Ploener Idol namens Podaga, die anderen wohnen in Waeldern und Hainen, wie der Gott Prove von Oldenburg und werden nicht abgebildet.
Als wir zu jenem Hain und Hort der Unheiligkeit kamen, rief uns der Bischof zu,
tuechtig zuzupacken und das Heiligtum zu zerstoeren.
Er sprang auch selbst vom Pferde und zerschlug mit seinem Stabe die praechtig verzierten Vorderseiten
der Tore; wir drangen in den Hof ein, haeuften alle Zaeune desselben um jene heiligen Baeume auf,
warfen Feuer in den Holzstapel und machten ihn zum Scheiterhaufen,
in steter Angst, von den Eingeborenen ueberfallen zu werden."
Hier ist kein Klaeger mehr, der wegen Baumfrevel,
Brandstiftung und Sachbeschaedigung, Landfriedensbruch und wer weiss was sonst noch alles-
wegen Ueberfalls und Rabaukentums Anzeige erstatten koennte,
keiner, der um die verlorenen Kunstschaetze trauert und keiner,
der jener heute noch existenten Taeterreligion eine Entschuldigung abringen koennte.
Niemand ist mehr da, an den diese Genugtuung gehen koennte.
Diese Zeilen einer extremen religioesen Intoleranz dann auch noch "Missionierung" zu nennen,
klingt irgendwie doch sehr nach Hohn und Spott und dem Recht des Staerkeren.

1948 fand man "Die Rote von Mauern", eine zwitterartige Statuette,
die der 1959 entdeckte "Venus von Tursac", die veblueffend aehnelt - gefunden im Jordantal.
Diese Darstellungen zeigen, dass der
"von hinten ausgefuehrte Verkehr der aelteste sei, bei dem der Leib des Mannes dem Gesaess der Frau anliegt."
So Kinsey, so dass die Rote und vergleichbare Idole "nicht nur vertikal sondern auch horizontal gelegt werden kann-
mit entsprechend hochgerecktem Gesaess."
Die Fruchbarkeit stand im Vordergrund, ihr galt der Kult.
Diese Figuren sind zweigeschlechtlich, so gehen manche davon aus,
dass der Archetypus des Menschen Zwitter waren, weshalb die Schamanen Frauenkleider und lange Haare und Schmuck trugen..
Starker Tobak, gewiss.
Bei dem Thema Geschichte sollte man auch das nicht auslassen.

In den Opferhoehlen fand man zwischen zerhauene Knochen von 20-50 Menschen.
Zahlreich sind diese Kultplaetze, die heute meistens nur noch von Eingeweihten gefunden werden-
ein paar davon dienen heute schraegem neuen Hexenkult, "Esoterikern" ( http://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik ) als Versammlungsplaetze!
Die Hoehlen sind klitschig, fallen zuweilen senkrecht bis 20mtr ab-
vor einem Besuch ohne entsprechende Ausruestung und Seilschaft muss dringend abgeraten werden.
Bei unseren Wanderungen sind wir des oefteren an Haine gekommen, die vermutlich Viereck-Schanzen waren-
wir sahen darin eher Reste einer Umfriedung baeuerlicher Art.

Die Bodendenkmaeler koennen in den grossen Stadtgebieten
nur als "Notgrabungen" geschuetzt werden, um wenigstens das Notwendigste zu retten.
Selbst Gelaende eines Markt- oder Domplatzes werden schnell wieder als Parkplatz genutzt,
oder mit Parkhaeusern oder grossen Schnellstrassen ueberbaut.

Die in den Hochwaeldern des Taunus etwas versteckt gelegene Hoehenkuppe
des Bleibeskopfes, mit ihrer romantischen Felsenkulisse war im 8.Jhd v. Chr.
eine befestigte Hoehensiedlung, an der man den heiligen Ort noch richtig spueren kann.
Steinwaelle sind noch gut zu sehen, die den Ringwall bildeten.
Dort fand man 7 Bronzedepots, die wohl Weihegaben waren.

In ganz Deutschland sind diese heiligen Orte verstreut zu finden,
heute eher nur zufaellig in Wanderweg-Beschreibungen zu finden
als deutlich auszumachen - wenn nicht gerade ein Fachbuch zu Rate gezogen wird.

Der Altarstein bei Dransfeld am Hengelsberg hat Vertiefungen und Ausschabungen,
wie diese typischen langen Rillen in den Steinen von mittelalterlichen Kirchen.
Hier wurde Steinpulver gewonnen, dem man medizinische Wirkung nachsagte.

Interessant:
Anhropophagie = griech. Anthropos, Mensch und Phagein, essen.

Desgleichen selbstsam mutet die Verwendung von Knochenmehl an- das zuweilen nicht nur aus Tierknochen gewonnen worden ist.
In vielen Hoehen wurden dutzende Skelettreste gefunden, oft von Kindern und Jugendlichen.

Zuweilen sollen an alten Quellenheiligtuemern heute noch Frauen mit ihren Kindern zu sehen sein,
die Heilung suchen oder Dank spenden wollen.
Der alte Kult scheint noch immer - wenn auch im Verborgenen - zu glimmen.
Die Kirchenleute haben unter Androhung der Todesstrafe verboten, die "heidnischen" Gebraeuche
weiter fortzufuehren - dabei waren sie diejenigen, die fremd waren
und fuer viele Leute noch immer fremd oder "orientalisch" geblieben sind..
Deren Untaten waren bestimmt nicht besser, als was diese sogenannten "Heiden" taten.
Das relativiert die seltsamen und barbarischen Dinge, die Opfersteine, die Blutrinnen daran,
die heute noch 40x mehr Phosphat haben, als die Umgebung, eher weniger.
Eine Art Amphitheater am Rande eines Moors konnte schon 500 v.Chr. eine Kultstaette fuer viele Zuschauer sein,
Mit einem Wasserlauf und einer Quelle, Opferstein mit Rundweg - gut gepflastert.
Die Anlage soll um 1874 zerstoert worden sein.
Der aelteste Bohlenweg ist im Naturschutzgebiet "Ewiges Meer"-
ein See mitten im Moor - 1984 entdeckt und freigelegt worden.
4 mtr breit und zum Durchqueren des sumpfigen Gelaendes, 4500 Jahre alt.
.. und dann sind da noch die geographischen und astrologischen Linien,
die mit verblueffender Genauigkeit die heiligen Orte verbinden ..

Die braunen Machthaber des 2.WK oder "New-Age-Bewegung", man hat sofort versucht,
sich die "gute alte Zeit" zu eigen zu machen, auf die Fahnen zu heften.
Sonderbare Leute draengen sich am 21. Dezember - zur Wintersonnenwende -
an den Externsteinen vielen Autos auf dem Parkplatz, einige sogar aus dem Ausland.
Man duzt sich, hat eine erwartungsvolle Spannung in sich- eine schrille, sich ueberschlagende Stimme schreit in die Nacht.
"Allvater, aaaah, Groesster der Himmlischen, zeuge das Feuer,
ich bin bei Dir, Deine Freunde sind bei Dir, seht her, die Sonnenwende."
Wie bestellt- so der Erzaehler- soll ein Kaeutzchen gerufen haben..
Fackelnde Lichter ueberall, schwankender Feuerschein.
Bereits 1564 gerieten die Externsteine in den Verdacht, eine heidnische Kultstaette gewesen zu sein,
die Karl der Grosse unbedingt in eine christliche umgedeutet haben wollte.
Andere denken, es waere "Irminsul" gewesen, der Hauptgoetzensitz der Deutschen.
Deshalb uebernahm der Reichsfuehrer der S S H immler den Vorsitz der Externsteinstiftung.
Der Glaubenskrieg um das Heiligtum ist trotz der braunen Vergangenheit (die war wirklich nur sehr kurz) noch heftig umstritten.
Die unterschiedlichsten Gruppen wallfahren - vor allem zu den Jahreskreisfesten dorthin:
"Man mag sich wehren und wenden, wie man will, man findet sich wie in einem magischen Kreise gefangen.."
(Goethe)
Eine Anwohnerin erzaehlt leise, dass die Leichenhoehlen untereinander verbunden waeren,
und man nur kriechender Weise durch die Gaenge kaeme-
auf dem Bauch rutschend - sie selbst waere nie darin gewesen.
Die anderen Dorfbewohner gehen auch nicht dorthin..
Es sei gefaehrlich die Hoehlen zu betreten, es waeren dort schon einige gestuerzt und zu Tode gekommen.
Ohne Seilschaft und Taschenlampen lieber nicht versuchen..
Diese Hoehlen dienten nicht der Bestattung, sondern eher religioes motivierten Deponierungen.
Fruchtbarkeit von Mensch und Tier anflehend.
Das gesamte Hoennetal ist wie das Tal von Delphi ein grosses Kultgelaende und Tempelgebiet.
Die Reckenhoehle ist heute eine Schauhoehle, in der Leichenhoehle oder Grabhoehle
fuehrt oberhalb eines 4mtr hohen Felsens ein niedriger, enger Gang 23mtr tief in den Fels.
500Jahre vor Christus fanden hier Opfermahlzeiten statt- gefunden wurde dort:
Ein Herdstelle fuer Holzkohle, Kochtoepfe, menschliche Oberschenkel und Kiefer, geroestetes Getreide,
Teile von 12 Schaedeln, zwoelf Fingerglieder und 400 menschliche Zaehne, Schmuck und bearbeitete Menschenknochen.
Burghoehle und Feldhofhoehle sind nicht weit entfernt - auch dort fand man Zaehne und Schaedelteile mit ueber 60 Spinnwirteln.
Vermutlich eine Wohnhoehle einer weisen Frau oder Priesterin.
Die Bilsteinhoehle ist auch noch erwaehnenswert- eine Schauhoehle, durch der ein Unterweltfluss rauscht..
Durch das Wasser kam man in den Schoß der Mutter der Erde.
Ebenfalls bei Warstein ist die Hoehle Hohler Stein, wo wieder Verbindungsgaenge und aehnliche Dinge zu finden waren-
bis auf ein Skelett, das einem offensichtlich eingemauerten Menschen gehoert haben muss.
Mit der Frau Holle oder der Priesterin Veleda ist die Veledahoehle bei Meschede geweiht.

Bei den Galliern galten Baeume, Haine und Quellen als heilig, wie anderen Staemmen auch -
aus dem Raum Trier ist eine Sendpredigt aus dem 9.Jhd erhalten, in der von Menschen erzaehlt wird,
"die Hilfe woanders suchen, als beim allmaechtigen Gott, etwa bei den Quellen.."
Der Wallenborn, heute eine brodelnde, stinkende Schwefelquelle- unseren Ahnen eine Kultstaette -
ueberall gluckert und blubbert und brodelt es unheimlich und tief aus der Erde.
Fuer die Pilger zu den drei Tempeln gab es ein 50qm grosses beheiztes Becken, im Bad
wurden Terrakotta-Fragmente von Muttergoettinnen gefunden.
275/276 n.Chr. wurde die Kultstaette wegen der Germaneneinfaelle aufgegeben.
Bis ins 19.Jhd wird bezeugt, dass der Wallenborn noch immer bei Kinderkrankheiten half.
In rituellen Trinkkuren bei allerlei Raeucherwerk, das nur wenig erhellte,
fasste man den Heim-Vorrat, unter Opferung von Weihegaben.

"Im Dunkel der von flackernden Oellaempchen und der Glut des Opferfeuers mystisch erhellten Hoehle
feierten die Glaeubigen nach strengen Riten und nach einer von den Regeln ORIENTALISCHER MAGIE
bestimmten Liturgie mit Schlachtungen, Verkleidungen, Musik
und unter vokalreichen Deklamationen ihr Opfermahl"
(Die Geschichte der Kelten beginnt wohl auf im Vorderindischen bis in den Kaukasischen Bereich -
wer weiss ob die Menschenopferkulte aus dieser Ecke stammen?)
Wie durch ein Wunder ist in der Rueckwand der ehemaligen Felsengrotte von Schwarzerden
das eingemeißelte Relief des stiertoetenden Lichtgottes erhalten geblieben.

Frau Billen Creutz - ein Menhir, den Willibrord hoechstpersoenlich
in ein Kreuz umgeformt haben soll - in diesem sagenumwobenen Stein
haelt sich die Fee Sybille verborgen, eine Nachts unheilbringenden Jaegerin..
Wer sein Ohr an den Stein legt, soll eine Frau spinnen hoeren..
(Es rauscht und knistern dort drin geheimnisvoll)
Wir glauben lieber den Ausgraebern als den braunen Ideologen,
die "germanische Heiligtuemer" nur allzugerne forcierten.
Die raetselhaften Sonnenraeder oder Sonnenrosse oder Sonnenbahnrunen
sind sehr wahrscheinlich nur Zeichen der Steinbrucharbeiter gewesen.

Die keltischen Treverer errichteten starke Hoehensiedlungen
in der Zeit der Freiheitskriege gegen die Roemer.
Die Roemer eroberten, die Anlagen zerfielen, aber die Quellen der Diana
sprudelten weiter - und zogen galloroemische Waldgoetter dort ein,
der altgallische Waldgott Sucellus oder Silvanus.

Vor 2000 Jahren war das Moor bei Suederbrarup "Thorsmoor" der bedeutendste Opferplatz und Stammesheiligtum der Angeln.
Dem Gott Thor geweiht- wurden hier ueber 500 Jahre wertvolle Opfergaben deponiert.
Die aeltesten Runendenkmaeler der germanischen Welt fanden sich hier, versteckt auf Schild und Schwert angebracht.
Tongefaesse, Wagenteile, Hof - und Hausrat, Waffen, Teile des Ruestzeugs, Muenzen,
goldene Ringe und Zierscheiben mit dem Bild des germanischen Gottes Tyr,
ein einmaliger silberner Gesichtshelm, mit Buegelkrone, edelste Teile von wertvoller Tracht, Schmuck und Waffen.
In der Mitte waren die meisten, am Rande des Moors die wenigsten Gaben zu finden.
Die Dinge waren absichtlich "entwertet", um sie dem profanen Gebrauch zu entziehen.
Die Opfergaben gehen bis in die Zeit, wo die Abwanderungen der Angeln nach England kamen..

Helgoland heisst Heiliglant - vorchristliche Kultstaetten sind noch heute an den Namen erkennbar,
Thorsberg, Helligbek, Karr, (Kultstaette, Tempel) Wonsdamm (heiliger See des Gottes Odin),
Wieh (geweihter Platz) Tieslund, Thiesholz (heiliger Hain des Gottes Tyr) Insel Fositesland-
das friesische Heiligtum des Gottes Fosite, fuer Erntesegen und Frieden..
Als die DDR-Grenze fiel, wanderten die Menschen in 8km langer Schlange auf den Brocken,
den alten Hexentanzplatz, der waehrend der sozialistischen Herrschaft ein verbotenes Grenzgebiet war.
Dort oben wurde ein richtiges Fest gefeiert, was viele Sektflaschen hinterlassen haben muss.
Ein bronzezeitliches Sonnenheiligtum, das "ruhendes Kamel" genannt wird,
sind zwei 1,6mtr durchmessende Scheiben in den Fels geschlagen.
Die Forscherin fragte zwei etwa elfjaehrige Maedchen nach diesen Scheiben-
jene wussten gleich Bescheid: Wenn diese vormittags dort spielten,
stecken sie einen Stock in das kleine Loch in der Mitte,
"und so wissen wir, wie spaet es ist"

6000 Jahre alt ist das Ringheiligtum von Quenstedt.
Das "erste netolithische Woodhenge in Mitteleuropa.."
Es bestand aus 5 ovalen Ringen, Pfosten, die parallel zueinander im Abstand von 5-6 mtr waren.
Der groesste Durchmesser lag bei 100mtr, etwa 5000 Baumstaemme sind dazu verwendet worden.
In der Ausrichtung der drei Eingaenge- einer fuehrt zum Steilhang- werden astronomische Ueberlegungen der Erbauer erkannt.
Im Raumflugplanetariums Halle nahm man astronomische Vermessungen vor -
sie verschoben bei diesen Berechnungen den beweglichen Himmelsnordpol um 6000 Jahre zurueck
und kamen zu dem erstaunlichen Ergebnis, das die "Eingaenge" als Visurlinien
zur Himmelsbeobachtung genutzt worden sein koennten- die Tore als Zeitmarken im Jahreslauf waren.

Die Sage um den Menhir aus Braunkohlenquarzit mit seinen 5,8 Metern hat
an der Seite mittelalterliche Eisennaegel eingeschlagen bekommen, vermutlich ein Gegenzauber.
Die kultischen Braeuche, wie der Antipathiezauber haelt sich hartnaeckig, sie sind auch bei anderen Menhiren gefunden worden.

Die sagenumwobenen Kyffhaeuser hatten richtige Kannibalenhoehlen. (Bad Frankenhausen)
20 Hoehlen und Spalten in denen Opfergaben lagen.
Vor 3000 Jahren wurden hier Menschen geopfert, als hoechste Gabe an die Gottheit.
Rituell gebraten, gekocht, verzehrt - ueber hundert junge Menschen liesen hier ihr Leben,
getoetet mit Keulen und Beilen, mit Bronzemessern zerlegt.
ERST MIT DEM VORSTOSS DER GERMANEN ENDETE DIESER SCHLACHTE-KULT- dh. es waren wohl Kelten,
die hier ihre schraegen Ausschweifungen taten, Priesterinnen muessen diese geleitet haben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Demeter
Zusammen mit allerlei Dingen, wie Fackeln, Schmuck, Nadeln, Salz, schnurartig gedrehte Menschenhaare,
Spinnwirteln, geschnittenem Stroh wurden die Knochen der Opfermenschen dort verbracht.
Tief im Innern des Berges erleuchteten Fackeln das Szenario.

Im 10. und 11. Jhd haben die Leute in der Gegend von Oberdorla
den heiligen Staetten noch immer gehuldigt, obwohl bereits alles christianisiert war.
Die Antwort der Kirche war die Errichtung des Archidiakonats in Oberdorla.

Der Opferplatz Oelknitz - auf dem Sandberg, wurde vor 10-12.000 Jahren der Gott der Tiere verehrt.
Stilisierte Frauenfiguerchen aus Elfenbei, als Phallus markierte Steine,
Einschnitzungen auf Steinen, die Pferde, Fische und Zwitterwesen zeigten.
Auf Pferdefellen zusammengenaehte Zelte um den Opferplatz mit Stele und Opfergruben-
Saeulenfoermige Sandbloecke, in den einen eine Vulva, in den anderen ein ein Wildpferd eingeritzt.

Derartige uralte Stellen gibt es in Mengen im Land.

Heute um-eiern sich Freaks div. Religionen, machen verrueckte Verrenkungen, die wie der Tanz der Kraniche ausschauen.
Der Kampf um die Lufthoheit von Luftnummern ist noch immer nicht ausgewusst..

Nun folgt etwas aus der alten Villmarer Chronik von 1936 Abwechslung tut not..
erstellt "mit Erlaubnis der kirchlichen Oberen".
Die Abteil St. Matthias in Trier war der Wohnsitz des Schreibers, Johannes Hau, O.S.B.
(lateinisch Ordo Sancti Benedicti, OSB)
http://de.wikipedia.org/wiki/Benediktiner
Trier war dem "Apostelheiligtum" Villmar vorgesetzt.
Der heilige Ort an der Mosel und jener an der Lahn waren geschichtlich lange verbunden.
Der Abt von Trier war zuvor Pfarrer in Villmar - so kam der Marmorfussboden in die Trierer Abtei.
Damals gehoerten alle Orte rund um Villmar ebenfalls zur Abtei- die sehr grosse Zahl an Akten
aus dieser Zeit wurde vom Autor gefiltert, so dass wirklich nur geschichtsrelevante Dinge
in seiner Chronik aufgingen und nicht die unglaublich vielen Gerichts-Zankereien
die meistens aus dem Grunde kamen, dass man nicht erst den kleinen Finger reichen wollte,
um hinterher die ganze Hand zu verlieren - also wurde fleissig geklagt.
(Was alles haarklein aktenkundig wurde)
Es kam so, dass der Kaiser Heinrich III im Jahr 1350 seinen Hof zu Villmar der Abtei Trier vermachte,
Im Gegenzug kam der Leichnam Erzbischofs Valerius und viele andere Heiligtuemer
nach Villmar in die neue Kirche, die er wohl fuer seine Frau gruendete-
das Gebietrecht erlaubte dem Grundherren solches.
"Unseres Bettes und Reiches allerliebsten Gesellin"

"Im Lahngau (Villimar in pago Logenahi) und in der Grafschaft Godebolds gelegen mit allen seinen Zugehoerungen,
das ist; mit den leibeigenen Leuten beiderlei Geschlechts, Zinsleuten, Kirchen, Grund und Boden,
Gebaeuden, mit den angebauten und ungebauten Laendereien, mit Aeckern, Weingaerten, Wiesen, Weiden,
Feldern, Waeldern, Jagden, Wassern, Wasserlaeufen, Muehlen,
Muehlenteichen, Fischereien, Ausgangszoellen und Einkuenften, Wegen und weglosem Gelaende,
erforschtem und noch zu erforschendem; mit allem Recht und jeder Nutzbarkeit,
wie wir ihn zuvor besaßen, mit allem was irgendwie daraus gewonnen werden kann,
uebergeben wir es zu eigen und uebereignen es solchermaßen,
dass der Abt mit dem Rate der Brueder des vorgenannten Gotteshauses freie Macht habe,
den Hof (curtis) zu halten, ihn zu verkaufen oder zu verleihen oder, wie es ihnen sonst gefaellt,
zum Wohl ihrer Kirche zu verwenden.
Gegeben an den Nonen des August im Jahre unseres Herren Menschheit tausend dreiundfuenfzig, der 6. Induktion.
Vollzogen zu Goßlar, Im Namen Gottes, Amen."

Heinrich III. erbat sich, wie es andere Kaiser in aehnlicher Weise taten, vom Trierer Erzbischof Reliquien,
fuer die von ihm errichtete Kirche von Goslar.
Erzbischof Eberhard kam dem Wunsche des Kaisers nach und schenkte ihm einen Teil der Reliquien des heiligen Valerius,
darunter auch das Haupt.
"Alle Reliquien konnte der Erzbischof nicht vergeben, da die Pilger und Glaeubigen den Heiligen
als einen Glaubensboten des Trierer Landes mit dem Heiligen Eucharius zusammen verehrten.
Von alters her waren beide Heilige im gleichen Grabe beigesetzt, wie auch heute noch
zwei nebeneinander stehende Sarkophage die Ueberreste der beiden heiligen Bischoefe bergen.."

Ausserdem bestaetigt der Papst dem Kloster das Asylrecht und die freie Abtswahl.
Ein Wortlaut dazu, der deutungsfaehig sein kann:
"Wir bestimmen, dass weder einem Erzbischhof oder einem Bischof, noch einem Vogt oder irgend jemanden es erlaubt sei,
das Kloster weiter zu beunruhigen, den Besitz zu rauben, das Geraubte zurueckzuhalten"

Viele der damals urkundlich erwaehnten Orte sind eher Gehoefte gewesen,
wovon ein Teil "wuestgefallen" war, von den Bewohnern verlassen.
Hunnenberg, Dodenhausen, Rulshausen und Sulzbach waren wohl schon 1936 leer,
Fuerfurt, Aumenau, Seelbach, Muenster, Weyer, Oberbrechen, Villmar und Arfurt und Schadeck sind heute noch lebendig.
Ober- und Niederaumenau wurden zusammengelegt oder wuchsen zusammen, Gladbach ist eine Staatsdomaine geworden.
Hofen gehoerte dem einzigen Freien der Gegend und unterstand somit dem Kaiser direkt, gebietlich aber zu Villmar gehoerig.

Gaugrafen trachtetn nach der Gerichtsbarkeit, die nur reichsfreie Staedte hatten, vom Kaiser selbst verliehen.
Vielerorts ist es ihnen gelungen, Orte mit einer Befestiung zu versehen und die Stadtrechte zu erlangen-
was den Fuerstentitel einbrachte- das war begeht und mehrte die Einnahmen.
Durch Aufkaeufe, Verdingungen, Zuwanderung und Unterwanderung trachteten sie auch in Villmar danach,
an begehrte Position der Entscheidung zu kommen - wo auch Verwandtschaftsgrade hilfreich waren,
um durch Protektion und Schiebung und Seilschaften- wie heute auch- immer mehr Macht zu erhalten.
Dabei haben sie aber die Rechnung ohne die Abtei gemacht, hinter der das maechtige Trier stand -
die erfolgreich die Erhebung Villmars zu Stadt verhindert haben.
Die Trickser und Taeuscher haben sich dennoch gut in der Gemarkung eingekauft -
die Runkeler Herren haben da wohl kraeftig mitgemischt- und auch schon ein paarmal die Mauern berannt..

Immer wieder musste das Kloster seine Legitimation und die Rechtsgrundlage seiner Gebietsansprueche
gegen andere verteidigen und neu begruenden oder bestaetigen lassen.
Die Kirche bezahlte Voegte, so auch in Villmar- die so bestellten Schirmherren des Ortes
schwangen sich schnell zu Zwingherren auf, die ihre ganze buckelige Verwandtschaft einschleusten,
um mehr Land, Haeuser und Einfluss zu erhalten - ausserdem trachteten sie zuweilen darauf,
den Ort mit Befestigungen zu versehen um dann die Stadtrechte beantragen zu koennen,
was im Anschluss nochmal kraeftig mehr Gewinn gebracht haette. (Markt- und Gerichtsrecht)
Voegte durften das Kriminalrecht, in freien Staedten sogar das "peinliche Halsgericht" halten,
waehrend den eigentlichen Grundherren, dem Abt und dem Kloster nur das mit Schoeffen
besetzte Gericht fuer Eigentums- und Nachbarschaftsrecht zukam.
Wollte das Kloster mit dem Ort Villmar also mehr obiges ahnden, blieb nur die Einsetzung eines Vogtes uebrig.

Im Mirakelbuch von 12-14.Jhd steht: Der der Pfalzgraf Heinrich blickte in neidischer Absicht auf den Mattheiser Hof Villmar.
ZWEI KLERIKER unterstuetzten seine Begierde auf diese Besitzung mit dem Hinweis auf die grossen Privilegien,
die auf der Burg ruhten.
Mit List und Schlauheit machten sie das Verlangen noch mehr und groesser.
Heinrich besass als Adeliger viel Macht, der das Gotteshaus -rechtlich- nicht viel entgegenzusetzen hatte.
Bald behauptete er, Villmar gehoere ihm allein.
Als die Kunde nach St. Matthias drang, erschrak man wie bei einem heftigen Donnerschlag-
wie sollte eine Klostergemeinschaft leben, wenn nicht die Besitzungen dafuer sorgten?
(Lehen, Lebensmittellieferungen, Abgaben aller Art)
Der Abt troestete die Moenche, dass Gott den Pfalzgrafen schon wissen lasse,
dass er dem Kloster das Gut nicht stehlen duerfe..
Daraufhin reiste der Abt zu Heinrich und traf ihn auf der Landstrasse hoch zu Ross-
inmitten eines grossen Trosses.
Als er sich ihm genaehert hatte, hielt er ihm vor, des Gotteshauses Sache dulde keine Verzoegerung.
Er bat und beschwor ihn im Hinblick auf Gott, die hl. Matthias und Eucharius,
das Kirchengut nicht laenger in Besitz zu halten, da er Gottes und der Heiligen Zorn
und Ungnade nicht entfliehen koenne; denn sie wachen eifersuechtig ueber den ihnen anverrauten Besitz.
Der Hochmut ueber die Glorie des irdischen Besitzes lies Heinrich die Bitten des Abtes verachten,
Als dieser sah, dass sein Bitten nichts nuetze, nahm er seine Zuflucht zum Gebet;
denn Gott verachtet die Hochmuetigen und erteilt den Demuetigen seinen Ruhm.
Die Hand Gottes legte sich schwer auf den Pfalzgrafen.
Als er seinem Pferde einen leichten Schlag versetzte, stuerzte es auf die Knie
und jagte seinem Reiter grossen Schrecken ein.
Der Grafen begleiter, von Angst erfuellt, baten ihn instaendig, von dem beganngenen Unrecht abzulassen,
da er dem Zorne Gottes und der Heiligen nicht widerstehen koenne.
Verstockten Herzens verschmaehte der Graf alle wohlgemeinten Ratschlaege.
Ein drittes Mal versuchte der Abt auf den Pfalzgrafen einzureden.
Auch dieses zeigte keinen Erfolg.
Ploetzlich offenbarte sich Gottes und der Heiligen Zorn, allen sichtbar:
Er stuerzte mit dem Pferde zu Boden .
Schwer verletzt lag er besinnungslos auf der Erde.
Seine Mannen nahmen sich seiner an und betteten ihn.
Als er das Bewusstsein wieder erhielt und die Folgen seiner Verletzungen erkannte,
ging er in sich aus Furcht vor noch schwereren Heimsuchungen.
Vor dem Abte und seinen Begleitern bekannte er deshalb,
ohne jedes Recht die Kirchengueter sich angeeignet zu haben.
Instaendig bat er um Verzeihung seines Verschuldens.
Frei solle das Gotteshaus den Hof besitzen mit allem Zubehoer;
die Brueder, bat er, moegen instaendig fuer ihn beten.
Die Urheber dieses Betruges, die BEIDEN KLERIKER, starben aber eines ploetzlichen Todes..
Der Abt kehrte freudig nach Hause zurueck und dankte Gott und seinen heiligen Patronen fuer die Erhoerung in schwerer Not..
Soweit die Ueberlieferung des Klosters, die doch recht einmalig sein duerfte
Die Voegte der Abtei bedraengten oft das Gotteshaus St. Matthias und suchten sich am Klostergut zu bereichern.
Wieweit ihre Rechtsanmaßung ging, wird wohl nie genau nachgewiesen.
Die St. Matthias gehoerigen Hoefe von Treisfurt und Gladbach sind bereits im dreizehnten Jahrhundert
im Besitz der Voegte.
Sie treten in der spaeteren Zeit stets als Isenburgische bzw als Vogteihoefe auf.
Noch im 17. und 18. Jhd. wird von der Abtei foermlicher Protest, wenn auch erfolglos, dagegen erhoben.
Die Urkunde vom 28. April 1303 bildet nur den Abschluss einer langen, vorausgehenden Bedrueckung.
Ihr Inhalt ist folgender:
"Wir Ritter Wilhelm, sohn des Herrn Ludwig von Isenburg, machen allen bekannt,
dass wir die Villmarer Gueter der frommen Moenche, des Abtes und Convents von St. Matthias zu Trier,
mit allem ihrem Zubehoer, in unserer Schwaeche gegenueber Gott und dem Recht, besetzten, sie an uns rissen,
und die Einkuenfte daraus gewaltsam behielten und zum Schaden fuer unsere Seele und zum nicht geringen Nachteil der Moenche.
Dessen war sich mein Vater, als er noch lebte, bewusst, dessen sind wir uns ebenfalls bewusst,
und gehen darum zur Wiedergutmachung diesen auf guetlichem Wege geschlossenen Vergleich ein:
Den genannten Moenchen erstatten wir innerhalb sieben Jahre dreihundertfuenfzig Malter Weizen
und zwar jaehrlich fuenfzig Malter von unseren Hoefen in Treisfurt und Gladbach (Dreyswerth et Glappach).
Dies bezahlten wir den Moenchen auf unsere Gefahr und Kosten in Limburg.
Ausserdem versprechen wir unverbruechlich und fest, in Zukunft die erwaehnten Gueter
weder durch uns noch durch andere an uns zu reissen.
Wir wollen die Moenche fernerhin in ihrer Nutzniesung nicht weiter stoeren,
und sie nach besten Kraeften gegen jeden Eindringling und Stoerenfried in Schutz nehmen.."

Nun wird ein wenig klarer, welch unglaublicher Hickhack durch die umliegenden Grafen und Grundherren
mit allen erdenklichen Erpressungen und Tricks versucht wurde, ihr Vermoegen zu mehren.
Dann kam das naechste Uebel, die Reformation, die ebenfalls von allen Seiten zur Machtausuebung missbraucht wurde..

Interessant zu erfahren ist, was Villmar zu der Zeit um 1560 besaß,
daran kann man die Lebensumstaende ganz gut erfahren,
so wird das Bild eines baeuerlichen Wirtschaftsbetriebes der damaligen Zeit vor den Augen entstehen.
Wir lernen einen Hof kennen mit seinem ganzen Ackergeraet,
das damals noch verhaeltnismaeßig gering und primitiv war.
Der Viehbestand ist auch recht gering, denn die Flaeche betrug nur 350 Morgen.
Die Bodenbearbeitung war noch nicht so ausgereift, die Schweinehaltung war wichtiger als das Rindvieh.
Hier eine Inventarliste, die von der Abtei St. Matthias
bei der Uebergabe an den Kurfuersten zu Trier erstellen musste:

Es waren vorhanden 10 Pferde, an Wagen und Pfluggeschirr 2 Wagen,jeder fuer 4 Pferde, ein neubeschlagenes Wagenrad, 4 grosse Bindebetten, 6 Spann- und Sperrketten, 8 Zughammen, 8 Pflughassen (Geschirr), 4 Pfluege, 8 Paar eiserne Pflugstrenge, 7 Eggen.
An altem und neuem Eisenwerk: 6 Legeisen, 10 Raeder und Radschuhe, 9 Pflugschaaren, 7 Pflugkolter, 1 eisernen Brunnenbohrer, 1 eiserner Ofen, 4 Heugabeln, 1 grosse eiserne Steinklamp, 2 neue Hebeeisen, 1 Ofen (5Ztr), 5 Holzaexte, 2 Beile, 1 mit einer alten Brandroden auf dem Saale, 1 Saege, uff ein Pann gespannt.
An Rindvieh: 13 Milchkuehe, 8 dreijaehrige Rinder, 4 Jaehrlingskaelber, 4 paar Stiere, 4 Saugkaelber.
An Schafen: 97 Zuchtschafe und Haemmel, 26 Laemmer.
An Schweinen: 5 Schweine, 2 Eber, 26 Fasselschweine.
4 Fuder Wein, 1 Fuder Bier.
Auf dem Speicher: 101 Malter Weizen, 388 Mlt. Korn, 20/2 Mlt. Erbsen, 64 Mlt. Hafer, 10 Mlt Gerste, 70 Stueck geraeuchertes Schweinefleisch, 64 Vorderschinken, 68 Speckseiten, 22 Schiltpraden, 22 Halsstuecke, 19 Rippenstuecke, 24 halbe Schweinekoepfe, 136 Stueck Rindfleisch, klein und gross. 2 Faesser und 4 Toepfe Schmalz, zusammen 50 Maß. 3 Huete Salz, 20 Pfund Unflicht, 21 Pfd. Kerzen.
An Zinnwerk: 24 zinnerne Schuesseln, klein und gross, 10 Mußschuesseln, 4 Schuesselchen mit Ohren, 6 Schuesseln, 14 Teller, 6 Salzkannen, 11 kleine Loeffel, wiegen zusammen 136 Pfd, 9 Zinnflaschen, klein und gross, 18 Kannen, 4 Bierbecher, 13 kleine Becher, 3 Handfaesser, 1 Lampe - zusammen 171 Pfd. alles Zinn 307 Pfd.
An Messing: 1 Giesfaß mit kleinem Becken, 1 Scherkanne mit 3 Becken, 1 Feuerpfanne, 1 Trichter, 5 Leuchter, gross und klein, 2 Tafelringe, 2 Krautsteine, 1 Kuehlkessel, 2 Proezbahren.
An Kupfer: 1 grosser Topf in der Kueche hinter dem Feuer, 5 Toepfe, gross und klein, 6 Kessel zum Tragen, 1 eingemauerter Braukessel im Brauhaus, 1 Seihe mit Stiel.
An eisernem Kuechengeschirr: 1 grosser Feuerrost, 11 Toepfe, klein und gross, 2 Bratpfannen, 7 Pfannen, 2 Tafelringe, die man Bueck nennt, 2 Kuechenschraenke (Schaeff) der eine mit 4 Gefaechern, der andere mit 2, 2 Feuerklopfer, 2 Feuergabeln, 2 Moerser, 1 Fangeisen, 1 Deckel, 5 Bratspießse, klein und gross, 4 Loeffel.
An Blei: 1 eisenwaage mit Bleigewichten, a 1 Zentner ales Kanalblei, 2 Huete mit Pfannen, darin man Wasser brennet (Schnaps) 1 Tellerplettel.
An Betten_ In der Gaestkammer 2 Bethladen mit halben Himblen druff, 2 Kultgherbeth (Kolterbett) eines von 16, das andere von 13 streiffen, 2 Ruller mit 2 Tretten uff einem Kuelsch (Koelnischem) beth von 13 Streiffen. uffm andern ein flocken beth mit einer leinen Zueghen. In der Kammer mit A gezeichnet 2 bethladen mitt ihren Tretter, die eine mit einem halben und die ander mit einem ganzen Himmel, uff einer ein Kuelsch beth von 15 Streifen, uff der anderen ein gemein feder beth mit einer leynen zueggen. Daselbst ein ruller mit einem flockenbeth. In der Kammer mit B verzeichnet ein Bethlade mit einem Himmel, hat ein beschlosseen Tritt druff ein Koelnisch beth mit 15 Streiffen. Darselbst ein Rueller mit einem Koelnischen beth von 12 Streiffen, darin seint die Zuechen (Zeichen) von uns gutt. In der Kammer mit C verzeichnet eine Bethlade mit einem ganzen Himmel ist gestirnt, mit einem verschlossenen Trede und um mit Kartheiner umbzogen druff ein Koelnisch beth mit 13 Streiffen. In der Kammer mit D zwo duenne bethladen mit einem Dredt druff, zwey Koelnische beth jedes von 15 Streiffen darauf die zueggen zieblich gutt seintt. In der Kammer mit E bezeichnet 2 Bethladen, denen eine mit einem ganzen Himmel, mit einem Tredt ein Koelnisch beth mit 12 Streiffen. In derselbigen Kammer ein schrank und ein schreff stuehell. In der Maegttkammer 2 bethladen mit einem federen und flocken bethgen. An Pulnesin und Kuessen: 8 Koenisch puluen, 1 federen puluen mit einer leinen Zuegge, 1 federen Kutschbetgen mit einem Kuessen und bethladen in der understen Stuben. 20 Kuessen mit barchent und Koelnischen Zueggen, 5 Kuessen und leynen Zueggen.
An Leinwand: 13 Tischtuecher, 12 hausvesen, 17 paar Leynduecher flagsen, 29 Paar Leyducher grob fuer die Familie, 12 Kuessenbezuege, 59 rhlr neues unverarbeitetes grobes Wirktuch, 13 Decktuecher geblumt und gestreift, 2 Rechentuecher gestreift, fuer den Tisch, 7 lederne Stuhlkissen.
An Tischen, Stuehlen, Baenken und sonstigem: Auf dem Saal einen grossen Buecherschrank mit Buechern (eigenes Register). Die Buecher sollen zum Gebrauch des jeweiligen Pastors in Villmar bleiben. Einen Tressor, darauf Glaeser und Toepfe stehen. Vier beschlossene Tische mit Doppelplatten, desgleichen einer unbeschlossen. In der Gesindestube zwei Tische, einer davon mit doppelten Platten. In der untersten Stube ein Handfasstressor. 10 Kisten, gross und klein, beschlagen und unbeschlagen. 5 Baenke mit und ohne Lehnen, 9 Stuehle. Auf dem Dormitorio (Schlafsaal) 2 Hellebarden und 1 Schabelein, 1 Wecker in einem hoelzernen kasten gefasst und aufgehaengt. Ein alter Breder mit einem bleyen gewigt. Auf dem Speicher ein Koerner reuder ausser messingen draht gemacht, Eine Drehbank und drei Schlichthobel. Im Backhaus 6 Siebe, 1 Beutel 1 Kuchenform, 1 Axt, 2 Buechen moslen.
An Seilen: Auf den zwei Korn- und Haferspeichern zwei grosse Seile, um die Frucht aufzuziehen. 2 Seile fuer garben zum Korn und Weizenkasten zu ziehen, 7 Hasengarn, 7 Feldhoener leitern, 5 lederne Simmern. An Keltern, Faesser und Butten: Eine Gangkelter mit eimer, 19 grosse und kleine Buetten, 4 gruene Faesser, 2 Traubenfaesser auf Wagen, fuer den Herbst Trauben zu fahren, 2 hoelzerne Trichter.
In der Kapelle auf dem Saal: 2 silberne vergoldete Kelche mit zwei Patenen, davon die eine vergoldet. 3 Korporale mit Bursen, 2 Messgewaender mit einer Albe, Stola und Manipel, 2 Paar Messkaennchen, 1 Kirchenschelle, 2 Messingleuchter auf dem Altar, 1 an der Wand, 1 Missale, 1 Altartuch mit Decke, 1 zinnernes Handfass neben dem Altar.

Die Abtei versuchte freilich Villmar wieder zurueck zu erhalten, das seit 563 Jahren von Koenig Heinrich III. gegeben wurde-
man unterschied zwischen Grundherren und Landesherren, so mancher faule Kompromiss und so manche Trickserei lief- genau wie heute.
Grenzsteine wurden verschoben und wieder heraus gehackt, Zwiste kamen und gingen, zuweilen schoss man aufeinander.
Die Runkel-Wiedschen Gebiete sind dreiseitig um Villmar herum angesiedelt-
kein Wunder, dass es dabei Probleme gab und immer wieder heftige Auseinandersetzungen, 150 Jahre lang,
ein echter Friede habe man damals nicht halten koennen, so die Chronik.

Nach altem germanischem Recht gab es Freie und Unfreie.
Solange Gaugrafen die Gerichtsbarkeit im Namen des Koenigs ausuebten, unterstanden die Freien dem Grafen.
Jene musste an Gerichtstagen erscheinen- wi viele Freie in Villmar ansaessig waren, laesst sich nicht nachweisen.
Einer oder zwei werden gelegentlich erwaehnt.
Die Grosszahl der Einwohner zaehlte zum Stande der Unfreien.
Sie wurden als integrierende Teile des Gutes verschenkt oder verkauft.
Kein liegendes Vermoegen nannten sie ihr eigen.
Nur Hausrat, ein oder das andere Tier, konnten sie besitzen, mehr nicht.
Wenn im Roemischen Reich die Sklaverei ganz beseitigt wurde, so war im deutschen Reichsgebiet
sie umgewandelt worden in Leibeigenschaft.
Der Grund war die Eigentumslosigkeit.
Bei Freilassung, so sagt man, haette sich ihr Los schlimmer gestaltet, als zuvor.
Deshalb geschah ihre Freilassung in der Regel so, dass sie fortan als bestaendige Bauersleute
die Landgueter ihrer Herren bestellten; sie wurden ihnen als Hoerige verbunden und blieben unzertrennlich bei dem Besitz.
Ein Herren- oder Fronhof wurde in Huben (Hoefe) von mindestens 30 Morgen aufgeteilt,
und jedem der Leibeigenen eine davon zur Bebauung ueberlassen-
Anfangs hatten sie einen grossen Teil der Ernte abzuliefern, als die spaetere, bessere Ackerwirtschaft kam,
blieb das Lehen gleich, der eigene Ertrag wurde lohnender.
Die Hubenleute lebten nicht schlecht, so wird berichtet.
Das Besthaupt an den Lehnsherrn wurde faellig, wenn der Huebner verstarb.
Dem Leibeigenen war es nicht gestattet, auszuwandern, er war an die Scholle zeitlebens gebunden.
Daneben gab es noch die Zinsleute, das waren Leibeigene, die sich durch eine Geldsumme von der Dienst-
und Fronleistung befreien konnten.
Der niedrige Zins auf den Hof war eine Anerkennungsgebuehr, die entrichtet werden musste.
Der dritte Stand war der "Hoerige"- sie gehoerten nicht zur Scholle, dem Grund und Boden-
sie dienten als Dienstleute den Grundherren.
Baecker, Schneider, Schmiede, Zimmerleute, Maurer, Steinhauer, Fischer und andere Handwerker gingen aus ihnen hervor.
So manchem Abhaengigen wurde das Studium seiner Kinder ermoeglicht, sie wurden Geistliche oder Moenche und somit Freie.
So mancher Schoeffe ging daraus hervor, die dann zusammen ihr "Weistum" schufen.

Die schreckliche Brandkatastrophe von 1536 sorgte fuer eine neue Feuerwehrordnung.
Das hat auch die Bauordnung beruehrt, wo nun kein Kamin aus Holz, kein Strohdach mehr sein durfte.
Bis in Detail wurde geregelt, wie die Scheunen zu sein hatten, wo diese stehen durften und wie diese zu befuellen waren.
Die Herde, Oefen oder Feuerstellen hatten aus bestimmten Materialen gefertigt zu werden-
Der Vorlaeufer zu unseren Brandverordnungen ist also schon recht alt (und sinnvoll).

Im Jahr 1600 entdeckte man in Villmar den bekannten Marmor, den schoensten, den man auf der Welt finden konnte.
Von weit entfernten Laendern erworben, wurde das der kommende Exportschlager.

Eine schraege Meldung aus den Pfarrbuechern Villmars:
"1605 wurde zu Walsdorf bei Camberg ein Kind geboren, das an Haenden und Fuessen Klauen trug;
es war schwarz wie eine Mohrin, besaß Augen wie ein Hund,
wollte sich nicht baden und waschen lassen;
es rollte sich zusammen wie ein Igel.
In ihrer Angst riefen die Leute den Pfarrer.
Der taufte das Kind in der Kirche und troestete die Angehoerigen.
Der Vater soll das Kind erschlagen haben.
Der Pfarrer ermahnte auf der Kanzel die Leute, darueber zu schweigen;
sie sollten auch nicht viel Redens um diese Mißgeburt machen,
damit es nicht anderen Frauen bekannt wurde.
Als einige aus Neugierde am Sonntag darauf das Grab oeffneten,
fanden sie in der Lade nur ein Tuch vor.."

Die Chronik berichtet von zwei Frauen, die verurteilt, erstickt und verbrannt werden sollten,
aber dann links und rechts am Stadttor aufgestellt wurden.
Der Vogt von Isenburg Buedigen wollte sie nicht bestatten, weil er zu wenig Besoldung bekam.
In einem anderen Fall hingen "drey Weiber umgebracht und versengt" am Galgen,
bis die Klagen ueber den Gestank zu laut wurden..

Wallfahrten waren aber frueher lustiger als heute:
Nach dem Amt hielten die Pastoere von Villmar, Ober- und Niederbrechen mit ihren Chorsaengern
ein Fruehstueck mit Eiern, Weißbrot, Wein und Bier.
Das soll uns genuegen -
nun gehts mit alten, z.T. laengst ausgestorbenen Berufen weiter,
deren Bedeutung heute kaum mehr einer kennt:

Altbueßer waren Flickschuster.
Ameisler sammelten Futter fuer Zimmervoegel und Zierfische- Ameisenpuppen!
Bandschneider machten Holzreifen, die von Boettchern fuer den Faßbau verwenden wurden.
Angießer waren Aufsichtsbeamte fuer den oeffentlichen Ausschank.
Barchentweber: Leinene Kettr und baumwollener Schuß brachte dichtes, leichtes Gewebe.
Bartenhauer machten Hieb- und Stoßwaffen, Streitaexte
Beindrechsler verarbeiteten Horn und Bein zu allerlei Dingen des taegl. Gebrauchs.
Beutler stellten Beutel her.
Bildgießer gossen aus Bronze Statuen und Figuren.
Bogner stellten Bogen fuer die Jagd her.
Drahtbinder und Pfannenflicker zogen von Haus zu Haus, Gebrauchsgegenstaende und Reparaturen verkaufend.
Einschlagmacher - schwefelten Faesser aus.
Farbenmacher lieferten nicht nur Anstrichfarben, sie arbeiteten auch mit Ledermachern/Faerbern zusammen.
Faßzieher zogen die Faesser aus den Schiffen ins Lager.
Federschneider - Scheibkielmacher.
Feilenhauer- stellten Feile fuer viele Anwendungen her.
Feldschere- Chirurgenhelfer im Heer.
Fertiger - Schiffunternehmer zum Transport von Salz
Flecksieder - wuschen Eingeweide, Kutteln, Kaldaunen etc.
Fragner - Kleinhaendler von Lebensmitteln.
Fratschlerinnen - Marktfrauen.
Goldschlager - Blattgoldhersteller
Grautucher - grobe Wollgewebe herstellend.
Hohlhipper - gingen roehrenfoermiges Gebaeck aus Obladenteig verkaufen.
Holzschuhmacher - stellten einfache Volksschuhe her.
Joppner - machen Jacken, Ueberkleider mit Aermeln.
Kalamalmacher - Schreibzeughersteller
Kalfaterer - dichten Schiffe ab.
Kardaetschenmacher- stellen Weberstriegel her.
Kauderer - riffeln rohen Flachs, damit dieser gesponnen werden kann.
Kleiber - Flechtwerk beim Fachwerkbau ausschmieren
Buettenbaecker - mischten Wasser und Braunkohle, formten fruehe Briketts daraus.
Kompastmacher - verarbeiteten Kraut und Rueben.
Korkschneider stellten Stopfen fuer Flaschen her
Kotzenmacher haben grobe zottigen Wolldecken gewoben.
Lederer - Gerber.
Lersener - Ueberziehermacher.
Leinhoesler - Hosenmacher
Loeher - Lohgerber, aus Rinde Gerbstoffe herstellen
Melber - Mehlhaendler
Metsieder - Honigweinhersteller (Ein Teil Honig, zwei Teile Wasser)
Peler - Hilfsgewerbe der Metzger, zur Verwertung von Schlachtresten.
Pfeidler - Hemdenmacher
Fluß-Sieder - Pottaschehersteller
Saitenmacher - aus Daermen von Ziegen und Schafen Musiksaiten machen..
Salinisten - Salzgewinner
Saliterer - Salpetersieder

Ein seltsames Ding ist die haeufig vorkommende Verbindung zwischen Scharfrichter und Heilkundigen.
Bei Abgeurteilten und Tieren konnte man die Anatomie studieren.
Beim Foltern musste der Mediziner aufpassen, dass der "nur zum Verlust von Gliedmaßen" verurteilte
nicht vorzeitig verstarb.
Verstuemmelungsstrafen mussten heilen, wenn Amputationen von Armen, Fingern, Ohren und Zungen angeordnet wurden.
Diese Gliedmaßen gingen als Talismann ganz gut weg, sogar das Blut von Gekoepften wurde begehrt als Heilmittel.

Griebenmacher oder Schmaelzler handelten mit Fettwaren und Hundefutter.
Sliemer sorgten in Italien und in Wien bis ins 18.Jhd. fuer oelgetraenkte Papier-Fenster-Scheiben.
Tonpfeifenmacher - machten Tabakspfeifen
Wachsbossierer -Wachsbildhauer
Wagenschmiermaenner - zogen mit einem von Hunden gezogenen Waegelchen durch das Land
und verkauften die aus Pechhuetten stammende Wagenschmiere,
die aus einem Fass gezapft wurde.
Weinzierle - Kleinbauern, die Wingerte von Wohlhabenden mitbetreuten und bewachten.
Zockelmacher - stellten eine Kombination aus Socke und Schuh her.

Wildschuetzen - Wilderer, Raubschuetz, Schwarzgeher genannt - der Jaeger nennt ihn "Lump".
Der Germane konnte noch Wild nehmen, wo er wollte - erst mit dem Privateigentum kam die Wende -
die Grundrechte der Herren, die alles fuer sich alleine reklamierten.
Durch die schlechten Lebensbedingungen- durch obige Herren verursacht, die staendig Zwiste und Kriege fuehrten,
wurden einige in die "Illegalitaet" und zum Wildern gezwungen, um zu ueberleben.
Wie heute auch wieder, wird danach getrachtet, den Wildbestand hoch zu halten - durch Fuetterungen,
die immer wieder beharrlich abgestritten werden. (Wir haben das aber des oefteren unterwegs sehen koennen)
Damals war der Bestand so hoch, dass - 17.Jhd. die Felder litten, so sannen die Bauern,
die ebenfalls keine Rechte an der Jagd hatten, abzuschiessen, was kaputt machte.
So entstand eine 2. Wilderergarnitur.
Was die "fuerstliche Lust" beeintraechtigte, war automatisch ein "Kapitalverbrechen",
das entsprechend geahndet wurde.
Wilddieben wurden die Augen ausgestochen, die Haende und Finger abgehauen, die Ohren abgeschnitten,
manchmal wurden sie auf das Hirschgeweih gebunden und mit dem -noch lebenden- Hirschen von Hunden durch den Wald gehetzt,
damit dieser Mensch durch Aeste und Gebuesch zerfetzt wurde.
1557 wurde ein Bauer in ein Hirschfell genaeht und auf dem Markt von Hunden zerfleischen lassen..
Der Herzog von Mailand zwang einen Wilderer einen Hasen mit Haut und Haaren zu essen, woran er starb.

Nach der Geschichtsseite bedauere ich, dass man den Adel und die Amtskirchen nicht verboten hat.
Als Nachhall der alten Germanen und Kelten und wie die Altvorderen alle waren,
darf noch ein wenig der alten Goetter gedacht sein, die uns heute noch in den uralten Baeumen
auf den Wanderungen begegnen, deren Odem der alten Zeit uns immer wieder in den Bann schlaegt
und daran erinnert, wie vergaenglich wir Menschen eigentlich sind.
Die seltsamen Baumgruppen auf den Hoehen im Wald, aber auch so mancher alte Linden- oder Gerichtsbaum,
der noch heute an wichtigen Wegekreuzungen Wacht haelt, kuendet von einer Zeit,
in der noch keine Zentralheizungen, kein fliessend Wasser, kein elektrischer Strom war.
Wo noch ueberall Geister und Fabeln waren, man mit den Huehnern schlafen ging-
und vom Hahn geweckt wurde, um die noch nicht automatisierte Arbeit zu tun,
ohne die schier der Hunger kam, der sowieso oft genug zu Gast war.
Die Ernten waren noch nicht so bestaendig, viele Fruchtarten noch nicht bekannt,
die Haltbarkeitsmachung und die Vorratswirtschaft steckten in den Kinderschuhen-
nicht aber die Kriegsluesternheit und die Machtgeilheit, die allerorten spuerbar wurde.
Doch da war noch etwas, was heute - trotz der relativen Wohlhabenheit der Massen -
zunehmend abhanden kommt:
Die Zufriedenheit und das Wohlfuehlen im Kreise der Familie.
Immer mehr gehetzt von der Werbung und vom Zickenalarm der Arbeitsstatt,
dessen Treiben haerter wurde als das Gewerk selbst.
Jeder will alles haben und das versklavt, entfremdet von der Ruhe, die eigentlich "heilig" sein sollte.
Nach aller Jagd zu Geld und Ansehen zu gelangen, vergisst so mancher das Wichtigste:
Gemeinschaft, Zufriedenheit und Gesundheit, im Einklang mit der Natur zu leben.
Statt nach immer neuen Events, Gimmicks und Reisen zu trachten,
waere die Besinnung, ein guter Tee, ein Kerzchen und ein interessantes Buch besser fuer
das Seelenheil und fuer den Bund mit der Ewigkeit, die aus den alten Baeumen zu uns spricht,
wenn wir innehalten und ihnen zuhoeren.
Glauben braucht keinen Kult, keine Mauern, keine Amtsstellen und Bimmeln,
keinen Bischofssitz und keine "Kollekten", sondern innere Bereitschaft den Odem der Natur zu inhalieren,
bis wir -irgendwann sowieso- eins mit ihr werden muessen..
Uns sind die Rastplaetze an diesen alten mystischen Orten am liebsten,
eine einfache Bank und ein einfaches Brot, ein Guerkchen, einen Apfel und ein Ei ist besser,
als das feudalste Lokal inmitten hysterischer Hektik.
Klares Wasser statt gepanschtem Wein haelt den Kopf klar fuer das,
was wirklich wichtig ist im Leben:
Wie schnell ist es zu spaet, das Versaeumte nachzuholen, das fuer "irgendwann mal"
aufgehoben wurde - zu Gunsten eines schnellen Konsums, dem "Weiterkommen",
was sich nur allzuoft als "Fortkommen" entpuppte und wenig Zufriedenheit brachte.
Wie schnell ist es zu spaet, der Zweisamkeit so richtig zu huldigen,
dem Ehepartner die gebuehrende Achtung und Aufmerksamkeit zu geben,
den Kindern oder Enkeln zuzuhoeren, an deren Entwicklung teilzuhaben.
Schaut euch mal die verhaermten Gesichter in den grossen und teueren Wagen an, die unterwegs zu sehen sind,
-wie oft sieht man dagegen froehliche, lachende Mienen zufriedener Menschen, wie oft hoert jemand zu?

In dem Zeitalter, wo auf Schritt und Tritt telefoniert oder Chat-Nachrichten kommen,
reicht die Aufmerksamkeit kaum mehr,
um die Fahrtrichtung des Autos anzuzeigen -
geschweige denn zur Ruhe oder gar zur inneren Einkehr !

Arme reiche Zeit mit langen Leben, reiche alte Zeit mit kurzem Leben?
Ein Mittelweg waere schon gut..

Die Buecher wiederholen sich, die Ueberlieferungen auch, so komme ich zum Schlusswort.
Diese Seite koennte ich noch ewig fortfuehren, dennoch sollte lieber auf Goethe gehoert sein, der da meinte:
So ein Werk wird niemals fertig, man muss es als fertig erklaeren!

Nachtrag:
In einem Buch ueber Astronomie las ich, dass die "Kirche darauf bestand,
dass Himmelsobjekte auf kreisfoermigen Umlaufbahnen unterwegs sein mussten,
da Gott in seiner Schoepfung gewiss niemals gestattet haette, anders als auf makellosen Pfaden zu wandeln"
Tja, so sind sie gestrickt, die Religionen.
In jenem Buch stand, dass 1640 - 1710 keine Sonnenflecken-Aktivitaeten beobachtet werden konnten-
Durch das Ausbleiben kam eine Zeit der extremen Kaelte und Entbehrungen.
Heute als "Maunder-Minimum" bezeichnet.
Der Aermelkanal soll staendig zugefroren gewesen sein, die Gletscher rueckten nach Sueden,
und es herrschte grosses Leid.
Die Lichter des Nordens in ihrer grandiosen Art waren weg.
Das zeigt, dass die Sonnenstuerme noetig sind, auch wenn 1989 die Fluktuationen des irdischen Magnetfeldes
Spannungsueberschlaege in Hochspannungsmasten brachte, wo in den Staaten die Transformatoren durchbrannten,
die unpraktischer Weise oben mittig der Masten angebracht sind.
Das brachte in weiten Teilen der USA lange Stromausfaelle -
andernorts gingen spontan die elektrischen Garagentore auf und zu..
Fuer Satelliten gab das einen erhoehten Luftwiderstand, der durch Nachsteuerung ausgeglichen werden musste.
Polar- oder Nordlichter sind nicht ohne. Seit fast 370 Jahren werden diese Daten aufgezeichnet.








Geschichtliches



Der folgende Teil der Seite "Geschichtliches" wird wieder interessante Dinge aus Orts-Chroniken erwaehnen,
viel vom Leben der einfachen Leute auf dem Land erzaehlen, wie sie arbeiteten und von dem, was man heute als Kultur bezeichnet.

Die Sache lies mich nicht los - trotz vieler interessanter techn. Buecher - die das Thema "Alte Zeit" abloesen sollten..
Die Faszination der Geschichte mit dem Fokus auf die "gemeinen Leut" ist wohl ansteckend,
weil sich inzwischen genug Leser eingefunden haben, denen wohl ebenso wie mir an einer neuen Sicht der Ueberlieferungen und Kultur gelegen ist !
Jeden Monat wird die Seite staerker angeklickt..

Die neuen Buecher sind abgeholt- "Vergessene Zeiten", vom Marktflecken Weilmuenster, die Chronik unserer Grossgemeinde Weinbach,
ein aelteres Buch "Runkel" von 1952 und ein zweibaendiges Werk von 1967 "Ellar", eine Westerwaldgemeinde.
Es sind noch unzaehlige Buecher in der Weilburger Stadtbuecherei, die geradezu auf mich warten.
Die alten Schwarten sind oft liebevoller und verbindlicher geschrieben, als neue Schriften.
Ich werde sehen, was aus diesen Leihgaben extrahiert werden kann. (Bei der Buecherei geben wir oefter gekaufte Stuecke ab,
die gerne angenommen werden; teils kommen diese in den Verleih, teils werden diese zu Gunsten der Buecherei in das Verkaufsregal gestellt,
wo Interessierte billig zuschlagen koennen - so ist jedem gedient.
Nicht jeder hat das Geld fuer neue Buecher) Noch ein Wort zum Thema "Rechtschreibung":
Unsere Form des Ausdrucks, unsere Form der Rechtschreibung ist noch nicht lange bekannt, was das gesamte Hochdeutsch einschliesst.
Das muss freilich beim Lesen uralter Texte bedacht werden.
Bei Uebersetzungen aus dem Lateinischen habe ich persoenlich die Erfahrung gemacht, dass der feine Mutterwitz dieser Sprache
durch vorgegebene schulische Uebersetzung (nur diese werden in den Arbeiten der Schueler als "richtig" gewertet) manchmal arg leidet.
Die Vielfachbedeutungen der Worte machen ein Uebriges- so sind zuweilen 8-10 und mehr Bedeutungen angedacht,-
je nach Fortgang des Satzes entsprechend angewandt, kann sich einiges verzerren- je nachdem,
wie geschickt der Autor zuvor war oder ob er ggf. aus Gruenden des Verstaktes gebogen und verdreht hat.
Man "sprach" durchaus zwischen den Zeilen, laesst man sich die Texte nochmal auf der Zunge zergehen!
Die Gruende dafuer waren manigfaltig. Noch vor 150 Jahren war die Zahl derjenigen, die manchmal nur lesen,
aber nicht schreiben oder beides nicht beherrschten, recht hoch.
So schrieben ausschliesslich die Honoratioren des Ortes Chroniken, gebildete Autoren und Dichter,
ggf. Pfarrer oder eher Klosterleute - von den kleinen Leuten wird man kaum eine schriftliche Ueberlieferung finden.
Ab und an hat ein Kaufmann oder wohlhabender Reisender etwas festgehalten (Beispiel Goethe, der sehr fleissig schrieb).
Das Militaer hatte eigene Schreiber, der Klerus und der Adel ebenso.
Etwas ueber die kleinen Leute zu erfahren, ist nicht so einfach wie man denken sollte.
Graeveneck am 25.2.2014


Das Alter von Siedlungen kann man am Namen erkennen:
Neben -dorf, -felden, -hofen als Suffix sind die -hausen Orte (Beispiel Elkerhausen)
von fraenkischen Personennamen -hier Alaker- abzuleiten.
Die Orte mit -bach am Ende sollen ebenfalls dieser Zeit angehoeren.
(Beispiel Laimbach) Die Konzentration solcher Namen in einem Gebiet spricht also fuer eine Siedlung aus jener Zeit.
Durch die verschiedenen Herrschaften kamen die Gaue ab und an in einen anderen Besitz und Verwaltung.

Die Chronik berichtet, dass die Ritter von Elkerhausen ihre geringeren Lehen-Einkuenfte durch Zuarbeit bei hoeherrangigen Adeligen aufbesserten.
Sie brachten Kirchenleute aller Arten hervor, bis zum Abt - aber auch Raubritter,
die bis in den wohlhabenden Frankfurter Raum Pluendertouren unternahmen
und so den Anstoss zur Verbuendung div. Gebietsherren gaben,
die schliesslich die Burg belagerten und zur Aufgabe zwangen, indem deutlich sichtbar vor der Burg ein Galgen aufgebaut wurde.
Anschliessend wurde die Burg geschleift.

Wie sehr sich die damalige Schreibweise von der heutigen unterscheidet,
zeigt dieser Text aus dem Jahr 1396 aus der Limburger Chronik ueber diese Niederlage obiger Ritter:

Item in dem selben Jare vurgeschreben da zogen die zwene greben Philips von Nassauwe
grebe zu Sarbrucken unde grebe Dithardt von Catzenelnbogen vur Elkerhusen, eine notfeste burg uf der Lane gelegen,
ujnde slugen da ein vur zwelf Jaren der selbes ufgeslagen, unde slugen da ein ander burg ober Lange uf, die ist genant Grebenecke.
Unde warat ein huis auch vur vur zwelf jaren da selbes ufgeslagen, daz was geheissen Sturburg, als vur ist geschreben, daz wart vurbrant.
Dan dise vurgeschreben burg Grebenecke ist wol behert.
Unde hatten ir moge unde gewalt alda vur Elkerhusen ligende und behelligten si mit den grossen bossen,
mit bliden undern sachen, also daz nit wohl speise daruf mochte komen,
bit sazu die buge unde den dal gewonnenen mit rechter gewalt in dem jare danach
uff den ersten dag julii des mandes, das was unser frawen abent visitationis.
Unde fingen daruf sezsen man, unde di worden vursichert ires libes, unde brochen daz huis,
want darauß geschindet und beraubet worden alle dise lant. der vurtsorunge irfreuwete sich alte und jung,
unde lobeten Got, daz es gebrochen ist.
Daz huis was druer gebrudere, der was einer genant Eckehardt, ein ritter,
der ander Hiß Heinrich, der drette hiß Conrat.
(Das war die erste urkundliche Erwaehnung unseres Wohnortes Graeveneck)

"Die Witt sah sich gezwungen, ihren Anteil an der Gerichtsbarkeit mit Rechten und Diensten und armen Leuten dem Grafen Philipp zu verkaufen"
Mit Mann und Maus sozusagen. Jeder Zipfel Erde, Wasser, Wald, Ackerland war "in festen Haenden" des Adels,
der Kirche oder Leuten, die eine Mischung aus beidem waren.
Die Leute, die dort lebten, gehoerten -wie die Fische im Wasser- denen, die dieses Gebiet kauften,
erbten, eroberten oder geschenkt bekamen.
Fortan zahlten sie ihre Pacht den neuen Herren.
Wie im ersten Teil dieser Seite bereits ausgefuehrt, aenderten sich im Laufe der Jahre und Jahrhunderte die Besitzverhaeltnisse staendig .
Frueher ging ein Edelmann nicht "bankrott", sondern verpfaendete seinen Besitz an den Landesherren,
der dann eine Summe zur Deckung zahlte und danach ein Lehen vom ehemaligen Besitzer nahm-
so blieb der Schuldner frei, musste aber auf alle Ernten Abgaben entrichten.
Die Leibeigenen waren zwar keine Sklaven, aber nicht viel mehr:
Fuer alles musste der Lehnsherr gefragt werden, z.B. auch bei Heiraten..

Wo nun die Unfreien ihren Prinzen fragen mussten, ob sie heiraten oder wegziehen duerfen,
haben jene "das Haus in Freienfels 1620 mit Stallungen, Scheunen, Wiesen, Gaerten,
Holzung, Viehzucht, Mastung, Schaeferei, Jagd, Fischfang, und Diensten und der Pacht der Hofleute zu Freienfels,
sowie dem zum Haus Freienfels gehoerenden Weingarten als Witwengut verschrieben"..
Es wurde freilich innerhalb der Adelslinien geheiratet- immer mit dem Ziel, in den Reichsfreiherrenstand
(Die Reichsritterschaft wurde durch den Deutschherrenorden vertreten) zu gelangen,
der dann direkt dem Koenig und nicht den regionalen Herren unterstellt war,
die "Reichsunmittelbarkeit" anstelle der "Landsaessigkeit" kleinerer Adelsleute.
Das soll erst einmal zu diesem Thema reichen - das Thema meiner Seite sind die kleinen Leute,
die hin und her gefohlen wurden, "Treueeide" schwoeren mussten.

Das Thema Geschiche ist richtig "saftig" und ergiebig, das muss ich sagen:
Die "Geringen" hatten unter allerlei Willkuer der Keller (Zehntscheunen-Chefs),
der Voegte und Buergermeister oder Schultheißen,
unter Landsaessigen und Rittern zu leiden, die alles andere als "ritterlich" waren.
Mal diesen, mal jenem Herrn musste geschworen werden, wenn das angesagt war.
Zusaetzlich sorgten Zwistigkeiten der Herren und Oberherren untereinander fuer ein Durcheinander,
das die Bevoelkerung auszubaden hatte und welche nur den Kopf einziehen konnten,
in der Hoffnung heil davon zu kommen.

Herrinnen waren - wie heute die weiblichen Vorgesetzten und Chefs - nicht zimperlich und standen den hochnaesigen Wueterichen in nichts nach.
Die "Unterthanen" wider Willen ertrugen "cuius regio, eius religio" wie eine Buerde ihres Lebens, wie Krebs und Hunger.
Erst seit 1780 spricht man von der "statistischen Zeit", aus welcher gesicherte Unterlagen ueberliefert sind.
Zuvor las man "Hausgesesse", Mannschaften und Vermoegensinhaber gesondert aus.
Heppenleute waren Frondienstleister, die kein Pferd hatten, "Gespannfaehige" waren
Leute mit Pferd,
so sie damit dem Herrn gefaellig sein konnten, wenn es diesem passte..
1593 z.B. hatte Weinbach 51 Hausgesesse, darunter 43 Eheleute, vier Witwen, vier Witwer,
16 Pferdeleute mit 18 Pferden und 36 der Einwohner als Heppenleute.
Unser Wohnort Graeveneck hatte nur 14 Hausgesesse.

Aus dieser Zeit wird berichtet, dass ein Adam Bender "Taschentraeger" war, der sich mit Eier- und Buttertragen
nach Frankfurt ernaehrte. (Von uns aus ist Frankfurt ueber 50km entfernt!!)
Von Leinewebern, von Schafhuetern mit und ohne Huth, von Pferdehaltern, dessen "pferdt nicht eines Thalers werth"
von einem "Crafft Kremer, ein armer gebrechlicher man,
hat allezeit des Viehs gehuetet, kan aber wegen der Schwachheit des Krebs,
so ihm das gantz Angesicht eingenommen, nichts mehr thun, kan kuemmerlich vor ein Hauss gehen, das er das liebe Brodt betteln und ufheben thut.
Viele Witwen lebten in bitterster Armut: "eine arme Wittibe, so kein gut Gesicht hat, hat gantz und gar kein Viehe,
Ihre Gueter haben müßig gelegen"

In manchen Orten wird immer wieder Weinbau erwaehnt, bereits in fruehen Jahren.

Wie ueberall in den Gemeinden, deren Chroniken ich durchforstet habe,
wird immer wieder von der Halbierung der Bevoelkerungen durch den dreißigjaehrigen Krieg, durch Pest und der weißen Ruhr und anderen Seuchen berichtet.
So mancher Ort hatte nur noch ein paar Familien,
andere sind in dieser Zeit "wuest gefallen",
waren verlassen, menschenleer.

Die Wahl des Schultheißen wurde vom Fuersten getroffen, dessen Vertreter jener war, dessen Interessen er vertreten musste.
Das Deckmaentelchen war der Schutz und das Hueten von Sitte und Moral, gemeint war die -moeglichst hohe und kontinuierliche- Abgabentreue.
Der Schultheiß wurde aus dem jeweiligen Ort genommen, er musste relativ wohlhabend und gottesfuerchtig sein, kurz ein "geeignetes Subjekt" sein.
"Beisassen" waren Einwohner mit keinem oder geringem Grundbesitz, also Tageloehner und Handwerker.
(Im Gegensatz zu Lehen - Nutzern)

1615-17 begehrten die Unterthanen gegen den Landesherrn Graf Christian von Wied-Runkel auf,
der Kriegssteuern noch lange nach dem Friedensschluss erhob und nicht davon abruecken wollte,
sowie Wachdienste aus dem 30j. Krieg, die immer noch getan werden mussten.
Der Lebensstil der damaligen Herren war noch prunksuechtiger, als das heute wieder bei den Obrigen zu sehen ist-
das brachte Schulden, deren Begleichung immer schwieriger wurde - so ersann jener die "Verehrungsgelder",
damit er die Zinsen seiner Schulden begleichen konnte..
Des oefteren musste das Volk anruecken, nachdem der von den Bewohnern beauftragte Notar mit der Bitte um Aufhebung
dieser Steuern vorgeschickt und als Rebell und Aufruehrer wohl gerade noch zurueckweichen konnte..
Der Graf gab sich danach ein wenig kompromissbereit, in dem er den Fronleistenden wenigstens Essen und Trinken reichen wollte!
Zwei Landsleute wurden damals gefangen genommen und blieben lange in Haft.

Weinbach weigerte sich fuer den Erhalt der Kirche lohnfreie Fuhren an Bauholz und fuer Steine zu leisten,
die damals von den Herrn angeordnet wurden, - der ganze Glauben war von oben bestimmt.
Im Streit mit dem Amt Weilburg (Nassauer Grafen) wurden die Ortsvorsteher vorgeladen-
was aber zu keiner Einigung fuehrte. Die Weinbacher wollten vom Kirchenzehnten fuer ihre Arbeit bezahlt werden,
der schliesslich aus ihrem eigenen Saeckel kam- waehrend Weilburg diesen einstecken wollte.
In dieser Sache schickte Weilburg einen Trupp Soldaten, die den Ort zusammenriefen und warnten-
so kam es letztlich zur Pfaendung von 25 Kuehen und Kaelbern, die auf dem Weilburger Marktplatz versteigert wurden.
Das Reichskammergericht zu Wetzlar wurde angerufen und so wurde entschieden,
dass nochmal verhandelt werden solle- was aber wohl nie geschah.

Die manigfaltigen Kriegskosten der Jahre 1792-1815, haben die Orte verarmt und mit hohen Schulden zurueckgelassen.
Wie im ersten Teil dieser Seite berichtet, mussten Truppen versorgt werden, die sich einfach einquartiert haben.
Typhus war der traurige Schussakkord dieser Epoche, wie in vielen Orten und Staedten.

Die Verwaltungsreform von 1816 traf die Gemeinden mit neuen Kosten,
Jede kleine Ortschaft musste nun fuer die Besoldung des Schultheissen, dem Gemeinderechner,
dem Gemeindediener, Lehrer, Foerster, Feldschuetzen, Tag,- und Nachtwaechter, Wegeaufseher, Hebammen
und Leichenbeschauer, sowie die Pensionen mit den Witwenversorgungen aus der Gemeindekasse aufkommen.
Weiterhin fuer die Schulgebaeude und die Armenunterstuetzung..
Das lies freilich die Orte ein wenig zusammenwachsen, was bereits in den Kirchspielen zusammengelegt war.
Spaeter folgten Wasserleitungen, was nicht unerhebliche Kosten brachte.

Die Armen erhielten Hilfen nach 4 graduellen Einstufungen der Beduerftigkeit.
Diese Reform bedeutete auch das Aus fuer "Beisassen und Heppen".

Die erste Haelfte des 19.Jhds brachte Missernten, die auch die Armenfonds dramatisch in Gefahr brachten.
Es wird von Tageloehnern berichtet, die weniger verdienten, als die Familie als notwendigste Nahrung brauchte.
Immerhin waren in Weinbach 21 Familien von der Armenunterstuetzung abhaengig.
In Edelsberg musste der Pfarrer 6 von 12 bettelarmen, ueberschuldeten Familien auswaehlen,
weil die Mittel des Fonds nicht ausreichten.
Die herrschaftliche Nadelfabrik zahlte die alten Loehne weiter, die vor den Reformen galten-
so gerieten viele in den Strudel der Ueberschuldung.
Noch schlimmer ging es den bereits schon zuvor armen Westerwaldgemeinden,
die Spendenaufrufe im ganzen Gebiet streuten - unsere kleinen Taunusgemeinden sahen sich ausser Stande zu spenden.
Die Schultheissen von Graeveneck und Freienfels berichteten, dass "niemand mehr fuer den Westerwald steuern wolle,
weil das Herumgehen der armen Leute so haeufig ist und ihnen auch selbst an Naturalien fehlt"
Eine ganze Reihe an Missernten peitschte die Lebensmittelpreise nach oben-
gekroent von der Kartoffelfaeule, die vielerorts die wichtigste Quelle der Ernaehrung wegbrechen lies.
In der Not mussten die "Domanialspeicher" zur Verabreichung an "Brotfruechten" (Getreide) herangezogen werden.
1847 wurden ueberall "Suppenanstalten" eingerichtet um dem Hunger zu entgegnen.
1848/49 folgte die Revolution zum Verfassungsstaat.
Die Widernisse dieser Zeit zeigen, wie brandgefaehrlich Politik ist, wie irrwitzig Demokratie sein kann,
wenn diese erst einmal geuebt werden muss- heute zeigen sich laengst Auswuechse der Gewogenheiten,
damals fing das Misstrauen gegeneinander mit Ausgrenzungen und Fanatismus an.
Waehrend 1850 die Zehntabloesung - die Hauptforderung der Landbevoelkerung - kam, wurden alle Kosten auf die Gemeinden uebertragen.
So gelangten die Buergermeister in staerkere Verantwortung als Staatsbeamte,
der dann nicht mehr auf Lebenszeit berufen wurde, wie in frueheren Zeiten.
Die Gemeinderaete wurden nach dem Dreiklassenwahlrecht,
bei dem die steuerpflichtige Buergerschaft in drei Abteilungen eingeteilt wurde, gewaehlt.
(Ein durchaus logisches Modell, wenn man die Kommentare der Leute im Internet betrachtet, die zu Zeitfragen kommen..)
Der "groesste Sohn der Gemeinde Weinbach" wurde vom gluehenden Verfechter der Demokratie
ueber den Retter der Arbeiter zum Kommunisten, der wohl wegen seiner Aufdringlichkeit ueberall verfolgt wurde.
Die Leidenschaft fuer die Politik war ihm wichtiger als seine eigene Familie- seine Frau verstarb, waehrend er wieder einmal in Haft war..
Ohne das Geld seines Vater, der in Familientradition Pfarrer war, haette Karl Schapper diese politischen Reisen kaum machen koennen.
Seine groesste "Kopfgeburt war wohl die Sozialdemokratie, die er mit einigen Genossen der damaligen Zeit ausheckte.
Der an sich volksnahe Gedanke setzte allerdings Wissen und Interesse der Bevoelkerung voraus,
dann Politiker, die sich an die Regeln hielten- was beides auch heute noch eine Utopie ist,
die von der Globalisierung und Europaeisierung torpetiert wird:
Wir sind keine Insel, Menschen werden heute von der Wirtschaft als "Humankapital" angesehen oder schlimmer noch,
als notwendiges Uebel, das man reduzieren muss- wogegen die Manager und Geldgeber immer mehr vom Kuchen bekommen..

In den Jahren von 1820-1914 wanderten 5 Millionen Deutsche nach Amerika aus - aus unseren Gemeinden jedoch wenige.
Eine reichhaltige Korrespondenz verband den 1848 nach den USA ausgewanderten Johann Christian Lenz,
Sohn eines Kuhhirten, der nach dem Tod seiner Eltern
bei fremden Leuten in Kost in der Fremde in Kost gehen musste, mit seinem Bruder in Graeveneck.
So wurden die Lebensumstaende der Auswanderer publik, deren Stimmungen und Entwicklungen.

Durch den Niedergang des vielfaeltigen heimischen Bergbaus kam danach eine grosse Wanderung innerhalb unseres Landes in die Industriezentren.

Zu Beginn des 20.Jhds wurden in den meisten Doerfern Rinnsteine und Abwasser-Abfuehrungen gebaut,
sowie die regelmaessige postalische Versorgung aufgebaut - und seltsame Vereine in Mengen gegruendet..

Die Furten unter und oberhalb des Dorfes Graeveneck verband die Hessenstrasse mit der Runkeler Strasse
und sie waren Zugang zu den jenseits der Lahn gelegenen Wiesen.
Der Bau der Eisenbahn und die Schiffbarmachung (Wehre und Schleusen) erhoehten den Wasserstand,
so dass ein Durchfahren kaum mehr moeglich war- man trug das Heu auf dem Kopf an das andere Ufer..
Dann wurde die Fahrrinne ausgebaggert, damit die Erz-Schiffe fahren konnten-
das machte eine Bruecke noetig.

Die Entstehung und Auswirkungen der beiden Weltkriege erspare ich uns auf dieser Seite,
diese Fakten und Geschehnisse und Wiederaufbauzeiten sind im Geschichtsunterricht genuegend behandelt worden..

In diesen Zeiten buhlten Lutheraner, Baptisten, Reformierte, Katholische, Evangelische und Mennoiten -
sowie zig Klosterbruder- und Schwesternschaften um die Gunst der Maechtigen,
mit deren Hilfe sie ihr Heil unter die Leute verteilen konnten:
Die jeweilige "Lufthoheit" war das Ziel und die damit verbundenen Einnahmen.

Besonders saftig, bodenstaendig und volksnah erscheinen die Beitraege zur Kirchen- und Schul-Geschichte!

So manche Gemeinde zeigte an, dass sie zu arm sei und zum Unterhalt der Kirche nichts beitragen koenne,
da sie groesstenteils aus armen Bauern bestehen wuerde..
.. "die durch den herrschaftlichen Hof fast das ganze Jahr hindurch zum Herrendienst verpflichtet seien,
dass auch ueber einer nit in in unser Gemeindt ist, welcher von eiens Jahr zu dem anderen, biß ahn die Erndte,
sein notwendigeß Brodt habe, dann das Dorf sonsten ueber die Massen mit Paechten und Guelten beschweret ist"

Das religioese Leben war in den Jahren des 30j. Krieges arg zurueck gegangen.
1634 klagte man anlaesslich der Kirchenvisitation allenthalben ueber die Nachlaessigkeit der Bewohner.
So spuere man die Verachtung Goettliches Worts, da etliche die Sonntagspredigt versaeumten
und nur wenige auch die im Winter alltaeglich gehaltenen Betstunden besuchten.
Bei den fast alltaeglich stattfindenden Gemeindezusammenkuenften pflegten insbesondere in Weinbach
die Nachbarn zu zanken, wobei sehr viel geflucht wuerde..
Ausserdem gaeben die Branntweinbrenner, deren gab es zu dieser Zeit in der Gemeinde zwei,
grosse Ursache zur Entheiligung der Sonn- und Feiertage, da sie an diesen Tagen schon vor der Predigt
Branntwein verkauften, so dass einige erst gar nicht in die Kirche gingen und bey dem trungk sitz pleiben,
andere obgleich sie darauf in die Kirche gingen, dem Gottesdienst schlaeffrig beiwohnen.

Der Pfarrer Imgarten achtete offensichtlich sehr streng auf die Einhaltung der evangelischen Lehre,
wie seine staendigen Beschwerden und Anzeigen ueber auch nur minimalste katholische Regungen
in seinen Gemeinden zeigt.
So war in den meisten umliegenden Gemeinden Brauch, das aus katholischen Zeiten stammende Sternetragen
weiter zu betreiben, allerdings ohne das mit irgendeiner religioesen Bedeutung zu tun.
Die aelteren und juengeren Weinbacher Schulknaben traten um die Zeit des Dreikoenigstages
zu sogenannten Sterngesellschaften zusammen.
Drei als Weise aus dem Morgenland kostuemierte Jungen, einer trug eine lange Stange,
an deren Ende meist ein Stern angebracht war, so zogen sie, gefolgt von anderen Burschen
unter Absingen von geistlichen und eigens fuer diesen Zweck verfassten Lieder von Haus zu Haus und baten um Gaben.
Damit ausgeruestet, veranstalteten sie dann eine gemeinsame Feier, die wohl meistens in Gelage ausartete.
Der Pfarrer, der schon in den Jahren zuvor erfolglos dagegen sprach, warnte die Gemeinde von der Kanzel herab vor solchen Umtrieben.
(Daher auch das Wort "abkanzeln")
Er erlangte eine Eingabe beim Konsistorium am 7.1.1711 und forderte die Aufhebung dieses aergerlichen Spasses,
der wegen der anstoeßigen Schmausereien bei den erlangten Eiern, Wuersten, Fleisch
und Kuchenstuecken mit dem viehischen Vollsaufen nicht mehr als Ergoetzlichkeit zu betrachten sei.
Die Jugend sei durch verschiedene Doerfer gezogen und haetten randaliert, seien von den Bewohnern mit Schlaegen empfangen worden,
haetten sich auf dem Fuerfurter Hof derart begossen,
dass einige den Sonntagsgottesdienst nicht haetten besuchen koennen.
Obwohl der Pfarrer mit einer Klage drohte, brachten sie in der folgenden Nacht einen Stern vor dem Pfarrhaus an..

Der spaetere Pfarrer Heß fuehrte aus - die Gemeinde Sinnes worden mit Zusetzung einer freywilligen Gabe eine Orgel
nebst einer Buehne aufzurichten, dadurch sodann besagter Gemeinde Platz gemacht,
und zugleich auch ihren bißherigen landkuendig miserablen Gesang koente abgeholfen werden.
Irgendwie wurde der Riss im Kirchturm immer breiter, 2 biß 3 Schuh breit gantz herauß begeben,
was auch geschah - am 14. April gab es einen "starcken Krach" und das Ding fiel um..

Die Schulgeschichte ging mit der Reformation einher.
Auch hier gab es boese Stories, die lesenswert sind!

In Elkerhausen bemerkte Pfarrer Wuestenfeld im Jahr 1771:
"Mueßte kuenftig den Sommer durch ebenfalß 1. od. 2. Stunden Schul gehalten werden,
damit die Kinder immer in der Uebung bleiben, und also nichts verlerneten,
im Gegentheil bestaendig zunehmen koenten.
Welches weiter den Nutzen haette, dass die Kinder in der bestaendigen Zucht waeren,
und nicht wie bißher geschiehet, ohne Aufsicht des Schulmeisters roh und wild aufwachsen.

Gegenstaende des Schulunterrichts waren Lesen, Schreiben, die ersten Anfaenge des Christentums und Rechnen,
dieses so weit wie moeglich, wenigstens bis zum Numeriren."
Die Lehrer an den Dorfschulen des 18.Jhds waren in der Regel keine ausgebildeten Paedagogen.
Sie hatten selbst nur eine beduerftige Bildung und gingen neben ihrer Lehrtaetigkeit noch einem anderen Broterwerb nach.
Die Besoldung setzte sich aus Schulgeld (von den Eltern der Schueler), den Akzidentien und aus Naturalien, wo auch Holzlieferungen angehoerten,
an der Schueler - bzw. Einwohnerzahl angepasst.
Diese "Akzidentien" umfassten Geld- und Nauralzahlungen fuer die von den Lehrern bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen zu verrichtenden Taetigkeiten.
Das Gloeckneramt und das Vorsingen gehoerten oft auch noch zu den Dingen, die ein Lehrer tun durfte -
so verwundert nicht, dass diese der Einfuehrung der Sommerschulen ebenso Widerstaende entgegenbrachten,
wie die Eltern, die auf die Arbeit ihrer Kinder auf dem Feld z.T. angewiesen waren.
(jeder musste mit anpacken, "Kinderarbeit" war unbekannt)

Von der Visitation des Unterrichtes 1799:
"Die Schulkinder zu Blessenbach - diejenigen ausgenommen, welche durch vieles Bettelgehen die Schule versaeumt haben,
-buchstabieren und lesen ziemlich gut.
Rechenkunst ist zu Blessenbach fremd.
Schulmeister Praetorius bemerkte jedoch, dass etliche der Kinder bereits angefangen haetten, Zinsen zu lernen."

1882 wurde der selben Schule ein weniger guenstiges Zeugnis ausgestellt:
"Was den Stand der Schule betrifft, so ist dieser ein durchaus geringer.
Die groeßte Haelfte der Schueler ist in fast allen Unterrichtsgegenstaenden wenig zu Hause.
Der Hauptgrund dieses Uebels ist wohl in der starken Schule und dem sehr geringen Interesse der Eltern fuer dieselbe zu suchen"

Nach dem Einsparen einer 2. Lehrstelle 1897 :
"Was das geringe Interesse der hiesigen Buergerschaft an Schule und Schularbeit und den Charakter einer Bergwerksbevoelkerung kennt,
wird begreifen, dass dieses Unterrichtssystem fuer Blessenbach ein geradezu unglueckliches zu nennen ist."

1780 schrieb der Edelsberger Pfarrer Schramm an den Superindendenten zu Weilburg:
"In der dasig kleinen Schulstube befinden sich 60 Kinder, Bett und Werkstaette des Schuldieners, der selbsten eine Familie von zehn Personen hat.
Es ist also ein solches Gedraenge und Dunst in dieser Stube, dass ich unmoeglich laenger als eine halbe Stunde darin aushalten kann"

1834 beschrieb Regierungsrat Pagenstecher das Gebaeude folgendermaßen:
"Das bisherige Schulhaus zu Edelsberg besteht aus einem ganz kleinen Gebaeude von zwey kleinen Stuebchen und einem kleinen Staellchen.
Beide Gebaeude sind sehr baufaellig vorzueglich das Letztere.
Die Schulstube ist in einem besonderen Zimmer oberhab dem Backhaus, beschraenkt und niedrig."

1746 in Elkerhausen:
Die Schule befand sich mit dem Backhaus in einem Gebaeude unmittelbar in der Naehe der Kirche.
In dem einzigen engen Raum ueber dem Backofen befand sich die Schulstube.
Sie war zugleich auch Wohn- und Schlafraum fuer den Lehrer und seine Familie, wie Pfarrer Wuestenfeld 1766 ausfuehrte:
"Dann wann des Schulmeisters Bett, Wiege, tisch und Baenk abziehe, so bleibet nicht ueber etliche Schuh breit Platz in der Stube, nicht zu gedencken des Gestanckes,
der in einer so engen Stube bey so vielen Kindern entstehen muß.
Muß sich außerdem die Schulmeisterin mit ihren 3 Kindern, davon das juengste noch in der Wiege lieget,
in den Schul-Stunden in der nehmliche Stube aufhalten, so ist leicht zu gedencken,
wie durch das Schreyen ihrer kleinen Kinder oder Zuspruch anderer Weiber, die Schulkinder beym Lernen die groeßte Stoerung bekommen"

Das Schulhaus zu Elkerhausen, dessen Schwellen im Koth liegen, die Stuben zu klein sind
und das ueberhaupt eine starcke Baureparatur bis zum Dachwerk sehr bedarf,
moechte die Gemeinde dermalen in tauglichen, bewohnbaren Stand stellen..

1843 ergab sich fuer Elkerhausen eine Hofreite von der Witwe des Nadelfabrikanten zu kaufen und diese zur Schule umzubauen.
In einer Eingabe beim Amt begruendet man folgendermaßen:
"Allein Armuth unserer kleinen schwachen und nahmentlich nur mit geringem Zugvieh versehenen Gemeinde,
Mangel an den noethigen Baumaterialien, allzugroße Entlegenheit derselben vom Orte,
sehr große Schwierigkeiten der Gewinnung eines entsprechenden Bauplatzes sind und bleiben die Hindernisse
einer Bauausfuehrung worauf wir wenigstens 3-4 Jahre verwenden mueßten.
Besonders erdrueckend fuer unsere arme Gemeinde sind die Bauausfuehrung unter den jetzigen in Folge kaum ueberstandenen Theuerung
aus des vorjaehrigen Mißwachses noch leider zu fuehlbaren Entkraeftigung, in dem wir zu arm sind,
alles was der Bau verlangt, namentlich die Beifuhr zu bezahlen, und anderseits mit unserem kraftlosen Vieh solche noch weniger leisten koennen.
womit wir unser Feld zu bebauen kaum im Stande sind."

Im Januar 1670 beschwerten sich die Gemeinden Hirschhausen und Freienfels, daß der Pfarrer zu Kubach
"uffs schaerffste treybet, daß die nagtborn zu Hirschhausen und Freyenfels ihre Kuendter der mancher 4,5 und 6 hat,
ohne einigeß einwenden, sie seyen auch so jung alß sie wolten. Es sey kalt, schnee oder wetter wie es wolle
zur Schull schuecken, und von Jedem ein fl. Schullgelt ihme geben wollen, welcheß aber sehr beschwerlich,
darbey Eine groß gefahr und Sorge, und all zu kostbahr were, welcheß die Leuth nigt ufbringen und auch deß Sommerß
der großen Kindter in der arbeith nigt Entbehhren und deß wuendterß bey der gleichen Wetter die kleinen nicht ueber felt
durch schnee und andteß ohne Leibßgefahr schuecken koenne.
Die Gemeinden forderten daher, daß hierinnen muß zu halten sey und der Pfarrer der armen Leuth noth ansehe
und ein ertraegliches zu Lohn nehmen moege."
Pfarrer Johann David Heyll sah das freilich anders. Seine Strenge begruendete er mit den Spinnstuben in Kubach
"darinnen Weiber, Maegde und Kinder, Maenner und junge Gesellen sich zusammen gerottet,
unnuetze schaendliche Lieder gesungen, der Karten gespielet, und zweifels ohne anderen muthwillen mehr veruebet,
schließlich sich die Maegde nicht gescheut haetten, die Lieder auch auf der Straße zu singen,
wodurch es die Kinder gelernt und selbst in der Schule mit großem aergernuß abgesungen haetten"

(Freilich war nur jenes Liedgut gesund fuer die Leute, das von der Kirche kam, die Versammlung darin ist keine Zusammenrottung, und nuetzlich das Treiben der Pfarrer.. )

Ein in Kubach geborener Maurermeister besuchte ein viertel Jahr die Rechen- und Schreibstunde des Weilburger Kantors, dann wurde er als Lehrer eingesetzt.
Der Superindendent stellte ihm und seiner neun Knaben und zehn Maedchen umfassenden Schule nach einer Visitation im Jahre 1803 ein durchaus
positives Zeugnis aus: "Schulmeister Schmidt, ein wegen seiner Diensttreue schon bekannter Mann, der, ob er gleich nur das Maurerhandwerk erlernt hatte,
doch durch Geduld und Fleiß selbst noch ziemlich gute Kenntnisse gesammelt und zugleich Geschicklichkeit im Unterrichte
erlangt hatte.
Er schreibt schlecht, daher fehlt es hierin auch bey den Schuelern, sowie er auch nur bey dem Anfangsgrunde
des Rechnens stehen bleiben muß. Den Schultheiß sah ich bey dem Examen vor Freude weinen!"

Bis in das Jahr 1876 besuchten die schulpflichtigen Kinder der Fuerfurter Hoefe die Schule in Elkerhausen.
Da der Weg nach Elkerhausen, fuer den die Kinder eine gute Stunde benoetigten, vor allem bei Regen und Schnee
nur schwer zu bewaeltigen war und die Kinder in diesen Zeiten haeufig voellig durchnaeßt
und verfroren ankamen, erreichten die Bewohner der Hoefe, daß die Kinder in Fuerfurt von dem Lehrer aus Falkenbach
gegen eine jaehrliche Verguetung von 200 Mark unterrichtet wurden.
So entstand im Maerz 1876 mit Zustimmung der Regierung in Wiesbaden die "Privat-Elementarschule"
in Fuerfurt, die in den folgenden Jahrzehnten eine ueberaus wechselhafte Entwicklung durchlief..

"Sterbefaelle, welche durch solchen Schulbesuch schon entstanden sind, koennen von hier aus angefuehrt werden"
Als die Kinder zwischenzeitlich wieder nach Elkerhausen zur Schule sollten, schrieb man 1913:
"..daß eine so weite Einschulung der Kinder fuer diese außer koerperlichen
und geistigen aus sittliche Gefahren in sich birgt"

Diesmal war der Superindendet in Graeveneck, nachdem er sich ueber die Weinbacher Verhaeltnisse beklagt hatte.
"Noch weitaus trauriger siehts hier in der 19 Knaben und 12 Maedchen starken Schule aus.
Ihr Lehrer und Schulmeister Fritz, ebenso geistlich als leibl. arm nd dabey kraencklich.
Schreiben und Rechnen werden sehr vernachlaessiget. Alles Denken ist aus der Schule verbannt"

Frueher war alles besser? Keinesfalls, wie ein Superindendent von der Visitation 1582 aus Weinbach berichtet:
"Hat es alhir keinen Schulmeister allein daß ich etwa Winters Zeit Knaben zu mir gehen laßen,
sie underweisen so viel, das sie mir und dem Gloeckner ein weinig koennen helffen singen,
und den anderen Kindern den Cathechismus Sonntags in der Kinderlehr koennen vorbeten, und die..
christliche Lehre sabt dem Buß-Spruch, den andern vorsprechen, und dem das ich von einem Jeden wenig Holtz bekomme"

Eine andere Visitation 1616 ergab das:
"..das die Nachtbarn, welche die Kinder umb geringes geldts willen, nicht zur Schule anhaltten,
1631 geriet der Pfarrer mit dem Schulmeister in Konflikt:
"Der Schulmeister ist ohn dass verwerfflich lengst geweßen, hab aber mit gedult zugeseh, mit glimpff verfahrn,
und auff besserung gehofft. Er hat ein Virrdthalb Jahr nicht wohl 1 Viertel Jahr Schul gehalen.
Niemands wil ihm Kind verwarten, weil er ist ein Zaucker, der die leut mit sauisch worth anfahret,
in die Kirch schlecht gesing helt, bisweilen einen gesang zum zweithemal anhebt."

Ueber Jahre klagte die Gemeinde Weinbach ueber den schlechten Kirchengesang,
so dass 1699 schliesslich der Schulmeister aus Elkerhausen die Sache uebernahm.
"Es gelang diesem jedoch nicht, die im Singen allerdings verderbte Jugend und Gemeinde durch das bloße
zusaetzliche Vorsingen alleine zu regieren, so daß man dies wieder aufgab"

1806 ergab die Visitation kein besseres Bild:
"Der junge Mann versaeumt offenbar seine Schule, wie fast jede Lection beweist.
Er ist ohne Methode und kann auch von seinem Pfarrer wenig Beystand erwarten.
Schnattern beym Recitieren. Ueberspringen mehrerer Sylben beym Lesen und Unwißenheit
der groeßten Schueler im 1 mal 1 zogen dem Schulmeister strengen Tadel zu."
In den 1820er Jahren zog der Lebenswandel des Lehrers immer mehr den Unwillen der Bevoelkerung auf sich.
Allzuhaeufig erschien er alkoholisiert im Unterricht oder musste den Unterricht wegen Trunkenheits ausfallen lassen.
Schließlich schnitt er im berauschten Zustand einem Maedchen die Haare ab.
1827 schrieb der Pfarrer: "Mein Gebet ist: Gott erbarme sich unserer Schule!"
Der Lehrer wurde irgendwann doch aus der Schule entfernt- eine Chronik hat er wohl nie geschrieben..
Der Nachfolger kommentierte das so: "Wie nicht anders zu erwarten, war die Schule in einem sehr erbaermlichen Zustand.
In dieser zahlreichen Schule waren wenige Kinder, welche ordentlich lesen, gar keine die nur irgend einen ordentlichen Begriff vom Rechtschreiben hatten, im Kopf zu rechnen, daran war nicht gedacht worden und das Wenige, was auf der Tafel gerechnet, war ganz grund- und bodenlos."

So ganz "ohne" waren die Lehrer -schon damals- auch in Graeveneck nicht, wie man lesen kann:
Ab 1701 wurden nacheinander ein paar Lehrer entfernt, einer davon wegen "unschicklichem Lebenswandel".

Das leidige Thema Religion wird immer wieder augenfaellig, wird es doch als Mittel zur Abschottung, Abgrenzung
und Durchsetzung einer gewissen Andersartigkeit missbraucht, was ein friedliches Miteinander erheblich erschwert..
"Die Judenordnungen und andere gesetzliche Normen der Neuzeit vereinheitlichen die frueheren individuellen Schutzbriefe und besserten so die Rechtsstellung der Juden, ohne aber grundsaetzlich den Status der Juden zu veraendern."
Wie allseits bekannt ist, durfen die Angehoerige dieser Religion nur bestimmte Berufe ausueben- Nothandel, Klein- und Hausierung, Leih- und Troedelhandel, aber auch das Metzgerhandwerk.
(Vermutlich alles Berufe, die keiner gerne machen wollte)
Erst die Schaffung der "Simultanschulen" 1817 ermoeglichte es den jued. Schuelern die kommunalen Volksschulen zu besuchen.
Dennoch war der Antisemitismus weder abzuschaffen noch zu mildern- er blieb von Anfang der Geschichte an haften bis zu den Greueltaten des 2. WK.
Woran lag das? Hier kann nur vermutet werden, dass deren Separatismus nicht ganz unschuldig ist.
Die Wertung der Geschichte ist noch lange nicht abgeschlossen - dafuer sind die Geschehnisse noch nicht lange genug in der Vergangenheit verschwunden, ist die ausbalancierte Neuzeit noch nicht lange genug dabei.
Als Faktum gilt, dass sich die Pfarrer der "christlichen" Gemeinden heftig am Aufstacheln hervortaten.

Spannend, dass 1841 die Juden auf obrigkeitliche Anordnung Familiennamen, die sie zuvor selten besessen haben, annehmen mussten-
so nannte sich in Blessenbach Mencke Jessel nun Halberstadt, Abraham Zadock nun Oppenheimer und Abraham Hirsch legte sich den Namen Zerf zu.
1933 kam die Machtergreifung der Nationalsozialisten und eine bis dato nur kleinraeumig bekannte Vernichtung alles Juedischen.
Auch hier wollen wir nicht vergessen, dass die christlichen Kirchen sich dem nicht entgegengestellt haben und wenigstens durch Untaetigkeit mitschuldig geworden sind.

Schnell wieder zurueck in die aelteren Epochen..
Die Boeden hatten alle unterschiedliche Ertragsfaehigkeiten, deshalb wurden die Aecker parzelliert, was eine Kleinraeumigkeit mit sich brachte.
(Spaetere Erbteilungen nochmals zusaetzlich)
Erschwerend war, dass keine Feldwege angelegt wurden, sondern die Ueberfahrt jeweils kurzfristig zu den noetigsten Arbeiten gestattet werden musste.
(Es wurde alles beweidet)
Der dreijaehrige Turnus der Feldarbeiten lief schematisch ausgedrueckt wie folgt ab:
Das Brachfeld wurde im Juni zum ersten Mal umgebrochen, um den durch das Vieh festgetretenen Boden zu lockern
und fuer die Aufnahme von Mist vorzubereiten.
Im August oder September pfluegte man zum zweiten Mal und saete anschliessend das Wintergetreide.
Im folgenden Jahr diente der gemaehte Acker bis in den Winter hinein als Stoppelweide und wurde im folgenden Fruehjahr
(Maerzen) wieder gepfluegt. Nun konnte die Saat des Sommergetreides erfolgen.
Nach jeder Ernte blieb das Feld bis zum Juni des naechsten Jahres liegen und nutzte es als Viehweide.
Roggen und Hafer waren bis zum 16. Jhd vorherrschend, dann folgte vermehrt die Aussaat von Weizen, seit Mitte des 18.Jhds. Kartoffeln und Gerste.

In unseren Orten wurde schon frueh Weinbau betrieben- 1540 sollen in Weinbach 12 Familien dergestalt beschaeftigt gewesen sein.
Sie lieferten 39 Ohm 11 Viertel in die Weilburger Kellerei als Pacht. (nur aus der Gemeinde Weinbach selbst)
Der liebe Graf zu Weilburg ersann in seiner unendlichen Guete einen Weinzoll (zusaetzlich), der aber von den betroffenen Gemeinden strikt abgelehnt wurde
- die Folge war, dass aus 9 Gemeinden gesamt 28 Kuehe gepfaendet wurden und weitere Viehpfaendungen angedroht wurden.
Die Gemeinden zogen vor das Reichskammergericht und haben wohl gewonnen- zumindest liest man nichts weiter darueber.
(Der Pfarrer aus Weinbach hatte zwei Weingaerten im Distrikt "Auf der Heybach" - ein frommer Mann: "Vergiss den Wein nicht, wo der doch zur Freude gemacht wurde"
http://libanon-wein.de/cms/front_content.php?idart=123 )
Der Weinbau ging waehrend des 30j. Krieges ueberall zurueck, mit Ausnahme von Elkerhausen wurde in unseren Ortschaften im 18.Jhd kein nennenswerter Weinbau mehr betrieben.
Die Sonderkultur neigte sich Mitte des 18.Jhds ihrem Ende entgegen.

Die Lage der Landwirtschaft und somit die der ganzen Bevoelkerung war in der Mitte des 18.Jhds sehr ernst.
Haeufig wurden die herrschaftlichen Speicherreserven beliehen, damit die Aussaat stattfinden konnte.
Der Futtermangel erlaubte nur eine geringe Vieh-Zahl, das verstaerkte die Notlage.
In dieser Zeit bemuehte sich die nassau-weilburgische Herrschaft den Kleeanbau und die Stallfuetterung einzufuehren,
um den Duenger- und Futtermangel auszugleichen. Die Bauern leisteten lange Zeit Widerstand gegen diese Neuerungen, weil dadurch die Schafhaltung begrenzt wurde.
Um 1777 wurde nunmehr Flachs und Hanf zusaetzlich angebaut, damit die Standbeine mehr waren und Missernten nicht mehr so schlimm trafen - das Garnspinnen wurde gefoerdert.

Das Thema "Zehnt" bedeutete, dass man den zehnten Teil des ROHERTRAGES und nicht den des Reinertrages abfuehren musste- das wirkte sich zuweilen besonders nachteilig aus.
(Schlechte Boeden erfordern mehr Aufwand, Duengung, Kalkung etc.)

Gespannfaehige Bauern im 16.Jhd, die Pferdeleute, leisteten eine bestimmte Anzahl an Tagen Frondienste- genau wie unbespannte Bauern, die Heppenleute.
In Elkerhausen waren das 18 Tage im Jahr, 9 Tage fuer den Edelmann und 9 Tage fuer den Paechter der Staatsdomaine.
Als zusaetzlich zum Handfronen, wie Kornschneiden aufgerufen wurde und man sich weigerte, pfaendete der Schultheiß im Namen der Freifrau von Klueppel eine Kuh und von einem anderen Bauern ein Rind.
(Kein Wunder, dass, wenn man heute die alten Adelsbezeichnungen liest, Vorbehalte kommen)

1851 kam das "Stockbuchgesetz", ganz dicke Waelzer, in welchen alles Land, Gemarkungsnamen, Besitzer, Paechter und Gueten notiert waren. Ebenso wie die Abloesesummen von der Pacht oder Fron, die in bar zu entrichten waren und zu hohen Schulden bei den Betroffenen gefuehrt haben. (14-18facher durchschnittlicher Jahresertrag)
In dieser Zeit warb der Graf im Elsaß Mennoniten an, die nun die Staatdomainen mit neuen Ideen bereicherten und den heimischen Landwirten ein wenig Vorbildfunktion sein sollten. (Je mehr Ertrag erwirtschaftet wurde, um so besser ging es dem Grafen)

1747 musste von den Bauern der Orte Graeveneck, Weinbach, Freienfels und Kirschofen 1200 Tage !
Fron auf dem Hofgut der Brendel zu Graeveneck geleistet werden, die diesen Hof in Pacht von den Weilburger Grafen hatten.
Die kleinen eigenen Parzellen wurden freilich in dieser Dienstleistungszeit vernachlaessigt.
Von 209 Morgen wuchs dieser Domainenhof unter den Mennoniten, die der Fuerst aus dem Elsaß angeworben hatte,
um die Neuerungen dieser Volksgruppe, die der Landwirtschaft sehr versiert waren- vorbildhaft auf die heimischen Bauern wirken sollte.
So wuchs der Hof von 209 auf 405 Morgen an.
Der zwingend noetige Neuaufbau des baufaelligen Domainenhofes wurde mit den Steinen der nicht mehr benoetigten Burg getan.
Interessant war, dass auf dem Hof schon frueh Branntwein gemacht und Bier gebraut wurde.
1786 bestand das Dorf Graeveneck aus gerade mal 12 Familien!
Erst 1811 bekam die Gemeinde den Hof in die Haende, so hatte die Anbau-Flaechen-Not ein Ende,
die vielen Frontage fielen weg- dafuer kam eine hohe Pacht an das Grafenhaus, wie in vielen Orten jener Zeit.

Eine Episode aus dieser Zeit von Hoerderhof bei Blessenbach:
Das Scheibenschießen kam auf - der Oberfoerster Andree untersagte dies,
da es zu allerlei Unfug fuehren koenne..
Der Schultheiß erreichte beim herzoeglichen Amt Runkel eine Erlaubnis.
Der Oberfoerster wandte sich ebenfalls dorthin, fuehrte in seiner Einrede von 1833 an,
dass der Hoerderhofmann wegen gefaehrlichen Jagdverbrechens bestraft worden und einige aus dem Ort wegen Wilddiebereien in Untersuchung gewesen seien.
Vor allem Schieferkaeutner (Arbeiter in den Schiefertagebauen) aus der Langhecke uebten das Scheibenschießen auf dem Hoerderhof aus,
"den nicht wohl das Schiessen zu erlauben steht, und dieses bei solcher Classe zu Wilddieberei und haeuslicher Arbeitsversaeumnis anlaß gibt"
(Ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte)
Die Brennerei auf diesem Hoerderhof war fuer guten Kornschnaps bekannt - so zogen allsonntaglich die Maenner aus Blessenbach dort hin-
so dass der Pfarrer in Wort und Schrift gegen die Schnapssauferei zu Felde zog.

Selbstredend waren saemtliche Teiche und Weier mit Fischen fuer den Fuersten bestueckt- nicht etwa zum Wohle der Einwohner ;)

Bei Fronfahrten mussten schon mal Muehlsteine aus Frankfurt oder Limburg geholt werden- das hat der Fuerst nicht etwa selbst bezahlt,
obwohl es "seine" Muehle war, die repariert werden musste, die zudem noch einen "Muehlenbann" besaß,
dh. alle rundum mussten dort mahlen lassen, egal welchen Preis der Mueller nahm um die Pacht an den Edelmann bezahlen zu koennen..

Verbreitet war als baeuerliches Nebengewerbe die Leinweberei, Flachs gedieh am besten auf Lehm- und Sandboeden, er benoetigte wenig Waerme,
aber viel Feuchtigkeit, so dass sich der hiesige Raum durchaus fuer den Flachsanbau eignete.
Leineweber hatten kein hohes Ansehen, sie waren aber bereits frueh (wie die Schmiede) in Zuenften organisiert.
Erst durch den Konkurrenzdruck der Baumwollindustrie erlosch dieses Handwerk.
(Wer aber noch das echte, handgewebte Linnen kannte, weiss es zu schaetzen.)
Wirte namen einen guten Platz im laendlichen Raum ein, ein geselliger Ort zu den Zeiten, als es noch kein Fernsehen und keinen Rundfunk gab.
Ausgeschenkt wurde bis in die fruehe Neuzeit ueberwiegend Wein, - zuvor musste jedoch Branntwein verkauft werden,
weil der Fuerst an diesem Monopol mehr verdiente..
Vor 1762 wurde dann bereits Bier gebraut- ueberall entstanden kleine Brauhaeuser, Brennereien sind seit 1613 nachgewiesen.

Zu den Muehlen darf geschrieben sein, dass doch viele zu wenig Wasser hatten, um wirklich rentabel arbeiten zu koennen.
Die herzoegliche Rezeptur hatte einen erfahrenen Beamten, der wissen wollte, dass 9/10 aller Mueller ueber Wassermangel klagen,
sobald es sich um Festsetzung der zu entrichtenden oeffentlichen Abgaben handelt, waehrend Ueberfluß an Wasser vorhanden ist,
wenn eine Muehle zum Verkauf angeboten wird. (Es gab auch genug private)

In dem Ort Kleinweinbach gab es nicht nur sehr guten Dachschiefer im Tagebau, sondern auch eine Silberschmelze.
Ein weiterer guter Arbeitgeber war die Nadelfabrik in Elkerhausen (alle Arten an Nadeln fuer private und industrielle Ansprueche),
die von der nassauisch weilburgerischen Regierung an Land gezogen worden war, um der schlimmen Arbeitslosigkeit der Beisassen nachzukommen-
diese wurde in das ehemalige Knueppelche Burganwesen einquartiert, das die Fabrik spaeter erwarb.
Nach dem Tod des Betreibers geriet diese Einkommensquelle unter die Raeder.

Zu den damaligen Einkommensquellen zaehlte auch die Kalkbrennerei-
im ganzen Lahngbiet, am meisten unterhalb von Diez
und oberhalb von Wetzlar, tratem in grossen Mengen mitteldevonische Kalksteine zu Tage.
So manche Flurbezeichnung laesst die Kalkbrenneroefen noch erahnen.
Zur Duengung der Felder, aber auch fuer Bauzwecke wurde Kalk gebrannt.
Zuweilen brannten diese Kalkoefen auch Ziegelsteine und Dachziegel.

Der Bergbau bezog sich auf den Abbau von Manganerz, Schiefer, Eisen, Blei und Silber, Kupfer und Phosphorit.
Vom einfachsten Schuef-Tagebau bis 220mtr tiefe Stollen, war alles vertreten.
Stark vereinfacht stellen wir uns Silberschmelzen so vor:
Aus silberhaltigen Kupfererzen gewann man nach mehreren Roest- und Schmelzprozessen Schwarzkupfer,
das anschliessend mit Blei gefrischt Reichblei ergab, das wiederum durch Abtreiben in einem Treibofen Blicksilber ergab.
Besondere Bedeutung hatte z.B. die Kleinweinbacher Silberschmelze 1749-1750
mit der Ausbeute fuer die Weilburger Muenze,
die dadurch einen Aufschwung erlebte. Ausbeutegulden mit entsprechender Praegung wurden damit hergestellt.
Der schon erwaehnte hochwertige Dachschiefer konnte an der Oberflaeche abgebaut werden, in Gruben jedoch in wertigerer Qualitaet.
Fuer Daecher und ganze Fassanden verwendet, wurde er bis nach Sueddeutschlang, in den Elsaß, nach Westfalen und Berlin geliefert.
Der Phophoritbergbau "Staffelit", nach dem Ort an der Lahn bezeichnet,
wurde von Ton und Lehm oder Kies ueberdeckt im
im mitteldevonischen Kalk in oberflaechennahen Vertiefungen, Schlotten und Orgeln gefunden.
In geringeren Mengen an vielen anderen Orten an der weiteren Lahnstrecke.
In Fuerfurt gruendete man deshalb eine Chemische Fabrik, wo Duenger hergestellt wurde.
Man sagt, die Vorkommen seien damals fast restlos abgebaut worden, was bei den Eisenerzvorkommen eher nicht der Fall
gewesen sein soll. (In Georg Josef bei Graeveneck vermutet man noch 500.000 Tonnen Eisenstein)
Wie ueberall, war die billige auslaendische Konkurrenz maßgeblich fuer die Einstellung der Grubentaetigkeiten.
Dieses Material ging ueber Seilbahnen nach Fuerfurt zur Muehle am Wehr,
wo im Laufe der Jahre eine Fabrik aufgebaut wurde,
die bis zu 400 Menschen beschaeftigte.
Nicht nur fuer den heimischen Raum wurde hier produziert- der Duenger ging auch in ferne Laender.
Als das Thomasverfahren in der Stahlherstellung eingefuehrt wurde, fielen phosphathaltige Schlacke in Mengen an,
die dann gemahlen als Thomasmehl einen vorzueglichen Duenger abgaben und die Tagebaue ueberfluessig machte,
die sowieso schon fast ausgebeutet waren. In ebendieser Fabrik des Heinrich Albert entstand eine Grossversuchsanlage zu elektrolytischen Gewinnung von Zink,
das weltweit einzigartig war. Anschliessend wurden hier Zinkweiss-Farben hergestellt,
das Werk bestand von 1869 bis ca 1930 .
In Weinbach stand ein grosser Kalkbrenn-Ofen, der aus den nahen Steinbruechen gespeist wurde.

Das Staedtchen Runkel an der Lahn war einem Heimatforscher ein Buch wert-
bei den Recherchen im Staatsarchiv bekam er die Bemerkung zu hoeren: !Ja, wissen sie denn auch, dass das eine Lebensaufgabe ist?"
(Er entgegnete "dennoch!" Fast vierzig Jahre sind seitdem dahingegangen, so resuemiert er weiter..)
Die Forscherarbeit fuehrte gleich in 4 grosse Archive: Wiesbaden, Koblenz,
das Fuerstlich Wiedsche Archiv zu Neuwied und die Restbestaende in Runkel selbst.

Wie das so mit den alten Chroniken ist, handeln die meisten Ruhmestaten von den Fuersten und Maechtigen,
ganz selten von den kleinen Leuten oder den normalen Buergern.
Die Spreu vom Weizen zu trennen und zwar diesmal anders herum, ist mir eine Aufgabe wert gewesen..

Heimat, von Felix Dahn.

Den Raum, wo du gewachsen bist, den halte hoch und wert:
O Heil dem Mann, der wohnen kann, wo seine Wiege stand;
da sieht ihn alles freundlich an, was ihn als Kind gekannt.
Das Bruennlein und der Gartenzaun, der Nußbaum auf dem Plan
mit treuen Augen auf ihn schaun, als alten Spielkumpan.
Hausgeister huepfen rings um ihn, sein Schutzgeleit zu sein,
und jede Straße grueßet ihn, ihm redet jeder Stein.
Und wem die Welt ins Herz gezielt - Heil, wer nach Haus entrann;
die Scholle, drauf das Kind gespielt, sie heilt den wunden Mann.

Ein alter Tuerspruch aus Runkel:
NISI DOMINUS CUSTODIERIT DOMUM - FRUSTRA VIGILAT QVI CUSTODIT EAM
PS 127 V II
Johann Georg Dambach vnd Anna Margareta Ehelevt AO 1707

http://www.bibleserver.com/text/LUT/Psalm127,2
So hat es der Verfasser des Buches als Uebersetzung angenommen.
Der Sinn erschliesst sich mir aus der Majuskelzeile eher nicht;
Nicht wacht ueber dieses Haus ausser dem Herrn, vergeblich tut, wer es dennoch bewacht.
(Woertlich: Nichts ausser Herr wachen wird Haus - vergeblich wacht wer bewacht dies)
So haette ich das gelesen. Da aber der Psalmtext dabei stand, wird wohl der Auftraggeber der Inschrift geirrt haben.

"Sie vernahmen 1598 das Jammern und Klagen des Clesen Peter hand von Hasselbach, der ungluecklichen Opfer ehemaliger kleinstaatlicher Vergeltungsweise. Sie waren Zeugen der Leiden von fast einem Dutzend bedauernswerter Frauen aus dem Runkelischen, die in den Jahren als 1649-52 dem Hexenwahn ihrer Zeit zum Opfer fielen. Hier saß 1670 ein Mueller von Limburg als Untersuchungsgefangener, der einen Muellergesellen von Runkel erstochen hatte, aber mit Hilfe eines Seils entkam. Mit diesen duesteren Mauern mußte im Februar 1703 auch der Pfarrer Johann Nikolaus Duill von Wolfenhausen, ein eifriger Pietist, fuer einige Zeit Bekanntschaft machen. Klaegliche Hilferufe drangen durch die Maueroeffnung dieses Raumes in die Stille der Nacht zum 23. Oktober 1765. Die Rufe kamen von einem Gefangenen aus Blessenbach, der - wer weiß aus welchen Gruenden - das Stroh seines Lagers angezuendet hatte und in dem sich entwickelnden Rauch elendiglich erstickte"

Robert Reinick laesst ahnen, wie damals empfunden worden sein muss:

Seh ich Truemmer ragen,
Hoch am Felsenrand,
Traeum ich von den Tagen,
Wo die Burg hier stand.
Wo die Tuerme stiegen,
In die Luft so schlank,
Wo auf hohen Stiegen
Klirrt der Waffen Klang.
Wo die Hoerner schallten
Zu der lust'gen Jagd,
Wo die Fahnen wallten
Zu der wilden Schlacht.
Maenner sah man streiten
Hier mit Heldenmut,
Wilde rauhe Zeiten
Tobten hier in Wut.
Mag der Wind verwehen,
Was die Zeit entrafft!
Eines soll bestehen:
Deutsche Heldenkraft!

So gruselig sich das auch anliest, die Zeiten waren wohl so.

Der Name des Ortes Balduinstein mit der gleichnamigen Burg kommt durch den maechtigen Erzbischof Balduin von Trier.
http://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_von_Luxemburg

Auch gruselig- was?

Was frueher die Ritter waren, so sind das heute die Manager; ruecksichtslos,
selbstsuechtig und gierig ohne jemals satt zu werden,
missguenstig (sie goennen ihren Bediensten nicht das Schwarze unter dem Fingernagel..
Die Ritter suchten die Religion zur Gebietsvergroesserung oder fuer einen Pakt zu nutzen,
die Nachkommen heirateten so geschickt,
dass immer etwas Land dazu kam, die Rauflust der Ritter und Edelleute lies unablaessig nach Gruenden suchen,
um das Gebiet zu ueberfallen, das sich nicht der Ritterschaft oder einer Religion etc. angeschlossen und somit unangreifbar war.
So wurde auch schon mal ein 16,5 Jahre alter Braeutigam ausgesucht- auch wenn dieser "der Fette" genannt wurde.
Zimperlich waren die "Edelleute" nicht- mit einem Auge verstohlen - sehnsuechtig nach dem jungen Gaertner schauen,
aber niemals "unter Stand" heiraten. Die genaue Abschrift dieser Begebenheiten erspare ich uns.
Es ist nicht leicht, aus den Geschichtsbuechern die Schicksale der Gemeinen heraus zu filtern,
weil die Ueberlieferungen meistens Kriegsberichte und Schilderungen von Klerikern, Adeligen und Gebietsbesitzern sind.
Ab und an tauchen Urteile von Gerichten und Eintraege in Kirchenbuechern kleiner Pfarrer oder Grundbucheintragungen etc. auf, die einen Spalt breit Licht in das von mir gesuchte Dunkel scheinen laesst.

Vasallen der Willkuerherrschaft waren zu allen Zeiten der Glauben, die Schultheisse,
die Lehrerschaft und die Gerichtsbarkeit-
eine Fegmuehle, gegen die niemand etwas ausrichten konnte: Gerecht war, was aus deren Muender kam.
Ich koennte mir vorstellen, dass ein Fremder aus einem entfernten Gebiet, mit dem durch Kriege lange kein Kontakt bestand, sich locker als Graf oder Edelmann ausgeben gekonnt haette,
waere nur genug Geld dabei gewesen.
Mit diesem Einfallstor und dem entsprechenden Benehmen und Ausstattung haette jener geschwind eine Braut mit Besitz an Land gezogen und eine Dynastie gegruendet,
die sich mit schwungvollem Namen schmuecken und nach Belieben paktieren und agieren koennte..
(Es gab zwar Nachrichtenverbindungen - aber nicht ueberall hin, so waren eben mal ein paar Jahrzehnte "Funkstille",
wenn ein Gebiet von feindlichen Truppen besetzt galt.)
Diese Erkenntnis habe ich aus zig und zig Buechern der alten Tage gewonnen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Weilburg
Das Herrscherhaus hat sich mal eben so umbenannt und Nassau-Oranien daraus gemacht (Orange in Frankreich war diesen "zugefallen")-
Bischoefe bauten Burgen und waren keinen Deut besser in der Gier und Vernebelungstaktik-
Hauptsache der Besitz wurde vergroessert.
Selbstredend gehoerten den "Herren" automatisch das ganze Land um das Herrscherhaus herum- wenn nicht,
dann wurde getauscht oder zugeheiratet oder abgekauft oder erobert, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab.
Die Ausreden waren manigfaltig, unter dem Schutz des Kaisers war besonders gut verhandeln- die "Reichsunmittelbarkeit" war sehr begehrt.
Dabei braucht niemand zu denken, dass der Kaiser vom "Volk" oder gar aus der einfachen oder "besseren" Bevoelkerung gewaehlt worden waere- bewahre!

Allerlei "Reformatoren" sannen nach Gemeinsamkeiten mit den Maechtigen dieser Zeit, sie sprachen von "politisch-kirchlicher Umgestaltung".
So etwas haben die "Gruenen" in unserer Epoche aehnlich vor gehabt: "Austausch des Wahlvolkes" war da zu lesen !
Wie auch immer, es geht hier um die alten Tage unseres Landes:
1538 fanden sich zu Villmar als einem neutralen Ort Graf Kuno selbst und fuer den Kurfuersten zwei wiedische Amtsmaenner ein.
Die Streitpunkte waren Abgrenzung des Runkeler, Schadecker und Wenigenvillmarer Gebietes, gemeinsame Gerechtigkeit, (Gerichtsbarkeit)
Kirche, Born, Gericht und Viehtrieb, ferner Fischerei, Wasserzoll, Traenken und Waschen der Schafe in der Lahn,
Wehr und Bruecke, Staudhecke, Feld- und Waldschuetzen, Landwehr (Gebueck), Marktschlag, Grenzgang, nachbarliches Verhalten
der westerburgischen und runkelischen Untersassen, Pfandungen, schaedliche Wege, Ortsgerichtsentscheidungen.
Alles auf geduldigem Papier geschrieben und ins Reine gebracht.
Die neue Zeit hatte begonnen, das Zeitalter der Religionskaempfe, ausgeloest durch die Reformation.
Kaiser Karl V. suchte mit aller Macht den Religionsneuerungen Einhalt zu tun.
Wider ihn verbanden sich eine Anzahl protestantischer Fuersten.
Doch der 1546 ausgebrochene Schmalkaldische Krieg ging fuer sie ungluecklich aus.
Die schlummernde Zwietracht in Schadeck und Runkel ging jedoch eigene Wege..
Ein Opfer einer Fehde sollte der bejahrte Runkeler Schlosspfoertner Krehn werden.
Im Januar 1597 wurde er unterhalb des Wehrer Bergs auf einer Wiese von Schadeckern unter Fuehrung
des Schadecker Pfarrers (!) Engelhart Hammelius ergriffen und gefangen ins Schadecker Schloss gefuehrt.
Am 10. Februar verurteilte ein "zusammengestoppeltes und gekuppeltes" Gericht in der Viehhofscheuer
den Schlosspfoerdner wegen fuenferlei angeblicher Verbrechen zum Tode.
Gleich darauf wurde Krehn "stracks vor Augen beider Haeuser Runkel und Schadeck" enthauptet.
Seinen Leib begrub man unter einem eilig hergerichteten Galgen und setzte den Kopf oben auf diesen.
Graf Wilhelm und des Hingerichteten Witwe machten eine Klage gegen die graefichen Brueder Albrecht Philip und Johann Ludwig
von Leiningen-Westerburg, die gemeinsam regierten, beim Reichskammergericht angaengig.
Doch die Klage kam nicht zur Durchfuehrung, da beide Grafen im August innerhalb zweier Tage von der Pest hinweggerafft wurden.

Noch von einem anderen Opfer des typisch-kleinstaatlichen Nachbarschaftsgezaenks haben wir zu berichten, schreibt der Chronist.
Dabei kam es wohl nicht zu einem Blutvergiessen - im Spaetherbst 1598 lies der Graf Wilhelm als Vergeltungsmaßnahme
einen weilburgischen Untertan, den Hans von Hasselbach, gefangen nehmen und nach Runkel bringen,
als dieser zufaellig zu Gaudernbach auf runkelischem Boden "betroffen" wurde.
Nachdem Hans zunaechst sechs Wochen im Turmgefaengnis der Burg zugebracht hatte, fuehrte man ihn
"in ein ander bß hoch Gemach von dickern Mauern, die Schneiderey genannt".
Diesen Raum, auch 1612 erwaehnt, haben wir in einem der Schloßgebaeude zu suchen.
Da es Winterszeit war, hatte Hans mancherlei durch die Kaelte auszustehen.
Von Mitte Januar an blieb das bisher spaerlich gereichte Holz aus.
Was der unschuldig Gefangene zu trinken erhielt, fror ein!
Als Lager gab man ihm einen "Ziechen" mit Stroh. Bettzeug und Speisen, welche Hansens Frau brachte,
musste diese wieder mit nach Hause nehmen.
Da hans schließlich keinerlei Getraenk mehr erhielt, sammelte er "den Dachdriff von den Eyßzapfen durchs Gerembs"
(Fenstervorbau). Um Weihnachten stellte sich Fieber ein, das den Armen "des tags ueber zweymal geschutt".
Am 8. Maerz kam schließlich der graefliche Keller mit dem Runkeler Pfarrer zu Hans und brachten ihm eine Bruehe,
einen Becher Wein und ein "Hofbraetgen". Beide versprachen ihm, da er schwach sei, wollten sie sich bei dem Grafen dafuer verwenden,
daß er entlassen werde. Da geschah noch am gleichen Tage, allerdings nicht auf die Fuersprache des Kellers und Pfarrers hin,
sondern auf kaiserlichen Befehl, den Nassau-Weilburg erwirkt, und den ein Bote des Reichskammergerichts zu Speyer noch im Laufe des Nachmittags ueberbracht hatte.

"der Menschen Wahnwitz und Irrglaube beherrschte die Land mit vielen grausamsten Hexenprozessen"

Wie in anderen Laendern, so mehrte sich auch im Runkelischen die Not der Zeit mit ihren unertraeglichen Lasen die Unzufriedenheit der Untertanen
und fuehrte zu folgendem Vorgang- Am 5.Juli 1652 fruehmorgens versammelten sich saemtliche Untertanen der Dorfschaften am Eingang zum Runkeler Wald,
dem sogenannten Markschlag. Der Flecken Runkel war wohl nicht vertreten. Nach reiflicher Beratschlagung marschierten die Unzufriedenen - rund dreihundert
werden es wohl gewesen sein, gegen zehn Uhr nach Runkel ins Schloß, um dem Grafen Moritz Christian durch den Notar Gerlach Molitor von Merenberg
schriftlich eine Reihe von Beschwerden uebermitteln zu lassen: Noch andauernde Kriegssteuerleistungen, hundert Reichtaler sog. Verehrungsgelder,
Frondienste, auslaendische Botengaenge, Wachdienst, angebliche Uebergriffe des runkelischen Landknechts (Polizeigewalt).
Nach erregten Verhandlungen mit dem Amtsverweser Hofmann, dem Vertreter des abwesenden Amtsmanns Walrabenstein, lehnte der Graf
die Ueberreichung der Beschwerdeschrift durch den Notar ab. Er lies diesen durch den Amtsverweser in Gegenwart von drei Zeugen in scharfen Worten abweisen
und wollte die Schrift nur aus der Hand der beiden Schultheißen von Weyer entgegennehmen.(Schultheiße vertraten des Fuersten Macht im Ort)

Seit dem fuenfzehnten Jahrhundert wurde die Tuerkensteuer, auch Tuerkenschatzung, als Reichssteuer (nicht von den kleinstaatl. Fuersten) zur Abwehr der Tuerken erhoben.

Das Dienstgeld, das nach der Anzahl des Zugviehes bemessen wurde, war 1690 ermaessigt worden.
Man hoffte, dass die Untertanen mit anderen Diensten, sonderlich den Holzfuhren fuer die Herrschaften sich desto williger erweisen wuerden.
Solange der Krieg andauere, sollen die Pfarrgebuehren gesenkt sein, man fuegte hinzu- es wurde mit hoechsten Mißfallen wahrgenommen,
daß einer oder anderer der Herren Geistlichen, so einem Leichen-, Hochzeits- oder Kindtaufmahl beigewohnt,
"sich mit dem Trunk ueberladen habe", wobei aergerliche Sachen vorgegangen seien.
Die Teilnahme an solchen Mahlzeiten wurde den Pfarrherrn danach untersagt, es stehe aber jedem frei, etwas zu jenem zu schicken.

Um 1700 machte sich im Runkelischen und Westerburgischen, vornehmlich am Hofe zu Schadeck, eine "schwaermerische" religioese Bewegung breit,
der "entartete Pietismus". Fromm war die Zeit nicht so wirklich:

Der junge Graf Maximilian Heinrich von Runkel reiste mit dem Landgrafen von Hessen nach Stuttgart.
Dort geriet er mit seinem Vetter, dem Grafen Hermann von Leiningen-Westerburg in Streit.
In einem Dorf kam es im Dezember des Jahres zum Zweikampf. Von zwei Kugeln getroffen, stuerzte Maximilian vom Pferde.
Einige Stunden spaeter starb er in dem Orte, erst 25 Jahre alt. Seine Leiche wurde nach Runkel in die Gruft ueberfuehrt.
Hier war die Jahrhundertealte Zwietracht zwischen den beiden Verwandten noch mal zum Durchbruch gekommen und ihr Opfer gefordert.
Sein Sohn Johann LUdwig Adolf war beim fruehen Tode seines Vaters noch nicht zwei Jahre alt.
Die Vormundschaft ueber ihn wurde seiner dreiundzwanzigjaehrigen Mutter und dem Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt uebertragen.
Der Onkel Graf Karl, der zu Eschbach wohnte, "ein gelehrter und einsichtsreicher Herr", suchte sonderbarerweise seinem Neffen die Grafschaft
zu entziehen und strengte 1712 einen Rechtsstreit gegen die Vormuender beim Reichskammergericht an.
Erst 1755 wurde der Streit zu ungunsten des Grafen Karl entschieden, der mittlerweile Praesident des genannten Gerichts geworden war...

Eine ungewoehnliche, wieder mal Unruhe stiftende Verordnung des Grafen kam 1761 - sie richtete sich gegen die JUNGGESELLEN !
Deren Gesamtvermoegen sollte, sobald sie das dreissigste Lebensjahr ueberschritten haetten und als Hagestolze dahinleben, der Landesherrschaft anheim fallen.
Das gab Stimmung im Land. Ein Urteil des Reichskammergerichts zwang den Grafen, diese seltsame "Verordnung" aufzuheben.
Eine andere, zum Teil recht drastische Verordnung war von dem Grafen schon 1748 erlassen worden:
Sie wandte sich nicht nur gegen das fruehzeitige Heiraten, sondern brachte auch sehr scharfe Maßnahmen gegen die unehelichen Muetter.
"Diejenigen Dirnen", so hieß es in der Verordnung, "welche sich zum zweiten Mal oder gar zum dritten Mal schwaechen lassen,
sollen neben jedesmaliger Geldbußerlegung von sechs Reichsthaler in eine besonders dazu gemachte Karre angeschlossen und mit einer Schellenkappe
bekleidet drei Tage nacheinander vor- und nachmittags zwei Stunden lang im Flecken Runkel vom Unterschultheiß herumgefuehrt,
sodann noch des Landes verwiesen und zur Zahlung einer Herumfuehrungsgebuehr von einem Reichsthaler angehalten werden"
Im Fruehjahr 1762 wurde der 57 jaehrige Graf sich bewußt, daß sein Leben zu Ende ging
und uebergab am letzten Tage des Maerz die Regierung, bevor ihn wiederholte Schlaganfaelle bis ans Ende seiner Tage heimsuchten.

Schon im Jahr 1761 war auf Anordnung des Grafen Christian Ludwig im Runkeler Wald 13 vorgeschichtliche Graeber geoeffnet worden, in denen man roemische Bestattungen vermutete.
Sechs verschieden große Urnen mit Asche und Knochen, drei kupferne Guertelbeschlaege, ein fingerlanger Feuerstein und in einem großen Huegel
von hundert Schritt Umfang ein gut erhaltenes Skelett, das man wieder in der Erde begrub.
Im Mai 1774 entnahm man einem Grabhuegel eine kleine Urne ohne Knochen oder Asche. Alle Urnen wurden ins Runkeler Archiv gebracht.
In diesem Zusammenhang sei hier noch einer Aufdeckung solcher Graeber bei Ennerich gedacht. Dort stieß man 1762 beim Ackern im Schloessergraben
auf mehrere Bestattungsstellen, sogenannte Steinkistengraeber. Der Chronist weiter:
"Sie bestunden aus langen Schalsteinen, in einem laenglichen Viereck zusammengesetzt. Etliche lagen allemal untereinander und mit besonderen steinernen Deckeln
jede Lage versehen, wo dann in jeder Lage allemal zwei Leichen mit den Fueßen gegeneinander, sonst aber kein Anzeichen hatten, woraus man haette
schließen koennen, was diese Graeber bedeuten. Die Totengebeine schienen ungleich staerker und groeßer zu sein als sie sich heutigestages befinden.
Ihre Vermoderung, worin sie lagen, ware eine feine und fette Erde."

Gegen Ende des 18Jhds war unter dem Einfluß der franz. Revolution mancherorts die Zunahme der baeuerlichen Klageschriften ueber
allzuhohe Fronlasten und Abgaben zu beobachten. Auch der Runkeler Graf wurde davon nicht verschont- wen wunderts?
1791 uebergab man dem Reichskammergericht eine Beschwerdeschrift wieder die
"gegen das Recht und das alte Herkommen aufgebrachten Neuerungen"
Die Beschwerden betrafen erhoehte Geldabgaben, Auswanderungen der Untertanen, Brueckenbaukosten, Buergschaften fuer den Landesherrn, Dienstgeld und Fronden,
Einzugsgeld, Forst- und Waldsachen, Handwerk und Zuenfte, Heiraten, Hundehalten, Jaeger- und Schultheißenbrot, Malzgeld, Marktwache, Musik,
Rasselgeld, Polizei, Pfarrei- und Kirchensachen, Reisekostensteuer, Schaeferzwang, Soldatenzwang, Spatzenkoepfelieferung, Sporteln, und Gerichtstaxe,
Vermaehlungssteuer, Visitation der Landstraßen und der Feuergeraete, Taubensteuer, Weidhammelgeld, Wollwaagegeld, Zehnten, Fruchtzoll.
Die Verhandlung zog sich so lange hin, bis der Graf verstorben war..

Auch einen sehr beruechtigten Runkeler, den juedischen Raeuber und Landstreicher wird berichtet, der "Herz Michel",
ein "Kollege" des unweit agierenden Raeuber Schinderhannes.

Der Ortsname Runkel wird aus dem Keltischen kommen: Run-Kall (Bergfels)

Es war die Zeit der endlosen Fehden- die ueble Zeit des Raubrittertums, die das entschuldigende Wort gepraegt hatte:
"Reiten und Rauben ist keine Schande, das tun die Besten im Lande".
Die Bevoelkerung war diesem Treiben so schutzlos ausgeliefert, wie wir heute der Europaeisierung..

Die Beschreibung eines Stadttores:
"Ein von Stein erbautes Thorgewoelbe, welches an starken eisernen Banden ein starkes Thor von Eichenholz, welches in zwei Fluegeln geoeffnet wird
und mit gutem Schloß versehen ist, eingeschlossen steht. Auf dies Thorgemaeuer ist eine Wohnung von Holz erbaut und einen Stall daran,
einstoeckig, mit Schiefer gedeckt. Die Wohnung bewohnt der Kuhhirte als Besoldungsteil frei."
Die gleiche Beschreibung wird von einem anderen Tor gegeben, nur hatte hier der Schweinehirt seine Wohnung.
Beiden Hirten lag die Oeffnung und Schließung der Tore und die Reinhaltung der durchfuehrenden Straße ob.

Im Jahr 1617, also ein Jahr vor Beginn des 30j. Krieges zaehlte Runkel 76 Hausgesesse oder Feuerstaetten.
Damals rechnete man mit durchschn. 5 Koepfen pro Haushalt.
1636 sah man die Auswirkungen des Krieges- nur noch 16 Familien waren einwohnend!
1740 hoeren wir bereits von einhundertfuenfzig Familien.
1777 werden neben 86 Buergern 27 "Witweiber oder Halbbuerger und acht Beisassen" erwaehnt.

Zwischen 1649-1652 fanden an der Strasse nach Eschofen nachweislich zehn Frauen als Hexen den grausamen Feuertod.
An vielen Gerichtsbarkeiten standen Galgen, wie z.B. der Galgenberg oberhalb Villmars, wo die Gemarkung noch heute davon berichtet.
"1704 fand die feierliche Neuaufrichtung des schadhaft gewordenen Galgens statt.
An einem Maimorgen bewegte sich ein eigenartiger Zug zum Schlossplatz nach Ennerich.
An der Spitze marschierte ein Trommler. Da man in Runkel keinen hatte, kam dieser extra aus Limburg.
Am Zug eroeffenten Amtmann Strobel und Sekretaer Archenholz- beide hoch zu Roß. Es folgten die zu dem Werk aufgebotenen Zimmerleute
mmit geschulterten Aexten und die dem Herkommen gemaeß zu der Arbeit verpflichteten Leineweber der Herrschaft Runkel
Ihnen schlossen sich fuenfzig Soldaten der Landmiliz, mit Gewehren bewaffnet, an - dazu etliche Reiter.
Nach einem mehrmaligen Ummarsch um die Gerichtsstaette bildeten die Soldaten einen Kreis.
Namens ihrer Kameraden bekundeten der Zimmermann Johannes Baumann von Heckholzhausen und der Leineweber Fritz Weyl von Runkel
in wenigen Worten ihre Bereitwilligkeit, dem an sie ergangenen Befehl nachzukommen.
Nun hielt der Amtmann eine laengere Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Vorganges hinwies.
Nachdem er noch drei Hiebe mit der Axtin einen der Balken getan, uebergab er, entsprechend dem Brauch, den beiden Sprechern der Werkleute
je ein Paar Handschuhe. Als die Balken zum Aufrichten fertig waren, schlug Amtmann Strobel den ersten Nagel ein.
Nach beendigter Arbeit ermahnte er die Umstehenden, sich nicht geluesten zu lassen, die Handwerker wegen der, wie wir hinzufuegen,
nach der Anschauung der damaligen Zeit unehrenhaften Arbeit zu schmaehen, andernfalls den Schmaeher die in der Peinlichen Halsgerichtsordnung
fuer diesen Fall vorgesehenen Strafen treffen wuerden. Unter Trommelschlag und in derselben Ordnung wie beim Hinmarsch kehre man nach Runkel zurueck.
Fast ein Vierteljahrhundert leistet der neuerrichtete Galgen seinen traurigen Dienst. 1770 musste er, da baufaellig geworden, durch einen anderen ersetzt werden."
(Mich wundert, dass damals die Amtmaenner in der Lage waren, einen Nagel gerade in die Wand zu schlagen, wie man volkstuemlich zu sagen pflegt)

Zu bemerken waere noch die "niedere Gerichtsbarkeit", die "Geschworenen Montage" - auch "Ruegentage" genannt,
die jaehrlich an drei Orten der Herrschaft gehalten wurde. Dem Ruegengericht stand ein Kirchspielschultheiß oder ein Zehntschultheiß vor.
Von einigen Schoeffen oder Geschworenen unterstuetzt, wohnte dem Gericht meist der Amtmann oder dessen Stellvertreter bei.
Diese Gerichtsbarkeiten waren fuer niedrigere Polizeistrafen vorgesehen, Beleidigungen oder Jagen, "Krebsen" oder Fischen, Schlagen von Kindern und Erwachsenen, wenn dem Nachbarn ein Stueck Land weggeackert wurde - etc.
Aber auch solche Sachen: Wenn jemand mit einer Strohfackel oder einem Feuerbrand (Schaufel mit Glut, damit der andere Ofen leichter anging)
ueber die Strasse oder in ein Gebaeude geht, zahlt zwei Reichstaler sechzig Kreuzer - das Faellen eines Obstbaumes auf seinem eigenen Grundstueck zahlt ebenso 2 Taler.

Neben dem Amtmann gab es noch einige herrschaftlicher Beamter. Es war der Keller oder Kellner, der Landkommissar, der Landkapitaen, der Landrentmeister,
der Landschreiber, der Landbereiter und der Landknecht. Der Landbereiter - er war fuer Zoll- und Forstaufsicht zustaendig.
Landknechte uebernahmen die Polizeiarbeit fuer den Schultheißen.

Nach einer Verordnung von 1600 hatte jeder Inlaendische zur Erwerbung des Buergerrechts in Runkel ein Buergergeld von 2 Gulden zu entrichten.
Jeder Fremde hatte aber fuenf Gulden zum Nutzen der Gemeinde zu zahlen.
Wollte ein Auslaender zahlte 6, ein Inlaender 3 Gulden, wenn er in den Ort einzuheiraten beabsichtigte.
(Frauen zahlten jeweils die Haelfte, beim Wegzug konnte fuer 50 Kreuzer die Buergerschaft beibehalten werden)

Die Buergerrechte beinhalteten das Losholz, dh. das unentgeltlich abgegebenen Holz, das Recht Vieh auf die Weide, die Schweine in den Wald zu treiben.
An den Pflichttagen an der Buergermeisterwahl teilzuhaben (spaetere Zeit), die Vorsteher, den Kuh- und Schweinehirten, den Gemeindebaecker (spaetere Zeit), den Tag- und Nachtwaechter und den Feld- und Waldschuetzen zu waehlen ebenso.
Buerger waren von den Einquartierungen und Still-Laegern aller durchmarschierendenTruppen und deren Kosten befreit.
Im Zwang der Notjahre konnte diese Verordnung wohl eher nicht durchgesetzt werden.

Die Buergerpflichten waren recht manigfaltig. Steuern zahlen, an Buergerversammlungen teilnehmen, desgleichen an Pflichttagen, den Kuh- und Schweinehirten ZU STELLEN,
Frondienste leisten, bei Durchmaerschen Soldaten ins Quartier nehmen, (obwohl oben anders beschrieben) und das Backhaus nutzen.
(Das Backhaus beinhaltete einiges an Mitarbeiten)
Um Glocken einzusparen, wurde einer mit Hand-Glocke durch die Orte geschickt, um die Leute zusammenzurufen.
Das Burgrecht des Pfarrers war so, dass dieser noch im 18.Jhd als "Burgmann" das Burgrecht hatte - das kam aus den Zeiten, als noch alle hinter den
Stadtmauern Schutz fanden, die Staedte noch nicht jenseits dieser Wallanlagen ausgedehnt waren.
Dieser Pfarrer erhielt freilich die doppelte Menge an Holz aus dem Runkeler Wald, zusaetzlich hatte er 2 ! Stimmen bei der Wahl der Vorsteher, Buergermeister etc.
Er bekam von allem Holz, was aus diesem Wald verkauft wurde, eine Abgabe und von jedem vereinnahmten Reichstaler einen guten Albus, der von den Schultheißen ueberreicht wurde.
Der Pfarrer konnte noch einmal so viel Schweine in die Eckernmast (Wald) treiben, wie ein Gemeindsmann oder Buerger, er war von allen oben genannten Buergerpflichten befreit!
Die Beschwerde des Pfarrers beim Grafen bewirkte, dass alle kuenftigen Pastoren in ihrer Freiheit bei Strafe unbelaestigt gelassen werden sollen..

Ueber die Frondienste der runkeler Buerger heißt es in einer undatierten Anordnung, vermutlich 1680 erlassen, dass sie unter Bestaetigung der oben
angefuehrten Vorrechte zu folgenden Frondienstleistungen verpflichtet sein sollen: 1. Zum Kuechenbrand hat jeder Ackermann dem Herkommen gemaeß eine Fuhre
Holz ins Schloß auszufuehren. 2. die Wehrer Wiese zu maehen, 4. die Schafe helfen zu waschen und die Wolle abzunehmen, 5. den Flachs zu raffen,
zu binden und heimzufuehren, zu reffen, ins Wasser zu legen und heimzubringen; 6. dem alten Herkommen gemaeß Briefe auf die naechsten Ortschaften zu tragen ( ! ),
7. eine Fahrt Zehnten-Winterfrucht und eine Fahrt Zehnten-Sommerfrucht einzubringen. Den Dienstleistern soll Essen und Trinken gereicht werden..

Damals wurden viele "Pflichttage" (Nachtwachen, Hirten etc.) nachlaessig betrieben.
So wurden den letzten 1679 auf Klagen der Buergerschaft hin wegen seines "vielfaeltigen Fluchens" von der Herrschaft sieben Gulden Strafe zudiktiert,
zugleich wurde ihm ein Aufenthalt im Turmgefaengnis in der Burg in Aussicht gestellt - auch der Zerfall der Stadtmauer und Tore ist 1671 belegt-
Bei Strafandrohung wird der Buergerschaft befohlen, die Loecher in der Mauer wenigstens mit Palisaden zu schließen.

Im 18.Jhd unterschied man zwischen Buerger, Beisassen und Juden. Die Beisassen waren meist Tageloehner, zahlten keine Steuern, sondern nur Abgaben,
uebernahmen keine Buergerpflichten, hatten jedoch auch keine Buergerrechte.
Doch genossen auch sie den Schutz des Stadtvorstandes. Die Juden namen wie ueberall eine Sonderstellung ein, so auch in Runkel.
Die Buergerliste wies auf: 1. Laufende Buerger, 2. Laufende Witweiber, die als halbe Buerger galten, 3. Laufende Beisassen.
Die ersten Juden liesen sich bereits 1315 nieder. Das von ihnen zu zahlende Schutzgeld bildete eine bequeme Einnahmequelle fuer den Landesherren.
Wiederkehrende Klagen liegen seit Mitte des 17.Jhds bezueglich der Sonntagsentheiligung durch die Juden vor.
Die Kirchenordnung der Graefin Sophia Florentina von 1708 verbietet die Dienstbarkeit gegenueber Juden, 1764 suchte Graf Christian Ludwig
durch eine Verordnung die von Juden belieben Wucherzinsen sowie betruegerische Schuldverschreibungen, Schuldverhandeln und Betrug zu bekaempfen.
(Damals sprach offenbar noch niemand von "A ntisemitismus "-wenn es sich um diese Volksgruppe drehte - keine Angst,
den anderen Religionsfreaks wird es nicht besser ergehen, es bekommt jeder sein Fett ab, je nachdem, wie sich der Wind drehte
-niemand ahnte, welche Verfolgungen diese Leute Mitte des 20.Jhds erleiden mussten!)
Als Sonderabgaben zahlten die Juden ein Spritzen, Brunnen und ein Pflastergeld und ein besonderes Judengeld an die Gemeinde.
So entrichtete 1783, wo in Runkel 18 juedische Haushaltungen vorhanden waren, ein maennnlicher Jude als "ganzer Jud" einen Reichstaler 20 Kreuzer,
eine Witwe, deren es drei gab, als "halber Jud" sechzig Kreuzer an Judengeld einschließlich Brunnengeld.
Das Pflastergeld betrug fuer einen Juden, der ein Haus besaß vier Kopfstueck (80Kreuzer) und fuer einen Juden, der nicht Hausbesitzer war, zwei Kopfstueck.
Auch oblag den Juden die Beschaffung des Oels fuer die Wachtstube, wofuer sie von den Wachten befreit waren. 1688 hoeren wir, so der Chronist weiter,
daß jeder Jude fuer diese Befreiung jaehrlich einen Koenigstaler zu zahlen hatte. 1744 wurden die Juden auf eine Eingabe an den Landesherrn,
in der sie sich als "furchtsame Kreaturen" bezeichen, die nicht zum Wachtdienst geeignet seien, von der Verpflichtung, das Wachtoel zu stellen
und einigen anderen Auflagen, wie den Wachtmeistergebuehren, entbunden. Doch war das nur voruebergehend.
Dem Stadtvorstand wurde eingeschaerft: Bevor er kuenftig die Juden mit Pflastergeld belegt, muß er die Verteilung dem Grafen oder dessen Beauftragten vorlegen.
Grund fuer das landesherrliche Entgegenkommen war, dass einer der Soehne Isreals Mardochai Mayer bei dem Grafen als Hoffaktor ein und aus ging- als Vermitter von Geldgeschaeften !

Habe ich schon erwaehnt, dass Runkel zur Erzdioezese Trier gehoerte?

Melanchthon stattete dem Grafen zu Runkel einen Besuch im Schloß ab - von hier schrieb er einige Briefe -
in lat. Sprache: "Ich wuerde dir mehr ueber die Bonner Zusammenkunft schreiben, wenn hier im Runkeler Schloß mehr Papier zu haben waere"

(Soviel zu der damaligen Moeglichkeit Schriftwerke der Nachwelt zu hinterlassen)

Die Anwesenheit Melanchthons in Runkel laeutete wohl die Reformation ein, zumindest als erste Schwalbe, die noch keinen Fruehling macht.
Ab 1553 liegen diesbezuegliche Meldungen vor, wo der Archidiakon zu Dillenburg - ein Anhaenger der evangelisch-lutherischen Lehre nach Runkel "berufen" wurde.
Man nimmt an, dass 1560 allgemein der Uebertritt in die neue Religion durchgefuehrt war.
Ein weiteres, merkwuerdiges Kapitel war die Reformierte Kirche. Mit deren Durchsetzung war Blyttershagen beauftragt worden,
er wurde von Graf Johann 1568 als Pfarrer eingesetzt oder ebenfalls berufen, wie man sagt, wenn etwas verdaechtig schraeg laeuft..
Dieser "fromme Mann" veroeffentliche 1596 eine theologische Streitschrift (welcher Wortwitz Angesichts christlicher Naechstenliebe)- "Der Pseudo-Christus" in der er das reformierte Bekenntnis verteidigte.
Der Lutheraner Nicolai zu Unna trug im das durch Schmaehungen boese nach:
Grober frecher Baccant (Saeufer), ungeschickter Cuius (Kujon, Jedermann) aus der calvinischen Synagog (dabei hatten diese keine Synagogen, sondern Kirchen),
giftig Schandbuch, heilloser verzweifelter Laesterbube, stinkender Rotz, Geifer und Unflat seiner Hohlhipperischen Schmaehkunst, (von dem Gebaeck abgeleitet)
mit vollem Maul auskoecken und ausspeien, calvinischer Laesterteufel, verruchter Laesterbube und Filz (Grobian) zu Runkel
- toelpisch christschaenderisch und ehrsuechtiges Eselsgeschrei. Und das alles aus der Feder eines Mannes, so der Chronist tapfer weiter,
der uns so herrliche Lieder wie "Wachet auf! ruft uns die Stimme" und "Wie schoen leucht' uns der Morgenstern" geschenkt hat.
Ein netter Beweis von Toleranz der Religionsstroemungen untereinander, was nichts mit Muslimen und Juden zu tun hatte, sondern bereits in den christlichen Abspaltungen und Sektierer ueblich gewesen zu sein schien.

Das Sitzen in der Kirche war ehedem durch eine 1736 ergangene und spaeter zigmal erneuerte Kirchenstuhlordnung geregelt.
Die Buehne zwischen Kanzel und Orgelbuehne verdankt ihre Entstehung einem Raufhandel zweier wied-runkelischer Soldaten in der Kirche Ende Dez. 1764!
Hochseltsam ist die Sache mit den "Erbbegraebnissen" gewesen, wo der Bestattungsort gewaehlt werden konnte- 1762 kam eine Begraebnisordnung,
die jene vorzeitige Familiengraeber abloeste. Nun musste jeder, "ohne Absicht, ob der Verstorbene in seinem Leben ein mehreres Ansehen vor den anderen gehabt,
oder ob der Verstorbene bei einem seiner Freunde zu liegen komme" - Kurz, es ging von da ab der Reihe nach.

Die Totenkirche zu Wenigenvillmar (so genannt, weil dort wenige Leute wohnten, der Ort irgendwie zu Villmar gehoerte) wurde 1818 fuer 243 Gulden
18 Kreuzer veraeussert und niedergelegt. (Abgerissen) Der bauliche Zustand war zu schlecht um diese Kapelle zu erhalten,
zumal bereits die Baenke und Kanzel fehlten.
Ein heimatgeschichtliches Denkmal, reich an Jahren und reicher noch an Erinnerungen, verknuepft mit vielen dahingegangenen Geschlechtern..

"Der Pietismus ist eine religioese Bewegung gegen die Verweltlichung der Kirche, das Gewohnheitschristentum und die versteinerte Lehrmeinung der rechtglaeubigen Theologie.
Als krankhafte Entartung der Froemmigkeit gibt der Pietismus sich bald in ueberspannten Gefuehlen, bald in einem sonderbuendlerischen Treiben ohne Maß und Ziel kund."
Mein Gott, die haben sich wirklich nicht geschont, das muss ich sagen!

Staendig klagten die Runkeler Schulmeister wegen Nichtlieferung ihrer Schuleinkuenfte - so schreibt verbittert 1640 der Schuldiener Bergunthal,
viele dieser Lohnbestandteile seien seit drei Jahren rueckstaendig.
So musste ein 91 jaehriger ehemaliger Pfarrer 12 Jahre -vergeblich- um das ihm zukommende Teil kaempfen.
Diese elenden Besoldungsverhaeltnisse dauerten das ganze siebzehnte Jahrhundert hindurch - es war die Kriegsnot und ihre Folgen.

Im Zusammenhang mit der Folterung eines polnischen Juden (1678 ! ), der am 2. Pfingsfeiertag zu Weyer bei einem Einbruch gefaßt worden war,
wurde ein Hofmedikus Dr. Breethauer erwaehnt, mit ihm der Chirurgus Ersfeldt, der Hansjakob, wie er genannt wurde.
Viel spaeter, 1813/14 ergriff die Seuche Typhus den Ort. Bis auf 10 waren alle Haeuser davon betroffen. In dieser Zeit kam der Todesengel zu jeder 2. Familie.
Bei manchen gleich mehrmals und hinterließ viel Traenen und Wehklagen. 114 von 850 Einwohner erkrankten, wovon 70 starben, darunter sieben Ehepaare.
10 Jahre spaeter kam die Seuche wieder und holte 38 maennliche und 54 weibliche Opfer.

In den grauen Vorzeiten gab es sehr wohl ein ausgepraegtes "Kastenwesen", was in der straengen Sitzordnung in der Kirche nur eine kleine Bluete fand.
Die Unterschiede wurden taeglich plastisch spuerbar. "Kinder gemeiner Leute und solchen von Beamten und sonstiger honetter Leuthe"
(Ich habe das noch in den 50.-60.Jahren des 20.Jhds am eigenen Leib spueren koennen, als sich mein Urgroßvater,
der damals selbstaendiger Maurermeister war, an den Wirtshaus - Tisch setzen wollte, der den wohlhabenderen Bauern und Lehrern und Bankleuten vorbehalten war..
ruede abgewiesen vom Wirt, setzte sich der Alte mit mir an ein anderes Eck- die Kirmes war danach irgendwie ranzig geworden.)

Die Kirchenordnungen glichen eigentlich bereits oder vielfach den Polizeiverordnungen, wie man immer wieder lesen kann.
So wird geeifert (oder gehetzt?) gegen die heidnischen Kirchweihen und die damit verbundenen "Fressereien und Saufereien".
(Der Fuerst tat das jeden lieben Tag, den der Herr werden lies- die Gemeinen sollten jedoch sparen, damit der Herrscher mehr Steuern abraeumen konnte)
Es wurde ebenso gegen das auf den Jahrmaerkten uebliche "aergerliche Gedenz" agiert.
(Bei den hohen Leuten dagegen war das Schauspiel und die Oper, sowie andere "schoengeistigen" Dinge bis zum privaten Grossfeuerwerk- immer schon Bildung, kein Amusement..)
In der 1676 vom Grafen Ludwig Friedrich veranlaßten Kirchenordnung (die nicht der Pfarrer oder Bischof, sondern der Fuerst gemacht hat) wird unter anderem
verboten, die "Fastnachts-, Mayen-, Sonntags-, Kirmes- und Pfingsttaenze", ferner das Kartenspiel, die Spinnstuben,
ebenso das Kegelspiel am Sonntag vor der Nachmittagspredigt oder der vorgeschriebenen Kinderlehre zu besuchen.
Die Graefin Sophia Florentina war 1708 gegen das "Neujahrsgefraeß", die Fastnachtsreigen, Maispiele und Johannis- und Pfingstaenze-
sie sprach nicht nur dagegen, sie erlies gottgleich Anordnungen..
So war sie freilich auch gegen das "teufliche zu ueppiger Leichtfertigkeit fuehrende Lehenausrufen", wobei fuer ein Jahr bestimmten Burschen als Taenzerinnen zugeteilt wurden.
Bei Hofe war das jedoch selbstverstaendlich!
Weiter wurde verdammt die "Eier- Braten- und Kaesheischereien", wie die "Brunnenfresserei, so bei Aussaeuberungen der Brunnen in aller Ueppigkeit vorzugehen pflegten"
Im Schloß lustwandelte man und machte neckische Spielchen mit verbundenen Augen ;)
"Gottlose und verfluchte Karten- und Wuerfelspiele", das Weckhauen und -schlagen, das Kegelspiel zu jeder Stunde am Sonntag,
das Scheibenschießen und vor allem die Spinnstuben waren Dorne in den Augen der Maechtigen. Dem Volk sollte es nicht zu gut gehen.
"Pfaenderspiele" in den Burggemaechern waren dagegen nichts "gottloses", desgleichen Wucher und Raffgier dort eher zu den Tugenden zaehlte.
Ein schraeges Bild ist vor Augen, was die fragliche Kirchenordnung von den Damaligen Hochzeitsschmaeusen in unserer Heimat anfuehrt..
Vielfach muesse die Hochzeitstafel Tag und Nacht mit Speise und Trank besetzt bleiben, so der Chronist, nichts duerfe abgetragen werden,
andernfalls man gegenwaertig sein muesse, daß Schuesseln und Kannen, Teller und Trinkgeschirr kurz und klein geschlagen werden.
Vorgekommen sei, so wird weiter berichtet, daß sich die Gaeste "ganz unvernuenftig und fast zu Tode besoffen" haetten.
Der edle Wein, mit dem so mancher Kranke und Arme haette gelabt werden koennen, sei so ergiebig verschuettet worden, daß man "lappentief"
darin gewatet habe, und er sei "endlich durch die Gebuehner gebrochen und durchgelaufen, daß der Weinschenk oder Zapfer dafuer nicht hat koennen im Keller bleiben"
Wer das ganze Jahr nichts rechtes bekommt, macht sich halt den Bauch voll, wenns gilt..

Die Runkeler Strasse muss wohl schon 500 n.Chr. bestanden haben, als ein fraenkischer Militaerposten die Furt bewachte.

40-50mal moegen Hochwasser und Eisgaenge die Stabilitaet der spaeteren 500 Jahre alten Bruecke bedroht haben- der Bruchsteinbau hielt.

In den spaeteren Jahren, 1838 fuhren Lastkaehne mit schweren Marmorbloecken die Lahn hinab, die aus der Weibshohl gegenueber dem Bodenstein
von Insassen des Diezer Zuchthauses gewonnen wurden, von weitem schon kenntlich an der zweifarbenen Kleidung und den klirrenden Ketten.

Als Runkel der Sitz der Landesregierung war, gab es einen guten Aufschwung- bei Gaststaetten, Baeckereien, Metzgereien und Ladengeschaeften,
auch bei handwerklichen Betrieben. Der Zustrom der Landbevoelkerung brachten Frondienstleistungen mit sich.
Vom Fruehjahr bis Herbst fanden sich Trupps von Frauen und Maedchen aus den Landorten im Viehhof zu Runkel ein.
Diesen oblag es, die herrschaftlichen Gaerten zu bestellen. Die Maenner der Dorfschaften arbeiteten in terminlich abgestimmten Zeitabschnitten
auf den Feldern und brachten die Ernte ein. Der lebhafte Viehhof und die eingefahrenen Fruechte hallten mit den zweiraedrigen Ochsenkarren,
eine geschaeftige Kulisse, die den Zehnt bediente; die Muehlen und Paechter der herrschaftlichen Hoefe erstatteten die Pacht in Naturalien aller Art.

Erst die Aufhebung der Fronen 1810 und die Zehntabloesung 1848 veraenderten diese Verhaeltnisse.
Dann kam die Lahntalbahn, fuer die viele Haeuser am Fluss weichen mussten- aber auch die Belebung durch den Fuhrverkehr mit Eisenerzen zur Eisenbahn.
60-80 Mark im Monat war der Monatsverdienst der Arbeiter, so wurde in dieser Zeit ein Aufschwung erreicht und doppelt so viel Land verkauft, wie zuvor.

Der Runkeler Rote, von dem 1270 die Rede ist, hatte einen ziemlich grossen Umfang um den Ort herum. Jeder Runkeler Buerger hatte einen selbsterzeugten Haustrunk!
Der Landesherr lies zur sachgemaeßen Pflege seiner Weinberge und seines Weins Winzer und Kuefer aus Rheinhessen kommen- die Nachkommen leben noch heute in Runkel und Schadeck.
Der "Runkeler Rote, aller Lahnweine Koenig" behauptete sich bis 1929, da entschloß sich die Fuerstlich Wiedische Verwaltung aus wirtschaftlichen Gruenden, ihr Weinbergsgelaende in Obstanlagen umzuwandeln.

Aber auch Bier wurde hier -wie fast ueberall- gebraut. Der benoetigte Hopfen war in Runkel heimisch.

Steinbrueche gaben den Leuten Arbeit- so wurde 1600 ein Schalsteinvorkommen in zwei Orten erwaehnt, "der vielfaltige Stein, der am Dom verwandt wurde"
Der Stein werde zu Saeulen und Quadern gebraucht, so der Chronist- "allein jegen die Luft und im Regen haben sie keinen Bestand, wo auch die Hund hin bunzen wider die Sauln, da gibs Spalten; sein sunst geballert, als wenn es von Marmor were."

Von verschiedensten Muehlen ist immer wieder die Rede, Walkmuehlen, Hammer- und Schlagmuehlen, Oelmuehlen, Kornmuehlen, von Zankereien um die Gewichte und Maße.

Interessant fand ich die "Pfennigsparkasse", die 1881 der Pfarrer August Caesar gegruendet hatte:
Unbemittelten und Kindern sollte es ermoeglicht werden, nach und nach kleine Betraege zurueckzulegen.
Der Sparsinn solle geweckt und gefoerdert werden.
Das hat er wohl geschafft. So entstanden Zweigsparkassen in einigen Orten. Allwoechentliche Sammlungen wurden durch die Lehrer gemacht.
Einlagen ab 5 Pfennig- die woechtentlichen Sparleistungen lagen bei dreißig bis einhundertzwanzig Mark.
Bei hundert Mark Einlage erfolgte die Rueckzahlung bei der Sparkasse oder dem Vorschußverein oder bei der Nassauischen Landesbank, die es heute noch gibt.
In 16 Jahren kamen aus fuenf Orten 89923,50 Mark, mit Zinsen 93717,06 Mark zusammen- bis zur Aufloesung der Pfennigsparkasse 1906.

Im 18.Jhd. unterhielten die Grafen von Runkel eine kleine Militaermacht in Staerke von zwei Kompanien, aus Musketieren und Grenadieren.
Einige Husaren kamen dazu. Die Soldaten genossen Vorzug und Vorsitz der Stuehle in der Kirche, denn sie wurden auch gegen die Raeuberbanden ehrenhaft.

Zu den Buergerpflichten, ich erwaehnte es schon, gehoerten die Tag- und Nachtwachen - die aber nicht immer zur Zufriedenheit getan wurden.
"Die tagwacht sol von jedem in- und auslaendischen Bettler, den sie herumgehen laeßt, ohne ihn zu des Orts Vorgesetzen zu gebuehrender Strafe oder Verweisung gefuehrt zu haben, 10 Kreuzer Strafe in den Armenkasten legen"
Wer die Nachtwache versaeumte, hatte einen Gulden Strafe zu zahlen. Fleißig sei auf Feuer und andere Schaeden zu achten.
Stundenblasen und -rufen soll geschehen: 1. beim Schultheißen Haus, 2. beim Meister Moriz, 3. bei des Doktors Haus, 4. bei Kuhns Haus, 5. bei Krafts selig Haus, 6. auf der neuen Bruecke. 7. Bei des Jungen Haus, 8. beim Backhaus, 9. Im Tal gegen des Pfarrers Haus.
Unter Androhung der Turmstrafe mussten die Waechter von Abends neun bis morgens vier Uhr jede Stunde anblasen.

Im Jahre 1756 wurde dem Buergermeister von Schupbach mit der "eisernen Tuer" gedroht, weil der die Bevoelkerung gehen die Steinlieferungen zur Widerspenstigkeit aufgeruettet haben soll.

1765, nach dem großen Brand von Schadeck gab es eine neue Feuerordnung, wo alles haarklein geregelt wurde, wer was und wo an Leistungen zu erbringen hatte.
Stroh- oder Schindeldaecher werden nicht mehr geduldet, bei fuenf Reichstalern Strafe sind binnen Jahresfrist die hoelzernen Schornsteine abzuschaffen
und statt ihrer solche von Ziegel- oder Sandstein zu errichten. Lederne Feuereimer mit Namensbuchstaben mussten von jedem Einwohner angeschafft werden.

"Beim ersten Feuergeschrei wird Laerm getrommelt und auf dem Glockenturm gestuermt. Die Miliz versammelt sich im Schloßhof, die Schloßfeuereimer werden vor der Wachtstube bereitgestellt und alle Schloßbuetten vor der Wachtstube gefuellt. Der erste Offizier oder ein Unteroffizier fuehrt die Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett zum Feuer, es sei in oder außerhalb der Stadt, wo diese dann unter dem Befehl des zuerst bei dem Feuer sich einfindenden graeflichen Beamten stehen und nach dessen Anordnung, gegebenenfalls mit Gewalt, Ordnung und Sicherheit aufrecht erhalten oder auch mitarbeiten. Drei Feuerlaeufer haben die Pflicht, bei einem entstehenden Brande ungeheißen sogleich zu Pferde zu sitzen und in den Nachbarorten Hilfe zu holen. Bei einem Brand in der Stadt werden die Tore sofort mit doppelten Schildwachen besetzt, die außer den Feuerlaeufern niemand und nichts, besonders unbekannte Personen und Gepaeck, heraus,- alles aber hineinlassen"

Die Sitte, die erst nach dem 30j. Krieg bei uns ankam, machte den "hochloeblichen Obrigkeiten" und Stadtvaetern viele Sorgen.
Das Tabakrauchen, das bei aelteren Untertanen aus Ruecksicht auf ihre Gesundheit erlaubt worden sei, solle diesen nur an ungefaehrlichen Orten, durchaus nicht in Staellen, Scheunen, auf dem Mist und auf den Straßen erfolgen.
Bei ihren Kindern aber sollen die Untertaen diese ueble Angewohnheit nicht zulassen, und von jedem jungen ueber 10 Jahre ! alten Tabakraucher bzw. dessen Eltern soll jaehrlich ein Gulden erhoben werden.
Die Feuerordnung sah 1765 fuer jeden vor, der mit angezuendeter Tabakspfeife in Scheuer, Stall oder "zum Gefutter" ging, oder sich auf der Straße mit einer Pfeife ohne Deckel blicken ließ, eine Strafe von fuenf Reichstalern vor- die gleiche Strafe bekam der, welcher eine solche "Verwahrlosung" sah und diese nicht zur Anzeige brachte.

1635 wurde den "calvinischen Bauern" zu Runkel von einer Schar kaiserlicher Dragoner, die zu Oberreifenberg lag, das gesamte Vieh geraubt und zum groeßten Teil nach Oberursel verkauft.
Den Oberurselern war nicht recht wohl zumute und so trieben sie das Vieh nach Runkel zurueck und verzichteten sogar auf die Erstattung der Kaufsumme!

Der 30j. Krieg und seine Schrecken der Durchwanderungen und Noete und Brandschatzungen traf auch Runkel:
"Weil auch dieses Unglueck noch darzu kommen, daß dies mein Hauß und Flecken Runckel selbsten, der Doerfer auf dem Land nit zu gedencken, unverschuldeter Weise angesteckt und sambt allem, Hauß und Vorrhat gantz und zumal eingeaeschert worden, dergestalt, daß ich jetzo mit den Meinigen in den verbrannten Mauern in etlich wenig ueberbliebenen Gewoelben, darinnen auch vor Regen und anderm Ungewitter nicht sicher sein kan - der gefahr wegen besoerglicher Einfallung der Gewoelber, weil sie noch unbedeckt zu schweigen- fast beschwerlich haußhalten muß."

Ein solcher Viehraub durch Soldaten oder Truppen kam oefter vor, mal durch diese mal durch jene, weil sich die Soldaten "im Feld selbst ernaehren" sollten,
was regelrechte Pluenderungen mit sich brachte. Wein, Branntwein, Bier, Vieh, Geld, Kleidungsstuecke, Leder, Kaufmannswaren, Lebensmittel und Getreide, bis zur aufgebrochenen Kirchenkiste, aus der ein Abendmahlkelch und das silberne Gloeckchen, auch der Klingelbeutel gestohlen wurde..
Das dem Ort Runkel gegenueberliegende Schadeck wurde von den Franzosen schwer heimgesucht, besonders das Schloß wurde arg mitgenommen.
In ihrer Bosheit, so der Chronist, waelzen die Eindringlinge sogar Faesser aus dem Kelterhaus ueber den hohen Schloßfelsen in die Lahn.
1866-1923 Das Land Nassau hatte sich -wie schon erwaehnt- in der Auseinandersetzung zwischen Preußen und Oesterreich auf seiten der letzteren geschlagen und deren Niederlage geteilt.
1923 kamen nochmal franzoesische Soldaten- Marokkaner- weil Runkeler Einwohner vier juedische Viehhaendler "kraeftig verpruegelten, ihnen auch einige Stueck Vieh abgenommen haetten".

Von schlimmen Hochwassern ist 1643 die Rede, die mit Erdbeben und Stuermen und heftigen Regenguessen begannen.
In der Pfarrchronik stand: "Donnerstag, den 5. Januar 1643 wuchs nach einer Notiz im hiesigen Kirchbuch die Lahn nach Mitternach gegen Tag ploetzlich so hoch, daß sie ueber die Bruecke hinwegging und bei eineinhalb Schuh nahe an dem Dach der Muehle stand, vier Schuh obig dem Pfarrhaus ging, die Muehlengebaeude in- und auswendig zerriß, Meister Thomasen Gebaeude samt Keller und Stall umwarf, an beiden Seiten der Bruecke das Gemaeuer wegfuehrte samt den Grund von der Bruecke und Muehle, zwei Mann tief, auch des Kunklers Scheuer, auch sonst noch Gebaeuden und Baeumen und den Weingaerten großen Schaden zufuegte"
So etwas gab es 1841 nochmal, diesmal zweieinhalb Meter hoeher im Wasserstand.
Die Lahnbruecke war durch die Schweden teilweise zerstoert und nur notduerftig wieder hergerichtet, deshalb stuerzte sie ein.
Der Chronist fuehrt weiter aus:
Von dem Hochwasser im Jan. 1648 wissen wir bezueglich Runkels nur, daß Muehle und Bruecke schwer beschaedigt wurden. Zu Villmar stand das Wasser ellenhoch ueber dem Muehlendach. Die Oelmuehle, die Mahlmuehle und ein Bierhaus wurden hinweggetrieben, ebenso zu Arfurt des Faehrmanns Haus. In Aumenau wuerden fuenf Haeuser umgerissen. Vielerorts stuerzten Bruecken ein. Zu Diez kam der Brueckenwaechter auf dem Turm elendig um, weil ihm niemand helfen konnte. Man fuhr Nachen auf Wagen nach Diez, um der dortigen Bevoelkerung beizustehen.

Pfarrer und Inspektor Emmelius verzeichnete 1742 im Kirchenbuch:
"am 13. dec. Samstagmorgendsdrei Uhr sind auf einmal alle Mahlgaenge in der hiesigen herrschaftlichen Muehl stehen blieben und die Lahn, ohnerachtet selbige vorigen Tagß stark war, dermaßen abgenommen, daß das Wehr ganz trocken worden. Ich selbst bin zum Andencken mit meinen drei mittleren Soehnen Aemilius Jacob, Wilhelm Henrich, Forus Anthon und dem Wachtmeister Wagner um acht Uhr trockenen Fuses durch die Lahn gegen der Lahn-Pfort biß in den Seder Pfad und auch so wieder heruebergegangen. Unß sindt die außm Wald kommenden Holßtraeger im Rueckweg nachgefolgt. Um zehn Uhr vormittags ist das Waßer auf einmahl wieder in seinen ordentlichen Fluß und Lauf kommen. Ich habe viele kleine tode Fische im Sand liegen sehen. Remarquable ist, daß man diese Wasserausbleibung an der Lahn nirgends bey Runckel gespueret hat."
Am zweiten Weihnachtstag 1766 -einem Freitag- wiederholte sich die sonderbare Erscheinung. Um neun Uhr vormittags blieben die Muehlen stehen. Oberhalb der Bruecke, vom Wehrkamm ab gerechnet, war das Wasser zwei Schuh tief gefallen.
Vom Fuße des Wehres bis gegen den neuen herrschaftl. Weinberg hatte sich gleichsam ein Weiher gebildet, an den sich ein schmaler Strich Landes anschloß. Von da ab Weier an Weier, statt des Flußes. Mittags halb zwei Uhr stieg das Wasser ueber dem Wehr wieder und die Muehlen liefen. Zuvor war noch nie ein solches Geschehen beobachtet worden; ein Muelmann, dem wir diesen Bericht verdanken, vermutet Erdrisse im Flußbett zwischen Runkel und Villmar.

Im Jahr 1685 berichtet der Pfarrer: "Der 28. May war der Tag der Himmelfahrt Chisti, ist es dieser Orten herumb sehr kalt gewesen, und hat man auch auf dem Reifenberg (Taunus) zwey Tage lang aufeinander von hier auß gesehen, daß es daselbsten voller Schnee gelegen. Den 19. Junij zwischen den beiden Johannistagen, als man im vollen Heumachen begriffen war, haben sich die Grasmeder bey ihrem Mehen fuer Kaelte nicht wissen zu behalten. Ja es sind ihnen des Morgenß die Sensen und Graßwuerfe eineß guten Messerruecks Duecke mit Eyß befroren gewesen. Gott behuete die liebe Fruechte auf dem Felde, welchen sehr (auß Brotmangel) verlanget wird, dan anitzo daß Korn mit sieben Reichsthaler und daruff bezahlt wirdt."
1709 trug der nachfolgende Pfarrer in das Kirchenbuch ein: "Gleich nach dem Neujahr ist eine solche Kaelte entstanden, daß die aeltesten Leuthe alhier eine solche strenge Kaelte nicht mehr gedencket, fast alle Muehlen haben stillgestanden und es war Brotmangel ueberauß groß, viel Vieh und Menschen sind erfroren, ja auch die Voegel und das Wildt in den Waeldern. Es ist die Lahn dreymal nacheinander zugefroren, durch welche Kaelte die lieben Fruecht viel gelitten, daß das Malater Korn im April schon gekostet hat sechs Reichsthaler, das Malter Gerst vier Rl und der Weiz sieben und mehr RL, wodurch viele Menschen zur großen Duerftigkeit gerathen. Der liebe Gott wende diese betruebte Zeit in Gnaden ab! und gebe den Armen zum Trost eine segenvolle Sommer-Erndte! Der Weinstock ist so erfroren, daß auch kaum eine Traube in den Wingerten zu finden gewesen. Die Krankheiten haben auch grassiret, ist aber doch sonderlich niemand gestorben."

Betraechtlicher noch als 1709 muß 1755 die Kaelte gewuetet haben, weil der Kirchenrat eintrug:
"Am 14. Februar war die Nachtkaelte gegen Morgen drei Uhr vierzehn Grad groeßer als 1709"
Der Hauptlehrer schreibt: "Der Winter 1879/80 gehoert wegen seiner Dauer und anhaltenden Kaelte zu den haertesten in diesem Jahrhundert, denn die Kaelte stieg bis zu dreiundzwanzig R, nd es wurde befuerchtet, daß die Obstbaeume noth leiden wuerden. Leider hat sich die Befuerchtung in hohem Grade bestaetigt; denn es sind erfroren: a. saemtliche Weinstoecke (sie schlagen aus der Wurzel wieder aus) b. siebenhundertsieben Apfelbaeume, c neuzehn Birnbaeume, d. eintausendsiebenunddreißig Zwetschenbaeume, e. siebenundsechzig Nußbaeume, f acht Aprikosenbaeume, g zwoelf Mirabellenbaeume, h. vierzig Kirschbaeume - zusammen eintausendachthundertneunzig Stueck, lauter Baeume, welche schon getragen haben. Kleinere Staemmchen sind nicht mitgezaehlt, und von denen, welche jetzt noch Laub haben, kraenkeln schon viele und werden im naechsten Fruehjahr nicht wieder gruenen. Der Schaden ist sehr hoch, und der Ersatz wird lange Zeit beanspruchen"

So manches aus den alten Schriftstuecken verraet ueber große und relativ haeufige Braende, die "in einer halben Stund der Wind um sich griff und fuenfundzwanzig Wohnhaeuser und sechzehn Scheuern nach der Reihe auß dem Grund gebrandt"

Im Ahnensaal zu Runkel.
(Verfasser unbekannt)

Ein Kuenstler zog ins Land hinaus,
Zu malen Burgen, Schloß und Haus
Und Tal und Berg und Strom und Land
Am Rhein-, am Lahn- und Moselstrand:
Da kam er auch nach Runkel.

"Potz Blitz, fuer meinen Pinsel was!
Ein schoenes altes Schloß ist das,
Ruinenhaft, romantisch, wild-
Ich glaub', das gibt ein gutes Bild:
Die alte Burg zu Runkel."

Flugs wirft er sie auf sein Papier,
Der Sonne Glut versengt ihn schier.
Doch als die dann zur Ruhe geht,
In Farben schon vollendet steht
Das Bild vom Schlosse Runkel.

Nun wandert er im Mondenschein
In die verfallnen Mauern ein.
"Hallo! Ist hier kein Schlafgemach,
Wo man bis morgen ruhen mag,
Herr Kastellan von Runkel?"

"Hier schlaft im Schein des Mondenlichts.
Die Herrn und Frauen tun Euch nichts.
Wo das vergilbte Lager steht,
Macht's Euch bequem, so gut es geht.
Gute Nacht im Schlosse Runkel."

Der Alte geht, der Maler gaehnt,
Hat's Bild dort an die Wand gelehnt,
Sich auf die Kissen hingestreckt,
Mit seinem Mantel zugedeckt.
Still ist's im Schlosse Runkel.

Nur leise schwirt's im fahlen Schein,
Das wird ein Fledermaeuschen sein.
Im Holze pickt und saegt der Wurm,
Der zwoelfte Schlag verhallt vom Turm
Der Burgkapelle von Runkel.

Da wispert es und klirrt und rauscht -
Der Maler schaut sich um und lauscht.
Lebendig wird die Bilderwand,
Sie recken und strecken Fuß und Hand,
Die Herren und Frauen von Runkel.

Sie steigen herab, sie wandeln umher -
Rings starren die Rahmen kahl und leer.
Sie grueßen sich, sie fluestern leis.
Dem Maler perlt von der Stirn der Schweiß:
"O waer' ich erst fort von Runkel!"

Und Frauen in wunderlicher Zier
Mit Perlen und Spitzen, mit Kreuz und Brevier.
Die eine haelt ihr Huendchen empor,
Der andern folgt ein grinsender Mohr.
Welch edle Damen von Runkel!

Sie lachen und plaudern; es wackelt der Kopf,
Der Puder staubt von Peruecke und Zopf.
An die Marmorkamine setzen sie sich,
An Schach und Wuerfel ergoetzen sie sich,
Die Ahnen des Hauses Runkel.

Und einer im Frack und krausen Jabot
Mit Schnallenschuhen und Seidentrikot,
Dereinst ein Kenner und großer Maezen,
Hat des Malers fertiges Bild gesehn:
"Parbleu, das ist ja Runkel!"

Schnell sammelt sich ein bunter Kreis.
Man bewundert die Kunst, das Talent und den Fleiß.
Der Maler sitzt auf dem Kanapee,
Ihm straeubt das Haar sich in die Hoeh':
"Der Teufel hole dies Runkel"

Jetzt sehen sie ihn, potz sapperment!
Es regnet gar manches Kompliment.
Von Zeichnung und Farbe, von Stimmung und Ton
Sind alle zusammen begeistert schon,
Da naht sich der Ahnherr von Runkel.

Held Roceval reicht dem Kuenstler die Hand:
"Du scheinst die Zierde von Deinem Stand.
Nimm diesen Becher von Golde schwer,
Hier goldene Ketten, dort liegt noch mehr:
Dein sei der Schatz von Runkel.

Du hast die Burg so schoen gemalt,
Drum sei mit Gold und Schmuck bezahlt;
Hier noch die Truhe voll edlem Gestein,
Auch dieses Wehrgehaenge sei Dein
Als Dank von dem Ahnen von Runkel.

Und hier noch ein Faeßchen uralten Weins."
Der Maler schmunzelt - da schlaegt es eins.
Auf wacht er vom Schlummer; es war nur ein Traum.
Still haengen die Bilder im einsamen Raum
Des Ahnensaales von Runkel.

Am Morgen, als nun die Sonn' erwacht,
Hat er flugs mit dem Bild sich aufgemacht.
Im Wirtshaus drunten beim Weine gut,
Da ward ihm erst wieder wohl zu Mut.
Nie sah man ihn wieder in Runkel.

***

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