Landfotografie

Freier geschichtlicher Exkurs. Teil 2


Laengst vergangenen Ueberlieferern und Erzaehlern zur Ehr und Angedenken,
mit eigenen Bemerkungen versehen,
wird Geschichtliches zu Geschichten am Kamin,
die schon einen beachtlichen Umfang angenommen haben !





Geschichtliches

Des Krieges Buchstaben, von Friedrich von Logau:

K-Kummer, der das Mark verzehret,
R-Raub, der Hab und Gut verheeret,
J-Jammer, der den Sinn verkehret,
E-Elend, das den Leib beschweret,
G-Grausamkeit, die Unrecht lehret,
sind die Frucht, die Krieg gewaehret.

Aus fast vergessenen Zeiten raunt uns ein Buch der Gemeinde Weilmuenster zu, das schon vor ueber 32 Jahren
allerlei aus unserer Heimat aufspuerte oder sammelte und festhielt.
Ich gehe davon aus, dass die wenigsten Leser meiner Seite auf dieses Buch Zugriff haben,-
so darf wohl ein wenig daraus zitiert sein.

Der Ort erhielt den "Freibrief" im Jahr 1695 vom Grafen Ernst zu Nassau,
der sich aber dennoch die pflichtgemaeße Teilnahme an den Wolfjagten ausbedingte,
welche von den Dorfbewohnern geleistet werden musste.

Die Ortsnamen sind alle bestimmten Zeiten zuzuordnen:
Die Endungen -stadt, -bach, -a, -au sind in der Germanenzeit 300-500 entstanden.
Die auf -hausen, -dorf in der Zeit von 500-800, (Frankenzeit)
solche auf -rode in der Rodungszeit 80-1200 (Mittelalter),
jene auf -muenster von 1200-1500, in der Ritterzeit.

"Es war von vielen, vielen Jahren, als es im Weiltale noch mehr Waelder gab wie heute,
und dort Eichen- und Buchenbaeume von 3-5 Meter Dicke wuchsen.
Nachts fuhr der Sturm durch die alten Eichen, daß es in ihren Wipfeln aechzte und krachte.
Eulen und Raben flogen ueber die Baumspitzen, laermten und schrien,
und auf der Erde schlich der Wolf durch den dunklen Hain..
Nur ganz vereinzelt hatte Menschenfuß die Gegend betreten."

"..eines Tages stand die Dienstmagd des Bauern auf und wollte Feuer anmachen.
Als das Maedchen in die Kueche kam, sah es, daß am Bergeshang ein Busch brannte.
Da man damals noch nicht die Streichhoelzer kannte
und das Feueranzuenden mit Schwierigkeiten verbunden war,
nahm das Maedchen die Kohlenschippe und holte Kohlen vom brennenden Busch.
Als es aber die Kohlen in den Herd schuettete und Holz auflegte, brannte das Feuer nicht.
Das Maedchen versuchte nochmals sein Glueck und holte wiederum Kohlen
vom brennenden Busch, aber auch diesmal brannte das Feuer nicht.
Inzwischen war der Hausherr aufgestanden.
Als er sah, daß das Feuer nicht brannte, schimpfte er das Maedchen.
Da erzaehlte es, was sich zugetragen hatte.
Man sah nun in dem Aschenkasten nach und fand,
daß die gluehenden Kohlen lauter Goldstuecke waren-
vom Geldfeuer hat man seit der Zeit nichts mehr gesehen.."

"Wer von Essershausen nach Ernsthausen faehrt,
kann linker Hand den kleinen Wiesengrund sehen, der vor einigen Jahren noch beruechtigt war.
Bei Tage lagerten hier gerne Zigeuner, jagten, fischten und brieten Igel und eingefangene Hunde.
Bei Nacht aber plaetscherte es in der Weil, als ob jemand darin badete.
Am Ufer trappelten unsichtbare Pferde.
Dann krachte und splitterte es wie Eis im Fruehling.
Mancher berichtete, es seien ihm Schatten von Hunden, Kaelbern, Hasen und Katzen um die Beine gelaufen.
Un manchmal fluechtete ein Mooskopf,
ein graues Maennchen mit dickem Kopf, kopfueber in den Bach."

"Wenn es frueher in Aulenhausen lange regnete,
war der ganze Ort ein einziges Schlammbad, die Aulenhaeuser sagten dann:
Jetzt haben wir wieder die Schlammperiode.
Wenn der Regen vorbei war, mußten die Einwohner den zurueckgebliebenen Schlamm
mit der Schaufel in eine Schubkarre laden,
und wegfahren. Die ausgewaschenen Stellen und die Loecher wurden dann mit Kies ausgefuellt,
den man aus der nahen Kiesgrube holte,
die neben der Schule war. In dieser Zeit war Aulenhausen
fast von der Außenwelt abgeschnitten und nur von Weilmuenster zu erreichen.
Als 1935 die neue Umgehungsstraße von Weinbach nach Weilmuenster
ueber Aulenhausen gebaut wurde, konnte man auch von dort anfahren.
Ende der 50er Jahre wurde von der Gemeindevertretung der Entschluß gefaßt,
alle Straßen im Dorf teeren zu lassen.
Man stieß dabei auf heftigen Widerstand.
Die Gemeindevertreter ließen sich allerhand einfallen, um die Bewohner davon zu ueberzeugen,
daß geteerte Straßen unbedingt noetig und auch was Schoenes seien.
Das ueberzeugendste Argument war,
daß jede Familie pro Monat einen Putzlappen spare, das Stueck zu einer Mark.
Das mache im Jahr 12 Mark aus.
Aber es half alles nichts. Die Bauern hatten ihre Zweifel,
ob Pferde und Kuehe auf den geteerten Straßen noch genuegend Halt finden koennten,
um ihre Wagen vorwaerts zu ziehen.
Nun wurde beschlossen, Haintchen zu besichtigen um sich zu ueberzeugen,
wie die Bewohner mit dieser Neuerung fertig wuerden.
Dieser Ort war ebenso "schepp" wie Aulenhausen.
1954 wurden danach auch dort die Straßen geteert und fortan gab es keine Schlammperiode mehr.."
(Dabei haette ich gerne angemerkt:
Vermutlich sind die Einwohner dabei kraeftig zur Kasse gebeten worden, was nicht gerade froh machte.
Ein solches Gesetz existiert heute noch- wenn Strassen erneuert
oder Laternen ersetzt werden muessen, kostet das die Anwohner richtig viel Geld!)

Wie die Menschen vor nicht allzu langer Zeit dachten und fuehlten,
erzaehlt uns folgende Geschichte, die sehr lesenswert ist:

"Das war, als haette sie noch selbst die handlangen,
aneinandergebackenen Wecke in das Koerbchen gepackt,
saeuberlich eingeschlagen in ein weißes Tuch.
Milde gesueßt, braunglaenzend und klebrig standen sie zum Austragen bereit.
Doch schien der Vorrat auf den Tischen in der heißen Stube dadurch nicht gemindert.
Tassengeklapper, Kaffeedunst, Zigarettenrauch; ein Weck, aus der Reihe gebrochen,
schmeckte wie einst, als wir sie noch in der Laenge nach halbiert
und mit Butter bestrichen beim Blaettern in einem Bilderbuch verzehrten.
An den Schuhen haftete Erde, obgleich unsere Straße laengst geteert
und an ihrem Ende der Weg hinter dem Tannengitter kiesbestreut ist.
Es mußten Spuren der lehmigen Schollen sein,
die sich dicht neben uns tuermten, als wir ihr Blumen nachwarfen.
Zwetschenbaeume geschuettelt wurden.
Sie ging hin und her, mit Hacke, Rechen und Korb, bueckte sich,
besserte den Boden, der ihr ohnedies gut war.
Mehr noch als das Geraet bewirkten die Haende;
sie ließen die Krumen durch ihre Finger gleiten, zupften das Unkraut aus und saeten Samen
aus kleinen Tueten, die, leer geworden, auf Reisig zwischen die Furchen gespießt,
der Erinnerung nachhelfen und zugleich die Voegel verscheuchen sollten.
Verarbeitete und doch zarte Haende, im Alter die Zeigefinger verkruemmt,
aber feingliedrig und beweglich wie je.
Haste sonst noch was aufm Herze?
Das war im Laden, in der Kramstub.
Sie stand, Sommers wie Winters ein schwarzes Kopftuch umgebunden, hinter der Theke.
Die Finger zaehlten Pfennige nach, die Hand woelbte sich und schob das Haeufchen zusammen in einen Schlitz.
Man hoerte die Muenzen auf andere in der Schublade fallen.
Nie hat in schlechten Zeiten jemand freundlicher nach den geheimen Wuenschen hungriger Besucher gefragt.
In guten Zeiten hingen ueber ihr an dem gedrechselten Geruest dicke,
kraeftig geraeucherte Wuerste.
Neben ihr stand griffbereit ein Glasbehaelter mit Zuckerstaa.
Komm, nimm dir noch ein' mit.
Die Kinderfaust schloß sich um den begehrten Knollen,
ein anderer steckte bereits in der Backentasche.
Zwischendurch ging sie in die Kueche und trank einen Schluck aus dem Koeppche.
Der Kaffee war lau und duenn.
Da harrte neben dem immer waermenden Herd der alte Christian,
Kappe auf dem Schaedel, Haende ueber dem Stock gekreuzt,
stundenlang, unbeweglich, stumm, bis die Unterhaltung am Tisch
dem bald Neunzigjaehrigen einen Weisheitssatz entlockte;
knapp, karg, unwidersprochen.
Die Saeu - sie kam lange nicht zur Ruhe.
Die Haende mischten das Futter, prueften Gehalt und Temperatur.
Der Ruecken blieb straff, auch wenn sie die randvollen Eimer aufhob
und ueber den Hof, an einem gewaltigen Misthaufen vorbei, in den Schweinestall schleppte.
Heut war der Hof mit Menschen angefuellt und schien doch leer.
Die Staelle verriegelt, die Fenster geschlossen, der Vorhang dahinter weiß und dicht.
Die beiden Enkel gingen von Mann zu Mann und verteilten Rosmarin.
Der Neffe, einst unser lustiger Metzger,
hatte seinen alten Zylinder auf den ergrauten Kopf gestuelpt.
Nah ans Ohr gebeugt, fluesterte er: Ja, wenn eins nit mehr esse kann,
dann geht's rapid bergab!
Viel gegessen hat sie nie, an ihr schien die Bauernregel zu versagen.
Trockenes Brot, auch wenn sich in der Kramstub die Butter haeufte,
ein Teller Suppe, ein Endchen Wurst.
Und immer rote Backen! Die habe ihre Mutter auch gehabt und sei trotzdem nicht alt geworden.
Sie aber wurde zweiundachtzig:
Uns' Herrgott lenkt!
Sie hat viele Reiheweck zum Austragen verpackt.
Immer, wenn eins geht im Dorf, kriegen die Nachbarn den Ueberfluß vom Leichenschmaus.
Der Vater ing, er hatte lange im Hof in einem gruenen Korbstuhl gesessen,
blaß mit roetlichem Bart.
Immer war er der Sonne nachgerueckt.
Die Mutter ging, rotwangig noch im Sterbehemd.
Die Schwester ging, vier Kindern folgend.
Der Mann ging, als sein Warten auf den gefangenen Sohn erfuellt war.
Zuletzt halfen Bittgesuche.
Der Sohn war einen Tag daheim, da schloß der Vater die Augen.
Damals hielt es schwer mit den Reiheweck.
Der Sohn war ein Stiller.
Man muß zufrieden sein.
Nie eine andere Antwort auf fluechtige oder teilnehmende Fragen.
Eine leise Stimme, helle Augen - aber wo war das Erbe der Mutter hin?
Vielleicht in seinem Laecheln, sonst schien das alles verschuettet:
Witz, Lebensmut, Menschensinn, gesellige Wißbegier, Anmut beim Geben und Nehmen.
Vielleicht in dem zaehen geduldigen Schaffen,
auch im Verstummen vor der Kaelte eines Blicks, der Roheit eines Wortes.
Der Einzige war spaet und hart geboren, ein weiterer Wilhelm im Dorf,
zu einer Zeit, als Kaiser und Kronprinz das Land zum Siege fuehren sollten.
Auf Pferde verstand er sich.
Er starb im Krankenhaus.
Der Name der Kreisstadt faellt schicksalshaft, wenn im Dorf Geburt oder Tod sich ankuendigen.
Von Wilhelms Mutter sprach man noch mit dem Namen ihrer Eltern, als sie schon Großmutter war.
Das paßte zu ihr.
Kein Gram, keine Krankheit schien der Gradheit ihrer Glieder,
der hellen Frische ihrer Haut, dem maedchenhaften Stimmklang viel anhaben zu koennen.
Wie den Gaerten unter ihrer Hand, so schenkte jedes keimende Jahr ihr neues Leben.
Um Lichtmeß geboren, gehoerte sie dem Lenz.
Die scharfe Fruehlingssonne im Hof spiegelte sich in dem Schwarz des alten Zylinders.
Der Metzger hatte ihn abgenommen, denn jetzt laeutete das Gloeckchen. Gesang, Gebet.
Der Glockenton verstummte genau mit dem Amen.
Dann begleitete das Dreiergelaeut den Sarg vom Hof bis zum Grab.
Wie oft ist sie zu Fuß in jeder Jahreszeit die Straße gegangen,
die man sie heute sorgsam fuhr.
Einer rechnete nach und schaetze mehr als sechstausendmal:
Das Schulkind zum Singen, die Leidtragende, die Gaertnerin.
Wird den auch mit mir jemand gehen?
hatte sie auf ihrem letzten Krankenbett gefragt.
Die via saera des Dorfes war ein einziges schwarzes Band, man hatte die Haeuser verschlossen,
die Huehner eingesperrt, denn alle gingen mit.
Der Maedchenchor an der Spitze trug die Kraenze.
Wem hat sie nicht die Ware genau und reichlich gewogen,
die Scheine gewechselt, Blumenableger geschenkt und frischen Salat,
den Inhalt des letzten Romanheftchens erzaehlt,
als habe sie die ganze unglaubliche Liebesgeschichte soeben miterlebt?
Wievielen mit knurrenden Magen hat sie im Krieg furchtlos und verschmitzt vor Tau und Tag den Beutel gefuellt.
Brot, Speck, Eingemachtes, koeniglich!
Von wem hat sie nicht gewußt, was in seiner Stube vor sich ging - und geschwiegen.
Der Weg, an der Schmiede vorbeifuehrend, neigt sich ins Tal,
ueberquert den Bach, steigt zwischen Wiesen und Gaerten wieder bergan.
Es ist auch der Schulweg.
Die Sonne bescheint im suedlichen Stand den Hof, wo die Kinder waehrend der Pausen toben,
und die Staette mit den Kreuzen, unter denen Stille herrscht.
Das Grab war saeuberlich ausgestochen. Der Boden ist hier oben steinig.
Unzaehlige Eimer Humus hat sie aus dem Wald herbeigeholt.
Der Pfarrer sprach von der Mutter, der Gattin -
dieses Wort hat sie nur beim Romanzitat in exaktem Hochdeutsch verwendet.
Der alte Schreiner wischte sich die Augen, vorige Woche hat er die eigene Frau begraben,
und diese hier, die man jetzt an rauhen Seilen in die Tiefe hinabließ,
war ihre Freundin.
An langen Winterabenden war die Stille gekommen.
Sie erzaehlte gern, wie ein vornehmer Englaender, der im Pfarrhaus zu Besuch war,
sie beim Maehen ansprach, ihr die Sense aus der Hand nahm mit den Worten:
Zu schwer fuer eine Frau.
Aber sie hat doch bis siebzig gemaeht,
den Duft der Wiesen geatmet, waehrend die Jungen laengst mit der Maschine darueber preschten.
Die Jungen hatten es auch heute eilig.
Als die auswaertigen Trauergaeste die Wirtschaft betraten,
waren sie schon eifrig beim Autogespraech.
Sie berauschten sich an Typen und Konstruktionen, als kaemen sie von einem Rennen.
Zu trinken gab es genug und Reheweck die Fuelle.
Sie sollten ja noch am Abend nicht nur den Nachbarn ausgetragen werden,
sondern, so hatte die Heimgegangene es gewuenscht, in jedes einzelne Haus im Dorf."

(Anmerkung: Von den Nachbarn wurde ins Haus des/der Verstorbenen Butter,
Eier, Mehl gebracht, manchmal auch etwas Geld, damit die Beerdigung leichter zu schultern war.
Der Zusammenhalt war noch wichtiger dabei als die Gaben.
Ob nun Zuhause oder beim Baecker die Reihenweck gemacht wurden, war egal)

Die Hessenstraße durchzieht unseren Kreis Limburg-Weilburg von Westen nach Osten.
Die Residenz Rheinfels-St.Goar und die hessische Niedergrafschaft Katzenelnbogen
verband sie mit der Landgrafschaft Hessen-Kassel.
Der Landgraf von Hessen lies sie anlegen und vertraglich absichern -
die Rekruten zogen dort zu den Kasernen.
Aber auch Kaufmanns-Wagen zogen diese Straße entlang -
die aus niedrigem Grunde nie ausgebessert wurde und deshalb Schlagloch an Schlagloch aufwies:
Brach ein Rad, blieb das Fahrzeug liegen und liegengebliebene Fahrzeuge
gehoerten automatisch dem Landesherrn..
Beschlagnahmt von den Soldaten, die allzeit bereit waren.
Es gab auch noch andere Kuemmernisse:
Die Herren von Elkerhausen betaetigten sich zuweilen als Wegelagerer,
die in voller Ritterruestung mit ein paar Mannen wertvolle Gespanne ueberfielen
und in ihre Burg fuehrten. Wer sich wehrte, kam in den Turm.

So mancher Planwagen bekam nicht nur den Knueppel durch die Fuhrknechte
in die Speichen, wenn es hart bergab ging,-
schnell war die wertvolle Ladung weggefuehrt, die Besitzer hintenan gebunden wie Vieh.
Der geknebelte Kaufherr wurde in den hohen, dicken Eckturm geworfen.

"Ueberlahner" nannte man die Bewohner jenseits der Lahn,
so wie die Frankfurter sich "hipptebach"
(auf der rechtsmainischen Seite, die zum Taunus hin)
und "dripptebach" nannten, die in Sachsenhausen, die nichts wert waren, die Dienstboten,
dort, wo der gute Aeppelwoi gemacht wird.

Aufsaessige Unterthanen wurden von der durchlauchtisten
Gesetzlichkeit gottbefohlen verpruegelt, durch Buettel versteht sich-
selbst werden sich die hohen Herren die Haende wohl kaum schmutzig gemacht haben.
Somit sie fuerderhin jedwelche Widrigkeiten unterlassen,
wo doch nur die Willkuer der Macht ihr Recht wollte, also nichts boeses..

Laubmaennchen und Ostergaertchen waren Brauchtuemer
aus vorchristlicher Zeit, die der Mutter Erde huldigten.

Die Spinnstube war noch im ersten Weltkrieg Brauch.
Die Importe an Baumwolle waren erlahmt, so besann man sich des Flachs-
einer arbeitsintensiven Faser, die zeitraubend herzustellen war.
Aber von unuebertroffener Qualitaet -
also wurden wieder Spinnraeder und Webstuehle in Betrieb gesetzt.
Die Schafwolle zu verarbeiten war der zweite Auftrag der Spinnstuben.
In Weilmuenster soll es noch mehr als fuenfhundert Schafe gegeben haben,
als die Dreifelderwirtschaft noch genuegend Weideflaechen bot.
Die spaetere Umgestaltung der Landwirtschaft machte der Schafhaltung das Garaus.
Als die Zeit nach dem Krieg besser wurde,
waren die Maedchen mit Struempfestricken und dem Anfertigen von Wollkleidern beschaeftigt,
auch Kamisole mußten gestrickt werden, was mehr Zeit in Anspruch nahm, als das Spinnen.
(Oberteil, Weste Kamisol )

Das Milieu der Spinnstube war voll und ganz erhalten geblieben.
Meist Jahrgangsweise luden die Maedchen zur Spinnstube ein.
Ein Geburtstag war ein willkommener Anlaß.
Schon um 18Uhr begann das froehliche Treiben.
Jedes suchte seinen Platz auf und begann sehr fleißig mit der Arbeit.
Bald erfuellte frohes Geplapper die Stube.
Nachdem die Ortsneuigkeiten erschoepft waren, erklang schon mehrstimmig gesungen, das erste Volkslied.
Die Lieder schienen sich nie zu erschoepfen.
Es kam aber auch vor, daß ein Maerchen der Gebrueder Grimm vorgelesen oder nacherzaehlt wurde.
Gar schnell verging der Abend.
Nach neun Uhr durchzog Kaffeeduft das ganze Haus - als man diesen wieder kaufen konnte.
(Vermutlich gab es zwischenzeitlich Zichorienkaffee)
Die Mutter der Haustochter kam und besah sich die geleisteten Arbeiten.
Und dann kamen die Buben.
Bis dahin hatte fast jeder zu tun mit den Vorbereitungen zur Stallfuetterung fuer den anderen Morgen.
Sie hatten sich ohne Ausnahme praechtig herausgeputzt.
Schmale Tische wurden in die Stube getragen und dazu gestellt.
Die Maedchen deckten den Tisch.
Es war Ehrensache, das Beste an Kuchen und Gebaeck zu bieten.
Aber schnell wurde das Kaffeetrinken beendet.
Man hatte Besseres zu tun.
Zuerst kamen die Pfaenderspiele..
Ein Kuesschen schmeckte immer noch besser, als das beste Gebaeck.
Bald erklangen auch wieder Volkslieder.
Und dann mußten die Tische den Platz raeumen - der Raum wurde zum Tanzen frei gemacht.
Immer fand sich einer, der die Ziehharmonika spielen konnte.
Reichte der Platz nicht aus, kamen auch die Stuehle aus dem Raum.
Dann saßen die Maedchen in den Pausen auf dem Schoß der Buben,
was noch nicht einmal Protest hervorrief.
Das war alles ein frohes Spiel- viel zu kurz war der Abend, gar zu frueh der Aufbruch:
Nicht laenger als elf oder halb zwoelf duldete der Hausherr das frohe Treiben.
Noch ein letztes Glas vom selbstgemachten Apfelwein und dann gute Nacht bis zum naechsten Abend.
Gewoehnlich fanden in der Woche zwei Spinnstuben statt- immer woanders.

In der Goldnen Bulle von 1356 wurde das Recht,
den deutschen Koenig zu waehlen, auf wenige Fuersten, die beruehmten sieben Kurfuersten,
beschraenkt- drei Kirchenfuersten und vier weltliche.

1848 las ein Pfarrer seiner Gemeinde jeden Sonntagmittag die Zeitung vor und erklaerte den Inhalt.
So entstand spaeter in der "Elendsmuehle", dem spaeteren Utenhof ein Buergerverein,
dem sich immer mehr Leute zugesellten-
was schließlich zur Frankfurter Nationalversammlung fuehrte- der Losloesung von der Adelsherrschaft.

Der Herzog von Nassau beschimpfte die Besucher als "Bauernfuehrer, Radikale, Anarchisten und Kommunisten".

Zur Auflockerung mal wieder eine volksnahe Story:
350 Seelen hatte der junge Pfarrer zu betreuen,
der mit seinr Frau in das Backsteingebaeude mit graublauem Schieferdach
und seinen weißen Fensterrahmen einzog.
Die Beiden lebten die Natur und die Kunst im Einklang mit dem laendlichen Leben
und seiner Bewohner, harmonisch, so wird berichtet.
Jeder im Ort war irgendwie verschwistert oder verschwaegert
und jedes Menschenleben zog von der Wiege bis zum Grab in vollem Schein vorueber.
Es gab nicht die graue Anonymitaet eines Wohnblocks, so der Chronist,
oder Schicksals wie in der Großstadt.
Jeder Name, jedes Gesicht war bekannt und den Langenbachern,
die der Pfarrer getauft oder konfirmiert oder getraut hatte,
bewahrte er und seine Familie das vertraute "Du".
Sein Studierzimmer war die Zelle, von der seine Arbeit ausging,
der Schreibtisch lag vollgestapelt mit Geschriebenem und Gedrucktem.
Das feste, pergamentfarbene Konzeptpapier stach der kleinen Tochter als Malmaterial ins Auge,
und ein beliebtes Spiel war das mit den "amtlichen Sachen",
wie sie sich taeglich anhaeuften.
In einem gotischen Schrank standen die Kirchenbuecher, ledergebunden,
in denen der Pfarrer jede Amtshandlung verzeichnete.
In einem anderen Gefach wurde das Abendmahlgeraet aufbewahrt -
zwei Silberkelche, eine Zinnkanne fuer den Wein, Zinnteller, ein flacher Zinnloeffel,
und ein Geraet zum Ausstechen der Hostien aus duennen Weißbrotschnitten,
dazu feingestickte Altardecken und Kelchtuecher.
Nebenan lag sorglich gefaltet der schwarze Talar mit Samtbarett und weißem gestaerkten Beffchen.
Der Schatten der Kirche, umgeben von den maechtigen Linden, fiel bis zum Haus.
Die Sakristei war schmal, eng und vergittert, ein steiles Treppchen fuehrte von dort auf in die Kanzel.
Pfarrer Hummerich war ein gewaltiger Redner, seine Stimme ein tiefer, volltoenender Baß.
Er sprach frei. Samstags sah man im im Garten,
in die Rauchwolke seiner Zigarre gehuellt, lange Zeit hin- und hergehen,
den Predigttext bedenkend und einwerfend.
Er konnte ihn wie ein Gewitter ueber den Haeuptern seiner Gemeinde entladen.
Mit Christus, Paulus und Martin Luther stellte er jedesmal das Reich Gottes
neu und unwandelbar vor die Augen und die Herzen seiner Hoerer.
Seinen Wahlspruch Roemer III, 28, legte er ab wie ein erzenes Geluebde.
Doch wenn er betete, sprach er leise.
Das Vaterunser und die Fuerbitte um den Frieden Gottes brachten Sille nach dem Sturm.
Das Bibelwort in Luthers Sprache war kernig wie Bauernbrot.
Der Pfarrer bot es schon in der "Kinderlehre" sonntags nach dem Gottesdienst an;
es wuchs im Konfirmandenunterricht, zugleich in den Schulstunden,
wo der Geistliche den Katechismus auslegte,
waehrend der Lehrer die Biblische Geschichte erklaerte
und schließlich in der "Christenlehre", die erst zwei Jahre nach der Konfirmation endete.
(Den Katechismus "auslegen" bedeutet, dass auch diese
-zu der Bibel hinzugedichteten Verse- sehr flexibel sein muessen)
Nie handelte es sich um ein stures Auswendiglernen,
es vollzog sich vielmehr ein staendiges Aneignen von Teilen des "erhabensten Stoffes",
der fuer ein Leben lang taugte und den die alten Lippen
- es gibt noch heute Beispiele dafuer - so sicher und lueckenlos
aufzusagen wissen, wie einst die jungen..

In den Jahren des ersten Weltkrieges, als der Lehrer eingezogen wurde,
war der Pfarrer besonders beschaeftigt.
Er uebernahm den gesamten Schulunterricht und seine Frau im Gottesdienst das Orgelspiel.
Paedagogisch begabt, gelang ihm bei lockerem Stundenplan,
in den Koepfen vor sich in jedem Fall das Wesentliche einzupraegen, dabei etwa in Deutsch und Geschichte
heranzuholen oder Heimatkunde durch eigene Wandererfahrung zu beleben.
Er forderte viel, aber verschuechterte seine Kinder nicht.
Sein Humor half ihnen wie ihm selbst.
Da er jeden Familienhintergrund kannte, erleichtete ihm dies,
seine Schueler richtig einzuschaetzen.
In den Jahren zwischen 1911 und 1919 bekleidete er auch das Amt des Kreisschulinspektors.
Die Volksschulen waren einst durch Theologen gegruendet worden,
und sie bleiben in der Hauptsache bis nach 1918 unter geistlicher Aufsicht.
Fuer Pfarrer Hummerich, dem der suedliche Teil des Kreises zufiel,
galt es die Winter hindurch, neunzehn Schulen zu inspizieren.
Da kam ihm zugute, daß er ein geuebter Fußgaenger war.
Kraeftig geruestet, mit hohen Stiefeln, festem Stock und Proviant in der Tasche,
verließ er Langenbach fruehmorgens und legte im Laufe des Tages
neben kurzen Eisenbahnfahrten riesige Maersche zurueck.
In den drei unteren Volksschulklassen waren Lesen,
Rechnen und das Abschreiben eines Textes zu pruefen;
im 4. bis 8. Schuljahr wurde besonderer Wert auf das Verfassen eines Aufsatzes gelegt.
In allen Stufen stand "Religion" im Vordergrund,
und mit dem Singen eines Chorals begann oder endete die Pruefung.
Auch der schriftliche Verkehr der Schulen mit dem Konsistorium in Wiesbaden
ging ueber des Pfarrers Tisch; "amtliche Sachen" also zur Genuege.
In groeßeren Abstaenden versammelten sich die Lehrer zu Konferenzen
bei ihm und hinterließen eine verqualmte Stube.
Damals klang der Name "Verdun" im Deutschen wie ein Seufzerlaut.
Die seelsorgerische Seite seines Amtes schien dieser Pfarrer
gelegentlich wie nebenbei wahrzunehmen - er ging spazieren, fast immer mit seinem Hund,
und er machte sich dabei ein Bild von seiner Gemeinde.
Er blieb in einem Hof stehen, besah sich die Fruechte eines Ackers,
probierte einen Apfel, fragte nach einer Blume und ging im Krieg,
als die Maenner fehlten, mit zum Heuwenden.
Er blickte an einem Fenster empor, als wollte er sich vergewissern,
ob hinter den Gardinen das Dasein sinnvoll verlief,
oder auch seine Frau da drin an einem Krankenbett sitze.
Er wirkte staemmig, nicht groß, hatte eine starke Nase
und einen schoen gepflegten Schnurrbart.
Er konnte aufbrausen und zeigte doch heitere Guete, war ein guter Zuhoerer,
lud sich Sorgen und Noete auf, sowie er sie bemerkte.
Er war ganz und gar freigiebig - in seinem Trauerzug folgten am Ende
auch Bettler der Umgegend, denen er nie eine Gabe verweigert hatte..

Hier hat der Autor ganze Arbeit geleistet, das darf ich sagen.

Ob Pastor, Apotheker oder Doktor- die Kinder studierter Leute
oder den Herrschaften gefaelliger Kuenstler
hatten es immer schon sehr viel leichter eine aehnlichen Weg wie der ihrer Eltern zu machen,
als Kinder nicht studierter Einkommensklassen oder Befehlsempfaengern;
die einen resuemierten, diskutierten, ruhten und kur-ten,
die einfachen Leute "standen müßig herum" oder "schwatzten",
wenn sie sich unterhielten.
Der Schultheiß suchte das sofort zu unterbinden,
damit noch mehr gearbeitet wurde und immer "genug" dabei fuer die Landesherren abfiel,
der verschwenderischen Lebensstil prasste und durch Eitelkeit und Streitlust Kriege anzettelte.
Die Kinder der besseren Leute wurden "in die Gesellschaft eingefuehrt",
die der Armen oder Handarbeitenden misteten den Stall aus
oder halfen auf dem Feld oder beim Schmied oder beim Leinenweber etc. -
sie taten das Noetige, das die Herren und die ihren aber nie gepackt oder geschafft haetten,
ohne das beargwoehnte Tun der "Geringen" waere die feine Schicht glatt verhungert.
Das leuchtet aus den alten Buecher immer wieder durch, als wenn es rot unterstrichen waere.
Das giftige Wort "bildungsferne Schichten" stammt wohl aus jener Zeit?
Das der "Schafe" ebenso, die der Geistliche "huetete"?

Ost-West-Strassen hatten nicht die hohe Bedeutung von Nord-Sued-Routen in der alten Zeit.
(Irgendwie ist das heute noch zu spueren)

Die Informationen aus den Zeiten des 30j. Krieges sind spaerlich.
Es wird von einem großen Brand in Langenbach 1687 berichtet,
was der Pfarrer im alten Handbuch festgehalten hat:
"Anno 1687, den 9. May ist morgens zwischen sieben und acht Uhr
eine große Feuersbrunst entstanden,
da Tillmann Mueller ein Feuer angestiftet und auf seiner
und seines Nachbarn Scheuer es ahngefangen zu brennen
und in kurtzer Zeit fuenfundfuenfzig Baeuwer zu asch verbrandt worden;
der Boesewicht ist darueber entlaufen und nicht wieder gekommen;
sodem Anno den 10. Juni hat es abermahl allhier angefangen zu brennen
in Hanns Hennrichs Schmaltz scheuer
und sind wiederumb sieben oder acht Baeue abgebrandt und ist nicht herausgekommen noch kundt worden
wie dieses feuer ahngestiftet ist worden."

Es wird angenommen, dass dadurch der ganze Ort niedergebrannt war und in Truemmern lag.
Die Not kann man sich leicht vorstellen -
so wurde vom Pfarrer Chun in einem Rundschreiben alle Orte und Staedte
um das Unglueck herum um Hilfe gebeten.
"Benevolo Lectori Salutem!
O Miserabilis conditio mendicatitis!
Si petit pudore confunditur:
Si non petit egestate corfurnitur- et ut mendicet regessitate compellitur.."
"O des Elenden Zustandts eines Armen Bettlers!
Bittet er, so wir er schamroth, bittet er nicht,
so wird er durch Mangel Verzehrt:
Und daß er betteln muß, dringet und Zwinget Ihn die aeußerste noth."

Er schrieb weiter:
Nicht wenig wird es under so Vielem uhngemach den frommen Hiob sonderlich geschmertzet haben,
da der, obwohl des morgens sehr reich, des Abends Jedoch in aeußerster Armuth war.
Recht schmertzlich wehe thut es noch einem Jeden, wenn er ploetzlich umb seiner Habe kommt,
und in einem Tage zu einem armen Bettler werden muß.
Wie es Gott dem Herrn leicht ist, einen reichen arm machen et V:V: so trage sich leyder!
solcher Klaegl. faelle zuweilen zu, daß durch einiges behende
uhnglueck ein Vermoegenderr in hoechstes
uhnvermoegen geraethet. Auch kann balt ein Reicher Croesus ein armer Ivus werden;
Zwar wehe thuts, und macht schamroth, wann einer der lang anderen mitgetheilet,
Endlich selbst Zum bettler werden und warten muß,
was Ihm in seiner noth mitgetheilet wird, jedoch inutilis verecundia
egeno die noth zwinget machen, daß er sich nicht schaemen darf.

Eine solch Klaegl: noth hat leyder!
die Einwohner des Fleckens Langenbach,
als meine geliebte Zuhoerer, in verflossenem Jahr hart betroffen,
da in einem von Gottlosen Bößewichten zum Zweytenmahl ohngelegten feuer,
innerhalb wenig Stunden sechzig Baeuwe eingeaeschert und hier der
gantze orth erbaermlich und wueste verstoeret worden.
Viele sind so arm geworden, daß sie nichts mehr, weder was sie ahn ihnen Leibern
getragen, davongebracht. Gleichwohl aber suchet nun ein Jeder
ihm wiederumb ein Huettlein zu bauen, daß er sich mit den seinigen darinnen
aufhalten, und ehrlich, wie er vorhin auch gethan, wohnen moegen:
Ohnmoeglich aber ists, solches aus ihren mitteln zu erschwingen,
darumb dann noechster noth wegen gemaeßiget werden,
den frommen Christen umb eine milde steuer in dieser ihrer noth anzusprechen.
Wenn dann der Liebe Gott nicht nur in seinem H:Worte haben will,
der duerftigen sich anzunehmen, sondern auch die Christliche Liebe uns lehret,
dem Naechsten in seinen noethen beyzuspringen,
Und wie in allem, also auch in feuersnoethen zu foerdern: -
Alß wird ein Jeder guthertziger Christ,
hoch und niedrig, wes standts er ist, nach seinem Belieben und Vermoegen
solchen Brandbeschaedigten unt einer steuer zu huelffe zu Kommen,
demuetigst und dienstfreundlichst ohngeruffen,
welches er in diese Buechlein in neuundsiebzig Blaettern bestehend
aufzuzeichnen sich belieben laßen wolle.
Der getreue Gott beehuete nicht nur alle und Jeden fuer dergleichen uhnglueck und noth,
sondern auch ersetze mit seinem reichen Segen
einem Jeden die guthat, so wird er diesen Armen Brandbeschaedigten Leuten beweyset.
Wie dann Sie auch die Einwohner zu Langenbach solches jederzeit umb einem Jeden
nach Vermoegen zu erwidern sich anbieten
auch zugleich fuer alle ihre guth und Wohltaeter
dem lieben Gott zu Tag und nacht ahnrufen werden, daß er sie mit reichem Segen
und Abwendung solch und Aller Anderer noth gnaedig belegen und besegnen wolle.
GeGeben zu Langenbach den 18 ten Juny st.v. im Jahre 1688
Friedrich Martin Chun, Pfarrer zu Langenbach.

Der ganze Wortlaut war -meine ich- noetig,
damit man die Verzweiflung aus den Zeilen heraus spuert.

Unsere Gegend ist schon seit Urzeiten besiedelt-
wie schon des oefteren in diesen Zeilen betont-
1938 hat man das "Idol" von Dietenhausen gefunden -
in einem der zahlreichen Huegelgraeber des siebenundsechzig Grabhuegel zaehlenden Graeberfeldes.
Dabei handelt es sich um eine ca 7cm große Figur, wie ein Amulett,
aus blaeuchlich weißem fremden Kalkstein, den es wohl in Mesopotamien,
in Viena bei Belgrad und in Asmar gibt.
"Wenn die Kunst des Mesolithikums, mittlere Steinzeit,
zwischen 10.000 und 4000 Jahre vor Christus, langsam den Weg zur Abstraktion einschlaegt.."

Um die Mitte des letzten Jahrhunderts hallte noch der Klang der Schmiedehaemmer stundenlang durch die Gassen,
es wurden Pferde beschlagen, Kuehen Eisenplatten auf ihre Klauen genagelt,
Aexte, Beile, Sensen, Sicheln und Tuerbaender geschmiedet.
Schmiedemeister wussten Rat bei Tierkrankheiten,
man hielt den einen oder anderen Plausch, Kinder wurden von den funkenspruehenden Haemmern,
der Arbeit der geschwaerzten Maenner mit der Lederschuerze angelockt,
wenn das Eisen in den Wasserbottich kam, um zu haerten.
Am Handschleifstein wurden Arbeitsgeraete geschaerft- ein Blasebalg aus Rind-
oder Ziegeleder war das Geblaese, das mittels Handstange oder
Fußhebel betrieben, das Feuer immer wieder heftig anfachte,
bis die Eisen rot, dann weißgluehend wurden, um dann auf dem Amboß
mit wohl gezielten Schlaegen in Form gebracht zu werden. Daeng, daeng- daeng..
Bei so manchem Nagelschmied hoert man noch bis 1935 von einem Blasebalg,
der von einem Hund angetrieben wurde, der in einem Tretrad lief..

Ein Rauchfang ueber dem Schmiedefeuer ließ den Qualm durch den Schornstein abziehen-
wenn mit Hammer und Zange der Schmied sein Werk tat.
Zuweilen half sogar die Frau mit, wenn mehr Haende gebraucht wurden -
z.B. bei der Herstellung von Radreifen an der Biegemaschine.
Schmiede spezialisierten sich recht frueh in Eisen- Kupfer - Silber- Huf- Nagel-
Sensen und Messerschmiede, daneben in Schlosser und Spengler.

So ein Nagelschmied verdiente zwischen 1-3 Mark netto am Tag.
Fuer eintausend Naegel erhielt man um die vorletzte Jahrhundertwende-
je nach Art- ob Huf- oder Schuhnaegel und Gewicht 1,20 - 3,20 Mark.
Handgemacht, versteht sich!
Zur Herstellung eines Nagels waren ungefaehr zweiundzwanzig Schlaege
mit einem ein Pfund schweren Hammer auszufuehren.



Geschichtliches

Sonne und Sterne schaut ihr nicht mehr,
ihr Toten.
Aber ihr lebt in unseren Herzen unvergessen.

Nach dem mittelalterlichen Nutzungsrecht, noch zu Zeiten der Dreifelderwirtschaft,
war genug Weideland vorhanden, das dann durch die intensivere Nutzung weitgehend wegfiel.
Spaeter bildeten sich Genossenschaften, die mit Hilfe ihrer Schafe das Oedland
der Gemarkung von Hecken, Bueschen und unerwuenschten Straeuchern frei hielten.
Der gemietete Hirt musste sich die Huetehunde nebst Ausstattung selbst besorgen,
gestellt wurde die zweiraedrige Schaeferhuette mit Bett,
Tisch und Wandregal als Schlafstaette, die von der Gemeinde
an die zu beweidende Flaeche gezogen wurde.
Diese Schaefer waren und sind es auch heute noch - echte Naturburschen,
die sich in der Tierheilkunde, Pflanzenkunde, ueber Hexenbeschwoerung bis zum Zahnziehen -
auskannten. Heute halten sie statt der Hexenbeschwoerung lieber ein Schwaetzchen,
die Zaehne werden sie im Notfall nur noch bei den Schafen ziehen.
Des Schaefers Lohn ist karg, frueher war er sogar abwechslungsreich,
weil es zur Entlohnung Naturallieferungen gab.
Im Winter wurden die Schafe in die Staelle der Dorfbewohner gebracht,
zu ihren Eigentuemern.
Die eigenen Schafe des Schaefers- eine gewisse Anzahl stand im zu- wurden mit betreut.
Jeden Nachmittag fuehrte der Schaefer seinen Herde - auch im Winter- fuer einige Stunden ins Freie.
Zur Besoldung gehoerte auch die freie Bekoestigung, die er einige Wochen lang in Anspruch nahm.
Vom beginnenden Fruehling bis in den Spaetherbst waren Schafe und der Schaefer draussen, bei jedem Wetter.
An einem heißen Fruehlingstag fand alljaehrlich die "Schafwaesche" statt.
Sie wurde vor der Schafschur im Teich vorgenommen- ein Freudentag fuer das ganze Dorf.
Die Maenner standen in voller Kleidung im angestauten Wasser,
die Baeuerinnen und die Kinder schleppten die Schafe an das Wasser.
Das Fell wurde von den Maennern kraeftig geknetet und gewaschen-
pudelnaß und bloekend krochen die gesaeuberten Schafe aufs Trockene-
Nun begann die Schafschur, von der unser heutiger Schaefer sagt:
"Ich bin auch nicht mehr der Juengste- mal sitze ich auf dem Hintern, mal das Schaf.."

Besondere Begebenheiten in den Doerfern wurden von den Lehrern in den Schulchroniken festgehalten-
sie waren die eigentlichen Ortschroniken, in denen Feste, Jubilaeen,
Witterungen, Ernteergebnisse oder auch Kommentare zu politischen Dingen ihren Platz fanden.
Desgleichen Neuerungen, wie die Eisenbahnbauten, Bruecken-Neubauten,
Wasserversorgung, elektrisches Licht, Kriege und vieles andere.

So wurde der Flecken Weilmuenster 1914-1918 noch mit Petroliumlampen,
Oel-Standlichter oder Stall-Laternen erleuchtet..
Vom Rohnstaetter Bahnhofs-Erdtank belieferte der Pferdewagen die Kraemer
oder Kolonial-Laeden mit stark riechendem Erdoel, schimmerten die matt
leuchtenden Petroleum- Oel- und Kerzenlichter durch Gassen und Stuben.
Am Kriegsende 1917/18 blieb die Versorgung mit dem Brennstoff immer oefter aus.
So eroberten Karbit-Lampen, die sogenannten "Hindenburg-Lichter" die damalige Haeuslichkeit.
Mancher hat sich mit offen stehenden Ofen- oder Herd-Tuerchen beholfen,
die ein roetlichen Schein ins Zimmer warfen.
Die groesseren Kinder mussten sich um die Karbitlampen kuemmern,
diese taeglich mit einem Draht reinigen, damit der Austrittskanal frei war.
Vereinzelt gab es Stearinkerzen in flachen Buechsen gegossen.
1919-20 kam langsam die Strassenbeleuchtung mit Strom auf,
die vom Wasserrad und Generator der Futterschrot-Muehle betrieben wurde.

Schon die Roemer schaetzten gutes Wasser und leiteten es von weit her zum "Verbraucher":
Nachdem Wasserpruefer das Quellwasser fuer gut befunden haben,
wurde die Wasserleitung genehmigt und dabei recht großartige Bauwerke
geschaffen, die z.T. heute noch zu sehen sind.
So brachte eine 80km lange Wasserleitung aus der Eifel das Wasser zur roemischen Niederlassung
"Colonia Agrippinensis", also nach Koeln.

Ein Schicksal: 1809, am 29. Dez. verunglueckte in einer sternenklaren Nacht ein Mueller,
der von Weilmuenster nach Luetzendorf unterwegs war.
Er stuerzte auf dem vereisten Weg und brach sich ein Bein und erfror.
Sein Sohn ertrank im Rhein, sein Enkel Johann ist am Heiligabend 1872 am Ernsthaeuser Wehr ertrunken.

Die Waldschmiede zogen den Koehlern nach und verhuetteten direkt vor Ort
die unter der Erdoberflaeche in großen Mengen lagernden Raseneisensteine.
Nach und nach verknappte sich das Holz, selbst wenn es von weiter her angefahren wurde-
so stieg man auf Kohle um,
die von den neuen Hochoefen besser verwendet werden konnten,
die sehr viel genauer arbeiten und groessere Mengen lieferten.
Weg vom Waldschmied, hin zu kaufmaennisch gefuehrten Betrieben, was eine neue Berufsgruppe brachte: Angestellte.
1590 kann man bereits von Ruestungsindustrie sprechen, die viele Auftraege bekam,
- aber auch andere noetige Eisenwaren wurden in Mengen gebraucht.
Die Abgaben flossen reichlich, was auch noetig war:
Das Weilburger Schloss muss damals die Finanzen arg zerruettet haben.

1634-35 wird das Weiltal durch die geschlagenen schwedischen Truppen schwer heimgesucht:
Die Audenschmiede wurde zerstoert, die Kohlenvorraete gepluendert -
sogar das Leder der Blasebaelge war begehrt bei den Soldaten.
Pluenderungen, Brandschatzungen loesten sich ab,
so daß sich die Bevoelkerung in den Waelder verstecken musste.
Der Verfall der Sitten lies nicht lange auf sich warten.

Nach dem 2.Weltkrieg schreibt die Chronik folgende Statistik,
die anhand des Lohnes einer ausgebildeten Krankenschwester
die Lohnentwicklung in den Folgejahren zeigt:
1949 bekam sie 173 DM, 1950 213DM, 1951 239DM, 1956 376DM, 1960 511DM, 1961 526DM,
1962 647DM, 1963 677DM, 1964 832DM, 1965 919DM, 1966 956DM, 1968 1109DM,
1970 1172DM, 1971 1548DM, 1972 1756DM - heute geht alles wieder rueckwaerts,
nur bei den Chefs gehts aufwaerts weiter, aber wie!

Bereits 1217 wurde die Kirche von Weilmuenster erwaehnt, sie war ein urkundlich wichtiger Mittelpunkt.
Sie ist wohl im 8./9. Jhd entstanden und war ein Monasterium, wo Priester nach Moenchsart lebten.
Sicher war das wohl der Entstehungsgrund des spaeteren Fleckens Weilmuenster.
Aus Holzkirchen der Gruender wurden nach und nach Steinkirchenanlagen gebaut,
oft als Wehrkirchen, die auch der Bevoelkerung Schutz gegen Uebergriffe
pluendernder Soldaten und anderer Horden gab.
"Ex oriente Lux"- aus dem Osten kommt das Licht, so wurde die Lebensart uebergestuelpt,
die das Christentum vorgab.

1547 kam die "Hexenbulle" heraus- und man verfiel dem Wahn der damaligen Zeit, dass Personen,
die irgendwie irre oder ihren Menschen geistig ueberlegen waren, nur vom "Teufel besessen sein konnten".
Die Kirche heizte das noch an- klar, sonst haette der Teufel schliesslich auch keinen Sinn gehabt-
so, wie man dummen kleinen Kindern damals Angst vor dem "Butzemann" machte,
damit sie nicht in den Keller oder auf den Speicher gingen..

So wurde die Else aus Mit (Moettau) wegen ihrer "teuflichen Wahrsagerei" angeklagt.
Die Pfarrer aus den umliegenden Orten hatten diese Beschwerde eingereicht.
So erging der Erlass, dass sich, unter Androhnung deftiger Strafen,
kein Unterthan zu obengenannter Person begeben durften.
(Die Pfarrer fuerchteten wohl die Konkurrenz und trachteten deshalb nach deren Ausschaltung)
Die Schultheißen hatten danach sorgsam auf diese Else zu achten.
Der Pfarrer aus Herborn brachte zur Anzeige, daß Else von Mit keinen Glauben haette,
sie gegen das graefliche Verbot weiterhin verfehlen wuerde
und weiter in ihrem gottlosen Fuernehmen fortfahre..
Die Else war wohl eine kluge und redegewandte Frau,
geistig vielen ihrer Mitmenschen ganz offensichtlich ueberlegen-
sicher hat sich auch eine Reihe einflußreicher Goenner gefunden,
sonst haette sie sicher nicht ueberlebt.

Am 18.Juli 1661 wurde ein fast achtjaehriges Maedchen begraben,
das im Hof ihres Elternhauses "von einem Wolf zu Tode gebissen" wurde.


Der Verfasser der Buches "Ellar" von 1967, einer Chronik des Ortes meinte sehr richtig:
"Die Aufgabe dieses Buches moege sein, die Liebe zur Heimat zu wecken und zu pflegen".
Zwanzig Jahre hat er mit den Vorbereitungen zu diesem Werk gebraucht,
die große Aufgeschlossenheit der Westerwaelder Bevoelkerung half ihm dabei.

Ein paar Abkuerzungen, die eine Lektuere alter Buecher erleichtern koennen:
+ Wuestungen, ausgegangene Orte oder ausgestorbener Name
ahd althochdeutsch
mhd mittelhochdeutsch
nhd neuhochdeutsch
lat. lateinisch
Mlt. Malter
Mst. Meste(n)
Sst. Sester
Vt. Viertel
Sm. Simmer
Fd. Fuder
ha. Hektar
fl. Gulden, Florin, zuerst in Florenz gemacht.
alb. Albus, Weißpfennig, Silbermuenze - 1774 war 1alb 8Pf oder 1/24 fl.
pm. Petermaennchen, Albus aus Trier mit dem Bild des hl. Petrus, Wert wie ein alb.
ggl. Goldgulden.
Rgl. Raedergulden, Silbergulden d. vier rhein. Kurfuersten, mit radaehnl. Kranz versehen, Wert wie ein fl.
Rtl. Reichtaler -von 1556 bis Anfang 19.Jhd., spaeter preuß. Taler bis 1907 3Mark.
MK. Mark 11-14. Jhd. 1Pfund gleich 32 Lot Silber gleich 2 Mark. 1Mark gleich 1/2 Pfd Silber gleich 10 Schilling, Solidus oder 120 Denare (Pfennig)
Dk. Dukat - 1Dk gleich 5fl
Pfg. Pfennig, Silbermuenze, spaeter Kupfer gleich 2 h.
h Heller erst Silber, dann Kupfermuenze - Wert zwischen 1/2 und 3/4 Pfg.
Rh. Raederheller
Kst. Kopfstueck oder Koppstueck, Silbermuenze mit dem Kopfbild des Muenzherrn, Wert 20 Kreuzer oder 1/3 fl.
Kr. Kreuzer, Silbermuenze mit Kreuz, seit dem 18.Jhd aus Kupfer bis 1871 im Verkehr. Wert 1/80 fl.
tn. turnose, Silbermuenze 13-16Jhd. Wert 1/18 fl.
Sgr Silbergroschen.

Ein Fuder Korn - 2 Malter - 24 Mesten.
Ein Fuder Hafer - 3 Malter - 36 Mesten.
Ein Fuder Gerste - 2 1/2 Malter - 30 Mesten.
Ein Fuder Erbsen - 1 Malter - 12 Mesten.
Es gab in Ellar zwei Malter: Den Dillenburger mit 16 Mesten und den Diezer mit 12 Mesten.
Das Maltergewicht betrug bei Weizen ca 160kg, bei Roggen 150kg, bei Gerste 130kg,
bei Hafer 100kg. (unterschiedl. Massengewichte)

1 Maß ist zwei Liter oder 4 Schoppen oder 16 Viertelchen.
4 Maß Wein waren ein Viertel (Vertell)
24 Viertel waren ein Ohm
6 Ohm ein Fuder Wein.

Auch Stroh wurde nach Fuder berechnet: 1 Fuder gleich 60 Garben (Buendel Stroh.

1 Sadel waren 25 Ruten oder 1/4 Morgen. (Im Jahr 1782)
Ein Morgen war die Flaeche eines Landes, das man an einem Morgen ackern konnte.
Der Morgen bestand im Jahr 1700 aus 160 Ruten, spaeter aus 100 (vermutlich deshalb,
weil die Bearbeitungsmethoden schneller waren)
1 Sadel (Saatteil) war ein Viertel des Morgens oder 40 Quadraturen groß.
1 Rute war 16 Schu im Geviert oder 23,04 qm.
Dritthalber Morgen = 3 1/2 Morgen.

1 Rute gleich 16 Schuh oder 4,8m lang, 1 Schuh gleich 12 Zoll oder 30cm, 1 Zoll ist 2,5cm.
1 Elle gleich 24 Zoll oder 60cm lang.
1 Pfund gleich 32 Lot, 1 Lot gleich 4 Quentchen (Keitche, platt, ein wenig) gleich 16gr.

Bestaender = Paechter, Eidam = Schwiegersohn, Nachbar = Vollbauer,
Gemeindsmann =mit Pferden bespannt, voll dienstpflichtig,
Heppenbauer= nicht gespannfaehig, also keine Pferde, also handdienstpflichtig.
allodial = erb-eigen, zinsfrei. (stipulatio, lat) vertragliche Klausel oder Abmachung.

Mit gemischten Gefuehlen kam Apotheker Loew (1879-1962) nach Ellar, 1944 ausgebombt aus Frankfurt Main:
"Von welcher Seite man sich auch dem Dorfe naehern mag, ueberall hat
man einen herrlichen Blick auf den trutzigen Bergkegel
mit seiner Burgruine auf die stolz wirkende St. Maximinuskirche auf der Hoehe.
Die Reste der Befestigungen sind auch heute noch bis tief herunter
in die engen Gassen des Dorfes zu erkennen
und geben dem Ort ein fast mittelalterliches Gepraege,
das noch durch einzelne schoene Fachwerkhaeuser verstaerkt wird.
Der groesste Teil des Dorfes Ellar zieht sich heute durch eine liebliche Talsenke
des Lasterbaches bis hinauf in den Wald.
Kein Wunder, daß es immer mehr von Reisenden und Sommerfrischlern besucht wird,
bietet es nicht nur reine Luft und Ruhe inmitten von saftigen Wiesen,
von Feldern und Waeldern, sondern auch herrliche Spazierwege
in die naehere und weitere Umgebung, die besonders dem Naturfreund viel Interessantes und Schoenes zeigen.
Flora und Fauna sind hier gleichermaßen interessant und veranlassen immer wieder zum Schauen.
In den letzten Jahren konnte ich hier noch feststellen:
Roten und Gelben Fingerhut, Weißwurz -Maililie und
Viebluetigen Weißwurz- Baerlauch, Schildfarn, Hirschzunge, Wollfarn,
Frauentraene, Sumpfwurz, Frauenschuh und viele andere schoene Orchideen,
Lungenkraut, Schaumkraut, Waldanemonen.
Ganz besonders schoen zeigen sich in den nahen Waeldern ganze Gruppen von Tollkirschen
und an einigen abgeholzten Waldhaengen
weithin leuchtende Verbascum-Arten -Koenigskerzen.
Erwaehnen moechte ich auch noch den großen Reichtum an Pilzen aller Art.
Die Vogelwelt ist durch eine reiche Anzahl von Singvoegeln,
darunter auch der die deutsche Nachtigall, vertreten und die noch zahlreich
vorhanden Hecken und Gebuesche tragen sehr zur Vermehrung der gefiederten Saenger bei.
Raubvoegel sind nur vereinzelt zu bemerken und neben dem oefter auftauchenden Sperber
und Habicht nur als Durchzuegler anzusehen.
Hier und da tauchen auch noch der schoen gezeichnete Pirol oder Pfingstvogel und die Gabelweihe auf.
In der Wildbahn kann der Wanderer bei einigem Glueck Rehe, Hasen,
Fuechse und Fasanen beobachten und zwar in gar nicht weiter Entfernung vom Dorf,
waehrend Wildschwein und Dachs schon seltener geworden sind.
In den feuchten Wiesengrund an den Waldraendern findet man oefter die
unschuldige Blindschleiche und nuetziche Ringelnatterarten,
die leider zu Unrecht als gefaehrlich verfolgt werden.
Die giftige Kreuzotter konnte ich bei Ellar nicht feststellen.
Wer je einmal das historisch so reiche Doerfchen Ellar in seiner Obstbluete
oder zur Zeit der bluehenden Wiesen gesehen hat,
wird sich dankbar an diese Naturschoenheiten erinnern."

Das tun wir auch an Dich, den Verfasser dieser Zeilen..

Die Ortsnamens-Forschung kann neben den Bodenfunden einiges ausgraben lassen:
In diesem Ort ist wohl erst seit der fraenkischen Zeit nennenswertes entstanden,
von den alten Huetten und Zustaende
war eher das typische Schweigen von Menschen und Siedlungen zu spueren,
deren Menschen nichts schriftliches hinterlassen haben..
Ca 400 n.Chr. haben wir in den Vier Centen des Gebiets mehrere Orte.
Ortsnamen sind Stellenbezeichnungen ohne naehere Beziehung zum Eigentum der Leute:
-apa, -affa "Fuß" oder Wasser.
-aha "Bach", Wasser - aus "Alleraha" wurde Ellar.
Aus indogermanisch pelos "zum Sumpf gehoerig" Lahr, -mar "Sumpf".
Diese Stellenbezeichnungen oder Lagebezeichnungen sind aelter
als die Siedlungen und gehen also in die Steinzeit zurueck.
Aus den Ubiern oder Usipetern, aus der Matronenzeit koennte man die "-ingen" - Namen erklaeren.
Diese Matronen, Mahalinehae, Gerichtsgoettinnen der Ubier
in Verbindung mit deren Gerichts- und Kult- und Thingstaetten am Heidenhaeuschen / Rommelsberg
Fussingen liest man von Matronen, Vesuninahae. 500 n.Chr.,
zur Voelkerwanderungszeit kamen Ortsnamen, die den Besitz kennzeichneten:
-ing, -ingen, -heim, -hofen (Holzmenningen, Dorchheim, Mittelhofen)

Nun beginnt der vom Staat oder von den geistlichen oder weltlichen Grundherren
geleitete Ausbau des Siedlungsgebietes durch Rodungen der Waelder.
(500-1300) In der Merowingisch-Karolingischen Rodungsperiode (500-900)
gehen die Orte auf -dorf -hausen -bach -au(e):
Dorndorf, Hausen, Waldmannshausen, Walddernbach, Muehlbach, Wehnaue, Winnen.
In der Zeit der Großen Rodungsperiode (900-1300) wurden Waldgebiete
planmaeßig kolonisiert- und folgende Endungen entstanden:
-rod -roth -reute (Wiesenroth, Oberrod, Wenigen-Reynderroytchen oder Reinderrode, Ronderode.

Ende des Mittelalters gab kaum noch Land, das man urbach und zur Anlage
neuer Doerfer haette nutzen koennen, weil auch an die Felder
gedacht werden musste, um die Menschen zu ernaehren..
Manche Orte versanken wieder oder wurden verlassen,
weil eben doch nicht alle gerodeten Flaechen fruchtbar waren.
Desgleichen war in Auensiedlungen, die oft ueberschwemmt wurden, festzustellen.
Allerdings waren auch Krieg, Seuchen und das Schutzbeduerfnis
der Grund zur Abwanderung in Orte der Umgebung.
In der Gemarkung Ellars waren das rund ein dutzend Siedlungen, die wuest gingen.

Man liest von Sumpfnamen "-lar" z.B. Wetzlar, aber auch Fahler,
Faller, Fahlebruch, Flas, Blas, Las, Los, Lahr -wie in anderen Senken- nicht uninteressant oder?

Die Durchgaengigkeit der vokalisch anlautenden Formen durch das Keltische
hindurch deuten auf ein sehr altes und langes Nebeneinander von Germanen und Kelten hin.

Nach dem Sieg ueber die Alemannen nahmen 496 die Franken das gute Ackerland weg,
lies ihnen das weniger gute und zwang sie zu jaehrlichen Abgaben und Diensten.
Diese Franken erlaubten sich die Freiheiten das Thing zu uebernehmen-
bald entwickelte sich bei den gewaehlten Fuehrern der Adel und das Koenigtum!

Das Lehnwesen und die zugehoerigen soziologische Strukturen entstanden,
die wohl mit dem Kasten-Wesen zu vergleichen waren.

Die neuen Feudalen oder Adligen waren zwischen dem Throne und ihrem frueheren Volk angesiedelt.
Die Freien trieben Ackerbau und Gewerbe.
Die Unfreien warem ohne Grundbesitz, durfen an der Volksversammlung nicht teilnehmen,
sie gehoerten faktisch ihren Herren..
Die Unfreien waren ihrerseits in drei Klassen eingeteilt:
1. Zinspflichtige, 2. Hoerigen oder "Liden" mit Frondiensten, 3. Leibeigene im strengeren Sinne.

Als in der vorfraenkischen Zeit die Bewohner von der Jagd zum Ackerbau uebergingen,
rodeten sie ein Stueck Wald und umschlossen
das Gewann zum Schutz gegen wilde Tiere mit einem Graben und Zaun.
Dieser sogenannte "Bifang" war die Grenze des Eigentums.
So entstand der Ackerbau und Eigentum an Grund und Boden.

Aus den Bifaengen wurden bei den Franken die Mansen und Huben.
Von den Mansen leiteten sich die Rechte auf die Volksgemeinde ab -
zum Mansus gehoerte 30 Morgen Land, die man als Hube bezeichnete.

Nach und nach entstanden mehrere Mansen nebeneinander,
die nach Groeße eine besondere Unabhaengigkeit genoß.
Das Schutzbeduerfnis und der Geselligkeitstrieb lies Doerfer entstehen,
die in den aeltesten Urkunden als "villae" bezeichnet wurden.
In der Ortschronik als "Weiler" uebersetzt, tendiere ich eher zu der Bezeichnung Hofgut,
was aus der direkten lat. Uebersetzung besser passt.

In Marken erweiterten sich die ersten Ansiedlungen, die Stammhuette gab der Mark den Namen.

Alle Freien, die in der Mark wohnten, hatten Anteil am gemeinsamen, ungeteilten Boden.
Die Gemeinden waren eher einer gemeinschaftliche Buergerschaft.
Aus Mansen entwickelten sich die Doerfer.
Die gemeinsame Mark nannte man Allmende.

Eine oder mehrere Markgemeinden bildeten einen Bezirk von 100 Mansen
oder Feuerstaetten- sogenannte Centen, Hundertschaften.
Eine fuer die Rechtsprechung brauchbare Groesse- die von den Centgerichten,
den Untergerichten behandelt wurden- diese waren mit den spaeteren Kirchspielen identisch.

Die Franken und Alemannen hatten eine Gau-Einteilung.
Aus welchen sich dann landesherrliche Rechte und Fuerstentuemer entwickelten.
Erst um das Jahr 1000 gingen diese langsam unter.
Aus Gaugrafen als kaiserliche Beamte wurden Landesherren, deren Amt in der Familie erblich wurde!

An die Stelle der aufgeloesten freien Volksgemeinden traten Landesherrschaften,
Grafschaften, Herzogtuemer und Bistuemer.
Deren Vertreter erschienen als Reichsstaende auf den vom Kaiser gehaltenen Reichstagen.

Nun ist das fehlende Glied der Entstehung oder des Ursprungs vom Adel schlechthin klar geworden.
So folgte dann die Sucht nach Vergroesserung des Einflusses, teils im Streit,
teils durch Heiraten, Schenkungen, aber auch Pfaendungen -
Im Jahre 1323 war der Verwalter der Burggraf, spaeter hieß man diesen "Amtmann",
der den Oberbefehl im Namen und Auftrag des Herrn hatte.

Die Besoldung des Amtsverwalters im Jahre 1791 war:
Fester Sold 600 fl jaehrlich, die Markt- und sonstigen Gebuehren des Gemeinwesens,
sowie die Gerichtsschreibergebuehren.
Freie Wohnung nebst zugehoerigen Gaerten;
10 Klafter gaenzlich freies Brandholz
Freie Fourrage fuer ein Pferd (20 Malter Hafer, 40 Zentner Heu
und 3 Fuder Stroh jaehrlich) oder die Nutzung einer Wiese, die pro Jahr 40 Zentner Heu einbringt..
Schreibmaterialien mußte der Amtsverwalter aus eigener Tasche bezahlen.
Er wollte diese vom Fuerstlichen Amt diese Aufwendungen zurueck erstattet bekommen,
was umgehend abgelehnt wurde.
"Da kein Beamter freye Schreibmaterialien zu genießen hat und also auch der Betrag
fuer das an das Fuerstliche Amt zu Ellar gelieferte Dintenfaß ad 1 fl. 15 alb.
aus der herrschaftlichen Kasse nicht bezahlt werden kann,
vielmehr derselbe solches ex propriori zu bezahlen verbunden ist,
wird gedachtes Amt mit der Ruecksendung der Rechnung beehrt"

Im 14.Jhd unter Kaiser Karl IV. kam eine Flut von Stadtgruendungen,
wo kleinere Landorte oder groeße Flecken zu Staedten ernannt wurden.
Noch bis ins 15.Jhd. gleichen die Stadte noch Doerfern..
steinerne Haeuser und steinerne Pflaster gab es nicht ueberall,
mitten in der Stadt standen Eichen und Linden,
die Kuehe trabten in die Staelle, Schweine ueber die schmutzigen Strassen..
Neben wenigen Steinhaeusern standen Huetten aus Lehm und Stroh.

Der Grund fuer die Stadt-Machung war naheliegend:
Die nun staedtischen Buerger mussten fuer die Verteidigung sorgen,
was zuverlaessiger war, als die adeligen Vasallen zum Schutz der Burg und Stadt.
Zumindest zahlten die Buerger nun kein Besthaupt und keine Lehen mehr,
waren nicht mehr in Leibeigenschaft.
Der Regent konnte sich einer besseren Landesverteidigung sicher sein.

Im Jahr 1374 wurde Ellar von zwei Limburger Rittern in Brand gesteckt -
vermutlich war es die Konkurrenz von Stadt und Maerkten?
Spaeter ist so manche kleine Stadt wieder zum Dorf zurueck gefallen,
weil die unguenstigen Rahmenbedingungen keine andere Wahl gelassen haben-
wenig Umsatz bedeutet wenig Geld fuer die Stadtverteidigung.
Der Ellarer Markt ist vor 1830 ausgegangen, man ueberlieferte,
dass er nach Stein-Neukirch auf den hohen Westerwald verlegt worden sei,
um Schlaegereien zu vermeiden.
(Ohne schriftl. Zeugnis) In Steinkirch wurde der Jahrmarkt 1830 verzeichnet.
Moegen die Sagen sich auch zuweilen veraendern, so verdeutlichen sie doch,
daß die Hilflosigkeit der Landbevoelkerung,
besonders der verachteten Bauern, dem Hochmut der staedtischen
und wohl auch reichen Buergern der Willkuer nicht entgegenzusetzen hatte.
Kein Wunder, dass die Verteidigung der Stadt, die um die Burg herum angesiedelt war,
zu viel fuer die einfachen Leute gewesen sein muss.
Die Zuegellosigkeit und Raublust des degenerierten Adels forcierte die Unsicherheit jener Zeit.

Heimtueckige Ueberfaellte, Fehden und sonstige Not- von Mißernte
n ganz zu schweigen- ein Amtmann oder Edelmann raubte dies, der andere das.
So pluenderten Katzenelnbogener Amtleute aus Ellar mit ihren Knechten die Stadt Elz - einfach so.
Diese Begegnungen koennte ich seitenweise auffuehren, man findet sie in jedem der alten Buecher.

Der Schwarze Tod trieb sein Unwesen, gegen das man kein Mittel kannte, bis ins 18.Jhd. hinein.
So sah man darin "Gottes Strafe fuer ungeziembtes Leben". So mancher Ort ist damals ganz ausgestorben.
So mancher Ort wurde einfach abgeriegelt, damit nicht noch mehr Leute angesteckt wurden.



Geschichtliches


Der alte Wagen, eine Fabel.
Ein alter Bauernwagen, der arg ramponiert und marode war,
der just viele Umbauten erleben musste, war beileibe kein "Scheunenfund",
dafuer war er zu gross und stand mitten auf dem Platz.
Seine Besatzung fuetterte notduerftig die dazu gehoerigen vier Pferde
- zwei Zirkuspferde mit Kavallerievergangenheit und zwei Kaltblueter.
Da kamen Goetter, die immerfort ueber "die Menschen" sprachen und sich der Sache annahmen.
Aus den Rahmenteilen ersann der Wagner die Bauart, Hersteller
und Fabriknummer und baute damit diesen "wieder auf",
den Wagen, der so viele Umbauten hat erleben muessen:
Erst war er Heuwagen, dann Ruebenwagen, spaeter Baustoffwagen,
Kirmeskarre- und ab und an auch mal eine Kanonenlafette,
wo er seine letzte Fahrt hatte und zusammenbrach..
Durch des Wagners Kunst ward er wieder ganz der Alte, frisches Holz und neue Bremsen,
neues Eisen auf den Speichenraedern und Zuggeschirr fuer die vier Pferde war auch dabei.
Aber die Goetter wollten vorne zwei und hinten zwei Pferde anspannen- warum auch immer.
(Vermutlich hatten sie irgendwas studiert und wussten alles besser)
Die alte Besatzung wurde geholt und auf die neuen Herren gefirmt.
Die erste Fahrt war toll, die Pferde waren geputzt und wurden wieder froh,
jedermann hatte gute Laune und so nahm der Wagen wieder Fahrt auf.
An Auftraegen mangelte es wohl nicht, so wurde der Wagen immer voller beladen,
die faulen Pferde trabten in Ruhe
(bei denen war antreiben sowieso sinnlos) und die fleissigen wurden gepeitscht.
(damit sie den Faulen ein Beispiel sein sollten)
Als dann die "Nachfrage einbrach", weniger zu transportieren war,
wurden je ein fleissiges und ein faules Pferd beim Metzger abgegeben
um von dem Erloes die Besatzung zu bezahlen.
Nun war vorne das faule und hinten das fleissige Pferd angeschirrt,
auf dem Kutschbock hockte der Kutscher und sein Helfer und sein Freund,
hinten auf dem Wagen ruhten die "arbeitslosen" Besatzungsmitglieder und deren Interessensvertreter,
die Spruchbaender haekelten und dicke Waelzer lasen.
Immer mehr Vagabunden kamen unterwegs dazu- die zwar weder die Besatzung
noch deren Wagen noch dessen Eigentuemer mochten-
es gab aber Essen und gut zu trinken.
Der Wagen fuhr auf den grossen Marktplatz,
wo ebensolche Wagen und deren Besatzungen aus anderen Gegenden standen, denen es aehnlich erging.
Sofort wurden Gremien und Ausschuesse gebildet, die nach langer Zeit der teueren Beratung beschlossen:
Wir geben uns gegenseitig Auftraege und reparieren die Wagen mit Hilfe von geliehenem Geld,
kaufen davon neue Pferde,
die schneller ziehen und geben die alten Tiere zum Metzger,
und der macht davon leckere Lasagne, damit alle satt davon wurden..
Die Bank kollabierte nicht etwa, weil nur wenig zurueckgezahlt werden konnte- nein,
sie spaltete sich in eine "Bad-Bank", deren Tuer zugenagelt wurde und eine gute Bank,
die hochbezahlte Posten bot, woran sich die Goetter guetlich taten.
.. und wenn sie nicht gestorben sind, dann mauscheln sie noch heute!

Immer wieder ein schoenes Thema ist das des "Gesundbetens",
das wohl auf vorchristliche Beschwoerungsformeln zurueck,
mit denen man boese Geister und Daemonen und Ursachen von Krankheiten vertreiben wollte.
Die uralten Germanischen Heilsagen wurden spaeter verchristlicht,
die drei goettlichen Personen, drei Kreuzzeichen und Heilige kamen dabei staendig vor.

Der Schaefer Hans von Elsoff sprach den Segen fuer Schweine:
(Kein Witz, schließlich wird derart heute noch von Pfarrern "gesegnet":
Fahrzeuge aller Art und sogar Soldaten.)

"nun walts Gott und das lieb Heylig Creutz, S.Lorein und S. Getrein
huetten ihr Schwein vor Irrem Waldt,
da kam Herr Jesus gegangen und sprach: Huetet ihr hie die Schweine? -
Ja, sie krencken unß, S. lorein und S. getrein,
Nimbst das Winterkorn, gehst den Schwein vor die Gerst,
vor die breun, vor die Rangh, vor den Zwang, vor die Krenk' -
Im Namen Gottes, Vatters, Sohns und des Heyligen Geistes.-
Hieru soll man beten das Vatter Unser, Gegrueßet seistu Maria
und den glauben. Man soll auch den Schweinen under der Zuge das blutt laßen"

Dabei wurde zuweilen ein Lederriemen zwischen Ellenbogen und Finger gespannt,
absoluter Glauben angefordert, damit der Spruch funktioniert.

"Mistpuddel, ich suche dich; Mattigkeit, ich bueße dich im Namen +++ (Dreimal wiederholen)
Wo kein Mistpuddel vorhanden ist, sage nur: Mattigkeit, ich suche Dich;
Mattigkeit, ich bueße dich im Namen +++
Wo aber Mistpuddel ist, wird die Hand bis an das Geweb (Gelenk) hineingesteckt"

Das soll genuegen- seitenweise findet man solches in vielen historischen Buechern vermerkt.

Diese Heiler und Hexenbanner verschrieben Heilmittel - dazu gehoerten Drachenblut und Teufelsdreck,
(ein stinkendes Harz) und andere Kurpfusch-Mittel.
Zur Abwehr gegen die boesen Geister und Einfluesse der Hexen
wurden an manchen Orten auch "Hexensensen" aufgestellt-
zwei Sensenblaetter waren gabelartig zusammengeschmiedet und auf einem hohen Mast befestigt.
Diese Hexenkreuze waren in Ellar noch bis ins 20. Jahrhundert hinein ueblich,
"als Kind habe ich sie noch gesehen", so der Autor der Ortschronik.

Die Lage derer, die als "Hexen" angezeigt und angeklagt waren,
habe ich auf der 1. Seite meiner geschichtlichen Ausfuehrung schon beschrieben.
Unter grausiger Folter hat jeder und jede alles "gestanden", wenn nur endlich diese Pein aufhoert..

Ein Beispiel aus 1636 zeigt, wie sich die Landbevoelkerung wehren musste:
"Der unvermeidliche Rueckgang der Anbauflaeche fuehrt 1636 zum Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung.
Wieder wird versucht, eine Selbstverteidigung aufzubauen.
Am 2. September werden strategisch wichtige Hoehen bei Ellar,
Niederzeuzheim, Frickhofen, Dorndorf, Langendernbach und Ahlbach mit staendigen Wachposten
besetzt, die mit Gewehren ausgeruestet sind. Warschuesse geben Alarm im gesamten Elb- und Lasterbach-Gebiet.
Die Sturmglocken laeuten dann von allen Kirchen.
Darauf eilen die Maenner mit Dreschflegeln, Mist- und Heugabeln dorthin wo der Feind eingebrochen ist.
Diese Verteidigung hilft gegen den Einfall von Raubscharen,
wenn sie auch gegen durchziehende Truppen zu schwach ist.
Vertraege mit Diez und Limburg verstaerken diesen Schutz,
der immerhin in den Folgejahren ein ruhigeres Leben sichert.
1636 klingt die Pest wieder ab.
Allmaehlich gewoehnen sich die Menschen an das normale Leben.
Von Koblenz kommen erneut drei Jesuiten nach Hadamar.
Sie finden das Land verarmt und verwuestet vor und fuehren gleich deshalb eine Armenpflege
in den Kirchspielen ein mit einem Armenvorstand (Pfarrer oder Sendschoeffen)
Armenrechner und einem Almosensammler,
der sonntags die freiwilligen Spenden entgegen nimmt."

1640 war fuer unsere Heimat ein ausgesprochen schwarzes Jahr, so die Chronik.
In der Grafschaft Hadamar lagen damals 8 Regimenter und die Artillerie der Schweden.
Die zuegellosen Soeldner raubten und pluenderten, was ihnen in die Finger kam.
Die aufgebaute Selbstverteidigung war voellig machtlos.
Der Gegner war doppelt so stark wie die gesamte Einwohnerschaft des Landes.
150 Pferde wurden in der Grafschaft geraubt, frickhofen und Dehrn gingen in Flammen auf.
Ellar und Steinbach wurden zum groeßten Teil niedergebrannt.
Zum 2. Mal mußte die verarmte Bevoelkerung in die Waelder fluechten..

Im sogenannten "Kloeppelstreit" von 1736 teilten sich die naechsten Verwandten
des ausgestorbenen Fuerstenhauses Nassau-Hadamar geschwind so viel auf, wie sie nur konnten.
So zog 1717 jeder Deputierte mit einer Kompanie Soldaten aus,
um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.
1736 erhoben sich 15 Doerfer gegen die Gauner, Halsabschneider und Halunken oder Wegelagerer,
die sich Fuersten nannten- diesmal gegen Christian von Nassau-Dillenburg.
Das war ein neuer und ungeheuerer Vorgang,
ausgeloest durch die Forderung monatlich 200 Reichtaler Kriegsgelder an die Fuerstenkassen zahlen zu sollen.
Gegen diese "große Huld" des -nicht gewaehlten- Regierenden
legten die Doerfler beim Kaiserlichen Reichskammergericht zu Wetzlar Beschwerde ein.
Als dieser nette Christian am 13.Jan. 1736 die Kriegssteuer
von monatlich 4 auf 6 Simpla erhoehte, kam es zum offenen Aufstand der Ortschaften
Ellar, Lahr, Hintermeiligen, Fussingen, Hausen, Waldernbach, Frickhofen,
Langendernbach, Dorndorf, Wilsenroth, Dorchheim, Muehlbach, Winkels, Dillhausen und Probbach.
Sie wollten sich allesamt den "Disziplinarmaßnahmen" oder "Exekutionen"
nicht mehr beugen, die ueblicherweise mit Hilfe von Buetteln oder gar Soldaten
zwangsweise zu Pfaendungen von Vieh und Inhaftierungen fuehren.
Auch die 50 Gulden "Herrschaffts Straff" wollten sie nicht entrichten..
.. so befahl der Amtmann "das auff dem Feldt seyende Viehe in das Dorff zu treiben,
um Pfaendungen vornehmen zu koennen"
Der Ort Ellar nahm das nicht hin und nahm eine drohende Haltung ein.
Wie einst im Bauernkrieg waren die Leute bewaffnet mit
"Hacken, Stechspaten, Schaufeln, Pruegeln, Dreschflegeln" u.a.
Mit Hurrarufen wurden die Buettel mitsamt den Soldaten vom Felde gejagt- ohne Vieh.
Mit 100 Soldaten wurde nachgerueckt, gegen diese standen fix 700 Bauern
in oben beschriebener Bewaffnung und Wut im Bauch.
Nun schlugen die Bauern zurueck und ueberfielen mit 50 Mann den herrschaftl. Hof
zu Mengerskirchen und holten die zuvor gepfaendeten Tiere heim.
Der Capitain Knoblauch des Hofes war in der Klemme und so wurde
die 3. und 4. Kompanie der Landmiliz zur Verstaerkung aus Dillenburg geholt.
Die anrueckenden Soldaten wurden "von einer abscheulichen Menge Bauern
mit großen Pruegeln" begleitet, wie es hieß.
Unter dem Gelaeut der Sturmglocke prasselten Steine und Pruegel auf die Soldaten herab,
als sie den Ort erreichten.
Die Zahl der "Aufstaendigen" wuchs auf 16-1700 an.
Die Heide glich einem großen Heerlager, in dem Nachts die Lagerfeuer brannten und das Vieh bloeckte.
Sogar Feldprediger (mit dem Jesulein im Handgepaeck) kamen dazu,
wo etwas "los" ist, wird sich allerlei Volk und Scharlatane einfinden.
Die Bauern bedienten sich rauher Methoden, diejenigen unter ihnen,
die nicht mitmachen wollten, wurden unter Strafe dazu gezwungen.
Das Vieh wurde sicherheitshalber in weiter weg gebracht.
Jeder "Landhaubtmann", der Vieh "konfiszierte" bekam es umgehend wieder abgenommen von den Bauern.
Der guetige Fuerst Christian holte Hilfe vom nassauischen Landesherrn - so kamen aus Weilburg 300 Mann Miliz.
Als das Haus Diez ebenfalls Hilfe zusagte, wurde Christian
gleich wieder hochmuetig und kuendigte hohe Strafen an: "Peinliche Straffe"
Die Untertanen beachteten das jedoch nicht mehr - ohne fremde Hilfe war der Christian in der Klemme.
Die anrueckenden Gruenroecke aus Weilburg fanden kein Vieh mehr vor,
das gepfaendet werden koennte - die Gier nach Geld und Tiere lief ins Leere.
Ein paar Tier konnten sie jedoch aus Waldernbach strippen - da waren wohl ein paar Bauern unvorsichtig.
Ellar und Lahr fanden sie leer vor, ein paar Bauern wurden gefangen.
Der Pastor beschwerte sich hinterher wegen "Ausfaelligkeit" der Soldaten in Lahr.
Am 12. Juni 1736 broeckelte die Front der Bauern langsam,
vermutlich weil die Sorge um Haus und Hof, um Feld und Vieh draengte.
Das Reichkammergericht forderte die Einstellung aller Widersetzlichkeiten
und zum Bezahlen der Kriegsgelder unter Strafe von 10 Mark
"Loethigen Goldes" auf. Das Gericht eierte mit einer entgueltigen Entscheidung herum,
manche Orte wollten zahlen, andere nicht..
Der Umgang der Weilburger Soldaten gegen die Landbevoelkerung staute die Wut auf,
manche wollten das Weilburger Schloß in Brand stecken.
Der Weilburger Herr erhielt den Titel "Ertz Spitzbub" und "Gruener Zigeuner".
Die Wut kochte in den Orten, so daß sich ein Viehaufkaeufer
vor den Backstangen von "zwanzig Weibern" in Sicherheit bringen musste.
Sie warfen mit Steinen und schrieen: "Es soll kein Weilburger mehr sicher durchs Dorff gehen"!
Der Aufkaeufer mußte sich zu Hause "zu Bette legen und arzten".
Die Aufrueher des Aufstandes- alles bessergestellte Leute-
erklaerten sich zu Verhandlungen bereit, damit die peinliche Affaere beendet wuerde.
Was aus den Aufstaendigen geworden ist, wurde nicht berichtet,
ein Bittgesuch einer Frau um ihren Mann ist ueberliefert- 3 Jahre
danach starb Fuerst Christian als letzter seiner Linie.
1743 vereinigte Fuerst Wilhelm IV. von Nassau-Diez die Besitzungen in einer Hand.

1810 berichtet ein Amtmann zu Ellar:
"Die saemtlichen Gebaeude sind nicht bloß mit Stroh gedeckt,
sondern die Daecher haengen auch an der hinteren Seite groeßtenteils so weit herunter,
daß sie sich mit dem Kopf der Voruebergehenden in gleicher Richtung befinden
und deshalb einen aus der Pfeife kommenden Feuerfunkel leicht auffassen koennen."

Ferdinand Luthmer schrieb 1907:
"Der Ort Ellar besitzt in seinem malerischen,
am Berg sich emphorziehenden Dorfgassen einige huebsche Holzhaeuser, die leider mehrfach,
wie bei Nr9, 80, 86, neue Daecher und Dachrempel erhalten haben.
Nr26 am Aufgang zur Burg hat noch sein altes Strohdach und huebsche Schnitzereien am Riegel- und Balkenwerk"

Das Westerwaldhaus war ein Einhaus, dh. Wohnhaus, Scheune und Stall waren unter einem Dach.
Auf einem Fundament aus Basaltsteinen schlugen die Zimmerleute
den Holzbau aus ineinander verzapften Eichenbalken auf.
Diese waren zum Teil verziert durch Koepfe, (Bause Haus),
durch Sprueche (Orthe Haus, die alte Schmiede an der Pforte Jebocks Haus) oder Zierleisten,
manchmal auch durch Sonnen- Pflanzensymbole (Orthe Haus).
Die Zwischenraeume zwischen den Balken wurden durch ein Holzgeflecht
(Pahle) und Lehmbrei (Speiß), vermischt mit kurzgeschnittenem Stroh,
ausgefuellt. Die Decken, bzw Zwischendecken im Haus wurden auf aehnliche Weise hergestellt.
Das dabei erforderliche Holzgeflecht nannte man "Stiwwerich",
was vielleicht von verstaken kommt. (Verschraenken, verflechten)
Zum Westerwaelder Bauernhaus gehoerte das Strohdach.
Stroh ist ein schlechter Waermeleiter, dh. es haelt im Sommer kuehl und im Winter warm.
Diese Daecher hielten sogar laenger als Schieferdaecher.
Sie waren meist bemoost und paßten sich in die Landschaft gut ein.
Die Daecher waeren auf der Wetterseite fast bis zur Erde heruntergezogen,
berichtet der Chronist - da konnten die Winterstuerme,
der Westerwaelder Woost - ruhig toben. (Was er dauerhaft tat und noch heute tut)
Der Beruf des Strohdeckers ist heute laengst ausgestorben-
der letzt war der "Winkelser Strehvetter".
Er benutzte langes, glattes Roggenstroh das mit dem Dreschflegel ausgedroschen war,
legte es in verschiedene Packlagen
von der Traufe bis zum First, wie Schuppen uebereinander.
Er verflocht dann die Deckenlage mit Weiden oder Kupferdraht,
damit eine feste, dicke Matte entstand, die mit Dachlatten befestigt wurde.
Am First brachte man die letzte Lage Stroh auf der dem Wind abgekehrten Seite an.
Danach folgten die Verschoenerungsarbeiten.
Schließlich wurde das Dach gegen Feuersgefahr impraegniert durch Lehm- oder Tonbruehe mit Salzzusatz.

Schon 1809 verfuegte die nassauische Regierung,
daß keine neuen Strohdaecher mehr gebaut werden duerften,
wenn der Besitzer Ziegel oder Schiefer bezahlen koenne..

Im Winter 1868/69 setzte der Sturmwind den Strohdaechern sehr zu, ebenso im Herbst 1869.
Lehrer Stockmann schreibt in seiner Schulchronik:
"Das Sturmwetter hat im Herbst wieder großen Schaden an den Strohdaechern angerichtet,
weßhalb große Nachfrage nach Dach-Stroh auf dem hohen Westerwald war"
Ein paar Strohdaecher gab es nach 1900 noch, 1919/20
verlor Ellar sein letztes Strohdach, als die alte Scheune der Gadelheimer Muehle abgerissen wurde.
Neben diesem Westerwaelder Einhaus war in Ellar auch der fraenkische Hof-Typ verbreitet,
bei dem sich das Haus, Scheune und Stall oder Schuppen auf drei Seiten um den rechteckigen Hof gruppieren,
den auf der Straßenseite ein großes Tor abschließt.
(In der Wetterau bis kurz vor Giessen heute noch an den Straßendoerfern zu sehen)

Die Keller waren sehr niedrig, ca 80-100cm hoch.
Kartoffeln wurden durch eine Luke im Boden des Wohnzimmers (2 lose Bretter) in den Keller geschuettet.
Das untere Stockwerk bestand aus dem "Eren" oder "Irn", dem Flur mit der Kueche,
der Wohnstube und manchmal noch einer Nebenstube.
Eren und Kueche waren urspruenglich nicht abgeteilt voneinander,
sie waren mit Basaltplatten, spaeter mit Sandsteinplatten ausgelegt.
In der Kueche waren oft ein gemauerter Kessel und die "Herb" (Hieb),
eine Art Rauchfang ueber einem gemauerten Herd mit einer Eisenplatte drauf.
In diesem Rauchfang wurden die Schinken von der Hausschlachtung geraeuchert.
Im Innern des Kamins war eine Leiter fuer den Schornsteinfeger angebracht.
In der Kueche wurde gekocht und in der Wohnstube gegessen.
In der Kueche befanden sich noch der Geschirrschrank (Kuecheschrank) und die Schuesselbank
(mit Zinn- und Kupfer- spaeter Steingut- oder Porzellantellern, auch Tassen und Untertassen u.a.)
ferner eine "Wasserbank", zwei Querbretter mit einem Vorhang davor,
darin Kochtoepfe, oben drauf 2 Wassereimer-
Der Stolz der Hausfrau wren blankgeputzte Zinn- und Kupferteller.
Das Polieren geschah mit Schachtelhalm (Schaft) oder Silbersand.
Tagsueber hielt man sich in der Wohnstube auf.
Hier traf man sich auch abends mit den Spinnraedern.
(Das heimliche Tabu die "gut Stubb" ausserhalb der Sonntage zu benutzen,
kam erst viel spaeter, als das Sofa und die gepolsterten Stuehle
mit dem guten Tisch dazu kamen)
Die Waende waren innen ausgekalkt und mit blaeulicher Farbe etwas gemustert.
Der Boden war gedielt mit Holz, aber nicht gestrichen,
sondern wurde mit Sand immer weiß gerieben.
In der Ecke stand ein eiserner Ofen mit zwei Tueren, darueber befand sich das Ofenbrett,
auf dem Kaffeemuehle, Kaffeedose u.a. standen.
An der Decke wurde ueber zwei Latten Waesche getrocknet.
manchmal lagen darueber auch mehrere Bretter, auf den fauler Kaese getrocknet wurde.
(Handkaese ist aehnlich zu machen)
In der Wohnstube standen ein Tisch mit mehreren Stuehlen und die unvermeidliche Bettbank,
eine rechteckige Kiste mit Rueck- und Seitenlehne.
Sie diente tagsueber zum Sitzen. Abends wurde der Deckel aufgeklappt und abgestuetzt.
Auf einem Strohsack in der Kiste schiefen dann zwei oder mehrere Kleinkinder.
Eine solche Bettbank war etwa 1,5-2mtr lang, 60-70cm breit und ca 1/2mtr hoch.
In der Wohnstube befand sich weiterhin ein Bett,
manchmal mit einem Vorhang umgeben, oder es war in einer eigenen Nische aufgestellt.
Das Bett bestand aus einem hohen Holzgestell, das mit Brettern ausgelegt war.
Darauf kam zunaechst eine Lage ungeschnittenes langes Kornstroh,
darueber ein mit Hafer- oder Gerstenstroh gefuellter Strohsack (Zeich, von Bett-Zeuch)
Die gleiche Fuellung hatten das Kopfpolster (Pehl) und die Bettdecke.
Sie wurde zwei oder dreimal jaehrlich erneuert, jedoch nicht bei Neumond,
der nach der Ueberlieferung unerwuenschte "Haustiere" anziehen sollte.
Das Bettgestell war so hoch, daß man auf einem Stuehlchen hineinsteigen mußte.
Wenn die Familie kinderreich war, so wurden vier Kinder in ein Bett verfrachtet-
zwei mit dem Kopf nach oben, zwei nach unten, jeweils abwechselnd.
Geheizt wurde mit Westerwaelder Braunkohle, beim Raeuchern nur mit Holz.
Groeßere Haeuser hatten noch eine Nebenstube mit 1-2 Betten,
ein paar Stuehlen und machmal noch mit einem Kleiderschrank.
Im oberen Stockwerk befanden sich eine Schlafkammer und ein Kaemmerchen,
in groeßeren Haeusern auch noch eine gute Stube mit einer Kommode,
einem Kleiderschrank, Bett, Tisch und Stuehlen, zum Teil auch mit einer Waeschetruhe.
Manchmal gab es noch eine Vorratskammer oder eine Rumpelkammer.
Auf dem Dachboden (Speicher) wurde das Brotgetreide, Saemereien ua. aufbewahrt.

Fast jedes Haus hatte einen eigenen Brunnen,
weil der tonige Untergrund im Westerwald dafuer gut geeignet war-
nur im Sommer fiel mancher trocken, dann mußte von tiefergelegenen Brunnen geholt werden.
Die Wasserleitung war erst aus Holz, spaeter - 1929/30 - kam eine feste Wasserversorgung nach Ellar.

1816 war eine außergewoehnliche Mißerne mit Hungersnot, dann kam eine Folge so guter Ernten,
daß man fast von einer Agrarkrise sprechen konnte.
Dann folgte die Kartoffelkrankheit, die Lungenfaeule beim Rindvieh,
die Blattern- und Pockenepidemie, eine ebensolche mit Masern und dann eine mit Diphterie.

Die Bezahlung eines Lohndreschers, der mit dem Dreschflegel arbeitete, betrug am Tag 80Pfg plus Verpflegung.
Nach dieser harten Arbeit futterte er wie ein "Scheunendrescher".

Wendell Mueller fuhr seine Mehlsaecke aus mit vier Eseln-
er benutzte den "Eselsweg" nach Ellar, den er auf eigene Kosten zu erhalten hatte.
Wie die Muehlenakten belegen, war das Leben der Mueller schwer,
oft genug kaempften sie mit ihren Familien um die nackte Existenz.

Maerz 1802: "Meine Muehle hat bei dem letzten Sturmwind so arg gelitten,
daß das ganze Haus auf drey Spruessen (Stuetzen) ruhet
und ich mit den meinigen nicht anders als mit Lebensgefahr darinnen wohnen kann."
Der Zimmermann brauchte "15 Eichen Knoeppel", um den Fachwerkbau wieder in Stand zu setzen.

Das Kirchenvisitationsprotokoll von 1590 meint, daß der Pastor ein "vleißiger lehrer" sei.
Und geruegt wurde: "daß under der Predigt des schwetzen und rathalten
ufm Kirchhof abgeschafft werde, der Sontagstantz und das Kirmeßfeiern
sei abzustellen, das Aussegnen der Kindbetterin ebenso als eine Ceremony des alten Testaments."

Das eigene selbst zubereitete Produkt war im 19.Jhd in der Kleidung
und Ernaehrung wohl die Grundlage, so der Chronist.
Die Hauptnahrung bestand aus Hafermehl, (Breimehl) Kartoffeln,
Huelsenfruechen und Brot aus rauhem Roggenmehl, das mit Gersten - oder Hafermehl "gestreckt" wurde.
Das taegliche Fruehstueck war eine Breimehlsuppe oder Hafermehlsuppe, auch gebrannte Mehlsuppe.
Im 18.Jhd kam der Gebrauch des Kaffees auf, den man aus gebrannten Eicheln oder aus gebranntem Korn bereitete.
Zum Fruehstueck gab es neben diesem Kaffee auch Kartoffeln und Salz.
Mittags und abends aß man meist Kohlrueben und Ofenkuchen
(Dippekuche, etwas wie meine "Blitzpuffer", siehe Rezeptseite),
der aus geriebenen Kartoffeln und Hafermehl bereitet wurde.
Bei den Bauern gab es abends vielfach Dickmilch mit Pellkartoffeln.
Auf dem Tisch standen dann zwei Schuesseln, die eine mit Dickmilch, die andere mit Kartoffeln.
Aus der erste loeffelte die gesamte Familie, aus der anderen nahm jeder Kartoffeln und tauchte sie in Salz.
Als Fett zum Zubereiten diente Rueboel, das auf der Ellarer Oelmuehle
aus Raps gewonnen wurde, manchmal auch Bucheckern- und Haselnußoel.
Das Rueboel verwandte man außerdem auch fuer die Oellampe,
mit der man abends die Wohnstuebe oder Spinnstube erleuchtete.
An den Wochentagen bestand die Hauptnahrung aus Kartoffeln,
die entweder "in Uniform" oder als Pellkartoffeln auf den Tisch kamen oder auch als
Pfannkuchen, Dippekuchen oder in Form von Kloeßen mit Butter und Zwiebelsoße.
Auch Mehlspeisen, Brei, Sauerkraut und eingemachte Schnittbohnen
waren recht beliebte Gemuese, nicht zu vergessen: Die Westerwaelder Bohnensuppe.
Das Mehl wurde im Backhaus oder Backes oder in Privatoefen zu Brot verbacken.
Als Brotaufstrich dienten: Birnkraut und Zwetschenkraut,
das im Herbst gekocht wurde- oft dreimal je ein Kessel voll pro Familie.
(Quetschehoing)
Weiterhin kamen aufs Brot: Schmierkaese (Kochkaese), Fauler Kaese (Handkaese)
und gelegentlich etwas Butter, die - wie auch der Honig - sehr rar war.
Die Bienenzucht war ja nur in geringem Maße betrieben -
was unter Umstaenden so manche Mißernte erklaeren koennte.
Wenn Kirmes oder ein besonderer Festtag war,
gab es in jedem Hause den unvermeidlichen Hirsebrei, der gemeinsam aus einer Schuessel gegessen wurde.
Der Rest kam ins Bett, damit er bis zum Abend warm blieb - echt?
Noch heute geht die eine oder andere Anekdote um den Hirsebrei um.
Zum Kaffe nachmittags aß man dann Kuchen oder das Westerwaelder Nationalgericht, den Eierkaes.
Um Kuchen backen zu koennen, tauschte man in der Schloßmuehle zu Hadamar
einen Zentner Weizenmehl ein - das reichte fuer das ganze Jahr.
Daraus wurden runde Kuchen und der sog. duenne Kuchen (Zwetschen- und Zuckerkuchen) gebacken.
(Vermutlich Quetschekuche und Riwwel- oder Streuselkuche,
letzterer wurde erst in den 1880iger Jahren bekannt)
Der Fleischgenuß (bei den Gemeinen oder "Normalos")
kam erst nach 1860 und auch da nur an Feiertagen auf.
Allmaehlich dehnte sich das dann auf die Sonntage aus.
Nur die reichen Bauern waren in der Lage, alle zwei bis drei Jahre ein kleines Schweinchen
zu schlachten, von denen sie oft noch die Haelfte verkauften, um an Geld zu kommen.
(Im Taunus war das "Schweinchen" wohl dicker und jedes Jahr
wurde eines geschlachtet und selbst gefuttert, statt es zu verkaufen)
Im Westerwald ging es offensichtlich aermer zu- auch bei den Bauern.
So mancher Lehrer oder Tageloehner versuchte seine hungernden Kinder
dorthin zu schicken, wo gerade geschlachtet wurde-
noch um 1840 sind Kinder armer Leute verhungert, waehrend auf den Adelssitzen geprasst wurde,
daß sich die Tische bogen und der Leibarzt die fetten Leute zur Ader lassen musste.
Nicht wenige der Armen wanderten nach Amerika aus und zahlten dort jahrelang an den Kosten fuer die Ueberfahrt.

Hexenkreuze aus Kohle oder Kalk an Scheunentoren oder Stalltueren waren auch in Ellar ueblich..

Ein "abgefahrendes" Thema waren die Sagen der Naturmythologie, die im Sturm Wodans Totenheer sahen.
Geheimnisvolle Kulturen waren Traeger kriegerischer Kultbuende oder Maennerbuende.
Neben der Sippe stand bei den Germanen diese Vereinigung der wehrhaften Maenner,
die in uralten Zeiten wurzeln,
aber bis in spaete Epochen lebendig blieben, die Leitregel, Mittelpunkt,
Religion und Grundpfeiler des sozialen Aufbaus.
Juenglinge wurden zu Maennern gemacht, zu absolutem Schweigen eingeschworen,
mit den Geistern der verstorbenen Ahnen verbunden.
Er bleibt im unsterblichen Ahnenstamm, im Leben wie im Tode.
Der Totenkult war eher ein Buendnis-Kult, ein Glaube an die
Wiederauferstehung/Wiedergeburt/Geistertum- wie auch immer, von jedem vermutlich etwas.
Die Tugenden waren Mut, Kameradschaft, Ehrgeiz und harte Zucht.
Fruchtbarkeitskulte, Zauberkulte, Sonnenmagie und Sonnenverehrung
und geheime Gerichtsbarkeit gehoerten dazu.
An heiligen Staetten traf man sich zu bestimmten Zeiten.
Noch heute werden Geheimbuende gepflegt- Kriegerverbaende, Kaufmannsbuende,
baeuerliche Genossenschaften (lt. Chronist) und Studentenbuende etc.
Bayrische Behoerden loesten 1705 den Habererbund auf, der sich zur Aufgabe machte,
die archaischen Sitten und Gebraeuche in die Neuzeit zu retten.
Zuerst erfassten diese Haberer mit ihrem Ruegengericht oder Haberfeldtreiben
mit ihrer Friedloslegung die Bestrafung de Vergehen, die in den amtlichen Gesetzbuechern
nicht erfasst worden sind:
Der Schuldgesprochene wurde in ein Bocksfell gezwungen,
spaeter in ein spezielles Hemd.
So endet die Beschreibung der Ellarer Ortschronik mit dieser Anspielung.



Geschichtliches

Die neue Lieferung alter Buecher der staedt. Weilburger Ausleihe bringt mir
einen fetten Band aus dem Jahr 1965 "Wirtschafts- und Sozialgeschicht des Nassauer Raumes 1816-1946",
von 1973 der Band "Usinger Land, eine Hochtaunuslandschaft",
von 1994 "Die Geschichte des Kirchspiels Biskirchen, Bissenberg und Stockhausen",
aus dem Jahr 1981 die "Festschrift 1100 Jahre Waldhausen" und
von 1983 "Geschichte des Bistums Limburg".
Ich werde sehen, was sich daraus fuer meine Seite ausarbeiten lassen wird,
die sich bekanntlich mit den Schicksalen und Lebensbedinungen der einfachen Leute befasst.
So manches Ding erfaehrt man nur durch das verbissene Durchackern
der unterschiedlichsten Lektueren - diesmal liegt ein fast 2000 Seiten starker Tobak
vor mir! (Bis hierher werden es wohl 20.000 Seiten gewesen sein,
die geschichtlich durchforsten wurden, ebenso viele wie jene in lateinischer Sprache,
mit der ich irgendwie "am Ende" angelangt bin.)
Genug des Vorworts!

Der Friede von 1861 brachte nicht den entscheidenden Durchbruch,
dieser kam erst in der preußischen Zeit 1866 durch das Ende des Herzogtums Nassau,
welches zusammen mit Hessen-Kassel und der freien Reichsstadt Frankfurt
in die preußische Provinz Hessen-Nassau einging.
Die Reformation war nicht der einzige Unterschied zwischen den Regionen-
schon in den Jahrhunderten zuvor war der Rhein eher verbindende Mitte,
als Grenze, waehrend eher der Taunuskamm eine Scheide bildete.
Seit der Christianisierung war Trier mit dem Rhein- und Lahngebiet verbunden.
Durch die neuen Gebietsteilungen und Zusammenlegungen wurden diese alten Grenzen zerrissen,
der Rhein zur Grenze.
Der Chronist meint: "auch im Temperament waren diese Gegenden grundverschieden.
Den Westerwaelder zeichnet sein eher schwere, und zaehe Art aus;
die verkehrsmaeßige Abgelegenheit dieser Gegend,
die Kargheit des Bodens und damit auch die Armut hat diesen Typ geformt.
Die Rheingauer, seit Jahrhunderten in Kontakt mit Fremden,
sind durch das leichte Naturell des Rheinlaenders charakterisiert.
Die Ersteren sind mehr der norddeutsch-faelischen Art,
die Bewohner suedlich des Taunus der fraenkischen Art zuzuordnen"
1803 kam die Saekularisation in Hessen - die "niedrige Klasse"
scheint das weniger als die mittlere und hoehere Buergerklasse begrueßt zu haben.
In Limburg sollen die Plakate dazu ueber Nacht abgerissen worden zu sein..
Die Unzufriedenheit darueber war auch nicht durch Aufhetzung allein entstanden, so wird berichtet.

Nun war diese alte "Einheit" eine ebensolche,
wie von den Fuersten aufgezwungene- mit den gleichen Restriktionen gegen die Bevoelkerung,
zusaetzlich noch die Mittel der Exkommunizierung, die als staendige Drohung ueber den Suendern schwebte.
Zusammen mit der Hirnwaesche des Glaubens, die in der Beichte ihren Gipfel fand
(und z.T. heute noch findet) hatte die Kirche eine Fegmuehle des Herrschens.

Die "Saekularisierung" 1803 lies nach und nach die Kloester verschwinden,
wobei deren Aufhebung weniger mit finanziellem Gewinn verbunden war,
als vielmehr dem Umstand schuldet, dass diese Klosterleute nun eine Pension forderten.
Deshalb hat der Landesherr diese Leute schlicht in die Kirchen als Pfarrer dienen geschickt.
Ob dieses zu der damaligen Austrittsbewegung gefuehrt hat
oder ob es schier die Zeit war, weiss ich nicht.
Auf alle Faelle entfiel durch deren nunmehrigem Betaetigungsfeld die Pension..
Kloester wurden zum Abbruch versteigert, div. Nutzungen wurden gemacht-
z.B. als Munitionsdepot, Zuchthaus und "Irrenanstalt", wie der Chronist schreibt.
Die Klosterbibliotheken wurden verramscht..
Kurz, man sprach von Barbarei.
Die Fuersten von Nassau - Weilburg und Usingen haben mit diesem Gesetz
geschwind die Rechtsnachfolge der katholischen Territorien angetreten,
sie also durch sehr viel Land gekommen sind,
was heute noch der Grund ist, warum wir als Volk und Buerger diese Kirchenfuzzis bezahlen muessen-
weil unser Land die Rechtsnachfolge der Fuersten uebernommen hat.
Dann ist noch die "res mixtae" - die gemischtkonfessionelle Ehe ein Dauerbrenner gewesen,
der sonderbare Blueten brachte.
Die Knaben erhielten den Glauben der Vaeter, die Toechter den der Mutter.
Man kann sich vorstellen, wie dieser Hickhack bis zur Simultan-Schule
mit dem gemischten Religionsunterricht war.
Der Oberhirte beurteile die Eignung der meisten saekularisierten Klostergeistlichen
fuer die Seelsorge und erst recht fuer das Amt des Pfarrers eher als gering..
Wenn der Klerus mit dem Bischof die "Kompetenz" dieser frommen Leute nicht fuer voll nahm,-
was steckte also hinter der Glaubensvermittlung durch Pfarrer?
Die Geringschaetzung hatte Folgen: "Bei Disziplinarmaßnahmen gegen Geistliche
(meist wegen staendiger Trunksucht)
setzte das Vikariat die Regierung nicht nur in Kenntnis,
sondern mußte ihr Einverstaendnis einholen.
Durch die Saekularisierung wurde nun in bislang rein evangelischen Gegenden
der katholische Glauben moeglich, das alte "cuius regio, eius religio" galt nicht mehr.
Zuvor fand bei den Evangelischen der katholische Gottesdienst nur im Geheimen statt,
hauptsaechlich fuer Bade- oder Kurgaeste.
1812 wurden in vielen Orten katholische Gottesdienste fuer alle angeboten.
Damals wurden die meisten Kinder zu Hause getauft,
was aus der kalten Jahreszeit begruendet war, damit sich die Kleinen nicht erkaelteten.
Spaeter betrachten die Kleriker dieses als "unkirchlich" und bestanden
auf der Taufe in der Kirche - ausser wenn Not im Verzug war,
das Kind evtl. nicht mehr lange leben wird.
Das preußische Phaenomen, daß selbst in rein kath. Gemeinden die
Verwaltung protestantisch und der Buergermeister manchmal der einzige Protestant
im Ort war, ist auch erwaehnenswert.
Da dabei keine Unterdrueckungen verzeichnet wurden, war alles ruhig geblieben.
Manche Geistliche halfen einander sogar aus und machten einige Liturgien mit-
was bislang undenkbar war.

In Laufenselden soll 1837 bei der Kirchweihe eine gemeinsame,
katholisch-protestantische Feier stattgefunden haben,
bei welcher der katholische Dekan Abel gepredigt haben soll,
dass die kirchlichen Konfessionen im Wesentlichen uebereinstimmten
und sich nur in menschlichen Zusaetzen unterscheiden. (Das sehe ich auch so)
Das Bischofstum streckte schnell wieder seine Fluegel aus,
nach allem was Macht und Einfluss war, mit Hilfe von Vereinbarungen und Gesetzen.
Sie wollen wieder die Aufsicht des Vikaritats ueber den Klerus, vor allem Anstellungen,
Versetzungen und Disziplinarmaßnahmen.
Die Einteilungen der Gebiete und Pfarreien, sowie die Einrichtung
einer Korrektionsanstalt fuer schuldig gewordene,
sowie eines Demeritenhauses fuer endgueltig unwuerdig gewordene Geistliche..
In den Frankfurter Konferenzen 1818 unter dem Vorsitz
des wuerttembergischen Bundestagsgesandten von Wangenheim
(Damals wie heute hielt der Adel gerne Schluesselpositionen fest),
"hat man aeußert scharfe nationalkirchliche Toene angeschlagen"
Man wollte den "Usurpationen der roemischen Kurie entgegentreten,
die deutsche Nationalkirche deren Einfluß entziehen und selbst die Leitung uebernehmen"

In der Uebergangszeit wandte man sich gegen "die unbescheidenen Verehrer der Heiligen,
besonders Mariae - gegen Uebertreibungen
der Volksfroemmigkeit, gegen das aberglaeubige Verstaendnis die Heiligen als Guenstlinge,
die man bestechen muß, wenn man bei Gott Eingang finden wil"
Die meisten Priester liesen solche Betrachtungen wohl kalt-
sie hatten andere Probleme:
Die haeufig vorkommenden Skandale betrafen Trunksucht, Zoellibatsverfehlung waren eher selten.

An den kath. hoeheren Lehranstalten beklagte man einen wunder-
und geheimnisscheuen Rationalismus, "mit Untergrabung des aechten Offenbarungsglaubens,
oeffentlich gelehrt, den jungen Pflanzen eingeimpfet,
und diese mit einem solch eitlen Dunste und Duenkel schon fruehe erfuellt werden,
der sie fuer alle spaetere Unterwerfung des Verstandes unter den Glauben unfaehig machet"
Zudem gaebe es in den Seminarien immer einige, die bei schwer kontrollierbaren
naechtlichen Zusammenkuenften die anderen durch ihre "religions-
und moralitaetswidrigen Grundsaetze ansteckten- ein ordnungsliebender Hausvater
wuerde diese naechtlichen Konventikel eher unterbinden, als bei diesen privaten Unterkuenften.."

Man muehte sich, Sonderandachten und Wallfahrten in den Griff zu bekommen,
wollte diese eigentlich abschaffen, was aber "durch den massiven Aberglauben"
nicht machbar gewesen zu sein scheint - zu groß war die Anhaenglichkeit
der Landbevoelkerung in dieser Sache.

Beispiel: "Wallduern ist ein Wallfahrtsort zum heiligen Blut im Odenwald.
Nach der Legende von 1500 soll hier ein Blutwunder geschehen sein:
Als ein Priester konsekrierten Wein aus dem Kelch verschuettete,
erschien auf dem Korporale ein Bild des Gekreuzigten, umgeben von Christuskoepfen
in Blutsfarbe an Stelle der Tropfen." Es leuchtet ein, dass Wallfahrten
in der Zeit der Aufklaerung in schaerfster Weise als Aberglauben gebranntmarkt wurden.

Mancher katholische Priester habe "ohne Ruecksicht auf die Anwesenden
unterschiedslos die deutsche Sprache gebraucht",
wo eigentlich die Sakramente in Latein vorgeschrieben waren.

Anfang des 19.Jhds in Frankfurt/Main als lutherische Reichsstadt,
die zudem Stadt der Kaiserkroenungen war:
"Die Lutheraner hatten die Macht, die Reformierten das Geld, die Katholiken die Kirchen"
Letztere hatte noch keine Gleichberechtigung, es gab keinen oeffentlichen katholischen Gottesdienst.
(Ausser in Stiften und Kloestern.)
Im lutherischen Heilig Geist Hospital durfte bis 1806 kein Katholik mit den Sterbesakramenten versehen werden.
Offiziell waren noch bis zum Anfang des 19.Jhds katholische Kulthandlungen unter Todesstrafe verboten.
(Sogar Reformierte waren von diesem Verbot betroffen)
Auf der anderen Seite war durch die kaiserlichen Patente die Kirche ein Staat im Staate;
in Ehefragen als Behoerde zustaendig!
Es gab aber eine gut ausgebaute katholische Schuleinrichtung und ebenso viele Kloester -
der schwarze Tag des Frankfurter Katholizismus
kam 1802 mit der Saekularisation voellig ueberraschend..

Wie heute? 1853: "Auch in moralischer und kirchlicher Beziehung ist das Ausdrucksame,
das Abgrenzende unbeliebt. Die 12000 Katholiken,
60000 Protestanten und 8000 Juden leben wie See-Anemonen der mannigfaltigsten Art
im naemlichen Elemente, von durchsichtiger Klarheit,
und wer es wagt, einen Stein in die Flut zu werfen um sie mit unterscheidenden Ringen zu kraeuseln,
kann auf dauerndes Mißfallen des Hohen Senates,
der Frau Kirchenraetin Ohne-Beruf und des Kaplans Zeitgemaeß rechnen"
(Weber, Charakterbilder Frankfurt 1853 S417)

Man erkannte wohl, dass die Zukunft nicht der Romantik, sondern dem Liberalismus,
nicht den Honoratioren, sondern einer in die Breite wachsenden Gesellschaft gehoert.

Jener "ultramontane Kurs" war nur die Spitze des Eisberges,
wo sich arme Leute im Geiste um des Kaisers Bart stritten, um Luftnummern, schier um
die pure Rechthaberei dieser oder jener Kopfgeburt der vermeindlichen Unterschiede in der Glaubensauslegung.
Fassen wir mal kurz zusammen: Gut 70 Jahre nach dem Tode des Religionsgruenders vergingen,
bis die ersten Evangelien verfasst wurden,
sieht man von den Paulusbriefen ab- der nur gewissermaß
"Aussendienstmitarbeiter" einer Bewegung junger Leute war,
die es ganz offenbar nicht so sehr mit der Arbeit hielten und -
wie die heutigen jungen Leute, gerne alles in Abrede stellen, was die Alten vorgaben.
Kein Wort von Hoeflichkeit oder gar Achtung des Jesu, als er mit seiner Mutter sprach:
Wer bist zu Frau, dass du dich eimischst?
Man traf sich bei Gelagen, von der Verheiratung oder auch nur von Beziehungen mit Frauen,
die zweifelsohne wohl vorhanden waren.
Erst recht ist spaeter nie ein Wort davon gewesen, dass beim Abendmahl Frauen anwesend waren.
Daraus ergaben sich fuer die spaeteren Priester Hinweise oder Gruende
fuer ein "Zoelibat", die Fortfuehrung des Patriachats- dh. nur Maenner als Priester..
Der Kampf der Verfechter dieser neuen Kopfgeburt des Glaubens an die Lehre,
nunmehr die andere Wange auch noch inzuhalten, wenn man geschlagen wurde,
(viel mehr Inhalt war eigentlich nicht vorhanden,
sieht man von der spaeteren Hinzufuegung des alten Testaments mal ab)
trieb fortan seltsame Blueten, von denen ich auf der Geschichtsseite des oefteren berichte,
ja berichten muss, will man das Leben der Menschen verstehen,
die vor uns lebten und von diesen Verwirrten gedrungen und mit Frohn behaftet wurde.

Zurueck zum Kirchenbuch: Das ehemalige Franziskanerkloster wurde 1813 aufgehoben
und bildete nun den Sitz und die Wohnung des Bischofs und nahm das Domkapitel auf.
Die Limburger Bischoefe -incl. Kamphaus- haben nie in einem Palais gewohnt,
so die Chronik, sondern immer relativ arm und beengt.
Das hat sich mit dem Tebar tz van Elzt aber gehoerig geaendert!

1838 Die Mischehen-Frage kam durch den Rheingau,
wo viele Fremde durchzogen und sich ansiedelten, in Bewegung.
Nun konnte man bald davon ausgehen, dass katholische Kinder
vom evangelischen Vater katholisch erzogen werden konnten...
einfach auf ein noch denkbare protestantische Trauung hinzuweisen, war nun vom Tisch.

"Die Abschaffung des allgemeinen Religionsunterrichtes auf dem Gymnasium
zu Weilburg war 1838 kein kirchenpolitischer Erfolg des Bischofs,
sondern Ergebnis konfessioneller Abgrenzungspolitik von protestantischer Seite her."
Das Ende des Religionsunterrichtes kam in Weilburg, als er von einem Katholiken gegeben wurde..
Nun meinte der evangelische Landesbischof,
dass man unmoeglich seine spaeteren Priester in der katholischen Lehre unterrichten koenne..
Zickenkrieg? Sage ich doch!

Im Jahr 1828 erging eine erneute Regierungsverordnung gegen die Wallfahrten
an die Pfarrgeistlichkeit, die Glaeubigen aufzuklaeren,
"daß Wallfahrten, besonders an entlegene Orte der Tugend und Froemmigkeit oft zum Nachtheil gereichen,
und fast jederzeit mit bedeutendem Verlust an Gesundheit und Geld verbunden sind."
Der normale Pfarrgottesdienst genuege den Beduerfnissen nach Frommigkeit und Glaubenswissen vollauf.
Uebersehen wurde, dass die Wallfahrten oft fuer das einfache Volk
eine wesentliche Funktion der Abwechslung und Erholung waren.
Hauptsache erst mal belehren und "fuehren": Der Klerus musste
-nach dieser Verordnung- Sonntags um 5 Uhr Morgens die Christmette halten.
Den unverheirateten Personen wurden 1833 bei Androhung einer polizeilich eintreibbaren-
Geldbuße von 4 Kronen beim ersten Mal,
und 6 Kronen im Wiederholungsfalle zum Besuch der Christenlehre bis zum 20. Lebensjahre verpflichtet.

Der Dekan von Ruedesheim zu seinem Bischof 1828:
"daßwenigstens in unseren Gegenden nicht sowohl Mangel an Belehrung und Einsicht,
als der immer mehr einreißende Hang zu Saufereien,
Zerstreuungen, Zusammenkuenften, Vergnuegungen der Hauptgrund der oefteren Excursionen seyn mag-
ein Uebel, welches nicht durch sanfte, sondern mehr durch heroische Mittel behoben werden kann;
2. daß der Standpunkt jener Pfarrgeistlichen,
nach deren Kirchen solche Excursionen geschehen, eben nicht der angenehmste ist,
weil mehrere ihrer Parochianen wegen des dabei zu erwartenden Gewinns
die Wallfahrten moeglichst beguenstigen,
obgleichdieselben durch Verordnung der Kirche und des Staates entweder eingeschraenkt oder verbothen sind"
Keine Angst, es geht noch weiter:
"Abgesehen von manchen anderen Gruenden ist es Unverstand und Roheit
unbedingt das Wallfahrten verbieten zu wollen.
Der arme Bauer, das ganze Jahr geplagt und oft geaergert,
verlaeßt da seine schmutzige Stube und das Kindergeschrei und Weibergebell,
und die Gasse, wo sein Glaeubiger wohnt und die Kirche, wo der Anblick des Nachbars,
der mit ihm Prozeß fuehrt, oder des ungeliebten Pfarrers
ihm die Andacht verdirbt. Und wenn er aus dem Ortsbann hinaus ist,
kommt er erst wieder zur rechten Besinnung ueber sich selbst und sein Leben
und ist Gott ihm gegenwaertiger und sein muedes Herz atmet auf in freien Himmelsraum hinausfliegt.."

Starker Tobak.
Die eigentliche sakramentale Formel war die auf Latein,
waehrend die sonstigen Gebete und Predigten in der jeweiligen Muttersprache gehalten wurden.
Ein wenig Raum zur Erklaerung der lat. Worte war auch noch vorhanden..
Die Taufe wuerde zur "haeußlichen Geselligkeit herabgezogen" - aber der Pfarrer sieht auch Hoffnung:
"Ich hoffe, es wird, es wird bald anerst .. im Fruehling bluehen die Hecken,
tragen aber keine oder ungenießbare Fruechte.
Die Sonne scheint aber auch fuer gute Baeume, die gute Fruechte tragen.
Es sind gute Zeichen vorhanden, es sitzen Maenner katholischen Sinnes
auf den Lehrstuehlen und an den Fakultaeten; es sitzen Maenner
kirchlichen Geistes auf den Stuehlen der Apostel."
So so, von Frauen haben die damals schon nichts wissen wollen!?

"verstanden die Liturgien die Alten besser als wir Verstandesmenschen"

Es wurde sogar verordnet, daß der Kuester waehrend der Predigt
die Kirchentueren zu verschließen habe, damit die Leute nicht hinausliefen..
(Das stammt nicht von mir, das schieb der Chronist
"wohl ist dem katholischen Volke nichts Wesentliches genommen worden (durch die Neuordnungen),
aber das Volk weiß nicht das Unwesentliche vom Wesentlichen zu unterscheiden.."

Hier darf man nicht vergessen, dass damals nicht nur kaum einer lesen und schreiben konnte-
sondern vielmehr, dass diese Zeilen kein "Schaefchen" zu lesen bekam.

"Im Herzogtum, wo man bisher von religioesen Zerwuerfnissen nichts wußte,
beginnt seit einiger Zeit ein trauriger Zustand sich zu entwickeln.
Ein verblendeter Theil der katholischen Pfarrgeistlichkeit, namentlich der jungen,
streut den Samen der Zwietracht unter die friedlichen Bewohner des Landes aus."

Der Chronist: Die beiden spezifischen Neugruendungen der Dioezese,
die armen Dienstmaegte Jesu Christi, ebenso wie die barmherzigen Brueder von Montabaur,
sind nicht losgeloest von ihrem sozialgeschichtlichen Hintergrund zu verstehen.
Fuchs hat auf die extreme soziale Not in den Westerwald-Gebieten,
der aermsten Gegend des Herzogtums Nassau, hingewiesen, die wiederum
in den 50er Jahren ihren Hoehepunkt erreichte. (1850)
Krassester Ausdruck des sozialen Elends war der Bettelmannshandel mit den zahlreichen Kindern,
die nicht mehr ernaehrt werden konnten: Unternehmer mieteten
in den armen Westerwalddoerfern von dort lebenden extrem armen Eltern gegen geringe Gebuehr
13-14j. Kinder. Nachdem sie das Spielen der Ziehharmonika erlernt hatten,
wanderten sie zu Fuß nach den Hafenstaedten Hamburg oder Luebeck,
von wo aus sie per Schiff nach Rußland gebracht wurden.
Hier traten sie als Straßenmusikanten auf,
gleichzeitig verkauften sie selbstgefertigten Tand.
Die Kinder, die in den russischen Staedten scharenweise auftraten,
wurden nicht nur schlecht verpflegt und untergebracht,
sondern auch noch mißhandelt, wenn sie ihren Unternehmern nicht genug Geld einbrachten.
Doch nicht nur in Osteuropa oder Rußland, auch in westeurop. Laendern
traten Bettelmusikanten vom Westerwald auf.
Sie spielten in hollaendischen Lokalen und waren in den Seebaedern Hollands,
Frankreichs und Englands haeufige Gaeste.
Auch gehoerte ihr Auftreten zu den Nummern von Zirkussen und Schaubuden.
Etwa 100 Westerwaelder "Unternehmer" bereisten zu jener Zeit mit
Hunderten von Kindern die skandinavischen Staaten, Rußland,
den gesamten Balkan, ja selbst Palaestina, Syrein und Aegypten.
Darueber hinaus traten sie in den Saloons der nordamerikanischen Goldgraebersiedlungen auf.
Und da sich die Einwohner des Westerwaldes außerstande sahen,
vom Ertrag der kargen Boeden ihre vielkoepfigen Familien zu ernaehren,
fehlte es niemals an Nachschub fuer die Unternehmer- ja,
Maedchen sollen diesen sogar regelrecht verkauft worden sein.
Brr- genug zitiert.

Weder war man im Taunus noch im Westerwald irgendwie von der preußischen
Uebernahme begeistert, was Katholische nochmal schwerer kam,
war doch Preußen arg "protestantisch".
Ein Priester an seinen Bischof:
"Heute wird das hier liegende Nassauische Militaer fuer Preußen verteidigt;
haben die Leute einmal den
preußischen Rock an, so werden sie bald eben so gut preußisch sein,
wie sie gut nassauisch geworden,
nachdem sie ihren frueheren rechtmaeßigen Landesherrn von Mainz und Trier
aus Motiven und zu Zwecken und unter Umstaenden beraubt worden waren,
die mir viel verdammlicher scheinen als die jetzigen auf das nackte jus fortioris gegruendeten Annexionen"
Der bekannte Witz von dem Pfarrer, der auf Befehl in predigt,
"daß wir preußisch geworden sind, und zwar erstens,
wie sehr wir uns darueber freuen muessen, und zweitens,
daß wir es um unseren vielen Suenden willen nicht besser verdient haben"

Nun waren da noch die "Altlasten" der Klosterbrueder und allen voran die Klosterschwestern,
die sich mit sozialen Aufgaben in der Bevoelkerung ein "Standbein" schufen
und deshalb noch laenger ihre Darseinsberechtigung erhalten konnen.

"Rettungsanstalten" fuer verwahrloste Kinder gab es im katholischen Bereich
seit Mitte des 19.Jhds, so der Chronist, nachdem in der
ersten Jahrhunderthaelfte die evangelische Kirche fuehrend gewesen war.
In der Dioezese Limburg bestehende Anstalt war dem Bischof ein Herzensanliegen,
wozu er in Hirtenbriefen zu Kollekten aufrief.
"Dennoch glichen diese Anstalten mehr einem Zuchthaus oder bestenfalls einer Kaserne.
In strengster Disziplin, dauernder angestrengter Arbeit und jede Minute
einplanender Tagesordnung wurde das Allheilmittel gegen Unordnung
und dumme Gedanken gesehen. Pruegel waren an der Tagesordnung,
aber auch drakonische Strafe wie Kost-Entzug auf halbe Ration, Arrest bis zur Dunkelzelle,
Entzug des weichen Lagers, Ausschluß von Spiel und Spaziergaengen,
laengerer Entzug von Buechern, Freistunden, Besuchserlaubnis und Briefschreiben
waren allgemein ueblich und wurden noch 1909 durch die Strafordnung
des preußischen Innenministers sanktioniert."

In der Kinderverschickung der 1960iger Jahre habe ich -bis auf Schlaege-
solche Strafen noch am eigenen Leib erleben koennen!

Im "Sturmjahr 1932", in dem vom Katholischen Jungmaennerverband Deutschlands
die Parole ausgegeben wurde "Christusjugend an die Front" bewirkte,
dass auch in Limburg, wie ueberall solche Gruppen entstanden.

Der Frankfurter Katholizismus 1933 war immun gegenueber der Faszination
des Nationalsozialismus- der damals viele der sogenannten "progressiven Katholiken" erlagen.
Warum war das so? Nun, weil wohl soziologisch der Frankfurter Katholik
als "kleine Leute, Arbeiter und Kleinbuergern" beschrieben wurde -
es fehlte der "katholische Adel" und das Großbuergertum dieser Gruppierung
inmitten der protestantischen Ueberzahl.
Diese Arbeiterschicht erstand in den 1920iger Jahren der hohen Arbeitslosigkeit und Inflation und Not.
So trank man die "Milch der Schwachen und nicht den Wein der Starken".

Heute ist die "Mietpreisgrenze" und die "Bankenrettung" ein deutliches Zeichen dafuer,
dass auch unser jetziges System nicht ohne staendige dirigistisch
Maßnahmen funktionfaehig bleibt. Es laeuft sofort alles aus dem Ruder,
die Reichen werden sprunghaft reicher, die Armen geben ihr letztes Sparbuch fuer das "Wachstum" ab.
Wer von den Zinsen lebt oder andere Leute unterdrueckt,
ist ein "Leistungstraeger", wer durch seiner Haende Arbeit leben muss,
ist zum "Sozialfall" geworden, der "Stuetze" benoetigt um die Miete bezahlen zu koennen.
"Sexuelle Orientierungen" und "Selbstverwirklichung" und "Ellenbogen" sind wichtiger,
als die ehemalig forcierte Keimzelle des Staates, die Familie- zu favorisieren.
Gerechtigkeit und "Nachhaltigkeit" in allen Ebenen ist noch immer
oder schon wieder ein Wunschtraum, nach der kurzen Phase des Aufschwungs nach dem WKII.
Diese Bemerkung setze ich, weil das Ei des Kolumbus noch immer in weiter Ferne scheint..

Bei dem Vorhaben eine Geschichtsseite zu machen, komme ich wohl nicht drum herum
aus Zeiten zu berichten, die mir sehr unheilig und zuwider sind.
Der Chronist des Limburger Bistums fuehrt den Bischof Hilfrich 1933 auf,
der zu einer Gruppe westdeutscher Bischoefe um den Koelner Kardinal Schulte
herum, aufforderte, "anstatt sofort die fruehere ablehnende Haltung gegenueber
dem Nationalsozialismus aufzugeben, erst noch warten zu wollen,
ob sich die Gesamtbewegung auch nach dem programmatischen Erklaerungen
des Fuehrers und Reichkanzlers am 23.Mrz. richten wuerde.."
Es folgen weitere Abschnitte, es sei nicht nur dem Herrn geklagt:
Ein Beispiel ist der Franziskanerpater Latteck in Kelkheim,
der zu den oertlichen Leitern von Partei und SA ein gutes Verhaeltnis unterhielt
und einzelne Kolpings-Mitglieder zum Eintritt in die SA ermunterte, um Einfluss auf sie zu gewinnen..
Von Parteiseite wurde das als hinterhaeltige Infiltration verurteilt.
"Es faellt dem nationalsozialistischen Staat offensichtlich schwer,
seinen Totalitaetsanspruch mit den im Konkordat fixsierten Rechten der Kirche in Einklang zu bringen"
Auf der anderen Seite: Der Staat brauche die Kirche,
"das gibt dem deutschen Episkopat die Moeglichkeit, selbstbewusst und sicher und fest aufzutreten"

Aus einem Schreiben an das Ordinariat:
"Aus der ganzen Unterhaltung nahm ich als Eindruck mit,
dass man doch wohl im allgemeinen in den Kreisen der Partei uns Katholiken mit Misstrauen begegnet,
Ich wurde in meiner Ansicht bestaerkt, dass wir ein kluges,
aber um keinen Preis charakterloses Verhalten zeigen duerfen, und dass auch hier und da
prinzipielle Auseinandersetzungen mit den Fuehrern des heutigen Staates notwendig sind.
Besonders schwierig ist bei diesen Leuten das Verstraendnis dafuer,
dass wir uns jetzt positiv zum neuen Staat einstellen, und man vermutet zu leicht,
dass diese Einstellung nicht aus einer gewissenmaessigen Verpflichtung heraus,
sondern aus Taktik geschehe und wir innerlich nach wie vor negativ
zu den heutigen staatlichen Verhaeltnissen stehen" (16.8. DAL 561/3A fol. 36-39)

Ein 1936/37 verfasstes Memorandum an die deutsche Bischofskonferenz
bezueglich der Judenverfolgung und KZ-Willkur blieb ohne jede Anwort seitens der Bischoefe.

Nun kam ein "Landjahrgesetz" 1934 heraus- was den Klerus nur deshalb aufscheuchte,
weil hier auf Konfessionen keine Ruecksicht genommen wird-
sieht man von den Juden ab, die "nicht erwuenscht" waren.
So gab es oeffentliche Kanzelworte gegen dieses Gesetz,
"da es sich um ein Eltern- und Naturrecht vergewaltigendes und den Glauben der Kinder aufs
aeusserte gefaehrdendes Gesetz handle".
(Der damalige Staat bestand auf der Ansicht, dass die Kinder "dem Volke"
und nicht den Eltern und nicht der Kirche gehoeren)
(Die Kirche hielt sich keiner geschlossenen Meinung an, sondern lies nach Gauen die Kleriker agieren)
Die Sorge der Kirche um ihre Bemuehungen:
"Wenn die Kinder nicht den Gottesdienst verlangen, und zwar immer wieder und regelmaessig,
und wenn die Eltern das nicht immer wieder foerdern, dann arbeitet auch der Seelsorger vergeblich"
Bischof August: "Wir koennen uns nur einer heiligen Person weihen, einer heiligen Sache, die ueber uns steht.
Wir koennen uns nicht der niederen Natur weihen, die wir nach dem Auftrag unseres Schoepfers beherrschen sollen"

1935 gab -intern- die Partei zu, dass "die katholische Propaganda fast durchweg
wesentlich geschickter als die aus unseren Reihen stammende Gegenpropaganda" war.

In Wetzlar wollte man die "Sturmschar" der kath. Jugend in die HJ eingliedern,
das diese nicht wollten -das brachte Parrer Zentgraf von Oberreifenberg zwei Tage Haft ein.
(Ob die milde Haft am Namen des Pfarrers lag?)
Man empfand die Zerstoerung der Synagogen nicht als Verwuestung von Haeusern
des "wahren Gottes", deshalb hielten wohl die Katholiken still,
auch wenn es den Menschen ein Graus war.
(Was die Evangelischen oder Protestanten davon hielten, kann hier nicht erfahren werden)
Der damalige Ordinariatssektretaer Will meinte im Amtsblatt
(er wollte wohl das Christentum vor dem Vorwurf "undeutsch" zu sein, schuetzen)
"dass die christliche Religion nicht aus der Natur dieses Volkes
(der Juden) herausgewachsen ist, also nicht von Rasse-Eigenschaften dieses Volkes
beeinflusst ist, sondern sich gegen dieses Volk hat durchsetzen muessen.
Jesus Christus ist nicht eine Frucht dieses Volkes, sondern in seiner Menschwerdung
ein Geschenk des Himmels.. Die Geschichte der Offenbarung
mit dem nur werkzeuglichen Mitwirken des israelischen Volkes, die Todfeinschaft der fuehrenden
Kreise gegen den Heiland und die Verstocktheit des nachchristlichen Judentums zeigen,
dass die christliche Religion kein Geist des Judentums ist..
Nicht der Begriff vom Schoepfer-Gott ist juedischen Ursprungs,
wohl aber duerfte geprueft werden, wie weit die Leugnung des Schoepfers und der statt dessen
seit Jahrhunderten immer mehr verbreitete pantheistische Gottesbegriff
von der Philosophie des Juden Baruch Spinoza beeinflusst sind"

In dieser gruseligen Zeit wurden Wallfahren schon deshalb bekaempft,
weil sie sich offenbar gerne zu politischen Kundgebungen und Diskussionen mauserten.

Aus einem Schreiben an Kardinal Bertram:
"in Deutschland werde nach dem Kriege auf kirchenpolitischem Gebiet ein Zustand herrschen,
der von dem in Russland bestehenden nicht mehr wesentlich verschieden ist.
Und wenn das Volk weiter auf den Gedanken kommt, auch dieser Zustand
sei nach dem Wunsch und Willen der Urheber solcher Ankuendigungen noch nichts
Endgueltiges, sondern nur das Durchgangsstadium zur voelligen Vernichtung der Kirche,
so ist das nicht weiter verwunderlich"

Seit Anfang 1941, so der Chronist, wurden sicher ueber 10000 "Geisteskranke"
auf dem Moenchsberg bei Hadamar durch Kohlenmonoxyd vergast.
(Hier verscheibe ich mich dauernd- diese Zeilen sind kaum ertraeglich)
"Was hier geschah, wurde ziemlich bald durch Fluesterpropaganda im ganzen Bezirk verbreitet
und die Kinder auf den Strassen sprachen schon davon"
Nach den Erzaehlungen meiner Grosseltern und Urgrosseltern hat man hier
auf dem Land erst sehr spaet von solchen Graeueltaten gehoert - der "staatliche Rundfunk"
war massgeblich, Zeitungen hatte kaum jemand, Hadamar war weit weg.
Aber: Die Anstalt in Weilmuenster haette zu denken geben muessen- 15 Kilometer
sind zwar nicht mehr zur taeglichen Arbeitstrecke unserer Dorfbewohner zu zaehlen-
irgendwer aus der Verwandt- oder Bekanntschaft wird diese Verbrennung bestimmt bemerkt
und weitererzaehlt haben koennen..
Dagegen "etwas sagen oder tun" waere brandgefaehrlich gewesen,
zumal im Ort ueberall Spitzel hockten- angebliche Honoratioren, die, so erzaehlte man mir
auf mein bohrendes Nachfragen, haetten so manches Papier und Relikt aus jener Zeit
beim Einmarsch der Amerikaner in den Jauchegruben versenkt.
Es waren die "guten und wichtigen Buerger", die geschwind mal einen Verwundeten anzeigten,
wenn er sich nach der Genese nicht sofort wieder zur Front gemeldet hat.
(Die Taeter waren davon wohl befreit, weil sie auf dem Feld "volkswichtige" Ernaehrung besorgen mussten.)

(meine Altvorderen waren wohl eindeutig "kleine Leute", die allesamt nichts zu melden hatten)
Wie auch immer- der Bischof Hilrich protestiert gegen diese Morde der "Euthanasie"
beim Reichsjustizminister - ihm schlossen sich wohl einige andere an,
was diese Vernichtung erst einmal bremste. Dennoch wurden spaeter auch weiterhin
missgebildete oder schwer erziehbare Kinder, polnische und russische Kriegsgefangene umgebracht,
wie berichet wird.

Der Druck der Partei gegen die Kirche war nicht ueberall gleich-
im "linken" Arbeitergebiet Frankfurts weniger schlimm als im reichen Wiesbaden,
das immer schon feudal, mit vielen Juden und kaisertreu war.
Die rassenfeindlichen Aeusserungen jener Zeit erspare ich uns, des lieben Seelenfriedens halber.
Bischof Hilrich war herzkrank und versuchte ausgleichend zu wirken -
"wenn sie nur das Wort Gottes verkuenden, werden sie nie Schwierigkeiten mit der Ges tapo haben!" -
So mancher Ordensgeistliche kam selbst in diese Lager- ein falsches Wort,
eine falsche Tat und es war passiert.



Geschichtliches

Die Geschichte des Bistums Limburgs war mir keine Wunschlektuere,
das darf hier nochmal betont werden,
so kam das Buch "vom Usinger Land" aus dem Jahr 1973 gerade recht,
um mich von der vorhergehenden Lektuere zu erholen.
Das "Patent" des Glaubens, das sich nicht an eine rationale
und vernunftbetonte Ebene oder Bodenhaftung zu halten braucht, ist genial:
So kann man ganze Luftschloesser und Institutionen erfinden und diese
-nach Bedarf- immer weiter ausbauen, ueber zig Generationen hinweg entsteht ein Machtinstrument,
das wie eine Fegmuehle beim Muehlespiel funktioniert.
Jedwede "Nachweise" oder "Beweise" oder "Fakten" werden vollkommen unnoetig,
weil das Wort "Glauben" bereits die Anerkenntnis alles Unbekannten -ganz automatisch- ermoeglicht.
Aus diesen Luftschloessern wurden Glaubensbehoerden, staatlich sanktioniert (geheiligt)
und gefoerdert, mit allen erdenklichen Sonderrechten,
bis zur eigenen Gerichtsbarkeit zugeschustert oder besser festzementiert.
Selbst bei einem teilweisen Wegfall von Privilegien oder Besitztuemern
entstanden so reale und einforderbare Privilegien, z.B. die Bischofsbesoldung vom Staat,
um nur mal eine zu nennen,
um die Luftnummern-Organisationen gewissermaßen "schadlos" zu halten.
Immense heimliche Vermoegen wurden so angehaeuft,
deren Bluete die Verschwendungssucht einzelner Leute ist. (Bischof von Limburg)
Riesige Tuerme und Doeme und Katedralen oder schlossartige Kloester wurden gebaut-
ein Schelm, wer diese Monstren als die Landschaft verschandelnd ansieht.
(Seltsam, dass gegen diese Glaubensgebaeude niemand demonstriert, gegen Windkraftanlagen aber schon?!)

Die soziologische Bevoelkerungsstruktur und die veraenderte landwirtschaftliche Nutzung
hat in den Jahren nach dem 2.Weltkrieg
viele Arten in Flora und Fauna fast aussterben lassen -
wo frueher nur einmal Heu und spaeter Krummet gemacht wurde,
folgte eine intensivere Abernte mit Silage;
so konnten die Kraeuter auf der Wiese kaum mehr Saemlinge ausreifen.
Weiden wurden intensiv genutzt- ca 40 Jahre, bis die Konzentration
der neuen Landwirtschaft immer mehr Weidenflaechen brach fallen lies,
die sich von der Bodenqualitaet fuer Getreide oder Mais etc. nicht so gut eigneten.
Die nun neu standen extensiven Wiesenbewirtschaftungen,
die z.T. sogar von staatl. Seite gemaeht werden muessen,
damit sie die wertvolle Kulturlandschaft nicht verwalden lassen, folgte.
Die Landwirte empfinden das Soja-Futter aus Uebersee wohl billiger, als die Bewirtschaftung von Weiden,
welche heute von Schafe, Ziegen und Pferden kurz gehalten werden-
so wird die Gestrueppbildung vermieden.
Die Waelder wurden im 19.Jhd immer mehr zu Monokulturen,
heute ist man weiter und geht den Weg der naturnahen Bewirtschaftung,
welche den spezifischen Anspruch der Baumart an den Boden stellt.

Wo sich die Sagen im Nebel der Vergangenheit verlieren,
sieht man zuweilen noch herrliche Einheiten von Kapellen, Bruchsteinmauern,
schmale Naturtreppchen und zuweilen tausend Jahre alte Linden oder Eichen stehen, die in die Taeler schauen..

Selten gewordene Zugvoegel nisten wieder in unserer Heimat, nach und nach waechst die Artenvielfalt wieder an.

Der Altkoenig bei Falkenstein/Koenigstein mit seinen weiten keltischen Ringwallanlagen und seinem Plateau
strahlt allemal mehr Heiligkeit aus, die Ehrfurcht und Stille gebietet,
als in Kirchen oder gar im Bahai-Tempel in Langenhain spuerbar wird.
Ich rate zur Wanderung auf diesen Gipfel an, wo man den Talblick geniesen sollte.

Im Hochmittelalter des schwachen Kaisertums eigneten sich kleine Territorialherren das Reichsland an.
Durch Erbgang, Verpfaendung, Heiraten, Kauf und Lehen wieder zerstueckelt,
entstand der Flickenteppich an Laendereien,
der erst spaeter durch Gebietsreformen wieder rationeller gestaltet wurde.
Die alten Gebietsteilungen und Siedlungsformen waren nicht nur
aus dem Schutzbeduerfnis in fehdereichen Zeiten zu sehen,
auch die damalige Einfuehrung der Dreifelderwirtschaft (Flurzwang) machte ein enges Zusammenwohnen noetig:
in Absprache wurde ausgesaet und geerntet, in geschlossenen, wegearmen Zelgen -Sommerfeld, Winterfeld.
Das dritte Feld war die gemeinschaftlich genutze Brache.
Die Dreizelgenwirtschaft ging im Wechsel ueber drei Jahre: Winterfrucht, Sommerfrucht, Brache.
Durch Realteilung verdichtete sich die Wohnsituation nochmal weiter.
So entstanden die wirren Winkel und Strassenzuege, die dem heutigen Verkehr zu schaffen machen..

In den 1920-1960iger Jahren wurden im Taunus viele Wochenendhaeuschen gebaut,
die in den 70/80iger Jahren als feste Wohnhaeuser ausgebaut wurden.
Die Stadtflucht derer, die es sich leisten konnten, haelt z.T. heute noch an.
Die Landflucht derer, die sich das Pendeln nicht mehr leisten koennen- aber auch.
Das sind ein paar der Gruende, weshalb heute landschaftsgebundene Bauformen kaum mehr zu sehen sind.
Die Kleinstaedte sind zunehmend auf dichteste Bebauung oder Hochbauten angewiesen,
sonst wird die Landschaft immer weiter zersiedelt.
(So viele Menschen wie heute gab es noch nie, so hohe Ansprueche und Platzbedarfe
sind ebenfalls neu, sieht man von der wohlhabenden Schicht mal ab)

Die Dreizelgenwirtschaft (wo Feld in Feld in einer Frucht bestellt ineinander ueberging)
verschwand, wie die dreijaehrige Fruchtfolge.
Es entstand das buntgemischte Bild der Flur, das heute wieder noch anders -
diesmal wieder grossflaechiger - ausschaut, weil eine erneute Flurbereinigung war.

Der Autor vermerkt poetisch: Die Bestaende von Eichen zeigen aufgrund frueherer
Lohen-Nutzung seltener alte und maechtige Eichenstaemme auf,
man merkt noch, dass sie aus Niederwaeldern erwachsen sind.
Heute ist deren wirtschaftlicher Wert geringer-
der landschaftliche Reiz des leichten Grasunterwuchses jedoch gibt einen besonderen Reiz ab.
Im Kirschenwaeldchen oestlich Wetzlars ist ein schoenes Beispiel dafuer.
(Dort sind auch ein paar kuerzere Wanderwege, die ich empfehlen kann:
Wandern )
Die Kiefer wurde erst vor ca 140 Jahren in unserem Gebiet eingefuehrt -
bis Ende des 18Jhds waren Laubbaeume vorherrschend.

In der heutigen Zeit wird der Fachbereich der handwerklich hergestellten Lebensmittel
der Baecker und Metzger immer weiter abnehmen;
Zu Gunsten automatisierter Filialbetriebe mit zentraler Herstellung
bis zu fabrikgrossen Anlagen beherrschen sie heute den Markt.
(z.T. sind diese Produkte unter verschiedenen Markenbezeichnungen im Handel-
was oft genug Wettbewerb vortaeuscht)

Nach 1700-1750 jedoch war die die landwirtschaftl. Nutzflaeche fuer die vielen Menschen zu klein geworden,
so sann man nach neuen Einkommensquellen:
Die Textilproduktion kam mit Hilfe von Hugenotten schnell in Fahrt.
Diese Leute waren geschaeftstuechtig und fleissig- es wurden Flachs-Teiche angelegt,
Brach- und Oedland mit Schafen besiedelt um Wolle zu erhalten.
Die Usinger Tuche waren bald weit und breit bekannt.
Bis zu 60% der Haushalte leisteten Heimarbeit mit Wams,- Gamaschen und Strumpfweberei.
Mitte des 19.Jhds. kam die Technisierung, die in Bedraengnis
gekommenen HeimarbeiterInnen begannen mit der Landflucht in die Stadt,
was erst durch den Bau der Eisenbahn gestoppt werden konnte.

Ansonsten gaben Walkmuehlen, Mahl- und Oelmuehlen, Ledergewerbe, Schuhmacher,
Saegewerke bis zu Eisengießereien vielen Leuten Arbeit und Brot.
Die eigentlichen Baufachleute waren die Zimmerleute, die den Rahmen des Hauses
und die Zimmereinteilungen, Fenster- und Tuerzargen, Treppen und Boeden
machten- also nicht nur den Dachstuhl.
So ein Nagelschmied hatte damals kein leichtes Leben- im Gegensatz
zu den Schmiedemeistern in den groeßeren Werkstaetten,
der 14 Stunden-Tag an der Esse in der kleinen dunklen Werkstatt war die Regel.
Zwei Eisenstaebe waren immer zugleich im Feuer.
Die zur Weißglut gebrachten Spitzen wurden ueber einem Blockmeisel geknickt
und in das Loch des Nageleisens gesenkt. Durch schnelles Zuschlagen ist der Kopf des Nagels geformt worden.
Wer diesen "Job" staendig ausuebte, hatte haeufig mit der Verbildung des Brustkorbes
und unter Gicht und Leberschaeden zu leiden.
Man stellte damals her: Huf,- Schuh,- Tapezier,- Band,- Sattler,- Hemmklotz- und Schlossernaegel.
Auf dem Buckel wurden die schweren Saecke mit den Erzeugnissen zu den Kaeufern
in das Rhein-Main-Gebiet, in die Wetterau,
in den Goldnen Grund und ins Lahngebiet geschleppt.

Aus dieser Zeit entwickelten sich andere Heimarbeiten, wie Knopf- und Strickwaren,
zumeist Teilerzeugnisse, die in hohen Stueckzahlen unter billigen Lohnkosten produziert wurden.
So manche Hausfrau hat hier ein Zubrot fuer die Familie erreichen koennen.
Noch in den 1960iger Jahren hoerte man in vielen Haeusern das rattern einfachster Hilfsmaschinen.
Der Unternehmer brachte die Rohlinge oder das Material und holte die Resultate ab.

Viele Sitten und Gebraeuche des Usinger Landes gehen auf "heidnische" Vorlaeufer zurueck.
So das Laubmaennchen am Pfingstdienstag.
Ein Handwagen wurde mit frischen Laub umkraenzt und mit Baendern ausgeschmueckt.
Die Kleinsten wurden von den groeßeren Kindern gefahren - so zogen sie durch den Ort.
Die frischen Birken- und Buchenblaetter symbolisierten das erwachende Jahr
und das Sammeln von Eiern erinnert an alte Fruchtbarkeitsrituale.
So sagen sie Bittlieder- wie dieses:
Gockedie gockedie gaier,
die Hinkel leje Ajer,
de Kuckuck saeuft de Dorrer aus,
drum gebt uns Speck und Ajer raus,
als Ajer raus, als Ajer raus,
de Korb is noch nit voll !

Im Hof der teilnehmenden Kinder hatte man ein Laubhaeuschen gezimmert-
bei gutem Wetter fand das im benachbarten Waeldchen statt,
wo man sich bei geselligen Spielen und Eierbacken traf.

Etwas wunderlich ist folgende Geschichte:
Bereits 1422 wurde die Usinger Schuetzengilde mit friedlichem Armbrust - Wettkampf gegruendet.
Diese Veranstaltung und der Verein wurde vom Grafen Philipp von Nassau
aus Gruenden der Wehrtuechtigkeit gefoerdert.
In der damaligen Gesellschaftsordnung kam der Gilde sogar eine konkrete polizeiliche Aufgabe zu-
als Schutzwehr gegen Raeuber und fahrendes Gesindel. Sozusagen als Ordnungsfaktor auf dem Land.
Im Jahr 1524 ist das erste Schuetzenfest in Usingen gehalten worden.
Fuerst Walrad baute im ausgehenden 17.Jhd Usingen zur Residenz aus,
1732 wurde aus der bis dahin friedlichen Schuetzengruppe
eine Art Buergerkompanie mit Anzeichen der Vermilitarisierung.
1814 zum "Batallion Usingen" - nach dem Vorbild des preußischen Landsturms.
Nach 1821 wurde dieser "Landsturm" wieder zu einem Schuetzenverein gemacht.

Ein Satz zur Dorfsanierung: "Wir blicken in eine Dorfstraße von Niederems.
Die Haeuser sind renoviert, haben ihre dumpfe Enge durch den Einbau großer Fenster verloren,
zum Teil ist sogar das alte Fachwerk wieder freigelegt, die Straßen sind asphaltiert -
und dennoch ist der urspruengliche Dorfcharakter gewahrt.
Dazu traegt natuerlich auch die plombierte, uralte, knorrige Linde bei."
Das war in den 1970iger Jahren. Heute hat man die "großen Fenster"
in alten Haeusern nicht gerne, es wird zurueckgebaut in den Ursprung.
Das damalige Dorfgefuehl ist heute fast ueberall verschwunden, trotz Linde-
weil der "Tante Emma Laden", der kleine Baecker, der Dorfmetzger
und div. andere Geschaefte und Geschaeftlichkeiten dicht sind. Zu fuer immer.
Die meisten Wirtschaften sind "Cucinas", "Restaurant Athen" oder "Doener" geworden,
typisch hessische Spezialitaeten muss man lange suchen.

Aus der nassauischen Mundart stammt die Bezeichnung "Ley", was Fels bedeutet: Loreley.

Es gab in unserer Gegend Orte, die ganz im Wald versteckt waren und vom 30j. Krieg verschont blieben!
Odersbach, benannt nach dem gleichnamigen Bach, der sich von Odinsbach ableitet.
Vor den "Gefallenen" der beiden WKI und WKII blieb der Ort nicht verschont,
auch nicht von der Inflation in den 1920iger Jahren,
wo ein Meter Stoff 2 Billionen und ein Glas Bier 250 Billionen Mark gekostet haben soll.

Geschichtliches

Die Besiedlung in alten Tagen darf man sich nicht so dicht vorstellen, -
bis zum Jahr 1000 bedeckten noch 5/6 des Gebietes weite Waelder!
Als die Franken eindrangen, war jedes Stueck Gebiet bereits vergeben und aufgeteilt.
Der Ablauf war so: Der Anfuehrer der Eroberer erhielt ein grosses Stueck Land fuer sich,
das uebrige Land verteilte er unter seinen Freien, die dort die Huetten ihrer Hoerigen aufstellen liesen.
Ein paar der Freien, die sich durch besondere Tapferkeit auszeichneten,
kamen dazu eine extra Portion Land als Lehen.
So hoben sich die Edelfreien oder Adeligen von den Gemeinfreien emphor.
Noch vor einem festen Stand, bildeten jene die nahe Gefolgschaft des Anfuehrers.
Aus der so entstandenen Zersiedlung rueckten die Bebauungen spaeter,
als das Land bebaut wurde und ca 2-300 Jahre spaeter
durch die Bevoelkerungszunahme Rodungen noetig wurden,
rueckten die Haeuser naeher zusammen und bildeten kompakte Gemeinwesen.
Mark nannte man den Bezirk wo Abkoemlinge einer Familie wohnten.
Von diesen hatte jeder Anteil am gemeinsamen Mark-Wald.

Spaetere Gruendungen bis zum 9.Jhd. der Franken endenten auf -heim,
-hausen, -hof, -stein, -statt, -feld, -bach, -berg, -kirchen.
Danach, bis zum 13.Jhd mit -hain, -rode.
Die Zahl der Marken wurde in Hundertschaften -hundrete- oder Zente -centena- zusammengefasst.
Hundert Zente waren ein Gau und war zugleich das Gebiet eines ganzen Stamms.
Rheingau, Maingau, Wetterau (Wettergau), Haigergau, ober und unter Lahngau.

Die Freien waehlten demokratisch innerhalb des Gaues acht der aeltesten,
erfahrensten und geachtesten Maenner als Schoeffen oder Richter aus.
(Kein Wort vom Frauenwahlrecht, kein Wort vom Wahlrecht der "arbeitenden Klasse",
das der Unfreien oder Hoerigen)
Aus den Gauen wurde dann der Anfuehrer oder kleine Koenige gewaehlt.
Saemtliche Anfuehrer der Gaue waehlten kann den Koenig und den Oberbefehlshaber,
den Herzog, der nach Kriegsende das Amt wieder aufgab.
Da Kriege lange dauerten, konnte das auf Lebenszeit sein, dass der Herzog im Amt blieb.
Langsam, aber sicher bliegen diese von sich aus dauerhaft -
der Richter und Anfuehrer des Gaues wurde zum Graf, der Gau in Zenten eingeteilt.
(Schultheiß gleich Schuldheischender oder Zehntgraf.)

Es folgten die Hundertgrafen, aber auch Gaugrafen als Nachfolger des Gau-Koenigs.
Bald wurde der Gaugraf nur noch vom Koenig eingesetzt.
Das Recht wurde nicht mehr im Namen des Volkes, sondern im Namen des Koenigs gesprochen.
Als Foerderer des Glaubens hatte der Koenig das Gebietsrecht -
die Durchfuehrung eines absoluten Systems war die Folge.
Die Einteilung in Freie und Unfreie war ueberholt,
der Adel hatte sich als oberster Stand ueber die Freien erhoben.
Durch die vom Koenig verliehenen Lehen wurde er Adel reich und maechtig,
an seiner Seite stand nun der Klerus.
Durch Schenkungen wurde auch der Klerus vergleichbar wohlhabend.
Nun kamen die Freien bereits in den dritten Stand..
.. als Reichsstaende anerkannt.
Die Vielzahl der Verpflichtungen brachten viele Freie in den Stand der Hoerigen,
indem sie Besitz verpfaenden mussten.
Jene bezeichnete man danach als Bauern.
In der Folgezeit zeigten sich Schwaechen dieser Hierachie,
so dass die Herzoege wieder mehr Macht erhielten.
Um diese Macht ein wenig zu mildern, schlossen sich Freie den Klerikern an.
Ganze Landstriche kamen so an die Kirche.
Doch der Klerus, der dem Koenig gegen die Uebermacht der Herzoege helfen sollte,
war auch nicht besser gesonnen..
Nach und nach schwand der Einfluss des Koenigs,
die Soehne der Grafen und Grossgrundbesitzer bildeten Dynastien,
die jene alten Gaue zum wackeln brachten. Der Anfang der deutschen Kleinstaaterei war getan.
Die Großen belehnten die tapferen Maenner in ihren Diensten mit Guetern und "Gerechtsamen".
Diese bildeten den niederen Adel, verpflichtet zum Beistand im Kriege.
So, wie die christliche Religion mit ihren Kloestern die Kultur des Landes foerderte,
so nachteilig wurde ihr das mosaische Zehntengesetz,
das Karl der Große auf dem Reichstag 779 in Dueren fuer die Bischoefe
seines Reiches in Kraft setzte- die Gesetzesgrundlage:
Das Gesetz beruft sich auf das 3. Buch Mose, Kapitel 27, Vers30
Schaetzungen von Mensch, Vieh, Ackern, "die dem Herrn heilig sind",
also den Priestern gegeben werden muessen..

Ein unglaublicher Vorgang, der auch heute noch nachwirkt, was ich nicht verstehen kann..

Es stellt sich heute vielmehr die Frage, wie weit unsere Weltbevoelkerung
ueberhaupt in der Lage ist, demokratisch entscheidungsfaehig zu agieren.
Eben dieses hat die verkrustete Parteienstruktur hervor gebracht,
die in ihrer Armut die Mehrheit zu erreichen, zunehmend "koalieren" muss,
weil kristalline Vorgaben des "Fraktionszwanges" bei Abstimmungen die geheime
und freie Gewissensentscheidung massiv stoert.

Die Urspruenge sind also keineswegs faschistisch oder kommunistisch oder klerikal
oder adlig bestimmt, sondern DEMOKRATISCH, wenn auch rudimentaer
nur auf die Freien gemuenzt- aber immerhin!
Umgesetzt auf die heutige Zeit gaebe das den "Leistungstraegern" der Gesellschaft,
also Lohnsteuer- oder Einkommenssteuerzahlern das alleinige Abstimmungsrecht.
Ein interessanter Gedanke, das gebe ich zu.
(Arbeitslosen und Rentnern oder sonstwie lohnsteuerbefreiten Leuten naehme
das die -ohnehin ungeliebte- Mitbestimmung, die sowieso in den meisten Faellen
kompetenzfrei, weil ohne umfassende Informationen getan wird)

Orte wie Biskirchen, Bissenberg und Stockhausen im Lahn/Ulm Gebiet gehoeren
zu den altbesiedelten Stellen des Lahntals.
Die Raender der Taeler waren von jeher bei der Besiedlung bevorzugt.
Damals war der Wald noch bis in die Flussniederungen ausgedehnt.
Der Wachstum der Bevoelkerung und der Ackerbau, verbunden mit der Seßhaftigkeit
lies viele Rodungen entstehen.

Die Fachwerkbauten unserer Region stammen vornehmlich aus der Frankenzeit.
Die alte Pfostenbauweise, bei der senkrechte lange Pfosten in die Erde gegraben wurde,
hat man bald durch Steinfundamente mit Staender- und Rahmenbauweisen verbessert.
(Die Pfosten faulten nach spaetestens einer Generation durch)
Diese Rahmen- oder Raehmbauweise ist im Grunde
wie unsere heutigen Fertighaeuser konstruiert, wo jedes Zimmer
eine eigene Wandkonstruktion hat, welche dann nur noch verzapft
zu werden brauchen (heute verschraubt) - und mit Deckenbalken versehen.
Bis zum Beginn des 19.Jhds wurde nur Eiche verwendet, spaeter auch Fichte.
Erst 1920 begann man die Statik zu berechnet, brauchte also fortan sehr viel weniger Holz.
Das Reisiggeflecht, das mit Lehm ausgeschmiert und mit Kratzputz die Gefache deckte,
hat um 1800 immer mehr Schwemm- oder Backsteine erhalten.
In manchen Orten- z.B. Weilburg- sieht man noch viele Pisee Bauten,
das waren Lehmstampfhaeuser, die aehnlich wie heutige Betonbauten gearbeitet waren.
Backsteinbrenner holten aus der "Knetschekaut" oder Lahmekaut das Material,
das sie zu Mauersteinen formten und brannten.

Fuer die Ueberlassung einer Weise musste der Paechter "Stoppelhaehne" abliefern-
die Akten sprechen von 28 Stueck Stoppelhahn.

Tonnenartige Gewoelbe der Keller unter mehreren Haeusern der Orte
-hier Biskirchen- sind heute noch in ihrem urspruenglichen Zustand erhalten.
Den Eingang versteckt man unter Reisig, damit die vielen durchziehenden Soldaten
den Keller mit Lebensmitteln nicht entdeckten.

Der Bauernadel war verhaeltnismaeßig wohlhabend- er baute sich Steinhaeuser,
die durchaus einen burgaehnlichen Eindruck machten.
Mit Schießscharten war das aus 1480 stammende "steinerne Haus" war
auf großem Grundstueck gebaut und machte mit seinen 1,19mtr dicken
Mauern einen herrschaftlichen Eindruck.
Damals herrschte noch das Faustrecht- von 1254 - 1273 hatte Deutschland keinen Kaiser,
es war eine gesetzlose Zeit.
Wer es sich leisten konnte, baute an schwer zugaenglichen Stellen massive, kriegsfeste Gebaeude.
Nach und nach bewohnten die unterschiedlichsten Leute dieses Haus, deren Erbauergeschlecht ausgestorben war.
Viele Veraenderungen wurden vorgenommen bis zu dem Bericht von 1955, wo die Wetzlarer Neue Zeitung schreibt:
"Das Haus 131 in Biskirchen wird als das aelteste in der Gemeinde bezeichnet.
Man sagt ihm eine 600 jaehrige Geschichte nach.
Selbst wenn es uebertrieben sein sollte, bei diesem Alter kommt
es auf ein paar Jahre mehr oder weniger nicht an.
Man traut ihm die vielen Geschlechter, glueckliche und leidvolle Bewohner in den langen Jahren zu.
Seine Schwelle ist ausgehoehlt von unzaehligen eilenden Tritten
junger und vom bedaechtigen Schluerfen alter Fueße,
und der dunkle Boden unter dem hohen, unter der Last vieler Sommer
und Winter geneigten Giebel ist die Zuflucht allerlei lichtscheuen Getiers.
Wer darin haust, wird ueberrascht sein, in stillen Naechten das hohle Seufzen
oder Pochen eines bejahrten Hausgeistes zu vernehmen.
Der Mann, der es einmal baute, war gewiß von bestimmter und gruendlicher Art.
Das Aeußere wirkt noch heute großzuegig und gediegen,
und seinen meterdicken Mauern und wuchtigen Balken
sieht man an, daß sie fuer die Zeit gefuegt wurden.
Jetzt aber ist diese Zeit abgelaufen. Wer das alte Gemaeuer betritt,
gewahrt allenthalben die Spuren des Verfalls: herabhaengende Decken, abfallender Verputz, einsinkende Dielen
und verfaulendes Holzwerk. Knapp hinter dem Eingang befindet sich eine morsche Falltuer,
wer aus Versehen drauftritt, laeuft Gefahr,
ueber die steile steinerne Treppe in das finstere Kellergewoelbe abzustuerzen.
Der weite, ehemals offene Kamin, der als Loch in der Ecke beginnt
und sich wie ein Schacht ueber das Dach hinaus erstreckt,
ist mit Blech notduerftig abgedichtet.
Von allen Seiten muenden darin vielfach gewinkelte Ofenrohre.
Denn in diesem Haus wohnen Leute.
Im einzigen Zimmer des Erdgeschosses wohnt eine alte alleinstehende Frau
und in den zwei Zimmern des Obergeschosses nebst zwei Kaemmerchen ein Ehepaar mit fuenf Kindern.
Wenn der Mann die Treppe nicht verstaerkt und abgestuetzt haette,
koennte sie zweifellos schon laengst niemand mehr benutzen.
Der Hof mußte abgesperrt werden, denn der Schornstein hat
ein klaffendes Loch und kann unversehens ueber das steile Dach hinabstuerzen.
Berufene und Unberufene haben das seltsame Haus bereits besichtigt, auch Beauftragte des Bauamtes.
Sie schuettelten den Kopf und machten, daß sie wieder hinaus kamen.
Denn witzig ist das Schild an der Haustuer nicht gemeint, auf dem dem zu lesen steht:
Das Betreten dieses Hauses geschieht auf eigene Gefahr. Der Hauseigentuemer.
Der Eigentuemer erwarb das Haus nur des Grundstuecks halber, um darauf eine Reparaturwerkstatt zu errichten.
Miete verlange er von den Bewohnern keine mehr und wuerde am liebsten sehen, wenn sie ausziehen wuerden.
Er lehnte jede Verantwortung ab und meinte, daß sich das Instandsetzen nicht mehr lohne.
Das hat er wohl auch den Aemtern mitgeteilt
-weil Wohnungen knapp waren, blieb erst einmal alles beim Alten, die Mieter blieben im Haus.
Nur die warnende Tafel wurde ab und an erneuert.."

Die letzten Besitzer lieses das Haus abreißen - 1980 -
der "Denkmalschutz" hatte damals nichts dagegen-
die Heimatgeschichte ist ein Stueck aermer geworden.

Viele Leute sind nach den Drangsalen und Noeten des 7jaehrigen Krieges ausgewandert.
Zuvor mussten einige Dokumente besorgt und die ausstehenden Gebuehren
und Abgaben entrichtet werden- "genehmigt" mußte dieses Vorhaben auch noch werden..
Wer Grundstuecke oder Wiesen etc. hatte, ein Haus oder sonstigen Besitz
suchte Kaeufer dafuer, um die -nachzuweisende- Reisekasse aufzufuellen.
Manche Fuersten wollten diese "Auswanderungssucht" durch Gesetz stoppen-
aber was half es, wenn keine Arbeit und Auskommen zu finden war.
Da half auch die Drohung nicht, die evtl. Wiedereinreise zu untersagen.
Rußland, Amerika bis nach Suedamerika waren die Ziele.
Die Schultheße oder Buergermeister versuchten noch geschwind
an ein paar zusaetzliche Einnahmen durch Gebuehren
und angeblich noch nicht bezahlte Steuern zu kommen.

Eine dramatische Schilderung ist ueberliefert:
"Das amerikanische Segelschiff Shenandoah lief am 10. April 1834 von Bremen aus.
190 Passagiere waren an Board, unter ihnen 44 Kinder.
Mit großen Hoffnungen und Erwartungen der menschen auf die neue Heimat
verließ das Schiff gegen 2 Uhr nachmittags den Hafen mit dem Ziel Baltimore.
Der erfahrene Lotse de Harde fuehrt bei gutem Wind, er wollte noch vor Eintritt der Nacht in die Nordsee.
An der Außenweser kam eine ploetzlich eintretende Fallboe
und versagte dem Schiff die Wendung, so daß dieses auf den Mellum-Sand abtrieb.
Man hoffte, dass nach der herrschenden Ebbe bei Hochwasser das Schiff wieder unter Segel zu bringen sei.
Aber alle Bemuehungen waren vergeblich.
Das heftige Stoßen auf die harte Sandbank lies den Haupt- und Fockmast brechen und ueber Bord fallen.
Nachts um 12 drang im Zwischendeck Wasser ein, das bald bis unter das Verdeck stieg.
Bei zunehmendem starken Wind wurde das ausgesetzte große Beiboot in den Wellen zerschlagen.
Unter unsaeglichen Muehen gelang es trotzdem noch dem Untersteuermann
und einigen Matrosen, mit der Schiffsschaluppe eine aufsegelnde
englische Brigg zu erreichen, und so die erste Kunde von dem Unglueck nach Bremerhaven zu bringen.
Der kommende Lotsenkutter konnte infolge der starken Brandung
nur einmal an das Schiff heranrudern - ein fuerchterliches Ringen mit dem Sturm.
Die Wellen gingen staendig ueber Deck, wo die Passagiere den Tod vor Augen
hatten und Stunden der Angst zubringen mußten-
Mehrere Personen, die sich vor Kaelte erstarrt, nicht mehr halten konnten, wurden ueber Board gespuelt.
Kinder verfielen vor Kaelte und Erschoepfung in Schlummer und entschliefen.
Erst am Abend kamen der Oberlotse und einige andere Schiffer
von Bremerhaven her eiligst den Strom heruntergesegelt,
um die verbliebenen 160 Auswanderer zu uebernehmen, die mit knapper Not
nichts weiter als ihr Leben retten konnten.
Sterbenskrank, und zum Teil schwer verletzt, wurden sie in Bremerhaven in Pflege genommen -
großzuegige Hilfsmaßnahmen und Spenden
besonders aus Bremen- versuchten das Elend zu mildern.
Die "Altenlaender Apfeljoelle" war zuerst an der Shenandoah,
die beiden Skipper haben alleine 72 oder 73 Menschen das Leben gerettet.
An den Bergungsarbeiten waren weitere Seeleute zu loben.
Bei dem hohen Seegang war es nur unter Einsatz des eigenen Lebens moeglich, an den Havaristen heranzukommen.
Dieser Strandungsfall gab den Behoerden Anlaß zum Handeln und die Gesetze zu ueberarbeiten.
Viele fanden den Tod in den Wellen, Familien und ihre Hoffnungen gingen dahin.
Einige liesen darauf die Auswanderungsplaene fallen-
die Mehrheit ist am 16. Mai 1834 mit der Bremer Brigg Neptun erneut nach Nordamerika aufgebrochen.
Diesmal war die Fahrt gluecklich und gelungen."

Deutsche Einwanderer genossen ueberall hohes Ansehen :

"ihre Fleißkeit, Treue und Sparsamkeit und Gewissenhaftigkeit zeichnet sie vor anderen Leuten aus.
Sie leben deshalb auch meistens in guten materiellen Verhaeltnissen,
und verpflanzen durch Gesangvereine, Konzerte, Theater
und dergleichen die Gemuetlichkeit des ihnen ewig teueren Heimatlandes in ein Land,
wo es an nichts mehr fehlt als eben an Gemuetlichkeit!"

Zurueck zur alten Zeit, wo die Neugeborenen zum Mitglied der Familie wurden,
indem sie die erste Nahrung aufnahmen, der Vater es in feierlicher Weise
durch Aufheben vom Boden und Besprengen mit Wasser anerkannt hatte !
(Bevor man die Christliche Taufe eingefuehrt hatte)
Die Germanen traten recht spaet in die Menschheitsgeschichte ein-
ihre Namen spiegelten den Kampfeswillen wider, mit dem sie sich ihre Platz schufen:
Wic, wie Kampf, Ludwig oder -mar, wie beruehmt, -rich, wie maechtig,
Friedrich, wie Friede, -bern, wie Baer, Wolfgang, wie Wolf usw.
Anderen Kulturvoelkern war die Zuordnung von Eigenschaften in der Namensgestaltung unbekannt-
gerade die Roemer gaben ihren Kindern gedankenlose Namen: Erster, Zweiter, Erbsenbauer, Eselszuechter,
Dickkopf und aehnlich belanglose Worte.
Die altgermanische Zeit kannte noch keine Familiennamen.
Der Rufname reichte- je mehr Menschen sich ansiedelten,
und in Heer-Bannrollen, Heberegistern und Schenkungsurkunden erfasst werden sollten,
kam Bewegung in die Sache, um Verwechslungen zu vermeiden.
Sondernamen, wie "der Rote", der Lange, der Waldschmied, Bauer, Fischer oder Mueller kamen dazu.
Adlige nahmen sich gerne die Ortsnamen - theodericus von Byschobiskirchein,
Walter, Gilens Sohn. (Wie in Skandinavien ueblich "Hegardottir",
was die Tochter des Hegar heißt oder Hegarson, der Sohn des Hegar.)
Der Ausdruck Momper (MOP mit Laengsstrich ueber dem O) ist verschwunden-
es bedeutete wohl "Hand und Schutz", aus dem Mittelhochdeutschen mit der Bedeutung Vormund.

1566 soll der Bauer Hans dem Pfarrer "in die Rede gefallen" und denselben gestoert haben.
Ein anderer Bauer habe in Stockhausen "geaeußert",
das Evangelium, das in der Kirche gepredigt werde, sei Menschengedicht..
1597 wurde ein "Reidtmeister" zu Biskirchen wegen Schimpfreden gegen den Pfarrer
und dessen Frau zu einem Tag Gefaengnis bei Wasser und Brot eingesperrt.
In Stockhausen -so der Chronist weiter- sollen mehrere Weiber
wegen allzugroßer Grobheiten der Maenner entlaufen sein, der schuldige Teil wurde bestraft.

1598 sei ein Kuhhirt und zwei weitere Personen von Biskirchen
nackend getanzt haben - sie wurden mit 20 fl. bestraft.
Bei Heiraten muss der Mann das 20igste und die Frau das 16. Lebensjahr vollendet haben.
1600 - der Herrmann Steinmetz soll Gott gelaestert und die Sakramente verflucht haben,
1608 ein Bauer Wolf haette sich vor der Kirche mit Brandwein "uebernommen"
- auch er wurde bestraft. (Vermutlich durch den Gottesdienst)
1625 klagte der Pfarrer ueber den schlechten Besuch in der Kirche -
die Versaeumer sollten demnaechst in den Turm gesperrt werden..

1686, 1. Dec. haben offentlich Kirchenbuße getan Merten S., Hans peter S's Sohn
von Stockhausen und Anna Catharina FL. von Obershausen,
welche zwar 11. Jul. 1686 eheverloebnis gehalten, aber sie waren lang vor dem Verloebnis
wie huren und buben zu sammen gekrochen
und hatten Hurerey getrieben, daher nachdem sie auff befelch Hochgraeflicher
Cantzeley den 1.Dec. 1686 offendlige Kirchenbuß
gethan auff den monatligen bettag, sind sie des folgenden Tags den 2.Dec.
ohne crantz und spielleute copulirt worden.
Weilen sie aber nach der ersten Mahlzeit spielleute zu halten erlaubnis erlangt,
haben sie zu straff der Kirchen alhier muesen geben.

Die Bischofskirche und der alte Friedhof lag tief unten im Dorf und das im Hochwassergebiet -
im Predigtbuch steht:
"waehrend sonst meist die Kirchen auf der Hoehe gebaut und die Ortschaften
niedriger gelegen sind, ist es hier umgekehrt der Fall,
die Kirche steht in der Tiefe. Das deutet auf eine sehr fruehe Zeit ihrer Erbauung, da
man noch aus Furcht vor der heidnischen Umgebung
Ursache hatte, die Gotteshaeuser mehr in verborgene zu stellen"
Gemeint war wohl, dass die Kleriker heilige Quellen
(besonder hier, in Biskirchen, wo viele Heilquellen sind) ueberbaut werden sollten.
So hat man lieber starke Mauern um die Anlage gebaut, damit die Lahn nicht in die Kirche lief.

"Vor dem Schulhaus wurde ein Brunnen gegraben, den auch die Dorfbewohner nutzen durften.
Auch ein Halseisen wurde an der Außenwand neben der Eingangstuere
zur Ratsstube nach dem Brunnen und dem freien Platz angebracht,
um die Missetaeter hier an den Pranger stellen zu koennen.
An der oestlichen Wand befand sich eine Sonnenuhr."

Nach einer Koeniglichen Verfuegung von 1914 zu Koblenz soll
eine Strickschule errichtet werden, was auch wohl bewi manchem zu gutem Gewerke dient..
Allein die Gemeinde kann hierbei nicht in Anspruch genommen werden, weil sie kein Geld hat.
Die Strickwolle, so auch die Lehrerin, seien auf Kosten der Gemeinde anzuschaffen-
denn wir koennen es frei aussagen, daß die
hiesigen Frauenzimmer soweit gekommen sind, daß fast jeder Haushalt
die schoenste aArbeit im Naehen und Stricken vorzeigen kann
und muessen deshalb erwaegen, die Gemeinde mit dieser Ausgabe zu verschonen"
So wirr, trotz des Studiums? Das und noch mehr trifft man heute immer noch an,
wenn Gesetze aus dieser Zeit ihre Gueltigkeit nicht verloren haben.

Von 1949 ist folgendes ueberliefert:
Die Suche nach den Kartoffelkaefern sei am vordringlichsten, schrieb der Landrat-
hierbei muessen auch die Lehrer und die Schulkinder laufend eingesetzt werden.

Wieder aus dem Jahr 1949:
"Da die Gemeinde heute finanziell nicht in der Lage ist, ein neues Schulhaus zu errichten,
soll in dem bestehenden Schulsaal vor- und nachmittags unterrichtet werden.

1962 bei der Einweihung der neuen Schule:
"Wir wollen die unter großen Opfern geschaffene Erziehungs- und Bildungsstaette dazu nutzen,
daß die Kinder die bestmoeglichste Vorbereitung fuer ihren Beruf
hier finden und zu verantwortungsfreudigen, hilfsbereiten, toleranten
und freiheitlich gesinnten Gliedern einer Gemeinschaft erzogen werden,
mit der Lust zum Lernen, mit frischem Mut und mit Liebe zu allem Guten, Wahren und Schoenen"
Es mag jeder selbst urteilen, ob und wie das Geloebnis heute gelungen ist..

Die Geschichte der Landwirtschaft begann nach der Jaeger- und Sammlerzeit -
bis diese Ausbeute nicht mehr ausreichte um die Menschen alle zu ernaehren.
In unserem Raum begann im 3-4. Jhd. die baeuerliche Kultur mit bescheidenem
Ackerbau auf Loeßinseln und Schwarzerden in siedlungsnahen Boeden der steinzeitlichen Siedlungen.
2000-1500 v.Chr. bekann die Bodenbearbeitung mit Grabstock und Hacke,
spaeter kam der Wuehlpflug, danach die Egge, die Schleppe als Vorlaeufer des Karrens.
Sense, Wendepflug, Maehmaschinen und jede Menger anderer Geraetschaften
bis zum GPS gesteuerten Traktor, der mittels Bordcomputer die richtige Menge
an Spritzmittel oder Duenger zu den Pflanzen gibt.
Durch Veraenderung des Erbgutes in Einkreuzung von Wildpflanzen entstanden
die ersten Fruehformen des Getreides.
Zweizeilige Gerste, Zwergweizen, Emmer, Einkorn, Spelt, Hafer, Erbse, Linse, Rispenhirse und Mohn.
Die weitere Entwicklung duerfte allen gelaeufig sein - nicht aber,
dass im 3.Jhds nach Chr. ein Relief die erste keltische Erntemaschine zeigte:
In Trier ausgegraben - es zeigt eine Apparatur, die von einem Maultier angetrieben,
die Aehren abriss und in einem Sammelbehaelter auffing..

Die Chroniken berichten von einer "unvorstellbaren Rodungswelle",
als die Voelkerwanderungen abgeschlossen waren und die Staemme seßhaft wurden.
Die Bauern waren gezwungen neue Ackerflaechen zu finden, die z.T.
auch auf schlechteren Boeden stattfinden mussten.
Im Laufe der Erzaehlungen habe ich davon schon geschrieben.
(Mitteleuropa war von 2000 Jahren fast flaechendeckend von Wald besetzt.
Unser Vorfahren ernaehrten sich um das 11.-15.Jhd von Brot,
Fleisch, Milchprodukten, Gemuese, Bohnen, Linsen, Raps, Erbsen, Rueben, Kraut, Kohl,
Birnen, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren und Wein.
In den Kloestern, wo Fleisch nicht gegessen werden sollte, verzehrte man große Mengen an Butter.
Erst im Hochmittelalter hielt Butter auf dem Ernaehrungsplan des einfachen Menschen Einzug.
Nicht nur Menschen wanderten ein, sondern auch Tiere und Pflanzen -
aus dem Osten und Suedosten kam der Rote Mohn,
die Kornblume, Kornrade und viele andere Ackerwildkraeuter.
Ihnen folgten die Insekten, die zur Bluetenbestaeubung noetig waren und .. Insektenfresser.
Die reine Brache entfiel, als 1771 die Kartoffel aus Amerika eingefuehrt wurde,
die zusammen mit anderen Hackfruechten, Kraut und Rueben und
auch mit dem Klee im Rotationsprinzip angebaut wurden.
Bis in die Neuzeit war die Feld- und Bauernwirtschaft eine sehr beschwerliche Sache,
die man den Alten ansehen konnte:
Schwielen, krumme Ruecken und derbes Gesicht kennzeichnete und unterschied sie von den Stubenhockern aller Art.
Als die Sense und Sichel und der Dreschflegel durch modernes Geraet abgeloest wurde,
war niemand boese darum, kein Romantiker, der die "gute alte Zeit" beschwor..

Die verstaerkte Tierhaltung machte weite Anstrengungen des Futteranbaues noetig,
weil der Weidegang mehr zertrampelt als nutzt.
Kuehe bekommen nur ein Kalb, das 9 Monate ausgetragen werden muss im Jahr,
eine Sau traegt nur 4 Monate und bekommt 10-12 Ferkel dabei und das zweimal im Jahr!
"Faseltiere" sind diensttaugliche Vatertiere.
Weiterhin war die Ziegen, Hasen und Huehnerhaltung beliebt,
die Schafherden erreichten zuweilen Dimensionen, die das Ausweichen in den Wald noetig
machten - nicht gut fuer die jungen Triebe der Baeume.
Die Bienenzucht ist erst recht spaet gekommen.
1876 trafen sich in Wetzlar regelmaeßig Imker zum Erfahrungsaustausch.
In Stockhausen wird von einem Maulwurfsfaenger berichtet, der 48 Mark von der Gemeinde dafuer bekam.

Die Obstsorten wurden wie die Getreidearten veredelt, zuvor aß man Beeren und Fruechte des Waldes.
Noch heute findet man dort Heidelbeeren, Himbeeren und Brombeeren, Walderdbeeren in groesserer Zahl.
Die Obstbaumkulturen haben sich -bis heute- staendiger Verbesserung erfreut
und bilden einen guten Wirtschaftszweig.
Alle, die zur Ernaehrung betrugen, hatten staendig mit der Witterung zu kaempfen,
damit die Nahrungssicherheit gewaehrleistet war.
Wehe, es kam ploetzlich Hagel, Frost, Sturm und starker Regen,
aber auch Trockenheiten waren fatal, so manche Ernte ging verloren.
Das wiederum brachte Hungersnoete, das Vieh bruellte im Stall vor Hunger. Man berichtet:

In der ersten Haelfte des 14.Jhds traten vermehrt Mißernten auf.
Die Jahre 1315-1317 hat sich die hungernde Bevoelkerung z.T. von verseuchten Tieren ernaehrt,
woran viele gestorben sind.
1474 ging ein heftiger Hagelschauer nieder und vernichtete die Ernte.
Das Jahr 1603 brachte so große Trockenheit,
daß fast der gesamte Viehbestand vernichtet wurde, viele Menschen starben.
1739/40 begann schon Ende Oktober der Dauerfrost, der erst am 13. Juni endete.
So kann man sich die Ernte vorstellen..
1880, 1881 und 1894 waren die Winter so kalt, es erfroren selbst die Rehe,
Hasen und Voegel- auch die Obstbaeume.
Die Jahre 1893, 1911, 1921, 1947 und 1976 brachten wenig Regen, dafuer aber große Hitze.
1893 schrieb der Gemeindrat Biskirchens:
"Wenn bei dieser schlechten Zeit dem Landmann nicht Huelfe geleistet wird,
so geht die ganze Landwirtschaft zu Grunde.
Das Vieh muss vor Hunger verloren gehen, jede Woche muessen 5-6 Stueck geschlachtet werden."
(Die Schreie der Tiere im Stal sollen schrecklich anzuhoeren gewesen sein)
1911 schreibt die Chronik:
"Das Jahr 1911 war das trockenste seit 1811. Anfang Juni hatte es am letzten mal geregnet.
Am ganzen Sommer waren durchweg 40 Grad Hitze. Grummet wurde nicht gemacht, da die Wiesen ausgedoerrt waren"

"Aufruf: Die Gemeinde Bissenberg ist in unserem Kreise am 10.Juni 1922
von einem furchtbaren Hagelwetter heimgesucht worden.
In wenigen Minuten waren Tausende von Quadratmetern Schiefer-
und Ziegeldaecher so schwer beschaedigt, daß der Regen
ungehindert Einlaß in Wohnungen und Scheunen finden konnte.
Hunderte von Fensterscheiben sind zerschlagen oder gesprungen.
Auch in den Gaerten ist fast alles vernichtet, die Obstbaeume haben schwer gelitten.
Kein Haushalt der armen Gemeide blieb verschont.
Der Schaden betraegt alleine an den Gebaeuden eine Million und an den Fluren nicht weniger.
Schleunige Hilfe ist dringend erforderlich.
Wir wenden uns daher mit der Bitte um Unterstuetzung an alle Kreise der Bevoelkerung.
Beihilfen zur Linderung der Not nehmen die Sparkassen und saemtliche Banken des Kreises entgegen.
Gez. der Kreisausschuß des Kreises Wetzlar.. "

Ein besonderes Projekt sind die alten Flurnamen, die den Sprachforschern ordentlich Arbeit gemacht haben..
.. in alt- oder mittelhochdeutscher Sprache bis in die juengste Zeit ueberliefert,
haben sie manches Raetsel aufgegeben.
Manche Begriffe reichen bis in die karolingische Zeit zurueck.
Jedes Stueck Ackerland, jede Wiese und Waldstueck erhielt einen Namen, der leicht einzupraegen war.
Dabei spielten markante Landschaftsbesonderheiten, die Tier- und Pflanzenwelt,
sowie Berge, Gewaesser eine wichtige Rolle.
Erst Ende des 18.Jhds wurden Flurbuecher angelegt- zuvor wurde alles muendlich ueberliefert.
Ungenaue Schreibweisen und Wortverstuemmelungen waren oft zu finden.
Beispiel: Auf der alten Lahn hieß "off de aalt Leh" (alter Flußarm)
Eingetragen wurde aber "Auf der Allee"
Die mundartliche Ausdrucksweise erschließt oft erst die wahre Bedeutung der Bezeichnungen.

Ein paar Beispiele:
Bierbaum = Birnbaum
Leimenkaut = Lehmgrube
Schinnwoasem oder Schinngroub = Schinder, Schuttablade,
Manche Stellen wurde in Groeße und Farbe beschrieben:
Breitheck, Breitenstueck, Breitwies, Gruuß Klepp,
Kleinfeldchen, Lange Gaerten, Blaues Laendchen, Grauen Stein, Gruene Wies, Lilagraben, Weissenstein.
Alt, neu, jung wurde zugesetzt, Kaut, Delle, Sattel, Kompf, Grund, Hoell, Graben,
Klepp und Seite, Berg, Kopf, Kippel usw.
Born, Naßland, Pitz- oder Puetz, Schlapsgraben, Lach, Ouwe oder Ouwa,
Flußlandschaft, Niederungen- war auch oft zu lesen.
Hinweise auf Hof und Herren, Muehlen und so weiter folgten.
Bezeichnungen aus der Tierwelt oder solche die irgendwelche Anlagen betitelten (Kirchen, Gruben, Burgen)
Ein Bitzenstueck war ein umzaeuntes Gelaende, Blez oder Bled war ein Beet.

Bornstueck - am Brunnen.
Anwender ist ein auf ein Ackerstueck stoßenes Eck, auf dem gewendet (Pflug) werden kann.
Desch - Mistplatz
Duennaecker - wenig ertragreicher Acker.
Fuellenfeld - bezieht sich auf Fohlen.
Fußhoell - kann von Fuchs, aber auch von den Gliedmaßen her ruehren.
Gaensgraben - kann von der Gans, aber auch von "Gant" - Fels, Geroell ableitet sein.
Gehrnkaut - trapezfoermige Einbuchung, evtl. Steinbruch?
Gemeindswald, "Allmende" -allen gehoerig.
Hackenwies - Dorngestraeuch oder Einfriedung, Hecke zum Schutz.
Hahnwiesen - kommt von Hain, "Hoawisse", es haette nichts mit dem Hahn zu tun.
(Ich denke da an Heu)
Hain - eingefriedigter Ort, (frueher Dingtage, Thingfeste, Gerichtstage)
Heimes - Schaeferwiese
Hohlengraben - Schießgraben.
Horn - Berg.
Hostert - Hofstatt, Hochstaette.
Hundsbach - housbach, hou, Huhn, eher huenenhaft und riesengroß
Huettenfeld, kommt von der Metallverhuettung
Kehlerdell - mundartlich Kohlgraeber, Koehler
Kling- klingen, rauschen, plaetschern
Lach - sumpfige Stelle
Loh - Hain, Wald, Gehoelz, Gebuesch
Lugna - Lahn, biegsam, geschmeidig.
Lench - von Lehen , geliehenes Gut.
Lenzengraben - Fruehling, Lenzen, Ackern um die Sommerfrucht zu bestellen.
Lilagraben - nach der lilafarbenen Lettenschicht
Martelhoehl, Galgenberg - Marter, Pein, Folter.
Morstall - Pferdestall, Marstall.
Ollesweg - Urlosweg, Notweg-Parzelle. Onnerbuchen / Unnerbuchen -
Mittagsrastplatz des Dorfschaefers und der Herde zum Wiederkaeuen, schattig, Untar, Mittag.
Pfingsweide - nach Pfingsten den Tieren ein Weideland. (Wintergetreide war abgeerntet)
Platt - hoeher gelegene Ebene.
Reitochsenplatz - nach dem Zuchttier benannt.
Reuscherfeld - "Reisch", Binse, dichtes Gebuesch.
Rohard - koennte von Rodung, aber auch von "rohen" - bruellen, grunzen - kommen.
Auf den hundert Ruthen - alte Maßeinheit, 100 Quadratruten, http://de.wikipedia.org/wiki/Quadratrute
Seidert - weit seitab gelegenes Land.
Seifen - angeschwemmtes Land, feuchte Stelle in Acker und Wiese, Niederung.
Simberg, Silmerk, Silberg - Zinn und Silbervorkommen.
Simmen - Ufervegetation, Schilf, Riedgras, Semede, Binse oder Simse.
Steinerne Kreuze am Wegrand sind Suehnemale fuer Mord und Totschlag, spaeter an Ungluecksfaelle erinnernd.
Stimmwies - Maehen der Wiesengruende durch das Los
Salztriesch - Brachland, vom Weidevieh als Salztraenke (Salzleck) benutzt
Sandkaut - aus geologischen Verwerfungszeiten stammende Ablagerung.
Saeu Platz - Waldweide fuer die Schweinemast
Schimmer - evtl. auf die sonnige Lage bezogen.
Schinnwoasem, Schinnkippel - dort wurde verendetes Vieh vergraben.
Schisloh - Schis, Schiez, spitze Gelaendeform, shit - gespaltenes Holz, Scheitholz alles ist moeglich..
Schuhkauf - fruehes Landgroeßenmaß -der kleinste Teil einer Hube, eines Bauerngutes.
Die Schuett - kann vom Aushub von Muehlenteichen, aber auch von Dorfbefestigung kommen.
Verbotenheck - Was dort verboten war, kann nur geraten werden: Evtl. Treffpunkt junger Liebespaare?
Im Wann - wannenartig ausbreitendes Gelaende
Am Ziemer - iemer gleich Krammetsvogel oder Wacholderdrossel.

Hofgueter brauten oft auch Bier, so wird ueberliefert:
Die Gerste wurde in der eigenen Brauerei verarbeitet.
In den Hopfegaerten wurde der dazu noetige Hofen gleich mit angebaut.
Im Jahr 1995 wurden aus 24 Achteln (1 Achtel 100kg) Gerste 48 Ohm (1 Ohm - 160Liter) Bier hergestellt.
Alle moeglichen Gewerke und Dienstleistungen wurden mit Biergutscheinen bezahlt,
selbst an die Gemeinde und an die Pfarrei, an das Schulhaus..
Arme und Bettelnde kamen nicht vergebens und erhielen aus der Brauereikasse
2-3 Kreuzer oder Bier und Branntwein.
Mit 3 Kreuzern konnte man 3/4 Pfund Rindfleisch erwerben.

Die Gemeinde Biskirchen ist bekannt fuer ihren guten Sauerborn.
Sie verpachtete den Brunnen an den Fuersten zu Braunfels,
der diesen gleich zum siebenfachen Preis an einen Paechter weitervermittelte.
Schlau und gierig fuehrt zum Ziel.
Die Geschichte des Brunnen ist wie ueberall in den Orten mit solchen Naturschaetzen -
es wird tiefer gebohrt, mehr ausgebeutet,
weiterverkauft, vergroessert und das mit zig Besitzerwechsel und großem Reklamegetoese.

Die Roemer fanden von den Kelten entwickelte Techniken der Eisengewinnung vor.
Der Eroberungskampf galt wohl am ehesten diesem so begehrten Metall !

Das beweisen Grabungsfunde von Bergleuten 1881 -
drei bis vier Meter tief unter der Erde entdeckten sie in einem Rollager roemische Gewandfibeln,
einen goldenen Knopf, sowie Knochen von Haustieren. (Schriftliches wurde dazu nicht hinterlassen)

Erst aus dem Mittelalter wurden schriftlich Belege ueberliefert,
dass ein Adelot in Wannendorf (erloschener Ort bei Wetzlar) den dritten Teil seiner
Eisensteingrube dem Kloster Lorsch geschenkt hat.
1507 meinten die Grafen von Nassau das Eisen "die wichtigste Nahrung des Landes"!
1871 lebte ein Siebtel der Bevoelkerung unmittelbar vom Bergbau, hauptsaechlich von Eisen.

An dem Beispiel Bissenberg ist ueberliefert,
dass die dortigen Bergleute bei jedem Wetter den langen Weg zur Arbeit
und zurueck zu Fuss zurueck legen mussten-
es galt noch die 6 Tage- Woche bei 10-12 Stunden Arbeit am Tag.
(Erst 1890 wurde die 8 Stunden Schicht eingefuehrt)
Nur mit Stock, Provianttasche und Grubenlampe ausgestattet,
ging es also zwischen 4-5 Uhr Morgens aus dem Haus -
Im Laufe seines 40jaehrigen Arbeitslebens sind sind 180.000 Kilometer Fussmarsch
als Arbeitsstrecke zusammengekommen!

Die schlechten Transportverhaeltnisse brachten die Grubenarbeiter in Not -
sie wurden dann einfach voruebergehend entlassen.
Warf die Vermarktung des gefoerderten Materials weniger ab, gab es geringere Entlohnung.
1858 vermerkte der Bergrevierbeamte: "Um die Bergarbeiter einem groesseren Wohlstand
zuzufuehren, wird es noetig sein, daß dieselben
sich neben der Grubenarbeit noch mit Ackerbau beschaeftigen"
Als die Lahntalbahn kam, erhoehte sich der Lohn, weil ein hoeherer Absatz war.
Nun konnten die Bergleute erstmals Fleischnahrung zu sich nehmen,
was die Arbeitsleitung um satte 30 % steigerte.
So manches Unglueck ereignete sich, manche kamen nicht wieder nach Hause zurueck -
dieses Schicksal erleiden Grubenleute noch heute.
Interessant war die Selbsthilfeeinrichtung um billiger einkaufen zu koennen-
der Wetzlarer Consumverein- wo alle im Montanbereich Beschaeftigen und
deren Angehoerige einkaufen konnten; das "Konsum" war entstanden.
(das ist mir noch gut in Erinnerung)
Trotzdem blieb der Gesundheitszustand der Bergarbeiter
labil. Erkrankungen der Lunge, Rheuma und das sogenannte Augenzittern -
eine Folge von staendiger Arbeit bei schwachem Licht -
waren typische Berufskrankheiten.
Der Knappschaftsverein half bei Krankheit und im Alter, bei Unfaellen und auch den Witwen und Waisen.

Ein besonders uebles Thema:
Die Arbeitsordnungen oder "Bergpolizeiliche Strafordnung" aus dem Jahr 1823 regelte "Delikte" knallhart.
Zwischen einem und sechszehn Silbergroschen Strafe zahlte der Bergmann
fuer Zuspaetkommen, Unerlaubtem Fehlen, die Arbeit zu frueh beenden,
"mueßig herumstehen", das Gezaehe (Werkzeug) oder
"sonstwas mutwillig zu verderben", Verunreinigungen der Gruben und Halden usw.
Was die Sicherheit oder das Mitnehmen von Mineralien betraf,
wurde mit Kuendigung bestraft - auch bei den Steigern.
Der Untertatenstaat war hart (wie das heute von den Oeko-Studierten
in aehnlicher Weise eingefuehrt wird):
"Allerei Wortwechsel in der Grube, so wie auf der Halde,
nicht weniger auf dem Anfahr- und Abfahrwqege, wird bei Strafe eines ganzen Schichtlohns verboten.
Uebergang zur Thaetlichkeit aber ausser der Strafe bestaendiger Ablegung
(Entlassung) an die Justiz-Behoerde zur Untersuchung und weiteren Straf-Erkenntis abgegeben!"

Das Lahngebiet ist reich an Erzen und Gesteinen.
Die Lahn nimmt ihren Lauf in den Hauptmassen des devonischen Uebergangsgebirges.
(405-350 Millionen Jahre alt)
Die bis 3000 Meter starke Schichtenreihe der Erdkruste,
besteht in der Hauptsache aus Grauwacke, Quarzit, Kalkstein und Tonschiefer.
Zwischen den Culm,- Ober- und Mitteldevonschichten mit Schalsteinen,
Diabasen, Porphyren und anderen Eruptiv-Gesteinen sind auch einzelne Spriferensandsteine
der Unterdevonformation eingestreut.
In unserer Gegend erscheinen auch maechtige Lehmschichten mit tertiaeren Tonen und Geroellen.
Die Fruchtbarkeit der Boeden wird durch die Lehmschichten gebracht.
Der Schalstein kommt haeufig vor, verwittert und gelblich, mit dem Begleiter Roteisensteinlager.
Frueher gab es in den Doerfern ueberall Steinbrueche,
wo man fuer wenig Geld die Steine fuer den Hausbau holen konnte.

Ein wenig erfaehrt man ueber die Gemeindebackhaeuser;
im Unterschied zum spaeter aufkommenden Brot, das im Mittelalter noch lange Zeit
vorwiegend der geistlichen und adeligen Schicht vorbehalten blieb,
gehoerte der aus zerriebenen Koernern hergestellte Getreidebrei zur Volksnahrung..

Erst der Sauerteig lies aus dem Fladen ein kugeliges Brot werden-
vorbei die Zeit, an der Topfwandung haftenden Fladen !
Der Backes sollte Energie sparen helfen - deshalb wurden ueberall Backhaeuser gebaut.
Zuvor habe ich davon schon genug geschrieben.

Die fliegenden Haendler zogen einher, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, auch durch die Orte.
Danach kamen die ersten Koloniallaeden, manches Wohnzimmer wurde zum Verkaufsraum,
bis ein gesonderter Raum dafuer angebaut werden konnte.
In manchen Laeden kam man zuerst durch den Hausflur des Wohnhauses,
wo es zum Laedchen in den Einzimmer-Raum abging.
Kein Wort von Schaufenster oder "Selbstbedienung"!
Man bot das an, was die Leute zuhause nicht hatten, nicht herstellen konnten-
aber auch ein wenig Tauschhandel, besonders bei kleinen juedischen Haendlern gab es:
Butter mitbringen, Eier oder Mehl oder Schuhkreme eintauschen..
So um 1850-80 herum kamen auf den Orten die ersten Metzgereien, Baeckereien auf-
nach den Lebensmittellaeden, die oben erwaehnten Kolonialwaren-Laeden.
Die Warendepots waren klein oder gering, gerade das, was im Laden war -
die Butter kuehlte man im Keller, ohne Strom- wie die Gebrueder Aldi anfingen..
Tabak, Kurzwaren, Drogerieartikel, Kautabak, Zeitungen, lose Lebensmittel,
Kaffee und Kakau, Suessigkeiten, Kaese und Obst - was der Markt hergab.
Wenn ein Kunde einen bestimmten Artikel nachfragte, hat man ihm diesen besorgt-
nicht wie heute, wo von oben herab, von der Konzernzentrale exaktest
vorgeschrieben wird, was im Laden zu sein hat. Extrawuerste gibt es keine mehr.
Mir ist schleierhaft, warum die Juden verfolgt worden sind -
die heutigen Tuerken sind noch viel fremder und unserer Kultur ablehnender gegenueber,
fremder allemal als alle Asiaten oder Afrikaner!

Das doerfliche Handwerk war eng mit dem Bedarf der Bevoelkerung verbunden.
Am staerksten waren Schreiner vertreten, Wagner, Schmiede, Schlosser,
Klempner, Anstreicher und Maler, Schneider und Schuster -
Friseure boten eher nebenberuflich ihre Dienste an.

Nochmal zu den Markttagen: Die Rueckentrage, "Kiepe" genannt,
war das einzige Transportmittel fuer die allermeisten der Kleinhaendler.
Weite Fussmaersche waren die Regel, so holten die Schuhmacher ihr Leder
in Frankfurt ab - was hin und zurueck immer 140 Kilometer ausmachte!
Manche Arbeiter verließen am Sonntag ihre Familien und kehrten erst Samstags wieder zurueck!

Im 1781 erschienenen Buch Lahn-Antiquarius heißt es,
daß die Lahn reich an Fischen und Gefluegel war.
Man hebt die Weichheit des Lahnwassers besonders hervor,
das sich zum Kochen von Huelsenfruechten ganz besonders eigne.
Desgleichen die heilende Wirkung des Wassers, das zum Baden bestens geeignet sei.
Wirksam gegen Graetze und Grint.

Die Roemer kannten schon die geordnete Nachrichtenuebermittlung durch Boten-
in Abstaenden von etwa 30 Kilometern waren Relais-Stationen, die mit 2-3 Botenlaeufern besetzt waren.
Diese uebermittelten bis zu 150 Kilometer taeglich die Nachrichten.
Spaeter waren es Reiter und Fuhrwerke, die taeglich 600 Kilometer schafften.
Im spaeteren Frankenland lies Karl der Große Pferdewechselstellen
an den Hauptverbindungsstraßen einrichten.
Das Wort "Post" kommt wohl aus dem lat. Wort "posita", Standort.
1385 wurden die ersten Botengaenge von Frankfurt nach Braunfels erwaehnt.

Den Hausarzt konnten sich nur wenige begueterte Familien leisten.
Man half sich meistens selbst, indem gute alte Hausmittel und die Kraeuterkueche angewendet wurden.
Ueber Generationen weitergegebene Rezepte und altes Heilwissen wurde in den Familienverbaenden gepflegt.
Die Alten halfen den Jungen, bis sie selbst gepflegt werden mussten.
Die -aus heutiger Sicht- miserablen hygienischen Bedinungen und soziale Notlagen
brachten immer wieder ganze Epidemien und Infektionskrankheiten.
Die hohe Sterblichkeitsrate, besonders bei den Kinder, war auffaellig:
Von 10 Kindern sind noch im Jahr 1800 sechs gestorben,
bevor sie das Erwachsenenalter erreicht haben!
Das Hebammenwesen kam vor dem kontinuierlichen Aufbau einer geregelten
medizinischen Betreuung im 19. Jahrhundert,
mit Krankheitspflegerinnen und Gemeindeschwestern.
Es vergingen noch viele Jahrzehnte, bis in der Gemeinde Biskirchen
eine Arztstelle besetzt werden konnte, so der Chronist, des dankenswerten Buches.
Die Todesursachen anno 1819 in Reihenfolge: Altersschwaeche, Auszehrung,
Blatterrose, Brustfieber, Brustwassersucht, Faulfieber, Knochenfraß,
Kraempfe bei Kleinstkindern, Lungensucht, Nervenfieber, Nervenschlag,
Nervenschwaeche, Schwaeche bei Gebrechlichen, Wochenbett junger Muetter, Wurmbeschwerden, Zahnprobleme.

Die "Brauchen" zum Heilen?
Erst in allerletzter Not ging man zum Arzt, weil es noch keine Krankenkassen gab-
so half man sich aus der Hausapotheke so gut es ging:
Mit Tausendgueldenkraut, Schafgarbe, Bergwohlverleih, Kuemmel, Brombeerblaetter,
Zinnkraut, Kamille, Lindenblueten, und Pfefferminzblaetter oder Brenn-Nessel-
was sich als gut und bekoemlich oder hilfreich zeigte.
Der Glaube half auch- mit seinen alten Formeln und Ritualen.
Sichtbares, Unsichtbares, Geheimnissvolles, Beschwoerungsformeln -
ob man der Kirche oder Voodoo vertraut, ist dabei total egal.
Was tun, wenn keine schmerzstillende Tabletten verfuegbar sind?
So verfehlten die geheimnisvollen Worte und Zeremonien ihre Wirkung selten.
So eine ueberlieferte Formel gegen Eiterwunden:
"Unser Herr Christus hatte viele Wunden und hat doch keine verbunden;
sie zehren nicht, sie schwaeren nicht,
es gibt auch keinen Eiter nicht. Ich nehme daraus Wasser und Blut, das ist fuer alle Wunden gut"
Aber auch:
"Man gehe gegen den zunehmenden Mond und sage dabei- was ich sehe,
laß zunehmen, was ich nicht sehe, lasse abnehmen"
Es gab fuer und gegen alles Formeln in Huelle und Fuelle.
Wichtig war allein, daß der Kranke daran glaubte.

Ich lese in der Chronik vom Gesamtergebnis der aerztlichen Untersuchung der Schulkinder,
die der Schularzt in seinem jaehrlichen Bericht verfasste:
(Im Jahr 1927)
6814 Kinder wurden untersucht. In gutem Ernaehrungszustand waren 4219 Kinder,
62%, in maeßigem 2303 oder 34%, in schlechtem 292 oder 4%
An Krankheiten wurden dabei festgestellt:
4007 Kinder hatten kranke und behandlungsbeduerftige Zaehne.
644 hatten geschwollene Halsdruesen.
315 Tuberkulose oder Verdacht oder Gefaehrdung.
426 vergroeßerte Schilddruesen. (beginnende Kropfbildung, haupts. bei Maedchen)
376 vergroeßerte Mandeln.
203 mit Herzveraenderungen.
263 mit Sehstoerungen, Augenmuskellaehmungen, Lidbrand- und Augenbindehautentzuendungen.
46 Kinder mit herabgesetztem Hoervermoegen mit noch bestehender oder ablaufender Mittelohrentzuendung.
248 Kinder hatten erhebliche Veraenderungen der Wirbelsaeule und Haltungsschaeden.
1190 hatten Rachitis oder Reste einer im Saeuglingsalter ueberstandenen Rachitis.
32 Kinder zeigten sich mehr oder minder mit deutlichen nervoesen oder psychischen Krankheitsmerkmalen.

(Heute haette man einige dieser Krankheiten auf den Umgang mit Computern vorgeworfen oder vorgeschoben..)
Na- die Zeit wird auch die heutigen Irrtuemer aufklaeren und revidieren-
ob Multikulti oder Oeko oder Europa- oder Gleichgeschlechtlichkeits- oder Emanzipationswahn,
dem latenten Buerokratismus mit dem Regelungs- und Verordnungszwaengen und so weiter und so fort.
Die Kriegsgruende oder Gruende zur Beteiligung an Kriegen waren und sind immer die gleichen-
mal aus Gier nach Land, mal aus Gier nach wirtschaftlichen Resourcen.
Es wurde und wird noch immer alles moegliche an Gruenden vorgeschoben;
mal die Religion, mal der Beistandspakt oder Freundschaftspakt,
mal die Hilfe fuer "bedrohte Volksgruppen" (die meisten selbst daran schuld waren,
dass sie verfolgt wurden), mal aus Gruenden einer demokratischen Missionierung,
die zwangslaeufig fehlschlagen muss.. (Mentalitaeten spielen hier eine grosse Rolle)
Ob man die Tatsache, in den Krieg zu ziehen "Luftschlaege", "Auslandseinsaetze"
oder "logistische Hilfe" nennt, ist zweitrangig - Krieg ist Krieg,
ob im Panzer oder im Luftaufklaerungsflugzeug, ob am Bildschirm oder mit dem Bajonett-
egal, beides toetet Menschen. Jedwede Einmischung in andere Laender,
ob das durch "Entwicklungshilfe" oder um "Waffenbruderschaft" geht,
ist nicht richtig, sie widerspricht der Natur und der Evolution in sich.
Die Verteidigungsarmee ist keine Fremdenlegion, die der Waffenindustrie hoerig ist!
Kriegstrommler jeder Art, auch weibliche "Verteidigungs" Minister sollten sich
das an den Spiegel stecken. Es geht um unsere Kinder,
die dabei verheizt werden und um deren Zukunft.
Die Hoffnung liegt immer auf den Nachkommen - dazu muss endlich den Geiern
da oben der Fluegel gestutzt werden, zu mehr Bodenhaftung verholfen,
was man durch eine drastische Kuerzung der Spitzen- und Vorgesetzen - Bezuege
durchaus erreichen kann, damit "Augenhoehe" und "vor dem Gesetz sind alle gleich"
keine leere Phrase bleibt.
(Zockerbanken und Boersen gehoert eine staatliche und nicht gewinnorientierte Konkurrenz an die Seite gestellt)
Bis dahin ist es aber noch ein sehr sehr weiter Weg, weil sich die Seilschaften
immer gegenseitig nach oben ziehen und aus einer Studiertheit heraus Gruende fuer eine extreme
Ueberversorgung erzwingen. Das muss endlich aufhoeren, sonst kommt der christliche Auftrag
niemals zur Durchsetzung! Mir geht es nicht um ein gleichmacherisches Traktat, sondern
mehr um den Sinn des Lebens, den man nicht in der "Gewinnmaximierung" oder in der Anhaeufung
von Reichtuemern, sondern in der Zufriedenheit und in der (sinnvollen) Beschaeftigung
moeglichst vieler Menschen findet.
(Wer zum Lohn alimentiert werden muss, damit er die Miete bezahlen kann,
wird sich bestimmt nicht sinnvoll an den Wahlen beteiligen)
Neue Menschen braucht die Welt, keine Manager und keine Politiker ohne jede Vorbildfunktion !



Geschichtliches - hier Maße und Gewichte, Waehrungen.


1 Heller hlr = 0,5-1 Pfennig 13.Jh-1872
1 Pfennig PF = 1 Pfennig 8 Jh.- 2002
1 Kreuzer Kr, xr = 4 Pfennig 1458-1872
1 Albus Alb = 2 Kreuzer = 8 Pfennig 1300- 1800
1 Schilling S = 3 Kreuzer = 12 Pfennig 1300-1800
1 Groschen gr = 3 Kreuzer = 12 Pfennig 1300-1821
1 Silbergroschen Sgr = 3 Kreuzer = 12 Pfennig, 1821-1872
1 Turnos Tur = 2 Albus = 16 Pfennig 1266-1800
1 Kopfstueck = 20 Kreuzer = 80 Pfennig 15.Jh-18.Jh.
1 Gulden Gld, FL = 60 Kreuzer = 240 Pfennig 1252-1872
1 Florin FL = 1 Gulden = 240 Pfennig
1 Reichstaler Rtlr = 72 Kreuzer = 288 Pfennig 1566-1580
1 Reichstaler Rtlr = 90 Kreuzer = 360 Pfenning 1580-1750
1 Reichstaler Rtlr = 72 Kreuzer = 288 Pfennig 1750-1821
1 Taler Th, Tlr = 30 Silbergroschen = 360 Pfennig 1821-1872

1872 kam die Goldmark zu 100 Pfennigen.
Nach der Inflation 1923 kam kurzzeitig die Rentmark und 1924 die Reichsmark.
Ab der Waehrungsreform 1948 die DM (Deutsche Mark), ab 2002 der Euro.

Die Handelsgewichte.

1 Zentner Ztr = 100 Pfund = 46740 Gramm bis 1858, danach 50000 Gramm
1 Pfund = 32 Lot = 467,4 Gramm bis 1858, danach 500 Gramm
1 Lot = 1/32 Pfund = 14,6 Gramm bis 1858, danach 16,666 Gramm
1 Quentchen = 1/128 Pfund = 3,65 Gramm bis 1858, danach 3,906 Gramm
1 Pfenniggewicht = 1/512 Pfund = 0,91 Gramm bis 1858, danach 0,976 Gramm.

Zaehlmaße

1 Dutzend = 1/5 Schock = 12 Stueck
1 Mandel = 1/4 Schock = 15 Stueck
1 Stiege = 1/3 Schock = 20 Stueck
1 Schock = 5 Dutzend = 60 Stueck
1 Gros = 12 Dutzend = 144 Stueck
1 Maß = 144 Dutzend = 1728 Stueck.

Preußische Fluessigkeitsmaße

1 Flasche = 1/4 Metze = 0,859 Ltr
1 Quart = 1/3 Metze = 1,145 Ltr
1 Maß = 1/2 Metze = 1,717 Ltr
1 Metze = 3 Quart = 3,345 Ltr
1 Viertel = 4 Metze = 13,740 Ltr
1 Anker = 10 Metze = 34,350 Ltr
1 Scheffel = 16 Metze = 54,960 Ltr
1 Eimer = 20 Metze = 68,700 Ltr
1 Tonne = 100 Quart = 114,500 Ltr
1 Ohm = 120 Quart = 137,400 Ltr
1 Oxhoft = 180 Quart = 206,100 Ltr
1 Faß = 200 Quart = 229,000 Ltr
1 Kufe = 400 Quart = 458,000 Ltr
1 Fuder = 720 Quart = 824,400 Ltr
1 Gebraeude = 3600 Quart = 4122,000 Ltr

Frankfurter Fluessigkeitsmaße

1 Schoppen = 1/4 Maß = 0,448 Liter
1 Maß = 4 Schoppen = 1,792 Ltr
1 Ohm = 80 Maß = 143,418 Ltr

Fruchtmaße bis 1816

1 Malter = 8 Mesten = 128 Ltr
1 Achtel = 8 Mesten = 128 Ltr
1 Meste = 1/8 Malter = 16 Ltr
1 Gescheid = 1/64 Malter = 2 Ltr
1 Maeßchen = 1/64 Malter = 2 Ltr
1 Sester = 15 Ltr (in Baden)
1 Achtel Weizen = 220 Pfund
1 Achtel Korn = 200 Pfund
1 Achtel Gerste = 180 Pfund
1 Achtel Hafer = 120 Pfund
1 Pfund = 467 Gramm

Fruchtmaße von 1816-1872

1 Wispel = 24 Scheffel = 1319,076 Ltr
1 Achtel = 2 Scheffel = 109,922 Ltr
1 Scheffel = 4 Viertel = 54,961 Ltr
1 Viertel = 1/4 Scheffel = 13,740 Ltr
1 Meste = 1/4 Scheffel = 13,740 Ltr
1 Metze = 1/16 Scheffel = 3,435 Ltr
1 Maß = 1/32 Scheffel = 1,717 Ltr
Bis 1847 war ein Pfund 467 Gramm.
1 Scheffel Weizen = 90 Pfund
1 Scheffel Korn = 84 Pfund
1 Scheffel Gerste = 72 Pfund
1 Scheffel Hafer = 55 Pfund
Nach 1858 war ein Pfund 500 Gramm
1 Scheffel Weizen = 84 Pfund
1 Scheffel Korn = 80 Pfund
1 Scheffel Gerste = 68 Pfund
1 Scheffel hafer = 52 Pfund
1 Fuder = 60 Sichling
1 Fuder ist die Ladung eines zweispaennigen Wagens.

Preußische Laengenmaße

1 Linie = 2,179537 mm = 0,0021795 m
1 Fuß = 144 Linien = 313,853 mm = 0,313853m
1 Zoll = 1/10 Fuß = 31,385mm = 0,031385m
1 Schuh/Fuß = 12 Zoll = 376,624mm = 0,376624m
1 Elle = 2 Fuß = 627,700mm = 0,627700m
1 Elle im allgemeinen Gebrauch = 0,667m
1 Klafter = 6 Fuß = 1883,11mm = 1,88311m
1 Lachter = 80 Lachterzoll = 80x 10/12 Zoll = 2,09235m
1 Rute = 12 Fuß = 3,76624m
1 Meile = 24000 Fuß = 4000 Klafter = 7532,472m

Flaechenmaße

1 Quadrat Fuß = 0,0985 qm
1 Quadrat Schu = 0,1418 qm
1 Quadrat Rute = 100 Quadrat Schuh = 14,18 qm
1 Viertel = 1/4 Morgen = 638,30 qm
1 Morgen = 180 Quadrat Ruten = 2553,22 qm
1 Hufe = 30 Morgen = 75596,60 qm
In Wetzlar 1 Quadrat Rute = 20 qm
500 Quadratruten = 1 Hektar

Raum-Maße

1 Kubikfuß = 0,030915 cbm
1 Kubikschuh = 0,053422 cbm
1 Klafter = 108 Kubikfuß (6x4,5x4) = 3,33889 cbm
1 Schachtrute = 1 Rute x 1 Rute x 1 Fuß = 4,4519 cbm
1 Steinrute = 1 Rute x 1 Rute x 3 Fuß = 13,3556 cbm
1 Kubikrute = 1728 Kubikfuß = 53,421 cbm

(Kahnt, Helmut, Lexikon Alte Maße, Muenzen und Gewichte, Mannheim,
Bibliographisches Inst. 1987, Greifensteiner Chronik, Himmelreich Wetzlar 1903,
Rechnungsbuecher der Gemeinde Bissenberg von 1816-1875, Wetzlarer Kreis und Anzeigenblatt 1850-1860)



Geschichtliches

Die naechste Lektuere ist eine dicke großformatige Schwarte:
Wirtschafts und Sozialgeschichte des Nassauer Raumes 1816-1964, Ausgabe 1965.
Der Dekan in Kirberg schieb 1843: "Der Charakter des Nassauischen Volkes ist gerade und offen,
bieder-herzig-teutsch. Es hat viel religioesen und mit Ausnahme einiger Staedte auch kirchlichen Sinn,
der sich nur hier und da in Pietismus und Sektiererei verirrt.
Man findet ueberall noch Fleiß und Arbeitsamkeit mit Haeuslichkeit gepaart.
Die Gebirgsbewohner zeichnen sich durch einen hoeheren Grad
von Gutmuethigkeit vor den flacheren Fruchtgegenden und die Anwohner
des Rheins durch ihren leichteren Sinn vor allem aus."

Dass das Fuerstentum Nassau so lange selbstaendig blieb,
ist wohl eher dem gegenseitigen Neid und der Mißgunst der anderen Staaten zuzurechnen.
Das Herzogtom Nassau besaß wohl ein paar dutzend Orte, aber keine Stadt mit wirklicher Bedeutung.
Die exotische Hauptstadt Wiesbaden -am aeussersten Zipfel des Landes-
zaehlte noch 1819 nur 5516 Einwohner- wovon auch noch 83% in der laendlichen Umgebung wohnten.
Wie schon oefter in meinen beiden Seiten erwaehnt,
schloß sich Nassau an Oesterreich an - die damalige Schutzmacht fuer Kleinstaaten,
deren Angstgegner Preußen war.
Die Aufhebung der Leibeigenschaft 1808 kam als Steuerangleichung und manigfachen kleinen Erschwernissen.
Die feste Belastung der Anwesen durch die Umlage des vorgestreckten
25 fachen Zehnten als Kredit war eine hoher Preis fuer die Freiheit, zumal
noch ein paar "indirekte Steuern" hinzu erdacht worden waren.
1814 kam das Zweikammersystem der Wahlen, mit einer begrenzten Zahl an Wahlberechtigten.
Wilhelm Heinrich Riehl hat 1851 in seinem Buch "Land und Leute" die Zustaende
im Land beschrieben: Der Westerwald als nassauisches Sibieren..
Am Ende der napoleonischen Kriege 1817 kam eine große Hungersnot,
1828 kamen Viehseuchen, dann nochmal eine Hungersnot
und ein sehr kalter Winter 1829/30 - so, daß im ganzen Herzogtum eine Kollekte
fuer den Westerwald gehalten werden musste.

Danach wuchs die Bevoelkerung um 33% - solange es Kartoffeln gab, war das leidlich tragbar.
Die Viehzucht war der Haupterwerbszweig des Westerwaldes- auf den weiten Weiden
gediehen die Rinderherden, die fuer die Koelner Fleischversorgung
schon seit altersher so wichtig waren.
Die Leute aßen nach uebereinstimmenden Aussagen in der Woche KEIN Fleisch
und auch kaum je an Sonn- und Feiertagen, das erlaubte die schmale
Basis des Westerwaelder Einkommens nicht.
Mit der Zunahme der Bevoelkerung ging es im 19.Jhd. deshalb wieder bergab-
hundert Jahre zuvor wurde der Westerwald noch als nassauisches Holland
oder Friesland bezeichnet!

Durch die weitverbreitete und notwendige Nebenarbeit waren Landwirtschaft und Gewerbe eng verbunden.
Die bekannte scharfe Trennung kam erst viel spaeter,
Landarbeit und Grubenarbeit wechselten sich ab- "Feierabend" war eher unbekannt..

Ohne den Waldreichtum waere die Eisenwirtschaft kaum derart zur Bluete gekommen -
selbst Hochoefen wurden mit Holz beheizt.
Die damalige Schwerindustrie war im ganzen deutsch, ja im europ. Raum fuehrend.

Das Textilgewerbe war ebenso alt und wichtig, die seit Alters her
bluehende mitteilrheinische Wolltuchherstellung hatte auf den Frankfurter Messen feste Abnehmer.
Das Hauptgewicht lag Anfangs des 19.Jhds auf der Produktion von Leinwand reiner Gebrauchsqualitaet,
haupts. handgesponnen und handgewebt.
Mechanische Webstuehle gab es vor 1840 in Nassau nicht.
Das grobe Bauernleinen wurde zumeist im Land selbst verbraucht.
Die Mehrheit der Nassauer mochte wohl die feineren Struempfe der Hugenotten aus Usingen
wenig leiden, man bevorzugte den selbstgestrichten Strumpf.
Von Mode wollte keiner was wissen. (Ich auch nicht- auch meine Struempfe sind,
zumindest die fuer den Winter, von meiner Frau gestricht)
Ein richtig gutes Exportmodell war die Toepferei des Kannenbaeckerlandes -
das reiche und qualitativ sehr hochwertige Tonvorkommen und der reiche Waldbestand boten beste Voraussetzungen dafuer.
Anfang des 19.Jhds waren 380 "Euler" oder Toepfer beschaeftigt -
die Brunnenbetriebe konnten staendig neue Kruege fuer ihr weithin bekanntes Mineralwasser brauchen.
Waehrend rundherum alle Laender auf die Technisierung setzte,
war in Nassau keine Dampfmaschine und keine Werkanlage zu finden, die man als "Fabrik"
bezeichnen haette koennen.
Meist wurde in Klein - und Kleinstbetrieben bis zur Heimarbeit gewurstelt.

Duenn besiedelt, ja unterentwickelt, aber mit guten Verkehrsverhaeltnissen,
mit uralten Handelsstraßen nach allen Himmelsrichtungen-
liegt der Westerwald im deutschen Kernland.
In Nassau hatte zwar 100km Anliegerschaft am Rhein, Mainz hatte aber die Stapelplaetze
fuer Waren und Haefen als Monopol gesichert.
Wenigstens erfreuten sich die Kurbaeder guten Zustroms- Ems, Schwalbach, Schlangenbad und Wiesbaden.
"sehr zum Aerger seiner Untertanen beguenstigte der Herzog
sogar nie Niederlassung von Fremden" - meint der Chronist damals.

In drei Jahrzehnten sind von 1814-1844 rund 13.000 Leute -oder 4%- aus Nassau ausgewandert.
Gerade jungen Leute waehlten diesen Weg um ihre Zukunft zu sichern.

Der gute "Serenissimus", wie sich der Herzog Wilhelm nennen lies, betrachtete
jegliche Kritik an seiner Politik als persoenlichen Angriff.
Eine "anachronistische Figut, die hundert Jahre zu spaet geboren ist", resuemierte der Chronist.
Der "Serenissimus" schreckte nicht davor zurueck, zur Finanzierung seiner Finanzen
die nassauischen Soldaten in die Niederlande "auszuleihen", dh. zu verkaufen.
Ueber die Verquickungen mit heute noch bekannten Privatbanken spare ich mir das Papier-
zumal es hier um die einfachen Leute gehen soll.

Der Herzog aber war nicht dumm, er hatte Domainenhoefe,
deren Gewinne er nie in den Buechern aufgefuehrt oder gar abgerechnet hat..
Jeder, der sowas geforderte haette, waere als "Ketzer" abgescholten worden,
der ihn persoenlich diffamieren will - so verblich er mit 47 Jahren,
was seinen - in allen Dingen unerfahrenen 22 Jaehrigen,
der bislang sich nur mit ein wenig Jagd und Ausritten beschaeftigte,
der die Welt nur aus dem Sattel kannte-
zuweilen auch mal im Eifer des Gefechts quer die Felder und Wiesen..
vermutlich sollte er spaeter die entsprechende Reife anerzogen bekommen,
wenn er dem praechtigen Jagdschloß entwachsen waere..

Die damalige Zeit kann man nur beleuchten, wenn immer mal wieder
die wirtschaftliche Situation einbezogen wird.
Ca 3/4 der Waldungen waren im Jahr 1842 Gemeindebesitz, die herzoegliche Domaine hatte 20%,
Standesherren und der restl. Adel hatte kaum mehr als die uebrigen Privatbesitzer. -
Die meisten nutzen ihren Anteil als "Hauberge", eine Wirtschaftsform,
bei der alle 7-8 Jahre Holz geschlagen und der Boden fuer 1-2 Jahre bestellt wurde,
um diesen dann wieder aufzuforsten oder besser nachwachsen zu lassen- denn ausgerissen wurden
die Baeume bei dieser Wirtschaft nicht- die Baeume treiben immer wieder aus,
bis sie eine ca armdicke Staemmigkeit hatten.
Schaut euch auf den Wanderungen solche Waelder an- es ist heute noch
gut zu erkennen, wie man damals vorging.

Im Westerwald und auch im Taunus war viel "Trieschland" oder Oedland -
insgesammt soll Nassau "auf weiten Strecken den Anblick einer lichten Baumheide"
gemacht haben, die "hie und da von dichteren Waeldern unterbrochen wurden -
ein ideales Land fuer Treibjagden hoch zu Roß, wie sie der Hof des Herzogs liebte" -
Dekan Vogel schrieb 1843: " Der Fruchtbauer in milderen Gegenden lebt sparsamer
und doch besser, als die mit dem Weinbau Beschaeftigten,
er genießt Fleischspeisen, nimmt reichliche Nahrung zu sich und kleidet sich gut.
Am einfachsten ist die Lebensweise der Bewohner des hohen Westerwaldes.
Er ißt sein von Mengfrucht, d.i. Gerste und Hafer,
gebackenes Brod, und daneben nur Milchspeisen, Kartoffeln und andere Vegetabilien.
Der Minderbegueterte ziehet zwar auch Schweine, schlachtet aber keins fuer sich,
und bringt nur an hohen Festtagen ein Stuecklein gekaufes Fleisch auf den Tisch."

Nun wissen wir wieder etwas mehr von den Lebensumstaenden der "Gemeinen".

Der Bauer jedenfalls konnte nicht frei ueber seinen Grund verfuegen,
es bedurfte immer der Genehmigung der Grundherren, die im Falle eines Erbganges
"Anspruch" auf gesonderte Abgaben hatte- auch nach dem Wegfalls des Zehnten, der - siehe oben-
mit Zins und Kredit abgeloest worden war.

"In der ersten Haelfte des 19.Jhds wurden Sparkassen als Einrichtungen zur Hilfe
fuer Minderbemittelte, als wohltaetige und zugleich paedagogische Anstalten gegruendet
und vielfach von vermoegenden Buergern ehrenamtlich gefuehrt.."
Das klingt ganz gut von oben herab und goennerhaft, was uns die Chronik da erzaehlt.

1842 gab es einen Verein deutscher Fuersten und Edelleute zum Schutz deutscher Einwanderer in Texas.
Als eine Aktiengesellschaft, die mit ordentlich viel Kapital ausgestattet war,
wollten vier regierende Fuersten
des Deutschen Bundes, zwei Prinzen aus "souveraenen Haeusern", sechszehn Angehoerige "mediatisierer Familien",
zehn Mitglieder des "niederen Adels" und als einziger "Buergerlicher"
der Bankier Flersheim- die Sache gestalten.
Nicht nur Spenden, sondern auch Einzahlungen der Einwanderer flossen diesem Verein zu.
So wurde die Einwanderung finanziert- von der Ueberfahrt bis zu den Grundstuecken-
deshalb meldeten sich sehr viel Ausreisewillige.
Der junge Herzog Adolf von Nassau gab 100.000 Gulden als Beteiligung dazu -
die wichtigen Namen der damaligen Zeit,
Graf Walderdorff, Graf Christian von Neu-Leiningen-Westerburg,
und Karl zu Castell, sowie der Fuerst Friedrich zu Leiningen standen dabei.
Leider hatten alle Teilnehmer nur eine sehr vage Vorstellung vom Leben
in den Staaten und so wurden sie von den dortigen, sehr gerissenen Grundstuecksspekulanten
ohne jegliches Gewissen - ueber den Tisch gezogen.
Der erste Generalkommissar des Texasvereins war ein romantischer Phantast-
was wohl auf die heutige EU in aehnlicher Weise zutrifft-
voellig in die Welt adliger Offiziere gefangen und bedacht,
auch dort eine souveraene Herrschaft zu basteln..
Das Gebiet, das den Siedlern verkauft worden ist, musste erst den Indianern entrissen werden !!
Dieses "Neugermanien" war ein echtes Trugbild - die Stadt "Neu-Braunfels" wurde gegruendet -
dennoch haben sich viele enttaeuschte Siedler auf eigene Faust selbstaendig gemacht,
vielfach von texanischen Buschkleppern ausgepluendert.
Selbst der Bremer Konsul Fischer in New-Orleans bereicherte sich an den Siedlern schamlos,
wie der Chronist berichtet.
Besonnene Leute gingen wieder in die alte Heimat, andere machten letztlich
die Mission zu einem leidlichen Erfolg, was unter vielen Opfern getan wurde.
Einige Geldgeber kamen bald in Zahlungsschwierigkeiten,
1845/46 forderte die dortige -ungewohnte- Hitze mit Seuchen 1000 Todesopfer unter den Auswanderern.
Obendrein war mit dem Ausbruch des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten
und Mexico - bei dem es um die Angliederung des ehedem selbstaendigen Staates
Texas an Mexico oder an die Vereinigten Staaten ging, ein weiteres Malus jener Zeit.
So brach der Plan einer geschlossenen deutschen Siedlung zusammen.
1850 lebten in dem vom Texasverein erschlossenen Raum 15.000 deutsche Einwanderer -
die noch heute zaeh an ihren deutschen Traditionen festhalten.
( Das halten wir heute gerne den Tuerken als Separatismus vor,
die ihre Kultur bei uns in Deutschland beharrlich bebehalten - obwohl diese Kultur,
wie damals bei den deutschen Auswanderern- eigentlich der Grund
fuer die wirtschaftliche Misere ihres Ursprungslandes ist und war,
weshalb ueberhaupt ausgewandert worden ist ! )

1847 war der Texasverein total verschuldet - die Liquidation wurde 1861 beschlossen
und zog sich noch 7 Jahre hin, bis das Frankfurter Bankhaus die Schulden mit einem Kredit abdeckte..

Im Jahr 1843 sollte wieder einmal die Welt untergehen, manche glaubten daran,
denn die Zeitlaeufe waren danach..
Ueberall herrschte die Kartoffelkrankheit, die Zahl der Esser nahm staendig zu,
es fehlte an Arbeit- andere packten ihr Buendel im Texas-Fieber.
Der Herbst 1843 brachte wenig, aber schlechten Wein im Rheingau.
Die Gruendung des Gewerbevereins und eine grosse Ausstellung lockte die Besucher an.
In diesem Jahr, wo in Texas die deutschen Auswanderer starben.
Mit bewundernwertem Fleiß, so die Chronik, malten die Buerobediensten
ihre Kalligraphie von den Konzepten ab..
Vom fruehen Morgen bis in den spaeten Abend in spaerlich ausgestatteten Amtsstuben,
offenbar mit viel Geschick.
Drei Jahre spaeter war ein großes Weinjahr, ein trockener,
heißer Sommer ließ Frucht und Futter verdorren.
Die Lebenmittelpreise stiegen in ganz Europa - die Bauern mussten ihr Vieh reduzieren.
So war das Geld knapp, die Nachfrage ging folglich zurueck, auch die Steuereinnahmen.
1847 war die Not noch groeßer, wobei die arme Bevoelkerung
-wie immer- sehr viel haerter leiden musste.
Nassau musste Getreide einfuehren (wie heute auch), um die drohende Hungersnot abzuwenden.
(heute eher aus spekulativen Gruenden)
Tausende Leute wurden entlassen, sie wurden im wahrsten Sinne des Wortes brotlos.
Das hungernde und verzweifelte Volk begann laut zu murren.
(Wehe, wenn unser Land sich die vielen Alimentieren nicht mehr leisten kann;
zu den eigenen kommen noch sehr viele aus anderen Laendern dazu, aus EU-Recht)

Viele Buerger und Bauern wandten sich von der Politik ab, waren enttaeuscht oder verbittert.
Wenige schlossen sich Aufstaendischen an, mehr jedoch wanderten aus.
In den Folgejahren immer mehr- eine richtige Welle, die 1854 den Hoehepunkt hatte.
Zwischen 1845-54 wanderten ca 25.000 Menschen aus, das sind 5 % der Bevoelkerung gewesen.
Ganze Doerfer gingen nach Amerika, aber auch nach Siebenbuergen!

Das einst dominante Buergertum kam durch die Revolution
von der Lenkung des Staates weg zur Wirtschaft und beherrschte von da an durch die Banken
alles und jeden - von hinten stechen die Bienen!

Wie sah ein hoeherer Lehrer (Dr. Aloys Henninger, genannt "der Taunide") die Welt 1857 ?
"Ein biederes Volk aber bethaetigt, von der Natur trefflich gegabt
un durch bluehende Anstalten wacker ausgebildet,
in seinen Gauen die koerperliche und geistige Kraft in allen Kuensten und Gewerben des Friedens,
und Tausende von Fremden aus allen Weltgegenden durchwandern seine reizenden Fluren,
um die Schoenheiten und Merkwuerdigkeiten derselben zu bewundern,
und Tausende von Leidenden aus allen Erdstrichen stellen sich ein,
um Linderung und Genesung an den Kraft und Heiterkeit
spendenden Heilquellen zu suchen, mit denen die guetige Natur
ihr Lieblingslaendchen um so reicher gesegnet zu haben scheint, als sie,
seinen Bergen dadurch gleichsam einen Ersatz fuer deren Mangel an Gold
und edlen Steinen zu gewaehren, bedacht sein mochte"

Nach seiner Darstellung wollen die Bewohner des Landes
"wahrhaft von Gesundheit strotzen", gleichwohl er die
"Einfachheit ihrer Lebenshaltung" hervorhob.
Er streifte das Proletariat mit dem Rat, dass sich auch wohlhabendere Bauern
aufmachen sollten, um in Uebersee ihr Glueck zu versuchen..
Von Industralisierung konnte in Nassau noch lange nicht die Rede sein,
von "Vollbeschaeftigung" schon mal ganz und gar nicht -
Die Leute "hoeherer Lehranstalten" hatten wohl ein leichteres Brot,
wenn so viel Unfug verzapft werden konnte- das trifft auf alle "Geistesgroeßen"
zu, die sich literarisch oder kuenstlerisch "unsterblich" machten.

Die neue genossenschaftliche Kreditorganisation -in Gestalt von Viehleihkassen
gewaehrte armen Bauern Darlehen zum Ankauf von Jungrindern,
die in Raten abgestottert wurden- wie heute die Autos.. trotzdem-
gemessen an der Bevoelkerungsentwicklung war die Viehhaltung eher ruecklaeufig.
In der Periode 1856-65 waren gute Ertraege und so hoerte man diesen Spruch:
"Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt!"
Trotzdem war Geld bei den Bauern immer ein sehr rarer Artikel- wenn ich mich umhoere- noch heute!

Die Zeit der Eisenbahnen kam und die "Krise" - damals 1857 in den USA (wo sonst)
begonnen und ueber England (noch mehr Zocker) zu uns geschwappt,
brachen Banken zusammen - diese kuendigten die Kredite.
Zuvor zahlten manche Eisenbahngesellschaften bis zu 40% Rendite,
als die Gewinne aber dann nicht mehr so recht sprudeln wollten,
weil weder Wirtschaft noch die Leute aus Spaß an der Freud' fahren wollten,
genuegte eine Insolvenz, um eine Kette an Nachfolge-Pleiten zu haben.
Ein Jahr danach, 1858 kam der Regierungswechsel, die Linksliberalen kamen an die Macht -
mit der Gewerbefreiheit und dem Wegfall vieler Zunftprivilegien.
Die Vaeter wollten an der Zunft festhalten, die Soehne begeisterten sich
fuer den Fortschritt und den freien Wettbewerb.

Merkwuerdigerweise kam eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den armen Taunusgemeinden -
fuer Kleinbauern und Heimarbeiter - durch die Wanderbewegung!
Noch immer wanderten viele -hauptsaechlich arme- Leute aus.
So hatten 574 Auswanderer des Jahres 1860 ein Vermoegen von weniger als 600 Gulden pro Kopf gehabt,
diejenigen aber, die sich aus der Fremde in Nassau niederliesen, besaßen pro Kopf 4488 Gulden.
Es waren zumeist, so wird berichtet, Rentner, die sich an den nassauischen Badeorten einkauften.
(Das waren wohl die Begruender der sogenannten "Speckguertel", die man allerorten sehen kann)
Vielfach haben Gemeinden versucht, mit Hilfe von Anwerbern,
die wie "Hausierer durch die Lande zogen", Ausreisewillige anzuwerben,
damit der Ort von "einer besseren Klientel" bewohnt werden wuerde..

Ein paar Daten aus der reichen Handelsstadt Frankfurt am Main.
1391 selbstaendige Kaufleute in Frankfurt, im ganzen Nassauer Land 2235 davon,
mit gut 50% mehr an Beschaeftigten, als alle Mitarbeiter dieser Sparte im ganzen Nassau.
355 Bankiers in Frankfurt, 13 in ganz Nassau..
Nicht ganz so deutlich war der Unterschied in vielen anderen Gewerken.

1861 uebernahm Preußen die Staatdomainen, der Herzog Adolf
verlor sein Land und die Gueter und sein daraus entstandenes "Zubrot"-
nur die Schloesser durfte er behalten.
Seine wertvollen Hobbypflanzen bildeten wohl die Grundlage fuer den Palmengarten zu Frankfurt.
Die nassauische Landesbank musste bis dato ihre Gewinne dem Staat abtreten,
nach den neuen Herren wurde daraus eine Landes-Credit-Kasse gemacht,
in die auch der neue Besitzer gerne griff..

Der Zwischenruf darf erlaubt sein, ob man wirklich von "Kultur" sprechen kann,
wenn Menschen ob der Lebensumstaende (Kultus)
zum Auswandern oder Hungern gezwungen werden. Ob gestern oder heute- ob bei uns im Land oder im Ausland ist dabei wohl egal.
Selbst Seuche- oder Mißernten konnten und koennen heute bezwungen werden, -
religioese oder despote Fehlentwicklungen und falsche Wirtschaftsentscheidungen jedoch nicht..

Die preußische Zivilverwaltung ueber das annektierte Nassau war
freundlicher als die vorherige militaerische Besetzung,
der ueberkorrekte und herablassende Ton der Beamten soll jedoch heftig
unguenstig gewesen sein- der Chronist erzaehlt hierzu von der behaebigen Art
der Nassauer Staatsbediensteten.
Die preußischen Occupanten waren wohl auch noch recht herablassend
und voller Mißtrauen der alten Beamtenschaft gegenueber.
Nun wurde bekanntlich Frankfurt in das neu geschnittene Hessen eingegliedert,
verlor seine Reichsfreiheit- konnte aber dennoch durch Lage und Wirtschaftskraft
weiterhin Motor bleiben.

Dann kamen Perioden des Aufstiegs, Zeiten des Abstiegs-
letzteres durch die neue Boersenkultur bedingt, wo zu viele zu hohe Erwartungen
zu vielen Enttaeuschungen fuehrten.
Wer Geld hatte, konnte gewinnen oder verlieren - die Existenzgrundlage
war aber meistens nicht in Gefahr, im Gegensatz zu den einfachen Leuten,
die nur ihre Haende Arbeit besaßen, von weither in die Stadt
zu den Werken einpendeln mussten, zumeist auch noch nur "angelernt" waren.
Man sprach von "reinigendem Gewitter", davon, dass "Spreu vom Weizen getrennt" wurde,
Spekulanten und Wirtschaftsleute sind zuweilen ins Ausland getuermt-
um sich dann wieder - teils unter falschen Namen - eingeschlichen haben sollen,
wenn es galt, die Sahne abzuschoepfen.
Das hat viel Hass auf bestimmte Gruppen gebracht, ohne Frage.

Der Zynismus kam durch diesen Satz ganz gut zum Ausdruck:
"Von der Landarbeit abgesehen, hatten sie nichts gelernt;
ihre Bildung wie ihre Beduerfnisse waren bescheiden,
fast jede Lebenserfahrung ging ihnen ab."
(Wie soll jemand unerfahren im Leben sein, wenn er Familie hat?
Ist "Lebenserfahrung" das spezielle Gefach oder Lehre oder gar das Zockertum?)

Fakt war, dass Bismarck 1879 nicht mehr um Einfuhrzoelle herum kam,
weil aus dem Ausland grosse Mengen an billigen Guetern aller Art kamen.
Zoelle bringen aber immer weniger Nachfrage aus dem Ausland- was wieder weniger Umsatz
fuer unseren Aussenhandel bringt..

Wie es heißt, versuchte Berlin schon immer alle Kernkompetenzen an sich zu ziehen,
was aber gegen die ehemals freie Reichsstadt Frankfurt
nicht im Mindesten gelang, zu stark war die Kaufmannschaft
mit ihren weltweiten Verbindungen, die schon aus uralter Zeit stammten.
Die juedischen Familien hatten einen guten Anteil daran-
besonders an den Geldtransaktionen der Boersen- und Bankenwelt.
Der Handel wurde letztlich zum Wegbereiter fuer die Industrialisierung
und auch fuer die zum praktischen Ziel gerichtete Bildung.

Zulieferstoffe fuer die Industrie, Schuettgut und Getreide etc.
war auf dem Wasser guenstiger zu transportieren als mit der Bahn,
die mehr Personentransport betrieb.
Mit dem Aufbau der Bahnen kam der Ausbau des Strassennetzes.
Der Frankfurter Bahnhof- damals noch 600mtr vom Stadtrand entfernt,
war 1888 das groeßte Gebaeude dieser Art in Europa.
In dieser Zeit verloren die ausgedehnten Forsten den Charakter der Baumheide,
die Bewirtschaftung verbesserte sich zusehens, "als der Ueberdruck
der allzu vielen Esser aus den Doerfern zu weichen begann.."
Danach wuchs auch die junge chemische Industrie zu einem der groessten Arbeitgeber auf.
Die Arbeiter der Stadt draengten die laendlichen Pendler zurueck.
In der Chemie waren fast nur Maenner beschaeftigt.
Die Kalkstein-Aufbereitung brachte den Portlandzement,
der ein Exportschlager war, die wie Frankfurter Wuerstchen und der Apfelwein,
große Namen entstanden - Adler, Opel, Torpedo, AEG und viele andere.
Die Entstehung des Fahrzeugbaus war typisch fuer die Entwicklung zur Industrie,
das war in kleinerem Maße in der Lederindustrie aehnlich.
Bis dahin waren Handwerksbetriebe und Manufakturen lange Zeit bestimmend.
Die Automobilmesse und das jaehrliche Autorennen um die Saalburg
und den Großen Feldberg bis nach Weilburg und Usingen waren
"Highlights" fuer die damaligen hohen Kurgaeste der Baeder,
die nur die Tennisveranstaltungen noch mehr schaetzten.

Die Elektroindustrie, die Herstellung von Schreibmaschinen waren allesamt Boom-Techniken,
die auf dem gerade eingerichteten Strom-Netz fußten.
Sogar die Strassenbahn fuhr nun mit Strom, nicht mehr von Pferden gezogen.
Der Main wurde kanalisiert und mit dem Westhafen an den Rhein angebunden.
Die Stadt brummte, wie man heute so salopp zu sagen pflegt.

Es folgte die Luftfahrt, zuerst mit einer internationalen Messe,
wie beim Auto. Die "ILA" lies die Euler-Werke mit dem Flugzeugbau beginnen.
Jeder weiß, dass der 1. Weltkrieg alles wieder zusammenstuerzen lies,
jeder weiß, wie spaeter der 2.WK den Irrsinn noch schlimmer fortsetzte,
mit der Zeit der Erholung zwischendrin.
Ich erspare uns weitere Detaills zu den Kriegen, die in den Schulen mehr als genug unterrichtet werden.
Die "Gute alte Zeit" war wohl bis 1914 zu sehen.

Auf dem Land und auch z.T. in den Staedten war bis dahin die Heimarbeit
dringend noetig und fuer den Unterhalt der Familien unverzichtbar.
So ziemlich jedes Teil, vom Stoff, bis zum Knopf,
vom Spielzeug bis zum Industrie-Teil wurde daheim in Stueckzahlen gefertigt.
Die Alten wie die Kinder halfen dabei mit - niemand sah das als gering bezahlt oder gar erniedrigend an,
keiner schaute auf den Stundenlohn, weil man zusammen saß und arbeitete
und sich dabei unterhielt, wenn die Feldarbeit getan war, das Vieh versorgt..

Selbst die Frankfurter Altstadt war noch kleinbuergerlich besetzt - bis weit in das 20.Jhd. hinein.
Mein Vater ist noch im Main geschwommen - was die dann heftig einsetzende Industrialisierung
und die heimlichen Kriegsvorbereitungen nur noch kurze Zeit moeglich werden liesen.
Die Arbeitsvermittlungen und Hilfsorganisationen begannen den Leuten
bei der Existenzsicherung zu helfen, die Sorge bei Arbeitsunfaehigkeit
oder Ausfall des Ernaehrers ein wenig zu mildern.
52 Frankfurter Spezialgeschaefte des Einzelhandels haben alleine mehrere
dutzend Werkstaetten mit weit ueber tausend Frauen und Maedchen
beschaeftigt, die an den Naehmaschinen fuer billigen Stundenlohn rackerten.
Mein Opa war gelernter Herrenschneider, arbeitete hauptberuflich bei der Stadt
und fertigte nebenbei Anzuege fuer seine Klientel, meistens fuer die juedischen Mitbuerger, wie er erzaehlte.
Andere seiner Kollegen arbeiteten Livreen, Militaeruniformen
-viele im Raum Wiesbaden verdienten sich damit ihr Brot.
Von den "dezentralisierten Großbetrieben", wovon so gerne doziert wurde,
war in Frankfurt "keine Spur zu finden", wie der Chronist bemerkte-
das konnte die gern von den Theoretikern getane Verallgemeinerung nicht beschoenigen-
die Stundenloehne der Heimarbeiter waren bei 15 Pfennigen angesiedelt- damals auf dem Land ein Tageslohn..
Wir wissen es alle: Bald kam die Konkurrenz der Massenproduktion zu der Konkurrenz ausl. Produkte hinzu.

Die Nahrungsmittelindustrie und die Markthalle kam erst spaeter,
die das Bild des Kleinhandels gruendlich veraenderte.

Mit der gestiegenen Anzahl an Bewohnern reichte die Nahrungsmittel-Eigenversorgung
durch das Umland nicht mehr aus und Importe nahmen zu -
nicht mal fuer die Apfelweinproduktion war genug Obst vorhanden..

Auf meinen Weinseiten habe ich es schon einmal beschrieben:
Der Wein war zuerst das wichtigste Genußmittel oder Getraenk, nach den Rebenkrankheiten
kam verstaerkt der Obstbau, haupt. der Apfelbaum in den Blickpunkt.
Gefolgt von Bier wurde der Aeppelwoi das Nationalgetraenk der Frankfurter.
Unmittelbar vor dem 1. WK war der Niedergang der großen Staatsbaeder feststellbar,
nach dem Krieg wurden aus den feinen Kurhaeusern Lazarette.

Geschichtliches

Nach einer kleinen Besinnungspause komme ich mit einem Stapel Buecher zurueck.
Diesmal geht es um Wege, Volksleben zwiswchen Mailer und Basalt und um das Kloster Eberbach..

Irgenwo muss angefangen sein, so beginne ich mit den Wegen im Allgemeinen, ihrer
Bedeutung im Laufe der Geschichte..

"Alles fließt und nichts bleibt; es gibt kein eigentliches Sein, sondern nur ein ewiges Werden und Wandeln."
(Heraklit)

Schon frueh entwickelte man Karten, um die Reisen planbarer zu gestalten, Itinerare oder Reisehandbuecher, Distanzsaeulen, Meilen und Stundensteine,
Meilenscheiben und Katasterplaene.
Schon frueh erfand man Markierungen, Verbots- und Gebotssteine, Denkmale in beachtlicher Art.

Der Historiker meint, dass "schon Jahrzehnte vor dem ersten Weltkrieg
die Kartographie einen beachtlichen Stand erreicht" haette.
In erwaehnenswertem Umfang erst ab dem 16. Jhd.

Nun geht es mir in der Hauptsache um die Geschichte unserer Region
oder die Hessens- welches ein von allen Seiten her offenes Land ist und war,
weil es inmitten Deutschlands liegt und von dem Handels- und Reiseverkehr
freilich ganz besonders betroffen war, aber auch davon profitiere.

Die geographische Lage ist fuer das engmaschige Strassennetz verantwortlich, was schon seit Urzeiten belegt ist.
Diese Wege und Pfade und langen Strassen sind z.T. heute noch in Benutzung,
ueberbaut zwar, aber dennoch vorhanden.
Neben den Wasserstraßen, die den Massenhandel bevorzugt bedienten,
waren die alten Roemer die wahren Kuenstler unter den Straßenbauern,
die Viadukte und kunstfertige Techniken in dieser Sache entwickelt
haben um so die neue Provinz der occupierten Laender gewissermaßen an die Urbs
anzuschließen: Alle Wege fuehren bekanntlich nach Rom !
(Dazu spaeter mehr)

Der planmaeßige Chausseebau kam aber erst im 18.Jhd in Hessen.
Ausschlaggebend waren militaerische Interessen, wie schon im alten Rom, aber auch nachrichtentechnische.
Zu den spaeteren Eisenbahnwegen und den schon vorhandenen Wasserwegen kamen spaeter Autobahnen hinzu, eine ganz neue Form der Straßen.

Die Urspruenge jedoch kamen oft genug von dem Verkehr von Kloster zu Kloster.
Wegekreuze, Grenz- und Meilensteine, Gewerbebetriebe - Schmieden, Gasthaeuser,
Zollstationen, Warten, Tuerme, Tore,
Fabriken und Poststationen siedelten sich geschwind an den Straßen an.

So manche Autobahn verlaeuft also etappenweise roemischen Militaerstraßen nach..
Befestigte Straßen waren in den Provinzen ein Novum,
das oft bestaunt wurde- es wurde zwischen Provinz- und Fernstraßen unterschieden.
Diese technische Leistung war noch im 17.Jhds vorbildhaft.
Der Aufbau der Straßen war aus mehreren Schichten bestehend,
teils bis zu einem Meter in den Grund reichend.
Der Unterbau aus Stampflehm, Kalksteine und Moertel,
dann eine Lage aus faustgroßen Kieselsteinen -
dann noch eine Lage aus walnußgroßen Kieselsteinen.
Die Deckschicht war aus feinem, festgestampftem Kies oder Sand.
Pflasterungen gab es an naturraeumlichen Stellen- die Anlage war immer so,
daß das Regenwasser gut in die links und rechts angebrachten Graeben ablaufen konnte.
Vermutlich waren damals die meisten Reisenden zu Fuß unterwegs, taeglich so ca 20-30 Meilen ( 30-45 km ).
Am Abend wurde in einem Mansio uebernachtet, die oft Badeanlagen, Verpflegung von Mensch und Vieh
und zuweilen auch ein kleines Heiligtum des Gottes Merkur -Gott des Handels und des Verkehrs- hatte.
Mutationen waren Pferdewechselstationen. Straßenposten und Wachtuerme sorgten fuer die noetige Sicherheit.

Freilich gab es auch schon zur Bronze- und Steinzeit Wege zwischen den Regionen,
eher nicht zu Kriegszwecken, wohl aber zum Warenaustausch.
(Die Staemme blieben weitgehend unter sich - sie vermischten sich aber bei Durchwanderungen)
In roemischen Zeiten wurde z.B. die Platea Montana,
(erwaehnt im Jahr 819, der Name Bergstraße 1165)
die Bergstrasse zwischen dem Odenwald und Schwarzwald ausgebaut,
die damals noch an den Hoehenhaengen verlief- weite Teile des Rheintales waren sumpfig.
Ca 30cm dick und bis zu neun Metern breit haben die Roemer diesen Weg erweitert.

Interessanter als die Roemer waren die Kloester- sie mischten in der Politik,
in der Wirtschaft und auch im Verkehr mit, waren das geistige Zentrum der alten Tage.
Die guten Verbindungen unter den Kloestern lies die Kurie
eine vorbildliche Botenverbindung einrichten, die mit Botenbuechsen ausgestattet war.
Kirchliche Buecher, Geraete und Briefe, auch fuer Privatleute- wurden so billig befoerdert.
Heute schreibt man den Kloestern einen großen Anteil am Ausbau des Wegenetzes zu,
da diese Anlagen quer durch das Land verstreut waren.
In zahlreichen "Ablassbriefen" wurde um die "Mithuelfe" beim Brueckenbau gebeten.
Zu deren Bauprogramm gehoerten bald auch Hospize und Herbergen fuer Reisende.
Ohne Itinerare und Karten ging das freilich nicht; um 1500 sind einige Reiseberichte -
bis nach Rom - ueberliefert.
So kann man die Wege gut nachvollziehen.

Durch diese Wege siedelten sich an Knotenpunkten Leute an, sie versorgten die Reisenden,
bebauten Land und so weiter.
"Ihr Werk, die Erde als Kulturlandschaft zu gestalten,
begriffen die christlichen Orden als Mitwirkung am goettlichen Schoepfungsauftrag"
(Theodor Fontane)
An dem Tagesablauf in den Zisterzienser-Orden erkennt man den Wirtschaftbetrieb;
straff organisiert, wurden sie sogar als den Vorlaeufer des Kapitalismus betitelt.
Drei Arten an Bewohnern gab es dort - genuegsam lebende Moenche,
die sich um Chor und Gebet kuemmerten, gleichgestellte Laienbrueder (Konversen),
die ihre Zeit hauptsaechlich auf dem Feld und in den Gaerten verbrachten,
sogar Lohnarbeiter, die am spirituellen Leben nicht teilnahmen.
Viele Dinge mussten aber eingetauscht werden- so entstand ein reger Handel
zwischen der Bevoelkerung und den Klosteranlagen.
Ihr grosser Verdienst liegt an der Veredlung von Obst und Gemuesen,
Intensivierungen der Landbebauung, an den Rodungen und Kultivierungen, der Verbreitung der Schrift uva.
Die Wege an den Klosteranlagen vorbei wurden etwas abgelegen angelegt,
damit der Laerm der Wagen die Andachten nicht stoerten..

Bis in die neue Zeit hinein waren Wege durch heftige Nutzung gepraegt,
frueher ohne festen Untergrund waren sie tief eingefahren,
bei schlechtem Wetter kaum befahrbar und bildeten tiefe lange Graeben
von den Taelern bis in die Hoehen, ausgeschwemmt durch den Regen,
manchmal ein paar Meter tief.
Manche dieser Hohlwege bildeten sternfoermige Ausbildungen an Kreuzungen.
(In den Weinbergen kann man sich ein besseres Bild davon machen-
Wege aus den Orten in die Hoehen sind heute mit Asphalt, manche aber noch mit groben Steinen befestigt)

Eine Art Metastasen waren die kloesterlichen "Grangien", die sich zu Doerfern
oder Weinguetern entwickelten, planmaeßig aufgebaut.
Die Strategie war, ganze Doerfer an sich reißen und somit die ganze Gemarkung
an das Kloster ziehen zu koennen..
..mit der Konsequenz, ganze Doerfer geschlossen einfach zwangsumzusiedeln
oder die Bewohner wurden enteignet oder als Landarbeiter uebernommen.
Ganze Nußbaumalleen wurden angelegt, die von Kloster zu Kloster fuehrten.
Der Wirtschaftszweig "Weinbau" wurde ausgiebig ausgeschoepft.
Seit Kaiser Maximilian 1504 wurde fuer jedes Fuder transportierten Weines
einen Gulden Zoll erhoben- ob auf dem Landweg oder auf dem Rhein.

Piccolomini, der spaetere Papst Pius II zeigte sich beim Besuch des Reichstags in Frankfurt beeindruckt:
"Der Main, der sich aus den nahen Bergen Boehmens ergießt,
stroemt nach Westen, indem er Wuerzburg und viele andere fraenkische Staedte durchlaeuft.
Bei Frankurt wird er von einer steinernen Bruecke ueberspannt, von ihren 14 Boegen ist einer -
aus Furcht vor der jenseits liegenen Stadt-
unterbrochen und wird nur zu Friedenszeiten mit Balken ueberdeckt.
Der Fluß ist reich an Fischen und Aalen; in der Gegend von Mainz fließt er in den Rhein."

Koenigliche Privilegien, kirchliche Ablaesse und eine "Brueckenfabrik"
sorgten fuer die Instandhaltung der Bruecke, welche oft durch Eisgang beschaedigt wurde.

Landwehr und Warten sorgten dafuer, dass alles reibungslos ablief-
Frankfurt war schon Anfang des 14.Jhds. Mittelpunkt des europaeischen Handels.

Kreuzwege waren eine Buße und Ablaßfunktion, die abgeleistet wurde,
zuerst mit 7 Stationen des Leidens Christi,
spaeter mit Zwischenstationen, so kamen die heutigen 14 Bilder zustande,
die sehr an die Goetzenbilder der alten Zeit erinnern,
deren magische Zahlen 7 und 8 (Verdoppelung der Kreuzform) vorkommen.
Diesen "heiligen Circulus" soll Maria nach der Auferstehung Christus gegangen sein.

Die Bildstoecke in der Feldflur, an den Wege-Raendern, zeigen bis heute den katholischen Raum an.
Sie markieren kultische Staetten, die bei Kreuzzuegen und Prozessionen besucht werden.
Die religioesen Kulte in die Natur zu verpflanzen verband die ehemalige Naturfroemmigkeit
mit der aufgestuelpen katholischen Religion.

Karl der Große lies bereits im Jahr 807 drei spezielle Poststationen aufbauen,
in Spanien, Italien und in Deutschland.
Aus der Regierungspost heraus kam der Auftrag zu Bildung einer Befoerderung fuer alle,
Taxis aus Bergamo erhielten den Auftrag von Kaiser Maximilian 1488,
damit sein großes Reich versorgt werden konnte.
Diese Familie Thurn und Taxis hatte sich schon frueh einen Namen
fuer zuverlaessige Nachrichtenuebermittlung gemacht.

Es entstanden Wegezeichen fuer die Post, fuer Entfernungen
und auch mit den Vorlaeufern der heutigen Verkehrszeichen,
sogar mit Hinweisen zum Einbremsen der Gespanne..

So mancher Fuerst lies sich ein Denkmal beim Neubau einer Straße setzen-
im Nazireich als "Propaganda" beschimpft, waren dennoch zu allen Zeiten
alle Verantwortliche oder Auftraggeber solcher großen Projekte stolz
auf die Leistung, auch heute noch, wo Einweihungen mit wichtigen Leuten gefeiert werden..
(Hier muss man, wie in den Nachkriegsbuechern ueber geschichtliche
Zusammenhaenge vorgeschrieben, einiges relativieren; bitteres Unrecht gab es zu allen Zeiten!)

Diese Ge- und Verbots-Steine waren eigentlich erst im spaeten 18.Jhd Mode,
eine Straßenverkehrsordnung gab es noch nicht -
eine Art "Bußgeld-Katalog" hatte man wohlweislich eingehauen..
Ein vollstaendig erhaltener Verbotsstein in Oberhoergern, bei Muenzenberg hat folgende Inschrift:
"ZGB 30 ZRB 45 ZFB 1G"
Durch Ausschellen und muendliche Bekanntmachung wusste jeder:
VWG = verbotener Weg, ZGB = zu Fuß gehen, ZRB = zu reiten, ZFB = zu fahren.

An manchen Stellen durfte der Viehtrieb nicht durch gehen,
die Juden trieben die Tiere fuer den Markt ueber sogenannte Judenwege-
deshalb diese Verbotssteine die verhindern sollte, dass die Weiden zertrampelt werden.

Wer kennt die "Ruhen" ? Nein, keine Runen, sondern Ruhen..
Das waren laengere, schmalere, steinerne Ablagen in zwei Hoehen:
Fuer die Kopftrage und die niedere fuer die Rueckentrage- zum Abstellen bei der Rast.
Es wurde viel zu Fuß transportiert, vom Leseholz, Heu bis zu Handelswaren.
Interessant sind die Angaben in Stunden, die man auf den alten Poststeinen sieht:
Hier wurde die Zeit angegeben, die ein beladener Wagen in einer Stunde schaffte.
Eine interessante Zeit-Einheit - in Hessen 2000 Klafter oder 5 Kilometer in einer Stunde.

Weitere Wegeanlagen sind die der Jagdschloesser, welche sternfoermig angelegt waren,
meistens als 5 Jagdschneisen.
Die Parforce-Jagd des 17.Jdhs, die sich auf eine Tierart bezog.
Der Reiz war das rasante Verfolgen der Tiere durch Reiter oder berittene Jaeger,
die von einer jaulenden Hundemeute begleitet wurden.
Von diesen Schneisen aus bis ueber das eigentliche Revier wurde das Wild gehetzt,
bis es endlich erschoepft aufgab-
der Fuerst hatte das Recht, dieses Tier zu erlegen.
So mancher jagdfreudige Edelmann machte dabei nicht nur vor nichts halt,
er "uebersah" auch angelegte Felder und die reife Frucht-
"oh lodernd Feuer, oh goettliche Macht!"
Die grenzenlose Allmacht des Landesherren war deutlich und offenbar.

Die Bauern mussten lange Schuere mit Lappen daran die Tiere immer weiter einengen-
so kam auch das Sprichwort: Durch die Lappen gehen..

Zurueck zu den Straßen- die nun ihre Herbergen bekamen und Gastwirtschaften,
die das Nachtlager der Reisenden waren, die Verpflegung und das Vieh umsorgten.
Dort landeten alle an, die sich das Zimmer leisten konnten- kaiserliche Beamte,
Wachsoldaten, Haendler und Lustwandler, wie unser guter Goethe,
reisende Fuersten, Boten und Unterhaendler aller Art, Kleriker und Musikanten oder Pilger.
Man schlief zu mehreren in einem Zimmer.

Leinpfade habe ich schon oefter erwaehnen koennen, diese Wege waren an den Fluessen,
zum treideln der Schiffe durch Seile und Pferde.

Einige Zeugen vergangener Zoll-Grenzen an den Fluessen, wovon eine davon,
der Binger Maeuseturm - mitten im Rhein auf einer kl. Insel steht,
kuenden von den eifersuechtig gehueteten Einnahmequellen der damaligen Residenzen.
Jener Maeuseturm hat seinen Namen aber nicht von dem kleinen Tier,
sondern von "Muta", fuer Wegezollm Maut oder vom mittelhochdeutschen "musen", wie spaehen, lauern.
Ein sehr altes Ueberbleibsel dieser Umlade-Historien ist der Oestricher Kran
aus dem Jahr 1549, der direkt auf einer Molenmauer am Rhein steht.



Geschichtliches


Ueberliefertes aus dem "Volksleben", das nicht vergessen sein soll:

1568 schreibt Hans Sachs im Staendebuch:
"Den Leymann tritt ich mit meim Fuß,
mit Har gemischt. Darnach ich muß
ein Klumpen werffen auf die Scheiben,
die muß ich mit den Fueßen treiben.
Mach Krueg, Haefen, Kachel un Scherbe,
Thu sie dann gassurn und ferben,
darnach brenn ich sie in dem Feuwer!"

Aus den natuerlichen Lager geschachtet,
wurde der Lehm vom Toepfer und seinen Gesellen so lange mit Wasser geschlaemmt
und mit den Fueßen getreten,
bis alle Beimengungen ausgewaschen waren. Sodann konnte das Material durch haeufiges Kneten
plastisch gemacht werden.
Das war recht anstrengend, ging in die Arme - was beim Handwerk oft genug der Fall war und noch immer ist.
Heute hat die kleinste Toepferei eine Knetmaschine, gießt zuweilen statt zu kneten
und braucht dann nur noch mit einem Schwamm die Naehte zu glaetten, damit es wie Handwerk ausschaut.
Die eigentliche gestalterische Arbeit wird mit der Toepferscheibe gemacht, das Drehen.
Diese fruehe Erfindung hat bereits Homer beschrieben.
Wie mit Zauberhand hochgezogen entsteht mit Leichtigkeit durch den Geuebten das Werkstueck, das Gefaeß -
das setzt den gleichmaeßigen Schwung der Scheibe,
den richtigen Augenblick zum Aufziehen des Materials, die richtige Dicke oder Feinheit,
die Hoehe und Bauchigkeit voraus. Außer einer Schiene
-mit welcher die Außenwand geglaettet wird- geschieht alles ohne Hilfsmittel.
Nun kommt ein straffer Draht, mit dem das fertige Stueck von der Toepferscheibe abgezogen wird, zum Einsatz.
Meistens hat man sich auf eine bestimmte Form spezialisiert,
von der dann am Tag mehr als zweihundert Stueck gemacht werden..
Nach dem Drehen geben die fertig geformten Gefaeße Wasser ab,
bis sie ledern werden, was nach 2- 3 Tagen der Fall ist.
Nun kommt das Grundieren dran- sonst wuerde das Resultat wie ein Blumentopf werden- der Aufguß:
die "Engobe" macht der Toepfer aus Schlickbrei fein geschlaemmten weißen Tones,
mit dem dann vorsichtig durch Eintauchen oder Uebergießen
das ganze Gefaeß veredelt wird - dieser Aufguß trocknet sehr rasch ein,
so kann die Bemalung sofort danach beginnen.
Das war der Grundstock fuer die Farbe.
Frueher hat man mit einer Handmuehle die Farben gemahlen und gemischt -
aus den unterschiedlichsten Stoffen, z.B. Kupferoxyd-Gruen, Mangan fuer rotbraun, Chromoxyd fuer Rottoene etc.
Wie im Malerhandwerk so vielseitig.
Die Muster werden nach Kundenwuenschen, Tradition oder regionalen Ideen gemacht.
Nicht nur die Farbmischungen, sondern auch chemische Prozesse beim Brennen
sind maßgeblich fuer die spaetere Wirkung.
Manche arbeiten mit Eichenlaub, mit feinen Blaettchen, mit weißen Tupfen, wie in Marbung typisch.
Nun kommt die letzte Bearbeitungsstufe, die Glasur - damit die Farben und Bemalungen geschuetzt sind:
Ein duenner Brei aus Quarzsand und Bleimennige ueberzieht das Werkstueck
und schafft einen glaenzenden Ueberzug- wasserdicht wird das Gefaeß damit auch.
Nun folgt der Brand, eine spannende Sache, die volle zwei Tage dauert.
Ganz eng und genau werden die Stuecke eingesetzt, beruehren duerfen sie sich nicht-
dennoch muessen so viele wie moeglich hinein.
Die Stuetzen des gemauerten Ofens muessen so gemacht sein,
dass die heiße Luft ueberall hin kann und die Werkstuecke allesamt trifft.
Einige Toepfer betreiben den Ofen gemeinsam - von 150-2000 Stuecke gingen in einen Brand.
Zum Schluß wird der Ofen zugemauert und erst nach 3 Tagen wieder aufgemacht.
Ausschuß ist unvermeidlich, trotz aller Geschicke.
Die Farbe kann falsch verlaufen, Stuecke platzen.
Schon das Anheizen der alten Oefen war eine Kunst fuer sich,
das Holzfeuer wird zuerst klein gehalten, damit die Hitze langsam steigt und
die großen Sachen nicht springen.
Nach und nach wird das Feuer vergroeßert und in 20 Stunden gluehen die Sachen rot.
Dann wird nachgeheizt bis 1000 Grad, die Glasur fließt bei 900 Grad -
aber die Temperatur muss ja gehalten sein.
Die Scherben werden nun steinhart.
Seit gut zweitausend Jahren hat sich an dem Vorgang -im Prinzip- nicht viel veraendert.
Schuesseln, Teller, Tassen, Kruege und Toepfe werden so produziert.

Eine Besonderheit hessischer Ware ist das Steinzeug.
Diese altdeutsche Modestroemung mit traditioneller Technik
kann man im Westerwald beobachten- frueher wie heute-
bis zum rheinischen Weinland.
(wir trinken unseren selbstgemachten Hauswein aus 1/2Ltr Steingutkruegen,
die von der heimischen Kelterei Heil stammen)
Hierbei sind die Brenntemperaturen nochmal hoeher- 1200-1300 Grad, wegen der Salzglasur.
Im Ofengewoelbe sind dazu viele kleine Oeffnungen noetig,
durch welche zentnerweise Salz in die Flammen geschuettet wird, das dort noch im Fluge verdampft
und als Salzglasur niederschlaegt, chemische Prozesse sorgen dann fuer die typische Farbe.
Ein seltsamer Dunst liegt dann ueber dem Ort..
Die Arbeiter schuetzen ihre Koepfe und Schultern mit Sackleinwand, wegen der großen Hitze.
Der noetige Pfeifenton ist im Westerwald in maechtigen Lagerstaetten zu finden.
Bei diesem speziellen Steinzeug hat man sich auf eine blaßblaue Grundfarbe eingestellt,
weil herkoemliche Farben der Hitze nicht standhielten.
Spaeter entdeckte man die Kobaldmalte, mit der dann das Steinzeugblau als Malfarbe kam-
ideal zum Faerben friesartig eingeritzter oder eingedrueckter Muster.
Die Kruege und Trinkgefaeße sind sehr hart und haltbar, isolieren gut.

Die Steinzeugtoepfer lernten 6 Jahre, bis diese weltberuehmte Tonware,
die bereits im 14.Jhd. auftauchte, gemacht werden durfte.

Spaeter fand man Porzellan feiner fuer die bessere Gesellschaft
und danach auch fuer den Massenmarkt "spuelmaschinengeeigneter" als Toepferwaren.
Heute ist die handgearbeitete Tonware wieder gut gefragt.

Frueher wurden die Toepferwaren zum Backen, Kochen, Schlachten,
Milchverarbeitung und zum Einmachen gebraucht, heute mehr als Ziergegenstand -
aber auch als zuenftiger Trinkbecher und Weinkrug.

Die Arbeit des Zimmermannes war mit dem Richtfest abgeschlossen -
damals war der Fachwerkbau in unserer Region vorherrschend,
was besondere Kunstfertigkeiten der Statik, der Zimmer- und Haustueren
und auch Schitzereien oder Inschriften und Treppen eingeschlossen hat.
Heute hat der Schreiner und der Maurer einiges abgenommen.
Das Handwerk des Schreiners ist also juenger als das des Zimmermanns-
die erste Saegemuehle, mit der man Bretter saegen konnte, ist von 1322 in Augsburg bekannt.
Die Schreiner sind schnell im Kunsthandwerk des Treppenbaus und in den ueberall
zu findenden Truhen und Schraenken, Tischen und Stuehlen heimisch geworden.
Frueher gab es vielerorts nur Lehmboeden im Erdgeschoß des Hauses,
deshalb wurde der dreibeinige Stuhl bevorzugt, der erst mit den Dielenboeden 4 Beine bekam.

Die Truhen waren der Vorlaeufer des Schrankes, aber schon mit Intarsienarbeiten versehen-
einfache und leichte Formen davon wurden von Dienstmaegden als Reisekoffer benutzt,
in dem der spaerliche Besitz verstaut war.
Bemalt und innen oft mit Ausschmueckungen in der Art eines Poesie-Albums versehen.

Diese Einlegearbeiten waren sehr kunstvoll und wurden dennoch von jedem Dorfschreiner
bis zur Perfektion getrieben- mit teilw. geheimen Rezepturen,
die von Generation zu Generation weitergeben wurden:
Angefaultes Pflaumenholz gab Rottoene, Wassereiche schwarz, Hainbuche weiß,
Buchsbaum gelb, angemoderte Wurzelstoecke ergaben schoen geflammtes Furnier,
aus verpilzten Eichenaesten gewann man gruen, in Sand gebrannt, gebeizt und zigfach bearbeitet,
wurden feine, repraesentative Kunstwerke fuer Schraenke und Truhen, Tische und Tuerfuellungen.

Schraeg war die sozialen Schranken und Beschraenkungen,
die allzu praechtige Ausschmueckungen (auch Kleidung!) fuer "Normalos",
worueber die feinen Leute eifersuechtig gewacht haben..

Die wertvollen Trachten wurden selten gebuegelt und fast nie gewaschen ;)
Als die Schraenke auf kamen, hatte man endlich Platz,
alles schoen ordentlich der Art gemaeß zu lagern, damit der Faltenwurf erhalten blieb.

Bevor Wohn- und Schlafzimmer getrennte Einheiten wurden,
stand das praechtige Himmelbett der reichen Bauern und Herrn im Wohnzimmer, umgeben von Vorhaengen.
Jenseits dieser Prunkstuecke gab es Bankkaesten und Rollbetten, Wiegen und Truhenbetten,
sogar Hochbetten ueber dem Kachelofen..

Brautstuehle waren ein Teil der Aussteuer, wo der einheiratende Teil gewissermaßen Sitz
und Stimme im neuen Heim manifestieren konnte..

Der Drechsler uebernahm Feinarbeiten fuer die Stuhl- und Tischbeine,
Schrank- und Bettpfosten, Spinnraeder, aber auch grobere Dinge, wie Wagenradspeichen.

Polierte Moebel schickten sich fuer einen Tageloehner nicht und wenn dieser
noch so lange und hart dafuer gearbeitet hatte- das lies die soziale Schichtung nicht zu.
Besitzhierarchie zeigte den Stand.

Das Fachwerkhaus bestand aus Eichenholzbalken, die Regionen hatten
unterschiedliche Fachwerkhaustypen- erst ab dem 18.Jhd wurde Nadelholz zum Hausbau verwendet.

Verzierungen der Gefache- z.B. Kratzputze wurden auf das Geflecht des Gefaches aufgetragen
und mit Mustern versehen, die eingekratzt und anschließend ausgemalt wurden.

Die Zimmerleute haben zuvor bereits nach Wunsch Schnitzarbeiten und Inschriften der Balken gefertigt.

Mit der Verwendung von Tannen- oder Fichtenholz fielen die Schnitzarbeiten weg.

Mit der Verwendung von Schwemmsteinen (Bimsbeton) fielen die aus gesplissenen Eichenaesten
geflochtenen Gefach-Einlagen weg.

Die Dekore der Putze glichen oft den Truhenbemalungen im Haus.

In den Armutsgebieten - wir erinnern uns an die noch nicht vorhandene Bienenzucht,
die auch den Ertrag der Boeden beeinflußten- und ggf.
(dafuer gibt es wohl noch keine gesicherten Daten oder Forschungen)
die Ernten und somit die Wohlhabenheit der Bevoelkerung..
in den Armutsgebieten also wurden kleine Familienwerkstaetten als Hausindustrie betrieben -
ein Zubrot, das bitter noetig war.
Schindler, Loeffelschnitzer, Rechenmacher, Besenbinder, Seiler, Sieber,
Zigarrendreher, Weber, Schneider, Flickschuster, Kesselflicker und aehnliche Gefache wurden zu Hause gemacht,
von fast allen Familienmitgliedern.

Nichts ist sicherer als der Wandel- der Hufschmied wurde irgendwann ueberfluessig,
als die Autos und Traktoren kamen, heute ist er wieder gefragt, wo die Zahl der Hobbypferde sprunghaft angestiegen ist.
Aehnlich ging es Schmieden, Sattlern, Polsterern - Schreinern - manches geht,
manches kommt aber auch wieder neu auf.

Handwerk laesst sich nicht immer mit Maschinen machen, vielfach ist Handarbeit
durch nichts zu ersetzen, es gibt bei vielen Dingen keine Maschine, die den Handwerker ueberfluessig machen koennte:
Mauern, Fliesen legen, Ausfugen, Kabel legen, Verputzen, Dach decken, Fenster herstellen
(Maßarbeit), Treppen und aehnliche Dinge, die nur sehr bedingt vorgefertig werden koennen.

Im Hausiererhandwerk wurden die zu Hause hergestellten Waren verkauft, wie schon mehrfach beschrieben.
Von "Kinderarbeit" sprach damals noch kein Mensch.
Hochnaesige Studierte sprachen in unserer Zeit von "unangepasster Arbeit
ohne Rationalisation, ohne Kalkulation und unbelehrt",
sie schreiben davon, dass "viele dieser Handwerker nicht in der Lage waeren,
ueber die aufgewendete Arbeitszeit pro Gegenstand Auskunft geben zu koennen".
Wilhelm H. Riehl hat im 19.Jhd noch von "der Naivitaet der Armut" schwadroniert
- er war wohl der Vordenker jener heutigen Refa-Freaks..

Die Schindelmacher nahmen astfreies Holz - Buche, Foehre, Laerche oder Tanne -
die gesaegt und grob gespalten, dann keilartig mit dem Beil behauen wurden.
Anschliessend mit dem Zugmesser geglaettet und am dicken Ende mit einem
halbkreisigen Meißel abgerundet, ihre endgueltige Form verpasst bekamen.
Spaeter kam die halbmechanische Fertigung, die danach durch Asbestschindeln
abgeloest wurden, die heute als Sondermuell in Verruf sind.

Ganz schlecht im Ansehen war der Besenbinder- obwohl jeder mehrere dieser Produkte brauchte!
So mancher hat sich heute diesen "Job" als Hobby ausgesucht - bestimmt keine schlechte Idee..
Gemacht wurden die Besen aus Birkenreisig, das im Schuppen getrocknet wurde,
geschnitten und mit 3-5 geflochtenen Haselnußholzringen oder Drahtreifen zusammengehalten wurde.
Der Fichtenholz-Stiel wurde auf der Zugbank entrindet, am Ende angespitzt
und in das zusammengehaltene Reisigbuendel eingeschoben und befestigt.

Die Siebmacher bekamen duenn ausgewalztes Spanholz aus dem Bayrischen Wald,
dieses wird zylindrig gebogen, mit Drahtklammern gehalten,
oben mit feinmaschigem Draht bespannt- ein wenig groeßerer zweiter Ring festigte das Ganze.
Die Funktion der Siebe geriet ins Abseits, als Traktoren die Pferde abloesten und Hafer-
oder Haecksel nicht mehr gesiebt zu werden brauchten.
Andere Siebe wurden aus Blech und Draht, aber auch durch solche aus Kunststoff abgeloest.

Die Loeffelschnitzer arbeiteten mit einem halbkreisfoermigen Messer,
dem Dexel. Zugbank und Glaspapier, mit schleifen und polieren wurden die hoelzernen Loeffel gefertigt.
Ganze Familien arbeiteten daran, dass die Ware sackweise auf den Markt gebracht werden konnten.
Die Bezahlung war schlecht- aber immerhin konnte so in fast jedem 2. Haus ein kleines Zubrot verdient werden.
(Wir kaufen heute noch bevorzugt Kochloeffel, Pfannenwender und Grillzangen aus Holz.)

In Gebieten mit mageren Boeden war die Weide- und Futtergras-Wirtschaft die einzig denkbare Bebauungsform.
Die manchmal weiter abgelegenen Auen und Wiesen wurden zuweilen nur einmal im Jahr geerntet,
deshalb kam es sehr auf tuechtige
Helfer an, auf eine straffe Organisation, sonst ist der naechste Regen schneller da,
als das Heu in der Scheune eingebracht werden konnte.
Um Johanni, am 24. Juni, begann die Ernte, die Gruende wurden aufgetan,
dh. die Wiesen ohne Zufahrtswege wurden zuerst frei gegeben.
Zuerst maehten die Bauern einen breiten Weg mittig der Wiese,
damit die naechste Wiese dahin auch schnellstens abgeerntet werden konnte.
Bei 12 Morgen Gruenland wurden 14-21 Tage benoetigt - ein Morgen ist heute in einer halben Stunde abgemacht.

Die Aelteren erzaehlten noch froh, was doch das Heuen fuer einen schoene und saubere,
wenn auch anstrengende Taetigkeit gewesen war.
Festlich gekleidet ging man in die Wiesen, die Maeher mit den Sensen voran,
hinter jenen die Frauen mit Rechen, manchmal in weißer Erntekleidung.
Die Maedels legten gerne ein neues Kleidungsstueck an, putzen sich heraus-
es wurden Lieder gesungen, froehlich rief man sich Neckworte zu.
Jeder wollte den schoensten Rechen haben.
Die Großmutter brachte Kaffee und Kuchen und Mittagessen- keiner ging vor dem Abend nach Hause.
Das war eine hohe gemeinschaftsbildende Arbeit und Zusammenkunft.
Auch die Kinder halfen fleissig mit und trugen das Heu zu Haufen zusammen,
damit es leichter aufgeladen werden konnte.
Der Lader packte mit der Heugabel eine tuechtige Portion davon und stakte diese auf den Wagen,
klar, dass dieses vom staerksten Mann ausgefuehrt werden musste.
Hoch auf dem Wagen standen die Packer, die das Heubuendel mit den Armen fingen,
sicher auf dem Wagen aufsetzen und festtreten mussten.
Muehsam zu heiß ging es dabei zu.
Nach dem letzten Buendel wurde die Ladung gesichert durch den Wiesbaum,
ein langer glatter Stamm oder besser stabilere Stange,
wurde auf den Wagen gewuchtet um die Heulast zusammen zu halten.
Vorne am Wagen mit der Kuhkette festgemacht, hinten mit soliden Seilen,
die mit kunstvollen Knoten gehalten wurden.
Der Ehrgeiz der Truppe war ein hoher und gleichmaeßig beladener Wagen-
ein schief beladener haette schnell die Fuhre kippen lassen, wenn die Wege nicht ganz so eben waren.
(Keiner wollte zum Dorfgespoett werden, wenn der Wagen liegen blieb)
Abends war das Heu eingefahren und im warmen Heuboden eingetreten-
muede und staubig trank man danach gerne den sogenannten "Staubwein"-
auf kleineren Hoefen staerkte man sich mit Apfelwein und Hausmacher Wurst.
Das Bewusstsein der Arbeit und ihrer Wertigkeit hat sich heute doch sehr veraendert..

Die Maeher oder Senser arbeiteten in einem fast militaerisch anmutenden Rhythmus
mit gleichem weit ausholenden Schwung.
Die Sense ist als Erntegeraet schon seit vorgeschichtlicher Zeit bekannt und kaum veraendert worden.
Das Gras musste taufrisch sein, damit es besser fiel, das Sensenblatt haarscharf-
das Dengel-Geraeusch fuellte am Vorabend die Luft des Dorfes.
Waehrend der Arbeit wurde mit dem Wetzstein und dem Schlotterfaß
(da war Wasser drin, um den Schleifstein anzufeuchten) nachgeschaerft.
Dengelapparat, Schlotterfaß, Stuetze, Runge oder Lamper lauteten die Hilfsmittel.
Was den Maennern die Sense, war den Frauen der Rechen- der handwerklich aus Holz gemacht wurde.
Mit hoelzernen Zinken, gebohrten Loechern, doppelreihig angeordnet und danach schoen bemalt.

Dazu gehoerte freilich der Leiterwagen mit seinen vier
großen eisenbeschlagenen Holzspeichenraedern, gemacht vom Stellmacher,
ein wichtiger Dorfhandwerker.
Hans Sachs sang 1568:
"Ich mach Raeder, Waegen und Kaerrn,
Roll- und Reyswaegen fuer groß Herrn,
Kammerwaegen den Frauwn klug,
auch mach ich dem Bauwren den Pflug
und darzu auch Schleyfen und Egn,
Thu's als mit gutem Holtz verlegn!"

So ein Wagenrad war ziemlich aufwaendig herzustellen!
Die danach folgende Technisierung brachte eine Abloesung vom
handwerklichen Zuarbeiten- frueher waren Ernten Zeremonien,
heute sitzt der Bauer mit oelverschmierter Arbeitshose auf dem Traktor, der schon vieles fast wie von selbst macht..

Die Trachten haben sich ueberlebt, sie sind weitestgehend ausgestorben,
weil die Tradition nicht nur die Art der Kleidung,
sondern auch die staendebewusste Gestik und Bewegung vorschrieb.
Heutige Trachtenvereine haben den sozialen Hintergrund nicht mehr,
sondern nur noch die Ausstattung, trachtenaehnliche Ausstattungen
aus dem Bayrischen oder Alpenlaendischen, sind eher Modeartikel als diese extrem aufwaendigen
und vielschichtigen Ausstattungen der Tradition, wo sogar die Rhythmik des Gehens vorgeschrieben war.
Das An- und Abkleiden war eine laengere Zeremonie mit vielen Roecken und Tuechern,
mit noch mehr Nadeln und Klammern,
mit kunstvollen Frisuren und Hauben darueber.
Die Naeherin war hoch angesehen, bekam aber wohl nicht viel Geld fuer ihr Muehen,
obwohl sie fast die Funktion eines Zeremonienmeisters hatte, in die Tracht einfuehrte,
nach Sonderwuenschen aenderte und anfertigte,
bis zum letzten Ausstatten der Gestorbenen.
Die Trachten waren von Region zu Region unterschiedlich,
zuweilen sprach man katholischer und evangelischer Tracht,
was aber eher daher kam, dass der Landesherr diese oder jede Religion betrieb oder vorschrieb.
Ich meine herausgelesen zu haben, dass eher die Region, die Sippe selbst
der Grund fuer die vielen unterschiedlichen Trachten war, die gehegt und gepflegt wurde.
Heute kann sich wohl niemand mehr vorstellen, die Klamotten der Mutter
oder Grossmutter aufzuheben- geschweige denn diese anzuziehen,
wenn ein Festtag oder Kirchgang oder Hochzeit etc. ansteht..

Tracht kommt von "tragen", Gang, Gestik, Mimik und Frisur gehoeren zusammen!

Die Trachten der Maenner naeherten sich gerne den militaerischen Vorbildern -
Frauen sahen das wohl schon immer gerne.

Rhythmisches Schreiten gehoerten zur Tracht, aber auch die baeuerliche Besitzstandshierarchie,
eine unnachgiebige Moral, die eine arme Person nie durchbrechen durfte.
Das wirft doch schon einen argen Schatten auf die gute alte Zeit!



Geschichtliches


Feste und Maerkte in der Stadt und auf dem Dorf.

Dazu muss wohl ein Vorwort sein:
Die studentisch ideologisierten Verbraemungen gegen jeglichen Volks- oder Brauchtum,
das spoettisch und hochnaesig alles verachtet, was nicht auf dem Campus war,
uebersieht naseweis die Religion und ihre Feste geflissentlich,
die jedoch schlicht aus dem Grunde geduldet wird, dass man die "Massen" bequem am Nasenring
der Dauerhirnwaesche herum gefuehren kann,
man will den "Gemeinen" noch immer gerne an den Eiern halten, zur Bewegungslosigkeit verdammt,
ehe dieser aufmuckt gegen die "denkende" Kaste, die sich hemmungslos selbst bedient-
mit "ein wenig" fetterer Kost, als das mit der Haende Arbeit jemals erreicht werden koennte..
Es wird dringend Zeit, dass dieses haessliche Uebergewicht beseitigt wird;
niemand ist mehr wert als der andere, keine Arbeit wertvoller- ob theoretisch oder praktisch getan.
Bisher drehen Theoretiker jedes Wort im Halse der Kritiker herum,
schreiben Buecher darueber und statuieren auf diese Weise Gesetze und Verordnungen,
die immer denen helfen, die eh schon genug auf der "hohen Kante" haben,
Spekulanten, Anleger, Bankster, Grossunternehmer, Akademiker - die neuen Adligen.

Doch nun zu den belaechelten Volksfesten:
Frueher gab es nur sehr wenig Zerstreuung nach harter Arbeit, deshalb hat das "Volk" jeden Anlass
genutzt, um ein wenig "ueber die Straenge zu schlagen"- klar und verstaendlich gesagt.

Heute sind Volksfeste eher Kommerz und Vereinsfeste eher Repraesentationen der Vereine,
die mit ihren korintischen Statuten laengst einer Behoerde eher gleichen,
als eine Amusement im Freitzeitbereich- alles wird mit dem "noetigen Ernst" gemacht,
alles ist Wettbewerb und Hackordnung mit Eifersuechtelei.

So spielt jede Pfeife "Hauptmann", wenn sich die Gelegenheit
zu diesem "Aufstieg" in der Schuetzengarde bietet,
wer sonst nichts zu melden hat, kann endlich auch mal schneidig auftreten!
Dschinderassassa und tabumm !

Der urspruengliche Grund eines solchen Festes, die Unterhaltung und Bewegung
und Zerstreuung tritt vor der gegenseitigen Huldigung , dem Protokoll und dem Kampfsaufen in den Hintergrund.
So mancher "Menschenfischer" aus den Parteien geht auf solche Veranstaltungen der Vereine,
gibt ein Faesschen Bier aus und erwirkt sich so seinen Ablass- und die Stimmen.
Aehnlich wie die "liturgische Ordnung" ist heute die Freizeit straff geregelt und organisiert:
Heisse Luft, Getoese, Luftnummerntum.

Die eigentlichen Feste waren damals in den Spinnstuben, beim Erntefest,
beim Richtfest, beim Waldfest, beim Schlachtfest etc. alles was von privat denn von oben kam.

Die richtig alten Volksfeste und Festlichkeiten stammen aus der Aera des kargen Landlebens,
wo man noch froh war, genug zum essen zu haben, ein Dach ueber dem Kopf, etwas Kleidung zum wechseln..
auf diesen Veranstaltung gab es endlich mal etwas mehr, man achtete nicht auf den Pfennig.
Tradition ist immer so ein Wort, das auch noch recht regional zu sein scheint -
solange das ohne grossen Pomp gemacht wird und jeder fuer sich selbst verantwortlich bleibt,
wie das frueher war, braucht man keine einengenden Gesetze.
Heute: Wehe, wenn es einem von den selbstgemachten und bei diesen Anlaessen gereichten
Salaten oder Kaesekuchen schlecht wird und die Gesundheitsbehoerde gerufen wird !
(Man beachte dazu die entsprechenden Vorgaben, dann brauche ich nichts weiter an dieser Stelle auszufuehren)

Gerade heute habe ich mit einer aelteren Einwohnerin darueber gesprochen,
was sich wohl gegen frueher geaendert haben mag, dass die Menschen so stolz geworden sind.
Ihre Antwort: Frueher hielt man eher zusammen, nur aus den direkten Nachbarorten kam man-
zu Fuss- zu den Festen, alles war sehr viel sparsamer und genuegsamer,
keiner musste vor dem anderen mit einem dicken Wagen oder "Job" protzen..
Aber auch damals gab es schon Duenkel- von der Bauernschaft gegen die Arbeiterschaft-
heute geht der Duenkel von den Studierten gegen alle anderen-
nur vor den Unternehmern und Bankern wird gekuscht - das gibt ein ungesundes Festklima!

Was sind also "Feste"?
Ich denke, es waren Ventile, aus denen der angestaute Druck ein wenig heraus konnte.

Fasching oder Fasenacht oder Fastnacht stammt aus alten Zeiten und sollte den Winter austreiben.
Die Sitte des Einsammelns hat wohl auch noch den Hintergrund,
an die "Zinsabgabe" an den Fuersten oder an das Kloster zu erinnern.
Das waren oft Naturalien, die den Zehnt bildeten.

Am Fastnachtsdienstag gingen dann immer 4 oder fuenf Burschen
um eine Springerfigur geschart von Haus zu Haus und sangen:

"Helau ihr Leut und auch Hurra, die Fastnachtssinder, die sind da,
nach der Sprungtanz ist vollbracht, sammel wir zur Fasenacht
Eier und Speck und dies und das, ich bitt euch sehr gibt uns etwas! Helau!"

Nachdem die Beute eingesackt war: "Hast gut gemacht, hast gut gemacht, drum werste auch nicht ausgelacht!"

Am selben Abend wird das Strohfeuer verbrannt und das Ende der
lustigen Tage eingelaeutet mit einem lockeren Vers.

Am Aschermittwoch folgt eine Art Leichenmahl, der große runde Kuchen aus Brezelteil,
der waehrend des ganzen Springerzuges herumgetragen wurde,
kommt zur Verteilung. Am Sonntag nach der Fasenacht ist Hutzeltag-
dort sammeln die Schuljungen Brennmaterial fuer das Bergfeuer mit einem Spruch ein.

So wird allerlei Brennbares auf einen Haufen getan,
wo zuweilen auch alte Autoreifen dabei gewesen sein sollen -
welcher Ort hat das groeßte und schoenste Dorffeuer?

Die Winterwende ist wohl schon sehr frueh aehnlich gefeiert worden.

Wer am Sonntag zum Hutzelessen Brezeln und Wein zu einem Maedchen mitbrachte,
galt als fest gebunden, wie verlobt.

Hutzeln sind getrocknete Birnen, die an familiaere Gebundenheit erinnern sollten.

Der Osterbrauch -das hat jeder schon mal gehoert, kommt von der "heidnischen" Goettin Ostara -
und das war eine Fruchtbarkeitsgoettin.
So erklaert sich der Brauch, Eier zu verschenken, von ganz alleine.
Eierbemalen, Malerinnen, bis zum Bezug auf den Bund zwischen der Goth oder Tante,
die ihren Obolus an die Patenkinder gab, ist jede Bedeutung interessant.
"Ich weiß ein Faeßchen wohlbekannt,
hat keinen Boden und kein Band,
es ist kein Zapf- und Spundloch drin,
und doch ist's voll von Anbeginn,
es wachsen Fleisch und Blut darin,
man braucht es mehr als einmal nicht,
und leer wird's nur, wenn man's zerbricht.!"

Die ehemaligen Abgabenpflichten waren auch an Kuester, Totengraeber,
Hirten oder Schaefer zu entrichten, deren Anteil am Lohn direkt gegeben wurde-
das Eiersammeln gehoert gewissermaßen als Reminiszenz in dieser Richtung eingestuft.

Wie schon erwaehnt, wurden eben diese Speck und Eier - Gaben von den Kindern
und Jugendlichen eingesammelt und unter den regional unterschiedlichsten
Bedingungen "verwertet" - als eigene Beute, ueber die nach Gutduenken verfuegt werden konnte.
Fuer junge Leute ein seltenes Ding.
So wurden Ostereier ausgeblasen und auf lange Schnuere gezogen,
ueber die Straßen gehaengt oder Baeume damit verziert- je nach Region.
Aus dem Bayrischen kam der Maibaum dazu, aus den Regionen der Nachkriegszuwanderung
oder von den Fluechtlingen kamen nochmal andere Sitten-
Hessen ist und war schon immer Mittelpunkt Europas, hier trafen sich allerlei Voelker.
Manche blieben, manche zogen weiter - von jeder Sorte blieb etwas haengen.
Die Religion hat immer versucht christliche Wurzeln aus den sehr viel aelteren Braeuchen zu stricken.
Dazu zaehlt das Weihwasser, der Weihrauch, der Altar,
die dumpfen Toene in der Kirche, die Zeremonie, die sie "Liturgische Ordnung" nannten,
die Konfirmation- die aus Mannbarkeitszeremonien entstanden sein koennten,
Handauflegen, Beschwoerungen, Anbeten, feierliche Gestik und Mimik,
bis zu kultischen Gefaeßen und Getraenken und Speisen- das sektiererische Schamanentum
der Pfarrer und Priester in ihren seltsamen Gewaendern -
die lange Jahrhunderte eine Sprache sprachen, die kaum ein Mensch verstand- Latein.
(Vermutlich hat nicht einmal der Religionsstifter Jesu aus Nazareth Latein verstanden -
und wenn, waren das bestimmt nur Bruchstuecke, damit er sich mit den Besatzern irgendwie verstaendigen konnte.
Aramaeisch oder Haebraeisch mit ein paar Brocken Griechisch wird wohl dort gesprochen worden sein.)
Der Osterhase, Nikolausi, das sueße Christuskind oder maedchenhafte Weihnachtsengelchen,
der Brezzelbub und Kerubime- irgendwie musste das Volk bespaßt oder beaegstigt werden,
damit die Aufmerksamkeit sicher war.
Die griechischen Sagen sind bekanntlich nicht ohne und das Orakel von Delphi
wird kein Einzelfall gewesen sein, wo bekiffte "Seher" ihre Erlebnisse niederschrieben..

Wie auch immer- diese Gaben der Paten an ihre Patenkinder als Zeichen der treuen Verbundenheit,
des Schutzversprechens, wenn den Eltern etwas zustoßen sollte,
ist schon sehr viel aelter als jede bekannte Religion.
Im 19.Jhd setzte jedoch ein heftiger "soziopsychologischer" Wandel ein:
Der Stolz der Ueberlebenssicherheit und relativer Wohlhabenheit lies den Ursprung solcher Traditionen verwaessern.
Die Geschaefte griffen die Themen auf, aus anderen Kulturkreisen kamen neue "Feste" dazu,
Halloween, Muttertag, Vatertag, Weltnudeltag und wer weiß was sonst noch
erfunden worden ist, um "Quote" oder schlicht um Umsatz zu machen.
Schon aus dem alten Rom wurde in der Art berichtet:
"Mir ist gleich, welche Religion mein Volk ausuebt, sie sollen mir, dem Kaiser huldigen, wenn ich es will"
Oder: "Um die Tempelanlagen herum waren ueberall kleine Haendler,
die Votiv-Figuren und Gaben feilboten, die dann den jeweiligen Goettern geweiht wurden"
Das Dekorationsbeduerfnis und das Geltungsbeduerfnis und das Opfer einer Spende
zum Wohlwollen der Goetter - alles ist schon mal da gewesen.

Die Burschen bekamen als Liebesgeschenk bemalte Eier von den Maedchen - oder ein faules,
wenn das Werben erfolglos war.
Eier wurden mit allen nur denklichen Kunstfertigkeiten gefaerbt, bearbeitet und geschmueckt,
mit den Dingen der Natur,
in der neueren Zeit kamen Kunstfarben auf, Eier faerben wurde nur noch gemacht,
wenn Kinder im Haus waren - oft genug werden die Ostereier fertig gefaerbt im Laden gekauft.

Die Kirche hat auch den Mai aufgegriffen und mit dem Pfingstfest das alte Laubfest
der Urvoelker ueberbaut oder in ihrem Sinne kanalisiert.
Der "Wonnemonat" sollte auf keinen Fall ohne klerikale Fuehrung bleiben-
geschwind wurde noch ein wenig dazu gestrickt.
Die "Burschenschaften" kommen damit ins Spiel, zuweilen seltsame Gruppierungen
von jungen Maennern, die -so denke ich- aus den Wandersburschen der Handwerkszuenfte erwachsen sind.
Studenten schmiedeten gerne Geheimbuende in der Form von Burschenschaften der Intelligenz,
selbst wenn ihnen jegliche Lebenserfahrung abging.
Geheimbuende von Erwachsenen Maennern gab es dagegen schon sehr viel laenger -
ob dabei ebenfalls Zuenfte eine Rolle spielten oder ob es sich dabei um fruehe "Seilschaften" ging,
kann ich nicht beurteilen.
Nur soviel ist klar: Auch heute noch sind letztere Vereinigungen federfuehrend
ihre Mitglieder in entsprechende Positionen zu pushen.
Die Studenten sangen gerne: "Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit" -
sie meinten damit aber stets nur ihresgleichen, niemals Mitmenschen "niederen Standes",-
Frauen schon mal ganz und gar nicht- weshalb ich hier von reaktionaerem Denken sprechen moechte..

Die Nationalsozialisten griffen solche Sachen freilich auf, das war nicht zu verdenken,
wenn sie die Macht erobern wollten-
wohin aber solches Elite- oder elitaere Denken fuehrt, ist uns allen bestens bekannt-
mit Sicherheit nicht zu "Freiheit, Gleicheit und Bruederlichkeit"!

Damit keine Mißverstaendnisse aufkommen: Ich mag weder Fahnen- noch "Hymnen" -
oder sonstigen Pathos, egal von wem auch immer betrieben..

Noch ein seltsames Ding aus der Vergangenheit bezueglich des Brauches,
"Maedchen zu versteigern", was wohl nicht so bierernst gemeint war,
aber in folgenden Zeilen recht gut zu verstehen ist:

"Die Versteigerung wird meistbietend auf die Maedchen des Dorfes durchgefuehrt.
Mit der Ersteigerung verpflichtet sich der Steigerer, die Grundstuecke,
die in der naehe des Berges Horeb liegen,
oefters nachzusehen und zu ent- und bewaessern
und gruendlich zu reinigen.
Bei starkem Graswuchs ist der Friseur zu bestellen, um Abhilfe zu schaffen.
Der Steigerer ist weiterhin verpflichtet, mindestens zwei mal woechentlich die Milch nach oben zu pumpen.
Fuer Nachtschaeden haftet das Versteigerungskomitee nicht.
Es ist jeder auf sich selbst angewiesen und fuer entstehende Nachtschaeden haftbar.
Bei vorkommenden Einzelschaeden ist der Steigerer verpflichtet, sich am Standesamt vorzustellen
und evtl. nach 9 Monaten die Hebamme zu unterrichten!"

Wie auch immer- ob nun eine Weinkoenigin oder eine Maikoenigin gewaehlt wurde,
war das immer der Hoehepunkt jener Party, die das Volk als Zerstreuung liebte.
Wie auch immer- Bier und Wein flossen zu allen Zeiten in Stroemen,
die jungen bekamen ihre Chance einander kennen zu lernen,
was bei den langen Arbeitstagen sonst kaum denkbar war.

Der Unterschied von frueher zu heute ist schon daran zu sehen:
Wenn heute jemand zu Fasching den sammelnden Kindern Eier schenkt,
landen diese im Straßengraben oder schlimmsten Falls an der Hauswand..
Trotz viel besserer und viel laengerer schulischer Bildung, trotz allen Fortschritts,
sind die Kids ganz klar duemmer geworden.
Woher kommt das? Nun, vermutlich deshalb, dass sie nichts eigenverantwortlich an Pflichten
in Haus und Hof uebernehmen muessen,
sie werden von Personal unterrichtet, das in vielen Faellen ziemlich auffaellig ist,
um es mal vorsichtig zu formulieren.
Sie werden von Eltern durch Gaben verzogen, man kauft sich frei von der Verpflichtung,
den Kindern vorzulesen, sie in der Natur anzuleiten,
alle so zu erklaeren, dass die Kinder die Dinge altersgerecht aufnehmen koennen.
Brutale Aufklaerung ist da eher zur neuerlichen Diskriminierung
der Frau und auch des Mannes angetan, als zum Verstaendnis fuer das Wunder der Natur.
Viele moderne Sachen bedeuten Fortschritt- oder eher Weiter- oder Wegschritt?
Viele Sinnlosigkeiten und Tand verdrecken die Welt -
durch extreme Techniken aus der Wissenschaft sind wir -leider-
keinen Zentimeter weiter in der Entwicklung..
Heute koennen wir rund um die Welt fliegen, da spielt es keine Rolle,
wieviel Sprit das Flugzeug verbraucht und wieviel der Atemluft dabei verdreckt wird.
Die Wissenschaft ist laengst dabei, die Schluessel der Bauplaene aller Lebewesen zu "patentieren"
- eine neue Religion tut sich auf,
der Glaube an die Allmacht der Technik hat laengst den anfaenglich kaiserlichen Gottkomplex Wirklichkeit
werden lassen- oder ist da noch eine Religion,
der Glaube an die Allmacht es Geldes, das alles und jeden zu verhuren scheint,
sogar die Achtung vor der Gestalt der Mutter?

Nun bin ich inzwischen wohl der letzten Mittler-Generation angehoerig,
die noch ein wenig von den alten Braeuchen erlebt hat.
Den Jungen sei gesagt, dass sie die Welt eher verstehen werden,
wenn sie die Urspruenge und Gebraeuche irgendwann einmal erfahren haben oder lesen konnten.

Wie schon mehrfach angedeutet, war und ist Hessen immer ein Durch- und Einwanderungsland gewesen-
was sich heute noch genau so zeigt.
Ob nun in ganzen Gruppenschicksalen, die durch Vertreibung oder Fluchten kamen,
oder als Einzelschicksale zu uns kamen,
ist und war immer klar: In einer Gruppe bleibt man fremd,
als Einzelperson muss man sich an die neue Heimat und ihre Menschen anpassen.
Vom Staat im Staat halte ich nichts, Fremder unter Fremden wird immer fern der Heimat sein;
Heimat ist dort, wo man sich wohlfuehlt, man zuhause ist.
(Zuhause gibt man sich nicht absichtlich fremd)
Die Industriestadt Wetzlar, eine der groeßten Gastarbeiterzonen Deutschlands,
hat da viele Fehler gemacht und die neuen Menschen abgeschottet-
oder diese Ersatz-Arbeiter haben sich als "Gast"-Arbeiter,
die wieder in ihre Heimatlaender zurueck wollten, gefuehlt.
Angepasst hat sich diese Gruppe kaum oder sehr schlecht, sieht man von ein paar Einzelfaellen ab.
Noch frueher, im 17.Jhd waren Wanderarbeiter aus armen Bergdoerfern durch ganz Europa ziehend unterwegs.
So zum Beispiel norditalienische Maurer, Suedtiroler,
die einen ganz neuen Stil und Schwung ins Handwerk brachten.
So starr, wie Tacitus dereinst als roem. Geschichtsschreiber von den Chatten erzaehlt,
dass diese ein "tapferes germanisches Kernvolk,
ebenbuerdig mit den roemischen Gegnern" waren, "gradlinig und ernsthaft",
aber "schwerbluetig und beharrlichen Sinnes" -
ist nicht gleichbedeutend mit Feindlichkeit allem Fremden gegenueber,
solange das Fremde selbst nicht abweisend oder zurueckweisend ist.
Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus !

Vertriebene Hugenotten und Umsiedler aus dem Sudentenland, Schlesien,
Ungarn, Rumaenien, Jugoslawien bildeten den 6. Teil der Bevoelkerung 1950.
Heute kamen noch sehr viel mehr dazu- Gastarbeiter aus ganz Europa,
Russlanddeutsche, Wolgadeutsche und Fluechtlinge aus dem Iran, Afghanistan,
Syrien, Irak, Marokko bis zu den Laendern aus der Mitte Afrikas,
die als Asylanten vor ihrer eigenen Kultur flohen.

Schon vor 300 Jahren sind Bauern -die spaeteren Donauschwaben-
von den Habsburgern abgeworben worden, um die verwuesteten Gebiete an der Donau neu zu kultivieren-
dort hatten die einfallenden Tuerken ganze Arbeit geleistet - sind aber vor Wien gescheiteter,
wie wir aus dem Geschichtsunterricht wissen.

Heute kraeht der Muezzin vom Orient bis zum Occident.. zumindest fast,
es wird eine Frage der Zeit sein, bis Allahs Ruf dem der Kirchenglocken gleichgestellt ist..

Die alte Tradition reicher einheimischer Gutsbesitzer,
auf den Daechern und Stallungen Tonfiguren aufzusetzen um ihren Wohlstand anzuzeigen,
oder als Schutz vor Feuer und Katastrophen, war lange ausgestorben.
Heute sieht man vereinzelnd witzige Schlafwandler oder Haehne oder Katzen
auf den Neubauten hocken..
Die Einwanderer brachten viele Errungenschaften und handwerkliche Fertigkeiten mit,
vom Kloeppeln bis zur feinen Stickkunst, Weinbau und vieles mehr.
Der oekonomische Zwang lies die Eingliederung der "Fluechtlinge" auf jeden Fall
besser und schneller geschehen als heute, wo jeder "Anspruch" auf "Stuetze" hat.

Letztlich denke ich nicht, dass "Vorurteile" in der Bevoelkerung Hessens
maßgeblich fuer eine Ablehnung bestimmter Gruppen sind,
sondern eher deren eigene ablehnende Haltung, gegen die Kultur
und gegen die freie Gesinnung der Menschen des Ziellandes - ein Unding.
Nach unserer zwangsdynamischen Multikultitruppe mit ihrem seltsamen
"sexuellen Orientierungen" und der zwanghaften Ablehnung von allem was irgendwie deutsch ist,
wird sich die Normalitaet wieder durchsetzen, denn ewig kann man den Leuten den Mund nicht verbieten.
Die heutigen Generationen haben mit Greueltaten des WKII nun wirklich nichts mehr zu tun,
deshalb kommt mir das Wundenstochern wie ein Instrument zur Durchsetzung der Ziele jener obigen Gruppe vor.



Geschichtliches


An dieser Stelle wird vom Zisterzienserkloster Eberbach erzaehlt,
wo von 1498-1506 ein besonders fleissiger Schreiber Abt war.
(Als Beispiel eines wohlhabenden Klosters, es haette auch ein x-beliebiges anderes sein koennen)

Wir als Wanderer sind dort auch schon gewesen und haben uns vom Haupteingang nur
in den Hof getraut, sind dann aber ganz geschwind durch den Park zum
Nordausgang wieder entwichen- die Anlage war derart abstoßend
protzig in der Wirkung, dass der Durchmarsch fast wie eine Flucht gewirkt haben muss..

Geboren 1460 in einer Schoeffenfamilie begann Martin Rifflinck nach seinem Studium
eine sehr steile Karriere in seiner Religion.
(In einer spaeteren Auflistung der Aebte stand "exima gente natus", dh. er entstammte aus vornehmer Familie.)
Rifflinck kommt von "Reifling" und bezeichnet einen jungen, "zur Fortpflanzung bestimmten Rebstock".

Der Martin stellte sich spaeterhin selbst als "reverendus pater dominus Martinus abbas" vor..

Seine "advocatissa war die von ihm angerufene Heilige, die Koenigstochter Katharina von Alexandrien,
die Schutzpatronin der Mueller, Stellmacher, Schiffer und der Gelehrten.

Alle Rifflincks waren Schoeffen zu Boppard, schon im 13.Jhd. -
der Martin betrieb eine kleine Sammlung seiner Familiengeschichte,
in welcher ein Heinrich Rifflinck Gueter an das Kloster verschenkte
und dem Kloster eine Pitanz dergestalt schenkte,
dass zur ueblichen Konventskost jaehrlich zwischen Weihnachten und dem 28. Dezember eine "auf ewige Zeiten" ausgesetzte Kaesespende zukam.

Seine "Vorstellung" war recht drastisch mit einem Spruch aus Hiob:
"Ich bin juenger an Jahren, ihr aber seit die Aelteren.
Deshalb habe ich mein Haupt gesenkt und mich gescheut, euch meine Meinung kundzutun"
Liest man diesen Hiob aber weiter, so heißt es:
"Die Betagten sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen nicht, was das Rechte ist.."

Der Martin schrieb immer in kursiver Gothik und leitete bald das Kloster Eberbach,
das 14 Frauenkloester und div. Nebenbetriebe unter sich hatte,
mit eigener Krankenabteilung mit mehreren Zimmern und eigener Kueche und Huehnerhof.
Dieses Gebilde war mit Senat aus zwei Ebenen ausgestattet.
Das Kloster bekam staendig neue Besitzungen als Schenkungen dazu,
weil jeder Wohlhabende so heilig wie denkbar bestattet und bebetet werden wollte..

Als Beispiel nur ein Fall: Von Abt Johann kam die Mitgift der Besitz seines Stiefvaters,
dem Schultheißen von Braubach dessen Haus und Hof,
in Boppard mit dem Patronat der Walpurgiskapelle dem Kloster Eberbach zu..
unnoetig zu erwaehnen, dass dabei wohl genug Weinhaenge zugehoerig waren.

Er bekam spaeter eine zweigesichtige Grabplatte- aber zuvor ist wohl noch einiges zu nennen..

Nun gemach: Der junge Martin erlangte seinen akademischen Grad
auf einem Ordenskolleg und wurde bald in das "hektische Rotationsprinzip
des Klosterstaates eingebunden", wie es heißt.
Nach 2-3 Jahren konnte man den "baccalaureus artium" erlangen,
den "arcium liberalium" hinterher, was durch den Zusatz "determinator" als Abschluss anerkannt wurde.
In einer Inkunabel-Ausgabe eines Buches ist das belegt. (Erstausgabe)
Erst Infirmar, dann Censuar, Gemeindepfarrer und 1498 Abt.
Eine steile Karriere, fuerwahr.

71 Moenche, 31 Konversen und ein zahlreiches personelles Umfeld in den Hoefen,
die zugehoerig waren - ein richtig kraeftiges Wirtschaftssystem,
wenn man die noch zutiefst mittelalterlich gepraegte Struktur und Froemmigkeit bedenkt.

Er war zwar nicht so lange im Amt, das aber sehr gruendlich
und als geradezu begeisterter Buchhalter und Schreiber, weshalb so viel -
gerade von ihm - ueberliefert ist.
Alle Schaetze des Hauses und auch die umfangreiche Reliquienausstattung,
aber auch die wirtschaftlichen Gegebenheiten und Resultate wurden akribisch aufgeschrieben.
Der Martin tat viele Reisen - zu den Frauenkloestern und wohl auch zu Konventen und Messen,-
um die 1,5 Millionen Liter Wein an den Mann zu bringen, die im Kloster zum Verkauf standen ..

Es ist nur logisch, daß der Martin auch die Burse unter sich hatte,
die als strikte Anordnung ausgab -
nur nach Gegenzeichnung des Abtes groeßere Betraege aus der Klosterkasse zahlen durfte.
Nicht jeder Kloster-Insasse konnte schreiben - bei den Zisterziensern blieben Laien
und Konversen von der literarischen Bildung ausgeschlossen.
Der Martin und ein paar hohe Mitbrueder nennen sich "artium liberalium determinatoren", weil sie studiert sind.
Das Kloster besaß damals ein eigenes Studienhaus in Heidelberg!
Es heißt, dass "die Herren des Klosters Eberbach viel Wert
auf Repraesentanz und Bequemlichkeit" legten und mit luxurioesen Teppichen ausgestattet waren.

Bei den geringeren Bruedern ging es sparsamer zu, die Konversen und Servi nochmal aermer,
sie lebten zu zweit in einem Zimmer-
ein Servitor war wohl den Kaplaenen gleichgestellt und hatte 2 Kammern und eine Stube,
die Servi waren dienstbare Geister, wohl eine Art maennliche Zofen.
(Das unterscheidet sich nun nicht gerade von den heutigen Zustaenden in der Wirtschaft- oder?)
Als Ablenkung - wie oben angedeutet -
waren die Wahlen der Aebtissinen der Frauenkloster immer ein Anlaß zu Reisen - fuer die Bequemlichkeit
sorgten die "servitor abbatis", der Koch, der Kellermeister und der Stallmeister etc.
Genau wie bei den weltlichen Fuersten.
Ein kompletter Senat und Aeltestenrat als Beratungsinstanzen standen zur Seite -
letzterer war wohl ein Konzentrat der Entscheidungsebenen als schnelle Instanz
des ansonsten eher schwerfaelligen Konventes.

Immer wieder traten Maenner aus der Gegend ins Kloster ein und brachten Weingueter mit.
Durch raffinierte Gebietstausche wurden die Besitztuemer zusammen gelegt.
Schon um 1230 ist ein Vorgang belegt, bei dem das Kloster seine Besitztuemer
mit einem Schlag verdoppeln konnte, weil Eheleute sieben Weinberge vermacht hatten -
unter dem Nutznies, solange jene lebten.
Es gab auch umgekehrte Schenkungen, bei denen das Kloster Ertraege an den Schenker
fuer den Rest seiner Tage ableisten musste.

Die Moenche standen wohl in hohem Ansehen, sonst waeren derartig viele Schenkungen nicht denkbar gewesen.

1525 kam der Bauernkrieg, der das Kloster in eine schwere wirtschaftliche Krise stuerzte,
die bis ins 17.Jhd dauerte.
"durch krieg brant, tewrong, misswachs und andere der gleichen ungefell
und Widdrigkeiten verarmt und verschuldet"
begehrten die Bauern gegen die hohen Zinsen Renten und Guelden an das Kloster auf.
Die Niederlage der Bauernheere gegen die Fuersten beendete
auch die fuer das Kloster Eberbach gefaehrliche Lage.
Die Bauern zahlten ihre Buße von 2000 fl an Kriegslasten gegen sich selbst.
Aber auch das Kloster wurde arg gebeutelt und erheblich beschaedigt-
an den Fuersten mussten beste Wein-Lagen abgetreten werden.
Dennoch verzeichnete man im Jahr 1605-7 immerhin noch 112 Wingertparzellen in 35 Lagen,
die an 60 Paechter verliehen waren..
Der Eberbacher Hof in Boppard bleibt dem Kloster und den anderen Winzern
von der Mosel- das Zentrum des Weinhandels, der z.T. in eigenen Schiffen -die in Koeln lagen-
den Rhein abwaerts in die Niederlande,
England und in den Ostseeraum in skandinavische Laender ging.
Das Kloster hatte in Boppard im Jahre 1505 mal eben an Rot- und Weißwein umgerechnet 430 hl gelagert.
Es ist wohl belegt, dass zwischen 15-40 Fuder im Hof gekeltert wurden und in Faesser kamen.

Im Kloster war reges Treiben durch das staedtische Handwerk, Faßbender,
Schlosser, Metzger, Baecker und Zimmerleute,
alles Arbeitgeber fuer Tageloehner.
Der Hof Eberbach war immerhin so groß, daß er zusaetzlich als Herberge genutzt werden konnte.
Weinkaeufer, Rheinreisende und Pilger, aber auch noble Gaeste wie Bischoefe kehrten hier ein.
Der Hof hatte eine Kapelle, die mit reichen Ablaßprivilegien ausgestattet war,
hier konnte man seine Spenden loswerden ;)
So war, alles in allem hier ein Ort fuer das leibliche und seelische Wohl raffiniert kombiniert -
das Kloster selbst hatte Ruhe vor dem Trubel.

Freilich wurden auch durchreisende Klosterangehoerige verkoestigt -
man war gewissermaßen auf den Weintourismus mitsamt Seminaren eingerichtet.
So war auch die umfassende Einrichtung der Anlage eingerichtet.
Zur Weinlese entsandte der Abt nur ganz zuverlaessige Mitbrueder..

Das Kloster hatte auch eine umfangreiche Bibliothek,
wie viele damalige Kloester- das besondere daran war, die Anordnung der 24 Lesepulte
und die beidseitig des langen Saales befindlichen Fenster, die viel Licht boten.
Hunderte von massiven Waelzern mit Holzeinband und Eisen-Oesen,
durch welche Ketten gezogen und am Pult befestigt waren, bildeten den Eindruck dieser Anlage,
die aus einer kleinen und einer großen Bibliothek bestand.
(Letztere war jene mit den angeketteten Buecher, wie ich das verstanden habe)

Das wichtige Amt des Sakristans war in Eberbach in drei Stufen geteilt,
eine Vielzahl an liturgischen Diensten war zu betreuen-
in der Klosterkirche waren alleine 34 Altaere !

Die Ringmauer um das Kloster selbst- nicht etwa die dazu gehoerigen Hoefe-
war 1100 Meter lang, mit zwei Toren!

Eine eigene Gerichtsbarkeit, Kerker und Strafordnung war schon von den Benediktinern bestens bekannt.
Auch Klosterbrueder hatten wohl "fleischlichen Verkehr "contagium canis" -
und somit allen Grund zur Buße.
Der Martin schreckte wohl vor der Verhaengung schwerer Strafen keinesfalls zurueck..

Zisterzienser hatten ihre Zentrale in Frankreich, in Citeaux - wo jaehrlich ein "Generalkapitel" stattfand.
Jeder Abt mußte verpflichtend daran teilhaben und versuchte
sich wegen der gefaehrlichen Zeiten davor zu druecken-
so auch "unser" Martin, der Held der Geschichte.
Neben zahlreicher Gefahren der Straße waren finanzielle Gruende
der Antrieb, mit allerlei kunstvoll geschwungenen Ausfluechten davon los zu kommen,
auch wenn das Kapitel Strafandrohungen ausstieß.
In einem seiner vielen Entschuldigungsschreiben bat er auch darum,
bei Visitationen ausserhalb des Klosters Fleisch essen zu duerfen
und um Verkaufsgenehmigungen einzelner Gueter nach, die zu wenig abwarfen.
Im gleichen Zuge wurden im Kloster umfangreiche Bauarbeiten in Auftrag gegeben,
die Kunst und Bequemlichkeit erhoehten.

Vor der Reise mussten die Moenche und Konversen eine "Pilgerfahrt im Geiste" absolvieren:
7 Altaere in der Klosterkirche sollten besucht werden, die die 7 Haupkirchen Roms symbolisieren sollten,
damit die Gefaehrdungen und Versuchungen der Reise durch staerkere Ordensbestaendigkeit gestaerkt wuerden.

1502 wurde durch den Besuch des paepstlichen Legaten und Ablaßkommissar Kardinal Raimund Peraudi -
welcher auf der Reise durch Mittel- und Nordeuropa war, das Ablaßpatent oder Zusage erneuert.
Das war eine reiche Einkommensquelle, die zusammen mit den Reliquien Gelder sprudeln lies..

Zur Amtszeit Martins war die groeßte Ausdehnung des
Klosters mit etwa 25.000 Morgen Ackerland, Wiesen, Wald und Weinbergen.

Darunter waren viele Grangien und Einzelgehoefte,
das Gebiet erstreckte sich von Dorndorf im Westerwald bis Worms und von Boppard bis Hanau auf 205 Ortschaften!

Viele dieser Gueter waren verpachtet - die staerkste Quelle war neben Ackerbau und Viehzucht dabei der Weinbau.
17 Muehlen, Zehntrechte, Fischfangrechte, sowie umfangreicher Hausbesitze,
die fuer den Handel der Abtei eine wichtige Rolle spielten,
in Boppard, Mainz, Bingen, Oppenheim, Heidelberg, Frankfurt, Limburg,
Stadthoefe in Mainz, Oppenheim, Frankfurt, Boppard, Oberwesel, Bacharach, Limburg, Koeln.
Diese stellten die Mittler dar, ueber welche gehandelt und abgerechnet wurde.

Staendig waren in alle Richtungen speziell eingesetzte Kontrolleure unterwegs,
die Ernten, Handel und Weinlesen ueberwachten, damit alles sicher in den Wirtschaftshoefen ankam.

Der "Vindeminator" hatte das Recht die Trauben fuer das Kloster auszuwaehlen..

Sogenannte "Syndicate" gruppierten diese Kontrolleure, die meist in "Teams" losgeschickt wurden.

(Das zeigte ein stolzes Maß des "bruederlichen Vertrauens",
das der Abt seinen Leuten entgegen brachte- unsere heutigen Studierten sind da nicht anders)

Es war ueblich, dass drei Petitionen noetig waren, um im Kloster aufgenommen zu werden-
Geld floß dabei auch.
Die Benennung der Moenche gleichen Namens ging so von statten,
dass der Herkunftsort oder die Berufsausuebung als Zusatz angefuegt wurde.
Z.B. Johannes Arheiligen portarius (Pfoertner) und dann der Johannes von Geisenheim,
Johannes der erste, zweite usw.

Von einem Konventualen wird aus dem Jahr 1500 von einem Rechtsfall,
den Abt Martin fuer sein Kloster auszufechten hatte:
Die Erbansprueche eines Konventualen Johann Wiesbaden, die der Abt vor dem Stadtgericht dieses Ortes vertritt.
Kein Geringerer als Graf Adolf von Nassau war als Schlichter bestellt.
Die Sachlage: Nach dem Tode der Mutter des Konventualen hatte das Kloster
die Haelfte von deren Hinterlassenschaft beansprucht.
Die andere Haelfte stand urspruenglich einer Schwester des Eberbacher Klosterbruders zu.
Diese war jedoch bereits vor ihrer Mutter verstorben, hatte aber eine Tochter hinterlassen.
Ein damals unmuendiges Maedchen.
In der Angelegenheit beiderseitiger Erbansprueche kam es zu einer Schlichtung bei Gericht.
Abt Martin verzichtete auf alle Ansprueche an das gesamte Erbgut,
wogegen die Vormuender des Maedchens dem Kloster 120 Gulden auf 6 Zahlungstermine
verteilt zu zahlen versprachen.

Manch Pfarrer und Schoeffe und Klosterbruder war verwandt oder verschwaegert-
so wurde einer von dem anderen "untergebracht"-
wobei auch die Mitgift oder das Erbe anfielen.
Ab und zu hatte ein hoeherer Klosterbruder - z.B. ein Bursar oder Censuar -
einen gewissen Schutz des Landgrafen zu erwarten..

Ins "Buch des Lebens", das liber vitae wurden Stifter eingetragen,
damit ihnen posthum das liturgische Totengedenken gelesen wurde. (Pfruendnerwesen)

Manche Leute waren dem Kloster so wichtig, dass sie gerne "Mitbruder"
genannt und mit Ehrungen "Moege der den Himmlischen beigestellt werden"
bedacht wurden - so z.B. ein Weinkaufmann aus Koeln,
der fuer die Vermarktung der kloesterlichen Weine sorgte.
Die Buckelei des Abts vor dem Mainzer Hof belegt seine Fuersprache
fuer mehrere hohe mainzische Beamte und Wuerdentraeger gegenueber der Leitung des Zisterzienserordens.
Das Generalkapitel genehmigte so die Aufnahme derer und deren Familien in die Bruderschaft ;)
Als "Diffinatoren" in den Buechern wohl vermerkt.
Diese "Wohltaeter und Goenner des Ordens" waren Ritter, Hofmeister,
Primarius, erzbischoeflicher Marshall, der Stadtschultheiß Dr. soundso, einen
"Kanonikus", der der wichtige Zollschreiberamt inne hatte.

Praebendarae oder Donaten (nicht wie faelschlich geschrieben- "Donatisten",
das waere eine fruehe Christl. Abspaltung) -
das Generalkapitel hat dem Kloster Eberbach die Erlaubnis erteilt,
edle Spender mit frommem Antrieb in ihre Reihen aufzunehmen, wenn Platz ist.

So stieg deren Zahl an, waehrend die Professen, die eigentlichen Moenche, abnahmen.

Einer der Donaten also, musste in den dem Kloster unterstellten Pfarreien als Springer aushelfen -
und bei seiner Aufnahme 100 Gulden
bezahlen und dem Kloster -nach seinem Tod- die gesamte Erbmasse ueberlassen.

Die Pfruendner standen zuweilen ebenfalls in den Diensten des Klosters,
zuweilen auch mal eine Frau, die einen (echten) Bruder im Kloster als Fuersprecher hatte.
Diese eine einzige Frau, die der Martin aufnahm, verzichtete als Pfrund(ner)
auf ihren Lohn, um das Eintrittsgeld bezahlen zu koennen..

(Das waere unseren heutigen Arbeitgebern gerade recht- eben lese ich,
dass ein Rechtsanwalt nur 1,58 Euro pro Stunde
an vom Amt vermittelte Langzeitarbeitslose zahlen wollte
und vor Gericht auch noch Recht bekam: "Die haben keine Qualifikation, die mehr Geld noetig werden laesst".
Am Anfang der "1-Euro-Jobber" sollten diese nur in den oeffentichen Diensten eingesetzt werden
und diesen Euro als Anreiz zur Sozialleistung erhalten, die weiter gezahlt wurde.
Was passierte? Allerorten versuchte man -teils mit Erfolg- diese Billigarbeiter in privaten oder halbprivaten Firmen
zu beschaeftigen um Lohnkosten zu sparen.
Ein Unternehmer sagte damals: "Das ist doch allerhand, dass die JEDER STUNDE einen Euro wollen!"
April 2014: "Wirtschaftsweise" warnen vor dem Mindestlohn von 8,50 Euro,
"weil dadurch 200.000 Arbeitsplaetze verloren gehen"..

Den - wie auch immer bezeichneten Intessenten oder Bewerbern
fuer das Klosterleben wurde die Ernaehrung und Kleidung gestellt,
das kostenfreie Begraebnis war ihm sicher, sowie der persoenliche Schutz
in allen Gelegenheiten und Hilfe bei Krankheiten.
Dafuer sollte jener einen gewissen Betrag fuer sein Seelenheil und das seiner Voreltern bezahlen:
40-100, bei Ehepaaren 190 Gulden, was man ueber diesen Betrag besitzt, zum Nutzen des Klosters verwenden.

Besonders praktisch war, wenn jemand einen gut brauchbaren Beruf ausueben konnte- z.B. Kuefer oder Winzer ;)
Unser Abt Martin hat auf der Rueckseite der Aufnahme-Formulare diesbezuegliche Infos zur Person festgehalten
Konversen wurden mit Vollnamen, die Pfruendner gerne mit volkstuemlichen Kurznamen bekannt.(Henno, Benno)

Eine Gruppe "externer Mitarbeiter", die wie Beamte funktionierten,
waren weltliche Zinsheber, Eintreiber, Beitreiber.

Im kloesterlichen Wagenhaus gab es auch weltliche Mitarbeiter,
ueber die jene Konversen die Aufsicht fuehrten, damit die Karren und feinen Wagen auch gut in Schuss waren,
8 Personen waren damit beschaeftigt.

Im Jahr 1504 waren 121 Weltliche im Kloster beschaeftigt oder es wurde direkt mit diesen abgerechnet.
(Meist jaehrlich)
Die so entlohnten sind der unterschiedlichsten Art: Dienstpersonal,
Handwerker, Lieferanten, Schaefer, Hirten - auch "weibliche Arbeiten" wurden in Auftrag gegeben.
(Subunternehmer?)
Geldwechsler, Metzger und Baecker oder Schuhmacher waren darunter,
besonders viele freilich im Weinbau und in der grossen Landwirtschaft.
"Bachfegen, Nußschwingen, Wegemachen" wurden belegt.
So wurde z.B. mit einem Peter Korn dem Aelteren abgerechnet:
dessen Sohn als Ackerknecht gedient hatte, die Tochter,
die eine nicht genannte Taetigkeit ausuebte (vermutlich Reinemachen).
Kaerrner, Oberwagenknechte, Folger, Ackerknabe und Gumpler (Arbeiter)
waren immer wieder in den Akten verzeichnet, genau wie Wiesenhueter und Schaefer,
Schweinehirten und Wingertknechte.
Lohnarbeiter sind in klostereigene Betrieben eingesetzt worden; Schneiderei,
Schuserei, Wagnerei, Kueferei, Schreinerei, Schmiede,
Zimmerei, Dachdeckerei, und im Rasorium, bei dem Barbier.

Schießer und Teigbereiter waren gesonderte Bezeichnungen in der Backstube.
Man unterschied in Knechte (servi) und nach Gesellen oder Altgesellen.
Auf den Grangien (Hoefe) gab es auch "Planstellen" fuer Frauen, z.B. clavigere, Schließerinnen.

Ausser in der Krankenabteilung war Fleischgenuß nicht erlaubt-
fuer den Bedarf sorgte ein Metzger aus dem Dorf.

Seinen Leuten gegenueber stand das Kloster auch in Sterbefaellen und Beerdigungen bei.

Item obiit Katherina consoror nostra in curia nostra Colonie,
uxor Hansonis rasoris prebendarii ibidem, 3. post trinitatis.
Requiscat in pace, amen.
Item Hanso rasor de Butzbach, fidelis confrater noster in curia
nostra Colonie obiit 3. post Ivonis confessoris hora sexta in sero,
sepultus apud sanctum Cunibertum.

Hospitalare, Pfortenmoenche und Konversen, sowie andere Helfer
waren zur Gastpflicht des Klosters eingesetzt,
die Reisende versorgten, so manchen vornehmen Legaten Roms oder Aebte
aus anderen Gebieten den Aufenthalt bereiteten.

Aus dem Abt-Sitz wurden Servitores oder Kaplaene speziell des Abtes bekannt,
es folgen Aufzaehlungen der Ausstattung, wozu auch ein Sommerhaus zaehlte.
Das Abthaus stand wohl nicht im Kloster Eberbach, sondern eher woanders- vermutlich am Rhein mit Aussicht.
Ausgestattet mit Staendezimmern und Suiten oder Wohnungen fuer gehobene Gaeste,
extra Dienstpersonal und gediegener Ausstattung,
die hier aufzuzaehlen recht muehsam sein duerfte.
Selbstredend waren auch eigene Koeche im Abtshaus stationiert.
Mit Silbergeschirr und Weinkeller, Kellermeister und Seidenkissen war der Aufenthalt ertraeglich..

Der Abt zog sich wohl gerne in sein sparsam eingerichtetes Sommerhaus
mit den Gartengeraeten zurueck, wenn er seine Ruhe wollte.

Im Weinkeller des Abtshauses lagerten 80 Ohm, deh. 116 Hektoliter edlen Getraenkes,
mit speziellen Lagen gefuellt.
Klar, dass unser Martin die Weinbestaende in seiner Amtszeit kraeftig erhoeht hat-
es haette ja eine Trockenzeit kommen koennen ;)
Sogar Schlehenwein gab es im 70 Liter Vorrat- fuer spezielle Geschmaecker.
(habe ich schon mal gemacht, Schehenwein schmeckt zwischen Pflaume und Sauerkirsche)
Aber auch Alant-Wein fuer die Gesundheit. http://www.kraeuter-apotheke.net/1500009c0027d00/alant.htm

Fuer die hochentwickelte Weinkultur spricht die Verwendung von Weinkuehlern.
In seiner sonst sehr akribischen Rechnungsfuehrung sind die Kosten
fuer dieses feine Haus nur unter der Rubrik "Ausgaben" eingetragen ;)

Das Kloster hatte weitlaeufige Besitzungen, die sich wie ein Netz ueber den Raum Darmstadt,
Oppenheim, Mainz, Bingen, Boppard bis Limburg ausstreckten.
Weitere Aufsichtsrechte in die Wetterau, Hunsrueck, Pfaelzer Wald bis in den Neckar-Raum.

In den 14 Frauenkloestern, die dieser Abtei Eberbach unterstanden,
waren nur Beichtvaeter, dh. Maenner eingesetzt, die den Frauen die Beichten abnahmen.
So waren zudem 14 Konventuale staendig auf Aussenposten in den Frauenkloestern -
man darf davon ausgehen, dass jene in den Mauern der Frauenkloester wohnten.
Martin hat die Besuche in den Maennerkloestern zu Gunsten der Besuche
in den Frauenkloestern offensichtlich hinten an gestellt. Wenn er reiste, was er gerne tat,
machte er das nur in Begleitung zweier Moenche, freilich auch Knechte und Diener.
"Trinkgelder hat der Abt gewissenhaft aufgezeichnet"

In den Frauenkloestern herrschte strengste Klausur, "Guckloecher" sollten zugemauert sein,
die Schwestern sollten von draussen ferngehalten sein,
sie durften nicht zu Woechnerinnen oder zu Kindern gelangen,
niemand dutzen oder sich sonstwie ungeistlich verhalten.

Kein Fremder durfte die Klausur betreten,
selbst die Eltern der ueberzaehligen und deshalb abgeschobenen Toechter
(wohl schon ab dem 10. Lebensjahr eingeliefert)
durften diese nur durch ein vergittertes Fenster sehen.
Es war auch immer eine Aufsicht dabei- wie in den 1960iger Jahren in den Kinderheimen (eigene Erfahrung)..
Die Nonnen durften keinen Tratsch hoeren, geschweige denn, diesem huldigen.
Fleisch gab es keines- einfache Kost, sparsamste Ausstattung der Kammern,-
dafuer lebten andere Leute besser ;)
Luxus war von Gott nur fuer oben gegeben, unten erzeugte Armut die gewuenschte Demut.
(Woher kenne ich das nur?)

Bei seinen Besuchen soll der Martin oefter Novizinnen aufgenommen haben,
die dann in die Hand des Visitators die Geluebde auf die (Kloster) Regeln
ablegten und dabei den Schleier bekamen.
"Nach altem Brauch" erhielt der Abt dafuer 2 Goldgulden !
Mehr als zwei Familienangehoerige durften nicht in ein Kloster aufgenommen sein,
aber drei Toechter des Grafen von Nassau-Saarbruecken wurden als Schuelerinnen genannt.
Nach und nach folgten aus diesem Grafenhaus noch ein paar Maedels nach-
wie div. Verwandte dieser Sippe, die wohl auf dem Heiratsmarkt nicht abzusetzen waren..

Die Aufnahme solcher "hoeheren Toechter" war fuer das Kloster sehr von Vorteil-
im Jahr 1499 gab das immerhin den 6. Teil der gesamten Klostereinnahmen!
Aber auch Toechter aus dem Niederadel, aus Handwerkshaeusern und Akademikerhaeusern sind nachgewiesen.

Der Anteil von Frauen laendlicher Herkunft duerfte unter den
Laienschwestern am groessten gewesen sein. (Nur als Zahl festgehalten, nicht mit Namen)

Aus dem Visitationsbericht:
"Eintrittswillige sollen kommen in der nonnen capittel vor den pulpt, (Haupt, Kopf)
vf dem man den regel leset, und sollent sich da hyn strecken vnd veniam nemen.
(hinlegen und um Gnade winseln)
Dar nach sall man yn kortzlich vßligen des ordens strenglicheit und solen da geloben und
auch da myt ubergeben alle eygenschafft nach ordens gewonheit.
Darnach sall man das regellbuche der eptissen uf ire knye legen vnd daruf
so sollen die Conversen ir hende legen vnd sollent sprechen also:
Promitto vobis obedienciam (oboedientiam, Gehorsam) de bono usque ad mortem, das ist alsovyel gesprochen:
Ich bruder N. verheißen und geloiben vch mater gehorsamkeit in allen guden dyngen byß in den doit.
Darnach so spricht die eptissen: Deus det tibi vitam eternam,
ist als viell gesagten: Gott gebe dir das ewyge leben, und daruff antwort der convent: Amen."

An anderer Stelle wird berichtet, dass die Beichtvaeter nicht im Kloser der Nonnen,
sondern im Wirtschaftshof gewohnt haetten - wo 16 weitere Personen einquartiert waren.
"Die Nonnen sollen ihre Beichtvaeter mit allem fleiß versehen mit essen
und mit dryncken und myt cleyding on allen gebreche."

Zwar konnte der Beichtvater auch die Messe lesen, wenn es darauf an kam,
zustaendig war aber der in den Nonnenkloestern angestellte Pfarrer und Gloeckner,
nebst Altaristen - das lohnte sich deshalb, weil in die Kloester oft auch eine Pfarrkirche inkorporiert war.

Als Wirtschaftsverwalter war der Klosterscheffner der Aebtissin unterstellt.
Die schon erwaehnten Pfruendner waren auch bei den Frauen in den Kloestern -
viele alte Leute mit Geld, die sich einkauften, aber auch zuweilen hilfsbeduerftige alleinstehende
und wohl meistenteils aeltere Leute.

Als Konsekrator war der Abt Martin von den eigentlich dafuer zustaendigen Bischoefen
sonderbevollmaechtigt. (Zur Weihe vielfaeltiger Gegenstaende der Messe und der Kloester, Altartuecher,
geistl. Gewaender, alben, Cingula, Kaseln, Corporalia, Humeralia, Ramosa, Kelche und Patenen)

(Heute waeren wohl Motorraeder und Autos etc. dazu gekommen- die von Pfarrern geweiht werden)

Am beispiel der Kirche im Orf Mosbach, das unser Kloster Eberbach 1472 erworben hatte,
wird in der Auflistung des Inventars einiges an den damaligen Verhaeltnissen sichtbar.
Moebel werden kaum aufgefuehrt, weil diese gerne als Einbauten gemacht wurden.
Fuenf bezogene Bettwaeschen, 19 Teile Tischwaesche, 51 Ellen Leinwand,
sechs Stuhlkissen und zwei Pfuehle, Messing und Zinngeraete-
Kannen, Becken, Leuchter und ein montiertes Handfaß, eine Vorrichtung zum Waschen der Haende..
44 Zinngefaeße darunter 18 Kannen div. Groeßen.
Kuechengeraete zu 35 Teilen, ein eingemauerter Kessel, sieben Pfannen und ein Moerser.
In der Scheune ein Wagen, ein Leiter- und ein Schuettkarren, Zaeume, Reitzeug.
21 Butten zum Einsammeln des Zehnten, und .. eine komplette Waffenkammer:
Ein Panzer, ein Brustharnisch, ein Koller, ein Helm, eine Armbrust mit Winde und Koecher-
vermutlich sollte das Pfarrgut im Kriegsfall einen ausgeruesteten Mann bereit halten.
Ungewoehnlich fuer einen Ordensmann waren die Fleischvorraete: 43 Viertel vom Schwein,
30 Riemen Rindfleisch, sowie Wuerze fuer 2 Gulden.
Getreide: 24 Malter Roggen, 7 Malter Gerste, 5 Malter Weizen, 10 Sack Hafer.
5 Malter Nuesse- wohl zum Oel pressen. und 12 Talente Talg fuer die Beleuchtung.
Die Weinvorraete: 10 Ohm alten und zwei vom neuen Wein, 2 Ohm alten Roten,
1 Ohm neuen Roten, 6 Ohm neuen- "pro Familia"- fuers Gesinde.
2 Pferde, drei Milchkuehe, ein Kalb auf der Wiese, zwei Reitochsen,
eine andere Kuh und zwei Ochsen waren schlachtreif, wie auch neun Schweine.
Zwei Eber, drei Mutterschweine und sieben Jungschweine, 26 Haemmel und Schafe.
50 Huehner, 7 Gaense und zwei achtjaehre Kapaune waren dabei.

Diese Filialkirche war- wie die anderen auch- bestimmt nicht schlecht ausgestattet.

Am Beispiel Biberach zeigte sich die Reformation -
nicht zuletzt durch internen klerikalen Hickhack und Postenschiebereien -
so war die Pfarrei Biberach des Klosters Eberbach ploetzlich eine Enklave geworden.
Das Kloster war im Jahr 1566 nicht dumm und verkaufte das ganze Filial-Ding
der Stadt fuer 31.000 Gulden - mit allen Laendereien, die dazu gehoerten.

Wer einmal bei Trebur durch Eckelsheim kommt, sieht an der Kreuzung der Straße
schon von weitem eine eindrucksvolle romantische Kirchenruine mit der Jahreszahl 1519 -
ohne Dach ein sehr seltsamer Anblick, den man sich unbedingt ansehen sollte.

Der Ort Gosselsheim fiel wuest, wohl in Pestzeiten - der Junker Wirich von Daun
wollte "zu den Bellen" eine Kirche bauen, die aber dadurch nie fertig wurde:
Die Beller Kirche, ein ganz seltenes Kuriosum.

Die Aussenbeziehungen eines Klosters kam zum großen Teil
durch den enormen Materialbedarf,
der nicht alleine durch die Klosterarbeiten intern gedeckt werden konnten.
Die Vermarktung des Weines lies ein Highlight entstehen,
auf das wir spaeter noch zurueck kommen:
Das Große Eberbacher Faß, das der Martin vollenden lies.
Fehlplanungen waren auch gemacht: Eine Wasserleitung zu einem klosternahen
Grangie "Neuhof" wurde von den Einwohnern Hattenheims abgerissen,
weil sie einen Brand durch Wassermangels nicht loeschen konnten-
der Leimersbach hatte kein Wasser mehr.
Ein Kloster hatte durchaus mit dem Unmut bis zur Wut der Bewohner der Umgebung zu rechnen,
wenn dieses all zu willkuerlich verfuhr.

Marin war ein ganz genauer und fuehrte Buch: Die umstrittene Leitung war aus Blei
und 800-1000mtr lang, 3,5cm stark.
(Wer die Gegend kennt, kann sich vorstellen, dass der Bach- sofern er ueberhaupt im Sommer Wasser hatte, trocken fiel)

Klageschriften an das Generalkapitel von Citeaux waren in den Jahren 1491-1503 gehalten,
wo Martin schrieb: Kein Heu oder Vieh- oder Stallfutter aus den Riedoerfern,
wegen Dauerregen und Ueberschwemmungen.
Zwischen 1500 und 1502 waren die Getreideernten nicht mal die Haelfte.
Der Wein war sauer und schwer zu vermarkten.
Dann kam eine Seuche, wo 900 Schafe und viele Kuehe, Pferde und Huehner krepierten (woertlich).
In dem Hainerhof gingen 1350 Stueck Schafe ein.
350 Schweine, selbst die Fische im Wasser verendeten.

In normalen Zeiten (Im Jahr 1566) kam an Getreide 3876 Malter Roggen,
222 Malter Weizen, 2678 Malter Haferspelz, 303 Malter Gerste- also 7079 Malter.

Der Bursar bemerkte -Angesichts des Weinlagers- dazu:
"Merke- und bewahre Schweigen darueber!"
Ob das in krassem Gegensatz zu dem vom Abt an das Generalkapitel gerichtete Klage war-
auf jeden Fall betrachteten die Nachbarn diesen Reichtum mit Argwohn und Neid.

Schon damals gab es "Umschuldungen", schon damals versuchte man durch Verkaeufe
von Liegenschaften aus der Schuldenfalle zu kommen-
die Verbindlichkeiten wuchsen auf 21.000 Gulden in Martins Amtszeit.
Der Vorrat an Getreide halbierte sich, der von Wein aber verdoppelte sich.
Wie schon erwaehnt, kam diese Diskrepanz wohl daher, dass das Kloster mehr ausgab,
also fremd kaufte, als es selbst an Einnahmen erwirtschaften konnte.

In Koeln hatte das Kloster drei Keller angemietet, wo zusammen 210 Stueck oder 280 Fuder Wein lagerten.
(1 Fuder ist die Ladung eines zweispaennigen Wagens)
Das kostete Miete, Verlade- und Hafengelder, Steuern und Abgaben.
Heute wuerde man Bestechungsgelder dazu sagen, wenn ein Rentmeister der Stadt
eine "freundliche Gabe" oder "donarium amicabile" von einem Viertelfass Wein
und einen Kaese erhielt, um den mobilen Stadtkran in Betrieb zu setzen.
Als weitere "Gebuehr" zahlten die Klosterbrueder dem Kurfuersten von jeder Fahrt 2 Fuder Wein-
sogar fuer nicht durchgefuehrte Fahrten- weil die Ladung per Schiff ging..

Die geschnittenen Bretter und Balken zum stabilen Befestigen der Faesser
auf den Flußschiffen des Klosters wurden gleich in Koeln gelassen, um die Rueckfracht zu sparen.
Auch diese brachten Geld ein.
Den rheinaufwaerts gelegenen Ort Kaub mied man - weil dort der Pfaelzer Zoll lauerte -
dieses Hickhack zwischen dem Koenig Maximilian und dem Pfaelzer Kurfuersten war immer kurz vor einem Krieg.
Ach ja, eingekauft hat der Martin auch: "Da es einen Wechsel der Aufseher gab,
wollte man uns -wie von Nichtpriviligierten- Zins abnehmen, als wir in dem Kaufhaus Schollen kauften.."
Soso, Schollen und einfacher Fisch? Evtl. war diese Art damals noch zahlreicher vertreten als heute..

Diese Episode zeigt, dass die Eberbacher seit Jahren im Koelner Fischhaus
frei einkauften und dass diese Dinge auf das Schiff gebracht wurden,
also als Rueckfracht fuer den Rheingau gedacht waren.
Ein Kaufhaus laesst allerdings viele Waren zu- welche, darueber schweigt die Chronik.

Die Rheinflotte des Klosters bestand aus der Bock, der Pint und der Sau-
die stets die Aufmerksamkeit auf sich lenkten.
Die zahlreichen Karren und Wagen des Klosters wurden von den umliegenden Fuersten
gerne als eisene Reserve im Kriegsfall benutzt..
Bis 1621 wurde Eberbacher Branntwein nach Marburg verkauft und -gekarrt..

Eigentlich war der Zehnt in einer Klostergemeinschaft nicht gerne gesehen,
aber durch Vererbung und Schenkung gingen diese Vertraege stillschweigend weiter..

Der Martin war sauer auf die Gemeinden, allen voran Eltville,
denen er einen "uebergelehrten Doktor" als Geistlichen vorhielt-
wieso? nur weil dieser dem Kloster eine "pomphafte Religionsausuebung" vorhielt?
Langsam aber sicher bahnte sich der Bauernaufstand an, der gegen die Klerikalen
gerne mal "Raeuber Raeuber!" rief - gut 17 Jahre VOR Luthers Thesen
kam eben diese antimonastische Grundstimmung auf.
Die Zeiten waren sicher nicht leicht, wie die Klagen des Abtes vor dem Generalkapitel zeigten,
weil auch noch staendige Fehden zischen den Fuersten rundherum und den freien Reichsstaedten liefen.

Die Zollschranken wurden schon mal durch "Sonderzahlungen" ruhen lassen,
- an die sich bei einem Wechsel oder Nachfolgerschaften keiner mehr so richtig erinnern wollte -
also waren staendige Neuverhandlungen die Regel.

Der Pfalzgraf habe sich gegen das Kloster gewendet, obwohl er seit sechs Jahren fleissig Geschenke annahm-
so die Chronik.

Die Sache mit der Zollfreiheit fuer das Kloster war aber auch noch ein wenig anders,
als es der gute Martin schilderte-
denn das Kloster hat nicht nur eigene Waren verschickt, sondern auch solche,
die von Freunden und Bekannten und anderen Dritten -
entweder zugekauft oder nur mitvermarktet worden waren.
Das schmaelerte freilich den Zoll-Umsatz der Einnehmer.

Der Weinhandel war in Prosperitaet, die Wohlhabenheit des Klosters war nicht unumstritten,
das "grosse Faß" war nur der Tropfen, der es buchstaeblich zum ueberlaufen brachte..

15 Jahre nach Abt Martins Tod wurde dem Kloster eine Erklaerung zur Selbstaufloesung
von den aufstaendischen Bauern abgepresst.
Nochmal 10 Jahre danach wollte der eigene Landesfuerst und obere Geistlichkeit,
der Kurfuerst-Erzbischof von Mainz das Kloster Eberbach aufloesen.
Nach der Zeit des Abtes Martin zeigten sich die Klosterlenker als Herren und als "bedeutendes
und beruehmtes Kloster" - kein Zeichen von Demut.
Aus dem "Bruder Abt" wurde der Herr Abt.
Zuvor, im letzten Amtsjahr, war der Martin erschoepft, so daß er selbst
seine geliebte Schreibarbeit anderen Leuten ueberlies,
ausgezehrt an Kraeften und Willen, was seine Lebenszeit verkuerzt hat. (Chronik)
Unvollendet sei der gestorben, als ein bewußt kirchentreuer Ordensmann an der Wende
vom Mittelalter zur Neuzeit..

Dieses ominoese Faß war das größte in Europa und ein wunderbarer Werbetraeger
fuer den Klosterwein, der von ueberregionalem Rang war.
Durch den Tod des Initiators und seinem bau-unwilligen Nachfolger verzoegerte
sich der Bau dieses Fasses auf 15 Jahre.
1485 begonnen, 1489 fertiggestellt, 1500 erstmalig befuellt.

Ein Prunkstueck im Klosterkeller, neben den herzoeglichen Spitzenweinen,
die dort unter Kerzenschein verkostet und visitiert wurden.
In der Fraternei direkt errichtet, dh. im Keller selbst- weil die Groeßenordnung
dieses Fasses damals einzigartig und eine technische Meisterleistung gewesen ist.
Damit der Prunk weiter ging, wurden auch gleich die aufwendigen Ornamentierungen
der Kirche und Raeume begonnen.

Sechs weitere Riesen-Faesser standen in den Gewoelben- das Werbe-Riesen-Faß stach eben nur hervor.

Die große Sorgfalt der Kuefer und anderer Spezialisten beim Bau des Riesenfasses
ueberwand viele techn. Probleme, bis dann endlich 17 Reifen auf den Dauben saßen,
die vor dem Einbau 28 Fuß gemessen haben.
Das Faß fasste 71.000 Liter, war 8,40m lang, 2,70m hoch- der Faßbauch war 3,56mtr.
Eine Eingangsklappe fuer die Reinigung war auch eingebaut.
Die sechs etwas kleineren Faesser hatten immerhin auch um die 34-35.000 Liter Fassungsvermoegen pro Stueck.
Als die Abtei im Bauernkrieg 80 Fuder Wein und Fleisch und 600 Malter Brot
und Getreide abliefern musste, soffen die Randalierer das große Faß
bis auf 30 Fuder aus, so wird berichtet.
(Das war noch guenstig, in anderen Orten wurden die Faesser zerstoert oder auslaufen lassen)
Danach blieb das dicke Faß 19 Jahre lang leer, 1542 wurde es repariert,
bis es zu einem neuen Faß umgebaut wurde, das nur noch ein Viertel an Volumen hatte.
Je nach Maßeinheit gerechnet waren im Kloster 1,35-1,5 Millionen Liter Wein vorraetig.
Spaeter fand man solche Riesenfaesser auch in anderen grossen Weinkellern,
wie z.B. in Meißen, diese Attraktion wollte jeder vorweisen koennen,
auch wenn der eigene Wein nicht reichte um das Ding befuellen zu koennen und Weine
aus anderen Regionen nachgekauft wurden.
In Tuebingen verbaute man 90 Eichenstaemme, die nicht lange genug getrocknet hatten -
und dann auch noch mit Importwein befuellt..
Die Dichtung hat sich -buchstaeblich- auch damit befasst.. (weniger um Lecks zu beseitigen)
Der hochwertige Konventswein im Erbacher Faß war da schon eine Klasse besser einzustufen,
er hielt die Spitzenstellung.
Auf jeden Fall fiel der Zerfall dieses grossen Fasses mit dem Niedergang des Klosters zusammen,
bis sich Anfang des 17. Jhds. die Verhaeltnisse wieder etwas festigten.

Im Rahmen der hoefischen Tischzeremonien wurden die Großfaesser bald eingebunden
und der Wein wurde auf extra Plattformen auf oder neben dem Faß getrunken.
Besonders ausgeschmueckt, war dieses das Event schlechthin, das die Wohlhabenheit
seines Besitzers gut zeigen konnte.
Aber auch bei staedtischen Festen bei den Massen sehr beliebt,
setzten sich diese Riesen als Besonderheit durch.
Im spaeten Mittelalter wurde aber auch ein neues Problem ruchbar- vergorene Getraenke wurden
taeglicher Nahrungsbestandteil, schlimmer noch,
"es wurde exzessiv konsumiert".
Das 16.Jhd soll als "Hauptzechperiode des deutschen Volkes" gegolten haben,
als "wuerde es keinen anderen Weg als durch den menschlichen Koerper" fuer dieses Getraenk geben,
resuemierte Reformator Zwingli.
Man prostete sich staendig zu, zeigte durch die Beherrschung "Maennlichkeit",
Trinkfestigkeit und "Groesse", wenn man Wirtshausrunden ausgab.
Zum Willkommen, Vertragsabschluß, Verbruederung, Freundschaft,
bei Nachkommenschaften, Rundtrinken, Wett- und Volltrinken etc. angewandt.
Wer nicht mitmachte, war sozial isoliert, gefaehrdete die Ehre, Status und gesellschaftliche Integration.

Die katholische Kirche rief dagegen auf, zur Buße und Askese,
kleinere Teile des Adels und der Gesellschaft zogen mit.
Deren Gruende waren weniger das sittliche Wohl, als vielmehr der Erhalt der Kaufkraft des Volkes,
dem sie schließlich regelmaeßig den Aderlaß setzten und "Gebuehren" abknoepften.

1530-50 nahm die Reformation sich dieser Bewegung an und forderte ihrerseit Maeßigung.
Gegen das "greueliche Laster der Trunckenhayt" rieb man schon die Teufelsbuecher,
um dieses Verhalten zu bekaempfen.
Dieser Ruf "der Teufel wird kommen" richtete sich nicht gegen Produktion oder die Verwendung des Weines,
sondern gegen die Auswuechse.

In Eberbach legte man das Gebot der zisterziensichen Schmucklosigkeit schon frueh ab,
wie die kunstvollen Ausmalungen zeigten.
In diesem Rahmen wurde ein Wand-Spruch von 1491 ueberliefert:
"Hic caput inclina supplex nam stella marina / Praesidet hic digna teque invare benigna /
Invenies veniam veniens salutare Mariam / Procul eris a ve corde si dixeris ave "
Das war eine Verhaltensanleitung unter einem Marienbild,
Maria wurde als "stella marina", wurde u.a. als Meeresstern bezeichnet.
(Wie der Uebersetzer meint- ich behaupte, es ist einer der Navigationssterne gemeint,
die bei Seefahrten angepeilt werden)
Wie auch immer- man sollte sein Haupt beugen, sein Gebet sprechen.
Ein Bernhard von Clairvaux haette mehrere Begebenheiten erlebt,
wo Maria seinen Gruß "erwidert habe".
(Waere hier nicht besser "den Gruß wiederholte" angebracht gewesen?)
Aus der Ansprache des hl. Bernhard zum Fest marie Geburt:
"Nimm Maria hinweg, diesen Stern des Meeres" - was wohl wieder einen anderen Sinn ergibt..

In einer anderen Inschrift wir Maria als "culcis rosa", als liebliche Rose bezeichnet.
Die Moenche gingen durch das Sued- die Konversen und andere Bedienstete
durch das schmucklose Nordtor- so waren auch die Sprueche angebracht.
Die Zeiten aenderten den romanischen zu einem gotischen Kreuzgang,
die Barockzeit fuegte Malereien dazu, die einst grosszuegigen Fenster
wurden zum Schutze des Weines zugemauert, es wurde an und umgebaut.
(Kein Wunder, wenn eine Gebaeudekomplex so lange besteht)

1629 ueberlieferte der Obersakristan in seinem Buch Liber seniorum
die Spruchinschrift in acht Distichen unter dem Marienbildnis des Kreuzgangs:
-sequentia carmina scripta sund intra imaginem beate Virginis in ambitu:

"Salve vera dei mater decus addita divis / Quae nobis et opem ferre patrona potes /
Quam nitido caput ingenuum diademate fulget / Quo bis sex visu sydera clare nitent! /
O vultus osculosque tuos o dulcior illo es / Melle quod in ceris Attica sudat apis! /
Quanta capit de te sanctus spectacula coetus / Fert divis vultus gaudia quanta tuus! /
Consedere simul sanctissima concio et omnes / Ad hominem vultus opposuere suos /
O verneranda parens summus quam presul honorat / Cardineique diu quam coluere patres. /
Supplex pontificum te semper turba beabit / Et faciet clerum glorificare suum. /
Multa sacerdotes mater tibi vota parabunt / Cum coenobialis cetera turba viris."

Ehedem war das Dormitorium ein langer Schlafsaal,
der zuerst mit Tuechern und Schranken in kleine privatere Gefache eingeteilt wurde,
bevor gemauerte Waende mit Tueren diese ersetzten.
Oben zur Gewoelbedecke war allen wohl der Blick gemeinsam.
16 Jahre spaeter gestattete der Papst Alexander VII den Einbau von Einzelzellen in Zisterzienserkloestern.

Da war noch die Story um eine Paxtafel, die der Abt in Auftrag gab,
in der eine vom paepstlichen Legaten Peraudi ueberbrachtes
Wachsamulett "Agnus Dei" untergebracht wurde.
(Das uebrigens aus Wachsresten roemischer Kirchen gegossen wurde)

Dieses monstranz-aehnliche Ding, das an einem Handgriff hinten getragen wurde,
mit breitem Fuß mit lat. Inschrift und -vermutlich-
eine zusaetzlichen Reliquie beihaltend-
bestand aus dicken Bergkristallen, einem mittigen Fensterchen,
durch das man jenes Wachsamulett sehen konnte und sonderbarem Metallgeschnoerkel als umgebener Kranz.
Wer dieses Ding -andaechtig- kuesste, verdiente 40 Tag Ablaß von Suenden..
Auf der Rueckseite, wo der Griff ist, wurde der Heilige Martin, daneben die Heilige Katharina abgebildet.
(Anmerkung: An die Stelle des Mantels des hl. Martin war ein Geldstueck getreten.)
Reliquien dieser Heiligen waren wohl auch in Eberbach vorhanden- was die Verehrung
in immer wiederkehrenden Symbolen und Bildnissen zeigt.
Bildliche Darstellung des Abtes in seiner ganzen Wuerde, Groeße, Ornat,
Haltung und Ausrichtung war genau durchdacht,
der zu seinen Fueßen kauernde Bettler wurde figuerlich kleiner dargestellt,
um die Gewichtung noch zu vergroeßern.
Die Heilige Katharina war von koeniglichem Blut, hochgebildet und von christlichem Glauben,
sie ueberzeugte, so die Legende,
in einer "erzwungenen Disputatio fuenfzig heidnische Philosophen", die zum Christentum bekehrt wurden.
Ihr Martyrium durch das Rad sei von Engeln verhindert worden, "so wurde die schließlich enthauptet".

Zur Person Peraudis (Perault) ist zu sagen:
1435 in Surgeres in Suedfrankreich geboren, 1505 in Viterbo, Mittelitalien gestorben.
Er diente mehreren Paepsten, Kaisern und Herrscherhaeusern, hatte viele Aemter und Titel und Wuerden inne.
Jahrzehnte war er in seiner Lieblingsmission unterwegs als Generalkollektor und Ablasskommissar.
Er weihte Gotteshaeuser, Kloester, verteilte Privilegien und war
"voll des Engagements fuer die Reformanliegen der Kirche"- was immer das heißen mag.
Als Spendensammler fuer die Kosten des Krieges gegen die Tuerken war er auch noch taetig.
(Eigentlich ging der Krieg von den Tuerken aus)

Dieses Kuß-Heiligtum mit dem Agnus Dei- wurde bei der Saekularisation des Klosters
im Jahr 1803 nur wegen seines als wenig wertvoll erachteten Materiales
nicht eingeschmolzen und blieb somit erhalten.
Der Greiffenglauer Professor Mueller hat sie erworben und spaeter der Josephine Brentanto geschenkt,
einer Frankfurter Haute Voilee - Gestalt jener Tage, die 1875 starb.
Ihr Witwer ueberlies das Ding dem Limburger Bischof Peter Josef Blum- so kam dieses in den Domschatz.

Diese Kuß-Orgien sollten der Kuß des Evangeliums sein
(Vermutlich aus der Judas - Geschichte?) spaeter als Gaeste der Gaeste als Reverenz
( http://de.wikipedia.org/wiki/Reverenz nicht zu verwechseln
mit http://de.wikipedia.org/wiki/Referenz ) der Gastgeber.
Dabei spricht der Gebende "pax tecum" und der Nehmende "et cum spiritu tuo".
(Was auch die Grußformel der Kleriker ist)
Spaeter ging diese Angewohnheit in eine Umarmung ueber,
die heute durch die letzte Mode buergerlicher Leute wieder zu einer links-rechts-links-Kuesschen-Orgie wurde.

Diese Kußtafel war eben mit Bergkristallen besetzt,
die als Symbol fuer die Reinheit Christi gesetzt und verstanden wurde.

Die Geschichte der verschwundene Grabplatte des Martin Rifflinck war die,
dass er seinem Nachfolger bereits den Auftrag gab, eine uebrig gebliebene Grababdeckung zu verwenden:
Ein Adelspaar hatte das Ding machen lassen- worunter der Ehemann, der zuerst verstarb, ruhte.
Seine Witwe gefiel der Stein nicht, - wie das so mit den Frauen ist -
und so lies sie eine neue, gemeinsame Platte machen.
Der sparsame Martin hat die ungeliebte Platte des Mannes aufgehoben und fuer sich bestimmt -
indem auf der Rueckseite seine Gestalt und Daten verewigt werden sollten.
Damals wie heute waren Grabsteine- oder Grabplatten ein kostspieliges Ding.
Die Grabplatte des Abtes Martin war deshalb verschwunden geglaubt,
weil diese mit der 1. Seite des Adligen festgemauert gezeigt wurde- das Datum war aelter,
weshalb die Restauratoren diese Seite als die wuerdigere ansahen.
Durch Zufall wurde die Rueckseite mit der Rifflinck-Beschriftung entdeckt
und die Platte in die Reihe der Aebte eingefuegt.
Ordensmoenche und Laienbrueder wurden ohne Kennzeichnung auf dem Klosterfriedhof bestattet.
Einige Grabplatten von Aebten wurden nach 1803 fuer den Boden einer Anstaltskirche,
mal als Bodenbelag fuer den Schafstall gebraucht..

Um die Bauernkriege herum kam es immer wieder zu Beschimpfungen gegen die Klosterleute
und zu Brandstiftungen der zum Kloster gehoerigen Hoefe.
Ein solcher Brandstifter, der - so die Chronik - "vielfach exkommuniziert" worden war,
wurde durch das Schwert des "Waltboten im Rheingau", der gerade unterwegs war, enthauptet.
Sodann verscharrte man die Missetaeter auf einem Feld, jemandem,
der oeffentlich auch noch dazu in einem "Konkubinat lebte", gehoerte das nicht besser..
Wildes Geheul, das sich dabei gegen die Unsrigen richtete und "Moerder, Moerder!" anhob,
war wie die nichtsnutzige Brut, von dem man im Volke zu sagen pflegt:
Vom groeßeren Ochsen lernt der kleinere das Pfluegen.

Der Abt Martin schrieb weiter: "..denn der hochehrwuerdige und gnaedige Herr Berthold von Henneberg,
Erzbischof von Mainz, unser Orden Gruender und Beschuetzer,
hat verdientermaßen die Urheber der ueblen Nachrede,
die unseren Ruf anschwaerzten, zu Leibes- und Geldstrafen verurteilt.
Weil einige in Hattenheim, Oestrich, Erbach, Eltville und Kiedrich in den Kerker geworfen
und mit Fesseln und Ketten aneinander gebunden wurden,
mußten sie das Gespoett ihrer Nachbarn und Mitbewohner ertragen;
manche von ihnen starben, bevor sie freigelassen wurden.
Und vom Provinzialgericht in Ruedesheim wurden sie dem Scharfrichter zum Verhoer ueberantwortet.
Sie haben den verdienten Lohn fuer ihr Geschrei erhalten"

Die Wertung dieses Satzes lasse ich euch, geneigte Leser !

Martin hatte ueber alle Ausgaben, Einnahmen, ueber jede Gegebenheit
des Klosters genau Buch gefuehrt, so auch bei Aufnahmen oder Entlassungen aus der Klostergemeinschaft.
Manchen zu jungen Probanten mahnte er zur Bildung, um es dann im naechsten
oder uebernaechsten Jahr nochmal mit der Bewerbung zu versuchen.

Im Jubeljahr 1500: "die Krieger Christi und die uebrigen Kleriker,
die keine Priester sind, sowie die Aebtissinnen, Priorinnen und Nonnen sollen zehnmal
das ganze Totenoffizium, die neuen Lektionen mit den Laudes nach dem Brauch des Ordens -
und ebenso oft die Bußpsalmen mitsamt den ueblichen Litaneien und Gebeten sprechen.
Die Laienbrueder und -schwestern, die Oblaten oder Donaten und die dem Kloster Anvertrauten,
auch die Laien, Kranken und Invaliden beiderlei Geschlechts,
sollen zwanzigmal an zwanzig Tagen sechzig Vaterunser und ebenso oft
das Ave Maria beten und alle genannten Personen beiderlei Geschlechts sollen verpflichtet
sein, an allen genannten zwanzig Tagen den Altar oder die Altaere aufzusuchen.."

"Auf den Grangien oder in Haeusern außerhalb der Kloester,
instaendige Bittgebete verrichten und den Allerhoechsten anflehen,
auch fuer unser Wohlergehen (Abt) und das der heiligen roemischen Kirche
und fuer die Unterwerfung und Ueberwindung der unglaeubigen Tuerken,
der Feinde des Namens Christi, und der anderen heidnischen und barbarischen Nationen
und deren Bekehrung zum katholischen Glauben"

"Veranlaßt durch die segensreichen und heilbringenden Ermahnungen
unseres hochheiligen Vaters und Herrn in Christus, des Herrn Papst Alexander VI,
und um die Ueberwindung und -so Gott will- die Bekehrung des unseligsten Volkes
der Tuerken und Barbaren und anderer Feinde des christlichen Namens herbeizufuehren,
ordnet das gegenwaertige Generalkapitel an.."

Ego frater Martinus Ebirbacensis volens parere (ut decet) huic diffinitioni
talem ordinationem ut sequitur feci:
Ut qualibet prima dominica cuiuslibet mensis responsorium "Aspice domine"
in processione per ambitum cantetur et conventu venienti
ad chorum stando versis vultibus ad altare ab ebdomadario sacerdote stante
ante summum altare in dextero cornu altaris et legenti versiculos "Exurgat deus",
"Salve vac", "Fiat pax", "Domine exaudi", "Dominus vobiscum", "Oremus",
et legendo has collectas:
"Omnipotens sempiterne deus, in cuius manu etc", "Deus a quo", "Ineffabilem"
et in calce collectam de beata virgine "Famulorum tuorum quesumus domine delictis etc."
concludendo puer eundem.
Das Moechslatein wurde oft verspottet, tat aber seine Wirkung und ist-
wie man sieht- noch heute gut lesbar, was man nicht von jeder Latinitaet sagen kann,
geschweige denn von der damaligen Umgangssprache oder Amtssprache..

"Laus deo, Marie virgini intemerate, necnon advocatisse Katherineque. Amen"
Die sehr gebildeten Autoren des Kloster-Eberbach-Buches fragten:
Die Uebersetzung der lat. Gebetsformel Rifflincks wirft große Probleme auf,
da sich nicht mit letzter Sicherheit klaeren laesst, auf welche der beiden Heiligen -
Maria oder Katharina - das ehrenvolle Attribut der advocatissa zu beziehen ist.
Wegen des verbindenden "und" (-que) scheint auf den ersten Blick ausgeschlossen,
dass Katharina hier als Fuersprecherin gemeint ist. .
Freilich weiß selbst der Anfaenger in Sachen Latein,
dass das Suffix -que vielfaeltig gedeutet werden kann und dieses "necnon" so etwas wie das
heute "nichtdoch", "nicht weniger" oder "nichts desto trotz" -
in diesem Zusammenhang leicht zu deuten ist.
Ergo ist zuerst Maria gemeint, und nicht zu vergessen - Katharina.
So einfach ist das..

"am 26. Juni seien alle zur loeblichen Prozession herbeigestroemt,
aus allen umliegenden Orten- ausgenommen jene Obergescheiten in Eltville mit ihrem uebergelehrten Doktor -
Priester.."
Martin schont nicht mit Rundumschlaegen in einen Tagebuechern, das muss man sagen.
(Zumal er selbst studierte erscheint obiger Satz seltsam)

Im Jahr 1502 waren folgende Werte gueltig:
1 Goldgulden = 44 Koelnische Weißpfennige
1 Utrechter Gulden = 36 dto.
1 Hoorner Gulden = 22 dto.
1 Frankfurter Turnose = 4 dto.
1 Raederalbus = 20 Mauren
1 Braßpfennig = 18 Mauren
1 Weißpfennig = 12 Mauren.

In seinen Unterlagen stehen auch Saetze wie dieser:
"Vertraut nicht auf die Fuersten, noch hofft auf sie, denn bei ihnen ist kein Heil,
wenn nicht denen, die geringe zeitliche Gueter wollen."
Nun, das ist heute auch nicht anders- nur haben wir neue Fuersten-Hierachien:
Vorgesetzter, Manager, Unternehmer, Banken, Anlagegesellschaften, Geldleute.

Zwei Eintraege zum Ertrag des Klosters:

"Im Namen des Herrn. Amen. Die hiernach verzeichneten Weine sind gewachsen im Jahre 1503
und nach Koeln zum Verkauf gebracht.
Obwohl es koestliche und beste Weine waren, sind sie bei den Koelnern zu keinem guten Preis bewertet worden.
Die Fahrt mit jenen Weinen ist 1504 geschehen durch den ehrwuerdigen Vater Herrn Abt Martin zu Boppard
und die frommen Brueder Peter Stam, Subbursar, und Johannes von St. Goar, Kaplan,
mit vier Schiffen, naemlich unserer sogenannten "Sau", wowie einem großen und einem
kleinen "schwarzen Schiff" des Schiffers Ybgin von Boppard und mit einem großen "Schwarzen Schiff"
des Christchen Lumpe von Koblenz.
Und wir kamen mit Gottes Hilfe wunschgemaeß an das Ufer von Koeln am Mittwoch nach dem Sonntag Judica.
Lob sei Gott, gleichermaßen seiner Mutter so so auch der goettlichen Siegerin,
meiner Beschuetzerin: der heiligen Katharina. Amen.

310 "Stueck" aus dem Jahr 1504, 227 "Stueck" aus dem Jahr 1503
Im Jahr 1506 sogar 537 "Stueck", das waeren ca 620 Fuder- wurde so transportiert.

Frankfurt am Main
1 Fuder = 6 Ohm = 120 Viertel = 480 Maß -altes Eichmaß- = 540 Maß
= 751 einhalb Quart = 43.380 Pariser Kubikzoll = 859 3/5 Liter

Die Gesamtmenge aller in Koeln, innerhalb der Klostermauern und auf den Grangien
liegenden Weine lt. Bruder Eisvogel und Bruder Kaspars ist vom Monat Januar
im Jahr 1506 gut 1321 1/2 "Stueck", das sind ungefaehr 1546 Fuder 4 Ohm.
(Lt Abt Marin aus seinem Buch) ca 910.000 Liter -
an anderen Stellen schreibt er von 1,5 Millionen Litern..



Geschichtliches


Zur Aufarbeitung der Deutschen Geschichte nach dem WKII empfehle ich das Buch
von Hannelore Benz "Zwischen Mailer und Basalt" Geschichte und Geschichten
des DILLKREISES 1945-1976 aus dem Jahre 1988.
Hier wird menschlich und verstaendlich, schonungslos und doch verstaendnis-
und humorvoll eine regionale Aufarbeitung gewagt, die ebenfalls mehr aus einer persoenlichen Sicht heraus schildert,
was sich in dieser Zerstoerungs- und anschliessender Aufbauzeit ereignet hat.
Diese Zeilen der Reminiszenz wollte ich dem Werk vom Mittenaarer Heimatbuchverlag
mit seinen immerhin 350 Seiten trotzdem widmen.

Die Greueltaten sind leider kollektiv angerechnet, die Kleinen wurden heftig bestraft
und mussten hungern, wurden ausgebombt, die Großen lebten noch Jahrzehnte im Luxus weiter,
wie zu allen Zeiten in der Geschichte.
(Obwohl die Mitbestimmung oder gar Entscheidungsgewalt nicht vorhanden war)
Heute immer noch durch die politische Immunitaet vor einer gerechten Strafe geschuetzt,
entkommen Taeter, die Opfer und die Mitlaeufer bueßen..
mit Despoten werden heute noch "Geschaefte" gemacht, bekommen Radikale noch immer Waffenlieferungen-
ob direkt oder durch die Hintertuer.
Hochtechnologie gelangt so in Terrorregime und haelt diese am Leben.

Wie auch immer- nach der Lektuere dieses Buches werde ich wieder deutlich aeltere Literatur
aus der Buecherei holen und diesem kleinen Hobby zu froenen,
aus dem Leben der "Gemeinen" aus alten Tagen zu berichten,
bevorzugt aus der Region Taunus und Westerwald.

Die Jahre 1946 - 1948 waren Hungerzeiten mit sehr sehr schlechten Ernten,
nicht mal genug Saatkartoffeln waren vorhanden, die Keller waren von den Besatzern gepluendert
oder durch die Fluechtlinge aufgebraucht, die zwangsweise einquartiert werden mussten,
damit wenigstens Waerme und ein Dach ueber dem Kopf war.
Alle Frauen zwischen 14 und 40 mussten zwangsweise Gesundheitspaesse
mit entsprechenden Untersuchungen ueber sich ergehen lassen-
die Willkuer der Besatzer aeusserte sich auch darin, dass die Wildschweinbestaende absichtlich hoch gelassen wurden,
damit die Soldaten etwas zu ballern hatten,
wie der Chronist bitter berichtet.
Zuerst haben sie aus den Flugzeugen die Menschen auf den Feldern abgeschossen- nun das Wild.
Trotzdem richteten die Unmengen -nicht richtig bejagter- Schwarzkittel furchtbare Schaeden auf den Aeckern an.
Alles Essbare wurde sofort gestohlen- so gross war der Hunger bei den Menschen rundum.
Selbst die Zulassung von Fahrzeugen wurde restriktiv beschraenkt-
auf Aerzte, Pfarrer, Lehrer, Behoerden, Industrie, Handel, Handwerk und Taxis.
(Was die Pfarrer in dieser Reihe verloren hatten, entzieht sich meiner Vorstellungskraft)
Die Tuberkulose fand in den Hungerjahren bei Mensch und Vieh reiche Beute.
Die doppelte Sommerzeit (2Std vorgestellt) war damals als eine Schikane der Besatzungstruppen
empfunden worden -heute hat man den Ausdruck dafuer verlernt.
Die vom Munde abgesparten Kartoffeln bekamen die Bauern wieder aus dem Feld gewuehlt,
weil die Wildschweine zur Plage geworden sind- die Jagdgewehre waren eingezogen.
Selbst im Rhein war so wenig Wasser, dass die Hungerfelsen ueberall zu sehen waren-
dieser Transportweg fiel deshalb meistens aus-
Benzin gab es kaum welches, die Holzvergaser mussten mit teuerem Holz beheizt werden,
wenn ein Unternehmer die lebensnotwendigen Transporte machte.

Das Gemeinste war, dass die Amerikaner ganz genau wussten, wer fuer die Greueltaten
des Regimes verantwortlich war, wer mitgemacht hat-
die Rache auf die harmlose Bevoelkerung auszudehnen und derart zu verfahren,
ist auch nicht viel besser gewesen!
Die Kommandanten haben sich sehr bebetteln lassen und die Unterlegenheit des Volkes sichtlich genossen,
das zuvor als "Herrenrasse" angepriesen wurde.
Gut, Soldaten sind nicht immer die Kluegsten- was will man machen.
Ueber der Militaerregierung war nur der liebe Gott und der hatte wohl schon jahrelang frei, war nicht anwesend.

Bei den Hausschlachtungen soll selten ein Tier ohne Tuberkulose gewesen sein..
"Es hat in der Geschichte wohl kein Volk gegeben, das durch so viel Not
und Schwierigkeiten hindurch musste, wie das unsere..
Wir haben den Krieg verloren verloren - deshalb muessen wir tun, was befohlen wird."

Waren wurden zurueckgehalten, bis das neue Geld da war-
bis dahin litt die Bevoelkerung besonders stark an den Gewinnlern- wie heute,
wo das gleiche Denken die "Weltwirtschafts-Krise 2013" verursacht haben, durch die genzenlose Gier.

Alles musste neu aufgebaut werden, das Geld, die Infrastruktur, die Parteien,
die Gremien, die Versorgung allen Dingen voran, die Landwirtschaft,
die zwingende Voraussetzung war.

Wir koennen und die Situation heute nicht mehr vorstellen, wenn man nicht weiss,
wo die Nacht verbracht werden wird, wenn man auf der Flucht ist
oder die Kinder nicht mehr genuegend ernaehrt werden koennen..

Wie gesagt, man sollte diese Buch lesen, das ich hier nur rudimentaer vorstellen kann.

90% der Fluechtlinge sollen im laendlichen Raum untergebracht worden sein, um die Staedte zu entlasten..
Das Geld reichte hinten und vorne nicht, so wurde versucht alle moeglichen Steuern zu erhoehen-
auch die Hundesteuer. Ein Metzger aeusserte sich so: "dann wird vielleicht die Fleischversorgung besser!"

1949 war die FDP die staerkste Fraktion im Dillkreis (bei nur 63,56% Wahlbeteiligung)

Bundeskanzler Adenauer war es gelungen, die Alliierten zur Einstellung der Demontage von Fabriken zu bewegen..

Der Lebemann von Landrat des Dillkreises bestellte neue Autos fuer das Amt-
ein Kapitaen statt eines Olympias (Opel) sollte es schon sein:
"weil der Olympia zu klein fuer die Korpulenz der Herren sei.."
Wirre Feiern, Griffe in die "Vergnuegungskasse" etc. waren wohl kein Tabu.

Ein besonderes Kapitel war die Tuberkulose, die durch die Vergabe von Kuhmilch
an die "Schwindsuechtigen" noch verstaerkt wurde:
Anfaenglich ahnte man nicht mal, wieviele Rinder bereits infiziert gewesen waren.
Die Kranken wurden in Baracken isoliert untergebracht- die halb Lebenden links die -hoerbar- Sterbenden rechts..
Die Pflegekraefte muessen unmenschliche Arbeit geleistet haben, immer in der Angst, selbst angesteckt zu werden.

1950 kam die Nachbarschaftshilfe auf, bei der Handwerker den Bauwilligen halfen;
den Firmen war das egal, weil sie mit den Auftraegen mehr als eingedeckt waren..
Die "Eigenleistung" beim Hausbau hatte einen hohen Stellenwert,
die Wohnungsnot war allenthalben sehr hoch, was befluegelte.
Das hielt noch bis in die 60iger Jahre an- ich habe noch miterlebt,
wie mit "Hack und Schipp" Baugruben ausgehoben wurden-
bei den heimischen Loes- und Lette- oder Lahme-Boeden eigentlich eine fast unmenschliche Arbeit:
Nach wenigen Zentimetern kam unter dem Mutterboden diese karamellartige Schicht,
die ab einem halben Meter immer fester wurde- bis zum Faulfelsen.
Mit dem Pickel ist man gut 3cm tief gekommen, dann blieb das Ding federnd stecken !
1958, als unser Haus gebaut wurde, war ein Foerderband das einzige Hilfsmittel
fuer die Maurer- und das war hochmodern, mit Benzinmotor.
Ansonsten wurden von den Maennern, ihren Freunden und Frauen!
- die Hohlblocksteine einzeln zur kuenftigen Wand getragen, wo denn die Maurer diese aufrichteten.
Abends saß man bei einer Flasche Bier (das war neu, zuvor musste dieses Getraenk
in der Milchkanne aus der Wirtschaft geholt werden)- und Kartoffelsalat
mit Fleischwurst beisammen- durchgeschwitzt bis zum gehtnichtmehr.

Ende 1950 wurde die SPD Sieger in Hessen. Im Dillkreis gingen nur 51% zur Urne.
Die Wahlbeteilung kam auch daher, das "belastete" Waehler,
die ehedem in der Nationalsozialistischen Partei waren, nicht waehlen durften.
Die Jungwaehler schreckte das ab und so gingen jene aus Solidaritaet mit den Eltern auch nicht zur Wahl.
(Was wohl verstaendlich ist- wie uns die spaetere DDR zeigte)

Die Alliierten wollten Deutschland in einen Agrarstaat zurueckverwandeln
und demontierten fleissig die Produktionanlagen weiter ab,
was aber eine Rosskur fuer unser Land war, das bald wieder zur Ueberlegenheit deutscher Produktion fuehrte-
weil nach und nach modernste Produktionsanlagen erfunden und gebaut wurden.
Selbst das "Made in Germany" war pro statt kontra:
Es wurde zum weltweit geachteten Markenzeichen.
Die von Hitler missbrauchte Genialitaet und Fleiss der Volksmentalitaet kam nun endlich
wieder in die richtigen Bahnen-
eigentlich ist dem Deutschen die Politik ziemlich egal.

Die KPD gibt 1952 auf, der Sicherheitsbeauftragte der Bundesregierung gibt
die Wiedereinfuehrung der Wehrpflicht bekannt-
dieses Missgeschick kam daher, dass die EVG und die Nato den Beitritt
der Bundesrepublik zum Wehretat beschlossen hatte.
Da begann bereits das Unheil stets ueber die Koepfe der Einwohner zu entscheiden,
die niemals zu wichtigen Dingen befragt wurden.
1958 wurde die vorgezogene Rentenkasse zur Aufruestung der Bundeswehr gepluendert
und in eine nachgezogene Kasse umgewandelt.
(Wieder ohne Volksabstimmung)
Zusaetzlich zu den jahrzehntelangen Stationierungskosten fuer die Besatzungsmaechte
ein riesiger Aderlass, den wir nicht gebraucht haetten.
Der Beitritt zur EVG zementiert die Teilung Deutschlands.
Im Maerz 1952 erklaerte eine Note der der sowjetischen Regierung
(Was der Bevoelkerung niemals mitgeteilt wurde):
Stalin schlaegt einen Friedensvertrag vor mit den Konditionen:
1. Bildung eines einheitlichen deutschen Staates.
2. Abzug aller auslaendischen Streitkraefte.
3. Eine Garantie aller deutschen Rechte.
4. Freie Parteienbildung.
5. Verbot antidemokratischer Organisationen.
6. Keine Diskriminierung ehemaliger Soldaten.
Die Wirtschaft sollte keiner Beschraenkung unterliegen,
eigene Streitkraefte zur Verteidigung sollten zugelassen werden.
Dafuer sollte sich Deutschland verpflichten (hoert richtig, nicht die Bundesrepublik),
keinem der Buendnisse der Siegermaechte beizutreten.
Stalin wollte wohl eine Art "neutrale Zone" in Europa.
Das war dann mit der Mitgliedschaft in der Nato vorbei und tot
und war der wirkliche Grund der Trennung Deutschlands in zwei Teile !
(Wieder wurde das Volk nicht gefragt)
Man sprach gehaessig vom "kalten Krieg" und von "Bolschewicken"
und der "sowjetischen Aggression", damit das Verstaendnis fuer dauerhafte Daumenschrauben
der kompletten Wirtschaft jahrzehntelang - bis zum heutigen Tag - gehalten werden konnten.
Waeren in den DDR - oder "neuen Bundeslaendern" (wie das nach der Wiedervereinigung genannt wurde)
gewaehlt worden, haette - so der Chronist - die SPD die absolut Mehrheit gehabt und Adenauer
haette obige Stalinerklaerung nicht in Bausch und Bogen ablehnen koennen.
(Dieser "Demokrat" kam nie auf den Gedanken, das Volk bei irgendetwas zu fragen)
Der CDU ist danach der Verlust der Wahlen sicher gewesen -
das Kind war aber schon in den Brunnen gefallen, plattgetrampelt von hochnaesigen Studierten
aus gutem Hause, wie man so schoen sagte.
(Ich kann gar nicht sagen, wie mich dieser Bericht erschuettert hat -
das war auch mir nicht bewusst, obwohl die Politik schon immer mein Interesse weckte -
als "Arbeiterkind" waere eine politische Karriere nicht im Entferntesten denkbar gewesen,
zumal die SPD nicht meine Plattform gewesen waere.)

Nun kamen also neue Fluechtlinge in Mengen zu uns - und auch in den Dillkreis:
Freiwillig abgehauene aus der neuen DDR, die lieber in Freiheit leben wollten, als in einem kommunistischen System.
Das sah hier niemand mehr ein, zumal die Leute wohl offenbar ohne echte Not kamen
und hier die Arbeitsplaetze wegnahmen- wie man das empfand.
Desgleichen kam nochmal viel spaeter mit den ersten "Gastarbeitern" die von der Wirtschaft
hofiert und ueber die Parteien proklamiert als "postitiv" aufgenommen werden mussten.
(Das sorgte fuer ein Strohfeuer in der wirtschaftlichen Entwicklung,
die besser langsamer gelaufen waere, um nachhaltiger zu sein - meine Meinung.)
Von da an wurde hueben wie drueben, in Ost und West gehetzt und gestichelt.
Dabei wurden seltsame Osthilfen gewaehrt, Gefaengnisinsassen freigekauft,
Besuchsscheine ausgestellt, angelockt- damit noch mehr fluechten,
um am hoeheren Lebensstandard des "gelobten Landes" teilhaben zu koennen.
Unter Lebensgefahr sind aus dem Osten die Menschen durch die Zonengrenze,
einer gigantischen Gefaengnisanlage - in den Westen geflohen.
Der Osten machte alles dicht, sonst waeren alle uebergelaufen zum "Klassenfeind" -
die Planwirtschaft lies eine sinnvolle Bewirtschaftung und
Eigeninitiative nicht zu- deshalb stagnierte der Fortschritt "drueben".
Auf jeden Fall kam 1952/53 ein wirtschaftlicher Einbruch im Westen,
der wohl aus dem noch immer fehlenden Einkommen der Kunden kam,
die zwar gerne gekauft haetten - aber schlicht durch den Wiederaufbau zu wenig Geld hatten-
zeitgleich zur Kurzarbeit fehlten Arbeitskraefte..
Die Schule, die unsere Wirtschaft durchlaufen musste, glich der eines Kleinkindes, das Laufen lernt.

Eigentlich wollte ich diese Epoche der Geschichte nicht bedienen -
sie erscheint mir aber zunehmend, wenn ich obige Stalin-Erklaerung lese,
dringend noetig eingefuegt zu werden, damit der sehr komplexe Sachverhalt
von demagogischen Maenteln enthuellt wird.
Geschichte ist, das musste ich bei dieser Schreiberei erkennen,
fuer die die Generation meiner Kinder bereits das, was ich selbst als Kind erlebte..

Bei den Gelagen der Maechtigen in den Reihen von Versammlungen aller Art wurden
nach vorgeruecktem Konsum alkoholischer Getraenke Lieder angestimmt, die verboten waren.
Damals sollen 44% der Meinung gewesen sein, dass "damals nicht alles schlecht war"-
desgleichen geschieht heute in den neuen Bundeslaendern, wie man hoert.
Schon immer haben die maechtigen Taeter die Sympathien oder besser das Mundhalten
der Leute auf ihrer Seite gehabt.
So kamen nach und nach die Typen wieder ans Ruder, die federfuehrend mitgemischt haben-
zumindest in den Ortsebenen.
Diesen Eindruck des Chronisten kann ich bestaetigen-
ich habe bis heute nicht den Eindruck, dass wir eine gelebte Mitbestimmung haben,
die den Namen verdient.
Das zeigen schon die Formulierungen der Gesetze, Anordnungen und Verordnungen,
nach denen "man sich zu richten hat" - im Sprachduktus des Kaiserreichs, der Untergebenen-Kultur.

Der Buergermeister Ax meinte zur politischen Situation einmal:
"Es ist hier nun tatsaechlich so in diesem Kreistag,
dass nur die gelehrten Herren hier ihre Kanonen abschießen,
und die Maenner aus dem Volk, Handwerker, Bauern was was es sonst eben so ist,
die spielen ja eine ganz untergeordnete Rolle!"
Haha, Bauern und Handwerker in einen Topf zu werfen-
das kann wohl nur einem Grubenmann passieren, der Buergermeister wurde.
Vieles ging damals -neben dem persoenlichen Aufstieg- nur fuer und durch parteiliche Gnaden.
So manches Mal verliesen die "Sozis" unter Prostest den Saal,
genau wie die Nationalsozialisten das taten, bevor sie an die Macht kamen, wenn denen etwas nicht passte.
Fuer die arbeitslosen Bergarbeiter geschehe nichts, so der damalige Ruf,
der Marathon von Doktortitel in der Politiker gehe aber alles.
Man witzelte, dass die Akten lange liegen mussten wie die Holzaepfel,
damit sie gut werden.. (das trifft auf das Heute auch zu)

Am 17. Juni 1953 wurde der Aufstand in der DDR brutal zerschlagen
und noch mehr Fluechtlinge kamen in den Westen.

Die CDU rueckte die SPD in die Naehe der "Bolschewisten",
was eigentlich aus der Trickkiste der Hitlerleute kam.

Tausende von Kriegsgefangenen sitzen noch immer in den Lagern im Osten.
Die nach und nach Heimkehrenden muessen zuerst in einer Kur aufgepeppelt werden,
damit sie arbeitsfaehig werden.
Die Fotografien von den "Doktoren in irgendwas",
die damals in den oeffentlichen Gebaeuden aller Art -galeriemaeßig- hangen,
sagten bereits alles ueber diese Typen aus.
Jedes Wort der Einschaetzung ist danach ueberfluessig.
Ein "Oberstrichter Dr Thoms mahnte daran, in Trauer darueber nachzudenken,
"daß auch heute noch immer wieder Todesurteile ueber deutsche
Volksgenossen von fremden Voelkern gefaellt werden".
Der gute Demokrat und Doktor sagte kein Wort darueber,
was "den fremden Voelkern" widerfahren war, dass sie so handelten..
Ebendieser Mann meinte:
"Die Jugend sollte von der Straße runter, sie sollte in geordnete Verhaeltnisse
komen und erzogen werden- deshalb machten wir das Lager"
(Eigentlich wurden die genannten Lager fuer kriegsbedingt unterernaehrte Kinder eingerichtet,
zum Aufpaeppeln.)

Die Industrie lag damals voellig am Boden, Hochoefen wurden "angeblasen",
obwohl die franz. Besatzer davon nichts wussten, was diese auch nicht gebilligt haetten:
Die Arbeitsplaetze der im Dillkreis vorherrschenden Eisenindustrie haetten
sonst niemals wieder bereitgestellt werden koennen!

Die Zahlen: des Dillkreises:
515 Quadratkilometer groß, 88512 Einwohner, wovon 70.000 evangelisch,
16.000 katholisch und 2500 anderen Glaubens.
In der Land- und Forstwirtschaft arbeiteten 21,9 % , im oeffentlichen / privaten Dienst 7,8 % ,
im haeuslichen Dienst 1,5 % und als Selbstaendige oder Rentner 20,8 % der Bevoelkerung.
Die Bodenvorkommen in Reihenfolge der Gewichtung:
Eisenerz, Ton, Basalt-Diabas, Schiefer, Braunkohle, Gruenerde, Quarzit.
25.000 Hektar Wald in 7 Forstamtsbezirken.
1954 war eine Stuhlfabrik und eine Schulbankfabrik und 5 andere Werke zu nennen,
in denen wohl die Huettenindustrie war-
50% der Oefen und Herde des Bundesgebietes wurden hier hergestellt.
Knapp unter 4 Millionen betrug der Kreishaushalt, bei 151.000 DM Schulden.
(Heute waere das ein Traumziel, was die Schulden anbelangt-
jede kleine Großgemeinde hat ein vielfaches davon als Verbindlichkeiten)

Im Jahr 1954 sind noch immer 30 % aller Rinder mit der Tuberkulose verseucht,
weil die Tiere eng aneinander in feuchten dunklen Scheunen stehen-
ein gefundenes Fressen fuer die Krankheit.
Mit Hilfe des Marshall-Planes wurden 2 Kreise TBC- frei,
manche Kreise wollten sich nicht vom Ausland abhaengig machen, vielen war der
Zinssatz zu dieser Zeit viel zu hoch, trotz der Zinsbeihilfen des Kreises. (8%)
Der Bildungseifer der Fluechtlingskinder soll deutlich groeßer gewesen sein,
als bei denen der Einheimischen - trotz 12 Std. Touren jeden Tag, durch stundenlange Fußmaersche zur Schule.

1954- die Amerikana uebten wieder einmal mit Panzern die Gelaendefahrt-
prompt ist jeder 10. steckengeblieben und musste mit schwerem Geraet geborgen werden.
Die "entsetzlichen Flurschaeden" wurden irgendwann aus irgendwelchen oberen Kassen beglichen,
die Arbeit hatten die Bauern, die kaputten Strassen und Wege wurden vom Kreis bezahlt.
Ohne Ruecksicht auf Verluste ging es damals durch die Botanik-
egal ob Feld oder Wald oder Wiese -immer druff.

Die SPD wollte -damals noch Arbeiterpartei- nicht, "daß so viel Geld fuer die Bildung
der Oberschicht -Gymnasien- ausgegeben wurde.
Statt dessen sollte das Niveau der Volks- und Mittelschule gehoben werden,
weil die Industrie daraus ihre Mitarbeiter gewinnt."
Kurz vor 1955 gelang der erste Erfolg gegen die Rinder TBC, 50% der Tiere galten nun als gesund.
Mit der Flurbereinigung boomte der Wohnungsbau.
Vorbei die Zeiten, als der Lehrer gleich hinter dem Pfarrer und weit
vor dem Buergermeister im Ansehen stand- nun wurde er dieser als
"Schmalspurakademiker", der schlecht bezahlt war, angesehen. Dennoch war diese Berufswahl
ein todsicherer Tipp, weil durch die ansteigende Bevoelkerung ein dringender Lehrerbedarf war.
(Danke, das haben wir gemerkt- die haben damals wohl wirklich jeden genommen)
So war bis weit in die 1970iger Jahre der Lehrermangel vorherrschend -
zuweilen wurden 60 Kinder in einem Raum durch eine Kraft unterrichtet.
1956 riefen die Eltern dazu auf einen Schulstreik zu machen- bei den braven Doerflern ein seltsames Zeichen.

Dennoch ging es langsam, aber sicher aufwaerts- man sah, dass vieles gebraucht wurde
und gekauft wurde, die Konjunktur anlief.
Dorfgemeinschaftshaeuser wurden gebaut, wo geschlachtet und gekuehlt und eingelagert -
aber auch gefeiert werden konnte.
(Sogar die Kirche sah danach ein, dass die "Schaefchen" deshalb nicht den Gotteshaeusern fernblieb)

Die "Gleichberechtigung" wurde befohlen - 1954 beriet man darueber im Bundestag,
vom Bundesverfassungsgericht dazu gezwungen, stellte man sich der Debatte.
Man hielt aber fest, dass diese Gleichberechtigung oder Emanzipation keinesfalls zu Lasten
der Familien gehen duerfe, denn die Hausarbeit sollte weiterhin die wichtigste Aufgabe der Frau bleiben -
Pflichten der Ehefrau und Mutter - zudem haette der Ehepartner in Streitfaellen "das letzte Wort",
desgleich in Entscheidungen der Kindererziehung,- so die Adenauer-Regierung.

1954 verkaufte VW 18.000 Fahrzeuge, 70.000 davon fuer den Export. Borgward war mit 20.000 Wagen dabei.

Mai 1955 endete offiziell das Besatzungsregime auf dem Boden der Bundesrepublik.
Die hohen Kommissare werden zu Botschaftern.
Durch die Aufnahme des Landes in die Nato entstand der Warschauer Pakt als Gegenpol.

1955 laeuft schon der millionste Kaefer vom Band..

Die SPD fuehrte im Kreis zwei "Hausfrauen" auf ihrer Liste- eine war nebentaetig
in der Verwaltung der Huette, weil sie von der Pension ihres Mannes nicht leben konnte.
Die erbitterten hohen politischen Kreistags-Kontrahenten trafen sich regelmaeßig bei ihrem Hobby,
dem Biertrinken auf Kneipentour - offenbar verstanden sie sich privat praechtig.

So mancher ehemalige U-Boot-Fahrer und andere ehemalige Offiziere trafen
in der spaeteren Politik "immer den richtigen Ton untereinander".

Februar 1956 - laeuft "drueben" die Ent-Stalinisierung an.
Bei uns kommt Franz Josef Strauß als Bundesverteidigungsminister an die Macht.
(Sein oeffentliches Auftreten lies stets diesen Schluß zu, auch er gehoerte
zu den starken Hobbyisten obiger Sorte)

1957 - der Weltoeffentlichkeit werden die Greueltaten Frankreichs durch Foltergefaengnisse in Algerien bekannt.
Die Europ. Atombehoerde und die EWG (Vorlaeufer der europ. Union) wurden gegruendet.
Adenauer forderte lautstark die Teilhabe an modernen Atomraketen,
gestuetzt von FJ. Strauß - die Bevoelkerung ist gegenteiliger Meinung.
Immer mit dem Argument des kalten Krieges, dass der Gegner nicht schlafe, ruesteten Ost und West auf.
Verdient hat daran die Ruestungsindustrie - gestern wie heute.
(Was uebrigens - das wird keiner betreiten -
ein geruetteten Teil am Wirtschaftsaufschwung ausgemacht haben duerfte.
Die Amerikaner arbeiten heute noch auf diese Weise ihren Schuldenberg ab,
der aus einer irrwitzigen Verschwendung herruehrt.)
1958 uebernimmt in Frankreich De Gaulle das Ruder, um die Algerien-Schlappe auszubuegeln.
Die Treffen der Staats-Chefs bleiben sehr kuehl in dieser Zeit.
Die diplomatischen Beziehungen wurden durch die Bundesrepublik sofort abgebrochen,
wenn ein anderes Land die "DDR" anerkannt hat- nach den "Hallstein-Doktrien" hat der Westen
den Alleinvertretungsanspruch auf "Deutschland", weil der Westen die Praeparationleistungen an
die ehemaligen Kriegsgegner zu zahlen bereit war, das offizielle Erbe angetreten hat.
(was die DDR nie getan hat, was nach der 1990 erfolgten Wiedervereinigung dann von allen getragen werden musste-
zu den maroden Staatsfinanzen und den toten Renten der Leute drueben)
Man spricht von "der DDR" oder von der "sowjetisch besetzten Zone",
wo da Wortungetuem "Sowjetzonenbesatzungsfluechtlinge" aufkam-
was doch sehr an unser heutiges "Gendern" erinnert.

Nachdem die Rindertuberkulose einigermaßen im Griff war, kam die Brucellose -
ein "seuchenhaftes Verkalben", - das die Bauern arg getroffen hat:
Es gab keine Medikamente dagegen und auch keine Versicherung, die geholfen hat.

Nun suchte die SPD nach "Renommierarbeitern", die man vorzeigen konnte.

Der Sommer 1957 war voller Katastrophen, Hagel, der 40cm hoch
auf den Feldern lag und alles vernichtet hat.
Fische starben: 10-12 Zentner davon trieben in der Dill, weil vor Sonn- und Feiertagen
mal geschwind die Kuebel geleert wurden..
Der Begriff "Umweltschutz" mit Klaeranlagen kam erst spaeter auf.

Auf der Seite "Graeveneck aus meiner Sicht" , habe ich meine ganz persoenlichen Kindheitserlebnisse
aus dem Dorf versucht aufzuschreiben.
Dort ist auch einiges ueber die Mechanisierung der Landwirtschaft zu lesen..

1959 - die Zahl der Arbeitslosen im Dillkreis betraegt 159 - gegenueber 808 freien Stellen..

Die Brucellose ist fast ausgerottet, da droht die Hungersnot wegen grosser Duerre und fehlender Ernte,
das Wasser wird knapp.
Gemeinden, die keine Weidewirtschaft betreiben, gehen schon Juli an die Wintervorraete.
Die Metzger kommen mit dem Schlachten kaum mehr nach, was die Preise nach unten treibt.
Die Wasserknappheit ist so dringend, dass man ueber die Gruppenwasserversorgung nachdenken muss-
alles freilich enorme Kosten, die mit vielen baulichen Maßnahmen,
auch mit Klaeranlagen zusammen haengen.

Die Mobilitaet wird durch die Willkuer der Bahn teuer - dieser Verein stellt einfach einige Zuege ein,
die Folge war,
dass man auf leichte Motorraeder ausweichen musste, wenn die Wegstrecke zur Arbeit zu weit war.
Manche Werke stellten Werksbusse, die aber die Bahnbediensten nicht mitnahmen,
welche ebenso im Dunkeln standen..
"Dank" der damaligen 6 Tage Woche mit 48 Arbeitsstunden war nur der Sonntag mit Notdiensten zu ueberbruecken-
das Krankenhaus rechnete jeden Tag mit Motorradunfaellen,
was bei der knappen Bettenzahl mit Sorge betrachtet wurde.
Spaeter stieg man von dem unsicheren Vehikel Motorrad auf "Leukoplastbomber" um,
den Kleinstwagenvon Lloyd, den BMW Isetta und den Messerschmidt Kabinenroller und das Fuldamobil.
Der Kaefer und der Kadett galten schon als untere Mittelklasse, fuer die Arbeiter eher kaum zu bezahlen.

1961 verschaerfte sich die Berlinkrise, die Stadt war eine Enklave in der DDR-
die Russen versuchten diese abzuschneiden und mit allerlei Schikanen zu versehen.
Das verschaerfte die Fluchten aus der Zone in den Westen- so,
daß an manchen Tagen mehr als tausend Menschen der DDR mit ihren 17 Millionen Einwohnern davon liefen.
Die Alliierten setzen Kampftruppen in Marsch, die DDR baute den legentaeren Verhau,
die Mauer durch das ganze Land, eine sehr gesicherte Grenzanlage mit automatischen Schusseinrichtungen.
Im Herbst erklaert die FDP nicht mit der CDU zu koalieren, was sie spaeter doch tut
und sich so den Ruf der Umfallerpartei erwarb..
(2014 schickt schicken sich die "Gruenen" an, diesen Ruf zu uebernehmen)
Die Waehler hatten den autoritaeren Fuehrungsstil leid - die Zeit der SPD kam.
Oktober 1963 trat Adenauer zurueck, der US-Praesident kam nach Berlin: "Ich bin ein Berliner"
Der Millionste Gastarbeiter kommt in die Bundesrepublik, angeblich noetig,
weil durch die extreme Grenze zur DDR, die undurchlaessig wurde, an dringend benoetigte Arbeitskraefte zu kommen.
(Heute wissen wir, welche Probleme entstanden, als die lange grosse Arbeitslosigkeit kam
und diese neuen Menschen in unsere Land bleiben wollten-
die Verdiener an der Sache haben ihre Kohle schnell in Sicherheit gebracht,
die Gewinne privatisiert, die Nachsorge und Verluste vergesellschaftet)

Die Demagogen sprachen damals davon, als in Italien, Spanien, Jugoslawien
und in der Tuerkei angeworben wurde- davon, dass sonst viele Werke ihre
Arbeit einstellen muessten, weil zu wenig Arbeitskraefte im Land waeren..
Die meisten Spanier, Italiener, Griechen gingen irgendwann mehrheitlich nach Hause zurueck,
die Jugoslawen blieben lieber, weil ihr Land, das kuenstliche durch Tito zusammengefuegt war,
zerbrach und staendige Kleinkriege und Not das Land erschuetterten.
Obige Gastarbeiter hatten die gleiche Religion wie viele im Westerwald -
sie waren katholisch, was die Eingliederung etwas erleichterte.
Die Tuerken blieben mehrheitlich, holten sogar Heiratspartner aus der Tuerkei nach,
die deren Population in der Bundesrepublik bis heute staendig vergroessert
-mitsamt einer fremden und westfeindlichen Religion, die nur darauf lauert, die Lufthoheit zu erhalten.
Schlimmer traf es deren Maedchen, die frueh an oft unbekannte Bekannte in der Tuerkei
"versprochen" wurden und die hier in Kontakt mit dem anderen Geschlecht kommen konnten -
die ganze Sippe haette "ihr Gesicht verloren".
Die enormen "kulturellen" Unterschiede liesen es kaum zu, dass sich diese Leute integrieren -
sie wollten es nicht.
Bis auf Ausnahmen, die in unserer Bevoelkerungen praktisch offene Tueren einrannten,
zumindest aber keine Probleme hatten, waren sehr in der Minderheit.
1959 kam aus Holland die Bewegung "Lebenshilfe", -
nun endlich waren Kinder mit Behinderungen sehr viel besser umsorgt.
Wohnungsknappheit, Lehrerknappheit loesten sich ab- die Gier der Unternehmer blieb.
Mehr mehr mehr Menschen fuer noch mehr Aufschwung - die Nachsorge wollte niemand machen,
als die Konjunktur nachlies-
die Politik tutete in das gleiche Horn: Nun war es die "Auslaenderfeindlichkeit der Bevoelkerung"
die Probleme machte.
(Die latenten Zukunftsaengste der einfachen Menschen, die Sorgen um den Arbeitsplatz,
die Familie ernaehren zu koennen nahm niemand ernst- am allerwenigsten diejenigen,
aus welchen sich spaeter die "Alternativen" Stroemungen entwickelten.)
Aus meiner persoenlichen Sicht hatte niemand etwas gegen die "Gastarbeiter",
auch als sie ihre Familien nachkommen liesen-
solange sie sich ein klein wenig anpassen wollten und menschlich zeigten.
Wie schon auf meiner Seite ueber unser Dorf geschrieben, haben die Vertriebenenverbaende
und die Auslaenderverbaende gerne gegen die Verbruederung gesprochen und waren eher um Abschottung bemueht
- schon um sich und ihre Organisationen zu behalten.
Aus einem wirtschaftlichen Vorteil wurde ein Strohfeuer mit sehr teuerer Nachsorge.
weil bei letzterer Gruppe die Integrationsbemuehungen -bis heute- gleich null sind.

Die Behoerden selbst litten noch unter den Kriegsfolgen - jaemmerliche Gebaeude mit engen,
restaurationsbeduerftigen Fluren, in denen die Kriegsversehrten mit ihren starren Holzprotesen hockten;
manchmal fehlte ein, manchmal beide Beine, ein Arm.
Darueber hinweg stiegen die anderen Antragsteller, wenn sie zum Amt mussten, berichtet die Chronik.
Klar,dass dieser Anblick der menschlichen Ruinen in den Ruinen der Gemaeuer
bei den jungen "Wehrpflichtigen" keine guten Gefuehle hervor rief.
Die immer weiter nachgeholten Gastarbeiter haben das Lohnniveau billig gehalten -
was dem Export gut bekam, die Gewinne sprudelten.

Die SPD erklaerte in ihrem Godesberger Programm nun den Marxismus zur Nebensache
und die Demokratie zum Hauptanliegen- so war der Weg zur Volkspartei frei.

Der Spitzenkandiat des Kreises war ein promovierter Buergermeister,
der Sohn eines Dorfschullehrers hatte Medizin, Philosophie, und Theologie studiert,
bevor er Wehrmachtspsychologe und Major wurde.
Im Alter von 45 Jahren kehrte er aus dem Krieg heim, wo ziemlich schwache berufliche Aussichten waren.
Als Holzhauer bei der Gemeinde bekam er die "Schwerarbeiterkarte",
damit er seinen Eltern ein wenig mehr zu essen geben konnte..
Er behielt den Humor und erzaehlt, wie er 1950 kandidierte und den Buergermeisterposten bekam,
wie wenig ernst er die Parteipolitik nahm:
Dr. Seitz habe in den fruehen 50iger Jahren einen Betriebsausflug mit der Gemeindeverwaltung
in eine Gaststaette mit "besonders gutem Hackbraten" gemacht-
dort sollte an diesem Abend eine Parteiversammlung der FDP stattfinden..
Die Zuhoerer saßen erwartungsvoll in der Gaststube und der Redner kam nicht,
weil er sich irgendwo im Westerwald verfahren hatte.
Der parteilose Seitz - wohl nicht gerade bei Mineralwasser sitzend, - bot sich an,
als "Gaststar" einzuspringen..
Der Veranstalter war erleichtert und nahm das gerne an-
worauf der Buergermeister eine flammende Wahlkampf-Rede ueber die FDP hielt!
Sein Gemeinderechner spielte den "Widerpart", der immer mit Zwischenrufen "stoeren" musste -
"batschnaß rasiert" wurde.
Die Position der FDP wurde um so nachhaltiger vertreten -
der tosende Beifall trieb den beiden die Traenen in die Augen.
Als der "Gaststar" zur Toilette musste, kam ein Vertreter fuer ganz moderne Kochtoepfe auf ihn zu:
"Sie haben das eben so gut gemacht, dann koennten sie doch auch mal was ueber meine Toepfe sagen!"
Dr. Seitz fackelte nicht lange, ging in die Gaststube und propagierte
-mit gleichen grossen Erfolg- die neuen Toepfe, wie zuvor die FDP.
Es dauerte nicht lange, bis die offizielle Anfrage der Partei kam, ob er nicht im Wahlkampf aushelfen wolle..

(Mein Gott, gegen solche Akademiker sage selbst ich nichts -
die waeren heute mehr als noetig, wo diese blutleeren Fehlqualifikanten immer mehr nach dem
Geld rufen und nichts zustande bringen, ausser Gewogenheit.)

Damals war so mancher kleine Buergermeister aus der Grube, aus der Fabrik zu diesen Ehren gekommen-
und brauchte eigentlich einen Dolmetscher,
um im Kreisamt vom damals noch verstaendigen Amtschef verstanden zu werden:
In den speziellen Behoerdenangelegenheiten und in den verschachtelten Gesetzen
(die schon immer absichtlich unverstaendlich formuliert wurden)
kannten sich die einfachen Typen nicht aus -
trafen aber auf Hilfsbereitschaft, wenn sie um Hilfe nachsuchten.
Die immer unuebersichtlicher werdene Gesetzesflut hatte fuer die Kreisverwaltung nur den "Vorteil",
dass die Buerger davon noch weniger verstanden, als sie selbst - wie es dort hieß.



Geschichtliches.


Hier komme ich wieder zum urspruenglichen Grund dieser Geschichte-Seite zurueck, zu den ganz alten Zeiten,
die wieder aus den alten regionalen Ortschroniken erlesen sind.
Fuer mich ist die Auswahl immer eine Ueberraschung und ziemlich bunt-
so vielfaeltig wie Geschichte und Geschichten nur sein koennen.
Eine Einkaufstuete voll neuen Lesestoff ist das Ziel.
Manche Buecher sind schon ziemlich vergilbt und in alter Schrift..
Wer weiss, wie lange es die Buecherei noch gibt- Angesichts des Trends, ganze Staedte
unter den "Schutzschirm" zu stellen, nach dem sehr gespart werden muss.
(Und das in Zeiten, wo die Steuereinnahmen mehr sprudeln als je zuvor)
Nun sind die Buecher in der Leseecke: Daeniken meint, die "Steinzeit war ganz anders",
die Geschichte der "Stadt und Herrschaft Weilburg",
"Mit C14 den Vorstoß in die Vergangenheit wagen", sowie ein alter Schmoeker aus dem Jahr 1857,
"das Herzogtum Nassau" mit 780 Seiten alter Schrift..
ein bunter Mix, der bestimmt einige Seltenheiten zu Tage bringen wird,
die mir bislang unbekannt waren!
(Zusammen 1700 Seiten Lektuere, ein ganz normales Quantum einer Charge fuer meine privaten Nachforschungen)

Es war wohl des Nachts, wo der alte Jaeger zusammen mit der Kraeuterfrau zusammen am Feuer hockte,
den Lauf der Sterne - den er schon lange beobachtet hatte - kommentierte:
Die kommen immer wieder, ein wenig veraendert in der Hoehe,
daran kann man erkennen, wie sich der Abend, der Morgen naehert..
Dieses "Naehern" oder "Vergehen" ist ein Wert, wie die Fische im Bach,
wie das Gras das waechst, dem die Wildtiere nachziehen.
So muessen Begriffe gemacht, Ausdruecke oder Ausdrucksweisen fuer "Zeit",
"Alter", "Jahr" oder "Ablaeufe" und..
das unvermeidliche "zum Beispiel" kreiert worden sein..
Lange vor der Schrift, sogar noch vor einer gemeinsamen Sprache, zu Tagen,
als Zeichen und Laute oder Gesten die Kommunikation beherrschten.
Die Beiden haben wohl irgendwann mal begonnen, Markierungen fuer den Sternenlauf,
fuer den Mond, fuer die Sonne und die Veraenderungen daran in einen Felsen zu schlagen -
so war die Vorbereitung zur Jagd ein ganzes Stueck leichter.
Das Wissen um die Heilkraft der Kraeuter war sehr wichtig,
weil bei der Jagd schnell Verletzungen entstanden - die Kraeuterfrau war wohl die einzige
Hilfe bei Geburten und Siechtum.
Die Jagd und die Nahrung machen inzwischen laengst die Juengeren, die Kinder lernten von den beiden Alten,
die dann die Aufsicht hatten.
Die Stunde war schon sehr spaet, man hatte noch ein wenig gegessen
und war am sommerlichen Feuer eingeschlafen, das nur noch wenig waermte-
an einem der fruehen Morgen danach geschah ein Wunder: Die Beiden hatten Gesellschaft!
Zusammengerollt - mit vollem Bauch von den Fleischresten und Knochen,
die weggeworden wurden - lag ein.. junger Wolf,
noch unerfahren und wohl als verletztes Tier von seinem Rudel zurueckgelassen worden, als sie dem Wild nachzogen.
Der Beginn einer wunderbaren und ewigen Freundschaft zwischen Menschen
und seinem Hausgenossen muss so begonnen haben.
Woelfe jagen wie damals die Menschen jagten - im Rudel.
Fuer das Tier ein Leichtes, das zu erkennen und mitzuwirken:
Aufspueren, zusammentreiben - stellen.
Mit dem Speer ging das Toeten leichter und effektiver als mit den Zaehnen -
eine Symbiose bildete sich, die bis heute durch unsere Jagdhunde und Spuerhunde und Drogenhunde -
und wie die Spezialisierungen alle sind, anhaelt.
Das Feuer und die Menschen, die damit umgehen konnten,
war fuer den jungen Wolf ein Schutz gegen den angreifenden Baeren -
Woelfe und Hunde lernen schnell!
Als die Jaeger aus einer Hoehle einen Wolfswelpen mitbrachten,
begann wohl die Vermehrung der "zahmen" Woelfe, unsere spaeteren Hunde.
Man sagt, dass Schakale oder sogar Fuechse daran beteiligt sein sollen - wer weiss das schon?
Einige Rassen sehen heute noch wie Woelfe aus, einige andere eher wie Fuechse
oder noch kleiner und weiter weg vom Stamm.
Die Kraeuter- und Sternenkunde wuchs, daraus entstand mehr Wissen um Wurzeln,
Samen und Urformen von Getreiden, die halfen den langen Winter zu ueberstehen.
Fleisch wurde durch Trocknung und Raeucherung haltbar gemacht -
sehr wichtig, weil das Jagdglueck nicht bestaendig war.
Ab und an kamen "Zuschauer" vom Schlaflager, als die Beiden dort den Mond beobachteten-
oder die Daemmerung "vorhersagten" -
das macht Eindruck und schafft die Grundlage fuer etwas, was man spaeter einmal "Religion" nannte.
Immer wiederkehrende Ausdrucksformen bildeten neue Sprachmuster,
die staendig geuebt wurden, bis sie jeder in der Gruppe verstand.
Namen entstanden fuer die Gegenstaende, Tiere, fuer alle Dinge in der Natur-
auch fuer die Gruppenmitglieder untereinander.
So konnte gezielt eine bestimmte Person gerufen werden -
der Wolf oder besser fruehe Hund hoerte auch schon darauf,
weil sein Name oft genug genannt und gerufen wurde.
Die Kinder lernten von Anfang an diese neuen Worte -
"learnig by doing" wuerde man heute wohl dazu sagen..
Die Hunde meldeten den einsamen Jaeger eines anderen Stammes an, der sich am Feuer waermen wollte -
mit einem kleinen Gastgeschenk - so begann ein Informationsaustausch.
Dem Fremden wurde einiges stolz vorgefuehrt, was dieser staunend aufnahm
und als Neuigkeit mit nach Hause nahm..
Trampelpfade zwischen den befreundeten Sippen entstanden, es begann ein kleiner Handel-
hier gab es Salzsteine, dort Beeren..
hier war einer besonders geschickt im Klingen machen,
dort eine mit der Begabung Schuhe zu machen, die besonders angenehm zu tragen waren..
Auf seltenen Fundstuecken wurden sogar Zeichen gefunden, die auf einen Macher schiessen liesen,
irgendwann kam ein "hat gemacht" dazu -
bis zur rudimentaeren Schrift dauerte es aber noch recht lange und nur wenige Voelker benutzten
eine solche Ausdrucksform.
Im germanischen Raum wurde alles muendlich weitergegeben, bis auf wenige Runen,
die von den spaeteren Priestern und Heilern, den Schamanen benutzt wurden.
Andere Voelker waren da weiter und brachten spaeter dieses Wissen in unsere Region,
die schon immer Durchzugsgebiet war-
vom Orient bis Occident war ein Streifen frei von dem Eis der damaligen Eiszeit,
das gerade dabei war zurueck zu weichen.

Aus Lauten und Gesten wurden gesprochene, geschrieben und durch Gebaerden manifestierte Sprachen,
aus manchen Alten wurden Schamanen, aus diesen Adlige, aus Hoehlen wurden Huetten,
Haeuser, maechtige Burgen und Schloesser bis zu Wolkenkratzern-
aus Trampelpfaden wurden Feldwege, Strassen, Autobahnen, Eisenbahnen, Schiff- und Flugrouten-
aus den Woelfen dusselige Huskies und verkuemmerte Mutanten, wie Zwergterrier und Moepse..
Die Technik entwickelte sich, wie wir alle wissen - riesig.
Aus den Geheimnissen der Alten entstanden Glaubensgemeinschaften-
viel staerker jedoch Schulen und die Forschung.

Was im Mittelalter an Gewalt von den Burgen und Schloessern ausging,
ist heute durch die Macht der Politik mit abertausenden von Gesetzen geregelt,
die aus den alten Verhaltensregeln und Gebietsanspruechen erwuchsen.
Je mehr das Wissen wuchs, um so mehr Regelungen wurden noetig.



Das Buch Erich von Daenikens "Die Steinzeit war ganz anders" aus dem Jahr 1991
sei in diesen Zusammenhaengen ausdruecklich und nachdruecklich als Lektuere empfohlen -
das Buch zu kommentieren, steht mir nicht zu, es zu empfehlen aber schon !
Seine unnachahmliche und dabei menschliche Art des Hinterfragens mit wissenschaftlichem
Hintergrund ist einzigartig..

Woher die Megalithen stammen und die Anlagen der Steinzeit und die Aehnlichkeiten der Mythen
ueber fliegende Wagen und Goetter, Riesen und andere Gestalten, die in allen Religion
zu finden sind, lassen fuer mich diesen Schluss zu:
Die Erdteile hingen zusammen und drifteten erst allmaehlich auseinander-
ob es nun das war oder die Faehigkeit andere Kontinente zu erreichen,
ob es noch Landbruecken gab- die Verwandtschaft der jetzigen Menschen
(die aus dem Chromagon-Typ) entstammen, ist unverkennbar.
Uebrigens hatten die ausgestorbenen Vorlaeufer, die man Neandertaler nennt,
ein durchschnittlich groesseres Hirnvolumen als heute..
(1750ccm, heute 12-1800ccm)
Ob der modernere Menschentyp nun seinen Ursprung im jetzigen Afrika hatte
(das damals ein ganz anderes Klima gehabt haben muss) oder im Zentralmassiv
des asiatischen Kontinents, ist eigentlich nicht so wichtig.
Die Menschen sind allemal gereist und hatten Kontakte- durch Haendler,
Priester, Krieger, Jaeger, Sammler..
Die Verbreitung der Kulte und deren Bauten ist fuer mich somit nicht sonderlich verwunderlich..
Daeniken meint zwar, dass die einfachsten Loesungen nicht die hellsten sein koennen-
dennoch wird die Wahrscheinlichkeit,
dass die "grossen mathematischen Uebereinstimmungen" vermutlich Zufall sind-
damals hatte man weder Schrift noch Zahlen ;)
Ich kann in jeder Mauer astronomische Uebereinstimmungen oder mathematische Gleichungen entdecken,
so mir die Recherche des Browsers hilft.. (Ich bin nicht studiert!)
Vielleicht sind die Steinkreise "nur" Kalender und die Dolmen nur "Schutzraeume" gewesen?
Manche Anlagen liegen im Meer, was sich durch den Anstieg des Wassers
vor ueber 10.000 Jahren erklaeren lies- damals soll die Temperatur um 7 Grad
gestiegen sein, was wohl einen aehnlichen Polkappen-Schwund bedeutete, wie heute wieder zu sehen ist.
Vielleicht folgten die Religionen und ihre Gebraeuche nur den Menschen, die wiederum den Tieren folgten?
Selbst die Radiokarbonmethode mit den neueren Zerfallsanalysen kann nicht sagen,
wann ein Stein bearbeitet wurde, der 15 Millionen Jahre alt ist.
Wissenschaft ist immer ein Stueck Eitelkeit und Raterei, die nicht transgen
zu anderen Disziplinen ist, wie Daeniken richtig schreibt..
..so bleibe ich einfach mal bei meinen beiden Alten, die am Lagerfeuer die Sterne beobachteten!
(Nicht nur aus romantischen Gruenden - vermutlich wird es so gewesen sein,
dass die Entwicklung der Menschheit derartig einfach anfing, auch wenn das "unwissenschaftlich" klingt.
Die einfachsten Gruende sind meistens die stimmigsten!)
Daenikens Buch ist durchgelesen - seine Erkenntnisse, die Linien und Punkt
e mit mystischen Dingen verbinden, sind nicht die meinen.
Spannend ist jedoch dies: In japanischen Shintowerken ist von "schwebenden Himmelsbruecken"
und von "Goetterfahrzeugen, die wie Schiffe in den Wolken schwimmen"
und von einem himmlischen Felsenkahn die Rede.
Bacon, der spaetere Franziskaner war Lehrstuhlinhaber in Oxford- 1256 vermerkte er:
"Es koennen auch instrumenta volandi hergestellt werden, es ist gewiss, dass man Instrumente zum Fliegen hat"

Die vielen, vielen Buecher ueber Geschichte lassen in mir den Schluß aufkommen,
daß Machthaber am besten in den Turm gesperrt gehoerten oder gehoeren,
sowie sie anfangen in den Krieg zu hetzen oder diesem zuzureden.
Deren Ratgeber am besten gleich mit!
Das wuerde jenes unsaegliche Leid bereits im "Vorfeld" verhindern,
das durch Voelkermorde und Erschießungen durch Verweigerung passiert.
Kein Konflikt ist so wichtig, daß zu Bomben gegriffen werden muesste -
es gibt immer diplomatische Wege und wenn diese noch so lange dauern.
Statt "Immunitaet" sollte Vorbildfunktion stehen - denn diese Ausrede, ungestraft
gegen alle Gesetze verstoßen zu duerfen, ist ein Unding.
Von den Huetten ging noch kein Krieg aus, sondern immer nur von den Palaesten!
Kriege zeugen von Menschenverachtung und Hass und Neid und Mißgunst, die alten Uebel-
daran seinen Gewinn "maximieren" zu wollen, zeigt unglaubliche Haesslichkeit des Geistes.
Wenn ein PolitikerIn solche Gelueste zeigt, dem anderen Land seine Lebensweise aufdruecken zu wollen,
ist dieses laengst schlimmer als alles, was man sich an Taten vorstellen kann,
die ein einzelner je tun koennte..

Statt Buerokratur oder "konstitutionelle Demokratie", bei der das Mandat unkontrollierbar
vergeben werden muss- waere eine echte, gelebte Demokratie,
die von den Menschen selbst kommt, dringend geboten!



Geschichtliches.


Karl der Große tat wie der roem. Kaiser Augustus- ein absolutistisches Regime aufzubauen.
Die letzten aristokratischen der Volksherzoege wurden beseitigt.
Die Gaugrafen wurden nicht mehr demokratisch ! gewaehlt, sondern vom Kaiser als Koenige eingesetzt.
Von nun an musste nicht mehr im Namen des Volkes ! gesprochen werden, sondern im Namen des Koenigs.
(Aehnliche Bestrebungen hat unsere heutige losgeloeste Gesetzgebung und die Parteienlandschaft)
Karl schickte Sendgrafen zur Kontrolle.
Ein geistlicher und ein weltlicher Herr sprachen im Sprengel Recht,
das fuer die Bewohner das hoechste Appellationsgericht war.
Absolutistische Herrschaften gab es auch durch die Geistlichkeiten,
die sich in Bistuemer, Archidiakonaten und Landkapitel gliederten.
Die geistlichen und weltlichen Fuersten wurden von Karl dem Großen gleichberechtigt eingesetzt.
Nun versammelte sich nicht mehr das ganze Volk im Maifeld,
sondern nur noch Adlige, Geistliche und Freie als die drei Reichstaende-
der Rest der Bevoelkerung hatte nichts zu melden..

Nun, Weilburgs Geschichte ist wohl immer die von den Herrschaften gewesen, nicht eine der "kleinen Leute":
.."So wurde von den Freien Recht und Willuer stets weiter ausgebildet,
so versanken dagegen die Unfreien immer weiter in Verknechtung"
Und "durchmancherlei Umstaende kam es, wie schon erwaehnt, dahin,
daß immer mehr Angehoerige des Standes der Gemeinfreien in den der Paechter,
der Hoerigen hineingedraengt wurden."
Weiter: " Der Hauptgrund war Verarmung, und zwar geschah diese Verarmung
durch die immerwaehrenden Fehden der Herren untereinander,
denn wenn ein adeliger Gegener dem anderen selbst weidlich Schaden thun wollte,
so verwuestete der die Gueter von dessen Schutzbefohlenen,
und Hoerien und toetete diese, soviel er ihrer habhaft werden konnte.
Durch diese Verwuestungszuege ! konnten dann auch die ungluecklichen unfreien kleinen Bauern
ihren Pflichten nicht nachkommen -
die Lasten haeuften sich, so sanken diese Armen eine Stufe tiefer.
Der Stand der Hoerigen kam schon im dreizehnten Jahrhundert dem der Leibeigenen sehr nahe,
vielfach verschmolz er ganz mit diesem.."

Unsere Politiker waehnen sich heute als Zehntgrafen, sie suchen willkuerlich
nach immer neuen Abgaben, machen sich selbst den Sack voll-
obwohl sie vom Volke gewaehlt- diesem dienlich sein sollten..

Zurueck zu Koenig Konrad, dem Franken- der seinen Bruder Eberhard (Frankenherzog) bat,
dem Sachsenherzog Heinrich die Koenigsinsignien,
Krone und Lanze zu uebergeben - wo er auf dem Sterbebette lag.
Widerwillig kam Eberhard dem Wunsche nach - der Sachse Heinrich wurde
als einzig wuerdiger Nachfolger gesehen.
Der Grundstein zur Groesse des Deutschen Reichs war gelegt.
Heinrichs Sohn, Otto, der sich zuerst Koenig der Deutschen nannte,
erweiterte das Reich, vernichtete die Feinde, erwarb die roemische Kaiserkrone.

Otto vernichtete auch die Macht, die seinem Vater zur Krone verhalf.

Der ergeizige Eberhard hielt jedoch zu dessen Vater, dem Heinrich,
er verbuendete sich mit dem widerspenstigen Giselbert von Lothringen und beide wurden in Fehden
mit anderen von einem Vetter getoetet, Nachkommen hatte Eberhard nicht,
deshalb starb die konradinische Linie aus. (Zum Glueck)

Das Ottonische Reich (Heinrichs Sohn Otto) hinterlies einen juengeren Ottonen,
der aber wieder mehr Macht bei den Herzoegen zulies, mit den Freien, die an jede gefesselt waren -
und mehr Macht der Geistlichkeit.

Ganze Ortschaften, Abteien, Laendereien, Fluesse und weiss der Kuckuck was alles aufgefuehrt wurde,
wechselten zu den Klerikern - die ihren Reichtum im Wormser Erzbischoftum mehren konnten.

Der Nachfolger Ottos dem Juengeren, Kaiser Heinricht II,
war nicht minder freigiebig dem Wormser Stift gegenueber - sie
"Stadt "Wilineburg" (Weilburg" und alle Hoheit, die in des Koenigs Haenden liegt,
mit jeglichem Zubehoer, Knechten und Maegden, Plaetzen,
Gebaeuden, gebautem und unbebautem Land,
Weiden, Koppelweiden, Waeldern, Jagden, Mastungen, Wassern, Muehlen, begangen und unbegangen,
Ausgaengen und Niedergaengen, Gesuchtem und zu Suchendem, auch
dem koeniglichen Banne und allem, was immer als rechtmaeßig dazu gehoerend
und nutzbar benannt werden mag"

In dieser Ausdehnung haben wir uns das alte Weilburg in den Jahren 1000-1200 zu denken.
Gebueck umschloss als Befestiung, das waren gepflanzte Baeume,
die in Mannshoehe die Aeste in den Boden gebeugt bekamen, damit diese wurzelten
und verflochten ein fast undurchdringliches Dickicht bildeten-
zusammen mit Graeben ein guter Schutz.

Die Koenige haben seinerzeit mit den Schenkungen an die Geistlichen die Immunitaet verliehen
und waren von der Gerichtsbarkeit befreit!
(Ein Unding, das heute unsere Politiker und Diplomaten wiederholen)

Bischof und Abt liesen durch den Vogt oder Bistum Recht sprechen-
das umformte die alte Gauverfassung als ueberkommen.
Die Gaugrafen sahen das als das was es war- als eine Bevorrechtung oder Entmuendigung.
Durch diesen Zerfall der Strukturen erhoben sich maechtige Gaugrafen,
die genug Land und Leute hatten - und bildeten einen Staat im Staate.
(Subkultur wuerde man heute sagen)
Als die fraenkische Dynastie den Koenigstron bestieg (1024),
unterschied man die Staende: Herzog, Geistlicher, Graf, Freiherr und freier Bauer.
(Aus Freiherren gingen Gau- Zent- Vogteigrafen hervor)

So kam das kirchliche Leben in eine neue Gliederung-
mehr Gotteshaeuser erforderten "Parochi", also Pfarrer, Kirchspiele, Landkapitel und Archidiakonate.

Im 13.Jhd. verpfaendete das Bistum Worms die Vogtei Weilburg an Nassau verpfaendet.
Dazu gehoerte die Stadt Weilburg mit dem Flecken Weilmuenster und 23 Doerfer und ein Hof.
Unser Dorf ist darunter als Sigibahe oder Sigelbach verzeichnet.

In der "goldenen Bulle" von 1356 wurden die Vorherrschaften eingetragen,
desgleichen die damals zahlreichen Reichsritter, von denen viele Orte einige hatten.
Durch Verarmung konnten diese sich zusammenschließen und eine der Burgen kaufen
oder sie gingen in Gruppen zu einem groeßeren Herren,
mancher verpflichtete sich einem Dienstherren oder versuchten
sich mit einem Stueck Land in Lehen zu verdingen.
Viele haben ihren Status als unmittelbarer Reichsritter verloren.
Weilburg zaehlte so 93 Vasallen im 15.Jhd.
Mancher war ein "Stehgreifritter, Buschklepper, Straßenfahrer" geworden.
Diese Leute waren gefuerchteter bei den Buergern als die Fuersten- was schon etwas bedeutete.
Im Staedtchen Weilburg waren regelmaeßige Straßenanlagen
fuer die Buerger gar nicht beabsichtigt, die sich um die Herzoeglichen Anlagen ansiedelten.
Zahlreiche Reuel (ruelles, Gaeßchen) geben davon bis heute kunde.
"Wie der deutsche Bauer draußen auf dem Lande sein Anwesen mit Gebaeuden versah,
unbekuemmert um den Standort des Nachbarn, rueckte alles nah zusammen"
"So lies jeder thunlichst den Zugang zu seiner ueberbauten Einfahrt frei,
einstoeckige, aus Lehm, Holz und Stroh errichtete Haeuschen mit Strohdach
waren die Regel- selbst der Adel hatte selten Steinhaeuser"
Die Stadt Weilburg liegt auf einem Kegel, abgeschlossen von der Lahn,
die fast rundherum fließt, zwei Stadttoren und einer Stadtmauer mit ein paar Tuermen zum Schutz.
Eine steinerne Bruecke mit jenseitiger Ueberbauung und einem daran anlehnenden Wehrturm war
die Zufahrt zur einen, ein maechtiges Landtor zur anderen Seite hin.
Die Einwohner bildeten einen wehrhaften Waffendienst der Wache, die spaetere Buergergarde-
so blieb die Stadt das Mittelalter hindurch unangetastet..

Des Grafen Kanzler oder Cancellarius war der Schreiber, ein staendig zugegener Mann,
der des Lesens und Schreibens maechtig war, so wird berichtet.

Fuer die Raete reichten die Vasallen..
Der Graf besorgte sonst seine Angelegenheiten noch persoenlich -
so wird von einem Lynneweber berichtet, der "ledig gesprochen" wurde,
sich aber verpflichten musste, "sich ein Weib zu kaufen und in der Stadt
zur Buße wohnhaft zu bleiben"
Die Hofbeamten waren der Mundschenk, Truchseß, Marschall und der Kaemmerer.
Die Buergerwehr, die Vasallen und deren Knechte zu Fuß waren Schutz und Polizei zugleich -
wenn "Not an Mann" war, wurde durch Eilboten wurde im Land ein
"Notgeschrei oder Landgeschrei" verkuendet - worauf sich die Bauern unter Bewaffnung zusammen rotteten.
Diese trafen sich regelmaeßig zu Uebungen unter Waffen, sie waren die Landmiliz oder Landausschuß.
Die Regalien lagen bei den Fuersten, die ueber Muenzwesen, Abgaben und Rechte walteten.
Die "Dinge" schlichteten Streitigkeiten, setzen Strafen aus,
befahlen Grenzbegehungen durch die Maerker, Weide- Jagd- und Wasserrechte,
die durch fuerstliche Gewalt erworbenen Rechte wurden geschuetzt-
Sitzungen endeten immer mit einem ausgiebigen Mahle..
Ferner wird berichtet, dass schon damals das Wild erheblichen Schaden an den Feldern anrichtete,
die Bauern damals jedoch kaum Entschaedigungen verlangen konnten -
einzig wichtig war das eifersuechtig gehuetete Jagdglueck der Herrscher.
Man sieht schon, dass auf den Bauern (und das waren eigentlich frueher alle Leute,
die einen kleines Stueck Grund hatten)- viele Dinge lasteten.
Die Einkommen entstanden durch Flachs- und Garten- Weinanbau, Aepfel,
Birnen, Zwetschen- die Fortschritte nur ganz langsam brachten.

1317 heißt es in der Chronik, dass die "fetten und ueppig gewordenen Kleriker
sich einer Reformation an Haupt und Gliedern unterziehen mussten"

Bereits im achten Jahrhundert wurde im Weiltal Bergbau betrieben,
eine geordnete Waldwirtschaft gab es aber noch nicht- so wurde der Wald kahl und leer.
Selbst wenn einer den Grund kaufte, Gebaeude errichtete, Leute beschaeftigte,
wurde vom Bergregal die Genehmigung erforderlich, was viele Abgaben brachte..
Die "Udoschmiede" (Audenschmiede, heute ein Ort im Weiltal)
hatte dem Grafen jaehrlich 8 Wagen Eisen und 4 Paar Pflugscharen und von der Hofstaette
4 Gulden zu entrichten, zusaetzlich durfte er 6 Wochen im Jahr
durch seine Schmiedeknechte dem Grafen dienlich sein ..

Das Kloster Pfannstiel (darueber habe ich zuvor schon einiges geschrieben)
hatte seinen Namen "von einer Reliquie, dem Stiele des Breipfaennchens Christi" !
Wow, das ist doch schon mal was..
.. von dort seien die umliegenden Doerfer "geistlich versorgt" worden.
Durch hochherzige Schenkungen wurde die Bruderschaft wohlhabend und zum Wallfahrtsort.
Die dann aufkommenden anderen Verwirrten nannten sich "Reformatoren"
und diese wetterten gegen diesen "Baalsdienst" der dort betrieben werde..

Nassau und Saarbruecken wurde durch die Bauernkriege wohl nicht beruehrt,
die aus dem Religionswahn entstanden waren.
Ausser dem Verbot oeffentlicher Versammlungen - ausser reiner Religionsausuebung -
erlies der Graf keine Verordnungen in dieser Sache.
Die Reformatoren hielten auch in Weilburg- bis heute- reiche Beute.

Der Weilburger Kirchturm auf dem Schlosshof fasste einen 500 Ohm großen Kupferbehaelter,
wohl ca 10qm3 Wasser, das von der Brueckenmuehle hochgepumpt und zur Speisung der Brunnen verwendet wurde-
das wird so um 1555 gewesen sein.
1625 wird berichtet, dass die Bauernkriege, die ueberall im Reich entsetzlich wueteten,
an Nassau-Weilburg vorbei gingen- der Graf regierte dabei geschickt nachgiebig, taktierend.
Die Entwicklung des Raumes war aber nur sehr langsam.
Die beiden Dekaden des 17.Jhds brachten an der Lahn und im Westerwald das "schnelle Sterben",
wo innerhalb von Stunden die Leute wegstarben.
(Man vermutet, dass es eine Art der Influenza gewesen war)
Wegen den schlechten Wohnungen und des schlechten Wassers konnte sich die Cholera ausbreiten.
1611 kamen Mißernten, Hagelschlag und der Hunger, wie im Gefolge.
Dank spaeterer Vorsichtsmaßnahmen war die dann einfallende Pest schnell wieder vorbei.
Die Lahn soll 1614 so hoch gestiegen sein, daß Haeuser weggerissen wurden-
die steinerne Lahnbruecke aber hielt,
obwohl sie total ueberschwemmt gewesen sein soll- die Gaerten brauchten noch Jahre,
bis sie wieder richtig trugen.
400 Obstbaeume, so der Chronist weiter, sollen entwurzelt und weggeschwemmt worden sein-
wie Schafe, Kuehe und Pferde, die nicht zeitig von den Weiden geholt wurden.
Die Religionen lagen im Streit und wirkten wie die Fortsetzung der Seuchen und Katastrophen.

Als 1608 die Ritterzeit vorbei war, die alten Ruestungen hielten den Feuerrohren nicht mehr stand.
An die Stelle der Reiterheere traten Soeldner und Landsknechte mit Musketen.
Kleinstaaten konnten sich das nicht leisten, zumal
sie auch noch an den Landesherren Kriegsabgaben leisten mussten.
Die Staende aber verharrten nach wie vor in den alten Ordnungen,
der Adel musste aber den "Ritterlichen Verpflichtungen" entsagen.
Entweder hatten sie genug Geld, um sich des Spiels, Weib und Gesang hinzugeben-
oder gingen bei den naechsthoeheren Adligen in Diensten.
Nun kam ein neuer Stand gebildeter Buerger auf, die Beamten:
Nach oben buckeln, nach unten treten..
Diese wurden- wie die Geistlichen- eines Standes zugerechnet.
Die einen dientem dem Fuersten, die anderen Episcopus- auch ein Fuerst, wenn auch ein kirchlicher Herr.
Neben Kraemern, Handwerkern und neuen Beisassen,
den Zugezogenen waren damals noch sehr viele Bauern in den Staedten,
wer einen Acker bestellte, war ein Bauer, auch wenn nebenbei noch ein anderes Gewerk getan werden musste.
Durch die extrem hohen Lasten als alle, die irgend ein Einkommen hatten
-wozu freilich am ehesten jener Bauer gerechnet wurde,
fielen viele Familien in Armut und somit in Abhaengigkeit,
weil das Anwesen und der Grund verpfaendet werden musste um die Steuern zu begleichen.
So brauchte es keinen Bauernkrieg und keine durchziehenden Horden, dass die Armut und Unfreiheit Einzug hielt.
Dazu kam, dass Leibeigene nach Belieben verkauft werden konnten - mitsamt den Kindern.
Es soll vorgekommen sein, dass in einer Familie der Vater, einem Herren,
die Mutter mit den Kindern einem anderen "gehoerte".
Nicht nur durch das Anwachsen der graeflichen Hofhaltung, sondern durch den Obolus
der Tuerkensteuer, die Landsknechte, Besoldung der Geistlichen und der Beamten,
die verbesserte Infrastruktur und Verwaltung - wurden die Kosten kraeftig erhoeht.
Statt in Naturalien mussten nun die Abgaben durch Geld beglichen werden.
Der Uebergang der Natural- zur Geldwirtschaft zeichnete sich ab.
Der Obstbau wurde verbessern durch Veredlung - man soll aber nicht
unbedingt an einen Genuß denken, wenn der damalige Wein gemeint war.. "schippelichst haeßlich"
Nassau-Weilburg hatte keinen nennenswerten Handel mit Lebensmitteln - das Laendchen ernaehrte sich selbst.
Manufakturwaren kamen aus Limburg, die fliegenden Haendler brachten auch einiges mit.
Drei große Straßen durchzogen das Gebiet
(heute wuerde man eher Feldwege dazu sagen) - die Runkeler Straße an der Lahn entlang,
die Hessenstraße von Limburg ueber Langhecke bis ins Weiltal
und die Frankfurterstraße, die von der Mainzer - Straße in Rennerod abzweigte,
ueber Neunkirchen, Merenberg, Weilburg, Tiergarten, Graevenwiesbach, Usingen, Saalburg,
Homburg nach Frankfurt verlief.

Die Post wurde durch Laeufer von Ort zu Ort befoerdert, die mit einer Briefbuechse
und einer langen Lanze unterwegs waren, mit der sie nicht nur
Raubzeug oder Hunde abhalten konnten- sondern sogar Spruenge damit vollfuehren..

Noch 1570 mussten Treiberdienste in Fronarbeit getan werden: "In großen Garnen"
haben sogenannte "Huehnerfaenger" Hasen und Huehner zur Strecke gebracht.
Wie schon erwaehnt, mussten Mueller die Jagdhunde der Herren aufziehen,
"Bluthunde und Windhunde gingen im Tausch in die Niederlande, maechtige Lieferungen
von Wildbret wanderten in herrschaftliche Kuechen"
Im Jahr 1635: Mord, Pluenderungen, Schaendungen, alles Vieh geraubt,
Haeuser und Ernte verwuestet als der Winter kam.
Ausgehungerte Soeldner, Aschenhaufen, Blutlachen und verwesende Leichen,
nur Raubtiere und Aasvoegel als einzig lebende Wesen,
ueber allem der verderbenschwangere Pesthauch -
so sah das in unseren Gebieten aus..

Die Provinzfuersten sahen im Pariser Hof das Idol schlechthin,
jeder schickte seine Soehne (die Toechter blieben wohlbehuetet daheim) dorthin,
damit diese "Lebensart" und "Hofart" erlernen sollten.
Die Franzosen waren ihrem Souveraen, dem "Sonnenkoenig" (Parallelen zu dem Japanischen Kaiser?)
sklavisch ergeben, wie es heißt.
Dieser wiederum tat alles, um im "goettlichen Lichte" zu erscheinen,- ebenso sklavisch.
Jeder kann nachlesen, was es mit dieser "Hofart" auf sich hatte, deshalb erspare ich mir hier Einzelheiten.
Dieses "oh lodernd Feuer, oh goettliche Macht" wurde schon von Nero besungen,
von unseren Politikern -zumindest im stillen Kaemmerchen- bewahrt.

Das Volk zahlte die ganze Zeche und wurde so ausgeblutet,
was die gesamtvolkswirtschaftliche Entwicklung hemmte bis behinderte.
Desgleichen taten deren "Feldherren" mit Vorliebe- sie ergoetzten sich an der Macht,
Menschen gegeneinander blutig und totschlagen zu sehen- nur weil ein "Befehl" erteilt wurde..

Vom "Selbstverwirklicher" oder "Wendehals" bis zum Despoten ist es nur ein ganz kleiner Schritt!



Geschichtliches

Die Chronik der Stadt Weilburg geht weiter:
Was zu Zeiten als "Buergerkrieg" bezeichnet wurde,
hatte stets die Ursachen beim Adel und bei den Klerikern - die befahlen.
Von sich aus, waere keinem Bauern und keinem Handwerker eingefallen irgendwo einfallen zu muessen -
mit Sicherheit nicht.
Fakt war, dass lagernde oder durchziehende Truppen - egal woher und von wem diese kamen -
Exzesse trieben, Verwuestungen anrichteten und pluenderten.
So mancher Fuerst- auch unser Karl zu Nassau Weilburg setzte sich dorthin ab, wo er in Sicherheit war.
Neben der drueckenden Einquartierung von Truppen hatte das Laendchen
unter Landstreicherbanden und Hausiererbanden zu leiden 1761-1763 wurden richtige große Razzias gefuehrt.
Diese Leute lagerten vor den Stadttoren, stahlen Holz und Feldfruechte,
so daß die Husaren geholt werden mussten.

1776 kamen Simultanschulen auf, die in allen Religionen unterrichten sollten.
Lt. Chronik behagte das den beiderseitigen Geistlichen nicht, die sogleich die Bauern aufwiegelten,
die dann gegen das "heidnische Vorhaben" marschierten.
Der Fuerst musste fluechten, - erst als Militaer einrueckte, war Ruhe.
Die unheimliche Macht des "Glaubens" war wieder kanalisiert..

Zudem kamen immer wieder Hungersnoete in den Jahren 1771-1772, harte Winter,
so auch 1784-1785,- dank guter Vorsorge war diesmal die Not zu lindern.
Durch eben diese ruehrende Vorsorge des Fuerst Karl war auch seine eigene Familie abgesichert:
1754-1783 kaufte er Domaenengueter fuer 1.350.000 Gulden und Renten,
darunter die Renten des Klosters Rosenthal - zu laeppischen 158000 Gulden.
Er schaffte Fonds fuer den wertvollen Schmuck, kaufte ganze Ortschaften, tauschte, vertauschte gut 200 Objekte.
Die zunftgerechte Ausschmueckung der Schloesser hatte er nicht vergessen,
der Gute- das Weilburger Schloss wurde fuer 12300 Gulden mit neuen
Moebeln, fuer 5200 Gulden mit Damasttapeten ausgestattet.

Der Oesterreichische Kaiser Josef II verlieh dem Karl das Praedikat "Durchlauchtig Hochgeboren" im Jahr 1784.
So lautete die offizielle Unterschrift Karls:

Fuerst zu Nassau, Graf zu Saarbruecken und Saarwerden, Herr zu Lahr und Mahlberg,
auch Wiesbaden und Idstein, des oberrheinischen Kreises kommandierender Generalfeldmarschall und Obrister eines Regiments der Infantrie,
Ihrer hochmoegenden der Herren Generalstaaten der vereinigten Niederlanden bestellter
General der Infanterie und Obrister-Kommandant der Garde zu Pferd, Gouverneur zu Maastricht,
des koeniglichen daenischen Elefantenordens Ritter..
Zuvor hatte man ihn noch zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt.
Er war allerdings nie ein richtiger Soldat, so die Chronik- aber sehr beliebt
wegen seiner Leutseeligkeit und Fuersorge bei den Weilburgern -
obwohl diese ihn kaum in ihrer Mitte sahen- er regierte gerne von Kirchheim-Bolanden oder von Holland aus.

Nach dem großen Krieg langen mitten in der Stadt,
innerhalb der Stadtmauern weite Flaechen brach und wuest,
die kleinen strohgedeckten, einstoeckigen Haeuser mit den Stallungen waren wohl abgebrannt.
Aus dem "Gewirr von Haeusern" war Oedland geworden.
So bekann Graf Johann Ernst mit einem Wiederaufbauprogramm zwischen 1703-1713,
das damals schon recht einzig war.
Er nahm dabei Unsummen "in die Hand" um nicht nur das Schloss, sondern auch die Infrastruktur neu aufzubauen.
Die ganze Verwaltung wurde neu eingerichtet- die Dienststunden der Beamten
waren im Winter 8-12 und 13.30-16 Uhr, im Sommer 7-12 und 13.30-17 Uhr.
(Also weniger als heute)
Das Schloss wurde renoviert und erweitert, was besonders die Gaerten anbelangte.
Als Beamte traten auf: Der Kaemmerer oder Hofmarschall, der Stallmeister,
der Kuechenmeister und der Mundschenk, der Hofjaegermeister und Huehnerfaenger,
Hofbaumeister, Hofprediger, Hofarzt, Oberforstmeister, Schlossverwalter oder Burggraf,
Silberkaemmerer, Beschließer, Hoftrompeter, und der Hofgaertner,
Hofmeister und Informator der Kinder und der Lehrer.
Ferner Kammerherren und Hofdamen und das niedere Dienstpersonal,
dann die in der Stadt wohnenden Handwerker mit Hoftitel.
Hoehere Beamte bekamen 250-500 Gulden, die mittleren 100-250 Gulden, Knechte
und Maegde 8-40 Gulden- manche bekamen auch noch Naturalien-
die Hofhandwerker hatten 200 Gulden abwaerts!

Unter vielen Details fand ich diese Hinweise:
Die Wasenmeisterei und das Lumpensammeln gab es in Konzession, der Schinder,
der krankes Vieh entsorgen musste, war zugleich der Scharfrichter.
Es gab manigfaltige Lotterien, haupts. zu Jahrmaerkten, die -wie alles- gut
besteuert und konzessioniert waren.
Desgleichen tat man bei den Gewaessern- es wurde streng darauf geachtet,
dass keiner heimlich fischte- ich lese, dass damals der Lachs bis in die Dill
gestiegen sein und die Fluesse sehr fischreich gewesen waren.

Eine fruehe Form der Krankenkasse hat der Graf einrichten lassen-
die Gesellen mussten einen Teil des Lohnes in eine gemeinsame Kasse geben,
damit im Krankheits- und Todesfalle die Kosten geregelt werden konnten.
Zur Loesch-Hilfe war jeder verpflichtet- auch hier bildete sich der Vorlaeufer
der Nassauischen Brandassekuranz heraus.
Nach einem Brand wurde neu geschaetzt und die neuen Beitraege festgelegt, die jeder Hauseigner zu tragen hatte.
Brunnen mussten deshalb Nachts beleuchtet sein..

Gefaehrliche Tiere fanden in den langen Kriegsjahren reiche Beute,
die vermehrten sich rasend- besonders die Woelfe.
Sie richteten unter denen -zur Eichelmast- in den Wald getriebenen Schweinebestaenden große Schaeden an.
1643 und 1683 soll die Wutkrankheit bei den Woelfen gewesen sein - mit ganzen Gemeinden,
die mit Waffen und Netzen ausgeruestet wurden,
ging es auf die Jagd nach diesen Tieren. Wie schon erwaehnt, wurde ca 1850 der letzte Wolf erschossen-
bis dahin wurden jedes Jahr 200 Stueck getoetet, die Nester ausgehoben, so die Chronik.

Ausgerechnet die Pfarrer sollten darueber wachen, dass die "Sittenzucht" (1740) zu ueberwachen sei,
"Ausschreitungen" bei Kirchweihen, Hochzeiten,
Kindtaufen und Leichenfeiern nicht zum "Fressen und Vollsaufen" ausuferten..
Tanz und Musik wurden beschraenkt, Wirtshaeuser wurden kontrolliert mittels der "Frevel- und Ruegenordnung"
Spiel- und Spinnstuben wurden als "unordentliche Zusammenkuenfte" untersagt.
Zur Winterszeit wurde die Spinnstubenverordnung nur mit der Maßgabe gelockert,
wenn sich die Insasssen verpflichten, fuer Weilburg zu arbeiten.
"Mannspersonen" sollte der Zutritt verwehrt sein, ausser sie wohnten im Haus der Zusammenkunft.
Die Stadt hatte auch ein paar Gefaengniszellen- die maennlichen Gefangenen mussten Wolle weben,
die weiblichen spinnen.

Im dicken Waelzer ueber das Herzogtum Nassau wird sehr viel mehr an Details zu finden sein..

Die Chronik schreibt, dass die seit zweihundert Jahren bestehende Kirchenordnung
"sehr das absolutistische Regiment des Landesherren und des Superintendenten staerkte"-
sie trug den lutherisch-aristokratischen, bischoeflichen-evangelischen Charakter..

Was das religioese anbelange, war Graf Ludwig "besonders duldsam".
Er soll auch fuer die "angemessene Besoldung des Superintendenten" gesorgt haben.
Was nicht zusammen passt:
"Zur Uebung groeßerer Sparsamkeit" (freilich nur bei den "Landeskindern") ordnete er an,
daß bei Begraebnissen von Kindern bis zum 6. Lebensjahr
Keine Predigten, Steine und Kreuze errichtet werden sollen.
(Wohl auch keine Totenfeiern, - es ging ihm um das Geld)
Da erst fingen die Leute an zu murren und das Edikt wurde 1762 wieder aufgehoben.

Die Lehrer klagten ueber einen Mangel an Disziplin,
"hauptsaechlich wegen der Willkuer der Eltern", die sich keinen Schulregeln beugen wollten.
Ueber Fehler in der Methode, die sich nicht nach den Faehigkeiten der Kinder richtete,
ueber unpassende Schulbuecher und ueber die schlechte Lehrerbesoldung wurde geklagt.
Nach dem großen Krieg siechte die Schule mit einem Notschulmeister vor sich hin. (1635)
Da fast keine Menschen mehr in der Stadt waren, waren auch fast keine Kinder mehr da.

Zuvor wurde hauptsaechlich Religion, Latein, Griechisch, Hebraeisch, Musik, Poetik,
- die Schueler konnten die Tageszeitung ins Lateinische uebersetzen.
Vom Briefeschreiben bis zur Lyrik wurde vieles gelehrt, Pruefung waren alle halbe Jahre.

Die Chronik schreibt: Die Pensa fuer III waren die Anfangsgruende des Lateinischen bis Comenius,
biblische Geschichte bis zum Katechismus,
fuer II: Repetition und Erweiterung des Lateinischen Pensums, dazu Exerzitien,
Anfaenge des Griechischen, Haebraeischen und Franzoesischen,
Geschichte und Geographie, Arithmetik, Religion.
Fuer I: Cicerco, Vergil, Curtius, Ovid, griechische Chrestomathie, Philosophie,
Logik, Ethik, Methaphysik, aber auch Stil, Oratorie, Hebraeisch, Franzoesisch und Religion.
Der Unterricht begann im Sommer schon um 6 Uhr- Morgens und Nachmittags je 4 Stunden.
Bis 1777 war noch keine Rede von Schulkonferenzen - dafuer aber von Karzer und
koerperlichen Zuechtigungen durch den Lehrkoerper.
Fleissige Schulzucht war strenge Pflicht, auch die Eltern wurden dazu ermahnt-
von den 70 Schuelern waren die Haelfte "zum Theil Nichtdeutsche", wie ueberliefert wurde.
1614 wurde erstmals von einer Maedchenschule berichtet, von der Grafenwitwe eingerichtet,
mit dem gleichen Pensum wie oben, aber ohne Latein- mit mehr Hausarbeit, Naehen.
Jedes Kind mußte einen Gulden Schulgeld zahlen, Kinder von Witwen die Haelfte.
Die Kirchenordnung bestimmte, daß vom 6./7. Lebensjahre an bis zur Konfirmation Schulpflicht war.
Die Unterrichtung "in Gottesfurcht, Sittsamkeit und Gehorsam gegen die Obrigkeit
und gegen die Eltern" wurde notf. durch "maeßige Zuechtigung" durchgesetzt..
Die Volksschule wurde unter Fuerst Karl schon erwaehnt.
Dazu meinte der "Generalsuperindendent" Mueller, der spaetere Landesbischof -
der kein Freund von Seminaren gewesen sein soll -
(vermutlich setzte er lieber "Edikte" oder "Anordnungen" ;) -
1810 schrieb er:
"Es ist fraglich, ob nicht die Seminaristen aus der Stadt mehr moralische Uebel aller Art,
besonders den Schulmeisterduenkel als gruendliche Kenntnisse und ein
fuer Menschen wohl erwaermtes Herz mitbringen werden, das in Einfalt Gutes wirkt.
Es ist besser, wenn die Aspiranten waerend ihrer Lernzeit bei den Eltern bleiben
und ihre baeuerliche Lebensweise fortfuehren!"

(In dem Stil: Es sprachen die Goetter zu den Menschen)

Der urspruenglich politische Charakter der Zuenfte kam in Weilburg wohl nie zu Geltung,
weil keine Patriziergeschlechter den Handwerksbuenden den Rang streitig machten.
1756 - das erste Jahr des Siebenjaehrigen Krieges nennt folgende Zuenfte in Weilburg:
31 Baeckermeister, von den 6 schon nicht mehr backten, 23 Schuhmacher, 10 Schreiner, 4 Tischler,
4 Drechsler, 11 Leineweber, 5 Glaser, 3 Schlosser, 4 Steindecker, 2 Buechsenmacher,
2 Sattler, 1 Messerschmied, 9 Strumpfweber, 10 Schneider, 5 Faerber, 4 Schmiede,
1 herrschaftlicher Uhrmacher, ein Nagelschmied, 10 Metzger, wovon zwei schon nicht mehr schlachteten,
ferner Maurer, Zimmerleute, Weissbinder, Haefner, Mueller, Kuefer und Brauer,
Gerber und Loeher, Kraemer, Wirte, Hutmacher, Seiler und Knopfmacher wurden genannt.

Schlachttiere wurden schon damals begutachtet, bevor sie in den Handel kamen- "verschirnt".

1736 weigerten sich die Metzer - Grund unbekannt - Kaelber zu schlachten.

Man schritt schon damals gegen die Unsitte des "blauen Montags" ein- Gastwirte wurden angehalten,
den Gesellen ab einer gewissen Stunde nichts mehr auszuschenken..

Kurzwaren, Galanterie und Spezereiwaren oder Kolonialerzeugnisse wurden aus Koeln nach Weilburg importiert.
Es wurde viel geschmuggelt- was mit den ausladenden Zoellen zu tun hatte -
die "eingeschlichenen" Kraemer und "Gaengler" oder Hausierer wurden bekaempft.
Einen Zunftsbrief fuer Kraemer gab es keinen- schlicht, weil der Fuerst seine Zoelle
und den Ueberblick darueber behalten wollte.
(In Uebereinkommen mit den umliegenden Regierungen)
Die Wolleweber und Strumpfwirker waren enger zusammengeschlossen - die Auftragslage war dadurch gestaerkt,
dass keine Wolle exportiert werden durfte.
Nur durch den halbherzigen Lockerung beim Verkauf der Fertigprodukte kam Bewegung ins Spiel.
Der Graf Karl August holte franzoesische Strumpfstricker ins Land,
gestand jenen viele Verguenstigungen zu- die fleissigen Leute belebten das "Heimarbeiter" Geschaeft.
Sie wurden etwas ausserhalb der Stadt untergebracht, wodurch uebrigens macherorts
ein gesonderter Stadtteil entstand- die Zuwanderer behielten ihre Kultur,
Sprache und Religion bei - was freilich immer einen gewissen Separatismus bewirkte.
(Friedrichsdorf war sogar ganz und gar ein franzoesisches Dorf inmitten des Deutschen Reichs)
Die Kraemer wurden spaeter als "Moerder der Strumpfweber" bezeichnet,
weil sie aus Friedrichsdorf billigere Strumpfwaren importieren.
(So wollten es die Regierungen Zeit nach dem WKII auch- Konkurrenz zu den Loehnen
der Einheimischen bilden durch heftigen Zuzug)
Die Leineweberei war der Herrschaft immer ein "zu unterstuetzender Nahrungszweig der armen Leute".
So waren in den 33 Orten der Herrschaft damals "154 Spinner" verzeichnet- wieviel werden das wohl heute sein?
Spass beiseite:
Man sann danach, die Damastzeugen zu bemuehen, um zu sehen,
ob man solche Produkte (fuer das Herrscherhaus) auch in Weilburg fertigen zu koennen..
Weitere Erwerbszweige waren die Lumpensammler und Papierhersteller,
Papiermuehlen, Seife und Lichte - Herstellung, Ziegelbrennereien, (Backistania)
wogegen die Kunst wenig gefoerdert worden sein soll.
Ein Kanzleimitarbeiter bekam die Konzession einzig Federkiele, Papier, Siegellack,
Bleistifte, Streusand, Oblaten und Tinte verkaufen zu duerfen.
Schauspielkonzessionen wurden erteilt- eine mit einer Puppe mit den Namen "schoene Afrikanerin" -
bis dann die echten kamen:
Franzoesische Sansculotten als durchjagende Truppen des Krieges..

Nach dem großen Kriege wurden Wuesteneien als landwirtschaftliche Flaechen erschlossen,
wobei die Art der Duengung verbessert werden musste.
Mit immer besseren Geraetschaften wurden die Boeden tiefer aufgebrochen.
Die in den Kriegsjahren "wie verwilderte Banden in den Waeldern haustenden Leute",
die "alle Arten von Wild- und Waldfrevel begangen",
mussten wieder an zivilisierte Umstaende gewoehnt werden.
Hilfen wurden gegeben, Praemien ausgesetzt, neue Saaten eingefuehrt.
Weidevieh sollte im Stall gefuettert werden - aus Gruenden der Effizienz.
(Darueber habe ich schon geschrieben)
Mennoniten als Musterbetriebe wurden angeworben.

Der Chronist meint: Eine einheitliche Tracht als Kleidung war nicht vorhanden.

Es gab Zeiten, da wurden Soldaten geschickt, die der Falschmuenze
und seinen Vasallen im Weilburger Raum Mores beibringen sollten.
Angeblich sollen nur 600 von den 90.000 Falsifikaten in Umlauf gekommen sein.
Ab 1754 wurden keine Muenzen mehr gepraegt- die teueren Ersatzleistungen
und Strafen der Geschaedigten waren wohl genug.

Wie schon in der PDF Story aus Merenberg zu erlesen war,
sollen auch in Weilburg "die Franzosen grausig gehaust haben"-
wie in der Geschichte mehrfach vorkam - der "durchlauchtigste Fuerst" fluechtete
(wie immer) 1796 vor den sehr schnell vorrueckenden Truppen..
Der "geheime Rat" von Dungern als Begleiter dabei. Immerhin blieb ein Regierungsdirektor zurueck.
Scharenweise flohen die schutzlosen Landbewohner, verlassen von ihrem großmaeuligen,
aber edlen "Fuehrer" -
nachher mußten sie sogar Strafen auf sich nehmen, als der "Serenissimus" wieder im Schloss war.
Die Franzosen verlangten hinterher (wie schon so oft) horrende Unterwerfungsabgaben.
Einmal waren das 20.000 Rationen Brot, 10.000 Saecke Hafer und 10.000 Pinten Branntwein..
Nach dem Abzug der franzoesischen Armee wurden nochmal 250.000 Franken "Kontribution" gefordert,
die durch Geschick auf 150.000 herabgehandelt wurden.
Aber auch die Gegenseite, die Preussen haben - obwohl als Befreier gekommen -
schlimme Schaeden veranstaltet;
Mal eben fuer die Offiziere einen Fischteich ablassen, die wertvollen Karpfen und Krebse
(freilich nur fuer die Offiziere, nicht fuer die Mannschaftsgrade)
wegfressen,- das war ganz normal.
Auch die verbuendeten Oesterreicher haben sich nur sehr kostenintensiv verpflegen lassen,
wie die Chronik berichtet.
Ueberhaupt haben die Offiziere ganz uebertriebene Ansprueche gestellt, so daß sie als Plagegeister -
was den "geheimen Rat" eher weniger kuemmerte- die leidende Bevoelkerung jedoch schon.
Von Gagern hatte alle Muehe, die drohende Revolte zu verhindern.
1797 beschlossen die Grafen keine weiteren Kriegslasten mehr schultern zu wollen
und erwirkten 1800 einen Neutralitaetsvertrag mit Frankreich fuer obige 150.000 Franken.
Mit dem Luneviller Frieden im August 1801 kam auch der feige Fuerst zu Weilburg wieder zurueck..

Die Leibeigenschaft wurde 1808 aufgehoben und die Grundherrenrechte abgeloest.
1813 rueckte Bluecher durch Weilburg (Waterloo) mit seinen Preussen und Russen- wo wieder die Bevoelkerung litt.
1846 war ein Hungerjahr- ein Jahr, bevor die Lahnregulierung und die Schleusenanlagen fertig waren.
Immerhin verliefen die Umschwuenge, das Abdanken des Deutschen Kaisers
und der Rheinbund ruhig fuer das Weilburger Land, wenn man von Jagd- und Forstfrevel absieht.
An die Stelle der alten Schultheißen traten nun Buergermeister.
1861 erscheint erstmalig das Weilburger Tageblatt.
Die Preussen besetzten 1866 Wiesbaden- so fluechtet wieder ein Weilburger Herrscher, Herzog Adolf -
1890 wird dieser zum Luxemburger Großherzog.
In diesem Jahr wird der Taunusklub gegruendet.
(Wanderverein, vermutlich der erste in Deutschland)

Lt Chronik sind die Schulen beinahe alles, was von dem alten Glanz und der Glorie
und Herrlichkeit geblieben sind,
Weilburg wurde mit den anderen Kleinstaedten in einer Reihe bis zur Bedeutungslosigkeit herabgestuft.



Geschichtliches


An dieser Stelle soll ein wenig ueber archeologische Entdeckungen geplaudert werden.
So mancher Archaeologe aergerte sich ueber die gut funktionierende Muellabfuhr
der roemischen Kastelle, weil kein Muell gefunden wurde-
aus dem man immer wieder die besten Erkenntnisse gewinnen konnte.
Doch die Geschichte der Menschheit ist sehr viel aelter, als die lautesten Zeugen der Vergangenheit -
schlappe 300.000 Jahre kommen so zusammen.
Geologen, Dendrochronologen (diese lesen aus den Diagrammen der Jahresringe
vergleichende Daten heraus) Klimaforscher, Statiker, Chemiker, Kriminalisten,
Mediziner, Botaniker, Palaeozoologen, Luftbildarcheologen, Palaeoethnobotaniker, Antrophologen,
Osteoarcheologen, Physiker, Pollen- und Holz-Analytiker arbeiten bei Ausgabungen Hand in Hand.
Aus Hoelzern, Stoffen, Knochen und Keramiken kann man einiges herauslesen,
das weiss wohl jeder, so auch das Alter und Geschlecht der Menschen,
aber auch deren Gebrechen und Umwelteinfluesse.
Haustiere waren frueher sehr viel kleiner als heute, aelter als 30 Jahre sind
die meisten neolithischen Bewohner kaum geworden.
Die Kohlenstoffzerfallsanalyse ist ein Hilfsmittel, das zuvor schon angeschnitten wurde,
das recht tauglich zu sein scheint.
Wissenschaftler fordern heute den Erhalt von Feuchtbiotopen und Grundwasserlagen,
weil dadurch der Boden und seine Geheimnisse geschuetzt wird:
Nach Trockenlegungen verschwinden die zuvor noch gut erhaltenen Bodendenkmaeler
innerhalb kurzer Zeit zu nur noch leichten Bodenfaerbungen- unwiederbringlich!
Durch den Sauerstoffabschluss bleibt vieles gut konserviert und so koennen Samen
und Hoelzer und Knochen etc. noch Jahrtausende spaeter bestimmt werden.
Birkenstaemme sind noch als solche eindeutig zu erkennen, die Bauweise von Haeusern eben auch.
Die Schilderungen von Siedlungen sind so plastisch, dass es mir jedesmal gruselt-
wenn genaue Schilderungen der Holzfussboeden,
der Lehmschichten und Backoefen, Tongefaessen, Birkenpech,
(das wohl als leicht berauschendes Mittel gekaut, die Zahnabdruecke waren wohl noch zu sehen-
und als klebrige Masse fuer Pfeile und Kaemme und vielerlei Reparaturen eingesetzt worden ist)
von Spaltbohlen oder gar "reihenhausaehnlichen Anlagen" die Rede ist..

Die Tiere waren in den Haeusern, zusammen mit den Leuten untergebracht,
die klar unterteilt waren in Diele, Wohnbereich, Kueche und Stall.
Man hat sogar festgestellt, dass der Fußboden bis zu 10x erneuert wurde,
dass Palisaden rund um die Siedlung waren, sogar der Mist ist noch konserviert im feuchten Moorboden!

Bedeutsam scheint, daß bis zum Neolighikum Jahrhunderttausende an Entwicklung waren
und mit einem Satz der Mensch vom Jaeger und Sammler
zum Bauern und somit seßhaft geworden sein soll.
Die Forscher sind der Meinung, dass vor 6000 Jahren diese Kultur aus dem Orient
in unseren Raum gelangt sein muß.
(Darueber habe ich schon einiges erzaehlt- gut 7000 Jahre vorher gab es schon Hoehlenzeichnungen
bei uns, so in Steeden bei Runkel an der Lahn.)
Das Dinkelkorn ist dem Einkorn und Emmer eng verwandt - dieses Getreide hat eine harte Spelze,
die wohl nur sehr muehsam zu entfernen ist.
Leinsamen und Flachs wurden damals schon verwendet, Haselnuesse, Brom- und Him- und Erdbeeren kanne man,
wie Holuder und Aepfel - aber auch Schlafmohn, der wohl eher als Arzneipflanze
-als Schmerzmittel- verwendet worden sein mag.
Die Qualitaet der hergestellten Stoffe, die auf primitiven Webstuehlen entstanden, hat die Forscher beeindruckt.

Eine weitere Besonderheit scheint mir der Niedergang der Eichen zu sein,
der durch den Viehtrieb in die Waelder kam - deshalb ist der Buchenbestand gewachsen.
(Eichenschoeßlinge sind wohl schmackhafter oder man hat das Eichenholz schon damals bevorzugt gebraucht)
Die Waelder bestanden aus Eichen, Ulmen, Weiden, Erlen und Linden.
In der Bronzezeit sollen Buchenwaelder bereits ueberwogen haben.
Interessant finde ich, dass man die Ausbreitung der Unkraeuter
mit der Vergroeßerung der Ackerkulturen in Uebereinstimmung bringen kann.
In der Jungsteinzeit hatten die Silexschlaeger gut zu tun-
mit Geschick und Materialwissen spalteten sie die Steine, um im wahrsten Sinne des
Wortes messerscharfe Resultate zu erzielen.
Das exakte Bohren von Schaftloechern in Aexten ist eine erstaunliche Sache-
hohle Hoelzer, z.B. Holunder hinterließen walzenfoermige Bohrkerne, die oefter gefunden worden sein sollen.
Sogar Fingernagelspuren in den Keramiken hat man gefunden,
Fußabdruecke und aehnliches- auch wenn die Menschen damals etwas kleiner waren,
auffallen wuerden sie wohl heute eher nicht, haetten man ihnen moderne Kleidung angetan.
Damals trug man jedenfalls Sandalen mit Sohlen aus Rindenbast, mit Schnueren zusammengehalten,
eine Kopfbedeckung aus Bastgeflecht, aehnlich wie ein Reisstroh-Hut.

Pfahlbauten waren aehnlich wie die Doerfer auf dem Trockenen aufgebaut,
mit Dorfstraße und Giebeln, die zu dieser zeigten- nur eben alles auf Stelzen, auf Pfaehlen!
Selbst diese Siedlungen wurden oft genug ein Raub der Flammen,
so wurden die herabstuerzenden Einrichtungsgegenstaende im Wasser und Schlick konserviert.
Die Archeologen haben festgestellt, daß bei einigen Haeusern die Boeden
ein paarmal erneuert worden sein mussten.
Relativ gleichmaeßig hat man damal gebaut, keine armen und keine reichen Haeuser,
eben nur Haeuser und keine Protzbauten auf der einen und Hungerhuetten auf der anderen sozialen Seite.
Durch eben diese Funde kann man belegen, was die Leute damals so gegessen haben.
Weizen, Dinkel, Gerste, Barsch, Felchen und Schleie, Rinder,- wenig Schweine,
um so mehr Wild, zu etwa 35% Hirsch, 8% Ur und zu 3% Wildschwein-
also 2/3 Wild und 1/3 Haustiere.
Pfahlbauten fand man rund um die Alpen, wo ueberall groeßere und kleinere Seen sind -
das Alter der Funde wird bei ueber 4000 Jahre liegen.
Durch den Ackerbau wurde die Versorgung besser, was einen ziemlichen Bevoelkerungsdruck gebracht haben muss.
Die Haustiermast im Wald tat den Eichelbestaenden nicht gut-
noch ein Aspekt zum vermehrten Rueckgang der Eichenwaelder.
Die Wasserspiegel der Seen, in denen die Pfahlbau-Doerfer lagen, hob sich und sank-
deshalb lagen viele Funde unter Wasser.

Aelter als die Tempel in Jericho oder Malta sind die heiligen Staetten in Oberdorlar bei Eisenach.
Die Alten glaubten daran, daß die Goetter in den Gebirgen oder Felsen wohnten,
aus deren Spalten der kalte Hauch kam.
Besonders Hoehlen hatten es der Spiritualitaet der Menschen angetan, die ihren Lebensablauf,
das Saehen und Ernten, die Vermaehlungen etc.
damit wuerzten oder besser sich zu erklaeren versuchten, was noch nicht bekannt war.
In Dorlar deutete man wohl eine ploetzlich auftauchende Erdsenkung als "goettliches Zeichen",
- aus diesem Grund sind rund um diese herum kleine Opferstaetten entstanden.
Die Senke fuellte sich im Laufe der Zeit mit Wasser- gut 90 Heiligtuemer hat man dort gefunden,
Kult aus 1000 Jahren Anbetung.
Tacitus, der roem. Schreiber erwaehnt ein "großes Heiligtum der Hermunduren an der Werra,
die in staendigem Hader mit den Chatten" gewesen sein sollen.
Man nahm keltische Wurzeln des Kultplatzes an, dann sollen die Germanen dort ihre Kultplaetze gehabt haben.
Auf jeden Fall sind die Kelten wohl der juengere Kult gewesen,
mit Tier- und Menschenopfern, wie man anhand der Knochenfunde bewiesen hat.
Dann irgendwann verlandete der See, christliche Missionare kamen auf
und immer noch opferten die Menschen ihren alten Goettern, obwohl das "bei Todesstrafe verboten" war.
Die neue Religion war wirklich tolerant!
Die Kirche hat geschwind sich den Trend angeeignet und ihre Gebetstempel dort errichtet.
Man fand heraus, daß um Kultsteine herum Asche und Holzkohle verstreut war- was den Gedanken nahe legt:
Schon frueher ging man um den Altar mit Fackeln und Bunz-Zeugs herum, wie das orthodoxe Priester dreimal tun..

Der Sage nach schlaeft Kaiser Rotbart im Kyffhaeuser, in den Hoehlen.
Alle hundert Jahre fragt er einen Zwerg, ob die Raben noch um den Kyffhaeuser fliegen
- wenn das so ist, muß er weitere hundert Jahre schlafen.
So soll sein roter Bart durch die Tischplatte gewachsen sein..
Man nimmt an, es ist nicht Kaiser Barbarossa, sondern eher sein Enkel Friedrich II, dem diese Maer galt.
Dieser soll ein "erbitterter Gegner des Klerus" gewesen sein,
der sich großer Beliebtheit beim Volk erfreute, das durch die hohe Abgabenlast der Kirche zu leiden hatte.

In diesen Felsspalten des Kyffhaeuser fand man eine hohe Zahl an kultischen Dingen,
Opfergaben bald 3000 Jahren - so auch Reste von hundert Menschen, die wohl erschlagen,
zerlegt, gebraten und verzehrt worden sind.
Ob das mit den Veneto-Illyrern zusammen hing, die hier ihren Kult zwischen 1400-600 v.Chr. hatten,
- wer weiß das schon?
Interessant finde ich, ist der Hinweis auf die Speiseopfer,
wo man das Demeter-Opfer der Griechen oder ein mit Salz gewuerzten Mehlbrei oder Opferschrot-Brei der Roemer -
oder den "Seelenkleister" des Allerseelenfestes in katholischen Gegenden vergleicht,
der auf die Graeber gestellt wird..

Grabbeigaben waren oft in dieser Art beigefuegt:
Eiserne Angelhaken, in Stoff gewickeltes Rasiermesser, doppelseitiger,
feingesaegter Kamm, ein Koecher mit Pfeilen, Bernsteinschmuck, manchmal sogar ein Hut aus Birkenrinde..
Man fand in Keltengraebern Schalen aus Griechenland und Gegenstaende,
die auf einen regen Handel mit Etruskern schließen lassen!

Die taegliche Kleidung ist wohl eher einfach gewesen, ein grob gewirkter Flachskittel zum Beispiel.
Die damaligen Weber schafften aber bereits bis zu 10 Kett-
und bis zu 30 Schußfaeden auf einen Quadratzentimeter !

Die Umlagerung von Pilzen an die biologischen Materialien haben diese Strukturen erhalten,
die sonst zerfallen waeren.
So feine Stoffe aus Dachshaaren zum Beispiel, durchsichtige Kunstwerke, die sonst verloren waeren.
Die Gruende, weshalb der Dachs das von den Kelten favorisierte Tier war, kennt man noch nicht.
An den Fellen dieser Tiere fand man Kletten, Samen und Fruechte, Pollen und Moose.
In den Grabkammern der Keltenfuersten fand man kunstvolle, mit Blech beschlagene Wagen,
die ihre Besitzer gefedert fahren liesen, die an langen Deichseln gelenkt wurden,
riesige Kupferkessel und Trinkhoerner von Auerochsen mit bis zu 5 Litern Fassungsvermoegen!

In Keltengraebern fand man eingetrocknete Met-Reste:
40-50%ige Honig-Wasser-Mischung, wo bereits die Haelfte dieser Konzentration
ein suedweinaehnliches Getraenk ergibt..
Ein Jahr wird dieser Ansatz gaeren, so die Wissenschaftler der Landesanstalt
fuer Bienenkunde und des Institutes fuer Botanik.
Keltenfuersten bekamen dieses Gebraeu allerdings nicht von der Hefe abgezogen,
sondern wohl als fertiger Ansatz in die Graeber;
Zeit zur Vergaerung hatten sie ja- oder?
Die Pollenanalyse ergab Thymian, Wegerich, Wiesenflockenblume, Wundklee, Linden.
Paleobotanische Untersuchungen lassen Rueckschluesse auf die Boden- und
Klimabeschaffenheiten zu, da dort bestimmte Pflanzen bevorzugt wachsen.

Die Geschichte hat viele Streiflichter:
Paterculus sagte ueber Varus, den Feldherren- von dem man viele Geschichten lesen kann:
"Arm kam er in eine reiche Provinz, reich ging er aus einer armen fort.."
Tacitus schrieb: "Ein windiges Land mit widerwaertigen Suempfen und von Leuten,
die einen trotzigen Blick, roetliches Haar und einen großen Koerper" gehabt haetten..
Auf linkische Art besiegte Arminius (ein germanischstaemmiger roemischer Adliger)
den Varus in der Schlacht, wo - wie haben in der Geschichte oft genug davon gehoert,
20-25.000 Legionaere abgeschlachtet wurden- die Retourkutsche kam- mit ebensovielen Toten durch Germanicus.
(Die anschliessende Befreiung Germaniens als Wermutstropfen.)
Lange Zeit spaeter verquirlten die Gebrueder Grimm diese Geschichte mit dem "Lindwurm"
des roem. Heeres mit der Siegfriedsaga.

Wahre Kunstwerke sind die Aquadukte der Roemer aus der Eifel nach Colonia oder Koeln.
Exakt ausnivelliert,mit Drainagen, damit kein Regenwasser eindringen konnte,
mit Revisionschaechten, Viadukten und .. Beton!
(Opus Caementicium und mit Opus signinum, dem hydraulischen Putz, der abdichtete)
Taeglich flossen 20 Millionen Liter sauberstes Wasser durch diese Leitung nach Koeln-
in der Stadt mit bis zu 13Atu Druck in Bleirohren - das sollen 1200 Liter pro Person sein, dh. der achtfache heutige Bedarf..
(Die Bleirohre speisten auch oeffentliche Brunnen - ein richtiges Druckwassernetz!
Im Mittelalter betrieb man "Bleigewinnung" durch Diebstahl dieser Stadtwasserrohre)
Das Wasser wurde schier aus gesundheitlichen oder besser geschmacklichen Gruenden
von so weit her geholt- mal eben 95km!
Im Mittelalter hat man Teile der Wasserleitung- vermutlich viele Viadukte- abgebrochen,
um die Steine fuer neue Bauten zu verwenden.
Die Kalkablagerungen in den Wasserfuehrungen war so maechtig, daß man den Kalksinter
als "Aquaeduktmarmor" brauchte:
wunderschoene Saeulen und feine Platten sind so entstanden.
Duerer schieb "Gossenstein" dazu.
Die Roemer wuerzten ihre Speisen mit Garum, einem vergorenen Fisch-Kraeuter-Mix.
Dieses Zeugs soll den zweieinhalbfachen Jahressold eines Reitersoldaten wert gewesen sein-
6 Liter dieser "M aggiwuerze".
Sie badeten in 50 Grad heißen Thermen, einer Art Spaßbad
mit Familienanschluß und Freizeitgestaltung.
Die Abwassergruben brachten das zustande, was man heute ebenfalls verliert:
Schmuck, Kaemme, Haarnadeln, Ringe, Spielsteine..
Der roem. Prinzenerzieher und Philosoph Seneca hat davon sein Leid geklagt:

"Von allein Seiten wirrer Laerm, ich wohne direkt gegenueber.
Stell dir einfach alle Arten von Geraeuschen vor, die es dich bedauern lassen, daß du Ohren hast.
Wenn die Kraeftigeren ihre Hanteluebungen machen, egal,
ob sie sich davon wirklich anstrengen oder nur so tun,
hoerst du ihr Stoehnen und sobald wie wieder ausatmen, ein heftiges Zischen und Keuchen.
Wenn sich Mueßiggaenger bescheiden auf plebejische Art salben lassen,
hoerst du das Klatschen des Masseurs auf ihrer Haut,
und der Ton aendert sich, je nachdem, ob er mit flacher oder hohler Hand zuschlaegt.
Dann kommt ein Ballspieler dazu, der laut mitzaehlt, wie oft er den Ball aufprellen laeßt.
So, jetzt stell dir noch einen Zankteufel vor, einen ertappten Dieb
oder einen der vielen Zeitgenossen, die sich gerne im Bad singen hoeren!
Dazu gesellt sich das laute Platschen derjenigen, die ins Wasser des Schwimmbassins springen.
Aber das sind wenigstens noch natuerliche Laute.
Jetzt der Haarausrupfer:
Um auf sich aufmerksam zu machen, preßt er wieder und wieder seine schrille Stimme hervor
und schweigt erst,
wenn er ein Opfer gefunden hat, dem er die Haare unter den Achseln ausreißen kann
und diesen armen Menschen dann an seiner Stelle schreien laeßt.
Nicht vergessen darfst du die Ausrufe des Kuchenhaendlers, des Wurstverkaeufers,
des Zuckerbaeckers und die Kellner der Kneipen, die alle mit durchdringender Stimme ihre Waren anpreisen."

Noch ein Bonbon aus der anderen Ecke:
Der gute Karl der Große heirate eine 13jaehrige!
Ein wirklich christliches Vorbild..

Karl der Große hat zwar große Dinge geleistet oder besser leisten lassen,-
als seine Person nicht mehr da war, zerfiel alles genau so schnell, wie es aufgebaut war.
Der Name kam aber doch eher von seiner stattlichen Koerpergroeße - 1,92mtr.
Fraenkische Bauern hat er systematisch ueber angesiedelt-
so kam auch der Frankurter Ortsteil "Sachsenhausen" zustande.
Man waere ein Schelm wuerde man Parallelen zu den heutigen Neubuergern sehen,
die aus dem Orient kommen - und weitestgehend unter sich bleiben -
und von den "Linken" geheiligt, von den Unternehmern angelockt worden sind.
Der Karl hat auf jeden Fall dem Christentum - mit aller Gewalt - zum Sieg verholfen.
Die Ausdehnung seines Reiches war nicht als Groeßenwahn gesehen,
wie das spaetere Maechtige oder Feldherren oder was auch immer, ebenso taten wie Karl.
Ob Napoleon, H itler oder die Caesaren oder heute die so sehr demokratischen EU-Buerokraten..
Jeder betreibt Landnahme- ob aus wirtschaftlichen,
religoesen oder vorgeschobenen humanitaeren Gedanken-
der Karl war sehr fromm und wehe, seine Untertanen waren es nicht!
Kaiser Wilhelm II hat sich ebenfalls gerne mit der Bezeichnung "der Große" geschmueckt.
Die Story wird zur Genuege in den Schulen unterrichtet..

Auf Hiddensee hat man 1872 feine Goldgegenstaende gefunden- am Strand, nach schweren Sturm.
Es wird vermutet, dass ein Wikingerfuerst (Harald Blauzahn?) seine Schaetze vergraben hat,
daß sich nach seinem Tode niemand daran guetlich tun mag-
wie das damals wohl Sitte war.
Nun spuelte der Sturm nach und nach immer mehr edelste Schmuckstuecke an den Strand-
Dieser Koenig Harald war der erste Wikingerfuerst,
der sich aus Taktik dem Christentum verschrieb
und so sein Daenemark vor der Unterwerfung durch Heinrich I. bewahrte.
Sein Runenstein war zwar mit dem Haupte Christi, das aber nicht mit Heiligenschein,
sondern mit einem Sonnenrad gekroent war, ausgestattet ;)
Zwei Welten prallten auf diesem Stein aufeinander - ganz ohne Frage.

Ein Abschnitt aus "Richard Loewenherz", ein Sohn franz. Eltern,
der Vater Herzog und Graf aus der Normandie- liebte den wilden Kampf
und so entstanden wohl diese "Kreuzfahrten" ins "heilige Land".
Schlimm soll es den Landstrichen ergangen sein, wo diese Raudis durchzogen, Wellen von Pogromen fanden statt:
"Die fanatisierten Horden, Entwurzelte, Unfreie oder Kriminelle,
verfolgten schon beim Beginn dieses Zuges die Juden im Rheinland"
Vielen ging es wohl eher um Raub, als um die Rache an der Hinrichtung "ihres Herrn", dem Jesus.

Noch ein seltsames Ding:
Burgen sind wohl eine Erfindung des fruehen Mittelalters,
wo die Schwaechung des Koenigstums im Streit mit dem Klerus um die Vorherrschaft
ausschlaggebend gewesen sein wird.
(Fliehburgen sind nur bei Angriffen bewohnt worden, sonst standen sie leer)
Die Wikinger sind mit ihren Drachenbooten sogar den Rhein hinauf gefahren -
deshalb stehen hier wohl besonders viele Burgen.
Die Restauratoren beschweren sich ueber den unsachgemaeßen Umgang mit der Historie,
-was, wen wunderts- freilich verboten ist:
Ohne behoerdliche Zustimmung darf an Graebern, Burgen
und anderen archaeologisch wichtigen Dingen nichts veraendert werden -
und wenn die Absicht der Erhaltungsvereine noch so freundlich gemeint ist.



Geschichtliches


Was waere eigentlich, wenn man das Thema "Denkmalschutz" locker nehmen wuerde?
Mir schwebt da der totale Wegfall jeder staatlichen Einmischung in private Besitze vor- meine Begruendung:
Eigentum verpflichtet und so wird der Besitzer eines Grundstuecks
oder einer Sache oder eines Gebaeudes schon das machen, was am besten ist.
(Ein wenig Eigenverantwortung und Selbstbestimmung hat heute selbstverstaendlich zu sein,
um es mal im Sprachduktus der Gesetzgeber -wer immer das sein mag-
zu sagen; ist zu tun, hat stattzufinden, ist zu machen)
Brauchen wir eigentlich Burgen und Schloesser,
die Symbole der Unterdrueckung und Unfreiheit oder Denkmale grausiger Kriege und schrecklichen Leids?
Muss eine "Verteidigungslinie" oder muessen Bunkeranlagen oder die Gruft eines Fuerstenhauses erhalten bleiben?
(Wo alle anderen Graeber nach einer Generation abgeraeumt werden)
Wenn sich freiwillige Spender finden oder Vereine sich auftun,
um ein Denkmal oder eine Burg zu erhalten, dann ist das eine Privatsache und normal-
nicht aber, wenn Landesgelder dafuer verjubelt werden-
womoeglich auch noch mit div. zustaendigen Aemtern und Instanzen.
Dieser "Westwall" - aehnlich die die Marginot-Linie in Frankreich -
koennte eigentlich verkauft werden, genau wie saemtlich Liegenschaften der Denkmale allerorten.
Das bringt Geld in die Kassen.
Selbst die Lager finde ich furchtbar, die an die Untaten des Krieges erinnern-
waere da nicht eine einfache neutrale Halle mit Bild- oder Filmmaterial als Gedenkstaette besser,
die mit einem Friedwald umhegt werden koennte?
Die Staetten des Unrechts zu erhalten ist auf der einen Seite gut gegen das Vergessen,
(was allerdings auch in den Schulen getan werden muss)
auf der anderen Seite koennte das viel zu sehr glorifizieren, je nach Betrachter-
wo sonst koennte der Sumpf wieder mit jungen "Rechten" aufleben?
Die Fuersten von damals waren alles andere als Demokraten, der Kaiser war es nicht,
die Kirche ist nicht demokratisch gewesen, der Despot war nicht demokratisch, die Ostzone ebenso wenig-
was um Himmelswillen ist an deren Denkmaelern erhaltenswert?
Neue Menschen kommen nur durch Aufklaerung, ohne diese gibt es keinen Fortschritt- nirgendwo!
Das ist freilich nur meine ganz subjektive Meinung, die als Denkanstoß dienen soll..

Nun aber weiter in dem Erleben von Geschichte!
Ein Faksimiledruck von 1857 -Die Geschichte des Herzogtums Nassau-
wird nun der Lesestoff sein, aus dem ein paar relevante Besonderheiten oder zeitgeschichtliche Details
ueber das Leben der kleinen Leute berichtet wird; der Sinn und Grund meiner Geschichtsseite.

Alte Namen, so die Chronik, erinnern an die Hunnen (Huenen),
an das maechtige Bergriesengeschlecht, das "von Odin besiegt, seinen Untergang gefunden habe"
Kelten haetten hier laenger gewohnt, wohl auch die Steinwaelle aufgetuermt,
Ubier, Katten, (Sueven), sigambern, Teukterer, Usipeter, Mattiaken, Alemannen (Bucinobanten)
und Franken, Ingrionen und Nertereaner und Juhonen ebenso.
Nassau's Bevoelkerung soll wohl eine Vermischung aus Alemannen und zurueckgebliebenen Roemern,
Franken, Mattiaken und Sigambern sein, von zahlreich angesiedelten Juden
und vertriebenen Waldensern aus Frankreich.

Gradheit, Offenheit, Biederkeit und Herzlichkeit wird dieser Volksmischung zugeschrieben,
sowie Geistige Gewecktheit und Gemuetlichkeit.
(Was ich wohl bestaetigen kann)
Die Gebirgsbewohner sollen dabei ruhiger und groeßer, "eher typische Germanen",
die Tallagenbewohner kleiner und feingliedriger und hitziger gewesen sein.
Die Liebe zum Vaterland sei beiden gleich wohl teuer - zu teuer,
wenn man sich aufstacheln laesst, wie schon so oft vorgekommen..
Der Hang zum Wohlleben war wohl nur an Stadtrandzonen bemerkbar-
das hat der Chronist wohl schon vor 160 Jahre erkannt..
Die Anekdote dazu:
Ein Schultheiß im Westerwald sollte in einem Bericht vom Luxus erzaehlen, den die Bewohner haetten-
der Mann wusste nicht, was dieses Wort bedeuten sollte und so hat er seinen Sohn bemueht,
der die Schule besuchte.
Nur hat jener einen kleinen Fehler gemacht und "Lupus" uebersetzt: Wolf.
So schrieb der Schultheiß dem Amt zurueck: Den letzten Wolf hat mein Schwager geschossen,
vor 3 Jahren - aber bis heute hat er das Schußgeld nicht erhalten..

Was im 16.Jhd an Schmuck der Kleidung war, so schlicht war diese im 1850, -
bunter bei den Katholiken, "ernstere Farben" bei den Protestanten oder Lutheranern.
Die Sprache war im Westerwald schon ein wenig Rheinisch- wie heute auch- was wohl blieb,
ist der Wechsel des Dialektes und der Phonetik von Ort zu Ort, wie heute auch.

Die Feste waren: Am Sonntag Laetare die Todaustreibung (Todenberg bei Idstein),
Hochzeitsfeste, Pfingstfeste, Carneval, Kirchweih, Hochheimer- Dietkirchener- Altenburger Markt.
Schuetzenfeste, Wald- Kirschen- Ernte- Herbstfeste, das Hahnen- oder Gickelschlagfest,
Freudenfeuer auf den Bergen und Thaelern, Saengerfeste, Turner- und Feldbergfeste, Oraniensteiner Volksfest..

Die Chronik schreibt: Das aeußere Ansehen der Haeuser haette viel dazu gewonnen,
die Verschoenerungen der Wohnplaetze haetten gegriffen.
Aber:
Waehrend sich in den Staedten und Badeorten die großartigen Gebaeude mehrten,
wuchs in den Doerfern die Armut und die Zahl der kleinen Huetten mit dem notduerftigsten Lebensraum.
Ackerbau und Viehzucht waren bestimmend, der Binnenhandel bluehte, der Export eher nicht.
Jahr- Wochen- Vieh und Kraemermaerkte waren wohl reichlich vorhanden.
Edle Weine des Johannisbergs, Markobrunnens, Steinbergs, Graefenbergs,
Rothenbergs, Ruedesheims, Asmannshausen, Rauenthal, Hochheim
und die Thermen mit den Mineralquellen sorgten fuer Bekanntheit.

Die Zahl der Tageloehner mit dem Proletariat hat sich derzeit arg vermehrt,
desgleichen die Zahl der Auswanderer- wie schon mehrfach erwaehnt, sind ganze Orte verarmt und wollten auswandern.
So wurde in den USA u.a. ein neues Mensfelden gegruendet.

Dieser ploetzliche Armutsanstieg kann man sich wohl nur so erklaeren,
dass durch die bessere Ertragslage der Felder die Zahl der Bewohner hat ansteigen lassen,
die dann aber keine Arbeit fanden oder durch Realteilung der Grundstuecke
immer weniger Einkommen erwirtschaften konnten.

1829 baute man in Wiesbaden eine katholische Kirche - etwas zu geschwind:
Abends 6 Uhr am 11.2.1831 stuerzte der Bau in sich zusammen,
weil auf das zu schwache Fundament hohe Mauern und der Fachwerkaufbau ganz einfach zu schwer waren.
Spaeter "stieg daraus ein evangelisches Gotteshaus emphor".
Der groeßte Reichtum der nassauischen Landeshauptstadt waren zweifelsfrei ihre Thermen,
besonders der Kochbrunnen,
welcher mit 55/56 Grad aus der Tiefe kommt,
pro Minute fast einen halben Kubikmeter Wasser -seit Jahr und Tag und immer gleichmaeßig,
Sommer wie Winters - sprudelt.
Dabei kommen bis zu 8 Pfund Mineralstoffe mit hervor, die gelbliche Ablagerungen bringen.
Schon Plinius vor ueber 2000 Jahren kannte die Mattiakischen Quellen.
Ein Abzweig dieser heißen Quelle hat man zum Abbruehen von geschlachteten Tieren benutzt.
Die anderen Mineralquellen der Stadt bringen 38 Grad Waerme.
Der Weilburger Fuerst soll sich nach 12 Stunden Transport dieses Wassers
von Wiesbaden nach Weilburg noch immer die Fueße daran verbrannt haben,
so lange blieb dieses Wasser heiß !
Kohlensauren Kalk, Eisenstein, Kieselsaeure, Phosphor, arsensaure Eisenoxyde,
Chlor-Natrium, Calcium, Magnesium und Kohlensaeure hat man analysiert.
Jaehrlich rechnet man mit 18 Millionen Pfund fester Substanzen, die aus der Quelle kommen.

Dichter werden nicht muede, Latein zu bemuehen:
"Est propriae linguae dialectus amabilis illic, Exprimit hoc suaves culta puella sonos"
"Das Teutsch redet man sehr schoen und fein, Wie du hoerst an dem Jungfraeulein!
Ich uebersetze das so: Die Sprache ist liebenswert, wie die eines kultivierten (gebildeten) Maedchens.

Damals herrschte ein anderes Denken vor: ..nicht jene aengstliche Scheu,
daß der Niedere sich gegen den Hoeheren vergesse
und der Vornehme sich gegen den Geringeren Etwas vergebe..

Bereits im Jahr 1610 kannte man Kur- Bade und Diaetregeln!

Matte oder Wiese ist der Ursprung des Namens der Stadt Wiesbaden,
so auch fuer den Namen, den die Roemer diesem Ort gaben: Mattiaker, Fons Mattiacae -
aber genauso gut koennte es der Hauptort der Chatten, Mattium gewesen sein.
Spaetere Gelehrte haben versucht den Ortsnamen in "Weißbaden" umzumodeln- was zum Glück nicht gelungen ist.

Walther von der Vogelweide:
"Wer sieht den lewen? wer sieht riesen? wer ueberwindet jenen und diesen?
Daz tut jener, der sich selber zwinget!"

1336 ist von einer grausamen Verfolgung der Juden die Rede,
die in Deutschland, besonders wohl im Nassauer Land war. 1620 und 1625 noch weitere Male.
Die christlichen Prediger haben aus ihrer Kirche ausgeschlossen, wer Juden eine Wohnung gab.
Der "Loewenbund" von Adligen wollte die Ordnung wieder herstellen,
was in diesen Zeiten wohl ein fast unmoegliches Vorhaben war,
weil der erzbischoefliche Stuhl zu Mainz ganz radikaler Meinung war.
"Bischof Adolph beißt um sich wie ein Wolf.." (Schenck)
Aehnlich auf "fruchtbaren Boden" fiel die Reformation, zumal auch noch Waldenser aus Frankreich dazu kamen.
1547 kam eine "heimliche Feuersbrunst", 1561 noch eine, 1570 und 1586 weitere,
dann steigerte sich der Hass zum 30j. Krieg 1618-1648.

"Zu den Unfaellen jener Zeit zaehlt unser alter Gewaehrsmann auch noch den besonderen,
daß sich bei dieser Gelegenheit aus den benachbarten eppsteinischen Lande
wieder Juden in Wiesbaden eingeschlichten haetten.."

Die spaeteren preussischen Truppen haben die Buerger "durch Einkerkern, Knebeln,
Herumschleifen und sonstige Quaelereien auf das Grausamste und Unmenschlichste heimgesucht"

Der kaiserliche Oberst Freiherr von Goetzenich fiel drei Mal in Wiesbaden und Idstein ein
und wuestete unmenschlich, so die Chronik.
Tueren wurden gesprengt, Feuer gelegt, Urkunden wurden zerrissen,-
den Buergern wurde das Loeschen der Haeuser untersagt.
Die Soldaten wueteten und vergingen sich, richteten riesige Zechen in den Gasthaeusern an.
Von allen Seiten kamen Klagen ueber diesen Pluenderer und Mordbrenner,
der darauf vor das Kriegsgericht kam und verurteilt wurde.

1629 haetten in Wiesbaden 115 Haeuser leer gestanden, die Leute waren geflohen.
1634 und 1635 wurden die Wiesbadener von den Bayern und Oesterreichern sehr uebel behandelt,
wiederholt ueberfallen, gepluendert und mit großen Schaeden gebranntschatzt-
selbst vor der Kirche haben die Haluken nicht halt gemacht und die Altarkelche geklaut.
Oberst Hohendorf der Schweden kam April 1635 und nahm sich 300 Pferde, Ausstattungen und Futteralien.
Das war dem Burschen nicht genug- nein, er musste auch noch viele Haeuser abbrennen..

Im dreissigjaehrigen Krieg langen viele Truppen gegen Kurmainz,
das direkt ueber den Rhein gegenueber Wiesbadens liegt.

Trotzdem man der Reiterei Wein und Lebensmittel schickte, dass die Stadt verschont bleiben moege,
fielen die Soldaten ein wie ein Unwetter schlimmster Art.
Selbst "Kindern minderjaehriger Art" wurden schlimme Dinge angetan, so der Bericht jener Tage,
der so woertlich "mit keiner Feder beschrieben werden kann".
Die Bewohner der Stadt wurden nackt viel Vieh zusammengetrieben in den Nachbarort-
kein Wunder, dass jemand spaeter den Obristen Wolf niederschoss-
der mit seinen Offizieren derartige Gewalttaten veruebte.
Sogar Waisenkinder wurden aus dem Heim vertrieben..
Kaum waren die restlichen Wiesbadener wieder in die Stadt zurueckgekehrt,
fielen 1645 die Franzosen ein, pluenderten, branntschatzen,
klauten sogar die Kirchenglocken und die Orgel, kein Fenster soll ganz geblieben sein,
kein Nagel in der Wand, keinen Knopf auf den Daechern - was irgendwie versilbert werden konnte:
Die Stadt lieferte nicht genug an die in Mainz stehenden franz. Truppen,
so kam obige Rache, die wohl bis 1648 dauerte.

Im 15.Jhd haette die Stadt in "hohem Flor gestanden",
so blieb im 16.Jhd keine 100 Koepfe zaehlende Einwohnerschaft zurueck.
1634-48 sollen 50, manchmal kaum 20 Bewohner dort gelebt haben.
Alles fiel wuest, wie eine Totenhalle- in den leblosen Straßen
und ehedem lebendigen Plaetzen oder vor dem Rathaus hausten Kaninchen und Feldhuehner
im hohen Unkaut und Strauchwerk, an ruinoesen Gebaeuden.
Zu allem Ueberfluß "schwang die Pest und Hungersnoth die schwarzen Fluegel
ueber die unglueckliche Stadt", schreibt die Chronik.

Zu Anfang des 18.Jhds. kamen neue Menschen in die leere Stadt,-
aus anderen deutschen Landesteilen, aus Ungarn, Siebenbuergen, Preußen, Schweden,
Irland, Frankreich und aus Holland.
So wohnten bald wieder 300 Buerger in der Stadt, Mitte dieses Jhds. 500.

Die Grausamkeiten der vielen Kriege und Scharmuetzel sind mir ein Greuel zu lesen
und zu beschreiben - warum beseitigt man nicht zuvor die Machthaber,
die so etwas anzetteln, dann waeren der Opfer sehr sehr viel weniger?

1789 brach in Frankreich die Revolution aus, viele Leute fluechteten ausser Landes- auch nach Nassau.
Geld hatten sie genug dabei, was der Stadt nicht schlecht bekam- es weckte aber auch Begierlichkeiten.
So soll ein einheimischer Metzger einen franz. Offizier erstochen haben -
nun sollte die Stadt "an allen vier Ecken" angezuedet werden.
Ein alter franz. Oberist, der in Wiesbaden zugezogen war, intervenierte zum Glueck erfolgreich -
ein Gewinnen dieses Helden fuer die Armee blieb aber erfolglos.

Auf der Hoehe des Taunus oberhalb Wiesbadens, der "Platte" lies Herzog Wilhelm
ein praechtiges Jagdhaus errichten, das mehrstoeckig, wie ein Schloss wirkt- mitten im Wald.
Dort fand das Schauspiel der Rotwildfuetterung statt, wo die Tiere so zahm waren,
daß man sie mit der Hand fuettern konnte, wie die Chronik vermerkt.
Schraeg schreibt sie weiter: "Bis durch die gleiche Hand spaeter der toedliche Schuß erfolgte.."
Ueber den Tueren ueberall Trophaeen des guten Fuerstes, der so viel Freude an der Jagd hatte,
wie die meisten der damaligen ? Herrscher.

Die Ueberlieferungen sind zuweilen denkwuerdig, wie folgendes Gedicht,
das wohl keinen bekannten Verfasser benannt hat:

Ein Hexengedicht.

Du alter Thurm, wie fuehle mein Aug ich hier entzueckt,
Seit dich mit Laub und Kuehle der Freiherr hat geschmueckt!
Die Felder, Hoehn und Matten zeigst du in heitrem Schein,
Und nur ein trueber Schatten umschwebt noch dein Gestein.
Der Wahn der Hexenvernichter verschlag der Opfer viel;
Oh daß auch hier den Dichter erschreckt sein grausam Spiel !
Da saß die Engelgleiche, die blind hinab er stieß,
Saß da, wie eine Leiche, im tiefsten Thurmverließ.
Ihr Wangenpaar, gleich Rosen, der purpurreiche Mund,
Der Augen sueßes Kosen, ihr Busen, zart und rund:
Das waren Zauberschlingen, das war ein Hexenspiel,
Darin verloren gingen verliebter Herzen viel.
Soll laenger ihr Verderben sie treiben noch? O nein,
Sie muß als Hexe sterben, sie soll gerichtet sein!
Im Thurm sieht man sie schmachten, an Ketten schwer gebannt;
Die Folterraeder trachten, bis sie die Schuld bekannt.
Ruft sie fuer sich als Zeugen den ganzen Himmel an;
Der Wahn laeßt sich nicht beugen, sein Spruch ist abgethan.
Viel Volkes laeuft zusammen, gerichtet sie zu sehn;
Es lautet ihr Verdammen, den Feuertod zu gehn.
Schon brennt sie, da verhuellt sich schwarz des Himmels Zelt;
Es blitzt, der Donner bruellet, als ende heut die Welt.
Kam von dem Wolkenlenker das Wetter hergefuehrt? -
Umsonst! Es bebt kein Henker, es wird kein Herz geruehrt.
So starb sie hin unschuldig, und bald mit heitrem Schein
sah wieder stillgeduldig der Hemmel selbst darein.
Doch zieht seit jener Stunde, als Mahnung, ernst und hehr,
Ob jenes Huegels Runde nun kein Gewitter mehr.

1841, so der Geschichtsschreiber, wollte man die Rheinschiffahrt vom Biebricher,
dem nassauer Ufer, nach Mainz lenken, indem des Nachts 60 Schiffe mit Steinen ihre Fracht so abluden,
daß das Fahrwasser von Biebrich durch einen Damm abgeleitet wurde..
Auf Grossherzogliche Anordnung wurden diese wieder entfernt - vom Urheber.

In dem Ort Frauenstein steht eine riesige Linde, die ihre Aeste auf ein massives Geruest aus Balken stuetze.
27 Fuß Umfang habe diese, so der damalige Chronist.
(Die Blutlinde steht wohl heute noch: http://de.wikipedia.org/wiki/Wiesbaden-Frauenstein )
"Und noch steht in der Sage hut, Er als entsproß unschuld'gem Blut!"

Die Sage geht:
"Vor langen Jahren kam ein junger Mann daher in ritterlicher Tracht,
der hatte ein Weiblein bei sich, schoen und zart,
aber wie es schien, von dem langen Wege ermuedet.
Bleich waren ihre Wangen und ihr Haupt hing auf des Fuehrers Schulter, seitwaerts die schoenen gelben Locken.
Scheu blickte der Geleiter um sich; er schien jeden Menschen zu fuerchten.
Doch jammerte ihn des Maegdleins, und er wollte sie zu einer sicheren Huette fuehren,
wo die zarten Fueße ausruhen koennten.
Dort unter der efeubewachsenen Burg steht ein einsames Haus den alten Burgherrn gehoerig.
Dorthin wankte der Arme mit seiner theueren Last.
Der Mann des Hauses nahm ihn freundlich auf - in der Stube drinnen aber saß der Burgherr.
Mit scharfem Blicke faßte der Finstere den Eintretenden ins Auge;
schleunig stand er dann auf und winkte seinem Dienstmann hinaus.
Der Fremde, nichts Gutes ahnend, wolte weiter, aber die halbohnmaechtige Geliebte bat ihn, daß er bliebe.
Da trat der Wirth mit freundlichem Gesichte wieder herein,
bot den Labetrunk und erquickte das Herz der beiden Ermatteten.
Mit einem vergelt Dirs Gott wollten sie am Abend weiter,
aber draußen vor der Thuere standen des Burgherrn Geharnischte,
die beide ergriffen und auf die Feste fuehrten.
Willkommen, schrie dem Gefesselten der tueckische Burgherr entgegen, willkommen, Du Raeuber !
Dein Brautbett ist fertig. Fuehrt ihn hinab und richtet ihn.
Meines Bruder Tochter ist's, die Du raubtest, und Kunde hatt' ich ehe Du kamest,
von Deiner Gestalt und Deinem Ansehen!
Da ward der edle Juengling gebunden und hierher gefuehrt, und, wo die Linde wurzelt, floß sein Blut.
Das Fraeulein ging in's Kloster, ließ aber auf das Blut des Geliebten,
ehe sie schied, diese Linde pflanzen.
Seitdem ist es, als ob ein Leben in dem Baume waere, das nicht ersterben kann
und Niemand wagte es, ein Aestlein abzuschneiden,
oder eine traubige Bluete zu brechen, weil er fuerchtet, es wuerde Blut herausfließen.."

Nach der Sitte deutscher Doerfer stand die Linde in der Dorfmitte,
die Kirchen schlossen sich dieser Sitte an-
Richig sei die Ueberlieferung, daß man zu dingen pflegte,
wenn sich ein Anlaß dazu bot - noch weit vor jedem roemischen Gesetz,
das bald nur noch durch Fachleute verstanden und umgesetzt wurde,
waren damals die Geladenen des Dings Laien, die nach ihrem gesunden Menschenverstand Recht sprachen.
In dieser Linde wurde eine Decke aus Brettern eingezogen-
wodurch sich das Frauensteiner Ding in ein "Ober und Unterhaus" gliederte.

Noch eine Sage gefaellig, aus einem alten Rittersitz?
"Ein Graf verstieß seinen einzigen Sohn, weil derselbe sich ein Maedchen
von niederer Herkunft zur Gattin erkoren hatte.
Ueber einer lieblichen Tochter, die sein welkendes Leben verjuengte,
und ueber einer treuen Hausfrau, die seines Alters pflegte,
vergaß der Vater den Verlust des verstoßenen Sohnes,
bis die Begleiterin seiner Tage starb und deren Ebenbild als Gemahlin
eines Edlen des Landes dem eigenen Herde folgte.
Nun stand er alleine auf seiner Feste, eine Eiche, die einsam mit verdorrtem Gipfel auf dem Bergeshaupte ragt,
deren letzte Zierde Moos ist und mit deren wenigen duerren Blaettern die Stuerme spielen.
In dieser Verlassenheit ergriff den schwachen Greis Reue und Sehnsucht nach dem Erben seines Namens.
Er huellt sich in das Bußgewand und ergreift den Pilgerstab,
um nach dem Kloster Nothgottes zu wallfahrten und dann seinen verstoßenen Sohn aufzusuchen.
Er kommt nach Frauenstein, unter dessen alter Linde er rastet und ihm einer der hier
sitzenden Greise die Sage von dem in Blut gepflanzten Baume erzaehlt,
worueber betroffen er eilends aufbricht und weiter zieht.
Die Sonne ging schon unter, da trifft er in einem Thale einen Knaben und ein Maedchen,
die ihm freundlich einen Trunk aus der nahen Quelle schoepfen und ihm am Abhang eines Berges ihren Vater zeigen,
der dort die Rodhacke schwang, als ob er die Felsen zermalmen wollte.
Die Kinder dringen in den Pilger, doch mit ihren in die Huette ihrer Eltern zu kommen,
und er kann ihren zaertlichen Bitten und Liebkosungen nicht widerstehen.
Gastfreundlich wird er von einer lieblichen Hausfrau empfangen und von ihr
und dem heimkehrenden Winzer bewirtet,
und erkennt endlich, als Licht in die Stube erscheint, in dem fleißigen Roder -
seinen verstoßenen Sohn.. "

Nochmal:
Das "gebotene Ding" oder Thing war die Gerichtsbarkeit, die im Bedarfsfalle tagte
und nur wenn es gegen Obrigkeiten ging, ueber welche die zinspflichtigen, hoerigen oder unfreien Leute nicht richten durften,
wurde das Hubengericht angerufen, auch Gau- oder Sentgericht genannt.

Der Chronist vermerkt:
"So war es einst und wie ist es jetzt?
Zu todten Formen hat sich das lebendige Recht versteinert, leblose Buchstaben haben seinen Geist getoedet;
Mumien wurden Leben und das Leben ward zur Mumie!" (Roem. Gesetze)
Weiter meint er: " Was wir immer vom Wiederaufbluehen der Wissenschaften im 15.Jhd.
Großes und Herrliches zu verdanken haben, fuer Deutschland war das roemische Recht kein Glueck,
sondern eine Giftpflanze, die, auf edlen Boden heruebergepflanzt,
das gute alte deutsche Recht fuer Immer ueberwuchert und erstickt zu haben scheint."
(Statt Laien rueckten nun studierte Fachleute in die Gerichtsbarkeit ein, wie oben schon angeschnitten)

1635 soll Herzog Lavalett in den Zeiten der Hungersnot mit seinen Truppen
die Ruhr durch unreife Trauben erlitten haben.



Geschichtliches

.. noch immer die Geschichte des Herzogtumes Nassau betreffend.

"Die geistliche Blume" war die heilige Bilehilde, die in Hocheim lebte.
Am Ausgang des 13.Jhds. wurde die vorzuegliche Schoenheit,
wie berichtet wird, als 16j. Jungfrau vom Herzog Hetan I von Thueringen und Franken begehrt.
Als Schwester Koenig Siegberts und der ersten Christl. Herzogin durchaus standesgemaeß.
Eigentlich wollte sie gleich ins Kloster gehen, aber der damalige Heide und Herzog bekam sie zur Gattin.
"Edelster Fuerst, sprach sie, Ihr dueft nicht nach meinem Willen fragen,
sondern was meinen Eltern gefaellt, unter deren Willkuer und Gehorsam ich stehe!
Waere es aber, daß mir meines eigenen Willens Gewalt und Vollmacht gelassen wuerde,
so gelobte ich Gott vielmehr, als Euch meine Reinigkeit und meinen Glauben.
Nun aber geschehe nach dem Willen Gottes, was dieser mit mir beschlossen!"

Trotz ihrer Liebe scheiterte der Versuch der Bekehrung ihres Gatten, der rauh und kriegerisch war.
"Als Bilehildis sich Mutter fuehlte, rief der Krieg den Herzog in's Felde"
Ungern lies er sie zu ihren Eltern zurueckziehen, wo sie ihr Soehnlein Siegbert gebar,
welches aber schon im dritten Jahre verstarb.
Der Herzog fiel in Frankreich und Bilehildens Herz wandte sich nun in ganzer Innigkeit
ihrem Lieblingsgedanken zu.
Sie gruendete 635 das Kloster Altenmuenster in Mainz, nahm den Schleier
und starb geliebt und verehrt in seinen Mauern, in Muße und großer Froemmigkeit,
wie die Geschichte erzaehlt.

Die Geschichte des Herzogtums Nassau hatte neben hochedlen Weinen Hochheims
auch einen trefflichen Sekt zu bieten, der weltweit bekannt war.
Schon damals kauften die Deutschen lieber mit franz. Etikett
den gleichen Inhalt zu doppeltem Preis, wie die Chronik berichtet.
Fast rund um die Welt bekannt, genoß dieser aus den feinsten Trauben
bester Loes-und Letten - Lagen des Rheingaues gewonnenen Weinen den daraus hergestellten Sekt
nach Art des Champagners (welcher auf magerem Kalkgrund waechst),
der allen Sorten wohl ueberlegen war.
Anpreisen mußte man den Hochheimer Sekt nicht, auch nicht mit Cognac aufwerten,
wie das in Frankreich mit dem Champagner passiert -lt. Chronik.
Der Franzoesische Champagner hielt sich in heißen Laendern bei weitem nicht so gut,
wie der aus dem Rheingau, welcher deutlich kraeftiger war.
Die Weine der Champagne wurden schon deshalb frueh in Flaschen abgefuellt,
weil sie sich in den Faesser nicht so lange hielten.

Lustig:
"Hier stroemt der Main durch saat- und obstreiche Gefilde
nach Hocheims rebenbekraenzten Huegeln hinab; dort drueben theilt ein riesiger Schwimmer,
das stattliche Dampfschiff, mit kuehnen Armen die Fluthen des Rheines,
und durch die Ebene zu unseren Fueßen schießt im Abendgrauen
eine Feuersaeule hin, das brausende Lokomotiv, ein Blitz, der ueber die Fluren dahinfaehrt."

1648 besetzte Marschall Tuerenne Eppstein- er machte die Kirche zu einem Pferdestall,
lies die Kirchenstuehle verbrennen.
Seltsamerweise holte er die in das Schloß geflohenen Bewohner zurueck,
um Braende in der Stadt loeschen zu helfen..
Beim Beginn des franz. Revolutionskrieges verwandelten die Preußen
das Schloß in ein Lazareth, wobei das ohnehin schon beschaedigte Gebaeude den Rest erhielt.
Die Chronik berichtet, daß vor dem roem. Recht Todesurteile selten waren,
nach der Einfuehrung jedoch haeufig ausgesprochen wurden-
es reichte zuweilen, wenn jemand aus dem Bach Krebse fing..
Da war noch die Besonderheit des Marktschiffes, das auf dem Main von Markt zu Markt
oder Anlegesteg zum naechsten gezogen wurde.

Ansonsten sind in den Chroniken mehr Aufzaehlungen der Geschlechterlinien
adliger Haeuser zu finden, was das Lesen sehr erschwert-
wie seltene Perlen finde ich hie und da interessante Begebenheiten,
die vom Leben einfacher Leute erzaehlen. (Ausufern soll meine Seite nicht,
von der "Upperclass" liest man schon mehr als genug)

"Jetzt beginnen die Drangsale, welche in der Leidensgeschichte der evangelischen Kirche
eine merkwuerde, aber betruebte Stelle behaupten,
durch die Jesuiten von Neuem. Durch mainzische Soldaten von Koenigstein her,
welche den Buergern als Executionsmannschaft eingelegt wurden,
vollenden die heiligen Vaeter der Gesellschaft Jesu die Bekehrung,
waehrend welcher viele Buerger von Haus und Hof, Weib und Kind fluechten."

Die Verkuendiger des christlichen Glaubens waehlten mit Absicht solche Stellen,
die schon in heidnischen Zeiten verehrt wurden.
An den Nimbus des heiligen Haines erinnert sich Thiuda, das Volk noch immer,
weiß die Eschborner Chronik zu erzaehlen.

Zu diesen Dingen zaehlten wohl auch die vielen heilsamen Quellen,
die besonders am Rand des Vordertaunus -noch heute- sprudeln.

1796 drangen abermals die Franzosen vor und so wird aus Koenigstein berichtet,
als die Oesterreicher, die das Koenigsteiner Schloß mit 600 Mann besetzt hielten -
in Folge einer Bestechung den einziehenden Truppen.
(Dafuer soll spaeter der Kommandeur vom Kriegsgericht erschossen.)
Spaeter aenderte sich das Blatt- die Franzosen wollten die Feste aber nicht heil zuruecklassen,
als sie sich zurueck zogen.
Schleifen mehrerer Befestigungen, zuschuetten der Kasematten, ein kleines Kommando
aus Soldaten und "Genieoffizieren" blieb fuer die Sprengung zurueck.
Man wollte nichts heil lassen - so wurde die im Hof befindliche Zisterne
mit Sprengstoff gefuellt und mit Steinen abgedeckt.
Aber durch die genagelten Schuhe, so der Chronist- entzuendete sich der Kram,
die ganze Ladung, weil wohl die Lunten falsch gelegt wurden.
"Ein schrecklicher Donner und die Scene der Verwuestung schleuderte Truemmer
und Koerperteile von 30 Menschen herum- was das Volk als ein Strafgericht
Gottes sah, was die Schuldigen bestraft und die Stadt geschont habe"
Spaeter traf noch ein Blitz das Dach des Turmes- und so schaut die Burg noch heute aus.

"Zu Ring dem Ding geben" - Lange vor den obigen Zeiten versammelte sich das Volk in einem Ring zu Gerichte.
Das waren oft die Orte, wo spaeter Burgen erbaut wurden.

Ein Dichter (Schudt) singt:
"Wohl mag er stolz auch blicken, er thut's mit gutem Zug; denn er traegt die schoenste Krone,
die je ein Koenig trug!
nicht geerbt hat er die Krone, und hat sie nicht geraubt;
Das Volk hat sie ihm gesetzt, auf sein ehrwuerdiges Haupt!"

Diese Ringwaelle sind die Roemer lieber umgangen,
weil sich dorthin in der Not der Verteidigung die Bewohner zurueck zogen,
sie waren also nicht nur Gerichts- und Tagungsstaette,
sondern auch zur Religionsausuebung und zum Schutz in der Not gebaut.
Ringwaelle waren eine starke Befestigung, Beispiele davon finden sich ueberall in Hessen-
so besonders auf dem Altkoenig im Taunus,
wo nicht nur seltsame Pflanzen wuchsen, wo auch der Blick weit in die Wetterau,
ueber den ganzen Talkessel Frankfurts hinweg geht.
Noch heute spuert man den heiligen Ort, wie ich zuvor schon erwaehnt habe.
(Wir sind Wanderer und kennen den Berg)
Dahinter liegt der Huenerkopf (wie die Huehnerstraße,
eine breite und wichtige Verbindung von Nord nach Sued die ebenfalls ihren Namen
nicht vom Federvieh, sondern von den Huenen bekam.
Im Ruecken des Altkoenigs liegt der Fuchstanz, ein freier Platz inmitten von Tannen,
"wo Fuechse im Sommer unter Eulenmusik und Mondbeleuchtung lustig ihre Baelle halten, im Winter
aber traurig wie das Sprichwort sagt, einander gute Nacht sagen"

Oberursel ist ein Staedtchen am suedlichen Taunushang, noerdlich Frankfurts in weiter Ebene.
1645 ist ein großer Brand ueberliefert, wo die 84 Ztr Glocke zu Boden fiel - und nicht beschaedigt wurde.
Eine weitere Kuriositaet ist die "St. Ursula in ihrer Flennelz",
einer Figur mit weinerlichem Gesichte in der Mauerwand des Thurmes eingefuegt,
wie die Chronik schreibt.
(auf dem Weg nach Frankfurt liegt diese Sehenswuerdigkeit http://www.lahmer-esel.de/ )
Der Eselsritt war auch hier heimisch, jenes merkwuerdige Beispiel alter Volksjustiz,
welche keine groeßere Schmach kannte, als "Weiberschlaege".
Alljaehrlich zu Faßnacht wurde an den Frauen vollzogen,
die ihre Maenner geschlagen haben, daß jene auf einem Grautier durch die Straßen gefuehrt wurden..

"Wer durch Stierstadt geht und wird nicht geschmissen,
durch Dommersheim und nicht von den Hunden gebissen,
Und durch weiskirchen und wird nicht verspott,
Der hat wahrlich große Gnad bei Gott!"

Die Ueberhoeh der Saalburg wird "froehlicher Mann" genannt- ein Schuster
soll von Bad Homburg kommend regelmaeßig nach Usingen gelaufen sein,
um seinem Gewerk nachzugehen.
Da er immer froehlich war, nannte man diese Hoehe danach.
(Das ist ein elendig langer beschwerlicher Anstieg, den Wanderer zu fuerchten wissen)

Im Badeort Schlangenbad ist die harmlose Coluber flavescens zu Hause,
eine 3-5 Fuß lange Aeskulapnattern, die man sogar leicht zaehmen koennen soll,
wie der Chronist schrieb. http://de.wikipedia.org/wiki/Schlangenbad
Diese Tiere halten sich gerne bei den heißen Quellen auf.

Schwaermerisch faehrt er fort:
"Schlangenbad gewaehrt ein hoechst malerisches Bild, und das Auge des Wanderers ruhte,
angenehm ueberrascht, auf dem niedlichen Orte,
der ihm, wie aus einem Verstecke, entgegenlacht.."
Damals gaben die großen deutschen Ziegen, die wohl ueberall an den Haengen zu finden waren,
einer Art Almwirtschaft die Kraft - nebst Molkekuranstalt den Inhalt.

Die "frauenverjuengende Wirkung" dieses Bades lies diese vermehrt hier kuren,
was auch der Landgraf Friedrich I. schaetzte- der nachmalige Koenig von Schweden
lies jaehrlich 4000 Kruege dieses feinen Wassers zum Toilett-Gebrauch nach Schweden liefern..
Spitzbuebisch sprach man davon, dass sich dort Schlangen eben wohl fuehlen..

Eine Anekdote erzaehlt von dem Badearzt mit seiner Augenklappe,
die nicht durch Verwundung, sondern wohl durch eine ueberlebte Blatterlkrankheit noetig war.
Zu diesem jungen Arzt kam Abends ein Reiter mit der Bitte,
das mitgebrachte Pferd zu besteigen,
um "Beistand fuer eine in Kindesnoethen schmachtende Woechnerin" zu leisten..
Er folgt dem Aufruf, - sie ritten in den weiten Wald, wo auf der Lichtung
eine Gruppe Raeuber naechtigte- der beruechtigte Schinderhannes
mit seiner Truppe hatte dort sein Lager aufgebaut.
Die Entbindung verlief gluecklich, der Arzt nahm die Belohnung und gab das Geloebnis ab,
binnen Jahresfrist nichts davon verlautbaren zu lassen..

Merian, der beruehmte Kupferstecher starb 1651 in Schwalbach, heute Bad Schwalbach:
"Es ist allenthalben mit trefflichen, huebschen Wiesen, anmuethigen Thaelern,
luftigen Bergen, schoenen Huegeln, fruchtbahren Aeckern und Baechen also umbgeben,
daß man sich nach aller Herzens Begierde darinnen und darbey erspaziren und erlustiren kann.
Die Luft ist so gesund und gut, dass beydes, Menschen und Viehe,
sich sehr wohl darben befinden und an Alter und Staerk vor anderen zunehmen"

Zobel suchte man an diesem Ort vergeblich, mondaen war auch Schwalbach eher nicht - aber:
Leute von hoechstem Alter sind hier oft zu finden, wohl auch,
weil an diesem Orte kein sommerliche Schwuele entsteht.
Der Ortsname kommt eher nicht von den Schalben, sonst muesste er wohl eher Schalbenbach
heißen,- sondern eher vom Schwallen der Quellen.

Der Ort Hettenhain oder Lucus patrum (Hettanorum) wurde bekannt
durch die Chatten oder Katten oder Hatten und ihrem Zug gegen die Roemer.

Schlangenbad-Kurerlebnisse vor der Zeit neuer Thermenanlagen:
"zu einer beliebten, aber wegen der Erneuerung natuerlicherweise nie innegehaltenen Stunde,
sagt Fenner, stroemte eine Horde schmutziger Weiber,
gegen welche eine gewisse Bitte im Vaterunser zu stellen eben nicht nothwendig war,
mit Wannen und Buetten in's Zimmer der Gaeste und es wurde etwas zubereitet und gemischt,
was den Namen eines Stahlbades tragen sollte, in der That aber seinen Ursprungschein
selten nachzuweisen vermochte!
Keine Kontrolle ueber das vom Arzte bestimmt verordnete Abgeben des Mineralwassers
von einer oder der anderen Quelle;
frei und in unbedeckten Zuebern trug das gewissenlose Volk das Wasser umher,
um geflissentlich gleichsam den koestlichen Aether desselben verhauchen zu lassen,
und das Ende vom Lied war, daß eine der erfahrensten Matronen
mit berußtem Arme die Wanne durchfuhr, kaltes und heißes Wasser ruehrend,
und, wie sich sich vermaß, die geeignete, richtige Temperatur herauszufinden und festzustellen.
Der Badelustige fuegte sich vertrauensvoll dem hohen Orakelspruch
(man kannte nur den Armthermometer der Badenymphe)
und legte sich in Gottes Namen und auf ein gutes Glueck in das feuchte Bett, wie es bedeutet worden.
War es nun nach seinem Gefuehle oder Beduenken nach zu heiß oder zu kalt,
oder bemaechtigen sich seiner, wer weiß welche Bedenklichkeiten:
Kein Schreien half, kein Rufen, der Troß war einmal fort,
um einem zweiten oder dritten armen Suender dasselbe Loos zu bereiten.."
Fenners Humor war wohl treffend, aber auch Kirchner schrieb:
"Was die Badeanstalten in Schwalbach betrifft, hatten sie viel, ja alles zu wuenschen uebrig.
Drueckend war hier der Mangel eigentlicher Baeder.
Hier wird das Wasser von eigens dazu bestellten Weibern in großen offenen Gefaeßen
auf dem Kopfe herumgeschleppt.
Mit lautem Gepolter naehert sich dieser Zug der aufgeschuerzten haeßlicher Najaden
dem Schlafzimmer des Kranken, um dort ihre Wasserfluth in die hoelzerne Wanne zu gießen.
Ein solches Bad ist- bei aller Vorzueglichkeit des Wassers- oft zwecklos, ja schaedlich."
Sein Einfluß auf Herzog Wilhelm lies denn noch oeffentliche Badeanstalten entstehen,
wie sie heute noch sind..

Das Bilder der kleinen Stadt macht einen mehr laendlichen Eindruck mit seinen Schieferdaechern -
von der anmutigen Hoehe des Paulinenberg gesehen.
Von diesem Felsenvorsprung sieht man in den gruenen Wiesen die Kurgaeste wandeln.
Im Dunkel der Nacht naehert sich ein seltsamer Zug von Lichtern,
eine Prozession Schwalbacher Buben, die emsig und bescheiden die Kurgaeste nach Hause geleiten..
..so die Leuchtbuben, die auch wohl Eselsbuben waren, wo sich die feinsten Damen
auf den Graufellen nach oben, auf den Berg transportieren liesen.

Die Zahl uralter Burgen ist in dieser Gegend schon beeindruckend und anziehend..

Dazu zaehlt auch die Geschichte Katzenellnbogens, hier nahm man catti meliboci
als Ursprung des merkwuerdigen Namens an.
(Chatten und Melibokus der Berg)
.. dort war einmal die Rede von einer seltsamen Kampffuehrung bei einer Belagerung:
Man warf Bienenkoerbe hinab auf die Feinde..

http://de.wikipedia.org/wiki/Katzenelnbogen
Dieses Rittergeschlecht lebte hauptsaechlich von erzwungen Zoellen am Rhein..

Wann immer man ein Datum setzen wollte, um zu erkennen,
ab wann wohl jene Maechtigen erstmalig zum Vorschein kamen:
Es kommen immer die gleichen Typen an die Macht, unter welchem Maentelchen auch immer- mal adlig,
mal klerikal, mal faschistisch, mal depotisch,
mal als "Feldherr", dann als Sozialist oder Kommunist, dann als Demokrat;
die Eigeninteressen ueberwiegen IMMER, gefolgt von denen der Seilschaft, durch welche jene hoch gekommen sind.
Das kann jeder immer und ueberall eindrucksvoll sehen - mancher war
und ist heute noch sehr geschickt im Verschleiern der wahren Beweggruende,
die Macht anzutreten oder "das Volk vertreten" zu muessen..

Das Gelaeute des Kirchspiels schilderte ein Pfarrer so: "Baembelwein und Baembelwein" -
das mißviel ihm so, daß er um Versetzung bat-
in einen Ort, wo die Glocken vornehm "Bonum vinum, - vinum bonum" klangen..

Im Herbst waren im Rheingau großartige Volksfeste- oder Belustigungen verbunden,
reich geschmueckt und mit Musik.
Die "Herbstmutter" - ein besonderer Schmuck, wurde angelegt.
Dieser Glanz sei nach und nach erloschen, so der Chronist, als immer mehr Weinberge
in immer wenigere Besitzer wechselten.
Frueher haette fast jeder ein kleines Stueck gehabt, auf dem Wein gezogen -
und wo in der eigenen Straußwirtschaft so lange verkauft wurde, bis der Vorrat zur Neige ging.
Diese sekundaeren Schenken zeigte man mit einem Fichtenkranz oder Tannenkrone als Schild an.
Die neuen Eigner jedoch achteten darauf, daß speditiv gearbeitet
und bei der Ernte nichts von den Trauben gegessen wurde.
Kein froehliches Treiben, schiere Arbeit und Tageloehnertum kehrte ein.
Einzig die großen Weinmaerkte haetten noch Freude gemacht,
besonders den Weinhaendlern und Bietern, die gratis essen und trinken durften.
(Das kam durch die hoeheren Gebote wieder herein)
Am Tage der Versteigerung soll im Kloster Eberbach jedem Interessanten-
ob Bieter oder nicht dieser Vorzug zuteil geworden sein.
(Wer den Rheingau kennt, wird das eher nicht glauben)
Die Mittelklasse fiel auf jeden Fall weg, es kamen immer mehr Tageloehner
und wenige Grossgrundbesitzer in diesen Zeiten zustande.
Besonders leicht und ueppig soll man "mit dem Krummstab" gelebt haben, schrieben die Zeitzeugen.

1478 soll sich der adlige Erzbischof sich die Martinsburg zu Mainz erbaut
und diese spaeter als Residenz und "Lustpalais" ausgebaut haben.

Erzbischof Konrad III hat die Juden- "um Argwohn und Unwillen, so er gegen sie gewonnen" -
in den Kerker geworfen haben und alle ihrer Gueter beraubt festgehalten..
Der Chronist woertlich: "Der guetige Fuerst begnadigte die Gefesselten
jedoch bald wieder mit der Freiheit, waehrend er das eingezogene Geold und Silber behielt"

Der Einritt es neugewaehlten Bischofs war feierlich und prunkvoll zu Eltville,
nach der Uebergabe der Weisthuemer und Landrechtsbuecher:
"Der Erzbischof ritt daher als ein gewaltiger Herr, praechtig geharnischt,
den rothen Hut mit Pfauenfedern geziert- mit ihm ritten vier Domherren, der Marschall,
Truchseß, Kanzler und viele Ritter und Knechte - mit Hammerwurf
wurde sein Gebiet bis inmitten des Rheines festgelegt"

Die Schweden mordeten damals, so die Ueberlieferung, den Priester am Altare.

1803 wurde das Kloster Tiefenthal aufgehoben. (das dann eine Muehle wurde.)
Dort soll auch die heilige Elisabeth gewirkt haben.
"Den hießigen Nonnen waren, der Stiftung gemaeß Brueder zugesellt,
die nach Badmann mit den Schwestern aus einem Topfe speisten und sich ihnen gleich hielten,
um e i n e n Hirten und e i n e Herde zu versinnbilden"

In der Kiedricher Kirche war ein Wachsschrank mit durchbrochener Schnitzarbeit,
welcher "Nase, Mund und Wangen des armen Heiligen so abgekuesst bekommen hatte,
daß jener (St Valentin) schrecklich anzusehen war"

Das Kloster Eberbach hat auch eine feine Sage zu bieten:
Der Heilige Bernhard (ca 1100) hatte einen Traum, in welchem ihn die Maria
mit dem Himmelskinde umschwebt habe, weshalb er den Entschluß in dem einsamen
Waldthale, das zu seinen Fueßen lag, ein Kloster zu bauen gedachte.
So waere er zu einem rauschenden Bach gekommen, wo ein wildes Schwein auf ihn zu kam
und mit seinen Hauern den Grundriß des Klosters vorgab..
Heiligs Blechle, der Wein muß schon heftig gewirkt haben ;)

Wie auch immer- das Kloster bluehte auf und scharte schnell 16 Nonnenkloester
reiner Sitten und kloesterlicher Zucht um sich, wie man lesen kann.
Die fleissige Land- und Weinwirtschaft lies diese Gemeinschaft erstarken-
wie zuvor bereits ausfuehrlich beschrieben.

Der Pfalzgraf Hermann von Stahleck wurde von Kaiser Barbarossa wegen Landfriedensbruch
zu einer besonders entehrenden Strafe verdonnert:
Zum Hundetragen ! (Dabei mußte der Verurteilte auf seinen Schultern einen Hund 1000 Schritt weit tragen)

Eine andere Begebenheit war von einem Paar, sie Nonne und er Moench-
sie wurden beim heimlichen Treffpunkt belauscht und bestraft:
Geiselung, "in eine enge Todtengruft gestuerzt, wo er Jahre lang schmachtend,
an der Thuere die Spuren seines traurigen Daseins , mit den Haenden eingekratzt,
zurueckließ waehrend die Schwester Licht, Brod und Wasser mit hinab nahm in das einsame Gewoelbe,
worin sie eingemauert dahinwelkte"
Spaeter wurde dieser Ort "Corrections- und Irrenhaus"..

Die geistlichen Herrscher versuchten immer wieder aus der "Rheingauer Freiheit"
die eine oder andere Perle heraus zu brechen.
Die Bauernaufstaende 1525 wurden -anhoerig ob der Greueltaten andernorts-
zu Demut dem Kurfuersten erneut zu huldigen-
und von ihren Forderungen nach freier Jagd und Fischerei Abstand zu nehmen..

Auch Winkel ist ein sehr alter Ort, - so die Erzaehlung, daß
der Erzbischof Rhabanus Maurus den tausendjaehrigen Gedaechnistag am 4.2.1856 hatte.
Dieser hochgelobte und mildtaetige Mann soll in der Hungersnot 300 Leuten das Leben gerettet haben.
"..wo die Noth so groß war, dass Muetter mit den Kindern auf den Armen,
ohne die Schwelle des großen Wohltaeters mehr erreichen zu koennen,
todt niederfielen und man den noch lebenden Saeugling an der Brust der verhungerten Mutter haengen traf..
Tag fuer Tag die Fristung von Leben."

Da war in diesem Bezug noch die Sage, daß die Gegend wegen dem heiligen Mann
von Ratten und Maeusen verschont geblieben sein soll- ob es die Hungersnot
doch wohl eher war, die Menschen diesen Nagern nachstellen lies?

Der Bischofsberg wurde wohl umbenannt, als der Ritter emich v. Leiningen und der Moench
Gottschalk ihren Kreuzzug 1098 antraten, den sie zuvor mit einem Judenmord zu Mainz begannen,
wobei auch gleich dessen Hab und Gut "einzogen"..
Der Erzbischof Ruthard und sein Schwager haetten den Frevel beguenstigt,
dem zufolge 1014 Menschen sterben sollten.
Die Buße, auferlebt vom Kaiser Heinrich IV war 7 Jahre Verbannung und Verbringung
der ganzen Bande in Kloester, wo die Linien ausstarben.
Da die Verbannung am Johannistage erfolgte, wurde der Berg und das Doppelkloster in Johannisberg umbenannt.
Wen "aufgeloester Zucht" wurde das Kloster 1452 mit Gewalt aufgehoben.
Waehrend der Bauernkriege in Schutt und Asche gelegt,
zuvor ruiniert durch Mißwirtschaft, von den wuetenden Schweden gemartert,
durch mehrere Anleihen ueberschuldet, wurde das Kloster und der Grundbesitz zum Verkauf angeboten.
Die Abtei Fulda kaufte den Besitz gegen die Pfandsumme plus 2000 Gulden,
so wurde der Johannisberg wieder Probstei.
Der Fuerst-Abt Adalbert von Walderdorff lies 1717-23 das praechtige Schloß erbauen -
die Brueder aber liesen eher die Korken knallen, als im Brevier zu lesen..

1803 kam die franzoesische Revolution und durch einen "Reichsdeputationsrezeß"
kam die Besitzung an den Prinzen Wilhelm von Oranien, dem spaeteren Koenig von den Niederlanden.
Nach dem Siege schenkte Napoleon I dieses dem Marschall und Herzog Kellermann,
nach Napoleons Besiegung schickte Kaiser Wilhelm III. von Preußen den Bluecher dorthin - aber:
Oesterreich war schneller und nahm dieses Andenken an den Rheinbund in Beschlag.
Gegen Entrichtung des Weinzehnten wurde der fuer die oesterr. Monarchie hochverdiente Fuerst
von Metternich Lehnsherr des Schlosses und Gutes Johannisbergs.
Aufs Feinste ausgestattet, trug das Schloß das goldene Wappen der Metternichs.
Die Weinkeller des Schlosses waren wohl wie Fort Knox bewacht und mit edelsten Schaetzen
-in fluessiger Form- gefuellt.
Die traumhafte Lage und die Ausstattung war wohl der Luxus pur, wie man heute sagen wuerde..
Wie schon erwaehnt, wurde die Spaetlese nur durch Zufall entdeckt,
die "edelfaulen" Trauben durch Nachlaessigkeit des Erntebefehls viel zu spaet gekeltert.
Der Erfolg war dafuer um so verrueckter!
Das unweite Mumm'sche Landhaus war wohl der Grund, warum der Frankfurter Kaufmann
dieses Namens 1811 den Johannisberg fuer 32.000 Gulden kaufte..
(Den Sekt gleichen Namens kennt wohl jeder)

Einsam im Walde -lt. den Nassauer Sagen- steht die kleine St. Antoniuskapelle:
"Ein Jaeger, der gerne ueber das Kapellchen spoettete, stellte sich in einem Gewitter lieber unter eine Eiche.
Als dieses zum Unwetter mutierte, ging er doch lieber unter das schuetzende Dach
des heiligen Haeuschens- wo bald darauf die Eiche von einem Blitz getroffen zerschmettert wurde..
Das Waldkatharinchen gehoert zu der dasigen Kuriositaet, die in verschmaehter Liebe blaße,
schmale und gebeugte Frau lebte in der Einsamkeit, wirr ihrer Sinne, immer in weißem Kleide,
das sie sogleich in ein gleiches wechselte, wenn die Zeit war.
In einer Moos-Huette, in Gesellschaft von Tauben,
verdingte sie sich durch Stickereien ihren ausreichenden Lohn.
Sommers und Winters mit seltsamem Strohhut ueber ihrem kummergewohnten Gesichte,
verbluehte ihre Schoenheit, ihre gespensterhafte Erscheinung und Verhalten
kuemmerte sich nicht um die Menschen, sie blieb alleine.
Erst in alten Tagen lies sich sich dazu bewegen, ab und an in den warmen Stuben etwas Waerme zu nehmen."

Die heilige Hildegard - noch ein Kuriosum,
soll ein Gebetbuch mit herrlichen Malereien gehabt haben, mit der Inschrift: "Ich leide gern".

Als die Eisenbahn im Rheintal gebaut wurde, die auf einem hohen Damm
oft zwischen der Uferstrasse und den Orten, manchmal auch durch die Orte verlaeuft,
wenn die Kurve wenig gekruemmt sein sollte, ergab sich ein ganz anderes Wohngefuehl
und Anblick der Staedte und Siedlungen.
Damals noch hochgelobt, heute mehr verflucht, weil der Schienenverkehr drastisch zugelegt hat.
Der idyllische Charakter ist auf alle Faelle ziemlich gestoert- wie ich finde.

Zur Zeit Karls des Grossen sang der Dichter Geibel:
"Bei Ruedesheim, da funkelt der Mond in's Wasser hinein
Und baut eine goldene Bruecke wohl ueber den gruenen Rhein.
Der Kaiser geht hinueber und schreitet langsam fort
Und segnet laengs dem Strome die Reben an jedem Ort.
Dann kehrt er heim nach Aachen und schlaeft in seiner Gruft,
Bis ihn im neuen Jahre erweckt der Trauben Duft.
Wir aber fuellen die Roemer und trinken im goldnen Saft
Uns deutsches Heldenfeuer und deutsche Heldenkraft."

Die Kunst ein Holzfloß auf dem damals noch reißenden Rhein zu lenken,
war nur wenigen gegeben, wie man lesen kann.
Klippen und Felsen - die heute laengst gesprengt sind,
zwischen den Inseln am Flußbett zwangen damals noch zum Umladen!

Das Binger Loch und die Loreley waren beruechtigt fuer viele Schiffsunfaelle.
Noch heute behaengen Blumen den Heiligenstock.
Felsnasen, Kliffe, einem Wehr nicht unaehnlich, Riffe und Untiefen,
Inseln mit seltsamen Tuermchen drauf- z.B. der Maeuseturm als im Rhein gelegene
"Aussenstelle" der Burg Ehrenfels, waren Mautstationen.
Die Volkssage ging, daß an dem Binger Riff der Rhein teils unterirdisch weiter gehe,
so weit weg kamen untergegangene Gegenstaende wieder an die Wasseroberflaeche..
So manche schauerliche Sage rankt sich um diesen Maeuseturm,
der seinen Namen auch von "Maus, Mauth" oder von "Mus oder Muserie"
(Waffe oder Geschuetz) erhalten haben koennte.
Auch zur "Wahrschauung", dem lotsen des Schiffsverkehrs koennte der Turm gedient haben.

Alte Sagen berichten davon, dass, wer viel Korn speichert,
auch mit Maeusen rechnen muss- diese sind an alles gegangen,
was irgendwie verdaulich war, wenn das Korn alle war..

Der Assmannshaeuser Rotwein ist heute noch weltberuehmt -
nicht so gefaellig wie der franzoesische Burgunder, aber wohl gediegener und kraeftiger als dieser.

Die Rheinanwohner waren wohl pfiffige und listige Leute-
so wurden schon mal Stangen mit Hueten darauf hinter der Stadtmauer geschwenkt,
so wurden Angreifer getaeuscht, wie der Chronist erwaehnt.



Geschichtliches


Noch immer in der Geschichte Nassau's unterwegs, geht es hier weiter:

In dem Rhein-Ort Lorch wurde schon im Jahr 832 ein Wein "Laureacum" beruehmt,
wegen seines "ueberaus lieblichen Charakters" geschaetzter Weißwein.
Im wildromantischen Wispertal, das seinen Namen von dem dort durchziehenden Nordwind haben soll,
erzaehlt man sich Sagen von Gnomen, Geistern, Elfen, "Holde und Unholde",
die in den tiefen Spalten des Erdreichs und der Felsen hausen.
Ein Dichter Genth singt:
"Anmuthig Thal, wie wunderbar beaengstigst du meinen Sinn;
Du zauberst eine bunte Schaar Gestalten vor mich hin!
Du huellst in zarten Silberduft die schwankenden noch ein;
Doch Fels und Wald, die ganze Luft sind voll von Zauberein!"

Ein Minister des mainzer Kurfuersten bezeichnete man als "Hofstaatsnull" -
(Wieso denke ich da an Europa?)
"Dieser glaenzende Schwelger war ein so unwissender, untauglicher Staatsmann,
als er der strahlende Stern im Astralreiche des Kurthums war:
dabei das Normalmodell des hochfuerstlichen malire de plaisir -
quant aux affaires d'etat, sagte er ganz naiv von sich selbst, je suis une bete.
Seine Pferde, Hunde und Bediensteten waren waren die bestdressierten,
sein Koch hatte die besten Saucenrezepte, sein Confiseur machte die herrlichsten glaces und gelees,
den koestlichen Kaiserpunsch, und lieferte die reichsten Streuzuckergemaelde auf dem großen Tafelspiegeln.
Seine Anordnungen auf Hoffesten erwecken Bewunderung, sein Schreiber
war inzwischen Minister und der schlechte Sproeßling aus der schirmgeweihten Ebernburg
des edlen Franz mußte Schulden halber aus Mainz entfernt werden.. "

Die Gelehrten sind sich nicht eins- ob der beruehmte Felsen Loreley
von dem Wort Lore und Ley, Schieferfelsen oder von der Lure kommt, dem germanischen Blasinstrument.
Zur Sage an sich: (R.Hocker) "fuer die Poesie ein Diamant, fuer die Mythologie aber ein Irrlicht"

Damals waren im Rhein noch viele Lachse, wie schon mehrfach erwaehnt-
so baten sich die Bediensteten aus, nicht mehr als dreimal die Woche Salm essen zu muessen..

Da war noch von einem "Teufel in Priestergestalt" die Rede, der den Versuch machte,
die Gatten des Grafen von Katzenellnbogen mit Gift um die Ecke zu bringen.
Perfide durch den Abendmahlwein- der Plan ging schief und so fluechtete er nach Koeln,
wo man im am Fuße des Galgens verbrannte..

1289 kamen die Schweden und klauten alles, was nicht niet- und nagelfest war;
nur das fuer die Kapuziner wundertaetige Marienbild nicht, das so frei war, "durch die Wand davon zu schweben".

Der Sagen voll war die Zeit - man sprach von einem Erbe, das Gold in Scheffeln
unter die Geschwister verteilte- die blinde Schwester erhielt das Maß
aber umgedreht mit Gold bedeckt, das sie ertastete.
Waehrend ihre Brueder in Sauß und Brauß lebten und alles verbrateten,
in Zank und Hader lebten, legte die Blinde die noch recht gute Hinterlassenschaft
in ein Hospital an, das neben der Kirche war.
Dort haben sie sich wohl mit der Schwester versoehnen muessen, als sie aufgenommen wurden,
als sie mittellos waren.

In Oberlahnstein war ein Sauerborn, den man mit Zucker und Wein mischte
und einen besonders erfrischenden Trunk anbot..

Goethe schrieb vom Lahneck:
"Hoch auf dem alten Turme steht
Des Helden edler Geist,
Der, wie das Schiff vorueber geht,
es wohl zu fahren heißt."

In der Naehe von Niederlahnstein soll das Kloster Machern gestanden haben-
dort wandert eine Nonne, so die Erzaehlung, sie traegt ein Buche in ihrer Hand, aus dem sie betet;
sie grueßt und geht weiter, ohne jemanden zu belaestigen..

Die Lahn soll vor den Zeiten bei Gießen ueber die Wetterau
in das Mainzer Becken geflossen sein, nicht den engen Verlauf bis nach Lahnstein.
Loyne, Loen, Loehne, Loehn, Lohn, Lu, Lah, Loh- Lahn genannt, bei den Roemern Logena oder Logana.

"Tempus diu pugnans, acie fugiente secutus, Langona dum vitreis terminus esset aquis.."
Hat der Chronist mit "gruenlichen Fluten" uebersetzt, was zwar vor Ort stimmt, nicht aber aus dem Text..

Die Fluesse waren damals allemal gut fuer verheerende Fluten, nicht nur fuer Hochwasser-
das wurde meistens spaeter durch die Daemme und Regulierungen besser.

Man sprach von "Volksaberglauben" und "Volksueberlieferungen" -
die aber vermutlich die aufgestuelpten "Missionierungen" ueberleben werden -
warten wir's ab.

Alte Namen - wie "Wolwenhoehle" oder "Wildweiberhoehle" werden immer das Interesse der Menschen wecken..

Die Seite "Geschichtliches" ufert ein wenig aus, - eigentlich sollten hier nur Dinge zu lesen sein,
die "den kleinen Mann auf der Straße" betreffen, gerne seine Familie und Ahnen auch,- sonst aber nichts.
Diese Dinge stehen zur Genuege in den Geschichtsbuechern!

Ein Gedanke ist es mir wert, hier festgehalten zu sein:
Frueher das Thing, wo die Uebereinkuenfte des Verhaltens der Menschen untereinander geregelt
und gerichtet wurden,
dann der Kleinstaat oder das Fuerstentum, wo die Sache schon komplizierter wurde,
(selbst wenn man von der Persoenlichkeit des Fuersten mal ganz absieht)
in den Laendern waren die Mentalitaeten oder gebietstypische Eigenarten
der Menschen unterschiedlich genug, daß auch diese Tatsachen
in die Gesetze einfließen mußten.
In einem Bundesstaat, wo viele Laender enthalten sind, wird die Sache komplex:
"Ethien" dabei nicht mal bedacht, mußten Gesetze sehr universell sein,
damit man allen Denkungsweisen in einer neuen Einheitssauce der Verordnungen
und Paragraphen gerecht werden konnte.
Im vereinten Europa - wen wundert das? -
wird die Gesetzgebung vollends abstrahiert
und zudem noch selbst zum "Souveraen" oder Machthaber, der alle hierarchischen Ebenen darunter "brechen" darf.

Je groeßer die Staatenkonstrukte, wie man an den Beispielen China,
USA, Rußland oder Indien sehen kann, so wenig funktioniert die Idee der "Demokratie"..
(Ich darf dabei an die demokratischen Abstimmungen in den germanischen Doerfern erinnern,
wo "Gleichberechtigung von Mann und Frau" sehr selbstverstaendlich war)
Das wird dem vereinten Europa genau so gehen, - die Anfaenge sind laengst sichtbar
durch die Intransparenz und durch den "Lobbyismus";
die Gesetze daraus oder die Verordnungen sind nur noch Fachleuten einigermaßen verstaendlich.
Ein Schelm, wer da denkt: Gesetze, die ich nicht verstehe, koennen auch (fuer mich) keine Geltung haben..
Weit gefehlt: http://de.wikipedia.org/wiki/Ignorantia_legis_non_excusat
Die neuen Goetter sind die, welche Firmen leiten, die Parteien und Organisationen,
freilich auch Glaubensgemeinschaften vorstehen,
die Politik machen- fuer diese Leute gelten
(die von jenen hochselbst gemachte)
Gesetze ganz offenbar nicht.
Unzaehlig sind die Ausnahmen, die man sich genehmigt, unzaehlig die Ausreden fuer Sonderrechte.
Sie schauen nicht nur die ihnen untergeordneten Menschen wie Vieh an, wie Voegel,
die instinktgesteuert sich um ihre Brut kuemmern-
wer anderer Meinung ist, ist wohl noch sehr jung oder halt selbst ein Lenkungsamt inne..
Der geneigte Leser wird sich seinen Teil denken - an meiner Generation war es,
aufrechte, selbst denkende Menschen heranzuziehen;
wir diskutierten immer und ueberall, sogar schon am Fruehstueckstisch ueber alles,
lange vor der G ooglezeit konnte alles erfragt werden!

Diese Rahmenbedingungen sind es, die unser Wohl und Wehe bestimmen,
somit darf ein solcher Hinweis auf diesen Seiten erlaubt sein,
die persoenlichen Freiraeume haben zu keinen Zeiten allzuviel an Ueberlieferungen gebracht:
Es sind seltene Blueten in den Geschichtsbuechern, wenn von den Gefuehlen und vom Leben
der Familien selbst die Rede ist!
Freuen wir uns also darauf..

Man fand zwar Spuren der Roemer, die den Fotes Mattiaci folgten bis zu dem heutigen Bad Ems-
in der Vergangenheit jedoch hat man "aus Wuth, womit die Deutschen Alles vernichteten,
was an ihre besiegten Draenger erinnerte", einiges beseitigt..

Aus einem Weisthum:
"Wans sach wuerde, daß dem hohen Altar sein Haupt wehe thaete, so soll es doch nit seyn,
sondern die ehrwuerdigen Herrn zu St. Kastor sollen reien und traben, bis wir einen anderen Pfarrherrn haben."

1535 sollen die Kurgaeste 4-8 Stunden am Tag gebadet haben,
so mancher Fuerst hat sich ein eigenes Badehaus bauen lassen,
neue Quelladern wurden gesucht und gefunden.
Man badete oefter, laenger und heißer, hat das Mineralwasser geradezu gesoffen -
in rauhen Mengen- und schlief hinterher um zu schwitzen.
Ehedem waren die Haeuser, so die Chronik, "armseelige Huetten",
man badete im Freien und oberhalb schliefen die Kurgaeste in Zelten,
was den Leuten zuweilen recht frischen Schwung gegeben haben soll ;)
Die "Bubenquelle" war ein schwungvoll aus der Erde sprudelnder Born,
der untenherum wieder Schwung brachte- Abends, so schelmisch die Chronik,
besorgen die Gaeste den Rest.
Manches Techtelmechtel und Leid hat sich damals zugetragen, Eifersuechteleien,
mancher ist mit Gattin gekommen und ohne wieder nach Hause gefahren.
Loesen wir uns von der "Druckkraft" der Bubenquelle und dem Kinderwunsch-
es gab auch eine Augenquelle, die sogar bei "Triefaugen" geholfen haben soll.
Das Schwefelloch und seltsame Duenste sollen Delphi oder der Hundsgrotte bei Neapel
nicht unaehnlich gewesen sein, die "seltsame Wirkungen" hatten.
Manche angebliche Wirkung der Quellen hat man spaeter wieder aus dem Programm genommen
"Quid tibi cum medicis?",
was der Chronist mit "Was verstehst du von der Medizin?" uebersetzte.
(Offenbar des Lateinischen nicht sonderlich kundig)

Zurueck zu wichtigen Dingen: An der Lahn waren durchaus treffliche Rotweine zu finden,
wie berichtet wird und an einigen Stellen zu Tage tritt.

"Was ich bin, das wirst du sein!" (Grabinschrift)

Bei Diez wurde ein Wein angebaut, welcher "schlaefrig" gemacht haben soll-
der Berg wird immer noch "der Schlaefer genannt"..
Ein Metzger war so groß und stark, daß er ein Ohm-Faß stemmen
und aus dem Spundloch trinken konnte- waren Feinde vor der Stadt,
schlug er mit seinen Gesellen furchtbar drein, so die Chronik.

1349 sind in Limburg an der Pest 2400 Menschen gestorben -
danach zehn Jahre lang, jeden Tag 10-12, - die, wenn "die Druesen anfingen,
es nach drei Tagen fuer den Kranken zuende war".

Auf der Hoehe ueber der Lahn hat "seine" Kirche gegruendet-
bis dahin habe die "Lindburg" dort allein gestanden, so der Chronist.
Daraus ging der Name der Stadt hervor, Limburg soll aus "Lindburg" hervorgegangen sein,
Lindwurm, die Stadt des Drachens.
Die Burg wurde wohl zur Kirche und dem Drachentoeter Georg gewidmet.
So kam der christliche Glaube ueber den "Aberglauben",
dass Drachen in den Schluchten hausen, wie der Ortsname Linter (Lyntere) mit
dem gleichnamigen kleinen Bach noch heute zeigt.
Der Salier Konrad Kurzbold gestorben 948 hatte eine "kraeftige Natur,
festen Charakter, hohen Geist und frommen Sinn, kuehn und tapfer im Felde,
jedoch ein Sonderling im haeuslichen Leben, - Graf Konrad war ein Vetter von Kaiser Konrad I.
Von seiner Gestalt Kurbold, von seiner Weisheit her der Weise genannt.
Als ein Wunder seiner Zeit in Liedern verherrlicht, war er ein Liebling des deutschen Volkes.
Vor Aepfeln und Weibern hatte der fromme Mann einen Abscheu,
daß er dort nicht mal uebernachten wollte, wo eines davon zuhause war.
Er erlegte den Loewen, der seinen Besitzer, Otto I. zu zerfleischen drohte,
mit einem Schwertstreich, viel besser ging es einem riesigen Sklaven auch nicht, der ihn angriff.
Mit einer Verschwoerung ging er aehnlich um, einem fluechtenden Herzog hat
er in die Kutsche das Schwert gejagt und das Gefaehrt mit Mann und Maus
in den Rhein getrieben.
Otto der Große habe seinetwegen die Lindburck beehrt,
heute woelbt sich nur der herrlich Dom ueber seinen Gebeinen, die Sagen sind verklungen.."

Dietkirchen soll von Dietrichskirchen kommen,
andere leiten ihn von dem altdeutschen Gott Dit oder Teut-Wodan ab
andere von Diet oder Thiuda-Volk, weil hier das Volk seine großen Gottesdienste abhielt,
dem Landgerichte zustroemte.
Wie heute noch zum Dreifaltigkeitssonntag zur Wallfahrt.

Der uralte Reckenforst mit seinem heiligen Hain wo man das Gefuehl hat,
daß die wahre Gottheit jeden durchschauert,
und Richter und Parteien zur Gewissenhaftigkeit mahnte.
Das hoechste Landgericht der Grafschaft Diez hatte hier seine Wallstaedte und Peinlichkeit.
1780 grub man einen Sarg mit Gerippe aus, das alle Anzeichen der Hinrichtung trug.

Die Losung "neuer Wein" auf den Ruf "Bratwurst und Sauerkraut" war auf der Dietkirchener Kirmes ueblich,
wo man Zelte, Buden, Wuerfeltische, Menagerien und Carrusselle oder Reitschulen,
Seiltaenzer und Gaukler, Musik und Tanz, Handel und Wandel, Essen und Trinken,
- mitunter auch blutige Koepfe bekam, wenn es hitzig wurde in dem großen Andrang..

Aber auch so manche ruehrige Sage ist ueberliefert,
wo in Weilburg ein verliebtes Paar sich ewige Treue bis in den Tod schwor-
worauf der Felsueberhang des Liebesverstecks abbrach
und beide in die Tiefe der Lahn fielen und ertranken.

Der gute Reformator Schnepf:
"misera est scholae Weilburgensis facies sub porcis Trevirensibus"

Tuebinger Studenten nahmen das weilburger Rezept der Kartoffelpfannkuchen mit nach Hause,
wo es fortan als "Nassauer Kuechle" fortlebte..
zu solchen Anlaessen gab man gerne den ersten Mai-Wein.

Der Graf von Nassau litt an Eßlust- so sann er auf den Roggenbrei,
den ihm ein wackerer Obrist machte, als sie im Felde waren.
Flugs ließ er jenen kommen und den Brei nochmal bereiten, der so trefflich schmeckte..
diesmal wohl eher nicht:
Ja, sprach der Held- damals haben wir zuvor 14 Tage gehungert,
da schmeckte auch ein Gericht aus sauren Bohnen zuckersueß!

Die alte Burg Hadamar wurde 1320 erbaut, wurde mit dem Tod Emrich I erstmalig erwaehnt,
mit dem "bloedsinnigen" Emrich III erlosch 1394 diese Linie.
"Hatimero-Mark" nannte man Hadamar, die eine von vielen "merkwuerdigen Reichsvogteien" war,
die sich unmittelbar unter die Obhut des Kaisers stellten,
um sich von der Abhaengigkeit und Willkuer der Adligen zu befreien, so die Chronik.

Eine Story aus dem verschwundenen Dominikaner Nonnenkloster der Stadt Hadamar,
das von zwei Schwestern gegruendet wurde:
"Die Laienschwester Magdalena -1803 oder 03 gestorben- ,
erzaehlt ein altes Schriftstueck die merkwuerdige Wundergeschichte.
Schon sehr jung durch Gliederlaehmung an das Bett gefesselt,
ertrug die Kosterjungfrau geduldig und gottergeben ihr Schicksal
unter Gebet und frommen Betrachtungen. Die am Kreuze geopferte Liebe war dabei ihr Hauptgedanke,
besonders Freitags, und so wurde in ihr der Wunsch immer lebendiger,
aus Dankbarkeit gegen den Erloeser leiden zu duerfen.
Die Erfuellung blieb nicht aus. Bald sah sich die Schwester
allwoechentlich am Freitage von bitteren Leiden ergriffen,
am Todestag des herrn aber von so heftigen Schmerzen,
daß ihr Koerper sichtbar erschuettert wurde und endlich sogar die Stichmata Christi eintraten.
M. Magdalena verheimlichte dies aus Demuth, um nicht als Heilige angesehen zu werden;
die Wundmale der Haende konnte sie indessen nicht verbergen
und bat Gott, daß er ihr dieselben abnehmen und zuheilen lassen moege.
Sie fand Erhoerung, und nur ihre Seitenwunde erhielt sich offen.
Als 1780/81 in Hadamar und der Umgegend die rothe Ruhr berrschte,
bleib die Klosterjungfrau auf ihre Bitte davon verschont.
ja hatte in ihrem ferneren Leben kein menschliches Beduerfnis mehr -
der geistliche Rath Hettersdorf und der Canonicus Probst, deren Besuch
ihr eine Vision angekuendigt hatte, sahen in der Charwoche einst die Wunden der Schwester.
Aber auch ihr Ruecken war zerfleischt, als ob sie mit dem Heilande
an der Saule gestanden und die Geiselstreiche getheilt, und Blutstropfen quollen aus ihrem Haupte,
als ob sie mit ihm die Dornenkrone getragen haette.
Am Charsamstag zeigten sich jedoch Ruecken und Haupt wieder klar und rein.
Eine legale Commission, aus einem Arzt, Secretaer und geistlichen Rath gebildet,
untersuchte die Sache und fand Alles bewaehrt.
So versicherte wenigstens das merkwuerdige Schriftstueck.. "

In Dornburg, wo Eisen und Dolomit und andere unterirdische Schaetze gefoerdert wurden,
fand man Reste von alten Gebaeuden, Mauern, Urnen, Muenzen, Waffen-
aus manchen Felsspalten drang eisige Kaelte nach oben- Truemmer jener merkwuerdigen Stadt,
deren Verraeterin sich selbst in den Brunnen gestuerzt haben soll:
"wehe, wehe, ich habe die Stadt verrathen!"
In der Naehe des Heidenhaeuschens, bei den vielen groß runden Bloecken..

Wurde ein neuer Galgen gebaut, lud man saemtliche Leinenweber ein,
"die Arbeiten daran zu verrichen- gegen ein Kopfstueck Wein und Brod."
Leineweber galten als saubere Zunft, am Galgen ist ihre Zusammenkunft..

Es gab einige Sagen, die von irgendwo gekauften Brunnen berichteten,
die mittels Stockschlag dort weitersprudelten, wo der Kaeufer das wollte-
waehrend der am urspruenglichen Platz versiegte.
Vielfach spaeter als kirchliche Sage umgedeutet und weitergegeben,
hat man den Kapuziner Dionysius von Luxemburg 760 wegen seines boesen Weibes gemeuchelt,
und seine Leiche spaeter in die Peterskirche zu Varennes gebracht,
von wo sich die sehr verbreitete Verehrung des Heiligen,
mit dessen Gebeinen noch mehrere Versetzungen erfuhr- ueber Frankreich,
Deutschland und in die Niederlande.

Wen das interessiert, kann sich in die Sagen Nassau's einlesen,
dort sollen noch viele aehnliche Geschichten zu finden sein, wie der Chronist meint.

Nach einem Volksscherz sollen die Guckenheimer die Glocke in den Zwetschenbaum haengen haben,
das "kernige Geschlecht der Westerwaeller als die Samojeden Nassaus" bezeichnet.

Heinrich II 1268 in Montabaur nahm an einem Kreuzzug ins "heilige Land" teil,
deshalb sein Schloß oberhalb der Stadt auf einem Berg in orientalischem Stil nachempfunden wurde.
Nach einer anderen Sage zog der Ritter Steinebach ins Morgenland,
wurde dort gefangen und von einer Sultanstochter, die sich in ihn verliebte befreit-
nach Hause zurueck, lebte er mit seiner Frau und der Befreierin in Dankbarkeit an Tisch
und Bett zusammen aufs Herzlichste.

Der Westerwald hat maechtige Tonfloetze, besonders bei Modendorf und Wirges bis Hillscheid und Hilgert.
Dort sind zahlreiche Krug- und Kannenbaeckereien zuhause, deren Erzeugnisse in vielen Laendern zu finden sind.
Witzig: Die "Pariser" waren Pfeifenkoepfe, die großen Mengen nach Frankreich verkauft wurden-
als "Reimport" besonders im hessischen Umkreis begehrt, was trotz hohem Preis ein Renner war...

In Ransbach kopierte man belgische Holzschuhe aus Lack mit großem Erfolg, wie geschrieben ist.

Der Erdbach verschwindet bei Breitscheid um nach etwa einer halben Stunde
in verborgener Tiefe unter dem Bergruecken hindurch an dessen Fuße wieder
erscheint, und alsbald eine Muehle mit mehreren Gaengen zu treiben..

Dort sind ueberall Felsenhoehlen und Steinkammern, wild und als Tropfsteingebilde.
Ab und zu sind dort Erdsenkungen zu verzeichnen, die beachtliche Groeßen
von 30 und eine Tiefe von 60 Fuß haben sollen.

Der treffliche Ton ist unmittelbar unter der Dammerde zu finden (vermutlich Muttererde).
Wintergetreide kann man im Westerwald wohl vergessen, weil durch das Auffrieren
des sehr feuchten Bodens die Wurzeln abreißen, so der Chronist.
Hochgelegene Orte haetten keinen Obstbaum, dort finde man nur Ahorn- und Eschbaeume.
Das Sommergetreide, Gerste, Hafer und Sommerkorn, Kartoffeln, Kopfkohl
und Flachs gedeien dafuer um so besser.
1818 haette man im schattigen Wald an einem zerfallenen Bergschacht mitten im August
dieses heißen Sommers eine bedeutende Schneemasse gefunden..
Das ewige Eis bei Dornburg belegt die These, daß Basalt ein schlechter Waermeleiter ist.

Die Scherze dazu sind deftig- so soll ein Fuhrmann im Winter bei starkem Schnee
vom Wege abgekommen sein und ploetzlich mit Pferd und Wagen
auf einem Dachfirst gestanden haben..
..der Frau Pfarrer soll ein Hase durch den Schornstein in die Kueche gefallen sein.

Die Schneewehen bliesen dort derart ueber die Hoehen, daß dieser
bis zur Dachtraufe ging und Gaenge von Haus zu Haus gegraben werden mußten.
Der Winter ist dort auch viel laenger als anderswo.

Die aeltesten Volksstaemme im Westerwald waren die Ingrionen und Nertereaner und die "raetselhaften" Juhonen.
Daraus entstanden die Einwohner,die in der Chronik so geschildert sind:
"durch groeßeren, schlankeren Wuchs und durch frisches,
kraftvolles Aussehen" von den anderen Nassauern zu unterscheiden.
"Ein kerniger, gesunder Menschenschlag, voller Ausdauer und jeder Verweichlichung fremd,
sie tragen haeufig noch die Kennzeichen aechten Germanenthums, blonde Haare und blaue Augen"
Der Westerwaeller soll- wie andere Gebirgsbewohner- gutmuetig
und gastfreundlich und derb gradlinig sein, "aber auch zu vollster Grobheit neigen".
"Ich bin wegen meiner Hoeflichkeit noch nie bestaft worden", sagte man scherzhalber.
Sie lebten aeussert sparsam, bescheiden- wenn irgendwo geschlachtet wurde, war das nicht fuer sie selbst..
..man nahm die altertuemliche Morgensuppe, Bier war sehr selten, Branntwein liebte man.
"Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die beste Bauerntracht!"
Der Sage nach, band man einem Schwein, dessen Bein gebrochen war,
einen Stuhl an die Seite bis es wieder heile war.
In den Wirtshaeusern spielte man auf, ging zum naechsten Wirtshaus
und spielte dort an, ging wieder zurueck, wo das Voelkchen -ohne Musikbegleitung-
tapfer weiter tanzte und so ging das, bis der Tag vorueber war.
"Zwerge sind so alt, wie der Westerwald!"
"Es liegt ein Wald im Westen, genannt der Westerwald;
da sieht man eine Besten, die Zeichen der Gewalt"
Der sonderbare Brauch sich zu pruegeln, wenn Feste und Maerkte waren,
hat sich freilich auch bis nach Holland eingeschleppt, wie der Chronist sagt.
(Aus eigener Erfahrung: Die Westerwaelder sind ehrlich, gerade,
aber maulfaul.
Wir wohnen an der Lahn, die eine natuerliche Grenze zwischen dem Taunus und dem Westerwald bildet)

In mancher historischen Altstadt, hier in Hachenburg, war die Bebauung hoch und schmal
-mitunter fuenfstoeckig-, verwittert und machte eine altertuemlichen Eindruck mit seinen schmalen Gassen.
Manche Bewohner "strichen ihr Stockwerk in ihren Lieblingsfarben" - eine interessante Vorstellung.

Im Schloß Kirburg soll ein Gemaelde haengen, wo der Fuerst
mit 14 bluehenden Kindern abgebildet ist, die er alle ueberlebt hat-
ein Zeugnis menschlicher Sterblichkeit.

Von manchem Kloster wird vom ausschweifenden Leben der Moenche erzaehlt, Wohllust, Zank und Hader..

Die Entdeckung dieses "merkwuerdigen Fossils untergegangener Waelder" -der Braunkohle-
war fuer die Bewohner des Westerwaldes ein Segen, auch wenn nun "seltsamer Geruch ueber den Haeusern hing":
Die Asche gab einen ausgezeichneten Wiesen - Duenger ab.

Das Schloßarchiv aus Diez erzaehlt von einem seltsamen Fall-
Graf Georg war 1726 gestorben, der Sarg ist 1754 geoeffnet worden:
Noch voellig unverwest, den Mund etwas offen,
bis auf die Handschuhe war alles noch fest und bestens erhalten, so die Chronik.
Sein 6 Fuß großer stabiler Koerper sei so voll wie immer gewesen.
Nur die Haende und das Gesicht seien damals einbalsamiert worden, der Koerper nicht.
In der Zeit der Einbalsamierung sei er im Sand beim Schloß vergraben worden,
bis die Einbalsamierung abgeschlossen war, immer in Tuechern gewickelt,
"die in Weingeist getunket" waren.
Den Sarg hatte man mit Terpentin gestrichen.

Waehrend der Ernte hielt man inne, betete drei Vaterunser fuer
den untergegangenen Ort Holzmenningen, von dem nur noch die Buchen auf dem Lichtenberg erinnern..

"Noch steht der Baum, wo dieses geschehen,
Zu Dillenburg am Bergeßhaupt,
von jedem neuen Fruehlingswehen
Auf's neu gewecktet und belaubt!
Hin ist des Schlosses alter Schimmer,
Hin seiner Zinnen Herrlichkeit,
Allein die Linde gruent noch immer,
Sie ist geweiht und gefeit!"
(Unbekannt)
Wolferley bei Ebersbach: Isegrimm; 1454-1524 soll der Wolf
im Dillenburgischen noch so haeufig gewesen sein, daß jaehrlich 30-40 davon geschossen wurden;
403 wurden gezaehlt. Johann der Mittlere hat 1612 39 alte und junge Woelfe erjagen koennen,
wie berichtet wird.



Geschichtliches


Hier wird es um die Wettervorhersagen alter Tage gehen, ein kleiner Umriss,
der ohne Astrologie oder Handlesereien auskommen wird.

Wenn es gewittert, geben die Kuehe mehr Milch?
Klar, weil Gewitter durch schnelle Erwaermung entstehen, wo das Gras schneller und besser waechst..
Aelter als alle Kalender, auch aelter als die Gregorianische Kalenderreform 1582,
sind die ueberlieferten Wetterregeln, die schon durch die Verschiebung der Tage nicht stimmen koennen.
Kirchliche Tage sind zudem nochmal nicht statisch, was noch mehr Falschheit bringt.
So ist eben der letzte Eisheiligen-Tag geschwind mal 10 Tage spaeter als frueher zu suchen..
Besonders schraeg wird es, wenn die Astrologie ins Spiel kommt,
wo man versuchte, mit ausgekluegelten Regeln genaue Tage
mit dem Verhalten der Natur in Einklang zu bringen!
Die Moenche waren erfahren im Obst- und Gartenbau,
deren Wetterregeln waren wohl eher praktischer Art und sind nicht so weitgreifend vorhersagend gewesen.
Wetterregeln sind freilich auch nicht fuer jede Region gueltig, so sind z.B.
innerhalb Deutschlands einige Wetterzonen, wo die Aussagen nicht ueberein stimmen
und das auch noch nie getan haben- Bergketten alleine reichen schon aus,
um eine solche pauschale Aussage unmoeglich werden zu lassen.
Regionale Beobachtungen der Natur sind schon ueber 2000 Jahre alt.
Ich frage mich, ob nicht der immense Flugbetrieb, der sogar den Jetstream der Erde stoert,
mehr Einfluss auf das Wetter haben koennte, als vieles andere..

Am Thomastag, dem dunkelsten Tag des Jahres wird es kurios:
Schlaeft man mit dem Kopf am Fußende des Bettes, soll man traeumen, wie das Jahr werden wird..
Wie die Luzien-Nacht soll mit einem Raeucherwerk- still und ohne Laerm- um Haus und Scheune gegangen werden.
Außerdem soll man fettes Schweinefleisch essen, damit das kommende Jahr genug Nahrung bringt.

Christkind im Klee, Ostern im Schnee..

Ist Dezember dick das Eis, kommt der Fruehling schneller.

Bringt der Dezember Kaelt und Schnee, waechst das Korn selbst auf dem Sand.

Ist der Dezember dunkel gibts ein gutes Jahr, ist er naß wirds unfruchtbar.

Die Martinigans war beliebt, ein Festschmaus und Orakel:
War ihr Brustbein roetlich, wird es kalt, war es weiß, wirds mild.
Das Fleisch galt als gesund, ihr Blut heilsam gegen Fieber,
ihr Fett soll gegen Gicht helfen, eine Feder vom linken Fluegel verbrannt,
mit Wein gemischt, gegen Epilepsie.
An Martini soll man sich einen kraeftigen Rausch antrinken,
das helfe gegen Kopf- und Magenschmerzen das ganze Jahr hindurch- na denn!

Am Lostag Andreastag hat man erfragt, wie der Winter wird,
die Maedchen "hatten vielfaeltige Moeglichkeiten" zu erfragen, wer denn ihr Kuenftiger sein wird.
Die Fruchtbarkeit von Obstbaeumen steigerte man dadurch,
dass man sie am Abendlaeuten des Marinitages mit einem Band umbindet.

Aber auch sinnvolle Beobachtungen waren ueblich: Ist der Nußbaum fruechteschwer,
kommt ein harter Winter her..

Viel Buchen und Eicheln, dann wird der Winter nicht schmeicheln..

Das kann uns daran erinnern, dass wir alle und das noch immer, von der Natur abhaengen!

Wenn ein schoen rotes Laub lange bleibt, folgt reiche Kaelte.

Der September ist der Mai des Winters !

Die Praxis der Bauern beobachtete auch die Gallaepfel um Michaelis- haben sie Spinnen,
wird es ein boeses Jahr, haben sie Fliegen, wird es mild, haben sie Maden, wird es ein gutes Jahr.

Wenn die Schwalben im August schon ziehn, sie vor naher Kaelte fliehn.

Maria Himmelfahrt am 15. August ist eine geschickte Ueberbauung der Kirche
ueber den 13. August, das eigentliche Diana-Fest der Roemer, das durch die Hexenverfolgung
ausgerottet wurde.
Kraeuterweihe, Frauentage und andere schraege Sitten, die allemal ebenso heidnisch sind, wurden eingefuehrt.

August muß Hitze haben, sonst wird des Obstes Segen begraben.
August ohne Feuer macht das Brot teuer.
Je dichter der Regen im August, desto duenner wird der Most.

Hat es im Juli hohe Ameisenhaufen, magst du Holz fuer den Winter kaufen.

Heißer Juli, guter Wein, gutes Obst - was der Juli nicht vermocht, wird vom September nicht eingekocht.

Wer seine Schafe schert vom Servaz, dem ist die Wolle lieber als das Schaf..

Der Siebenschlaefertag hat seinen Namen nicht von dem gleichnamigen Tierchen, sondern von 7 Maertyrern.

Wenn im Mai die Bienen schwaermen, darf man vor Freude laermen.
Wenn die Eiche Blaetter kriegt, ist der Frost sicher besiegt !

Mitte Mai ist der Frost vorbei.

Ist der Donner haeufiger als der Blitz, kommt der Wind aus der Richtung,
woher man den Donner hoert, sieht man mehr Blitze als Donner zu hoeren ist,
kommt der Wind aus der Richtung der Blitze..

Wind vom Westen bringt meistens Regen, Wind von Osten schoenes Wetter,
was durch die Wasser,- bzw. Landmassen kommt.
Wind aus dem Sueden bringt ungesundes Wetter, Wind aus dem Norden kaltes, strenges Wetter.

Hunde fressen Gras und Muecken stechen haeufiger vor einem Regen,
Schwalben fliegen tief, weil die Insekten tief fliegen,
damit sie vor den Regentropfen schneller in einen Schutz ausweichen koennen.

Die Vorhersage der Schaefer war bei 6-24 Stunden zu 3/4 zutreffend,
was eine sehr hohe Quote darstellt.
Das hohe Alter dieser Wetterbeobachtungen ist freilich schon aus der vorchristlichen Zeit entstanden.

Durch den hohen Regionalitaetsbezug ist eine Wettervorhersage im Radio und Fernsehen
kaum zutreffender, als eine Muenze zu werfen.

Bei den Roemern galt als ein Ungluecksrabe, wer bei Hundstagen geboren wurde,
also im Juli/August, im Sternkreiszeichen "Loewe", -was bei mir absolut nicht zutrifft..

"Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schoener Tag, wenn der Himmel rot,
und des Morgens sagt ihr- Es wird Unwetter werden, wenn der Himmel rot und truebe ist"

Dass der Wind die Aehren befruchtet, hat man schon frueh herausgefunden.
Die Kornmuhme oder der Roggenwolf ging dann durch die Felder.
Frueher verpruegelte man Schiffsjungen oder kratzte am Mast des Schiffes,
damit der Wind komme- heute bemueht man (mit dem gleichen Erfolg) Computer..

Ostwind bringt Heuwetter, Westwind Krautwetter, Suedwind Hagelwetter,
Nordwind Hundewetter, was obig angefuehrte Windrichtungslagen bestaetigen.
Die Landwirtschaft machte sich diese Beobachtungen zur Richtschnur
fuer die gerade sinnvoll zu machenden Arbeiten.
Das Wetter auf Jesus Christus oder die Zeit seiner Geburt oder die Tage
zwischen dem Christfest und 12 Tage danach auf das Geschehen des ganzen kommenden
Jahres auswissen zu wollen, waere mindestens genau so abwegig,
wie die Astrologie oder das Handlesen oder die Wahlversprechen der Parteien.

Steigt morgens Nebel empor, so steht Regen bevor.
Faellt der Nebel zur Erde, wird es bald gutes Wetter werden.
Steigt der Nebel auf das Dach, folgt bald grosser Regen nach.

Den Kindern erzaehlte man: Hasen und Fuechse backen Pfannkuchen oder der Riese raucht Tabak.

Weißer Nebel im Winter, da ist Frost dahinter und Glatteis kommt am naechsten Morgen.

Auf schwere Wolken folgt schweres Wetter, Himmel mit gezupften Wolle-Wolken,
das schoene Wetter bald dem Regen weicht..

Regenwuermer und Wuehlmaeuse oder Maulwuerfe kommen vor dem Regen aus der Erde- schlicht,
weil sie nicht absaufen wollen..
Wenn Spinnen die Netze zerreißen, wird bald Regen kommen- bauen sie die Netze neu, wird es schoen.

Zieht der Klee die Blaetter zusammen, wird bald Regen kommen.

(Ich schreibe nur mal eben die stimmigen Regeln auf)

Bestimmte Witterungsphasen sind allerdings stimmig: Weihnachtstauwetter,
Eisheilige im Mai, Schafskaelte im Juni und die Hundstage Ende Juli, der Altweibersommer im September.

Heute eher kaum mehr zu verifizieren:
Wenn Fuechse bellen und die Woelfe heulen, wird die große Kaelte noch lange weilen.
Dagegen eher, dass ein "schwacher Balg" beim Wild einen milden Winter anzeigt.

Im Februar ist "Maria Lichtmeß", das Fest der Reinigung Marias im Tempel-
was sechs Wochen nach der Geburt Jesu stattfand - dazu wurde eine Opfergabe mitgebracht.
Dabei werfen sich viele Fragen auf: 1. Warum musste sie sich reinigen,
wo doch die Empfaengnis "unbefleckt" war, 2. wozu brauchte Gott eine Opfergabe?
3. Warum werden deshalb oder aus Gruenden der Reinigung dieser Exorzismus durch Kerzen
(frueher kleine Tiere) als Opfergaben heute noch gebracht?
Wozu beziehen sich alte Bauernregeln auf diesen Tag, wenn es um das Wetter geht?
(Dann steht der Fruehling bevor)

Wenn unterirdische Glocken laeuten, treffen sich die Hexen auf dem Blocksberg zur Walpurgisnacht,
arme Seelen tanzen als Fische auf dem Wasser,
allerlei Zaubergestalten erscheinen, das Wasser im Brunnen wird zum Wein:
Walpurgisnacht Regen oder Tau - auf gut Jahr dir bau.
Walpurgisfrost ist schlechte Kost.

Frueher nahm man vor dem Holuderbusch den Hut ab, sein Holz durfte man nicht verbrennen,
sonst waere ein Familienmitglied zu Schaden, das Unglueck ins Haus gekommen..

April warm, mai kuehl, Juni naß, fuellt dem Bauern Scheuer und Faß.

Am Gertrudentag beißt die Maus den Faden ab:
Die Zeit in der Spinnstube war vorbei, nun wurde draussen gearbeitet..
an diesem Tage besucht der Storch sein altes Nest.

Soviel im Maerzen Nebel steigen, sich hundert Tage Gewitter zeigen.

Der Aberglaube lies einige kuriose Dinge sprießen:
Fuer jedes Familienmitglied legte man ein Efeublatt auf die Oberflaeche des Wassers
in einer Schuessel, und betreute sie mit Salz.
Dessen Blatt naß oder schwarz wurde, wuerde das Jahr nicht ueberleben..

Wenns im Hornung nicht recht schneit (Feb) schneits in der Osterzeit.

Regnet es viel im Februar, hilfts so viel wie guter Mist.



Geschichtliches


Hier geht es um Tradition, um Kulinarisches aus Hessen..
Wir Nassauer oder Hessen essen gerne deftig, aber nicht unbedingt fettig.
Dazu passt freilich der Aeppelwoi und der Handkaes wunderbar.
Handkaese, Wikipedia
Fett unter 1%, Eiweiß 25% und das auch noch cholesterinfrei -
sind Traumwerte fuer ein modernes Lebensmittel !
1785 erstmals urkundlich erwaehnt, ist diese Spezialitaet nicht mehr neu-
vermutlich wurde diese Kaese schon sehr viel laenger in den Haushalten hergestellt..

Man stellte ihn aus unbehandelter Milch her, die 12 Stunden stehen muss,
damit mit dem Loeffel der Rahm entnommen werden konnte.
Diesen 24 Stunden stehen lassen und in einen Mattesack aus Leinen geben. (Geschirrtuch)
Nun die Molke herauspressen, dann den Matte-Sack mit dem Quark auf ein Sieb legen
und mit einem Stein beschweren, damit der Rest an Molke auslaufen kann.
Nach 6 Stunden wird ca 6% Salz und Kuemmel -nach Geschmack- zugegeben und gut vermischt.
Nun wird der Kaese mit der Hand geformt (daher auch der Name)
und auf ein Brett gesetzt und trocknen lassen,
danach wird der Kaese locker in einem Steintopf aufgeschichtet, um zugedeckt 3-4 Wochen reifen zu koennen.
Alle drei Tage kommt er eine Abreibung mit Molke und wird zurueck in den Steintopf gesteckt.

Die Bretter oder Horden, auf denen der Kaese abtrocknete, waren mit Fliegendraht geschuetzt.

Der Handkaese sollte zumindest vor dem Verzehr Zimmertemperatur haben,
dabei immer eingepackt oder abgedeckt sein.

Fertig gekauften Handkaese muss man noch gut eine Woche im Kuehlschrank reifen lassen,
bis das letzte Stueck von milchig auf glasig gewechselt ist, speckig glaenzend.

Es gibt im Frankfurter Raum sogar "Vorschriften", wie man Handkaese zu essen hat-
nur mit Messer und gerissenem Butterbrot.
Das tangiert uns nicht, der Huettenberger Handkaese, den es schon sehr viel frueher gab,
durfte man essen wie man wollte ;)

Damals- ich habe ich hier in meiner Geschichts-Ecke schon erwaehnt-
ging das Hessekaethchen mit dem Korb herum und verkaufte Handkaese und Kochkaese.

Auch in den modernen Zeiten erfreut sich dieser Kaese hoher Beliebtheit- leider oft genug ausverkauft!

So kann man den Kaese hacken, mit etwas Butter, Sahne und Zwiebeln vermischen,
mit Salz, Pfeffer und Essig abschmecken.

Oder den Handkaese ueber Nacht in Apfelwein einlegen, mit Oel und Zwiebelringen
daraus eine kleine Marinade bauen.

Oder den Kaese klein schneiden, mit Pellkartoffelscheiben mischen.
Speckwuerfel und Zwiebeln in Oel duensten, mit Bruehe auffuellen,
mit Essig abschmecken und ueber den Salat geben..

Oder eine Marinade aus Weißwein, Essig, Oel, Salz, Pfeffer, Kuemmel, Zucker,
Pfeffer machen- und ueber je drei Kaesesegmente gießen.

Oder eine flache Schuessel mit Zwiebelringen auslegen, etwas getrockneter Thymian darueber,
ein wenig Paprikapulver, den Handkaese obenauf legen.
Alles mit etwas Essig und Oel begießen und mit Aeppelwoi auffuellen -
nach einem Tag ist das Essen fertig.

Andere legen den Handkaese auf ein deftiges Bauernbrot mit Griebenschmalz und eingelegten Gurkenscheiben..
Kuemmel darf nicht fehlen.

Oder den Handkaese mit fein gehackter Petersilie und ebensolchen Zwiebeln als Marinade
mit etwas Essig und Wasser zu ueberziehen.

Quark kennt man schon seit der Jungsteinzeit, wie die Reste in den -absichtlich-
durchloecherten Fund-Steintoepfen bewiesen haben.
Die Sumerer haben schriftliche Aufzeichnungen vor 5000 v Chr. hinterlassen..

Quark stellt man so her: Frisch gemolkene Kuhmilch, ueber Nacht abgestanden,
laesst man in der Waerme sauer werden.
Dann wird sie in einen ungewaschenen Milchtopf gefuellt, dann wird der Sauer schneller.
Nun auf 38-40 Grad erhitzen- dann setzt sich die Molke ab.
Nun kann man die Schmandschicht abnehmen oder man laesst sie in der saueren Milch,
dadurch wird der Quark fetter.
Nun wird in ein Sieb ein Leinentuch gelegt, worin die Molke ablaufen kann.
(Auffangen, die wird spaeter zum Abwaschen des Kaeses gebraucht)
Wenn die Molke abgelaufen ist, ist der Quark fertig.

Mit Quark kann man Sueßspeisen, Kraeuterquark
oder mit Zwiebeln/Kuemmel/Salz angemachten Quark mit Pellkartoffeln auf den Tisch bringen.

Kochkaes' macht man aus 500gr Quark mit 1TL Natron, gaeren lassen.
Ist der Quark durchgereift, wird die Masse im Wasserbad unter staendigem Ruehren geschmolzen.
(Das geht auch in der Pfanne mit etwas angebraeunter Butter recht gut)
Etwas saure Sahne oder frische Milch zugeben,
zu Verfeinerung ein ganzes Ei oder ein Eigelb unterruehren und mit Salz und Kuemmel abschmecken.
(bald aufessen, das haelt sich nur ein paar Tage)

Auch aus Handkaese kann man Kochkaese machen,
indem dieser in kleine Stuecke geschnitten un din der Pfanne mit Butter langsam aufgeloest wird.
Mit Natron, Kuemmel und Salz wuerzen.
Spaeter ein Eigelb unterheben.

Dazu passt freilich Apfelwein sehr gut.

Ein altes Sprichwort: Iss, was gar ist, trink was klar ist, sprich was wahr ist!

Oder: Bier, Oel und Zucker verruehren, Salz, Paprika, Estragon,
frisch gemahlenen Pfeffer, Kuemmel, gehackte Zwiebeln als Dip machen und den
Handkaese 2-3 Stunden darin einlegen..

Schon Goethe soll im Heimatmuseum Huettenberg zu Gast gewesen sein,
dort erfaehrt man alles ueber die Handkaesebereitung, auch die Kaeseklappe ist
dort zu sehen, mit welcher der Kaese geformt worden ist.


Die Geschichte der Region ist auch ein Stueck Kartoffelgeschichte:
Urspruenglich soll die Kartoffel, so die Archaeologen, im 3. Jhd. nach Christus in Suedamerika begonnen haben.
Im 13.Jhds nahmen sich die Inkas der Sache an und ernaehrten mit ihr die Bevoelkerung
Die Goldgier der Spanier entdeckte auch diese Knolle und brachte diese nach Europa mit.
Englische Seefahrer brachten die Kartoffel 1587 nach Hause mit.
So kam die beliebte Knolle von zwei- durch die spaeteren Waldenser
auch noch von der dritten, der franzoesischen Seite zu uns.
Auf alle Faelle rettete diese Frucht tausende Iren und Briten in den Hungerjahren das Leben.
Erst im siebenjaehrigen Krieg 1756-1763 setzte sich die Kartoffel bei uns durch.
In Hessen-Darmstadt hatten die Landgrafen mit ihrem Jagdtrieb die Felder ruecksichtslos zertrampelt,
mit der Protz-Sucht und Schloss-Bauten den fiananziellen Ruin des Landes gebracht -
die Kartoffel half die schlimmste Not zu mildern, damit die "Unterthanen" wenigstens nicht verhungern mussten.

Die Art der Kartoffel ist festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig kochend-
den Unterschied erfaehrt man, wenn die Schnittflaechen der rohen Kartoffel aneinander gerieben werden:
Je mehr der Schaum, um so mehliger ist das spaetere Kochergebnis.
Diese Frucht ist kalorienarm und naehrstoffreich:
80% Wasser, 15% leicht verdauliche Kohlenhydrate, 2,5% Vitamine und Ballaststoffe,
2% aus hochwertigem Eiweiß, nur 0,1% Fett- was sie zum diaetischen Geheimtipp werden laesst !
Die Darmtaetigkeit wird angeregt, besonders, wenn bei frischen Kartoffeln die Schale mitgegessen wird.
(Augen und gruene Stellen sind giftig, die muessen entfernt werden)
Fluor, Magnesium, Kupfer, Eisen und Mangan sind auch enthalten.
2-4 gekochte Kartoffeln decken die Haelfte des taegl. Vitaminbedarfes und ein Viertel an Kalium.

Frueher setzte man die Kartoffel zur Behandlung von vielerlei Krankheiten ein:
Gegen Kopfschmerzen, Warzen, Rheuma, Laeuse-Befall, Bettnaessen, Sodbrennen,
Uebergewicht, Allergien, Gicht und Harnsaeuresteine und gegen Bluthochdruck..
Als Haushaltshelfer zum Putzen von Kupfer und Silber, um Eierflecken aus Textilien zu entfernen,
um Oelbilder zu reinigen, man wusch schwarze Kleidung in Kartoffelbruehe, reinigte Gefaeße damit,
verjagte Asseln, hielt Salat frisch, entfernte Fettflecken mit Kartoffelmehl,
half eine versalzene Suppe zu retten, gab Zimmerpflanzen neue Kraft durch Kartoffel-Kochwasser,
entfernte Kesselstein damit, gab Polsterfarben wieder neuen Glanz..
Als Kuechentipp: Nicht gesalzene Fritten bleiben laenger frisch,
in das Knoedelwasser Speisestaerke tun, mit einem Schuß Essig, Zitrone oder Milch
im Kochwasser verhilft der Kartoffel zu mehr Geschmack und das Vitamin C bleibt besser erhalten.
Sauerkraut und herzhafte Suppen lassen sich mit einer geriebenen Kartoffel gut abbinden..

Aus Kartoffeln stellt man heute Industriealkohole, auch fuer die Kosmetik und Faxpapier etc. her,
Dinge, die man eher nicht vermutet.

Gepellte Kartoffeln mit etwas Leinoel, grobem Salz, Petersilie und Schnittlauch sind fein,
aber erst recht Bratkartoffeln- ob aus gekochten Kartoffeln oder rohen,
die meist in Scheiben geschnitten werden.
(Wir machen rohgeroeste Bratkartoffel aus kleinen Wuerfelchen, das geht viel besser)
Hier ist immer zu beachten, dass die Kartoffel es gerne mild hat-
dh. nie zu hart anbraten und immer dabei bleiben und zeitig wenden..

Rahmkartoffeln:
Kartoffeln kochen, schaelen und in Scheiben schneiden, in der Pfanne Butter erhitzen
und darin Mehl anroesten, ruehren, bis keine Klumpen mehr sind,
Milch und Sahne zugeben, mit Salz, Pfeffer und Muskat wuerzen.
Kartoffelscheiben zugeben und ein wenig weiter koecheln.
Servieren mit Fleischwurst und Petersilie..

Tipp: Kartoffelwasser laesst sich fuer Suppen und Saucen verwenden,
dann sind die guten Inhaltsstoffe nicht verschwendet.

Um 1800 stellte die Kartoffel eine große Konkurrenz fuer das Korn dar,
was die Preise drueckte und die Bauern beunruhigte.
Die Hackfrucht jedoch benoetigte viele Arbeitskraefte, die zusaetzlich beschaeftigt werden mussten-
gut fuer die Volkswirtschaft.
Die stark anwachsende Bevoelkerung zu Anfang des 19.Jhds.
benoetigte diese Nahrungsmittelreserven dringend - ein paar Ausfaelle wegen der Kartoffelfaeule
und der "Steckruebenwinter" 1917/18 kam, wo alles aus Steckrueben gemacht werden musste,
mußten ueberwunden werden.

1945/46 war der Hunger so groß, daß die Kartoffeln vom Feld geklaut
oder vom Bauern gegen teuere Teppiche und Silber eingetauscht wurden.
Kartoffelferien, die Daempfmaschine kam ins Dorf, selbst verdiente Kartoffeln durch Erntehilfe,
kennt jeder Aeltere bestimmt noch aus eigener Erfahrung.
Um 1915 gab es die "Kartoffelkiste": Eine gut schließende Holzkiste,
mit dicht gestampftem Isolationsmaterial, wie Holzwolle, Papierschnitzel oder Heu waren
dicht um Kochtoepfe herum gedrueckt und gut abgedichtet untergebracht.
Auf dem Herd wurde das Essen stark erhitzt und anschließend dort hinein gestellt,
um weiterzugaren- ohne Energie zu verbrauchen.
Diese Idee aus dem alten Kriegskochbuch wurde spaeter wieder aufgegriffen..

Die Familien waren frueher noch richtig groß, Eltern, Kinder, Großeltern,
ledige Onkel und Tanten saßen um den großen Holztisch, auf dem ein "Kartoffeltischtuch" lag,
das jeder Esser an seinem Rand anhob, wenn die Hausfrau mit dem Kartoffeltopf kam
und die Pellkartoffeln darauf ausschuettete- jeder pellte seine eigenen,
um dann aus der großen Schuessel in der Mitte zu dippen..
Die Maenner hatten alle ihr Taschenmesser einstecken, die Frauen nahmen sich eines aus dem "Deschkaste" -
eine Schublade unter dem Tisch.
Anschließend putzte man das Messer am Tischtuch ab, das dann ganz einfach -mit allem was darauf stand- abgeraeumt wurde,
um am naechsten Tag gereinigt zu werden; Abends waren alle muede, auch die Hausfrau..

Die Haeuser hatten oft ein Kartoffelloch im Stubenfußboden,
in welches nach der Ernte die Kartoffeln geschuettet wurden und gleich in die Lagerkiste fielen.
Daraus konnte man die Kartoffeln entnehmen, ohne in den Keller zu gehen.
Dieses Loch wurde als "Kellertelefon" gebraucht: Bring doch noch ein Gurkenglas mit ;)

Aus sorgsam aufbereiteten Kartoffelwasser hat man Staerke gewonnen, ein Soßenbinder,
aber auch als Waeschestaerke geschaetzt.

Damals war die Kartoffel die Rettung, heute wird sie in Besserverdiener-Gasthaeusern
und "Muehlenrestaurants" als suendhaft teueres Lifestyle-Produkt vermarktet..

Frueher wurde der Brotteig nur aus Sauerteig, Wasser, Salz und Roggenmehl gemacht,
Weizenmehl und Hefe waren zu teuer !

Frauen verdienten sich als Tageloehner oder Erntehelfer in den Doerfern ein bescheidenes Zubrot.
Diese Frauen wurden als "geringe Leut" bezeichnet !

Natur-Koteletts von beiden Seiten je 10 Min anbraten, nur mit Salz und Pfeffer wuerzen.
Zwiebelringe in Butter glasig duensten, Apfelstueckchen zugeben und mitduensten- serviert auf den heißen Koteletts,-
zusammen mit deftigem Bauernbrot ein Genuß.

Frueher aß alles was am Tisch saß mit den Fingern aus einer Schuessel.
Schmatzen und Ruelpsen gehoerte dazu. Gewuerzte Speisen kamen spaeter auf.

Sauertopf: Einen Liter Fleischbruehe erhitzen, 80gr Rosinen zugeben,
1 EL Ruebensaft, etwas gegartes Fleisch, etwas Kuemmel, 50gr altes Brot,
200gr Schweinehack, (Baellchen formen) Salz, Pfeffer..

Archaeologen haben Honigreste in Hoehlen- und Grabmalereien gefunden,
aber auch in Bernstein - es muessen schon vor 35 Millionen Jahren Bienen geflogen sein,
die den Nektar der Goetter boten.

Minz-Gelee: Frische Pfefferminze mit kochendem Wasser uebergießen
und den Tee eine Stunde ziehen lassen. Den Tee mit Apfelwein mischen und mit Gelierzucker aufkochen
und in Glaeser fuellen !
(Das machen wir bestimmt, weil ein besonderes Beet mit 3 Minze-Sorten angelegt ist)

Specke-Kuchen: Aus 200gr Weizen- und 200gr Roggelmehl mit 1 Hefewuerfel,
1/2 ltr warmem Wasser, 1TL Zucker, 1 Prise Salz einen Hefeteig machen und diesen auf einem Blech ausrollen.
5 Stangen Lauch sorgfaeltig waschen und fein schneiden. 3 Eier und zwei Becher Schmand
und eine zerdrueckte, gekochte Kartoffel durchmengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken und auf dem Teig verteilen.
125gr klein geschnittene Speckwuerfelchen oder Doerrfleisch darauf verteilen
und bei 175 Grad auf mittlerer Schiene backen..

Holunder galt immer als heilkraeftig: 1 TL getrocknete Blueten mit 1/2 Ltr Wasser aufbruehen,
10 Min ziehen lassen und abseihen. Bis zu 6 Wochen taeglich 2-3 Tassen davn trinken,
das hlft gegen chronisches Rheuma und staerkt die Abwehrkraefte.

Schupfnudeln: 500gr Pellkartoffeln, 250gr Mehl, 3 Eier, Salz, Muskat.
Obige Zutaten reiben und vermengen, mit naßen Haenden zu einer Rolle formen
und davon kleine Stuecke abschneiden, die in kochendem Wasser gegart werden.
Untenstehende Zutaten schneiden, anduensten und braten:
800gr Bauchspeck, 1 Zwiebel, 1Kg Sauerkraut (eine 850ml Dose wird wohl reichen)
100ml Weißwein, 1 Zwiebel, Salz, Pfefferkoerner, 3 Lorbeerblaetter, 8 Wacholderbeeren,
Kuemmel, Schweineschmalz, Petersilie..

Erdbeeren galten im fruehen Mittelalter als Heilmittel, haupts. aber als Genußmittel
in reichen Haushalten auf dem Tisch.
Teuer wie Kaviar!

Faedlesuppe: 100gr Mehl mit Milch glatt ruehren, 2 Eier und gehackte Kraeuter zugeben
und den Teig abschmecken mit Pfeffer und Muskat.
Teig 20 Min ruhen lassen, dann in etwas Butter duenne Pfannkuchen daraus backen,
diese rollen und in Scheiben schneiden- diese dann einer kraeftigen Rinderbruehe zugegeben werden..

Seit 8000 Jahren wird in unserem Land Bier gebraut!
120 Millionen Hektorliter werden heute davon -in unserem Land- getrunken, weltweit 800 Millionen..

Bauernstampf: 1 Kilo Moehren putzen, 1 Kilo Kartoffeln schaelen
und beides in etwas Salzwasser kochen- spaeter nicht ganz abschuetten,
weil die Bruehe gebraucht wird. Stampfen, gut mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Nun in heißem Oel klein gehackte Zwiebeln glasig werden lassen,
mit Mehl andicken und mit etwas Fleischbruehe abloeschen.
Die heiße Einbrenne ueber den Stampf geben.
Dazu schmeckt zuvor gekochtes Fleisch in Scheiben.

Fruehes Kommunikationszentrum waren die Backes, die Backhaeuser in den Doerfern.
(Damals gab es noch keine beruflichen Baecker)

In den hess. Kurorten kurten schon im 15. Jhd "adlige und wohlhabenden Standespersonen"

In alter Zeit jagte man Reh,Schwarzwild, Hausen, Baeren, Dachse, Otter, Wildhuehner wie Rebhuhn,
Wachteln, Schneehuehner, Birkhuehner und Auerhaehne, Tauben, Enten, Gaense, Schnepfen,
Bleßhuehner, Kraniche, Moewen, Stoerche, Reiher, Trappen, Drosseln und Rebhuehner.
Letzere kamen erst nach den Kreuzzuegen zu uns.

Auf den Boeden des Westerwaldes wuchsen die gelbfleischigen "Haigersche"
und die weißfleischige "Englische" Kartoffel besser als die Getreidearten.
Kartoffeln wurden vor der Einsaat durchgeschnitten, dass immer zwei gesunde Augen blieben-
mit Holzasche desinfiziert und eingepflanzt.

Ein Witzchen: "Warum haben die Nassauer immer so dicke Baeuche? Nun, weil sie die Endsilben verschlucken!"

Deduffel-Broj: (3 Personen) 1,5Ltr Wasser, darin 2 Pfund Kartoffeln in Scheiben mit einem Lorbeerblatt,
Salz, Pfeffer, 1EL Maioran, 1TL Kuemmel und einer Zwiebel kochen.
Dann alles durchschlagen.
In den Tellern wird Bratwurst eingeschnitten, bevor die Suppe darauf kommt..

Pfannkuchen in Gruen: Kartoffeln schaelen und reiben, abtropfen lassen
und gleich mit saurer Sahne vermischen, damit sie sich nicht verfaerben.
Den Teig mit Eiern, Kartoffelstaerke oder Mehl, Salz, eine geriebene Zwiebel
und vielen frischen gehackten Kraeutern mischen und wie gewohnt ausbacken.

Bettler: Aus restlichen gekochten Kartoffeln, Ei, Mehl, Muskat, Salz,
Pfeffer und Petersilie den Teig machen und wie gewohnt ausbacken.

Der bayrische Koenig Ludwig I hat die Franziskaner auf das Kloster Engelberg "berufen".
In der Klosterkueche gab es Klosterwein, Klosterbier, Klosterbrot und Klosterkaese..
Der Bier- und Weinkonsum war streng geregelt, den die Frommen zu sich nehmen durften.
Jeder "regulaere Chorherr" sollte taeglich 5 Pfund Wein erhalten, eine Nonne 3 Pfund.
Wieso man die Getraenke in Gewichten gemessen hat, ist mir unklar-
bei dieser Menge waere man schnell tot, vermutlich half dagegen die Froemmigkeit?

In Wein abgemessen war zuweilen auch die Besoldung von Pfarrern und Lehrern.
Sogar Woechnerinnen gab man im Frankenland- auf Gemeindekosten- Wein zur Staerkung.

Kringe: Aus 250gr Mehl, Milch, Eier, 50gr Zucker, Butter,
Hefe wurde der Teil gemacht und ausgerollt.
Die Fuellung aus drei saeuerl. Aepfeln, 50gr Zucker, 125gr Rosinen 1/2 Paeckchen Vanillezucker,
30gr Zucker, 15gr Kakau, 1 Ei, 50ml Milch, etwas Zimt und etwas Rum.
Das kommt gut gemischt auf den Teig, der dann zusammengerollt und dann zu einem Brezel verschlungen wird.
Im vorgeheizten Ofen 10 Min bei 225 Grad backen, evtl. mit Eigelb oder Wasser bestreichen.

Holunder-Sekt! 3 Blueten in 3 Ltr Wasser, dem Saft von 3 Zitronen,
1 TL Essig und 350gr Zucker 2-3 Tage kuehl im abgedeckten Eimer ziehen lassen.
Dann in Brunnenwasserflaschen oder Buegelflaschen abfuellen -
nach ein paar Wochen gibt es Sekt, so die Landfrauen- ausprobiert habe ich das noch nicht.

Die Zwiebel ist ein altes Heilmittel!
Gegen Insektenstiche, Husten, Appetitlosigkeit, Warzen!

Frueher legten die Huehner- wie heute auch- recht unregelmaeßig ihre Eier,
so gab es mal viel, mal wenige.
Deshalb sann man auf die Haltbarmachung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Natriumsilicate - "Wasserglas"-Loesungen,
1 Liter dieses Zeugs auf 7-8 Liter Wasser im Steintopf angeruehrt,
darin wurden die Eier versenkt. Das hielt wohl lange frisch.
Weniger lang hielten Eier, wenn sie im Steintopf mit Gerste rundherum kuehl gestellt wurden.

Der Sauerteig vom letzten Backen wurde am Vortag mit warmem Mehl in warmem Wasser angesetzt,
damit er gehen konnte.
Am Backtag wurde das mit etwas Salz und Mehl gemischt und zu Broten geformt..
aber nicht, ohne zuvor etwas "Hermann" abzunehmen,
um diese kuehl gestellt bis zum naechsten Einsatz aufzubewahren!

500gr Rohrzucker im Topf erhitzen und ueber 2 handvoll frische Fichtenspitzen (Ernte Mai) geben.
(Am besten in ein 1,5Ltr Weckglas, gut verschließen)
Nun taeglich einmal schuetteln- das Glas, nicht sich selbst-
6-8 Wochen in die Sonne stellen, dann durch ein Sieb abfuellen und im sauberen Glas aufheben.
(Haelt ca 1 Jahr) 2x3 Mal taeglich einen Loeffel davon nehmen und der Husten ist weg..

Mehltypen: Je hoeher die Nummer auf der Tuete, um so naturbelassener das Mehl.

Holunderlikoer: (Fuer 1,5Ltr) Holunderbeeren entstielen und 45-60 Min dampfentsaften,
abfuellen und mit 500gr Zucker mischen, mit Korn auffuellen. (2/3 Saft und 1/3 Korn)

Bauernschmauß: Zwiebelstueckchen leicht anroesten, Bratwurst im Ring (grobe geraeucherte)
in die Pfanne zupfen. Mehl, Salz, Milch und Eier in einer Schuessel verruehren
und ueber die Wurst geben, leicht anstocken lassen.
(Selbstverstaendlich kann man das mit jeder Wurst machen, auch mit Leberwurst)
Dazu werden Pellkartoffel gereicht.

Fleisch gehoerte frueher selten zum Speiseplan- zumindest fuer mit der Hand arbeitende Menschen,
die nicht gerade reiche Bauern oder Unternehmer waren.
So gab es oft Mehlknoedel, Kartoffelbrei, Rueben jeder Art, Bohnen, Breie,
Suppen und kleine Brandsaucen, die man heute als "Dips" bezeichnen wuerde.

Das Laeuten war wichtig, danach richteten sich die Leute, weil kaum einer eine eigene Uhr besaß-
die Kinder liefen flugs um 6 Uhr nach Hause, sonst haette der Lehrer und der Pfarrer und der Schultheiß,
wie die damaligen Aufpasser waren, "am Rad gedreht" und Strafen verpasst.
Der Sonntag war frei von jeder Arbeit, wenn man nicht gerade im Stall
das Noetigste tun musste oder die Ernte dringend war.
Am Sonntag gab es etwas Fleisch, Suppe und Nachmittags Kuchen, ab und zu kam Besuch zum Kaffee,
die Maenner tranken mal einen Schnaps oder was gerade da war.
Ein besonderer Tag.

Rotweinbowle: 1 Kilo Pflaumen, 1 Flasche Rotwein (ich nehme freilich nur den eigenen Wein),
Zucker, Zimt und Nelken. Das hat man schon frueher zu besonderen Anlaessen gemacht..

Oje, die Schuhe! Die Feld- und Stallarbeit wurde wohl in Holzschuhen erledigt,
im Sommer lief man ohne Schuhe. Die "ueber einen Leisten" gezogenen,
handgemachten Lederschuhe wurden noch mit kleinen Holzpins an der Obersohle befestigt,
unten waren Naegel und Rundeisen, damit die Sohle lange, lange hielt.
Schuhe waren richtig teuer! Nun kommt das Beste:
Es gab noch keinen linken und rechten Schuh- beide waren gleich geschnitten.
So konnten sparsame Leute die Schuhe von links nach rechts wechseln,
damit sie sich gleichmaessig abnuetzten..

Wer hat schon mal das Wort "Saukaese" gehoert?
Dabei handelt es sich um einen Brotaufstrich aus 500gr geraeucherten oder fetten Speck,
3 gehackten Zwiebeln und kleingehacktem Lauch.
Abschmecken ggf. mit etwas Pfeffer und Salz.
Mit knusprig frischem Bauernbrot bestimmt ein Gedicht- ich muss es unbedingt probieren..

Das aus dem Backes geholte Brot wurde mit einer Kette unter die Decke gehaengt-
zu frisch sollte man es nicht essen, das wuerde "Bauchweh" bereiten.
Die Wirklichkeit war profaner- es war frisch verzehrt einfach zu schnell alle..

1920-30 - Die Schlitzer "Spitalisten" bekamen vom Fuersten Kakao,
Kuchen, Weck und Milch spendiert..
(Das waren die Insassen des Vorlaeufers der Altenheime- da kommen wir bestimmt wieder hin- wetten?)

Noch eine Idee- diesmal als Kloeschen fuer eine einfache Gemuesesuppe:
Aus Mehl und Eiern einen zaehen Teig anruehren und diesen mit dem Loeffel abstechen und mitgaren..

Die Vertreibung aus dem Paradies durch das Abpfluecken der verbotenen Frucht
ist wohl ein typischer Uebersetzungsfehler aus dem Lateinischen:
Malus bedeutet in der Liturgie "schlecht", in der lat. Sprache aber Apfel.
Ein Apfel macht nicht dick! 15g Kohlehydrate als Traubenzucker, 0,6g Fett und 80% Wasser.
Apfelkuren, wo nur Aepfel gegessen wurden, sind heute noch empfehlenswert,
weil dadurch alle schaedigenden Stoffe aus dem Darm gespuelt werden.

Apfelringe trocknete man ohne Kerngehaeuse, aufgereiht auf Holzstangen
in der Scheune oder unter dem Vordach, heute ueber dem Heizkoerper.
(Nicht in der prallen Sonne- zuvor kurz in Salzwasser schwenken, dann bleiben sie hell)

Apfelkonfituere (heute 2 Teile Frucht, 1 Teil Zucker) und Gelee sollte
man auch heute wieder selber machen, das lohnt sich allemal.

Apfelessig wurde ehedem selbst gemacht: Im Steinguttopf (abgedeckt gegen Muecken) -
Apfelsaft vier Wochen stehen lassen. Immer wieder den gleichen Topf nehmen.
Den Sud alle Woche umruehren, zum Schluß durch eine Stoffwindel oder Kaffeefilter sieben.
Apfelessig macht Bohnen- und Linsentoepfe bekoemlicher, hilft bei der Entschlackung,
indem 2x am Tag 1TL Apfelessig und 1TL Honig in einem Glas Wasser aufgeloest- getrunken wird.
Fiebersenkend als Wadenwickel.

Interessant ist die Geschichte der Wurst, die sich -wie so oft-
angeblich im alten Griechenland zuerst gezeigt haben soll.
Bei uns haben sich die ersten Metzger wohl in Gastwirtschaften verdingt-
ab dem 14.Jhd. finden sich einige Loblieder auf dieses Nahrungsmittel.
Damals schon gab es eine ganze Reihe heute noch bekannter Wurstarten, die z.T.
auch in den Klosterkuechen ausprobiert oder erfunden worden sind.
Luther soll einmal eine Bratwurst nicht bezahlt haben,
was nachher einer seiner Anhaenger getan haben soll.
Viele damalige Groessen waren Freunde der Wurstwaren,
die sie sich manchmal von weit her haben kommen lassen; Prasser und Fresser waren sie allemal,
damals "ernannt" oder "berufen", heute sogar gewaehlt.
Goethe wurde von seiner Mutter bezeichnenderweise "Haetschelhans" genannt -
sie schickte im den Frankfurter Schwartenmagen nach..
Wenns um die Wurscht ging, wurden auch "vornehme Leute" zum Volk,
das von den Genuessen der Hausmanns Kueche schwaermte-
wo freilich die Wurst eine besondere Stellung einnahm, gestern wie heute.
Bald jeder bekannte Name - ob Dichter, Fuerst oder Komponist -
hatte seine Vorlieben in dieser Richtung aufgeschrieben und hinterlassen.

Wunderlich war der "Wurstwagen", der aus einem Baumstamm bestand,
der Vorder- und Hinterachse des Wagens verband.
Von Pferden gezogen, hockten die Passagiere rittlinks darauf.
Haupts. zum Transport von Soldaten erfunden, wurden auch mit Stroh
umwickelte Wagen dieser Art bei Jagden eingesetzt.

Die Frankfurter Schirn war ein Marktplatz nur fuer Metzger, mit vielen Tischen,
die mit einfachem Dach waren, mit Fleischhack-Klotz- nur hier durfte das Gewerk ausgefuehrt werden.
Gespeist von zwei Brunnen lief die Bruehe mittig durch die Rinne auf dem Markt.
Hier erwartete man das zahlreiche Publikum.
Es gab Metzger fuer Schweine, andere fuer Kalbs- andere fuer Lamm- oder Rindfleisch,
vermischt durfte nichts werden.
Langschirn oder Fleischbank genannt, hat man irgendwann hohe, schmale Haeuser darueber gebaut.
Daher die engen Vorkriegsgassen dieser Schirn, die im Krieg alle von unseren Freunden weggebombt worden sind..

Frueher haben die adrett weiss gekleideten Metzger stolz die Ware zu den Kunden gebracht,
sauber in einer sorgfaeltig gescheuerten Schuessel mit Tuchabdeckung.

Frauen hatten frueher ihren Fleischteller und Abdecktuch im Einkaufskorb dabei,
niemand wollte Wurst in der Zeitung eingepackt wissen..

Den "goldenen Daumen" kannte man wohl schon frueh, der auf der Waage lag-
ebenso wie die Mogelei mit der Verpackung und den sehr knappen Schnitt..

Wurstenden wurden guten Kunden als Zugabe mit eingepackt..

Als das Verkaufsedikt gelockert wurde und die Metzger sich in der Stadt
verteilen und nach Belieben niederlassen konnten, entwickelte sich der Boom
feiner Ausstattung der Laeden, der noch heute anhaelt.

Die warme Fleischwurst- die in Frankfurt (wie im gesamten Taunus)
noch immer am liebsten aus der Hand mit Senf und Broetchen vertilgt wird, wurde hochgelobt.
Die Frankfurter Wuerstchen weltberuehmt und als von einem ausgewanderten Metzger
Frankfurts als Wiener Wuerstel kopiert.
In alle Welt verschickt, entwickelte sich die Haltbarmachung in Dosen sprunghaft.
Vom Markt brachte man zuweile die Wurst mit in die Gaststaette, bekam Bier und Brot dazu- heute undenkbar.
Liest man vom Blutbad unter den Ferkeln am Schweinestand der Schirn,
mit den dazu lachenden Maegden, wie die Chronik berichtet und von der Hirnwurst,
habe ich keinen Appetit mehr.
(Heute darf kein Hirn mehr enthalten sein, hirnlos sozusagen)

Auf dem Dorf wurde nicht so extrem geast mit dem Fleisch, mit der Wurst.
Metzger gab es dort keine, man hielt einmal im Jahr Hausschlachtung,
wo bei manchen Leuten die besten Stuecke in den Verkauf gehen mussten.
"da wurde meist selbst geschlachtet, weshalb die Zahl der Metzer wesentlich geringer
und auch ambulant war - sie versorgten nur die unterbaeuerliche Schicht im eigenen Laden,
sofern sich diese ueberhaupt diesen Luxus leisten konnten"

Ich habe zuweilen Probleme mit den Garmethoden von Wurst- ganz allgemein-
weil die Desinfektion zwar schon durch die Erwaermung auf 75 Grad geht,
aber ob das reicht, um alle Keime zu toeten und ob die Fleischbeschau nicht doch Luecken hat,
wage ich nicht mal zu erahnen.
Nicht nur die altbekannten Fleischkrankheiten mit Finnen und aehnlichen haesslichen Sachen
beschaeftigt mich dabei, sondern auch die fahrlaessig neu geschaffenen Dinge,
wie BSE sind im wahrsten Sinne des Wortes im Hinterstuebchen..

Sicher macht nicht das "unrein, was durch die Mund hinein geht, sondern durch das,
was daraus hervor kommt"- wie schon das alte Testament sagt..

Mir ist schon klar, dass die heutigen Haustierrassen nicht oder nicht mehr vorhanden waeren,
wuerden wir alle auf Fleisch und Wurst verzichten- ein schraeges Gefuehl stellt sich mir dennoch ein.

Ohne eine Kuh, die ein Kalb bekam, wird es keine Milch, keinen Kaese und auch keinen Quark geben..
und da nicht alle netten Ferkel und Kaelbchen behalten
und durchgefuettert werden koennen, muss geschlachtet werden.
Was die Massentierhaltung daraus gemacht hat, ist nochmal ein ganz anderes Ding.
Beim "kleinen Metzger" geht es auch nicht anders zu, nur dass die Tiere nicht
so weit transportiert werden muessen- aber auch da habe ich starke Zweifel:
Ich wohne auf dem Land und bekomme einiges mit.
Ach ja, Huehner waeren wohl eher eine Seltenheit, die Eier auch,
die Wildenten und Gaense waeren geschwind weg, bei so vielen Menschen..

Heute sind ueberall und in jeder Branche "global Players" am Werk, die Zutaten verwenden,
die ich nicht auszusprechen vermag- wer sagt, daß die Reinheit der Lebensmittel
heute nicht ganz und gar oder in Teilen "naturidentisch" geformt wurde?
Ein großer Konzern gestaltete ein Reklame - Video mit einer Kopftuchtraegerin-
als Zeichen der "Toleranz" oder gar "Weltoffenheit"?
(Fuer mich ist das eher das Zeichen von dem Gegenteil oder der Dummheit, sich als moderne,
aufgeklaerte Menschen unterbuttern lassen hat.)
Doch zurueck zu den leckeren Wurstsorten, die unser Land in erstaunlicher Vielfalt zu bieten hat:
Man unterscheidet Bruehwuerste, Kochwuerste und Rohwuerste.
Wer haette gedacht, dass die Bratwurst ihren Namen wohl eher nach der Braet-Fuellung,
als nach dem spaeteren Verwendungszweck hat?
Eine besondere Spezialitaet ist die "aale Worscht", die alte Wurst, die luftgetrocknet ist.
Es gibt durch Raeuchern haltbarer gemachte Kochwurst oder frische Bratwuerstel,
es gibt in Kaltrauch geraeucherte Wuerste (Frankfurter).
In manchen Gegenden raeuchert man richtig lange, in anderen gerade mal so eben, als geschmackliche Komponente.
Vielerlei Gewuerze werden und wurden schon vor langer Zeit verwendet,
Frankfurt war schon damals ein internationales Zentrum des Handels.
Manche Wuerste werden aus vorgekochten Zutaten, anderen aus rohen Fleischarten gemacht.
Arme Leute - Wurst war mit Streckmitteln - z.B. Kraut und Kartoffeln gemacht,
heute ist das eine besondere Delikatesse!
Moehrenwurst, Krautwurst, Kartoffelwurst- hessisches Weckewerk, wie auch immer!

In besseren Haushalten wurden die Wuerste von der Koechin gemacht, die manigfaltige Aufgaben hatte:
Napfsuelzen und Pasteten, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Alles wurde verwertet, sogar Knochen, Innereien und das Fell oder die Haut
oder Federn der Tiere- was ja auch sinnvoller ist, als wegzuwerfen, was man heute "entsorgen" nennt.
Die Kunst des Metzgers oder Wurstmachers ist es heute noch, aus preiswerten Zutaten
ein moeglichst gutes Ergebnis zu erreichen, oder wie man in den 1950iger Jahren sagte:
"Wasser schnittfest zu bekommen" ;)

Beim Schlachten fallen große Mengen an Fette an, die auch alle unterkommen wollen-
Fett ist allemal ein ganz wichtiger Geschmackstraeger!

Daerme (freilich gruendlich gespuelt) nimmt man geschickt als Wurstpelle, auch heute noch.
Schwartenwurst, Suelzwurst, Leber- und Blutwuerste und großer Zahl sind
in den Auslagen der Metzereien, mehr noch in den Theken der Supermaerkte zu finden.
Fuer jeden Geschmack ist was dabei, von Gegend zu Gegend wird wir Wurst ein wenig anders gemacht-
ausserdem sind noch die ganz großen Anbieter auf dem Markt,
deren Produkte geradezu standarisiert ueberall zu kaufen sind.

Die alten Roemer kannten schon den Bratrost, die Leberwurst, die Griechen kannten Blutwuerste.

Gerade in Hessen war am Freitag der selbstgemachte Kartoffelsalat
(meine Frau macht den heute noch, das Rezept ist auf meinen Seiten zu finden)
und heiße Fleischwurst auf dem Teller- alle haben sich darauf gefreut;
ein "Ladenhueter" war dieses Essen bei keinem !

Ein Fachmann soll 100 verschiedene Leberwuerste gezaehlt haben,
die in unserem Land hergestellt werden- Deutschlands beliebteste Wurst..

Es gibt sogar aale Blut- und aale Leberwurst, die ebenfalls geschrumpft und geraeuchert ist.
(eine ganz feine Sache)

Im alten Testament verbot man den Genuß von Blut in jeder Form,
genau wie in den anderen Nahost-Religionen.
Blutwurst in der Schweinsblase oder Magen abgefuellt war, nannte man "Roter Guenter"
oder "Ellerwurst" oder "Piepenwurst"- diese wurde morgens angeschnitten, wenn die "Eller",
die Großmutter oder die Hebamme ins Haus kam.
Die Piepe war der Schnippel hinter der Zubindekordel der Wurst.
Mit Piep servierte Wurst zeigte dem jungen Vater die Geburt eines Jungen,
ohne Piep die eines Maedchen -dezent- an, wenn die Frauen die Wurst servierten. Kinderlosen Paaren schenkte man die Piepenwurst als versteckte Anspielung..

Die Varianten der hausmacher Wurst sind ganz enorm,
noch mehr die unterschiedlichen Interpretationen moderner Lokalitaeten zu diesem Thema.
(Das ist freilich reine Geschmacksache, aber auch ein ganzes Stueck Zeitgeist. Unser Fall ganz sicher nicht.)

Ob nun aus ethischen Gruenden (z.B. warme Blutwurst) oder aus moralischen (Tiere werden geschlachtet) -
ist Zurueckhaltung im Fleischkonsum eine gute Sache.
Ganz darauf verzichten halte ich jedoch fuer falsch.
Frueher war das Geld der limitierende Faktor,
dann kam die Voellerei der Vollbeschaeftigung der 60iger/70iger/80iger Jahre,
dann die Oekobewegung - heute ist bereits schon wieder das Geld die Bremse,
wenn die Qualitaet beachtet werden soll.



Geschichtliches

Ein Fuerstenschreck und anschliessend kommen Pilze der Goetter zu Wort..

Die Vorgeschichte unserer Gegend zur deutschen Reichsgruendung 1871
( http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Reichsgr%C3%BCndung ) war durchaus lesenswert. Abenteuerlich allemal,
zumal wieder ein Souveraen den Anspruch auf "die Weltvorherrschaft" erhebt..
ausgerechnet ein Praesident, der unter dem Anspruch "Farbig" zu sein, mit vielen neuen Ideen antrat,
von denen er keine einzig hat umsetzen koennen.
Ein junger renitenter Gymnasiast aus Weilburg, der von der Schule gewiesen wurde
und seine Reife andernorts holte- aber dennoch sein Abi in Weilburg holte,
war einer der spaeteren Hauptakteure der Weilburger Volksversammlung.
Man wandte sich gegen den Zehnten und gegen die Herrschaft des Fuersten,
wollte demokratische Wahlen und mehr Buergerrechte.
Sein Vater war oberkommandierender Offizier nicht gerade eine Steilvorlage fuer die Gedanken des Sohnes.
Die Zusammenkuenfte der Bewunderer der Franzoesischen Revolution gruendeten
eine republikanische Fortschrittspartei, deren Start sehr holprig war.
Damals brodelte es ueberall in den Orten, man hatte auch Angst vor den alten Machthabern,
die ihre Pfruende schwimmen sahen, setzten sich die Gedanken um die Demokratisierung weiter durch.
In unserem Land ist eine Parteigruendung aehnlich wie die eines Vereines-
es wurden zuerst Kompetenzen, dann in langen Sitzungen Statuten gemacht..
Die "Sympathisanten des Frankfurter Republikaneraufstandes" waren sich einig-
was wohl viele Kaempfe gefordert hatte.
Der Sohn des Offizieres brachte es zum Doktor, er wurde Arzt- geachtet von allen,
weil er eine sehr soziale Ader bewies: Nicht jeder hatte das Geld fuer eine Behandlung.
Das brachte freilich die Konkurrenz auf die Palme,
die zusammen mit den fuerstlichen Beamten und Guenstlingen Front machten
und den jungen Doktor am liebsten vertrieben haetten.
Wie wir wissen, unterlag die Allianz der Oesterreicher, wo auch Nassau mitmachte-
die Preussen siegten und fuehrten mit ihren russischen Horden ein harsches Regiment,
monarchistisch versteht sich.
Der Preußenkaiser war nicht zimperlich und rief so die roten Fahnen auf
die Haeuser und die Feudalherrschaft in den Abgrund durch die unnachgiebige Haltung.
Die Revolution in Frankfurt wurde mit 12000 Soldaten gegen 700 Barrikadenverteiliger angefochten.
Viele Tote, viele Verletzte, viele Gefangene.
Der rechtslastige Saeuberungswahn rief auch Offiziere auf die Seite der Aufstaendigen.
Irgendwie schaffte es der junge Arzt doch in die Buergerschaft Weilburgs-
obwohl er einen Verein zur Abschaffung des Zehnten gegruendet hat- zu viele Bauern
waren inzwischen auf seiner Seite, als dass man ihn haette ablehnen koennen.
"Laßt euch nicht durch Schmaehpamphlete an den Straßenecken und durch
stubengelehrte Deuteleien beirren, stimmt ab, wie es euere Pflicht und Gerechtigkeit verlangt" Maerz 1849 war die Wahl des preußischen Koenigs Friedrich Wilhelm IV.
von 28 Partikularstaaten wurde die kleindeutsche Staatsloesung, also ohne die Aufnahme
der der nichtdeutschen Habsburger Teile ins Deutsche Kaiserreich angenommen.
Darauf verweigerte der Koenig die Annahme der Krone durch die Volksversammlung, die ohne die Zustimmung
aller deutscher Fuersten war: Der "Ludergeruch der Revolution" war ihm zuwider.
Darauf wurden die Abgeordneten zurueckgezogen, das Parlament aufgeloest,
die Versammlung nach Stuttgart verlegt, ein Erzbischof als Reichverweser eingesetzt.
Pfaelzer gegen Bayern, Bayern gegen Baden, Regimenter und Freischaerler
gegen die Preussische Macht - die preussenhoerigen bekamen kraeftig Gegenwind- man
wollte in Wiesbaden zuerst ein eigenes demokratisches Ding machen.
Der Stein war losgetreten, die Bauern machten mit und ueberall entstanden neue kleine Volksversammlungen.
Ein "Jesuitismus" gegen die Verdaechtigen war allerorten von oben gemacht,
sogar ein Mittelweg, den der "konstitutionellen oder demokratischen Monarchie"
kam ins Gespraech.
"Poepelherrschaft" leiste keine Garantie des Eigentums und der Selbstbestimmung,
so toene es von oben durch die Vasallen herab.
Aber die Zahl derer, die eine "Foederativ-Republik" (Bundesrepublik) forderten
und einfuehren wollten wuchs bestaendig an.
Die Augen gehen auf- unserem Land kann nur durch eine Radikalkur geholfen werden,
nicht weiter durch die Gnade der guten Geburt die Posten erhalten, was dem Fuersten half,
der den 10. und durch die Saekularisierung freien Zinseinnahmen der Kirche fuer seine privaten Beduerfnisse
eingesackt hat.
Noch im 19.Jhd waren mehr als die Haelfte aller Flaechen zehntpflichtig,
die das Landvolk ziemlich einseitig belastete und nur durch hohe Abloesesummen getilgt werden konnte..
(das 14 fache des Jahreszinses)
Nassauische Soldaten sollten gegen Raststatt (Stuttgart) ziehen und den Preussen helfen,
ihren Anspruch mit Gewalt durchzusetzen.
Aufrufe an die Soldaten zeigten Wirkung, keine deutschen Waffen gegen Deutsche,
sondern gegen die "Raubhorden russischer Kosacken in preussischem Auftrag".
"Tod der Tyrannen, der Freiheit ewiges Leben!"

Diesen Gedanken hauen wir aufs Maul, wenn oeffentlich-rechtliche Schmeichler dem Adel hofieren,
wenn Grafen wieder in der Politik taetig sind..

Die deutschen Fuersten hatten sich zur Unterdrueckung der Freiheit verschworen und verbunden.
Diese Notwehrsitation schweißte die demokratische Bewegung eher zusammen,
als dass man sie dadurch aufhielt.
Der Kampf gegen den Absolutismus war nicht mehr aufzuhalten, der Sieg der Gerechtigkeit war es,
was die Menschen begeisterte und aufrief.

Der Herzog lies die 56 Deputierten am Schloss Biebrich bei Wiesbaden eineinhalb Stunden
unter dem Vordach des Pferdestalles warten, bevor er sie unterrichtete:
Nur sieben werden in den Audienz-Saal vorgelassen.
Diesem Wanzt von Fuerst haben sie mit Engelszungen eingeredet,
dass er sich den Erfolg auf seine Fahnen heften koenne, stimmte er der Volksresolution zu..
.."sie sind von mir gewohnt und koennen gewohnt sein, dass ich mein Wort halte,
wie ich es noch immer gehalten habe. Ich werde der Anarchie kraeftig entgegentreten,
das ist mein fester Wille und seien sie versichert, ich habe auch die Macht dazu.
Ich habe mein Wort noch immer gehalten, das wissen sie. Sie sind entlassen"
Der Deputierte wird die Antwort dem Land mitteilen, darauf der Fuerst:
Das wuensche ich!, dann zog er sich zurueck..
Der junge Arzt musste sich der Verfolgung durch die Flucht nach Amerika entziehen,
heimlich, inmitten der hohen Zahl der damaligen Auswanderer.
In der neuen Heimat starb er 72jaehrig, dem Denken Kants verpflichtet, der Aufforderung,
immer den eigenen Verstand einzusetzen..
Ueber seine 53 Jahre in den Staaten ist leider nichts bekannt.
Die Bewegung jedoch hat sich durchgesetzt, festgeschrieben in Artikel 20 des Grundgesetzes,
das die Staatsgemeinschaft versteht als eine demokratische und soziale Republik!

Eine bewegende, ja erschuetternde Story, das muss ich sagen:
Man sollte jedem Anfang wehren, dass sich der Adel und der Klerus wieder zum Herrscher aufschwingt !


Doch nun lieber wieder zurueck zu den Anfaengen der Menschheit:
Das Geheimnis der "Zauberpilze" war den alten Germanen wohl bekannt, sie sollen den Meth
(zumindest den fuer kultische Handlungen) mit spitzkegligen Kahlkoepfen gewuerzt haben.
Im Gaelischen "Feennahrung" genannt, waren die Kelten dabei in die "Anderswelt" zu reisen.
Die Dionysischen Mysterien wuerzten ihren Wein mit Panaeolus/Amanita/Psilocybe Beigaben zum Goettertrunk.
Christen haetten, so die Erzaehlung, die Gebraeuche der Naturreligionen brutal unterdrueckt
und irgendwann ausgeloescht.
Durch die "frohe Botschaft" kam ein schreckliche Kultur- und Voelkermord in die Welt,
die intolerant alles ausmerzte.
Aber die Pilze waren ueberall in der Welt, wo Menschen wohnten:
Die rituelle Einnahme von Pilzen laesst Erfahrungen entstehen,
die den Anfang des Schamanismus und von Religion erklaeren.
Zusammen mit weihrauchaehnlichen Harzen (Kopal), die in einem Holzkohlebecken verbrannt wurden,
entstand die Stimmung dazu.
Die esoterische Sprache der Heiler in Trance, Seher und heiligen Leute wurde so genaehrt.
Halluzinogene Pflanzen waren schon frueh bekannt, unter Eingeweihten und Priestern,
auch die der christlichen Religion.

Nach manchen Erzaehlungen wird der Mensch in eine lange und muehseelige Wanderung
durch das Reich der Tiere antreten,
Hindernisse und ein reißender Strom, den man durchschwimmen muss.
Indianer halten sich heute noch schwarze Hunde, an deren Schwanz man den Fluss durchqueren kann,
wenn die Stunde gekommen ist..
Wehe, man hat zeitlebens die Tiere (alle werden genannt) schlecht behandelt!

Die Erde gilt in vielen Kulturen als Gottheit, verehrt in der Gottmutter Erde oder Erdmutter.
Die Pilze wachsen aus der Erde, also waren sie heilig.
Zuerst waren die Gebeine heiliger Leute, dann das Blut Christi fuer die Kraft
verantwortlich- wie es gerade gepasst hat.

Drei Tage vor dem Ritual musste enthaltsam gelebt werden, sexuell abstinent,
keine Eier, kein Gefluegel etc. durfte verspeist werden. Alkohol war ebenso verboten wie harte Arbeit.
Pilze sollen nur in je einer Spezies verwendet werden.
Zuerst wurde Weihrauch verbrannt und eine Kerze angezuendet, dann das Gebet an die Pilze gesprochen.
Stille und Andacht bestimmen die Szene - man soll Tiere sehen, die Sonne,
den Mond, Stimmen hoeren, die nach dem Warum fragen und den bestrafen, der sie unreinen Herzens bemueht..

Pilze waren Heilmittel und Wundermittel zugleich, halfen bei Wahrsagungen und bei dem Kalender.
Die Inhaltstoffe der Pilze sind freilich nur der Schluessel,
bei dem das Umfeld entsprechend sein musste um eine "Bewußtseinserweiterung"
zu erfahren, Meditation und eine gewisse "liturgische Ordnung" stimmten darauf ein,
aehnliche Sinneswahrnehmungen wie beim LSD-Rausch zu haben.
Psilocybin, Meskalin, Baeocystein und DMT sollen die Wirkstoffe dazu sein.

(Am besten man nimmt nichts zu sich, wo die Namen derart unaussprechlich sind)

Studentische Spezialisten haben die Pilze nachgezuechtet und ausprobiert,
sie bauten ihre "Genußmittel" schon in den 1970iger Jahren selbst an:
"Bewußtseinsforscher" oder einfach nur Kiffer?

Schlimm ist, dass nur ein Gramm eine sehr haftige "entheogene" Wirkung haben soll.

Nach meiner Meinung eher letztes, was z.T. auch auf die "Visionen" christlicher Seher
zugetroffen haben duerfte, ansonsten sind Drogen eher ein biochemischer Kurzschluß
mit wirrer Entladung aller bislang erlebten Sinneseindruecke in chaotischer Art.

Die Buecher verlieren sich anschließd leicht in "Geheimtipps" und "Zubereitungsarten"
und "Techniken", die gerne unter dem Deckmantel "Forschung" mit viele selbst erfundenen
und von anderen Schaumschlaegern sanktionierten "Fachausdruecken" bedacht
und zu zu Papier gebracht wurden.

Die Verwandtschaft der Erzaehlungen indianischer Schamanen oder Seher mit den Geschichten
vom "Weltenbaum" der germanischen Mythologie sind verblueffend,-
Baeume sollen aus den Pilzen entstanden sein..

Hoehlenbilder mit pilzaehnlichen Auswuechsen auf dem Kopf der Figuren lassen neue Schluesse zu,
"kosmische Nabelschnuere" etc. erhaerten das.

Manche Gottgestalten aehneln sich, seltsame Pilze gibt es mehr als genug,
selbst von unseren Fliegenpilzen wird so einiges erzaehlt,
in den Bergen findet man seltsame Pilze, auf Kuhdung..

Ob die "Mutter Gottes" gar nur eine Ueberstuelpung der alten Mondgoettin war?

Hexenringe sind immer mystisch, Vollmondnaechte ebenso- Fernsehen und Radio waren frueher unbekannt-
was lag also naeher, als ein "Pfeifchen" zu rauchen?
Heute erklaert man die Neigung dazu "wissenschaftlich fundiert" !

Zur Sonnenwende, Tag- und Nachtgleiche, Walpurgisnacht, Halloween und Ostern
(Fruehlingsfest) werden noch heute Pilzrituale gemacht, mit Mund- zu Mundpropaganda weitergereicht,
morphogenetisch und heidnische Felderfahrung, wie zu allen Zeiten.
Die Teilnehmer seien fast alle aus akademischen Kreisen, aus allerlei Fachbereichen,
viele Kuenstler, so wird berichtet.
Sogar auf Hochzeitsfeiern sollen Pilze verabreicht werden, wie zu astrologisch guenstigen Zeitpunkten..
Also nicht nur aus seherischen oder gesundbeterischen Gruenden,
die kulturellen Hintergruende sollen es ausmachen, ob diese Praeparate oder Naturstoffe
ein gefaehrliches Rauschmittel oder eine Pflanze der Goetter ausmachen.
So wird behauptet, Pilze seien von außen auf die Erde gekommen.
Die alten Kraftplaetze werden bevorzugt genommen um diese Feiern abzuhalten,
auf denen man Kirchen gebaut hat- nicht grundlos?
Gut, um "den Kontakt zur Natur zu finden" haette es nur einer einfachen Wanderung bedurft,
aber "aus sich herauszufinden" ist schon mal ein anderes Ding,
das eine -trotz akademischen Graden- hohe Selbstunzufriedenheit zeigt..
"die transpersonale Ebene" werde ich gleich noch weiter erlaeutern.

Bezeichnend waere die Aussage, daß "aphrodisische Ekstase", aber auch eine
"universelle Liebe zu sich und allen und zu Tieren und Pflanzen, zu Goettern
und Goettinnen und zur Galaxie, besonders aber zu Pilzen erfahren werden wird.

Das Geheimnis um die Pilze, die Sorten und deren Portionierung wird staendig erweitert
- weil die Menschen nach "mehr" streben, einem "Tuning des Kopfes" sozusagen.

Heute kann die Wissenschaft vieles erklaeren, was sich im Kopf dabei abspielt-
wieviel unheimlicher und machtvoller muss das bei den Naturvoelkern gewirkt haben ?

Die hallozinogenen Wirkstoffe sind wohl nur eine kleine chemische Gruppe
und auch substituierte Phenylpropene, wie in der Muskatnuß und manchen anderen Pflanzen,
die ebenso in der Kueche verwendung finden.
(Ich habe ein Essen mit vermehrtem Muskatnußwuerzung in meiner Sammlung,
das noch aus der Zeit der Ur-Urgroßeltern stammt- eine "Wirkung"
ist mir noch nie untergekommen, bis auf den gewuenschten Geschmack.
Diese Wirkstoffe sollen im Koerper als Phenylpropylamine umgeformt werden,
was mir ehrlich gesagt, nichts sagt - ausser, daß diese Stoffe auch in Kakteen vorhanden sind.
Dibenzopyrane sind Cannabioide, in Haschisch und "hoeheren Pflanzen" und in der Haut von Kroeten (Bufotenin).
Im Steppenraute und in der Liane, aber auch in der Zirpeldruese,
aber auch in pathologischen Stoffwechselprodukten, etwa bei Alkoholmißbrauch, sind endogene, koerpereigene Halluzinogene.

In den mittelalterlichen Hexensalben war wohl Scopolamin, ein Stoff aus der Gruppe der Tropane,
Delirantien der halluzenigenen Ordnung II, die wohl auch im Fliegenpilz zu finden sind-
das fuehrt uns aber zu weit in Spezialgebiete.
Interessanter ist der Versuch, daß blindgeborene Probanten
keine visuellen oder optische Erfahrungen gehabt haetten..
(Das bestaetigt mich in der Annahme, daß beim Konsum dieser Stoffe
nur die gemachten Erfahrungen "aus dem Lot" kommen.)
Wissenschaftlich erklaert waere das ein Mangel an spezifischen Neurotransmittern,
ein Zuviel von Noradrenalin bereitet manische Zustaende, ein Mangel davon Depressionen.
Der Ueberschuß an Dopamin bringt Psychosen, zuwenig davon Parkinsonismus.
Serotonin bewirkt Schlafsucht, bzw. Schlaflosigkeit.
Die Transmittersysteme sind fein ausbalanciert und beieinflussen schon durch
die Moeglichkeit der elektrischen zur chemischen Weiterleitung im Hirn.
Bei Einnahme von Drogen sollen dabei durchaus Wahrnehmungsstoerungen bis zur Stoerung
des Ich-Zustandes eintreten.
Kein Wunder, dass Doping zu Ueberreizung fuehrt.
Wenn der thalamische Filter erst einmal geoeffnet ist,
wird die Selektion der eingehenden Sinneswahrnehmungen nicht mehr gefiltert und die Signale unkommentiert
in die Stirnlappen gelangen- frontocorticale Reizueberflutung ist die Folge.
Aeltere Computerfreaks kennen noch den Ausdruck "Head overflow", wenn der Arbeitsspeicher "ueberlief",
weil zu viele Programmfetzen liegen blieben..
Die dabei beobachtete Stoffwechselueberaktivitaet des Frontal-Hirnes
bei freiwillen Probanten unter dem Kernspill,
die eine halluzinatorische Dosis von Ketamin und Psilocybin eingenommen hatten.
Der Umsatz des Thalamus an Glucose laesst dessen Belastung abschaetzen,
wenn diese Entkoppelung dieser Druese durch Drogen von den corticalen Hirnregionen passiert.
Die Stoerung hoeherer mentaler Funktionen ist die Folge:
Ich-Identitaet, nicht nur die divers zusammenarbeitenden Regionen.

"Mystisch ozeanische Bewusstseinszustaende" von schizophrenieartigen Zustaenden zu unterscheiden,
evtl. sogar die Zustaende durch Medikamente wieder ins Lot zu bringen,
ist heute eine Aufgabe der Wissenschaft, die einmal einige Krankheiten lindern werden wird.

Das Psilocybin sollte die Aktivierung der unbewußten Erinnerung
als tiefenpsychologische Maßnahme sein, die mit langwierigen Therapien
der Aufarbeitung einher geht..
mit "geringen neurovegetativen Nebenwirkungen", besser steuerbar als LSD.
Mein lieber Schwan- wer in die Faenge dieser Leute geraet, weiß nie,
was in den verabreichten Medikamenten verbaut wurde..

1598 soll ein "Monumentalwerk" eines spanischen Franziskanerpaters sein,
das den Titel "Historia general de las cosas de Nueva Espana" hat.
Dort werden die Feste mit bestimmten berauschenden Pilzen der Eingeborenen auf "teuflische Inhalte" abgeklopft.
Jene indianischen Eingeborenen jedoch sahen diese Rituale als goettlich an.
Mit Sicherheit auch unsere Urahnen!
Diese Quelle sagt aber auch, daß man diese Drogen nur zur Heilung und bei religioesen Festen nahm.

Egal wie, diese Stimmulantien sollten traumartige Erlebnisfluesse
bei relativ klarem Bewusstsein schaffen, damit man das Material aus der Tiefe zur Aufarbeitung verwenden konnte.
Hart bei den Eingeborenen und sanfter bei den heutigen Doctores- die Nacharbeit folgt
immer ausserhalb des Rauschzustandes.
Psychische Abwehrreaktionen des "Ichs" sollten dabei gelockert werden,
die Verhaltens- und Speicherungsschemata behinhalten.
Ob dabei wirklich dauerhaft "tief und schnell" geschnitten wird,
oder ob der Patient irgendwann eher aufgab und sich aenderte, lasse ich mal dahin gestellt.

Schwere chronische Neurosen und Angstzustaende sind dadurch angeblich zu behandeln;
die "Lockerung" der Blockaden sollen zur "freien Assoziation" hinfuehren.
Ob sich dadurch "innerpsychische Abwehrstrukturen" aendern lassen,
ist wohl eine akademische Betrachtung eher, als daß sie wahrhaft und rational waeren..
Altersregressionen bis ins 1. Lebensjahr hat man angeblich erreicht.
Nun geht die Wissenschaft weiter und will damit gleich auch "Perversionen und Sexualneurosen" heilen-
mir kommt die ganze Pathologie wie eine Perversion vor.
Kontraindikationen gibt man zu bei hysteriformen Neurosen, Psychosen, Borderline
oder "Ich-schwache-Personen".

Die mystische Ekstase oder "Entase" sei das "Unionserlebnis mit dem Absoluten". Aha.
Wie immer man das Absolute umschreiben mag, mit goettlich oder himmlisch
ist ja auch egal- es ist eine Totalheit, die in uns allen steckt
und wo auch keiner einen Zweifel hegt,
immanente "Liebeskraefte" oder Allwissenheit?

Der Arzt und Theologe ! Pfarrer Klaus Thomas ( http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Thomas ) erzaehlt,
dass die religioesen Halluzinogenerfahrungen auch ekstatische Gluecksgefuehle bringen.
Man wuerde Tierfratzen und aesthetische Erlebnisse haben, Muster und Ornamente,
die Ahnung der goettlichen Majestaet kaeme, angenehme Lichter und Stimmen wahrnehmen,
Ehrfurcht erfuellt sein, an Lobpreis denken, Gefuehle des Fliegens und Schwebens haben..

Das halte ich fuer das von mir so lange schon gesuchte Bindeglied zwischen Rausch und Religion
als Ekstase-Technik zur Manipulation am Mitmenschen.

Bemerkung am Ende dieses Kapitels:
Unter obengenannten Aspekten waeren die Aeußerungen wichtiger oeffentlicher Personen
bereits pathologisch interessant, die von "den Menschen" sprechen, eher ueber dieselben, wie Goetter ;)



Geschichtliches


Nun wende ich mich wieder der originaeren Sache dieser Seite zu: Geschichtliches.
Die Buecherei hatte diesmal ein seltsames Wanderbuch, ein kleines Buch von der Lahn-
Jahrgang 1941, Elkerhaeuser Schriften, Geschichte der Stadt Langen,
Obertiefenbacher Vergangenheit aus dem Jahr 1954, mittelalterliche Burgen und ein Buch
ueber abenteuerliche Geschichten aus Hessen fuer mich ..

Erwaehnenswert halte ich den Umstand, daß die deutsche Sozialversorgung ihren Ursprung
im Preußischen Berggesetz 1854 hat.
Dort war die Gruendung von Knappschaftsvereinen fuer jedes Bergrevier vorgeschrieben,
in dem jeder Mitarbeiter einzahlungspflichtig war.
Es wurden ambulante Arztkosten, Krankenhauskosten, Verdienstausfall !
und Witwen,- Waisengeld gewaehrt.
Jahrhunderte zuvor ist die "Bruderlade" eingerichtet worden.

Die alten Ortsnamen auf -lar deuten auf einen vorchristlichen Ursprung hin.

Im Museum der Gleiburg sind Stuecke ausgestellt, die 120.000-10.00 v.Chr. datieren,
mittel- und jungsteinzeitliche Dinge 10.000-1.800 v.Chr..

Hessens Landgraf lies nach der Treibjagd Huehnersuppe servieren.
Leutseelig fragt er: "Sag mal, wann gibt es denn bei euch daheim Huehnersuppe?"
Der Bursche besann sich kurz, dann antwortete er treuherzig:
"Wenn der Bauer krank ist oder ein Huhn!"

17 Gewuerze nahm man beim Schweinebraten: Pfeffer, Zwiebel, Rosmarin, Thymian,
Majoran, Salbei, Beifuß, Knoblauch, Wacholder, Senfkoerner, Basilikum, Paprika,
Sellerie, Nelken, Muskat, Madeira und Lorbeer - lt. fuerstl. Kammer.

Laaspe (Bad Laaspe) hat seinen Namen aus dem Keltischen:
Lassaffa, was Lachswasser bedeutet.

Zumeist war wohl harte Arbeit im Wald und Landwirtschaft auf kargem Boden
und ein schmales Einkommen vorhanden.
Erschreckend hart war der Unterschied zwischen den gehobenen Staenden und den Gemeinen.
Extreme Klassenunterschiede bestimmten die gute alte Zeit.
"Kraut und Ruebenfresser" durften aeussert sparsam mit dem Essen umgehen- bespottet wurden sie auch noch..
Rueckstaendige Geraete, keine Esshilfen; Suppe und Breie, waren die Hauptlebensmittel.
Arm waren die Leute im Hintertaunus noch bis ins 20.Jdh. hinein.

Das Lochen oder Einkerben (Lochmuehle) der Baeume war oft eine Grenzbezeichnung in der Gemarkung.
Man schaetzte die Anzahl der Raeuber auf 50.000 Personen, die sich in der Wetterau,
Rhein-Taunus und im Westerwald herumtrieben- kein Wunder, ueberall
waren kleinstaatliche Grenzen, ueber die man nicht verfolgt werden konnte..

Der Hintertaunus ist nicht so arg umkaempft, alles wirkt schoen, ruhig und abseits,
geradezu vertraeumt, so schwaermt der Dichter.

Der Wahlspruch der Burgherren lautete: "Reiten und rauben ist keine Schade,
das tun die Edelsten im Lande"
(Zumindest als Version der Bevoelkerung ueberliefert..)

Die Floeße waren einst das wichtigste Transportmittel,
selbst auf den unregulierten Fluessen der damaligen Zeit.
Am Zielort wurden die grob gezimmerten Floeße oder Boote schlicht als Brauchholz demontiert und verkauft.
Die "Lauertanne war im 13.Jhd. ein solcher grober Nachen, spaeter Segelschiffe-
als Kuriosum 1870/90 die "Hexe", mit Dampf angetriebene Seilzuege zum Schleppen,
dann Zugverbaende, Schubverbaende bis zum modernen Selbstfahrer-Frachtschiff.

Die Loreley, ein Rheinfelsen des Mittellaufs der rechten Seite,
laesst den Rhein "nur" 115mtr breit sein, aber an einigen Stellen bis zu 25mtr tief!

Die Burg Katz des Katzenelnbogener Geschlechtes wurde im Jahr 1255 von 8.000 Fußsoldaten,
1000 Reitern, 50 bewaffneten Schiffen belagert, ohne daß sie eingenommen wurde:
1 Jahr lang!

Das "Urabblasen" der Tuermer wurde durch eine Zunft geregelt:
Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt, dem Turm geschworen, gefaellt uns die Welt!

Wie hochnaesig: "Schildbuergersagen sind landschaftlich gebunden und gehen
auf Begebenheiten zurueck, sie geiseln menschliche Zuege, Armut, Beschraenktheit"

Von der Knuell lese ich, daß man dort inzwischen wieder 50% Wald besitzt-
nachdem die Landwirtschaft und die Weidewirtschaft sehr zurueckgegangen war.

1760 wurde in Hersfeld ein Brand gemeldet und alle kamen um eine Loeschkette zu bilden-
zum Glueck waren es nur riesige Mueckenschwaerme...
..seit dem nennt man die Einwohner "Mueckenschwaermer".

Der Odenwald war ein fast menschenleeres Waldgebirge, das nur Michelstadt als belebte Ecke hatte.
Selbst die Roemer (100-130 n.Chr) haben das Gebiet nicht erschließen koennen
und sich nur fuer den Bau der Grenzsicherung Limes entschieden.
Der Odenwald war dem Gott Odin geweiht.
Im spaeten Mittelalter ist von einem "dreischlaefigen Galgen" die Rede,
eingefasst mit großen Steinen auf der Anhoehe bei einer maechtigen Linde,
deren es sieben gegeben haben soll.
Entstanden aus einer uralten Thingstaette der Germanen, stehen die aus dem Jahr 1597
stammenden drei maechtigen Saeulen nun dort.
Gehaengt wurde sehr schnell, zuletzt im Jahr 1804, angeblich eine Zigeunerin,
die fuer ihre kranken Kinder ein Huhn und zwei Brote gestohlen hatte.

Eine Geschichte ist ueberliefert, wo der Delinquent "cool" kurz vor dem Erhaengen
sich die Pfeife anzuendete und dem Henker diese als Geschenk anbot,
wenn er ihm einen kleinen Gefallen taete..
Sein Kropf waere sehr hinterlich und es kaeme wohl nicht gut beim Haengen,
wenn dieser zwischen dem Kopf und dem Strick zusammengedrueckt wuerde-
Der Henker lies sich darauf ein, freute sich schon auf die Pfeife-
so band er den Strick mitten auf den Kropf..
Als nun der Fall kam, rutschte der Strick ueber den Kopf,
stauchte nur eben die Nase des Missetaeters, der aus dem Strick rutschte, aufstand,
sich die Pfeife vom Boden nahm und..
gemuetlich mit dem noch brennenden Tabak als freier Mann von dannen ging..
(Wenn jemand gehaengt wurde und das ueberlebte, war er frei)

"Neidkoepfe" links und rechts der Pfosten von Vordaechern sollten das Boese fernhalten.

Die Landnahme der Roemer wurde durch die einziehenden Germanen von Norden
her gestoert und aufgehalten, deshalb wurde der 550km lange Limes gebaut.

Die Wetterau und die Niederung bei Karlshafen ist schon seit 100.000 Jahren besiedelt,
von dort aus ging das Kernland der Chatten nach Sueden.

Die Brueder Grimm und die aus La Rochelle gefluechten Franzosen sind hier zu erwaehnen,
die allemal unsere Sprache mitgestaltet haben.

Der Reinhardswald diente als Hutewald, wegen seiner Dichte an Eichen und Buchen,
durch die Blumenhute kam auch Großvieh zur Mast in den Wald, nicht nur Schweine.
Fast ganzjaehrig standen diese Nutztiere in Konkurrenz zum Wild, was sich am Verbiss der jungen Baeume zeigte.
Der enorme Verbrauch an Holz durch Verhuettung und die Glasblaeserei hat dem Wald auch lange sehr geschadet.

Das "Stapelrecht" bezog sich auf den Warenumschlag, die Umladung der Waren auf andere Transportwege.
Nach den damaligen Bestimmungen, die immer willkuerlich sind- damals wie heute-
mussten die Waren einige Tage am dortigen Markt angeboten werden.
So wuchs der Reichtum der Stadt- mit dem Bau der Eisenbahn wurde alles anders.

"Wo sich Werra und Fulda kuessen, sie ihren Namen einbueßen muessen,
und hier entsteht durch diesen Kuss, Deutsch bis zum Meer, der Weser-Fluß"
(1899) 480 Kilometer ist der Fluß schiffbar!

Vom 13.-18.Jhd war die Aufmachung des prunkvollen Gewandes und der Allonge-Peruecke
das Standeszeichen reisender Aerzte a la Eisenbart.

Lt. Ueberlieferung soll der Wein im Norden Hessens so sauer gewesen sein,
dass einer festhalten, der andere einfloeßen und der dritte Probant trinken musste..
weshalb man sich doch lieber fuer Obstbaeume entschied!

Der hohe Meißner galt noch lange nach der Christianisierung als heiliger Berg.
Aus Goettin Freia (Ehe, Familie, Herd und Kinder) wurde Frau Holle,
nach der auch zuweilen der Berg benannt wird - auch "Wissener" (Weißer).
(Boese Maedchen soll sie in Katzen verwandelt haben)
Wie schon zuvor erwaehnt, schufen die Brueder Grimm die Grundlage
fuer die deutsche Sprachwissenschaft, Germanistik.
Sie begannen damit, in den Orten nach Liedern, Maerchen, Sagen,
Erzaehlungen und Geschichten aus alter Zeit zu fahnden und sie schrieben diese auf.
Ob Gaststubengeschichten, Schauermaerchen, Schwaenke und Luegen-
erstmal wurde alles an Material gesammelt und spaeter aufgearbeitet.
Schnell, oft zu schnell war die letzte Person verstorben,die jene oder diese Geschichte
noch erzaehlen konnten- selbst nicht immer des Lesens und des Schreibens
maechtig, aber gut in der Wiedergabe von ueberlieferten Geschichten.
Kinder und Hausmaerchen waren weit ueber die Grenzen bekannt,
deshalb lag eine gemeinsame Grammatik nahe, die bekanntlich erst noch erfunden werden musste..
Aufrechte Demokraten sollen die Gebrueder zudem gewesen sein -
mit der franzoesischen Revolution 1848 und ein paar Goennern im Ruecken gingen sie ans Werk,
das erste deutsche Woerterbuch zu schreiben..
Freilich ein wenig moralisierend, der Zeit entsprechend, was immer gut ankam,
schrieben sie die Sagen in ein Maerchenbuch.

Hessen ist fuer solche Dinge geradezu praedestiniert mit den romantischen Mittelgebirge:
Odenwald, Taunus, Westerwald, Rhoen, Reinhards- Kaufunger- und Habichtswald, Vogelsberg und die Wetterau..
Fruchtbare Gebiete, einsame Hoehenlagen, weite Waelder und unglaublich viele Auen
mit kleinen Muehlenbaechen sind ideal fuer Sagen.

Die Schwaelmer Tracht ist lange getragen worden, noch vor 50 Jahre bekam
eine junge Frau als Aussteuer 75 Roecke,24 Mieder, 15 Jacken, 38 Hemden, 25 Schuerzen,
40 Paar Struempfe, 100 Kissenbezuege und 50 Bett-Tuecher.
Diese Sachen mussten allerdings ein Leben lang halten..
Noch heute findet man zuweilen den Geruch vom Misthaufen in manchem fachwerkgeschmuecktem Bauernhaus,
wo das Federvieh noch frei herum laeuft..

Die Feste Ziegenhain war unbezwungen und wurde erst im 7 jaehrigen Krieg
durch die Franzosen erobert, als die Schusswaffen in Gebrauch kamen.
Napoleon muss auch da furchtbar gewuetet haben- grundlos zudem und sinnlos
alles dem Erdboden gleichgemacht- man schrieb bereit 1807.

Zum Kloster Fulda gehoerten im 12.Jhd schon 15.000 Hufen Land (1 Hufe ca 17ha)
die Fuerstaebte lebten ausschweifend im Luxus, so die Chronik.
Die Reformationsunruhen schlugen auch hier heftig zu, Besitze wechselten,
der "tolle Christian" (Herzog von Halberstadt" hat hier gewuetet,
dann kamen die protestantischen Schweden mit ihren Truppen und die Hugenotten, ebenso evangelisch.
Damals muessen unvorstellbar viele Werke fuer die Literatur verloren gegangen sein.

Die Wasserkuppe war einst bewaldet, bis die Eisenschmelzer und Glashuetten kamen-
den Rest an Kahlheit erledigten die Bauern, die ihre Tiere hier grasen liesen.
Heute eine touristische Hochburg, bietet die freie Sicht der Basaltkuppen einen besonderen Reiz.
Selbst die Botaniker sind hiervon begeistert, wie von den Hochmooren der Rhoen,
zu deren Besuch ich anraten moechten.
Ueber die reiche Tier- und Pflanzenwelt lasse ich mich hier nicht aus,
das kann jeder ueberall ganz leicht recherchieren.

Die als friedliebend geltenden Kelten waren die Kulturtraeger schlechthin,
immer wieder von den aus dem Norden eindringenden Germanen bedraengt.
Warum? Nun, weil Sturmfluten im Norden und angeblich zu wenig Platz nach neuem Land trachten lies.
Die Kelten wurden- wen wunderts- unterworfen.

Der Kreuzberg ist der heilige Berg der Franken, heiliger Berg der Rhoen.
Wie die etwas groeße Wasserkuppe in Vogelsberggebiet ein alter Vulkankegel.
Dort fand man keltische Ringwallanlagen, die zum Schutz dienten.
Der urspruengliche Name dieses Berges war Großer Aschberg,
vermutlich wegen der Farbe des Berges (Eschenbaeume) oder von "Arsenberg" als Goetterberg.
Ein Bischof "uebertrug" den Namen Kreuzberg auf diesen.
Statt keltische Rituale wurden fortan Wallfahrten gemacht- wie praktisch.

Ich lese von Brueckenhaeusern, die spaeter als Schlachhaus genutzt wurden -
Abfaelle und Unrat trug der Bach oder Fluß fort..

Schon 1700 zogen die Willinger Blaukittel-Leute in die Lande hinaus,
um die selbst hergestellten Waren "loszuschlagen", damit die Familie daheim ueber
die Runden kam: Periodisch kam der Hunger-Typhus.
Ein Zeitzeuge stoehnt: In unserer unerschlossenen Berggegend werden die Leute
von der Kirche und von den adligen Herrn wie Vieh belastet , verkauft und verschenkt.
Neben den Zehnten gaben die hohen Privatherren obiger Sorte noch Sonderlasten auf..
..mal wurde die Hute aufgeforstet und die Weide war weg.

Der Hermannsberg kennt den alten Namen "Ermenlich" oder "Berg des Irmin" noch,
der an die drei sagenhaften Ahnen der Germanen erinnert, Irminsul.
Dort sind noch lange "Heidenfeuer" entzuendet worden.



Geschichtliches



Doch nun zurueck in die Vergangenheit!
Alte Geschichten, wie die Landgaenger, die sich singend
und irgendwelche selbstgemachten Sachen verkaufend durchschlagen mussten, hatten ihren Grund:
Ein Beispiel waere ein Vogelsberg-Ort mitten im Wald,
wo aber kein Land und kein Waldstueck zugehoerig war- wie sich also ernaehren?
Tageloehner, Korbflechter, Wald- und Bergarbeiten..

1580: Der Herr von Isenburg, katholisch, wechselte vom lutherischen zum calvinistischen Glauben-
diesem Wechsel hatten die Untertanen zu folgen..

Nassau-Usingen verlangte von der Bevoelkerung eine Prinzessinnen- oder Fraeulein-Steuer,
weil die Tochter verehelicht wurde..
nicht umsonst sehe ich rot, wenn sich heute wieder Grafen in der Politik tummeln!
Der damaligen Bevoelkerung hat das ganz sicher genau so wenig geschmeckt,
wie die KFZ-Maut fuer alle, auch die, welche seit Jahrzehnten bereits Kraftfahrzeugsteuer entrichtet haben-
und deren Geld im allgemeinen Haushalt zweckentfremdet verbraucht wurde..
Nun- wir koennen heute genau so wenig dagegen ausrichten, wie die Leute im Usinger Land-
geschwind wurde der Meuterei eine Gruppe Soldaten in den Ort gesetzt,
welche die Buerger auch noch selbst bezahlen mussten: Offiziere 3 Gulden,
Wachtmeister 2, Unteroffiziere pro Tag 1 Gulden- am Tag!

Spaeter kamen preussische Soldaten und plagten die Bewohner mit "unzaehligen Forderungen".

In Ebergoens soll sich diese Geschichte abgespielt haben:
Die Badener besetzten den Ort, noetigten und erpressten.
Da packte ein alter Einwohner sein Horn ein und ging heimlich in den Wald.
Er hatte unter den Preussen als Hornist gedient und blies nun fleissig deren Angriff-Signale!
Geschwind liesen die Besetzer alles fallen und liefen, so weit die Fuesse trugen..

Tanzlinden hatten Etagen und Stuetzen, auf denen die Dorffeste gefeiert wurden.
Bis 1000 Jahre alt wurden diese Baeume, 100 Jahre dauerte es,
bis die Erziehungsschnitte die richtige Form und Staerke erreicht hatten, um eingeruestet und mit Bohlen versehen werden zu koennen..

Fuerst Ferdinand zu Solms Braunfels war ein begeisterter Jaeger,
dessen grosser Wildtierpark heute noch besteht:
1455 Fuechse, 199 Hirsche, 4497 Stueck Wild wie Rehe, Hasen, Wildenten, Feldhuehner hat er erlegt.

Nun wird mir auch klar, warum die Fuersten und Herren damals die "Voellerei"
auf Feierlichkeiten verboten und genaue Vorschriften eingefuehrt hatten:
Die Gaeste wollten den Wert der Gastgeschenke "wieder herein holen" -
sie muessen gefressen haben, bis die Schwarte kracht..
(wie heute auf den Kreuzfahrtschiffen)

Auf jeden Fall sollen die Auswuechse und Ausschweifungen fuer die Brautleute
so teuer geworden sein, dass manche in den Ruin getrieben wurden..

Januar 1841 wurde der letzte Wolf am Dreiherrenstein zwischen Wetzlar,
Weilburg und Usingen im Grenzgebiet geschossen.
"obwohl abgemagert, hat er noch 73 Pfund gewogen,
Ueber den Ruecken war er 5 Fuß und 4 Zoll Waldmaß"
Das Tier sah aus wie unser Hund, der Fang war schmaler, fuchsaehnlicher, die Ohren kuerzer, befellter, gerade.
Der Brustkasten flacher, weniger voluminoes, das Gangwerk weniger trainiert,
was man auch am geringeren hinteren Oberschenkel sehen konnte.
Die Zeichnung, Haltung, das Fell und die Ausmaße waren gleich,
wie auch das Gewicht, der maechtige Hals..

Wir schreiben das Jahr 1954 und sind eine Chronik:

"Heilig sei uns die Heimaterde, den Vaetern gleich,
Die die Heimat hier sich schufen,
Heiß sie liebten, fuer sie litten, fuer sie stritten.
Heimatliebe, wie sie still,
Geheimnisvoll ins Herz sich senkte,
Doch bei dem, der fern der Heimat,
Im Heimweh maechtig oft nach außen draengte.
Heimaterde, wie sie Jahr um Jahr
mit reichen Fruechtesegen dankte
Fuer Mueh und Fleiß, auf ihr gewandt,
Fuer sauren Schweiß, den gern sie trank.
Und wenn vollbracht das Pilgerleben
Will Heimaterde, treue Muttererd
In ihrem Schoß uns letzte Ruhestatt geben.
Den Vaetern ehrfurchtsvollen Dank
Erkenn' als heilge Pflicht das kommende Geschlecht.
Wend' liebevoll den Blick
Der Heimat fruehrer Tage zu,
Im Lebenskampf oft weise ist,
Wenn eigne Kraft und eigner Will
Sich an dem Werk der Vaeter mißt."
(unbekannter Autor)
Die Stuerme der Voelkerwanderungen haben die Alteingesessenen,
die schon lange zuvor im Limburger Raum waren oder in Obertiefenbach,
lt. Chronik nicht zur Veroedung bringen koennen.
Weite Flaechen besten Ackerlandes, kaum Wald, guenstige Wasser- und Klimabedingungen
liesen schon sehr frueh eine feste Besiedlung wachsen.
Der voellige Ausbau der Besiedlung wird wohl in der fraenkischen Zeit stattgefunden haben.
Bei Grabungen fand man 1,5mtr unter der jetzigen Ebene Straßen,
beim Aushub einer Grube war in 2mtr Tiefe eine Pflasterung- bis zu 6 Stufen bis zur Eingangstuer-
das kam wohl durch Auffuellarbeiten in sumpfigen Ecken, die beschwerlich zu befahren waren.
Der Durchstich des Kirchbergs war damals mit den vorhandenen Mitteln noch nicht moeglich-
die "Hohl" musste noch warten, bis sie nach tausend Jahren
der Besiedlung die Fahrten zum Markt erleichterte.

Was uns nach den vergangenen Zeilen nicht verwundern duerfte, beschreibt die Chronik Obertiefenbachs so:
Es waren nur spaerliche geschichtliche Quellen vorhanden,
die Aufschluß ueber die Lebensweise der Ahnen gaben-
meistens ging es um Erbrechte, Pfand und Dienstleistungen, Besitzrechte, Tausche und aehnliche Dinge.
Um so wichtiger waren die ungeschriebenen Ueberlieferungen.
Die alten Flurnamen sollen zuweilen ueberraschende Antworten auf lokale geschichtliche Frage geben,
so der Chronist.
Sie fuehrten in das Alter der Besiedlungszeit zurueck, auch wenn sie in den Schreibstuben
"unerklaerliche Abweichungen" erhalten haetten..

Es liegt nahe, daß die Siedler nahe an ihrer Wohnung mit dem Ackerbau begannen,
weil die Betriebsmittel sehr einfach waren.
Das "Ackerfeld" (Besiedlungsnamen folgen) war der Gegensatz zu der damals bevorzugten Weidewirtschaft.
"Stiegel", Sigelle oder Stiel bedeutete vielerorts ebenfalls die Grenze zum Nachbarn.
"Auf der Heide" deutet auf Oedland hin.
"Am Waeschberg" kam mit dem Bau des Klosters Beselich.
"Das Gaens-Stueck" - jeder Tiergattung war ein Bereich zugeteilt.
"Lange Weiden" haben nichts mit den Baeumen zu tun.
"Lange Strichen" waren Weideplaetze im Hinterfeld.
"Kuehweg" war der Weg des Kuhtriebs zur Weide.
"Atzelheck" hatte nichts mit Atzung, der Nahrungsaufnahme zu tun, sondern mit Atzeln, Elstern.
"Gemeinheck" trennte die Liegenschaften.
"Die Wolfskammer" deutet auf den Kampf der Vorfahren mit diesem Raubtier hin.
"Uhlkaut" hier wurde nach Ton gegraben.
"Pfandgraben" - hier mußte gefaendetes Vieh hin gebracht werden.
"Muehlweg", noch 1353 "der muhlen weg" genannt, fuehrte zu den Muehlen.
"Straßenwasem" - ein Verbindungsweg.
"Herrenwasem", ein Wiesenstueck, das wegen Armut an eine Herrschaft verpfaendet
werden mußte- das kam wohl oefter vor.
"Warthstueck" kommt von Wachposten.
"Siechhaus" - außerhalb der Wohnstaetten brachte man die Pestkranken unter.
"Klinkert", Schlagbaum, Riegel, Durchgangsstelle- aus der Fruehzeit der Besiedlung.
"Theisenwiese" kommt vom Personennamen "Matthias".
"Kassel" soll von Befestigung kommen, aber auch von gallisch-roemisch "Casel" (Eiche),
andere Behauptungen sprechen von "Kastell".
"Demersboden" von "Dymer oder Demer", ein Eigenname.
"Rosenacker" Oedland mit starkem Wildrosenbewuchs.
"Kirchengraben" - zum Brauchland des Pastors gehoerig.
"Junkernwasem" - zu Rittern oder Junkern gehoeriger Besitz.
"Grundelswiese" vermutlich eine falsche Schreibweise von "Gruendelwiese" Grennel, Grenel,
Grindel, ahd. grintil, Schlagbaum, Sperre.
"Bitz" - vor dem Dorf gelegene Parzellen mit Baeumen, Flachs, Kraut oder Hanf.
"Paadsbach" - Pferdebach, Traenke.
"Am Broil" - Bruehlgasse, neuer Weg.
"Frauwies" oder "Freiwies" dreieckiger Flurbezirk an zwei spitz schneidenden Wegen - aber:
Vom altdeutschen Wort "fro" - der Herr, wurde im Genitiv ein w angehaengt, frow, des Herrn.
Der Chronist meint, dass dort, wo wir "Frau" in den Flurnamen finden, ist wohl eher "Herr" gemeint.
V wurde mit U als gleichbedeutend gebraucht, manches wurde aus Unwissenheit verdreht, wie z.B.
"Gompeljakobsgraben", der auf den Rompelhof (den es heute noch gibt) hinweist.
"Reifelsberg", ehedem Richelsberg, spaeter Reichelsberg.
"An der Pfaffenruhe", dort wurden tatsaechlich die Geistlichen beerdigt.
"Die Schießheck", wo traditionell in jedem Ort mit Armbrust und Buechse geuebt
und Wettbewerbe ausgetragen wurden.
Weitere seltenene Gemarkungsbezeichnungen, wo jeder wusste wohin der Weg ging:
Niederfeld, Haynloh, an der Pfaffenkaut, Uff dem Pfaffenpfad, Widumhofe, (Pfarrgut),
Schirmwies, Pledt, Ackerfeld, Am Schneckenbaum, am Ureßpul, Froschpuel, Kriegerbaum, Hammelsmorgen, am hintersten Hasengraben,
am wilre Payd, in den Zehlen, auf dem Gauch, Oberfeld, unter den Hairstellen,
in Maches Gihrn, (Dreispitz) an der grehwieß, am schluesseligen Morgen, im Hinterfeld,
bei dem Eisenburn, beim Hundbirbaum, im schuer Grund, am lieb Frauen Hob, an der Wolfskaut, (Fanggrube)
an der Igelsheck, am krummen Morgen, am Jlet, dam Saumagen, am Steinackerfeld, Helljestock, Steinloe.

Etwas Lesebeispiel alter Schriften gefaellig? Bitte sehr, aus dem Jahr 1353:
Diz ist das velt geyn Merinberg. Zu dem ersten: Item by Guden dorn 3 stucke,
dy da haldent 2 Morgen. Item 1 stucke uf der heyde, daz heldet 1 morgen.
Item by Eyzen burn 1/2 morgen. Item by der gruben 1/2 morgen. .. item 1 morgen obir Beseleycher weyg...

Das war nur eine Flurbeschreibung der Besitztuemer zum Limburger Hof, der 1,5 Seiten lang ist.

Kellersweg und Milchkammer warem im Rittertum 11-12Jhd. bekannte Flurnamen,
weil hauptsaechlich Weidewirtschaft betrieben wurde- die restl.
Lebensmittel und Waren kamen als Frohnabgabe herein.
Der Keller, manchmal auch Kellner genannt, verwaltete die Zehntscheune und die Einnahmen.
So erklaert sich der "Kellersweg" ganz leicht.
"An reichlicher Versorgung mit Milch, Milcherzeugnissen und Fleisch mangelte es gewiss nicht" So der Chronist.
Die Adelsfamilien wurde auf eigenen oder separaten Friedhoefen beigesetzt, zuweilen auch in der Kirche.

Von dem zwischen Obertiefebach und Ahlbach gelegenen Ort Schuy ist nicht viel ueberliefert,
er fiel schon vor 1531 wuest.

Die vielfaeltige Unfreiheit des Bauernstandes hatte in der Wehrpflicht nochmal einen Gipfel,
zumal auch noch die Kriegsausstattung aus eigenen Mitteln bezahlt werden musste..
So mancher hat damals einen Besitz lieber an den Herren gegeben, um davon befreit zu sein -
so war nur der Zins und Zehnt zu zahlen, eine Summe gab es auf die Hand.
Die zuweilen schlechten Ernten, die staerker gewachsene Einwohnerzahl
lies das Geld schnell schrumpfen und die bis jetzt Freien in Hoerigkeit oder Leibeigenschaft geraten.
Die Leibeigenen galten wie Ware- sie konnten und wurden auch schon mal verhoekert
von den als besonders gierig geltenden Runkeler Herrschern.
Das hin- und herfluten der Bevoelkerungszahlen laesst auf den schwarzen Tod schliessen,
wenn nicht gerade einer der zahlreichen Kriege und Fehden lief.

Das "Schatzungsregister" des Jahres 1617 von Obertiefenbach zeigt, wie die Vermoegensverhaeltnisse so waren:
Von 48fl. bis 2128fl. war alles drin, die Mitte lag wohl bei 5-600fl. -
der Pfarrer hatte 1238fl., also deutlich besser gestellt als alle anderen Bewohner, egal was sie taten.
Bis auf 4 weitere Leute besaß er das fetteste Vermoegen (von 76 Bewohnern)

Als 1648 endlich wieder Frieden war, hatte Obertiefenbach nur noch 13 Familien
und eine sehr hohe Schuldenlast, wie viele Orte der damaligen Zeit.
Durch soldatische Erpressungen und Verpflegungen, Pluenderungen etc.
Notverkaeufe wurden vorgenommen, von privat, aber auch von ganzen Gemeinden!
Den jungen Grafen traf es nicht besser, deshalb musste er als Faehnrich in Stellung gehen,
damit Geld herein kam.
Er wollte bei den Hadamarer Verwandten Geld leihen, die Graefin Ursula lehnte aber ab
und verwies auf die Moeglichkeit den ganzen Ort Obertiefenbach zu verkaufen... !
Der Absolutismus nahm sich, schacherte und verjubelte- wie es gerade passte.
Ob Felder, Waelder, Wiesen, Liegenschaften oder Menschen- ganz egal.
"..wem die Person zustehe, dem gehoere auch ihr Vermoegen"

Die Aushebung deutscher Maenner fuer seine Truppen machte Napoleon nicht beliebter,
aber die Steuerschraube war zu hart, als daß der Stolz vom sich selbst verkaufen abhalten konnte.
Eiserne Kralle des Staates, Zensur und Druck schuf die Gemengelage fuer den Bauernaufstand,
bei dem alle Bewohner mitmachten, die eine Mistgabel tragen konnten.
Nach dem Jubel der Befreiung kamen die Kriegslasten..

Sehr viel spaeter, 1946 kamen Kriegsfluechtlinge auch in diesen Ort zugeteilt-
was auf heftige Probleme stoßen mußte, weil die Bauart der Haeuser kaum eine 2. Familie
oder Einzelpersonen aufnehmen konnte.
Bei nur 1350 Einwohner kamen fast 500 Leute dazu!
Leider waren nur wenige Landwirte darunter,dafuer aber andere Handwerker,
die sich ihr Zubrot zur staatlichen Hilfe hinzu verdienen konnten.
Es waren meist aeltere Leute und Kinder, also eine heftige Soziallast zu dieser Zeit nach dem Krieg.
Billige Grundstuecke, billiges Bauholz und Baumaterial und sonstige Hilfen waren noetig,
damit in der kuerze der Jahre die neuen Buerger bauen konnten.
Einheimische bekamen billiges Baugeld, wenn sie sich verpflichteten fuer 10 Jahre Kriegsfluechtlinge
im Haus aufzunehmen.
Deshalb haben meine Eltern zwei Stockwerke gebaut- spaeter kam das uns Kindern zu gute.
Wie in vielen kleinen Orten war die Landwirtschaft oder der Nebenerwerbslandwirt oder der Gaßebauer die Quelle der taeglichen Ernaehrung- ein muehsames Geschaeft.

Frueher, im 30jaehrigen Krieg waren die Naturprodukte nochmal sehr viel mehr wert:
Pro Morgen warf die Wiese (mangels Duengung) nur einen zweiraedrigen Karren voller Heu ab-
entsprechend waren die Preise:
30fl- was dem Wert von 5 Kuehen gleich kam!
Dieser Krieg warf die Entwicklung um Jahrzehnte zurueck.
Aus einer verwilderten 3-Felder-Wirtschaft neu zu starten, war ein steiniges Geschaeft.
Noch 1766 waren diese Abgaben zu entrichten: Schatzung (Vermoegenssteuer), Dienstgeld,
(abgeloese Frohndienste), Weinfuhrgeld, (abgeloeste Rheinfahrten) Weidegeld, Herbstrenten fuer jede Person
auf dem Hof oder im Haus, Wegegeld, Weinakkies, Bierabgabe, Weinbrandabgabe- je nachdem was einer nebenbei betrieb,
Geißengeld, Soldatengelder (statt Wachdienst zu schieben), Maibutter
(von jedem Stueck Butter wurde abgezweigt), Judenschutzgeld, (je nachdem wieviel davon im Ort lebten)
Zehntpfennig bei Wegzug, Ziel- und Kriegsgelder, Brandholzfahrt.

Durch die "Kirchenordnung" gab es zusaetzliche Strafen:
Versaeumen der Messe, Predigten, Zechen im Wirtshaus, "Hantieren, Verkaufen und Feilhalten" am Sonntag,
desgleichen Strafen fuer Arbeiten wie Grasen, Waschen, Backen, Brauen, Pfluegen, Fahren,
knechtliche Arbeiten vor oder nach dem Gottesdienst.
Die Kinder nicht zu Kirche schicken, im Gottesdienst "schwaetzen", Schulden einfordern,
zu spaet zum Gottesdienst kommen oder zu frueh gehen, und vieles mehr..
Haarklein aufgedroeselt von ein paar Keuzern bis einen Gulden.

Gegen Mitte des 18.Jhd. kam die Stallfuetterung und der Kartoffelanbau-
hundert Jahre spaeter war die Kartoffel bestenfalls Sonntagsspeise-
ein mittlerer Bauer mit normaler Ernte brachte gerade mal 4-5 Zentner davon zur Einkellerung..

Zum Vergleich: Meine Eltern haben mit 3 Kindern ca 15-20 Zentner eingekellert, um ueber die Zeit zu kommen.
(Die Kartoffeln und auch das Gemuese waren keinesfalls -wie heute- fast das ganze Jahr ueber guenstig zu haben!)
Heute brauchen wir im 3 Personenhaushalt ca 250 Kilo, also 5 Zentner das ganze Jahr.

1817 soll durch die starke Parzellierung der Gewanne (Aecker, Stuecke) gut ein Drittel ungenutzt gewesen sein.
Dann kam die Flurbereinigung- weil durch den dringenden Straßenneubau (Begradigung)
die Felder nochmal weiter zerstueckelt wurden.
Unwegsame Sumpfauen wurden trocken gelegt, Wege angelegt, Hecken beseitigt,
Windungen der Gewaesser begradigt- alte Fahr- und Gehwege entfernt, so kamen neue nutzbare Flaechen zur Bearbeitung.

Jedes Vierteljahr gab es den Ruegentag durch den Schultheißen, wo alle "Vergehen"
haarklein aufgelistet und beglichen wurden.
Wer vor der Morgen oder Abendglocke huetete, wer nach dem Michaelstag in den Wiesen huetete,
wer einen fruchtbaren Obstbaum abhaut- doppelt so teuer, wenn es auf fremdem Grund war, Obstdiebstahl,
gestaffelt nach Wiederholungsfaellen, wer das Amt des Feldschuetzen vernachlaessigte, wer eines Andern
Zaun bestiehlt, wer die Frucht nach Hause fuhr, ohne zuvor den Zehnt abschaetzen lies,
wer auf anderem Grundstueck ueberackert, wer den Grenzstein vorsaetzlich ausackert, wer gegen die -ausgedehnte-
Forstordnung verstieß, wo zuweilen nicht mal Bohnenstangen geholt werden durften.

Gerademal 17 Schuh breit war so manche Landstraße, mit Schlagloechern und Bachdurchfahren
oder Furten - wie beschwerlich das Reisen darauf war, kann man sich leicht vorstellen.
Einfach mal so "neu machen" hieß fuer die Buerger der anrainenden Gemeinden Frohndienste
nebst Baumaterial- kein Wunder, daß solche Vorhaben gerne verzoegert wurden.
Zuweilen fuhren die Kutschen lieber ueber den bearbeiteten Acker, als auf der "Straße"-
um keinen Achsbruch zu riskieren- das beschleunigte den Arbeitswillen doch ein wenig..
30 Gemeinden wurden letztlich verpflichtet,die Straße auf 10mtr Breite auszubauen.

Mit Hacke und Schippe, nicht mit dem Bagger, mit der Handstampfe, nicht mit der Motorwalze.

Spaeter war man froh, im Straßenbau ein wenig Geld verdienen zu koennen,
als 1816 eine Mißernte war und die neuen Alleebaeume gepflanzt wurden.
540 Obstbaeume, 40 italienische Pappeln - mit den zugehoerigen Pfaehlen ein teuerer Spaß
fuer die kleinen Gemeinden.

(Der Vorlaeufer der heutigen B49)

Mit dem Wegfall der Zollgrenzen 1830 ging es endlich berauf, heftiger Warenverkehr entstand.

Das Szenario:
Zum heimischen Verkehr kam der Schwerlastverkehr mit Planwagen großer Handelsherren dazu,
gezogen von einem kraeftigen Doppel- oder Vierergespann.
Gefuehrt von blaubekittelten Fuhrleuten- der ohne Pfeife und seinem treuen Begleithund
"nicht zu denken war", wie der Chronist schreibt.
Dazwischen trabten die leichtfuessigen Rosse im Dienste eines reiselustigen Publikums
oder des amtlichen Postverkehrs.
Vertraut und anmutig klang das Horn durch Berg und Tal..

1816 aenderte man die Schlachtabgabe fuer Juden, die die Zunge jedes geschlachteten Tieres
zum Schutzgeld abzuliefern hatten.
Manche hatten das Backhaus gepachtet und nahmen Backlohn als Baecker.
Die Dorftrommel, die noch aus der franzoesischen Zeit kam, wurde durch die Glocke abgeloest,
wo amtliche Bekanntmachungen "ausgeschellt" wurden..

In den Wirren der Zeit stritten sich die Herrschaften um die Besitzungen- die Folge war,
dass machmal zweimal Abgaben gefordert und bezahlt werden mussten..
"ruecksichtslos durchgefochten", wie die Chronik berichtet.

Um den Zehnten kloppten sich die Grafen und die Kirchenleute gleichermaßen-
deshalb auch diese langen Strafregister in aller Willkuer!

Probleme gab es mit den Freudenboellern- die mit "Katzenkoepfen" ausgefuehrt wurden
(Basaltpflasterstein)- einem Manne sei dabei das Bein zerschmettert worden..

Kirchen wurden -fuer die damaligen Verhaeltnisse- mit unvorstellbar hohen Mittelaufwendungen gebaut.
1780 soll der Blitz beim Gewitterlaeuten in den Turm eingeschlagen sein,
was diesen krumm werden lies. (musste neu aufgebaut werden)
1930 tobte ein Orkan, der festsitzende Wetterhahn bot genug Widerstand,
dass der Sturm das 5 1/2 Zentner schwere Kreuz auf dem Turm verbog,
das spaeter -etwas gekuerzt und gerichtet- wieder installiert werden mußte.

Der 30jaehrige Krieg brachte alles durcheinander, so kam die Bildung erst im 18.Jhd wieder in Gang-
die Lage kann man sich leicht vorstellen.
(In den Staedten war die Lage der Schulen etwas besser)
Auf dem Dorf hatten die Schulmeister nur eine relativ kurze Anlernzeit,
ansonsten waren es meistens paedagogisch unbedarfte Handwerker,
die nebenbei noch ein wenig verdienen wollten.

Von Michaelis bis Ostern ging die Schulpflicht, manche Eltern schickten die Kinder erst
nach Ostern wieder zum Unterricht, um Schulgeld zu sparen.
Von 7-10 und 12-15.00 war die Schulzeit.
An Sonn- und Feiertagen war eine halbe Stunde vorher zu erscheinen
(der Sprachduktus ist heute noch in amtl. Schreiben zu spueren).
Hier wurde das Evangelium des Tages vorgelesen, Lieder durchgesungen, dann geordnet zur Kirche gegangen..

Immermann und Goethe waren gerne an der Lahn, in unserer landschaftlich begnadeten Gegend,
auch Brentano schuf romantische Werke darueber.
In Wetzlar, der alten Reichshauptstadt, wo das Reichskammergericht war,
waren die meisten Assessoren, Richter, Praesidenten und Prokuratoren von Adel;
weilte ein "Buergerlicher" unter ihnen, wurde er grundsaetzlich mit Mißachtung
und Verachtung und Demuetigung bedient, besonders seitens der Damen, wie die Chronik berichtet.
Dem war der braunschweigische Legationssekretaer Jerusalem nicht gewachsen,
der auch noch eine unglueckliche Liebe erlitt- zusammen mit "Mißhelligkeiten"
von seinen Vorgesetzten, war das dem jungen Mann zuviel.
Er verlor das Gleichgewicht und nahm sich durch eine Pistole das Leben,
die Grundlage zu "den Leiden des jungen Werther", wie Goethe ihn schrieb.
"Der nuechterne, aber innerlich wertvolle Verlobte Charlotte Buff's, Kaestner,
war aus anderem, haerteren Holz geschnitzt.
Seine menschliche, reife und verstehende Haltung dem Freunde Goethe gegenueber
verhinderte vielleicht - bei dessen damaligen Zustand - eine aehnliche Tragoedie."
Weiter berichtet der Chronist des Buches aus dem Jahr 1941:
"Dem Adelsduenkel seiner Umgebung stand allerdings auch Goethe mit groeßerem Gleichmaß gegenueber.
Er hatte seinen Stolz als Reichsstaedter, er besaß Verwandte unter den Geheimraeten,
das Gefuehl seines Selbstwertes machte ihn innerlich frei.
Und dann war er ja so ganz erfuellt von dem anderen, Großen, in seinem Innern,
von der ersten wirklichen Leidenschaft seines Lebens,
daß all das an den Kern seines Wesens nicht ruehrte."

(Kaestner wohnte im engen Viertel der Handwerker, in den schmalen Gassen der Altstadt)

Als Straeflingsarbeit gedacht, wurde der Villmarer Marmorbruch im 18.Jhd zur Industrie.
Die Nassauer Fuersten liesen sich ihre Schloesser ausschmuecken,
als gefragter Exportartikel wurde Marmor verschickt.
Spaeter kam billigerer auslaendischer Marmor in Konkurrenz,
weshalb man zuweilen den einheimischen unter fremd klingenden Namen verkaufte.
Alle wichtigen Gebaeude der Welt waren damit ausgeschmueckt,
denn es war einer der farbenpraechtigsten Vorkommen dieser Art.
Erst nach der Bearbeitung kommt der Adel dieses Kalksteins ehemaliger Korallenriffe zum Vorschein.
Geschliffen und poliert.
In warmem Grau, in Gelb, in rosa- oder dunkelroten Toenen, mit weißen oder gelben Tupfen,
in Silbergrau, schwarz oder weiß geflammt.
Die Bloecke wurden nicht aus dem Fels gesprengt, sie mussten herausgeschnitten werden,
um nicht zerstoert zu werden.
Mit duennen, mehrfach uebersetzten Draehten ueber lange Bahnen und Rollen hat man das geschafft.
Das Zerlegen und Schneiden fand unten im Werk an der Lahn statt.
Eine Anzahl Saegen ohne Zaehne, parallel angeordnet fressen sich mit Hilfe von Sand
und Wasser in den Stein und zerschneiden die Bloecke in große Scheiben,
die dann nach Kundenwunsch weiterverarbeitet wurden.
Die Turbinenkraft der Lahn half beim Weiterverarbeiten und Polieren,
was in zig Gaengen gemacht werden musste- Marmor ist hart.

Das Limburger Becken war schon immer Sammelpunkt aller wichtigen Straßen des Reiches,
reiches Bauernland, viel Macht- zuweilen bis 2000 berittene mit Roß und Harnisch zum Schutz der Stadt.

Der Ratschreiber Tilemann Elhen von Wolfhagen schrieb in seiner zeitgenoessischen
Limburger Chronik wohl vieles ueber das wirkliche Leben,
von den Leiden und Freuden des kleinen Mannes, von seinem Fuehlen und Denken.
Von ihm stammen viele mittelalterliche Eindruecke, so auch dieses Lied vom Maedchen,
das wider Willen Nonne werden sollte:
"Gott gebe ime ein verdurben jar
Der mich machte zu einer nonnen
Und mir den schwarzen mantel gab
Den wißen Rock darunden.."

Er schrieb wie teuer der Wein, wann das reife Korn geschnitten,
vom modischen Wechsel der Kleidung bis zum schwarzen Tod.
Von den Geislerbruedern, von den Erhebungen des Volkes gegen die Juden,
von der Tanzwut und den aussaetzigen Moenchen.
Limburgs Domschatz hat viel religioeses Geruempel, aber auch Dinge von unschaetzbaren Wert-
wie die Mitra mit 2900 Diamanten und seine Anhaeufung von Edelmetallen, wie die Chronik schreibt.
(Die Prunksucht der Kleriker war nicht besser als die der Fuersten)
Man schrieb von einem "Arbeiterdichter" Gerrit Engelke, einem "Tuenchergesellen",
der in schwindelnden Hoehen seine Arbeit an den Fassaden tat, in rauchiger Luft.
Er haette an der Lahn seine "vom Allgefuehl gluehenden Dichtungen geschaffen",
so die Lektuere. Nur 27jaehrig erhielt er 1918 die toedliche Verwundung.
Der Wahlspruch wurde ausgegeben: "Viel leisten, wenig hervortreten, mehr sein als scheinen" -
leider in unseeliger Zeit des Ameisenstaates des "Fu ehrers", das das Volk blind in die Schlucht ohne Erbarmen fuehrte,
aus der es kein Entrinnen gab.
Heute ist der politische Wahlspruch eher umgekehrt zu formulieren?
(Wohin das fuehren wird, kann ich nicht sagen- die Hoffnung stirbt zuletzt)

Noch eine Geschichte aus Diez:
Die Graefin Sophie Hedwig verwaltete die Grafschaft fuer ihre beiden Soehne,
als sie 1634 von den Schweden gezwungen wurde, die Lahnbruecke sprengen zu lassen,
um den kaiserlichen Truppen (Preussen) den Durchmarsch zu verwehren.
Kaum war danach die hoelzerne Notbruecke errichtet, kam die Meldung, dass die Spanier unter dem Kardinal !
Don Fernando heran rueckten um die Stadt zu besetzen.
Die Einwohner verbarrikadierten sich, weil sie wußten:
Der Gemahl der Graefin kaempfte fuer die Niederlande gegen Spanien, wodurch er fiel.
Man lud sein Hab und Gut auf Wagen und vermutete, dass bald die Flucht sein wuerde.
Die Graefin baute sich im besten Hofstaat mit ihren Edelfraeuleins auf
und lud den Grande zum Mahle auf das Schloss ein..
Hoefische Gastlichkeit, geistvolle Unterhaltung und vor allen Dingen die starke Persoenlichkeit
der Graefin zeigten Wirkung.
Der Feldherr zeigte sich als Kavalier und versprach die Stadt in Ruhe zu lassen und bald weiter zu ziehen-
er winkte generoes nach Art der Spanier zum Abschied - und zog nach Flandern weiter.

Ueber Obernhof an der Lahn ist eine Aussichtsstelle, der "Goethepunkt",
von dem man das Kloster Arnstein in schoenster Pracht sehen kann.
Goethe bezeichnete diese Stelle als einen der schoensten Stellen der Lahn.
(Parken auf der anderen Lahnseite, rechts von der Bruecke abfahren, vor dem Campingplatz)



Geschichtliches


Mit hessischen Burgen wird es weiter gehen mit meinen Zeilen "Geschichtliches"!

Im 10.und 11. Jhd. verliesen die Herrschergeschlechter,
geistliche und weltliche Fuersten die Orte und siedelten ausserhalb, bevorzugt oberhalb an,
bauten massive Burgen.
Zur Verteidigung und Repraesentation ausgelegte, allemal suendhaft teuere, in Fronarbeit erbaute Gemaeuer.
Reiche Dynastien bauten mehrere Burgen, wohnten aber nur in einer-
die anderen wurden Vasallen vergeben, "Ritter" oder Voegte genannt.
Die Anwohner der Burgbezirke wurden zum Mitunterhalt verpflichtet,
weil sie im Schutz der Burg (Buerger) lebten.
Die Zeit der Burgen kann von 900 bis 1524 n.Chr. angesetzt werden.
Danach kamen sie aus der Mode, weil sie den Feuerwaffen nicht mehr viel entgegensetzen konnten.
Die meisten Burgen verfielen, weil die Funktion -s.o.- verloren ging oder die Gebiete
"konsolidiert" wurden oder die Geschlechter ausstarben.
Manche wurden als Steinbrueche verwendet, andere wurden festungsmaeßig ausgebaut
und noch weiter betrieben, in so einigen wohnt noch immer die angestammte Familie und deren Nachkommen.
Aus Turmburgen mit Wassergraeben, die Nachfolger von Fliehburgen
mit Waellen wurden grosse Verteidigungsanlagen.
Sogenannte Halsgraben schotteten die gerne auf Felsvorspruegen oder Kuppen gebaute
Burgen vor Feinden aus dem Hinterland ab.
Gebuecke sicherten die Haenge, Wassergraeben und Geroellhalden ebenso.
Keine Burg gleicht der anderen, sie wurden an das Gelaende angepasst.
Schoen sollte die Burg eigentlich nicht sein, auch wenn die spaeteren Generationen
so manche als Renaissance-Schloss ausgebaut haben.
In manchen sind heute Gaststaetten, Seminar-Hotels und Jugendherbergen untergebracht.
Im fruehen Mittelalter wurden sehr viele Burgen durch aufstaendige Bauern zerstoert.

Als Beispiel kann die auf dem Basaltkegel gelegene Burg Falkenstein gelten,
wo nur noch Reste des Palas, ein Fenster und eine Ecksaeule mit Kamin, sowie ein Stueck der Schildmauer uebrig geblieben sind.
Ein paar Wall- und Grabenreste sind noch sichtbar.
Zu Anfang des 14.Jhds. zerstoert und verpfaendet.
Spaeter kam ein Burgfrieden, dann der Sternerkrieg, der Streit mit dem Landgrafen, wo die Haelfte blieb,
dann wurde sie wegen tapferer Dienste vergeben, dann wieder als Pfandbesitz mehrerer Ganerben,
dann als Mannlehen vergeben. Als das Geschlecht ganz ausstarb, fiel der Besitz an Hessen,
im 30j. Krieg wurde vieles abgebrochen.

12.-15.Jhd war der Hessisch-Thueringische Erbfolgestreit um die Vorherrschaft in Hessen.
13. Jhd. die Sponheimer Fehde. Adelsaufstand.
14. Jhd. Rheinischer Zollkrieg.
13.-14.Jhd. Dernbacher Fehde, zwischen dem Nassauer Grafen und den Adligen von Dernbach.
14. Jhd. Reichskrieg gegen die Falkensteiner
14. Jhd. Sternerkrieg, Adel gegen Adel.
15. Jdh. Hessischer Bruderkrieg, Erbsoehne gegeneinander.
16. Jhd. Bayrisch-Pfaenzischer Erbfolgekrieg - dto.
16. Jhd. Bauernkrieg.
16. Jhd. Schmalkaldischer Krieg, seltsamer Glaubenskrieg.
17. Jhd. 30jaehriger Krieg, dto.
17. Jhd. Hessischer Krieg, Vorlaeufer und Grund zum obigen Krieg.
18. Jhd. 7jaehriger Krieg, grob: Preussen gegen Oesterreich mit ihren dtsch. Kleinstaatenverbuendeten.
18. Jhd. Franzoesischer Revolutionskrieg, zu oben.

Der Kriege gabe es viel zu viele und die meisten kamen aus Gier, Neid, Mißgunst,
Habsucht, Religion und Duenkel oder gegen Unterdrueckung aus vorgenannten Gruenden..

Aus Irland kamen die Moenche, kam Bonifazius zu uns um den "himmlichen Frieden" zu bringen
und nun lese ich, dass in Irland weibliche Saeuglinge systematisch "entsorgt" wurden,
ob damals oder "nur" 1921-1961, kann ich freilich nicht sagen.
In den angegebenen Jahren wurden 800 Kinder eines Heimes fuer ledige Muetter,
das einst vom Orden der Bon-Secours-Schwestern gefuehrt wurde, in einer Klaergrube landeten.
Diese "Kinder der Schande" sollten nicht in "geweihter" Erde begraben werden.
Die Kinder "gefallener Frauen waren dann weg.. Vor einigen Jahren erfuhr die Welt,
dass 30.000 Kinder zwischen 1940-1970 in staatl. gefoerderten kirchl. Kinderheimen,
sogenannten Arbeitsschulen systematisch verpruegelt, vergewaltigt und gedemuetigt worden sein sollen.
Gottgefaellige Schandmale sind das allemal.

Stuck-Rosen: Unter Rosen als symbolische Kraft sind Worte zu sprechen,
die nie nach aussen getragen werden sollen..

Der Adel hat sich immer schon Geld von seinesgleichen Leuten geliehen,
selbst die Weilburger Grafen mussten sich was leihen, wenn es im Augenblick ueber ihre Verhaeltnisse ging..
wurde etwas "verwechselt" oder der Kurs falsch gesteckt, gab es Fehden,
die zuweilen Generationen ueberdauerten.
Fehdebriefe bis zur Belagerung und kriegsaehnliche Auseinandersetzungen waren immer mal drin.
Anteile an dem Zehnt an weiter entfernten Orten oder auch Teile daran,
wurden verpfaendet oder verloren oder verschachert oder verliehen.

So kaempfte manchmal ein Erzbischof gegen den anderen Erzbischof- nicht nur Fuersten gegen andere Adelsleute..

Wenns um das liebe Geld und um die Macht ging, da gaben sich beide nichts,
zumal die beiden Lager oft aus einer Familie stammten!

In so manchem Wassergraben der Burganlagen hat man jede Menge Scherben, Keramiken,
Dokumente und Muenzen gefunden..

Steinerne Kugeltoepfe dienten vor der Metallkessel-Zeit: Alle Speisen wurden darin zubereitet,
man hat ueberall in Europa mit den Fingern gegessen und deshalb waren die Speisen zu zubereitet,
dass das moeglich war. Duenne Suppen gab es wohl keine ;)
Brei und zu Mus gekochter Hafer und Gerste, Hirse und Gemuese oder Pasteten im Teigmantel, Fleisch am Spies.

Es ist ueberliefert, dass ein Keller seinen Schwiegervater bei sich wohnen hatte,
der ehemals selbst als Keller taetig war- dieser hat fleissig alles aufgeschrieben,
was die Nachbarn "falsch gemacht" hatten.
Seine Auflistung der Verfehlungen hat man im Burggraben gefunden. (Elkerhausen)

Das Studium der Vergangenheit oder Geschichte wirft einen Lichtschein in die dunkle Zeit
und erhellt die Zusammenhaenge, die unsere Entwicklung beeinflußten-
so koennen wir unser eigenes Leben aus einer tieferen Persektive sehen.

Fuerstliche Archive, das Stadt- und das Staatsarchiv helfen dabei zuweilen.
Was ist wichtig, was ist nebensaechlich? Der Leser mag sich selbst heraussuchen,
was er oder sie fuer interessant oder relevant erachten.

So ist die Geschichte des kleinen Ortes Langen, suedlich von Frankfurt / Main ein Beispiel,
wie im Laufe der Zeit sich alles aenderte.
6-700 Einwohner zu Beginn des 30jaehrigen Krieges, magere Feldausbeuten, aber viel Wald,
ein paar Muehlen, liesen viele Einwohner nach weiteren Verdienstmoeglichkeiten suchen.
Vorspann- und Transportdienste waren da ein gangbarer Weg, der einige Bewohner ernaehrte.
Reichtum, Kunsthandwerk oder bluehendes Handwerk suchte man dort vergebens,
desgleichen gutgestelltes Buergertum.
Weil- und nun muss ich ein wenig ausholen- dort durch Landschaftssenkung ein "oberrheinisches Binnenmeer"
entstand, war spaeter, als dieses abgelaufen war, viel Sand- und Kiesboden vorhanden.
Fruehgeschichtliche Funde aus der juengeren Steinzeit hat man genug gefunden, in dem Gebiet,
das schon von jeher Wald war und vermutlich nur bei der Jagd durchquert worden war.
Keramische Funde ackerbauender Staemme fehlen ganz.
An Bodenverfaerbungen erkennt man Abfallgruben- so wurden Fundstuecke aus der fruehen Eisenzeit entdeckt.
Die Besiedlung war sehr duenn, nach den Schnurkeramikern kam die Bronzezeit mit ihren typischen Huegelgraebern,
aus der abstammungsmaeßigen Uneinheitlichkeit erwuchs wohl ein dauerhaftes Miteinander und Verschmelzen der Kulturen.
Hirten und Viehzuechter waren sie, das hat man herausgefunden.
Die Urnenfelderkultur (Ackerbauern) folgte in ein klimatisch veraendertes Gebiet nach-
ob die Bronzzeit-Leute vertrieben oder ausgestorben sind, weiß wohl keiner.
Die keramischen Funden sind laenger als anderswo - bis in das 2.Jhd. n.Chr. nachweisbar.

Hier war man abseits der großen Voelkerwanderungsstraßen, die immer den Fluessen folgten.
Spaetere Funde belegen einen guten Tauschhandel zwischen Roemern und den Einheimischen
der ganzen deutschen Gebiete.

Wie schon erwaehnt, kann man manche Gebiete eher durch die Namensgebungen zuordnen, als durch Grabungen.

Der Ortsname "Langen" (vermutlich alemanische Gruendung) wurde in der Sterbeurkunde
Koenig Ludwigs aus dem Jahr 834 ueberliefert als "Langungon".
"ungon" als Dativ im Plural, (wem) als eine Zugehoerigkeit zu einem Stammwort.
Die Gruender der Stadt hießen Langolf, also "Lang".
Als die Franken die Alemannen nach 500 verdraengten, behielten sie den Ortsnamen jedoch bei.
Den Koenig Ludwig nannte man den "Deutschen" - er schenkte dem (Benediktiner)
Kloster Lorsch seine Kirche, das ganze Land:
Warum? Nun, der wollte die Gunst der Klosterleute, die als hoechste Klosterklasse
im Kriegsfalle Soldaten stellen mussten, gegen seinen Bruder Lothar erhalten, welcher seinen Vater,
den "Frommen Ludwig" in Gefangenschaft hielt..
In dem folgenden unseeligen Kampfe gegeneinander, merkwuerdigerweise kaempfte nun sein Bruder
UND der Vater gegen sein Heer, das angerueckt war.
Dagegen konnte der "Deutsche" nicht gewinnen und so schlossen sie lieber Frieden..
Das Kloster Lorsch hatte maechtige Beschuetzer, wie jedes Kloster einen eigenen Vogt hatte,
der selbst stark genug war, Grafen und Pfalzgrafen waren darunter.

Die Chronik schreibt, daß die maechtigen Schirmvoegte des Klosters die Schwaechen
und Sittenlosigkeiten der Insassen ausnuetzen und jenen
nach und nach den Rueckhalt unter dem Hintern veraeusserten..
Der Abt Konrad -im Jahr 1153- muss die Verschwendungssucht und Haltlosigkeit besonders schlimm getrieben haben.
Die Moenche war nicht viel besser, so daß Papst Gregor IX eingreifen musste.

Langen besaß zwei Wildhuben (Forstaemter), wozu jeweils ein Wohnhaus,
ein Backhaus, eine Scheuer, ein Sattelhof und ein Hundehaus gehoerte.

Ministeriale, stets adlig, koenigliche Beamte versuchten als Voegte moeglichst
viele Lehen-Orte an sich zu reißen- satt wurden die nie. Wie heute die Politiker?
Es wurde geschachert, getauscht, gekauft- belehnt was das Zeug hielt.
Geschwind heiratet man hier und da ein, nannte sich so und so, vergroeßerte den Besitz
und den Einfluß- so wurden unsere wertvollen Kulturtraeger groß und stark.
Neu heute werden sie von Moderatoren des Fernsehens und der Regenbogenpresse umgarnt und umschmeichelt-
unverdient, weil es doch eher handgemeine Raeuber und Erpresser waren,
die sich mal eben in der alten Zeit dieses oder jenes Erbstueck "zugesprochen" hatten,
notfalls in der 3. Ehe.
Wenn es damit nicht so recht klappen wollten, arbeitete man sich in der Kirche nach oben-
allerdings auf kurzem Wege.

Unter so mancher fuerstlicher Herrschaft bekam ein kleiner Ort eine Befestigung,
eine Burg und spaeter die Zerstoerung derselben mitsamt des Ortes.

Zum Schutz gegen Woelfe aus den nahen und ausgedehnten Waeldern wurden Wassergraeben und Hecken angelegt.
Wenn ich an die Kuestenwoelfe denke, wird das wohl eher nichts genuetzt haben.
http://phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/374734
Die Einwohner haben in diesen -bis zu 25mtr breiten und 3mtr tiefen- Graeben irgendwann Fische gezuechtet.

Wir wissen, die Kaiser und Koenige haben gerne dem "edlen Waidwerk" zugesprochen.
Die dichten Waelder "reizten zur leidenschaftlichen Jagd".
Diese Huben verwalteten haarklein, wer wieviel Holz wann holen durfte,
die Huebner mussten jeden Tag die 30 Morgen abreiten oder abreiten lassen um Praesenz gegen
die Wilddiebe zu zeigen, ggf. diese sofort zu verhaften- dafuer erhielten sie einige Freiheiten,
die Bußgelder jedoch standen dem kaiserlichen Forstmeisteramt zu.

In dem Haus des Forstmeisters befand sich auch der kaiserliche Jagdhund, ein Huehnerhund
(Bracke, weiß) mit herabhaengenden Ohren, der auf einem seidenen Teppich lag
und mit einem seidenen Seil festgebunden gewesen sein soll..

Vor 1338 (danach wurden die Strafen kaum mehr verhaengt) wurden Fallenstellern
oder Heckenjaegern die rechte Hand abgeschlagen.
"wer das Wild beschleicht", den rechten Daumen.
Alles Wild gehoerte automatisch dem Forstmeister.

Dem Schmied und dem Schuster (Schuhwart) wurden ein paar Freiheiten mehr zugestanden,
allerdings unter strenger Sparsamkeitspflicht, was den Holzverbrauch anbelangte.
(Schmiedefeuer, Rinden-Lohe zum Gerben)

Die Voegte gewannen an Macht, der Kaiser verlor immer mehr an Einfluß,
aus den Thing oder Maigeding wurde irgendwann ein Volksfest unter der Linde.
(Ehedem fing der Volksauflauf als Schaulustige an, bald kamen Kraemer und Gaukler dazu)

Die dauernden Fehden der Fuersten untereinander lies 1364 im Winter den halben Ort Langen
durch die Frankfurter abfackeln.
Unverhohlen erpressten Soeldnergruppen die Orte, damit diese nicht "unversehens in Brand gerieten".
Willkuerliche Besitzteilungen lieferten den Anlaß zu immer neuen Auseinandersetzungen-
wo immer genug versprengte Bewaffnete im Land streunerten.

Der "Landfrieden" war wohl eher nur dem Namen nach wirksam, immer wieder flammten neue Begehrlichkeiten auf.

Die Falkensteiner scheinen besonders aggressiv gewesen zu sein, - nicht die Einwohner, nein, der Fuerst.
"Philip war gefuerchtet und gefaehrlich, sein Besitz war groß und er wollte
am liebsten alles unter seine Gewalt bekommen"
Intrigen wurden gesponnen, bis das Geflecht sich negativ auf den Widersacher auswirkte
und der Kaiser die Acht (Bann) aussprach.
Wieder entstand ein seltsamer "Friede" - nur weil zu viele Staedte gegen den Aufruehrer in Falkenstein waren.
(Meistens ist wohl schlicht das Geld ausgegangen)

Spaeter belagerten die Reifensteiner die Burg Koenigstein - auf der Flucht stuerzte Philip
in voller Ruestung ungluecklich in die Tiefe und verstarb binnen weniger Tage.

Die zu zahltende Behde (Steuern, Naturalien) wurde auf Kerben geschnitten,
wie im Mittelalter auf den Maerkten- man hatte etwas auf dem Kerbholz..

Die Verrohung der franzoesischen Soldaten und Truppen unter Turenne soll schier grenzenlos gewesen sein.
Sogar die Frucht auf dem Feld, Eggen und Pfluege wurden vernichtet,
so daß die naechste Aussaat nicht mehr moeglich war.
Ihre "an das Unmoegliche grenzenden Forderungen" mussten auch von der Bevoelkerung entrichtet werden.
Riesige Kredite blieben an den Gemeinden haengen, denen man sogar die Kirchenglocken gepfaendet hatte..

Der Westfaelische Friede 1648 beendete den 30j. Krieg und auch das damalige Deutsche Reich.
Sieger waren perverserweise das katholische Frankreich und das protestantische Schweden,
im gemeinsamen Hass verbunden.
Lt. Chronik verspuerte der Truemmerhaufen Deutschland die brutale Gewaltpolitik Frankreichs
noch die naechsten zweihundert Jahre.
Viele Doerfer und Staedte wurden vom Erdboden getilgt.
In Langen waren wohl nur noch ein Viertel der Einwohnerschaft am Leben.

Tragisch, daß solche Dingen aus den staendigen Streitigkeiten unserer Ureinwohner herruehrten,
wo Dorf gegen Dorf kaempfte- immer und ewig, so daß nicht genuegend Zusammenhalt
diese Ueberfaelle verhindern konnte.
Egal woher die Feinde kamen, sie waren sich irgendwie immer sicher:
Die halten nicht zusammen, die koennen wir angreifen !

Naja, in Langen war das Rathaus abgebrannt, so wurde im Wirtshaus Rat gehalten.
Gerne und oft und so hoch waren auch die Zechen, die dort angerichtet wurden-
wieder Parallelen zu den heutigen Politiker?
(Ein Schelm, wer hier Aehnlichkeiten sieht)

Ob Holzversteigerung, Fronden oder irgendwelcher auswaertiger Amtstaetigkeit wurde geprasst,
daß die Schwarte kracht.

Sicher wurde abgemahnt und verwarnt- was aber nicht viel geholfen haben mag:
"Dieser Pfarrer hat etwas zu stark gezehret"

Auch an Wahltagen wurde ordentlich gezecht- klar, das nimmt man doch mit!

(Heute wird mit "Arbeitsessen" und "Aufsichtsratsposten" gewunken, mit kostenlosen Reisen usw.)

Am Beispiel Langen lesen wir, dass Neubuerger 10fl zahlen mußten, wenn sie zuzogen,
kam die Frau auch von ausserhalb, waren nochmal 5fl faellig.
Nach 1713 war noch zusaetzlich Geld fuer einen Feuereimer zu entrichten.
(Heute bekommt der Zuzug Geld geschenkt)

Ausgewiesene oder stellenlose Lehrer oder Studenten boten sich als Schulmeister an,
ein junger Geistlicher hat die Pruefung der Gemeinde bestanden..

Wenn die Gemeinde Arbeiten vergab, (verdingt)- wurde auf allgemeine Kosten Ding- oder Schenkwein getrunken.

Frueher diente das Rat- oder Gemeindehaus auch fuer Versammlungen und Gerichtstermine,
man bot bei dieser Gelegenheit auch gleich Schmuck und "Lockwaren" auf den Tischen an..

Die franzoesische "Kontribution" trieb bis 1672 die Gemeinde in die Not:
Durch etliche Soldaten, die sich so lange im Wirtshaus -auf Gemeindekosten- guetlich taten,
bis die Forderungen beglichen wurden.
Der 23jaehrige Koenig Ludwig XIV von Frankreich wurde zur pluendernden Kriegsgeißel
von ganz West- und Mitteleuropa.

Ihm ging es nur um Prestige und Pluenderung um seine Sucht nach Macht zu befriedigen -
heutigen Machthabern geht es vordergruendig um Missionierung in Sachen Menschenrechte oder Demokratie,
hintergruendig um das Wohl der Waffenlobby, damit das eigene Land nicht kollabiert.
(Fuer die "Achse des Boesen" oder die "Schurkenstaaten" sind jedoch wir die "Unglaeubigen",
die es im "heiligen Krieg" zu bekaempfen gilt- wie irre ist Wirtschaft, wie irre ist Religion?)

Der schmachvolle Friede zu Nimwegen fuer das Reich und seine Verbuendeten war fuer Frankreich
und Holland vorteilhaft.
Der eigentliche Gebieter war Ludwig XIV, der in Deutschland eingedrungen war und
hunderte von Orten der bluehenden Pfalz in furchtbarer Weise verwuestete,
raubte, brandschatzte, wie die Chronik schreibt, waehrend der dtsch. Kaiser
mit den Truppen vor Wien die einfallenden Tuerken schlug..

1689 verhinderten kursaechsische Truppen das Einfallen der Franzosen nach Frankfurt,
Deutschland erklaerte Frankreich den Krieg.
Beim Rueckzug ueber den Rhein wurde noch mal geschwind alles versengt und zerstoert..

Bei jedem dieser Kriege und Konflikte lagerten Truppen, mussten Unmengen an Soldaten und Pferde versorgt werden..

Hin und hergerissen von dem Versuch Soldaten zu bestechen und dem Hunger der eigenen Familien
war die Zeit nicht leicht fuer die Dorfbewohner im ganzen Land.

1690 kamen schwedische Truppen, verbuendet im Kampf gegen Frankreich,
wieder wurde alles geklaut- besonders Obst, Weintrauben und Fleisch.

Unter den Lieferanten war auch ein Jude "Moses", der in haebraeischer Schrift in seine Klatte eintrug,
dass er gut belohnt worden sei.
(irgendwie bildete diese Glaubensgemeinschaft ein Volk im Volke
und blieb meistenteils unter sich, wie heute die Tuerken)

Das Zuchthaus soll - so 1696 - jahrelang nicht gesaeubert worden sein, weshalb man jemanden suchte,
der das gegen Geld machen wollte.
Ein "Schreibunkundiger" hat sich endlich dazu bereit erklaert.

Kurze Zeit der Ruhe, dann, 1701 brach wieder ein sinnloser Krieg aus:
Der deutsche Kaiser erhob Anspruch auf den spanischen Thron fuer seinen 2. Sohn,
waehrend der franzoesische Koenig fuer die Rechte seines Enkels eintrat.
Auf franzoesischer Seite kaempften die Kurfuersten von Bayern und Koeln, zum deutschen Kaiser hielten
die meisten heimischen Fuersten, England, Holland und Daenemark..
1704 endet der spanische Erbfolgekrieg durch den Rueckzug der Franzosen,
maßgeblich durch den englischen Feldmarschall Marlborough bewirkt.
Allerorten konsumierten die Soldaten -ohne zu bezahlen, dann die Fluechtling,
dann die Gefangenen, dann wieder zurueck marschierende Truppenverbaende, dann marodierende Truppen..
Man denkt sich:
Wieviel Leid waere wohl erspart geblieben, wenn nur diese beiden Kriegstreiber
geraeuschlos beseitigt worden waeren?
Ich denke nicht, dass eine solche Tat eine "Suende" gewesen waere - auch
aus umwelttechnischer Sicht nicht, wenn man bedenkt, wieviel Blei und Kram ueberall
die Brunnen verseucht haben - bis zum heutigen Tage!
(Aus der Geschichte heraus halte ich die "diplomatische Immunitaet" fuer falsch.)

1714 kam der endgueltige Frieden zwischen Deutschland und Frankreich-
die Winterlager mussten bezahlt werden, wieder blutete die Region dort aus,
wo die ganze Nahrung und Kraft des Volkes war..

Lt. Chronik hat sich 1744 Kaiser Karl VII. ein Steindenkmal in den Treburer Wald
(Kaiserstein) gesetzt oder besser setzen lassen, die Fuersten haben schließlich
niemals selbst Hand irgendwo anlegen muessen - aber halt, bis auf eines:
Die "Parforcejagd", eine Hetzjagd, wo mit Jaeger auf Pferden mit Hunden den Hirsch so lange hetzten,
bis dieser zusammenbrach und aufgab:
Jetzt konnte die linke Bazille, pardon der Fuerst- mit dem "Hirschfaenger abfangen" - dh.
mit dem Jagdmesser das Tier toeten, abmurksen.

Auf Oesterreichs Seite standen die Franzosen 1756-1763 gegen die "aufruehrerischen Preußen,-
der Siebenjaehrige Krieg begann.
1789 folgte gleich die franzoesische Revolution, diesmal standen fast alle gegen Frankreich,
das bis nach Frankfurt (schon wieder) einrueckte- und von den preußischen
und hessischen Truppen zurueckgedraengt wurde.
Der Spruch "Freiheit, Gleichheit, Bruederlichkeit" passte unseren Fuersten ebenso wenig
wie dem franzoesischen Adel.
Unter dem raubgierigen Ludwig XIV drohte die Revolution zu ersticken.
Wieder bueßte die Bevoelkerung fuer den Hochmut der Obrigen und wurde ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

Beisassen: Im Gemeindeprotokoll von 1716 steht folgendes dazu.
Bewohner, die kein Buergerrecht besitzen bezahlen wie die Juden jaehrlich 3fl Beisassengeld.
1705 waren 8 Beisassen und 3 Juden aufgefuehrt.
Im Jahr 1749 zahlten 28 maennliche und 4 weibliche Personen, darunter ein Jude und ein Juedin das Beisassengeld.
Von den "Weibspersonen" werden 1fl 15alb. , von der Witwe des Juden Herz 2fl.
von dem Juden Berle 4fl. und von den maennlichen Beisassen 3fl. verlangt.
Sie leisteten Arbeit als Hirten, Orgelbalgtreter u.aehn. und waren dann von der Abgabe befreit.
Manche waren so arm, dass auch kein Beisassengeld erhoben werden konnte.

Ein Feldschuetz: Der Rabe schreit, der Schuetz kommt!
Odin lies seine beiden Raben Hugin und Munin vorweg fliegen,
die ihm berichteten was sie sahen- so fuerchtete man auch den Feldschuetz..
Jedes kritzekleine "Vergehen" wurde mit Strafen belegt,
wenn jemand mit der Sichel am Wegrand Gras maehte oder seine Gaense weiden lies, etwas Holz mit nach Hause nahm...
die Bevoelkerung betrachtete die Angelegenheit wohl eher so, wie heute das Falschparken.
Im Wiederholungsfall schaute das jedoch schnell schlimmer als das Flensburger Punkteregister aus:
Von Zuchthaus bis zum Pranger war alles drin.
Einer wurde mit dem Halseisen durch den Ort gefuehrt, fuer alle sichtbar in Schande-
die Pein hat er nicht lange ueberlebt, bald darauf starb er.

Der Pranger oder Lasterstein wurde bald als menschenverachtend abgeschafft.

Die Gemeinden suchten mit allen Tricks Beschaeftigung im Ort zu halten, mit Mahlrechten
mit Zwaengen beim heimischen Schmied arbeiten zu lassen, mit der Beschaeftigung als Gaense -
und Schweine - und Schafhirt, Gassenhueter, Backstubenbetreiber, Steinbrucharbeiter usw.
Der Maulwurfsfaenger hat im Jahr 1744 gut 280 Tiere gefangen und 9fl. 10alb.
dafuer erhalten - er quittierte mit +++
Die Maulwuerfe wurden in weiteren Jahren aehnlich in der Zahl gefangen.
Dem Ueberhandnehmen von Sperlingen, Raben und Maeusen wurde aehnlich begegnet.
1512 Spatzenkoepfe und 120 paar Raben..
1770/71 war wohl die letzte Wolfsjagd im heimischen Raum.

1805 kam Napoleon wie die Pest nach Deutschland, noch maechtiger als Ludwig XIV - er sagte von sich:
"Ich habe mich zum Kaiser gemacht, weil ich mich faehig fuehlte,
gut zu regieren und große Dinge zu vollbringen.
Ich habe die Weltherrschaft gewollt, und um sie mir zu sichern, bedurfte ich einer unbegrenzten Macht."
Baden, Bayern, Wuerttemberg waren seine Verbuendeten, der Rheinbund wurde gegruendet und Hessen trat bei.
Der deutsche Kaiser Franz II legte 1806 die Krone nieder, das tausend Jahre alte Reich zerbrach.
Napoleon presste die Vasallen bis aufs Blut aus.
"Deutschlands Soehne starben fuer den franz. Eroberer" So die Chronik.
Tausende gingen in Russland fuer Frankreich in den Tod, starben bei Eis und Schnee.
(Sonderbar, dass man aus diesen Berichten spaeterhin NICHTS gelernt hat)
Napoleon hinterlies ueberall Tod, Elend, Verderben und Hunger.

Revolutionsjahre 1848/49 brachten auch nichts Gutes.
1866 krachte es zwischen Preußen und Oesterreich, wo sich Hessen fuer die spaeteren Verlierer entschied..

Die Fakten und Zahlen der Geschichte lassen sich -leider- auch aus meinen Seiten
nicht heraus halten, weil sie immer und immer wieder fuer das Schicksalen der kleinen Leute standen,
die mir so am Herzen liegen.

1871 erklaerte ohne allen Grund, so die Chronik, Napoleon III dem Land Preußen den Krieg.
Diesmal waren sich die deutschen Fuersten einig und besiegten gemeinsam Frankreich.
"Gefallene", "Heldendenkmaeler", Siegessaeulen und "Glorie" - das uebliche Spektakel,
diesmal von der anderen Seite.

Mir schwindelt und so freut mich von Landwirtschaftlichen Zahlen zu lesen, und davon,
daß in Langen die meisten Leute von den Feldfruechten lebten und von dem,
was sie selbst anbauten und zuechteten.
Die aufgefuehrten 20 Tageloehner waren allesamt Frauen, Witwen.
Im alten Schuppen hinter dem Friedhof wurde Flachs gebrochen und gesponnen.
In den Spinnstuben ging es nicht immer bierernst zu: "Spinnen am Abend, erquickend und labend"

112 selbstaendige Bauern, 21 Leinweber, 20 Tageloehner, 12 Baecker, 10 Maurer, 8 Zimmerleute, 8 Schneider, 7 Wagner, 7 Schuhmacher, 6 Metzger, 6 Oelmueller,
5 Mueller, 5 Schreiner, 5 Glaser, 5 Schmiede, 4 Steinhauer, 3 Kuefer, 2 Schlosser, 2 Sattler,
1 Steinbrecher, 1 Nagelschmied, 1 Schornsteinfeger, 1 Muehlarzt, 1 Barbier, 1 Strumpfweber und 1 Haefner,
1 Falltorknecht, 1 Zaunknecht, 1 Schulkanditat, 1 Hebamme, 1 Apotheker, der Oberschultheiß,
der Grenzbereiter, der Postexpeditor, der Akziser (Eintreiber), 2 Schullehrer,
1 Gerichtsdiener, 1 Rentendiener, 1 Forstmitaufseher, 1 Kuhhirte, 1 Gloeckner,
1 Botin - waren im Ortsregister des Fleckens Langen im Jahr 1817 eingetragen.
Damals ist noch eine ganze Zahl an Ziegeleien taetig gewesen, die im 20.Jhd. eingingen.

So manches große Gasthaus hatte die Brenngenehmigung und Fuhrbetrieb inne.
So kehrten in der "Sonne" Wagen aus weiten Teilen Deutschlands, aber auch aus den Niederlande ein.
1837 wird berichtet, dass 40 Umspannpferde bereit standen und zur Zeit
der Nußernte Einspaenner aus Sachsen "mit hohen Kummeten und roten Quasten"
nach Baden fuhren, um von dort Nuesse fuer Weihnachten zu holen.
Damals blockierten deren Wagen die Straßen - fuer die Pferde war in der Sonne genug Platz- bis zu 200 !
Der Umspannverkehr brachte den ansaessigen Bauern eine gute Verdienstmoeglichkeit.

1804 hatte Langen noch 1477 Einwohner, 1933 waren es 8613, 1946 schon 12097
und im Jahr 1961 schon 22487, heute 37.000 !

Einige alte Fremdworte oder Begriffe:
Achtzehntengericht = Am 13. Jan. wurden die Gemeindeangelegenheiten neu geregelt.
Actum = Datierung von Urkunden.
Adzidenzien = Nebeneinkommen, Zufaelligkeiten.
Allmende = Gemeindebesitz
Alluvium = Anschwemmung.
Annoch = mit "an" verstaerktes "noch".
Anrollieren = Anwerben, in die Stammrolle einschreiben.
Aptieren = Zurechtmachen
Arkose = Feldspatreicher Sandstein
Aspen = Espen
Assignieren = Anweisen
Ausziehen = Sich etwas herausziehen, Einwand.
Ballotage = Abstimmung mit Kugeln
Bamol(e)y = Baumoel, Schmieroel, "Uhrleim"
Bede = Erbittenes, spaeter Steuer
Beisaß = Buerger ohne Rechte
Bender = Faßbinder, Kuefer
Bereiter, Wildbannbereiter = reitender Forst/Zollbeamter, Einnehmer, Rechner.
Berngen = Boernchen, Brunnen
Beschehen = Geschehen, zuteil werden.
Bestandsgeld = Pachtgeld
Bestaender = Paechter
Bestreifen = Bestreyfung = Streifend verletzen, berauben
Betzenkammer = Haftort
Beunde, Beume, Beine = Grundstueck, das aus dem Gemeindebestand privatisiert wurde.
Bevelch = Befehl, Aufsicht.
Blutzehnte = Abgabe fuer gehaltenes Vieh
Born = Brunnen
Bornen, burnen = brennen
Bort = Brett
Bresthaft = Gebrechen, Mangel, Schaden
Bruch = Sumpfboden, Sumpfwiese
Budell = Pflichtteil, Bau, Wohnung
Buettel, Bittel = Gerichtsbote
Calcant = Orgelbalgtreter
Cantonieren = Truppen unterbringen
Cedieren = Abtreten
Cranatirer = (verderbt) Grenadier, Fußsoldat
Cleß, Clos = Abkuerzung fuer Nikolaus
Collaborator = Mitarbeiter
Comminister = Mitdiener, Diakon
Consignation = Aufzeichnung
Continuieren = Fortsetzen
Convusion = Verwirrung
Corbicula Kalk = Koerbchen, leicht wasserdurchlaessiger Kalk
Dekopieren = Abschreiben
Devotion = Unterwuerfigkeit
Discretionsgeld = das einem Unterhaendler nach Belieben gezahlte Geld
Dislokieren = Verteilen, verlegen
Dole = Abgedeckter Abzugsgraben
Drappe = Treppe
Driesch = Unbebautes Land
Druch, druhe = Fessel, Falle (wilde Tiere)
Durchleuchtig = Durchlauchtig, helleuchend (Ehrentitel)
Ehhe = Egge
Ende = Stueck
Ein End abgegrast = Ein Stueck Wiese abgegrast
Erweis, Erbeis = Erbse
Etzliche = Einige
Exaction = Einkassierung, Erpressung
Exogen = Von außen einwirkend
Exulant = Verwiesener
Fahrnus, Fahrnis = Fahrendes Gut, Moebel etc.
Fal oder feil = Verkaeuflich
Fassel oder Fasel =Zuchttier
Fernig, ferndig = Vorjaehrig, verflossen
Firn = Alt, Vorjaehrig
Forenser = Besitzer v. Grundstuecken in anderen Gemeinden.
Fourage = Futtermittel
Fuder = Wagenladung aber auch groeßtes Fluessigkeitsmaß 1000-1200ltr
Fuß = 28cm
Ganerben = Miterben
Gefaehrde, Geverde, Gevare = Boese Nebenabsicht, Betrug
Gefallen, Gefaelle = Abgabe, faelliger Zins
Gemeindsmann = Buerger (Vollbuerger)
Geschoßbuch =Steuer oder Abgabenbuch
Gewann = Unterabteilung der Flur, Ackerflaeche gleicher Pflugwendung
Helsau = Mageres Schwein
Hel = nicht kraeftig, trockenes Brot
Heynen = Hainbuchen
Hyrtz = Hirsch
Indikationszyklus = Zeitperiode von 15 Jahren
Insinuieren = heimlich zustecken
Insolention = Beleidigung
Interessen = Zinsen
Iura et actionis = Recht und Gerechtigkeit
Karbatsche = Reitpeitsche
Karch = Karren
Kaufschilling = Kaufpreis bei Grundstuecken
Kegel = Uneheliches Kind
Keren = Zuwenden, erstatten
Kieselschlag = Hagelschlag
Kirbe, Koerbe, Kerb, Kirmes = Kirchweih
Klafter = Maß der weit ausgespannten Arme (1,80mtr)
Klauber = Arbeiter der klaubt (aufsammelt)
Kleiber = Lehmwandmacher, Tuencher
Kollatur = Recht, Pfruende
Kopfstueck = Muenze mit dem Bild des Herrschers
Koppelweide = Weide mit Benutzungsrecht durch mehrere
Kummer = Schutt, Bauschutt
Kummet = Gepolsterter Zugbuegel um den Hals der Zugtiere
Laymen, leimen, loumen = Lehm
Kar = Schuessel, Talmulde
Leidecker = Schieferdecker
Lei = Schiefer, Steinfelsen
Lochbaum = Grenzbaum
Lusen, lusemen = Lauschen, horchen
Maenniglich = Jedermann
Maerker = Berechtigter am Markwald
Marketender = Soldatenwirt
Memorial = Bittschrift, Eingabe
Metropolitan = Pfarrer mit Aufsichtsbefugnis, Dekan
Mocke = Zuchtsau
Moderieren = (er)maeßigen
Modo = Jetzt, gegenwaertig
molestieren = Belaestigen
Mordgeschichten, Mordsaenger = Fahrende Saenger
Muntbar = Vormund
Nekropole = Totenstaette
Noergel = Nelken
Oberkeyt = Obrigkeit
Obs = Obst
Offgerachtet = Aufrecht
Orholtz, urholtz = Unholz, Abfallholz
Oesen, osin = Verwuesten
Pension = Verzinsung
Peraequator = Verwaltungsbeamter, Ausgleicher
Placken = Fleck, Gegend, Stueck Land
Poen, Poena = Strafe
Pompier = Feuerwehrmann
Posteritaet = Nachkommenschaft
Prestreiter = Reiter, die Kriegsabgaben freipressen sollen
Rueckenbrot = Roggenbrot
Schnackeliche (Kost) = seltsam
Schoul = Schuldig
Schuch, Schuwe = Schuh
Schuhward = Schuster
Schwindelsteg = Wendeltreppe
Sech = Pflugmesser, auch Karst
Seegraeber = Arbeiter die Graeben anlegen und reinigen
Sekret = 1. Geheimsiegel 2. Abort
Simmer, Soemer = Getreidemaß -32Liter-
Sistierung = Einstellung
Sotan = ..so beschaffen, solch
Spenner = Reisigmesser, auch Dolch
Spolia = Beute
Stem = Stamm
Supplik = Bittschrift
Terminey = Grenze
Thiergarten = Kuhweide
Thil = Diel - Holz
Transigieren = Verhandeln, vergleichen
Sich trosten = (mit Genitiv) - sich verlassen auf..
Troublen = Unruhe
Verhaften = Entleihen (Geld)
Verjeehen = Aussagen, zu Erkennen geben
Veroesen = Ganz leer machen, verwuesten
Sich versehen = Zuversicht haben
Versteclich = Fest, Standhaft
Viritim = Mann fuer Mann
Vorab = Vernehmlich
Weistum = Aufzeichnung von Rechtsbelehrungen
Weißbrenner = Weißbinder
Werth, Weet, Weed = Ummauerte Pferdeschwemme, waten
Zinel, Zinnel = Bueschel oder Gebinde, Flachs.

Man sieht schon recht deutlich, wie sehr sich heutige Ausdruecke unterscheiden,
nicht immer kann man direkt aus dem Lateinischen ableiten!



Geschichtliches

..neue Lektuere folgt:
Ein dickes Heimatbuch aus Eschenau, Senkenbergisches in Punkto Natur,
ein Limburger Stadtbuch von 1548, Geschichtliches der Stadt Leun,
und etwas Poesie aus dem Taunus. Eine echte Wundertuete,
aus der man ganz sicher einige Dinge extrahieren kann, die in meine Seite passen.

Neophyten und Neozoen veraendern die Natur, die schon seit alten Tagen in der Heimat zu finden ist.
So wie sich die Umweltbedingungen und die "Migration" gestaltet, ist auch die Natur immer in Bewegung.
Die Landwirtschaftlichen Flaechen schrumpfen, so wie sich der Import
und auch die Ertragslagen durch verbesserte Duengung und Landtechnik gestaltet.
Die Stadt Frankfurt (Main) hat immerhin fast 25% Landwirtschaft und mehr als 15% des Stadtgebietes .. Wald!
Das Senkenbergsche Museum hat umfassende Dokumentationen und Herbarsammlungen zu diesem Thema
"Natur im Wandel" parat, ein Besuch lohnt sich allemal.
Dort schwaermt man davon, wie man frueher mit einfachsten Mittel die Praeparate
fuer die Nachwelt erhalten haben -
Dokumentationen aus 300 Jahren, teilweise aus dem jahr 1677 von Johann Waldschmidt
und Johannes Philippi Huth 1713, Martin Duerer 1842-1921 sind archiviert.
Auf diese Werke kann sich die Wissenschaft noch heute stuetzen!
Die Ausbreitung von Pflanzen und Tieren kann genau nachvollzogen werden,
wenn z.B. die Landwirtschaft neue Ackerbaumethoden eingefuehrt hat - das alles ist freilich nur sinnvoll,
wenn auch die Fundortangaben und das Datum zugefuegt wurden.
Immerhin sind die alten Dokumentationen so gut, dass man DNA-Analysen danach machen kann.
In den Ballungsraeumen - besonders in Frankfurt, mit seinem grossen Flughafen -
sind die Veraenderungen nochmal deutlicher und zuweilen auch schneller.
Dort kuemmert man sich ruehrend um die Streuobstwiesen -
gewiss als Folgenutzung der ehemaligen Weinbau-Taetigkeit.
Der Speierling faellt hier aus dem Rahmen, weil es eine Ebereschenart ist,
die man zum Haltbarmachen von Apfelwein, dem dortigen Kultgetraenk geht.

Noch in den 1980iger Jahren galten die Streuobstwiesen im Bestand als gefaehrdet,
heute ist man sehr viel weiter.
Immer wieder ist von den Botanikern die Einbringung von Abfaellen in die Waelder die Rede
und -vorsichtig umschrieben- die Unvernunft der Besucher in Biotopen, wenn Hunde und Kinder mitgebracht werden.
Manchmal geht der gesetzlich geregelte Artenschutz so weit,
daß der Mensch bereits zum Stoerfaktor deklariert wird.
Blinder Eifer oder schon Oekodiktatur?
So behaupten diese Fanatiker, daß die "urspruengliche Nutzung von Gruenland ausbeutend war,
wenn nur wenige Tiere auf einer großen Weide stehen" -
so haben auch diese studierten Fachleute dazu beigetragen, die Kuehe in den Stall zu bekommen!
Das nennen sie "extensive Landwirtschaft"- wenn die Tiere dicht nebeneinander im Stall stehen,
"intensive Landwirtschaft"..
(Hauptsache, es ist ein Fremdwort)

Im gleichen Atemzug beklagen sie eine "Monotonisierung" der Graswirtschaft,
weil oefter gemaeht und -logischerweise- geduengt wird.
Das bringt die Wildkraeuter aus den Wiesen - na, wer war daran wohl ideologisch beteiligt?

Jekyll and Hyde bei den Wissenschaftlern?
Ich denke schon, was sich in vielen Bereichen,
von der Physik bis zur Bioethik zeigt.

Der so geliebte "Magerrasen" mit seiner Artenvielfalt ist jedenfalls nicht durch die Botaniker,
sondern schlicht durch Abholzen und fehlende Gruenlandduengung entstanden -
heute kaempft man um jeden Meter dieser Flaechen und versucht diesen zu erhalten.
(Beschuetzt, betreten verboten!
Gerade diese Verbote und vielen vielen Vorschriften durch die EU,
die sogar das Bundesrecht brechen, lassen eher an faschistoide Tendenzen denken..

Ganz sicher gab es auch frueher schon Umweltsuenden, wenn die Waelder abgeholzt wurden -
so wurde das Wetter schlicht heftiger, wechselhafter und unbestaendiger.

"Binnenduenenbereiche" im Sueden Frankfurts erklaeren sich durch
das schon angeschnittene ehemalige Binnenmeer,das abgeflossen war.
Mich wundert, warum die Oekologen und Biologen nicht versuchen, dieses zurueckzufordern ;)
Die vom Standort Frankfurt abgezogenen US-Flieger (die nun in Wiesbaden sind)
haben große Betonwuesten hinterlassen- selbst das haelt man fuer "schuetzenswert"
und laesst aufgebrochene Betonflaechen "renaturieren", dh. vergammeln.
Fuer die Bevoelkerung blieb immerhin ein gutes Stueck als Spiel- und Sport- oder Freizeitflaeche.
(Aber immer mit dem Seitenhieb: Hier nicht, dort nicht)
Mit Cams wird alles ein wenig beobachtet, das ist wohl der neue Trend
um die Zustaende der Innenstaedte im Griff zu behalten,die man gewollt provoziert hat.
Man koennte denken, es wurde ein wenig getan, damit man Gruende hat die Leute auszuspionieren
und abhoeren zu muessen, was vielfaeltiger denn je gemacht wird,
Hand in Hand mit ziemlich unheiligen Bruedern, die unter dem Deckmantel der Demokratie
und deren Schutz neue Diktate etablieren.

Dragonische Strafen, wenn einer seine eigene Hecke auf dem eigenen Grundstueck entfernt,
wenn diese gammelig geworden ist- es koennte ja ein Nest darin gewesen sein -
dabei ist das wohl eher nur die Ausrede fuer solche Gesetze.
(Gartenbesitzer wissen eher wo und wann ein Nest gebaut wurde)
Daß bei solchen Vorschriften eher das Diktat oder die Freude am Bevormunden Pate war, ist klar:
Bei dem Anlegen von Hecken oder dem Pflanzen von Baeumchen gibt es kein Geld..

In den Auen der Nidda und Main siedelten schon vor 5000 Jahren Menschen,
ob die auch alles falsch gemacht haben?
Der "Erholungswert" von "Gruenzonen" wird propagiert, nie ohne den erhobenen Zeigefinger-
dabei ist der Erhaltungsgrad den Gescholtenen zu verdanken!
Die "Regulierung der Fluesse" ist nicht "den Menschen", sondern dem Diktat des Kaisers zu verdanken..
..nun beklagt man die "Migrationshemmnisse" der Wehre in den Gewaessern.
(Wobei mich dieses Wort eher veraergert)
Fakt ist, daß der Moloch Großstadt aberwitzige Mengen an Wasser verbraucht -
was nicht nur aus dem Ried, sondern aus dem Taunus bis aus dem Vogelsberggebiet abgezogen wird.
Die Grundwasserabsenkung und die Angst davor, daß die Wolkenkratzer in Schieflage kommen kam auf..
Zuerst will man die Landwirtschaft intensivieren, Werbung fuer Produkte machen,
dann wird ueber die Stickstoffbelastung der Gewaesser geschimpft.
Zuerst will man zum "globals Player" werden und favorisiert alles, was damit zu tun hat,
Warenstroeme fließen, riesige Schiffe und Flugzeuge sind pausenlos unterwegs um "Flugmangos"
oder "Convenience-Produkte" und Autoteile und Touristen zu befoerdern;
dann gibt es Schwierigkeiten mit Migranten aus dem Tier- und Pflanzenreich,
die unsere Arten verdraengen- bei den Menschen ist es auch nicht besser.
(Allerdings arbeitet die Natur mit dem "Recht des Staerkeren", was sich durchsetzt, hat gewonnen)

Stellt euch mal vor: Koeln hatte 5000 Einwohner, heute sind es 1,5 Millionen - wehe,
wenn die Morgens die Wasserspuelung druecken !

Jeder Eingriff in die Natur muß zwangslaeufig in der gleichen Macht
Reaktionen der Umwelt bringen- fuer diese Erkenntnis muß niemand studieren.

Auf meinen Seiten geht es weniger um Umweltschutz, sondern um "Geschichtliches",
Geschichte wird aber auch von der Umwelt geformt - langsam, aber sicher.

Ob indisches Springkraut oder Nahost-Religionen- alles breitet sich wie ein Flaechenbrand aus,
wenn es auf zu wenig Gegenwehr trifft -
die Widerstandskraft von Natur und Mensch sind sich dabei nicht so unaehnlich,
nur daß die des Menschen durch den Mainstream oder Gesetze beeintraechtigt werden kann.

Je mehr Menschen auf der Welt sind, um so mehr muessen neue Wege gefunden werden -
im zufaelligen Gespraech mit einem chinesischen Professor, der in Wetzlar zu Besuch war,
erfuhr ich: "So ein Riesenreich ist demokratisch nicht lenkbar, besonders dann nicht,
wenn die Menschen zu wenig politisch gebildet sind"
(Koennte das nicht bald auch auf uns Europaeer zutreffen,
in Amerika ist Demokratie wohl eher auch nur eine Personenwahl?)

Das geht ein wenig ins Abseits- die "Renaturierung" von Gewaessern und Flußlaeufen
ist gerade im Gange, man darf gespannt sein, wie die Sache weiter geht.
Bei Marburg, unmittelbar im Stadtgebiet, kann man die Lahn noch im natuerlichen Bett sehen- sehr erlebenswert!

Seit dem 14.Jhd war der Bannforst Dreieich von Frankfurt bis Darmstadt bereits strikt geregelt,
weil die Beweidung des Waldes -zur Holznutzung- schon sehr ausgepraegt war.

Schweinemast muss wohl schonender fuer den Wald gewesen sein, als Ziegeneintrag,
weil sie den Boden aufwuehlen und so dem Sameneintrag helfen- im Gegensatz zum Verbiß durch Ziegen.
So entstand eine halboffene Parklandschaft, die man heute so krampfhaft schuetzt..

Versauerung und Naehrstoffarmut schadete dem Wald,
der heute von den irrwitzigen Abgasmengen von Lastwagen, Autos und besonders von Flugzeugen belastet wird.

Der Holzmangel lies schon im 15.Jhds. große Neupflanzungen mit schnellwachsenden Kiefern
und Fichten entstehen.

Die Kleinflaechigkeit von Waldgebieten durch den Ausbau der Straßen
und Flugplaetze und Industrieanlagen, Stromtrassen und aehnliches ist ein weiterer Stoerfaktor im Lebensraum Wald.
Nicht nur die weitere Zersiedelung durch Baugebiete, sondern auch der unseelige Trend
in den "Speckguertelbereichen" der Staedte Villen mit Hilfe von Gewogenheiten
inmitten von Naturschutzraeumen zu errichten, bringt neue Kleinraeumigkeiten..
(Mit Sicherheit sind da einige Leutchen dabei, die sich gerne als moralisierende Bestimmer aufspielen)

Zu den alten Besiedlern, die sich zuerst breit machen, gehoeren Brombeeren -
wußtet ihr, daß es davon 35 "Sippen" gibt, die sich nicht vermischen ?
Selbst davon wurden ein paar eingeschleppt- vermutlich ist das bei den Himbeeren aehnlich.

Vermutlich muß man Botaniker sein, um die Unterschiede zu sehen-
mir ist es nicht gelungen, anhand der Unterlagen unsere Sorte im Garten zu bestimmen..

Zierstraeucher und Gartenabfaelle bringen immer wieder neue Gattungen in die Natur ein.

Die Absenkung des Grundwasserspiegels brachte auch das Verschwinden von Moorflaechen mit sich.

Im 16.Jhd war das Heideroeschen noch so haeufig, daß man dieses als Straeußchen
auf dem Wochenmarkt feilbot.

Bluetenreiche Diptam-Saeume entzuendeten sich (wegen ihrer aetherischen Oele)
durch den Funkenflug der Lokomotiven regelmaessig - weshalb man dieser Plage Herr werden musste.

Das Schafsbockskraut wurde frueher als Salat gegessen, Zitrusfruechte waren noch nicht
auf dem Markt und so lieferte diese Kraeutlein Vitamin C

Der Name "Schwanheim" hat nichts mit dem Schwan, sondern mit dem Schwein zu tun,
wie viele aehnliche Namen- weil die Hute, die Mast im Wald der Ausloeser war.
Die Eiche war dazu der wichtigste Baum,- uralte Bestaende werden von jeher geschuetzt.
Ob nun der riesige, dicke Baum im Wald "nur" 300 und nicht tausend Jahre auf dem Ast hat,
ist nicht so wichtig:
Wie das Leben noch vor 100 oder 150 Jahren aussah, kann man an alten Bildern sehen!
(Aelter ist die Fotografie noch nicht- davon spaeter mehr)

Oekologen freuen sich ueber den Eichenbock, dessen Larven sich 4-5 Jahre in den Eichen ernaehren
und 10cm lang werden- ein seltsamer Spaß.

Im WKII wurden die Kiefernwaelder suedlich Frankfurts arg zerbombt, wie die Chronik schreibt -
auf beiden Kriegsseiten wurde schlimm gewuetet, weil der tun musste,
was befohlen war- eine Entscheidungsfreiheit, somit auch eine direkte Schuld daraus
kann aus moralischen Gruenden kaum zugeordnet werden.
Das ist ein soldatisches Denkmodell oder so.

Von der "Spaetbluehenden Traubenkirsche" hat man sich allerlei versprochen,
die danach flaechig angepflanz worden war- die Voegel haben die Kerne noch weiter verbreitet.
Die Erwartungen in diesen Baum wurden wohl eher nicht erfuellt,
die Oekologen oder Biologen haben daneben gelegen.

Die Riedwiesen wurden schon seit der Bronzezeit bewirtschaftet, heute ist das eher ein "offener Gruenlandzug".
Die Stadtnatur ist heute ein "Standortvorteil", der zur Wohnqualitaet beitraegt-
Landwirte sind (mit Ausnahme guter Bodenregionen) zum "Landschaftspfleger" mutiert.
Naturnahe Erholung ist gefragt, das Wohnen in einer "gruenen Stadt" ist allemal attraktiver,
als in einer Betonwueste.
Hier ist man auf dem richtigen Weg einer neu entdeckten Menschlichkeit,
die ihre Vor- aber auch ethnische Nachteile hat:
Der Fortschritt wird durch Religion erneut ausgebremst.
Das milde Klima Frankfurts und die "globale Erwaermung" zeigt -in allen Punkten-
veraenderte Strukturen, fremdlaendische Arten in der Natur und auch ebensolche Sitten in der
-in Teilen ausgetauschten- Bevoelkerung haben Fuß gefasst.

Genug vom Ballungsraum, zurueck zum Ort:
Leun hat einen wundervollen Bildband, den ich sehr empfehlen kann,
auch wenn euch diese Großgemeinde vermutlich unbekannt sein wird,
die in Hessen, an der Lahn, zwischen Braunfels und Wetzlar liegt:
Herausgeber ist die Stadt Leun, ISBN 3-88913-106-9 von 1986 - vermutlich liegt heute
eher ein Nachdruck / Neuauflage vor.
Die Bilder aus der alten Zeit sind mehr als nur eindrucksvoll-
zumal die Fotografie erst 1826 erfunden oder anfaenglich umgesetzt wurde..
Was sich in dieser Zeit, in der die ersten Ortsbilder spielen - bis heute alles veraendert hat,
ist ganz enorm und sehenswert.
Die Analyse des Bildmaterials wurde hunderte Seiten fuellen!

Im 14. und 15.Jhd. kamen -wegen der vielen Fehden- manche Orte zusammen
um sich besser schuetzen zu koennen- auch dadurch entstanden einige Wuestungen.
Den Uebergriffen des verarmten Rittertums war nicht anders zu begegnen.
Die erste Leuner Kirche ist wohl schon im Jahr 800 gebaut, zwischen Lahn
und der hohen Straße, mit Schießscharten, um die Feinde abwehren zu koennen..
Zusammen mit der Stadtmauer eine damals typische Loesung, wie das Siechhaus,
etwas ausserhalb, damit der Ansteckungsgefahr begegnet werden sollte-
-wer dort hinein kam, wurde zuvor in der Kirche "ausgesegnet", als waere der Todesfall eingetreten..

Das Stadtwappen ist der Halbmond und die Ente- man geht davon aus,
daß dieses wegen der Verehrung der Mondgoettin Luna war.
Das auffaelligste Fachwerkhaus -das mit dem Erker- ist ein Symbol des Wiederaufstiegs
nach dem großen Krieg, ca 1600 entstanden, ein halbes Jahrhundert vor der Verleihung der Stadtrechte.
Die "Marktwache" hatte immerhin 24 Maenner.
Dann kam ein verheerender Brand 1752 und der 7jaehrige Krieg, 1756-63,
der Spruch "Leun, Streit und Zank, dein Leben lang" wurde in toenernen Erzeugnissen gefunden -
der Niedergang dauerte bis 1830.
Man bezeichnete spaeter die Feier der Bergwerksgesellschaft mit zweihundert Knappen mit Pferden,
Saebeln und mehrere Tage dauernden Musik machenden Volksfest als "unchristlichen Unfug".
Man sieht den "Reformierten" Kirchenleuten die Bitternis noch deutlicher im Gesicht an,
wie den frommen Katholischen, aehnlich der Amischen und Quaekern in den Staaten..

Viel spaeter, nach 1950 - wurden dem Verkehr viele Fachwerkhaeuser geopfert, die unwiederbringlich weg sind:
Sie standen zu dicht an der Straße, nahmen die Sicht oder behinderten den stark
angestiegenen Verkehrsfluß.
Ueberhaupt wurden in dieser Zeit viele Bausuenden begangen, die ihre Krone in den 70iger hatte,
wo alles zwanghaft modernisiert wurde-
die Sanierung und der Stolz auf den alten Besitz holte man danach -langsam, aber sicher- nach.
(Die Restauration eines alten Objektes ist freilich auch eine Kostenfrage)

Die Zeit mit der Photographie macht nicht mal ein 12. der Geschichte Leuns aus..
..und trotzdem denkt man, Bilder aus dem wilden Westen der USA vor sich zu haben.
Verhaermte Frauen in schwarzen Kleidern mit Kopftuechern und derben Schuhen,
abgearbeiteten, faltigen Haenden und einem wettergegerbten Gesicht, Maenner immer im Vordergrund, ebenso derb und ernst blickend,
mit Hose und "Gehrock" oder Sakko, das garantiert schon arg verknittert und immer wieder aufgefrischt wurde,
mit Gamaschen, Schnurrbart und typischer Fotopose, dem stolzen Kaiser nachgemacht.
Die Kinder auf den Schulbildern sehen ernst und ziemlich gleichfoermig aus,
familiaere Bilder sind gestellt, sie zeigen wie arm die heute so schoen restaurierten Fachwerkhaeuser damals aussahen,
sieht man einmal von den Herrenhaeusern ab.

Bei dem oben erwaehnten Erker-Haus ist auf dem alten Bild zu erkennen:
Mindestens 11 Personen lebten darin, man lebte von der kl. Schmiede im Hinterhof, eine Wagenrad-Spannvorrichtung lehnt am Haus, ein Holzklotz mit Amboss, ein paar Stangen,
ein kaputter kleiner Karren. Eine sehr sehr einfache Holzbank mit 4 schraeg abstehenden Beinen
und grobem Holz oben, die 4 Stein-Stufen vor der Haustuer sind ungleichmaeßig,
nicht ausgeschmiert oder verfugt, wie schnell aufgeschichtet.
Die Balken des Hauses machen einen teilweise maroden Eindruck, nicht gestrichen
oder mit schon hinfaelligem Anstrich, die Gefache sind teilweise ausgeplatzt,
der Putz faellt schon etwas ab. Die Straße davor ist holprig, aber schon gepflastert.
Das spielt um 1900, nicht hunderte Jahre zuvor.. die Scheune hinter dem Eingang zur Schmiede
ist mit Fachwerk und die Gefache sind mit einfachen Tuff-Steinen ausgemauert,
roh und unverputzt.
Vor dem Haus, auf der Treppe und daneben stehen die Bewohner,
eine Frau hat ein Kind auf dem Arm- alle sehen aus, als haetten sie nur ein Gewand,
die abgearbeiteten Haende in typischen Posen der ungewohnten Untaetigkeit.

Das naechste Bild zeigt 7 sitzende Maenner vor einer kopfhohen Mauer in der Pose schwadronierender
Wirtshausgaenger, davor ein einfacher kleiner Tisch mit glaesernen Humpen,
die mit dunklem Bier befuellt sind. Davor ein kleineres Holzfaß,
das mit breiteren Eisenbaendern gehalten wird, auf dem ein Blumengebinde liegt.
Das Ganze auf einem niederen Holzklotz aufgebaut.
Ernst der Blick, aufrecht die Haltung, zurueck der Kopf, Kaiserbaertchen,
streng die Frisuren, zwei rauchen.
Weit hinter jener Mauer sieht man abgehaermte, groeßere Fachwerkhaeuser, Hinterhof und Gaerten.
Zwischen Tenne und Garten steht eine Reihe Frauen mit Kindern,
die sich in respektvoller Entfernung das Treiben ansehen, das der seltsame Vogel
"Fotograf" da auf die Platte bannt.
(Selbstverstaendlich sind alle Bilder noch in der Schwarz-Weiß-Technik)

Eine alte Aufnahme von 1900, dh. vor dem acht Jahre spaeteren Brand - zeigt deutlich:
Die Bachstraße gleicht eher einem Feldweg, breit zwar und mit deutlichen Spurrillen,
weiß und grau und "gammelig" dominiert, was auch z.T. von den vielen kleinen Anbauten
oder Schuppen kommt, die gerade mal so stehenzubleiben scheinen.

Noch schlimmer schauen "florierende" Betriebe aus, von "Arbeitsschutz" oder gar "Brandschutz"
kann keine Rede sein! Alles hockt auf den Arbeitsgeraeten oder Balken,
kein "Fruehstuecksraum" oder aehnliche Erleichterungen.

Bilder, wo jede Menge Schaulustige und Helfer auf den Truemmern eines abgebrannten Hauses
fuer den Fotografen posieren, bis endlich die erste richtig organisierte Feuerwehr
mit einem Spritzenwagen aufgebaut wurde..

Das Pfarrhaus war gleich nach dem des Edlen in bestem Zustand- egal wo.

Dem Pfarrer auf dem Bild wollte ich im Dunklen nicht begegnen, Himmelreich hieß jener,
schaut aber aus wie ein japanischer Despot, den man in einen Stehkragen mit Schlips
und Anzug gezwaengt hat, die Vollglatze und die strenge runde Drahtbrille unterstreichen die
schmalen verbissenen Lippen nur nochmal deutlicher.
Dieser "Oberpfarrer" kuemmerte sich aber intensiv um die Erforschung des Solmser Landes
und so schrieb er die Leuner Chronik und Schulgeschichte.

1912 kam der Koenig Konrad I. mit seiner Mutter und Bruedern nach Liuna (Leun) -
der Ort und ein paar andere wurden seiner Mutter Glismuoda im Jahr 912 auf Lebenszeit vom Kloster ueberlassen..
1000 Jahr-Feier der Stadt Leun.

Man sieht Bilder von Schnittern und Schnitterinnen in der Tracht, geschmueckte Kuh-Gespanne,
Bilder aus der Spinnstube, gefuellte Heuwagen, plauschende alte Maenner mit ihren Pfeifchen,
Bilder von Sportlern, artig im Halbkreis angeordnet:
So richtig "trainiert" wie unsere heutigen Pharma-Jünger schauen die aber nicht aus..

Flachs- und Getreideernte-Bilder, ein Familien-Gruppenbild vor dem Anwesen mit zerfallenem Holz-Schuppen,
die ersten Autos, Kinderwagen, Aufnahmen von Schulen, Grubenbilder,
wo immer der Stollenmund, eine Lore und davor einige Arbeiter zu sehen sind- stolz der Besitzer in der Mitte.

Bei allen Schilderungen rate ich dennoch zum Ausleihen dieses Buches an,
weil ein Bild eben doch mehr als tausend Worte sagt..

Bei den Vorkriegsaufnahmen sieht man ganz deutlich, daß die Demagogen nach dem Krieg Unrecht hatten:
Die Bevoelkerung hat den nationalen Wahn, der von oben herab diktiert wurde,
genau so aufgenommen, wie zuvor im Kaiserreich.
Richtig was gewusst hat von den perfiden Plaenen des Diktators kaum jemand was!
Gerade bei den Siegermaechten des WKII sind nationale oder nationalistische Tendenzen
recht ausgepraegt vorhanden, bis heute.
(Wie koennte sonst in den USA ein "Heimatschutzministerium" sein?)
Deshalb und nach den Erzaehlungen meiner Groß- und Urgroßeltern gilt
fuer mich deutlich eher die Unschuldsvermutung, als die pauschale Anschuldigung an den Kriegsverbrechen
und am Holocaust beteiligt gewesen zu sein - zumal wir weit von solchen Lagern entfernt wohnen
und die Kommunikation sehr viel schlechter als heute war, wenn man von der Propaganda mal absieht,
die aus dem Radio kam. Heute ist in Richtung "Multikulti" die Beeinflussung auch nicht anders,
die mehr mit Auslassungen, als durch richtige Berichterstattung glaenzt.

Die Deutschen vor und zwischen beiden Weltkriegen haben nur das gemacht,
was von oben vorgeschrieben wurde- genau wie heute, wenn es um die gesetzlichen Vorgaben geht,
die ebenfalls -total unwandelbar- von oben herab "vorgeschrieben" und "verordnet" werden.
Die Chance der Interpretation solcher Edikte ist nie gegeben gewesen, weder damals noch heute.
Mundhalten, still sein, "Ruhe ist die erste Buergerpflicht" etc. sind so die Antworten,
die man hoerte und noch immer vernimmt.
Von einer richtigen, direkten Demokratie sind wir wohl noch immer recht weit entfernt,
der Kaiser wurde durch Partei-Granden ersetzt, die sich zusammenraufen oder gegeneinander agieren.
Ganz im Nebel werden Gesetze gemacht, Abgaben formuliert und unerbittlich umgesetzt,
genau wie zu allen Zeiten.
Es will auch heute noch niemand dort oben wissen, wie das "Volk" denkt, wie die Menschen ihr Land haben wollen.
Es wird absichtlich zerstritten gehalten, weil einige Leute schwerer zu lenken sind.
Neu kommt hinzu, daß die Wirtschaft im Hintergrund noch staerker und direkter und offener steuert,
was die Politik zu tun hat. Ueber die EU werden Bundesgesetze ausgehebelt,
wie Laendergesetze durch Bundesgesetze "gebrochen" werden.
Alte und uralte Gesetze werden nicht etwa ausgemistet, nein, sie werden verschlimmbessert,
bis sie nur noch ein "Fachmann" entraetseln kann. "Auslegbar" gehalten, entbehren sie
der klaren Sprache unseres Landes inzwischen vollkommen.
Nur so kann eine ganze Berufsgruppe fuerstlich daran verdienen, daß die Bevoelkerung
ueber diesen raffinierten Umweg weiterhin als "dumm" angesehen werden kann,
wie zu den Zeiten des Analphabetismus..
(Dazu passt der Spruch: "Unwissenheit schuetzt vor Strafe nicht" - http://de.wikipedia.org/wiki/Ignorantia_legis_non_excusat -
wobei "Ignorantia" aus dem Lateinischen ein wenig schraeg uebersetzt ist:
Unwissenheit oder nicht wissen wollend (Ignoranz)
ist doch ein deutlicher Unterschied, findet ihr nicht auch?

Demagogen und Redner gab es schon zu allen Zeiten, unterstuetzt durch Fahnen und Hymnen
und dem ganzen Getoese, wie die Kaempfer zu allen Zeiten und bei allen Voelkern sich
vor der "Schlacht" oder dem Kampf Mut antanzten und in eine seltsame Euphorie kamen..

Zurueck zum Buch aus Leun:
Die sagenhafte Nachlaessigkeit bei der Pflege von Gebaeuden ist gut dokumentiert.
"Schnurren-Erzaehler" gab es noch laenger nach dem WKII, als Ueberbleibsel der radio- und fernsehfreien Zeit.
Man sieht die autofreien Straßen, die noch nicht "aufgepflastert"
und "verkehrsberuhigt" sind, ohne Buergersteige, bestenfalls mit Rinnen,
durch die Jauche, zuweilen auch Blut vom Schlachten floß, weggespuelt durch Abwaesser aus der Kueche.
Eine einsame einfache Straßenlampe, die an Drahtseilen ueber den Verkehrsweg gespannt wurden,
ein Schild an einem normalen Wohnhaus ohne Schaufenster:
"Kolonialwaren" und ein paar erste Emaille-Reklameschilder von heute noch bekannten Marken
an der Wand zu dem Tante-Emma-Laden..
.. Haustreppen, die direkt auf die Straße münden, keine Zierblumen, keine Abfalleimer,
kaum Schilder, die zu anderen Orten zeigen- und schon mal
gar keine Verkehrszeichen von der Art, wie sie heute zu dutzenden an allen Ecken der Orte und Staedte sind.

Die Fachwerkhaeuser, die man heute sieht, sind sehr viel besser in Schuß, als zur Zeit ihrer Erbauung!
Alles wurde in Handarbeit gemacht, auch die Straßen- wie man auf den Fotos des Buches sehen kann.

Noch ein Fundstueck: Alemannen sollen aus "alle Mannen" und Franken aus "frank, frei" kommen.

Uralte Grenzsteine der Hofgueter und Gemarkungen oder Herrschaftsgebiete sind
heute noch ueberall im Land zu sehen.

Es ist 1643 sogar von einer "Schultheißin" die Rede, die spaeter als Hexe verbrannt worden sein soll..

Man nannte schon in fruehester Zeit: "Edele" (Adlige),
Freie, Hoerige oder Halbfreie und Leibeigene oder Knechte- bei dem Adel
gab es hoeheren und niederen Adel, letzter war dem ersteren dienstbar.

Die Zehnten-Abgabe erfolgte bei der Ernte- 11 Garben- wobei der 11. dicker war,
gehoerte dem Herren, als der Zehnt.
Von bestimmten Grundstuecken wurde der "33" abgegeben, - 2/3 der Herrschaft, 1/3 dem Pfarrer.

Erst um 1750 hat sich das Handwerk so richtig ausgebildet,
das zum traditionellen Ackerbau ein weiteres festes Standbein gab-
spaeter konzentriert, was taegliche "Pendeleien" noetig machte, aber auch mehr Wohlstand brachte.

Alte Rechte (Dachtraufrecht, Zwischenwaende oder Aole, Ueberwanderungsrechte,
Anwender, Draufwender, Notwege oder Olleswege wurden groeßtenteils
durch die Gebietsreform der Landwirtschaft ueberfluessig.

Die Alten gingen mit dem Kitzel auf dem Kopf, auf dem ein Korb war
und mit Rucksack auf dem Ruecken zu den Maerkten, wo Butter, Kaese und Eier feilgeboten wurden.
Dort kauften sie Hausgeraete, Spielsachen und auch mal Weck oder Brezel fuer die Kinder..

Im Buch ist ein Bild mit einem Pferdegespann vor dem Bahnhof,
der Wagen voll mit Kisten, in denen Sprudelflaschen der Biskirchener Quelle waren..
..alles per Hand auf- und abgeladen- Eisenraeder, Holzspeichen, Trense,
Zuegel, Deichsel- aber: Der Wagen war schon gefedert, was fuer einen Fuhrwagen eher selten war:
Sprudel ist empfindlich!

Kuhgespann, großer Heu-Leiterwagen, der Bauer mit Hosentraegern zieht am Geschirr,
die Baeuerin mit weißem Tuch auf dem Kopf ist auf den Knien auf dem Wagen und setzt das Heu zurecht,
nebenan stuetzt sich ein Schnitter auf die Sense mit Reff, die Frau buendelt die Garben..
Ein Bild wie aus einer anderen Zeit.
Junge Leute machen Pause bei der Getreide-Ernte und haben bei der Brotzeit
so manches zu erzaehlen, lachen, die Holzrechen liegen daneben.
Zwei alte Maenner (vermutlich hatten die nicht mal mein jetziges Alter)
spannen eine schwarze Kuh mit hellem Maul vor einen einachsigen Holzwagen,
mit dem sie Getreide zur Dreschen fahren wollen..
Die ganze Versammlung, jung und alt, steht bei dem Lokomobil,
das die große hoelzerne Dreschmaschine mittels Transmissionsriemen antreibt,
sie hocken auf dem Wagen mit den Getreidesaecken und wollen mit auf das Bild..
(Kein Wort von der heutigen Scheu "oeffentlich gezeigt zu werden"!)
Das Abladen der Getreidesaecke und das Verbringen auf den Kornspeicher wird
auf einem anderen Bild gezeigt- "auf dem Ast", dh. auf einer Schulter wird der schwere,
voluminoese Naturleinen-Sack getragen.
Staubige und schwere Arbeit war "Mann" gewoehnt.
Ein Mistwagen mit zwei Kuehen davor, ein aelteres Paar steht dabei,
im Hintergrund an der Scheune, bei der Mistkaute eine gußeiserne Handpumpe
fuer die Guelle.. ein Huhn kratzt auf dem Mist.
Das naechste Bild zeigt das Fruehstueck in der Kartoffelernte, an das ich mich auch noch erinnern kann:
Gut eingepackt, Maenner und Frauen, zuweilen auch etwas groeßere Kinder,
die sich beim Bauern einen Sack Kartoffeln verdienen wollen um zur Ernaehrung der Familie beizutragen.
Frueher was das selbstverstaendlich- jeder packte an.
(Fuer uns Kinder war die Anleitung zur Arbeit schon sehr interessant,
hinterher hatte man das gute Gefuehl "wichtig" gewesen zu sein.)
Das Buch zeigt Bilder vor der Schmiede, wo Kuehe und Pferde beschlagen wurden,
neue Hufeisen bekamen- eine harte und schwere Arbeit, die nicht ganz ungefaehrlich war.
Gerade die Nutztiere waren zuweilen unberechenbar launisch.
Deshalb waren gleich mehrere Maenner damit beschaeftigt:
Einer hielt das Tier am Zaumzeug, einer hielt das Bein des Tieres gekruemmt hoch,
der Dritte erledigte das Auskratzen des Horns und das Herausziehen der alten Hufnaegel aus dem Horn,
damit das Hufeisen abgemacht werden konnte.
Dann ging umgekehrt das Aufnageln der neuen Eisen,
die zuvor in der Groeße und Weite angepasst werden mussten..
Das stank nach verbranntem Horn, Eisen aus dem Feuer hatte auch nochmal einen speziellen Geruch.
Den Schaefer sieht man heute noch auf der Weide, wenn auch mit Stromdraht-Zaun.
Die Hunde sind geblieben.
Ein Bild zeigt ein Szenario von 1928: Niedrige flache Gewoelbedecke, weiss gekaelkt,
eine aufgewalzte Borduere in halber Raumhoehe in der Laenge und Breite, darunter eine Leiste
mit einem breiten Oelfarbeabsatz bis zum Boden.
Ein karge Holzbank, 3 Stuehle, ein alter Tisch mit Tischdecke, drumherum prosteten sich 5 Leute
mit rotem Wein zu. (Vermutlich selbstgemachter Johannisbeer- oder Himbeer- oder Holunderbeerwein.
Die Rezepte sind auf meinen Seiten zu erfahren: http://www.plaetzchenwolf.eu/Ur.html ) Vor diesem Tisch
saß ein juengerer Mann verkehrt herum auf einem Stuhl, an dessen Lehne der sich -irgendwie krampfhaft-
festhielt. Er hatte ein weißes Tuch umgebunden, damit die Haare beim Schnitt nicht
auf die Kleidung oder in den Kragen fielen. Sorgfaeltig schnitt der Friseur mit Kamm und Schere-
an einem Kabel hing von der Decke eine elektrische Scheer-Einheit herab.
Die Frau des Friseurs unterhielt die Wartenden mit besagtem Wein..
Das "Steinerne Haus" wurde leider 1980 abgerissen, weil es baufaellig war-
damals galt das Restaurieren noch nicht allzuviel, besonders dann nicht, wenn diese aufwendigen Spezialarbeiten
von privater Hand getragen werden sollten. Nun ist also das aus dem 30jaehrigen Krieg stammende Haus weg,
unrettbar verloren.
Ein Foto zeigt einen schwarzen, mit feierlichen Verzierungen, hoelzernen kleinen,
aber prunkvollen Beerdigungswagen, aehnlich wie in manchen Filmen aus New Orleans zu sehen-
1970 wurde dieses Fahrzeug verschrottet.
Feste hat man gefeiert, wie sie fielen - gerne und ausgiebig- wie gesagt, es gab weder Radio noch Fernsehen,
was "Urlaubsreisen" waren, wusste eigentlich kaum jemand.
So entstanden die Kirmenbraeuche, die heute seltsam anmuten.
Man blieb wohl weniger oft allein, weil die Braut "versteigert" und oft getanzt wurde -
die Vereinsamung junger Leute ist trotz oder wegen ? moderner Kommunikation deutlich auffaelliger.
Man war oefter in Gesellschaft und feierte oder saß nach der Arbeit vor den Haeusern.
Nicht nur in den Spinnstuben ging es hoch her, sondern auch auf Geburtstagen und Taufen, Hochzeiten u.aehl.
Wettkaempfe aller Sportarten und Kirmes waren immer ein beliebtes Event.
Ein Foto des alten Rathauses muss ich unbedingt beschreiben:
Ca 5x3mtr großes zweistoeckiges Haeuschen mit 45Grad dach, dessen Schiefereindeckung ziemlich bemoost
und auch schon etwas lueckenhaft war, ein hoher, schmaler Schornstein in der Mitte des Daches.
Die mehrteiligen Doppelfluegelfenster mit dunklerer Einfassung waren schon in die Jahre gekommen,
im Parterre nur eine einfache Tuer mit zwei laenglichen Glasscheiben und zwei einfache Aushang-Kaesten
fuer Bekanntmachungen. Daneben ein s-foermiger eiserner "Anker" im Mauerwerk.
(Damit die Wand zusaetzlich stabilisiert blieb)- recht daneben in der Breitseite des Hauses,
wo die Eingangstuer ist, ein paar Leitungen, die ueber dem maroden Putz gelegt wurden-
eine davon hat in gut 2mtr Hoehe einen Schalter, damit die an der Ecke befestigte
einfache Lampe -kurz unter dem Dach- ein wenig Licht spenden konnte.
Ueber der Tuer war ein Rechteck weiß ausgemalt, auf dem aus schwarzer Druckschrift "RATHAUS" stand.
(Die A's waren irgendwie etwas zu klein geraten)
Rund um dieses Rathaus war ein garstig buckliges Katzenkopf-Pflaster- oede und wenig einladend.
Die Fassade war in gut einem Meter Hoehe schon ziemlich schwarz und feucht von dem
hochspritzenden Regen, der dort in den Jahren seine Spuren hinterlies.
Ein anderes Bild zeigt die Schulgarten,der erhoeht zur Straße mittels einer Mauer,
mit einem Drahtzaun umhegt angelegt war.
Auf "Schoenheit" hat man wohl keinen Wert gelegt, wie die Bauerngehoefte an der Hauptstraße zeigen
- erst sehr viel spaeter hat sich da einiges getan- bei den Bauern in unserem Dorf noch heute nicht..
Sogar die Hausschlachtung ist im Bild festgehalten, hohe einfache Lattenzaeune, Bruchsteinmauern,
Masten fuer Telefon und Strom kamen spaeter dazu.
Jeder hatte einen kleinen Garten, einen Birn- oder Apfelbaum oder Spalierobst, was weniger Platz wegnahm.
Regenwasser hat man schon frueh in Tonnen aufgefangen, Wasser war immer wichtig!
Die Kinder sind den abschuessigen Weg mit den Rodelschlitten zu Tal gebraust
und hatten einen Riesenspaß dabei.
(Heute waere das wegen der staendig und ueberall fahrenden Autos zu gefaehrlich)
Der Unterschied zwischen arm und reich zeigte sich auf dem Ort eher in der Ausschmueckung des "Equipments",
als in dem Vorhandensein desselben.
Ein gerade nicht gebrauchter Handwagen war fuer die Kinder ein tolles Spielzeug..
Immer wieder sind im Bildband Fotos mit eingespannten Kuehen zu sehen, um die dann die ganze Familie posierte.
Die Stammtische in den Wirtschaften waren mit Bildern und Ausschmueckungen recht gemuetlich eingerichtet,
wie in der guten Stube daheim.
"Originale" wurden ebenso auf einem Bild abgelichtet, etwas seltsame Typen, die gerne ihre Spaeße machten.
Der Ortsdiener ging noch mit der Glocke herum und verkuendete die aktuellen Mitteilungen
der Gemeindeverwaltung - auch auf diesem Bild erkennt man, daß beleibe nicht alle Straßen gepflastert waren !
Kam bei Regen die große Flut von den Daechern der vielen Scheuen und Schuppen?
Viele Mauern um die Grundstuecke waren nur mit Bruchsteinen aufgesetzt, dh. nicht mit Zement
oder Speis gemauert.
In der alten Zeit gab es fuer alles Vereine und Klubs- so 1923 einen Mandolinenklub in Leun,
Feuerwehr und Gesangsverein, Turner- und Fussball.
Alle machten Umzuege und Feste, wo die Teilnehmer gut geschmueckt und entsprechend gekleidet waren-
das "beste Stueck" wurde angezogen.
Der Stockbach war nicht verrohrt- wie bei unsererm Ortsteil Weinbach, der sich die ganze Hauptstraße
entlang schlaengelte und regelmaeßig fuer volle Keller sorgte, wenn nicht schnell genug gehandelt wurde.
Einfache Holzbohlenbruecken vor den Haeusern gingen ueber den Bach, der an einigen Stellen mit Bruchsteinen
eingefasst war, damit wenigstens eine kutschenbreite Platz war.
Schwere steinerne Einfassungen und Eisentore gab es auch, aber nur bei großen Domainen und Gutshöfen etc.
(oder Gebaeude in Kirchenbesitz)
Frauen sah man nie auf den Bildern aus Wirtshaeusern.
Frauen waren im Wald mit der Hege beschaefigt, wo sie bei der Saat und Kultur der Anpflanzungen
zu tun hatten oder bei der Waesche, beim Kochen oder im Stall..
An den Bildern erkennt man doch, wie sehr sich der Straßenverkehr entwickelt hat -
wer rechnete damals schon ersthaft mit "Gegenverkehr"?
Das kleine Bahnwaerterhaeuschen mit Schranke huetete die eingleisige Strecke, die heute automatisiert
und mehrgleisig, inzwischen laengst mit einer Bruecke ueberbaut wurde, die von der Umgehungs-
oder Schnellstraße ins Dorf abzweigt.
Mit heute unvorstellbar primitiven Mittel ausgestattet, grub man nach Bodenschaetzen.
Die Gemeinschaft war allemal staerker als heute, man musste zwangsweise zusammen arbeiten,
sonst waere die Ernte wohl nie trocken in die Scheune gekommen.
Ein Bild zeigt die alte Schule, wo auf einem Postament davor die Milchkannen standen,
die vom Molkereiwagen abgeholt wurden.

Soviel aus diesem Buch der Gemeinde Leun, das ich erst einmal von Bleistiftbemerkungen befreien durfte.
(Das Radiergummi ist schon halb weg)



Geschichtliches

Ein paar Schnipsel aus Limburg gefaellig? Bitte sehr:
"Das Erzstift Trier war im 12. und 13. Jhd in den Westerwaelder Raum und ins untere Lahntal vorgedrungen.
Mit Hilfe einer energischen Befestigungspolitik, begleitet von Lehens-
und Oeffnungsvertraegen sicherte sich Erzbischof Balduin seine territorialen Interessen an der Ostflanke des Erzstifts"

An der Grenze vom 15. zum 16.Jhd verschaerften sich die Konflikte in den deutschen
Staedten durch die wirtschaftliche Krise und der Bevoelkerungszunahme.
Sinkende Einkommen, steigende Nahrungsmittelpreise brachten eine Ueberschuldung.
Das Stoff- und Tuchgewerbe hatte zugleich eine schwere Absatzkrise, Mißwirtschaft bei den Stadtraeten..
..die Gegensaetze zwischen der Buergerschaft und letzteren veranlasste den Kurfuersten
einzugreifen um Vetternwirtschaft zu vermeiden.
(Siehe Pr ofalla zur Bahn, fuer ein "Gehalt" von mehr als 1,3 Millionen Euro im Jahr
fuer einen Gefaelligkeitsposten)
1577 ordnete der Erzbischof Jakob III u.a. an, daß eine Schule einzurichten sei,
"sorin die jugent in der alten catholischen religion
und gotesforcht instituiert und erzogen werde. Auch sollte kuenftig keine Person,
so der alten catholischen religion nit zugethon,
in den Rhadt noch burgerschaft ufgenomen werden."
Vor der Beendigung der Predigt und Messe hatte niemand die Kirche zu verlassen,
an Feiertagen war die Messe zu hoeren, statt die Zeit im Wirtshaus zu verbringen-
und an Fastentagen sollte kein Fleisch gegessen werden.

Damals leitete man die Legitimation der Macht von Gott ab, egal ob bei dem Klerus
oder bei den weltlichen Herrschern.
(Heute von demokratischen Wahlen von Personen die keiner kennt, die ihre Einstellungen aendern,
in Parteien, die sich durch Koalitionsvertraege an ihr eigenes Wahlversprechen nicht mehr zu halten brauchen;
unheimliche Geldgeber im Hintergrund wuerzen die Sache)

Das Limburger Stadtbuch hat fuer alle Dinge ein besonderes Kapitel,
alles wird haarklein geregelt oder vorgeschrieben. Das Erzbistum laesst nichts aus.
So ist von den Aemterbesetzungen die Rede: Stadtschreiber(19) Rats und Stadtknechte (20)
Rentmeister(23) Baumeister(24) Waechter(21) Pfoertner(22) Stadttuermer(67)
Schroeder(28) Weinrufer(29) Unterkaeufer(31) Marktmeister(38) Zoellner und Wieger(63)
Moetter(39) Heimbuerger und Eichung der Maße und Gewichte(49 Schuetzen(40) Unzuchtmeister
und Bettelvogt(48 Hospitalmeister(62 Hebammen(64)
Die Klammerzahlen verraten das jeweilige Kapitel, in dem die Vorschriften dazu findbar sind.

Man liest von Bendern, Tuchstreicher, vom Eid der Geschworenen, vom Buergereid und Buergergeld,
von Nachsteuern und Kappeshauen..

"Ordenung der oberkeitt" und aehnliche Sachen sollen hier nur am Rande vorkommen,
ein paar Sachen will ich dennoch nennen, um die damalige Schreibweise zu demonstrieren:

"Dieweyll radtgebenen oder Radtsman und regirer zu erhaltung leutt
und stedtt auch noturfft der burgerschafft und gemeinen nutz zu betrachten erkorn und gesatztt sollen werdenn,
will van notten sein, in irer handlung ordenung zu halttenn und sich guetter gewonheit zu befleisen,
und obgleich bei den alten und vorfarn arg gewonheiten,
die nit auß redlichen ursachen entstandenn weren, gewesen, dieselben abzustellen,
damit die burgerschafft gemeiner nutz durch sollich regierer und ire gebott
und verbodtt (soviel dem rechten gemeß) friedlich uffenthalten, ersamlich leben,
einander nit beleydingen und einem iglichen sein recht ergehen lassenn,
dan solliche regirer sein Gott dem almechtigen und der oberkeitt umb ir regiment
und gewalt schuldig rechenung zu gebenn.
Dorumb will sichs geburn, in allen handlungen hochstens vleiß,
rechtter ordenung und erkentenuß bei iren eiden, das sie sich in keinen wegck mißbrauchen,
sonder sich selbpst, die underthan und iren gewalt ordenlich regiernn,
ire statuten und alt loblich herkhomen, gewonheiten (die zu leiden seint, hathaben), die stadtt,
gemeine burgerschafft, auch gemeinen und sondern nutz zu jeden zeittenn betrachtten,
welliches sonder zeiffell one beistandt des allmechtigen Gotts
(von dem alles gutt und gewalt khomptt) nit volbrachtt werden mag,
were nott und weißlich umbe hielff und guetten radtt Gott in sonderheitt hochstes vleiß anzuruffen"

"Vonn dem unzuchttmeister unnd bettlerfraudtt:
Der soll alle unzuchtt zu straffenn anpringenn unnd, sovyell ime bevolhenn wirtt, straffenn,
nemlich: Allenn, die in der unehe sitzen,
die kuppelei treibenn unnd andere leutt in untugenden uffhaltten, die vatter unnd mutter unehern,
die Gott lestern und schwerlich schweren,
die zauberei treibenn, sich des ußgebenn oder andere leut berurent, offener oder heimlicher wucherer.
Die fauen oder man, die ir ehe brechenn, sollen am leib und gutt bestrafft werden,
dorzu rugbar dem send syn, soll ein achtung uff die juden haben
unnd ir verbrechen zu straffenn anpringen.
Item die jden sollen ir underscheidlich kleider und zeichenn tragenn, sie seit heimisch oder frembdtt.
Die juden sollten affter der zeitt ires geleidtts, woher sie khomen, iren zoll gebenn,
wie die rechtt weisen und noch altter gewohnheitt.
Die juden sollen keinerlei gewerb oder hantierung mit dem cristenn treibenn.
Sie sollen wider den cristlichenn glauben niths understheen zu versuchenn oder handlen.
Item sie sollen keinem burger sein pfandt vereussern innerhalb jharsfriest
und 6 wochenn, sunder eim jeden dieselbigen bei dieser zeitt
aneverlustig halttenn lautt irer verschreibung unnd bei der buß.
Sie sollen kein pfant, die von burgern verstheen, keinem außlendischen
fur die stadt verkauffen, ehe er sie vor drey merck feyll gehaptt habenn.
Wo sie dan ein burger kauffen wollt, so sol ers innen fur einem frembden neher gebenn,
und ob die pfant der zeitt vo keinem burger gekaufft wurtt,
so solls der jude einem burgermeiswter zu versthenn gebenn unnd die pfannt
sunder der burgermeister wissenn nit verkauffen oder vereussern by der buß..
Item die juden sollen inn der karwochenn vom Rußmitwoch an biß
noch den Osterfeiertagenn ire fenster unnd tuere nit offnen noch under die kriesten wandern.
Itel die juden sollen gewonlichen zehennt uß iren guettern der kirchenn entrichttenn.
Die cristenn sollen mit den juden nit essen oder drincken.
Es soll auch niemandt die juden wider rechtt weder an leib noch gutt beleydingenn.
Niemandtt soll sie in iren festen und ubungen nit iren.
Kein christ soll von den juden ertznei einnemen.
Item sie sollen auch an irem Sabeth fur keyn gerichtt getrungen werdenn.
Item die juden sollen wider kein cristen zeugen oder zeugnus tragenn.
Item was die juden betasten oder angreiffenn von essent speiß und nit kauffenn,
sollen die buß geben.
Item das sie diepstall uber ir schulbandtt verhilten, sollen 9 goltgulden zu buß geben.
Item so ein jud einem burger uff sein uffesetzt gewer gellt leichtt, soll der jude und burger gestrafft werden.
Itelm der unzuchttmeister soll achtung habenn uf diejhenigen, die heimlich wachs,
wolle, garn, thuch und anderen hausßradtt verkauffenn
und alle diejhenigen, die uberbrach und uber ir vermogen sich kleidenn, dopleten spielten,
dhamit sie zu armut und verderbenn khemen, zu straffenn anpringen.
Item die weinschleuch und zutrincker, die an heiligem gebanten dagenn
vor der messe ludri mit fressen, sauffenn, spiellen oder ander ungefur treibenn,
sollen gestrafft werdenn, uff das solliche, die sich mit irer arbeit ernern sollen,
nit also verderbenn, wan es zu gemeinem nutz zu abfell dienen will.
Item der zuchtmeister soll auch ein uffsehens uff die betteler habenn, keinenfrembden bettler
uber ein nachtt in der stadtt nit leydenn, einer hette dann seins pleibens redliche ursachen.."

Das soll uns mal genuegen...

Zum geologischen Ursprung habe ich zwar schon einiges herausgefunden, ab und an ist dennoch etwas dabei,
was lesenswert sein duerfte:
ca 400 Millionen Jahre her ist die Zeit, die man als "Devon" bezeichnet,
wo unser Kreisgebiet noch in der Naehe des Aequators gelegen haben soll.
Am suedlichen Rand des "Old-Red-Kontinents".
Darunter war ein flaches Meer, in dem sich in 20 Millionen Jahren eine dicke Schlammschicht ansammelte.
Der Boden war noch instabil, gab nach, so sank diese Schicht bis zu einer Maechtigkeit von 10.000mtr Dicke ab.
Die Gezeiten zerschlugen Felsen und Straende, zusammen mit den Resten von Meeresgetier wurden
verdichtet und versteinerten zu Tonschiefer,
andere Stellen zu Sandstein oder Quarz oder Grauwacken, je nach Zusammensetzung.
Manche Landmassen sanken ab, andere wurden angehoben, Bruchkanten entstanden,
der Vulkanismus lies Magma regnen, der als Basaltkegel heute noch erkennbar ist.
Im Westerwald bis zu 50mtr dick.
Aus hunderte Kilometern an die Oberflaeche gespuckt, hat das Gestein Hohlraeume und Blasen gebildet,
die mit Kalkspat ausgefuellt wurden oder Eisen einschlossen.
Reste von Kalkriffen wurden zu Marmor.
Die Karbonzeit dauerte wohl 60 Millionen Jahre, indem ueber Pflanzen Ablagerungen
durch vulkanische Taetigkeiten oder Umschichtungen oder Absenkungen aufgeschichtet und verdichtet wurden.
Die alten Kontinentalplatten wanderten, rissen Gebirge auseinander, falteten andere Gegenden auf.
Diese schraeg verlaufenden Steinschichten kann man in fast jedem Steinbruch betrachten -
diese Schichten brachten Erze und Gesteine in "greifbare" Naehe.
Die Erde ist noch immer nicht ganz zur Ruhe gekommen -
seit etwas zwei Millionen Jahren soll sich die Gegend um Koblenz jedes Jahr um einen Millimeter heben..
Die Baeche und Fluesse sind nicht immer im gleichen Bett, nicht mal auf der gleichen Hoehe geflossen,
wie man an den Kiesablagerungen auf den Mittelgebirgen z.T. noch ganz gut sehen kann,
wo Kiesgruben noch fleissig am arbeiten sind.
Dann kam das Eiszeit-Alter und mit ihm der Mensch..
Die Geschichte unserer Spezies kann man in der Gegend der Lahn gut 50.000 Jahre zurueck verfolgen.
In Steeden ist Kalk in großem Stil industriell abgebaut worden -
leider sind dabei auch unersetzliche Hoehlen vernichtet worden!
In diesen Hoehlen sind jede Menge Spuren und Zeichnungen zu sehen gewesen,
viele Dinge hat man dort gefunden, die bis zu 70.000 Jahre alt sein sollen.
1953 sind die letzten Reste dem Bagger zum Opfer gefallen.
In einer einsamen, sehr bewaldeten Schlucht, wo frueher die Bauern mit ihrem Vieh
vor Uebergriffen der Soldatenpluenderer Zuflucht fanden,
ragen die Felswaende 25-30mtr hoch in der "Leer" war in halber Hoehe ein ca 60cm
breites Felsgesims, ueber das bei der Schneeschmelze Wasser floß.
Dieser Gesims-Pfad fuehrte zu den Hoehlen, die nun leider weg sind: Die "Feldscheuer" Hoehle
war 12mtr ueber der Talsohle wie ein dreieckiges Portal 7mtr breit und 6mtr hoch.
Innen wurde es etwas enger, bis zu einer 2x2mtr großen Rueckwand,
durch die ein 1mtr breites und 60cm hoher Durchschlupf nochmal 4-5 mtr in den Fels ging.
65mtr weiter war die 2. Hoehle, das "Wildhaus", mit einem 3,5mtr hohen Eingang.
Nach 3,5mtr waren zwei Wege in der Hoehle, einer 7 und der andere 4mtr lang.
Eine schwache Quelle, ein Felsblock (wohl kultisch) und eine kopfgroße
Vertiefung waren verzeichnet. Das Wasser soll gegen Augenleiden geholfen haben.
1874 wurde systematisch gegraben und Feuerstellen, eiszeitliche Tierknochen, altsteinzeitliche Geraete gefunden.
1892 wurde durch Zufall eine 3. und 4. Hoehle entdeckt, "Totenhoehle" genannt -
dort waren menschliche Skelette und Tonscherben enthalten.
In einem 12mtr tiefen Schlot entdeckte man auffallend viele Kinderskelette.
200mtr weiter war noch eine jungsteinzeitliche Bestattungshoehle.
1905 fand man Tierknochen und Geraete, Messer, Kratzer, Stichel und Schaber aus Kieselschiefer,
bearbeitete Knochen und ein Pfriem aus dem Mittelfußknochen eines Pferdes..
Spaeter fand man noch einen Faeustel und weiteres Geraet, als die Abbauarbeiten
ihren Fortgang nahmen und alle Reste der Hoehlen verschwanden.
Viele Gegenstaende waren kunstvoll bearbeitet - zwischen Resten zotteliger Urelephanten
fand man eine aus Stein geformte Perle, ein Schmuckstueck aus der Eiszeit!
Die zu dieser Zeit lebenden Menschen waren offenbar Jaeger und noch keine Ackerbauern.
Spaeter wurden in der Gegend Ringwallanlagen gebaut - es muss wohl ein kultischer Ort gewesen sein.
Zwischen 10.000 und 5.000 Jahren v.Chr. erwaermte sich das Klima allmaehlich,
die Menschen hatten sich schon weiter entwickelt, begannen Haustiere zu halten,
zu roden, Pflanzen zur Ernaehrung anzubauen, zu Weben, Tongefaeße zu machen - etc.

Doch welcher Volksstamm lebte nun tatsaechlich an der Lahn?
Diese Frage ist wohl noch immer unbeantwortet, wie die Frage nach dem Verbleib unserer "Volksvertreter",
die nur nach dem WKII - und da auch eher nur auf dem Papier vorhanden waren.
Heute wurden diese ersetzt durch Rechtsanwaelte und "Politikwissenschaftler",
die das "Volk" dazustellen scheinen oder eine neue Form des Adels bilden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die "PKW-Maut", wo in unserem Land auf dem Benzin ein Haufen Steuern,
die KFZ-Steuer zusaetzlich zu entrichten ist und auf jedes Ersatzteil, auf jede Inspektion
richtig viel "MWSt" geschlagen wird.
(Nicht nur ein Zehnt, sondern bald das Doppelte)
Die "Gleichbehandlung" von den unterschiedlichen Fahrzeuggroessen ist wichtiger, als das Verursacherprinzip:
Hauptsache mal Geld einnehmen, damit die Leute an der Spitze es fuer sich verjubeln koennen -
(Lobbykratur?! Gibt es dieses Wort oder habe ich es soeben erfunden?)
ihre eigentliche Klientel der "Besserverdiener" kann diese neue Maut sowieso von der Steuer absetzen..
Irgendwie kommt mir immer mal wieder der Gedanke, diese Leute an ihren eigenen Schnurren zu ziehen:
Pausenlos wird vom "Ehrenamt" schwadroniert, selbst aber sind sie nicht bereit,
auch nur einen Pinselstreich ohne Kohle auszufuehren!
Inzwischen halte ich es fuer eine gute Idee, ALLE politischen Spitzenaemter mit Ehrenamtlichen auszufuellen.
Alternativ mit Personen, die aus Geltungssucht bereit sind,
dafuer noch Geld mitzubringen,als welches zu kosten:
Es sind alle nur Repraesentanten, nicht mehr!

Doch nun lieber wieder zur Historie zurueck:
Aus Einzelgehoeften wurden kleine Dorfgemeinschaften, die mehr Schutz vor Angriffen von Tier und Mensch boten.
Die Roemer nannten dieses Gebiet spaeter "Pagus inferior",
was so viel heißt wie innerer Landbereich.
"Loganahi, Loganagowe und Lohngowe" waren wohl keltische Bezeichnungen dafuer.
Aus dem Zusammenruecken bildeten sich Gaue und Schutzzonen gegen Angriffe.
Mit der Besiedlung unserer Heimat, die vor den Franken spaerlich bevoelkert gewesen sein muß,
kam die Christianisierung, eine seltsame Krankheit, die bis zum heutigen Tag das Denken befaellt.
Schnell wurden Kirchen und Kloester gebaut, das diesen Leuten durch dauernde Hirnwaesche
zugefallene Erbland machte die Kirche reich und maechtig und selbst zum Herren und Herrscher
-nicht nur ueber die Koepfe, sondern auch ueber das Hab und Gut.

Bis zu dieser Zeit stellten die Familien daheim noch alles an Geraeten und Dinge
fuer das taegliche Leben her, sie tauschten, was einer besser als der andere konnte.
Der Berufsstand "Bauer" kam erst im 11./12.Jhd als Begriff auf- zuvor war das im Grunde jeder Dorfbewohner.
Danach folgten die spezialisierten Bereiche, das Handwerk entstand.
Erst um das Jahre 1200 tauchten differenzierende Begriffe wie "Soldaten", Bauern, "Buerger" etc. auf.
Weltliche und geistliche Obrigkeiten hatten mehr Mittel um zu roden, flaechig zu bestellen,
zu bevorraten etc. langsam, aber sicher brachte das viele Bewohner in Abhaengigkeit
der unselbststaendigen Zuarbeit und schnell kam der Fron fuer alle, weil die Herrschaften
immer maechtiger wurden, wie die Bevoelkerung abhaengiger wurde.
Gesetze wurden willkuerlich geboren, harte und ebenso willkuerliche Bestrafungen zementierten die Unmuendigkeit.
Aus wehrhaften Bauern wurden adlige Lehnsherren, die sich alles Land und den Wald
und die Quellen und die Gewaesser aneigneten und fuer alles von jedem Geld dafuer eintrieben,
waehrend derjenige, welcher die Pacht nehmen musste, in staendiger Existenzangst gehalten wurde.


(Wie heute auch wieder)
Zusaetzlich mußte dem Herren "gehuldigt" werden, was wie Hohn und Spott kam:
"ihrem Herrn treu und hold, gehorsam und gewaertig zu sein,
sein Bestes zu wirken und vor Schaden zu bewahren, alle hohe Ober- Herrlich- und Gerechtigkeit,
soviel an ihnen liege, getreulich und gehorsamlich handhaben und befoerdern zu helfen,
auch in Summa alles zu tun und zu lassen, was getreuen Untertanen eignet und gebuehrt."
In manchen Gemeinden war spaeter jeder 10. ein Kleriker oder Moench oder Nonne,
der religioese Eifer war aber gern truegerisch..
.. so fielen Martin Luthers Thesen bald auf fruchtbaren Boden.
Um 1570 waren 80% evangelisch, die katholische Seite versuchte diese Entwicklung
zu stoppen und ins Gegenteil umzukehren, beide religioese Gruppen gingen dabei oft gewaltsam und ruecksichtslos vor.

Viele Stellen in den Geschichtsbuechern und Chroniken wiederholen immer wieder
von gewalttaetigen Pluenderungen durch marodierende Soldaten, denen
nicht heilig war, die sich alle nur denkbaren Freiheiten und Gemeinheiten erlaubten.
Was selten zu lesen ist: Landesherren liesen Vorratslaeger anlegen, damit die Feldherren,
die durchzogen einigermaßen bedient werden konnten- in der Hoffnung, daß die Verwuestungen ertraeglich blieben.

Bei dem Ausbau des Absolutismus blieben die freien Bauern auf der Strecke;
Ende des 16.Jhds. wurde bei jeder Fehde alles vernichtet, was das gegnerische
Gebiet besaß, - verheerend fuer die Bauern.

Mit irren oder aberwitzigen Forderungen gegen seine Untergebenen gab der Fuerst
mit seiner eigenen, praktisch hausmacher Gesetzgebung alles,
um sich selbst wieder zu gesunden, egal wie sehr das "sein" Land ausbeutete.

So entstand eine Unselbstaendigkeit, die sich zum Kadavergehorsam des Militaers steigerte
und zum "Ruhe ist die erste Buergerpflicht" oder zum "Unwissenheit schuetzt vor Strafe nicht"-
zum "Law and Order" - aus solchen Dingen waren Kriegen moeglich,
ohne Protest und in der gemeinsamen Euphorie erwuchs das, was man "Patriotismus" nennt.

Das ganze Leben er Abhaendigen wurde bis ins kleinste Datail geregelt, wie heute wieder..

Bedingungslose Unterordnung ist das, was auch heute unsere Kontrollfreaks lieben
und da machte die Kirche immer schon begeistert mit!

An Pflichttagen wurde am Ruegengericht erschienen, jeder "durfte" kommen
und seinem Fuersten huldigen. Selbst geringe "Vergehen" brachten strengste Strafen.

Die Kirche setzte nochmal eins drauf und machte das Almosengeben zur "christlichen Pflicht" -
in der 2. Haelfte des 15.Jhds verloren viele ihr Einkommen, so zogen große Mengen an Bettelvolk durch die Gegend.
Wahrsager, Saenger, Gaukler, Possenreißer,- die Vorlaeufer der Kirmesleute-
bis zu ganzen Diebesbanden - der Uebergang zum "etablierten" Publikum war fließend,
weil Diebesgut irgendwo einen Hehler brauchte..

Auf Erbitten des "von Gottes Gnaden eingesetzten, Wir, Wilhelm Friedrich, Prinz von Oranien"
bei Freiherrn von Stein ist auf fruchtbaren Boden gefallen, "um Ruhe und Ordnung wieder herzustellen":
1814 wurde jeder Mann zwischen 16 und 60 Jahren zum "Volkssturm" einberufen und bewaffnet.

So manche Idee war also schon lange vor dem "1000jaehrigen Reich" da!

Frondienste waren von jedem Bewohner zu leisten, wer keinen Wagen mit Zugtieren hatte,
durfte fuer den Fuersten Wild treiben, Netze aufstellen, Graeben ausheben, Schneisen im Wald schlagen,
Teiche reinigen, Baeume schlagen, Holz hacken, Botengaenge machen -
dafuer gab es pro Mann und Tag ein Maß Bier und 2 Pfund Brot.
Die Aufseher oder Aufsichten (Schultheiße, Ortsvorsteher) erhielten mittags und abends Suppe,
Gemuese und Fleisch.
Diese Vorgesetzten durften sofort mit dem Pruegel zuschlagen, wenn ihnen was nicht passte,
wie in den Staaten die Gefaengnisaufseher oder die Viehtreiber.

1847 unterstuetzte die Herzogliche Landesregierung die "Versuche ueber das Brodbacken aus Mehl,
vermischt mit Dickwurz, weißen Rueben und Erdkohlraben"
Solches Brot sei "von gutem, dem anderen Brod gleichkommendem Aussehen und schmackhaft-
aber im Preiß bedeutend geringer"
Dem diametral entgegen stand das anspruchsvolle Leben der Bestimmer,
das heute recht aehnlich funktioniert:
Kleine Leute schafften von frueh bis spaet, um das Jahr 1800 ca 65 Stunden die Woche,
um 1840 sogar 90 Stunden, danach langsam wieder auf 60 Stunden reduziert.
Arbeitskraefte gab es genug, eher als Ueberangebot, wie heute,
damals wie heute sanken dadurch die Loehne, was sich auf die Gesundheit auswirkte.
(Heute durch die Krankenversicherung und Sozialhilfe abgemildert)
Die Zahl der Nebentaetigkeiten wuchs sprunghaft an - damals wie heute.
So gaben viele als zweiten Beruf "Leineweber, Schuster oder Bergmann" an.

In der Bronzezeit wurden die Menschen 18 Jahre alt, um das Jahr 1000 ca 30 Jahre,
um 1800 ca 38 Jahre, um 1850 waren es wohl 40 Jahre -
erst 1900 ueberstieg die Statistik die 50er Marke.

Die Kirche berief sich auf das alte Testament, um den 10. einzuholen:
"Alle Zehnten im Lande vom Samen des Landes und von Fruechten der Baeume
sind des Herrn und sollen dem Herrn heilig sein.
Und alle Zehnten von Rindern und Schafen, von allem, was unter dem Hirtenstabe geht,
das ist ein heiliger Zehnt dem Herrn"
Selbstgemacht ist halt hausgemacht, Gesetze und Verbote, "heilige" Schriften und andere Knebeleinrichtungen.

Noch 1819 wurde alles bedingungslos unterdrueckt, was nach Zusammenrottung der Bevoelkerung aussah,
auch Vereine- am schlimmsten trieben es die Preussen.

Klar, dass das den Aufruhr von 1848 anfeuerte..

In einem Flugblatt von 1901 prangerten die Sozialdemokraten die indirekten Steuern an:
die Besitzenden haetten 52 Millionen, die Arbeiter aber 1314 Millionen Mark durch indirekte Steuern aufgebracht..

Das "wir sind wir" Gefuehl wurde von der Nationalen Partei freilich besser aufgebaut-
man wollte endlich wieder Arbeit und Geltung- zusammen mit einem Ehrgefuehl
wurde eine Gemeinsamkeit gefoerdert und angefeuert, aus der -wieder einmal-
ein "Hurra-Krieg" erwachsen konnte.
(England hat das mit dem Falklandkrieg aehnlich hinbekommen, selbst in unserer aufgeklaerten Zeit)

Ich hoffe, daß das Heimatbuch aus Eschenau von 2005 im zierlichen Din A4 Format
mit seinen knapp tausend Seiten einige Kuriositaeten oder Begebenheiten bringen wird,
die fuer meine Seite von Relevanz ist..

1910 waren in Eschenau 45 bewohnte und 2 unbewohnte Haeuser,
108 maennliche und 106 weibliche Einwohner, 48 Gehoefte, 16 Pferde, 247 Rinder und 284 Schweine gelistet.

Mißernten durch extreme Hitze, durch Hagel, durch Dauerregen oder extremen Frost
tauchen in den Ortschroniken immer und immer wieder auf.

Die Zeit der Inflation nach dem 1. Weltkrieg zeigt die Situation der Besiegten grausam auf.
Blockaden, willkuerliche Absperrungen, Bestrafungen durch die Siegermaechte waren staendig.
Die Geldentwertung war so schlimm, dass der Bauer blitzfix etwas fuer sein Geld kaufen musste,
das die Kuh oder ein anderes Stueck Vieh erzielte,
sonst haette er andern Tags schon nur mehr die Haelfte des Wertes gehabt.
Die Gemeinde hatte 4.000.000 Mark durch Holz aus dem Wald erzielt um davon
eine Wasserleitung bauen zu koennen- als die erforderlichen Vorarbeiten beendet waren,
konnte man von dem Geld gerade mal das Gehalt des Foersters bezahlen..

Die Pflichten der Beamten: "Vor allen Dingen sollen sie der gnaedigsten Herrschaft treu,
hold und gegenwaertig sein"
Die Obrigkeit lies auf alles achten: Auf sparsame Haushaltsfuehrung,
dass "kein Geld aufgeborget oder Schulden gemacht" wurden -
so war "getreulich abzuwarnen".
Vor der modernen Zeit war die Aufgabe des Ortsvorstehers streng verboten unerlaubten
Vorteils sich anzumaßen.
Es wurden auch nur Personen dazu ausgewaehlt, die im Stande waren, anderen Leuten ein Vorbild zu sein.
Sie hatten sich "eines stillen, gottseeligen, ehrbaren und nuechternen Wandels zu befleißigen
und davor zu hueten, weder von herrschaftlichen noch von gemeinen Geldern etwas zu unterschlagen
oder zu veruntreuen, noch dieselben nach eigenem Vorteil oder Nutzen zu verwenden."
(Das ist heute wohl etwas sehr viel "lockerer"?

Das Gemeindebackhaus war in unserer Gegend recht einheitlich aufgebaut:
Ueber einem Natursteinfundament in rechteckiger Form, das in ca 1,20mtr Hoehe
mit einer Kalkmoerteldecke ausgearbeitet war, baute man ein Gewoelbe aus Basalt oder anderen festen Steinen,
was gerade vor Ort war.
Der Backofen hatte an der Stirnseite innen eine rechteckige Oeffnung zum breiten Schornstein,
das sorgte fuer gleichmaeßigen Abzug.
Im Schornstein war ein Schieber, den man je nach Windbedarf einstellen konnte.
Der Durchmesser des Schornsteins war sehr groß gewaehlt,
so daß er gut gereingt werden konnte.
Leider hinterließ der Backesrauch jede Menge an Teer, Bitumen, Harz,
Asche bis zum Glanzruß und ähnlichen Giften,
die man mit den damaligen Mitteln nicht beseitigen konnte-
langsam aber sicher wurde so der Durchmesser des Kamins immer kleiner
und die Gefahr des Kaminbrandes immer größer.

Die Landwirtschaft war immer Haupterwerb in der Vergangenheit, die Bevoelkerung war ja auch klein,
auf Oedland, Hutungen und feuchte Wiesen war man nicht unbedingt angewiesen.
Durch fehlende Duengung wurde der Boden staendig aermer
(wer nichts hineinsteckt, bekommt auch nichts heraus)
- als dann die Bevoelkerung zahlenmaeß mehr wurde, fehlte es schlicht an Nahrung.
So kam die verbesserte Dreifelderwirtschaft auf.
Heute hat sich die Erntemenge bei Getreide mind. versiebenfacht pro Hektar.
Bei der Milchwirtschaft ist eine noch deutlichere Entwicklung zu sehen:
Vor 100 Jahren gab die Kuh 800 Liter im Jahr, heute 6000 Liter !
Vor 100 Jahren gab es in Hessen 350.000 Schweine, 1970 jedoch 1,5 Millionen -
heute sind es 5-600.000 Stueck.

Im "tausendjaehrigen Reich" machten man landwirtschaftliche Betriebe ab 30 Hektar zu "Erbhoefen",
damit die weitere Zersplitterung in Kleinraeumigkeiten aufgehalten
und eine vernuenftige Betriebsgroeße gehalten wurde.

Die Molkereien setzten immer hoehere Qualitaetsansprueche an die Milch,
denn vor dem 2.WK litten noch viele Tiere an Tuberkulose, Brucellose und Leukaemie -
durch bessere Impfungen und bessere Fuetterungen und Haltungsbedingunen
brachte man diese Dinge in den Griff.
(Wie weit man diese "Haltungsbedingungen" als "artgerecht" anschauen mag,
ist jedem selbst ueberlassen- ich finde, dass selbst in Oeko-
und Staatsdomainen die enge Haltung im Stall vorgezogen wird)

Noch in der 1. Haelfte des 19.Jhds lebten viele Bauern in der staendigen Existenzangst,
die einzige soziale Absicherung war der Hof mit seinen Leuten, die Familie,
die auch den Alterssitz und das Auskommen und die Pflege uebernahm.
Eine hohe Kindersterblichkeit und das Kindbettfieber war ueberall zu sehen.
Erst unter Bismarck kamen landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften und die Krankenkasse auf.

Die Berichte in den Chroniken wiederholen sich, so richtig unbekannte Sachen
sind immer seltener zu entdecken- ob sich meine Seite "Geschichtliches" nun doch dem Ende naehert?
So wird die Fortsetzung sehr viel langsamer laufen.

Frueher gab es nicht oft Fleisch auf den Tisch, zumeist nur an Sonn- oder Feiertagen,
wie schon erwaehnt.
Im Sommer gab es oft Speck mit Eier, gruenen Salat oder Endivchensalat, Waffen,
Grieskloeße, Doerrobst oder Eingekochtes.
Milchsuppen, dicke Suppen, wie Kartoffel- Erbsen- Linsen- Gemuese-
oder Graupensuppe, Kartoffelpfannkuchen wurden gerne dazu gegessen.
Pellkartoffel, Dickmilch, Buttermilch gehoerten damals oft dazu.
Sonntags gab es Kuchen, selbstgebacken- versteht sich.

So mancher kleine Bauer betrieb noch einen Kraemerladen oder eine Branntweinbrennerei,
Obstpresse im Lohnauftrag, Gastwirtschaft oder einen Handwerksbetrieb nebenbei.
Vom Korbflechter bis zum Schmied oder Schuster- eben das, was nebei noch etwas Geld in die Kasse brachte.
Den Unterschied zwischen Arm und Reich nahm man gelassener hin als heute:
wer reich war, hatte den Reichtum verdient, wer arm war, hatte Pech.
Die einen sackten das Geld von den Kartoffeln ein, die anderen wuschen die dreckigen Saecke fuer andere..
Das Dorfleben damals kann man sich heute wohl nicht mehr vorstellen!
Aus meiner Kindheit kann ich sagen, dass die Hunde frei auf der Strasse herum liefen,
ruhig und unaufgeregt- Huehner und Katzen, Enten ebenso,-
jeder schnuffelte und kratzte da, wo es gerade gefiel.
Morgens ging der Viehhirte durch das Strassendorf und sammelte bei jedem Hof die Kuehe,
Schafe und Ziegen ein, die Abends wieder zurueck gebracht wurden
und von alleine in den richtigen Stall abbogen..
Autos gab es in den 1950ern kaum, einmal am Tag kam der Milchlaster um die Milchkannen
von der Milchpritsche abzuholen und bei der Verkaufsstelle zu halten:
Dort wurde Kakau, Milch, Butter und Kaese abgeliefert.
Diese Verkaufsstelle hatte als zweites Standbein eine Roman-Ausleihe, was damals recht beliebt war.
Es fuhren noch Kuh- und Pferdegespanne auf das Feld, die ersten groesseren Pfluege und Heubinder,
Heuwender - etc. kamen erst mit den ersten einzylindrigen Traktoren auf.
Es war in den alten Tagen nicht so laut wie heute, die Schreinereien waren noch beide im Einsatz,
zwei kleine Tante-Emma-Laeden, zwei Baecker
(richtige, die noch keine Fertigmischungen brauchten) waren da, ein Metzger ebenso.

Man lebte sehr viel bescheidener, was sich auch an der Einrichtung der Wohnungen zeigte.

Meistens hielt man sich in der geraeumigen Kueche auf, ganz selten nur im Wohnzimmer-
deshalb war die Kueche der einzig staendig beheizte Raum.

Wenn ein Kind geboren wurde, sprach sich das schnell herum, manche brachten der Woechnerin,
die 6 Wochen das Bett hueten musste, Milch, Mehl, Eier, Milch, Zucker vorbei,
was fuer den Kuchen sein sollte, der zur Taufe gebacken und zu den Gebern stueckweise hingebracht wurde..
Paten gaben auch Kleidung fuer den Saeugling, seltener Geld, das diskret im Umschlag kam.

Die Grossmutter erzog oftmals die Enkel, weil deren Mutter in ueberwiegender Zahl arbeiten musste.
(Auf dem Feld, als Magd oder in der Fabrik)

Viele Spielsachen gab es damals nicht, einfache selbstgemachte Puppen, Schaukelpferd, Kreisel-
ein Holzgewehr etc.

Koerperliche Zuechtigung war durchaus ueblich, der Unterricht begann mit einem kurzen Gebet.

War die Schulentlassung blieben baeuerliche Soehne meistens daheim, zumindest der Aelteste.
Die anderen lernten Maurer, Schuster, Schneider, Wagner etc.

Die Maedchen gingen zur Haushaltsschule oder zur Landwirtschaftsschule-
oder ging als Magd oder in staedtische Haushalte "dienen".
(Wohlhabende liesen die Maedels daheim, bis sie irgendwann mal geheiratet wurden..)
Verlobungen fanden in aller Stille, Hochzeiten jedoch mit um so groesserem Aufwand statt.
Mitte 50 waren die Menschen schlicht "verbraucht", die karge Kost
war vermutlich auch mehr oder weniger dafuer verantwortlich.
In jedem Garten baute man wichtige Heilkraeuter an- Pfefferminze gegen Magenschmerzen,
Kamille gegen Zahn- und Ohrenschmerzen.
Entzuendungen behandelte man mit heißem Seifenwasser.
Die Hebamme half, wenn man mit seinem Latein am Ende war-
wenn die nicht weiter wusste, kam erst der Arzt dran.
Der Tod fand daheim statt, wie schon beschrieben.
Die Trauerkleidung wurde ein Jahr lang getragen.
In der freien Zeit am Sonntag ging man gemeinsam spazieren, Buben hinter den Maedchen her, Familien zusammen.
Sparsam war man allemal, verschwenden konnten wohl nur wenige,
das Wort "Freizeit" oder "Freizeitgestaltung" war eher unbekannt.
Leinensack und Strohbetten waren vor den "Kabok-Matratzen" Standard.
Gewaschen wurde sich in der Waschschuessel, zumeist in der Kueche oder Stube.
Der Abort war auf dem Hof.

Die staendige Angst um die Ernte oder den Ertrag war die Regel, was zur Froemmigkeit anhielt.

Der Waschtag war allgemein gefuerchtet, eine schwere und langwierige Arbeit.

Lebensmittel, besonders Brot wegzuwerfen galt als schwere Suende.

Der Herbst brachte noch deutlich Vorsorge fuer den langen Winter mit sich,
es wurde getrocknet, eingesalzen, eingekocht, geraeuchert und eingelagert, Mus gekocht, -
kaum jemand hatte das Geld, sich alles so im Laden zu kaufen, wie es benoetigt wurde!
Die Frage nach den "Saisonprodukten" war existenziell!

Besonders abwechslungsreich war der Speisezettel nicht, besonders gegen dem kommenden Fruehjahr zu.

Vom Holz sagte man, es waermt dreimal: Beim Faellen, beim Hacken, beim Heizen.



Geschichtliches

Hier geht es weiter mit Essenzen aus einigen alten Buechern.

Man stellte sich Schneider und Weber oder Bergarbeiter als Krueppel oder Verwachsene vor,
weil sie in verkruemmter Haltung arbeiten mussten, Metzger galten dagegen als gesund und robust.
Schneider galten als prahlerisch und furchtsam, gewitzt die Schuhmacher,
als Possenreißer und Glueckspilze oder Schlemmer. Schmiede waren eher als grob,
Holzfaeller als verdrießlich, Barbiere als geschwaetzig angesehen.
Abdecker mussten ausserhalb der Stadt wohnen, denn oft lag abgehaeutetes und verwesendes Vieh herum,
es wurden gegerbte Haeute manchmal jahrelang verbuddelt, damit sie reifen konnten.
Das stank wohl scheußlich und lockte Schwaerme von Fliegen und Kraehen an. -
Deshalb die Bezeichnung "Rabengasse".
Ein weiteres unappetitliches Thema waren die "Abtrittanbieter" - wer unterwegs war,
fand bei diesen Leuten die Gelegenheit ihre Notdurft zu verrichten..
hinter einem Vorhang, mitten auf der Straße..

Ahlenschmiede stellten nadelartige, einfach gehaertete Stichwerkzeuge mit einer rautenfoermigen Aussparung fuer F
aeden oder Kordel her.
Altbueßer, altlapper, Altreißer genannt, verdienten sich durch Flickschusterei
und Ausbesserungen von Kleidung ihr Auskommen.
Armeisler sammelten Armeisen-Puppen als Futter fuer Stubenvoegel und Zierfische..
Angießer waren fuerstl. Eichbeamte, die ueber alle oeffentlichen Gefaeße wachten.
Aschenbrenner stellten aus Aesten, Blaettern, altem Laub Waldasche her,
das fuer Glashuetten (Pottasche) gebraucht wurde.
Hausierer waren ein weites Geschaeft,- sie handelten mit allem, was sie irgendwie tragen konnten.
Barchentweber stellten aus leinerner Kette und baumwollenem Schuß ein dichtes Gewebe her.
Kinderarbeit in den engen Grubenschaechten war eher die Regel, denn die Ausnahme.
Sie zogen den beladenen "Hund" ins Freie.
Andernorts sortierten sie die vom Lumpensammler herbei gebrachten Stoffe und Klamotten,
die stinkig und sehr gefaehrlich in den Ausduenstungen waren.
Schon damals arbeiteten Gruben mit "Subunternehmern", den "Lehnhauern".

Es gab damals sogar spezielle Beutelmacher, die mit kostbaren Stoffen arbeiteten.

Bild- und Glockengießer, die kunstvolle Rohlinge in die Erde setzten,
quasi eine Negativform, die mit Pech-Talk-Fett ummantelt wurden, darueber eine weitere,
stabile Schicht, die das fluessige Metall auffing. Wochenlange harte und riskante Arbeiten..

Aus Blechschmieden wurden Klempner und andere artverwandte Berufe abgeleitet.

Boten waren im Auftrag unterwegs, fuer den Herren oder das Kloster,
es sind Botenzettel erhalten geblieben, die schon im Jahr 1501 quer durch Europa Auftraege bewiesen.

Dazu passt der Briefmaler oder Kartenmaler, die praktisch die ersten Urlaubskarten
oder auch Glueckwunschkarten, aber auch Spielkarten und Heiligenbildchen fertigten.

Schon Seneca berichtet aus dem Jahr 63 n.Chr. von einer mit Wasser gefuellten Kugel,
die zum Betrachten kleiner Dinge taugte- der Vorgaenger der spaeteren Schusterkugel,
die das Licht im Raum verstaerkte.
Kaum ein halbes Jahrhundert spaeter las man von arab. Gelehrten, die einen Lesestein nutzten.
Ende des 13.Jhds. korrigierte man die Augen bereits durch Brillenglaeser - Nietbrillen,
Buegelbrillen, Brillen, die an der Muetze befestigt wurden, solche mit Stiel oder Riemen,
um den Kopf geschnallte- die Namen Galileo Galilei erfand ein Fernrohr,
der Astronom Keppler vervollstaendigte diese Idee..
erst zur Mitte des 18.Jhds kam die Drahtbuegelbrille auf, die sich hinter den Ohren festhielt..

Viele arbeiteten als Buechsenmacher, hielten die Gewehre in Ordnung und stellten sogar welche her-
der Job war vielseitig,- manche fertigten Zugvorrichtungen oder fruehe Kraene her,
mit Seil- oder Flaschenzuegen, Kanonen, Rammen und aehnliches.
Frueher gab es das Steinschloßgewehr, das durch Reibung einen Funken erzeugte,
wodurch das Pulver in der Zuendwanne startete.
Daher auch die engl. Bezeichung "flint" - Flinte.

Wer kennt heute noch den "Buntmacher"? Eine Kuerschner-Gruppe,
die aus Fellen der Eichhoernchen oder anderen Wald- und Wiesentieren Pelzwerke machten..

Die Dienstboten waren eine weite Gruppe der Beschaeftigten, Gesinde bis zu den Maegden.
Lakaien, Laeufer, Zimmerputzer, Reitknechte und anderen Bediensteten bis zum "Livre'traeger",
große Burschen in stattlicher Kleidung in den Farben des Herrscherhauses-
oft auch Neger, wie die Chronik sagt. (ich war das nicht!)
Man berichtet von jenen als "unverschaemte Menschenbrut,
die ihre Herren nachaefften und Affektation, Spottsucht bis zur Poebelhaftigkeit betrieben".
Auf offener Straße aufgegriffene ehemalige Dienstboten -maennlich oder weiblich-
wurden gerne ausgepeitscht, kahlgeschoren oder geschwind gehenkt..

Drahtzieher und Drahtschmiede, die auch Gold- und Silber versponnen,
spezialisierten sich schon zu Beginn des 15.Jhds aus dem hundert Jahre zuvor taetigen Grobdrahtzieher.

Die Brueder Grimm erzaehlten von Einschlagmachern, die Faesser mit Schwefel
ausraeucherten und davon, dass diese "einschlag des eins, medicamen vini,
was in den Wein gehaengt wird, um ihm farbe und geschmack zu geben,
gewoehnlich linnene oder papierene, mit schwefel ueberzogene streifen."
Was fuer ein Pfusch- gerade wie heute, wo Holzschnitzel in den Wein gehaengt werden,
um diesem eine "besondere Fass-Note" zu geben!

Spielleute waren nicht beliebt und wurden gerne verdaechtigt, so auch der Pfeifer Boeheim,
der "Volksredner" in Leidenschaft gewesen sein soll, immer gegen Unterdrueckung und Ausbeutung
- einer der Bundschuh-Juenger, die im 16.Jhd. die Bauernkriege einlaeuteten.

Farbenmacher waren sehr ideenreich in der Zusammenstellung der Farben, die zum Faerben,
Anstreichen und Malen gebraucht wurden.
Erdfarben aus Hoelzern, Blueten, Wurzeln mit einer Fluessigkeit
(Wasser mit Leim, Gummi etc.) als Bindemittel,
manche mit aetherischen Oelen, Weingeist oder Terpentin)
Erst im 19.Jhd entdeckte man Anilinfarben, dh. Teerfarbstoffe.

Faßzieher waren wohl das, was man heute "Schauerleute" nennt- sie entluden Faesser aus den Schiffen.

Aus Metallfedern von Taschenuhren schnitten Federschneider Schwanz- und Fluegelfedern zum Schreiben -
die nutzten sich nicht so schnell ab, wie Gaensekiele.

Feilenhauer stanzten Kerben in Eisenstaebe in kunstvoller Arbeit..

1686 berichtet der Feldchirurgus Dietz an der Donau um den Feldzug gegen die einfallenden Tuerken:
"Mein Gott, was war da vor ein Geschrei und Lamentieren von den Blessierten von allerhand Nationen.
Etlichen waren die Arme, Beine weg, etlichen die Koepfe entzwei,
die untern Kinn weg, daß die Zunge da hing.
Wann sie so mir, auf den Zeltstangen entgegen getragen wurden und schrieen erbaermlich: Ach, mach mich tot!
Stech mich tot!, da dachte ich: Daß Gott erbarme, gehet's hier so zu? waerest du davongeblieben,
wie dich dein Vater gewarnet hat!
Auch die Tuerken fielen "wie die Fliegen".. und wurde auch keiner bei dem Leben gelassen,
sondern alle massakriert und meist die Haut abgezogen, das Fett ausgebraten
und die membra virilia abgeschnitten und große Saecke voll gedoerret und aufbehalten.
Als woraus die allerkostbareste mumia gemacht wird.
Sie wurden auch meistens aufgeschnitten und die Eingeweide untersuchet,
ob etwa, wie ehemals, Dukaten verschlucket gefunden wuerden..
In aller Stille ueberstiegen die unsren die Bresche, sobald die Gewehre losgingen,
da wurde Laermen und ging alles ueber und ueber mit Stuecken, Granaten und Steinwerfen,
Schießen und Hauen; sogar die tuerkischen Weiber und Kinder, auch die Jueden,
derer viel darin waren, trugen zu und wehreten sich desperat auf der Bresche;
also daß die Toten auf derselbigen ueber zwei Ellen uebereinander lagen.
Es half aber nichts. Sie mußten dran glauben.
Sie mochten nun sich wehren oder schreien, wie sie wollten, die Stadt war erstiegen.
Da wurde das Kind im Mutterleibe nicht geschonet.
Alles, was angetroffen war, mußte sterben.
Wie ich denn mit Augen gesehen, als ich auch vom Berge ueber die Bresche in die Stadt gedrungen,
daß Wewiber dagelegen und die geloesten Pistolen noch in der Hand haltend, teils bloße Saebel.
So aber nackend ausgezogen, die Leiber mit Partisanen durchstochen, durch die Geburt;
die Leiber aufgerissen, daß die noch nicht gebornen Kinder herausgefallen;
welches mich am meisten gejammert.
Nackete Kinder von ein bis zwei Jahren aufgespießet und an die Mauern geschmissen wurden!
Ich bin erstaunet, was da ist vorgegangen, daß auch Menschen viel grausamer,
als Bestien gegen einander sich bezeigeten."
Das Manuskript seiner Lebenserinnerungen ist in der Koeniglichen Bibliothek zu Berlin,
mit der Signatur NIC.229.4 erhalten.

Damals gab es Flammenrußbrenner, die mit den Pechsiedern zusammen arbeiteten.
Sie gewannen aus harzreichen Nadelhoelzern Farbstoffe und Rohstoffe fuer Gewerbe aller Art.

Wer kennt schon noch die Flecksieder oder Kuttelkoeche?
(Die aus den Gedaermen und Vormaegen der Wiederkaeuer "Kaldaunen oder Kuttelfleck" machten,
die in einigen Gegenden als Delikatesse gelten)
In Konstantinopel galten diese Speisen als die "Koenigin der Mahlzeiten", wie der Prophet sagte..

Die Glasmacher oder Glasblaeser wurden nach dem Erloes der Waren auf dem Markt bezahlt-
zuvor haben sie aus einer "Betriebskasse" gelebt, die den Vorschuß zum Leben gab-
oft genug waren diese Leute schlicht so pleite, daß sie zusaetzlich eine kleine Landwirtschaft
betreiben mussten..

So manche Arbeit der alten Zeit war hochgefaehrlich und fuehrte zur Staublunge und Auszehrung!

Grautucher stellten bereits 1217 in Straßburg ein recht grobes, aber flauschartiges Wollgewebe her.

Bader, Barbiere, Hufschmiede und Aerzte konkurrierten zuweilen - auch mit dem Henker,
der zugleich oft auch Abdecker war.

Hansgrafen nannte man im Mittelalter die Vorsteher von Handels- und Gewerbeinnungen,
die zugleich diesbezueglich Recht sprachen.

Holzschuhmacher waren beliebt, es war nicht nur die am meisten getragenen Schuhe der kleinen Leute,
sondern auch kunstvoll geschnitzte und bemalte.
Es gibt Gegenden in Norddeutschland, wo noch im 18.Jhd. der Lederschuh kaum getragen wurde..

Es gab Kammschneider und Horndrechsler, die aus den Resten des Nutzviehs
noch allerlei nuetzliche Dinge machten -
das ist seit der fruehesten Zeit der Menschheit so.

Das Thema "Hutmacher" ist so umfangreich, daß ich zur eigenen Recherche bei Wiki etc. anraten darf.

Kastrierer arbeiteten angeblich frueher aus sakralem Antrieb, einleuchtender ist
der wirtschaftliche Hintergrund- ab und zu rutscht mal ein unkastrierter Eber durch-
das Fleisch stinkt in der Pfanne zum Himmel, das koennt ihr mir glauben!
Der maennliche Kastrat heißt beim Pferd Wallach, beim Rind Ochse,
beim Schaf Hammel, beim Schwein Borg, beim Huhn Kapaun, - die kastrierten Hennen
nennt man Poularden und das kastrierte weibl. Schwein "Gelze".
Kleiber nannte man die Leute, die Gefache von Fachwerkhaeusern auskleideten.

Kluettenbaecker schuerften Braunkohle und fertigten daraus die ersten Briketts.

Kotzenmacher erarbeiteten grobe, zottige Wolldecken oder Pferdedecken.

Meine große Bewunderung gilt den Landkartenmachern-
hier lohnt es sich ebenfalls selbst nachzuforschen:
Eine Unmenge an Informationmaterial wartet hier, das den Rahmen meiner Seite bei weitem sprengen wuerde..

Landsknechte waren Leute vom Lande, die sich 15.-17.Jhds, als es noch keine festen Heere gab,
des baren Guldens wegen bei jedem verdingten, der zahlte..
..abenteuerlustige, verarmte, verbummelte Studenten, Habenichtse, entlaufene Moenche,
Bettler und Handwerksgesellen waren darunter.
Ein Volk mit "Haaren auf den Zaehnen" (Schnautzbaerte)
Wer die Ausruestung selbst mitbrachte, erhielt einen hoeheren Sold.
Nach der "Schlacht" irrten sie marodiertend und pluendernd daher,
schlossen sich zuweilen auch schon mal Raeuberbanden an..

Ein seltsames Voelkchen waren die Laternentraeger, die jedem nach Hause leuchteten.
(Wohl eher in den groeßeren Staedten)
Es waren Polizeispitzel darunter, aber auch solche, die eher zu der anderen Fakultaet zu rechnen waren.
(Angetragen haben diese Leute wohl besonders gerne)

Die Arbeit der Lederschaffenden war besonders strapazioes und gesundheitsgefaehrdend,
wie ich immer wieder lese- sogar Milzbrandinfektionen wurden erwaehnt,
die fast immer toedlich endeten.
Andauernde Erkaeltungen und rheumatische Beschwerden waren oft zugegen.

Loeher schaelten im Mai die Eichenrinde, am meisten bei ca 18j. Baeumen,
die nach der Entrindung zur Holzkohle verarbeitet wurden.
Sie stellten den Grundstoff fuer die Gerberei her.

Ohne die Arbeit der Lumpensammler waere die Papierherstellung kaum moeglich gewesen..
es gab sogar Monopole, die begehrt waren.
Trotzdem war die Arbeit verachtet- was Pfarrer nicht davon abhielt,
in sogenannten "Lumpenpredigten" die Glaeubigen aufzufordern,
die Lumpen sorgfaeltig aufzubewahren und nur befugten Sammlern zu geben..

Auch das Gewerbe der Parfuem-Macher ist so vielbedeutend, dass eine eigene Recherche im Web
oder in der Buecherei sinnvoller ist, als eine kurze Ausfuehrung auf dieser Seite.

Pechmacher arbeiten zuweilen heimlich, was ihnen Verfolgung einbrachte- die Kerben in den Baeumen,
aus denen der wertvolle Saft lief, aus dem Pech und Harz gewonnen wurde, bekamen den Baeumen nicht.
(Pech wurde von den Pechsiedern gemacht und u.a. zum Abdichten von Schiffsplanken gebraucht)

Pergementmacher waren angesehen, die aus ungegerbten Haeuten junger Rinder, Schafe,
Ziegen und Eseln ihre Produkte machten. Die Bezeichnung stammt vom antiken Pergamon in Kleinasien..

Vom Einfluß der Peruecke auf die Koerperhaltung sagt Goethe in "Dichtung und Wahrheit":
Da ich aber vom fruehen Morgen an so aufgestutzt und gepudert bleiben und mich zugleich
in acht nehmen mußte, nicht durch Erhitzung und heftige Bewegung den falschen Schmuck zu verraten,
so trug dieser Zwang wirklich viel bei, daß ich mich eine Zeitlang ruhiger und gesitteter benahm,
mir angewoehnte mit dem Hut unterm Arm und folglich auch in Schuh und Struempfen zu gehen..
War mir unter diesen Umstaenden eine heftige koerperliche Bewegung versagt,
so entfalteten sich unsere geselligen Gespraeche immer lebhafter und leidenschaftlicher,
ja sie waren die interessantesten, die ich bis dahin jemals gefuehrt hatte."

Georg Christoph Lichtenberg sorgte sich um die Moral in den Postkutschen:
"die immer voll schoener wohlgekleideter Frauenzimmer stecken, und wo die Passagiere so sitzen,
daß sie einander ansehen muessen;
wodurch nicht allein eine hoechst gefaehrliche Verwirrung der Augen,
sondern zuweilen eine hoechst schaedliche, zum Laecheln von beiden Seiten
reizende Verwirrung der Beine, und daraus endlich eine oft nicht mehr aufzuloesende
Verwirrung der Seelen und Gedanken entstanden ist"

Saitenmacher siedelten gerne in der Naehe der Abdeckerei- der grauslige Geruch
war nur mit Chlorkalk im Rahmen zu halten..

Salzsieder, Salpeterkocher waren ebenfalls haeufige Berufe bei letzteren
diente das Produkt zur Schießpulvergewinnung- im suedlichen Schwarzwald entstand
sogar eine politisch-religioese Sekte "Salpeterer", die gegen die Leibeigenschaft kaempfte..

Schaefer waren wohl mit die aeltesten bekannten Berufsangehoerige.
Zuerst mit Fleisch, Blut und Haut, sehr viel spaeter mit der Milch und zuletzt mit der Wolle der Schafe beschaeftigt.
Schaefer und Schinder standen in keinem guten Ruf, wie Scharfrichter oder Henker -
so blieben einige Berufsgruppen unter sich, vererbten das Gewerk an die Nachkommen,
in vielen Generationen. Scharfrichter wurden ab Mitte des 19.Jhds nicht mehr gebraucht-
sie wurden wohl Landwirte, Seifensieder, Viehhaendler und Fuhrunternehmer, wie der Chronist meint.

Es wird berichtet, daß zum Tode verurteilte Verbrecher in den Anfaengen
der Fluss-Schifferei an Seilen die Kaehne aufwaerts ziehen durften, wenn sie begnadigt wurden.
Eine aeußerst schwere Strafe, die selbst die kraeftigsten Leute schnell dahin raffte.

Die Eigner der Schiffe sahen es nicht ungern, wenn die Schiffsbesatzung nicht schwimmen konnte-
nur so war sicher, daß sie im Ernstfall ihr Bestes gaben..

Stiftsgeistliche hatten eine "stattliche Zahl an Nachkommen" -
so befahl der Graf von Henneberg 1545, sie moegen doch ihre Koechinnen heiraten,
damit den Kindern ein Handwerksberuf zugestanden werden koenne-
die Schlosserinnung meinte dazu: Man moege uns mit Pfaffenkindern verschonen!

1540 wurde vom Nuernberger Schlosser Hans Ehemann das Kombinationsschloß erfunden,
das er "Mahlschloß" nannte.
Es bestand aus einem Zylinder, eine Anzahl gleicher drehbarer Ringe und einem Buegel.
An den Raendern waren Zahlen oder Buchstaben- durch Verdrehen konnte
eine bestimmte Kombination gewaehlt werden, die den Buegel freigab.

Fruehe Schiffe wurden mit Brettern gemacht, die man so gewann:
In der Laenge des Stammes wurden dicht an dicht Loecher gebohrt,
die dann in der Laenge mit dem Meisel den Stamm sprengten- zwei Bretter gewann man pro Stamm,
bevor die gefuehrte Saege dazu erfunden wurde.

Im alten Rom gab es einladende Schilder zu Urinsammlern, -
die Stadt verkaufte diesen Harnstoff den Waeschern und Tuchwalkern..

Die Gallier und zuvor die Germanen dagegen kannten schon Seife als Arznei und Haarpflegemittel,
wie Plinius der Altere (24-79 n.Chr.) berichtet.
Gewonnen aus Buchenasche und Ziegentalk hergestellte Seifenkugeln sollen
einen angenehm duftenden Schaum gehabt haben.

Der latente Mangel an Pottasche und den Ueberschuss an Talg, "Unschlitt" genannt,
lies die Seifensieder nebenbei zu Talgkerzenmachern werden.

Seiler und Reepschlaeger machten Taue, deshalb auch der Ausdruck "Reperbahn",
wo sich viele derartige Betriebe ansiedelten und gute Geschaefte in alle Welt machten.

Die heute noch existierende "Freimaurerei" hat ihren Ursprung in der Vereinigung der Steinmetze.

Truchsesse oder Sendschalke waren hohe Bedienste in fuerstlichen Haeusern,
den Marschaellen, Schenken und Kaemmerern gleichgestellt.
Einer dieser Gestalten gab aufstaendischen Bauern sein "Edelmannswort",
wenn sie ihre Waffen niederlegten und wieder heim gingen.. danach ueberfiel er
mit seinen Leuten ein Dorf nach dem anderen und lies die wehrlosen Bewohner massakrieren,
wie der Chronist schreibt.

Turmwaechter hatten immer irgendwie einen unehrlichen Ruf, vermutlich schon deshalb,
weil sie auf den Tuermen einsam waren und leicht zu Sonderlingen werden konnten.
Scharfrichter hatten zuweilen die Hoheit ueber diese Wachtuerme, was dem Ruf nochmal abtraeglich wurde.
Bei Tag und Nacht auf der Hut, mit strengen Vorgaben versehen,
durften sie nicht mal bei Hochzeiten und Kirmes mit anderen Blaesern spielen.

Visierer kontrollierten den Inhalt von Faessern mit speziellen Geraeten.

Mit Leim, Fallen, Netzen und allerlei anderen Tricks versuchten Vogelfaenger ihr Auskommen zu erhalten.

Wachszieher machten gezogene Kerzen, die nicht qualmten. Nahe bei den Metsiedern und Imkern angesiedelt.
Die ersten Kerzen muessen schon im 2.Jhd nach Chr. gemacht worden sein.
Erst 1825 gelang es einem Franzosen Kerzen aus Stearinsaeure aus Talg zu machen- die Paraffinkerze war geboren.

Die Erfindungskraft der Leute war schon ganz enorm entwickelt- mancher baute immer bessere Wagen,
andere handelten mit Wagenschmiere, die aus dem Faß gezapft wurde. (Haustuergeschaeft)

Wildschuetzen waren Wilderer, auch Raubschuetzen genannt, die aufs Grausamste bestraft wurden.
Vom Abhacken der Gliedmaßen bis zum Raedern war alles erlaubt, was dem Herren gefiel.
Im gleichen Atemzug mussten 21584 Maenner mit 3237 Perfen wochenlang in Bayern
"nicht weniger als 6000 Hirsche zum Jagdschloß Solituede" zusammentreiben -
selbstredend erhielten sie KEINEN Lohn, sie mussten sich sogar selbst verkoestigen
und konnten in dieser Zeit die Arbeit auf ihrem Hof oder Feldern nicht tun.
Die Tyrannei der Herren kannte keine Grenzen, der Aufstand musste kommen.
Die Literatur kennt viele Geschichten vom Kampf der Jaeger gegen den Wilderer,
der sich auch noch bruestete, gewitzter zu sein.

Geschichtliches


Aus dem Leben in Hessen gibt es auch genug schriftliche und noch immer ein paar muendliche Ueberlieferungen,
die aus der Zeit der beiden Weltkriege stammen.
Wer weiß heute noch, dass aus Flachs Leinen gemacht wurde?
Hellblaue sternige Blueten, spaeter mit Bluetenkapseln, aus denen Leinsamen gewonnen wurde -
sie Staengel wurden speziell aufgebrochen und gefasert und dann gesponnen und gewoben.
(Eine harte Arbeit)
Juden durften kein Handwerk ausueben, sie arbeiten weniger koerperlich und waren mit mit Handel
und Wandel und Geld befasst, - was nicht gerade Sympathien in der einfachen Bevoelkerung einbrachte.
In Chroniken erfaehrt man, daß sie ihre Soehne studieren lies- so waren Richter,
Aerzte und Anwaelte aus ihren Reihen haeufiger zu finden.
In den armen Zeiten sind viele einfache Leute in den Wald gegangen, um Bucheckern zu sammeln,
die dann getrocknet wurden, - sieben Pfund gaben einen Liter Oel.
Borwasser fuer die Augen, ein Saeckchen Kamillentee fuer entzuendete Ohren,
eingekochte Zwiebeln mit Zucker gegen Husten- bei Blinddarmentzuendungen sind viele gestorben..
Geschlafen wurde auf Strohbetten, die nach und nach immer flacher wurden- bis zum naechsten Auffuellen.
Einmal die Woche wurde die Zinkwanne gefuellt, wo einer nach dem anderen Familienmitglied
sein Bad nahm- wer am Schluß war, hatte es kalt und schmutzig..
Koerperliche Zuechtigungen durch Eltern, Pfarrer und Lehrer waren an der Tagesordnung.
Die Lehrer uebten immer schon Willkuer aus, damals wie heute.
Ein interessantes Beispiel waere einen guten Schueler das von sich abschreiben lassen zu
vermiesen, indem diejenigen, die abschrieben zuerst dran zu nehmen..
Die Zentrumspartei war vor dem WKII von den Pfarrern in der Predigt als Ziel erwaehnt worden.
Vereinshaeusler nannte sich eine besonders fromme Protestantengruppe,
besonders eifrige Kirchgaenger, die wohl was "feineres" waren- jedenfalls tranken sie nur dann,
wenn sie keiner sah..
Aus dem Jahr 1938 wird berichtet, haetten einige noch keine Teller und Loeffel ihr eigen genannt,
viele liefen noch auf Holzkloetzen umher.
So mancher arbeitete im Steinbruch, hing in der Wand am Seil und stemmte mit dem Eisen
und dem Hammer Felsenstuecke ab, die andere dann zu Kopfsteinplaster zurecht hauen mussten.
Das beliebte Schnapsbrennen war deshalb strikt geregelt, weil 30 Zentner Kartoffeln
und 100 Kilo Getreidemalz gerade mal 8 Liter reinen Alkohol ergaben-
der dann freilich auf ca 40% verduennt und verkauft wurde.
So viel wertvolle Mengen wichtigen Lebensmittels verschwendet, um dem Rausch zu froenen.
Immer wieder wird davon berichtet, dass sich die N ationalsozialisten dort durchsetzen konnten,
wo hohe Arbeitslosigkeit herrschte- durch entsprechende Beschaffungsprogramme gelang das wohl auch.
Wo die Zentrumspartei stark war, weniger gut. Die Sicherheit der Beschaeftigung war freilich wichtiger
als eine Ideologie, sie sich sowieso erst sehr viel spaeter offen in den Zielen zeigte.
Mit allen Tricks des "Gemeinschafts-Sinnes" mit Singen und gemeinsamem Marsch ging man zur Arbeit
in den Steinbruch oder zum Strassenbau. "Strengen" Katholiken oder Gewerkschaftsmitgliedern
wurde bald mit Dachau gedroht, wenn sie nicht bereitwillig mitschwammen.
Noch dachte man bei dieser Drohung an ein Straflager, weil - und das berichten sehr viele Zeitzeugen
- man sich die spaeter gezeigten Greueltaten nie vorstellen konnte.
Auf alle Faelle kam man mit dem Parteibuch weiter und bekam auch leichter Arbeit
und den Fuehrerschein, so wird berichtet. Das war in der spaeteren D DR auch nicht anders.
Es fing damit an, dass mit einem -auch nur entfernt juedisch klingenden Namen
bei allen Dingen Probleme bekam, bis dann von ausserhalb ein Rudel Leute kamen,
die Schilder anbrachten: Kauft nicht bei Juden und spaeter alles zerschlugen,
Synagogen ansteckten. Das wird allen heute im Geschichtsunterricht ausreichend erzaehlt.
So mancher wurde "abtransportiert", viele sind geflohen und ins Ausland abgereist.
Die Jugend wurde von den evangelischen Pfarrern bis zu den Gemeindevorstaenden und Lehrern systembedingt beeinflusst,
wie das in Regimen immer so ist, bis auch sie die Parolen riefen, ohne zu ahnen, was dahinter steckte.
Die Fluechtenden mussten jedoch im Ausland einen Buergen vorweisen, so leicht wird das nicht gewesen sein.
Ein Zeitzeuge meint:
"Wir halfen ihnen zum Bahnhof zu kommen, bekamen dann dort doch ein mulmiges Gefuehl, weil die Familien auseinandergerissen wurden"
Bald hoerte man, dass jemandem gelang, ueber mehrere Laender die Flucht vor den Judenverfolgern gelang..
Politik ist immer ein boeses Geschaeft, heute sind sind diese dort taetigen "nur"
selbstsuechtig und gierig, - wer weiß, was sie morgen im Schilde fuehren?
Die zu den Soldaten eingezogenen bekamen davon wohl erst mal nichts mit, sie wollten das "eiserne Kreuz" haben,
bevor es nach zwei Jahren fuer 8 Tage nach Hause ging, um "Helden zu zeugen",
sie durften den Zyklus der Frau abwarten, dann ging es wieder zurueck in einen total unuebersichtlichen Krieg.
Viele haben den "Reichsarbeitsdienst" gesehen, wie man die dort geknechteten unter Druck setzte,
die fuer wenig Geld schikaniert wurden - das war fuer viele jungen Maenner der Grund,
sich freiwillig beim Militaer zu melden, moeglichst dort, wo es schicke Uniformen hatte..
dann kam die Zeit, wo jeder Abschied aus dem Urlaub der letzte sein konnte.
Im Zeltlager weinte so mancher vor Heimweh, so der Zeitzeuge. Vorsicht bei "Aeußerungen"
war immer dabei, ob zuhause oder bei Kollegen- was heute elektronisch gemacht wird
(Abhoeren) wurde damals durch Denunzianten gepackt, die sogleich antrugen,
was sie gehoert hatten! (Kontrollfreaks gab es damals wie heute)
Mit den Gefangenen,die im Reich den Bauern zugestellt wurden, gab es so manchen,
der das zur Sprachreise gemacht hat, aber auch genug Uwillige und den schutzlosen
Einwohnern (alte Leute, Kinder und Frauen) gefaehrlich werden konnten.
Dann kam die Zeit der Tiefflieger, die so geschwind auftauchten, dass selbst die Bauern
auf dem Feld nicht mehr sicher waren: "Wir sahen den Himmel voller Voegel,
die Richtung der Stadt flogen, die bald darauf rot am Horizont gluehte"
Und: "Sie haben einen Jungen mit seinem Pferd auf dem Feld erschossen, seine Mutter hat zuvor den anderen Sohn im Krieg verloren.."
Meine Geschichtsseiten sind freilich NUR und ausschließlich aus der Sicht der kleinen Leute gemacht,
es ist kein Funktionaer und kein ueberzeugtes Parteimitglied dabei gewesen, weder gestern noch heute.
Dann kam die Zeit, in der die Staedter mit Tauschwaren aller Art in die Doerfer zogen
um etwas Eßbares dafuer einzutauschen, mancher Student mußte Arzt spielen,
ueberall fehlte geeignetes Personal. Mancher Geier hat beim Tauschen viel Geld gut gemacht,
wenn er die Leute auch noch auf den Felder arbeiten lies, fuer ein paar Kartoffeln.
Mancher kam gerne wieder- je nachdem, wen man antraf- es gab wohl schon immer gute und schlechte Menschen.
Der Krieg war vorbei, das Kopfgeld wurde ausgezahlt, die Geschaefte waren ploetzlich voll..
Die Fabrikbesitzer korrumpierten sofort die ganze Oeffentlichkeit und drohten unverhohlen,
sich die Arbeiter vor außerhalb zu holen, wenn die Ortsbewohner nicht gefuegig genug waren -
andere Arbeitsmoeglichkeiten gab es fuer die meisten nicht, so knickten wohl auch alle Gemeindevertreter ein.
Der Aufschwung kam, der es allen besser werden lies- heute,
mit dem internationalen Konkurrenzkampf spuert man deren Knute wieder deutlicher..
und wer genauer hinliest, erfaehrt die Korruption die man heute "Lobbyismus" nennt.
Nichts anderes als damals, nicht so direkt, nicht so plump.
Es wird erzaehlt, dass mancher Kriegsheimkehrer -das zog sich einige Jahre hin!-
die ersten Wochen auf dem Boden schlief, weil er die Betten nicht mehr gewohnt war und schlimm traeumte.
Mein Vater hat so einiges aus dem Krieg erzaehlt, von vielen Grausamkeiten, die "Soldaten so machen".
Wer schlau war, ging nun -wieder- in eine der großen Parteien, um einen Heimvorteil zu haben...
ob im Westen oder im Osten, da war erst einmal alles am Neuanfang.


"Sich in der Lehre fremdschreiben lassen" oder "Auf die Walz gehen" war in Deutschland
und Europa eine lange ausgeuebte Tradition von ausgebildeten Gesellen,
die gerade ihre Lehrzeit abgeschlossen hatten.
Sie lernten auf diese Weise die Sitten und Gebraeuche in fremden Staedten,
bei anderen Meistern kennen, konnten sich in ihrem Gefach die eine oder andere
Feinheit oder Trick abschauen und dabei -bei freier Unterkunft- Geld verdienen.
Handwerker wie Zimmerleute, Maurer, Schreiner, Steinmetze und aehnliche Berufe hatten ihre festen Abmachungen,
die jeder Meister der Zunft kannte und beherzigte.
"Vreyheit do ick ju openbar De karl und mennich Vorst vorwar Desser Stede ghegheven hat.
Des denket Gode is min radt"
"Rolandsbrueder seid getreu, wie das Urbild ohne Scheu!"
Die Burschenschaft der Handwerksgesellen war stark um sich gegen die Interessen der Meister
zur Wehr setzen zu koennen, um evtl. Ausbeutung zu verhindern.
Die hoechste Instanz war der alle zwei Jahre stattfindenden Kongress jeweils zu Pfingsten,
wo sich die Delegierten demokratischen Grundsaetzen verpflichten.
Der ehrbare Zentralleiter vertritt jeweils die Interessen der Burschenschaften.
Einheimische und fremde Brueder sind jeweils in der Burschenschaft zusammen.
Handwerkssaal, Schnueffelabende und Zimmermanns-Klatsch, das Zeigen von Gesellenstuecken,
Erfahrungs- und Reiseberichte werden zum Besten gegeben, die in der Fremdenzeit erworben wurden.
Einheimische sind die, welche ihre 3 jaehrige Reisezeit beendet haben und nicht
naeher als 60km an ihren Wohnort heran kamen.
Fuer alle Obliegenheiten der Burschenschaft wird einer abgestellt, der speziell diese Ehrenaufgaben
uebernimmt- Buchgeselle (fuer das Wanderbuch), Faßgeselle (fuer das Bier),
Schatzmeister (Geld der Burschenschaft), Dosengeselle (Schnupftabak),- der Altgeselle repraesentiert
und der Walzknecht sorgt fuer die Disziplin.
"Solange Leben in uns glueht, Der Fremde durch die Lande zieht;
Mit Stolz erfuellt es unsere Brust - es lebe hoch die Wanderslust!"
Unabhaengig fuer ein freies Europa lautet die Regel, ohne "Rassen" oder "Konfessions"
Vorurteile soll es durch die Lande gehen.
"einer fuer alle, alle fuer einen"
Tradition, Freundschaft, Kameradschaft, Recht und Ehre aller Menschen stand auf den Fahnen,
handwerkliches Selbstbewusstsein trieb mitunter in die ganze Welt hinaus,
immer auf der Suche nach beruflicher Fort- und Weiterbildung.
Fortschritt ist ohne Tradition nicht denkbar, so ein Spruch.
Unverheiratet und unter 25 Jahre alt musste man sein, um drei Jahre und ein Tag auf die Walz gehen zu duerfen.
Nur bei nachgewiesenen, besonders schweren familiaeren Faellen durften die Burschen nach Hause
in dieser Wanderszeit.
Das "Erwandern" oder "Fremdschreiben" findet noch heute unter Oeffentlichkeitsausschluss statt,
die blaue Krawatte, die "Ehrbarkeit" sollte waehrend der ganzen Zeit der Wanderung unbefleckt bleiben.
Nach einer Art Aequator-Taufe, dem Trudeln, wurde der Jungfernbrauch getan.
Die Wanderburschen arbeiten uebrigens heute zu den gleichen Bedingungen der Berufsgenossenschaft,
wie alle anderen Arbeitnehmer.
In den Reihen der Bruderschaften sind auch Ingenieure, Meister, Techniker,
Architekten und Poliere -gleichberechtigt- vertreten.
Das Wanderbuch der europ. Gesellenzuenfte muss immer dabei sein!
"Wenn Fremde wieder ziehn dahin Und singen der Zunft ihre Lieder; Dann hat das Leben einen Sinn.
Das Handwerk blueht dann wieder."
Die Reisen der Burschen sind mit dem Tourismus nicht vergleichbar,
dennoch sehen die jungen Leute mehr von Land und Leuten.

"Wer ist Lehrling? Jedermann. Wer ist Geselle, der das kann. Wer ist Meister? Der was ersann."

Wer die Wanderzeit beendet hat, meldet sich "einheimisch" und erhaelt sein Einwanderungsband,
wo seine persoenlichen Daten eingestickt sind, einen Zunftseidel und eine Zunftpfeife aus edlem Holz.

Jede Zunft hat ihre eigene Tracht!

Sogar zur letzten Ehre gehen die Zunftmitglieder, die sich auch zu Jubilaeen treffen.

"Drum Brueder lasst uns reisen!
Verachtet mir die Fremden nicht,
Die Menschen ohne Bleibe;
Denn wer sich so durchs Leben schlaegt,
Hat Energie im Leibe!"

Durch Zuenfte schottete man sich vor unliebsamer Konkurrenz ab, zwang Gewerke diesen beizutreten.
(Futterneid oder einfach Existenzangst?)

Der Geselle lebte im Haushalt des Meisters und war seinem Zuchtrecht unterworfen.
Allerdings lernte er dabei auch ganz genau die Gepflogenheiten kennen, die ein Aussenstehender nie erfahren wuerde.
"Morgensprachen" nennt man die Versammlungen, in denen auch geruegt wurde.

In alter Zeit hatten die Patrizier das Recht, Handwerker, die ihnen nicht die "gebuehrende Ehrfurcht" erwiesen,
auf offener Strasse zu zuechtigen!

Politischer Machtmissbrauch gab es damals wie heute, da hat sich wohl nicht viel geaendert,
nicht so auffaellig zwar, aber mit Hilfe der Gesetze,
die jene selbst gebastelt haben, wie sie diese haben wollten.

Zuenftsmitglieder waren auch bei den Aufstaenden fuer mehr Gerechtigkeit stets dabei.

Im Jahr 1302 verbrannten die Geschlechter der Patrizier 10 Anfuehrer der Zuenfte
auf dem offenen Marktplatz - was einen Aufruhr und Umsturz dieser Willkuerherrschaft brachte.
(Danach hatten 300 Jahre lang die Zuenfte zu sagen)

So mancher Fuerst bis Kaiser versuchte unbarmherzig die Zuenfte zu unterdruecken.
Bezeichnungen wie Bannerherren, Aelterleute, Worthalter, Vormunde deuteten auf einen minder
grossen Einfluß der Zuenfte hin.

Das Wort "Demokratie" wurde in den Zuenften so verstanden, wie bei uns in der Volksvertretung,
nur konstitutionell, dh. durch Vertreter.

Zuenfte legten frueher Ruestkammern an, weil die Geschlechter die Reiterei, die Zuenfte aber die Massen stellten.
Selbst Ritter und Fuersten schlossen sich in einer Art Zunft zusammen, jedes Handwerk bis zur Dirne.
Die Huete als Zunftzeichen bedeuten "Freiheit" - was im Altertum begruendet war-
nur freie Maenner durften bestimmte Huete tragen.
Die "Verbraucherrechte" wurden durch die Zuenfte garantiert, das ging soweit,
dass sogar Einkaufsgenossenschaften vorgeschrieben wurden, damit die Qualitaeten gleichbleibend und ueberall vergleichbar waren.
Strenge Zunftsgesetze regelten alles- sogar Kleinigkeiten: Wer unehelich geboren war,
wurde nicht aufgenommen, desgleichen Scharfrichter, Stadtknechte und Abdecker, sowie alle deren Soehne.
Meistersoehne hatten "kleine Vorrechte", wie das in allen Sparten bis zu heutigen Tag ist.
Man musste Lehrgeld zahlen- wer das von Zuhause nicht auf die Reihe bekam,
mußte 2-3 Jahre fuer den Meister nach der Lehre "fuer lau" weiterarbeiten.
Sich als Geselle zum Meister hochzuarbeiten, war sehr steinig- weil die Zahl sehr kurz gehalten wurde.
Die Ausnahme war, wenn jemand eine Meister-Witwe heiratete, dann ging alles leichter.

Zunftsbrueder halfen einander bei der Arbeitssuche. Verheiratete Gesellen gab es nicht!

Bei Fehlverhalten wurden man ausgeschlossen und galt fortan als Stuemper.
Damals wie heute wollten die Meister den Lohn druecken- ohne Zunft war man aufgeschmissen.
"Schwertapostel" nannten man die Bewaffneten des Herrschers.
Eigentlich waren Zuenfte eine echte Subkultur, wie sich heute bei einer Religion abzeichnet,
die sich ueberall ausbreitet, mit eigenen Gesetzen und Gerichtsbarkeiten.
Trotzdem empfand niemand die Zunft als Last, sie bot zumindest den beruflichen Einstieg,
Aufstieg bis zum Meister- aehnlich wie heute.
Die Gesellen arbeiteten bis zu 16 Stunden taeglich!
Das rief freilich auch Widerstaende auf den Plan- der Grund fuer spaetere Gewerkschaften,
die man zu allen Zeiten zu verhindern trachtete.



Geschichtliches, hier etwas zum Thema Denkmalschutz auf dem Dorf.


Nach der Lektuere eines kaum verstaendlichen Buches des Europa-Rates ueber den Denkmalschutz auf dem Dorf,
moechte ich hier doch noch meine Gedanken dazu kundtun: Ich lebe seit Kindesbeinen
in einem 900 Seelen-Ort und sehe, was um mich herum vorgeht.
Eigentlich hatte ich viele Stellen des Buches markiert, um hinterher doch das meiste davon wieder auszustreichen:
Der Eindruck, dass hier ein Beschaeftigungs-Biotop fuer Besserverdiener geschaffen worden ist,
ueberwiegt fast den an sich guten Grundgedanken,
alte und schoene Dinge bewahren zu wollen.
Die Crux, wie man heute so schoen sagt, liegt da: Die Jungen interessiert "der alte Kram" nicht !
Somit sind auch alle "Analysen", "Bestandsaufnahmen" und akribischen Buerokratismen fuer die Fueße,
wenn die Arbeit auf dem Lande fehlt und wenn der Bestandsschutz alter Bauten,
die seit Jahrzehnten leer stehen, derart ohne Ruecksicht auf die Interessen und finanziellen
Moeglichkeiten der nachrueckenden Generationen aufgezwungen wird.
Was nuetzt die "wertvolle Bausubstanz", wenn die heutigen Menschen groeßer sind,
die Decken in den alten Haeusern aber zu niedrig, wenn die Zimmerchen klein, die heutigen Moebel wuchtig sind?
Ausser ein paar Nostalgikern wird die Briefmarke an Fenster mit undurchsichtigem Butzenglas
kaum jemandes Gefallen erregen- zumindest nicht, wenn man selbst darin wohnen, ueber die engen Stiegen
seine Dinge in die Wohnung transportieren, mit schiefen Waenden und Boeden leben muss..
Gut, man kann auch mit Hilfe der Foerderung und der Unterstuetzung der Denkmalschuetzer sanieren-
die Banken werden das aber nicht moegen- so sind sehr hohe Summen erforderlich,
die heute kaum noch einer haben wird. (Mit abnehmender Tendenz:
Die Bevoelkerung spaltet sich gerade in Wohlhabende und einer immer duerreren Mittelstandsschicht und noch mehr Wohngeldbezieher..

Der heutige Wohnraumbedarf ist ein anderer als frueher, wo man auf engstem Raum
mit mehreren Generationen ein Auskommen mit Nebenerwerb in einem kleinen angebauten Schuppen fand.
Wohin mit den Autos, wenn Garagen damals nicht vorgesehen waren?
Ich will erst gar nicht auf die eigentlichen Denkmale eingehen und betrachte somit lieber die
Hausdenkmale, das "Ensemble":
Was von damals blieb, sind zumeist edlere Haeuser von Wohlhabenden und Scheunen.
Vieles wurde nach dem WKII verschlimmbessert und "modernisiert", was einige Gemeinden
zum "Waschbetonplatten- und Drehorgelhaustuerverbot" greifen lies, um zu retten was zu retten ist.
Die Leute wollten aber Iso-Fenster, pflegeleicht, die man nicht alle paar Jahre
umstaendlich schleifen und neu streichen musste!
Das edle Ziel der EU Kommission die Wohnqualitaet auf dem Lande verbesser zu wollen,
wir letztlich am Wohl und Wehe der Unternehmensansiedlung haengen.
Die Bauern arbeiten laengst "zentralisiert", die kleineren Hoefe sind weg,
die Laeden der Orte sind schon lange geschlossen - ab und an ist noch ein Handwerker zu finden.
Die Ortszusammenschluesse gingen gegen die Buerger, so stehen die alten Buergermeisteraemter,
die Post, das Backhaus, die Schule - und inzwischen auch das Pfarrhaus mitsamt der Kirche die meiste Zeit leer.
Aus den immer weiter zerfallenden Ortskernen fluechteten die Jungen in Neubauten am Ortsrand-
was eine enorme Ausbreitung der Orte mit sich brachte-
Geschmack ist bekanntlich Gluecksache: Die Bevormundung der 50iger Jahre bezueglich der Gleichfoermigkeit
der Haeuser-"Fluchten" bis zu den Eindeckungen der Daecher,
wo sogar die Farben "vorgeschrieben" waren, ergab sich die Befreiung..
Heute ist alles kunterbunt an Baustilen und Stilelementen zusammengewuerfelt in den Neubaugebieten anzutreffen
- schoen ist eigentlich was anderes, weil alles einer Mode unterworfen ist.
Die EU Leute sprechen von "Demokratie zum Wohle der Buergerinnen und Buerger",
meinen aber Postensicherung in großem Stil - freilich alles
Hochgebildete mit entsprechendem "Anspruch" auf "Entgeld".
Der eigentliche Sinn der Veranstaltung -scheint mir- ging in weiten Teilen verloren
oder zumindest an den Leuten auf dem Dorf vorbei.
Das Essen wird weiterhin auf dem Land angebaut, das die Spezialisierung in den Staedten
(oder Losgeloesheit) ueberhaupt erst ermoeglicht hat.
So wie das landwirtschaftliche Produkt "subventioniert" werden muss, so bodenfern ist die Kultur in der Stadt.
Nun versucht man, mit dem Wandel schritt zu halten und Vorgaben zu basteln,
die morgen von der Realitaet ueberholt sein werden.
So werden Gesetze gemacht, die laenger Bestand haben, als so mancher Berg (Kiesgewinnung) ..
Heute schlaegt "Oben" nicht mehr mit dem Knueppel oder dem Schwert, sondern mit dem Gesetz.
Nun ist das Dorf in den 1950iger Jahren so gewesen, dass jeder 3. Einwohner Arbeit
im Ort fand- heute sind es die Pendler, die in der Ueberzahl sind.
Das bringt Verkehrsprobleme, die Wege und Straßen muessen entsprechend angepasst werden,
in den alten Ortskernen, wo man noch in den 1970iger Jahren zuweilen "gefaehrliche Stellen" durch Abriss beseitigte,
der Platz fuer die immer breiteren und zahlreicheren Fahrzeuge viel zu eng geworden:
Ortsumgehungen wurden gebaut. Das verhindert jedes noch so schoen formulierte EU-Gesetz
ueber den Umweltschutz der Flure.
Die Doerfer sollten eigentlich nur begrenzt wachsen, was aber gruendlich mißlang.
Manche Orte sehen aus wie ein Mund voller Karies-Zaehne, ueberall sind Luecken, Bauruinen,
Leerstaende - aussen wird neu gebaut oder die Jungen sind weggezogen.
Stirbt einer der Alten, die oft ganz alleine bis zum bitteren Ende in ihrem "denkmalgeschuetzen" Haus wohnen,
das mangels Geld und Kraft nicht mehr in Reihe gehalten werden kann, haben wir das naechste Objekt,
das viele Jahre leer stehen wird, weil sie die Erben nicht einig sind und keiner in "den alten Schuppen" ziehen will.
Vereine versuchen das Leben in der Region lebendig zu halten - dazu muessen aber erst einmal
genug junge Leute gewonnen werden- was aber, wenn viele wegziehen oder in einer entfernten Stadt lernen und studieren?
Die "geistige Arbeit" siegte laengst ueber die "manuelle Arbeit", der Schuppen des Handwerkers
oder Nebenverdieners steht schon lange leer oder ist zusammengefallen,
die Kinder haben in der aufstrebenden Chemie- und Metallindustrie ihr Auskommen gefunden -
freilich weit weg vom alten Zuhause. Obwohl mit Mieten in der Stadt hoch sind,
lohnt sich die Anschaffung eines Autos und die hohen Benzinrechnung durch die Pendelei
eher nicht oder schafft eine Pattsituation.
Das neue "Bildungsbuergertum" will mit den Wurzeln nur noch dann zu tun haben,
wenn der Besuch im Museumsdorf mit anschliessendem "Brunch" angesagt ist..

Unterdessen fahren die wenigen noch verbliebenen "Bauern" mit Klima- und Stereoanlage
mit riesigen Traktoren herum, mit Computersteuerung, die ein Ausschalten
des Fahrzeuges beim kurzzeitigen Verlassen desselben nicht ratsam sein lassen:
Das Geraet "faehrt zu lange hoch..".
Der Bauer schaut morgens auf seinen Computer, welche Frucht am meisten Subventionen verspricht,
kauft diese online ein, gleich mit den Duenge und Unkrautmitteln.
Schnell nochmal das restliche Futter oder den Getreidevorrat verkaufen,
wenn dieser an der Boerse am hoechsten steht..
Dorf? Wo denn? In den seelenlosen 70iger/80iger Jahre - Straßen
mit ihren trutzigen Wohlstandsburgen mit ihren pensionierten Lehrern/Bankern?

Die Publikationen der hochverehrten Hochgelehrten der Kommissionen sind sooo
schnell Schnee von gestern, wie die Buecher gedruckt wurden.
So mancher Baum wuerde heute noch stehen, wenn nicht alles gedruckt worden waere.
Was fehlt, sind Gestaltungsspielraeume, mit denen die Interessenten eines alten Anwesens
damit machen koennen, was sie wollen.
In Holland geht man mit Alt neben Neu ganz locker um- das waere doch ein Weg fuer uns- oder?

Zementiert man einen Status Quo des Ortes - wo soll denn der Ansatz dazu sein?
Welche Epoche waere denn recht? Hat die neue Idee, hat der Fortschritt keine Berechtigung?

Ein guter Satz: "Die Erweiterung des Gesichtsfeldes der Dorfbewohner gegenueber einer Randpflanzung,
vom geduldeten, nicht produktiven Heckenrand zum bewußt belassenen Biotop als Lebensnische und Beitrag
zum naturnahen Gleichgewicht der ganzen Landschaft,
stellt eine wichtige Aufgabe der Planungsvorbereitungen und Buergerinformation dar."
Solche Saetze, ganz von oben herab formuliert, sind in dem Buch die Regeln, nicht die Ausnahme..
Man will die "Identitaet eines Dorfes bewahren" - dabei ist ein Zementieren
eines lebenden Gebildes unmoeglich- vermutlich hat man das nicht bemerkt..

Die Orientierung an einem Urkataster macht die Sache nicht lebensnaher.
"Hier koennte durch eine Ruecknahme der bebauten Flaechen, bei grundsaetzlicher Erhaltung
des Standortes, die oekologische Gesamtbilanz des Gemeindegebietes verbessert werden"
Wie nun? Sollen die Haeuser weg und die Leute in biologisch abbaubare Zelte gesteckt werden?
Wehe, wenn die restlichen Bewohner gefragt werden, welches "architektonisch
hochstehende Gebaeude der Kirchen und Pfarrhaeuser" erhalten werden soll ;)
Hohles Geschwafel ist allerorten zu lesen, wenn es um "Bio" und "Denkmalschutz" geht.
"Es bedarf einer gewissen Einsichtsfaehigkeit aber nicht einer großen Beobachtungsgabe,
wenn gesagt wird, daß die aufwertende Veraenderung, daß der verbessernde,
der verschoenernde Eingriff in diesen Umfeldbereichen fuer die Erfahrbarkeit historischer
Aussagefaehigkeit des Dorfes mitunter tiefer greifende Einbußen bewirken
kann als der denkmalnachteilige Eingriff im einzelnen Baudenkmal"
Aha, nun wird man schlauer- "Einsichtsfaehigkeit" wird von den Goettern abverlangt!
"mitgetragen von der verantwortlichen Intelligenz im Umgang mit dem Dorf.."

Was sind das fuer Leute dort in der EU?

Wenn ein Truppenuebungsplatz, ein Flughafen oder eine Autobahn gebaut wird,
werden eher die Froesche und Fledermaeuse gefragt, als die betroffenen "Buergerinnen und Buerger"!

Die vielbeschworene "Geschichtliche Identitaet" der Orte werden von den JETZT
lebenden Menschen getragen, nicht von einem frisch restaurieren Brunnen mit dem alten, aber toten Backhaus,
das streng nach den Vorgaben und Richtlinien erneuert wurde.
So manches "malerisch" in Szene gesetzte Ortsbild wirkt leblos, kuenstlich.
Wollen die juengeren Bewohner das "kulturelle Erbe bewahren"?
Ich finde, dass ein in die Bauluecke eines alten maroden Fachwerkhauses durchaus
ein moderner Bau passt- "Beton, es kommt darauf an, was man draus macht"!
"Gestaltung darf nicht an die Stelle der Erhaltung treten" - ich finde doch!

Was ist mit den vielen leerstehenden Bauernhaeusern?
(Inzwischen sogar schon Aussiedlerhoefe)
"..die gestalterische Qualitaet orientiert sich an den bescheidenen privaten Anspruechen
von Baugebieten in den Randzonen der Großstaedte.."
(Bescheiden? Auf den Gedanken, dass hier schlicht das Geld fehlt, kann keiner kommen, der solche Texte verfasst)

Ich sehe keine "baeuerlichen Traditionen", sondern ausschließlich Zweckbauten
oder bilderbuchartige Touristen-Ecken in der Bauernwelt.
Immerhin hat man in Bruessel gemerkt, daß sich die Gegenwart schneller aendert,
als in den 150 Jahren zuvor- nicht nur in der Landwirtschaft.
Ich denke auch nicht, daß unsere Altvorderen etwas von "kultureller Orientierung" wussten!
(was wohl auf 99% zugetroffen haben wird)
Man kann die Zeit niemals zurueck drehen, sie ist eine Einbahnstraße, soviel sei schon mal verraten.
Der Traktor wird nicht mehr kleiner und niedlicher, das Maehwerk ebenso wenig,
das Pferd ist nur mehr Freizeitgeraet und kein Arbeitsmittel mehr.
Landschaftserhaltend finde ich das Muehen der Wanderklubs und des Nabu,
der Rest ist eher selbstverliebt in die eigenen Zeilen.
Heute hilft uns keine Urbestandsaufnahme, die Orte sind auseinander gelaufen, ein Rad zurueck gibt es nicht.
Ich lese aber auch: ".. der Wiederaufbau der Ruine eines Renaissanceschlosses,
(Karlsruhe) dessen Aufwand ausgereicht haette, Hunderte von Schwarzwaldhaeusern fuer
die naechsten Generationen zu sichern, waere wohl heute nicht mehr so entschieden worden"

Frueher plante ein Bauer in die Ferne, fuer die naechsten Generationen, heute spielen die aber nicht mehr mit ..
Was nuetzen also aufgehuebschte Schwarzwaldhaeuser, wenn keiner darin wohnt?
Die Gebrauchstuechtigkeit dieser Haeuser ist heute nicht mehr gefragt.
Man beklagt bei der Kommission, dass die Agrarier in ihrer Spezialisierung
keinen Unterricht "in der laendlichen Bau- und Siedlungsgeschichte" von den Hochschulen vermittelt bekommen.
So manches "Existenzstuetzungsprogramm" wurde aufgelegt, weil die Marktwirtschaft in der Landwirtschaft
bis zum heutigen Tag klaeglich versagt.

Unsere Doerfer waeren in einer "Identitaetskrise", so wird behauptet- die Wahrheit ist eher die,
daß junge Leute abwandern, weil die Arbeit fehlt und das Fortkommen im Ort nicht gegeben ist.
"Das Riesenangebot an billigen Baumaterialien lies manchen Hausbesitzer zu voellig ungewoehnlichen,
dem Dorf nicht angepassten Modernisierungsmaßnahmen greifen.."
Landflucht kommt auch daher, weil - da haben die Doktoren recht - auf den herabgesehen wird,
der sich mit "ich komme aus dem Dorf" outet..
Selbst der Begriff "Nachbarschaft" wird heute anders gesehen. Die Leute sind sehr stolz geworden.
(Ich bin wohl der letzte gewesen, der sich traut eine Leiter durch den Ort zu tragen, zu Fuß, ohne Auto!)

".. eine Entwicklung muss gelenkt werden und darf nicht dem freien Spiel der Kraefte ueberlassen sein"
Das sehe ich total anders.
Ich wette mal, dass von den Schreibern ueber Umweltschutz und Dorferneuerung und
Denkmalschutz keiner laeuft, sondern jeden Meter mit dem Wagen zurueck legt..
(Zumindest ist das bei unseren Oekos aus dem Dorf der Fall)
Wenn sich jeder ein wenig zuruecknimmt, braucht man keine Schilder, keine "Verkehrsberuhigungsmaßnahmen"!

Wir brauchen keine "Dorferneuerung" und keine Diktate, sondern Belebung - und die ist eher
nur sehr sehr schwer machbar.

Die staedtische Kultur grenzte sich -so ergeben sie die Fakten aus den Recherchen-
erst nach Mitte des 19.Jhds, als der Rest von Kleinbaeuerlicher Taetigkeit aus den Staedten verschwand.
Die doerfliche Kultur bestand aus dem Kampf um das Ueberleben durch Landbau und Kleinproduktion,
die Kultur der Stadt durch Dienstbotentum aller Art, Handel und Grossbuergertum.
Ich denke nicht, dass "denkmalschutzpflegerische Gruende" irgendwann mal eine Rolle gespielt haben,
sieht man von patriotischen Denkmalen mal ab.
Denkmalschutz fordert heute behutsame Instandsetzungsarbeiten, die immer wiederholt werden koennen sein sollen-
dh. man klammert sich wohl an eine Welt, die es so nie gegeben hat.
Nach meinen Beobachtungen ergeben sich eher keine aus reiner kuenstlerischer Ueberlegung gestaltete Doerfer,
deren "praegende Ansichten" man zu sehen glaubt, sonst waeren nicht ueberall Scheunen und Gartenhuettchen am Ortsrand.
Die Zahl der Glaubensfanatiker, die unbedingt eine steinerne Rakete mittem im Dorf wollten,
war geringer als man denkt- dieses Treiben war aufgenoetigt, bis es zur Gewohnheit wurde.
Das Buch der EU-Kommission ist von 1985- bis heute hat sich so viel geaendeert,
dass es nur noch auf den Grundgedanken ankam, den ich erlesen wollte,
sowie die Weiterentwicklung bis zu heutigen Tag.
Aus historischen Muehlen wurden Edel-Fressbuden, aus dem Backes ein totes Stueck Dorf,
das ab und an zu Festen von Vereinen wiederbelebt wird,
Kirchen stehen leer oder werden nur noch von aussen durch einen fremden Pfarrer
oder gar Laienprediger bedient, ansonsten ist das Ding zugeschlossen.
Gemeindeverwaltungen sind leer oder wurden in Feuerwehrhaeuser etc. umgewidmet,
desgleichen geschah mit den Dorfschulen, die heute Gemeindesaal sind.
Nach den Griechen, Jugoslawen, Spanieren oder Griechen kamen die tuerkischen "Gastwirte"
in die heimischen Gaststaetten, die inzwischen zum Teil wieder Leerstaende bildeten.
Die oberflaechlichen und ortuntypischen "Restaurationen" waren nur Blendwerk und Fremdkoerper.
Dafuer stehen nun in einigen Orten Moscheen, - neue steinerne Raketen aus dem "heiligen" Morgenland,
das so friedlich miteinander umgeht.
Anschliessend ergeht sich das Buch in "Bewertungsboegen der Ortsansichten und Baudenkmale",
die haarklein nach einem abstrakten Muster katalogisiert werden sollen.
(Wobei selbst das Bewertungsmuster hinterfragt werden muesste,
sieht man die tatsaechlichen Veraenderungen der Orte)
An den Randzonen der Orte wird geklotzt und geprotzt, dass sich die Balken biegen:
Alles was gut und teuer ist, wird gebaut, damit der Nachbar uebertrumpft wird.
(Wir sind beim Wandern immer wieder froh, diese Zonen hinter uns zu lassen und zum Ortskern
vorzustoßen, wo ab und an ein paar Fachwerkmotive warten,
die nicht von Verkehrsschildern, Muelltonnen oder Autos kontaminiert sind)
Die Ortskerne mit ihren historischen Gebaeuden haben oft Innenhoefe mit Durchfahrten-
die Autos, die jedes Jahr maechtiger werden, stehen allesamt auf der Straße
und behindern den Verkehr, der dadurch immer wieder anhalten und geraeuschvoll wieder anfahren muessen..
Die Kinder laufen um die Autos herum auf die Straße, weil die Wagen die Buergersteige zuparken-
von den eigenen Muettern getan, die "jederzeit" fahren muessen: Zum Kindergarten, zur Schule, zum Einkaufen,
zum Sportklub, zum Musikunterricht, die Kinder zu den Freunden fahren, sie selbst fahren
auch innerorts jeden Meter- weil das Auto ja so praktisch zur sofortigen Verfuegung steht.
Dann geht es zum Einkaufen, zu den Nebenjobs und so weiter..
Das ist Dorf und nicht das, was vertraeumte Dorfverschoenerer oder Denkmalschuetzer sehen wollen:
Inmitten dieser Szenerie kurven Busse, LKWs, landwirtschaftliche Fahrzeuge und ..
andere Muetter, die mit ihrem lkw-breiten SUV unbedingt durch die engsten Gassen muessen
und gegen die Verkehrsrichtung auf dem Buergersteig vor der Baeckerei auf dem Buergersteig halten..
Ich rate dazu, mal mit Wanderer-Augen durch die Doerfer zu gehen:
Es gibt nur graduelle Unterschiede, keine signifikanten wie frueher - nur der Zweck heiligt die Bauten,
ob das Groesse ist oder schier aus dem Grund vor den Nachbarn oder Verwandten besser dazustehen,
ist sehr aehnlich gestrickt.
Frueher heiligte zwar auch meistens der Zweck die Mittel, die aber eher in der Existenzsicherung bestand,
von Ausnahmen mal abgesehen, die es immer schon gab.
(Die Haeuser "besserer Leut" sieht man heute noch sofort heraus,
die der aermeren oder armen Leute sind meistenteils laengst verschwunden.)



Geschichtliches


Die Hildegard von Bingen lebte in dem Abschnitt des Rheintals, das zu unserem Taunus gehoert,
somit waere eine kleine Abhandlung nicht abwegig, die keine Biografie sein soll:
Sie verkoerpert die "stammhafte Struktur" des fraenkisch-deutschen Menschen des Fuehrer-
und Herrschertums, mit ausgepraegtem Standesbewusstsein.
Sie entstammt aus der politischen Macht des Adels, der weiteste Kreise zog und dabei
auch die hoechsten Ebenen der Kleriker umfasste.
In ihrem "Vogelbuch" Kapitel XLIX schreibt sie:
"Die Nachtigall ist warm und etwas trocken. Aus der Nachtluft ist sie geboren, und sie ist rein.
Und weil sie der Nachtluft entstammt, freut sie sich und singt lieber bei Nacht als am Tage.
Auch gibt ihr die Sonne am Tag einen ueberaus hellen Glanz, und das ist ihr zuwider,-
Wer schwache Augen hat, fange vor Tagesanbruch eine Nachtigall, nehme ihre Gallenblase heraus,
entleere sie, gebe zur Galle einen Tropfen Tau, der auf einem reinen Grashalm gefunden,
und reibe sich damit oft vor dem Schlafengehen die Augenwimpern und Augenlider ein.
Auch wird es nicht schaden, wenn dies in Beruehrung mit dem inneren Auge kommt.
Wunderbar wird die Schwaeche der Augen weichen."

In einem anderen Traktat, das wohl auch ihrer "seherischen Faehigkeit" entstammt liest man:
"Gott ist der Beherrscher der Geschichte, der Beherrscher von Zeit und Raum,
der Beherrscher des ganzen Kosmos. Vor ihm spielt sich der Kampf
des Guten und Boesen ab, sowohl in der Menschheitsgeschichte als in der Einzelseele.
Vor ihm ringen die personifizierten Tugenden und die ihnen entgegenstehenden Laster.
Er gibt Bußvorschriften, verteilt Lohn und Strafe.-
Der Mensch ist weder nach seiner existenziellen Seite hin noch in der ethischen Ordnung ein Einzelwesen.
Stets ist er den hoeheren Gemeinschaften von Staat und Kirche, aber auch dem Kosmos eingegliedert
und darum auch diesen Ordnungen verpflichtet.
Ihre Gesetze sind bindend, und Lohn und Strafe sind allezeit Forderungen der sittlichen Weltordnung"
Nun sollte man bedenken, dass sich Herrscher und Feldherren allezeit von dem Gedanken leiten liesen,
dass sie von Gott eingesetzt worden sind..
(Das erklaert ein wenig den Machtanspruch, den heutige Lenker in sich tragen)
Die "Symboliker" des 12.Jhds. hatten in der heiligen Hildegard ihre Kroenung gefunden, ganz ohne Frage.
Ueberhoehtheiten, wuchtige Sprache und dramatische Bilder wechseln sich mit tiefer frommer Zerknirschtheit ab.
"Zu keiner Stunde fehlt meiner Seele das Licht, das der Schatten des lebendigen Lichtes heißt.
Ich sehe es, als schaute ich das Firmament ohne Sterne in einer lichthellen Wolke,
und sehe darain auch, was ich oft spreche und denen, die mich fragen,
aus dem Glanze des lebendigen Lichtes antworte."
Wow, das hat gesessen- aber es kommt noch doller:

"Siehe, im dreiundvierzigsten Jahre meines Lebenslaufes schaute ich ein himmliches Gesicht.
Zitternd und mit großer Furcht hielt ich meine ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet.
Ich sah einen sehr großen Glanz. Eine himmliche Stimme erscholl aus ihm.
Sie sprach zu mir: O gebrechlicher Mensch, Asche von Asche, Moder vom Moder, sage und schreibe,
was du siehst und hoerst. Aber weil du schuechtern bist zum Reden, einfaeltig zur Auslegung
und ungelehrt, das Geschaute zu beschreiben, sage und beschreibe es nicht nach der Redeweise der Menschen,
nicht nach der Erkenntnis menschlicher Kluegelei noch nach dem Willen menschlicher Abfassung,
sondern aus der gabe heraus, die dir in himmlischen Gesichten zuteil geworden,
wie du es in den Wundern Gottes siehst und hoerst..
Und wiederum hoerte ich die Stimme vom Himmel sagen:
Ich bin das lebendige Licht, welches das Dunkel erleuchet.
Den Menschen, den ich erwaehlt, und den ich nach meinem Wohlgefallen wunderbar geprueft habe,
stelle ich große Wunder hinein, mehr noch als die Menschen in alten Zeiten,
die viele Geheimnisse schauten. Doch warf ich ihn zur Erde nieder,
damit er sich nicht in Geistesduenkel erhebe.. Und wiederum hoerte ich die Stimme vom Himmel.
So rufe denn und beschreibe also."
Nach dieser Vision erkrankte Hildegard schwer, erschuettert laeutete sie die Wende
in ihrem Leben ein, die Mission lautete.
"Sie musste Fuehrerin werden, weil die Fuehrer versagten"
"Sie weigern sich ob der Verkehrtheit ihrer Sitten offen, die Gerechtigkeit, die ihnen bekannt ist, zu predigen!"

Mit ihrem "flammenden Wort" warf sie Schranken nieder, bis ein halbes Jahrhundert spaeter Franz von Assisi
ihre Worte weiterfuehrend aufnahm..

"Heiligkeit besagt Gottverbundenheit, besagt ein Einwohnen Gottes in der Seele
und ein Emporgehobenwerden der Seele in Gott.
Diese Einheit in Gott ist letzte Auswirkung der Jungfraeulichkeit. "

"In ihren letzten Visionen schaut Hildegard zwei liebliche Gestalten, die Gottesfurcht und die Armut im Geiste."

"Ich schaute und sah etwas wie einen großen elfenfarbenen Berg.
Darauf tronte ein so Lichtherrlicher, daß meine Augen von seinem Glanze geblendet wurden.
Von beiden Seiten des Herrschers ging, gleich Fluegeln von wunderbarer Breite und Laenge, ein matter Schatten aus.
Von ihm, zu Fueßen des Berges, stand eine Gestalt. Sie war ueber und ueber mit Augen bedeckt.
So groß war die Menge der Augen, daß ich ihretwegen nicht einmal die Umrisse
der menschlichen Gestalt erkennen konnte.
Vor diesem Wesen stand ein anderes, im Kindesalter, mit mattfarbenem Gewand und weißen Schuhen.
Ueber sein Haupt ergoß sich von dem, der auf dem Berge saß, eine so große Lichthuelle,
daß ich das Maegdleins Angesicht nicht anzusehen vermochte.
Auch spruehten von dem, der auf dem Throne saß, viele lebendige Funken herab,
die die Gestalten lieblich umflogen.. Und die himmliche Stimme sprach: Unfaßbar ist fuer dich,
sterblichen und schwachen Menschen, die Groeße der Macht und Kraft jener Seligkeit,
mit der der preiswuerdige Beherrscher jeden Geschoepfes die Tugend durch die huldvolle Heiterkeit
seiner Heimsuchung ueberflutet..."

Ezechiel laesst grueßen!

Das laesst sich mit den "Geheimbuenden" und "geheimen Zirkeln" fortfuehren,
die wohl eng mit der Religion verzahnt waren, auch wenn die letztere und zuweilen
auch die "Weltlichkeit" die Weitergabe dieser "Geheimnisse" und "Offenbarungen" unter Todesstrafe verboten..

Ich lese, daß man sich einmal in den Kopf eines Menschen vor 2500 Jahren hinein versetzen sollte:
Er geht durch den Wald eines heiligen Haines zum Tempel- fuer ihn war alles lebendig,
alles beobachtete ihn, das Rauschen der Baeume waren Geister,
der Wind im Haar das Beruehren seines Gottes, die Wolken, das Gewitter waren Zeichen.
Suchte er Zuflucht in einer Hoehle, bekam er das merkwuerdige Gefuehl
(das man heute auch noch spuert) abgeschnitten, ja im eigenen Kopf zu sein.
Kletterte er auf einen Huegel, ging sein Blick in alle vier Himmelsrichtungen,
er dehnte sich bis zum weiten Horizont aus.
Der Nachthimmel zeigte den Kosmos, auf den Wegen hatte er das Gefuehl, seinem eigenen Schicksal zu folgen.
Heute fragen wir uns, wie wir wohl so leben koennen, wie wir es tun- der Mensch
damals kannte genau seinen Platz, den ihm die Goetter zuwiesen.
In jeder Naturerscheinung, in jedem Tier sah er Ahnung, Strafe oder Lohn, alles war vorbestimmt.
Sah er die Eule, war das fuer ihn Athene selbst.
So empfand man eine Entsprechung der inneren Organe zu den großen Dingen um ihn herum,
wie umgestuelpt - die Lunge stand fuer den Vogel in der Luft, Leber,
Nieren, Herz und Hirn, alles entsprach den Sternen, Merkur der Kopf, Sonne der Zirbeldruese,
die Leber dem Jupiter, die Galle dem Mars, die Nieren der Venus, Saturn der Bauchspeicheldruese usw.
An der Form gemessen sehen die Organe den Sternen aehnlich- auch ging es um die Wirkung,
die auch heute noch verifiziert werden kann:
Die Nieren produzieren einen Stoff,der fuer die Liebe zustaendig ist..
Erst 1995 entdeckte man mit Hilfe riesiger Teleskope das, was die alten Aegypter
schon gekannt haben: Dass das Sirius-System aus drei -statt aus zwei- Sternen bestand.
(spaeter Sirius C genannt)
Man mutmaßte den alten Menschen dumm, dabei sah er in der Sonne eher eine Linse,
durch die Gott zu ihnen sprach, kein an sich anbetungswuerdiges Objekt, wie so oft unterstellt wird.
Ander Goetter uebten ihre Kraft durch die Konstellation der Gestirne auf die Welt aus.

Man sagt,die Kirche haette Satan und Luzifer miteinander verquirlt,
eine vorsaetzliche Verwirrung geschaffen.
(Was mir allerdings beim zugekifften Gequake der orientalischen Mythen kein Wunder gibt. )
So ist von 7 Geistern Gottes die Rede, aehnliches findet sich in manchen Religionen.
Man stellte den "Mondgott" bei den Hebraeern als Jehova, bei den Muslimen als Allah -
den grossen Gott "du darfst nicht" dar.
In der Bibel gibt es 1.Mose 6,1-5 und Hennoch 7,1-11 und Hennoch 15,2-16,5 als
"Beweise" von Gottheiten, die sich mit Frauen paarten.
Sintflutsagen und Sexismus wechseln sich ab mit Untoten und Heilsversprechungen.
"Initationslehren" beschaeftigen sich mit dem Sein nach dem Tod.
Von tagelangen "Reinigungen" ist die Rede, bis die Seele sich Gott wieder naehern kann.
Hahnebuechern und nach Art des H ieronimus Bo sch kommen die Szenerien daher,
die den Menschen schon immer Angst eingefloeßt haben, damit die Priester ihr Luxusleben mit
moeglichst vielen Weibern im Tempelbezirk haben konnten.
Die griechische und die ganze orientalische Mystik bis in den asiatischen Raum
wird sich mir niemals erschließen...
Beim Lesen von Unsinn und Wirrniss stellen sich mir -ganz automatisch- die Nackenhaare.
(Es ist auch kein "Stoff" im Haus, der zu diesen "Ebenen" fuehren koennte ;) )

Ich habe es mir nicht leicht gemacht und mich durch vergleichende Religionsschriften gelesen,
mit der griech. und aegyptischen Mythologie beschaeftigt- nur am Rande, weil die Szenerien doch zu schraeg waren.
Vorhersehungen, Weise und Hexen- oder Satanskulte und Geheimbuende aller Arten, geheime Wissen
und zu sektiererisch ausgeuebte Religion gehoert -nach meinem Verstaendnis vom Leben- in Behandlung
und nicht eher wieder aus der Geschlossenen gelassen, bis die Personen als geheilt angesehen werden koennen.
Ich unterscheide inzwischen in obiger Einschaetzung zwischen Sekten, Kulte, Buende
und zugelassenen Staatsreligionen, die "christlich abendlaendische Kultur" begleiten.
Hirnwaeschen und Ausbeutung oder Willfaehigmachung der Menschen stehen IMMER im Hintergrund
der Bemuehungen, ob das Christianisierungen, Juedische oder Mohamedanische, Hindus oder Buddisten
sind oder Kukluxclan, Scientologen oder Isiskulte etc. als Deckmaentelchen hat.
Die Heilsversprechungen und das Leben im Jenseits begleiten auch die Religionskulte der alten Zeiten,
- mit Fegefeuern und Vergeltungen fuer das getane Leben.
Ich halte die Leiden dieser Reinigung fuer die letzten Stunden, die der Mensch im Delirium
des sterbenden Gewebes erlebt, das nach den Schmerzen der sich nach und nach verabschiedenenden Organe kommt.
(Ich habe das Sterben schon ein paarmal begleitet, bei Mensch und Tier ist es ganz offenbar gleich-
etwas davon habe ich auf meiner Peter - Seite verewigt, die sich mit einem ganzen Hundeleben befasst.
Vermutlich tiefer und inniger, als das im Allgemeinen ueblich ist.
Abschliessend wollte ich sagen, dass fuer mich religioeser Eifer eine Krankheit der Seele ist
und die Hinwendung zu Kulten und Buenden ein Hilferuf endlich anerkannt zu werden,
in einer maechtigen Gruppe aehnlich gesonnener, im Gleichtakt geschalteter,
die sich von der Realitaet versuchen abzulenken.
Eine Leute machten diese Tatsachen zu ihrem Nutzen, wozu sehr frueh auch der Adel gehoerte.

So wie die Buecher zu mir kamen, so dick sie waren, so wenig blieb tatsaechlich
in meinen beiden Seiten "Geschichtliches" letztlich haengen.



Die Autoren der Buecher sind schon lange tot, wenn aber nachfolgende Rechte tangiert worden sein sollten,
bitte ich um Abklaerung per E-Mail, damit die entsprechende Zeile aus meinen Seiten heraus genommen werden kann.
Ansonsten gelten die Angaben in meinem Impressum.






Zurueck zum 1. Teil "Geschichtliches"

Weiter zum 3. Teil "Geschichtliches"

Oberlahnkreis

Button

Startseite - Impressum -