Landfotografie


Geschichtliches, Teil 13



In den Dorfchroniken wird von der alten Lagerhaltung berichtet, die Hafer, Gerste, Weizen, Roggen, Dinkel, Lein, Erbsen, Bohnen und Linsen als Trockenfrucht erwaehnte.

Im Jahr 1695 bekam man 1/4 Pfund Rindfleisch fuer einen Kreuzer. In ebendiesem Jahr wurden 85 Schafe angegeben, die "vom Wolf gefressen" worden sein sollen - vermutlich waren es 3-4 oder 5 Schafe, die anderen wurden wohl eher heimlich geschlachtet.

Das Wort "Heister" kommt von dem Buchen - Baum. Ein "Faselwatz" war der Gemeinde - Zuchteber. Es wird von einer "reichen Weinernte" vor dem 30j. Krieg berichtet - und das an der Lahn, im Westerwald.

Die Biskirchener Mineralquelle berichtet 1874: "Die alte Brunnenfassung aus Holz reicht in uralte Zeiten zurueck, da kein Menschengedenken und keine Urkunde etwas davon weiss, die Arbeit war bewundernswerth.."

Die Muehlen sind ein besonderes Kapitel, da sie meistens ausserhalb der geschlossenen Bebauung lagen, ging dort so manche Geschichte um, es soll sogar eine "Muehlenprostitution" gegeben haben. Ein Ort so mancher Ausschweifung, wo die Mueller nicht ganz unschuldig waren. Noch bis 1577 war die "Unehrlichkeit des Muellers Zunftsrecht". So entstand der sogenannte "Muehlenfrieden", ein Rechtsschutz des Regals, was allerdings auch eine schaerfere Ahnung nach sich ziehen konnte.

Ein Heimatgedicht von Frau Luise Zanger.
Meine Heimat.
Liebe Heimat, goldne Auen,
enges Taelchen dort am Wald,
darf ich Dich nun nicht mehr schauen
meiner Kindheit Aufenthalt
Ort der Liebe, Ort der Freude,
wo ich Welt Dich hab erblickt,
wo ich an der Mutterseite,
meinen ersten Strauss gepflueckt.
Meiner Jugend erste Lieder
sang ich hier am Rosenhain
und das Echo bracht sie wieder
und ich stimm ins Echo ein.
Abends bei der Daemmerschwuele
weilt ich gern am Wasserfall,
lauscht beim Klappern meiner Muehle
dem Gesang der Nachtigall.
Alles Schoene Lieb und Freude,
knuepft sich Heimat nur an Dich,
wird dereinst was so entscheide
deine Erde decken mich.

***

Ein Eisenbauer war ein Waldschmied.

1871 lebte ein Siebtel der Bevoelkerung unserer Gegend vom Bergbau, haupts. Eisenerz.

Nur mit Stock, Grubenlampe und Proviant marschierten die Bergleute zu den weiter entfernten Gruben - mancher hat ausgerechnet, dass er in 40 Jahren Taetigkeit 180.000 Kilometer gelaufen ist, nur um zur Arbeit und zurueck zu kommen..

Die Gemeindebackhaeuser wurden noch weit bis in die 1950iger Jahre betrieben, zum Schluss oft von dem Gemeindebaecker. In frueheren Zeiten war Brot der adeligen und klerikalen Schicht vorbehalten, waehrend die Bevoelkerung, die das Brot anbaute und verarbeitete sich von einem Brei aus zermahlenen Koernern und Wasser ernaehren durfte. Diesen Brei konnte man aber zum Fladen backen. Das war die Volksnahrung. Bis Ende des 18.Jhds hatte der Backes (Backhaus) noch eine Strohdeckung, wie alle Haeuse des Dorfes Biskirchen.

Die kleinen Kolonialwarenlaeden waren teils in juedischer Hand, sie fuehrten auch nur das, was die Leute kaufen konnten oder wollten - alles, was man nicht selbst machen konnte. Bis auf den kleinen Luxus von Tabak und Kaffee- morgens um 4 Uhr sollen die Bergleute Tabak im Laedchen gekauft haben, wenn sie sich auf den Weg zur Grube machten. Namen wie "Isaak-Haus" oder "Seligmann" waren so selbstverstaendlich, wie heute tuerkische Gemuese-Laeden oder amerikanische Burger-Ketten. Schon 1937 erloschen diese juedischen Laeden und Geschaefte und Viehhandel mit Geldverleih und hinterliesen eine Luecke, die bis heute noch nicht wieder geschlossen ist. Mit dem Aufkommen der Supermaerkte in den 1970iger Jahren verschwanden nach und nach die kleinen Dorflaeden.

Frueher waren Gastwirtschaften in allen Ortschaften, oftmals mit Metzgerei gekoppelt. In den 1980iger Jahren begann das grosse Wirtschaften-Sterben. (Die Leute hatten Fernseher und Flaschenbier daheim)

In alter Zeit muss man sich die meisten Verkehrswege als recht duerftige Feldwege vorstellen, die grob mit Schotter ausgeflickt wurden.
An den Markttagen legten die Kleinbauern lange Wege zu Fuss mit dem Handwagen oder Karren oder einfach mit der Kiepe auf dem Ruecken - zurueck.
Die Schuhmacher holten ihr Leder in Frankfurt - so um die 140km hin und zurueck..
Manche Arbeiter sind Sonntag schon losmarschiert und kamen erst am naechsten Samstag wieder zu Fuss nach Hause zurueck - so manche Arbeitsstaette war weit weg und nur auf diese Weise kostenguenstig zu erreichen.
Auf Seite 480 der Chronik wird berichtet, dass dem Faehrmann wegen Krankheit gekuendigt wurde und der Faehrbetrieb anderweitig verpachtet wurde.. diese Pacht wurde ersteigert !

In diesem Buch gibt es Details zur Planung und Fertigstellung des einzigen Schiffstunnels in Europa, in Weilburg. (Das duerfte jedoch zu speziell sein, um auf meiner -doch recht allgemein gehaltenen- Seite Platz zu haben, wie die Geschichte des "Balkanexpress", der von Beilstein nach Stockhausen durch das Ulmtal lief. (15km lange Strecke mit 240mtr Hoehenunterschied, 47 Min Fahrzeit) Der Name kam von der malerischen Landschaft und dem Gebimmel vor den unbeschrankten Bahnuebergaengen.

Die wichtigste Strasse und Handelsverbindung war die Hohe Strasse, die von Koeln - Wetzlar - Frankfurt - bis an die grosse Fernstrasse ueber Boehmen, Ungarn bis Konstantinopel (Istanbul) fuehrte. Aber auch die etwas kleineren Verkehrsverbindungen waren uralt und da es noch keine Bahn gab, noch lange unentbehrlich, heute hat man diese oft mit modernen Strassen ueberbaut - so bestehen sie praktisch heute noch.

Die Krankheiten "der Ueberflussgesellschaft" waeren Durchblutungsstoerungen, Infarkte, Krebs, so ein Autor des Buches - was ich allerdings ganz anders sehe: Die Ueberflussgesellschaft beginnt nicht im unteren, sondern ausschliesslich im oberen Teil des Volkes. Das ist nun mal so.

Noch im Jahr 1800 haben nur 4 von 10 Kindern das Heiratsalter erreicht..

Noch vor hundert Jahren half allerorten die alte Hausapotheke:
Ein Kaestchen mit Tausendgueldenkraut, Schafgarbe, Bergwohlverleih, Kuemmel, Salbei, Kamille, Kuemmel, Brombeerblaetter, Zinnkraut, Lindenblueten und Pfefferminze.

Dem Heimatforscher Rudolf Anschuetz gewidmet, der 1949/50 folgende Zeilen hinterlies. (Er war vermutlich einer der Fluechtlinge, die aus dem Osten vertrieben wurden, auch Heimatvertriebene genannt) Ganz sicher wird es "Dir", geneigter Leser, liebe Leserin nicht zugaenglich sein, deshalb erlaube ich mir, das hier zu schreiben, es ist so schoen, dass es ein Sakrileg waere, es nicht zu tun.

"Christfest im Olmental"

Wenn im Spaetherbst der Laubwald sein Blaetter zur Erde senkt,
hebt sich das satte gruen der Nadelhoelzer im Waldesdome feierlich ab.
Wenn dann das Schneetreiben die Aeste kristallen glitzern laesst,
dann weihnachtet es im Walde.
Auch im Dorfe wird es still, die Arbeit zur Saat und Ernte ist getan;
der Winter ruft zum waermenden Ofen.
Die Lichter brennen lange in den Wohnstuben und werfen ihren Schein
in die schneetreibende Winternacht.
Zur Christnacht gehoeren gruene oder gar bluehende Zweige schon seit aeltester Zeit
und die gruene Tanne schon seit Generationen.
Ueberall ist der gleiche Glanz, der gleiche Sinn fuer alle Christenmenschen ..
und den Menschen ein Wohlgefallen !
Kalt und sternenklar waren die Naechte um die Winterwende von 1349.
Im Talweg bei den Holzhaeusern im Olmental ritt der Gaugraf gen Griffinstein.
Wie im Huegel verborgen und von Schneewehen aus den Bilsteiner Hoehen eingehuellt
lag die Huette des alten Koehlers am Walde.
Nur ein duesterer Lichtschein suchte muede einen Weg von der Lichtluke aus in die Nacht.
In der Huette speiste die Koehlerfamilie auf dem Balkentisch ihre Abendsuppe.
Auf einer Wandplatte in der Feuerecke ragten drei bluehende Obstzweige aus der selbstgefertigten Tonschale
und jung getriebenes Birkengruen zierte die Lehmwaende.
Im Brandschein der Holzscheite aus dem Steinherd erzaehlte der weissbaertige Koehler
seinen Kindern vom Kriegsgeschrei zwischen den Hessen und Nassauern die das Tal durchzogen,
von den blutigen Treffen vor Hohensolms und der Not der Leute
von dem Columbaner Moench, der bei dem Huben im alten Dorfe
ein grosses Holzkreuz errichtet und dort Christenworte aus Bethlehem geweissagt hatte,
und von dem schwarzen Tod, der seit einem Jahre das Tal heimsuchte
und Hunisbach, Doberg und Hobenhusen schwer getroffen hatte.
Not und Tod hatten das Tal heimgesucht,
aber ueberall im Olmental war froher Sinn zur Lichtwende,
den langen Naechten sollte ein naher Fruehling folgen.
Die heiligen Naechte hatten die Menschen froher werden lassen.
Die Koehlerkinder hatten andaechtig gelauscht und noch im Traume
suchten sie aus dem Heer der Sterne den einen, der von dem ihnen der Koehlervater
vom Christenkreuz erzaehlt hatte und traeumten von der Kunde an alle Welt..
und den Menschen ein Wohlgefallen!
Tief und duester hingen die Schneewolken im Olmental
und hatten zur Christnacht von 1649 dem Tal ein glitzerndes Kleid beschert.
30 Jahre hatten Land und Leute der der Grafschaft geraubt.
Entlang der Logena und Dillena bis zur Sieg,
in Westerwald und Taunus hatten Raub und Mord nur noch wenige Huben gelassen und Saat und Ernte blieben aus.
Doch in der Lehmhuette des Jakob Keller war Christfeier wie es ihm gelehrt war.
Auf die schwere Tischplatte mit ihren Essvertiefungen hatte Jakob eine gruene Tanne aus Jungfernholz gestellt,
wenngleich er von einem Verbot gehoert hatte und dafuer keine Erklaerung fand.
Der Kienspahn knisterte
Im traulichen Schein wusste Vater Jakob seinen Kindern viel zu erzaehlen.
Er hatte den grossen Krieg ueberlebt, hatte auf dem Greiffenstein frohnden muessen,
und dort erfahren, wie die Menschen, die alle den gleichen Gott anbeten, sich deswegen zu Tode stritten.
Er wusste noch, wie der kaiserliche Oberst Biland das Olmental heimgesucht hatte und dass dabei der junge Tross aus Allendorf erstochen wurde.
Ein langer Krieg war zu Ende und hatte Verderben hinterlassen.
Seit einem Jahr war Friede.
Es sollte ein wirklicher Friede sein, wie einst ihn die Hirten in der Christnacht erfuhren, Friede..
und den Menschen ein Wohlgefallen!
Klar und sternenuebersaet strahlte der Himmel in der heiligen Nacht von 1795.
Neben dem Gottesacker an der Bischofskirche stand in Eichenbalken mit Lehm gefuegt
das Gehoeft des Johann Marin Zutt.
Am 19.9.1795 waren franzoesische Heerscharen lahnaufwaerts gegen Wetzlar gezogen,
die teilweise noch bei der stumpfen Buche am Bischofsberg lagerten und in den Doerfern requirierten.
Auch Martins letzte Kuh war diesen Weg gegangen.
Das hatte Martin arm gemacht.
Als das Gloecklein zur Talkirche rief, folgten alle angsterfuellt;
die Talruhe war dahin.
Pfarrer Johann Conrad Wetz sprach von dem Erleben der Hirten,
die sich fuerchteten wie heute die Talbewohner der Ulm.
Viele hatten sich aus dem nahen Strauch eine gruene Tanne geholt und mit allerlei Fruechten und Lichtern behaengt.
Auch fuer den Einback aller seiner Leute hatte der Schultheis sorgen lassen, wie es ihm gelehrt war..
und den Menschen ein Wohlgefallen!
In jahrhundertelanger Folge haben Kriege Schauplaetze fuer Kriegsgreuel bereitet und Gut und Blut zerstoert,
einst wie auch zur Christnacht 1949.
Bombenschaeden blieben, Heim, Hof und Menschen sind dahingegangen oder die Menschen wurden vertrieben wie das Wild im Walde.
Die Natur aber blieb die gleiche;
Schnee und Eis bereiteten die Winterlandschaft, Blueten und frisches Gruen erfreuen,
und die gruene Tanne hat ihren gleichen Glanz wie jetzt.
Wahrlich reich hat hat St. Nikolaus schon in diesem Jahre seine Ware feil gehalten,
und manchem einsamen und verwirrten Menschen wurde ein Plaetzchen unter der Christtanne beschieden.
Neben den heimischen Kindern sitzen Bruederchen und Schwesterchen als neue Buerger.
Bedenke, heimischen Kind:
Dir verblieben Heim und Hof, teile gerne Geschenke und Freuden.
Die Sterne der heiligen Nacht nehmen dein Werk auf.
Im uralten Waldesdome des Kesselbergs erhebt sich der Wind,
die gruenen Christtannen rauschen und ein Raunen erfuellt das Tal wie ein Lied,
ein altes Lied deiner Ahnen ..
und den Menschen ein Wohlgefallen !

***

Waerend der Taufe wurde das Taufkind in die Runde der Eltern und Paten gereicht, man hat es "gehoben", wie man heute zuweilen noch sagt. Heute haelt meistens der Kindvater den Taeufling ueber das Taufbecken.

Von eben diesem Rudolf Anschuetz ist ein Spinnstuben-Gedicht von 1919-24 ueberliefert,
das man bestimmt nur in der engen Heimat kennt..
auf diese Weise gelangt es auch zu den deutschen Auswanderern und deren Nachkommen nach Uebersee,
wo diese meine Seiten gelesen werden.
Doch nun genug der Vorworte:

***

"Immer weiter, immer weiter."

"Ach was sind wir dumme Leute,
nie geniesen wir das Heute.
Unser ganzes Menschenleben ist ein Hasten und ein Streben,
ist ein Bangen, ist ein Sorgen,
heute denkt man schon an Morgen,
morgen an die spaetere Zeit,
und kein Mensch geniest das Heut.
Auf des Lebens Stufenleiter
eilt man weiter, immer weiter.
Ja, wir leben zu geschwinde,
gar zu schnell entfieht die Kindheit.
Schon der Knabe in der Schule
sitzt nervoes auf seinem Stuhle.
Vor der Fiebel wirds ihm uebel,
gar mit Streuben lernt er schreiben
und am liebsten moecht er raus
aus dem schoenen Elternhaus.
Denn er glaubt, es waer gescheiter
immer weiter, immer weiter.
Kommt er spaeter in die Lehre,
denkt die halb erwachsenen Jahre,
wenn ich doch erst groesser waer
als Soldat beim Militaer.
ist er aber erst Rekrut,
ach wie wirds ihm da zu Mut.
Ja, da singt er andre Lieder,
nach der Heimat moecht ich wieder.
Waer ich doch nur erst Gefreiter,
und dann weiter, immer weiter.
Kommt vom Militaer er eben,
denkt er schon ans Eheleben.
Dort in jenem Tanzlokale
sah er sie zum ersten Male,
und am Abend bringt er's Liebchen
schon nach Haus bis vor ihr Stuebchen.
Hell erregt sagt die Maid:
Junger Mann sie gehn zu weit.
Doch trotzdem geht der Begleiter
immer weiter, immer weiter.
Er noch ganz erhitzt vom Tanze
sagt zu ihr, ich geh aufs Ganze.
Immer naeher kommt zur Maid er,
sie rueckt weiter, immer weiter.
Doch er sagt, s ist nicht gefaehrlich,
wirst mein Weibchen brav und ehrlich,
in sechs Wochen bist du mein,
und er kuesst das Maegdelein.
Doch nun sagt sie froh und heiter,
kuesse weiter, immer weiter.
Nun zaehlt er schon die Sekunden,
bis man ihm mit ihr verbunden.
Ist es nicht en toller Einfall,
es hat doch Zeit mit solchem Reinfall.
Bald vermehrt sich die Familie,
und nach Wochen hat er schon,
auf dem Arm den ersten Sohn.
Erst kommt einer, dann ein zweiter
und so weiter, immer weiter.
So entflieht die Zeitwie ein Traum,
und die beiden merkens kaum.
Erst verheiraten sie's Mariechen,
dann verlobt sich ihr Sophiechen,
dann kommt Walter zur Marine,
dann lernt Englisch die Pauline,
dann macht Wilhelm sein Examen,
dann kommen noch zwei junge Damen.
Eine fuenfzehn, eine siebzehn,
das kost Huete, Kleider, Schuerzen,
um sie guetig auszustatten
fuer den kuenft'gen Herrn und Gatten.
Niemals weiss man wo man dran ist.
Nie gibt's Ruh und Frieden,
wenn die eine an dem Mann ist,
ist die andre schon geschieden.
Ist die Aelteste noch zu haben,
hat die Juengste schon zwei Knaben.
Und so geht es taeglich weiter,
immer weiter, immer weiter.
Seh'n sie, so entfiehn die Jahre,
Grosspapa kriegt graue Haare,
und der Mondschein zieht sich weiter.
O gar oft hoert man ihn klagen
und zu seinen Enkeln sagen:
Nutz den Fruehling deines Lebens,
leb' den Sommer nie vergebens.
Denn gar bald stehst du im Herbste,
wenn der Winter kommt, dann sterbste.
Und die Welt geht trotzdem weiter,
immer weiter, immer weiter."

***


Ich hab gehoert, ihr haett geschlacht, und haett gute Wurscht gemacht -
gebt mir von den langen, lasst die kurzen hangen.
Der Reim wurde aufgesagt, um etwas vom Schlachtfest abzubekommen.. junge Leute haben immer Hunger und waren schon immer erfindungsreich.
Geselliges Birnenschaelen, anschliessendes Honigkochen, dampfender Kaffee und Streusel- oder Quetschekuche - Plaudern.
Heute muten so manche Gesetze seltsam an, so zu Beispiel das Fensterrecht, das bei enger Bebauung die Sichtoeffnungen zum Nachbargrundstueck regelte. (Heute macht man in solche Grenzwaende keine Fenster mehr)
Ahle gab es ueberall, dort galt das "Dachtrauf-Recht", damit man dort an der Regenrinne oder Wand ungestoert Reparaturen machen konnte: Die Grundstuecke waren in der gleichen Flucht wie die Regenrinnen, so entstand zwischen den Haeusern eine halben bis ganzen Meter breite Schlucht, die Ahle oder Oahle ausgesprochen.
Beim gemeinschaftlichen Nutzen einer Zufahrt gab es schon immer Zwistigkeiten, das ist nicht nur heute so, wo so mancher sich ruecksichtslos verhaelt und den Nachbarn absichtlich oder aus Faulheit behindert.
Heute macht der "Nabu" einiges falsch, wenn man an das alte Pflugrecht denkt, das so viel Platz vorschreibt, dass der Nachbar ungehindert fahren und pfluegen kann. 2-2,5mtr Platz zwischen Obstbaeumen und dem Fahrweg hat man damals anberaumt.
Das Weide- und Triftrecht nutzte der Schaefer, der nach der Ernte des Feldes oder der Wiese mit seiner Herde dort drueber zog.
Jeder hatte die Ueberfahrt des Nachbarn zu dulden, wenn Erntezeit war- deshalb gab es eine strenge Erntefolge.
Der "Wisch" war ein Strohbueschel auf einen Stock gebunden; dies war ein Warnzeichen, damit keine Schafe darueber getrieben oder befahren werden sollte - nach einer Aussaat oder vor einer besonderen Verwendung des Feldes.
Die "Baulinie" wurde ca 1800 eingefuehrt: Zuvor durfte man die Haeuser etwas von der Strasse weg oder mit dem Giebel versetzt bauen- danach musste jeder diese Linie einhalten: Die Gemeinde verlegte die Rohre (Erschliessung) unter dem Gehweg und so war das Haus einheitlich und leichter anzuschliessen.
Das Buch endet mit Maßen und Gewichten und einigen sehr interessanten Bildern, die zuweilen den Gruenderbildern aus den Vereinigten Staaten aehneln.

***

Nun habe ich den 1. und den 3. Band "Der Laden" von Erwin Strittmatter jeweils aus dem Jahr 1998
vor mir liegen und anfangen zu lesen:
Ich sage es gleich, der Roman ist eine zu "90% wahre und zu 10% gelogene Geschichte",
wie der Autor selbst schreibt, vor mir liegen - die sich recht schwierig liest,
weil sehr viele dialektische Saetze vorkommen. (Sorben und Slawen)
Die Story selbst ist nicht so tragend, aber die damaligen Lebensumstaende sind um so interessanter.
Das erste Buch zumindest passt in die Rubrik "Geschichtliches" und sollte an den Schulen verlesen werden.
Den 2. Band werde ich vermutlich niemals bekommen und wenn, dann nur mit sehr viel Glueck im Antiquariat:
Nee, aber bei A mazon habe ich es sofort gefunden, fuer den unglaublichen Preis von 1 Cent !
(plus 3 Euro Versandkosten, wovon nur 1 Euro Porto auf der Verpackung zu lesen war,-
d.h. der Verkaeufer hat 2,01 Euro an der Transaktion verdient - mehr nicht.)
Das habe ich mir bestellt, damit eine sichere Abfolge gelesen und rezensiert werden kann.
(Das Dialektische wiederum ist nichts fuer meine Frau, da muss sie passen)
Nun liegen sie also alle drei vor mir, die leckeren Buecher, die ich nicht hergeben werden.

Der Autor ist so gut, dass ich gleich die naechste Triologie von A mazon fuer ca 15 Euro
(gut gebraucht) gekauft habe:
"Der Wundertaeter" (1555 Seiten) - so, der Winter kann kommen.

20.11.2017 habe ich den 2. Band "Der Laden" gelesen und bin noch immer begeistert
von den Histoerchen, die da auf mich eingeprasselt sind..
ein feines Werk!
Die naechste Triologie "Der Wundertaeter" wird aber nicht gleich danach gelesen,
sondern wie Gold aufgehoben und erst einmal andere Buecher vorgeschoben..

"Der Wundertaeter":
Anspruchsvoll geschrieben, man muss bei diesem Schriftsteller den Kopf einschalten, was ich gerne tue.. auf alle Faelle gegen die letzten beiden Buecher eine Wohltat! (Es geht nicht um Kilometerfresserei, sondern um den Genuss und dieser ist bei diesem Autoren allemal gegeben, auch wenn das Einlesen ein "Zeitchen" dauern mag.) Ein Ausflug in die sprachliche Vergangenheit, in eine laengst vergangene Lebenswirklichkeit aus der Sicht der kleinen Leute.


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