Landfotografie



Exkursion "Geschichtliches", 9. Teil


"Altes Brot ist nicht hart. Kein Brot, das ist hart!"


Noch immer die Chronik Altenkirchens vor mir, lese ich von Drei Quellen Hof, im Grundriss eines Blattes,
im im noerdl. Vortaunus, wo nur noch die Flurnamen daran erinnern, dass in dieser Abgeschiedenheit Menschen lebten.
Ein alter Mahlstein und ein unfertiger derselben Art, mit denen das Mehl gemahlen wurde.
Unbeachtet zur Seite geraeumt, begutachtete diesen irgendwann Archaeologen..
Diese Dinge muss man erst einmal erkennen lernen!
Die Dorfbrunnen waren dagegen viel gesuchter, kein Tier und kein Gespann, das daran vorueber ging, ohne daraus zu trinken.
Es wird von einem Pferd von "Pauls Ewald" berichtet, das alleine vom Stall zu Brunnen -und zurueck- ging, um zu trinken.
Die Wasserzuleitung dahin erfolgte ganz raffiniert durch Tonrohre, die aber noch keine Muffen hatten, dh. immer konisch zuliefen und -durch den Brand- etwas in der Laengsachse gewoelbt gerieten.
Die Woelbung wurde nach oben gelegt, damit keine Saecke entstanden.
Bei der Verlegung wurden in die Muffenverdickungen Stricke gelegt, beide Enden heraus ragend- dann wurden diese immer ein Stueckchen heraus gezogen und Lehm in die Luecke gestopft.
Bis die Stricke heraus und der Lehm darin war. (So wurde der Abstand rundherum gehalten, um die Dichtung gleichmaessig zu machen)
Nach der Trocknung des Lehms,- alles im offenen Schacht, wurde Blei auf den Lehm gegossen, nach dessen Abkuehlung wurde dieser verstemmt.
Schon damals hat man so hohe Druecke geschafft. (Mich haette dabei interessiert, wieviel Versuche noetig waren..)
Um 1950 stieg der Wasserverbrauch enorm an- weil die Haeuser Badezimmer erhielten - das Vieh "Selbsttraenken" erhielt.
Schnell war auch die neue Leitung und der neue Hochbehaelter an seinen Grenzen..
In den 1980iger Jahren kamen Regensammler dazu, damit die Mischwasser unter den Strassenzuegen, wo Faekalien und Regenwasser einlief, starke Regenguesse zwischenlagern konnten.
Die fruehe Planung setzte darauf, dass man das verduennte Mischwasser in den Bach einleiten koennte- die Verschmutzungswerte sprachen aber dagegen- so wurde wieder umgebastelt und die Uebermengen nach und nach der Klaeranlage zugefuehrt.
Wie in jeder Ortschronik wird von der Elektrifizierung geschrieben - das klingt immer aehnlich, bis auf den Teil, wo die ersten Steckdosen an der Fassung der Kuechenlampe waren und die nur gingen, wenn das Licht ebenfalls an war..
Strassen oder Chausseen hatten direkten Einfluss auf die Lebensqualitaet, so war auch die aerztliche Versorgung davon abhaengig.
Verletzungen, Entbindungen, Ungluecksfaelle etc. gab es immer - vor dem 16.Jhd gab es wohl keine Aerzte und Apotheker fuer die Landbevoelkerung, nur fuer die Herrscher.
Zum 18.Jhd installierte man eine Gesundheitspolizei, die Wasser, Nahrungsmittel, Tiere kontrollierte - Apotheken und Hospitaeler, Gefaengnisse und Hebammen, wie es heisst.
Man kann sich vorstellen, wie die Zeit vor dem Telefon war, wo erst einmal jemand den Unfall melden musste- selbst danach brauchte die Kutsche eine Stunde, bis sie in den Orten war.

Ich lese von 17j. jungen Leuten, die ab dem 15.Jhd auf den herrschaftl. Hoefen ein "Pflichtjahr" als Knecht oder Magd verrichten mussten - wie sehr viel spaeter in aehnlicher Weise in diverser Art wieder!
Diese Versuchung junge Menschen unter die Knute zu knechten, hat keiner der Herrscher widerstanden, das taten auch "demokratisch" gewaehlte Herrscher.
Damals war das Schicksal "leibeigener" Frauen besonders schlimm, die einfach mal so getauscht oder verkauft werden konnten - mitsamt oder ohne ihre Kinder.
Seltsam, dass man in unserem Land nie von "Sklaven" schreibt - obwohl das eindeutig Sklavenhaltung war.
Einzelheiten zur Schaf- und Kuhhaltung kann ich mir sparen, die wiederholen sich in jeder Chronik - desgleichen der Hinweis, dass die Ziegen "die Kuh des kleinen Mannes" waren.
Ich kann mich noch an die paar Ziegen im Hauskeller, der den Eingang zur Strasse hatte, in unserem Nachbarhaus erinnern,
das mein Urgrossvater gebaut hat. Eigentlich fuer einen Auftraggeber, welcher aber -aus welchen Gruenden auch immer- nicht zahlen konnte.
Deshalb bewohnte Urgrossvater und Urgrossmutter mit ihren beiden Toechtern das neue Haus selbst.
Das bedeutete arge finanzielle Einschnitte, die auch der selbstaendige Maurermeister kaum stemmen konnte,
von dem heute noch unverputz gebliebene grosse Tuffstein-Scheunen im Ort stehen.
Mithilfe kleiner Auftraege, wie Anstreicher- und Verputzerarbeiten hielt er die Familie ueber Wasser.
Diese Ziegen waren also im neuen Haus in einem Kellerraum- und .. stanken.
Sie mussten freilich gut gefuettert werden, was die Kinder mit der Sichel und dem Korb in die Gemarkung trieb, um die Wegeraender zu maehen.
Ein Stueck Wiese oder Feld hatten sie von ihren Alten geerbt, da steht heute die katholische Kirche drauf:
Durch den Verkauf in den 1950/60iger Jahren kam endlich ein wenig Geld in die Kasse um das Haus abzubezahlen.
Die Ziegen gaben jeden Tag ihre Milch - die weder Kinder, Enkel noch ich als erstes Urenkelchen nicht mochten.
Sie schmeckte und roch nach .. Ziege und war enorm.
Daraus wurde wohl auch Butter gemacht.
Die Ziegenlaemmchen, so nett die auch waren, wurden in der Tasche zum Metzger gebracht- das gab den Braten zu Ostern- Osterlaemmchen.
Der Urgrossvater hielt 30 und mehr Stallhasen in einem Anbau aus Holz, in einem Schuppen, der auch das Handwerkszeug aufnahm.
Lange Leitern, Gerueste, Buetten, Kellen usw.
Ich kann mich noch gut an die in Flaschen eingeweckten Saefte aus div. Fruechten erinnern, die aus Feld und Flur und vor allem aus dem eigenen Garten kamen.
Es durfte nichts weggeworfen werden, alles kam zur Verwendung:
Mit dem Kuechenmesserchen in der Hand ist die Urgrossmutter immer irgendwie am arbeiten gewesen,
mit ihrer typischen Kuechenschuerze mit sparsamen Spitzen an den Raendern, den Wollstruempfen
und derben schwarzen Schuhen, ihrem zu einem Knoten gebundenen weissen Haar.

Mein persoenlicher Report aus der alten Zeit geht weiter:
Im Hausgarten wurde alles angepflanzt, was zur Ernaehrung der Familie beitrug, die Abfaelle kamen als Beifutter zu den Tieren.
Fleisch gab es selten, ein paar Eier von den eigenen Huehnern.
Der Metzger kam erst spaet ins Dorf und nahm gesalzene Preise- einfach mal so "Aufschnittwurst" oder ein Kotelett fuer alle Familienmitglieder zu kaufen, kam eher nicht in Betracht.
Das Wohnzimmer war zugleich Esszimmer und Buero. Dahinter war eine kleine Kammer, die das Schlafzimmer bildete.
Ein Flur und eine schmale lange Kueche und die Treppe in den 1. Stock, wo meine Grosseltern wohnten.
Im Keller war noch ein Brunnenloch, das aber wohl nie benutzt wurde- was aber durch die Lage an der ehemaligen und nun zugeschuetteten Viehtraenke immer bei Regen ueberlief..
An ein Auto oder Motorrad brauchte der Urgrossvater nie zu denken- der Grossvater war als Soldat in Frankreich, schickte von dort immer Paeckchen an die Familie mit -hier- seltenen Leckereien.
Der Krieg neigte sich dem Ende zu - Grossvater wurde in den Osten geschickt und "fiel" in Schlesien.
Nun musste seine Frau und die beiden Kinder von den Alten unterstuetzt werden,- die Witwenrente kam spaet und war sehr gering, Kindergeld kannte man noch nicht.
Der Hasenbraten war beruehmt, der auf dem eisernen Herd im Wohnzimmer (Ausnahme, sonst wurde in der Kueche gekocht) schmurgelte-
Mir ist der Geschmack und Geruch noch gut in Erinnerung geblieben, so konnte ich das Rezept rekonstruieren: Hasenbraten nach Wilhelm Holder
Es war noch die Zeit, wo jeder mit dem Wandwaegelchen durch das Dorf ging, um seine Einkaeufe oder Besorgungen zu machen.
Heute faehrt jeder jeden Meter -innerorts- mit dem Auto, selbst wenn das Ziel nur eine Querstrasse weiter ist. (Kein Witz)
Kein Jaeger oder Foerster, Bauer oder Nabu- Freund laeuft -jeder faehrt- Kinder werden zu Freunden, zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof gefahren und .. wieder abgeholt.
Freilich sind die schmalen Strassen fuer einen solchen Irrwitz nicht gedacht gewesen.

Die damalige Bauweise der Haeuser ist nun schon etwas klarer geworden, wo meistens verputzte Fachwerkbauten erstellt wurden.
Im Westerwald wurde die Wetterseite gerne verschiefert um Feuchtigkeit von den Mauern fern zu halten.
Brandmauern bestanden aus Bruchstein-Mauerwerk, die bis zum oder nach Bauweise - 20cm ueber das Dach ausgefuehrt wurden.
Wie oben beschrieben, sahen irgendwie fast alle Haeuser innen aus, eine Bodentuer oder unter der nach oben fuehrenden Treppe eingelassene Tuer aus Holzbrettern fuehrte zum Keller.
Im Keller waren einfache Regale, auf denen Obst und Gemuese, teils frisch, teils eingeweckt- gelagert wurde.
Auf dem Lehmboden des Kellers, der oft nur eine Teilunterkellerung des Hauses war, standen Steinguttoepfe mit Kraut, gerne auch Korbflaschen mit Wein.
Damals wurden nur die Wohnraeume beheizt, wo man sich gerade aufhielt, Keller waren nicht verputzt oder gar gefliest, Speicher nicht ausgebaut.
Tapeten verwendete man nur selten - meistens wurden die Raeume nur geweisst und mit Schmuckbordueren verziert.
(Meine Schilderung geht ab ca 1954-55, wo mein Erinnerungsvermoegen begann..)

Richtige "Museumsstuecke" waren nur wenige Haeuser, die allermeisten waren reine Zweckbauten, noch mehr als heute, wo schon mehr Geld zur Ausschmueckung vorhanden ist.
So huebsch wie heute sahen die Fachwerkbauten damals nicht bei bei Neuerheit aus.
So manches alte Haus wurde zu Gunsten des besseren Verkehrsflusses abgerissen.
Wir haben auf unseren Wanderungen einige Kaeffer gefunden, in denen richtig eckige Strassenverlaeufe durch die Ortsmitte gefuehrt wurden.
Kommt ein Omnibus oder Lastwagen, dann wird es eng, auch wenn nur ein Moped entgegen kommt.
Wer hat damals mit einer solchen Entwicklung gerechnet?
Lag damals der Nebel im Tal, wurde es still- die Arbeiten gingen langsamer- alte Leute klagten ueber Rheuma und taten sich schwerer mit ihrem Gewerk oder taeglichen Pflichten.
Heute wird bei jedem Wetter mit dem eigenen Auto ausgependelt in die Stadt, wo Sommers und Winters die gleiche Beschaeftigkeit herrscht- mit der Stoppuhr im Nacken.
Heute treffen sich die Seniorn zum Joggen.. oder beim Arzt und hinterher im Cafe' ..

Die alten Feste - Pfingsten und Kirmes - werden eher nur noch rudimentaer als Saufparties gebraucht.

Waren die Dickwurz zur Ernte fertig und wurden zur Waeschbach gefahren um gesaeubert zu werden, begann die Zeit der Fratzen-Schnitzer, die eine Ruebe aushoehlten und mit grausigen Fratzen versahen, hinter denen eine Kerze gestellt wurde.
Auf einen Stecken gesteckt ging es damit im Dunkeln vor die Fenster, um die Leute zu erschrecken ;)
Am naechsten Tag traf man sich um gemeinsam ueber die Geschichten zu lachen.

Fast alle Orte hatten irgendwelche Spott- oder Scherznamen, von Waffelmaeulern bis Birkenschinner war alles drin.
Heute kennt kaum noch einer diese regionalen Bezeichnungen.
Desgleichen haben sich die alten Kirmesregeln kaum mehr erhalten. Heute sind auch Maedchen bei den Kirmesburschen, die noch gehalten werden.

Die Berufe der alten Zeit waren von den heutigen doch recht abweichend, wie jeder weiss-
"Eulalia die Rosstaeuscherin" ist doch schon recht exotisch fuer unsere Ohren..
Pechbrenner, "Vogelfenger", Saeuhirt, Koehler, Wagner, Bergknapp, Dillschneider, Brandenweinfrau, Hirt,
Schweinehirt, Kohlknecht, Herrenkutscher, Holzschieber, Former, Fuhrier, Kuefer, Lakai, Saugamme, Webermeister, Waldmeister,
Feldhueter, Gemeindeschaefer, Holzschlaeger, Spiessmann, Steinsetzer, Korbmacher, Seegraeber und Pfeifer kennt kaum noch einer.

Die Lahmekaut gab das Rohmaterial fuer die Backsteine und auch fuer die beruehmten glasierten Kannen her.
Grobes Material wurde mittels Koebel, Pferd und Mahlwerk zerkleinert, mit Wasser gemischt, in Formen gegeben und wie bei der Koehlerei gebrannt.
Zuweilen wurde auch Sand oder zerkleinerte Steine beigesetzt.
Diese Steine nehmen Feuchtigkeit gut auf und geben diese auch gut wieder ab- was heutige Baubiologen fordern.
Glasierte Backsteine koennen das nicht.
Damals hat man am liebsten das Baumaterial direkt aus der Naehe bezogen, nicht nur um Kosten zu sparen- der Transport waere sonst zu teuer und aufwaendig gewesen, - kein Wunder bei diesen Wegen.
Aus diesen Ziegeln wurde so mancher Stall, so manche Scheune gebaut.
Luftgetrocknete Ziegel waren nicht so haltbar, spaeter hat man die Trocknung mit Oefen gemacht, die mit Oel oder Eierkohlen betrieben wurden- 1000 Grad sollten es schon sein!
Unten die Tiere in gemauerten Staellen, oben das Heu und die Frucht (Getreide)
Mit Katzen, Mardern, Maeusen und was so dazu gehoerte.
Das Mauerwerk wurde mit Lehm in den Fugen ausgeschmiert und begradigt.
Damals kamen auch die Eisentraegerdecken auf, zuerst mit Tuffsteinen in Gewoelbetechnik, dann gerade mit speziell geformten Steinen, die wie ein flacher breiter Champignon ausschauten- der "Hut" lag auf den Traegern, der "Fuss" steckte zwischen diesen.
Darauf goss man eine Betonmischung.
In alter Zeit waren Holzbalken aus Buche oder Eiche, mit Aufnagelungen und Querbrettern oder Geflecht gemacht, die dann mit Lehm ausgegossen oder ausgekleidet wurden. Immer schichtweise, was gut trocknen musste.
Der Lehm wurde mit Stroh angereichert, was eine gute Stabilitaet gab.

Ich lese in der Chronik von einer Frau, die "Brauchen" beherrschte- eine Tradition besonderer Begabung, die immer von Frau auf einen Mann und von dem Mann auf die Frau uebertragen wurde:
Es waren HeilerInnen, die mit besondererem Geschick schwierige Faelle durch Handauflegen und anlegen genesen liesen - es wird berichtet,
dass einer Frau eine faustgrosse Geschwulst aus dem Unterleib entfernt wurde, mit einer Genesungszeit von nur 14 Tagen, was damals auch die Aerzte erstaunt haben soll.

Die Chronik von Altenkirchen wird Dir, geneigter Leser oder Leserin wohl eher nicht zugaenglich sein.
Das von 2002 stammende Buch ist wohl nur regional ausliegend und wird garantiert nicht sonstwo zu haben sein.
Empfehlenswert und richtig gut gemacht, bietet es einen umfassenden Einblick in viele Dinge der alten und neuen Zeit.
Mir liegt daran, seltene Dinge aus diesen Buechern auszuklauben und weit bekannt zu machen- so mancher lebt heute in fremden Laendern,
der aus unserer Heimat ausgewandert ist und so ein wenig mehr ueber die Heimat seiner Eltern oder Grosseltern erfahren kann.
Ich weiss, dass quer durch den ganzen amerikanischen Kontinent meine Seiten angeklickt und wohl auch gelesen werden.

Zurueck zur Chronik. Die Zahl der neuen Berufe und Beschaeftigungs-Richtungen ist so enorm angewachsen, dass dieses nur als Fortschritt gesehen werden kann - gute alte Zeit hin, gute alte Zeit her, wo alles nur sehr muehsam, unter viel Schweiss erarbeitet werden musste.
Wer haette damals gewusst,was "Kuvertierungsarbeiten" oder "Industriezeichner" oder gar "EDV-Berater" machen?

Das Wort "Gleichberechtigung" stellt sich im Krieg und erst recht danach nicht- die Frauen mussten die Rollen der Maenner ganz einfach mit uebernehmen, was bestimmt nicht leicht war, wenn die Kinder und die Alten zu versorgen waren.
Viele sind gefallen, viele sind traumatisiert zurueckgekommen - ein Modewort, das damals noch keiner kannte.
Ernaehrer und Oberhaupt vieler Familien waren und blieben die Frauen, die nun auch noch die harten Arbeiten in einigen Gewerken machen mussten.
"Umstrukturierung" ist ein viel zu mildes Wort dafuer.
Die Bevoelkerung musste versorgt werden - eine schwere Aufgabe in den Kriegszeiten und in den Belagerungszeiten.
Es wird viel von den beschwerlichen Arbeitswegen erzaehlt, von der Angst bei der Verdunkelung - so manches Unternehmen hat wieder von Null
anfangen muessen und konnte nur hoffen, genuegend Auftraege -mit Kunden, die auch bezahlten!- zu finden.
Niemand kann sich heute noch vorstellen, wie mit Schiebekarren durch enge winkelige Gassen Material gefahren wurde,
um auf einem Platz unter freiem Himmel Bleche oder Stahl zu schweissen oder Maschinen zu reparieren - egal wie kalt es war.
Die Zeit des Wiederaufbaus nach dem WKII war besonders hart, weil auch noch die Vertriebenen aus den Ostgebieten zu versorgen waren.
Sehr viel spaeter kamen die Spaetheimkehrer, die nie ein Wort ueber die heftigen Summen (Pro Kopf sollen es anfaenglich 65.000 DM gewesen sein, wie mir eine Russlanddeutsche erzaehlte)verloren, die sie grosszuegigster Weise von unserer Regierung erhalten haben.
Die Fluechtlinge nach dem Krieg bekamen nur billige Kredite und Bauholz, billigere Grundstuecke etc.
Meine Eltern brauchten nichts, sie waren ja einheimisch - sie hatten aber genau so wenig!

Die Maenner waren noch lange in russischer Gefangenschaft - inzwischen halfen italienische und jugoslawische Schwellenmacher beim Wiederaufbau der Bahn- frische Baeume wurden gefaellt und an Ort und Stelle in Schwellen verwandelt und auch gleich verbaut.

Vereine finde ich irgendwie seltsam und so konnte mir noch keiner davon naeher kommen- andere Leute empfinden wohl anders:
Man sagt, wo drei Deutsche zusammen kommen, wird ein Verein gegruendet!
In Altenkirchen waren das erstaunlich viele Vereine, die in dieser Chronik ihre Resonanz fanden.
(In frueherer und neuer Zeit)
Jugendverein ehem. Schueler, Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung, Evangelischer Bund, Kriegerverein, Jungfrauenverein, Consumverein,
Obstbauverein, Schuetzenverein, Maedchen-Mandolien-Gruppe, Natur- und Wanderfreunde, Stammtisch-Verein, Rentnerband, Gesangverein Hermann,
Maennergesangverein, Mandolienklub, Frauenchor Altenkirchen, Gemischter Chor, Chorgemeinschaft 1867, Frauensingkreis 1965,
Freiwillige Feuerwehr 1908, Evangelische Frauenhilfe 1915, Sportverein 1920, VDK Ortsgruppe, Frauensingkreis 1965, Schuetzenverein 1973,
Tennisclub 1979, Angelsportverein 1982, Burschenschaft.
Ich staune ueber so viel Aktivitaeten in einem so kleinen Dorf.

Ab und zu kommen noch Dinge ans Licht, die aus der Zeit im 1.WK vorkamen-
Bei hoher Strafe wurde Kuchenbacken verboten, selbst bei einer Konfirmation..
Gummi wurde gesammelt, selbst Reifen von Fahrraedern mussten abgegeben werden.
Kindern wurde empfohlen barfuss zur Schule zu gehen, weil das Material fuer Schuhe unerschwinglich war.
Aus Mangel an Faserstoffen sammelten Schueler das Waldweidenroeschen und gaben das bei den Sammelstellen ab.
Schulen wurden -mangels Heizmaterial- geschlossen.
Viele hamsterten viele betrieben Schwarzhandel, was die Preise nochmal hoeher trieb.
Aus 6 Pfund Rapssamen kam 1 Liter Oel, auch mal eine interessante Groesse in unserer Zeit, wo nun ueberall Rapsfelder zu sehen sind.

Ein Lied aus dem Krieg 1870/71:
"Morgenrot, Morgenrot leuchtet mir zum fruehen Tod.
Bald wird die Trompete blasen und ich muss mein Leben lassen.
Ich und mancher Kamerad.
Ach wie bald, ach wie bald, schwinden Schoenheit und Gestalt.
Gestern noch auf stolzem Rosse.
Heut schon durch die Brust geschossen.
Morgen in das kuehle Grab."

1921 weiht man den Heldengedenkstein ein:
"Den Opfern aus schwerer Zeit"
Dann die Metallplatte mit den Namen derer, die nicht wieder kamen.
Die Gemeinde singt:
"Was Gott tut, das ist wohlgetan."
Der Pfarrer salbert:
"Sie gaben alles, ihr Leben, ihr Blut, sie gaben es hin mit freudigem Mut - fuer uns.
Wir danken ihnen, wir wollen ihnen die Treue halten, indem wir in Einigkeit an dem neuen Deutschland bauen."

Na, der hat Nerven- die Pfarrer sind doch mit "ins Feld" gezogen und in der Kirche haben sie dafuer gesprochen!

Dann sang der Chor "ich hatt einen Kameraden" - da bleibt wohl kein Auge trocken, da weinen selbst die Steine.

In der Chronik wird noch einiges mehr berichtet, was ich unmoeglich alles -auch nur anschneiden kann- so z.B. der Umstand,
dass eilig gegrabene Luftschutzbunker mit der Hilfe der erfahrenen Bergleute der Gegend guten Schutz gaben.
(Wie bestimmt in allen Orten in Westerwald und Taunus)
Interessant finde ich, dass man Buchenknospen zu Mehl verarbeitet hat - wie die Chronik schreibt, aus Versuchsreihen heraus gefunden.

Spaeter kamen die Heimatvertriebenen aus der CSSR im Mai 1945, 33 einhalb Millionen !
Die russischen Truppen zahlten es den Deutschen heim, in einem Ausmass, das keiner fuer moeglich gehalten hatte.
Die Svoboda Armee hat die Bewohnern aus ihren eigenen Haeusern vertrieben und nur mit dem Allernoetigsten versehen,
in Viehwaggons gesteckt. Tausende sind in Lagern verschwunden, wo sie schlimmste Misshandlungen ertragen mussten.
Seuchen, Kinder starben an Hunger und Entkraeftigung, Frauen und Maenner starben an Folterungen- 240.000 waehlten den Freitod !!
Die Dorfbewohner Altenkirchens waren wie alle Bewohner aller Orte- sie waren nicht begeistert, als noch mehr Esser kamen und noch enger gewohnt werden musste!
26.000 qkm Deutschen Bodens in diesem Gebiet waren enteignet, genau wie 256 Milliarden Mark Volksvermoegen,
die den Tschechen aber kein besseres Leben brachten - spaete Besuche von ehem. Vertriebenen als Touristen bestaetigten uebereinstimmend,
dass dort alles verfaellt und vergammelen lassen wurde.
Wer den Krieg beginnt und diesen verliert, zahlt.

Jeder Demagoge, der fuer irgendeinen Krieg aufhetzt oder auch nur dafuer votet, gehoert in die Psychiatrie - auf Lebenszeit.

*** Aktuell im Januar 2015

http://www.gmx.net/magazine/panorama/nationalsozialismus-holocaust-auschwitz-passieren-30396006
Wie war der Holocaust moeglich fragt diese Meldung- nun, weil der "Kadavergehorsam" gefordert und gegeben wurde.
Berlin stand nie fuer Frieden, sondern fuer Groessenwahn und Herrschsucht der Politik und ihrer Politiker.
Jeder Widerstand wurde durch entsprechende Gesetze im Keim erstickt - das ist immer schon Prinzip gewesen:
"Unwissenheit schuetzt vor Strafe nicht" und "Ruhe ist die erste Buergerpflicht".
Der sprachliche Ductus des Kaiserreichs hat sich bis heute als "Behoerdensprache" in den Gesetzen, Anordnungen, Verordnungen erhalten.
Von oben herab, bestimmend und undemokratisch regieren und reagieren die Macher zuweilen heute noch, das faengt schon beim kleinen Buergermeister an.
Oh lodernd Feuer, oh goettliche Macht - wie Nero so huebsch formuliert haben soll.
Vom "Souveraen, von dem alle Gewalt ausgeht" (GG) ist da nicht viel zu spueren-
wenn diese Machtmenschen nicht an die Macht gewaehlt wurden, na, dann "koalieren" sie eben und kommen trotzdem dran..

Unsere Gross- ja eher Urgrosseltern hatten in der Masse kaum politische Bildung, sie waren noch aus dem Kaiserreich und huebsch mundtot gehalten.
Nun kam das erste Radio, die erste Presse-Verarsche in Form von "Propaganda" des Diktators,
von dem man erst einmal nur markige Sprueche hoerte, mit denen er das "Volk" umgarnte und das Blaue vom Himmel versprach..
Wer hatte damals schon eine freie, unabhaengige Presse im Abo? Gab es so etwas ueberhaupt?
Konnte man andere Sender empfangen, als den im Volksempfaenger gereichten?
Wenn ja, wer konnte schon so gut Englisch oder Franzoesisch, um sich -von der anderen Propaganda damals- ein Bild bilden zu koennen?

In der Chronik Hadamars habe ich extrahiert, dass extra Personal fuer die "Toetung unwerten Lebens"
in den Kammern und Zellen der Psychiatrie aus Berlin kam, damit vor Ort niemand aufruehrig wurde - vielleicht war es nur ein "Testlauf" fuer die KZ's?
(Die uebrigens in England erfunden sein sollen)

Meine Aufarbeitung in dieser Sache ist eben so - frueh habe ich meine Eltern dazu befragt, meinen Grossvater,
beide waren in der Wehrmacht (gezogen, nicht freiwillig)
und auch die haben nichts davon gewusst,- nur Geruechte.

Und alles war weit weg, im fremden Berlin beschlossen, das von uns so weit weg ist (zum Glueck) wie Prag, Innsbruck oder Paris..

Mir ist klar, dass auch noch so viel gute Gesten - ob diese ehrlich sind, kann nur der Wichtige selbst sagen -
und Wiedergutmachungen nur durch unsere neue Einwohnerschaft in muehsamer Kleinarbeit ueberwunden werden kann.
Vergessen geht dabei nicht. Auch mit noch so viel Geld kann man diese Wunden nicht heilen.
Man soll sich dabei aber auch nicht ins Laecherliche verbiegen, dass mit der Kiepa die Gedenkfeiern begangen werden, wenn man kein Jude ist.
Ich sehe die Gefahr der wiederholten "Machtergreifung" neuer, studierter und ins Gegenteil gefaehrlicher Politiker,
die alles ausrotten wollen, was noch ein wenig "deutsch" ist oder zu sein scheint.
Es ist ein stiller Holocaust, wenn ein ganzes Volk absichtlich unterwandern lassen wird -
und das hat mit einer normalen Zuwanderung nichts mehr zu tun, die es schon immer gab und die in unserem -
schon aus der Germanenzeit heraus - gastfreundlichem Volk ganz normal und selbstverstaendlich war.
Gluecklich wird in einem muslimischen Land niemand, das ist weltweit zu erleben -
aber dass ausgerechnet im Osten Deutschlands dagegen protestiert wird, wo kaum solcher Zuzug stattfindet, ist schon seltsam.
Ich habe also versucht, die Geschehnisse aufzuarbeiten, die auch fuer mich nur aus der Geschichte bekannt sind -
aber nicht aus dem Geschichtsunterricht in den Schulen, die dieses Thema geschickt umschifft haben..

Aufgeruehrt, beeinflusst, unterwandert, verdummbeutelt, unaufgeklaert, gehorsamspflichtig -
man hat unsere Bevoelkerung seelisch misshandelt und zu Untaten verfuehrt.
Die engeren Kader waren die Schuldigen, nicht die normale Bevoelkerung, die ich als Opfer ansehe !

Jeder Demagoge, der fuer irgendeinen Krieg aufhetzt oder auch nur dafuer votet, gehoert in die Psychiatrie - auf Lebenszeit.

***

Noch schlimmer als die Leute in den Hungerzeiten des Krieges schaut so manches "gefeierte Modell" aus,
als wuerde man ein Gerippe aus dem Biologie - Unterricht vor sich sehen !

Der Untertaunus- ein Jahrbuch liegt als naechstes an.

Ein paar Sprueche alter Tage:
Muendiges, verantwortliches Leben faengt damit an, dass wir den menschen annehmen wie er ist.
(Romano Guardini)
Was will die Jugend unserer Zeit? Nichts anderes als neue Antwort auf uralte Fragen.
(Fritz von Bodelschwingh)
Wer Ausserordentliches sehen will, muss auf das blicken, was die anderen nicht beachten.
(Laotse)
Wie kann ich ueber andere herrschen, wenn ich nicht volle Gewalt und Herrschaft ueber mich selbst habe?
(Rabelais)
Jeder Mensch hat einen bestimmten Kreis, in welchem er auf unnachahmliche Weise wirken kann.
(Goethe)
Ein Augenblick der Geduld kann vor grossem Unheil bewahren, ein Augenblick der Ungeduld ein ganzes Leben zerstoeren.
(Chinesische Weisheit)
Menschen, die nicht arbeiten muessen, versaeumen das Schoenste im Leben: Auch mal faul sein zu koennen.
(Ziessler)
Nicht in den Dingen liegt das Boese, sondern in dem unrechten Gebrauch.
(Augustinus)
Ueberfluss hat erst Wert, wenn wir ihm zum Wohle anderer benutzen.
(Hilly)
Der Wein erfreut des Menschen Herz, und Freudigkeit ist die Mutter aller Tugenden.
(Goethe)
Ohne Jesus Christus wissen wir nicht, was unser Leben, noch was unser Tod, noch was Gott ist, noch was wir selber sind.
(Blaise Pascal - Da sieht man mal wieder, wie Religion hemmt mehr zu erkennen als deren Lehren)

Schenken heisst, einem anderen das geben, was man selber gerne behalten moechte.
(Selma Lagerloef)

Vor ein paarhundert Jahren gab es noch keine Briefumschlaege- man faltete den Brief und schrieb auf die leere Seite die Adresse.

Es geht die Sage vom Trompeter, der auf der Bubenheimer Strasse, die das Kloster Lorch von Mainz ueber den Rhein nach Kastel, oestlich von Wiesbaden vorbei, ueber den Lindauer Hof in den Taunus - eben ueber diesen Trompter-Weg oder Strasse - verband.
(Zuvor wohl Siebenkippel oder Poststrasse genannt, die ihren Anfang in Woersdorf nahm - ueber die Saubruecke aus Holz, die bei Hochwasser eilig errichtet wurde)
Der Postreiter wurde ueberfallen und er aeusserte den letzten Wunsch: Noch einmal auf seiner Trompete blasen.
Der Wunsch wurde gewaehrt- er kletterte auf einen Baum und schmetterte seine Weise..
Eine Sage meint, er haette durch ein Lied gespielt: "Mit unsere Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren.."
und es kam Hilfe aus Mainz oder eine 2. Version, wo das Lied sehr viele Strophen hatte - beide Male waere der Reiter jedoch schon tot gewesen, als Hilfe kam.

Das Buechlein aus dem Jahr 1968 erwaehnt die alte Adler Apotheke in Bad Schwalbach, wo eine Schilderung interessant zu lesen ist:
Der typisch- strenge Geruch aller Apotheken dringt in die Nase, 325 Jahre lang wurden hier bereits Medikament gemischt.
Die Erwaehnung fand schon 1581 statt, durch den Medicus und Naturforscher Jacobus Theodorus aus Bergzabern, der die Heilquellen Europas untersuchte - hier diesmal Bad Schwalbach.
Krieg, Wirren, Morde - aber nicht immer fuehrten die Herren aus Raffgier oder Religion Kriege - hier fanden sie Heilung.
So flossen Gulden, Dukaten und Goldfuechse - auch in die Apotheke mit dem goldenen Adler an der Fassade, die frueher - wohl nicht ohne Grund - Feldapotheke hies.
Der Leibarzt des Grafen hoechstpersoenlich erteilte die Erlaubnis fuer deren Betrieb und Einrichtung.
Die Inhaber wechselten in der wechselhaften Zeit, die Apotheke wurde aber immer betrieben, bis sich Walter Kocher,
1880-1952 um Denkmaeler und eben auch um dieses regionale Andenken bemuehte.
Die ganze Entwicklung der Chemie und Heilkunde und der Physik ist hier zu erfahren, in diesen alten Raeumen.
Eine in Spiritus eingelegte Aeskulap-Natter, sorgfaeltig in Glasschraenken aufbewahrte Digitalis und Strophantin,
Magenhilfen und Migraene-Stopper, komplex etikettierte Schubladen und Kaestchen,
dunkler Firniss und Schnitzereien an Theke und Regalen.
Dicke bauchige Destillationskolben aus gruenem, blasigem Glas, wie stilisierte Huehner ohne Kopf und aus Glas waren die Retorten.
Fluechtig und nicht fluechtige Stoffe schieden sich darin.
Zinnmensuren, gleiche Messbecher, Buecher mit Arzeneinvorschriften und das Giftbuch, mit deren Hilfe Grundsubstanzen geprueft wurden.
Amphoren, Glasmenagerie, Beschriftungen, wie: Opiumbrot, chinesische Mohnkapsel,
Gallapfel, Betelnuss, spiriti tincturae - sowie die Botanisiertrommel und Kieselgurfilter..
Mephisto trifft den Betracher eine Treppe hoeher in der Studierstube - Butzenscheiben lassen ein blau-gruenes Licht herein,
schwerer geschnitzter Stuhl, auf dem Tisch das "Tabernaemontanus" das Nieuw Wasserschatz
in Originalausgabe in dickem Schweinslederschwarteneinband.
Der Kuenstler und Koenner studierte immer weiter, heute wird seiner in dieser musealen Apotheke gedacht, die noch immer in Betrieb ist.

Im nassauer Dialekt waren -und sind noch immer- viele jiddische Worte eingekommen.
Die Juden unterhielten sich daheim in Haebraeisch und Hochdeutsch gemischt,
draussen sprachen sie mit den anderen Leuten eben in der Umgangssprache,
wobei sich immer mal ein Wort ihrer Kultur einmischte.
Schlammassel - schlimm. Masol - Unglueck, Schicksal, Stern. Kapores (kaputt - entzwei. )
Mach kein Zores - Aerger, Durcheinander. Meschugge - Irrer. De Dalles - alles in Scherben.
Schmuh machen - jemanden betruegen. Schicker sein - betrunken. Acheln - spachteln - essen.
Von Ganfen - ist Ganove abgeleitet. Jauner oder Jawan, jowonen ist gleich dem "Falschspielen wie ein Grieche",
was mit den Tuerkenkriegen nach Deutschland gelangte.
(Damals wie heute irgendwie passend, siehe EU-Finanzen)

Aus dem Nassauer Sprachschatz stammt Schuri, pfiffiger Kerl und Schwittjeh, der Leichtfuss,
Schlawiner, einer den andere Leute ueber den Loeffel barbiert,
Ulmes,- Unordnung, Nachlaessigkeit. Grafame oder Fisimatenten - Umschweife, Ausfluechte.
Dubbee: Toupet. Deets - tete, Kopf. Geiz - wie bei raffen gekrampfte Haende, gerne auch bei Kaelte so genannt.
Gichdern - Zappeln in brenzlichen Situationen. Fraserlich oder frasterlich - Gaensehaut beim Erzaehlen.
Ohne die Geplotzte - es war wohl ein wenig mehr als erwaehnt.
Flebber, Flebbe - zerlaufene Kraeppel, man laesst die Klappe haengen.

Der engl. Sir Francis Head 1793-1875 kurte in Bad Schwalbach und schrieb waehrend dieses Aufenthaltes einiges auf:
"Bubbles of the Brunnens of Nassau by an Old Man"
Die Ruhe und Gelassenheit jener Zeit zeigt auch ein besonderes Kapitel dieses Buches:
"Schweinegeneral"
"Jeden Morgen um halb sechs hoere ich beim Ankleiden ploetzlich den Schall eines ungeheueren hoelzernen Horns,
aus dem immer die gleichen Toene kommen.
Ich habe mich ganz und gar an dieses tolle Wecken gewoehnt, und der Schall ist kaum verklungen
und schwebt nur noch zart zwischen den fernen Bergspitzen, da kommt fast aus jedem Tor auf der Strasse
gemaechlich ein Schwein angetrottet.
Aus freien Stuecken gehen diese Tiere die Strasse hinunter, um sich dem Hirten anzuschliessen,
der gelegentlich den sorgenvollen Ruf seines Horns wiederholt.
Die Geselligkeit liebend, einen Ringel in den Schwaenzen, die Ruessel fast auf dem Boden haltend,
trotten die Schweine dahin, grunzen sich selbst und ihre Kameraden an und halten nur an,
wenn sie auf etwas stossen, was sie verschlingen koennen.
Kurz, nachdem sie vorbeigezogen sind, kommt unsere Strasse herunter ein kleines, blosskoepfiges, baerfuessiges, verkuemmertes Kind
von ungefaehr 11 Jahren, ein koboldhaftes Geschoepf, welches man in einer Zeichnung durch ein paar Kleckse wiedergeben wuerde,
wobei der kleine Klecks den Kopf und der andere den Koerper darstellen wuerde,
waehrend von dem letzteren eine lange in einen Schnoerkel endende Linie ausgehen wuerde,
um die riesige peitsche wiederzugeben, die das Kind in seiner Hand traegt.
Dieser kleine koboldartige Page, die Einpeitscherin, Gehilfin oder Adjutantin des alten Schweinehirten,
der in Langenschwalbach scherzhaft "Schweinegeneral" genannt wird, kennt jedes Haus,
aus welchem ein Schwein kommen sollte;
aus der Tatsache, ob das Tor offen oder geschlossen ist und sogar aus Fuss-Spuren weiss er,
ob das Tier sich der Herde angegeschlossen hat oder ob es verschlafen hat
und noch in seinem Stall schnarcht - ein einziger Blick genuegt, um festzustellen, ob die Gehilfin weitergehen kann oder den Hof betreten muss.
Und wenn ein Schwein aus Traegheit oder Gefraessigkeit auf der Strasse bummelt, dann kann der Stich der Wespe
nicht schaerfer oder gehaessiger sein als der Hieb, den sie austeilt.
Sobald sie mit einer Strasse fertig geworden ist, schliesst sie sich ihrem General auf der Hauptstrasse an,
und die Herde zieht langsam weiter stadtabwaerts.
Ausser dem kleinen Maedchen, das die Nachhut herzufuehrte, ging der Herde ein Junge von etwa 14 Jahren voraus,
dessen Aufgabe es war, die unternehmungslustigsten, oder in anderen Worten, die hungrigsten Schweine nicht zu schnell vorruecken zu lassen.
In der Mitte der Herde und von ihr umgeben wie der Schaefer einer Schafherde, schritt langsam der Schweinegeneral,
ein bleicher, gespenstig aussehender alter Mann, den die muehsame taegliche Pflicht, eine Herde der hartnaeckigsten Tiere
der Schoepfung gegen ihren Willen so fuehren zu muessen, nahezu verbraucht hatte.
In seiner Linken hielt er einen Stab, der ihm vorwaerts half, waehrend um seine rechte Schulter
eine der entsetzlichsten Peitschen hing, die ueberhaupt hergestellt werden konnten.
Am Ende eines kurzen Handgriffs, und sich dort um ein Gelenk drehend, war eine etwa neun Fuss lange Peitschenschnur
befestigt, die geformt war, wie die Wirbelsaeule einer Schlange, wobei jedes Gelenk ein eiserner Ring war,
der, immer kleiner werdend, mit seinem Nachbarn durch einen harten und fettigem Lederstreifen verbunden war.
Die Biegsamkeit, das Gewicht und die Kraft dieser eisernen Peitsche machten sie zu einem Argument,
dem selbst die Hartnaeckigkeit der Schweine nicht widerstehen konnte;
jedoch, waehrend der alte Mann stadtabwaerts schritt, bemuehte er sich,
freundlich mit seiner Herde zu sprechen, und waehrend die Massen von ihnen im vorausschritt,
auf dem Wege sich stossend, knurrend und grunzend, rief er gelegentlich in einem tiefen, hohlen,
erschoepften Ton der Ermutigung: Nina, Anina!, wo bei er natuerlich die letzte Silbe sehr, sehr lange hinzog.
Sobald die Herde aus der Stadt herauskam, begann sie allmaehlich den felsigen kahlen Berg hinaufzuklettern,
der sich wie ein Turm ueber ihr erhob.
Und nun wurde die Arbeit des Schweinegenerals und seines Helferstabes groesser als je, denn wenn die Tiere
sich aus ihrer geschlossenen Marschsaeule in einer Reihe zu entfalten begannen,
musste man staendig den schluepfrigen Hang hinauf- oder hinabklettern, um sie zu ueberfluegeln.
Arriff! Schrieh der alte Mann und schritt hinter einem seiner widerspenstigen Untertanen her.
Arriff! wurde von dem jungen Burschen mit schriller Stimme wiederholt, waehrend er hinter einem anderen herlief.
Zu angemessener Zeit erreichte jedoch die Herde den Talgrund, der als Weide fuer diesen Tag bestimmt war.
Das ganze Bergland wurde so in regelmaessiger Folge abgegrast.
Der Schweinegeneral blieb nun stehen, und da nun die Schweine nicht laenger angetrieben wurden weiterzugehen,
sondern sich ganz selbst ueberlassen wurden, konnte ich sie ganz aufmerksam beobachten.
Es war kein Wunder, dass diese armen Kreaturen widerwillig an einen solchen Ort gekommen waren,
denn ausser heissen Steinen und Staub schien es wirklich nichts zu fressen zu geben.
Ihre zaehen, feuchten Ruessel schienen die Besonderheit eines jeden Dinges,
das sie beruehrten, zu erkennen.
Und so brachten sie es fertig, aus dem anscheinend inhaltslosen Erdreich Wurzelfasern zu packen, ganz abgesehen von Wuermern,
Kaefern oder anderen krabbelnden Insekten, auf die sie stiessen.
Es existiert in der Schoepfung vielleicht kein Tier, dem weniger Gerechtigkeit und mehr Ungerechtigkeit vom Menschen widerfaehrt,
als dem Schwein.
Beobachte das Schwein einmal, waehrend es noch im Besitz seiner Faehigkeiten ist, wie es bei deiner Annaeherung bellt oder grunzt,
und beachte, was fuer eine wache Intelligenz in seinen hellen, zwinkernden Augen ist.
Aber kehren wir zu dem Schweinegeneral zurueck, den ich mit seinem Horn und seiner Peitsche an dem Steilhang eines kahlen Berges zurueckgelassen habe.
In dieser Situation bleiben die Schweine jeden Morgen vier Stunden lang und haben nichts ausser frischer Luft und Bewegung.
Gegen 9.00 oder 10.00 Uhr treten sie den Rueckmarsch an, und es gibt keinen groesseren Gegensatz als dem zwischen ihrem Einzug in der
Heimatstadt und ihrem Auszug aus dieser.
Die gierige Sorge an den Fresstrog zu kommen, der sie erwartet, ist kaum zu meistern.
Kaum erreichen sie die ersten Haeuser der Stadt, so beginnt eine Bewegung des -rette sich wer kann.
Jedes Tier rast zu seinem dulce domum.
Und es ist wirklich seltsam zu beobachten, wie schnell sie dahin rennen und gierig grunzen,
und schnauben, als ob sie mit den Nasen und sogar mit den Maegen das schmackhafte Fressen wittern koennten, das sie erwartet.
Um halb fuenf hoert man wieder die gleichen vier Toene des des gleichen Hornes.
Wieder sammeln sich die Schweine, wieder ziehen sie ueber die heissen Steine der Berge, wieder bleiben sie dort vier Stunden,
und wieder kehren sie am Abend in ihre Staelle zurueck.
Die hiesige Herde besteht aus etwa 150 Schweinen, und fuer jedes Schwein erhaelt der arme alte Schweinegeneral
40 Kreuzer dafuer, dass er jeden seiner Rekruten sechs Monate drillt.
Sein jaehrliches Einkommen betraegt ungefaehr 20 Pfund, wovon er auch Kost, Wohnung und Kleidung seiner beiden Adjutanten bezahlen muss.
Und wenn man bedenkt, wie dieser arme Kerl sich unablaessig mit dem grossen Appetit, den muerrischen Launen und
den schweinekoepfigen Neigungen seiner schweinigen Menge auseinandersetzen muss, dann wuerde sicherlich
auch der knauserigste Reformer seine Einkuenfte nicht beschneiden wollen."

"Man faehrt per Auto jetzt durchs Land,
Siehts Unkraut nicht am Wegesrand;
Wozu sollt' es auch nuetzlich sein,
So'n unbekanntes Pflaenzelein?
Doch schaut man naeher es sich an,
Dann hat man seine Freude dran."
(Julie Habermann)

Ich lese von einem fuerstlichen Foerster und seinem Rucksack, den er immer dabei hatte -
in allen hohen und tiefen Lebenssituationen, im Wald, bei Spaziergaengen,
als Soldat, sogar in Kriegsgefangenschaft und auf der Flucht daraus,
bis er -mit Rucksack- endlich wieder zuhause ankam.
Auf vielen Fronten ist er damit gewesen, hatte sein Revier in den Karpaten, wo er noch mit Baeren und Luchsen zu tun hatte.
"gehst du auf den Baeren, vergiss den Doktor nicht, gehst du aber auf den Keiler, dann nimm gleich den Sarg mit!"
Vielmals knapp dem Tod entronnen hatte er eine Familie und zwei Toechter zu versorgen,
nachdem er mit den Heimatvertriebenen-Zug ankam. Seine Frau starb nach 45 Jahren Ehe.

Ich lese von einer "Benner Jane", die Polizei-Diener war, sie machte Feld- und Hausarbeit, verrichtete zuweilen das Hirtenamt und den Gloecknerdienst- sie sei lange ruestig gewesen..

Februar 1873 sollen die Leute mit kurzen Aermeln bei vielen Muecken auf dem Feld gearbeitet haben..
..mitten im Fruehjahr kam der Schneefall bis Ende April.
Nur ein 10. der Ernte konnte in diesem Jahr eingefahren werden..
.. in ihrer Not fuhren die Bauern Eis nach Wiesbaden, in die Kurstadt.
Man spottete damals, dass diese daran bald mehr als an der Ernte verdient haetten.

Kuhhirten kannten sich soweit in der Tiermedizin aus, dass sie die haeufigsten Uebel in Eigenregie bewaeltigen konnten.

Aus einer schoenen Schuessel isst man sich nicht satt- nach diesem Prinzip verfuhren die Leute gern,
besonders die Bauern, die immer auf die Vermehrung der Aecker bedacht waren.
"Die beste Stecke schneid mer an de nechste Hecke"
"Kaufe deines Nachbarn Rind und freie deines Nachbarn Kind"
Die "Realteilung" lies nicht so viel in der Schuessel, dass man waehlerisch sein konnte..
"Grosse Rosinen im Kopf" hatte manche Dorfschoenheit, die am Ende nicht die Gluecklichste gewesen ist.
Vom "Mensch wie aus der Buechs geschosse" wurde schnell ein "altes Kristchen" oder hartes Brot.
"abgelecktes Butterbrot" nannte man die, welche zuviele Liebschaften hatten.
Verheiratete sich eine juengere Schwester zuerst, musste die Aeltere dieser eine "Gaas" -Ziege- kaufen.
"Kaa Dippche so schepp, es passt e Eckelche droff"
"Ich hab e klaa Haeusche am Maa" und "Weibche hate den Teufel im Leibche"

"Eine Frau kann unter der Schuerze mehr hinaus tragen, als der Mann mit dem Leiterwagen hineinfaehrt"
Es wird von "Muffelkoepfen" und "Stoffel" oder "Kratzbuersten", von "Watscheln" erzaehlt, wobei die letztere Frau /Maedchen schwatzhaft genannt wird. Allerdings gab es auch solche ohne Schamgefuehl,- die alle galten als Ladenhueter.
Drum pruefe, wer sich bindet !
Auf die Frau musste der Mann sich verlassen koennen - damals wie heute, wo man sich zuweilen recht schnell wieder trennt.
"Lebensabschnittsgemeinschaft", Patchwork- und Regenbogenfamilien und wie man die Dinge so betitelt,
sind das fuer alle Beteiligten, besonders fuer die Kinder, sehr leidvolle Erfahrungen.

Das alte Testament hat noch einen markigen Spruch dazu auf Lager:
"Lieber mit einem Loewen oder Baeren in einer Hoehle hausen, als mit einer boesen Frau unter einem Dach !"

"Buwe", von Georg Rieser.
"Buwe bleiwe nit im Haus,
Buwe laafe fort,
Un mer dutse suche drauss,
Iwwerall im Ort.
Buwe bleiwe nit im Haus,
Schnell is mer se los,
Immer wolle se enaus
In die Welt, die gross.
Buwe bleiwe nit im Haus,
Suche sich e Fraa, -
Un zum Schluss, so gehts dann aus,
Is mer ganz allaa."

In einem Bilderbuch von Fischbachtal sind so viele Aufnahmen der guten alten Zeit:
Die Strassen waren bis Ende des 2. Wk nicht geteert, nicht gepflastert.
Auch die im Ort nicht.
Nur die Floesser, die Rinne zwischen Weg und Grundstueck war mit Katzenkopfsteinen etwas ausgetieft.
Ich sehe krumme Treppenstufen, schwarze Sockel an der Wetterseite, ueberwuchende Pflanzen vor den Fenstern- zuweilen bis aufs Dach.
Die Zaeune haben Schlagseite, viele Zaehne der Holzlattenzaeune fehlen, die Gaerten kann man nicht unbedingt als "gepflegt" ansehen.
1952 hat der Bauer mit zwei Fahrkuehen das Getreide gemaeht, danach kam die Familienangehoerigen zum Aufstellen der Hausten.
Selbst touristische Gebaeude, richtige Hotels um 1914 hatten nur einen Feldweg uebe die Wiese - keine gepflasterten Zufahrtsstrassen oder Fusswege.
Die Kinder fuhren noch in den 1950iger Jahren auf der Hauptstrasse mit den Schlitten..
Interessant ist, dass damals viele Leute die 90-100 Jahre geschafft haben, wie die Chroniken berichten.
(3/4 waren Frauen)

Die naechste Lektuere ist aus Wolfenhausen..

Die mittlere Lahn ist ab dem 4./5. Jhd fraenkisch geworden, Wolfenhausen war ein frueher "Immigrationsort"..
Als "Sybieren des Amtes Runkel" (der damaligen Herrschaft) bezeichnet, war es ein Bergarbeiter-Dorf, mit mehr Menschen, als die paar Felder der "Feldgerechtigkeit" haetten ernaehren koennen.
Trotz Bergbau soll immer wieder der alte Feind, der Hunger gekommen sein - fuer ein Brot zur rechten Zeit haette mancher seinen Acker gegeben, so die Chronik.
Betteln und Stehlen sollen an der Tagesordnung gewesen sein - die geographische Lage des Ortes, an den 3 Gebiete grenzten, lies Leute wie den Schinderhannes aufkommen. Die ausgedehnten Waelder ringsherum waren ein idealer Unterschlupf.
Erst als die Schule eingefuehrt wurde, kam die Gemeinde in die Pflicht fuer ihre Armen zu sorgen.
Immer wieder wird von Missernten und Unwettern berichtet, viele starben durch "einfache" Krankheiten - z.b. durch Lungenentzuendung, nicht nur durch Seuchen.
Aber auch die Feldfruechte hatten ihre Krankheiten, die zu argen Ausfaellen fuehrten.
1847 hat man eine "Armenbaeckerei" eingefuehrt.
Schlechte Ernten -infolge von Trockenheit oder zu grosser Naesse- erhoehte die Preise, immer wieder wurden Kriege angefacht und die Leute darin sinnlos verheizt.

Wir wandern gerne und Wolfenhausen liegt nicht so weit weg - deshalb ist mir dieses Dorf bekannter: Wie ueberall sind die Dorflaeden verschwunden und man sieht leere Schaufenster statt deren.
Wie ueberall ist die Durchfahr-Strasse die truebste, die Randzonen dagegen sind feiner herausgeputzt, mit neuen Haeusern, gepflegten Anlagen. In Wolfenhausen ist der Ortskern eher langestreckt, es war ein typisches Strassendorf - und recht gut in Ordnung gehalten. Eine Metzgerei und eine Tankstelle mit Autohandel, eine Fahrschule und sogar eine Apotheke und Wirtschaft sind dort zu finden. Reste von ehemals florierenden Unternehmen kontaminieren den naeheren Eindruck in den Nebenstrassen. Es ist dort heute noch eine grosse landwirtschaftliche Flaeche vorhanden, die wohl von nur 3 Aussiedlerhoefen bewirtschaftet wird, die unterhalb der Zigeunereiche sind. Heute ist der Wohnwert "im Gruenen" recht gut, sogar mit Schwimmbad und Sportanlage, ein paar Schrebergaerten sind noch in Betrieb - sonst findet man Flaeche um den Ort, reizvolle Landschaft und sogar gute Wege. Unterhalb des Dorfes - eine Kilometer bachabwaerts ist die grosse Muehle, die heute noch sehr ruehrig ist und auch einen Direkt-Laden betreibt. Wie in allen Doerfern Mittelhessens sieht man kaum einen Menschen laufen, hoechstens Hundefreude - Autos fahren jedoch immer und staendig.



Weiter geht es mit Dingen aus der Chronik Wolfenhausens:
Wie in fast allen Chroniken zu lesen, verliefen die alten Fernstrassen auf den Hoehen, weil die Niederungen oft sumpfig waren.
Wenn man liest,dass der Nachfolger der alten Hessenstrasse von Niedershausen ueber Haintchen nach Wolfenhausen erst 1960 eine Asphaltdecke erhielt,
wird doch schon einiges klar, wie die Verkehrsverhaeltnisse frueher gewesen sein muessen.
Es bringt an dieser Stelle nichts, die einzelnen Strassen und deren Verlauf aufzuschreiben - weil die meisten Leser wohl weit entfernt sitzen -
und die genauen geographischen Verhaeltnisse nicht kennen, wohl auch nie nutzen werden.
Die Handelssitze und Herrschaftszentren sind untereinander gut verwoben gewesen und duerften bis in die Bronzezeit ca 1800-750 v.Chr zurueck reichen.
Jenseits der "grossen" oder besser mehr befahrenen Fernstrassen waren eher Trifte, Saumpfade und Wege die Regel, die man heute als Feldwege bezeichnen wuerde.
In der Chronik wird Wolfenhausen als "typisches Haufendorf" bezeichnet, ich behaupte mal, dass es ein typisches Strassendorf war,
das ein wenig zur Seite hin ausweichen musste, weil man dort leichter bauen konnte.
Oberhalb und unterhalb der Ortsstrasse das Land bereits in festen Haenden war und Felder angelegt.
Die Strassenkreuzungen sind somit meistens auf der Hoehe, den Bergruecken zu suchen, was wir heute als Wanderer noch ganz gut sehen koennen.
Dort laufen zuweilen "Wegesterne" zusammen !
Die Strassen lauteten: Huehnerstrasse, Rennstrasse, Hohestrasse, Mainzerstrasse, Judenpfad, Weilburger Strasse, Weinstrasse,
Alte Diezer Strasse, Heerstrasse, Hessenstrasse, Rheinstrasse, Kasselsche Landstrasse und viele mehr.
Vizinalstrassen bedeuten Strassen zu den Nachbarorten.
Teils sind altroemische Pflasterungen entdeckt worden, tiefe Fahrrillen in Felsen.
Es wurden alle moeglichen Waren transportiert, auch Erze.

Die alten Strassen verliefen so gradlinig wie moeglich, mit moeglichst wenigen Steigungen,- Serpentinen
ueberwanden dann die in unserer Gegend typischen langen Bergketten mit den vielen vielen Zwischentaelern und zerkluefteten Gelaenden.
Seife, Wolle, Haeute, Wein, Keramik, Ton-Rohstoff, Getreide, Stoffe bis zu fertigen Oefen wurde alles moegliche auf Reisen geschickt- wie heute.
Die Zeit des Dreibeins, dem dreibeinigen Eisengestell auf der gemauerten Brandstaette, das auf dem offenen Feuer stand, war auch die Zeit der grossen Braende.
Die Haeuser mit Stroh gedeckt, aus Holz gebaut und dann noch eng an eng gefuegt, war keine so gute Idee- die alten Germanen haben das schon besser hin bekommen -
diese wohnten weit auseinander, zwischen Stall und Haus war genug Platz.
Wie auch immer- als die Teilunterkellerung der Haeuser kam, musste man zur Wohnstube einen Trittling hoch gehen, weil dort der Keller unterbaut war.
Durch sogenannte "Maerzloecher" im Keller wurden die Feldfruechte eingelagert, sie fielen in die jeweiligen Bunker.
Im Winter wurden diese mit einem Sack Stroh verschlossen, sonst waere die Einlagerung erfroren.
Wir erinnern uns - es gab nur einen beheizten Raum im Haus, wo sich alle aufhielten - die Kueche hielt wegen dem "Daas", einer 80x120cm grossen Esse oder Abzug keine Waerme.
Keller waren nicht beheizt und auch nicht betoniert, geschweige denn gefliest oder verputzt.
Alles war roher Bruchstein, mit Lehm aufgesetzt, dazwischen Steinsplitter.
Das trug von selbst, dh. ohne Zement.
Primitiv? Na ich weiss nicht - diese Mauern stehen heute noch, wie man bei den Burgen gut beobachten kann.
Wenn etwas abrutschte, konnten diese Mauern wieder neu aufgesetzt werden - ohne Sauerei, ohne Presslufthammer und ohne Zement.
Ich erinnere mich an das Haus meiner Urgrosseltern, das in einem Hang lag:
Man hat nur halb ausgeschachtet, etwas weiter ausgegraben ab Kellerhoehe und dann eine Bruchstein-Aufmauer gemacht.
So entstand zwischen Haus und Garten ein Hohlweg, der als "Highlight" eine Treppe in der Mitte hatte-
dort wo man aus der Hintertuer, aus der Kueche kam.
Diese -ebenfalls ganz aus Bruchsteinen aufgesetzte Treppe hatte ca 5 - 7 Stufen, war links und rechts mit einer Bruchsteineinfassung versehen,
die dem Ganzen einen Anblick verlieh, wie man noch in den Weinbergen bewundern kann.
So konnte die Urgrossmutter leicht von der Kueche zum Kraeutergarten gelangen - sauberen Fusses.
Die Leute hatten war nicht viel Geld, sie waren aber nicht doof und wussten sich zu helfen..

Die Zeit der Geschichte jedoch war noch frueher, wo sich Stellmacher und Wagner an diesen Strassen ansiedelten-
schon damals war Zeit Geld, jeder Aufenthalt sollte so kurz wie moeglich gehalten werden.
Die Fahrten waren schliesslich lang genug, weil die Gespanne nicht gerade sonderlich flott auf diesen Buckelpisten voran gekommen waren.
Vorspanndienste wurden an den Steigungen gerne in Anspruch genommen, sonst war das Pferd halbtot, wenn es oben an kam -
einige hundert Kilo Last und ein steiler Hang- das geht nicht gut.
So hatten sich Leute spezialisiert und ein oder zwei starke Pferde im Stall, die dann zusaetzlich vorgespannt wurden -
das gab ein gutes Zubrot zur meist kleinen Landwirtschaft.
Das Rheinische Schiefergebirge ist steil- wer dort mit dem Auto oder gar mit dem Rad unterwegs ist, weiss wie schwer dort Lasten zu bewegen sind!

Ochsen wurden auch dazu eingesetzt.

Soldatenheere sind ueber diese Strassen gezogen, sie waren genau so schlimm wie die Seuchen und kamen immer wieder in die Lande..

Von den Herren und von den Pfarrern vereimert, von schlechten Ernten gebeutelt..

Die Abtransporte der "Gefaelle", den Abgaben an die Herrschaften waren auch staendig unterwegs auf diesen Wegen.
Die Hoehenstrassen waren oft auch zugleich die Gemarkungs- und Herrschaftsgrenzen, wo heute noch die alten Grenzsteine zu finden sind.
Unvermutet, vermeindlich mitten im Wald- aber ob dieser zu der alten Zeit ueberhaupt ein so dichter Laubwald war, wie heute, ist zu bezweifeln..
..von den wichtigen alten Fernstrassen sind heute oft nur noch Waldwege geblieben, die eigentlichen Nachfolger dieser Verkehrswege
ziehen nun neue und viel breitere Bahnen. Gut ausgebaut und mit Leitplanken, regelmaessigen Pfosten und weissen Linien.
Manchmal verlaufen die neuen Strassen parallel zu den alten - die sich dann im Waldesrand verstecken.
Als Wanderer trifft man oft auf die Zeugnisse der Vergangenheit, auf alte Mauerreste von Stellmacher- und Wirtshaeusern und Vorspanndiensten.

Aus dem Jahr 1366 wollten die Meister des Wollen-Handwerks aus Limburg nach Frankfurt zur Messe fahren
und wurden auf der Hoehe (Saalburg) "niedergeworfen" und alles gestohlen,
mehr als 300 Stueck Tuch - einige Leute sind dabei ums Leben gekommen.
Der Heinrich, Sohn des Grafen Otto von Nassau, Herr zu Dillenburg und Domherr zu Koeln tat das oder lies das tun-
sein Beiname soll "Graf Scheinleder" gewesen sein.
Dieser Vorfall passierte, obwohl die Meister im Geleit des Grafen Johannes von Nasseu, Herr zu Merenberg - gewesen sein sollen.

Die gute alte Zeit !

Ob deshalb diese Heiligenhaeuschen gebaut worden sind?
Aus dem Jahr 1807 erfaehrt man, sei Selterswasser, Wein und Leinen auf der Rheinfelser Strasse von Weilmuenster ueber Moettau, Kraftsolms, Oberquembach, Oberwetz nach Giessen transportiert worden ist.
Schon damals gab es Klagen wegen zu breiter Fahrzeuge und ruecksichtsloser Kutscher;
1820 meldet der Schultheiss von Heringen dem Amtmann zu Limburg:
"Das Fuhrwerk habe sich auf der hessischen Strasse so verringert, dass im abgewichenen Jahre fast fuer gar nicht zu achten, was an fremden Fuhrwerken daher passiert.."

Diese Dorfbefestigungen, "Dorfetter" genannt, wo rundherum alles fest umschlossen wurde, waren teilweise wohl mit Geheck und Gestruepp so dicht wie moeglich gemacht.
Manchmal wohl auch noch mit einem Graben umgeben, der Eindringlinge ab- zumindest aber aufhalten sollte, bis genug Leute mit Waffen zur Abwehr parat waren.
Sogenannte Falltore bildeten die Ein- und Ausfahrten daraus- schief angebrachte Tore, die von selbst ins Schloss fielen, wenn man hindurch war.

Gestern sind wir zufaellig mit einer ehem. Lehrerin ins Gespraech gekommen - ueber dies und das, ueber die alten Zeiten und die Jugend,
die sich heute nicht mehr unterhaelt, sondern nur noch auf dem Smartphone daddelt..
Sie sprach davon, dass in ihrer elterlichen Scheune noch "ewig lang" ein Soldbuch aufgehoben worden sein soll, das von der Front nach Hause geschickt wurde: Mit Durchschuss.
Sie sprach von der Sprengung der alten Lahnbruecke, wo die Pflastersteine hunderte Meter weit durch die Luft geflogen seien- und dabei ein Loch in die Wand eines Hauses geschlagen haben - durch den Kleiderschrank des Schlafzimmers - durch die Kleider, durch das Holz hindurch bis mitten in den Raum. Gut, dass damals niemand im Zimmer war.
Sie sprach von dem Desinteresse der Jugend an Geschichte und Geschichten, ja selbst vom Desinteresse an der eigenen Herkunft, an Ahnentafeln oder Stammbaeumen etc.
(Ich habe auch eine Stammreihe gemacht, die recht weit zurueck reicht- vermutlich wird sich keines der Kinder und keines der Enkel dafuer interessieren- sicher werde ich dieses Pergament einmal ablichten und hier im Web auf meiner Seite verewigen. Sicher ist sicher.)

Zeitspruenge sind bei mir kein Thema, da kommt die neuere Zeit, die uralte und die Zeit mittendrin staendig durcheinander - mal so, mal so, eben wie die Chroniken ins Haus und die eigenen Erinnerungen kommen.
1931 wurden 100.000 Arbeitskraefte durch den sogenannten freiwilligen Arbeitsdienst eingestellt,
sie mussten gemeinnuetzige Arbeiten in und um die Gemeinden tun.
Heute wuerde man "ABM-Massnahmen" dazu sagen.
Damals bekam ein Arbeiter so 13,20 Reichsmark die Woche - ein gutes Zubrot !
Rodungen wurden auf diese Weise gemacht, Graeben ausgehoben, Wasserlaeufe in Ordnung gehalten, Wege geflickt etc.
Auch diese Zeit hatte ihre guten oder sinnvollen Sachen.
Maennlein und Weiblein oder Jugentliche taten dort eine Arbeitsdienstpflicht fuer ein halbes Jahr, was durchaus zu praktischen Arbeit anhielt und wohl auch dem Gemeinsinn dienlich war- heute nennt man das nur anders, diese "Warteschleifen" vor der Beschaeftigung in den Betrieben nennt man "Praktikum" - auch nichts anderes.

Ich sehe in der Chronik viele alte Fotografien, die eben nur die Zeit nach der Erfindung der Fotografie zeigen koennen..
Aber weh und ach- es war bei weitem nicht so gepflegt, wie das unsere Denkmalschuetzer heute verlangen !
Ich lese von einem kleinen Elektroladen, wo alle vor dem Schaufenster standen, um sich die Kroenungszeremonie der Koenigin Elisabeth II anzusehen - dort stand der einzige Fernsehapparat des Dorfes..

Manches alte Haus hat man abgerissen, manche Luecke im Ortsbild ist noch immer dadurch wie tot, leer, nutzlos und oede.
Die Wolfenhausener Chronik bedauert zu recht, dass eine alte Scheune "auf der Ley" um 1980 abgerissen wurde -
das war ein grosser Verlust, den man erst spaeter begriff:
Die Balkenformationen deuten auf ein hohes Alter hin -zudem war diese Scheune und das zugehoerige Haus - waren die letzten Gebaeude dieses Typs im Dorf.

Ich koennte jetzt noch naeher auf die typischen Bauweisen der Gebaeude eingehen, was aber hier zu weit fuehren wuerde..

Wichtig finde ich, wie man die Gefache der Fachwerkhaeuser ausmauerte:
Die Balkenkonstruktion hatte Nuten, weil man Eichenbalken nicht benageln konnte - sie waren viel zu hart dafuer.
(Bei Fichte oder Buche waere das gegangen)
So waren in Eichenbalken Nuten, in die Astwerk - in den Unterteilungen gesplissen - geflochten und verkeilt wurde.
Dann wurde von Innen zuerst das Gemisch aus Lehm und Stroh aufgetragen und trocknen lassen, bevor von aussen beigeputzt wurde.
Die spaeteren Haeuser mit Fichten-Fachwerk waren von Anfang an als Unterputz - Konstruktion gedacht.
So mancher Haeusle-Besitzer ignoriert das heute, weil Fachwerk so huebsch ausschaut und wundert sich, dass die Balken nicht lange halten, wenn sie der Witterung ausgesetzt werden..
Diese Gefache also wurden nach der vollstaendigen Austrockung von aussen mit Kalkputz- oder Kalkfarben dick gestrichen, damit eine hohe Wasserdichte entstand.
Innen ging man aehnlich vor, wird aber eher mit leichtem Kalk oder eher Gipsputz gearbeitet haben, um die Gefache glatt und weiss zu bekommen.
Nix mit Silicon oder Acryl oder Bau-Schaum ;)

Die Feuerordnung - wir erinnern uns an die Feuereimer, die jeder haben musste - waren nicht alles.
Die Visitation durch den Kaminfeger war von der Feuerordnung von 1755 gedeckt -
Es durften keine gluehenden Kohlen oder aehnliches durch Luecken im Ofen fallen, abends musste der Hausvater sorgfaeltig das Feuer ersticken, damit sich die Katze nicht an den Ofen legte und evtl. dadurch einen Brand verursachen konnte.
Vom 1. Stock aus kam man in den Daas, wo die Wuerste und Schinken zum Raeuchern hingen - die wurden abgenommen, um den Kamin sorgfaeltig zu reinigen und auf Risse und Abplatzungen zu untersuchen.
(Schaeden mussten sofort behoben werden, sonst waere ganz geschwind der Funkenflug ins Holz gegangen.)
Was heute auch keiner mehr kennt ist der "Glanzruß", der aus Teer und Ablagerungen fluechtiger Stoffe aus dem Branntgut nach oben getragen wurde - das hat sich schnell an den kalten Kaminwaenden abgesetzt und eine dicke schwarze, glaenzende, harte Schicht gebildet, die bei bestimmten Umstaenden wie wild anfangen kann zu brennen, wenn das Feuer mal hoch geschuert wurde. Dieser so entstehende "Kaminbrand" wird so heiss, dass der ganze Kamin bersten und das Haus in Sekunden anstecken kann. Man erkennt einen Kaminbrand daran, dass zuerst dicke schwarze Schwaden aus dem Schornstein kommen, dann schlaegt eine hohe Flammenlohe daraus hervor, die von weitem zu sehen ist..
(Ich weiss das deshalb so genau, weil unser Wohnhaus noch lange mit Ofenheizung betrieben wurde, mit Leuchtfeueroefen, die eine entsprechende Leistung hatten. Einen leichten Kaminbrand hatten wir auch schon mal- ausgeloest durch einen Badeofen - geloescht wurde das mit einem Gegenfeuer vom Keller aus. Wie kam das? Nun- das Holz war nicht immer gut abgelagert und trocken, deshalb war noch zuviel Harz und Feuchtigkeit darin, die verdampfte und sich als schwarze Schmiere im Kamin abgesetzt hatte.)

Die Wohnungseinrichtung waren damals in der alten Zeit vor dem 2.WK noch sehr einfach, in den Haeusern der einfachen Leute stand nur das noetigste an Moebeln, sofern dieser Ausdruck genehm ist.
Die Bettgestelle hatten inwendig nur Bretter, darauf war eine Lage Roggen-Stroh, darauf ein Sack warmes Haferstroh, letzterer hielt nur 3 Monate und musste dann getauscht werden.
Sicher hatte man auch schon Federbetten- Federn waren aber teuer und liesen sich gut auf dem Markt verkaufen..

Wolfenhausen lag genau an den Grenzen der von Kurtrier, Nassau-Weilburg und Runkel-Wied,
was Gauner nur so anzog, die sich wohl besonders im Ort Langhecke aufhielten.
Selbst die Post hat um diesen Ort lange einen weiten Bogen gemacht, wie die Chronik schreibt.
Dieses Kaff war sogar eine Zeit selbstaendig, weil es keiner haben wollte !

Triesch oder Roeder bedeutet Brachland.

Ich sehe eine altes Bild, wo ein Pferdewagen mit Kartoffelsaecken beladen zu sehen ist.
Auf 18-20 Saecken sitzen 6 Frauen- wenn man nun weiss, dass jede davon einen Sack als Arbeitslohn mit nach Hause nahm,
und an den Fuerscht noch der 10. abgefuehrt werden, neue Saatkartoffel gekauft werden muessen,
war der Ertrag nicht wirklich hoch - oder?

Noch bis ins 19.Jhd war der Begriff "soziale Strukturen" eher Hohn:
Die "Kleinbauern" hatten nicht viel Land, meisten auch nicht gerade den ertragreichen Acker..
Sie hielten sich mit allerlei Gewerk ueber Wasser, wie das allen Ortschroniken berichtet wird.
Reine Handwerksberufe haben trotzdem nebenbei noch etwas Land oder Vieh gehalten, sonst waere Schmalhans staendig Kuechenmeister gewesen.
Sicher lebten die groesseren Bauern besser, sie hatten auch mal Fleisch auf dem Tisch- bei allen anderen Leuten sah das nicht so rosig aus.
(Pfarrer mal ausgenommen)
Morgens gab es fuer die meisten Leute Gerstenbrei, Milch, Doerrobst oder frisches Obst, mittags und abends Erbsen und etwas anderes Gemuese.
Zuckerhaltige Leckereien galten als hoechster Luxus.
Mehl, Brot, Mais, Kartoffeln, Rueben, Obst und Kohlarten etc. waren taegliches Essen, ganz selten, zu Weihnachten oder auf der Kirmes gab es Fleisch.

Seit dem Mittelalter "gehoerten" alle Leute, auch die Bauern, dem Herrscher.
Die Menschen waren an einen Ort gebunden und durften nicht reisen oder heiraten, wen oder wohin sie wollten-
fuer alles musste der Herr gefragt werden, von Geburt an entmuendigt.

Aus dem Jahr 1520 wurde folgendes ueberliefert:
"Der letzte Stand ist derer, die auf dem Lande in Doerfern und Gehoeften wohnen und das Land bebauen - Huetten aus Lehm und Holz, wenig ueber die Erde hervorragend und mit Stroh bedeckt, sind ihre Haeuser. Geringes Brot, Haferbrei und gekochtetes Gemuese ist ihre Speise, Wasser und Molken ihr Getraenk. Ein leinerner Rock, ein paar Stiefel, ein brauner Hut ist ihre Kleidung. Das Volk ist jederzeit ohne Ruh, arbeitssam, unsauber. In nahen Staedten bringt es zum Verkaufe, was es vom Acker, vom Vieh gewinnt, und kauft sich wiederum hier ein, was es bedarf, denn Handwerker wohnen keine oder nur wenige unter ihnen. In der Kirche, von denen eine fuer die einzelnene Gehoefte gewoehnlich vorhanden ist, kommen sie an Festtagen vormittags alle zusammen und hoeren von ihrem Priester Gottes Wort und die Messe, nachmittags verhandeln sie unter der Linde. - ihre Angelegenheiten, die Juengeren tanzen darauf nach der Musik des Pfeifers - die einzelnen Doerfer waehlen auch sich zwei oder vier Maenner, die sie Bauernmeister nennen, das sind Vermittler bei Streitigkeiten und Vertraegen und Rechnungsfuehrer der Gemeinde. Die Verwaltung aber haben nicht sie, sondern die Herren oder die Schulzen, die von jenen bestellt werden. Den Herren fronen sie oftmals im Jahr, bauen das Feld, besäen es, ernten die Fruechte, bringen sie in die Scheunen, bauen Holz, bauen Haeuser, graben Graeben.."

1771: "Der Bauer wird wie das dumme vieh, in aller Unwissenheit erzogen. Er wird unaufhoerlich mit Frondiensten, Botenlaeufen, Treibjagden, Schanzen, Graben - geaengstigt. Er muss vom Morgen bis zum Abend die Aecker durchwuehlen - Des Nachts liegt er im Felde .. um das wild zu verjagen .. damit es nicht die Saat pluendere. was dem Wildzahn entrissen wird, nimmt hernach ein rauher beamter zur Abzahlung der noch rueckstaendigen Steuereinnahmen hinweg."
Man sollte dabei wissen, dass die Steuer willkuerlich festgesetzt und erhoben wurde - heute ist das auch nicht viel anders.

Noch 1850 gehoerten die Handwerker zu den Niedrigverdienern, noch schlechter ging es nur den Tageloehnern.
Wenn man bedenkt, dass ein Haus im Westerwald lt. Angebot 600 Gulden kosten sollte und Handwerker 200 Gulden Steuerlast im Jahr hatten.. und dass ein Malter Hafer im Jahr 1866 bereits ein Drittel dieser Summe kostete..
Die durchschnittliche Steuerlast soll bei 40% gelegen haben.

1876 sollen 37 Maurer, 20 Bergleute, 18 Landmaenner, 6 Schuster, 6 Zimmerleute, 4 Schreiner, 3 Baecker, 3 Kuefer, 2 Landwirte, 2 Metzger, 2 Wirte, 1 Brenner, 1 Bierbrauer, 1 Dreher, 2 Gerber, 1 Flurschuetz, 1 Fuhrmann, 1 Lehrer, 1 Mueller, 1 Schneider, 1 Schaefer, 1 Wagner und ein Tageloehner gelebt haben - so kann man sich von der sozialen Struktur ein recht gutes Bild machen.

Viele fanden Arbeit ausserhalb, weil auch der Bergbau nicht sonderlich gut lief- die Transportkosten waren dem Wettbewerb hinderlich.

Die Bierbrauerei - untergaerig - war brauchte einen grossen Holzbottich, wo das geschrotete Malz in heissem Wasser verruehrt und bis zur Verzuckerung vermaischt wurde. Zuvor wurde die Gerste einige Tage in Wasser eingeweicht und auf der Tenne zur Keimung ausgebreitet. - auf der Darre danach mit heisser Luft getrocknet. So entstand die Bierwuerze - diese wurde unter Zugabe von Hopfen gekocht, gekuehlt und zur Vergaerung gebracht - spaeter im Felsenkeller eingelagert.

Das Natur-Eis wurde am Eis-Teich gewonnen und so geschickt eingelagert, dass es lange benutzt werden konnte.
Zusammen mit den Bierfaessern wurde noch bis in die 1960iger Jahre hinein mit Pferdewagen ausgeliefert.

Der dasige Schulmeister beklagte, dass viele Eltern es vorzogen, die Kinder lieber zum betteln zu schicken als zur Schule.
So kaemen sie frueh mit Gaunerei, Faulheit und Ausschweifungen in Beruehrung.

Die gute alte Zeit hatte Ladenoeffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr !
Vor dem Krieg war am Sonntag verkaufsoffen..
Wer etwas dringend brauchte, konnte auch "hintenherum klingeln" und bekam dann seinen Wunsch trotz dem der Laden geschlossen war.
(Das kannt ich auch noch)
Petroleum wurde alle 14 Tage mit einem 2000 Liter Fass auf dem Pferdewagen an die Geschaefte geliefert, von welchen dann die Kunden in 2Ltr Kannen ihre Licht - Energie nach Hause nahm.
Exotische Sachen, wie Kakau und Kaffee gab es in diesen Kolonialwarenlaeden - Zuckerhuete, Gewuerze und getrocknete fremde Fruechte.
Solche Sachen hat man sich freilich nur Sonntags gegoennt und auch erst in den 1920iger Jahren.
Oel und Essig wurde in Faessern geliefert, alle Schuett-Waren und Huelsenfruechte waren in Saecken.
Zuckerruebensirup war ueberall daheim, man nannte das "Duenndarm", "Ziemichlang" und aehnlich- ein braeunlicher, leichter fluessiger Sirup, der als Brotbelag in unzaehligen Haushalten ganz normal war. Danach kam der "Kunsthoink", der Kunsthonig, der eher eine weissliche, streichfeste Version des obigen Zuckerruebensirups war.
Landwirtsfrauen brachten zuweilen Eier und Butter in das Konsum und nahmen dafuer andere Waren mit nach Hause.

Interessant an dieser recht umfassenden Chronik ist die Seite ueber die Wahlergebnisse 1928-1933 ! Zuerst war die SPD mit 161 Stimmen vorne und die anderen unter ferner liefen, dann wurde es 1930 weniger mit der SPD, die Hitlerbewegung kam schon auf 84 Stimmen, 1933 war es passiert: 297 Stimmen fuer den Oesterreicher, nur 137 fuer die SPD. Nun ist der eigentliche Rueckgang der SPD nicht so gravierend, die kleineren Parteien haben mehr verloren - interessant an dieser Sache finde ich das schon: Vermutlich hatte man eine streng kontrollierte Wahlpflicht eingefuehrt - anders kann ich mir diesen ploetzlichen Zugewinn an Stimmen nicht erklaeren. ( 1828 waren es 140 Stimmen fuer die Kleinen, desgleichen fast 1930 und 1933 dann nur noch 58 Stimmen! -Jeweils ohne die beiden grossen Kontrahenten) Diese Umstaende koennte ein Politik-Wissenschaftler bestimmt noch sehr viel mehr beleuchten. Mir fiel es eben gleich auf, dass an diesen Zahlen etwas nicht stimmen konnte.



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