Landfotografie

Freier geschichtlicher Exkurs. Teil 3


Laengst vergangenen Ueberlieferern und Erzaehlern zur Ehr und Angedenken,
mit eigenen Bemerkungen versehen,
wird Geschichtliches zu Geschichten am Kamin,
die schon einen beachtlichen Umfang angenommen haben !







Geschichtliches

1.)
Vorwort:
Heute ist manches nicht so, wie es haette sein koennen, aber das Meiste wohl doch sehr viel besser,
als es in der "guten alten Zeit" war..
besonders ist wohl die Gesundheits- und Sozialvorsorge zu nennen,
nachteiliger die Arbeitswelt fuer unselbstaendig Beschaeftigte.
Die heutige Landwirtschaft kann man mit frueher,
ja selbst mit der Zeit der Motorisierung in den 1950iger- bis 1960 Jahren nicht mehr vergleichen,
nicht mal mit der "biologischen" Landwirtschaft, das Kunstwort "Oeko" ist heute nochmal
um ein paar Dimensionen verbessert worden:
Ohne Bodenanalyse und genauer Kontrolle der Duenge-Stoffe im Boden im Kontext zu denen,
die dann jene Frucht -ganz konkret- braucht, geht heute nichts mehr.
Elektronik und nochmal Elektronik, in der Recherche, in der Analyse bis zum Bestellen aller Komponenten.
Der Vorteil ueberwiegt wohl den erhoehten Aufwand an Material und Kapital:
Es wird weder Duenger noch Spritzmittel vergeudet, es kommt nicht mehr zum Eintrag als gebraucht wird-
der Boden und auch das Grundwasser bleibt sehr viel sauberer.
Selbst die grossen neuen Geraete sind bodenschonender durch Breitreifen,
es findet weniger Bodenverdichtung statt.
Modernste Fahrzeugtechniken erleichtern die Arbeit und sind umweltfreundlicher im Abgas.
Kein tropfendes Oel und kein Russ mehr. Grosse Lasten koennen schnell und ruhig bewegt werden.
Wir waren am 28.6.2014 im Gespraech mit einem Landwirt, der einen ganz modernen Traktor fuhr-
schnell kam das Gespraech auf, das sehr aufschlussreich verlief.
Er erzaehlte von Stickstoffarten und vielen Details der heutigen Landbearbeitung, von den vielen Standbeinen,
die sein rationalisierter Betrieb braucht um ueber die Runden zu kommen.
An der Kompostanlage unseres Ortes holt er fein aufbereiteten Duenger,
der wohl gerade guenstig zu haben war.
Grundsaetzlich war er nicht geneigt, diesen Kompost als den oekologisch sinnvolleren Duenger einzustufen -
genaue Berechnungsgrundlagen von spezialisierten Vergaben waren ihm -klar- lieber.
(Er haftet fuer das Resultat oder bekommt seine Ernte nicht abgenommen,
wenn zu viele kommulierte Schadstoffe im Boden oder in der Frucht Einzug halten.)
Heute wird ganz genau vermessen und kontrolliert, was zum "Verbraucher" soll, was auf den Markt kommt.
So sauber sie der Traktorzug mit dem tollen neuen Anhaenger mit Zwillingsachsen,
Federn und Luftdruckbremsen sei auch sein Hof, so versicherte er:
"Nichts liegt herum, bei uns wird auch keine Ladung auf der Strasse verloren".
Sein Stand ist im heutigen weborientierten Publikum nicht leicht, weil die Agrarlobby
auf eine vernuenftige Oeffentlichkeitsarbeit wohl verzichtet, genau wie die Windradbetreiber
in der gleichen Problematik haften.
Nicht alles Alte ist ueberkommen, aber vieles schon - so mancher "oekologisch Denkende"
geraet schnell in ein ideologisches Gleis, das mit der Lebenswirklichkeit
oder auch nur mit der Wahrhaftigkeit der Aussagen bedenklich schief liegt.
Strom kann man freilich weiterhin von Ferne kommen lassen, mit allen damit verbundenen Leitungsverlusten.
Oder eben doch mit Windraedern vor Ort -dezentral- und fast verlustfrei in die Ortsnetze einspeisen-
waeren da nicht so viele Hobbyfotografen oder irrgeleitete "Naturschuetzer",
die einfach mal glauben, was ihnen von den "Alternativen" vorgebetet wird.
(Wir gehen oft wandern und treffen ab und an auf ganze Windparks,
die von naechster Naehe gesehen werden- "laut" ist was anderes:
Jedes Mofa macht mehr Krach!
So kommt geschwind das "Argument", dass die Voegel "zerhackt" wuerden- kein einziges Tier
ist darunter zu finden, nicht ein einziger Spatz.
(Ich habe in Frankfurt/Main gearbeitet, in einem Hochhaus mit Blick zum Ginnheimer Spargel (Fernmeldeturm) und zum Flughafen:
Die Zugvoegel wussten Bescheid und flogen so, als waeren sie vom Tower geleitet-
kein Vogel kam zu schaden.. Deshalb rate ich jedem Buerger und meinetwegen auch jeder Buergerin
zur Recherche auf eigene Faust- fragen, wo Unklarheit ist und selbst nachschauen,
wo etwas im Dunkeln liegt.
(Demagogen fuehren leicht in die Irre, das soll uns heute, im Zeitalter des Internets-
nicht mehr passieren! Der arglose Leser wird allzuschnell vor einen parteipolitischen Karren gespannt,
den er eigentlich gar nicht haben wollte- aus Menschenfreundlichkeit wird selten gehandelt.)

Diese Betrachtungsweise ist schon mal ganz anders gestrickt, als studierte Leut
e sich gegenseitig anhofiert haben, deren Buecher ich das "Vergnuegen" hatte, wenigstens
ueberflugsweise zu durchforsten. Kaum ertraegliche Selbstgefaelligkeiten, nationaler Wahn
oder "Erfurcht vor Groeße" ihrer eigenen schulischen Bildung liesen mich
so manches Buch wieder in das Regal stellen.
Manche gingen so weit, selbst in Koenigen und anderen Despoten noch "Vorreiter fuer den Fortschritt"
zu sehen, obwohl grundlegende menschliche Selbstverstaendlichkeiten nicht ansatzweise vor jenen gelebt wurden.
Wie soll eine derartige "Toleranz", die oft in Bewunderung der Macht uebergeht, sinnvoll
fuer eine moderne Geschichtsbetrachtung sein?
Wie soll eine sich gegenseitig hochschaukelnde Selbstgefaelligkeit anders als Eitelkeit sein?
Wie auch immer, der Autor Fritz Stern schreibt 1956 "The Varieties of History"
oder im Deutschen "Geschichte und Geschichtsschreibung" in seinem Vorwort
einige denkwuerdige Saetze- den Rest des Buches kann man getrost als Tuerstopper gebrauchen..:
"Waehrend ich nach geeigneten Aufsaetzen suchte,
machte ich die fuer einen Herausgeber bedrueckende Feststellung,
dass es den meisten Historikern anscheinend widerstrebt, ihre Ansichten ueber die Geschichte zu formulieren.
Sie haben ihre Ansichten und treffen ihre Wahl, aber sie scheuen sich, ihre Voraussetzungen preiszugeben."
"Fuer viele Historiker, vor allem des 19. Jahrhunderts, mag der Gedanke abstoßend gewesen sein,
ihre Aufgabe ausdruecklich zu definieren, denn dann waere zwangslaeufig gerade das zum Vorschein gekommen,
was sie auszuloeschen suchten, ihr Selbst. Historiker scheinen nur in einem Augenblick
ihre Scheu zu ueberwinden:
wenn sie naemlich angegriffen werden oder ihrerseits herrschende Formen der Geschichtsschreibung anzugreifen.
Meist ziehen sie es jedoch vor, das vollendete Werk fuer sich zeugen zu lassen, und was die Theorie angeht,
begnuegen sie sich mit gelegentlichen, meist in Briefen verstreuten Bemerkungen."
Bluckle meint in "History of Civilization in England:
"Es muss immer ein Zusammenhang zwischen der Art und Weise bestehen, wie Menschen ueber die Vergangenheit
nachdenken und wie sie ueber die Gegenwart nachdenken; beide Gesichtspunkte sind in Wirklichkeit
verschiedene Formen der gleichen Denkgewohnheit und zeigen
sich daher in jeder Zeit in einer gewissen Sympathie und Uebereinstimmung"
Zurueck zu Fritz Stern:
"Ebenso muesste man die Aufnahme der Philologie in die Geschichte untersuchen und zeigen,
wie beide von dem neugewonnenen Bewußtsein durchdrungen waren,
daß jedes Volk seinen einzigartigen Charakter und seine Entwicklung besitzt
und daß diese in seiner Sprache wurzeln und sich in seinen Mythen offenbaren."
"..und bald hatten seine Kollegen gelernt, alle Kommentare zu meiden,
die nicht zur selben Zeit wie das geschilderte Ereignis verfaßt worden waren.
Sie beschlossen, nach Originalquellen zu suchen, sie auf Glaubwuerdigkeit hin zu pruefen
und auch ihnen allein die Vergangenheit zu rekonstruieren"
(US Geschichte)"Die Revolution hatte außerdem den Nationalismus belebt,
und die Historiker wurden oft Hohepriester dieses Glaubens,
indem sie ihrem Volk seinen vergangenen Ruhm offenbarten. ..leistete die vaterlaendische Geschichte
gewissermaßen den Dienst einer kollektiven, schmeichelhaften Genealogie."
(Das koennte auch auf unser Land zugetroffen haben)
"Schon 1914 waren einige Historiker zu unkritischen, verantwortungslosen Propagandisten geworden."
"Waehrend dieser Rueckzug von der Wissenschaftsglaeubigkeit vor allem in Deutschland
und England stattfand, bemuehten die Franzosen sich, die Grenzen der Geschichtswissenschaft
noch weiter voranzutreiben; die von Herni Berr um 1900 gegruendete Schule strebte danach,
die Geschichte zu vertiefen, indem sie aus ihr die verbindende Wissenschaft
fuer die aufsteigenden Sozialwissenschaften machte."
"Die Historiker selber wurden sich bewußt, daß die uebertriebene Spezialisierung
ihre Leistungen gefaehrdet hatte, daß sie sich dadurch von den anderen humanistischen Faechern, vor allem der Literatur,
entfernt hatten und dem breiten lesenden Publikum entfremdet wurden."
"Vom Publikum konnte kaum erwartet werden, daß es die schwerverstaendlichen Abhandlungen
ueber winzige Gebiete las, mit denen Historiker ihre Laufbahn begannen und haeufig auch beendeten."
"Die Bemuehungen um eine uebernationale oder vergleichende Geschichte sind vereinzelt geblieben,
obgleich der historische Wandel in den letzten zwanzig Jahren
gezeigt hat, wie ungenuegend die nationale Sicht ist."
"Die tragischen Erfahrungen der dreißiger und vierziger Jahre wirkten auf die Historiographie
aeußerst verwirrend, und einige der wichtigsten Voraussetzungen und kategorien einer frueheren Zeit
scheinen heute ueberholt zu sein. Der edle Glaube an die Vernunft und an die Moeglichkeiten
menschlichen Fortschritts, der dem frueheren historischen Denken vielfach zugrunde lag,
scheint heute ungueltig geworden zu sein, und doch muß die Vertiefung unserer historischen Erfahrung nicht dazu fuehren,
daß man diesen Glauben aufgibt. Vielmehr kann sie zu einem staerkeren Gefuehl fuer das Gefaehrdetsein
der menschlichen Freiheit und zu einer noch groeßeren Hingabe an sie fuehren" !
"Doch das Schreiben von Geschichte buerdet jedem Historiker Entscheidungen auf,
fuer die ihm weder seine Methode noch sein Stoff eine fertige Antwort liefern.
Manche Antworten kann nur der Historiker selber geben, und deswegen ist Geschichte ein lebendies,
veraenderliches Studium geblieben."
"Geschichte ist der wahrnehmbare Ausdruck des tiefverwurzelten menschlichen Beduerfnisses,
die Vergangenheit kennenzulernen, das in spontaner, ungelenkter Weise mit jedem Kind neu geboren wird,
welches nach dem Geheimnis seines Seins forscht. (!)
Geschichte entspringt einer lebendigen Teilnahme, sie beschaeftigt sich mit dem Leben und dient dem Leben.
Ein Fach, das dem Leben so nahe steht, kann nicht festgelegt sein; (!)
es aendert sich mit der Zeit, unter dem Einfluß neuer Hoffnungen, Gedanken und Aengste."
Ich zitiere immer noch:
"Wenn die Methode einem Historiker erlauben wuerde, die ganze Vergangenheit wieder einzufangen,
dann waere die Verbindung zwischen Geschichte und Leben viel lockerer, und er wuerde zu einem ueberlegenen Techniker werden.
Doch die Vergangenheit ist tot, und weder sie noch die Menschen,
die sie schufen, koennen wieder zum Leben erweckt werden.
Zeit, Hingabe und erfinderisches Forschen koennen die Vergangenheit weder neu entdecken
noch im strengen Sinne wiederherstellen;
der Archaeologe kann das physikalische Aeußere einer Stadt auferstehen lassen,
aber selst wenn saemtliche denkbaren Zeugnisse erhalten waeren, koennte
der Historiker nicht den Anspruch erheben, daß er ihr Leben oder ihren Geist auferstehen ließe.
Dennoch bemueht er sich darum, und der große Historiker wird versuchen,
durch die beschreibenden Fakten hindurch zu den Ursachen, den materiellen Bedingungen,
der Atmosphaere, den menschlichen Beweggruenden und Bestrebungen einer bestimmten Epoche vorzudringen.
Aber er hat nur teilweise Erfolg, und er gelangt zu der Einsicht, daß die Rekonstruktion
um so kuehner ist, je persoenlicher sie ist und je mehr von ihm selbst daran beteiligt ist."
"Als Mazzini sagte, daß er sich zutrauen wuerde, die persoenlichen Empfindungen
jedes Historikers zu erklaeren, sobald er zwanzig Seiten von ihm gelesen habe,
meinte er damit mehr als nur ein vorschnelles Urteil.
Man sage einem Historiker: Wie du bist, so wirst du schreiben.."
"..das Gebot G.M. Youngs: 'weiterzulesen, bis man das Volk sprechen hoert,
das Entscheidende in der Geschichte ist nicht, was geschah,
sondern was das Volk darueber dachte und sagte.. " (!)
"Manchen macht es Spaß, ein schwer auffindbare Quelle zu entdecken,
oft zufaellig den Schluessel zu einem verborgenen Problem zu finden, und andere haben Freude daran,
die Bedeutung eines Ereignisses, den Geist einer Zeit, die Ursachen einer Krise zu erschließen.
Was immer die Quelle des Vergnuegens sein mag, sie ist stets durch ein Gefuehl
geistiger Verpflichtung gedaempft; deswegen druecken Briefe von Historikern
oft so abwechselnd Freude und Verzweiflung, Gewißheit und Zwiespaeltigkeit ueber ihre Arbeit aus." (!)
"Haeufig wird sich der große Historiker, wenigstens zu unserer Zeit,
mit einem andeutenden Versuch begnuegen, denn er weiß, daß die Vielschichtigkeit der Geschichte ein Ausdruck
fuer die große und unvorhersehbare Verschiedenheit der Menschen ist"
"Und bei seiner Beschaeftigung mit Menschen und ihren Werken wird er abwechselnd Stolz und Freude,
Schrecken und Sorge darueber empfinden, wie verschiedenartig, vielschichtig, unvorhersehbar, elend
und herrlich das menschliche Leben ist." (!)
Ende der Zitate aus dem Buch, die nur einen Vorgeschmack geben sollen und Einblicke
in das Denken der Menschen ermoeglichen, die sich um die Geschichte kuemmern, -
mit welchen Vorgedanken auch immer, auf oder mit welcher Plattform auch immer.
Mir ging es besonders darum, den deutschen Auswanderern in die USA einen direkteren Einblick
in ihre Geschichte zu geben, die nicht gefaerbt oder studiert 'rueberkommt.
So schließt sich der Kreis. (Was bei den Historikern im großen, ist bei mir und auf meiner Seite
die Sicht auf die kleinen, die alltaeglichen Dinge, die mir persoenlich im Fokus bleiben sollen.
"Neutral" wird niemand schreiben, ja nicht einmal recherchieren koennen,
auch wenn mir keine politische Partei
auch nur nahe, die Religion laengst die aus der Sicht eines Außenstehenden geworden ist.

Eigentlich vermeide ich inzwischen das Hoeren und Sehen von Nachrichten,
weil das sehr fusselig macht- ab und an ist das jedoch unvermeidlich: So sprechen immer die Leute
von "sozialer Teilhabe der 8,50 Euro-Loehner", die von den Moderatoren bis zum Politiker-
eigentlich von deren Arbeit bezahlt werden, ohne welche jene eher nicht leben koennten:
Baecker und Metzger, Austraeger aller Art, Reinemacheleute und Handlanger,
Gelegenheitsarbeiter fuer "Jobs", die sonst keiner machen will, gehoeren dringend dazu!
Abschaetzig wird stets der behandelt, welcher nicht mit Beziehungen hoch gekommen ist, oder studiert hat..

Im "heiligen Land" bringt man sich wieder gegenseitig um, - die Religion
(wie immer in der Geschichte) als Deckmaentelchen vor sich haltend.
Das zeigt mir immer wieder eindrucksvoll, wie gefaehrlich Religion ist- sie gehoert eigentlich verboten,
wie Politiker, die sich mit K inderpo rnogr aphie und D ro genhandel oder Bestechlichkeiten auffaellig zeigten.
(Das geschieht mit Zunahme studierter Leute in der Politik zunehmend - und warum?
Nun, weil sie ihren Beruf nicht als Berufung ansehen,
sondern um ein Mittel zu Zweck moeglichst viel Geld zu raffen.)
Heute wird zuviel gedacht oder besser gegruebelt und viel zu wenig gefuehlt!
Die Bevoelkerung brauchte immer schon "Lenkung", was durch die Religion mit ihren Regeln
und den weltlichen Vorschriften getan wurde.
Heute klingt die Religion wieder ab, die Gesetze aber sind in die staatliche Gesetzgebung
eingeflossen und haben sich wie Karnickel vermehrt, verschlimmbessert, statt modernisiert oder gestrichen zu werden,
wenn deren Sinn abhanden gekommen war..
Im Gegenteil- heute nennt sich alles "Wissenschaft", ob Verwaltungslehre,
Philosophie oder Religion der Grundstock dazu ist- nicht nur die beweisbare, physikalisch-chemische Lehre.
Die neuen Goetter sind Gelehrte, die Nachfahren der Erfinder der Mysterien und Glaubensrichtungen,
die ihre Erkenntnisse so lange zum Postament erklaeren, bis das Gegenteil davon bewiesen wird.
(Eigentlich hat sich nicht viel geaendert)
Wie immer man sich selbst im Kontext zur Geschichte meint oder denkt ist letztlich fast egal,
es kommt sowieso immer ganz anders.. mit diesen Zeilen duerfte mein Exkurs abgeschlossen sein.
(Eigentlich wollte ich einen kleinen Sonderteil anfuegen, in dem alle Bibelstellen "verlinkt" sind,
die mir seltsam vorkamen, als ich diese Lektuere durchackerte.
Da inzwischen aber so viele Dinge be- oder erleuchtet worden sind, in denen aeltere Schriften
einen sehr aehnlichen Inhalt hatten, kann ich wohl davon absehen:
Die "heilige Schrift" ist wohl eine Aufarbeitung div. alter Schriften und Mythen,
Einfuegungen, andere Namen und fertig..)
Nach dem Sinn des Lebens forschen viele, noch ist keiner zurueck gekommen, der uns erzaehlen koennte,
was nach dem Tod kommt!
Wie heißt es so schoen?
"Forsche nicht nach dem was dir verborgen,
es ist sowieso schon viel zuviel, das du sehen darfst!"
Mit diesen Zeilen wuensche ich Dir, geneigter Leser und meinetwegen auch Leserin,
eine gute Zeit und den Mut, das Leben stets selbst in die Hand zu nehmen und nicht alles zu glauben,
was erzaehlt wird..
Nachtrag:
Heute scheint das Raubrittertum wieder aufzuerstehen- mit der Straßenmaut!
(Man darf raten ob dies aus historischen Fable oder Uebermut oder Profilsucht oder Geldmangel geschieht-
bei letzterem waere das Ueberdenken der Strukturen und herabnivellieren aller hoeheren Einkommen
an der Zeit, nachdem alle unteren und mittleren Gehaelter herab gedrueckt worden sind)
Im Web gibt es viele Aufrufe zur Rettung von Hunden aus Toetungsstationen im Ausland-
wo es in Italien, Spanien, Ungarn anfaengt, also nicht mal so weit von uns weg.
Nach der Rettung einer Charge Hunde oder Katzen sind geschwind genau wieder die gleichen Verhaeltnisse da,
wie zuvor. Die Mentalitaeten des Sueden und des Ostens, geschweige denn die in Asien oder Afrika
werden wir garantiert nicht verbessern, an unserem Wesen kann nicht die ganze Welt genesen!
Unser Gefuehl fuer Humantitaet ist denen so fremd, wie uns das Affenhirn auf dem Teller..

Was wird die Zukunft bringen?
Ich denke, hier wird jeder seine eigenen Vorstellung haben und hoffen,
dass alles gut wird und die da oben nicht vollends abheben,wie schon so oft.
Das letzte ausgeliehene Buch stammt von Jona than Bla ck "Die geheime Geschichte der Welt",
das ich in der Haelfte abgebrochen und zugeschlagen habe.
Dem Wahnsinn eine Stunde? Genug ist genug - fuer mich ist Religion, Philosophie, Mystik,
Psychologie und artverwandte "Studien" schierer Humbug und Zeitverschwendung,
gegebenenfalls Ausflucht um keiner Arbeit nachgehen zu muessen.
(Irgendwann hat sich der Irrwitz einzelner Leute in gruppendynamischer Art fortentwickelt)
Fazit:
Der Paragraph 1 der StVO sollte eigentlich ausreichen,
damit wir vernuenftig miteinander umgehen und fuer uns selbst duerfte die Erfuellung im Kleinen,
im Minimalismus, nicht nur ueberschaubarer, sondern auch weitaus friedlicher sein,
als sich -ungefragt- um den Naechsten zu kuemmern...
Kriege und Habsucht koennen so eigentlich nie passieren!

So ganz ohne Einleitung ging es bei mir wohl nicht, tut mir leid!
Nun aber zu der eigentlichen Geschichte, zu dem, wie unsere Vorfahren lebten:





Geschichtliches

2.)
Zur Erinnerung noch ein paar Rueckgriffe in die ganz alte Epoche:
Das Lahntal war schon immer eine gerne genutzte Verbindung zwischen dem Rhein und der Wetterau.
Unzaehlige Grabhuegel kuenden davon, zumindest jene, die noch nicht dem Ackerbau untergekommen sind,
die sich im Wald befinden und heute noch erforscht werden.
Eine Verfaelschung des Siedlungsgebietes koennte entstehen,
wollte man also aus diesen Funden Siedlungen rekonstruieren.
Die Zeugen von durchwandernden Menschen, die jagten und Wildfruechte sammelten, sind auch recht zahlreich:
Arbeitsmaterialien, Knochen von Beutetiere, wie Hoehlenbaer, Mammut, Wolf, Wollnashorn,
Rentier und Vogelarten sind in den Ascheschichten zu finden.
Von der mittleren Altsteinzeit an (100.000 v.Chr.)
in die juengere Altsteinzeit (35.000-8.000 Jahre v.Chr.
bis in die letzte Vereisung hinein finden die Archaeologen Spuren der Vergangenheit.
Zur Mittelsteinzeit (8.000 - 4.500 v.Chr.) erwaermte sich das Klima wieder,
wie zur Zeit vor der Vereisung, aus der Steppe wurde Wald - noch waren die Jaeger unterwegs.
In der Jungsteinzeit (4.500-1.800 v.Chr.) begannen heftige Veraenderungen!
Man begann aus Wildgraesern Getreide zu veredeln, den Hackbau mit Beeten und mit der
Vieh- und Vorratswirtschaft.
Die Sesshaftigkeit hob an, Pfostenhaeuser mit Flechtwerk, das mit Lehm bestrichen wurde,
oder mit Lehmwurfbrocken befestigte Haeuser mit Strohdaechern wurden gebaut.
Groessere Steingeraete wurden gebraucht- zum Mahlen von Getreide, Aexte zum Schlagen des Holzes,
Keulen zur Verteidigung.
Tongefaeße kamen auf, nach deren stilistischen Besonderheiten die Wissenschaftler
den Volksgruppen einen Namen gaben- wir erinnern uns, die Schrift war bekanntlich noch nicht erfunden -
so konnte keiner den wirklichen Gruppennamen weitergeben..
Diese Kulturen wurden durch Wanderungen durchsetzt, es kam die Bronze,- dann die Eisenzeit.
In der sogenannten "Steinkistenzeit" wurden bis zu 170 Personen in einer Steinkammer
(daher der Name) beigesetzt- sorgsam aufgeschichtet, mit wenigen Grabbeigaben aus Perlen,
Schmuck, durchbohrten Hundezaehnen, Silexklingen, Kupferbaender, Muscheln- was schon zeigt,
dass reger Handel betrieben worden sein muss.
Was mit den Frauen nach dem Tod gemacht wurde, weiß man wohl nicht so recht,
die Maenner wurden in den Huegelgraebern, wie Jaeger bestattet,
mit ihren Waffen, die allerdings zuvor unbrauchbar gemacht worden sind.
Die Bestattungskulturen wechseln sich ab, mal als Erdbestattung, dann in Steinkammern, dann in Urnen.
1200-700 v.Chr. gab es Urnengraeber, die mit Steinplatten verkleidet waren.
Neben der Urne fanden Grabbeigaben ihren Platz, zuweilen ganze Geschirre aus Feinkeramik, Schmuck, Nadeln,
Geraetschafte, Waffen -sogar der damaligen Mode angepasst ;)
700-475 v.Chr. begann die Hallstattkultur, die vorroemische Eisenzeit mit vielen Funden,
die mit der Gewinnung und Verhuettung zusammen hingen.
Das Berufsbild der Haendler kam staerker zu Ehren, man konnte schon fast von Im- und Export sprechen !
Ca 475 v.Chr. wurde wohl die Toepferscheibe "flaechendeckend" eingefuehrt - von den Kelten uebernommen..
Die Muenzpraegung setzte ein, man baute das Oppidum, die Festung, Spezialisierungen kamen,
die Landbevoelkerung sorgte fuer die Nahrung- wie das bis heute der Fall ist.
Die Haeuser wurden verbessert, Staedte entstanden.
Zu kleinen Gehoeft-Siedlungen ist man schon lange zusammengerueckt,
aus denen wohl die Staedte zuweilen entstanden sind.
Andere siedelten sich dort an, wo Arbeit war- wie heute auch- Burgen zum Schutz wurden errichtet-
deren Bewohner kraeftig daran verdienten;
vermutlich mehr als diejenigen,die das Erz unter Muehen gefoerdert und bearbeitet haben.
Die Sitte den Toten Waffen oder Schmuck beizulegen ist wohl schon alt und sollte sich
nach der Christianisierung gruendlich aendern,
weil nach deren Ansichten ein koerperliches Leben nach dem Tod nicht wieder einstellt.
Die Unterschiede der sozialen Schichten waren schon zu allen Zeiten an der Ausstattung der Verstorbenen abzulesen.
Die Verkehrswege waren ebenfalls wichtige Gruende Orte hier und nicht dort zu errichten.

Nach dem 8. Jhd., nach der Voelkerwanderungszeit, setzen erste spaerliche Schriftueberlieferungen ein.
Nach den Endungen der Ortsnamen kann man ein wenig deren Alter erahnen.
Der Geograph von Ravenna rechnet schon im 5.Jhd. das Gebiet an der Lahn zu den Franken.
Nach und nach wurde dieses Gebiet tatsaechlich zum Fraenkischen Stammland,
das sie von den Merowingern uebernahmen.
Kurz vor dem Jahr 900 wurde als zwangschristianisiert und um das Jahr 1000 kamen die Luxemburger,
dann kurz das Hochstift Worms, dann die hessischen Grafen.
Die seelige Zeit der Freiheit war da schon lange vorbei- man diente eisernen Herren
und deren nichtsnutzem, kriegsluesternem Edelvolk, das aus Blutlinien oder
als Klerikern oder einer Mischung aus beidem bestand,-
das alle Leute unterdrueckte, die sich nicht heftig genug wehren konnten.

Der "universelle Sendungsauftrag Jesu" ist im Christentum enthalten, so sagt die Kirche.
Bei der Verbreitung dieser Lehre, die wie Laeuse und Floehe mit den roemischen Soldaten
aus dem Sueden und von der Trierer Seite nach Deutschland drang, waren schon Ende
des zweiten Jhds. in fast allen Staedten zu erleben.
Von den 50 Millionen Menschen des Roemischen Reiches waren 7 Millionen zur Zeit
des Kaisers Diokletian 284-305 bereits Christen.
In Spanien und Suedgallien hat sich dieser Trend staerker fortgesetzt,
von der Rhone drang man weiter damit vor.
Das Gebiet jenseits des Limes, also bei uns an der mittleren Lahn,
war nie roemisch und auch diesem neuen Glauben nie zugetan, selbst im Bereich der unteren Lahn,
wo die Roemer schon 200 Jahren waren, fand man keine christlichen Glaubenszeugnisse aus dieser Zeit.
In Trier huldigte man diesem neuen Kult um so mehr.
Kaiser Konstantin hob die Kultfreiheit des Heidentums auf, so konnten Christen deren Tempelanlagen zerstoeren..
Als der junge Frankenkoenig Chlodwig von den Alemannen bedraengt wurde,
gelobte er ein zweiter Konstantin zu werden und lies sich "bekehren", er gewann den Sieg.
Er lies sich taufen, sowie dreitausend Vasallen mit ihm in Reimes.
Das wird nicht ohne politische Hintergruende geschehen sein,
denn Chlodwig war ein Vorbild fuer die anderen Herrscher Germaniens.
Die heidnischen Braeuche sollen aber weiterhin bestanden haben, so die Chronik.
Da nirgendwo Hinweise auf die Missionieren durch Bonifazius in unserem Gebiet zu finden waren,
nimmt man an, dass schon im Jahr 772 die mittlere Lahn christlich gewesen sein muss.
Die Merowinger hatten dabei wohl ganze Arbeit geleistet.
Die Lahn war dabei wohl als Missionsweg hilfreich,
den Weg des neuen Glaubens Richtung Osten zu beguenstigen, der zur Zeit Karls des Groß
von Dietkirchen aus begann. Dort hatten schon im 4. Jhd. die Kelten eine Kultstaette:
Der Wotanskult wurde in ein Michaelspatrozinium umgetauft, mit dem Totengott Wotan,
der die Seelen nach Wallhall fuehrte, sollte nun Michael diese ins Heiligtum fuehren.
So wie die Kultstaetten ueberbaut wurden, geschah auch mit den Zeremonien und den Heiligen -
einfach ausgetauscht!

"Und wo wir hin nur schaun, ist Feuer, Pest und Tod.." Der 30j. Krieg begann.
Auch wenn keine großen Schlachten in unserem Kreisgebiet waren,
herrschte doch die Sprache des Grauens, des Schreckens und des Elends.
Missernten, Pest und durchziehende Horden an Soldaten, die alles pluenderten,
alles was aus Holz war zu Lagerfeuern machte, die selbst im laendlichen Raum
derart alles abgrasten, daß die Woelfe in die Orte kamen..
Die Bevoelkerung war voellig verarmt und immer neue Truppen kamen durch das Gebiet, die Nahrung wollten.
Zuweilen halfen Dorfbewohner den Hirten und gemeinsam schlugen sie die marodierenden
Nachruecker an Soldaten in die Flucht.
Wieder und wieder Mißernten, was auch kein Wunder war, weil schon die Saaten fehlten,
die alle von den Soldaten aufgegessen wurden.
So kamen Seuchen und Krankheiten, die noch mehr Opfer forderten, als schon zuvor.
Das nuetzten Kirchenleute aus uns machten sofort Hexenprozesse,
ein richtiger Hexenwahn breitete sich aus- so wollte man die Schuldigen finden..
1631 kamen die Schweden, wie schon in den beiden Geschichtsseiten zuvor erwaehnt,
deren Kaiser war weit weg und so wurden Ausschreitungen
gegen die Bevoelkerung die Regel denn die Ausnahme.
Kaum vorstellbar, wenn ein Heer mit 10.000 Mann und MarketenderInnen und Tiere in einen Ort
mit ein paarhundert oder wenig mehr an Einwohnern einfiel..
So wurden Staedte und Flecken regelrecht ausgepluendert bis auf das letzte brauchbare Stueck,
das die Leute noch hatten.
Wieder kam die Pest mit der Hungersnot im Gefolge.
"Die Krieger, an allem Mangel leidend, fielen in die Doerfer ein und raubten, was sie vorfanden.
Nirgends wurde auch nur ein Kroppen, Kessel oder anderes Kuechengeraet gerettet; Geld, Leinwand,
Kleidungsstuecke wurden geraubt; Wagen, Karren, Pfluege, Tore, Baenke, Kisten und Kasten ins Lager gebracht;
um bei dem Kochen und den Wachfeuern verbrannt zu werden.
Die Fruechte wurden gedroschen und verzehrt, das Vieh aus den Staellen fortgetrieben und geschlachtet,
die Bienenstoecke ausgedaempft und ihres Inhalts entleert und ueberall
ein solche Verwuestung zurueckgelassen, wie es diese Gegend weder frueher, noch spaeter je wieder erlebt hat."
Orte gingen in Flammen auf, "nach 10-11 Tagen rueckten sie wieder ab,
nachdem alles so grauenhaft und bestialisch verwuestet wurde, dass man es kaum beschreiben kann"
Oktober 1648 laeuteten endlich die Friedensglocken, die Kinder wussten nicht, was das bedeutet:
Hadamar berichtete dem Grafen Johann Ludwig:
"Eure Hochgraeflichen Gnaden werden leider ein leeres und ins Grunds Boden verderbtes Land
in einem klaeglichen, erbaermlichen Zustand finden, so nit zu glauben, als wer gegenwaertig ist."

Ein besonderes Kapitel ist immer wieder der 30j. Krieg:
"Unser schoenes teutsches Lande ist gleich einer Wuestenei"
Politisch ohnmaechtig und zerstueckelt, brachte diese Epoche unbeschreibliches Leid,
wie die Chronisten einstimmig vermelden- dennoch muss ich immer wieder darauf eingehen,
weil sich von Buch zu Buch neue Details zeigen, die aus anderen Blickwinkeln berichtet worden sind.
1500 zerstoerte oder verlassene kleinere Staedte, 20.000 Doerfer waren zu beklagen,
von 18 Millionen sind nicht mal 9 Millionen Bewohner uebrig geblieben.
Herrenloses Gut wurde guenstig an Beduerftige vergeben, wuestgefallene Orte
den naechstgroeßeren zugeschlagen.
3300 Einwohner zaehlt der Flecken Merenberg heute, im Jahr 1637 zaehlte man nur noch zwei Maenner,
die auch schon nicht mehr so fit gewesen sein sollen..
So manche Bewohner haben sich in Bueschen und Hecken verkrochen und waeren
"ganz armseelig herumschweifend" gewesen.
Ueberall waren Tore zertruemmert, hinter den Stadtmauern alles verbrannt.
Kaum noch Vieh in den Staellen, Horrorpreise fuer ausgeliehenes Ackervieh.
Brachland dagegen gab es genug, Gestruepp ebenso - aber wenig Maenner,
die das Land beackern konnten.
Die Felder verwuestet, die Landwirtschaft danieder, Seuchen raffen die Leute dahin.
Zahlreiche Mißgeburten wurden als Zeichen des Himmels gedeutet,
man sah Gespenster, der Aberglaube bluehte.
Unheimliche Laute klangen durch die Nacht, herumziehende versprengte Soldaten ueberall,
die rafften und raubten, das kirchliche Leben war tief erschuettert,
viele Orte fast menschenleer, ohne Seelsorger.
Aus Westfalen, dem Rheinland, Oesterreich, Schlesien und Bayern wurde Siedler angeworben-
das Fuerstenhaus hatte Angst um seine Renten !
(Von denen hat noch nie einer einen Sparten in der Hand gehabt, nie jemand saehen oder ernten brauchen,
ein Vieh schlachten oder auch nur kochen- die Hohen lebten nur von den kleinen Leuten, wie heute auch.)
Die Einquartierung von Tillys Truppen wird als besonders arg geschildert.
Selbst volumenreiche Geschenke stimmten diesen Feldherren nicht milde - und wenn, dann wohl nicht fuer lange.
In Hahnstaetten hat einer seiner Fuehrer Quartier in der Burg bezogen,-
woechentlich verlangte dieser von den Bewohnern und dem Fuerstenhaus
280 Pfund Rindfleisch, 3 Kaelber, 3 Haemmel, 6 Gaense, 14 Huehner, 200 Eier, 12 Maß Butter,
Wein, Bier, Konfekt. Ausserdem noch 200 Reichstaler die Woche fuer sich,
150 Reichstaler fuer den Oberstleutnant, jeder Maior bekam 50 - bis hinab zum "Gemeinen",
der nur 2 Reichstaler bekam.
Kaum zu glauben, mit welchem Hofstaat und mit welchem Pomp so ein Feldherr auf Feldzug war!
(Tafeldecker, Pagen, Aufwaerter, Kuechenleute, Musikanten und wer weiß
welche Personen zu welchen Zwecken noch dabei waren..)
Die Phantasie reichte bis zur Forderung nach Hollaendischem Kaese, Safran, Branntwein,
Nuernberger Kuchen, Baumoel, Feigen bis zum Stockfisch..
Man mag sich leicht ausmalen, wie lange die Resourcen des Ortes reichte!

Ich lese von Soldaten, die Einwohner in den Rauchfang haengten,
bis sie das Versteck des Geldes oder der Wertsachen verrieten.
Manche Heere bestanden aus wild zusammengewuerfelten Gesellen,
die eher ins Zuchthaus gehoerten, als bewaffnet unter ein Kommando..

Ich lese davon, daß Frauen lebendig verbrannt wurden, Eheringe abgehackt,
vergewaltigt worden ist. Was die Soldaten an Vieh nicht klauten, wurde erschlagen.
Wenn sich ein Bauer widersetzte, mußte er mit dem Tod rechnen.
Der "Schwedentrunk" (Jauche, Guelle) wurde so lange eingefloeßt,
bis der Bauch zum platzen voll war- dann kamen Fußtritte..
Herrje, was sind sie heute so feierlich, die Schweden und die Franzosen,
gerade mit letzteren wird es im Kapitel "Judenverfolgung" um das Jahr 1190 noch weiter gehen..
"Sie schlugen und tagen Weibspersonen schreckliche Schand an, daß es des Jammers ist."
So manche Sage aus dieser Zeit erinnert an die Grausamkeiten,
die angebliche Verbuendete der Preussen angerichtet haben.
Kaum ein Haus, das nicht mit dem "boehmischen Schluessel" geoeffnet worden war: Die Spitzhacke!
Die andere, die katholische Seite war auch nicht besser dran, mit ihren Verbuendeten-
wobei die Spanier besondern doll gehaust haben sollen.
So verloren die Schweden 12.000 Maenner, 6000 Gefangene, viel Geraet und Wagen.
Die "Heimaterde" ist mehr als nur einmal von Blut getraenkt und man hat nichts dazu gelernt -
"Volksabstimmungen" werden heute noch negiert, man regiert lieber durch die Parteienkader.
Wegen der vermeindlichen "Ehre Gottes" zogen die einen,
wegen dem Herrschaftsanspruch der Grafen die anderen in die Schlacht -
religoeser Fanatismus hier, patriotisches Geschrei auf der anderen Seite.
Spaeter ging man dazu ueber, alle wehrfaehigen Maenner mit allem zu bewaffnen, was irgendwie verletzen konnte.
1636 aechtete der Kaiser den Weilburger Grafen Ernst Casimir, der "im Ausland weilte",
waehrend daheim alles drunter und drueber ging.
So wurde die Grafschaft an einen tschechischen Fuersten vergeben,
der dem Kaiser finanziell aus der Platsche half..

In der Jesuitenchronik steht, daß bei der strengsten Winterskaelte den Mann Gottes
bis bis an die Lenden mit nackten Fueßen durch den Schnee und ueber das Eis der Baeche laufen,
um den Hungernden Brot und den Kranken und Sterbenden die Troestung der Religion zu bringen..

"Zu der Pest gesellte sich die Hungersnoth, so schrecklich und grausenhaft, daß die Feder zittert,
wenn sie es versuchen will, dieselbe auch nur in allgemeinen Zuegen zu schildern.
Nachdem die Haustiere aufgezehrt waren, machte man Jagd auf Pferde, Esel, Hunde, Katzen, Ratten und Maeuse.
Endlich griff man nach zarten Graesern und jungen Baumsprossen, und im Anfall der Raserei
schonte man selbst der menschlichen Leichen nicht.
Auch habe ich gehoert, daß man gestohlene Knaben nach grausamer Abschlachtung verzehrt habe."
(Hadamarer Jesuitenchronik)

Der Graefin von Diez gelang es 1637 durch eine hohe Summe an den Oberst Neuneck
aus Preussen ihre Grafschaft -vorerst- freizukaufen.





Geschichtliches

3.)
Wie ging es den Juden in unserem Kreis-Gebiet?
Dieses sehr ungeliebte Thema darf, kann und soll nicht verschwiegen werden,
es gehoert (leider) unbedingt zum Thema "Geschichtliches aus der Region" dazu.

In Limburg sollen schon im Jahr 1278 Juden registriert worden sein,
diese Stadt war immer ein Knotenpunkt wichtiger Straßen,
folglich wurden dort auch Wechselstuben benoetigt.
Nach der Judenverfolgung in FRANKREICH um 1190 (was war mir vor der vorliegenden Lektuere
unbekannt), bei welcher vom Koenig Philipp II. die "Ausweisung verfuegt" worden war,
siedelten sich viele in unserem Raum an.

Bereits im Mittelalter setzte die soziale und rechtliche Diskriminierung der Juden ein,
weil sie sich als Volk ohne Heimat verstanden, dh. sie wurden aus dem heiligen Land vertrieben
und versuchten in der Welt ihren Traditionen treu zu bleiben und ihre Identitaet zu wahren -
was sie sehr von der angestammten Bevoelkerung abhob.

Ihnen wurden praktisch schon frueh alle Rechte entsagt, sie waren willfaehiges Gut
und mussten auf Geheiß abliefern, was die Obrigkeit verlangte.
Zum aus der geldlichen Klemme helfen waren sie gut, auch in den Krieg zu ziehen
und ihren Kopf fuer das "Vaterland" hinzuhalten waren sie gut genug.
Von "Schutzjuden" ist in der Geschichte oft die Rede- gemeint ich eher der Anspruch
auf einen Zehnt oder hohe andere Abgaben und Sonderleistungen dieser Gruppe, wenn sie wohlhabend genug war
um die ueber ihre Verhaeltnisse lebenden Fuersten zu stuetzen.
Die Ungerechtigkeiten und Denunziationen kamen meistens von oben, aus amtlichen oder akademischen Kreisen,
die schon immer Gesetze so formten und formulierten, wie es gerade passte.
Das soll hier nicht vergessen sein: Aus Berlin kam spaeter das weitaus schlimmere an Greueltaten
oder besser die Anordnungen dazu, von einem Oesterreicher in einer Art kindheitswahnhaftem Hass befohlene Rassenbetrachtung,
auf die alles "gegruendet" wurde, was danach geschah.
Ich moechte den Geschichtsbuechern nicht vorgreifen, nicht ins Detail gehen, muss aber bemerken,
dass kein evangelischer und kein katholischer Pfaffe sich meldete, als die "Reichskristallnacht" befohlen wurde,
als fuer die "Ostfrond Gueter aus jued. Besitz konfisziert" wurden.
1849 war eigentlich die Gleichberechtigung vorgesehen, die Jahrhunderte alte Vorurteilschaft,
die von offizieller Seite geschuert und von Gruppen- und Vereins- und Parteileitern gepflegt wurde,
war wohl nicht aufzuheben. Demagogen schueren immer und wo sie nur koennen,-
eine Konkurrenzsituation der Glaubensgemeinschaften ist zwar subtiler, aber dennoch und bis zum heutigen Tag latent vorhanden.
(Der Vulkan ist im Moment nur still, aber noch lange nicht erloschen,
zumal eine neue Gruppe sich in ganz Europa breit macht)
Juden hatten zwar akademische und kaufmaennische Berufe, sie waren aber immer in der Minderheit
und wohl nie ganz oben angekommen.
Schon damals sprach man von "Emanzipation", aber mit hoechst unsicherer Existenzgrundlage.
Von der Landesherrschaft und von der Kirche wurde Distanz verordnet.
Im taeglichen Leben waren eher die ueblichen Reibereien unter Nachbarn und die sich
daraus ergebenden kleineren Probleme das tragende Element,
nicht das, was man aus Berlin als "Rassenhass" oder "Antisemitismus" auf der anderen Seite benannte.
Das zeigt nur, dass Ideologien immer bedenklich sind, wenn sie sich nicht der Zeit anpassen koennen,
"festgeschrieben" und "angeordnet" oder "verfuegt" werden.
So mancher Denuntiant wollte wohl ein wenig auf der Karriereleiter nach oben klettern-
sehe ich mir die heutigen Abhoerpraktiken an, wird es recht mulmig - damals mußten "politische,
insbesondere marxistische, aber auch wirtschaftliche, kriminelle oder andere auffaelligen
Aktivitaeten juedischer Vereine" regelmaeßig gemeldet werden,
so die Anordung an die Polizeidienststellen von der geheimen Staatspolizei Berlin 1933.
Heute wird alles und jeder belauscht, glaubt man der Presse.
Im Olympiajahr fraß man Kreide und hatte obacht darauf, daß Betrachter und Besucher
aus dem Ausland keinen falschen Eindruck unseres Landes bekamen..
und gehaessige Bilder und Aufrufe nicht zu sehen waren.
Nach dieser bedrohlichen Nacht versuchten viele Juden auszuwandern, die Oberschicht
dieser Gruppe war schon Jahre zuvor ausgereist.
Aehnlich wie in der nachfolgenden "DDR" im Osten des Landes nach dem verlorenen Krieg,
konnten sich Wohlhabendere leichter in Sicherheit bringen.
Ein ganz schlimmes Thema ist die "Euthanasie", die viele Behinderte und besonders
behinderte Kinder von Juden vernichtete- alles mit akademischem Segen.
Grausame Versuche an Menschen, auf die noch heute das medizinische Wissen - auch in den USA- basiert,
sind ein Fall, der mich schaudern laesst.
Wer aus der Bevoelkerung dem Denuntiationsaufruf nicht folgte oder gar bei der Flucht half,
war selbst an der Reihe.
Damals wurden politisch mißliebige und "nichtarische" Lehrer aus den Aemtern entfernt.
Das hatte freilich auch fuer die Schueler Nachteile, wie ein Geschwisterpaar aus Oberbrechen berichtet,
das nach Argentinien gezogen ist und das fuer viele steht.
"Vor allem hatten unsere Kinder sehr unter der neuen Situation zu leiden, da gab es einen Lehrer
S... , der die Kinder aufhetzte und ihnen sagte:
Wenn ihr einen Juden seht, mueßt ihr in treten und schlagen!.
Die besten Freunde meiner Kinder Kurt und Irene verwandelten sich ueber Nacht in Feinde.
Natuerlich sprachen wir darueber mit dem Hauptlehrer Reifert - aber was sollte dieser gegen solchen Fanatismus machen?
Er war selbst wehrlos. Wir nahmen Kurt aus der Schule und brachten ihn nach Frankfurt in die Hirsch-Realschule
- fuer uns eine große finanzielle Belastung. Auf Rat von Lehrer Reifert schickten wir Irene,
die im letzten Schuljahr war, nur noch einen Tag in der Woche zur Schule.
Sie koennen sich denken, wieviel wir mit unseren Kindern unter all dem gelitten haben"
(Die Familie Lichtenstein wanderte 1937 nach Argentinien aus)
An manchen Stellen ist von der besonderen Mitarbeit der Lehrerschaft die Rede,
wenn es darum ging, junge Maenner zum Militaer zu bringen, mit besonders patriotischen,
ideologisch geschwaengerten Worten angefeuert.

Juden sind nicht nur ihrer Religion, sondern auch ihrer Tradition verpflichtet,
sie sehen sich als eigenes Volk- hier sehe ich ein Problem, das auch andere "ethnische Randgruppen" haben,
die sich von Bevoelkerung dadurch abheben bis bewusst fremd bleiben wollen,
selbst ein von allen anerkanntes Toleranzpatent koennte nur greifen,
wenn alle Bewohner eines Landes daran teilhaben und aufeinander zugehen-
genau da sehe ich die Schwierigkeiten.
Erschwerend kommt hinzu: "Kirche ist und kann nicht demokratisch sein"
(So sagte der ehem. Bischof Kamphaus aus Limburg einmal)
Wie soll so ein Zusammenleben unter verschiedenen Religionen stattfinden koennen?
Ideologie, Kadavergehorsam, Pruegelknabenmentalitaet, Groeßenwahn oder Gottkomplex
waren immer unheilige Gesellen, zu allen Zeiten:
Waere die Demokratie direkter unter der Kontrolle der Waehler und die Religion
rein privat und nicht so plakativ, waeren die meisten Spannungen weg, da bin ich mir sicher.
Wie auch immer- das will sicher auch keiner hoeren. In einem ueberraschenden Interview
eines Fernsehreporters an einem Berliner Minister uebertrug das TV die ganze abgehobene Eingebildetheit,
die wohl symptomatisch - nicht nur fuer diese Leute, sondern auch fuer Berlin sein duerfte.
Es war schlicht nur peinlich.
Schlimm finde ich, dass "das Volk" diese Typen nie hat waehlen koennen,
die wurden "berufen"- wie im Kaiserreich. Man sollte denen den gleichen Rufer an die Seite stellen,
wie ihn die roem. Trimphatoren auf den Siegeswagen hatten: Bedenke,
riefen sie andauernd dem Helden zu- du bist nur ein Mensch!





Geschichtliches

4.)
Ein Pfarrer und spaeterer Dekan hat in seinen ungedruckten Aufzeichnungen fuer die Familie
die Zustaende vorpreussischer Zeit im Dorf festgehalten:
"Mein Vater wurde auf seinen Wunsch nach seinem und Mutters Geburtsort Elkerhausen versetzt,
einem Dorf von ca 600 Einwohnern:
Kleinbauern, Bergleuten und einigen Handwerkern.
Nicht nur die Heimatliebe zog sie dorthin, sondern auch die mit 456 Gulden
jaehrlich besser dotierte Schulstelle,
das Schulhaus und das bisher verpachtete eigene Land der Eltern,
so daß sie auch hier durch Landwirtschaft ihr Einkommen wesentlich verbessern konnten.
Auch befand sich hier eine geraeumigere Wohnung in dem neueren Teil der alten Wasserburg,
in dem nach Eingehen einer Nadelfabrik Schule und Lehrerwohnung untergebracht waren..
In Elkerhausen war Vater einziger Lehrer an der schweren Schule von meist an,
oft ueber 100 Schuelern.
Aber mit wieveil Treue und Gewissenhaftigkeit hat er an diesen Kindern gearbeitet!
Wie oft war er so im Eifer, daß Mutter ihn an der Schultuer oder durch Klopfen an die Zimmerdecke -
das Schulzimmer lang ueber dem Wohnzimmer - daran erinnern mußte,
daß die Unterrichtszeit laengst vorueber sei.
Nach dem Unterricht ging's dann gewoehnlich zu landwirtschaftlichen Arbeiten,
bei denen mein Bruder und ich meist mithelfen mußten.
Im Stall standen gewoehnlich eine Kuh und ein Kalb, das aber,
wenn es zum Rind geworden und wieder Kaelbchen-Ersatz vorhanden war,
verkauft wurde, sowie zwei Schweine, von denen eins wenn's fett war -
verkauft und eins fuer den eigenen Gebrauch geschlachtet wurde.
Auf dem Hof gackerten 5 bis 7 Huehner.
Auf den Wiesen wuchs reichlich das Futter fuers Vieh, auf den Feldern gediehen die Brotfrucht und die Kartoffeln,
in den Gaerten das Gemuese sowie das Beerenobst fuer Gelee und Stachelbeerwein
und auf den Baeumen das Tafel- und Wirtschaftsobst,
welch letzteres teils zu Apfelwein bzw. Zwetschenhonig verarbeitet
oder teils sonst wirtschaftlich verwertet wurde.
Somit waren wir Selbstversorger, und zwar so reichlich, daß manche Erzeugnisse sogar
noch verkauft werden konnten,
obwohl wir uns selbst zwar einfach, aber reichlich und gesund ernaehrten.
Gekauft wurde vom frischen Naehrmitteln eigentlich nur frisches Fleisch
aber auch nur einen Teil des Jahres und nur fuer den Sonntag."
(Adolph Scheerer 1863-1951)

In der vorindustriellen Zeit vor 1900 wuchs durch verbessere medizinische Versorgung,
durch die Entdeckung der Hygiene starben weniger am Kindbettfieber,
die mineralischen Duengemittel kamen auf- die Bevoelkerung recht stark, die Menschen aelter.
(Bronzezeit 18 Jahre, im Jahr 1000 ca 30 Jahre, um 1800 ca 38 Jahre,
um 1850 gut 40 Jahre und 1900 ueberstieg man die 50 Jahre-Marke)
Das brachte eine heftige Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt und niedrigere Loehne.
1790-1820 sanken die Arbeitsloehne besonders stark, so die Chronik.
Um 1850 waren 65 Wochenstunden und im Jahr 1900 sogar bis zu 90 Wochenstunden zu arbeiten-
diese Fakten zeigen, dass Unternehmer niemals satt werden und
gnadenlos zugreifen, um sich zu bereichern.
In der 2. Haelfte des 19.Jhds. wurden 60 Wochenstunden gearbeitet,
bis zu zweieinhalb Stunden Fußmarsch zur Arbeit und wieder dieser Marsch zurück- waren keine Ausnahmen.
(Heute pendeln manche Leute ebenso lange, zwar mit dem Auto, aber auch eigene Kosten)
Jeder 4. arbeitete "zu", wie heute auch wieder, um vom Lohn leben zu koennen.

Eine typische Gemeinde war wohl Elz bei Limburg: 1063 Einwohner um das Jahr 1828, 258 Haushalte, davon neben den Vollbauern waren 83 in Nebentaetigkeiten dabei:
22 Leineweber, 18 Musikanten, 8 Schuhmacher, 7 Wirte, 5 Kraemer, 3 Mahlmueller, 3 Barbiere,
je zwei Oelmueller, Wagner, Strohdecker, Schreiner, Maurer, Zimmerleute,
je ein Blechschmied, Grobschmied, Pflasterer, Schneider, Seiltaenzer (!).
Großeltern und Kinder wurden genauso zu Arbeiten herangezogen,
jeder in der Familie mußte hart anpacken, um zu ueberleben.
Ob beim Bauern oder im Handwerk, jede Taetigkeit, die ein wenig zur Ernaehrung beitrug, war willkommen.
In dieser Zeit haben sich einige Orte spezialisiert- hier gab es Seilmacher,
dort wurden Holzwaren hergestellt, woanders produzierte man Toepferwaren- so kamen auch die Nicknames
dieser Zeit zustande, die z.T. heute noch genannt werden: Holzkoeppe, Saecker, Steineklopfer
oder Koffermeilinger etc.
Trotzdem konnten viele die Lebensmittel nicht gleich bezahlen und liesen beim Laden "anschreiben" -
was man uebrigens noch in den 1950iger Jahren tat..
Die Kartoffelzeit kam - Kartoffel mit Quark, andern Tags Quark mit Kartoffeln..
billig und verfuegbar, ein Nahrungsmittel der Massen.
Aber wehe, wenn die Kartoffelfaeule kam!
Der Hunger kam und Auswanderungswellen. 1833-1903 besonders stark. Tumulte und Aufstaende
durch die Hungernden im Land verursachten die Revolution. 1848.
Ob Teiche oder Wald- alles wurde aus Not heraus gepluendert, das Holz und das Wild- nichts war sicher.
Der Gerichtsvollzieher war froh, wenn er mit heiler Haut aus dem Ort kam, der Fuerst ging dabei leer aus.
Die Bauern teilten das Land unter den immer zahlreicheren Kindern auf,
bis die ganze Flaeche total zersplittert war und keiner mehr davon leben konnte -
nun draengte auch sie auf den Arbeitsmarkt.
Damals sagte man, daß jedes kleine zu erwartende Erbland die Heiratsfreudigkeit gesteigert haette.
Die Zeit nannte man "Pauperismus", freilich muß nicht alles in Fremdworten ausgedrueckt werden, -
also: Verarmung.
Ab 1840 unterstuetzte die Regierung die Auswanderer, so der junge Herzog Adolf,
der hunderttausend Gulden aus seiner Privatkasse zusteuerte um den Texasverein zu gruenden.
"Zur Unterstuetzung der arbeitenden Klasse, zur Verminderung des Pauperismus"

Mit Kuh und Leiterwagen zogen Familien nach Koblenz, dort ging es den Rhein abwaerts
nach Rotterdam zur 4 woechigen, gefaehrlichen Seereise.
Es wird berichtet, dass im Jahr 1863 von den 13762 Auswanderern 1141 auf der Ueberfahrt gestorben sind.
Die konservativen Westerwaelder duerften aehnlich Probleme in der neuen Welt gehabt haben,
wie heute die Leute aus Anatolien, die zu uns kommen.
(Ebenfalls in riesigen Scharen)
1845/46 starben dort in der Fremde tausend Einwanderer an der Hitze und Duerre.
1838-1923 war der Raphaelsverein neben dem Texasverein die Anlaufstelle,
die den Einwanderern half, sie in den Hafenstaedten betreute und Starthilfe anbot.
In der alten Welt behalf man sich -so gut es ging- durch verstaerkte Nachbarschaftshilfe,
die noch in den 1950iger Jahren ueberall anzutreffen war-
bis die Leute durch bessere Einkommen immer stolzer wurden..
Bis dahin brauchte man die Schwester- und Bruderschaften fuer die Kinder- Jugend- Alten- und Krankenpflege.
Der verbesserte Straßenbau brachte vielen Bewohnern einen neuen Arbeitsplatz
und bessere Anbindungen, Fluesse wurden schiffbar gemacht, Eisenbahnen gebaut..
Aus dieser Zeit waren die Bilder der "Geistlichen" mit besonders huldvollen Gesichtern zu sehen,
wohl gekleidet, gut genaehrt, wie die Landraete und aehnliche oeffentlich berufenen Leute, die nie vergessen,
den bestimmten Siegelring blitzen zu lassen, der praktisch Garant fuer jeglichen "Aufstieg" war
und noch immer ist.





Geschichtliches

5.)
Von einer Jungfer genaeht mußte der Maltersack sein, in dem die Saat ueber den Holstersattel
des Pferdes gelegt wurde- von dem der Bauer diesen Maltersack,
der ueber die Schulter gehaengt wurde, aufgefuellt wurde..
Das Brotmehl bestand 1781 noch aus 2/3 Gerste und 1/3 Hafer, auch als "Froenerbrot"
oder Lohn an Knechte gegeben.

Der Schultheiß lies die Knechte, Tageloehner und Maegde auf dem Marktplatz in Reih
und Glied Aufstellung nehmen, spoettisch im Volksmund "Sklavenmarkt" genannt..

Nach dem 30j. Krieg erschienen erstmalig die neuen Unternehmer auf der Bildflaeche,
die Lohnabhaengige fuer sich arbeiten liesen.

Zahlreiche kl. Unternehmen verkauften Kalk aus ihren Gruben, der vielfaeltig Verwendung fand:
Herstellung von Saeuren, Chlorkalk, Soda, Farben, Duenger, als Flußmittel
bei der Verhuettung, zur Zellulose,- Zement,- Zuckerproduktion, Glashuetten waren Abnehmer, wie Tonwarenfabrikanten.
Ziegeleien und Mineralwasserbetriebe hatten Hochkonjunktur.
So entstanden neue Arbeitsplaetze, ob in Teilzeit oder Vollerwerb.
Die Betriebe regelten die medizinische Versorgung bis zur Bismarkschen Reform meist in Eigenregie.
Akkordarbeit und Heimarbeit entstanden nun ganz verstaerkt,- die Loehne waren im Kreisgebiet
geringer als in den Ballungszentren.
Die feudalistisch-konservative Politik sah freilich die darauf aufkommende Gewerkschafts-
und Arbeiterbewegung nicht gerne.
Nach "Gutsherrenart" wurden mal eben 50% der Loehne gekuerzt- dann kamen Streiks auf..

Damals wie heute kamen auf den Fernverkehrswegen nicht nur Pilger, Kaufleute und Viehhaendler ins Land,
sondern auch Kriegsgesindel und "Feldherren", Krankheiten und Seuchen.
Die Wege verliefen auf den Hoehen und verliesen diese nur, wenn im Tal ein Ort oder eine Furt lag.
Die Hoehen waren einfach trockener, die Taeler zu feucht und morastig.
Noch heute kuenden Namen wie "Einhaus" oder "Zollhaus" von den Haeusern an den Schnittpunkten der Fernwege.
Auf unseren Wanderungen treffen wir auf Bezeichnungen wie "Rennweg" oder "Trompeterweg",
"Chaissentrasse" und aehnliches.
Zu Beginn des 19.Jhds begann die Anlage flaechendeckender Kartographierung in 1:20.000
die wir heute noch zum Wandern bevorzugt verwenden.
Das Fehlen großer Maßstaebe in der alten Zeit ruehrt schlicht daher,
daß das Land in kleine Fuerstentuemer zersplittert war, eine uebergeordnete Notwendigkeit
kaum gesehen wurde- das kam erst spaeter, durch das Militaer Preussens nach dem Sieg
ueber Oesterreich und seine Verbuendeten. "Preußische Messtischblaetter",
"Katasteraemter" wurden gegruendet, bzw. neu geordnet.
Von der ersten handgefertigten Regionalkarte ueber die mit Hoehenangaben versehenen Karten
bis zu den heutigen Werken in verschiedenen Maßstaeben vergingen viele Jahre-
zuvor wurde erst einmal -1875- verbindlich das Metermaß eingefuehrt.
Die "Generalstabskarte Deutschland 1:100.000" war - wie der Name schon sagt,
eigentlich fuer militaerische Zwecke gedacht.

Noch 1911 waren die Arbeiter -Beispiel Brunnenbetriebe- noch gaenzlich unorganisiert,
was sich aenderte, als ein Belegschaftssprecher nach 32 Jahren die Kuendigung erhielt.
Er wollte fuer geleistete Ueberstunden ein wenig mehr Lohn haben..
Die "Brunnenmaedchen" bekamen damals 10-17 Pfennig die Stunde fuer ihre schwere ungesunde Arbeit,
Maenner ca das Doppelte.
Die Firmenleitung entlies vier "Raedelsfuehrer" - damals kam die Stunde der Gewerkschaften
und der Sozialdemokratie:
"Der ist leicht zu schlagen, der sich einmal schlagen ließ".
(Heute wird schon in den Wirtschaftschulen das Verhalten der Eigner als heilig gelehrt,
die Arbeiterverbaende eher verteufelt, die Boerse hochgejubelt,
den Anlegern hofiert, die Arbeitnehmer mit "Zeitvertraegen" begegnet.)
Der Kapitalismus in seiner schlimmsten Raubtierform feiert froehliche Urstaend durch die Globalisierung.
Ende des 19.Jhds gab es das drei Klassen Wahlrecht, dh. zuerst die, die am meisten Steuern zahlten,
dann jene, die weniger "leisteten" - zum Schluss die am wenigsten Zahlungskraeftigen.
(Jede Gruppe bekam einen Vertreter oder Abgeordneten- so bekam die erste und zahlenmaeßig
kleinste Gruppe genau einen Abgeordneten, wie der 3. Gruppe, die tausende Menschen vertrat..)

Gehen wir nochmal zurueck: Die latent insolvente Ritterschaft wurde mancher wohlhabenden
Stadt zum Fluch, gegen die sich die Buergerwehr bereit halten musste..
Im Jahr 1336 heißt die Chronik:
"Item in diser zit stunt limpurg di stat unde die burger in gar großen eren unde
selicheit von luden unde von richtome, want alle gaßen unde alen waren
vol lude unde gudes, unde worden sie geachtet, wanne sie zu felde zogen,
me dan an zwei dusent burger wol bereiter lude mit p0anzer unde mit harnasche und was darzu gehort,
unde zu ostern die Godes licham entphingen, die worden geachtet me an echte dusent menschen.
Na saltu wißen, weme also vil lude sind befolen zu regiren geistlichen oder werntlichen,
der darf wol guder sinne unde redelicheit, als da sprichet aristotele3s in dem ersten buche Politicorum:
Habentes rationem et interllectum utentes, naturaliter aliorum domini fiunt et rectores..
Daz saltu also vurstan: Welcher man suchet redelicheit unde ez gebruchen kan,
der ist andere lude zu regiren sunder man. Item der stift des guden herren
sente Georgen daselbes stunt in großen eren unde herlicheit,
also daz he ein recht inkomen hatte von rechter rente unde gulde bi hondert unde zwenzich gulden geldes.
Dan der vurgenante stift auch regirt wart von canonichen, die waren hieiger lude unde ritterskinde"
(Irgendwie klingt das hollaendisch- oder?)
Die Limburger Buerger waren wohlhabend und versuchten das mit der Kleidung und Teilhabe
an Ritterspielen zu zeigen.

Ein junger Kleriker schrieb im Jahr 1840: "Du weißt gewiß, lieber Leser,
was fuer ein schauderhaftes Gebreste im Mittelalter die Misselsucht war, und wie die armen Leute,
die solchem unheilbringenden Siechtum verfallen, aus jeder buergerlichen Gesellschaft
ausgestoßen waren und sich keinem menschlichen Wesen nahen durften.
Lebendig Tote wandelten sie einher, vermummt vom Haupt bis zu den Fueßen,
die Kapuze ueber das Gesicht gezogen und in der Hand eine Klapper tragend, die sogenannte Lazarusklapper,
womit sie ihre Naehe ankuendigten, damit ihnen jeder zeitig aus dem Wege gehen konnte."
Der arme Klerikus, ein Barfueßer, vom Aussatz befallen, von dessen Schicksal die Chronik schreibt,
war der Moench von Limburg, dessen anmutige Lieder alle pfiffen und sangen -
verbrannte sich auf seiner einsamen Flußinsel mitsamt seiner Behausung, in die er verbannt wurde.

Die wohlhabenden Staedter waren immer in Versuchung den Kontakt zu der Landbevoelkerung zu verlieren,
ohne die sie nie haetten ueberleben koennen.

1832 im Gasthaus zum Roten Ochsen notierte Karl Immermann:
"In das Staedtchen Dietz fuhren wir bei Lampenschein, Musik, Saus und Gebraus ein.
Es feierte seine Kirmeß. Desto stiller war es in Limburg, wo wir uebernachten wollten.
Es schlief Alles bereits im Roten Ochsen, obgleich die Glocke noch nicht Zehn geschlagen hatte. Patriarchalische Sitten!
Nur eine einsame Magd war noch wach und toserte umher. Sie brachte die Feuerstellen aus,
hielt uns die schwarzbesudelten Faeuste vor das Antlitz und rief, man muesse sich schaemen,
in solchem Zustande vor den Leuten zu erscheinen.
Nachher schnitt sie uns in derselben Verfassung Kalbsbraten vor, und dieser schmeckte dennoch gut."

Das alte Wort "Lint" kommt von Drachen - St. Georg ist der Drachentoeter, nach dem der Dom benannt ist.
Linter heißt auch ein Ort bei Limburg.

Die beiden Weltkriege kamen durch Buendnisse, durch die Leute mit den Siegelringen am Finger,
Demagogen aller Art, auf jeden Fall durch Leute, die im Leben noch nichts Greifbares haben Arbeiten muessen,-
danach kam der Tod, Leid, Hunger, Vertreibung und Elend.
Niemand hat bis heute etwas daraus lernen koennen, - wie mir scheint.
Noch heute sieht man die Wichtigkeit -und diesen Siegelring auf den Fotografien vom Landrat an-
dieser Personen, plakativ genug um ein ungutes Gefuehl zu bekommen..
Tut mir leid, aber das ist meine Erkenntnis aus zigtausenden von Geschichtsseiten !
(mir wird schon beim Anblick dieser machtgeilen Gestalten auf alten Ablichtung oder Malereien ganz schlecht:
Da meine ich Kirchen- und weltliche Fuersten, aber auch Despoten und andere Machthaber
und deren Vasallen und Schranzen gleichermaßen in einen Topf werfen zu koennen,-
man sieht den Hochmut und Hinterhalt aus dem ganzen Wesen lachen.
NUR wer total skrupellos ist, kommt nach oben und kann von dort nach Herzenslust
auf den Menschen herumtrampeln, die sich nicht wehren koennen - sie
haetten gleich die ganze Macht des Staates gegen sich, die eigentlich FUER alle Buerger da sein sollte,
statt als Instrument gegen jenen eingesetzt zu werden.





Geschichtliches

6.)
"Alle Zehnten im Lande, beides vom Sames des Landes und von den Fruechten der Baeume,
sind des Herrn und sollen dem Herrn heilig sein." (3.Mose 27,30)
An diesem Satz kann man schon die Unstimmigkeit zwischen "Ich bedarf eurer Speise nicht"
und der Scharlatanie von Religion erkennen- aber dennoch glaubten die Abhaengigen armen im Geiste,
die Kirchen wuerden die Steuern "zu recht" einziehen ;)

Der Landrat wies einen Steuerassessor an, die Steuererklaerung Bismarcks
"so unrichtig sie auch sein mag, auf keinen Fall zu beanstanden"
Denn "das wuerde ihn entsetzlich aufregen. Sie wissen, wie er ueber Steuerzahlen denkt.
Warum soll man auf einen Mann wie ihn nicht diese Ruecksicht nehmen.
Oben ist man damit uebrigens auch einverstanden!"
(Ich bin fest ueberzeugt, daß diese Behandlung fuer "oben" noch heute in gleicher Weise getan wird-
besonders, wenn man an die "Nebeneinkuenfte" denkt, die
einfach mal so bis tausend Euro nicht mal angegeben werden muessen ;)

Die ganze Kultur mitsamt den dafuer notwendigen hohen Steuern und Frondienste
fuer großartige Kirchen, Doeme, Kloester, Kathedralen, Schloesser und Regierungssitze
und was auch immer - wurde von den Bauern keinesfalls freiwillig abgegeben,
sie wurden eher abgenommen, erpresst und mit Zwang eingezogen.
(Viel tat der Staat nicht fuer die Leute, das kam alles viel spaeter.

Selbst der roem. Kaiser Vespasian war sich nicht zu schade, eine "Toilettensteuer" einzufuehren -
pecuniam non olet!

1495 gab es schon ein "Notopfer Berlin"- vermutlich waere es besser gewesen,
diese Stadt sich selbst zu ueberlassen, dann waeren nicht so viele Kriege und Streitigkeiten davon ausgegangen.
(Mir war Bonn sehr viel lieber, Berlin kann nicht rechnen, hat latent Geltungssucht)

"Es begab sic aber zu der Zeit, daß ein Gebot von Kaiser Augustus ausging,
daß alle Welt geschaetzt wuerde. Und diese Schaetzung war die allererste,
und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.
Und jedermann ging, daß er sich schaetzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt."
(Hier ist das Vermoegen und die Familie gemeint, ebensolche Daten,
wie sie auch heute noch erhoben werden - in der Bibel wird gerne vom "Zins" gesprochen-
gemeint ist wohl eher die Steuerlast, die ohne Gegenleistung entrichtet werden mußte.
Auch wenn dabei Ueberschuesse erzielt wurden, die nicht zur Kostendeckung von Staatsausgaben gebraucht wurden.
Aus dem Altaropfer wurde ein allgemeines Opfer an die Herrschaft,
das bald nur noch in Geldform gereicht wurde.
Ob Staatsapparat oder Tempelbezirk war somit nebensaechlich.
Indirekte Steuern, also solche auf Verbrauchsgueter incl. aller Produktionsschritte und Halbfertigprodukte,
freilich auch Zoelle- waren besonders beliebt, weil anonymer und ergiebiger als direkte Kopfsteuern.
Man behauptet, daß wenig entwickelte Staaten an der indirekten Steuer zu erkennen seien-
warum aber ist das bei der EU so extrem ausgepraegt?)
Jesus soll gemeint haben: "gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist!"
Auch die Roemer haben ihre Muenzen mit Symbolen und Gottheiten gepraegt-
als Kaiser Augustus sein Konterfeil praegen lies, - so die Chronik,
setzte er den Hass auf ihn, der letztlich zur Ermordung fuehrte..

Steuereid, Bede, aide, stiura als Trick zur Willfaehigkeit der Zahlungspflichtigen ist nicht viel anders,
als bei Schutzgelderpressungen durch die Mafia in Italien oder sonstwo.
Erst in sehr viel spaeteren Jahren wurde fuer dieses Geld auch der Allgemeinheit mehr Komfort zuteil.
Den Steueranteil am Einkommen kann man schlecht hochrechnen,
weil sich die ganzen Lebensumstaende gewandelt haben, der heutige statistische Warenkorb
waere doch ein wenig anders.
"Und Jesus setzte sich gegen den Gotteskasten und schaute, wie das Volk Geld einlegte
in den Gotteskasten; und viele Reiche legten viel ein.
Und es kam eine arme Witwe unde legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller.
Und er rief seine Juenger zu sich und sprach zu ihnen:
Wahrlich, ich sage Euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt denn alle die eingelegt haben.
Denn alle haben von ihrem Ueberfluß eingelegt;
diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie hatte, ihre ganze Nahrung eingelegt."
Diesen Satz kann man auf verschiedenste Arten deuten!

Wie auch immer- aus Athen wurde berichtet, daß die Priester so viele Opfergaben bekamen,
so diese anschließend auf dem Markt zum Verkauf gebracht werden konnten.
Das mehrte seit ewigen Zeiten deren Geld, zusaetzlich zu den Pachtertraegen.
..ach ja, schon im Jahr 461 soll in Athen eine "radikale Demokratie" geherrscht haben ;)

Ein flotter Spruch: "Die Steuer verbindet wie ein Gelenk den Staat mit den Untertanen".
Man unterschied zwischen Steuerrecht und Steuerwirklichkeit, las daran auch die sozialen Unterschiede ab.
Chlodwig der Frankenkoenig aus der Dynastie der Merowinger beherrschte im Jahr 500
ein Großreich mit vielen Voelkern und Volksgruppen - eine fruehe EU?
Er lies alles weitestgehend so bestehen, wie er es vorgefunden hatte-
das taten schon die Roemer in aehnlich kluger Weise, wenn auch ohne die akribische Kontrolle der Roemer,
was letztlich wohl zum Zerfall des Reiches gereichte, zudem empfanden die freien Franken
(frank und frei) die Kopfsteuer als ehrenruehrig:
Kein Kopfsteuerpflichtiger durfte ohne Genehmigung von oben in den geistlichen Stand
oder -vermutlich- auch in den Ehestand treten, wegziehen etc.
Hingegen waren grundsteuerpflichtige Franken eher frei zu nennen.
Leider sind keine Unterlagen ueber die Steuerhoehen vorhanden,- man nimmt an,
daß ein Goldsolidus -oder der Wert einer Kuh- im Jahr zu zahlen war.
Die Chronik behauptet, daß manche Vaeter ihre Kinder lieber sterben liesen,
als fuer jedes die "Kopfpauschale" in obiger Hoehe zahlen zu muessen.
Wie auch immer, die Buchfuehrung der Franken wird als schlampig bezeichnet.

Der Zensus Regalis bemaß die Hufe, das sind 30-60 Morgen Land, wohlhabend galt der, welcher 4 Hufen hatte, als reich wurden 50 Hufen Land angesehen.
Es soll Einzelfaelle mit 1000 Hufen Land gegeben haben.

Die alten Germanen hatte ueberhaupt keine schriftliche Buchfuehrung-
irgendwie muß das aber auch geklappt haben, sonst wuerden wir heute nicht hier am PC hocken..

Ob im spaetantiken roemischen oder fraenkischen Reich - ueberall mußten die Untertanen
Frondienste beim Bau von Straßen, Burgen, Schloessern, Bruecken und sonstigen oeffentlichen Dingen leisten;
zusaetzlich zur Steuerlast und zusaetzlich zur Arbeit auf dem Hof oder Gewerk.

In England, Spanien und anderen europ. Laendern mit "konstituioneller Monarchie" wird
noch heute vom uralten "Recht" der Koenigsdynastie Gebrauch gemacht, daß alles,
was damit zusammenhaengt, vom Volk bezahlt werden muß- eine Art Alimentationspflicht,
welche - da wette ich- die ersten Schamanen bereits eingefuehrt hatten um selbst "den Ruecken frei zu haben",
nicht arbeiten zu muessen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Nach und nach gewoehnten sich die Koenige daran, "Geschenke" zu bekommen,
desgleichen alle ihre Familienangehoeren und Verwandten- zu Taufen, Hochzeiten,
Jubilaeen etc. Es gibt heute noch genug Einfaeltige, die jubelnd der Aristokratie huldigen,
ja sogar wieder herbeisehenen !

Ein ganz boeses Kapitel sind die "Kreuzfahrten" ins "heilige Land", das es zu "befreien" galt-
dabei gab es immer ganz gehoerig auf die Nase, die Muslims oder Mohamedaner haben immer gesiegt,
wie die Chronik berichtet.
Teuer waren diese seltsamen Kriegstouren allemal, es gab sogar Geldverleiher,
die in der Hoffnung, daß der Kreditnehmer nicht mehr aus diesem
Glaubenszug zurueckkehrte um sein Pfand einzuloesen, immer mitschwang..
Die Familien der nicht mehr heimgekehrten Kreuzritter konnten ausziehen, kam er wieder zurueck,
ging er bald am Bettelstab durch die Zinsen, die zu begleichen waren.
In den Kirchen wurden fleissig Opferstoecke aufgestellt..
"Quod non capit Christus, capit Fiscus!"

Am Beispiel Brot sieht man recht gut, wie indirekte Steuern funktionieren: Steuer
fuer Getreidehaendler, fuer Muehlenbetreiber, Transporteure und Baecker-
6 x wurde auf ein und dasselbe Naturprodukt Steuern bezahlt.
Am Beispiel Benzin ist das heute sehr aehnlich: Einfuhrsteuer, Mineraloelsteuer,
Oekosteuern und obendrauf nochmal die "Mehrwertsteuer"..
(Die Verarbeitungs- und Transport,- und Verkaufsprovision nicht mal angedacht.)
Selbst die "unanstaendigen" Berufe, wie Huren, Henker, Abdecker und Latrinenreiniger etc.
wurden gleichermaßen gern zur Steuer herangezogen, da kannt man ploetzlich keinen Standesduenkel:
Pecuniam non olet.
Selbst Untaetigkeit wurde besteuert- wenn z.B. um des politischen Einflusses halber sich Leute
in Zuenfte eintragen liesen.. so wurde einfach ein "fiktiver Gewinn" angenommen.
Im Jahr 1321 sollen 73 Steuergruppen existent gewesen sein.
Nun kommt der Hammer: Der Staat vergab das Recht zum Steuereinzug gegen Pachtgebuehr
und formaler Leumundspruefung an Privatleute!
Diese machten zuweilen noch Gewinne aus der Differenz zwischen Steuerschaetzung
und realem Steueraufkommen nach Abzug aller absatzfaehigen Umstaende, die es wohl schon frueher gab..
Alle Steuern wurden so erhoben, außer der direkten, der Kopfsteuer.
Zusaetzlichen Einnahmequellen waren: Verfuegungs- Schreib- Stempel- Kontrakt- Gerichtsgebuehren,
Gelder fuer Abschwoeren von Fehden, fuer Waffenscheine, fuer das Antreten eines oeffentlichen Amtes,
sogar fuer eine Amtsverweigerung, fuer Mitgift, Erbschaft, Miete -ausser Luft, so scherzte man,
war nur noch das Wasser umsonst.
(Was man heute nicht mehr sagen kann, wo sogar das auf ein Grundstueck fallendes Regenwasser
eigens besteuert wird, wie das Abwasser)
Staatskredite auf Leibrente waren haeufig, der Staat hoffte auf die hohe Sterblichkeit
in dieser Zeit, dass nicht alles ausgezahlt werden mußte.
(Geldanlegen war schon frueher wichtig, damit die Steuer und die Geldentwertung nicht alles auffrisst..)

Besonders arg hat es die Juden gebeutelt, diese Volksgruppe hat unter jedem Herrscher gelitten,
wer immer gekommen sein mag!
Christen und Kaiser hatten immer ihre Begehrlichkeit daran, jegliche Rechte abzuschneiden
und sich selbst -unter den fadenscheinigsten Vorwaenden zu nehmen.
Karl der Große scheint oberflaechlich den Juden helfen zu wollen,
war aber an derem Handel mehr interessiert, was seltene Dinge aus anderen Laendern-
aber auch Sklaven ins Land brachte. Gegen "Schutzbriefe" sollten
sie frei von jeglicher Angst leben koennen. Die Wirklichkeit war, dass sie an jeder Zollstation sich selbst als "Ware"
verzollen durften, da sie bekanntlich keine gleichwertigen Buerger waren..

Waehrend den Kreuzzuegen erging es ihnen nochmal schlechter, waren sie doch die "Feinde Christi"
und "Gottesmoerder", wie oeffentlich gedacht wurde.
Deshalb blieben Juden unter sich, betrieben Handel und Gewerken, durften zuweilen Waffen tragen.
(Was sich aber unter jedem Herrscher aenderte)
Mit Hetzpredigten zogen die "heiligen Maenner" durch die bluehende rheinische Provinz,
das gab geschwind "Judensteuern" - irgendwie musste man diesen schraegen Feldzug ja finanzieren.
Trotzdem kam es 1130 in London (nicht in Deutschland) zu antijuedischen Ausschweifungen-
angefangen dadurch, dass sich ein Patient von einem juedischen Arzt nicht gut behandelt
gefuehlt hatte: "Die Juden haben mich umgebracht."
Eine Sondersteuer fuer die Juden wurde eingerichtet: 2000 Mark in der Hoehe.
Kreuzzugbestimmungen gegen Ketzer und Unglaeubige kamen auf.
Die "Besitzer der Juden" kamen so um ihren Gewinn.
Juden gerieten immer zwischen die Muehlsteine Kirche, Kaiser und Volk.
Aaron von Lincoln (London) war der bedeutenste und reichste Finanzmagnat des Mittelalters,
so der Chronist,- seine Schuldner waren Grafen, Erzbischoefe, Kloester und Staedte.
Der Koenig lies nach seinem Tod alles einziehen- und nach Frankreich verschiffen- das Schiff ging jedoch unter!
Man nahm den Juden ab, was sie erwirtschafteten,- so und mit Sklavenhandel und Raub und Landnahmen kam "die Krone" zu ihrem Geld.
Wenn man bedenkt, daß die "Judensteuer" 60.000 Pfund und die gesamte andere Steuer
70.000 Pfund ausmachte, kann man sich gut vorstellen, wie die Verhaeltnisse waren, die zur Verelendung fuehrte.
Koenig Johnann lies 1210 alle Juden ganz Englands einsperren, damit der effektiver berauben konnte..
(Vermutlich verschweigt die Chronik, dass es sich dabei eher um deren reiche Oberschicht gehandelt hat)
Ein Fall berichtet: Man wollte 10.000 Pfund freipressen und hat jeden Tag dem Opfer
einen Backenzahn herausgerissen- erst ab dem 7. Zahn soll er aufgegeben haben.
Der Oberpriester Elias der Juden schlug vor, allen Besitz und Haeuser zurueckzulassen und auszuwandern..
(Das im guten England!)
Noch ehe die Antwort des Koenigs kam, flatterte ein weitere hohe Geldforderung ins Haus..
In ihrer Not "verschlechterten" die Juden Muenzen,- was weitere Vorwuerfe brachte
und die Ausweisung aller Juden aus England, bei Androhung der Todesstrafe !

Der "dritte Pfennig" an Abgaben war eine zynische Bezeichnung fuer den Verlust
des dritten Teils ihres Vermoegens.
Der große Kurfuerst hatte fremde Kolonisten und Handwerker, aus Holland und Frankreich angesiedelt-
auch auf Juden wollte er nicht verzichten.
Einige davon "fuhren vierspaennig", wie ueberliefert ist.
Wohl war er nicht ueberzeugt von diesen Leuten, weit von echter Toleranz entfernt.
Es ging ihm nur um den Nutzen- nicht um Modernitaet oder Offenheit,
sonst haette das "Generaljudenreglement von 1750 nicht sein koennen.

Juedische Zuwanderer mussten 10.000 Reichtaler Vermoegen nachweisen koennen, um sich im Reichgebiet anzusiedeln.
(Aehnlich halten des Kanada und die USA heute noch, -
allerdings verlangen sie das von jedem- unabhaengig von der Herkunft oder Glauben.)
Die "Schutzjuden" erhielten dann das Niederlassungsrecht, durften aber "kein Kind ansetzen".
Es sei denn, das Kind haette 1000 Taler und allen Hausrat an Besitz..
"Ausserdem kann das angesetzte Kind, so lange der Vater lebet, kein Kind wiederum ansetzen"
Nach dem 7jaehrigen Krieg waren die Kassen leer- also kamen wieder neue Zugestaendnisse:
Das zweite Kind durfte "angesetzt" werden- dafuer hatte die Judenschaft 70.000 Taler pauschal zu entrichten.
Fuer die Besoldung der Truppen sollten sie einige Extraleistungen in obiger Art bezahlen.
Kalendergeld, Mons-Pietatis-Gelder, Silberakzise, Hausvater-Taler, Probstei-Gelder,
Indemnisationsgelder und der Potsdamer Waisenhaustaler..
Phantasie war immer vorhanden, wenn es darum ging, die Kassen zu fuellen.
Stempelgelder und Ehen kosteten fuer Juden auch mehr, ihr Heiratsalter wurde mal eben
so auf 25 Jahre festgesetzt- Ausnahmen kosteten 40 Taler,
war die Braut oder der Braeutigam Auslaender wurden nochmal 40 Taler faellig.
War es eine 2. Heirat, nochmal 20 Taler, eine Eheaufloesung 40-80 Taler,
fuer die Einschreibung in Hochschulen waren doppelt so hohe Gebuehren faellig, wie fuer Christen.
Wertvolles Porzellan musste -wahllos- ein Drittel feine, ein Drittel mittlere-
und ein Drittel grobe Ware hattten die Juden ins Ausland zu verkaufen, damit Devisen ins Land kamen. Fuer eine spaetere Abloesesumme von dieser Pflicht zahlten sie gemeinsam 40.000 Taler.
Freilich durften sie auch die doppelte Umsatzsteuer entrichten, einen Leibzoll zahlen s.o.
(Trotzdem waren oft genug Kraenkungen zu ertragen, die Seitens der Zollbeamten -
die eigentlich vorurteilsfreier als der Koenig waren- gemacht worden sein sollen)

Mit dem Jahr 1871 waren die letzten Rechts- und Steuerungerechtigkeiten verschwunden-
zumindest wird es so berichtet.
Aehnlich dem Katechismus Luthers kam ein Antisemiten-Katechismus 1893 heraus.
Einzelheiten erspare ich uns, lieber Leser.
Irgendwie fußt die spaetere Vernichtungsideologie wohl auch darauf.
Drei Tage nach dem Progrom erschien eine Verordnung ueber die Suehneleistungen
dieser Volksgruppe im Rahmen eines Vierjahresplanes 1936:
Die Juden deutscher Staatsangehoerigkeit in ihrer Gesamtheit wurden zur Zahlung
von 1.000.000.000 Mark verdonnert.
Danach verschlechterten sich die weiteren Bedingungen, diese Summe wurde nochmal ein Viertel angehoben.
Ein Tal der Traenen, die ganze Geschichte dieser Leute, welche sich als ein eigenes Volk sehen.

Genug davon.





Geschichtliches

7.)
Ganz anders war die Situation im 15. und 16. Jahrhundert, wo man dreissig Tage brauchte,
um mit der Kutsche das Reich zu durchqueren.
Steuern zu zahlen galt dem Adel als ein unangemessenes Zeichen der Unterwerfung..
Blieb der Staat die ausgeliehenen Gelder schuldig, zahlte sie nicht zurueck,
war das faktisch als ein Steuerzuschlag gewertet.
Ob Mongolen, Tuerken, Hussiten auftauchten- mussten sie militaerisch vom Reich abgehalten werden -
das kostete viel Geld, das man ueber Kredite und Staatsanleihen bekam.
(Den Englaendern und Franzosen ging es in ihrer hundertjaehrigen Feindschaft,
die aus dem Erbe erwuchs, auch nicht besser, was die Finanzen anbelangte)
Im Wormser Reichstag 1521 wurde durch die Matrikel festgelegt, wer was zu zahlen hatte-
die alten Regalien abloesend.
Die Matrikularbeitraege wurden auf ein fiktives Heer von 4000 Reitern und 20.000 Fußsoldaten bezogen,
das rechnerisch auf die Reichsglieder aufgeteilt, zu bezahlen war.
(Durchschnittlich 64.000 Gulden)
Eine Verstaatlichung des Reiches begann.
Die Loyalitaet der Protestanten war wohl nicht anders als die der vorherrschenden Katholiken,
so die Chronik, obwohl die steuerliche Belastung vor dem Bauernkrieg extrem war,
sind doch die Ursachen dazu andere gewesen- wie schon geschrieben.
Mit dem Evangelium focht man die Leibeigenschaft an:
"Es ist unser hart Beschwerung der Dienst halben, woelche von Tag zu Tag gemert werden
und teglich zunemen, gbegeren wir das man ain zimlich Einsehen darin tue,
uns dermaßen nit so hart beschwerden, sonder uns gnedig hierinnen ansechen.. nach Laut des Wort Gots."

Der Adel und der Klerus- wie schon so oft gelesen- war frei von den Abgaben fuer die Massen.
Wer kennt schon "Reissteuern"?
Nein, das hat nichts mit dem Korn zu tun, sondern bezeichnet die Reise;
ein reisender Krieger ersetzt nun den Rittersmann..
Die Reissteuern zahlte der, welcher diesen Dienst nicht tun wollte- sozusagen als Ersatzleistung.

Diese Reissteuern wurden auf die Untertanen abgewaelzt, was zu Unruhen fuehrte:
Die Militaerpflicht galt ehedem nicht dem niederen Volk, zumindest nicht deren Finanzierung -
das war Sache des Koenigs oder des Herren, die mal eben geschwind ihre originaeren Lasten
auf alle Leute umlegen wollten.

1525: "Es sei auch die Zeit schon kommen, das Gott der weltlichen Herren Schinden,
Schaben, Stoecken, Bloeken, Zwingen, Tringen und ander Tyrannei nicht mehr leiden woelle.
Sie tuen mit den armen Leuten wie Heroden mit den unschuldigen Kindelein."

Thomas Muentzer, der evang. Theologe: "Sieh zu, die grundtsuppe des wuchers,
der dieberey und rauberey sein unsere Herrn und Fuersten, nemen alle creaturen zum Aigentumb ..
darueber lassen sie dann Gottes Gepot ausgeen unter die Armen und sprechen:
Gott hat gepoten, du solst nit stelen.. die Herren machen das selber, daß ihn der arme Man feindt wirdt.
Die Ursach des Aufruhrs wollen sie nit wegtun, wie kann es die lenge gut werden!"

Einmal eingefuehrte Steuern, wie immer sie auch genannt wurden, waren unglaublich langlebig..

So ein Fußknecht bekam 9-10 Gulden, ein Reiter 15, ein Obrist 450-500 zuzueglich
betraechtlicher Sonderzahlungen woechentlich,
ein Generalleutnant erhielt 1636 gut 3000 Gulden an monatlichem Lohn.
So kostet ein Heer von 3000 Mann jaehrlich 4-450.000 Gulden.
Ein Kavallierregiment mit 1200 Mann 260-300.000 Gulden.
Die schwedischen Kriegskosten (als Verbuendete Preussens) in Deutschland betrugen waehrend des 30j. Krieges
30-45 Millionen Gulden. (ein Jahr)
Man fragt sich, wie bei einer so unterentwickelten Geld- und Steuerpolitik solche Summen aufgebracht werden konnten.

Wallenstein, der Feldherr und ehemaliger Edelknabe erwarb als "Gubernator" 58 Herrschaften
und den Oberbefehlt 1625 ueber die kaiserlichen Truppen- er verstand es, alle Seiten zu seinem Nutzen einzusetzen.
Er gewaehrte der Wiener Hofburg im Jahr 1628 gut 6950.000 Gulden als Darlehn fuer den Unterhalt der Truppen.
Dafuer musste der Kaiser Landbesitz uebereignen.
Seine ueberragende Bedeutung als Oberbefehlshaber half ihm dabei.
Er galt als der erste "Kriegsunternehmer", der Geschaeft, Politik und Kriegsfuehrung
zu (seinem Nutzen) verbinden verstand..
Im Krieg zogen die Unterfuehrer betraechtliche Summen durch Erpressung an sich-
wenn die Gegend ausgereizt war, trieben sie die Truppen weiter.
(Es sollen nur "einzelne" Leute gewesen sein, die sich daran bereicherten,
daß im Krieg "alles erlaubt" war)

Die Sondersteuern, wie Tabaksteuer, Rauchfangsteuer (auf Hausbesitz), ein Fleischpfennig,
der beim Schlachten zu zahlen war, Eisenhuetten, Kalkbrenner, Muehlensteuern und so weiter und so fort-
die meisten dieser Dinge sind noch heute erhalten, wenn auch verdeckter als damals.
Auf Herstellung, Transport, Konsum- alles war doppelt und dreifach besteuert.
Es kam so weit, dass Pfaelzer massenhaft auswanderten, weil die Steuerknebel zu arg waren -
in Hessen liesen die Landgrafen aus lauter Angst, es koennte ihnen ein Pfennig
-der denen nicht gehoert- durch die gierigen Lappen gehen..
der Haushalt war latent 1/3 in Unterdeckung, fuer fuerstlichen Zierrat war aber immer genug Geld in der Kasse,
so auch fuer den Neubau des Darmstaedter Schlosses fuer 300.000 Gulden,
es kam wieder mal die "Fraeuleinsteuer", wo die Bevoelkerung bei Heiraten der hohen Damen zahlen mussten.
Man sann auf Abschaffung der Kontrolle der Feudalherren durch die Staende der Handwerkerschaften,
die damals in den Bewilligungsgremien saßen.
Der gute Friedrich der II ging den Weg der "Ephraimiten", einem legalisierten Falschgeld
seines Hoffaktors, um den Krieg zu finanzieren.
Herrschaftliche Falschmuenzer kamen regelmaeßig vor.
Leider wurden diese Halunken nie gehaengt,- immer nur die kleinen Leute..
Allerdings war auch der gute Joseph Sueß Oppenheimer in den 1730iger Jahren
in Sachen "Muenzverschlechterung" involviert gewesen sein- heute betreiben seine Nachkommen eine fette Bank.
Woher das Geld kam, kann man sich vorstellen:
Sie waren indirekte Finanziers der Feudalen zur "Reform" des Staates, der durch Verschwendung vor die Wand gefahren war.
Selbst dem Preussenkoenig Friedrich dem Großen galten Standes- und Steuerunterschiede als "gottgegeben".
.. so wie die Akzisefreiheit des Kaffees fuer den Adel, um nochmal ein typisches Fundstueck
aus den Analen zu nennen.
Der "fruehmoderne" Staat des 18.Jhds war schwach und mit wenig Beamten und Soldaten
zur Durchsetzung, die Beutemacher des 17.Jhds. waren abgeschafft.
Die teueren Soldaten mussten wieder daheim abgeliefert werden- Sparsamkeit war angesagt.
Im 19.Jhd sprach keiner vom Geld, da hoerte die Gemuetlichkeit auf, sagt der Chronist..
Geld war noch immer nur in Muenzform in Edelmetall, die Finanzexperimente dienten
nur dem schnellen Kasse machen.
Den Adel und den Klerus der Steuergewalt zu unterwerfen, fuehrte ueberall zu Zirkus,
in Frankreich zur Revolution.
Verfolgte Minderheiten waren -neben Juden- auch die Hugenotten, die Mennoniten und Herrnhuttischen,
der innere Zusammehalt half ihnen dabei, mit Geld umzugehen - und sie hatten eher das Vertrauen
des Fuersten als der Adel: Er konnte sie ausnutzen, ohne von ihnen abhaengig zu sein.
Hofberater, Finanzier, umschmeichelt aber gehasst waren sie.
Wenn ihr "Besitzer", der Fuerst starb, kamen fuer die jeweiligen Guenstlinge bedrohliche Zeiten auf..
"Der Jud Sueß bueßte seinen Reichtum mit dem Tod"
Aus dem beschlagnahmten Riesenvermoegen des Gallus Jacob, der unter dem Fuerstbischof
Greiffenklau aufstieg, entging dem Nachfolger nur knapp.
Aus beschlagnahmten Geldern wurde so manche schmucke Residenz gebaut.

Die Akzise war noch Mitte des 18.Jhds. die Haupteinnahmequelle des Staates,
es gab noch keine Lohn- und Einkommenssteuer.
Binnenzoelle, die Akzise waren das Netz, mit dem der Fischer die Fische aus dem Strom der Waren zog..
Die Waren wurden arg belastet, auf Steuern kamen hohe Versicherungspraemien,
weil die Wege unsicher waren. An jedem Stadttor standen die Zoellner.
Fuerstenware wurde durchgewunken- das ergab einen steuerfreien Luxusmarkt- wie heute an Flughaefen?
Den Englaendern und Franzosen verdankte es der deutsche Fuerst,
der nun endlich auch den Adel besteuern durfte.. nur sie selbst bleiben bis 1918 von
jeglicher Besteuerung und persoenlichem Anteil am Staatsprodukt frei.
Unter Ludwig XIV wurde so manches wertvolle Tafelsilber zu Muenzen eingeschmolzen -
diesmal besonders erfolgreich, da der Adel mehr als genug davon hatte.. und mit dem Nebeneffekt,
daß der Koenig von seinen feinen Vettern nicht an Glanz uebertroffen werden konnte!
Silber war ueberhaupt das am meisten besteuerte Gut -gepunzt durch die Zunft,
die es herstellte und dem Abdruck des staatl. Pruefers, ein Heer von Aufpassern
war auch bei der Herstellung von Silbergeraeten und Tafelsilber dabei.
Eine organisierte Auspluenderung der Untertanen wurde durch die Einquartierung von Soldaten
in private Haeuser gemacht, wofuer besonders Frankreich bekannt wurde.
Ein Kleinkrieg zwischen den Gendarmen und den Schmugglern entstand, weil die Salzsteuer eingefuehrt wurde.

1890 empfand Bismarck die private Besteuerung von 5-7 % auf Spitzeneinkommen von
ueber einer Million im Jahr als "unertraeglich"..
Schon damals subventionierte man die Landwirtschaft, damit die niedrigeren Weltmarktpreise
kompensiert werden konnten.
Die Großagrarier haben damals schon große Millionenbetraege abgegriffen,
wie die Chronik sagt, Subventionen liesen jene nicht als Alimentationsempfaenger erscheinen,
die sie eigentlich waren und.. heute noch immer sind, evtl. sogar in noch staerkerem Maße!
Die Zucker- und Branntweinsteuer belastete inzwischen die Konsumenten immer weiter.
(Heute bestellt kein Bauer, pardon, Landwirt mehr das Feld, ohne zuvor am PC nachgesehen zu haben,
was am meisten Gewinn verspricht- egal ob durch den direkten Verkauf oder durch Spekulation
ueber die Saison an den entsprechenden Boersen oder durch Subventionen der EU.. )

Ich lese, dass am "Vorabend des Ersten Weltkrieges" die Reichsausgaben zu 90%
aus Ruestungsausgaben bestanden, zu 7% aus Verwaltungskosten und
nur zu 3% aus Zuschuessen zur Sozialversicherung.
England hatte nur zu 30% Ruestungsausgaben, das Deutsche Reich finanzierte den Krieg ueber Staatsanleihen.
So war -unabhaengig vom Ausgang des Krieges- ein gewaltiges Loch sicher.

Diese -hausgemachte- Misere wollte man durch die Erhoehung der Verbrauchssteuern beheben,
wo die Kohle am staerksten betroffen war.
(Dort anpacken, wo es am meisten weh tut, am Heizen, am Essen und Trinken)
Kaffee, Tee, Limo, Selters, Bier, Wein wurden gerne und hoch besteuert.
(Alles, was die oberen Fuzzis als "unnoetig" fuer die Massen ansahen, sich selbst
aber als selbstverstaendlich steuerfrei goennten)
Gerade jetzt werden "alte verdiente Sozialdemokraten geehrt" -
die wuerden sich bestimmt im Grab herumdrehen, wenn sie die Leute sehen wuerden,
die heute diese Partei repraesentieren!

Nach 1919 wurden in der Finanzreform endlich Freibetraege fuer Familien eingefuehrt.

Der Muehlstein der Praeparationsleistungen nach dem verlorenen Krieg wurden als demuetigend
und niederdrueckend empfunden, der noch viele Jahre zu spueren war.
154 Milliarden ist eine astronomische Summe, die zu bezahlen war, die Praeparationsleistungen
fuer die Wirtschaft der Siegerlaender zusaetzlich kamen dazu!
Teile des Reiches waren noch besetzt und brachten folglich keine Steuereinnahmen mehr..
Was waere, wenn VOR einem Krieg die Verantwortlichen dafuer verschwinden wuerden?
Statt dessen nahm man das probate Mittel der Inflation in Kauf, so wurde aus den 154 Milliarden 15,4 Pfennige des Jahres 1914
- der billigeste aller Kriege, wie man toente.
Das zeigt schon die extreme Verantwortungslosigkeit der Politik ganz eindrucksvoll:
Notenpresse lief, bis der Heizwert des Papierbuendels hoeher war als der Kaufwert.
Den Arbeitnehmern wurden die Steuern gleich abgezogen, die Unternehmen zahlten
-wie heute auch- nur einmal im Jahr, damals war das faktisch nix, weil das Geld nichts mehr wert war..

Die "Goldnen 20iger" waren nur eine kleine Zwischenkonjunktur, mit niedrigen Loehnen.
Die steigenden Kosten fuer die vielen Arbeitslosen hat dieser Konjunktur das Genick gebrochen,
da half kein Finanzplan und kein aus dem Ausland einstroemendes Kapital.
Hohe Verschuldungen, auch bei den Siegermaechten, die selbst fast kollabiert waeren,
depressive Weltstimmung und noch weiter steigende Arbeitslosenzahlen
verursachen den New Yorker Boersenchrash von 1929.
Machttrunkene Politiker haben schon zu allen Zeiten viel Mist gebaut, da halfen auch die hohen
akademischen Grade nichts, die dort zunehmen involviert waren, wenn jeglicher kaufmaennische Verstand zu fehlen
scheint und auch der beruehmte "gesunde Menschenverstand" durch anerzogene Hochmut ersetzt wurde..
..oder durch Stubengelehrtheit.
(Wie heute wieder ganz stark, wo die Buerokratie der EU zu einer beispiellosen Buerokratur mutierte, die Unsummen verschlingt
und versucht alles haarklein zu "regeln", wovon sie meistenteils nicht das Geringste verstehen,- s.o.-
Irrtuemer aus der Krise haben die Bankster heute noch nicht alle zugestanden- die Spargelder
der kleinen Leute sind nun wohl alle verbraten, von den Renten spricht sicherheitshalber niemand:
Durch die laufende Konjunktur kann man das noch vertuschen, in der Hoffnung, die Zahlen wieder zu richten..)

Damals waren die Geldanleger eine bequeme Kreditquelle fuer den Staatshaushalt-
aber sie verloren den Mut Geld dort anzulegen,wo sich ein Crash abzeichnete- die Basis fuer eine radikale Splitterpartei
war gelegt, die Besserung versprach. Am Unglueck "H itler" waren die oben beschriebene Form
der Politiker schuld, sonst niemand.. haetten die Leute Arbeit und Einkommen gehabt, waere das nie passiert.
Ich halte das Versagen der Sozialdemokraten fuer ursaechlich. Wie lange dieses Kriegserbe noch andauert,
das sich aus beiden Weltkriegen ergab, kann noch heute keiner sagen.
So haben wir das Misstrauen der Alliierten in der Form eines legalisierten Spionagezentrums mitten im Land zu dulden,
das alle Daten aus den modernen Medien zu sammeln und auszuwerten scheint.
Ein unglaublicher Eingriff in die Souveraenitaet eines Staates. Das alles nur, weil die Kontrolle des Volkes fehlte,
die Kontrolle der (ueber) Politiker, die noch immer nicht funktioniert:
Im Bundesrat sitzen Leute, die nicht direkt gewaehlt werden, sondern nur die Repraesentanten
der Bundeslaender, die aus Parteignaden aufgestellt wurden.
Eine Parteienwirtschaft statt direkte Demokratie ist nur eine Kruecke,
wo immer wieder die gleichen Leute aufgestellt und hoch kommen, statt ein demografischer
und repraesentativer Querschnitt der Gesellschaft, die schliesslich das Wort "Volk" darstellt.
(Wir erinnern uns, lt. Grundgesetzt geht alle Gewalt vom Volke aus und nicht immer nur von den Studierten, Gewogenen und Guenstlingen.)





Geschichtliches

8.)
Herodot schreibt:
" Im Sythenland verfaehrt man beim Kochen folgendermaßen, Dem gehaeuteten Tier wird das Fleisch
von den Knochen geloest, und in den Kessel geworfen, fall ein solcher zu Stelle ist.
Ist kein Kessel ur Stelle, so wird das ganze Fleisch in den Magen des Tieres gesteckt.
Wasser hinzu gegossen und mit Hilfe der Knochen gekocht. Die Knochen brennen sehr gut,
und der Magen nimmt bequem das von den Knochen geloeste Fleisch auf.
So kocht also das Rind, oder was fuer ein Tier es sonst ist, sich selber."

Ich moechte Euch, geneigte Leser, das folgende Buch zur ganzen Lektuere empfehlen,
das von 1994 -Albert Kraus Verlang Muenchen- ist und ueberall verfuegbar sein duerfte.
(Zumindest gebraucht)
"Gert v. Paczensky Anna Duennebier; Leere Toepfe, volle Toepfe!
(Die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens)
Das Buch liest sich gut und ist trotzdem wissenschaftlich,
so daß die 550 Seiten kurzweilig sein duerften..

Zurueck von der Globalitaet der Essensaufnahme der Menschen in der ganzen Welt zur Regionalitaet meiner Seiten:
Zwischen der Kueche der Reichen und der Armen bestand ein heftiger Unterschied,
das muß eigentlich nicht mehr erwaehnt werden; was hier Eintopf mit wenig Fleisch
und Breie bedeuteten, waren dort ineinander verschachtelte Speisengaenge mit feiner Zubereitung und Wuerzung.
Konkret geschaffen (das Wort "erarbeitet" habe ich bewusst abgeaendert)
wurde das Essen nie von denen, die im Luxus schwelgten, auch das duerfte klar sein.

In Wasser kurz aufgekocht wurden derb zerstoßene Getreidearten,
ein wenig gesalzen, die dann zu Brei wurden. Laengeres Garen haetten den Brei zaeh gemacht,
so war er gleich essbar. Zusammen mit kleinen Gemueseeinlagen, wie Bohnen oder Erbsen
oder Speck war das die gaengigste taegliche Nahrung, die Kraft gab und derbe Arbeiten verrichten zu koennen.
Ein ungeheuer wichtiger Aspekt von Nahrung.
Aus dem Ernten mit der Hacke, wo die Knollen von einigen Pflanzen und auch wilde Getreidearten
geerntet wurden, entstand langsam, aus dem Zufallsprodukt verlorenen Samens ein planmaeßiger Anbau.
Die landwirtschaftlichen Erntegeraete waren somit vor den Geraeten fuer den Anbau vorhanden.
Der Grund zum Anbau von Getreide und Wurzeln und Gemuesen war wohl die Zunahme
der Bevoelkerung, die in der Jaeger- und Sammlerzeit noch duenn war.
Die großen Wildbestaende wurden dezimiert- etwas Eßbares mußte her,
die Muender wollten gestopft werden,wie man so schoen sagt.
Die Vorratswirtschaft war der naechste Schritt zur Existenzsicherung.
In oben geschilderten Buch steht, daß Kraeuter und Gewuerze schon vor 12.000 Jahren
zum Speiseplan gehoert haben, wie man aus versteinerten Exkrementen herausfinden konnte,
zudem soll der Speiseplan deutlich abwechslungsreicher gewesen sein, als man heute vermuten sollte!
(Austern, Hummer, Scampi, Krebse, Schlangen, Eidechsen, Wuermer, Insekten und Lachs
fuer arme Leute, fuer die Reichen gab es Wild, weil sie sich zeitig das Jagdmonopol sicherten)
Ja, in unserer Gegend trugen die Fluesse noch mehr als genug Lachs- was sich aber durch
die Zunahme der Bevoelkerungen, besonders aber durch Kriegsscharen rasch aenderte.
Meine Rezepte zeigen gerne preiswerte Loesungen, mit denen man auch heute noch sehr preiswert
und auch gesund satt werden kann.
Es ist Sonntagmorgen halb Sieben, nach einer sehr warmen Sommernacht, ich gehe fix
-noch im Schlafanzug- in den Garten, ernte etwas Zitronenmelisse, mehr krause Petersilie-
mische gefriergetrockneten Dill, etwas Salz und eine Knoblauchzehe,
hacke mit dem großen Gemuesemesser alles schoen klein und vermische die duftende Kraeutermischung
mit 250gr 40% Quark, was ein sehr beliebter und frischer Brotaufstrich bei uns im Hause ist..

Ein wenig arachische Koch- oder Speisezubereitung stellt den Draht
zur "guten alten Zeit" recht praktisch her.

Die moderne Zeit hilft mir, den Quark frisch zu halten, der gefriergetrocknete Dill
im Glas ist allemal praktischer als das lange sperrige Gewaechs im Garten,
das auch noch bei Wind umfaellt und das man nur ganz kurz nehmen kann..
Das beste beider Welten, alt und neu, das ist Ernaehrung schon immer gewesen,
den Moeglichkeiten der Zeit folgend.
Wer haette sich damals vorstellen koennen, "Regensburger Wuerste" aus der Frischaltefolie
auf den Tisch bringen zu koennen- Wochen nach deren Herstellung, sogar in ziemlich guter Qualitaet?
Im bequemen Schraubdeckel-Glas die Marmelade, Honig, Gelee, die man gut bevorraten kann,
alles ohne weite Wege zum Markt tun zu muessen- Butter, die tiefgekuehlt allezeit vorraetig ist,
genau wie Fleisch und Fisch?
Zu den heimischen Fruechten und Fleischarten kann man solche aus aller Herren Laender kaufen..
Erdnußbutter und Alaska-Seelachs ist so selbstveraendlich geworden,
wie Mais oder Kartoffeln auf dem Feld- oha, die sind ja auch erst einmal importiert oder eingefuehrt worden,
wie die Weintraube, Brokkoli oder der Spargel ;) - Globalisierung hat auch Vorteile!

Schriftliche Rezepte kamen erst ab dem 10. Jhd. auf - sie legten Kunde vom Zivilisationgrad ab, wie man sagt.
Der Roemer Apicus -es gab viele diesen Namens- hat eine Menge hinterlassen,
aber alles ohne Mengenangaben, was ziemlich problematisch fuer die Nachkochenden war.
Man hat in Rom halb im Liegen gegessen- so war die Speisen entsprechend zubereitet-
dh. mehr in Pastenform, weniger "bissfest" als heute.
Es wurde viel mit Fisch- und Fleischfonds gemacht, die immer vorraetig waren.
(Vergleichbar dem Fisch- und Kalbsfonds aus dem Glas, aber auch dem berühmten M aggi der Neuzeit.)
Damals wurden schon Milch und Eigelb verruehrt um Saucen zu binden,
man kochte mit Pinienkernen, wie heute die TV-Koeche, auch halbgares Fleisch- letzteres
kommt aber eher aus dem Morgenland, wo Fleisch vor Fett triefen musste, um als Delikatesse zu gelten.
War also das Fleisch durchgegart, tropfte das Fett heraus und die Herrschaften verdaechtigten die Koeche,
sich dieses -wie die Reste der Essen- mit nach Hause nehmen zu wollen- also lieber halb durch..
oder "rosa", wie die beruehmten Fernsehkoeche, die -gestern wie heute-
als hochmuetig bekannt waren. Schon damals haben gute Koeche richtig große Jahresgehaelter kassiert..

Man konnte damals schon Geschmaecker von stechend hervortretenden Fleischarten neutralisieren,
kannte viele Garverfahren und Zubereitungsarten, mehr als heute allemal, selbst wenn man sich die gehobene Kueche betrachtet.
Im alten China, im Orient und in Rom waren so richtige Hochburgen der kulinarischen Freiheit
entstanden, die weder vor Pfau, Kranich, Papagei, Flamingo, Drossel, Schwan halt machte.
Im 16.Jhd. soll in England der Kardinal Wolsey (so ein guter Christ und grosser,
prunkreicher Schlemmer) den Hofstaat des Koenigs wie ein Haus voll Bettlern erscheinen lassen,
wie die Chronik meint.
Ich will dem Buch nicht so viel vorgreifen -einfach selbst lesen, wenn dieses Thema Euer Interesse erregt.

Damals in unseren Breiten und damals bei den "Gemeinen", die das Thema meiner Seiten sein sollten
(viele Exkurse bitte ich nachzusehen, weil so viele Dinge untrennbar zusammen haengen),
war mehr der Brei und der Eintopf und eine Art Kesselgoulasch "state of art":
Zuerst kam der Brei aus grob gemahlenem Getreide mit unterschiedlichen Gemuesen drin,
wie heute in in Afrika, dann kam etwas -ich betone: Etwas Sauce dazu.
Den Rest an Sauce/Grundstock blieb bis zum naechsten Essen im Kessel,
damit es morgen auch noch was geben konnte, selbst wenn das Jagdglueck oder die Einkommenssituation nicht erlaubte,
Fleisch zu kaufen - es wurde so lange gestreckt, wie irgend denkbar!

Die Nahrungsmittel - um wieder bei den einfachen Leuten unserer Region zu bleiben -
raeucherten, poekelten, doerrten, roesteten, sie haben wohl ganz selten gebratene
Fleischstuecke bekommen. (Es gab Phasen, wo mehr Fleisch vorhanden war,
meistens war da Schmalhans Kuechenmeister)

Gemuese wurden in Blaettern, spaeter in Zeitungspapier eingepackt und in Sand kuehl gelagert.
Ich denke, dass Sirup und Pflaumen/Obstmus die damalige Konfituere/Marmelade/Gelee waren,
weil man noch kein Pektin und keinen Zucker kaufen konnte.
Brot wurde ohne Backhefe, nur mit Sauerteig gemacht- das hat freilich lange Gehzeiten gefordert
und spezielle Behandlung, wie nochmaliges Durchkneten, gehenlassen im Koerbchen.
Das Brot wurde im Backhaus ziemlich dunkel gebacken- ich weiß nicht,
ob sich das heute einer antun moechte. Das Brot musste bis zu 6 Wochen halten,
bis zum naechsten Backen. Vor dem Backhaus und der Backroehre wurde im Kessel gebacken.
Rueben, Moehren, Kohl, Erbsen, Linsen, Hirse und heute nicht mehr gebraeuchliche "Gemuese"
aus Ampfer und Brenn-Nesseln oder div. Wurzeln aus der Wiese und aus dem Wald waren die Abwechslungen.
In Notzeiten gab es aus Kastanien Mehl, das laenger gewaessert
und umstaendlich aufbereitet werden muß, damit die Bitterstoffe raus waren.
Sauermilch, Butter, Quark -hauptsaechlich von Ziegen- Kuhbutter war eher zum Verkauf bestimmt,
jeder Groschen zum Unterhalt der Familie zaehlte- gab es spaeter zu den neu aufkommenden Kartoffeln,
die zoegerlich im Volk ankamen.

Das Essen der Wohlhabenden unterschied sich sehr deutlich von solchen fuer das einfache Volk,
mittendrin waren die Dichter, Denker, Beamten, Soldaten und Hoeflinge angesiedelt.
Nochmal anders ging es den staedtischen Handwerkern, die kein Land oder Grundstueck hatten,
was zur Ernaehrung beitragen konnte.

Im Mittelalter war es eine gute "Tischzucht", wenn Brot gereicht wurde- zu jedem Essen.
Brot und Getreidebreie waren bis ins 19.Jhd. ueberall selbstverstaendliche Ernaehrung.
Breie wurde hauptsaechlich dort gemacht, wo kein eigener Backofen zur Verfuegung stand.
Weizen wurde abgeliefert, verkauft, die Bauern nahmen das billigere
Roggen/Gerstenkorn mit Haferflocken zum Backen,- wie wir heute auch,
wenn der Haushalt gesundheitsbewusst lebt.
Weisses Mehl war fein, edel, vornehm- es gab wohl jede Menge Tricks,
das dunklere Brot hell zu bekommen - ich moechte dem Buch nicht vorgreifen,
sondern nochmal darauf verweisen.
Beim Mahlen entstand Vollkornmehl, das nicht lange haltbar war und ranzig wurde,
bis man entdeckte, dass zuvor der Weizenkeim zu entfernen war- und
danach reinweisses Mehl uebrig blieb, das man jahrelang lagern konnte.
(Der wertvolle Weizenkeim war zur Oelproduktion bestens geeignet,
deshalb sind auch Mahl- und Oelmuehlen zuweilen kombiniert gewesen.)
Leider ist dieses reine weisse Mehl ohne Vitamine und Mineralstoffe..
Die Kleie, bei jedem Mahlvorgang anfaellt, also die Huelle des Getreidekorns-
wird heute teuer als "Biolebensmittel" verkauft, damals musste die Beigabe
oder der Rest des abgelieferten Getreides streng geregelt werden- es galt als fast wertlos.
Unsere eigenen Brotrezepte sind so ausgelegt, dass keine Mangelerscheinungen auftreten
und auch der Darm in Bewegung bleibt- die gesunde Mischung machts!
Brotbacken

Salz war recht selten, mancherorts leicht, meistens aber aufwaendig zu gewinnen durch Entsalzung,
was man schon frueh gemacht hat.. 1000 Jahre vor Christus haben das die Kelten bereits geschafft..
"Salaer" kommt von Salis, dem Salz.
Es wird aus dem 16.Jhd. aus England berichtet, dass der Erzbischof von Canterbury
Essenmengenbegrenzungen eingefuehrt hat!
Erzbischoefe sollen nicht mehr als 6 Fleischgerichte und vier Beilagen vertilgen
(Pro Mahlzeit!) Bischoefe nur 5 Fleischgerichte und 3 Beilagenessen,
niedere Raenge in absteigender Art ebenso begrenzt werden..
(Die armen Leute, dh. diejenigen, die schwere Arbeit taten, waren froh, wenn es Sonntags etwas Fleisch gab )

Fuer Gewuerze ist man schon immer um die Welt gefahren oder gesegelt,
Geschmacksverbesserer standen ueberall hoch im Kurs.
Die Portugiesen (Vasco da Gama) waren fuer grausame Sitten bekannt,
progromartig verhielten sich die Hollaender, die erstere vertrieben, bald wurden sie
von den "friedlichen" Englaendern vertrieben,
die ihr "Commonworld" auf Raub und Unterdrueckung aufbauten.
Die Gewuerze reisten also rund um die Welt, wurden wertvolle Tauschgueter,
die manchmal sogar das Gold uebertrafen.
Die Handelshaeuser versuchten jeweils sich das Monopol fuer bestimmte Gewuerze zu sichern-
jedes Mittel war dabei recht, horten, verbrennen und kuenstlich knapp halten,
unterdruecken der Anbauer, die immer in aermlichen Verhaeltnissen blieben..

Der Erzbischof von Arles hat im 15.Jhd von den Juden der Stadt 20 Pfund Pfeffer
am jew. Palmsonntag gefordert.. desgleichen wurden Pfefferabgaben bei der Genehmigung von Friedhoefen
dieser Glaubensgruppe gefordert- in vielen Orten Frankreichs hat man
auf diese Weise billige Gewuerzmittel fuer heilige Leute entdeckt ;)

Das Essen ist immer im Bezug zu den Lebensumstaenden der Zeit zu begreifen,
zumindest dort, wo es um die einfache Bevoelkerung ging.

Heute, wo man schon davon spricht, dass fast die Haelfte der Bevoelkerung zu dick ist,
wo Bewegungsarmut allerorten attestiert wird, kann sich wohl kaum
noch einer in die "gute alte Zeit" hinein versetzen.

Die Geschichte des Essens ist auch die Geschichte des Kochens und des Wuerzens, das ist untrennbar verbunden.
Es gibt wohl keine Region oder Gegend oder Land, in dem man nicht gut ißt, da bin ich mir ganz sicher!

Auf Reisen wurde in Herbergen oder Gaesthaeusern gegessen, die in Tagesreise-Abstaenden niedergelassen waren.
Vermutlich gab es nur einfache Speisen, sicher nur ein Tagesgericht und div. kalte Speisen und Suppe.
Welche Art Reisenden eben die Straße entlang ritten, gingen oder fuhren,
so wird das Angebot gewesen sein, das auch den Pferdewechsel und noetige Reparaturen der Wagen uebernahmen.
Die Bezeichnung "Straße" oder "Chaussee" ist eher irrefuehrend- es sind bessere Feldwege gewesen,
aber schon ganz modern mit Schlagloechern drin..

Diogenes soll einem Reisenden, der ueber die Athener Preise meckerte, -sinngemaeß- gesagt haben:
Ich zeige dir auf dem Markt Speisen, die nicht viel kosten- nicht die Stadt ist teuer, es ist dein Anspruch.

Schon die Sumerer und in Mesopotamien braute man Bier, 3000 v.Chr. - Brot und Bier hingen technisch eng zusammen.

Mancherorts im 18.Jhd. luden Geistliche zu Gratiswein ein und tarnten damit kleine Spielhoellen,
die regen Zuspruch fanden- das Geld wechselte den Besitzer..

Damals gab es Bier fuer Waisenkinder in den Heimen, Nonnen, die bis zu 7 Liter Bier am Tag tranken..

In Verona hat man ein fossiles Blatt der Weinranke gefunden,-
(Wein ist bekanntlich ein Klettergewaechs, Vitis Vinivera, wie eine Liane) das auf 52 Millionen Jahre geschaetzt wird..

"Der Priester trank zuerst, er erhob das Glas zu Ehren der Goettin oder des Gottes.
Die Becher kreisten, symbolisch wurde etwas vergossen.
Der Christianisierung gelang es in der Kirche die germanischen Trinkfeste zu uebernehmen
und auf deren Heilige umzumuenzen.."

Noch ein Ding:
So mancher Bauer schenkte selbst hergestellten Wein oder Bier aus,
so entwickelten sich die "Wirtschaften" - in manchen Gegenden Deutschlands
war der Zutritt nur selbstaendigen Bauern gestattet.. Lohnabhaengige kamen da nicht rein.
Das unangenehme Gefuehl, in eine "Geschlossene Gesellschaft" zu geraten,
hat man zuweilen heute noch, wenn das Gespraech verstummt ;)

Zu Zeiten Karls des Großen brachte man von den Kreuzzuegen in den Orient
auch deren Tischsitten mit- so mußten fortan die Frauen von der Tafel fernbleiben
und bekamen nur das, was in den Schuesseln uebrig blieb..

Heute bringen die Zuwanderer aus dem arab. Raum ihren Hass auf ihre ehem.
juedischen Nachbarn mit nach Europa, wo wir gleich pauschal verdaechtigt werden,
der Hass wuerde in Deutschland wieder neu aufleben.
Der europ. Gedanke ist noch weit weg und wird durch archaische Religionskoeppe bestimmt nicht besser,
weder von diesen noch von jenen, auch von den "unsren" nicht.. Fundamentalismus
und Intoleranz entsteht IMMER, wenn Glauben buchstaeblich gelebt wird.

Das Wasser war in der Antike ein besonderes Thema, das mal heilig gehalten,
mal verachtet wurde- als Quelle fuer ansteckende Krankheiten wurde es erst
im spaeteren 19.Jhd. enttarnt, Mineralwaesser wurden sehr begehrt.

Ich koennte mich immer wieder aergern, wenn von der unglaublichen Frechheit der Pastoren zu lesen ist:
Manchen tranken Bier, um den Krankheitskeimen im Wasser wegzukommen - der Pfarrer ging her
und ruehrte dieses mit dem Kreuz um, so hatte auch er seinen Anteil an der Gesundung..

Nach einer Radiomeldung zu den "Hundstagen", die lt. roem. Kalender an den Tagen sind,
wo das Sternbild des Hundes zu sehen ist, waeren zu dieser Zeit die heissesten 30 Tage des Jahres.
In den vielen Jahren haben sich die Hundstage jedoch um 4 Wochen nach hinten verschoben..

Die EU mit ihrer seltsamen Regelungswut ist fuer mich "Schilda", mit irren Gehältern;
geht es nach denen, sitzen wir bald im raumkühlen Halbdunkel,
essen den eigenen Abfall als Nachtisch.. die Hälfte an Parlamenten,
Politikern und "Diäten" wäre noch immer mehr als genug- oder?

Nach meinen Beobachtungen spart nur derjenige Energie, der sich Verschwendung nicht leisten kann -
Vernunft und "ich habe den Aufstieg geschafft" passen ganz einfach nicht zusammen!





Geschichtliches

9.)
Maenner kochten eher selten am heimischen Herd, das hing mit der Rollenverteilung zusammen.
Feministinnen koennen das drehen und wenden, beklagen oder heute bejubeln, dass sich etwas veraendert hat;
Im Ruhestand oder bei Alleinlebenden schaut die Sache wieder anders aus, da kochen recht
viele Maenner und haben auch keine "Beruehrungsaengste", was Einkaufen anbelangt.
Hier wird gegaertnert und kreativ "hinter dem Herd" gestanden.
Unsere Lebensbedingungen sind heute andere als damals, wo dieses Alter -in dem auch ich mich befinde-
kaum erreicht worden ist und wenn, dann eher von "feinen Leuten",die dann aber immer ihre Dienstleute hatten,
die jene Arbeiten uebernahmen..
Die Stituation in anderen Ecken der Welt, in anderen Kulturen oder Laendern,
ist mit der Europas in keiner Weise vergleichbar.
(Hier rate ich wieder zur Lektuere oben erwaehnten Buches an, "Leere Toepfe, volle Toepfe".)
"Dieses Tun ist unrein und verabscheungswuerdig, lege ihnen, darin bitte ich dich Bruder,
angemessene Strafen auf!"
Der "gute" Bonifazius zu der Sitte, daß Pferde geschlachtet wurden.
(Der Hintergrund: Pferde brauchte man fuer die Kreuzritter)
Die Kirche war immer schnell dabei, wenn Regeln und "Tabus" aufgestellt wurden,
notfalls mit "Exkommunikation" -mir waere eine solche Maßnahme
von mancher Versicherung oder vom Autoclub gar nicht mal so unrecht.. ;)
Die heiligen Leute regelten das ganze Leben von Leuten, die nur bei ihnen Mitglied waren
und sich das gefallen lassen haben?
Mitnichten! Der Gruppenzwang und ganz besonders der oeffentliche Zwang durch die Herrscher,
die ebenfalls -meist zuerst- diesen Glauben annahmen, waren erpresst und gaben diesen Druck weiter an "ihr" Volk.
Angeblich sollen die Maultaschen in Schwaben erfunden worden sein,
damit Gott das Fleisch in der Nudel nicht sieht.
(Aehnlich verlogen wie beim Ramadan, wo Nachts richtig gefressen wird,
was tagsueber weder getrunken noch gegegessen werden "darf")

Was man nicht oft liest: Es grassierten in Europa haeuftige Brotvergiftungen,
weil giftiges "Mutterkorn" einfach mitgemahlen worden ist.
Kraempfe, Wahnvorstellungen bis zum absterben der Glieder waren die Folge.
Fisch- und Fleischvergiftungen wurden nicht immer als solche erkannt,
gegen ende des Winters hatten viele Skorbut, Kupfer- und Bleivergiftungen durch
Leitungen und Kessel oder Geschirre, Schaedlinge und Viehseuchen allerorten.

Im 16.Jhd. kamen die Gabeln auf, bis dahin speiste man mit Messer und Loeffel.

Erdsilos wurden luftdicht gemacht, damit das entweichende CO2 Tierchen und Bakterien abtoeten konnte.

Kriege zwischen Moslems und Hindu-Dynastien in Indien zeigen, dass Religionen niemals
friedlich koexistent sein konnten.
Ueberall in der Welt sind alle paar Jahre regionale Hungerkastastrophen gewesen
und auch heute noch, auch wenn sie nicht in den Nachrichten die erste Stelle einnehmen.
Fehlgeschlagene "Entwicklungshilfen", bei denen die Tradition und die Mentalitaet vernachlaessigt wurde,
hinterlassen mehr Schaden als Nutzen fuer die Empfaengerlaender:
Ausser dem Monopol und dem Gewinn fuer multinationale Firmen passiert nicht viel.
Wie ein roter Faden ziehen sich Mißernten, zum großen Teil durch Unwissenheit
oder eben falsche Hilfen oder Naturkatastrophen ausgeloest, aber auch Kriege, Aufstaende und Umstuerze oder Seuchen,
die oft in Verbindung auftraten, durch die Jahrhunderte.
Spekulanten und Gewinnler ist es egal, wie die aermeren Leute in den Herstellerlaendern leben,
wenn sie mit Lebensmittelverschiebungen Geld machen.
Die Koloniallaender in spaeteren Jahren buerdeten den fernen Laendern Anbau von Monokulturen auf,
die eigens fuer den Export in die entwickelten Auftragslaender bestimmt waren.
Hatte man mehrere Kolonien mit gleichen Produkten, konnte man die Preise gegeneinander ausspielen.
Zusaetzlich -bis zu heutigen Tag werden dabei noch mit Einfuhrzoellen jongliert:
Wird Rohware wenig und verarbeitete Ware hoch besteuert, haelt man die Produktionstufen und somit die Arbeit
in den Geberlaendern und die Kolonien gehen mit der kleinen Ausbeute aus dem Rennen.
Kakau und Kaffee sind heute gute Beispiele dafuer - Tee als lose Fracht kostet
in die EU keine Steuern, abgepackt fuer den Handel schon 5%, als Tee-Extrakt schon 12% Einfuhrzoll.

Wie oft lese ich von grausamen Hungersnoeten, sogar von Kanibalismus, weil jeder Ausweg fehlte.
1846 hatten Spekulanten in Mainz fast allen Roggen aufgekauft,
als die Bewohner Brot kaufen wollten, wurden sie unhoeflich abgewiesen-
obwohl nachweislich grosse Mengen Brot und Getreide in den Kellern der Baecker gehorten wurden..
Es ging als "Brotrevolution" in die Geschichte ein, als Hungernde die Laeden pluenderten
und die Baecker mißhandelten, alles zerschlugen was sie fanden.. Straße fuer Straße.
Erst durch den Einsatz berittener Kraefte konnte Ruhe und Ordnung wieder hergestellt werden,
wie die Chronik schreibt.

Das fehlende Bindeglied in den Geschichtsbuechern habe ich wohl hier gefunden:
In der Jungsteinzeit schmolzen die Eizeitgletscher, die Reitervoelker des Nordens
und des Nordostens ritten nach Westen und Sueden, sie unterwarfen die kleinen Ackerkulturen
der dort wohnenden, die friedliche Voelker ohne Expandionslaunen waren.
Den waffengewohnten Leuten hatten sie nicht viel zuzusetzen und so kamen sie unter das Joch
der neuen Herrenschicht.
Die Bauern wurden ihres Grundeigentums beraubt und zu Paechtern gemacht,
fortan mußte ein großer Teil der Ernte abgeliefert werden.
(So eine Art Schutzgelderpressung, wie man das von der Mafia kennt)
Ohne Leute keine Abgaben- also verbot man kurzerhand das Land zu verlassen.
Wenn die Ernten durch besondere Umstaende nicht reichten, wurde das Eigentum verpfaendet,
ging an den Landesherren- aus ehemaligen freien Bauern wurden Leibeigene und Rechtlose,
sie "schuldeten" nun auch noch ihre Arbeit..
Die neuen Grund- und Menschenbesitzern gefiel diese Aufteilung, durch die sie immer wohlhabender wurden.
Die Selbstgefaelligkeiten der Ausbeuter fuehrte bis zum Gottkomplex, siehe Sonnenkoenig..
Sehr schoen kann man diesen Effekt sehen, wenn ein einziger Gewalttaeter
eine ganze Gruppe mit einem Messer bedrohen und zwingen kann- bei einer Geiselnahme.

Nun hatten die Grossgrundbesitzer immer mehr Land und brauchten, um das zu bewirtschaften,
freilich Menschen, besonders zu den Erntezeiten.
Viele kleine Bauern, durch Fron und Abgaben oder Mißernten gebeutelt,
gingen lieber bei den Großen arbeiten und so wurden viele kleine Parzellen
billig verkauft- und von den Grossgrundbesitzern geschluckt- wozu auch die Kirche gehoerte.

Es gab in der Geschichte Zeiten, wo Ratten gegessen wurden, so große Hungersnoete,
daß frische Leichnahme aus den Graebern geholt, Gehenkte abgeschnitten,
Kinder und Kranke umgebracht und zu Nahrung gemacht wurden..

In Russland soll ganzen Ortschaften der "Winterschlaf" befohlen worden sein,
die Familien sollten nur das Allernotwendigste tun, viel liegen und nur die Huette heizen -
Nahrung gab es praktisch keine mehr.

1744 meinte der Jurist und Theologe Duncan Forbes: "..daß auch der armseligste Arbeiter
an den Kauf von Tee denken konnte.."
Die Klassengesellschaft ist in den heutigen Koepfen noch ganz genau so vertreten, da bin ich mir sicher.
Die (britische) Ostindiengesellschaft hatte damals in Ceylon Tamilien angesiedelt,
weil sich die Eingeborenen weigerten Tee anzubauen, wie ihnen befohlen worden war.
Diese neue Volksgruppe hat sich bis zum heutigen Tag nicht eingefuegt
und neigt zu boesen Ausfaellen. Das kann uns heute durchaus bekannt vorkommen.
Der "alte Fritz" hatte den Genuß von Kakau seinen Untertanen verboten,
er selbst schwelgte aber darin..
(wie heute bei den Diaetenerhoehungen und sonderbaren "Nebenverdiensten", die mal auf Gewogenheiten
in der Entscheidungsebene abgeklopft werden sollten - am besten 10 Jahre zurueck bis heute)





Geschichtliches

10.)
Hier werde ich mal kurz auf das Thema "Familienforschung" kommen - aber bitte ohne hochgestochene
selbstverliebte "Sozialgenealogie" - einfach nur praktische Ahnenerforschung fuer den Hausgebrauch,
ganz und gar unakademisch.. mit dem Ausdruck "Sozialgenealogie" kann und will ich mich erst gar nicht anfreunden:
Nach meiner Einschaetzung ist fehlender Respekt vor dem Mitmenschen nicht das geeignete Mittel
des Zusammenlebens/Erfassung von Daten.
Aus datenschutzrechtlichen Gruenden ist auch die genetische Ahnenforschung eher nicht moeglich.
Die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften hatten -neben ihren Gewohnheiten- auch z.T.
andersartige Schreibweisen und Kalender und Namensgebungen.
Im deutschsprachigen Raum haben wir es mit Hugenotten, Bruedergemeine, Salzburger Protestanten,
Mennoniten, Mormonen, Juedische und verschiedene christliche Unterstroemungen aus dem Katholizismus und dem Protestantismus zu tun.
In der NS-Zeit wurden "Sippenbuecher" fuer die einzelnen Ortschaften gefuehrt,
wenn andere Nachschlagewerke nichts ergeben, ist man fuer jeden Strohhalm dankbar.
Ein Teil einer Stammfolge ist die Stammreihe, die vom juengsten bis zum aeltesten Traeger des
Familiennamens gefuehrt wird.
Moegliche Wechsel der Familiennamen sind immer zu bedenken, also nicht nur durch Heiraten hinzukommende Familiennamen.
Aussereheliche Geburten, Adoptionen etc. sind auch noch zu bedenken.
Ist nun der Grossvater adoptiert, kommt es darauf an, ob er als "leiblicher Sohn" anerkannt
oder schlichterdings nur an Sohnes statt angenommen wurde:
In letzerem Fall waere die Stammreihe dahin, wenn sich die Vorgeschichte, dh. der leibliche Vater
nicht ermitteln laesst - oder man uebergeht das und.. hat einen Irrum eingebaut.

Das Woertchen "von" ist oft als "aus" gebraucht: Er ist aus .. Villmar oder von Villmar.
(Wir erinnern uns: Die heutige Rechtschreibung war damals nicht vorhanden)
Die moegliche Verwechslung mit Namesadligen ist also immer denkbar, wenn der fragliche Name nicht in den Adelslisten auftaucht.
Bei einigen Adelstiteln war eine Vererbung nicht vorgesehen.
Bei manchen Staemmen oder Herkuenften sind Familiennamen nicht gebraeuchlich gewesen,
wie bei den Salzburger Emigranten.
Manchmal ist ein Kind frueh gestorben, ein nachfolgendes bekam den gleichen Namen,
manchmal auch aus verschiedenen Ehen?
Wir sehen schon einige Probleme kommen..
Meistens kamen alle 2 Jahre Kinder zur Welt- bei aelteren Muettern in weiteren Abstaenden,
das ist schon mal ein Anhaltspunkt zur Recherche.
Es gab Tauf,- Konfirmations,- Kommunions,- Sterbe,- Ehestandsbuecher, Seelenregister,
standesamtliche Buecher dieser Art, Familienstammbuecher, die zuerst nachgesucht werden sollten, bevor es weiter in die Tiefe geht.
Armenbuecher waren auch noch da, wo Sterbefaelle eingetragen werden konnten.
Die evangelische Kirche -nach meinen Erfahrungen- ist da recht großzuegig, wenn man alte Unterlagen einsehen will.
(Standesaemter sollen dabei nicht so hilfreich sein, wie ich lese)
Frueher starben viele Frauen im Kindbett, zuweilen folgte bald die naechste Hochzeit -
auch das muss bedacht sein.
Totgeborene oder ungetauft verstorbene Kinder waren nicht selten.

Ahnenforscher raten dazu, zeitig bei den Verwandten um Dokumente und Bilder nachzufragen,
um diese kopieren zu koennen.
Hilfreich, wenn noch jemand lebt, der zu einem Bild was sagen kann.
Es hilft auch nicht viel, wenn man in einer Kantorei vor einem uralten riesigen Foillanten sitzt,
der fleckig und abgegriffen, mit vielen Spuren versehen,- vor uns liegt und wir die Schrift nicht lesen koennen!
Deshalb ist eine vorherige Schriftkunde wohl unerlaesslich- wer kann die Sueterlin oder altdeutsche Schrift
schon noch lesen, wer kennt das Gotisch oder eine romanisch ausgeschriebene Zierschrift?
So wird mit Sicherheit jeder 3. Buchstaben zum Raetsel!
Nun kann ich nicht sagen, was ihr an Ahnen zusammen tragen wollt- am einfachsten ist wohl die Ahnentafel:
Ich fange bei mir an, gehe zum Vater, der Mutter und zu deren jeweiligen Eltern usw.
so wird aus meinem Namen nachfolgend zwei Eintraege fuer meinen Vater und meine Mutter, von denen wieder von deren Erzeugern etc.
Desgleichen muss ich dann von meiner Frau auch anlegen.
Nach uns kommen dann unsere Kinder und deren Angeheiratete und die Kinder..

(Tiefer will ich nicht gehen, das kann man im Internet leicht nachlesen)

Sogenannte genealogische Zeichen stehen fuer immer wiederkehrende Ausdruecke.
Ein Sternchen fuer geboren, zwei waagrecht verbundene Ringe fuer verheiratet, ein Kreuz fuer gestorben,
ein Sternchen in Klammern fuer eine aussereheliche Geburt, eine Wellenlinie fuer getauft, ein kleiner Kreis fuer verlobt,
ein Rechteck fur begraben, ein Kreuz mit Sternchen fuer Totgeburt, zwei Ringe nebeneinander durch senkrechten Strich getrennt fuer geschieden,
zwei gekreuzte Saebel fuer gefallen und zwei mit waagrechtem Strich verbundene Kreise fuer uneheliche Verbindung.
(Es gibt auch noch ein paar aeltere Symbole dafuer. )
Ich lese, dass manchmal die Namen der Taufpaten oder der Grosseltern den Taeuflingen verpasst wurden,
manche bekamen einen Namen vom Pfarrer zugedacht- die Recherche wird immer wieder auf Namensgleichheiten kommen:
Ich habe in einem Stammbaum gleich ein paar Namensgleichheiten - in verschiedenen Generationen.
Angaben ueber uneheliche oder Findelkinder wurden gelegentlich verkehrtherum geschrieben:
Auf dem Kopf, so auch bei ungetauft Verstorbenen, bei Gefallenen, Ketzern, Hingerichteten, Selbstmoerdern etc.

Eheschliessungen fanden oft am Wohnort der Braut statt- noch ein Ansatzpunkt zur Suche.
Wenn Heiraten oder Taufen nicht eingetragen sind, bedeutet das nicht zwingend, daß dieses Ereignis
nicht stattfand; in Kriegs- oder Ephedemiezeiten war die Pfarrstelle oftmals vakant, nicht besetzt.
Manchmal hat man im neuen Jahr die alte Jahreszahl gesetzt, falsch eingetragen.
Die Pfarrer gingen auch recht unterschiedlich mit den Eintragungen um. Mal war der Wohnort und die Strasse,
mal die Amtsstellung oder Beruf, Titel und aehnliches eingetragen, mal nicht.
Die meisten Kirchenbuecher beginnen nach dem 30j. Krieg- davor ist Schicht im Schacht, ich kam nicht weiter..

Es gab viele Wanderungen, Vertreibungen, Emigranten - nicht nur bei den Juden, auch bei den Protestanten
und anderen Glaubensrichtungen - viele sind schlicht aus fehlender berufl. Perspektive ausgewandert.
Ein Buerger musste sich legitimieren, das Buergergeld zahlen, um aufgenommen zu werden.
Die Behoerden wollten alles wissen- wie der Beruf, das Einkommen, der Ehestand und die Zahl der Kinder,
welcher Glaube und welcher Herkunft einer war..
In den Buergerbuechern der Staedte und Staende sind solche Eintragungen zu finden.
Nun sollte man nur noch wissen, daß "Buerger", Cives, etwas anderes waren als Einwohner,
incolae ohne Buergerrechte, sowie Hausgenossen oder Mieter, Schutzverwandte, Beisassen,
Ingesessene, Halbbuerger - unterschiedlich behandelt wurden !
Erst 1853 mit der Einfuehrung der Staedteverordnung waren es nun keine Stadt- sondern Staatsbuerger
und zwar alle gleichermaßen, zumindest auf dem Papier.

(In unserer Kleinstadt darf einer, der damals als Buerger bezeichnet wurde, immer noch viele Sonderrechte
in Anspruch nehmen, die einfach ungeschrieben sind..)

Eine Liste von alten Buergerbuechern div. Staedte hat Heckhart Henning herausgesucht und zusammengestellt.

Uni- und Hochschul-Matrikeln wurden in lat. Sprache gefuehrt - schoen, wenn man diese Sprache kann..

Ortsfamilienbuecher = Sippenbuecher = NS Zeit. (Suche bei Diana Schulle, sie hat aus vielen Orten
welche ausfindig gemacht und in einer Liste zusammengestellt)

Willi Paul Adams (Hrsg) , Rolf Weber (Hrsg), Klaus West / Heiz Moos (Hrsg), A. Kunselmann - Burgert,
A. Goertz und Ineborg Fleischhauer und Rolf Wagner (Hrsg) Bori Karlsberg schrieben Buecher ueber deutsche Auswanderer.
So kann man schon einmal weiter suchen..

Weitere Anhaltspunkt oder Suchbegriffe zur Recherche waeren Buecher der einzelnen Regionen oder Laendern
Deutschlands zu diesem Thema. (Z.B. "Hessische Auswanderer")

Die Schriftkunde wird Palaeographie genannt.
Die germanischen Staemme haen die roemische Schrift dort uebernommen, wo sie zuvor roem. besetzte Gebiete
zurueckerobert haben.
Die Franken haben gleich in den roemischen Schulen gelernt, die merowingische und fraenkische Schrift
wuerde hierbei zu weit fuehren, sie soll auch schwer lesbar gewesen sein- bleiben wir also besser bei der von Karl
dem Großen eingefuehrte Karolingische Minuskel, die das spaetere Schriftbild praegte.

Historisch gesehen ist der Rufname aelter als der Familienname - bis weit ins Mittelalter
hinein praegend. Spaeter kamen zum germanischen Sprachgut fremde Formen (christliche) dazu.
Nun galt eben die Doppelnamigkeit, wie heute- nur Personen niederen Standes, Dienstboten,
Maegde haetten einzig einen Namen, den heutigen Vornamen oder Rufnamen.
Selbst in Luthers Zeiten war der Rufname noch der wichtigere- z.B. Dr Martinus, wie seine Anhaenger,
die "Martinisten" ihn nannten.
Manchmal war der Hausname noch Generationen nach dem Tod der Hofbesitzer weitergefuehrt..
Als Warnung nennen die Familienforscher gerne die Namensgleichheiten, nicht nur bei Sammelnamen,
wie Meier, Mueller etc. - in jedem Ort gab es solche Namen- was aber, wenn sich gleich ein paar davon verbunden haben?

Es gibt ganze Listen von Verwandtschaftbezeichnungen der genealogischen Fachsprache-
Wolfgang Ribbe hat sie zusammen gestellt.
(Beispiel: affinis - Schwager, Schwaegerin, Kegel,- uneheliches Kind)

Der Wolfgang Ribbe hat auch lateinische, deutsche und franzoesische Abkuerzungen in Urkunden
und Akten zusammen gestellt.
(Beispiel: a.m.c.a - mundo conditio oder E.D. fuer euer Durchlaucht oder H.J.S.
fuer Hic Jacet Sepultus, hier liegt begraben)

Daniela Schulle hat Begriffe aus der alten Amtssprache zusammengetragen.
(Beispiel: abdizieren - entsagen, zuruecktreten, abdanken, abschlagen oder Gerant -
Geschaeftsfuehrer oder Konstitut - Tatbericht)

Wieder Wolfgang Ribbe, der die Begriffe aus der Zeitrechnung, Monats- und Tagesbezeichnungen zusammen stellte.
(Beispiel: Aftersonntag - Montag, Albinus - Bischof, clausum paschae - 1. Sonntag nach Ostern)

Wieder der gleiche Wolfgang Ribbe notierte fuer uns "Aeltere Vornamenformen".
(Beispiel: Abel - Appolonia, Ermel- Irmtraud, Dedi - Theodor, Ita, Ite - Judith)

Eckart Henning hat "Deutsche und lateinische Berufsbezeichnungen" zusammen gestellt.
(Beispiel: Agtschleifer - Bernsteinschleifer, Campsor - Wechsler, Concionator - Prediger oder Pfragner - Haendler)

Ragnhild Muench hat "Alte Krankheitsbezeichnungen" zusammen gestellt.
(Beispiel: Falbel - Epilepsie , Aurogo - Leber,- Gallenerkrankung, Pfnusel - Katarrh, Schnupfen)

"Titulaturen" hat Eckhart Henning zusammen gestellt.
(Beispiel: Bei - Titel der Soehne von Paschas, hoehere Offiziere des Sultans, - Hohe Pforte -
die Regierung Konstantinopels oder Liebden (Lbd.) - Praedikat fuerstl. Pers. im Schriftwechsel untereinander)

Dieter Zwinger hat "Anschriften der genealogischen und heraldischen Vereine" zusammengestellt.




11.

Geschichtliches


Aus dem Diemelgau ein paar Haussprüche:

Wer Heuser bauwt vor seine Kindter,
Dach undt Fach vor Schaff undt Rinder,
Dessen Lob, so sage ich frey,
Dass er ein gut Hauss Vatter sei.

Allen, die mich kännen,
Den gebe Gott,
Was sie mich gönnen. (1698)

Wer da will bauen an Gassen und Strassen,
Der muss die Leute richten lassen.
Es wird kein Ding so schön gemacht,
Es kommt wohl einer, der es veracht.
Hast due aber Gottes Gnad und Segen,
So ist an Missgönnern und Spöttern nichts gelegen.

Wir haben nichts gebaut aus Lust und Pracht,
Die Feuersbrunst hat uns dazu gebracht.

Dornen und Disteln stechen sehr,
Falsche Zungen noch viel mehr.
Will lieber in Dornen und Disteln baden,
Als sein mit falschen Zungen beladen. (1560)

Mensch gedenke deiner Pflicht,
Eh dir der Dodt das Herz absticht. (1743)

Wer da will richten mich undt die Meinen,
Der sehe zuvor auf sich undt die Seinen.
Findet er dan keine Gebrechen ahn sich undt den Seinen,
Alsdan komme er undt richte mich undt die Meinen. (1670)

Wer baut, wass zerissen ist,
Und bessert, wass verödet ist,
Dess Lob bleibet ewig. (1698)

In Waldeck sagte man:

En Buure is osse eine Wiede,
wann me se schnitt, schlett se juemmer widder ut.

Halt diän Buuren in Ehren,
Hei mutt juch doch ernähren.

Oort kümmt van Oort.

Wann de Wage am besten leppet,
dann fällt en Rad ut.

Wann en Unglücke passären sall,
dann fällt de Katte vom Stoule
und tebriäket diäne Steert.

Gitt Gott en Häseken,
Sau gitt Gott auk en Fräseken.

Als mirs wohl ging auf Erden,
Wollten alle Leute meine Freunde werden,
Als ich aber kam in Not,
Waren alle meine Freunde tot.

Erna Lendvai-Dircksen sagte mal: "Der Ganzheit an Leib und Seele entspricht die Urwuechsigkeit ihrer Aeusserung.
Wo der vielfaeltige Bewusstseinsmensch auf ein Ansprechen, sei es in einem persoenlichen Gespraech oder im groesseren Sinn
in einem schicksalhaften Anspruch des Lebens, mit einer Teilbewegung antwortet,
macht der urspruengliche Volksmensch immer und durchaus mit dem ganzen Sein ernst.
Er ist immer und ueberall auf ein Gegenwaertiges gerichtet. Man sage ihm etwas:
Sehen sie doch mal hierher! Sofort und ohne Ausnahme dreht sich der ganze Mensch auf den Fuessen herum.
Die Bewegung geht durch jeden Muskel, wo dem Anderen eine Kopfbewegung genuegt haette.
Dieser Monumentalen einheitlichkeit der Gestalt liegt die seelische Haltung zugrunde,
die immer im Schwerpunkt des Wesentlichen ankert.
Der Blick packt zu und weiss sehr schnell, um ws es geht.
Wenn das eingeborene Misstrauen eine Maske vornimmt, so ist auch diese voll einer unwiderstehlichen Natuerlichkeit.
Was als Bauernschlauheit, oft im abschaetzigen Sinn, benannt wird, ist in ihrer Instinktsicherheit aelter
und zuverlaessiger als mancher kurzfristige Begriff von Gut und Boese.
Es ist eine naturhafte Lebensklugheit, die oft genug mit Weisheit Hand in Hand steht.
Was das Dasein in dieser Grundschicht gestaltet, sind wenige, aber grossartige Lebensmotive
in ewiger Wiederkehr, aus denen sich unerschoepflich erneuert, was in Zeiten der Gefahr,
der Not, der Verwirrung und Abkehr verbraucht, abtruennig und morsch wurde.
Wie nun das Einzelne im Ganzen ruht und das Ganze im einzelnen sich offenbart,
tritt die Volkswesenheit am staerksten da hervor, wo ein Gesicht im Alter nach einem langen Leben
sich schliesst und vollendet. Dieses letzte Gesicht steht in grosser Klarheit,
die zugleich das Geheimnis des Menschen ist, auf dem dunklen Hintergrund der Volksewigkeit.."
Gewiss, die Zeit, in der diese Zeilen geschrieben wurden, waren andere als heute,-
immer wieder kamen Demagogen darauf, das "Volk" zu beschwoeren- als sie dann endlich "oben" waren,
waren die Waehler und meinetwegen auch Waehlerinnen nur noch "Stimmvieh" und "Poepel" oder
"der kleine Mann auf der Strasse". Wer im "Volk" selbst verwurzelt ist,
hat solche Sprueche eher nicht noetig. Dennoch wollte ich dir, geneigter Leser, diese Stroemung
nicht vorenthalten. Naja, wir haben heute ganz andere Politiker, die ihre Parteien nur als "Garniervorschlag" sehen,
als Nostalgiekitsch. Wie bei den Sportlern zaehlt nur die Kohle,
egal unter welchem Maentelchen auch immer diese zugesteckt wird.

Frauen wurden in der Gegenwart ihrer Maenner vergewaltigt, Kinder mußten unmenschliches ertragen,
Kindbetterinnen vertrieb man in die Waelder- wer sich zur Wehr setzte, wurde bestialisch umgebracht.
So die Chronik aus dem Jahr 1622, als 12.000 Mann des Bauernkorps in Dillenburg einfielen.
(Damals wie heute "gut katholisch")
Im Ueberfluß zerschlugen die Soldaten die Hauseinrichtungen und pluenderten die Vorraete , Reste davon bekoteten sie.
Große Scharen unbekannter Voegel fielen bei Nassau ein, und große Wolfsrudel rissen die Schafsherden.
Den "Unterthanen" wurde erlaubt diese zu bejagen - wo in einem Jahr 400 Woelfe auf der Strecke waren.
Diese vielen Truppendurchmaersche (unsere Gegend war nicht das Ziel der Truppen)
brachten dennoch genug ansteckende Krankheiten mit, die wie eine Spur des Todes wirkte und zuweilen ganze Orte ausloeschte.
Kirchen wurden gepluendert, wer Widerstand leistete, wurde in seinem Rauchfang aufgehaengt..

Das Jahr 1630 - der seltsame Krieg tobte schon das 12. Jahr, die protestantischen Grafschaften
waren in hoechster Bedraengnis - viele starben den Hungertod.
Es wurde Brot aus Eicheln, Hanfkoernern und Wurzeln gebacken, weil nichts mehr da war.

Zwei Jahre spaeter kamen die Schweden mit 11 Regimentern und 10.000 Mann nach Herborn und seine Umgebung -
hier wurden die zum Katholizismus uebergetretenen Leute gequaelt und beraubt - wie immer wurden Pferde gestohlen
oder "requiriert", Vieh geklaut, das zur Verpflegung der Truppen diente.
(Wir erinnern uns- die Truppen zogen ohne Lebensmittel los, sie "ernaehrten sich von Unterwegs".)

Ein Jahr spaeter, 1634 kamen die Preussen in den armen Westerwald und trieben 1000 Rinder und 50 Pferde davon.
Dann kam ein "Kardinalinfant" aus Spanien mit 12.000 Mann und pluenderte den Rest,
kein Ort bleibt verschont, auch die Schloesser nicht:
"Kein Haus blieb ungeschoren nd die Buergersweiber mit ihren Kindern wurden auf das Grausamste tyrannisiert"
1635 kamen wieder die Preussen.. "viele Haeuser gingen in Flammen auf"
Jeder Truppenfuerst verlangte "Kontributionszahlungen" woertlich:
"in dieser Zeit wußte niemand mehr, wer Freund oder Feind war§

1643 floß die Lahn "mannshoch ueber die Stadtmauer und riss die Diezer Bruecke mit sich,
Haeuser und Scheunen sah man auf dem Fluß schwimmen"
An eine solche Flut konnte man sich nicht erinnern, die da passierte.

Der kaiserliche Feldmarschall Melander Graf zu Holzappel hieß eigentlich "Peter Eppelmann".

Von 1618 bis 1648 "reduzierte" sich Deutschlands Bevoelkerung von 18 auf 7 Millionen.
Von den 3000 Staedten hat man 1600 zerstoert, 18310 Doerfer, 2000 Schloesser und 1000 Kloester verwuestet-
die traurige Bilanz eines Krieges mit religioesem Hintergrund, der 30 Jahre dauerte.
Nicht mal die Reformation hatte Einfluß auf den grassierenden Hexenwahn,
weil Suendenboecke fuer die Ungluecke, Seuchen und Katastrophen gesucht wurden.
Original Gerichtsakten aus vielen Hexenprozessen sind noch erhalten.
Man geht von 60.000 Hinrichtung und Folterungen aus.
Insgesamt sollen 30.000 der Hexerei angeklagt worden sein.
Unvorstellbar, dass heute noch ewig gestrige Leute diesen Glaubensrichtungen nachlaufen,
wo damals tagelang der Hexerei bezichtigte Menschen grausamst gequaelt und gepresst worden sind.
3-4 Stunden lang waren die Torturen mit unglaublich gemeinen Methoden und vorgegebenen Antworten, bis sie "gestanden" haben..
Der Henker besprenkelte alles mit Weihwasser und geweihten Stinkekraeutern,
die Angeklagten durften nicht mal ihre eigenen Klamotten anbehalten.
"bis die Knochen splitterten" und "gespickter Hase", Daumenschrauben und "spanischer Stiefel",
auskugeln der Gelenke, alles diente dazu den Teufel zu enttarnen, Blenden der Augen,
"das Staeupen, Raedern und die Wasserprobe" - war danach "der Hals umgedreht", hat sie der Teufel persoenlich umgebracht..
Der Teufel haette ein "schwarzes Baertchen" - was sich 1933 grausam offenbarte.
Damals sahen die Kirchenfuzzis sahen sich das lustvoll an, waehrend sich die Angeklagten
nach dem eigenen Tode sehnten.
Stark gesalzene Speisen und alkoholische Getraenke wurden ihnen eingefloeßt,
alles diente der "Wahrheitsfindung" - die schmerz Gepeinigten nannten unter der Folter weitere Leute,
die ebenfalls "teufliche Hexereien" gemacht haben sollen- so konnte jeder unbescholtene Buerger
vor diesem Gericht landen. Wer gestaendig war, wurde enthauptet statt gehaengt,
was eine Bestattung auf dem Friedhof -in "geweihter Erde" moeglich machte, bei dem Flammentod war das nicht der Fall..

Die Herrscher, ob Kleriker oder Grafen war die Angst immer Mittel zur "Gehorsamspflicht"
gegenueber Kirche und Staat, so die Ueberlieferung.
Durch die fast standarisierten Prozessakten hatten sie "Beweise und volksueberzeugende
Schuldzuweisungen der Hexerei fuer Mißernten, Hungersnoete, Unwetter, Seuchen und Kriege" !
Ich finde den Umstand, daß Adel und Kirche noch immer erlaubt sind, sehr seltsam:
Johann VI 18.Okt. 1582:
"an alle seine Amtsleute, Rentmeister, Schultheißen, Heimberger und Schoeffen,
indem er auf die Peinliche Halsgerichtsordnung und auf die heiligen, seligmachenden Worte Gottes
und die von Gott verdammten mißfaelligen Suenden der Fleischeslust verwies.
Ein jeder, der dieser Schande und Lastern verfallen war, sollte nach goettlichen Gesetzen
und des Kaisers Recht und Ordnung an Leib, Leben, Ehr und Gut, oder je nach Gesetzesverstoß
mit Verweisung des Landes bestraft werden.
Insbesonderheit aber wann eine Ehe- oder ledige Mannsperson bei einer Ehefrau des Ehebruchs ueberfuehrt oder dabei ergriffen wird,
sollen beide, sowohl der Ehebrecher als auch die Ehebrecherin mit dem Schwert oder durch das Wasser
vom Leben zum Tode gebracht werden"
Diese guten "Pastoren" (Hirten, sie hielten die Leute fuer dumme Schafe)

Daemliche Ortsvorsteher Dillenburgs schickten "Bittschriften zur Hexenverfolgung" an den Landesherren,
weil ein Viehsterben war..
(Graf Johann VI war den Hexenprozessen zum Glueck nicht angetan, er wußte wohl,
daß oft aus Gehaessigkeit angetragen wurde- selten genug!)
In Diez fand ein Pfarrkonvent statt, bei dem ausdruecklich zur Hexenverfolgung ermahnt wurde..
In nur 4 Monaten wurden 22 Frauen und ein Mann hingerichtet oder verbrannt.
In den Jahren starben in Dillenburg 35, in der Gelehrtenstadt Herborn 90 und in Dreidorf
30 Menschen den Hexentod.. so die Chronik.
Es sollen alle Berufsstaende denunziert worden sein, sogar Pfarrer- die Mehrheit der von 1530-1755
in Deutschland hingerichteten Leute waren jedoch Frauen,
die sich vor der jubelnden Zuschauerkulisse quaelen lassen mußten.
Desweiteren wurde ueberliefert, daß bis zur Bewußtlosigkeit gewuergt und erst dann der Flammentod kam -
manchmal band man den Todeskandidaten ein Pulversaeckchen angehaengt, das explodierte,
bevor die Flammen ihr Werk taten.

Eine neue "heilige" Religion streckt ihre knoechernen Haende aus:
Eben meldet das Radio, dass "Salafisten" eine islamische Staatsordnung und Rechtsprechung
in Deutschland und Europa anstreben..
(Dann wird es bis zu den naechsten "Hexenprozessen" oder "Steinigungen" nicht mehr lange dauern..
(Ermutigt durch "Multikulti" krampfen sich neue Radikale zusammen)
Der Tuerkei-Vize will den Frauen das Lachen verbieten- es sei das Zeichen "moralischen Niedergangs"





12.

Geschichtliches

Im 19.Jhd. wanderten viele junge Leute aus, so z.B. nach Paris, wo haenderingend Facharbeiter
der verschiedenen Gewerke gebraucht wurden.
Die Darmstaedter waren wohl nicht so gut ausgebildet- und verrichteten deshalb niedrigste Arbeiten,
Putzen und Strassenfegen, Steinbrucharbeiten etc.
Der Strassenkehrer wurde in Paris lange als "Darmstaedter" bezeichnet.

Die Lagebezeichnung des Rheinweines war damals wichtiger als die Traubensorte,
die eher selten auf dem Etikett stand..

Die alten Roemer haben in ihren Ueberlieferungen der Kochrezepte nie Salz angegeben:
Der Fischsud "Liquamen" (vergorener Fisch / Reste) wuerzte viele Speisen. (Aehnlich wie das die Asiaten heute noch tun:
Garum )
Den Roemern waren Haselmaeuse eine Delikatesse.
Die Legionaere bereiteten unterwegs den "Puls", ein in Oel angebratenes, gemahlenes Getreide,
das mit Wasser oder Wein abgeloescht wurde- zuweilen mit Gemuese und immer mit .. Garum gewuerzt.
In der Archeologie ist das verstaerkte Vorkommen von Brennesseln ein Zeichen von Kalk
und somit evtl. ein Hinweis auf Mauerreste.

Der Hessische Landtag tagte wirklich nur einen Tag und das immer im Freien, an wechselnden Orten -
das hat man spaeter gruendlich geaendert.

An alten Furten und Einmuendungen oder Gabelungen von Fernwegen bildeten sich schnell Relais-Stationen,
Gaststaetten und Werkstaetten, noch ein paar Haeuschen rundherum- was so dazu gehoert.
Deshalb sind Urkunden auf keinen Fall die Geburtsstunde der Orte oder Staedte-
die koennen schon sehr lange vorher bestanden haben!
Das Christentum ist von der Mosel aus von der unteren Lahn nach Hessen gezogen- nicht aus dem Norden,
von Fritzlar und der Donar-Eiche aus, wie der Zug des Bonifazius gewesen sein soll..
(Wetzlar gehoerte zuvor zum Archidiakonat Dietkirchen, das zu der Erzdioezese Trier gehoerte..)
Wetzlars Lebensader war die bedeutende Handelsstraße von Antwerpen ueber Koeln nach Friedberg
und Frankfurt/Main.
Eisengewinnung und Verarbeitung, Wollenweberei und Lederverarbeitung, die Bierbrauerei
waren die Haupterwerbszweige.
1349 zog der schwarze Tod -wie in vielen Orten- durch Wetzlar,- und raffte weite Teile der Bevoelkerung dahin-
die Schuld daran gab man den Juden:
Eine Urkunde vom 27.Nov. 1349 bestaetigt die Verbrennung der juedischen Gemeinde der Stadt,
mit der man sich auch gleich die unliebsamen Glaeubiger vom Halse schaffte..
(Unglaublich, ihr habt richtig gelesen!)

Die Stadt war danach trotzdem wieder pleite- Mitte des 14.Jhds. als die ausgegebenen
Leibrentenverschreibungen - die zwischen 12 und 100 Gulden Nominalwert hatten -
nicht mehr mit 10-14 Prozent Rendite bedient werden konnten.
Die Glaeubiger aus anderen Staedten holten sich zuweilen bei Pfaendungen Wetzlarer Buerger,
die nur ihre Waren auf dem Markt verkaufen wollen, teilw. wieder..
(Das waren logischerweise die Buergen)
Der Ueberblick geht leicht verloren - gerade bei studierten und rechtsgelehrten Leuten,
das ist damals so wie heute - so erreichten die Schulden schnell astronomische Summen,
weil die Zinsen weiter aufliefen oder auf Kosten der Stadt bei den Geldverleihern vorgeschossen wurden..
Ende des 14. Jhds. war die Reichsstadt wieder pleite.. die Stadt wurde nach und nach verlassen.
Zu Beginn des 15. Jhds. war wieder ein Stadtbankrott- mit Pfandschaft, die Acht und Aberacht
des Reiches wurde verhaengt- inzwischen nahmen die Handelsreisenden gleich einen Umweg nach Limburg..
Wetzlar verfiel zur Landstadt.
Mitte des 16.Jhds kam die Pest und viele andere unglueckseelige Vorkommnisse -
es starben so viele Menschen, daß 1564 fuenf Buergermeister gewaehlt werden mußten.
Dann folgten Ueberschwemmungen und der 30j. Krieg.

Im 17. und 18.Jhds wurde das Wirtschaftsleben der Stadt marktwirtschaftlich gelenkt (Merkantil),
neue Zuenfte kamen dazu:
Stein- und Holzarbeiter, Knopfmacher und Sockenstricker, Perueckenmacher und Buchbinder..
man achtete darauf, daß immer ein leichter Exportueberschuss bestand.

Basalt bearbeiten mußte lernen, wer ein "Kipper" werden wollte:
Mit roher Gewalt ist bei dieser Gesteinsart nichts zu erreichen- aber die Kenntnis, wie der Stein gewachsen ist,
brachten mit wenigen Schlaegen den gewuenschten Erfolg.
Harte Arbeit mit dem 10kg Hammer, um "Katzenkopfsteine" zu hauen!

Der Basalt musste im Sommer abgedeckt werden, damit er nicht "verbrannte"-
und noch schwerer zu bearbeiten gewesen waere.. Man verwendete Weißdornstiele,
die federten- sonst waeren Gelenkschaeden die Folge gewesen.
Ueber die Lahn liegt Wirbelau, dort wurde 800-1000 v.Chr. bereits Eisen verhuettet,
das im Tagebau gewonnen wurde.
Mit einem Meißel und Schlaegel (Hammer) wurde mit Hilfe von Holz,
Wasser und Feuer Gestein -ohne Sprengstoff- gesprengt..
Aehnlich baerig ging es bei in den Marmorbruechen zu, die es hier zu Hauff gab.
Die Chronik berichtet, daß fuer das Schloss Neuwied eine Brunnenschale aus Marmor beordert wurde,
die mit 6 Ochsen davor gespannt nach Nassau transportiert werden musste-
um auf der Lahn zum Bestimmungsort zu gelangen.
Man liest von Verliesen oder Kellern, in die Gefangene an Seilen herabgelassen
und nicht bewacht werden mußten..
Die setzte der guetige Fuerst auch schon mal als Zwangsarbeiter ein,
damit sein Palast mit Marmor ausgeschmueckt werden konnte.

Ein wenig weiter weg, im Jahr 1792, steckt sich der Fuersterzbischof Wenzeslaus
die Gewinne der Niederselterser Mineralquelle ein: 48.000 Reichtaler pro Jahr..
Spaeter uebernahmen die Nassauer Herzoege diese Pfruende,- bis zu 150.000 Gulden Reingewinne
sollen im Jahr geflossen sein- das - so die Chronik, entspraeche dem Wert eines Schlosses..

Vor 250 Millionen Jahren faltete sich das Rheinischen Schiefergebirge auf,
das nach seiner Erosion ein Land aus Seen und Suempfen brachte, dicht bewachsen.
Erneut kam eine Auffaltung des Gebirges, aus der Seenplatte wurde der Taunus,
von 40 Millionen Jahren schwemmte das Wasser den zersetzten Schiefer von den Hoehen in den Westerwald,
wo er sich bis zu 70mtr maechtigen Schichten ablagerte. Als dann Vulkane ausbrachen,
wurde alles mit meterdicken Geroellschichten zugedeckt - die Grundlage fuer den Westerwaelder Ton,
der in vielen Gruben abgebaut und ueberall hin verschickt wird.

"Schwedenfratzen" als Sims- oder Kragensteine sollten Angreifer verhoehen..

Noch 1843 soll in Dauborn mehr als 500.000 reiner Alkohol gebrannt worden sein,
der beruehmte Dauborner Korn. Heute sollen es nicht mal 10% davon sein, die verkauft werden.
In manchen Wirtschaften sollen monatl. hundert oder zweihundert Liter abgeladen worden sein,-
heute evtl. sechs Liter.. uebrigens sind 65 % des Verkaufspreises irgendwelche Steuerlasten auf dem Schnaps.

Die letzte Eisengrube hat 1966 ihren Dienst eingestellt, die bis zu 350mtr tiefe Grube
ist heute ein Teil der Wasseraufbereitung Runkel.

Frueher waren ueberall kleine Molkereien- die in Schupbach bediente 45 Orte und lieferte Milch,
Butter und Quark aus- die Fahrer sammelten auf dem Rueckweg frische Milch von den Bauern ein.
Morgens um drei Uhr ging die Fahrt los.. kurz vor der Schließung hatte die Tagesmenge
immerhin 50.000 Liter betragen. Fuer jeden Liter rechnete man 10 Liter Wasser fuer den Produktionsprozess.

Die Limburger Chronik berichtet, daß die Stadt voller Leben sei, laut und geschaeftig,
mit vielen Maerkten und Haendlern - sehr viele Laeden der Altstadt dienten der Ernaehrung.




13.

Geschichtliches

Nach den Voelkerwanderungen trat der Frankenkoenig Clodwig im Jahr 496 n.Chr. auf die Buehne der Geschichte - die alteingesessenen Bewohner bekamen Zuwachs.
Bonifaz sprach von "Hessi" statt "Chatti" oder Katten. Umstritten ist das auch noch..
Der roem. Kaiser Konstantin hat das Christentum unter die Leute und .. nach Germanien eingeschleust,
indem er es zur "Staatsreligion" gemacht hat.

Das Kloster Dorlar wurde 1297 gestiftet, mit dem Markrecht in Waeldern, Wiesen und Weiden,
der halben Fischerei in der Lahn, dem Zehnten zu Dorlar, Waldgirmes- 14 Hufen Land.
Dort wird von einem "wundertaetigen Gnadenbild" erzaehlt, das in der Kapelle hing,
darunter unzaehlige Dankschriften der Gebetserhoerungen.
Eine 16jaehrig schleppte sich auf Kruecken muehsamst dorthin und von Stund an wurde ihr Flehen
von der Gottesmutter erhoert un sie konnte -vollkommen geheilt und ohne Kruecken- nach Hause gehen.
Nun war die Reformation ausgebrochen, die Bilderstuermer warfen das Bild in Lahn,
nahmen den Betenden jedes Mal die Kerzen weg.
Dem Frevler soll danach im Streit die Hand abgehauen worden sein. -
Das Bild aber stand aufrecht im Schilf - so holte man es andern Tags aus dem Wasser.
Spaeter kam das Bild als Erbteil nach Wetzlar, dann spaeter zu den Jesuiten.

Philipp der "Großmuetige" entschied sich fuer die Reformierten - und jeder, das war neu,
sollte sich "aus freier und innerer Entschließung zur neuen Lehre entscheiden koennen"
Dieser "Großmuetige" hat eine ganze und knallharte Gesetzgebung erlassen,
die alles andere als frei war- ein Beispiel:
(im Jahr 1543)
"Es ist unser ernstlicher Befehl, daß man Kristallseher und Wahrsager ganz und gar keine
in unserem Lande leide, sondern wo die angetroffen werden, daß man die an Leib und Gut
ohne alle Barmherzigkeit strafen soll"
Gegen Schwoeren und Fluchen hatte er auch was.. Turmarrest! Wehe es ging einer nicht in die Kirche... ;)

Der Frauenstein von 1585 ist ein Suehnekreuz, gestiftet von einem reuigen Grafen,
der seine Frau unterwegs in Eifersucht erstochen hat und nachher aller Welt entsagend,
im Bueßergewand ging - bis an sein Ende. So gehts wenn man auf den Tratsch hoert..

Ich habe ein Bild vor mir, das aus der Waldgirmeser Chronik von vor 44 Jahren stammt:
Es Zeit Waldgirmes als Zeichnung um das Jahr 1600..
Ein Dutzend Fachwerkgehoefte ohne Zaun, ohne Straßen oder gar Buergersteige
und ohne Straßenlaternen, die Dorfstraße nur ein Feldweg am Bach,
ueber den ein gemauerter Uebergang zur anderen Ortshaelfte fuehrt.
Ein paar Baeume im Ort, eine Kirche mit umfriedeten Gottesacker.
Wiesen rundherum, eine umzaeunte Weide und das war's..

Zurueck zur germanischen Zeit: Alle Freien, also alle, die unter einem eigenen Rauch waren,
uebten das Thing aus. Mit Waffen ausgestattet, kamen sie drei mal im Jahr an diesem Platz zusammen
um ueber anstehende Fragen zu beraten oder Gericht zu halten.
Dort wurden Juenglinge in die Maennerschar aufgenommen. Verraeter wurden an duerren -nicht gruenen- Baeumen aufgehaengt.
Feiglinge lebendig begraben, war die Schuld maeßig, konnte man sich durch Vieh freikaufen.
Schlugen sie ihre Waffen aneinander, war das die Zustimmung, andernfalls murrten sie laut..

Die Chronik im 30j. Krieg: " Daß eine Hungersnot ueberall herrsche,
welche die Soldaten dadurch vermehrten, daß sie unter dem Praetext der schuldigen
Kontribution alle Lebensmittel wegnehmen und sich der arme Landmann, der nicht Hungers sterben will,
nun mehr von Gras, Kraut und Wurzeln, duerren und gruenen Laubblaettern, ohne Brod, Salz und Schmalz ernaehren muß.
Sie mußten sich auch saettigen von Haeuten und Fellen der Thiere, Ochsen,
Pferde oder Schafe, Hunde, Katzen, Ratten und andere Thiere wurden gegessen und die,
die so viele Wochen in den Pfuehlen und Wassern gelegen und weggeworfen waren.
Um das Pferdefleisch hab en sich die Menschen gerupft, geschlagen und gar gemordet,
in Summa war eine solche Not, daß auch kein Mensch sozusagen des anderen geschont,
sondern mit Vortheil todtschlugen und verzehrten.
Die Gottesaecker haben sie durchsucht, die Graeber aufgebrochen, die Hochgerichte erstiegen
und die Toten zur Speise genommen. Ein Bruder hat die todte Schwester,
eine Tochter die todte Mutter angewendet und davon verzehrt."
(Von diesen Berichten habe ich einige gefunden)
Durch Tore abgeschlossene Orte waren fuer das Kriegsvolk kein Hindernis,
die Pforten wurden dadurch ruiniert.

1574 wurde vom Landgraf "mit aller Strenge" darauf geachtet, daß der Schuldienst
als Durchgangsstadium zum Pfarramt gewissenhaft getan wurde.
Die eigentlichen Schulen kamen wohl zwischen 1530-1540 auf..
..mit Schulordnung:
"Unsere Georgen von Gottes Gnaden Landgrafen zu Hessen - Ordnung
von fleißiger Uebung des Catechismi, der Kinderlehre, mehrer Kirchendisziplin
und anderer zur Erbauung des wahren Christenthums noethiger Stuecke.
In der untersten Klasse sitzen die Kinder, die noch nicht lesen koennen.
Mit denen soll der Schulmeister morgens etwa eine halbe Stunde den Catechismus
und zwar die blose fuenf Hauptstuecke samt Moren- und Abendgebetlein ueben,
und moegen die ihnen dieselben dergestalt beibringen, daß sie ihnen erstlich
ein Stuecklein des Catechismi zum Exempel das erse Gebot etlich mal fein deutlich vorsagen..
Alsdann das erste und andere Gebote gleichermaßen ihnen vorsagen und wiederholen lassen,
bis sie alles begriffen und ohne Anstoßen wieder nachreden koennen.
Darauf soll er dann das andere Gebot gleichermaßen von ihnen vorsagen und wiederholen lassen,
bis sie es auch recht behalten.. alsdann zum dritten schreiten, darnach das erste und zweite dazu tuen
und solches treiben bis das halbe Stuendlein vorueber ist.
Danach moegen sie sich zum Buchstabieren und Lesen wenden.
Wenn sie aber hernach wieder in die Schule kommen, soll alles wiederholt werden.

In der anderen Klasse sollen diejenigen sein, welche nunmehr die Hauptstuecke
ohne die Auslegung hersagen koennen.
Die sollen alle Morgen solche Stuecke von Anfang bis zum Ende recitieren,
und wann sie noch nicht fertig lesen und aus den Buechern auswendig lernen koennen,
so soll die Auslegung der Hauptstuecke gleichergestalt ihnen vorgetragen,
wie zuvor von den Angehenden ist gemeldet worden.
Auf diese Weise wird den kleinen Kindern der Catechismus mit der Auslegung in kurzer Zeit
wohl eingebildet und also ein guter Grund der Religion gelegt werden.

In der dritten Klasse oder bank befinden sich die, welche die Hauptstuecke samt der Auslegung wohl wissen.
Damit sie solches nicht vergessen, sollen sie morgens und abends auswendig hersprechen.
Darnach etliche auf gewisse Hauptstuecke des Catechismi gerichtete Fragestuecke
von den vornehmsten Punkten der christlichen Religion, da dieselben mit gewissen Spruechen
der Heiligen Schrift bewaehrt werden, darneben etliche feine Sprueche der Heiligen Schrift,
vornehmlich die ernstlichen Drohungen wider alle und jeder Laster,
damit sonderlich die Jugend angefochten und verderbet wird, wie auch die in Heiliger Schrift
befindlichen Vermahnungen zur Tugend und Ehrbarkeit, sodann Psalmen und Gebete,
welche die Schulmeister ihnen taeglich auswendig zu lernen aufgeben sollen.
Mit allem Fleiß zu verhueten, daß den Knaben und Maedchen nicht zuviel aufgeladen,
noch das zarte Gedaechtnis damit ueberladen werde. Wenn auch die Knaben oder Maegdlein ungehorsam und mutwillig sind,
oder sonst suendigen, soll der Lehrmeister den Catechismus auf die applicieren und ihnen zu Gemuet fuehren,
wie sie wider die Gebete gehandelt, dadurch ihren Gott erzuernet, den Bund der heiligen Taufe
ueberschritten und sich den Tisch des Herrn unwuerdig gemacht haetten"




14.

Geschichtliches

Die Ordnung von 1634 der Schulaufsicht hatte freilich auch Vorschriften, wie sich die Schulmeister und Schulmeisterinnen
in der Lehr und Disziplin zu verhalten hatten- nicht allein im Buchstabieren, Lesen und Schreiben,
sondern vornehmlich im Catechismi sollten sie examinieren und recht gruendlich erkunden,
die Kinder des gehoerigen Fleißes ermahnen.
Die Eltern sollten angehalten werden, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil das viel notwendiger sei,
als Essen und Trinken, wenn sie der heilsamen Lehr und Religion nicht liederlich und schaedlich abgehalten werden..
"Wann sie den fl. abgeben sollten, dann finden sich keine 30 der 70 Kinder in der Schule ein.."
Neben dem Schulgeld bekam der Lehrer noch Holzscheite, etwas Geld bei Beerdigungen und Hochzeiten -
wo er als Pfarrer sprechen mußte.

1726 berichtet die Chronik von der Hinrichtung von 25 Zigeunern durch
"zerstoßen ihrer Glieder von oben herab, radbrechen und den Koerper auf das Rad flechten"
"Ein paar durch Aufhaengen, die restlichen 11, darunter acht Weiber durch das Schwert.."
"Die Hingerichteten wurden bei dem Galgen verscharrt, zwei Leichen kamen in die Anatomie"
"Viele tausend Menschen waren nach Gießen gekommen, um diesem grausamen Schauspiel zuzusehen:
Alles ist in der schoensten Ordnung verrichtet worden"

Die rote Ruhr kam, nicht ein Haus, wo nicht einer oder zwei aus der Tuer getragen wurden-
und einer oder zwei in den Betten lagen.
"selig sind die Toten, die im Herrn sterben, bei dieser bekuemmerten Zeit,
die wahrlich nicht klaeglicher sein koennte, die Waelder und Felder, Haus und Hof,
und alle Nahrungsmittel verheeret und verstoeret, fouragieret und den Leuten weggenommen
und uns nichts gelassen wird. Herr erbarm dich unser.."
(Aus dem Kirchenbuch Rodheim)
Die Bevoelkerung gab so bereitwillig und zahlreich den hungernden Soldaten Brot,
daß die Vorposten unruhig wurden, ob der Menge, die zum Heerlager des Holsteinischen Corps kam..

1762 war die Fourage so knapp, daß die Daecher abgedeckt wurden, um mit dem Stroh das Vieh zu fuettern.

Man muß wissen, daß damals die bebauten Flaechen noch recht gering waren,
nicht fuer so viele Leute ausgelegt, wie sie bei den Truppendurchmaerschen ploetzlich auf der Wiese standen!
Erst 1703 wurden die Felder und Fluren richtig vermessen und nach Rutenzahl berechnet.
Nach und nach wurden Waldflaechen gerodet, die Abteilungen in Gaue eingeteilt.
Die Resourcen verteilt - wer die Rodung bezahlte, war der Herr.
Den Wald umhegte man mit "Federgarn", trieb die Hasen hinein, die dann in dem trichterfoermigen
Ende gekeult wurden..
Die Parforce-Jagden der Herren brachten schlimme Ernteeinbußen und sehr viele Leute zum auswandern.
(Gegenwehr gegen die Herren war zwecklos, sogar die Nothilfe der Bauern gegen das viele Wild
wurde hart als Wilderei bestraft)
So holte man sich von "den guetigen Herren" die Erlaubnis, um nach "Insel Carolina", mit den Schwabenzuegen und von Maria Theresia angeworben- fortziehen zu koennen..

Immer und immer wieder berichten die Chroniken von grausamen Zustaenden- hier aus dem Jahr 1796,
wo die K.u.K. von der Sieg kommend auf dem Rueckzug waren und die Franzosen in den Wetzlarer Raum nachrueckten:
"die Leute pluenderten, Geld von ihnen erpreßten und dabei bis in die Nacht fortpluenderten, auch viele Weibsleut geschaendet,
und morgens am Tag gleich wieder anfangen zu pluendern von Montierung, Huehner und Gaens, alles fortschleppten,
wie eine echte Raeuberbande ueberschwemmten sie die Haeuser von unten nach obenund nahmen alles, was noch zu finden war.."
"sie zerschlugen was sie nicht pluenderten, ließen den Wein groeßtenteils in die Keller laufen,
erhitzt vom uebermaeßigen Genuß starken
Getraenks drueckten sie ihrem Heldenmut das Siegel auf, indem sie ein an Hand
und Fuß gelaehmtes Maedchen in eine Scheune schleppten und der Reihe nach mißbrauchen."

Sie kamen wieder zurueck, wurden von der anderen Seite zum Abzug gedraengt und so fort.
Die Kosten fuer die Gemeinden waren erschreckend, die von den Unterkuenften der Herren Offiziere herruehrten-
die Frauen hatten nichts zu lachen, wer nicht freiwillig allen Forderungen nachkam,
wurde mißhandelt oder erschlagen.

Noch im Jahr 1843 wird berichtet, daß keinesfalls jeder als Ortsbuerger angenommen wurde:
"Wenn der Antragsteller keinen guten Ruf hat, wenn er das erforderliche Vermoegen nicht nachweisen kann,
kein Handwerk erlernt und auch als Tageloehner nicht in der Lage ist, eine Familie zu ernaehren"
Bestenfalls als "Beisaß" geduldet- nicht wie heute...

"Wegen zu fruehem Beischlafs" (wenn das erste Kind nach der Hochzeit zu frueh zur Welt kam)
wurden 15 Gulden Strafe faellig, Wenn Brautleute dritten Grades verwandt heiraten wollten, wurden 10 Gulden faellig,
(Schwester der verstorbenen Frau)

"Laßt uns als Nachbarn sein wie Brueder gleich, leben ohne allen Haß und Neid.
Schicksalsschlaege fragen nicht nach arm und reich, moeg Gott uns geben, Schutz ud Segen allezeit!"

Die Waldgirmeser Chronik schreibt, daß mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges
die beschauliche und schoene Zeit dahin gewesen sei- unser Dorf bestand im Jahr 1900 aus 206 bewohnten Haeusern,
in denen 596 maennliche und 615 weibliche Personen lebten- also 1184 Einwohner.
Eine Wasserleitung kannt man noch nicht, in den wenigen Dorfstraßen standen Leierbrunnen,
wo an der Kette Eimer hinab gelassen wurden.. zur Koch- und Fuetterungszeit war der Ort lebendig, sonst eher still.
Rundherum Obstgaerten und Hecken, auch Wein, dahinter Felder und Wiesen.

Eine Verlobungsfeier kannte man nicht, der Ring dazu wurde erst nach 1900 eingefuehrt-
bis dahin galt der "Verspruch", wo kaum einer nach seiner Herzensneigung befragt wurde- wichtig war,
daß Besitz zu Besitz kam. (Zumal bei der Erbteilung die Anteile immer kleiner wurden)
Die Hochzeit folgte bald, die Aussteuer war laengst zusammen, wenn der Brautwagen
(wenn genug Mittel vorhanden waren) beladen wurde.
Viele Ellen gesponnene Wolle, Bettwaesche, handgenaehte Hemden und Gewaender oder Kleidung,
ein Bett, ein Kleiderschrank, Tisch und Stuehle, eine buntbemalte Truhe, voll mit Leinen,
Waesche, gutem Porzellan, Toepfen etc. ein Spinnrad durfte nicht fehlen- kamen auf den Karren.
Man schlief auf einem Strohsack in der Bettlade unter einem rot oder blaukariertem Bettbezug.
Reiche Bauernhochzeiten waren freilich nicht mit denen der aermeren Schichten zu vergleichen,
auch nicht bei der anschließenden Hochzeitsfeier.
Die Brautleute gingen hintereinander zum Altar, nicht nebeneinander..

Verstorbene lagen bis zur Beerdigung im Haus - wenn man sich die beengten Wohnverhaeltnisse vorstellt..
..bis auf das "Trauermaentelchen" vor dem Gesicht der Frauen, das ueber den Kopf gehaengt wurde
und nur die Augen frei ließ, hat sich heute nicht so viel geaendert.
(Zumindest bis um das Jahr 2000 herum, wo immer weniger Feierlichkeiten gemacht wurden)
"Se hun die Haut versoffe" sagte man, wenn ein Lediger verstorben war und seine Kumpels
auf sein Wohl im Wirtshaus tranken und futterten..

"Es geht ein Liedchen im Volke,
die Maedchen sanens zur Nacht,
wenn unter den fluesternden Halmen,
im Felde die Sehnsucht erwacht.

Das Lied vom zerbrochenen Ringelein
und von der Muehle im Grund.
Die Wasser, die wogten und rauschten,
dem Burschen war's gar zu Mut.

Sie sang so oft mit den andern,
doch nun schleicht sie leise vorbei;
Sie birgte das Haupt in die Haende,
das Ringlein sprang entzwei."

***

"Ich hoert' ein Voeglein pfeifen
den lieben langen Tag;
es sang in aller Fruehe
im duft'gen Rosenhag:
Schließ' due mein Herz wohl in das dein',
schließ' eins ins andere hinein,
treu und bestaendig will ich sein,
du sollst mein eigen sein.
Wenn auch vom armen Burschen
es dich zum reichen zieht,
vor deinem Fenster klingen
soll dennoch stets mein Lied:
Schließ' du mein Herz...

Und muß ich fort und wandern,
muß in die Welt hinein,
gedenken wirst du meiner,
faellt dir mein Liedchen ein:
Schließ' du mein Herz..."

(Zwei Waldgirmeser Lieder, die heute wohl vergessen sind, gaebe es nicht hier und da
einen seltsamen Menschen, der sie retten und bewahren mag)




15.

Geschichtliches


Wer weiß schon noch den "Kissentanz"? Man Kirchweih-Montag tanzte man gerne,
aber nicht paarweise, sondern in Gruppen. Burschen und Maedchen standen in einem Kreis.
Einer der Burschen tanzte mit einem Kissen auf dem Ruecken innerhalb dieses Kreises nach einer flotten Musik.
Hatte er seine Runden abgetanzt, warf er dem Maedchen seiner Wahl das Kissen vor die Fueße.
Es mußte mit ihm auf dem Kissen knieen und ihm einen Kuß geben.
Darauf hatte es das Recht, mit dem Kissen im Kreis zu tanzen und sich einen Burschen auszusuchen.
Der Tanz waehrte so lange, bis alle Burschen und Maedchen einmal im Kreis waren.
Alle Kuesse wurden von der Musik durch einen schoenen Triller untermalt.
Der Kissentanz wurde von einem paarweise getanzten Walzer beendet..

In den Wirtsstuben -zuweilen auch in Spinnstuben- spielten 2 oder 3 Musikanten auf,
gewoehnlich ein Harmonikaspieler und zwei Geiger oder Klarinettisten.
..da gabe es noch den Kroppeldeckel (Topfdeckel)- der inmitten der spinnenden Maedchen sich drehte, -
der Bursche rief den Namen eines der Maedchen, das dann schnell zu dem Deckel springen mußte
und diese aufheben- war es zu langsam und der Deckel kippte auf den Rand, war ein Kuß faellig,
um sich frei zu kaufen.
War der Deckel noch im Lauf, konnte es diesen an den naechsten Burschen weitergeben..

Erst nachdem die Naturtrompete in ein Instrument mit Ventil aufgestiegen war,
nahm man dieses in die Dorfmusik auf.

Mit der franz. Revolution kam ein neues politisches und religioeses Bewusstsein, Vernunftsglaube
und moralisches Religionsverstaendnis, Aufklaerung und Rationalismus- die Kirchenvereinigung der evangelischen Stroemungen,
vaterlaendische Gefuehlswelten..

Sprachliche Formen des Gebetes wurden vereinfacht, die Hostie wich dem weißen Abendmahlbrot.
An der Spitze der Pfarrei-Klasse stand der Metropolitan.
Im Volksmund wurde der Zungenbrecher oft "Meddelbollidahn" oder "Metropolterjan" genannt.
1830 wurden im Kurfuerstentum Hessen-Cassel neue Kirchenbuecher mit Rubriken und Registern eingefuehrt,
eine Erleichterung fuer die Ahnen - und Familienforscher.
Die Bewegung der "Stillen im Lande" und der Erweckung und des Neupietismus waren Formen
der staatserhaltenden Obrigkeit "Kirche".
1885 begruendete die Gelnhaeuser Konferenz die Kinderheilanstalt Bad Orb und das Spessartsanatorium -
1935/45 bildete die Konferenz die Basis lebhafter Auseinandersetzung mit dem theologischen Irrlehren
des Nationalsozialismus - im Kirchenkreis gab es Anhaenger der "Deutschen Christen" mit ihrem
Nationalismus, Rassenhaß und Blut- und Bodenkultus.. so die Chronik.

Schon frueh gab es Klagen gegen Mueller, die ihre Monopolstellung mißbrauchten
("Bannmuehle"), die Leute lange warten ließen,
oft schlechtes Mehl lieferten oder beim Moltern betrogen haben.
Die Muehlen am rauschenden Bach klappern nicht mehr, die meisten Dorf-Backhaeuser stehen
unbenutzt und traeumen von alten Zeiten..

In Orb (heutiges Bad Orb) wurde Salz durch Sieden gewonnen schon im 15. und 16. Jhd. -
Geistliche, Fuersten, Stifte und Kloester, das Hospital der Stadt, die Kirche und einheimische Buerger
traten als Anteilsbesitzer des Salzwerkes auf.
Das ist von daher interessant, daß man von "Beguetertentagen" sprach, den heutigen Aktionaersversammlungen..

Kreuzsteine sind ca 1mtr hohe Kreuze in verschiedenen Formen, meist aus Stein,
namentlich an Feldwegen, Straßenkreuzungen- teils mit, teils ohne Inschrift,
gesetzt als Erinnerung an ein tragisches Ereignis, etwa als Suehne fuer einen Mord etc.
seit etwa dem 13.Jh gebrauchlich.. So aehnlich im alten Brockhaus beschrieben.
Eine alte Malstaette ist die ueber 600 Jahre alte Linde vor der Kirche in Udenhain,
wo wohl manches denkwuerdige Schauspiel gelaufen sein mu ß- das oft mit dem beruehmten "Stab brechen" beendet wurde.
Der Verurteilte wurde gehenkt, - der Flurname "am Wolfsgalgen" weist darauf hin,
daß man den Wolf und den Uebeltaeter gleichgesinnt sah.
Manchmal kam der Verurteilte auch damit davon, eine schwere Strafe zu zahlen und einen Suehnestein zu stellen..

Das Weistum von Somborn 1455 weist den beiden Landesherrn, dem Erzbischof von Mainz wie dem Grafen
von Hanau "Grund und Boden zum Eigentum und den Gebrauch der Armen Leut" zu.
Alle dienstpflichtig gewordenen Leute werden nun "Arme Leute" genannt, obwohl vom Grad
der Dienstbarkeit große Unterschiede bestanden..

Im Jahr 1320 wurde wurde das Schloß Hausen zu der Brucken erstmalig als Stammsitz derer von Hutten erwaehnt,
der Glanz der Vergangenheit ist laengst erloschen, auch die Pracht des Luxushotels,
das man 1952 dort etablierte- heute ist das Christliche Jugendwerk dort untergebracht.
http://www.badsoden-salmuenster.de/stadt-stadtteile/stadtteile/hausen.html

Durch Tageloehner wurde der kleine Zehnt (der Kirchenzehnt) eingefordert oder abgeholt.
Hier wird von heftigen Schummeleien berichtet- nicht jeder 10. Kartoffelbusch-
sondern jeder 14. nicht jedes 10. Gebund Heu, sondern eher weniger wurden eingesammelt und abgeliefert,
wie es der Pfarrer resignierend beklagte. (Er hatte keine Kinder, was braucht er da so viel- meinte das Volk)
Jede Ackerfrucht wurde besteuert, alles haarklein aufgelistet.
Die Haltung des "Faselviehs" (Zuchtbulle) sei eine "odioese Sache" fuer einen Priester, so raunte man.

"Wenns nicht geregnet haett" so der -verhinderte- Gelnhaeuser "Kaisermoerders",
der den Napoleon I auf dem Rueckzug durch die Weinberge erschiessen wollte:
Der Buerger verlor seinen Sohn, der fuer die "grand Nation" im russischen Winter "fiel".
Der Regen verhinderte die Zuendung der Pulverpfanne des Vorderladers..

Wer kennt schon noch Armand - Strubberg, der 1889 in Gelnhausen verstarb?
Das Vorbild Karl May's war im Gegensatz zu diesem tatsaechlich in Amerika,
wo er ein abenteuerliches Leben fuehrte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fred%C3%A9ric_Armand_Strubberg
Spannend allemal, zumal er zum Schluß von einem Adligen betrogen wurde, dem er aus der Patsche half..

Schon in der Jungsteinzeit machte man Steingefaeße, deren Gebrauchswert mit der Glasur
spaeter erhoeht wurden- ab und an findet man nochmal einen alten Zeitzeugen,
bei dem unwillkuerlich der Gedanke kommt: Wer mag aus diesem Geschirr gegessen haben?
Ein Chronist schieb: " Bei dem alten, knorrigen Fliederstrauch unter dem staemmigen Zwetschgenbaeumen
lag ein esonders flacher Basaltriese.
Hier saß ich gerne und ließ die Beine ueber die Trockenmauer zur Wiese hinunterbaumeln.
Am Bissel hieß der Garten. Bislechtis, Bisslitz, das ist ein Weiler gewesen,
dessen Huben und Hoefe alle erloschen sind.
Nur der Chronist weiß mit dem Namen noch etwas anzufangen.
Er nennt sie in einem Atemzug mit der Lindenfurt und dem Totenhof am Riedbach.
Der Fruehling mit den Bluetenrispen des Fliederstrauchs und der Sommer waren vergangen.
Im Herbst, als viele Zwetschgenbaeume blau von Fruechten prangten, bin ich noch einmal dort gewesen.
Der Bisselsberg unerlag einem Plan, der die gesamte Feldmark aenderte.
Raine wurden geebnet, das Unland und die Huegelheide gerodet.
Mauer und Garten am Bissel gingen in ein großes Feld ueber.
Vermessen war das bald. Die neuen Grenzen lagen schießlich fest.-
Heute, wo die steile Mauer nicht mehr steht, ohne den Schleppsporn mit dem Garten, ist es flach und eintoenig auf dem Bisselsberg.
Der schoene Garten!
Nach dem Vernichtungswerk, das wohl im Sinne einer modernen Bodenbewirtschaftung erfolgen mußte,
zog ich voll Wehmut ueber das einstige Gartenland.
Von weitem fiel mir die große, braune Flaeche auf.
Ein Bauer erinnerte sich, daß die Steine der Trockenmauer beim Feldwegebau Verwendung fanden.
Beim Naeherkommen gewahrte ich den mir lieben Fliederstrauch, Blattlos, duerr,
entwurzelt lag er zwischen den gefaellten Zwetschgenbaeumen.
Im sproeden Gewirr des Wurzelwerks hing noch trockener Lehm.
Dazwischen entdeckte ich einen Schatz;
ich fingerte, ruettelte und zerrte; aeußerlich dunkelgruene Farbe, innen braune Glasur.
Ich hatte das Bruchstueck einer Toepferarbeit gefunden.
Ein allerliebstes Beispiel heimischer Kunstfertigkeit:
Eigenwilliger Zauber.
Fuer einen Augenblick will die Zeit stehenbleiben.
Als ob Meister und Werk noch jetzt Zwiesprache halten wuerden!
Da sitzt ein Frosch als Henkel eines Schnittblumen-Topfes und zieht ein breites Maul.
Quakt er oder schnappt er gerade nach einem Muecklein?
Zu Hause bei Verwandten und Bekannten ließ ich das Froeschlein erzaehlen.
Es brachte die Sprache auf den Toepfer Hix aus Wittgenborn, dem die Verwalter
des Buedinger Heuson-Museums einen Ehrenplatz zugewiesen haben.
Er war der Meister des Frosches und der Eidechse.
Als Huetebub lag er bei ihnen im Gras. Ihr Bild praegte seinen Sinn fuer Zierrat.
Unter seinen geschickten Haenden nahmen sie immer wieder Gestald an.
Er liebte sie als reifer Kuenstler noch.
Da sind sie, geformt und gebrannt aus Ton, zu Unsterblichkeit gekommen..." (G.B.)

Private Backoefen wollte man zu Gunsten einer zentralen Backeinheit in den Doerfern verbieten,
weil das Brennmaterial knapp wurde.
Die Argumente dagegen waren staerker: Das Doerrobst wurde in jedem Haus gemacht,
das Brot vertrug auch den Transport zum Backhaus nicht unbedingt, weil es aus Vermischungen von Korn, Heidenkorn,
Hafer und Kartoffel gemacht wurde- was gerade zur Verfuegung war..
"Bey diesen gegruendeten Ursachen halte ich, jedoch hoeherer Beurtheilung allenthalben unzielsetzlich,
dafuer, daß die beybehaltung derer privat Backoefen, so wie es bis hierher geweßen,
um so mehr raethlich seyn doerfte, als dadurch zugleich viele Zaenkereien,
welche bey den Gemeinde Backofen oefters vorfallen, vorgebeugt wird"

Adam Reußwig schrieb: "..bei aller lautlichen Nuancierung haben unsere doerflichen Sprechweisen
einige Eigentuemlichkeiten hinsichtlich der Zeiten gemeinsam. Der doerfliche Mensch kommt mit drei Zeiten aus.
Er uebersieht die Vergangenheitsform -Imperfekt- und meidet trotz moeglichen Widerspruchs im Grunde auch die Futurformen.
Selbst wenn er von weit zurueckliegender Zeit und ohne Gemuetsbeziehungen von vergangenen Fakten spricht,
gebraucht er die abgeschlossene Vergangenheit: Ich hu damals grod gezackert!
Und wenn er gerad vom Acker kommt, heißt es auch: Ich hu gezackert.
Im allgemeinen gebraucht man das Plusquamperfekt richtig, naemlich immer nur mit gleichzeitiger Nennung
eines zweiten Faktums, das zwar vergangen ist, doch zeitlich spaeter eintrat.
Waei dou mi gegant best, harr ich schon gemolke..
Wo mir us gestern geseh hu, wor ich schun en Hane gewese.
Bes de Sun okomme es, wor de Vodder gestorwe.
Sagt aber einer:
Gestern war ich en Haaen gewese, dann weiß man, daß seine Wiege nicht am Kinzigufer,
sondern mehr mainwaerts stand. es fehlt in der Aussage die Beziehung zu einem Faktum.
Damit entfaellt die Berechtigung, die Zeit zu gebrauchen, die man frueher in rechter Erkenntnis
ihrer Anwendungsart die Vorvergangenheit nannte.
Im Nichtgebrauch der Vergangenheit, des Perfekts, aeußert sich wohl eine seelische Haltung.
Was nicht als Wirkung noch gegenwaertig, was nicht als Folge aus vergangenen Handlungen
in die Gegenwart lebendig, was ihn seelisch nicht mehr beruehrt, hat im Bewußtsein
des Bauern keinen Platz.
Ich habe bewußt das Wort Bauer gebraucht, denn die noch heute beobachteten sprachlichen
Besonderheiten Bildeten sich, als alle Mundartssprecher noch Bauern waren,
baeuerlich dachten und baeuerlich fuehlten.
Aus dieser Betrachtung des Vergangenen resultiert wahrscheinlich die allgemein feststellbare Gleichgueltigkeit gegen die Vergangenheit,
der oft beklagte Mangel geschichtlichen Sinns. Mir sagte einmal einer, der mit Leib und Seele Bauer war,
und der das kaergliche Leben auf gepachteter Scholle dem finanziell gesicherten als Fabrikarbeiter vorzog,
von frueher wisse er gar nichts, wolle auch nichts wissen, ihm seien nich teinmal alle vier Großeltern namentlich bekannt.
Meiner behauptung von der Unbeliebtheit der Zukunftsform koennte wiedersprochen werden,
da bei Gelegenheit wirklich gesagt wird: Na, ich wen emol higi!
, was ja in woertlicher Uebersetzung:
Nun, ich werde einmal ingehn! heißt und der Form nach tatsaechlich dem 1. Futur entspricht.
So aber sagt keiner, der schon fest und unumstoeßlich und endgueltig entschlossen ist.
Solchen Entschluß gibt man landlaeufig in der Form wieder:
Ich gi hi! Um wegen der Gegenwartsform kein Mißverstaendnis aufkommen zu lassen,
fuegen gruendliche Sprecher der Aussage noch ein unmißverstaendliches Umstandswort der Zeit hinzu:
Heut meddog fohr ich nach Frankfort! Morche owend gi ich uff de Maskeball!
Iwwerman kraeie me Mehdrescher! Sagt einer aber:
Noja, ich wern e mol hingeh, so beendet er damit vorlaeufig eine Zeitspanne des Abwaegens,
des Ueberlegens, gibt aber zugleich kund, daß er noch immer Zweifel habe.
Seiner Aussage kommt also nicht die Bestimmtheit des Indikativs, sondern bestenfalls
die Wahrscheinlichkeit einer konditionalen Aussage zu. Nun aber:
Bouch zu! an geschwiche.. (Buch zu und geschwiegen)"

Mit den Woelfen heuten, eine alte Weisheit spricht,
mit den Schweinen grunzen braucht man deshalb lange nicht..

Weltliche und geistliche Fuersten verpfaendeten zuweilen ihren Besitz,
ob realen in Form von Feldern, die in Lehen gingen, oder ideelle Werte,
die Einkuenfte aus Lehen oder Steuer- oder Zollrechte an Dritte.
So kamen ganze Staedte in andere Haende, weil das Pfand nicht mehr ausgeloest werden konnte..
Zuweilen war die Triebfeder auch die Verheiratung der Toechter, die zu seltsamen Geschaeften raten lies.
Mainzer Stiftsprotokolle berichten, daß Privatleute, Christen wie Juden, dem Erzstift Geld liehen:
"ihre Schuldforderungen um ein Billiges, zu halben Preisen, an sich brachten und dann vom Erzstift
die doppelte Bezahlung verlangten."
Das schaut doch sehr nach den Ahnen unserer lieben Spekulanten aus- oder?
Ein Trick die Stadtrechte und somit die Leibeigenschaft seiner Bewohner an den Fuersten abzugeben,
ist das Ersuchen um die Stadtrechte.
1817 wurde dieses Gesuch der Graefin zu Ysenburg abgelehnt, den Flecken Meerholz,
der Sitz der graefl. Regierung und des hoechsten "standesherrlichen" Gerichts war.
Der Regierungsdirektor der Kurfuestlichen Hessischen Verwaltungskommission lehnte es ab.

Sehr interessant ist die Begebenheit aus dem Jahr 1836, wo von der Regierung in Wuerzburg
ein Protokoll ueber die Einlegung der Stadtmauern von Orb (Bad Orb) an den Koenig von Bayern erzaehlt..
In dem Bericht steht: "Das Stadtchen Orb ist aeußerst unregelmaeßig gebaut,
hat sehr enge Straßen und Winkel.
Vor den Haeusern ist sehr viel Mist angefuellt und die Jauche laeuft frei auf den Gassen.
Dies ist alles auf die eng zusammengebauten Haeuser und Straßen zurueckzufuehren.
Selbst die Sanitaetspolizei hat hiergegen schon Einspruch erhoben, daß es nicht angaengig ist,
daß die Wohnungen zu eng in den dumpfen Winkeln zueinanderliegen.
Dies hat entscheidenen Einfluß auf die physische, gesundheitliche und moralische Entwicklung der Bewohner von Orb.
Auch der Wohlstand leidet darunter und insbesondere die nicht unwichtige Viehzucht.
Das Vieh benoetigt auch dringend gesunde und luftige Staelle,
denn heute ist das Vieh in engen Staellen, ja Loechern untergebracht."

Die Kommission fuehrte diese Zustaende zum Teil auf die alten, hohen Stadtmauern zurueck,
die einen Teil des frischen Luftzuges abhielten.
Auch bestehe Gefahr, daß die Mauern und Tuerme einstuerzten.
Die Kommission stellte den Antrag, die Stadtmauern einzulegen,
um dadurch der Luft den Weg in die Sadt freizugeben
und gleichzeitig eine Erweiterung der Stadt vorzubereiten.
Das Kommitee sah die Einlegung der Stadtmauern als eine Wohltat fuer die Stadt an.
Schon vor dem 15. September 1836 waren Berichte gesandt worden.
So wurde bereits am 6. August eine Zeichnung ueber die Regierung in Wuerzburg
nach Muenchen eingereicht, auf der außerdem erlaeuternde Bemerkungen des Dechanten und Pfarrers Lillbopp zu Orb standen.

Ein 6 Punkte Katalog dazu:

1. Die einzulegenden Mauern und Thuerme in historischer und architektonischer Beziehung werthlos;
2. daß insbesondere die Thuerme zum Theile dem Einsturze nahe sind, und daher,
um aehnliche Unfaelle, wie sie dem anliegenden Berichte erwaehnt sind, vorzubeugen,
ohnehin bald aus sicherheitspolizeilichen Ruecksichten eingelegt werden mueßte;
3. daß zum Zwecke der Vertheidigung saemmtliches Mauerwerk durchaus keine Bedeutung hat,
und bey der Enge des ringsum von hohen Bergen eingeschlossenen Thales selbst in besserem Zustande nie haben koennte;
4. daß die Mauern die Wohnung ueberragen, nur wenige Schuhe von denselben ernfernt sind;
daher nicht nur den Zutritt der freien Luft hemmen, sondern auch die ohnehin zu große Feuchtigkeit befoerdern;
5. daß unter diesen Umstaenden, und weil das Staedtchen ohnehin sehr tief,
und zum großen Theile tiefer noch als das Fundament der Stadtmauern gelegen ist, bei dem Fortbestande der Mauern
nie den Anforderungen der Sanitaetspolizei entsprechender Zustand herbeygefuehrt, insbesondere
6. der gegenwaertig in der Berathung begriffene Bauplan fuer das Staedtchen Orb
nicht zur Ausfuehrung gebracht werden kann; und solange in baupolizeilicher Beziehung keine Verbesserung
zu erwirken ist, als alle Maasregeln zur Hebung der Gemeinde nur halb und unsicher erscheinen"

Die abgebrochenen Steine aus der Stadtmauer und diesen Tuermen sollten zum Bau des neuen Hospitals
verwendet werden, was die Baukosten vermindern sollte.
Diese Argumentation ueberzeugte das Ministerium und so gab der Koenig am 25ten October 1836
den entsprechenden Befehl dazu.




16.

Geschichtliches



Luise Druschel (t 1946):
Der Andreas is en aller Mann,
der iwwer alles babbele kann.
Beim Schuster so, den ganze Dag,
do simmeliert er immer nach.
Heut' muß er an die Weiwer denke,
weil ihn sei Marri arg daht krenke.
"Tja!, maant er, "su vor verzig Jah'n
wäi mir noch junge Ehleut' war'n,
do hätt' aich gern, s'is näit vergesse,
vir lauter Lieb' mei Fraa gefresse!
Un etzt, und etzt?
Etzt duht mer's laad,
daß aich se näit gefresse hatt'!"

Unbekannt:

Wer morgens nuechtern 3 mal schmunzelt,
Wenn's regnet, nicht die Stirne runzelt-
Und abends singt, daß alles schallt,-
Wird 99 Jahre alt!

Bei dieser Gelegenheit kommt mir immer haeufiger der Gedanke an die Alten, die diese Zeilen schrieben,
die mir auf meinen Seiten erhaltenswert erschienen..

Der Geist der Amtsstuben weht zuweilen noch immer, der damals- man schrieb das Jahr 1865- weht;
schoen zu sehen an einem Brief der Buerger der Gemeinde Orb an "die hohe koenigliche Regierung"
als Einspruch gegen den Abriss des Rathauses.
"...geleitet vom Bewußtsein, daß Hohe Koenigliche Regierung nur wahren inneren Wohlstand
einer Gemeinde foerdern will, nur aber glanzvolle Außenseiten ohne diesen, oder auf Kosten
derselben lieben, und wuenschen kann,und angespornt von dem Vertrauen auf die wahrhaft
vaeterliche Fuersorg, mit welcher sich Hohe Kreisstelle der kleinsten Gemeinde,
auch des letzten Doerfchens in Unterfrankens Gauen gnaedigst annimmbt, wagt die gehorsamste,
unterfertige Buerschaft Hoher Koeniglicher Regierung, eine große Angelegenheit,
mit gehorsamster innigster Bitte vorzutragen, deren Inhalt fuer jeden Buerger Orbs zu wichtige
Gewissenssache ist, als daß derselbe von den unterthaenigst Unterfertigten,
in stiller Ruhe, haette todtgeschwiegen werden koennen.."

Ja, so begegnete man den Amtstraegern, das war schoen..

Damals hatten die Gemeinden bestenfalls eine Liste mit den Werten der einzelnen Umlaufmuenzen
der div. Fuerstentuemer und Kleinstaaten, die aber nur durch den freien Geldmarkt beim Wechsler
-mehr geraten als wahrhaft- umgetauscht wurden. So mancher hat sich ganz schoen umgeschaut,
wenn die gerade verkaufte Kuh einen Teil weniger einbrachte, als die Fraenkischen
gegen Preußische Thaler eingetauscht wurden.
Deshalb trug die Stadt diese Kursverluste, die im Jahr 1822 den Gemeinderechner
mit drei Schuldposten sitzen lies..
1840 vereinnahmte der Rechner 35 Frankenthaler in 7 Stueck zu je 5 Thaler heimischer Waehrung,
gesetzt ein Thaler zu 2 fl 22 Kreuzer - wovon aber nur 2 fl 20 Kreuzer erzielt wurden.
Das subsummierte sich fuer die Gemeinde, zumal das bei div. Waehrung der Fall war,
in denen "auslaendische" Arbeiter und Haendler oder Reisende bezahlten.
(Ein Geschaeft mochte freilich niemand ablehnen)

Nach der Trauung sitzt man zusammen an der Hochzeitstafel uns laesst es sich schmecken -
die zuvor gefuehrte lebhafte Unterhaltung ist verstummt.
Da fragt der Vater sein Buebchen:
"Na Karlche, wie gefaellt ders dann hier?" Der Kleine antwortet:
"Baba, hai is es wei bei uns im Stall, wann se fresse, sein se all ruhig."

Der Mensch lacht ueber nichts so gerne, wie ueber das Malheur der anderen.
(Wilhelm Busch)

Ein wenig aus der Karolingerzeit gefaellig? Bitte sehr:
Ueber Leib und Leben befahl der Koenig, dessen Macht absolut war.
Seit dem 7. Jhd war diese Gewalt aber bereits im Wandel- und christliche Einfluesse kamen dazu.
Das bewirkte nicht etwa eine neue Humanitaet, nee, sondern der Koenig fuehlte
sich danach von Gott persoenlich eingesetzt..
Als sich die Germanen das roemische Reich einverleibten, fanden sie einen alteingesessenen Adel vor,
der ueber ausgedehnte Besitzungen verfuegte.
Als Kontrast stand die restliche Bevoelkerung total ungebildet da, hoerig und den Weisungen
der "Verwaltung", die freilich nur durch diesen Adel und auch zu deren Gunsten- gebunden.
Der neue Glaube fand zuerst in den Staedten statt, wo alle Verruecktheiten entstammen-
der "heilige Martin" begann darauf seine "Bauernmission".
Die "Reste des Heidentums" sollen noch lange lebendig gewesen sein- was denn sonst?
Es dauerte nicht lange, da erfand man die Bischoefe, die -wie praktisch- auch gleich alle Macht
und Rechtspechung inne hatten.
Allerdings mischte sich nun der / die Koenige in die Wahlen der Bischoefe ein, was ein Novum war -
und die naechsten 1000 Jahre so bleiben sollte.

Im Sueden irrte der heilige Benedikt herum und gruendete Kloester mit festen Regeln,
im Norden missionierten aus Irland andere Moenche.
Die Zahl der Kloester ging bald in die Tausende und durch die Zahl der Schenkungen und Mitmacher
aus hoehern Kreisen, die alle des Lesens und des Schreibens der lat. Schrift
maechtig waren- wurden diese Einrichtungen der Hort neuer Bildung und auch Forschung, was die Feldbearbeitung anbelangt.
Das klassische Latein verkam zu einer recht gruseligen Vereinfachung, so wird berichtet.
Von wirtschaftlichem Leben konnte noch keine Rede sein, eher vom Tauschhandel,
der in der gemanischen Vorstellungswelt begruendet war.

Im "Barbarenland" wurden im 5. Jhd noch keine eigenen Muenzen gepraegt,
so verstand man auch spaeter lange Zeit nicht mit dem Geldsystem des roem. Reiches umzugehen.

Karl Martell handelte im Namen einer laengst untergegangenen Dynastie -
die man noch nicht wagte als abgesetzt zu erklaeren,
als die Invasion der Mauren drohte ueber die Pyrenaen zu gehen.
Die neu organisierte fraenkische Macht war der einzige limitierende Faktor dieser Orientalen,
die sich das Abendland unter den Nagel reißen wollten.
Das Ideal der Karolinger un der Kapetinger schritt zur Tat.
Dieser Karl Martell trat als Theoderich IV auf, der 737 ohne Erben starb.
Kurz vor seinem Tod teilte er das Reich auf seine beiden Soehne Pippin und Karlmann auf, die dann den Titel eines "Hausmeiers" fuehrten.
(Wie er Soehne haben konnte und keine Erben hatte, ist mir irgendwie nicht klar..)
Papst Stephan II erneuerte die "sakrale Weihe" Pippins- auch dessen Soehne Karl
und Karlmann wurden von ihm "gesalbt" - praktisch wie der Papst wohl gewesen sein muss, schrieb er auch gleich fest,
daß nur aus diesem Geschlecht die Koenige zu waehlen sein sollen..

So entstand der Adel und der Kirchenstaat.

Die Idee des westroemischen Reiches, das riesig war, fuehrten die beiden Brueder wohl "genial" durch,
wie die Chronik meint.
Dann folgte Pippin der Juenger und Karl der Große, letzterer hielt die roem. Trennung von Straf-
und Zivilrecht hoch, bei der es eine Verfolgung durch das Amt nicht gab.
Erst wenn von dritter Seite eine Klage angestrebt wurde, ging es vor Gericht,
wo die Beweislast beim Angeklagten lag.
Hatte dieser Angeklagte die besseren Beweise, zahlte der Klaeger die Zeche.. (Strafe und Prozesskosten)
Karl der Große verstand sich als Priesterkoenig, ganz im Sinne biblischer Ueberlieferung
-ohne Unterschied zwischen weltlicher und geistlicher Macht zu machen..
Den "Gebluetsadel" kannte man noch nicht, es waren nur Guenstlinge und hochstehende Personen
mit oeffentlichen Aemtern betraut-
erst als diese Leute ihre Kinder in die Posten nachruecken liesen, entstand eine Adelsschicht,
die wie Unkraut ein Geflecht der Gewogenheiten bildete.

Unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen wurden diese Familien oder Sippen
mit umfassenden Besitz ausgestattet und die Traeger der gesellschaftlichen Struktur.
Klar, dass bei diesen Konstellationen die Nachrichten ein wenig verwirrend erscheinen..

Die Chronik berichtet: "Es war ausschließlich der Grundbesitz, der als Grundlage
des Vermoegens in Betracht kam und sowohl politische Macht wie gesellschaftlichen Vorrang vermittelte.
Die nichtbesitzenden Schichten (eine herrliche Umschreibung fuer "Harzer") hatten demgegenueber eine voellig
untergeordnete soziale Stellung und keinerlei Einfluß im Reich."
(ist das heute anders- mal Hand aufs Herz?)

"Noch im 7. Jhd wurde der Handel mit Sklaven fortgesetzt"- ja sogar noch weit ueber tausend Jahre danach,
aber das tut bei diesem Report aus dem Karoligerreich wohl nichts zur Sache.. weiter gehts:
"Im christlichen Abendland ist eine neue Form der Sklaverei in der Gestalt
der persoenlichen Knechtschaft zu beobachten" ..

Nachdem unter den Merowingern die roemischen Fernstraßen vergammelt waren,
hatte man mit Transporten so einige Probleme..

Seeraeuberei war schon damals ein großes Thema, das in der Antike bluehte.
(Solches gibt es heute auch noch)
Skandinavische und irische Piraten und arabische Seeraeuber machten die Meere unsicher.
Die Handels-Achsen aus uralter Zeit bestanden quer durch Europa, an wertvollem Handelsgut
und Luxuswaren oder Gewuerzen hat kein Mangel bestanden- allerdings betraf
das hauptsaechlich die begueterte Schicht, die anderen Leute durften sich mit Getreide
und Feldprodukten im Tauschhandel begnuegen- ohne diese waere die ganze soziale Fettschicht verhungert..

Das Allodium oder der Großgrundbesitz waren von jeglicher Abgabe befreit,
wenn sie eigen waren und nicht gepachtet.

Die Abteien wuchsen in jener Zeit, der Ort der Andacht und des Gebetes,
wo man nach der christlichen Vollkommenheit trachtete, hatten betraechtliche Einkommensquellen,
wie in den Analen steht:
Der Grundbesitz von St-Germain-des-Pres hat zum 9.Jhd mehr als 36.000 ha an Grund gehabt,
der Abt von Fulda ließ seine Laendereien von 15.000 Pfluegen bestellen.. ein priviligierter Grundherr
war auch gleich "Immunitaetsherr", was zu recht herrischen Tyranneien gefuehrt haben soll.
Diese "Immunitaeten" erlaubten die Verfolgung von Missetaetern ueber die Landesgrenzen hinaus!

Karl der Große verfuegte ueber ueber einen ganzen Stab von Grafen,
die seine 350 Grafschaften verwalteten- zugleich waren diese auch Richter, Heerfuehrer und Verwaltungsbeamte.
Eigentlich war eine Mischung von roemischer und germanischer Tradition angedacht-
aber es kommt immer anders als man denkt ;)die Zustimmung des Volkes war zur reinen Formsache geworden,
wo sowieso nur "Persoenlichkeiten von hohem gesellschaftlichen Rang" befragt wurden.
Heute loesen Parteien die Sache ganz elegant mit "Koalitionen" und "Nebenverdiensten"
und "Lobbyarbeit" - Auswuechse hat es zu allen Zeiten gegeben, das ist mir klar,
ebenso wie die Tatsache, daß heutzutage jeder studiert haben muß,
wenn irgendetwas erreicht werden soll. Ob das nun bereits als Verakademisierung -
wie in Verwaltungsbereichen- oder nuetzlich ist, wie in der Landwirtschaft immer wieder vorgetragen wird,
kann nur mutmaßt werden.
Fakt ist, daß Leben Wandel ist, Fortschritt nur durch Bildung passiert -
auch wenn menschlich alles vor die Hunde geht, denn die Gier kennt keine Grenzen,
genau wie das bei dem Adel war und wohl noch immer ist.
Deshalb behaupte ich gerne:
Die Bildungsschicht benimmt sich wie die Axt im Walde, nochnaesig, selbstsuechtig und sexuell gerne ge- oder verklemmt.

Karl der Große fuehlte sich als Nachfahre der roemischen Kaiser.

Die Bischoefe waren Leute, die -ich habe es schon erwaehnt- lesen und schreiben konnten,
gerne Gelehrte und Gewogene des Koenigs, aber auch Laien und wohlhabende Potentaten waren darunter, so wird berichtet.




17.

Geschichtliches


Mir kommt immer oefter der Gedanke, die Demokratie als universelles, weltumspannendes
Verstaendigungsmittel zu sehen und Religionen allesamt auf deren Kompatibilitaet abzuklopfen,
ggf. zu verbieten, wenn sie sich nicht dieser Erkenntnis unterordnen wollen.
Zuvor sind wir noch bei Karl dem Großen, dessen Dynastie sich nach seinem Tod
zunehmend degenerativ und in Zwiste und Spaltungen verloren..
Zuvor aber wandten sich angelsaechsische Moenche auf Geheiß des Bonifatius der Germanenmission zu.
Wie es heißt, verhalf benediktinische Froemmigkeit dem ausschweifenden Klosterleben
wieder zu neuem Halt, die total heruntergekommene Bildung jener Zeit erlebte-
mit kraeftiger Unterstuetzung Karls des Großen- eine Renaissance in der Bildungsschicht,
die inzwischen kaum mehr noch ihren eigenen Namen zu schreiben in der Lage war, wie die Chronik meint.
Das unbestrittene Verdienst der "Kanoniker" war die Wiedereinfuehrung zur antiken Bildung,
zumindest der fuer ihre Zwecke sinnvolle Teil und den, welcher zur Berechnung von Bauwerken wichtig war..
..so auch die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und deren Verbesserung, die dringend noetig war.
Die hohe Geistlichkeit war erfuellt von der goettlichen Mission, der uebernatuerlichen Transmission,
die sich ueber die weltlichen Belange stellte, ja auch nicht vor Koenigen und Kaisern halt machte,
die ja schliesslich "von Gott eingesetzt" worden waren.
Durch ihr "Bildungsmonopol", das von Karl dem Großen fleissig unterstuetzt wurde,
gab man den Klerikern ein Machtinstrument in die Hand, das letzlich dazu fuehrte,
dass sich Bischoefe ueber den Koenigen waehnten und sogar den Kaiser kroenen wollten.
(Was zuvor der Rat der Maechtigen tat- soviel in der Kuerze zum leichten Verstaendnis- die Geschichte selbst war voll
von Hackordnungen und Machtgerangel)
Die Gewalt ist vom Allerhoechsten gestiftet, damit das irdische Reich im Dienste des Gottesreiches stehe -
so toste der Klerus - und bald auch die weltlich Obrigkeit, die z.T. von den Kanonikern erzogen worden sind..
Das Wort Gottes als Machtinstrument fuer irdische Gier? Zumindest gewinnt man den Eindruck.
So wurden im ganzen Karolingischen Reich die Kulturerrungenschaften der Roemer
durch die Kloester und Kirchen eingefuehrt, zumindest soweit, wie sie nicht "heidnisch" waren und der Sache dienten.
Die Bildung hatte klar den Hauptzweck, den Nachwuchs an Klerikern zu bevorzugen und zu generieren.
(Wenn man von den schraegen Dingen der Scholastik mal absieht, ist Bildung nicht schaedlich)
Das roemische Recht war gleich mit dabei und ist noch heute praegend.
Fakt ist, daß Gespensterworte aus und ueber Gespenstergeschichten im Laufe der Generationen
zu abstrußen Diskussionen innerhalb des Glaubens fuehrten.
Fakt ist, daß die Kirche aus den selbstgebastelten Ueberlegenheiten der Macht
sich kraeftig in die Politik einmischten, ja diese sogar ganz alleine bestimmen wollten.
Das Wort vom "Gottesstaat" war genannt !
(Alles war nur zur Ehre Gottes, auch der Kaiser war nur dazu eingesetzt)
Das christliche Regiment, das Karl der Große vorzubereiten und aufzubauen half,
fuehrte allerdings zur Revolte der Adeligen..
Gerade noch war der Papst der kaiserlichen Gewalt unterworfen- das rettet vor der totalen Anarchie!
Die Soehne Ludwigs des Frommen erhoben sich gegen ihren Vater, der trat schließlich zurueck.
Um die religioesen Werte zu retten, die zuvor mit der Obrigkeit innigst verknuepft wurden,
entschloß sich der Klerus dem Adel nun doch wieder auf die Beine zu helfen.
(Unter Geiern?)

Die Zeit der Germanenueberfaelle auf das roemische Reich, das bekanntlich zuvor
die germanischen Gebiete besetzt und unterjocht hatte- hier ist uebrigens nie die Rede von "Ueberfaellen",
ließen die Bildung der nun von Germanen beherrschten Gebiete verkuemmern, wie die Chronik sagt.
Bei aller Bildung der Poesie, Rhetorik, Musik, Geometrie und Astronomie und der griechischen
Philosophie war das roemische Reich eher auf "Wachstum" angelegt, die nur aus der Beschaffung von immer neuen
und immer mehr Resourcen heraus funktionieren konnte. Aehnlich machen das die USA seit dem 20.Jhd.
Zum Glueck blieb die Erkenntnis, daß Wissenschaft ihrer selbst betrieben werden muesse uebrig!

Ich war ehrlich erleichtet, diese Lektuere hinter mir zu haben - weil wieder einmal nichts
von den kleinen Leuten, den "Gemeinen" zu lesen war.
Diese wurden aber von der "politischen Großwetterlage", wie man heute sagt,
tangiert und das in schlimmer Art.
Der Machthunger derer, die gerade oben dran waren, ist immer und immer wieder der Hauptgrund
fuer Kriege und Ueberfaelle und "Missionierungen" gewesen.
Ist es schimm wenn der Gedanke kommt, die Hinterlassenschaften dieser Geier und unmenschlichen
Undemokraten einfach abreißen zu wollen?




18.

Geschichtliches


Die Kelten waren in unserem heimischen Raum lange Zeit bestimmend genug, um nochmal darauf zurueckzukommen,
wenn ich ein interessantes Buch mit dem entsprechenden Thema erwischen kann, das bisher nicht bekannte Informationen liefert.
Antike Quellen berichten mal so mal so- vieles wird zufaellig gefunden
und durch die nicht immer einfache Auswahl kann zwischen wichtigen und unwichtigen
oder gar sehr wahrscheinlich falschen Informationen unterschieden werden.
Dazu braucht es einige Uebung. Hilfreich sind die typischen Herabsetzungen oder Schmaehungen mancher Autoren,
die man als Propaganda oder typischer kultureller Ueberheblichkeit hoeherstehender Personen ansehen kann.
"Berichte" von "Schreibern", die mit den Truppen zogen, sind freilich durchweg gefaerbt,
weil man daheim nicht in schlechtem Licht erscheinen wollte- der naechste Feldzug waere sonst
in seiner Finanzierung gefaehrdet!
Nun waren die Kelten wohl eher griechischstaemmig, die Schriftgut nur rudimentaer
und dann auch nur zu kultischen Zwecken gebraucht hinterliesen.
Sie waren keinesfalls so friedlich oder ein "Bauernvolk", wie es einige Quellen vermuten lassen wuerden,
sondern hatten fuer ihre Zeit eine hochgeruestete Militaertechnik, die am Ende des Volkes viele Krieger
und ganze Einheiten in anderen Diensten ruhmreich taetig hielten.
Dazu nun ein wenig mehr, damit etwas Licht ins Dunkel kommt, ein paar Gedanken zum Thema Menschheitsgeschichte:
Was frueher ein paar Maechtige waren, die sich um Regeln des Zusammenlebens kuemmerten -
Hass, Neid, Eifersucht, Angst, Gier etc., die alten Plagen - die nach "Gesetzen" geradezu schrien, damit Diebereien
bis zum Mord allgemeinverbindlich geregelt werden konnten, sind es heute Staaten und ihre Organe.
Die Erklaerungsversuche vom Tod, Mißernten, Krankheiten, Sturm und Blitz brachte geschwind
den Glauben ins Spiel, die Erfindung Gottes? (Erfindung des Gottes, als Menschenwerk)
Aus den Erfindern des Trostes und der Bespaßung oder Animation der Menschen
bis der des ganzen Stammes oder gar eines Volkes, die eine Richtung zeigten und in der Religion ihre -durchaus konstruierten-
Legitimationen fanden, wurden ganze Regelwerke mit Institutionen, Gewaltenteilung und Streitmaechte.
Die Maechtigen wollten keinesfalls nur den Leuten helfen- sie wollten eher in Ruhe bequem
und in Sicherheit leben, wenns geht ohne selbst einen Handschlag tun zu muessen.
Das ist heute noch wesentlich anonymisierter, wenn "graue Eminenzen" im Hintergrund fuer alles
und jedes die Zuegel in der Hand halten.
Wir sehen nur den Stock, wie der Hund, der geschlagen wird- die Hand oder gar den Geist
des Herren dahinter wird uns nicht gewahr.
Doch nun wieder zu unserer Geschichte, zu den Kelten:
Archeologische Funde belegen die fruehe Ackertaetigkeit von der Jungsteinzeit an,
im 3. Jahrtausend vor der Zeitenwende kannt man den hoelzernen Pflug.
Gerste, Hafer, Roggen, Dinkel, Weizen, Hanf und Flachs, Huelsenfruechte und Faerbe-Pflanzen wurden angebaut.
Das Nutzvieh und der Hund kam frueh, die Katze erst mit den Roemern.
Das Zimmer- und das Toepferhandwerk waren frueh, die Spinnerei bis zur Schmiedekunst kamen schnell.
Von 6.Jhd v.Chr an wurden schon Wohnebenen planiert und 3-4 Meter hohe Mauern gebaut,
mit Lehmziegeln und Wandfarbe gearbeitet..
..sauber gefugte Fliesen verlegt.
Zuweilen seltsame Bestattungen wurden ausgegraben- neben zwei Kleinkindern in Hock-Stellung
das Skelett eines Mannes, dem man mit einem Steinblock Kopf und Brust zerquetscht hatte..
Auf dem selben Friedhof war bei einem erwachsenen Mann das Becken entfernt und auf die Brust gelegt.
Beide Oberschenkelknochen langen unnatuerlich eng zusammen, was auf eine Fesselung schliessen lassen koennte.
Personen, die "vor ihrer Zeit" verstorben waren, hat man mit Amuletten und
"besonderen Manipulationen des Leichnams einhergegen lassen", wie sich die Fachwelt ausdrueckt.
Die Roemer nannten die Kelten eigentlich "Gallier", die Philosophen Griechenlands "Galater".
Die angeblich so friedlichen Bauern, die Kelten, drangen in andere Staatengebiete ein,
wie wir aus der Geschichte wissen.
Die Kelten wurden als "Griechenfreunde" bezeichnet.
Aristoteles meinte, die Kelten waeren unfaehig zu staatl. Ordnung,
dessen Lehrer Platon missbilligte die Trunksucht der Kelten.
Kallimachos der Dichter nennt sie "spaetgeborene Titanen"
In der Odyssee erwaehnte Kyklopen Polyphem und der Quellnymphe Galateia liesen den Schluß zu,
daß die Galater (Kelten) mit dem ungeschlachten Riesen Polyphem die typischen Wesenszuege der Kelten
und deren gewaltige Koerperkraft bei geringen geistigen Faehigkeiten in Verbindung bringen koennten..
Naja,- und wieso kamen so viele Erfindungen von den Kelten, die so manchen Laendern
erst einmal die handwerkliche Kultur brachten?
Damal wie heute waren die Griechen wohl gleich hochmuetig- und wenig nuetze ;)
Der Kyklop wurde als dumm uebertoelpelt, Strabon meint, die Kelten hatten Unverstand und Einfalt,
die es dem Kluegeren leicht machte, sie zu ueberrumpeln. Aristoteles zweifelte an der Intelligenz
der Kelten verstieg sich sogar dazu, die ganzen noerdlichen Voelker als
"grundsaetzlich unterentwickelt" anzusehen- heute sind es eher die Griechen,
die nichts ueber den Haufen bringen.
Paulus schrieb: O ihr dummen Galater!
Diodor von Sizilien hob dagegen die rasche Auffassungsgabe und die Lernfaehigkeit der Kelten hervor.
Nun weiß man, dass Kelten auch als Soeldner taetig waren, schon deshalb bei den Beutezuegen
mit anwesend waren.. sie waren sehr gut ausgebildet in allen fremden Strategien und Kampfarten,
hatten gute und wertvolle Waffen - sogar mit Punztechnik und Einlegearbeiten, mehrzonig gehaertete Schwerter..
Polybios der Historiker erzaehlt von der Schlacht von Telamon 225 v.Chr, dass die Huegel
der Umgebung vom Kriegsgeschrei und Trompeten widerhallten, die vielfach nachten
und mit goldenen Arm- und Halsringen geschmueckten Gallier die Roemer in Angst und Schrecken setzten..
Die Keltischen Reiter waren beruehmt und geschickt, wie aus einigen Quellen hervorgeht-
sie hatten schon Streitwagenbesatzungen mit speziellen Taktiken.
Feigheit konnte man ihnen nicht nachsagen, sie scheuten den Tod nicht, wenn einer von ihnen fiel.

Religion und Irrsinn haengt eng zusammen, das beweisen auch die 10.000 menschliche Knochen
in einer keltischen Kultstaette, die alle ohne Kopf waren.
Zusammen mit 500 Lanzenspitzen der Gegner, die rituell geopfert wurden.
Das ist nur ein einziger Fundort, davon gibt es viele!
(Die wurden ist Kisten und Truhen einbalsamiert aufbewahrt, als Trophaee)
Strassen waren unbekannt, man nutzte die Fluesse zum Transport.
Der Schriftsteller Diogenes behauptet doch glatt, daß die Philosophie ihren Anfang
bei den Barbaren genommen haette - durch die Druiden bei den Kelten,
bei den Indern durch die Gymnosophisten, bei den Persern durch die Magier,
bei den Babyloniern oder Assyrern die Chanldaeer..
Immerhin glaubten die Druiden an die Seelenwanderung - drei Staende soll es davon gegeben haben,
die Barden, die Vaten (Seher) und Naturphilosophen.
Die Druiden sollen der Meinung gewesen sein, daß die Seelen un die Welt unzuerstoerbar seien,
obwohl dereinst Feuer und Wasser die Oberhand behalten wuerden..
Die Druiden sollen in Bruderschaften organisiert gewesen sein - wie sehr viel spaeter die Geheimbuende.
Die Lehre der Druiden soll ueber britannien gekommen und von dort nach Gallien gezogen sein.
Druiden zahlten keine Abgaben und brauchten auch nicht an Schlachten teilzunehmen- wie spaeter die Kleriker.
Zum Teil haben sie 20 Jahre mit dem Studium verbracht (solche Studenten soll es heute noch geben.. )
- aufgeschrieben haben sie nichts oder nicht viel, das galt als Verrat.
(Somit laege ich mit meinem Verdacht nicht so falsch, wie der Ursprung der Priesterschaft gewesen sein musste..)

Spaeter, gegen Ende des 2. Jhds vor Chr. kamen von Norden und Osten die Germanen, vom Sueden die Roemer
nach Gallien.

Diodor von Sizilien: "Die Gallier sind hochgewachsen, aufgeschwemmt und hellhaeutig.
Ihr Haar ist nicht nur von Natur aus blond, sondern sie verstaerken diese natuerliche Farbe noch duruch kuenstliche Behandlung.
Sie reiben naemlich das Haar bestaendig mit Kalkwasser ein und streichen es von der Stirn nach oben gegen den Scheitel
und zum Nachen hin zurueck, so daß sie im Aussehen Satyrn und Panen aehneln.
Durch diese Behandlung werden die Haare so dick, daß sie sich nicht mehr von einer Pferdemaehne unterscheiden.
Einige rasieren sich, andere lassen sich einen kleinen Bart stehen.
Die Vornehmen rasieren die Wangen, tragen aber einen Schnurrbart, dessen Haare den Mund bedecken.
Wenn sie essen, geraten die Haare deshalb in die Speisen, und wenn sie trinken, fließt das Getraenk wie durch ein Sieb..
Sie tragen auffaellige Kleider, naemlich gefaerbte und bunt gemusterte Roecke wie Hosen,
die sie "Braken" nennen. Darueber tragen sie, mit einer Spange an der Schulter befestigt,
gestreifte und mit bunten Vierecken gemusterte Umhaenge, im Winter dickere, im Sommer leichtere..
Sie selbst sind schrecklich anzusehen, mit sehr tiefen und rauhen Stimmen.
Wenn sie reden machen sie nur wenig Worte und deuten vieles nur an. Haeufig uebertreiben sie,
um sich selbst zu ruehmen und andere herabzusetzen.
Sie drohen gerne mit Worten und Gesten und lieben theatralisches Auftreten.
Gleichwohl haben sie einen scharfen Verstand und sind zum Lernen nicht unbegabt."
Das klingt doch schon mal ganz anders, als bei der Schilderung ob ihrer angeblichen Dummheit..
Haendler betrachteten die Gier der Kelten nach Wein als einen kaufm. Gluecksfall,
den sie kraeftigst auskosteten..




19.

Geschichtliches


Bereits aus dem 5.Jhd sind Funde in Oberitalien belegt, die auf Kelten schließen lassen-
vermutlich sind diese als Soldaten in Diensten gewesen.
Auf jeden Fall begannen schon damals die Infiltrationsprozesse.
Die Helenen berichteten von Kelten in Anatolien.
So wie die Galater sich in der errichteten roem. Provinz in Kleinasien hielten,
so bewahrten die Kelten Galliens ihren Platz.
Ein halbes Jahrtausend lang, von den Pyrenaeen ueber den Rhein und zum Atlantik und zu den Alpen..
In Britannien setzte sich nach dem Abzug der Roemer die keltische Sprache wieder durch,
auf dem Festland wich das Gallische dem Roemischen immer mehr und entwickelte sich zum Franzoesischen.
Neuere Schriftfunde zeigen jedoch einen recht langen Bestand - die Forschungen sind wohl noch nicht abgeschlossen..
im 5.-6.Jhd n.Chr. duerfte die Sprache der Kelten nur noch unzureichend verstanden worden sein.
Dem roem. Alphabet ist in weiten Teilen die Ueberlieferung zu verdanken- immerhin!
Kultbilder zeigen, daß die religioese Vorstellungswelt der Kelten menschliche Figuren hatte.
Aber auch der Baer kam dabei vor, als Inbegriff von Staerke.
Roemer und Kelten hatten Druiden- Germanen nicht!
Germanen wuerden die meiste Zeit auf Jagd oder im Krieg verbringen oder Uebungen dazu abhalten,
auf Ackerbau keinen Wert legen und wie Nomaden von Milch, Kaese und Fleisch leben - so Julius Caesar.
Na, der mußte es ja wissen - als "Vegetarier" ;)
"Kulturlos", wie er meinte, waren wohl auch die Germanen nicht, auch wenn Cicero
in einer Rede die hellenistische Denkart wiederholte, der zufolge die "gottlosen Gallier
eine Geißel der zivilisierten Menschheit" seien..
Gut, wenn Gedichte und Kommoedien "zivilisiert" sind, dann vielleicht!

Griechische Seefahrer sind jenseits der Saeulen Herakles gegen Norden zu den Zinninseln gefahren,
von jenen stammt auch die Kuestenbeschreibung Britanniens.
Vorchristliche Kultstaetten an deren Kuesten wurden geschwind von den Roemern, dann von den Christen ueberbaut..
Kelten opferten z.T. durch Versenken in Gewaesser-
so werden noch heute wertvolle Gegenstaende gefunden
- von Tierknochen ueber Goldschmuck, Speerspitzen bis zu ganzen Streitwagen mit Pferdegeschirren !

Von den britischen Inseln gelangte die keltische Sprache nach Irland, verdraengt
die dort heimische und bildete einen heute noch bestehenden Zweig.
(Irisch, Schottisch-Gaelisch, Manx, Kymrisch, Kornisch, Bretonisch- ob mit p oder k unterschieden,
duerfte dabei wohl egal sein: Wer das nicht glaubt, sollte mal auf der Straße
ganz spontan nach relativ einfachen grammatischen Grundbegriffen fragen und dabei sein blaues Wunder erleben!)

Romanisierte brittannische Kelten waren die Eltern, verschleppt als 16j. von irischen Seeraeubern,
6 Jahre als Sklave in Irland- war die Vorgeschichte Patricks, bevor ihm die Flucht gelang..
Wegen einer Vision kehrte er jedoch zurueck und dort das Christentum zu verbreiten..
Er lebte im 5. Jhd. mehr weiß man nicht von ihm, als daß er die irische Kirche
mit Kloestern fuellte und Bistuemer nach dem festlaendischen Beispiel gruendete.

"Zieh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in das Land,
das ich dir zeigen werde" und "Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert" -
waren Sprueche, die irische Moenche missionieren liesen.
Columba war der erste große Missionar, dann kam Columbanus, um 543 in Leinster geboren,
er begab sich 590 von Irland ins Frankenreich.
In den Vogesen baute er sein erstes Kloster in den Ruinen einer Roemerfestung.
Sein Schueler war Gallus, ebenfalls irischer Herkunft - dieser ging mit Columbanus an den Bodensee,
und lies sich als Einsiedler nieder.
Ein oertlicher Heiligenkult entstand und auch das Kloster St. Gallen, das auf der Insel Reichenau
ebenfalls- dessen Gruender allerdings ein Spanier ggewesen sein soll: Pirmin.

Nach dem spaeten 9.Jhd uebten irische Glaubensleute keinen Einfluß mehr aus auf den Festland-
die Benediktiner uebernahmen..
200 Jahre spaeter gab es nochmal eine "Schottenwelle" der Kloester, die ihre engen Verbindungen
zur Heimat aufrecht hielten.
Steinerne Bischofssitze wurden gebaut, der Zank zwischen irischen und anglonormannischen Geistlichen,
Zisterzienser und Augustiner wollten auch etwas vom Kuchen..
..da gab es Maria die Katholische und deren Nachfolgerin Elisabeth I,
die aber zum Protestantismus hielt- ein Hickhack um des Kaisers Bart und um andere Luftschloesser
oder geistliche Narrenschiffe- so "christlich", dass immer ein Messer im Sack bereit war.
Alteingesessene Kelten in Schottland wurden von irischen Kolonisten beglueckt-
germanische Staemme vom Sueden, die auf die brit. Insel zogen..
wie Irland, war so gar Wales von keinen rivalisierenden Koenigreichen durchzogen.
Die Artus-Sage ist aus keltischen Quellen stammend.
Britannische Kelten brachten ihre Sprache freilich auch mit, als sie in die Bretagne einwanderten.
Aufstrebene englische und franzoesische Monarchien vereinnahmten die keltische Sprache und Kultur,
parallel zum Verlust der keltischen Selbstaendigkeit.




20.

Geschichtliches


Die Recherche nach den Germanen,- wenn es diese als Stamm jemals gegeben haben sollte,-
ist vom "3.Reich" und seinem Diktator grundlegend kontaminiert und jahrzehntelang fast zum Tabu geworden.
Dabei ist jener Demagoge -nach den Deutungen der Germanen eher slawischstaemmig, aus Oesterreich,
das starke roemische- oder romanische Einfluesse hat.
Selbst sein Aeusseres hat mit den Germanen, die er so favorisierte, keine Aehnlichkeit.
Nur soweit mal vorweg. Ich kuemmere mich -schon durch die "Gnade der spaeten Geburt"-
nur um die Fakten aus den Buechern,
die die Ueberlieferungen anderer Voelker und durch die Archeologie entstehen konnten.

Man weiß, daß Germanen eine Einehe fuehrten, hoechtens der Fuerst tanzte
-wohl aus stammestaktischen Gruenden- manchmal aus der Reihe und hatte ein 2. Frau.
Man weiß, daß Germanen so wohnten, daß zum Nachbarn genug Platz war.
Man weiß, daß Germanenfrauen die gleichen Rechte hatten,
daß die Arbeitsteilung gut organisiert war, daß der Mann das Haus,
die zum Haus gehoerige Hube und alle sehr schweren Arbeiten tat, die Frau im Haus
die Kinder und alles was damit zusammenhing machte, ferne toepferte und fertigte sie Kleidung,
sorgte fuer Obst und Gemueseanbau, sammelte Fruechte, kuemmerte sich um Vorraete etc.
Der Mann hatte zwar das notfaellige Recht sie zu zuechtigen- man darf aber auch sagen,
daß sie die Partner zuvor aussuchen konnten und nicht zusammengefuegt wurden, wie das in anderen Kulturen war.
Es ging auch keiner "nebenaus" oder "fremd", - schon weil dieses die ganze Sippe
in Mißkredit gebracht haette.
Germanen und ihre Frauen waren wehrhaft und traten gleichberechtigt und frei auf.
So stolz wie arbeitssam waren sie in der Gesellschaft geachtet und das Wort zaehlte
wie ein geschriebenes Gesetz.
Die Doerfer sollen angeblich Haufendoerfer gewesen sein, ich denke eher, daß Straßendoerfer
ebenso der Anfang waren- je nach geografischer Gegebenheit.
Kinder siedelten irgendwann neu- so entstanden neue Orte. Man achtete darauf,
daß sich niemand ins Gehege kam oder zu nah auf die Pelle rueckte.
Der Wald war noch weitestgehend in Ruhe gelassen, bis auf gelegentliche Jagten und sammeln
von Fruechten, das maesten von Schweinen etc.
Die Haeuser wurden als Flechtwerk mit Lehm ausgefuehrt, wo viel Wald war, herrschte die Blockbauweise.
Die Schilfdaecher reichten bis zur Erde, die Giebel standen frei, ein Herd war im Innern des Ein-
oder Zweiraumgebaeudes die zentrale Stelle.
Licht kam von aufstellbaren Dachhutzen, spaeter, als eine Holzdecke eingezogen wurde,
kamen hoehere Seitenlaengswaende mit Fenstern und Klapplaeden auf.
Man saß auf Baenken, an die Wand gelehnt am Tisch- ggf. hatte der Hausherr
und die Hausfrau einen Stuhl, - mehr Platz war auch nicht da..
Unter der Decke hingen Schinken und Wurst, frische Brot aus dem Ofen, heiße Suppe
auf dem daran gebauten Herdteil, Nachtisch in Form von Waldfruechten oder Gartenobst- na, ist das nichts?
Solange keine Angriffe kamen, von den angeblich so zivilisierten Voelkern rundherum,
war alles bestens, Not herrschte keine, weil die kluge Hausfrau und ihr fleissiger Mann schon dafuer sorgten,
daß im Erdkeller in der Naehe, wo auch die Webarbeit stattfand
(feuchter Raum, so ist die Wolle nicht so sperrig und besser zu bearbeiten) vorhanden war..
Man half sich selbstverstaendlich gegenseitig, wenn Hilfe noetig wurde - der Zusammenhalt in der Sippe,
die jeweils einen kleinen Ort bildete, war sehr gut.

Damals hat sich die letzte Verbindung vom Festland zu England aufgeloest, das Spiel der
ozeanischen Wellen brach ueber Norddeutschland herein und wusch Inseln aus der einstig glatten Kuestenlinie heraus.
Das Wetter wurde sehr viel feuchter, ein ganz enormer Wachstumsschub muß nach diesem enormen Ereignis stattgefunden haben.

Es wird viel in den Buechern von Schnurkeramikern erzaehlt, die kriegerisch waren,
und von Bandkeramikern, die eher Bauern gewesen sein sollen- von "Indogermanen",
die man anhand von Sprachaehnlichkeiten gefunden haben will, aber noch immer nicht sagen kann,
aus welchem Gebiet diese denn nun stammen..

Unser Gebiet in Mitteldeutschland ist schon frueh von allen moeglichen Volksgruppen durchwandert worden,
manche sind geblieben- so sind die urspruenglichen Spuren nicht so leicht - wenn nicht gar nicht - auszumachen.
Das Indogermanische soll bereits Fuerwort und Zeitwort und ein Dualwort gehabt haben,
sowie 8 Faelle: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Ablativ, Lokativ und den Instrumentalis-
aktiv, Passiv und eine Mittelform, das Praeteritum und das Imperfektum, das Indikativ und Konjunktiv,
sogar das Optativ, die Wunschform. Ich persoenlich habe mich lange und viel mit Sprache beschaeftig
und halte dieses als reine Annahme oder hineingelesene Wunschvorstellung.
Mir ist, als waere die Dialektik alleinbestimmend fuer die Germanen gewesen und die muendliche Ueberlieferung-
nichts sonst. Buchfuehrung und Politik war nicht noetig,
man tauschte und merkte sich, was der Handelspartner schuldete.
Ich glaube auch nicht, daß zu viel Einfluesse in der Germanenzeit in die Orte dringen konnten,
außer durch den Handel mit benachbarten Voelkern oder auch den Roemern am Limes..
Das Germanentum auf die Indogermanen pauschal uebertragen zu wollen, halte ich fuer arg gewagt,
genau wie die Aussage, daß die Germanen hochgewachsen und hellhaeutig und langschaedelig,
blondhaarig und blauaeugig gewesen sein sollen. Blauaeuig ist vermutlich nur der,
welcher den Demagogen glaubt, egal ob aus der "1000j. Reich" oder heutigen Akademikern der gruenen Zunft ;)

Nachbarvoelker gab es viele, so viel wie Handel getrieben wurde, Ueberfaelle und Landnahmen
wurden meistens von den "Eroberern" geschildert, die freilich dabei nicht als Ganoven und Verbrecher
in die Analen eingingen, die anderen Leuten die Koepfe abschlagen ließen - die Geschichte
berichtet meistens nur von diesen "Feldzuegen".
Mischvoelker entstanden wohl auch daher, daß durch "Aussenkontakte" mancher eingeheiratet hat.
Man sollte sich davor hueten, andere Voelker als "wenig entwickelt" zu bezeichen,
wie das unsere Wissenschaftler so gerne in den Buechern tun- wer sagt, was wirklich wichtig ist?
Geld, Grammatik, Opernhaeuser, Kriegswirtschaft, Forschung oder die Zufriedenheit im Kleinkram
von Haus und Familie?
Wir haben zu wenig Kontrolle fuer Forschung, Ruestung und Politik, es wird zu wenig kontrolliert,
was die da oben treiben- das war frueher so, das ist noch heute so.

Tacitus meint, die Germanen seien ein "eigentuemliches Volk, das nur sich selbst aehnlich" ist- gut so!
Ich bin mir sicher, dass sich die Germanen nicht als ein Volk gesehen haben, sondern nur in Sippen dachten.
Bizantiner bezeichneten die Germanen als Franken, Tacitus als Germanen:
"mox etiam a se ipsis invento nomine Germani vocaretur"
Erst die Gebrueder Grimm haben sich um die Sprache der Germanen oder des Deutschen Gedanken gemacht,
haben geforscht und aufgeschrieben.
Wir alle wissen, daß in Deutschland, ja sogar in Hessen so viele verschiedene Dialekte zu finden sind,
dass jeder Versuch eine allgemeingueltige Regel vorzufinden gedenkt, in die Irre geleitet wird.
So bleibt nur die schiere Erfindung der Grammatik, um eine gemeinsame Basis zu finden..
Deshalb erspare ich uns hier eine weitere Erlaeuterung der Grimm'chen Ausfuehrungen.

Viele sind durch Naturkatastrophen vertrieben worden, mußten weiterwandern um
ein neues Zuhause zu finden, anderen fluechteten vor machtgierigen Despoten..

Keine Felle, sondern Kleidung aus Wolle hat man bei Ausgrabungen und Moorleichen gefunden.
Die Funde von Spinnwirteln und Gewichten und Webstuehlen lassen auf Farbenvielfalt schließen,
ja eigentlich schon Trachten- wo offenbar nicht nur die Zweckmaeßigkeit der Hintergrund war.
Die Webstuehle konnten mehrere Meter gewebten Stoffes aufnehmen, die mittels Kurbel aufgewickelt wurden.
Wolle schuetzte damals wie heute- verfilzt noch mehr.
Zwei Guertel- einer in der Taille, der andere unter der Brust hielten der Frauen Gewand.
Die Lederschuhe waren bei Mann und Frau wohl recht gleich, sie sahen auf S/W Bildern
wie eine Mischung aus Mokkasin und Turnschuh aus.
Leinentuch war im Hausrat ein wichtiger Bestandteil.
Kurzgeschorene Haare galten als Knechtschaftszeichen.
Schmuckstuecke dienten haupts. zum Befestigen der Gewaender.
Bevorzugte Wohnlagen waren da, wo eine Quelle und guter Boden war- die "Verkehrsanbindung" war wohl Nebensache.
Wenn ich mir die Schemata der Dorf-Formen ansehe, das Straßendorf, das Reihendorf,
das Haufendorf und den Rundling, wird mir letzter Form als Ur- und Ausgangsform am plausibelsten.
(Straßen gab es bekanntlich noch keine)

Die Ehe war noch kein lockeres Buendnis auf Zeit, kein Schindluder,
sondern wichtigste Kette in der Gemeinschaft, der Sinn der ganzen Veranstaltung.

Es war die hoechste Aufgabe des jungen Mannes, Macht und Ehre der Sippe zu mehren, die Familie zu schuetzen.
Die Pflicht der Frau war, ihm ebenbuerdig zur Seite zu stehen.. (ohne Emanzipation ;))

Die Frau war Mutter, Koechin, Hauswirtschafterin, war fuer Vieh und Garten,
fuer die Kinder zustaendig - ein Fulltime-Job.. (nebenbei noch Kraeuterkundige, wenn jemand krank war)

Die Kinder sollen von Anfang an richtige Familienmitglieder gewesen sein,
deren Stolz und Mut und Tuechtigkeit zeitig gefoerdert wurde- man war stolz auf sie!
Sie wurden nicht verzaertlicht oder verhaetschelt- und frueh in die Wirklichkeit eingebunden.
Dazu gehoerte auch die Uebung mit Waffen, die in jedem Haus waren.
Die Alten hatten im Rat noch etwas zu sagen und wurden geachtet und gefragt.
"Die Germanen waren starke Esser, schon zum Fruehstueck gab es reichhaltige Speisen"
Naja- sie haben wohl auch tuechtig arbeiten muessen..
Die Speisen waren schon recht vielfaeltig, das Einpoekeln war wohl auch schon erfunden,
die Roemer sollen angeblich die Kaesesorten eingefuehrt haben- was mir wenig glaubwuerdig scheint:
Aus Milch wird Butter und Quark, aus Quark Handkaese- was liegt also naeher, als noch andere Sorten
auszuprobieren? Evtl. hat man bei Ausgrabungen keinen Kaese mehr finden koennen,
weil er zu lecker war und .. aufgefuttert wurde?
Honig und Kraeuter wuerzten die Speisen trefflich, das kann jeder heute noch ausprobieren. (Wir haben gut 12 Kraeuter und div. Teekraeuter im Garten)

Von Meth und Bier brauche ich nichts zu schreiben, das ist klar.
Der Hausrat war sehr uebersichtlich, die Maenner steuerten geschnitzte Geraete aller Art bei-
bis zum Regal, Bett und Tisch.
Auf diese Weise werden sich schon frueh gewisse Begabungen fuer dies oder das gezeigt haben,
mit denen sich so mancher spezialisiert hat .
Ich koennte mir denken, dass sich so mancher Alte auf seinem Altenteil mit Schnitz-
oder Schmiedearbeiten oder mit der Herstellung von Wein oder Bier "einen Namen gemacht" hat..

Jeder Dorfgenosse hatte außer seiner Hufe auch das Recht auf Nutzung der Allmende, - Wald, Weide, Wasser.
Die Feldduengung war wohl noch unbekannt, die des Gartens aber gelaeufig.
Die Sippe regelte alle Streitigkeiten unter sich, das Thing war ungeboten,
dh. es wurde nicht extra angekuendigt, sondern fand bei Neumond oder Vollmond statt.
Ueberhaupt zaehlten bei den Germanen nur die Naechte, nicht die Tage-
Deshalb sagt man landlaeufig: Wir sehen uns in acht Tagen und meint eigentlich nach 7 Tagen..
Nur in Notfaellen wurde das Thing extra einberufen.
Der Adel bildet sich erst viel spaeter heraus, wie die Unterteilung in Staende.
So etwas wie einen Koenig fand man erst spaeter- er war dann kein Herrscher,
sondern hoechster Beamter aus dem Volk, weil es keine "Hoeherstehenden" gab- Germanen waren gleichberechtigt.
Danach wurde das Rechtswesen und die Armee und wer weiß was sonst noch alles erfunden,
was unser Leben heute ausmacht.
Das Erbrecht war das der Sippe: Er aelteste Sohn fuehrte den Hof weiter, wenn die Geschwister erwachsen waren,
bekamen sie ihren Teil des Erbes an beweglichem Gut, der Hof jedoch bleibt unberuehrt zusammen.
(Sonst waere ein Ueberleben nicht denkbar)
Die Witwe hatte ihren Einstand und die Brautgeschenke weiter in ihrem privaten Eigentum.
Somit war ein "Erbrecht" nicht noetig.
Man kannte auch keine Trennung zwischen Bauern und Kriegern- jeder hatte fuer seine Waffe
und Ausruestung selbst zu sorgen und uebte beizeiten deren Gebrauch:
Kein Kasernenhof-Geplaerr, kein Gleichschritt, kein "Verteidigungsministerium" sondern
schiere Selbstverteidigung und Schutz des Dorfes, Beistand fuer befreundete oder verwandte Sippen.
Die Jungen lernten bei Kampferprobten gleich im Dorf, ohne in die Fremde abruecken zu muessen.
Die Germanen waren wohl tuechtig genug, sonst waeren sie spaeter nicht in der roem. Armee
in hohe Befehlsstellen aufgerueckt..

Die Treue zur Sippe war praegend, angeboren und brauchte keinen Vertrag, kein Schriftstueck,
keinen Anwalt und kein Gericht.
Tacitus soll "scharf beobachtet" haben, war aber dennoch abhaengig von der Macht seines Feldherren,
in dessen Auftrag er berichtete..
Er spricht von "Starrsinn, Rechthaberei, Verbissenheit im Wuerfelspiel,
wo sie noetigenfalls ihr Hab und Gut und Freiheit aufs Spiel setzen..
(Solche Leute gab es schon immer und in ALLEN Kulturen- es kommt immer darauf an,
wen man beobachtet- Leute auf der Kirmes oder solche im Diskounter..)
Das altdeutsche Wort "Gast" war klar und eindeutig, wie Germanen immer schon waren und es heute z.T.
auch noch sind- im Lateinischen und auch im Englischen heißt das "Host" oder "hostis",
was aber ganz genau "Fremdling, Kriegsfeind oder Feind" bedeutet- was denn nun,
gehts nicht ein wenig praeziser?

Der Gast war den Germanen heilig, sie hielten sehr viel auf hundertprozentige Wahrnehmung
der Umsorgung von Gaesten, das Gastrecht war heilig- schlicht wie sie waren und herzlich wie sie sein konnten.
Man gab alles was man hatte, der Gast war sofort in der Gruppe aufgenommen - und erst,
wenn die Vorraete aufgebraucht waren, bat man den Nachbarn zu uebernehmen, wenn das noetig werden sollte.

Freundliches Willkommen, Trank, Kost, Waerme, Kleider, Handtuch und Wasser war der Brauch:
Geh beizeiten, als Gast nicht weile immer an einem Ort; der Liebe wird laestig,
der allzulang an fremdem Feuer sich waermt..

Der Vaterlands-Begriff war gaenzlich unbekannt!

Die trennenden geologischen und biologischen Schranken der dichten Waelder und Fluesse und Hoehen,
die gerne als natuerliche Grenzen gesehen wurden, liesen die anderen Staemme argwoehnisch beaeugen,
zuweilen auch offen Streitigkeiten ausfechten - erst als es gehen die Roemer ging, hielt man zusammen,
wurde aber von deren geuebter Raenke ausgetrickst und ueberlistet..
was sogar Roemer gegen heimische Feinde rufen lies, so die Chronik. Schon damals fehlt der Zusammenhalt-
nicht nur heute.
Frueher waren es die Roemer oder Hunnen, heute Muslime, die eindeutig infiltrieren
und letztlich einen "Gottesstaat" wollen.

Ansonsten kuemmerte man sich um die eigene Scholle, die Sippe, die Familie- was heute endlich
auch wieder staerker in den Fokus kommen sollte..

Man hatte irgendwann Ueberschuss in der Bevoelkerung, besonders an jungen Maennern,
die sich in der roemischen Armee verdingt haben, die bald ganze Teile der Legion stellten
- manchmal sogar mit roemisierten Namen.

Eiserner Wille und Durchhaltevermoegen, Ruhe und Kraft hielten die Suedlaender fuer Gefuehlsarmut
und Stumpfheit - so wurden die Germanen verschaetzt.
Die harte Selbstdisziplin entlud sich in Saufgelagen- wie heute auch..

Damals wie heute waren Germanen zu sehr gegenueber allem Fremden aufgeschlossen,
was kulturell einiges brachte, aber immer und immer wieder ausgenuetzt wurde.

Nach germanischer Auffassung war der Mensch frei und nicht Opfer oder Sklave.

Nach germanischer Auffassung war die hoechste Macht unsichtbar, unfaßbar, allgewaltig,
aus dem Urgrund stammend- vor dem Werden der Welt, vor den Goettern vorhanden, -
davon durfte man sich kein Bild machen, nicht in Mauern einsperren und huldigen,
sondern im Feld, im Wald opfern und gedenken und anbeten.

(So gesehen sind die großen Weltreligion allesamt "heidnisch", sehr viel mehr als die alte Germanenkultur)

Der "Weltbaum" ist das Sinnbild fuer das germanische Haus, das man in frueher Zeit gerne um einen lebendigen Baum herum baute, der als Stuetze diente - nahe an einer Quelle.
Ovale Flechthaeuser mit Schilfdach, das mit zwei schoen geflochtenen Kraenzen gehalten
und mit einer Art Schiebetuer verschlossen wurde, waren auf roem. Muenzen abgebildet.
Diese Haeuser konnte man geschwind woanders wieder aufbauen, wenn z.B. Hirten ihr Weidegruende aendern mussten.

Ich lese, daß die Germanen Staedte gehasst haben sollen,
weil sie immer in direkter Natur leben wollten -mir geht es nicht anders.
"Von oben kommt der allgewalt'ge hehre Herrscher zum hoechsten Gericht"
(nein, das ist nicht christlich, sondern viel aelter)

Baeume werden so zu beseelten Wesen, Moore und nebelumschlungene Waelder zu mystischen Orten mit Elfen
und Feen, Zwerge wohnten in Hoehlen und Felsen, Wassernymphen in den Quellen..

Das kann man heute noch als Wanderer im Westerwald und Taunus spueren:
Manche Orte strahlen eine Heiligkeit aus!
(Auch dann, wenn uns der Ort nicht als historische Staette bekannt ist)

Das war auch der Grund, warum man Kirchen bevorzugt auf alten Kultstaetten ueberbaute.

Einmal im Jahr gedachte man den Toten und lud sie zu einem gemeinsamen Opfer zu sich ein-
zu einem richtigen Gastmahl um Dank zu sagen fuer ihr wohlwollendes Wirken. Aehnliches ist in Allerseelen zu sehen.

"Besitz stirbt, Sippen sterben, due selbst stirbst wie sie; eins weiß ich, das ewig lebt:
des Toten Tatenruhm."

Tacitus: " Im uebrigen entspricht es nicht ihrer Anschauung von der Hoheit der himmlischen Maechte
die Goetter in Waende einzuschließen oder sie irgendwie menschenaehnlich nachzubilden.
Sie weihen Haine und Waelder und benennen sie mit den Goetternamen jedes Geheimnisvolle,
das man nur in frommer Andacht schaut.."

Die Germanen fuehlten sich als im Wald den Goettern naeher- sie hatten auch eine Priester,
keine Druiden oder Geheimlehre noetig !

Gottnah sah man Frauen, denen etwas Heiliges, Seherisches innewohnte..

Die Luren waren Blasinstrumente aus Blech, die einen kuehnen Schwung mit getriebenen
oder gepunzten Ornamenten und einen flachen Schalltrichter, einen edlen, weichen Klang gaben die 1,5-2mtr großen Instrumente -
nicht zum Kriegsruf gedacht, sondern eher zu kultischen Zwecken gemacht.
Als gut erhaltene Moorfunde belegt und sogar nachgebaut..

Aus dem 10.Jhd stammen folgende zwei Ueberlieferungen:

"Eiris sazun idisi, sazun hera duoder.
suma hapt heptidun, suma heri lezidun,
suma clubodun umbi cuoniouuidi:
insprinc haptbandun, invar vigadun!"
Einst saßen die Idise, saßen nieder hier und dort.
Die hefteten Hafte, die hemmten das Heer,
die entflochten Glieder die Fesseln:
"Entspring den Banden, entfleuch den Feinden!")

Phol ende Uudan vuorun zi holza.
du uuart demo Balderes volon sin vuoz birenkit.
thu biguolen Sinthgunt, Sunna era suister,
thu biguolen Uuodan, so he uuola conda:
Soso benrenki, sose bluotrenki,
sose lidirenki:
ben zi bena, bluot zi bluoda,
lid zi geliden, sose gelimida sin!

(Phol und Wodan fuhren zu Walde.
Da ward dem Fohlen Balders sein Fuß verrenkt.
Da besprachen ihn Sindgunt und Sunna, ihre Schwester,
da besprachen ihn Frija und Volla, ihre Schwester,
da besprach ihn Wodan, wie er's wohl verstand:
So Beinverrenkung wie Blutverrenkung wie Gliedverrenkung:
"Bein zu Beine, Blut zu Blute, Glied zu Gliedern, als wenn sie geleimet waeren.")

Ein fester wuchtiger Gang, das Vorherrschen von konsonantischen Lauten, ein rauher,
stoßender Klang nennt es er Sprachforscher..

Was werden die alten Germanen gegessen haben in ihren Holzhaeusern?
Als Hobbykoch und Heimatinteressierter kamen mir freilich so manche Gedanken dazu:
Meth und Bier ist klar- "Cervesia" sagten erst die sehr viel spaeter auftauchenden Roemer dazu.
Die "Sauer Brueh" (in meiner Rezeptsammlung zu finden), Graupensuppe, Haferbreie
- suess und sauer - geroestete Brotscheiben, Schinken, Doerrfleisch, Huehnersuppe,
Eierspeisen, Kaltschalen - Nachtisch, Konfitueren, Sirup und Fruchtbreie, Pflaumen-Apfel-Birnenmus, Braten,
Wurst, Suelze (die wurde garantiert frueh entdeckt), div. Brotsorten, Fladen- oder Omletts,
Salate und Gemuese, Doerrobst, eingelegtes Gemuese, Lagergemuese, getrocknete Huelsenfruechte,
frische Huelsenfruechte, wie Erbsen, Linsen, Bohnen, die ein ganz wichtiger Eiweisstraeger sind,
Zwiebeln, Knoblauch?, Suppen aus Gemuese und Getreide, vermutlich sogar schon nudelaehnliche Suppeneinlagen wie Giesnockerl oder Spaetzle,
Kaeuterquark, Butter, Kaese, Milch, Trockenfleisch, Poekelfleisch, Saucen und Fonds,
Goulasch sind schon mal eine Auswahl, mit der man leben kann- oder?
Naturnaeher lebten sie allemal- oder um es mit Dieter Busse mit seinem neuen Lied
"nur zu Gast auf dieser Welt!" zu formulieren, dem ich nichts mehr zuzufuegen habe..




21.

Geschichtliches


Prachtvoller Goldschmuck, perfekte Gegenstaende aus Bronze und aus Glas, z.B. das blaue Glas,
das fuer die Kelten typisch werden sollte, passen eigentlich nicht zu einem Reitervolk, fuer das man sie haelt.
Dennoch waren sie auch dadurch der ansaessigen Bevoelkerung wohl weit ueberlegen, wie die Chronisten meinen.
Sie uebernahmen die Herrschaft oder vermischten sich mit der duennen Bevoelkerung,
bauten Straßen, die fuer Wagentransporte geeignet waren-
nun wissen wir auch, warum die Roemer so schnell mit ihrem Straßenbau voran gekommen sind-
die keltischen Wege wurden ueberbaut.. !
Das seit der Jungsteinzeit vorhandene Handelsnetz wurde von den Kelten uebernommen -
praktischer Weise fanden sie auch gleich Ackerbau als hilfreiche Infrastruktur vor.
Einige griechische Ueberlieferungen sprechen von keltischen Staedten,
so daß man heute die keltische Besiedlung nochmal um ein paar hundert Jahre zurueck verschiebt
- bis 750 v.Chr. bis 1000 v.Chr.
Das Zentrum war am Mittelrhein, Ableger in Oesterreich und in der Schweiz, spaeter Frankreich,
Spanien und Portugal- Vieh, Pferde und Gold waren Besitztuemer,
sie sie leicht mitnehmen und vor Ort tauschen konnten.
Dieses Verhalten wuerde sie, so Polybios, mit den russischen Reitervoelkern verbinden.
Im ausgehenden 19.Jhd hat sich einer die Genehmigung erteilen lassen, Grabhuegel zu untersuchen
in sieben Jahren zwei Huegel die Woche, zusammen 1000 Stueck, in denen angeblich nie Gold und Silber gewesen sein soll..
(was eigentlich nicht zu den Bestattungssitten des 1. vorchristlichen Jahrtausends passt)
Vermeintliche Ackerstrukturen mit Waellen entpuppten sich als Tagebaue,
viele heute noch zu sehenden Gelaendestrukturen, die wie ca 4mtr tiefe Einkerbungen in Talform aussehen,
werden wohl dem Tagebau von Erzen aller Art zuzuordnen sein. Gerade im Wald..
Die Kelten waren fuer ihr Gold aus Fluessen bekannt- das damals noch nie ausgebeutet worden war
und deshalb wohl noch in gehaeufterer Form im Sand zu finden gewesen sein muss-
aber auch fuer ihre metallurgischen Kenntnisse in Bronze und besonders in Eisen, das viel Holz verschlang.
Heutige Umweltschuetzer und Forscher waeren bestimmt entsetzt, wie man mit den Resourcen gewuetet hat.
Die Roemer berichteten von Grundwasserabsenkungen durch Goldschuerfarbeiten und
von giftigen Daempfen und Staeuben bei der Verhuettung, von den Gefahren durch Quecksilber..
Da ist noch die Geschichte vom Regenbogengold, das dort zu finden war, wo der Regenbogen
die Erde beruehrte und kleine goldene Schuesselchen mit abstrakten Motiven zeigte- so praegten die Kelten Muenzen..
noch im 18.Jhd. glaubte man an die "Heilkraft" dieser kleinen goldenen Schuesselchen,
gegen Fieber und Geburtsschmerzen..
In Suedbayern hat man ein dutzend Goldfunde dieser Art gemacht.

Interessant finde ich den Hinweis, daß ein Unkraut, das auf Trockenboeden gedeiht,
eine wichtige Nahrungsquelle wurde!
Der Weiße Gaensefuß - dieses wurde angebaut um aus seinem gemahlenen Samen Brot zu backen,
waehrend die gruene Pflanze als Gemuese gebraucht wurde.
Jung gegessen ein guter Spinatersatz, so wird erzaehlt. Die Samen sollen nussig schmecken..
(Chenopodium album)
Die Kelten sollen schon Imker gewesen sein, schon weil das Wachs der Bienenstoecke
zum Ausschmelzen bei Gußprodukten diente.
(Das Gußstueck wurde erst in Wachs modelliert, dann mit Lehm ummantelt,
beim Brennen der Lehmform floß das Wachs heraus, dann kam fluessiges Eisen hinein.

Ab dem 2.Jhd vor Chr. wurde eine "Gigantomanie" im Staedtbau der Kelten sichtbar,
die im noerdlichen Voralpenraum gewesen sein soll.
Mit richtigen Stadtteilen, in denen jeweils bestimmte Handwerke angesiedelt waren. 380 Hektar
groß soll dieses Gebilde gewesen sein.
Eine 7km lange Mauer, der "Gallischen Mauer", die Julius Caesar berichtete, mit ein stabiles,
von Naegeln zusammengehaltenes Balkengeruest, das mit Steinen und Erde ausgefuellt
und mit behauenen Kalksteinen verkleidet war.
Wissenschaftler haben errechnet, daß ueber 11.000 Festmeter Holz, 7000 m3 Kalkstein fuer die Verkleidung
und ca 200.000 m3 Steine und Erde noetig waren, um die Mauer zu bauen.
Alleine zwei Tonnen an Eisennaegel werden vermutet!

Der Keltenadel der Krieger hatte riesige Besitztuemer angehaeuft, wie heute unsere Aktionaere,
die ihr hohes Einkommen anlegten, Luxus wurde gekauft, sogar Amphoren aus dem Sueden Italiens hat man gefunden.
Zu Caesars Taktik gehoerte das Hinfuehren der Barbaren zum roemischen Lebensstil,
zum Luxus- bei einigen Staemmen klappte das nicht, bei vielen jedoch schon- und schon hatte
er den Fuß in der Tuer der germanischen Einigkeit.
Damals wie heute war es das Ziel der Investoren oder Maechtigen, den Sog von Konsum und Luxus zu schueren.
So wurde alles im Sinne Roms gebeugt, damit der Warenstrom nicht abriss..
..um den ganzen Konsum-Quatsch zu finanzieren, faelschten die Kelten
wohl bald ihre eigenen und wohl auch andere Muenzen, die immer weniger Gold oder Silber enthielten..
diese Zerruettungspraktiken zeigten bald Wirkung und die Invasion konnte beginnen!

Als dann im 1.Jhd vor Chr. die roemischen Soldaten kamen, waren die großen Oppida schon verlassen -
zumal sich von Norden her schon die Germanen naeherten..
Evtl. waren auch noch Seuchen da, die durch die große Zusammenrottung von Menschen reiche Beute fanden?
Die Bewohner zerstreuten sich in laendliche Raeume, so wird zumindest vermutet.

Vor 5000 Jahren kannten Metallspezialisten im Vorderen Orien und Kleinasien die Geheimnisse,
daß Blei die Edelmetalle Gold und Silber in sich aufnimmt..
Als schnelles Pruefverfahren nutzen Kaufleute den Probierstein aus schwarem, feinkoernigen Sand,
auf dem mit dem zu pruefenden Gold ein Strich gemacht wurde.
Nun wurde mit einem Teststueck verglichen.
Goldschmiede machen das heute noch in aehnlicher Weise.

Mit Quecksilber (Mercurium) umgehen konnten die alten Voelker schon, wie Plinius schreibt.
Wer weiß schon, daß ein Gramm Gold einen bis zu 2km langen Draht ergeben kann
oder ein Wuerfel aus Gold von 1cm Kantenlaenge ein Blech von 7,9 m2 bringen kann?
Damit vermochten die Kelten schon umzugehen, sie plattierten ganze Waende und Gefaeße bis zu Daechern.
Vor 2300 Jahren hat man schon Goldkronen und Zahnbruecken gemacht!

Goldwaschen in spaeteren Jahren bedeutete, daß das Gold bei der fuerstl. Rentkammer
gegen eine bestimmte Belohnung abgegeben werden mußte.
Im 17.Jhd befahl Herzog Maximilian allen Leute, die keine Beschaeftigung hatten
und Kindern dem Gold nachzuspueren, vermutlich aus Selbstlosigkeit?
Den feinen Sand aber durften die Goldschuerfer frei verkaufen- wow!

In der guten alten Zeit durften die Leute 16 Stunden am Tag arbeiten, auch Jugendliche!
Erst in der 2. Haelfte des 19.Jhds kam man auf einen 12 Stunden-Tag,
obwohl sich die Produktionsleistung verzehnfacht hatte..
Die Ueberlieferungen von roemischen Goldminen in Spanien sind nicht schoen,
wurden Arbeiter verschuettet, erschlug man die Schwerverletzten kurzerhand- irgendwann war der Wagen voll
und wurde aus der Mine gefahren.
Jeder Blick zur Seite wurde bei der Arbeit mit der Peitsche bestraft.
Staendig seien neue Sklaven angeliefert worden- Caesars ruhmvollte Eroberungen kosteten viel Gold !

Kelten gewannen Gold mit Hilfe von Flechtwerk in den Uferboeschungen,
das vor dem Hochwasser befestigt wurde- danach fand sich viel Sand darin, das man aussieben konnte.
Die Schaedel der Leute, die Gold mitnahmen oder etwas verraten haben,
sind auf Pfaehle gesteckt worden- zur Abschreckung.

Keltische Priester kannten sich in Metallurgie aus, im kultischen, naturwissenschaftlichen,
astronomischen, juristische Bereich und in der Staatsfuehrung.
Diese Druiden hatten das ganze Bestimmen- und die Allmacht, ihre Mitmenschen betrachteten sie wohl als Sklaven.

Unterdessen begann der Stadthalter Neros 61 n.Chr. die Druidenzentren zu vernichten.
Der Roemer und Geschichtsschreiber Tacitus, dem wir schon so oft auf meinen Seiten begegnet sind,
liefert ein plastisches Bild:
Er berichtet von Druidinnen -richtig gelesen- mit Fackeln, die der roem. Streitmacht
entgegentraten und von verzweifelten Druiden, die ihre Haende gegen den Himmel erhoben
und Fluchformeln ausriefen.. man zerstoerte sie mitsamt ihren heiligen Hainen.




22.

Geschichtliches



Die roemischen Feldherren und Kaiser haben immer schon intrigiert, hintertrieben, hochgelobt,
Raenke gespielt, fallen lassen, Pakte geschlossen, ueberfallen und gepluendert-
Julius Caesar hat bestimmt einen Titel fuer Voelkermord und Prunksucht verdient,
gaebe es einen solchen.
Ein Pleitegeier der allerersten Guete und hochmuetigster Gottkaiser,
der erstmalig auf einer Muenze sein eigenes Konterfei abbilden lies.
Er war bekannt fuer das Austricksen von Voelkern gegeneinander, er hob erbarmungslos jede Schwaeche
und jede Freundschaft fuer sich aus, um dann praezise und konzertiert von allen Seiten zu ueberrennen.
So ging es auch den Kelten, die unser Gebiet besiedelten- aber erst ab 500 v.Chr.,
wo man von Kelten statt von Protokelten sprechen konnte.
Davor gab es aber schon eine sehr viel aeltere und sehr viel laengere Besiedlunggeschichte,
die Jahrzehntausende davor schon existent war. Wie auch immer-
nach der Vertreibung oder Ausloeschung der Kelten durch die Roemer kamen
dieses als irische Moenche zurueck - mit dem Maentelchen der christl. Religion,
die inzwischen von den Roemern zur Staatsregion erhoben wurde -
so konnten sie ruhig infiltrieren um den "Aberglauben" der "Heiden" zu bekaempfen...

Zusammenfassend und mit der Religion abschliessend moechte ich sagen, dass etwas,
was nicht zweifelsfrei beweisbar ist, Scharlatanie genannt werden darf- und dazu zaehlen saemtliche bisher
in der Menschheitsgeschichte aufgetretenen Priester und Prediger, Bischoefe und Popen etc.
Die Druiden der Kelten waren universell ausgebildet, nicht nur Religions/Kultfuehrer,
sondern auch Astronomen und Metallurgen, Heiler, Politiker und Richter,
also nicht nur einseitig auf ihren "Glauben" allein ausgerichtet,
sie haben also sehr viel mehr lernen muessen als das die heutigen Religionsfuehrer,
die eigentlich ihr Studium nur brauchen, um Einfaeltige an der Nase herum fuehren zu koennen,
durch gewitzte Rethorik und demagogische Reden mit etwas Bremborium !
Das zeigt sich auch schon darin, dass Priester und Pfarrer oder Druiden
sich in "Schlachten" gezeigt haben, die Leute sogar aufstachelten..
bis zum heutigen Tag, wo die Maechtigen wieder "von den Menschen" zu reden beginnen,
als ob sie Goetter waeren ! (Achtet mal auf die juengsten Aeusserungen von Politikern und Pfarrern)

Die Geschichte der heimischen Region, die von Westerwald und Taunus ist mir
auf meinen Seiten wichtig- leider kann auf Umschweife nicht verzichtet werden,
will man die Zusammenhaenge ein wenig anleuchten, nicht mal ganz ausleuchten oder ausforschen,
was in einem Menschenleben kaum moeglich waere, selbst wenn Tag und Nacht
in den Buechern gestoebert wuerde..

Die Ortschroniken sind ein sehr viel interessanter Pool von wissenswerten Dingen
ueber unsere Urvaeter, wie sie lebten und dachten, ueber die Urmuetter,
wie sie das Haus walteten und lenkten.

Wie aus den Geschichtsseiten klar wurde, ist erst um den 30j. Krieg herum,
eher noch danach, eine nennenswerte schriftliche Hinterlassenschaft
in den Geschichtsschreibungen vorhanden- davor war eher Schweigen im Wald, da kaum jemand lesen UND schreiben konnte.
Das 17. Jahrhundert laesst uns schon tiefer blicken, das 18. Jahrhundert noch mehr -
archaische Geschichten kennt auch der Anfang des 20. Jahrhunderts noch genug, die Kaiserzeit
und die folgenden Irritationen sind schon eher bekannt- zumindest die offiziellen Dinge,
die kleinen Schicksale der kleinen Leute eher nicht.




23.

Geschichtliches


Auf einer groeßeren Lichtung nach Suedosten einer leichten langezogenen Anhoehe,
von der sich ein kleiner Bach zum Weiltal seinen Weg sucht, liegen ein paar Haeuser verstreut.
Die Haeuser sind aus kraeftigem Reisig und Aesten gebaut, mit Lehm ausgeschmiert und abgedichtet,
gut mit Stroh abgedeckt, das tief in die relativ niedrige Seitenwand reicht.
Der Hof ist nicht gepflastert, sondern nur mit Wegen versehen, die aus Feldsteinen gelegt wurden -
sie fuehren zum Bach und zum Brunnen,
zum Hausgarten und zur Erdscheune, die gut eingegraben ist und die so den Lager-Keller und einen Raum zum Wolle weben hat.
Die anderen Haeuser stehen in respektvollem Abstand zueinander- hier wohnen Germanen,
fernab von allem- im Hintertaunus, wo auch kein Reisender vorbei kommt,
der den Hoehen der Fluesse folgt oder mit dem Boot oder Floß darauf faehrt.
Hier hat noch niemand etwas von "Schule" gehoert, niemand kennt Rom oder "Religion",
keiner ahnt etwas von einem "Herrscher", der erwaehlte Aelteste des Dorfes
richtet nach uralten Gesetzen, die jeder kennt.
Die weiten Wiesen braucht man fuer die Schafe, mancher hat eine Ziege, Kuh und Schwein
werden eher selten genannt - der Hund hilft beim Bewachen der Herde gegen Woelfe und Baeren.
Jedes Haus hat eine Hube, ein Stueck Acker und Grundstueck zugeteilt bekommen, das ganz gerecht verteilt wurde.
Die Wiesen und Waldstuecke um die Gemeinschaft herum sind allen gehoerig und werden
von allen genutzt - Naturschutz ist noch unbekannt, aber jeder achtet darauf,
daß die Natur erhalten bleibt-
die Natur ist heilig, in den Hainen wohnen die Goetter, die zu bestimmten Festen ein paar Gaben erhielten.
Die Hube hatte ein Feld, dieses wurde mit Getreide oder mit Hackfrucht bebaut oder
lag brach bis zum naechsten Jahr.
Der Winter und die ertraglose Zeit war lang, so ging Armin mit dem Speer und dem Bogen in den Wald,
damit Hella und die Kinder genug Fleisch bekamen -
die Haustiere waren nicht so viele, damit mußte man immer sehr sparsam sein:
sie waren gewissermaßen das Geld, Muenzen hat hier noch keiner gesehen..
Der Wald versorgte alle mit Brennmaterial, das zu besorgen war eine harte Arbeit,
zusammen mit dem Feld genug fuer einen Mann.
Wer ein Elternteil im Haus hatte, mußte dieses mitversorgen- die alten Maenner
schnitzten Haushaltsgegenstaende und zimmerten die spaerlichen Moebel -
die alten Frauen kuemmerten sich um das Kochen und sammeln von Kraeutern, deren sie kundig waren.
Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, das zu gewissen Zeiten gesammelt und aufgearbeitet wurde.
Aus den Keulen geschlachteter Tiere wurden Schinken,die im Rauch ueber dem dem Herd hingen,
dort am Haken, bei den groben Wuersten.
Erbsen, Linsen, Bohnen wurden getrocknet, Kohl und Hackfruechte wurden im kuehlen Keller eingelagert.
Heu kam in eine kleine Scheune, die weiter ab stand- es entzuendete sich leicht-
nach der Ernte mußte man immer auf der Hut sein, wenn das Heu nicht richtig trocken wurde.
Hier war auch der Stall fuer das Vieh, mit groeßerer Tuer,
damit notfalls alle Tiere schnell heraus konnten.
Dahinter ein Misthaufen- der zur Duengung wichtig war.
Wirtschaftlich hatte die Familie ein gutes Auskommen, solange alle anpackten-
die Kinder hatten mitzuhelfen und lernten dabei, was fuer das Leben wichtig ist.
Spielen und lernen war eine Einheit, toben und auch sich zu verteidigen gehoerte dazu-
Mann und Frau wußten sich zu wehren, schließlich war jeder gleichberechtigt!
Der Umgang mit dem Speer und dem Messer war taeglich geuebt- von jedem im Dorf -
wo alle zusammenhielten, wenn der Ruf erschallte.
Beeren und Pilze wurden gesammelt, getrocknet oder frisch verzehrt,
aus vielen Wildkraeutern wurde Salat gemacht-
wer mal einen jungen Loewenzahn - oder Baerlauch oder Brenn-Nessel gegessen hat,
mag auf diesen feinen Geschmack nicht mehr verzichten.
Gesaeuerte Milch war die Tunke dazu, ein wenig derbes Fladenbrot
und eine Scheibe Schinken- ein gutes Essen.
Andern Tags gab es Getreide-Gemuese-Brei mit ein wenig Fleischsud, auch lecker.
Das Essen gab Kraft und hielt lange vor, damit der Hunger nicht gleich wieder kam-
so hat man schon morgens gut und massiv gegessen.
Die Tochter kommt mit einem Eimer Milch von der Ziege, wovon Mutter Quark und
einen derben Kaese machen will, der sogar lagerfaehig ist,
weil er mit Holzasche und Kraeuter eingerieben wird.
Der Sohn hat große Ballen Wolle gebracht, die Vater gerade geschoren hat-
am Abend werden alle spinnen und den Geschichten der Alten lauschen,-
das Talglicht leuchtet, nach dem Honigwein auch bald die Augen der Anwesenden..
Opa hat wieder seinen Meth kreisen lassen - ein gesundes Zeug,
das seine Wirkung unbarmherzig entfaltet und alle muede auf ihr Lager sinken lassen wird.
Viel ist in dem einzigen Raum in den laenglichen Haus nicht zu sehen- ein Backofen
und Herd- zusammen in einer Einheit vermauert.
Es ist schon ein neueres Haus, mit einer Zwischendecke aus Holz-
deshalb sind an den Seitenwaenden Fenster mit Klapplaeden.
An der Wand steht die Sitzbank und davor der große Tisch,
der zuweilen auch fuer Arbeiten gebraucht wird- ein einfacher Stuhl und ein noch einfacherer Hocker dabei.
Eine Ablage fuer das Geschirr, manchmal eine einfache Wiege, an einer Wand hingen
ein paar Toepfe und gebranntes Geschirr.
Gegessen wurde mit einem Holzloeffel und dem Messer, das jeder immer bei sich hatte.
Vater ist noch ganz stolz, daß er die beiden Flechtkraenze,
die das Strohdach in der unteren Haelfte festigt, nach den Wuenschen seiner Frau so gut hinbekommen hat-
so schaut das Haus gleich viel besser aus.
Man sagt, das Windauge am Hausgiebel waere der Abzug der Feuerstelle gewesen.
Eine Familie wird danach beurteilt, wie sie ihre Sachen zusammen hielt.
Eine Frau im Haus macht sowieso alles erst so richtig gemuetlich- damals wie heute.
Der Hausgarten wurde von ihr top in Schuß gehalten, diese Anlage war
immer der Garant fuer schmackhafte Essen und recht ertragreich-
geduengt wurde dieser im Herbst mit dem Stallaushub,
der auf dem Misthaufen hinter der kleinen Scheune vor sich hin modderte.
Im Herbst wurde viel Doerr-Obst gemacht, das auf Schueren aufgezogen wurde-
ein guter Grundstock fuer viele Rezepte und zum Naschen-
Pflaumen z.B. sind ausgesprochen lecker und wirken zuweilen sogar als Heilmittel: Bei Verstopfung.
Eintoepfe werden wohl die haeufigste Mahlzeit gewesen sein, tausendfach zu variieren,
sie waermen wunderbar und machen rundum zufrieden- damals wie heute.
Druiden gab es nicht, wohl auch keine Schamanen, aber bestimmt kultische Bestattungsrituale,
die zum heiligen Hain fuehrten.
Huehner kamen erst spaeter auf,- eine wertvolle Bereicherung des Speiseplanes-
es gab zwar noch viele Waldhuehner-Arten, die aber nicht so oft Eier legten, wie gezuechtete Rassen-
selbst der Auerhahn war noch da, das Urrind ebenso, das durch die Waelder streifte.

Nebel lagen oft ueber den feuchten Tal-Niederungen, die sumpfig und unwegsam gewesen sind,
die Weil meanderte durch das Tal, das einem Urwald glich.
Oben auf den Hoehen oder Hanglagen waren die Pfade trocken,
deshalb legte man die Orte weg von der Wetterlage, die aus dem Westen kam
und hin halber Hoehe zum Tal an,
bevorzugt an einem Bach oder an einer ergiebigen Quelle.
Rodungen kamen erst spaeter, als die Zahl der Bewohner anwuchs- ab
und an wanderten die Nachkommen aus, gruendeten neue Siedlungen-
der Huben wurde nicht in Erbteilung zerstueckelt- was ganz vernuenftig war;
nur so war der Aushalt dauerhaft genug um davon leben zu koennen.
(Wagentaugliche Wege werden wohl die große Ausnahme gewesen sein.
Selbst Muehlen gab es noch keine, sie waren schlicht noch nicht erfunden..
keine Kirchen, kein Militaer, kein Fuerst und keine Heerscharen,
keinen Marktplatz und kein Sheriff und kein Gefaengnis.)
Die Nebel lagen also noch im Tal, als fruehmorgens der Vater mit dem Sohn
zur Heuernte schritt- ruhig, gemessenen Schrittes- der Tag war noch lang, die Arbeit hart.
Das feuchte Gras schnitt sich besser, die Sichel und spaeter die Sense erforderten Geschick,
Vorsicht und Kraft- sonst war man schnell ermuedet.
Ruhig und gleichmaeßig wurde Reihe fuer Reihe fertig und lag bereit,
als Mittags die Frauen und Maedchen zum Aufschichten auf die Hausten,
einem dreibeinigen einfachen Holzgestell- kamen.
So konnte die Sonne gut trocknen.
Die Kleinsten versteckten sich in den Heugebilden und spielen -
sie laufen den Schmetterlingen nach, sammeln Heuschrecken und Schnecken.
Vermutlich kannte man bereits die saure Einlagerung in Steinguttoepfen,
wo Kraut und Bohnen den ganzen Winter zur Verfuegung waren.
Alle Dinge sind heilig, alle Dinge leben und werden verehrt - und als Nahrung genommen,
weil man nichts verachten darf, was die Natur schenkt.
Ab und zu toent eine Klapper, eine Pfeife oder Trommel,
ruft jemand seine Waren aus- ein Reisender aus fernen Orten kommt und hat Waren dabei,
die es hier vor Ort nicht gibt- z.B. Salz, eine begehrte Sache und guter Tauschartikel..
Die Tauschwirtschaft herrschte, niemand kannte "Geld" oder Muenzen- wozu auch?
Der Reimbod oder die Silke aus der Nachbar-Siedlung kamen mit der Kiepe,
die mit feuchtem Ufergras ausgekleidet war und verkaufen daraus ihre frisch gefangenen Fische aus der Weil-
die beiden haben sich darauf ein wenig spezialisiert, sie hatten -wie man heute sagt- ein Haendchen dafuer.
Sie tauschten wohl gegen Wolle oder ein gestricktes Paar Struempfe oder gegen Lamm-Schinken- wer weiß?
Andere kamen extra von weiter her, um von hier die ein Wams zu kaufen,
das aus der guten Schafswolle gefilzt wurde und so gut der Witterung und sogar dem Regen trotzte..
Ein Haus war bekannt fuer gute Huete, ein anderes fuer Schnitzereien,
das naechste fuer besondere Kraeuterkunde, wenn man selbst nicht mehr weiter kam.
Opas Meth war immer gut und begehrt und verband die Toepferkunst des Nachbarn oder der Hausfrau-
so konnte sich jeder eintauschen, was gerade fehlte.
Kochgefaeße und Teller und Kruege wurden immer selbst gemacht,
ein anderer Bewohner kuemmerte sich um das noetige Ton-Material aus der fernen Grube.
Messerklingen aus Stein oder Bronze wechselten den Besitzer,
spaeter kamen seltsame Leute aus dem Suedosten, die Eisensteine sammelten und viel Holz brauchten,
um diese zu schmelzen..
Niemand dachte an "Scheidung", es war die Ein-Ehe, die schon aus Gruenden der Sippen-Ehre eingehalten wurde.
Das war zugleich auch das wichtigste Streben eines jeden Bewohners- die Sippe hochzuhalten
und diese nicht zu schaedigen.
Mit der taeglichen Arbeit, die der Versorgung und der Vorratswirtschaft dienten, gingen die Tage ins Land.
Die Natur gab den Anstoß, der Mond die Richtschnur, die Sonne die Stunde.
Jede Familie hatte genug mit sich zu tun - Abends waren wohl alle rechtschaffen muede.
Alt wurde selten einer - nach der Statistik kann man nicht gehen, weil Statistiken
nur fuer Statisten gemacht werden:
Die hohe Saeuglingssterblichkeit und Greise kann man nicht zusammen mixen.
In unserem fiktiven Kaff war wohl die Welt noch lange in Ordnung,
jeder kuemmerte sich um seinen eigenen Kram- der Nachbar war ein ganzes Stueck weit weg-
die Bewohner des Hauses hatten alle ihre Aufgaben, die Tiere waren versorgt,
die Vorraete eingefahren, der erste Frost kam..
mit ihm die Kunde: Fremde kommen - auf Pferden!
Sie sprachen seltsam, hatten Waffen bei sich und erkundeten sich nach dem Weg und dem Namen
des kleinen Flußes im Tal.
Sie speisten und tranken, verabschiedeten sich - wie wohl schon zigmal geuebt - und trabten weiter.
Sie waren noch lange Gespraechsstoff in der Siedlung und niemand wußte oder ahnte,
was die Fremden wollten- Haendler waren sie wohl eher nicht.
Gerade als der Topf auf dem Tisch stand, das Vieh gefuettert war und das Haus schoen warm,
da kamen auf einmal viele dieser Fremden-
an ihrer Spitze ein Schreihals, der staendig Befehle gab und mit dem Saebel deutete.
Hunderte Maenner und Pferde und Wagen lagerten um das Dorf herum, zertrampelten Aecker und Wiesen -
warfen ihren Unrat ueberall hin, stuermten in die Vorratsraeume und pluenderten-
holten die Tiere aus dem Stall,
schlachteten und brieten sie vor Ort am Spieß.
Proteste der Bevoelkerung wurden mit dem Schwert beantwortet, nach dem Genuß von Meth-
mit vollem Bauch- ging es an die Frauen und Maedchen.
Als sie weiter zogen, kam der Hunger in das friedliche Land, kaum jemand hatte genug zum Leben.
Die Saat fuer die "Missionare" war gelegt.

Germanen
Dagegen die auch eine gute haeusliche Wehr nichts ausrichten -
die fremden Horden erklaerten dieses Gebiet als dem Grafen Karabas gehoerig..
Fortan musste der zehnte Teil von allem abgegeben werden, sonst folgten harte Bestrafungen und sogar der Tod!
Sie gaben vor, die Siedlung gegen fremde Truppen beschuetzen zu wollen-
dabei nahmen sie sich nur, was ihnen nicht gehoerte- die Herren und die Soldaten.
Fremdsprachige Truppen aus dem Sueden brachten seltsame Dinge mit-
mal nuetzliche wie neue Fruechte und Gartenkraeuter, leider aber auch den Samen einer schlimmen Kopfkrankheit: Religion.
Die staendigen Zwiste zwischen den entfernten germanischen Siedlungen untereinander haben
-zusammen mit Raenke und honigsueßen Ueberlistungskuensten der Occupanten den
noetigen Zusammenhalt torpetiert, womit man der Besetzung haette begegnen koennen.
(Man ist sich nicht mal sicher, ob sich die Germanen ueberhaupt "Germanen" nannten!
Liste der germanischen Staemme
Karte dazu
Damals war die Besiedlung duenn und nicht nur von "Nordmaennern", sondern auch von zig und zig anderen Volksgruppen besetzt-
die alle unterschiedlich waren. Bei uns an der Lahn koennten jene suedliche Abkoemlinge der Chatten,
unroemisch schlicht "Katten" genannt, gewesen sein.
Die Herkunft wird wohl damals kaum jemanden interessiert haben,
als das heile Dorf oder die von außen ziemlich unberuehrte Siedlung bestand,
"Fremdenfeindlichkeit" kam erst durch die Fremden, die sich nicht zu benehmen wussten- damals wie heute.)
Dann kamen andere, die von Priestern angefuehrt wurden- ebenfalls soldatisch bewaffnet und mit dem gleichen Druck- wieder mit der Gier nach dem "Zehnt", -
und zusaetzlich mit der Mission beseelt, den Leuten ihren Glauben aufzudraengen.
Teil aus Unkenntnis eines Besseren, teils aus Ueberzeugung, teils aus Furcht vor Strafe nahmen
die "Heiden" die fremde orientalische Religion an.
Dann kamen wieder neue Leute- diesmal "ethnische Gruppen",
die auf der Flucht vor Soldaten und Raubzuegen waren,
dann kamen welche, die Raubzuege machten, ob privat oder im Auftrag, war eigentlich schon fast gleich..
Breite Wege wurden angelegt, damit die Beutewagen und die Soldaten und Fuersten gut fahren konnten.
Heiratete einer dieser Fuersten eine Frau, dann heirateten sie gleichsam das ganze Land mit-
mit der unangenehmen Folge, daß eine der Bevoelkerungen den "Glauben" zu wechseln hatte..
(Gefragt wurde nie einer)
Dann kamen welche, die behaupteten, die gerade erst "angenommene" Religion sei "ketzerisch"
und sie nannten sich "Protestanten", die alles besser machen wollten,-
dabei waren sie genau so sektiererisch und unduldsam gegen Andersdenkende, wie die ersten "Missionare".
Der Zwist zwischen beiden Religionsgruppen brachte den großen Krieg, der 30 Jahre
dauern sollte und der in Wahrheit niemals zu Ende geht.
Je weiter die Zivilisation fortschritt, um so aerger wurden die Seuchen,
weil das neue enge Zusammenleben in Staedten nicht gerade gesundheitsfoerdernd war.
Die Zwiste und Kriege zwischen den Geiern, pardon, Gebiets- oder Landesherren wurden immer schlimmer,
ohne Ruecksicht auf die Bevoelkerung.
Es folgten "patriotische" Spruecheklopfer, Koenige und Kaiser, die Schule und die Schrift und die Wissenschaft..
Es folgte Hofart in Latein, in Franzoesisch und nun in Englisch- wer was auf sich haelt, spricht "auswaerts"!
Manche Freizeitler meinen mit "Ritterspielen" der "guten alten Zeit" nahe zu sein, wieder andere denken,
wenn sie sich nicht mehr pflegen und auf "gruen" oder "oeko" machen, waeren sie naturnah -
die Zeit verklaert so manches und verzerrt noch mehr.
Despoten von einst haben heute Kreide gefressen, despotisch sind sie aber immer noch-
trotz verschiedenster Deckmaentelchen.
.. den Rest kennt ihr alle, geneigte Leser, der ihr auf der Suche nach der "heilen Welt" seid,
die nur noch aus den Sagen und Kinderbuechern zuweilen zu euch dringen- wie Fremdes aus einer anderen Welt !

Am 16.8.2014 starb mit 90 Jahren Peter Scholl-Latour, er war wirlich sehr erfahren und wahrhaft-
und redete gegen Politiker-Waende, die ihrer verdrehten schulischen Ideologie huldigen,
die sich immer mehr als total falsch erweist:
Offene Grenzen foerdern eine unfriedliche, intolerante bis gewalttaetige Religion in ihrem Expandionsdrang.
** Ruhe in Frieden !

Heute, am Sonntagmorgen des 16. August 2014 kam im HR4 ein Beitrag, der von Island berichtete:
Dort sollen weder Anglismen noch Franzoesisch oaehn. fremdstaemmigen Worte in die islaendischen Sprache aufgenommen werden.
Ein schon 40 Jahre tagendes Kremium um einen Professor herum bildet neue islaendische Worte
fuer moderne Begriffe:
"Kuenstlicher Mond" fuer Satellit, "Drahtruf" fuer Telefongespraech, Fratzebuch fuer Facebook usw.
Nicht mal die Priester und Gelehrten Islands haben damals die lateinischen Begriffe aufnehmen
oder sich gar in dieser Sprache unterhalten wollen.
Separatismus oder Ulk oder nur Selbstverstaendnis?
Fakt ist, dass sich unsere Politiker wundern wuerden, wenn die germanisch denkenden Bewohner
unseres Landes entsprechend agieren wuerden!
Was, wenn die Waehler und meinetwegen auch Waehlerinnen, die aufs Maul gehauen bekamen
(Koalition in Hessen ist Gruen-Schwarz, obwohl die gruenen Waehler diese Partei
wegen der verrueckten Fliegerei angekreuzt haben, die der schwarzen Partei eine solide Finanzpolitik wollten
und dafuer einen arabischstaemmigen Minister erhielten) entsprechend aktiv wuerden?
(In diesem Falle waere die Enthaltung noch die beste Loesung)
Heute sind so viele Volksscharen auf germanischem Boden, so viel Vermischung- aber:
Es denken sehr viele durchaus wie die Islaender- wehe den jetzigen Politikern,
wenn die alle zusammenhalten und alle Pharisaeer und Philister wegjagen wuerden,
die -gemessen an dem Einkommensdurchschnitt- ein Schweinegeld
(allermeistens auch noch fehlqualifiziert)
bekommen?
Wuerde flankierend dazu alles an Auslandseinsaetzen/Entwicklungshilfe gestrichen,
koennten die oeffentlichen Verkehrsmittel kostenlos zu nutzen sein,
was sehr viele Verkehrsprobleme und Strassenschaeden verhindern wird.
(Kostenneutrale Vernunft)
Der Wermutstropfen ist die hoffentlich noch lange dauernde Friedensperiode,
was die alten Germanen untereinander nie gepackt haben..




24.

Geschichtliches

Doch nun wieder zurueck zu den kleinen Leuten der alten Ortschroniken,
die ich leider nur noch selten in der Buecherei entdecke..

Eben jene alten -meistens aus dem Dorfgeschehen- Geschichten und Chroniken sind es,
die so viel offenbaren, was immer mehr verloren geht, wenn nicht gar schon verloren ist.
(Wer liest solche Dinge heute noch?)
Ein Weinbacher Buechlein, eher ein Bildband von Karl Schomburg, 1990,
zeigt beeindruckende Fotos alter Tage, sogar Zeichungen aus einer stillen Zeit,
als es noch keine Fotografie gab.
Mir faellt auf, daß der Weinbach ehedem an der Elkerhaeuser Straße verlief,
was zuweilen Hochwasserprobleme brachte.
Heute verrohrt und leider erst wieder beim Teich sichtbar.
Bei Abbruch der alten "Klippschule" um 1817 rettete ein Zimmerpolier den Tuerspruch auf einem Stueck Brett:
"aedeficata et errecta hac Domus ano reparatae salutis humana - 1583 "
Die Jahreszahl 1703 trug ein altes Bauernhaus in der Judegaß,
das um 1835 in Schiefer umgedeckt werden mußte:
Eine Nachbarscheune brannte ab, deshalb wurden Strohdaecher verboten.
Seit 1848 gab es keine Juden mehr in Weinbach, 1934 wurde diese in Friedrich-Adolf-Straße umgenannt.
Noch in den 1930iger Jahren waren 10 juedische Familien in Blessenbach gemeldet,
die nach kaiserlichem Schutzbrief Handel und Hausiererei betreiben durften.
Nur einmal, so die Chronik, haette einer dieser Leute gegen herzogliche Gesetze verstoßen,-
ein Pferdehaendler.
Bilder alter Haeuser zeigen, daß die Geschossdecken bereits beim Bau so krumm gewesen sind.
Die Haeuser wohlhabender Bauern und Handwerker waren dagegen mit geraden Fachwerkbalken gemacht.
Einige Muehlen gab es im Lahn- und Weil- und Weinbachtal, mit maechtigen Muehlraedern,
die um so groeßer im Durchmesser waren, je schwaecher der Bach war.
8mtr im Durchmesser in Graeveneck, 12,5mtr in Weinbach, an der alten Oel- und Mahlmuehle von 1515.
Phosphoritverarbeitung spiegelt sich in manchen Bildern, die von reger bergmaennischer Arbeit kuendet.
Ein Bild dieses Buches zeigt eine Klasse 1913-1921, - bei 890 Einwohnern waren 125 Schulkinder zu betreuen.
(Durchschnittliche Klassenstaerke 65 Kinder!)
Einschueler mit ihren Muettern, artig aufgestellt, mit den großen Schulbrezeln in den Haenden..
(Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie der Kranz vom oertlichen Baecker geholt wurde,
noch warm- und zerbrechlich. Duftend, mit Zimt und Rosinen gefuellt..)
Konfirmatenbilder, die jungen Burschen mit schwarzem Hut auf dem Kopf-
das war so "vorgeschrieben" in der reformierten evangelischen Kirche.
(Dazu passt die Benachrichtigung meines Lebensversicherers:
"Ab dem 1. Jan. 2015 gilt eine neue gesetzliche Regelung der automatischen Kirchensteuerabzugsverfahren:
Faellt Kapitalertragssteuer an, muss diese Versicherung automatisch die Religionszugehoerigkeit
beim Bundeszentralamt fuer Steuern abfragen.
Wir behalten die Kirchensteuer automatisch ein, wenn Sie einer steuererhebenden
Religionsgemeinschaft angehoeren.
Wir fuehren diese Steuern dann ab.
Diese Ablassabfrage ! ist uns gesetzlich vorgeschrieben")
Ablass!! Nicht alles, daß man den Zehnt haben will..
(Gut, daß ich dieser Pfarrgemeinschaft den Ruecken gekehrt habe)

Frueher war die Vereinstaetigkeit noch feste verwurzelt- kein Wunder:
Es gab kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet und auch sonst nur wenig Zerstreuung.
In Weinbach um 1917-38 ist im langen Grund, auf einer frisch gemaehten Wiese Fußball
gespielt worden- keine Rede von einem festen Platz..
Fotos von alten Turn- und Sportvereinen zeigen:
Man hat noch keine "Mittelchen" genommen, die Muskeln waren echt.
Der Rheinisch-Nassauische Pferdekarren war beliebt:
Kippbar, einachsig, 1,5mtr hoch mit ebenso großen 2 Raedern, einem Pferd davor.
Zusammen war das Gespann 4,8mtr lang.
Die Ladekapazitaet lag bei 1-1,5to Eisenerz oder 3-400 Schirbel
zu ca 17,5kg nach Weinbacher Maß.
Man liest von Grubenpferden, von Kuh-Fuhrwerken.
Immer wieder tauchen Bilder von Grubenmannschaften auf, mal mit mal ohne Bierkrug in der Hand.
Die meisten Berleute hatten nebenbei noch eine Mini-Landwirtschaft bis 1,5ha.
Die Jaegerschaft war immer den besseren Leuten vorbehalten, von Unternehmern und Selbstaendigen.
Stolze Uniformbilder aus der Kaiser- dann aus der Hitlerzeit, oft ein Abschied fuer immer.
Totentafeln, Gedenksteine an die "Gefallenen" beider Kriege waren die Folge.
Bilder von Frauen, die neben ihren vielen Kindern- 5-8 an der Zahl,
die harte Feldarbeit und den ganzen Hof machen mußten, weil die Maenner
"im Feld" waren oder "vermißt" gemeldet wurden.
Man erkennt auf den Fotos, daß die Kuehe damals ganz anders ausschauten- kleinere Euter,
richtig spitze Hoerner, knochiger und ziemlich großer Koerperbau.

Ein Bild hat mich sehr beeindruckt: Es zeigt auf der S/W Aufnahme ein paar Klafter Holz,
auf dem 3 kleine Kinder sitzen, davor ein Pflaumenbaum- hager,
genau wie die beiden eingespannten Kuehe vor dem Wagen.
Zwei Buben halten das Gespann an den Zuegeln, eine hagere Bauersfrau stemmt beide Faeuste in
die Hueften und schaut recht streng drein.
Derbe Schuhe, schwarze Struempfe, Kittelschuerze..

Das Fachwerk war meistens verputzt, die Straßen ohne Buergersteig,
bestenfalls mit einer Kopfsteinpflaster-Rinne an der Seite.
So wie ich das auf den Bildern erkennen kann, waren die meisten Straßen nur mit Kalksteinen gestampft.
Eine Zeichnung zeigt einen Bauern auf einem querliegenden Brett stehend, mit den Zuegeln
in der Hand- ein Pferd zog dieses Brett, unter dem eine Eisenwalze montiert war.
Ebenfalls ein einspaenniges Pferdegespann zog einen Wagen mit Holzfaß,
in dem Guelle auf das Feld transportiert wurde- immerhin 600 Liter Inhalt!
Beeindruckend fand ich die Zeichung mit einem kleinen Wagen und im Hintergrund eine Mutter mit Tochter,
die beide Rueben pflanzten- oder noch deutlicher war jene,
wo ein Mann einen einfachen Eisenpflug fest im Griff hielt,
der von seiner Frau an einem Strick gezogen wurde!
(Der Pflug musste in die Tiefe und im Lot gehalten werden, oft schwer herabzudruecken)
Damalige Festumzuege fanden immer mit Tieren statt.
Besonders interessant war der Bericht ueber die Kombination Maurer und Hausschlachter:
So mancher Mann hat gleich zwei Berufe gelernt, damit er im Sommer Arbeit
als Maurer hatte und wenn dieser Job im Winter Zwangspause macht-
kam die Hausschlachtung an die Reihe!
Im Februar wurden die Bach-Weiden geschnitten, damit die Korbflechter Arbeit hatten.
Es gab in Graevenwiesbach eine Korbflecherschule, wie ich lesen konnte.
Junge Bauern haben sich ein Zubrot in der Holzwirtschaft verdient- Faellen,
spalten, saegen, aufschichten von Festmetern Holz, die dann versteigert wurden.
Heutige Hygienegedanken darf man nicht haben, wenn man sich die Bilder der alten Backstuben
der Baeckereien anschaut.
Ein Bild von 1920 zeit eine Familie mit 6 Kindern, der Mann starb dann frueh,
ein Sohn war im Krieg "verloren".
Zwei Toechter hatten das gleiche Kleid an, erkennbar selbstgenaeht.

Bilder von Tret-Orgeln, Frauen in schlichter Tracht, mit dem Kitzel und Korb auf dem Kopf.
Bilder von Beerdigungen, wo die Sargtraeger ein Rosmarinstraeußchen im Mund trugen.

Im 12. Jhd wurde die Frankurter Messe erstmals erwaehnt, die im 16.Jhd ihre Bluete hatte.
1745 lies sich Franz I. auf einem eigens am Roemer errichteten Balkon huldigen:
Wenn die Sturmglocke laeutete, so beschloss der Rat der Stadt Frankfurt,
haetten sich alle ihn ehrlicher Kleidung und ohne alles Gewehr in guter Ordnung und Bescheidenheit
vor dem Roemer (Rathaus) einzufinden und "mit allem Respect und Ehrerbietung
fleissig Achtung zu geben und die Huldigungspflicht zu tun".
Man befahl, "den Handwerksburschen, dem Weibervolk und allen anderen,
die nichts bei der Huldigung zu suchen haben,
zu denen auch die Juden gehoeren, -nicht auf die Gasse zu gehen"

Seit dem 14.Jhd ist die Frankfurter Schirrn nachweisbar- (Metzgerstaende).
Unweit vom alten Schlachthaus am Dom, am alten Markt. Schraeg gegenueber
war der Huehnermarkt und die Verkaufsstaende der Tuchmacher,
alles offen und nur durch klappbare Ueberdaecher geschuetzt.
Wenn eine Kundin als "Schinn-oos" verschrieen war (Ein Schindluder, Halsabschneider)
rief man sich das zu und schlug mit den Ketten an die Fleischwagen..
Die Frankfurter Fleischwurst, Gelbwurst und Leberwurst mit ihren braunen Wecken
dazu waren ueberall bekannt und beliebt- zum aus der Hand essen.
Die gekochten Scheinsrippchen waren weitgeruehmt- mit Senf und Brot
und einem Aeppelwoi-Schoppen genossen lies man sich in den Wirtschaften nieder.

1614 stuermten mit ihrem Anfuehrer, dem Lebkuechler Vincenz Fettmilch -
Gesellen der Zuenfte die Judengasse innerhalb von 13 Stunden
und stahlen fuer 170.000 Gulden Waesche, Geschirre, Schmuck und Wein.
Sie verbrannten die heiligen Buecher, verwuesteten die Haeuser, so die Chronik -
und griffen sogar die Staedtischen Bewaffneten an, die das verhindern wollten.
Die Pogrome von 1241 und 1349 waren die Geschaefte durch Kleinhandel,
Wechsel- und Darlehnsgeschaefte immer wieder aufgeblueht - im Jahr 1614 mussten sie jedoch die Stadt verlassen,
weil fuer ihren Schutz nicht mehr garantiert werden konnte.
1380 Juden verließen die Stadt und mußten dabei noch Ausfuhrzoll
fuer die wenigen Gueter zahlen, die sie retten konnten.
Einige kamen heimlich zurueck und fanden bei Christen Unterschlupf, wie berichtet wird.

Die Frankfurter Maerkte unter freiem Himmel- Alter Markt, Roemerberg, Weckmarkt,
Krautmarkt, Huehnermarkt- hatten mit der Einfuehrung des Großmarktes in einer Halle ihr Ende gefunden..
Analog zum Brand in der Judengasse von 1711 brannte 1719 beim "Christenbrand" ein ganzes Viertel ab.

Ein Zeitsprung zum 17. Maerz 1947, wo sich die Amerikaner von allen Seiten auf Frankfurt
zubewegten und nur noch einzelne Maschinengewehrnester zum Schutz waren,
das Oberkommando Angst bekam und sich verduennisierte..
trotz Raeumungsbefehls sind noch 200.000 Menschen in der Stadt geblieben.
Geschaefte wurden ausverkauft, Druckplatten zerschlagen, Telefon und Strom abgestellt,
keine Zuege fuhren mehr, keine Straßenbahnen, keine Post, keine Zeitungen-
zwischen den Truemmern der zuvor mit Artillerie zerschossenen Stadt
wuchsen Haselstraeucher und Forsythien in diesem Fruehling.. ein paar besonnene Maenner
der Verwaltung und des Militaerrates erreichten, daß die Stadt kampflos uebergeben werden konnte.
Der Oberst Criswell hat einen Rat einberufen, der aus je einem Pfarrer der christl. Religionen,
einen Kommunisten und einen Juden bestand, damit die neue Verwaltung
so demokratisch wie moeglich sein sollte.
Eine Notversorgung wurde eingerichtet - bis dann endlich die Berliner Kapitulation ausgerufen wurde..

Zurueck zum 12.Jhd- als Sachsenhausen erstmalig urkundlich erwaehnt wurde..
mit dem "reizbaren, schlagfertigen, fremden, widerspenstigen und gefaehrlichen Volk" besiedelt war.
Die haben eine Sprache gesprochen, die ein wenig anders war:
"Owens giht mein Frah net aus, un des - sein su Weiwer Sache - setzt sich vor die Thuer om Haus,
um ihr Maeusi dort zu mache. Uo - un ich?
Was fraegt mehr lang, mach zaum Aeppelwein mein Gang, wu er rein iß, seiß un flacker -
und kaan Essig-Saueracker.."
Das Platt in unserem Dorf an der Lahn hat einen sehr aehnlichen Dialekt zu bieten..
Wie auch immer- Merian hat einen Vogelschauplan als Kupferstich 1628 hinterlassen,
der den Main mit einer langen Bruecke zeigt- auf welcher 3 hohe Wachtuerme aufgebaut sind,-
rechts davon sind fuenf schmale Inselchen zu sehen, eine fast schiffsrumpf-foermige kleine Stadt
mit hohen Einfassungsmauern und breitem Wassergraben liegt am Fluß, umgeben von Apfelwiesen.
Als Befestigungsbestandteil sind auf der Fluß-Seite sechs Wachtuerme zu sehen.




25.

Geschichtliches


Unser Nachbardorf, Wirbelau gehoert zu Runkel, einem besonders geschichtstraechtigen Staedtchen,
das eher wie ein Dorf mit maechtiger Burg wirkt.
Die Chronik faengt schon gut an, mit Theodor Fontane:
Wieder daheim.
Ich bin hinauf, hinabgezogen
und suchte Glueck und sucht' es weit;
es hat mein Suchen mich betrogen,
und was ich fand, war Einsamkeit.
Ich hoerte, wie das Leben laermte,
ich sah sein tausendfarbig Licht;
es war kein Licht, das mich erwaermte,
und echtes Leben war es nicht.
Und endlich bin ich heimgegangen zu
alter Stell und alter Lieb,
und von mir ab fiel das Verlangen,
das einst mich in die Ferne trieb.
Die Welt, die fremde, lohnt mit Kraenkung,
was sich umwerbend ihr gesellt;
das Haus, die Heimat, die Beschraenkung,
die sind das Glueck und sind die Welt.

Die kleine Chronik erzaehlt von den alten Hausnamen, die ein wenig ueber ihre Bewohner sagte,
ob sie groß oder klein, dick oder lang oder schwaechlich waren..
Langhanjere, Kleinpeters, Schaefergroßers, Großhannesse,
Dickers und Hierwellems- in unserem Ort hieß man die Haeuser Schwartebergers,
Murtzes, Schmidts, Kohlhaase, Schousters, Cleese, Hamfre'se und wie die Bezeichnungen so waren-
aus alten Zeiten, keiner der urspruenglichen Namens-Geber oder Benannte lebte mehr,
die Haeuser waren aber immerfort so genannt und jeder wußte, welches Haus gemeint war.
Manche Hausnamen kamen vom Standort: Maiers am Bach, Fritze im Fahrweg, Ecker in der Eck,
Schutheise auf der Au, Grabenstueckers, Bachschusters, Hohleschneiders, Berghannesse usw.
Das Haus "Backeswieser" war ein Haus am Backes, an der Wiese- weder die Wiese
noch das kleine Backhaus sind noch da- aber der Namen.
Nach dem Abzug der Franzosen ist aus "La Mairie" der Name "Hameräers" geworden- der Zahn der Zeit!

Ganz wichtig war der Flachs-Anbau in unserer Gegend, der die gesponnene Wolle ergaenzte.
Die vielen Schafe der damaligen Zeit sorgten fuer Arbeit, aber auch fuer waermende Kleidung und Fleisch.
Die Wollgewinnung war allemal leichter als aus der zaehen Flachs-Pflanze einen Leinenstoff zu machen!
Schuerzen, Hosen, Bettbezuege, Bett-Tuecher und Tischdecken waren aus Leinen- einem Material,
das besser als Kunstfaser ist und viel haltbarer.
Der Boden wurde vorbereitet und der Leinsamen ausgebracht, - Ende Mai
stand das ganze Feld in blauer Bluetenpracht.
Der Flachs wurde nach der Reife ausgezupft, mitsamt der Wurzel.
(Daran wurde der Staengel zur Bearbeitung festgehalten)
In Buendeln zusammengebunden wurden Puppen aufgestellt.
War die Puppe gut trocken, wurde die Ernte auf dem Leiterwagen nach Hause gefahren.
In einem Meter Hoehe befestigte man eine vierfach durchbohrte dicke Stange,
der Reffbaum, auf den zwei Reffkaemme gesteckt wurden.
Durch viereckige Enden wurde dieser Reffbaum im Mauerwerk oder Fachwerk gehalten.
Zog man den Flachs durch die Reffkaemme, loeste das die Samenkapseln, die Knotten.
Diese fielen auf ein ausgebreitetes Tuch.
Bei dieser stundenlangen Arbeit, die gerne bis in die Nacht ging, wurde ordentlich getrunken
und gesungen und gewitzelt- so die Chronik.
Am naechsten Tag wurde das Stroh auf den abgeernteten Stoppelfelder zum Trocknen ausgelegt-
bis zu 5 Wochen lang, bis es von der Sonne und dem Regen richtig muerbe geworden war.
Anschliessend wurde das Flachsstroh wieder heim gefahren und unter dem Scheunendach aufgeschichtet
fuer ueber den Winter.
Der Leinsamen wurde mit Flegeln aus gedroschen und mit der Wurfschaufel und der Schwenkwanne
gereinigt durch hin und her werfen.
(Die Spelze flogen nicht so weit wie der Samen)
Spaeter uebernahm eine kurbelbetriebene Fegmuehle diese Arbeit.
Die Samen ergaben das beliebte Leinsamenoel oder Leinoel.
In den Orten gab es Flachsdarren, tiefe Kuhlen mit einem Stangengeruest darueber,
auf dem das Flachsstroh bei kleinem Feuer vorsichtig gedoerrt wurde.
Das Produkt daraus wurde gedroschen und mit den Brechen gebrochen und zerhackt.
Die "Ohnen", das Flachsstroh wurde durch dauerndes Schlagen des Buendels auf dieses Eisen
vom ummandelnden Material befreit, anschliessend wurden die Flachsfaserns durch die Hechel gezogen,
um den letzten Rest an unbrauchbaren Gewebe zu loesen.
Die Hechel war ein dickes kreisrundes Brett, auf dem viele 8cm lange Stahlstifte dicht an dicht stehen.
Der Schwenkstock nahm die lockeren Reste weg.
Die langen Winterabende nutzte man in den Spinnstuben,
wo die Frauen den Flachs auf die Spinnraeder spannten.
15 Spulen ergaben einen Strang und wieder viele Straenge wurden auf den Webstuhl aufgebaeumt.
Die schwere Maennerarbeit des Webens folgte.
Danach kamen wieder die Frauen dran, die eine noch muehseeligere und langwierige Arbeit taten:
Das eigentlich graue Tuch wurde mehrmals gekocht, gewaschen, geklopft und auf den Wiesen gebleicht,
begossen, bis es endlich weich und geschmeidig war.
Das groebere Tuch wurde gefaerbt, meist in blau - zu Kleidern, Hosen, Kitteln und Schuerzen genaeht.
Aus dem feineren, weißen Tuch machte man Hemden, Bett-Tuecher und Bettbezuege.

Die Wirbelauer Chronik nennt viele Dinge, die auf meinen Seiten laengst berichtet worden sind,
aber auch schoene Bilder von frankischen und dem westerwaelder Haus, das praegend war.
Bilder von Kuh-Gespannen, Pferdegespannen, Wagen mit großen Holzspeichenraedern,
derbe Waende, die keinesfalls sonderlich gepflegt waren- Putzrisse,
abgeblaettere Farbe an Fenstern und Tueren, nur festgestampfte Ortswege,
die aufgeschichtete Feldsteine als Randbegrenzung hatten.
Leitern lagen vor der Scheune auf dem Boden zur Straße,
Bretter lehnten daneben an der Wand, buckelig gemauerter Bruchstein als Scheunen-Sockel.
Die Maenner hatten die "guten Sachen" daheim im Schrank und taten nur das an,
was schlapprig und fast zerlumpt aussah, gerne mit derben Flicken.
Ganz grobe Arbeitsschuhe und eine Kappe oder Muetze gehoerte dazu- beide Dinge sahen-
auf vielen Bildern- arg getragen aus.
Das Vieh und die Kinder dagegen war besser gepflegt und sauberer,
die Frauen sah man ebenfalls die harte Arbeit an, nicht unbedingt schmueckend.

In der Lahn, auf der Wirbelauer Seite, etwas oberhalb der Zippsmuehle ist eine Bucht,
in der frueher die Jugend geschwommen ist und gebadet hat.
1,50mtr breit ging eine Mohle unter der Wasseroberflaeche gerade in den Fluß,
auf dem die Schubkarren mit Erz bis zu dem ankernden Kahn gefahren wurde,
mit dem das -wohl schon aufbereitete- Eisengestein zur Verhuettung geschifft wurde.
4756 Arbeiter foerderten aus 831 Gruben bis zu 300.000 Tonnen Eisenstein im Jahr.
Einige arbeiteten in Marmorbruechen, Phosphorit- Ton- Mangan- und Silbergruben.

Aus dem Jahr 1769 ist eine gerichtl. Beschreibung von Kirche und Pfarre zu Schupbach ueberliefert:
"Dieses Schulhaus ist nach der Jahreszahl, die im Gebuehne sich befindet,
im Jahre 1699 wahrscheinlich errichtet, hat ein kleines Thuermlein mit zwei Glocken und einer Schlaguhr,
stehet mitten im Dorf, vornen heraus am Gemeinds-Platze, hinten an Fritz Josten Garten,
auf beiden Seiten liegen Johann Adem Jost und die Fahrt von Henrich Becker und Consorten.
Im Schulhaus sind eine gebrochene Hauss-Thuer, unten mit einem Riegel und Faller,
oben aber mit einem Schlosse.
In der Schulstube befindet sich eine Thuer mit Riegel und Faller, ein kleiner alter Ofen ohne Aufsatz,
ein Schultisch nebst vier Baenken, vier Fenster nebst einem Ladten nach dem Garten zu ohne Riegel.
In der Kueche ist nur eine steinerne Herdplatte nebst einem Behaeltnis in der Erdte
mit einer Thuer ohne alles Eisen-Werck.
Auf der oberen Stube, wo die Baettstundt gehalten wirdt, ist eine Thuer mit einem Schlosse,
in derselben steht das Uhrgestelle und befindet sich weiter darinnen ein ovaler Tisch
nebst vier Eichenbaenken an den Waenden, dann drei Fenster ohne Ladten.
Vor dem Speicher befindet sich eine Thuer mit einer Schlinge und auf dem Speicher nichts.
Die Stallung besteht neben dem Hausse in einem Kuhlstall,
worinnen eine alte Krippe ohne Raufe befindlich ist.
Nota:
Ein neuer Schwein-Stall ist bereits bestellet und das Holz dazu bereits gehauen.
Cap. IV verzeichnet, daß jedes Schulkind jaehrlich zwei Kopfstueck
(40 Kreutzer) Schullohn zu bezahlen habe.
Von einem armen Schulkind nur ein Kopfstueck. Ausserdem gibt jedes Kind von Michaeli bis Ostern so morgens
als mittags bei der Schulzeit ein Schulscheid."
Schulscheid= Holzscheit.

Die neue, 1820 erbaute Schule hatte einen Turm, in dem zwei Glocken hingen
und eine große Turmuhr, was damals sehr wichtig war:
Eine Taschenuhr besaß wohl kaum einer, deshalb laeuteten die Glocken die Stunde-
zu frohem und zu traurigen Anlaß ebenso, sie weckten den Schlaefer,
mahnten um 11.00 zur Heimkehr vom Felde und laeuteten zur Nacht.
Heute wird das eher aus Tradition, als aus einer Notwendigkeit heraus gemacht.
Keiner weiß, wie alt die Wirbelauer Friedhofskapelle ist, die auf der Hoehe steht.
Damals verschmolzen die alten Kulte mit dem Christlichen, die germanischen Kultstaetten
waren oben auf dem Berge, auch aus Verteiligungsgruenden.
So manchen Kirche war auch eine Wehrkirche und Zufluchtsort.
Daran erinnern auch die dicken Bruchsteinmauern um die Kirche,
deren fischgraet-artigen Mauerwerk und der romanische Stil hat noch keine klare Deutung gefunden.
Innen mit kunstvollem Schnitzwerk mit Emphore, auf dem die Jahreszahl 1784 steht, gilt als erneuert.
Wie hat sich die Zeit wohl veraendert, in dem dieses alte Gemaeuer steht?

Ein wenig oberhalb dieses Friedhofes ist eine wilde Pflaumenhecke, die wunderbare Fruechte traegt.
(Davon esse ich gerade ein saftiges Stueck Pflaumenkuchen, den meine Frau gebacken hat-
mir war die Arbeit des Entkernens.)

Die alten Gusseisen-Grabkreuze mit den Emaille-Plaketten sind mir noch gut in Erinnerung,
die unseren alten Friedhof zierten.
Mancher der alten Grab-Steine wird wiedergefunden- leider viel zu wenig beachtet,
wenn es kein ausgesprochen historisches Stueck ist.
Damals schrieb man noch ein paar Dinge mehr darauf, als das heute ist -
das kennen wir aus den Alpen, wo manche der alten Totenbretter aufgehoben und ausgestellt sind.
Manche Schrift erinnert an den Religionskrieg, der in einem Voelkermord endete- den 30j. Krieg,
von der Pest, von Ungluecken und Unfaellen, vom Kindbettfieber.
Das Jahr 2014 zeigt wieder klar und eindrucksvoll, daß Religion dem Irrsinn sehr nahe steht:
Shiiten und Sunniten und Isis und wer weiß welche Gruppen es noch gibt, bekaempfen einander
bis aufs Messer und die westlichen Regierungen liefern die Waffen dazu !
Die Neuzeit hat aus der Geschichte wohl NICHTS gelernt.

In dem Buechlein aus Waldbrunn im Westerwald wird erzaehlt,
daß links und rechts der Lahn Ubier lebten - ein Mix aus Galliern und Kelten?
Drei Matronen waren die (weibl.) Gottheiten.
Unterstaemme bildeten eigene Siedlungen, so wird gemutmaßt,
denn wissen weiß es wohl niemand- man versucht aus den Ortsnamen Rueckschluesse zu ziehen.
Diese sind dann kurz nach Chr. von den Roemern in den Koelner-Raum umgesiedelt worden,
als die Germanen eindrangen.
Usipeter werden ebenfalls genannt, die maennliche Gottheiten gehabt haben sollen-
ich habe arge Zweifel um diese Namensdeutungen, die ein ganzes Stueck Kaffeesatz-Deutereien zu sein scheinen.
(Wal = Todesstatt und Pode = Buettel, Henker - Walpode, ein Ortsname)
Ein Klassenbild dieser Chronik zeigt eine der typischen Aufnahmen,
wo die Kinder in Reihen aufgestellt, die vorderste sitzende Schueler hat_
Die Sohlen zeigen alle nach vorne- mit neuen Nagel-Sohlen!
Ein anderes Bild zeigt eine Straß des Ortes, die Giebel alle zur Straße,
ein paar Maenner mit einem Pferd vor einem Wassergraben vor den Haeusern,
ueber welchen einfach ein paar Fichtenstangen gelegt sind, damit man trockenen Fußes
darueber auf das Grundstueck gelangen kann.
Ab und zu ein Baeumchen, der Weg ist nicht geteert oder asphaltiert oder gepflastert.
Keine Kantensteine, kein Buergersteig, keine Straßenlaterne,
kein Gullydeckel, keinen gußeisernen Abluß.

1635 ist der erste Israelit im Amt Ellar belegt.
Diese durften keine Grundstuecke kaufen, keinen Beruf erlernen und mußten
ausschließlich vom Handel leben.

1950 bis 1955 kam eine Modernisierungswut, wie der Chronist meint, die ganze Ortsbilder veraendert hat.
Ein Bild zeigt den Kirchturm, umrahmt von hohen Baeumen, davor recht schiefe Fachwerkhaeuser
in dichter Bebauung, winkelig, mit Schuppenanbauten, ein paar kleine Obstbaeumchen davor,
ein Brunnen, gegenueber der Stampf-Straße der Backes und ein Kind..
Bald danach war die Straße breit und geteert - viele Fachwerkhaeuser fielen
dem Verkehrsfluß zum Opfer, noch in den 70igern wurde alte Backhaeuser
und Scheunen dem Hessenpark gestiftet, wo sie restauriert wieder aufgebaut wurden.
Die Bachlaeufe wurden verrohrt oder begradigt.

Frau Katharina Keller aus Fussingen schreibt in ihrem Gedicht eines alten Fussingers:
"Uus aal Backes.
Ein Mann, der hier geboren war,
lebt' in der Fremde viele Jahr,
kam heimgereist und seufzte schwer:
Ich seh' das Backes gar nicht mehr!
Das Backes, buckelig und klein,
wo mag es nur geblieben sein?

Ja Mann, das weiß doch jedes Kind,
daß wir modern geworden sind!
Ein Ding, so buckelig und klein,
paßt nicht in unser Dorf hinein!
Denn bei der heut'gen Mueh' und Hatz,
da braucht man Raum, da braucht man Platz!
Platz fuer den Omnibusverkehr!
Und fuer Traktoren noch viel mehr!
Platz fuer die vielen Kinderwagen!
Platz fuer die Steuern fortzutragen,
Platz fuer die vielen neuen Kleider,
Platz, und so weiter und so weiter!

Und dann, wer Kurgaeste will halten,
der muß sein Dorf auch schoen gestalten!
Es wird ja heute jeder lachen,
ob solcher krummer, alter Sachen.
Drum ueberlegten wir beflissen
und haben's einfach abgerissen.
Nun ist das Dorf nochmal so schoen,
das mußt Du ja nun selbst gesteh'n.

Der Mann, der schuettelt ernst sein Haupt:
So, spricht er, habt ihr das geglaubt?
Da habt ihr also ganz beflissen,
ein Stueck Geschichte abgerissen!
Ein jeder, den ich hier gefunden,
war mit dem Backes eng verbunden.
Die Alten hatten wie die Jungen
gar koestliche Erinnerungen:
Den selbstgemachten Backeskuchen,
tat ich hier manchesmal versuchen!
Die Zuckerplaetzchen, oh welche Sorgen,
manchmal waren sie verdorben,-
war es Teig oder war es Brand -
sie wurden gegessen alle mitsamt.
Und gab es Quetschen, welche Not,
im Backes war kein Platz fuer Brot.

Und wenn der Schornstein kraeftig rauchte,
gar mancher hier sein Pfeifchen schmauchte.
Hier konnte er mal Pause machen,
ein Schwaetzchen halten, kraeftig lachen.
Und abends dann im Mondenschein
gab's hier so manches Stelldichein.
Wollt man mal was Besondres seh'n,
mußt man mol rasch bei't Backes geh'n.
Vielleicht wurde g'rad einer eingesperrt,
der sich nicht am Gesetz gestoert.

Vielleicht traf man des Nachbars Gritt,
die brachte Neuigkeiten mit.
Und die noch aelter sind als wir,
die lernten's ABC noch hier.

Dann war's mal Rathaus der Gemaa,
det liewe aale Backes klaa!
Und steht's nun nicht mehr an dem Ort,
in uns da lebt es weiter fort!
Die Kinder spielten drimherim:
Fledermaus, so seist dau rim!

Doch bald, da haett' ich's nicht bedacht,
daß einst der Waechter in der Nacht,
wenn er gegangen sein Runden,
im alten Backes Ruh' gefunden!

Das Dorf Lahr war ein typisches Quellmuldendorf am oestlichen Muldenrand des einst versumpften Kerkerbachtals..

Noch in den 1940-1950iger Jahren sah Feldarbeit noch nach Kuhwagen und Handarbeit aus, mit Frauen,
die Schuerzen und Kopftuch trugen, mit Maennern in zerbeulten Hosen und schwieligen Haenden,
die tagsueber in der Tongrube oder im Steinbruch arbeiteten, manche sind sogar als Hausierer
unterwegs gewesen und haben nach "Feierabend" die Landwirtschaft betrieben,
so wie heute das "Hobby" - nur war das damals dringend noetig, damit die Familie genug zu essen hatte..

So mancher ging ueber die Doerfer, um sich als Drescher oder Hilfsarbeiter,
als Tageloehner oder Erntehelfer anzubieten.
Die schwere Arbeit beinhaltete auch das Essen, das zur Bezahlung gewaehrt werden mußte.

Die Drescharbeit mit dem Pflegel dauerte den ganzen Winter ueber, bis die hoelzerne Dreschmaschine kam,
die mit Transmissionsriemen angetrieben wurde- dann ging die Arbeit in 1-3 Tagen von der Hand.
Einige Helfer brauchte man trotzdem.
Zum Saeckeschleppen auf die Tenne, zum Anreichen des Getreides, zum Absacken,
zum Zubinden, zum Strohaufnehmen und in die Scheune bringen, zum Kleie abfuellen,
die als Zugabe des Tierfutters verwendet wurde.
Die Maschinen wurden immer effizienter, bald fuhren Selbstfahrer auf die Felder und ernteten das Getreide,
buendelten das Stroh und sammelten das schon gereinigte Korn in Tanks.
Vom Butterfaß mit Stoeßel bis zu dem mit praktischer Kurbel waren
immer wieder kleine Erfindungen getan, die jene muehsame Landwirtschaft von einst vereinfachten.
Darin sind sich alle einig: So gut wie frueher, schmeckt weder die Butter noch die Milch,
weder der Kaese noch das Brot..

Die Alten- meist wohl Maenner, sind in "Spielhaeuser" gegangen, in denen Karten
und Brettspiele stattfanden. Etwas Dauborner wird wohl auch dabei gewesen sein. (Kornschnaps)
Die Frauen waren wohl eher in der Spinnstub' zugange - vermutlich mit ähnlichen "Hilfsmitteln",
ein wenig sueßer, als Brocksel mit Lebkuchen?

Am Karsamstag gingen die Kinder mit der Klapper herum, sie sangen und sammelten im "Mannen",
einem großen Korb mit Stroh - Eier und Speck, vermutlich auch Sueßigkeiten ein,
was sie dann gemeinsam verzehrten.
Wer nicht gab, wurde mit Spottliedern bedacht!

Der calvinistische Pfarrer (evangelische Untergruppe) wollte schon die "Kirmeßen" verbieten..
Noch heute spuert man den Ungeist der Intoleranz bei den religioesen Gruppierungen,
wenn man mit diesen Leuten naeher ins Gespraech kommt- ich mache das ab und an tatsaechlich,
um die Entwicklung zu verfolgen.

In der Chronik sehe ich ein froehliches Bild, wo der ganze Kuechentisch voller Aepfel
und zwei großer Schuesseln belagert ist, rundherum sitzen Frauen und schaelen,
putzen und lachen, sie erzaehlen sich die Neuigkeiten und haben buchstaeblich Spaß
bei der Arbeit- was man heute ganz bewusst unterbindet,
damit die Taetigkeit in fremdem Auftrag noch schwerer wird..

Ueber die Mundart habe ich schon viele Bemerkungen gemacht - der Heinrich J. Dingeldein
von der Uni Marburg formulierte das 1984 so:
"Hochdeutsch hat nichts mit hoeherem Wert zu tun, Dialekt ist nicht verdorbenes Hochdeutsch,
eher besteht das Hochdeutsche aus verdorbenen Dialekten.."
Der eigene Rhythmus (ihr glaubt ja nicht, wie fremd mir dieses Wort noch immer ist!)
und ihr anheimelnder Klang haben auch auf Dichter ihren Reiz ausgeuebt-
wie auf alle Touristen. Man raet zu mehr Mut zur Ausuebung des eigenen Dialektes an-
was heute eher ein Unding ist, nicht gerne gesehen wird von denen, die "das Sagen" haben
und auch von - jetzt wird's lustig - den alten Einheimischen nicht immer auf Anhieb verstanden wird:
In jedem Dorf sprach man etwas anders, dann kamen Fremde dazu,
die ihren eigenen Dialekt hatten- der Generationen weiter lief- bis dann ein wirrer Mix
von Hochdeutsch und mehreren Platt-Speaks zu hoeren war. (Stand der Dinge)
Ich will euch jetzt nicht wieder mit "Lautverschiebungen" und anderen
sprachwissenschaftlichen Sondersamkeiten nerven, geneigte Leser- sondern lieber
weiter fortfahren in den tatsaechlichen Begebenheiten der Ueberlieferung..

So habe ich in dem Buechlein ein altes Mundartgedicht von Walter Rudersdorf (1946/47) gefunden,
das recht gut die Grundzuege der Dialektik unserer ganzen Gegend repraesentiert
(Doppelbuchstaben werden lang gezogen gesprochen):

De Kommissioo kimmt !
Wie wor et noo dem Kriesch so schee
wenn de Kommissioo koom i det Durf enii.
Die aa zallt Hinkel oder Gickel,
die zwaat Gaens, Gaaße enn Kanickel,
die drett, die soucht nur Gaeul enn Koi,
die anner Dauwe oder Saeu.
Sogoor die orme Katze i de Gasse
wollte se erfasse.
Do worrn se honner de Jelljer her,
dei gowwe fier de Fraa enn Belz doher.
Die Fussinger soore neulich,
do woor en Kommissioo ganz eilich,
die zallt Ratte enn aach Maeus,
joo Wanze, Fleh enn Laeus.

Se worrn sogoor debai,
weil so e Hinkel leet ab enn zou e Ei,
dim orme Fererveih wie aach de Dauwe
en Zaehler uuseschrauwe.
Da konnde se endlich seih,
wievill Eier et gobb vu so em Veih.
Die annern wollde saemtliche Hinkel erfasse,
da uugewe woor ganz bestimmt kaa Masse.
Wenn de Kommissioo wolld noogucke,
leife de Wiese voll Hinkel en Glucke,
"Niemandshinkel" wurrn dei genannt,
weil dei kemm Mensche gehuure im ganze Land.
Se gowwenen Fourer enn kree Eier defuu.
Dei Hinkel, dei kimmerde sich emm kaa Kommissioo.

Doch wen dei Broirer komme,
se rasch de Gaaßel nohme
enn joote die Bande aus dem Hoop enn vum Hinkelshaus
marsch i de Brawies enaus.
Doat woor genaa so bei der Bach,
i der Heep, der Wier enn im Burngoarde aach.

E veraanzelder Fehlalarm mooch net vill aus,
mer woor droff igeschdallt im Stall enn im Haus.
Dei orme Koi deere se aach net traue,
se wollde nenn uu de Euter en auer baue.
Wenn eraus koom vu der Melsch e Drebbe,
solld de Zeicher jedesmool weirerrecke.
So harre se endlich en Kontrolle aach,
demet de Schworze Maat fei i de Bach.

Et es off en Samsdoog gen Owend schuu,
doo heeßt et wirrer: "De Kommissioo!"
Irgendwer hatt e Audo geseih,
woat beim Backes erem heil.
Woat sich i de neegsde fuenf Minude dout,
doat wesse die Betroffene nur zou gout.
Doat es iigespillt seit langer Zait.
Etz esset wirrer emool so weid.
De Hannes leeft noom Kowes, de Hanjer noom Johann,
det Annekett noom Rees enn det Katherin noom Mojann.
Doat es e Gerenn, enn doat es a Geleef,
bes schließlich det gaz Durf verstennischt es.
"De Kommissioo!" Doat Wuurd brengt Schrecke
i saemtliche Ecke.

See laafe enn se sause de Trapp eroo, de Laader enoff.
Doo es woat gefaellisch im ganze Durf!
"Katherin, doat Fererveih i de Sack!
De Gickel de iescht enn da de Hinkel eniigepackt!"
Doat flotschert enn gackst enn baamt sich enn kreet
enn wockelt enn zabbelt enn gluckst enn kreischt.
"Katherin, enii demett!
Nomm de Stampestoeßer, schlebb se fort!"
Doat fererveih, doat orm,
doat eim laad, det sich Gott erborm.
Se werrn gepreßt i de Sack enii
als waer et Streh fir de Hackselmaschii.
Doat orm Veih, diat hoot sei Nuet,
Kaa Wonner, det honnerher see e poor duet.

Dee Hannes sperrt sei i de Gluckekaste im Goarde.
Do konn se honner de Hecke woarde.
Dee Jesch, dee fingt se im Hoop aach
enn dout se off de Speicher enner det Dach.
Wenn dei Kommissioo det Duur erikimmt,
aa Hinkel sich die Freiheit nimmt
enn laeßt vuum Speicherfiester -plopp-
e Ei eroofall dem Chef off de Kopp.
Dee Gickel kreet frech dem Dachfiester eraus.
Doat es e Lew i dim Haus!
Wilhelm Busch haett bestimmt sen Spaß dru gehoat,
doch schoo e leit laengst im Groob.
Oower die annern huu sich aach driwwer amisiert,
woat so alles met der Kommissioo bassiert.

Dee Jakob es i grueße Neede.
Wohii met dim Fackel, dim bloede?
Im Kreinjeskaste es Platz genungk.
Desweije schnappt erret beim Schlunk
enn stoppt et rasch enii, sos girret Kreem,
enn met "Hau rueck" en Laaderbeem
hebt et enoff off det Streh.
Do es et sicher, wie schee!
Dee Koarl hot e Stellje honnerm Haa
enn met der Helf vu seer Fraa,
die es emmer schau, doat Kett,
sperrt doat Saeudeier i dei Eck.
Do werrn die Broirer et net fenne,
wenn et nur stell es, sos muß mer et benne.

Doat Gree, doat es e esonner Fall,
doat schafft sei Fackel off de Hinkelsstall.
Beim Hanjer geret annerscht her,
dee dout doat Veih i de Stoo oo i de Kerr.
E setzt sich met sem Steake debai enn woat,
bes die Kommissioo es wirrer fort.
Doch dee Hanjer es net fusper. So es et bericht worn,
derre i em Uufall vu Zorn,
wenn so e Saeudeier deet kreische enn eremlaafe,
hoot, woat e konn, droffgehaache.

Enn schließlich looge vier duet,
die orme Deier harre ihr Nuet.
Se weste doch net, woat se mache durfte.
Schließlich worrn se doch net im Kluester.

Die Koi, die wurrn baisait geschafft,
manchmol i de Holzschoppe verfracht,
die aa oder anner honnert Streh eniwwer
oder i Wellerschbach getriwwe.
Die Kaelwer, die worrn jo kleener,
deshalb woor et met dei ower net scheener.
Doat aa koom i en Sack,
doat anner wuur i en Gluckekaste gepackt.
Dee Philipp weßt sich emmer Root,
dee koom deshalb aach nie i not.
E weckelt sei Kalb i en aale Mantel enii
enn setzt et i sei Haeusje met dem Herz i der Dier.
Do saß et no uu dim feine Ort,
bes die Kommissioo woor wirrer fort.

Noch villmer doo berichte kennt
vuu Gaaße, Gaeul en manchem Rend,
vum Schworze Maat enn vum schlechte Geld,
vum Tauschhannel enn vum Hunger i der Welt,
vuu Schnapsbrennereie enn de Zentrifuge,
vuu Deppe enn dem Tuwaak i der ajene Bude,
vu der Dreschmaschii enn noch vill meh.
Die Zaide, die worrn gor net schee.
Doch die Kommissioo, die woorr e Erlebnis,
schließlich aach vum Kriesch e Ergebnis.
Do woor doch woat llos, do gowwet aach Spaß
i der Enner - enn i der Ewergaß.
Ower noo der Waehrungsreform, et es fuer emmer schad,
do kree die Kommissioo det Laad.


Puh- das war aber lang! Hier heißt es bei jedem Wort,
jeder Zeile den "Interpreter" einzuschalten, damit nichts verzerrt wird.
Mir fiel gleich auf, daß die sofort lesbaren Worte aus dem Hochdeutschen sind,
die wohl nicht uebersetzt wurden oder nie umgestaltet gesprochen worden sind.
Das heißt, daß es fuer die Ursprachlichen immer Fremdworte waren..
Laesst man diese also weg und stellt ein umschreibendes Wort der Ursprache fuer dieses "Fremdwort",
duerfte das Resultat der tatsaechlich gesprochenen Sprache vor der schriftlichen Ueberlieferung nahe kommen..
Wenn nun durch aeussere Umstaende neue Dinge in das Dorf oder Gebiet gelangen,
kommen auch die dazu passenden Ausdruecke mit- ggf. etwas auf den jeweiligen Gaumen umgemuenzt,
aber dennoch: Ein neues Wort kam dazu.
Manche Begriffe kann man heute nur noch mit Fremdworten erklaeren, weil die Vermischung zu intensiv und zu lange geschah.
Einen luftleeren Raum inmitten Andersprachlicher kann man nicht halten, weil Handel und Wandel
das verhindern. Waere England keine Insel,
haetten sich auch dort wesentlich mehr neue Worte eingebuergert.
Einesteils bewundere ich die islaendische Beharrlichkeit an der eigenen Sprache festzuhalten,
neue Worte mit den eigenen zu umschreiben, andererseits halte ich das fuer sektiererisch und stur,
weil der Handelspartner Islaendisch lernen muesste, um sein eigenes Produkt oder Erfindung
in Island wieder zu finden.. so sieht man leicht den Irrtum dieses Denkens:
"Handy" und "come in and find out" versteht man im angelsaechsischen Raum wohl eher nicht!
(Weitere Vergleiche lasse ich den Sprachwissenschaftlern)




26.

Geschichtliches


Waldernbach ist nicht weit von Waldbrunn weg- so aehneln sich auch die Ueberlieferungen und Erzaehlungen.
Kleinraeumigkeiten sind aber nicht unbedingt der Garant fuer Gleichheit!
34 Familien stark war der Ort kurz vor dem 30j. Krieg, die sich vom Ackerbau und Handarbeit ernaehrten.
Ein Bild der Chronik von 1914, wohl kurz vor dem Umbau, zeigt ein Fachwerkhaus mit zwei Tueren,
links eine Stalltuer, direkt daneben eine Haustuer mit kleinen Oberlichtern,
davor eine Frau in einfacher Tracht mit Schuerze, streng zurueckgekaemmten
und zu einem Knoten geformten Haaren. Eine Zinkwanne und ein ebensolcher Eimer, eine Kanne auf einem flachen Stein.
Neben der Haustuer ging zur rechten Hausseite eine Huehnerleiter in den 1. Stock, wo eine
Schieber-Oeffnung mit Zugseil daran zu sehen ist.
Ueber der Haustuere ein kleines Fenster, wohl zum Flur gehoerig, links ueber der Stalltuer,
ebenfalls im 1. Stock waren zwei kleinere Wohnraumfenster.
Ueberkragend das kraeftige Strohdach,aus dem ein langer Schornstein ragte.
Dieses Strohdach wurde durch ein moderneres Schieferdach ersetzt..
Erwaehnenswert waere da noch das Hof-Pflaster, das aus gewachsenen flachen Feldsteinen bestand,
die in Erde gelegt waren.
Recht buckelig und nicht in geraden Linien, ohne Randbegrenzung zum Misthaufen hin,
der einfach eine Mulde war. Das Haus stand auf einem kleinen Sockel aus ebensolchen Feldsteinen,
woraum die Balken des Fachwerks trocken ruhten.
Der unterste waagrechte Balken des Stall-Teiles war "gelaendefoermig" gebogen, ist also nicht nachtraeglich krumm geworden.

Vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges ist hier nichts von "Hurrarufen" berichtet,
sondern von einer starken Zunahme von Beichtwilligen, die bis in die Nacht,
bis zum naechsten Morgen Schlange standen um ihre Seelennot loszuwerden.
Beide Lehrer wurden einberufen, im Winter 1914/15 machte sich bereits der Mangel
an Petroleum bemerkbar, Brot gab es nur noch auf Karten.
Sogar Steckrueben sind beschlagnahmt worden, damit die Ernaehrung einigermaßen
aufrecht erhalten werden konnte, Kirchenglocken wurden eingeschmolzen, sogar die Orgelpfeifen.
Die Waldernbacher mußten 12.000 Mark fuer Kriegsanleihen zeichnen-
obwohl sie davon nur Verluste an Menschen und Material hatten.
Das meiste Geld sei buchstaeblich von den kleinen Leuten geholt worden, so ein Lehrer,
der sogar die Kinder mit einem Anteil von 700 Mark "beliehen" einschrieb. 1918 kostete das Pfund Butter schon 8-10 Mark, ein Ei 50 Pfennig.

Ein paar Jahre danach kamen die naechsten harten Schulden durch das neue Wassernetz der Gemeinde,
die Kanalisierung des Klingelbaches, damit die Hauptstraße nicht immer ueberflutet wird..
all diese Maßnahmen sind deshalb erwaehnenswert, weil damit in den 1920iger Jahren einige Arbeitsplaetze
fuer die dauernd arbeitslosen Maenner geschaffen wurden- zumindest voruebergehend.
Trotzdem sei der N Sdap nur ein sehr bescheidenes Wahlergebnis zugekommen, wie die Chronik berichtet:
Selbst nach langer Werbung im Jahr 1933 waren es nur 30 Stimmen, selbst die KPD hatte 54,
die Zentrumspartei 345, die DNVP 19 und die SPD 9 Stimmen - bei 457 Waehlern.
(Reichstagswahl)

1932 wurden die Arbeitslosen "ausgesteuert" und fielen der Fuersorge anheim,
5-6 Wochen warteten die Leute auf das wenige Geld, wurden "nervenkrank", wie bemerkt worden war.
Das traf auch Landwirte, die ueber stockenden Absatz klagten:
Wenn die Leute kein Geld haben, koennen sie nichts kaufen..
Nach den Maerzwahlen kam die "Gleichschaltungswelle", die alles umfaßte.
Mit Schikanen und Denuntiation wurden Leute zum Amtsverzicht gedraengt, so wie es "der Partei" genehm war.
Hausdurchsuchungen, Vorwuerfe zu "liebaeugeln mit Kommunisten",
Hausdurchsuchungen durch SSM itglieder.
Berliner Machtgelueste waren noch nie gut fuer das Land!
Mit Tricks wurde der Einfluß der Kirche - und somit der jener Zentrumspartei,
die von der Kanzel herab gepredigt wurde - zurueck gedraengt:
Uebungen waehrend der Gottesdienstzeiten, Benachteiligungen von
gegnerischen Parteimitgliedern bei der Arbeitsplatzvergabe, Strafverfahren gegen Mitglieder
des Marienvereins, Aufloesung der Klosterschule der Arnsteiner Patres,
Entzug der Lehrerlaubnis fuer den Pfarrer im Schulunterricht, Entfernung von relig. Symbolen
und Gebeten aus der Schule/Unterricht, Beschlagnahme von Vermoegen konfessioneller Vereine
und Aufloesung desgleichen Kindergartens.
Hier muß man sagen, daß noch in den 1970iger Jahren der Pfarrer
zu bestimmten Wahlverhalten von der Kanzel herab aufrief..
Der Chronist meint, daß man sehr wohl etwas ahnen konnte:
"Wer die Augen und Ohren offenhielt, sah und wußte,daß regelmaeßig Busse
Menschen nach Hadamar brachten, die unter das neue Euthanasiegesetz fielen.."
Auch wenn die Scheiben verhaengt gewesen sein sollen - er meinte es wohl gut, aber hier wird er wohl
den Wunsch zum Vater des Gedanken gemacht haben.
Juden gab es wohl schon im 19.Jhd keine mehr im Dorf, weshalb meine Annahme richtig scheint.
Man darf auch Chroniken und oeffentlichen Berichten der Vergangenheit nicht alles glauben,
manches scheint doch recht fadenscheinig oder "gefaerbt"- mit viel Gefuehl und der Hoffnung,
es allen Seiten recht zu machen, versuche ich die Wahrheit ein wenig mehr heraus zu kitzeln.

Auf Feld, Wald und Flur sieht man zuweilen im Stein eingegrabene Fahr-Rillen
von Eisenraedern, Hohlwege im Wald, die von den uralten Straßenverlaeufen kuenden.
Oft sind Feldmarken auf den Hoehen, markante Punkte, man ahnt noch die alten "Straßenspinnen"
in der Gemarkung.
Erst in der 2. Haelfte des 18.Jhds wurden "Kunststraßen" mit Stein- und Schotterbelag
-sogenannte Chausseen- angelegt.
Hohe Straße, Butterweg, Lange Mail und aehnliche Namen kennzeichneten diese Handelswege,
ueber die leider auch oft genug Soldaten zogen, nicht nur "Buttertraeger", die Butter,
Kaese und Eier transportieren oder Huetscheler mit ihren Getreidefuhren,
allerlei Gesindel kam ebenfalls darauf vor, wie immer wieder berichtet wird.
Wegegelder wurden entrichtet- nur die herrschaftlichen Bediensteten aller Art und Gesandten,
sowie Post und Export-Verkehr waren frei.

Noch 1911 gab es in Waldernbach ein einziges Fahrrad, 1929 besaß jeder aeltere Schueler
eines.. 3 Autos und 2 Lastwagen zaehlte in diesem Jahr der Ort.

Die Zeit der Abloesung der Postkutschen durch Postbusse kam, die Transport
von Sendungen und Personentransport kombinierten.
(Diese Kombination fand ich so genial, als wir fruehe Touristen in Tirol waren..)
Nicht jedes neue Transportmittel punktete: Die Kerkerbachbahn war so teuer und langsam,
daß die Leute liebe zu Fuß gingen, wie berichtet wird.

Mit dem Pferdefuhrwerk versorgte nach dem 1.Weltkrieg so mancher Unternehmer
die Bevoelkerung als rollendes Warenlager.
Zu dieser Zeit kamen auch die ersten privaten Busunternehmen auf.
Mit Holzvergaser-Lastwagen holte man vom Seeweiher im Winter Eis,
das zur Brauerei nach Weilburg gefahren wurde.. sogenannte "Eisbrecher" verdienten
sich ein paar Groschen dazu, um den spaerlichen Haushalt etwas aufzubessern.
Die neue Mobilitaet der Waren lies die Milch aus den Orten zu zentralen Molkereien kommen.
Die "Gruene Minna" war ein Laster, der einen Wechselaufbau hatte- mal als LKW, mal als Bus eingesetzt..
damit wurden die Arbeiter ins Ruhrgebiet, nach Koeln gefahren und zum Wochenende wieder abgeholt,
wenn sie ihre Maurer-Schicht absolviert hatten.

Klein- und Kleinst-Landwirtschaften praegten das Gebiet im Westerwald, so auch in Waldernbach.
Kaum einer hatte ueber 5ha Land.
Jeder Erbfall halbierte den Hof, die Fluren waren total zerklueftet,
weite Fahrwege waren noetig, um zu den Feldern zu gelangen.
Eine große Weide von 60ha war gemeinsames Dorf-Weideland,
auf dem der bestellte Hirte seine Arbeit machte.
Von allen anteilig bezahlt, tutete er in sein Horn, worauf die Bauern ihre Tiere losbanden,
die dann zielstrebig dem Zug der Weidetiere zulief.
Abends gegen 18 Uhr kehrte der Kuhhirte wieder zurueck, mit Kuehen, Ziegen,
Schafen und seinem Hund. Junge Weidetiere wurden extra angelernt,
diesem Rhythmus zu folgen ;)
Deshalb waren die Straßen staendig zugekotet und vor dem Kirchgang am Sonntag regelmaeßig gekehrt..
"Touris" hat das in den 1930iger Jahren sehr beeindruckt und zum immer wiederkehrenden Urlaub
im Westerwald bewogen.

Die Bluete des Besenbinderhandwerkes soll zwischen 1880 und 1930 gewesen sein,
vermutlich aber ist dieses Handwerk so alt wie die Menschheit..
Birkenreiser in Lagen wurden mit einem stabilen Stiel zusammengebunden, so,
daß sie lange genutzt werden konnten.
Reich konnte man mit dieser Handarbeit sicher nicht werden, aber ein gutes Zubrot war
das damals fuer so manchen aelteren Mann.
Ein gut gebundener Besen soll fuenf Eier oder 2 Pfund mehl oder 5 Pfund Korn oder Weizen
oder ein halbes Pfund Speck wert gewesen sein.
Deshalb haben ca 40 Familien des Ortes sich etwas mit Besenbinden hinzuverdient.

Landgaenger, die wandelnden Kramlaeden, die durch die Gegend zogen,
haben sich von den Bettlern und Hausierern abgegrenzt- zahlreich ging man diesem Gewerbe nach, wenn die Fruchtfolge Zeit dazu lies.
Der Gewinn daraus wurde in das Haus und in die Familie investiert "Geld angelegt" hat
damals der "Gemeine" bestimmt nicht!

Von 1928 an kamen immer mehr Touristen in den Ort Waldernbach,- 1932 waren es 945
und 1981 46.000 Uebernachtungen!
Erstaunlich fuer so ein kleines Dorf! Wie kam das?
Zwei Wanderer sind zufaellig in dem Ort angekommen, haben Station gemacht,
fanden die saubere Luft und die freundlichen Menschen, den Hirten mit seiner idyllischen Herde so interessant:
Es war der Finanzchef und der Personalchef der Humboldwerke in Koeln- deren Arbeiter fortan in Waldernbach
ihren Urlaub verlebten! 14 Tage lang, 50 Arbeiter,
die kostenlos Urlaub machen konnten.. deren Empfehlungen brachten weitere Leute in die Sommerfrische.
Dann wurden die Anspruecher groeßer, Umbauten fuer Duschen- und Baeder,
Toilette in jedem Fremdenzimmer konnte sich nicht jeder Vermieter leisten.
Die Pensionen nahmen ab, die Gastwirtschaften zu.
Dann wurde ein Freibad gebaut, wo 3000 Menschen Erfrischung finden konnten.
24 Psenionen mit 243 Betten gab es 1962.
Kegelbahnen und Kinos, Kuranlagen und eine Kneipp-Anlage, Trimmpfade etc und die Anerkennung
zum Erholungsort folgten, das Wanderwegnetz wurde ausgebaut-
wir erinnern uns an die beiden Wanderer!
In den 1980iger Jahren kam ein Feriendorf an den Seeweiher, eine richtige kleine Urlaubsoase -
dann veraenderte sich das Urlaubsverhalten und durch die veraenderte Familienstruktur
mußten bezahlte Kraefte fuer den Service angeheuert werden.
So wurde aus dem schoenen Feriengebiet eine Uebergangswohnanlage fuer Aus- und Uebersiedler..

Die Westerwaelder Tracht beschreibt das Tagebuch des Johann Georg Strieder,
mit Aufnahmen von der Zeit um 1930.
Ab 1900 trug man die Tracht wohl nur noch selten, um 1950 waren nur noch wenige
alte Frauen darin zu sehen, wenn sie zur Kirche gingen.

Interessant: Eine Frau durfte nach der Geburt ihres Kindes nicht eher die Kirche betreten,
bevor sie "ausgesegnet" war- selbst wenn die Taufe anstand!
(Es wird berichtet, daß die Hebamme der jungen Mutter in die Kirche half,
wo sie in der dunkelsten Ecke - von niemand gesehen- teilhaben durfte.
Bis in die 1950iger Jahre soll das so getrieben worden sein!)

Die Leibeigenschaft war offiziell 1808 abgeschafft, die kinderreichen Familien vermieteten
dennoch ihre groeßen Kinder an die Bauern, damit sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen konnten.
Nicht selten wohnen 10 Personen in einer Stube.. soweit das Buch 700 Jahre Waldernbach.

"Johann von Reifenberg, Knappe auf Burg Dehrn, trug eine heiße Leidenschaft
fuer das liebreizende, aber jeder irdischen Liebe unzugaengliche Burgfraeulein im Herzen.
Die Jungfrau konnte ihn aber nicht erhoeren, sie wurde Schwester Jrmina im nahen Kloster Beselich.
Das verwand der Junker nicht.
Er schied von der Burg dehrn, trat in schwedische Dienste und streifte
im großen Kriege als Fuehrer einer Soldateska durch deutsche Lande.
Irmina laeutete an einem Abend den Angelus, und aus der Tiefe des Waldes antwortete ein Horn.
Sie erschrickt. Wer mochte es geblasen haben?
Die Toene des Hornes aber trugen ihr in den naechsen Tagen auch das Minnelied zu, das der Reifenberger ihr gar oft geblasen.
In Besorgnis unterrichtet sie die Priorin, und das Kloster ruestet fuer einen etwaigen Ueberfall,
da auch in seiner Umgebung Schwedenhaufen streiften.
Aber nur ein Bote mit einem Pergamentstreifen an Irmina erscheint an der Klosterpforte.
Der Reifenberger bat um eine Unterredung. Die Priorin gebietet der veraengstigten Schwester
um ihrer aller willen, den Junker zu hoeren.
Am naechsten Abend schon meldet das Horn seine Ankunft, und die Jungfrau erwartet
ihn betend am offenen Zellenfenster. Er verlangt ihren Besitz,
das Leben deucht ihm ja unertraeglich ohne sie, will dafuer dem Kloster allen Schutz zusichern.
Unwillig hoert sie seine Rede, weist ihn, mild und streng zugleich, ab. Der Junker geht,
in Zorn und Trotz. Irmina eilt zur Priorin und anch dem mitternaechtlichen Chorgebet
fluechten die Klosterfrauen und uebergeben ihr Heiligtum dem Schutze der lieben Gottesmutter.
Im Tagesdaemmern schon ziehen die Schweden herauf und umstellen das Kloster.
Erstaunt ueber die Totenstille dringen sie ein und finden veroedete Zellen.
Voller Zorn wollen sie das Kloster anzuenden. Unbemerkt von ihnen aber hatten
sich schwarze Wolken ueber der Klosterstaette zusammengezogen. Blitze,
Donnerkrachen, ein furchtbarer Schrei,- und der Reifenberger liegt tot
in Irminas Zelle, schwarz am ganzen Leibe. Entsetzt fliehen die Schweden von dannen.
Wie durch geheimnisvolle Kraft hatten die Nonnen trotz allem Wandern
nur eine kurze Wegesstrecke zurueckgelegt und mit Staunen Blitz
und Donner ueber dem Gotteshause wahrgenommen.
Sie kehrten zur selben Stunde zurueck, fanden zwar einige Verwuestungen,
sahen aber auch das Strafgericht an dem Junker von Reifenberg.
Fortan blieben die Klosterfrauen unbehelligt.
Und wer an einem schoenen Maimorgen die Waldwege von Beselich hinansteigt
und die Sprache der Baeume versteht, dem erzaehlen die Wipfel von Irmina, der Nonne von Beselich.. "

Diese Klosterstaette ist unweit von uns, wir waren schon oft dort und gingen den Stationsweg,
schon weil er voller seltsamer Votivhaeuschen ist, die mitten im Wald
einen seltsamen Gang versprechen - schattig und still.
Heute kann man auch mit dem Auto zur Kapelle fahren, vorbei an einer Obstanlage geht
die schmale Gasse bis zu einem Platz mit uralten Baeumen, links die kleine Kapelle,
ein kleines Haus, - links ein Gehoeft aus groben Steinen, dahinter eine groeßere Ruine,
die durchaus sehenswert ist.
Die Großgemeinde hat den Namen der Kapelle- Beselich, obwohl kein Ort so lautet.
Zweckmaeßig kann man parallel der Straße nach Obertiefenbach (Schupbacher Strasse) parken,
wo diese von der Landesstraße L3322 abzweigt.
Genau im Bereich des Muendungsdreieckes geht der geteerte schmale Fahrweg bergan.
Hier kann man diesem zu Fuß folgen, oder rechts ein wenig bergab gehen,
wo nach links in den Wald der Stations-Rundweg geht..

In der Mitte des 12.Jhds. wird das Kloster Beselich erstmalig als "Praemonstratenserorden" erwaehnt,
die Moenche mit der weißen Kutte.
Der Graf des Klosters Arnstein an der Lahn, der selbst zum Ordensbruder
wurde und seine Burg dem Orden vermachte, war der Begruender dieses Frauenklosters
Beselich, im Wald oberhalb des Ortes Obertiefenbach.
Es war im Grunde eine Entsorgungsanstalt adliger Fraeuleins, die irgendwie "uebriggeblieben" waren-
mit guter Mitgift ausgestattet, die dem Kloster uebereignet wurde.
Hier ein Feld, da ein Waeldchen, hier ein Lehnshof, etwas Geschmeide,
eine Leibrente- und schon konnte man leben und im Gebet verharren.
Bald musste eine eigene Vermoegensverwaltung die Sache in die Hand nehmen.
Kapitalien wurden verliehen gegen Zins oder Naturalien.

Im 15.Jhd. wurde das Kloster durch einen Ueberfall ausgepluendert und abgebrannt -
man nahm ein Pfand auf, um alles wieder aufzubauen, das aber bald wieder abgeloest werden konnte.
Nicht zuletzt durch eigene Weinberge erstarkte die Gemeinschaft wieder - dann kam
die Reformation und die Gier nach den Guetern durch die Ritter und Edelleute
der umgebenden Familien-Clans, die bislang nur die Leute durch den Zehnt und Fron erpressten.
So gingen wertvolle Besitze des Klosters verloren.
Die Schenkungen der Neuankoemlinge gingen weiter- beispielsweise so durch die uneheliche Tocher
des Grafen Philipp von Nassau, die er loswerden wollte..
Der Abt von Arnstein, der als Herr des Klosters bestimmte,
mußte die Aufnahmegebuehr drastisch erhoehen, damit die Zahl der Anwaerterinnen nicht ueberhand nahm..
Bei der Aufnahme mußte jede Novizin ausser der Geldsumme dem Prior
und der Meisterin je zwei Quart Wein und je ein Kleinod, ferner ein Vierpfennigsbrot, zwei Huehner,
24 Ellen Leinen, zwanzig Ellen Tischlaken und 16 Handtuecher, dazu eine dreipfuendige Kerze
aus Wachs und 1/2 Mark fuer einen Betschemel fuer die Kirche mitbringen..

Damit es nicht zu bequem wurde, durften die Schwestern auf der Haut nur grobe Schafswoll-Sachen
oder Fell tragen, keine bequemen Stoffe. Darueber kam das weiße Ordensgewand,
Guertel, Schleier, Kreuzchen auf der Stirnbinde.
Strenge Klausur wurde angeordnet und ueberwacht durch die Meisterin,-
kein Mann durfte mit einer Schwester sprechen, auch keine Angehoerigen oder Handwerker-
nur im Beisein der Priorin und in Ausnahmefaellen gab es Gespraeche.
Fleischeslust wurde durch Fasten abgetoetet..
Erholung fand man in geistlichen Gespraechen..
Der Jenseitsgedanke war hier mitten im Wald angesagt und nichts anderes.
Staendig waren Fehden zwischen den verwandten Herrscherhaeusern um Landbesitz,
wozu auch das Kloster gehoerte- bis zum obersten Gerichtshof des Kaiserreiches.
Wenn es um das liebe Geld geht, hoert die Freundschaft und das gute Benehmen auf-
so war das frueher bei den "Edelleuten", die alles andere als "edel" waren.
Dazu kamen die Verwuestungen, Pluenderungen und Schaendungen durch die Soldaten
des 30j. Krieges- die erst spaeter das abgelegene Kloster fanden.
Hin und her schwappten die "Bekenntnisse" der Landesherren- mal reformiert,
dann wieder katholisch- wie es gerade in den Kram passte.
Je mehr reformiert wurde, um so sturer sind wohl die Klosterleute geworden..
"wir lassen uns eher zerreißen, uf eine andre als die katholische Religion zu bekennen"
Es kam wie es kommen mußte - die Laendereien wurden abgenommen,
die Armut zog in die Gemaeuer des Klosters ein.
Die Grafen zogen mal eben mit dem ganzen Geschirr und wertvollem Hausrat ab..
(das waren die feinen Leute, deren Gemaeuer wir heute bestaunen)
"Wegen Notdurft und Faulung" holte man die Kleider und Schmucksachen
aus dem Versteck hervor und verkaufte diese, damit genug zu Essen da war.
Sogar die Glocken hat man geklaut- pardon, konfisziert und wohl zu Kanonen umgeschmolzen..

Dann sollte das Kloster als Alters- und Versorgungsheim oder Hospiz umgewandelt werden,
was wohl nicht so recht geklappt hat- der Runkeler Graf war wohl wieder einmal klamm..
durch "Hans im Glueck"-Tausche wurde der Klosterbesitz immer weniger.
Er, der guetige Fuerst zu Runkel feierte mit seinen Vasallen haeufig Gastmahle,
statt die in Lehen vergebenen Liegenschaften und die Muehle zu erhalten oder zu erneuern,
nur um seinen Besitzanspruch zu zeigen - was eine Spitze gegen seine Verwandten in Nassau und Dillenburg war..
Ein Klostergut-Verwalter wurde wegen Hexerei angeklagt-
weil der mit einem Hufnagel Zahnweh bekaempfte und gebrauchte Haare
von krankem Vieh oder Menschen ins Feuer warf,
um zu sehen, wer wohl verzaubert oder verhext sei..
Wer sich beschwerte, wurde fuer ein paar Tage in den Kerker gesperrt, so gut war der Graf zu den Leuten.
Jeder kleine Funke konnte das Pulverfaß der adligen Familienfehden losbrechen lassen..

Die Pest erwischte auch einige Klosterinsassen, so daß der Verwalter zeitweilig im Dorf Zuflucht nahm.
Klosterbesitz diente zu dieser Zeit als Hospital.
Dem Erzbischof von Trier gelang ueber das Reichskammergericht,
weite Teile der Besitztuemer wieder an sich zu ziehen, die in der Reformation abgenommen
wurden. Interessanterweise von Herrscherhaeusern, die selbst konfessionell waren!
Die Praemonstratenser kehrten nun wieder nach Beselich zurueck,
dem Landesherren von Hadamar wurde die Inbesitznahme angezeigt,
die Hand auf dem Gebiet hatte aber wohl noch immer Nassau.
Die Klostermuehle wurde neu aufgebaut.
Ein Trupp Soldaten, die in hollaendischen Diensten standen, entfuehrten den Pater und Prior,
der erst gegen ein hohes Loesegeld frei kam.
Der Fuerst zu Hadamar wurde wieder katholisch um seine Anklage wegen Hochverrats zu umgehen
- ein Vermittlungsschreiben des Kurfuersten in der Hand, ging er nach Wien zum Kaiser..
dort nahm er die katholische Glaubenslehre wieder an.
So hatte man wieder die Hand auf dem Klostergefaelle ;)
Wie die Jesuiten zu Hadamar fluechteten die Praemonstratenser, als die Schweden einrueckten,
die bekanntermaßen protestantisch waren.
Nun zogen die Nassauer Grafen, protestantisch, ihren Verzicht auf den Klosterbesitz zurueck..
1632 ging der Kurfuerst von Trier einen Neutralitaetsvertrag mit den Schweden ein,
was das Kloster betraf - was dem Hadamarer Fuersten freie Hand gab.
Die Hadamarer Wirren brachten -nach heftigen Einkommensverlusten- nun wieder Gewinn.
Die Runkeler liesen schon mal ein paar Grenzsteine verruecken und die Ansprueche der Jesuiten
in Frage gestellt- nach langen Kaempfen die Bauern zur Begleichung ihrer Schuld aufgetrieben.
Noch bevor das Reichskammergericht sein Urteil zusammen hatte,
zerfiel die Herrschaft Hadamar und auch der Jesuitenorden im Jahr 1771
Nun begann -wieder einmal- ein Erbfolgestreit, jeder wollte von oben Kuchen seinen Teil haben.
Waehrend des 30j. Krieges lagen viele Aecker brach, die nun wieder muehsam rekultiviert
werden mußten, um die vielen Menschen ernaehren zu koennen.
Das Interessante war, daß fuer diesen Zehnt und Fron keinerlei Leistungen gebracht wurden,
keine Infrastruktur - selbst die Kosten fuer den Straßenbau wurde zusaetzlich
von den Kommunen aufgebracht. Zusaetzlich wurde die Bevoelkerung verschuldet,
um kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Herrschern zu begleichen!
Das 1618 errichtete Hospital stand allen offen,- spaeter nutzte man das Gebaeude
als Wirtschafts- und Wohngebaeude fuer die Erbbestaender, die in Erbpacht arbeiteten.
Die Flucht der Schwesterzellen war veroedet, der Kreuzgang zerbrochen,
alles war marode und hinfaellig, selbst der Glockenturm, der nur "unter Gefahr bestiegen werden konnte".
Die Vorraete und der Viehbestand wurde von den Schweden gepluendert.
1711 war das Hadamaer Haus ohne Nachkommen erloschen,
die Witwe des verstorbenen Fuersten Franz Alexander lies sofort die Allodialgueter -
auch das Kloster Beselich- fuer sich sichern, was die Nassauer zu erbittertem Streit aufstachelte
zu einem brutalen und offenem Kampf unter Verwandten!
Beselich fiel bei dem großen Reißen wieder an die reformierte Front.
Die Verpachtungen des Klosters auf 10-12 Jahre haben dem Besitz nie gut getan, so die Chronik.
1806 das neu geschaffene Großherzogtum Berg verteile die Kriegslasten durch den Franzosenkrieg,
was wieder zu neuen Ungerechtigkeiten fuehrte.
Dem Kloster wurde das geschlossene Gepraege der Besitzung genommen -
alte Verbindlichkeiten wurden den Paechtern aufgebrummt..
1818 wurde der Fortbestand der Kapelle Beselich in Frage gestellt,
es wurden Antraege gestellt, die Kirche niederlegen und die geweihten Gegenstaende nach
Obertiefenbach bringen zu lassen. Dessen Pfarrer jedoch wies auf die Andachtsstaette
der Frauen hin und wollte die Kapelle -zeitweise oeffnen,
um diese als stille Andachtsstaette zu nutzen.
1815 wurden die Wallfahrte nach Beselich von der Regierung verboten -
als 1845 wieder ein Prozession dorthin ging, wurden empfindliche Strafen ausgesprochen.
1848- die Freiheitsbewegung sprengte die Fesseln des Staatskirchentums und so pilgerten
wieder Massen nach Beselich..
"Maria Heimsuchung" entwickelte sich zum Wallfahrtstag.
Bischof Blum sagte auf dem Sterbebett: "erhaltet mir Beselich!"
Unter der Obhut des Arztes Dr Hoffmann und einiger wohlhabender Buerger
kam das 164ha große ehemalige Klostergut wieder als Sponsor auf.
Viele Spenden ermoeglichsten den Aufbau der kunstvollen Heiligenhaeuschen,
die im Innern die plastische Darstellung der sieben Schmerzen Mariens zeigen.
"Die glaubensstarke Bevoelkerung" pilgerte nun wieder hinauf, zur altgewohnten Kapelle.
Pilger und Wanderer kommen noch heute regelmaeßig hier her, zur Kapelle mitten im Wald..




27.

Geschichtliches

Dillhausen
Das Westerwaelder Dorf Dillhausen berichtet davon, daß alle Einwohner Leibeigene waren,
die zu Zinsbauern wurden.
Jeder hatte eine Parzelle, die das Lebensnotwendigste erbrachte-
heute koennten die Bewohner sich nicht mehr selbst ernaehren,
nur noch wenige Leute betreiben einen Garten,
alle Aecker werden von auswaertigen Landwirten mitbewirtschaftet.
Keine Kuh, kein Schwein, kein Huhn lebt mehr im Ort.. nur noch ein paar Ponyhoefe, -
wie in sehr vielen Nestern des Westerwald und des Hochtaunus.
Zudem ist das Land so schlecht, daß allerorten eine nur duenne Krume
ueber dem Schieferboden liegt -deshalb liegt so viel brach.
Allerheiligen und Lichtmess kamen wohl aus keltischer Zeit,
am Samhein war das Ende des Sommers angezeigt.
Von den Lichterprozessionen blieben nur die Lichter auf den Graebern.
In dieser Zeit der Rauhnaechte besann man sich und lauschte den Geschichten
aus der Anderswelt auf der warmen Ofenbank- viele Arbeiten ruhten in dieser Zeit,
damit die Daemonen nicht zu viel erfuhren.
Der guetige Landesherr aus Weilburg war nicht beliebt, er verkaufte seine Soldaten
nach England, die ihre imperialistischen Ziele lieber durch fremdes Blut erkaempfen ließen,
als durch die eigenen jungen Maenner.
Ganz Schiffsladungen Menschen wurden gegen hohe Preise aus Wuerttemberg, Hessen-Kassel, Waldeck etc.
nach England geschifft. Die geizige Mynherrs an der Amstel haben ihre Kolonialkriege
ebenso gerne mit fremdem Blut beglichen.
Uebertoelpelt, belogen, erpresst- fix durch schurkische Werber gefangen..
bis nach Venedig gingen die Soldaten, im Kampfe gegen die Tuerken -
man vermutete Kopfgeldzahlungen fuer die Werber.
Heute bewundern wir die Patrizierhaeuser und Palais und Schloesser - was bestimmt nicht richtig ist.
Doch nun wieder zur Dorfgeschichte..
Bis zum 30j. Krieg war das Dorf Dillhausen als "wohlhabend" bezeichnet worden-
obwohl man zum Zehnt noch die Arbeitskraft entzogen bekam durch Transportleistungen und Frondienste,
die der Graf nicht bezahlen mußte.
Ende des 16.Jhds raffe die Pest viele Leute dahin- bald waren nur noch 16 Haeuser bewohnt.
Der Dillenburger Graf eroberte fuer die Schweden das von den Spaniern -
unter dem Befehl des oesterr. (kaiserlich) Generals Graf Mansfeld- besetzte Braunfels.
Als Rache sollte ein Saustall stehen bleiben- sie verwuesteten anschließend
das Dillenburger und das Diezer Land - die Lebensgrundlage war entzogen,
keine Kuh mehr im Dorf. Als nichts mehr da war, gab der Graf das Land zurueck..
Das Schlimmste: Die Kriegslast legte der Landesfuerst auf die Bevoelkerung um-
jeder Einwohner hatte somit 4060 Gulden Schulden !

Wie schon erwaehnt "mußten sich die Hasen buecken, um dem Hafer guten Tag zu sagen"
- das Haferstroh wurde als Einstreu und Tierfutter und fuer die Fuellung der Betten gebraucht.. eingenaeht in Leinenstoff.
Darueber kam ein Leinenbett-Tuch, damit es nicht pikste.
Man soll sehr gut darin geschlafen haben !

Die Herbstzeitlose kamen und mit denen die Zeit des Krummet, der 2. Heuernte.
War die Ernte arm, weil der Sommer zu trocken war, mußten zuweilen die Kinder
mit je einer Kuh auf die Waldwege, um diese dort grasen zu lassen -
damit der Heu-Vorrat bis zum naechsten Jahr reichte.

Haette sich die Jagd in der gleichen Weise weiterentwickelt wie die lobenswerte Forstwirtschaft,
die mit ihrer Nachhaltigkeit und inzwischen taktischem Vorgehen im Bezug auf Boedenqualitaet zu Baumarten,
dann waeren bestimmt keine privaten Paechter im Wald mit der Flinte unterwegs,
wie die Fuersten bis ins 19.Jhd. hinein, die ebenfalls nur aus Lust und "Spass an der Freud" ballern.
Ganz frueher stand es jedem Dorfbewohner zu, das Wild zu erlegen, wenn die Not dazu zwang.
Heute fehlt ein staatlicher Jaeger, der Verlaesslichkeit ins Revier bringt.
Heute sind Auerhahn und Waldhuhn laengst ausgerottet, wie der Baer und der Luchs
und der Adler und das Wiesent und Wolf.

Sehr wissenswert liefert die Chronik den Hinweis auf den neuen Pflug,
der von mehreren Ochsen gezogen werden mußte - dadurch war allerdings nur sehr schwer
eine Richtungsaenderung machbar. So kam es, daß man bis 2000 Meter lange schmale Ackerbeete baute.
Durch jahrelanges Beackern gruben sich in die Haenge der Hochaecker
an den Seiten tiefe Furchen ein, die dann wie terrassenartige Anlagen wirken. Feldraine begrenzten diese und schuetzen vor Verwehungen und Stuermen. Diese Aecker wurden zwar laenger genuetzt, blieben aber dann auch laenger brach liegen, damit die Erde sich erholen konnte.
Feldnamen wie "Bodenrain" oder "Lange Hecke" lassen sich so erklaeren.
Ueberhaupt sind die alten Gemarkungsnamen eigentlich stille Denkmaeler-
die Namen kamen ja nicht von ungefaehr, sondern deuteten auf eine Senke,
eine feuchte Wiese, auf einen Besitz oder aehnliches hin.
Viele "Zelgen" oder bestellte Feldstuecke waren durch Hecken getrennt,
schon damit die Weidetiere keine Schaeden anrichten konnten.
So entstanden Gassen in der Gemarkung.
Die Allmende war das Gesamtvermoegen einer Gemeinschaft oder eines Dorfes -
wozu auch die Wegraender zaehlten- eine stille Futterreserve.
Noch heute enden Wege mitten im Wald- das sind dann Allmendewege, keine Verbindungswege zu den Nachbarorten.

So mancher war noch recht "aberglaeubisch" und ging nicht in der heiligen Nacht in den Stall-
wo angeblich die Tiere sprechen und ggf. etwas vom nahen Tod der Angehoerigen verraten..
Beim Abendlaeuten des 24.Dezembers nahm man ein Scheit Holz, das schon angekohlt
-aber kalt- war und holte es ins Haus;
das sollte vor Blitzschlag schuetzen, das ganze Jahr lang!

Eine Fluechtlingsfrau erzaehlt ihre beklemmenden Erinnerungen der Vertreibung der Deutschen,
die dann bei uns untergebracht werden mußten, aus eigener Sicht:
"Ich wusste nicht, daß wir im Pfarrhaus untergebracht werden sollten.
Die Aufnahme wurde uns dort verweigert- das macht verzweifelt.
Ein Haus mit vielen Zimmern, das von nur 2 Personen bewohnt wurde,
lies eine Mutter mit 4 Kindern in Not stehen.
Die Ordnungshueter mußten den Einlaß durchsetzen- dann kam der Mann aus der Gefangenschaft dazu.
Wir unterschrieben fuer "Care"-Pakete, die wir aber nie erhielten- fuer die Verteilung war der Pfarrer zustaendig.
Nicht lange danach wurde dieser versetzt und so fand man auf dem Speicher des Hauses
die zurueckgehaltenen Sachen.
Bei Hausschlachtungen brachten die Leute dem Pfarrer Wurstsuppe, manchmal auch Fleisch und Wurst-
selbst wenn die Leute sagten: Gebt der Familie auch was ab",
kam nichts bei uns an, die Haushaelterin behielt es fest.
Deshalb stand meine aufmerksame Schwiegermutter danach gerne an der Haustuer..
Mein Mann bekam 1948 wieder eine Lehrerstelle angeboten"

Frueher, so die Chronik, legten schlaue Leute eine Leitung mitten ins Dorf,
damit der Sauerborn ganz nah kam..
Ein erfrischender Trunk, den nicht jedes Dorf hatte.
Als die gemeindliche Wasserleitung in jedes Haus gelegt wurde, hat man diesen Brunnen
geschwind stillgelegt: Es koennte ja einer auf den Gedanken kommen, Wassergeld einsparen zu wollen.
Nun liefen ueberall Wasseruhren, die man nur so lange betreiben wollte,
bis das Leitungsnetz bezahlt waere- - - noch heute sind diese Zaehler allerorten zu sehen.
Es wird wohl wieder so ein Wahlversprechen gewesen sein..

Frueher bekam man die Kinder zuhause- die Hebamme war dafuer zustaendig,
spaeter fanden Geburten nur noch im Krankenhaus statt, heute gibt es kaum mehr Kinder.

Um Obst und Gemuese wurde richtig viel Wind gemacht- verkommen ist dabei nichts,
alles wurde verarbeitet. In den Kellern standen Steintoepfe mit Kraut.

Alte Mundartsprueche kennt wohl jeder noch aus seiner Kindheit- hier ein paar:

"Aus ner schie Schissel isst maeh sich ned sood."
"Des wer je ner fette Gans des Baerzel geschmierd"
"Fengerlang handele iss besser als wei oarmslang geschafft"
"Saeu sein Saeu, aach wenn se in d Kutsch gefoarn werrn!"
"Haut sei d Aier schauer ahls de Hinkel"
"Gieh nit zu deinem Firscht, wenn de nit geruffe wirscht!"

In der guten alten Zeit galt noch die Zuechtigung durch Pfarrer und Lehrer !

Gegen die Obrigkeit wurde keine Art des "Kabaretts" geduldet.

Der Wandervogel und Naturfreund Wilhelm Seck, der Dillhauser Lehrer war, aeusserte sich 1925 mal so:
"Im Unterricht strebten wir danach, den Forderungen Gaudigs: Erziehung zur freien geistigen Taetigkeit,
immer mehr gerecht zu werden.
Doch gewaltige Hemmnisse traten auf, die zum Teil im Stoff, im Kinde und im Lehrer selbst liegen..
Nur die geistige Elite der Klasse.. besitzt die Faehigkeit im Stoff genuegend Anreiz
zur selbsttaetigen Erarbeitung und zur vollstaendigen Loesung von Problemen zu finden.
Die Minder- und Schwachbegabten erhalten nur die Brotsamen, die vom Tisch der geistigen Aristokratie fallen."

In den Kriegsjahren wurden alle moeglichen Sammlungen gemacht, von 1938 an.
Metalle, Lumpen, Knochen, Waldsamen, Fruechte - ganze Schulklassen sind losgezogen..

Soweit die Chronisten dieses Dorfes- ich habe noch einige davon vor mir!

Eine ganz andere Welt tat sich mit dem Schloß Oranienstein auf.
Eigentlich als Kloster gegruendet, das schon vor 1165 bestanden haben soll, liest sich das Buch
ueber dessen Geschichte aus Jahre 1899 wie ein Krimi..
..ich fange mal an: Die anfaenglich strenge Klosterzucht mit dem Hora-Gesang dreistuendig,
bei Tag und Nacht zu leisten, wurde dies den adligen Fraeuleins zu viel des Guten.
Diese Huehner edler Herkunft ließen sich wohl nur ungern einsperren und irrten gerne umher..
so erfand man geschwind die Story von der büßenden Magdalena,
die an der Nonne statt Pfoertnerdienst geschoben haben soll- dabei hatte sich die Nonne
schlichterdings verliebt und befand sich in der Zeit bei ihrem Freund, dem Ritter Gerlach von Limburg.
Das Kloster Dirstein wurde nach und nach zum "Damenstift" als ein Nonnenkloster
der Benediktinerinnen, die es eigentlich sein sollte- da half auch die Strenge des Erzbischofes
Johann von Trier und der Abt von St. Mathias nichts, der Strenge anmahnte.
Das hat den Glaeubigen wohl nicht viel ausgemacht, denn die Prozessionen aus Limburg
und auch die Wallfahrten gingen munter weiter.
Nun kam die Reformation, wo die Mehrheit der Konventualinnen ihren Familien folgend
den neuen Glauben gerne annahmen:
Endlich waren auch die letzten Fesseln der Klosterzucht und des Zwanges zur Ehelosigkeit weg ;)
1564 wurde genau festgelegt, welche Teile der Grafschaft katholisch blieben
und welche reformiert wurden- der Besitzstand des Klosters wurde ebenso aufgeteilt-
gegen Entschaedigung schieden die katholischen Damen aus.
Letztlich blieb nur das Gewand, das an ein Kloster erinnerte -
letztlich sollte die Umfirmierung in eine "Erziehungsanstalt" mit
"tuechtigen Personen von Adel" besetzt werden.
Die letzte Dame machte im 16.Jhd das Licht aus- das Kloster sollte eine
neu zu gruendende Universitaet Herborn werden.
Der 30j. Krieg verwuestete viel, Brunnen waren verschuettet, Weinberge dahin,
der Klosterhof Silhoben abgebrannt, durch Franzosen gepluendert,
durch Schweden eingeaeschert, im Jahr 1634 zur Ruine geworden.

Die Witwe des 1664 in den Niederlanden verstorbenen Wilhelm II Friedich von Nassau-Die
z ist die Erbauerin des Schlosses Oranienstein auf den Grundmauern des Klosters.
In franzoesischem Stil mit vorspringenden Fluegeln gebaut, entstand das Prachtwerk.
30 Jahre spaeter uebernahmen das Erbe die Kinder, die das Anwesen mit seiner Kapelle -
alles in meisterhafter Luxusausfuehrung - weiter fuehrten.
Samt und Seide, Gold und Edelsteine, Ebenholz und Marmor, ostindische Gewebe,
orientalische Teppiche, chinesisches Porzellan..
Schwere Vergoldungen, riesige Gemaelde, Kamine, Stuck, Kristall wohin das Auge schaute.
Pavillion mit 12 Saeulen, einen Tiergarten, praechtige Weinkeller und Gaertnerei..
..kuenstliche Teiche, Grotten, Tempeln, "Theehaeuschen", Promenadenwege, Ruheplaetze
und Aussichtsstellen in das Tal.
Fernwasserleitungen und Brunnen waren freilich auch vorhanden-
1704 holte die Fuerstin lutherische Einwanderer aus ihrer anhaltinischen Heimat
in das von der Pest ausgedoerrte Land.
So ließ sie eben mal eine Kirche fuer diese neuen Bewohner bauen -
ueberhaupt behielt sie gerne die Aufsicht ueber jegliche Bebauung,
ueber die Lage und Gliederung der Haeuser bis zu der Ebenmaeßigkeit der Fenster ALLER Haeuser.
Strenge Polizei hat sie eingefuehrt, was nach dem latenten Diebereien,
die sich im 30j. Krieg eingeschlichen hatten, noetig war.
(Trotzdem hat man ihr 1722 Silbergeraete fuer tausend Gulden aus dem Schloß geklaut)
Die Tochter Sophie Hedwig heirate den Herzog Karl Leopold zu Mecklenburg-Schwerin,
die andere Tochter- Jsabella Charlotte 1725 den Fuersten Christian von Nassau-Weilburg.
Wie praktisch. Ein Jahr darauf verstarb die Fuerstin jedoch und wurde in Diez beigesetzt.
17 Jahre zankten die nicht verheirateten 5 Toechter vor dem Reichskammergericht,
bis ein Vergleich geschlossen werden konnte.
Sie bekamen eine Abfindung und durften bis an ihr Lebensende im Schlosse wohnen.
Die Apanage von je 1250 Reichsthaler, Naturallieferungen an Butter, Eier, Wild
und die Unterhaltung von je zwei Pferden und eine staendige Sicherheitswache
von einem Unteroffizier und sechs Mann wurden zugebilligt..

Nach dem "Heimgang" der letzten Bewohnerin von Oranienstein wurde es ganz still im Hause,
wie die Chronik verraet.
Der treue Kastellan mit wenigen Unterbeamten und dem Schloßprediger,
ein Konsistoralrat machten die ganze Einwohnerschaft aus.
Jahr fuer Jahr im Dornroeschenschlaf und "ereignisloser Einfoermigkeit" duempelte
das Schloß vor sich hin.
Ein russischer Prinzenverwandter mußte in der Pfarrwohnung des Ortes Quartier nehmen,
weil die Schlossbesatzung bei der Bewirtung in Verlegenheit kam..
15 Jahre spaeter: 1786 kam der damalige Statthalter der Niederlande Wilhelm V,
der Interesse an dem schoenen Besitz zeigte und auch gleich groß anzubauen gedachte-
aber da kam die franz. Revolution dazwischen - bald kamen Oesterreicher, dann Franzosen,
dann wurde diese verjagt, dann die anderen..
Gut, daß bei allen Einquartierungen durch den schlauen Kastellan der Weinkeller gerettet werden konnte!
Dafuer erhielt jener spaeter eine lebenslaengliche Pension von 100 Gulden.
Wie auch immer- die "franzoesischen Gaeste" haben gefressen, daß sich die Tische bogen
und eine Rechnung beim Metzger von 3516 Gulden fuer 12359 Pfund Fleisch fabriziert..
Der Kanonendonner verhallte, der Wilhelm V setzte ganz auf "Wachstum" um das Land
schnell wieder auf die Beine zu bringen - er nahm seinen Wohnsitz in den nassauischen Erblanden
und hielt fortan Hof auf Oranienstein. (Ab dem Jahr 1801 kam der Erlaß)

"Von Gottes Glnaden Wilhelm Prinz von Oranien,
Fuerst zu Nassau, Graf zu Katzenellenbogen, Vianden, Diez, Spiegelberg, Bueren und Beedam p.p.
Erbstatthalter, Erbgouverneur, Erb-Capitaine und Admiral General der vereinigten Niederlande,
Erb-Capitain General und Admiral von der Union Ritter des Hosenbandes, aus des schwarzen Adlers....
Wohlgeborene, Wohledle, Edle, Best und Hochgelehrte, Liebe Getreue!"

Nun ging es los- Vergoldungen, Malereien und Stuckarbeiten wurden aufgefrischt,
alles mit farbigen Seidenstoffen und Gebelins tapeziert, mit kostbaren Moebeln ausgestattet.
Die Gemaeldesammlung wurde erweitert, die Silberkammer mit den wertvollsten Stuecken gefuellt,
darunter ein goldenes und mit Edelsteinen besetzes Tafelservice.
Die Orangerie wurde mit wertvollen auslaendischen Gewaechsen versehen,
der Schloßplatz durch eine englische Gartenanlage verschoent und mit doppelgereihten Kastanien eingesaeumt.
Am Ufer der Lahn warteten mit Sammet und Seide ausgeschlagene hollaendische Jachten, die von Pferden gezogen, zu Ausfluegen stromauf- und abwaerts fahren dienten.
Der Marstall wurde großzuegig erweitert, eine Baeckerei angelegt, ein Logierhaus,
eine Scheue, Stallungen, Fischkaesten, Schlachthaus, Gefluegelzuechterei, ausgedehnte Gemuesegaerten mit hunderten von Treib -
und Fruehbeeten, die seine Kueche versorgten. Der Keller wurde mit den seltensten Weinen reich gefuellt.
Der Tiergarten und die Umgebung wurden auf Vordermann gebracht, genau wie der Obstgarten und Promenaden..
..aber er reduzierte die Steuer fuer die Bewohner des Ortes und schenkte diesem ein Hainwaeldchen -
so feierte man den Fuersten als großen Wohltaeter,
fuer den staendig sehr viele Leute arbeiten "durften".
Eine "Jobmaschine", wuerde man heute dazu sagen, die durch staendige Feste
und Feierlichkeiten richtig angedreht wurde: Er hielt auch viele Volksfeste ab- das macht nochmal beliebter.
Die Chonik meint lakonisch:
Fuenf Jahre spaeter wurde er nach der Heirat seiner Tochter Friederike Louise Wilhelmine
"abberufen in die Ewigkeit".
Sein Nachfolger weigerte sich wohl dem Rheinbund beizutreten und verlor so seinen Herrschaftsanspruch,
als Napoleon nochmal den Antrag stellte: "das Haus Oranien hat aufgehoert zu regieren."
Teils gingen die Besitze an das Großherzogtum Berg, teils an das Herzogtum Nassau.
Die Ausstattung des Schlosses Oranienstein lies Napoleon 1811 oeffentlich versteigern -
ein "Jude aus Diez" soll 10.000 Gulden fuer Tafelsilber ausgegeben haben.
1815 uebernahm Wilhelm I. Koenig des neugemachten Koenigreiches Niederlande,
verzichtete aber und tauschte gegen das rechtsrheinische Uferland von Ehrenbreitstein ein.
Der neue Landesherr wurde Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg,
er war aber nur kurz auf Oranienstein und starb bei einem Sturz.
Sein Sohn Wilhelm I alias Georg August Belgikus vereinte bald saemtliche Nassau-Wallramischen Lande unter sich.
Oranienstein wurde zum Jagdschloß, der Tiergarten wurde abgeholzt,
die nicht benoetigen Grundstuecke verkauft, Teile des Schmuckes an andere Schloesser gegeben
um die notwendigen Reparaturen zu begleichen.
1835 kam die ganze Orangerie nach Biebrich, wo sie wohl noch heute ist.
"Nach 24j. Regierungstaetigkeit wurde Herzog Wilhelm 1839 zu seinen Vaetern versammelt.. "
schrieb der Chronist.

Sein Sohn folgte nach, als regierender Großherzog von Luxemburg zudem.
Seine Gemahlin Adelheid war entzueckt von der Umgebung und der reizenden Lage -
deshalb wurde manches umgebaut und vergroeßert.
Sie wollte den Hof nach Oranienstein verlegen- mußte aber feststellen,
daß die Beheizung der Anlage den Wald ganz fix aufgefressen hatte..
Somit wurde Oranienstein zur Sommerresidenz.
Nach langjaehrigen Differenzen zwischen Regierung und den Staenden
wegen der Domaenialgueter wurde Oranienstein als Staatsgut beansprucht.
Wertvolle Gegenstaende wurden nach Wiesbaden und nach Weilburg gebracht.
So blieb nur der Kastellan und zwei Paechter als einzige Bewohner im Schloß.
1866 ging es in preußisches Eigentum ueber und sollte eine "Provinzial-Irrenanstalt" werden,
dagegen warfen sich Herzog Adolph, Koenig Wilhelm III.
von Holland, dessen Tage Prinzessin Marianne und sein Onkel Prinz Friedrich der Niederlande ins Zeug.
Mit der Wiesbadener Regierung wurde man einig und erdachte eine Kadettenanstalt in Oranienstein,
die sogar von Se. Majestaet Koenig Wilhelm von Preußen besichtigt wurde.
1874-76, also 200 Jahre nach Grundsteinlegung, wurde Oranienstein durch Kasernenanbauten erweitert,
der heutige Anblick.




28.

Geschichtliches

Meine eigenen Kindheitserinnerungen:
Die 50iger Jahre des letzten Jahrhunderts waren noch immer gepraegt vom Zustrom
der Fluechtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten,
die unser kleines Dorf im Taunus auf das Doppelte (lt. http://lagis.online.uni-marburg.de/de/subjects/idrec/sn/ol?id=533019050 )in den Jahren von
1946-1961 vergroeßert hatten.
In meiner Schulzeit war der Ort ca 995 Einwohner stark, heute im Juli 2014 sind es nur noch 820 !
Trotz Anstiftung zur Abschottung durch Verbaende und Priester haben sich die neuen Menschen
in den Ort eingegliedert und Freundschaften geschlossen; problematisch waren
gemischt-konfessionelle Ehen aber immer,
weil zwar alle vom "Jesuskind" und "christlicher Naechstenliebe" erzaehlten,
im Hinterkopf aber immer Angst um die kirchl. Steuereinnahmen hatten..
(von einem Schulfreund, einem Ungarn-Deutschen im Jan.2013 erzaehlt, der von seinem Vater hoerte:
Geh lieber unter die einheimischen Jungs spielen, das ist wichtiger !)
Das zeigt mir Parallelen zum heutigen, neuen Separatismus in den Staedten auf,
der auf dem Land -zum Glueck- nicht funktioniert..

Aus einer kleinen -frondienstenden- Ansiedlung um die ehemalige Burg wuchs ein Bauerndorf
mit etwas Handwerk, das ich in den 50igern so vorfand:
Ein Strassendorf mit geringem Verzweig, mit Basaltpflaster,
gewundener Hauptstrasse, die links und rechts fast durchgaengig Bauerngehoefte hatte,
inmitten eine evang. Kirche, ein gusseiserner Dorfbrunnen, eine Viehwaage und Milchpritsche,
wo die Milchkannen auf Abholung durch den Molkerei-Laster warteten.
Die großen Kannen wurden mit dem Handkarren von den Hoefen zu diesem Abholplatz gebracht.
Die Zeit der landwirtschaftlichen Motorisierung fing gerade an,
sich aus den Anfaengen der Großtraktoren fuer die riesigen Flaechen entfernter flacher Gebiete,
in den kleinraeumigeren, weil gebirgigen heimischen Sektor auszudehnen,
bei der mein Vater als einer der fruehen Monteuren mit VW-Bulli
(mit geteilter Frontscheibe) in blau-weißer Lackierung
mit fettem PORSCHE-DIESEL Schriftzug, in welchem eine komplette Werkstatt installiert war -
sein neues Auskommen gefunden hatte.
So bekam ich die erste Traktorengeneration fuer die baeuerlichen Kleinbetriebe gut mit..
Ab und an fuhr noch ein Kuhgespann mit zwei in schwarz gekleideten alten Leutchen durch's Dorf,
hoch mit Heu beladen.
Der grosse Leiterwagen mit den hohen eisenbereiften Speichenraedern wurde
muehsam mit einem Schraubzug mit Holzklotz gebremst.
Sanft schwang man die Peitsche, damit die gute Kuh nicht einschlief..
Morgens wurden die Viehcher - Kuehe, Schafe und Ziegen durch's Dorf auf die Weiden getrieben -
Abends wieder zurueck.
Die Tiere wussten genau, wo sie abbiegen mussten, wo sie Zuhause waren.
Zwei Schreinereien, ein Schmied und ein Spengler, zwei richtige Baeckereien,
ein richtiger Metzger, 3 kleine Lebensmittel-Laeden,
ein Buchverleih/Molkereiprodukte- Verkauf, einen Bahnhof, eine Aussenstelle der Sparkasse,
zwei Friseure, 1 Schuster, eine Lohnkelterei,
zwei Baugeschaefte, ein Strick- und Kurzwarenverkauf, sogar eine "Poststelle I" !
Ausserdem die Genossenschaftliche, Tankstelle, 2 Bankfilialen, die eigene Buergermeisterei..

Der Tagebau fuer Bauxit und eine Grube mit tiefen Stollen, wo Eisenerz gewonnen wurde,
das dann aufbereitet und zur Verhuettung in's Ruhrgebiet verschickt wurde,
mehrere Flaschenverkaufsstellen und vier Wirtschaften waren in Betrieb,
sowie ca 12 Bauernhoefe.
Gerade als ich sieben Jahre alt wurde, bekam der Ort die Volksschule
-zwei Jahrgaenge in einer Klasse- hinzu, die mit Lehrerhaus ganz modern gestaltet war.
Die beiden Muehlen habe ich nicht mehr in Betrieb erlebt, das alte Hofgut Schwartenberg,
jenseits der Lahn auf der Hoehe wurde neu belebt und zum Gefluegelhof ausgebaut.
Aus den unselbstaendigen Einkommensbeziehern mit Kleintierhaltung von Hasen, Huehnern,
Ziegen und Gartenbau zur Gemuese- und Obstversorgung wurden Pendler,
aus dem Bauerndorf viele Leerstaende und Zersiedelung der Ortsraender,
zwei Aussiedler-Hoefe kamen dazu, wovon einer bereits aufgehoert hat.
Irgendwie ist der Ort optisch doppel so gross geworden,
dabei hat er sich nur ausgedehnt und aufgeblaeht, ohne mehr Einwohner zu bekommen.
Im Gegenteil- heute haben wir 100 Einwohner weniger als damals.
Heute sind die ganzen Wohnungen geheizt, jeder hat sein eigenes Zimmer
und ueberhaupt ist alles groeßer und repraesentativer gemacht,
mit Parkettboeden und Marmortreppen, vier Ringe oder Stern in der Garage -
zufriedener sind die Menschen aber nicht geworden!

Alle alten Wirtschaften wurden geschlossen, eine neue -mit Gaestezimmer kam dafuer neu dazu.
Schon in den 60igern kam eine neue grosse kath. Kirche als Neubau, von mehreren Orten genutzt.
Die Laeden haben allesamt dicht gemacht, genau wie die Schmieden und Schuster,
Baeckereien und alle Verkaufsstellen etc.
Ein Tierarzt und eine kleinere Fabrik kamen hinzu, die aus der Spenglerei erwuchs.
Die kleine Fabrik stellt nun Grosskuechen und Flugzeugkuechen her- wunderbar fuer die Grossgemeinde,
dass "Jobs" in der Region gehalten werden.
Im Dorf selbst ist nur noch ein Landwirt hauptberuflich aktiv, zwei weitere im Nebenerwerb.
Ein neuer Glaser und eine der beiden Schreinereien sind in Arbeit.
Ein Radio- und Fernsehladen hat schon wieder halb dicht gemacht,
eine Masseurin und eine Hebamme mit Praxen und ein Blumenladen sind neu,
sowie ein ganz neuer Friseursalon, ein Campingplatz an der Lahn und eine Bushaltestelle
in der Ortsmitte fuer die Kinder,
die nach der Schliessung der Volksschule nach Weilburg oder nach Weinbach auspendeln muessen.
Die zwischenzeitlich aktive Strickwarenfabrik in der Waldeslust an der Lahn ist laengst
wieder geschlossen und verfaellt- wie die gleichnamige Wirtschaft.
Viele Versuche das beruehmte "zweite Standbein" zu gruenden, sind fehlgeschlagen
und verschwanden nach kurzer Zeit.
Aus zwei oder drei Autos wurden unzaehlige, immer fettere, womit jeder jeden Meter faehrt,
selbst zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof, zum Zigarettenautomaten oder zu Verwandten,
die eine Querstrasse weiter wohnen.
Die Haeuser wurden im Laufe der Zeit richtig deftig elektrifiziert -
wo ehedem nur eine Steckdose in jedem Zimmer war, sind heute ganze Gallerien verbaut-
alles geht schnell und elektrisch, trotzdem hat kaum jemand Zeit,
selbst die Bauern nicht, die heute mit gewaltigen Traktoren mit hunderten PS
ueber die Aecker heizen- steuerbeguenstigt.
(2012: 450Euro Ersparnis auf 1000Ltr, EU- gefoerdert in allen Richtungen,
sogar fuer den Nichtanbau von Flaechen gibts Geld)
Die Heizung mit dem Ferngasanschluss und Oel haben die Ofenheizung verdraengt,
die mir noch gut gelaeufig war.
(Das letzte "Plumps-Klo" ist wohl um um 1995 weg gekommen)
Ganz wenige Aussiedler-Landwirte mit Diplom betreiben heute weite Flaechen,
die zugekauft oder gepachtet wurden - die Landwirtschaft hat sich arg veraendert !
(nicht nur durch die neue Gebietsreform, die ganze Wege neu und andere verschwinden lies-
Felder wurden umstrukturiert und sinnvoll zusammengelegt)
Der Stolz durch hoehere Einkommen hat viele Leute vereinsamen lassen,
was sich langsam wieder umzukehren -
und die Kinder wieder oefter nach draussen zu locken- scheint..
Der Duenkel der Bauern gegen die unselbstaendig Beschaeftigten ist
nicht mehr so stark spuerbar wie frueher -
heute wird mehr am PC "erwirtschaftet" als auf dem Feld.
Wohlhabenheit zeigt sich in hochtrabenden Jagdpachten, Reisen und teueren Autos
der vielen neuen Studierten, die ihre Nasen recht hoch tragen.
Frueher war alles offen, kaum jemand schloss die Haustuere ab,
wenn hinter dem Haus im Garten gearbeitet wurde -heute ist mehr Misstrauen da.
(Heute muß man alles gut abgeschlossen werden, nicht mal mehr die Garage kann offen stehen bleiben,
weil ueberall und staendig weiße Transporter unterwegs sind, die auskundschaften,
wo was zu holen ist.)
Meine Kindheit war oft bei der kleinen Lohnkelterei im "Krautfeld" daheim,
die schon seit Jahrzehnten nicht mehr ist.
Mein Weinrezept fußt auf diesen Erlebnissen,
die ich auf der "plaetzchenwolf"-Seite allen Interessierten zur Verfuegung stelle.
In dem uralten kleinen Bauernhaus gingen die Uhren anders und zwar sehr in Richtung aeusserste Bescheidenheit.
Die "gute alte Zeit" war freilich nicht immer ganz so gut, wie sich das nun anhoert-
die Sorgen waren groß, sie waren zwar auch schon existentiell, anderes als heute,
wo die Rationalisierung und Globalisierung unseren eigenen Kindern zunehmend die Chancen nimmt.
Die Zeiten sind anders und zeigen, dass das einzig Bestaendige im Leben die Veraenderung ist.
Wo frueher die Frauen auf dem Feld Kartoffeln sammelten oder mit Heimarbeit zuverdienen "durften",
kam eine lange Zeit der "Selbstverwirklichung" und Emanzipation,
die heute wieder mehr aus Not heraus die Zuarbeit erfordert
um "ueber die Runden zu kommen" oder den "Lebensstandard" halten zu koennen.
Wo frueher - ganz selbstverstaendlich - die Leiter ausgeliehen und durch's Dorf (zu Fuss) getragen wurde,
pflegt heute jeder den Stolz alles zu besitzen
und nicht mehr "bitte" sagen zu muessen - zu Fuss traegt niemand mehr irgendwas..
Selbst Sportler, Hundehalter und Spaziergeher fahren mit dem Auto zum "Einsatz".
Kaum noch einer, der einen richtigen Gemuesegarten oder Bauerngarten betreibt,
heute wird alles im Supermarkt geholt, was ja auch guenstiger ist..
langsam aber sicher kommt bei manchem die Erkenntnis,
dass selbstgebackenes Brot und selbstangebaute frische Bohnen besser schmecken-
ob ich diese Dinge den Nachkommen vermitteln kann, wage ich zu bezweifeln.
Ich bin gespannt, ob es unseren Kindern spaeterhin noch so gut geht wie uns- ich denke nicht.
Trotzdem muss es immer weiter gehen, das Rad der Geschichte wird sich drehen,
selbst hier, in unserem Gräveneck,
das seit den 70igern zu Weinbach "eingemeindet" worden ist.
Von den knapp tausend Einwohnern zu meiner Schulzeit sind heute 835 geworden,
viele Haeuser stehen leer,
teils weil die Leute verstorben sind, teils in's Altenheim gingen,
(frueher war es selbstverstaendlich, dass die Alten ihre Tage zu Hause beschliessen konnten)
oder die Teilung strittig war- ein trauriger Anblick ist das allemal,
wenn die alten Haeuser zerfallen und die Jungen am Ortsrand neu gebaut haben.
Heute werden die Haeuser - wegen ihres billigen Preises - wieder gekauft
und neue Menschen ziehen zu, was mich ehrlich freut:
Schon zwei Jahre nach diesen Zeilen sind einige Haeuser wieder bewohnt
und nur noch wenige stehen leer!
Dafuer haben wir heute eine richtige Gemeindeverwaltung mit guten Posten
und studiertem (Wirtschafts-Wissenschaftler!) Buergermeister, was frueher ehrenamtlich geloest war.
Den "Kartoffeldaempfer" und das Dreibein mit der offenen Schlachtung im Bauernhof sieht man nicht mehr,
die Guelle fliesst auch nicht mehr in den Rinnsteinen entlang,
heute ist die Klaeranlage in Betrieb, auf Wasserreinheit wird sehr geachtet.
Die Felderwirtschaft hat sich sehr veraendert, man sieht keine Rueben
und keine Kartoffeln mehr, dafuer Oelfruechte.
Die Muellabfuhr geht heute nicht mehr in den "Schinngraben",
sondern wird dezentral und professionell geloest.
Die Verschmutzung kommt nunmehr auch nicht mehr aus den Auspuffrohren der Autos
oder aus den Hauskaminen, die strengste Auflagen bekamen
(die neuen offenen Kamine und Kaminoefen zaehlen offenbar nicht so sehr)
sondern mehr von dem wahnwitzigen Flugbetrieb des Grossflughafens Frankfurt/Main,
der seine "Einflugschneisen" in riesige Entfernungen ausstreckt-
selbstredend ohne "Katalysator" - bei "kritischen Landungen" wird mal eben
so einfach Treibstoff "abgelassen". (welcher nicht mal besteuert wird!)
Im Strassenverkehr hingegegen wird jeder Tropfen argwoehnig betrachtet und bestraft..
Neue Zeiten, neue Sitten:
Die Familien bilden inzwischen seltsame Verbindungen und hinterfragen ueberkommenen Mist -
der Ort wird auch das ueberleben,
da bin ich mir sicher, auch wenn die "Landflucht" erst am Anfang zu sein scheint
und immer mehr Leute in die Stadt abwandern,
weil sie sich die Pendelei nicht mehr leisten koennen.
Die Hoffnung liegt auf den jungen Familien, die sich trauen Kinder zu haben -
hoffentlich bleibt das Kindergeld weiter bestehen,
das es in der "guten alten Zeit" nicht gab- besonders nicht fuer Arbeiterfamilien,
auf deren Ruecken der Aufschwung wuchs.
Inzwischen ist das kleine alte Bauernhaus der Lohnkelterei in die Haende einer ganz jungen Familie gegangen,
denen ich alles erdenklich Gute wuensche und immer eine handbreit Geld unter dem Kopfkissen..
Ich selbst habe mit dem Elternhaus mehr als genug zu tun und hoffe, dass mir der Nachwuchs hier wohnen bleibt
und mal alles uebernehmen kann und nicht -wie viele- weit weg eine Arbeit findet.
An weiteren Erinnerungen waeren zu erwaehnen:
Die Konfirmation war ein schraeges Fest, das mir als grauenvolles Betrinken
oder besser betrunken gemacht worden zu sein - haften blieb.
Das Waldfest im Buchenwald ist gestorben, weil keiner mehr zu Fuss die 1,5km gehen wollte-
Parkplaetze sind dort keine.
Kirmes war ehedem noch mehr "Kirchengeburtstag" und somit links und rechts
an der alten Hauptstrasse, direkt bei der Kirche.
Die alte Schiff-Schaukel wird noch gut in Erinnung sein und der Umstand,
dass ein grosses Zeit nicht noetig war,
weil genug Wirtschaften vorhanden waren !
Bei jedem der Mitkonfirmanten, den es zu bewandern galt, gab es Schnaps-
fuer 14 Jaehrige ein total ungutes Ding.

Kohlen, Briketts und Kartoffeln wurden in dieser Zeit massenweise eingelagert und verbraucht-
je groesser die Familie, um so groesser der Kohlenbunker und die Karoffel-Schuette
im dunkelen Teil des Kellers,
welcher noch KEINEN Betonboden hatte, sondern gestampfter Lehm war,
die Keller-Waende waren keinesfalls verputzt,
keine Heizung und nur ein notduerftiges Licht war vorhanden.
Dort lagerten auch die eingeweckten Gemuese in Glaesern, die Aepfel und Moehren in den Regalen.
(Wer sich eine Hausschlachtung leisten konnte, hat die Schinken unter dem Dach aufgehaengt
und die auch die Raeucherwuerste,
Dosen im Keller gelagert. -
Meine Eltern gehoerten leider nicht zu den Betuchten und lebten eher von der Hand in den Mund-
besonders in der Zeit, als das Haus gebaut wurde.)

So mancher hatte noch einen kleinen Stall, ob als Anbau oder gar im Haus,
wo eine oder zwei Ziegen und manchmal auch ein Schwein drin stand.
Der Urgrossvater hatte ca 40-50 Stallhasen, ein paar Huehner und 2 Ziegen.
Er baute damals als selbstaendiger Maurermeister einige der umliegenden Scheunen
und mußte in ein von ihm gebautes Haus umziehen,
weil der Auftraggeber nicht mehr zahlungsfaehig war - so war auch bei ihm das Geld knapp,
zumal sein Schwiegersohn -mein Opa muetterlicherseits- im Krieg "gefallen" ist
und dessen dreikoepfige Familie miternaehrt werden mußte.

Die Hausschlachtungen waren aber noch vor vielen Haeusern zu sehen, fuer uns Kinder ein bekannter Anblick.
Der Hausmetzger wohnte im Dorf, wenn er kam mit seiner grossen weissen Schuerze und der Wanne,
dem sonderbaren Werkzeug und dem Dreibein, hoerten wir nur ein kurzes Quicken,
dann hatte der Schlag vor die Stirn des Tieres dieses betaeubt.
Diesen Anblick und den, dass vor dem linken Vorderbein die Schlagader aufgeschnitten
und das Blut aufgefangen wurde, hat man den Leuten verwehrt.
Die Frauen fingen das Blut auf und ruehrten es, damit es nicht stockte-
inzwischen wurde das Schwein in eine Wanne
mit heissem Wasser ueberbrueht und abgeschabt, damit keine Haare blieben und danach am Dreibein -
mit dem Kopf nach unten- aufgehaengt.
Nun wurde es von oben nach unten durchgehackt, die Eingeweide aufgefangen
und einzeln zur Verwertung in die Wurstkueche gebracht:
Das war die Waschkueche, wo die Frauen lange zuvor Feuer unter den grossen Waschkessel gemacht hatten.
Geschwind war das Tier zerlegt und ausgebeint.
Eile ist dabei immer noetig, selbst in der kalten Jahreszeit, wo man tradidionell schlachtete.
Im Wasser wurden nun das "Solverfleisch" oder "Wellfleisch" und die frisch gemachten Wuerste
und die Knochen gekocht,
die zuvor gut gewuerzt in die sauber gewaschenen Daerme gefuellt und zugebunden wurden.
Man kann sich gut vorstellen, dass dabei viele Leute sehr fleissig zugange waren-
eine sorgfaeltige Arbeit, sauber ausgefuehrt, damit nichts verderben oder zuschanden wurde.
So ein Schwein wog 3,5-4 Zentner und musste ueber das ganze Jahr reichen!
Einiges wurde in Dosen oder Glaesern eingeweckt, manches geraeuchert oder eingepoekelt (Salz).
Die Flomen (Fettgewebe) wurden ausgekocht und mit Zwiebeln, geroesteten Brot- und Apfelstueckchen
und Salz verruehrt und in Steintoepfchen gefuellt und abgedeckt.
Ein sehr leckerer und gut nahrhafter Brotaufstrich!
Ueblich war Blut- und Leberwurst, frisch oder geraeuchert, grobe Bratwurst,
ebenso frisch und geraeuchert im Darm,
Blockwurst, Schinken - die Dosenwurst war im Geschmack deutlich anders-
eine willkommene Abwechslung und Notvorrat.
Bei jeder ? Schlachtung wurde Rindfleisch vom Metzger zugekauft,
das der Hausmetzger dann mitbrachte- so wurde die Wurst schmackhafter gemacht.
Das machte die Sache deutlich teuerer.
Die kraeftige Bruehe aus dem Waschkessel wurde an dem und dem Folgetag gegessen,
mit etwas Wurst darin und Brot dazu.
Die Nachbarn und Verwandten bekamen auch was ab- das war Tradition.
Wellfleisch war eine frische Fleischspezialitaet, die schonend gekocht wurde
und mit Sauerkraut aus dem eigenen Steinfass gegessen wurde.
Mit Fleisch ging man sehr bedacht um, meistens gab es nur einmal die Woche Fleisch
in den Familien- der Vater arbeitete sehr hart,
entweder in der Grube oder auf dem Bau- nur ihm stand regelmaessig auf dem Fruehstuecksbrot
Wurst und Schmalz zu.
Fuer die Familie war ansonsten eher die selbstgemachte Marmelade, Gelee, -
aus welchen wir Kinder Limonade machten- oder Griebenschmalz angedacht-
die Muetter nahmen sich zuletzt, die Kinder haben oft Zuckerbrote, manche auch Roestbrote gegessen,
die auf dem kohle- briketts- oder holzbefeuerten Kuechenherd frisch gebruzzelt wurden.
Dunstabzugshaben gab es nicht, so war in jedem Haus zu riechen, was so gekocht wurde- und woher die Leute kamen.
Ueberhaupt waren durch den Krieg in fast allen Haeusern Generationsluecken,
weil die Vaeter "gefallen" oder vermisst oder noch immer in Gefangenschaft waren.
So mancher Staedter wurde ausgebombt und kam auf dem Land unter- wie mein Vater,
der sich als aeltester Sohn um die evakuierte Familie kuemmern musste,
bevor seine eigene Familie sein Leben bestimmte.
Also gewissermassen auch ein Fluechtling, wie viele zu dieser Zeit, die das Land und das Dorf-
wovon ich hier ein wenig erzaehlen moechte, wieder aufgebaut haben.
Zum Glueck wurde im Krieg nicht so viel getroffen.
Meine eigenen Erinnerungen beginnen nach dieser Zeit in welcher Zuzug willkommen war
und noch keine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt darstellte.
Die Zeit der 50/60iger Jahre war ein Notgemeinschaft,
wo aber der Aufschwung spuerbar war- eine traurige Zeit oder gar eine perspektivlose, wie heute- war sie nicht!
Das Geld fuer ein Schwein hatten nicht alle Leute, die meisten behalfen sich mit Huehnern,
Hasen- manche hatten auch eine Ziege (richtig grosse, keine Kaninchen), einige hielten Gaense -
spaeter kamen Puten dazu.
Fuer uns Kinder aus dieser Zeit ein ganz normaler Anblick, wenn der Opa
(eher der Urgroßvater) mit dem kleinen Leiterwagen
mit frisch geschnittenem Gras kam und wir die Tiere fuettern durften-
geschnitten hatte er das Gras irgendwo am Wegrand, weil sich nicht jeder eine eigene Wiese
leisten konnte oder wollte.
Die Renten waren sehr knapp, so war jede Mithilfe ein Beitrag zum Wohl der ganzen Familie.
Lustig war's die Gaense durch die "Lamber", einem kleinen Taleinschnitt mit Wiesenparzellen am Dorfrand
zur Fuetterung (mit gekochten Kartoffeln und Hafer) angeflogen kamen..
Mit Kueken vom Federvieh wurden wir gross- das Schlachten war um so schlimmer fuer uns..
..meistens fand so etwas im Verborgenen statt, auf dem Holzklotz,
auf dem sonst das Spaltholz fuer den Ofen gehackt wurde.
Maennliche Kueken wurden nicht -wie heute- weggeworfen, sondern grossgezogen.
Man sprach vom "schlafenden Wirt" und "dem goldenen Daumen", alles war ein wenig "regionaler".
(Heute sind die Nachrichten allumfassend, alles und jedes aus aller Herren Laender
wird haarklein berichtet - man mag schon nicht mehr hinsehen.
Der Trend zu mehr Regionalitaet wird wieder kommen, da bin ich mir sicher..)
Diese kleinen Leute, die man spoettisch "Ziegenbauern" nannte, waren eher keine Bauern,
sondern unselbstaendige oder Arbeiter,
die sich und ihre Familien mit ein wenig Fleisch versorgen wollten.
(Der Metzger in seinem Laden war -im wahrsten Sinne des Wortes- schweineteuer,
noch sehr viel teuerer als heute!)
Die Hasen gaben wunderbare Braten ab, die mein Urgrossvater so machte:
Hasenbraten nach Wilhelm Holder Dieses Rezept habe ich gut im Kopf aufbewahrt
und fuer euch aufgeschrieben.
Den Geruch von frisch ausgenommenen und danach abgebruehten Huehnern ist echt uebel,
vergessen kann man den nie-
auch das Ausreissen der Federn ist nicht schoen- die Muetter und Omas haben sich auf den Stuhl gesetzt,
das Vieh auf den Knien und einen Eimer davor..
Das Abziehen der Hasen ist aehnlich haesslich- aber einer musste es tun,
die Angehoerigen wollten etwas zu essen
und vom Gemuese alleine wird niemand satt, besondern dann nicht, wenn hart gearbeitet werden musste.
Die ersten Waschmaschinen kamen auf- wer sich sowas leisten konnte, war froh.
Windeln wurden im grossen emaillierten Einkochtopf auf dem Kuechenherd ausgekocht, mit Kernseife abgerubbelt
und anschliessend ausgespuelt und zum Trocknen in den Garten oder auf dem Speicher aufgehaengt.
Bier in Flaschen war ebenso fremd- die Milchkanne wurde zum Transport von der Wirtschaft
nach Hause benutzt und das war selten..
In ebendieser Milchkanne wurde Milch direkt vom Bauern geholt- wer Kinder hatte, tat das taeglich.
In dieser Kanne wurde auch die "Wurschtsupp", die Sache aus dem Fleischkessel bei der Schlachtung- geholt.
Gerade noch habe ich den alten "Schinngraben", den Schuttplatz an der Bahnhofstrasse erlebt,
der ein verbotener "Spielplatz" war:
In einem Graben zwischen den Dorfteilen wurde einfach der Abfall- jeder Schrott- "entsorgt",
sogar alte Autos fand man dort -
ungetrennt und irgendwann mal zugeschuettet mit Aushub der Neubauten oder Schutt.
In den Familien wurde noch viel gestrickt und genaeht, man holte "Stangeneis" vom Wirt,
der dieses mit dem Brauerei-Laster in den Keller geliefert bekam.
Manche Leute hatten einen Kuehlschrank (ohne Stromanschluss), der damit gekuehlt wurde-
wir bekamen durch Vater's Beruf schon frueh einen richtigen "B osch",
einen der ganz wenigen Telefonanschluesse im Ort
und ein gebrauchten Kaefer, der 3. oder 4. Wagen hier bei uns- Vater fuhr auf Kundendienst
und musste immer erreichbar sein,
weil die fruehen Landwirtschaftsmaschinen noch recht reparaturanfaellig waren.
Ausfaelle kommen die Landwirte heute noch sehr teuer, die Geraete mussten laufen,
egal wie, weil die naechste Regenfront schon wartete..
Meine Kindheit in Gräveneck war irgendwie "Bullerbue" und recht unbeschwert-
bald setzte der Boom ein und die Einkommen wurden besser,
was die ersten Urlaubsfahrten brachte-
auch hier waren meine Eltern mit bei den ersten..
..dabei war es zu Hause schoener als in der Ferne!
Die frischen Erdbeeren aus dem Garten, die Pfirsische, Bohnen, Moehren
und erst die Erbsen- direkt aus der Schote genascht-
waren nicht nur fuer Kinder toll.
Im Heiss-Entsafter wurde Rhabarber und anderer Saft gemacht,
der typischerweise zum Sommer dazu gehoerte.
Mit Hilfe des Stangeneis wurde mit einer handbetriebenen Eismaschine mit Pulver,
Sahne und Erdbeeren das beste Eis der ganzen Welt gemacht.
Interessant fand ich, dass "Puddel", also Jauche oder Guelle mit einer Zink-Schoepfkelle
mit langem Stil daran aus der Grube
auf das herbstliche Gartenstueck ausgebracht wurde, was echt gute Resulate brachte:
Fette grosse Fruechte aller Art !
Pfui? Ganz sicher- aber damals hatte man noch nicht so viel mit Chemie zu tun.
Aus Spanien geht mit verduennter Guelle aus den Klaeranlagen die "Bewaesserung" von Gemuese,
das fuer den Export bestimmt ist- wie man sagt..
Bei uns wurde damit am Ende der Saison geduengt, nicht bewaessert,
was ein himmelweiter Unterschied sein duerfte!

Baeder hatte noch nicht so viele Haeuser, sie waren eher die Ausnahme, genau wie richtige Waschkuechen-
man behalf sich, so gut es eben ging, mit Zinkwannen und heissem Wasser aus dem "Schiff",
dem Behaelter, der mit Deckel versehen im Herd eingelassen war, der in den Kuechen stand
und immer morgens als allererste Amtshandlung angeworfen wurde.
Der Neubau meiner Eltern hatte zum Glueck schon ein richtig gefliestes Bad
mit richtiger Badewanne und Holz/Kohlen/Boiler,
der angeheizt werden musste- ein damals enormer Luxus.
Sogar mit Seifenschalen-Kacheln und Brauseschlauch.
(Eine Einbaukueche hatten damals nur die Bauhaus-Kuechen in der Stadt Frankfurt,
soweit mir bekannt ist - heute ganz normaler Standard)
"Der Schornstein muss rauchen!" und "Wenn wir uns jeden Samstag
Fleischwurst und Kartoffelsalat leisten koennen, sind wir reich!"
So waren die Sprueche damals- wie dieser: "Das gibt sich, bis neunzehnhundertsiebzig!" (Was noch ewig hin war)
Bier war also eher selten, Wein wurde in fast jedem Haus gemacht, zumindest Apfelwein,
dafuer stand schon die kleine Lohnkelterei, von der oben die Rede war.
Meine Weinrezepte haben ihre Ursache oder Wurzeln irgendwo aus dieser Zeit-
der Scharf-Opa (Lohnkeltereibetreiber) machte einen wunderbaren Stachelbeerwein, der wohl das edelste ist,
was man aus Fruechten machen kann. (den konnte auch keine Spaetlese oder "Eiswein" toppen,
den man spaeter teuer kaufte)
Meine Lehrzeit war in Weilburg - zu dieser Zeit fuhren noch vereinzelt Dampfloks
und kaum einer fuhr mit dem Auto in die Stadt..
Nach dem Einkauf gingen die Leute gemaechlich zu Willigs,
in das kleine alte einfache Cafe in der Niedergasse,
wo die Frauen gerne ein Stueck Torte und eine Tasse Kaffee nahmen,
die Maenner gerne ein Glas Bier und heisse Fleischwurst, die der Baecker Willig gerne von gegenueber holte-
die Metzgerei war noch echt und recht, nicht mit Fabrikqualitaeten wie heute..
(Damals schmeckte die Wurst mal staerker, mal weniger nach Gewuerzen- wie der Metzger "drauf war"-
heute ist fast jedes Gewerk so automatisiert und standarisiert,
dass ein recht schlapper Einheitsbrei entstand-
im kleinsten gemeinsamen Nenner sozusagen. Selbst das Futter und das Vieh und die Saaten sind genormt!)
Die Zahl der Laeden war erstaunlich hoch, von allem war etwas dabei:
Vom Fischgeschaeft bis zum Delikatessenladen, Kleidung aller Art, Spiel- und Haushaltswaren.
Uebrigens wurde damals ueberall "angeschrieben", dh. auf Schuldkonto gekauft !
Wir in Gräveneck hatten eigentlich eine recht gute Versorgung durch das alte Konsum,
das spaeter durch andere Laeden abgeloest wurde- die "Baeuerlichen"
spielten gerne eine abgeschottete Sonderrolle.
Supermaerkte loesten vieles ab, liesen auch nach und nach die Baecker und Metzger aussterben,
die selbst Schuld an ihrem Schicksal hatten und noch immer haben:
Viel zu teuer und auch schon viel zu fabrikmaessig standarisiert-
die Qualitaeten unterscheiden sich nicht von den Sachen aus dem Supermarkt -
zumal mit vorgefertigen Sachen gearbeitet wird
um moeglichst schnell moeglichst reich zu werden. Ueberall liefern die gleichen Lastwagen an..
Richtige Gaerten findet man nur noch sehr sehr wenige im Ort, Huehner,
Gaense nur noch am aeussersten Dorfrand
bei einem einzigen Halter ausserhalb des Gefluegelhofes, der unsere Eier heute noch liefert.
Obst und Gemuese selbst anzubauen lohnt sich schlicht nicht mehr.
Unser Ort aehnelt heute eher dem Speckguertel der Stadt als einem Dorf in seinem Ursprung,
die Bauern kaufen Milch und Fleisch und Nahrungsmittel im Diskounter,
wo auch der Arzt und Unternehmer einholen geht.
Die Zeit des "Konsum" - Ladens ist endgueltig vorbei, wo Gurken, Sauerkraut und Rosinen "lose" waren
und mit einem Schippchen in Tueten abgefuellt und verpackt wurden,
genau abgewogen, eingesteckt in eine Halterung an der Kasse.
Ich rieche heute noch den fetten Heilbutt, das Gemuese und Obst,
den Kaffee und das Waschmittel- das eine unvergleichliche Mischung bot,
wenn man den Laden betrat: Bimm bimm !
Farben wurden handgemischt und aus trockenen Bestandteilen und Oelen angeruehrt - im Beisein des Kaeufers.
Mein Urgrossvater, der mir noch gut in Erinnerung ist,
hat seinen Pfeifentabak selbst angebaut und selbst gebeizt- im Mist vergraben
(In dicke Lagen Zeitungen gewickelt und verschnuert)
und spaeter wieder rausgeholt und geschnitten, in eine Dose getan und mit Genuss geraucht..
mit einem Bierflaschengummi um das Mundstueck, damit die Pfeife im Mund hielt-
die Zaehne waren laengst ausgefallen und ein Gebiss zu teuer..
Wenn in der Baeckerei niemand war, ging man einfach mal eben in die Backstube- das war ganz normal.
Der Spengler stellte Ofenrohre nach Kundenangaben her- heute undenkbar.
Als Kind holte ich mit dem Handleiterwaegelchen aus Holz Briketts von der Genossenschaftlichen,
was mir immer ein ganz besonderer Spass war- zumal einige Gefaellstrecken auf dieser Tour waren!
Heute kuenden noch "Steigerhaeuser" und "Grubenhaeuser" von der regen Bergbautaetigkeit im Dorf-
noch lange nachdem die Gruben geschlossen waren. Als einer der letzten Neugierigen
bin ich ueber die alte schmale Grubenbahnbruecke ueber die Lahn gegangen,
die vom Stollen jenseits des Flusses zur Aufbereitung fuehrte,
wo die Eisensteine zerkleinert und in große Loren abgefuellt wurden.
Die Reste der alten Zechenseilbahn, die quer durch den Ort gefuehrt haben muss und die Schienen
und dem wenigen rollenden Restmaterial sind immer sehr verlockend gewesen, vermutlich auch deshalb,
weil die Eltern verboten haben dort zu spielen, wie im alten Bunker unter der Strasse zum Bahnhof,
unterhalb des Schinn-Grabens, der heute laengst eingestuerzt ist.
Wir Kinder kletterten am Feuerfelsen, robbten durch das Hexenloch, erklommen so manche Wand-
schnitzen im Wald Holzschiffchen und bauten Staudaemme an der Waeschbach,
die eigentlich zum Waschen der Rueben eingefasst war und bekamen regelmaessig Aerger deswegen.
Das Spiel im und am Wasser und im Matsch war am schoensten,
das konnte keine noch so tolle elektrische Eisenbahn uebertreffen.
So ein selbstgebasteltes Muehlrad ist wunderbar anzusehen.
Was wohl die heutigen Eltern sagen wuerden, wenn ihr Nachwuchs mit -
selbstgebastelten- Pfeil und Bogen schiessen wuerden und das so effektiv,
dass locker dicke Pappe durchschossen wurde?
Oder Passanten mit allerlei Schabernack erschreck wurden?
(Das aufzuzaehlen wuerde garantiert den Rahmen dieser Seite sprengen)

Damals mussten Kinder einkaufen gehen, dh. sie wurden mit Geld losgeschickt
und lernten so Pflichten zu uebernehmen und zu rechnen-
was nicht immer klappte, ab und an wurde auch mal was verloren.
Der alte Herr Dietze hat die Nachrichten der Gemeinde "ausgeschellt",
dh. er ging von einer Straßenecke zur anderen und rief mit lauter Stimme aus, was auf einem Zettel stand.
Zuvor wurde kraeftig mit einer Handglocke gelaeutet.
In der Lahn wurde damals geschwommen, ertrunken ist niemand dabei und gestorben
ist auch keiner daran, obwohl der Fluß damals nicht gerade sauber war.
Ganz langsam kommt einiges wieder zurueck, zaghaft und mit dem Grad der wieder zunehmenden Armut
auf dem Land, die eine andere ist als damals.
Abschließend wollte ich noch bemerken, dass frueher die Frauen ueber 50 in schwarz gingen,
die Maenner meistens in gruen-
beide sahen fuer uns Kinder uralt aus- heute werden viele ueber 90-95 Jahr alt!
Frueher waren die Straßen zwar einfacher, hatten aber mehr Platz fuer Fußgaenger und Kinderwagen.
Heute ist alles schoen aufgeplastert mit roten Steinen und mit Straßeninseln, wo Baeumchen drauf stehen-
(witzig, weil rund um das Dorf Wald ist) dafuer kann man die schmaleren Gehwege
kaum mit den Kinderwagen befahren.
Wild parkende Autos allerorten und ein heftig schnell und meistens ruecksichtslos fließender Verkehr laermt.
Es laeuft sowieso kaum jemand und wenn, dann mitten auf der Strasse, wie sich das in Gräveneck so gehoert.
Irgendwie hat man das Gefuehl, die Leute machen was sie wollen, weil "die da oben"
ebenfalls machen was sie wollen,
auch wenn's anders "geschrieben steht".
(Wasser predigen und Wein trinken stand schon in der alten Schrift)
Die Leute sind "anspruchsvoller" geworden, zufriedener als in der "armen Zeit" sind sie dennoch nicht.
Die Tochter meinte mal: "Ich bin ein wildes freies Kind!"
Und: "Waeren wir daheim geblieben, statt so weit in Urlaub zu fahren.."
In der Stadt koennte ich nicht leben, versucht habe ich es eine Zeit lang
und bin aber reumuetig wieder in das Taunus-Kaff zurueck gekehrt.

Ein netter Plausch oder Tratsch gehoert ganz einfach dazu !

Im Krautfeld habe ich eine Wingertanlage entdeckt, die neu angelegt ist -
irgendwer hat zwei- drei schmale Gaerten gekauft und richtig professionell Weinstoecke gepflanzt.
Sehr interessant. Vier Leute halten Pferde und einer Zwergziegen, an der Kompostanlage
sind Ziegen und Schafe - vier halten Huehner,
einer davon -Aussiedlerhof- richtig fachmaennisch, mit einigen Sorten, sogar mit Tafeln ausgestattet,
damit Spaziergaenger gleich nachlesen koennen, um welche Rasse es sich handelt.
(Von diesen Schildern haben Narrenhaende gleich wieder ein paar kaputt gemacht)
Zwei Hasen-Halter sind auch noch da und ein Blumenladen/Gaertnerei Laedchen hat neu eroeffnet.
Eine weitere Wingertanlage ist in der Wingertstrasse zur Bahnhofstrasse hin - angelegt worden.
Sehr huebsch, ebenfalls in Suedlage,wie die in den Krautfeld-Gaerten.
Nachtrag: Als Kinder sind wir -verbotener Weise- in den Stollen im Schinngraben gegangen,
der als Bunker angelegt worden war.
Eine tiefe geheimnisvolle Hoehle mit sonderbaren Bettgestellen und Hasenkaesten,
Kisten und modrigem feuchten Geruch.

Damals bekamen die Kinder einfach mehr mit, was sich in der Erwachsenenwelt abspielte.
So fiel mir heute wieder ein, wie ich als kleiner Bub den Uropa fragte:
"Warum liegt die Uroma um diese Zeit auf der Couch und sagt nichts, obwohl ich sie angestupst habe?"
(Ich meine mich erinnern zu koennen, dass sie duenn gelaechelt hat)
Die Antwort des Alten:
"Die Oma stirbt, geh raus und stoere nicht, der Doktor kommt gleich".

Auf den Land ist das Sterben noch natuerlich gewesen und fand selbstverstaendlich daheim statt.
Anschliessend kam eine geheimnisvolle Frau, die Waschung und Aufbereitung fand hinter der geschlossenen Tuer statt.
Dann fand man den Toten aufgebahrt und etwas geschmueckt, mit dem besten Gewand angezogen,
als wuerde er oder sie schlafen.
Die Familie aus nah und fern nahm Abschied, die Maenner tranken danach einen Korn.
Als nach 1-3 Tagen (meistens schon am naechsten Tag oder gar am Sterbeabend schon)
wurde der Sarg geliefert, es wurde umgebettet und in die Leichenhalle gefahren oder getragen.
Die Zeit der Totenwache war Ehrensache, das habe ich bei meinem Vater genau so gemacht,
wie es immer war. Den weiteren Ablauf der Beerdigung ist allgemein bekannt.
Anschliessend trifft man sich heute noch zu Kaffee und Kuchen,
spricht ueber die Erlebnisse mit dem Verstorbenen, ueber allgemeine -profane- Dinge,
die inzwischen so passiert sind. Es dauert nicht lange und der Trost wirkt,
ab und zu wird sogar gelacht, besonders dann, wenn ein normales Alter des Verblichenen erreicht worden war.
Der oder die Zurueckgebliebene sind sehr arg angeschlagen und des Trostes beduerftig.


"Einige Wochen vor Pfingsten gingen alle Kinder jeden Mittag nach der Schule
gemeinsam in den Wald, um das Pfingsthuettchen zu bauen.
Der Platz zur Errichtung des Huettchens musste etwa sechs mal acht Meter gross sein.
Die Buben nagelten duennte Stangen an die Buchen,
wir Maedchen mussten den Boden saeubern und eventuell eben machen.
Auch ein Tanzplatz wurde hergerichtet und bis zu dem naechsten Waldweg ein Pfaedchen gekehrt werden.
Im Innern des Huettchens wurden ringsum Holzpfloecke eingeklopft, darauf wurden Bretter genagelt.
Dies diente als Sitzgelegenheit.
In der Mitte des Raumes wurde auf die gleiche Art und Weise ein Tisch errichet.
Pfingstsamstag mussten grosse Aeste Buchenlaub herbei geschafft weden.
Damit wurden die Waende und das Dach ganz dicht geflochten.
Am ersten Pfingsttag trafen sich alle Kinder im Schulhof.
Eine Birke wurde mit bunen Baendern geschmueckt.
Die Kinder stellten sich zwei und zwei auf.
Am Arm jedes Kindes hing eine kleine Brezel oder Kranz, die die Mutter aus Hefeteig selbst gebacken hatte.
Weiterhin hatte jedes Kind noch ein kleines Flaeschchen mit Maiwein in der Hand.
Mit dem Maibaum zogen wir dann singend durch das Dorf zum Pfingsthuettchen.
Alle Erwachsene, die noch gut zu Fuss waren, kamen zu den Kindern in das Huettchen.
Auf einer Mundharmonikka wurde gespielt und auf dem Tanzplatz tanzten die Kinder Reigen.
Auch meine Grossmutter erzaehlte schon vom Pfingsthuettchen."
Seit vielen Jahren gibt es diesen Brauch nicht mehr,
der an das biblische Laubhuettenfest erinnert und das auch in Graeveneck im Bauwald gefeiert wurde.




29.

Geschichtliches

Eine Baeuerin erzaehlt vom Arbeitsablauf des Jahres:
Wenn das Vieh gefuettert war, zogen die Maenner mit Axt und Saege in den Wald,
der Brennholzbedarf war immer gegeben.
Reiser brauchte man fuer die Sud, das Schweinefutter und fuer den Backofen.
War der Schnee an dem ersten Monat des Jahres zu hoch, blieb man zuhause und reparierte die Geraetschaften.

Im Februar musste der Holzeinschlag beendet sein, da ging der Ortsdiener mit der Schelle herum
und gab die Versteigerungstermine bekannt.
Der Heustock wurde kontrolliert- war dieser noch zur Haelfte gefuellt,
hatte man gut gewirtschaftet - wenn nicht, war zuviel Vieh da.
Schafe belasten den Heuvorrat am meisten.
Fastnacht war das Ende der Spinnstubenzeit, Kraeppel wurden gebacken und mit Schnaps
und Bier deren Abschied bei Musik und Tanz gefeiert.

Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen des Maerz wurde der Pflug zum Schmied gebracht -
meist wurde angeschrieben und zwischen den Jahren bezahlt.
Der Wagen wurde aus seinem Winterquartier geholt, geschmiert und zusammengebaut.
Die Maulwurfshuegel auf den Wiesen eingeebnet, die Bewaesserungsgraeben ausgebessert.
Mit dem Saetuch ging man daran Sommergetreide, Hafe und Gerste, auszubringen,
nachdem die Aecker geeggt worden waren.
Die Frauen und Kinder sammelten Feldgraeser, weil im Fruehjahr das Futter knapp wurde -
deshalb wurden die Brachen in dieser Zeit nicht geackert, das nutzte auch der Schaefer fuer seine Tiere.
Im Wald wurde Laub als Einstreu gesammelt.
Die Dreifelderwirtschaft nannte zuerst die Hackfruechte, Rueben, Kartoffeln und Gemuese-
dann die Brache, als naechstes Feld Winterweizen Roggen oder Weizen und zum Schluss Gerste und Hafer.

Im April holte man die Kartoffeln zum Vorkeimen aus dem Keller und brachte sie an einen hellen Lagerplatz.
Die Bevorratung der Lebensmittel war Frauensache, auch die Arbeit am Backes, die alle zwei Wochen durch den Ortsdiener mit der Schelle angekuendigt wurde.
Der Hewerling, der trockene Sauerteig vom letzten Backtag kam in eine Schuessel mit warmem Wasser,
dieser duenne Brei musste acht Stunden gehen.
Am naechsten Tag wurde dieser mit Mehl gemischt und wurde nochmal gehen lassen
bis er Blasen warf. Dann kam nochmal Mehl dazu- alles gut geknetet auf
dem Kuechentisch und zu Broten geformt, auf das Backblech getan und zum Backhaus getragen..
Der Bauer fuhr in dieser Zeit Jauche und Mist auf das Feld, welche mit der Mistgabel verteilt wurde.
Nach dem Unterpfluegen und eineggen wurden die Kartoffel gesetzt,
die von den Frauen geschnitten, zuhause vorgekeimt waren.
Die Brachen mussten muehsam vorbereitet und von Unkraut befreit werden.
Im Mai gingen die Futtervorraete zur Neige- jede gruene Graeschen wurde gerupft -
ein "Gras-Schein" regelte die Flaechen, wenn es zu Zwisten kam.
Es begann fuer die Frauen die Zeit der grossen Waesche, die mehrere Tage dauerte -
mit Waschkessel, Rubbelbrett, Stamper und Buersten.
Nach dem Kochen und Auswaschen wurden die Stuecke auf der Leine getrocknet oder
auf der Wiese gebleicht, manchmal mussten diese Vorgaenge ein paarmal wiederholt werden.
Handarbeit, keine Maschine half.
Das im Winter geschlagene und danach ersteigerte Holz wurde heim geholt und zum Trocknen aufgestapelt.
Es musste- wie heute auch- lagern um den Kamin nicht mit Glanzruß zuzusetzen,
was leicht zu Kaminbraenden fuehren konnte!
Die Dickwurzaecker wurden nun fuer die Pflanzung vorbereitet und geschleift und geduengt.
Auf humusreicheren Aeckern wurde Gerste ausgesaet.
Im Juni setzten man die Dickwurz-Pflaenzchen - warmer Regen war dafuer noetig.
Die schon gesetzten Kartoffeln wurden mit Unkrauthacken und Anhaeufeln bearbeitet.
Hackfruechte bedeuteten Handarbeit!
Mitte des Monats kam wieder der Ortsdiener mit der Schelle und gab die Heuernte bekannt -
welcher Wiesengrund zuerst zu maehen war.
Ein ausgebautes Wegenetz kannte man noch nicht, so fuhr, ich schrieb das schon weiter oben,
der 2. ueber die Wiese des 1. Maehers.
Alles musste zur Sense greifen- die Juengsten zerrten die Ernte auseinander,
damit das Heu besser trocknen konnte.
Das Einsammeln und verbringen in die Tenne war nochmal eine schwere und staubige Arbeit.
Ende des Monats wurden die Schafe gewaschen und trocknen lassen- bevor sie geschoren wurden.
Der Juli kam und die Rapsernte- in den fruehen Morgenstunden oder ganz spaet Abends,
weil sonst die Saat leicht ausfiel.
Der Raps wurde aufgestellt- ob auf dem Feld oder bei schlechtem Wetter in der Tenne,
der dann auf einem Tuch ausgedroschen wurde,
damit die kleinen schwarzen Samen zur Muehle gebracht werden konnten.
Dieses wunderbare Oel kann ich jedem nur empfehlen- das Rapskernoel uebertrifft,
so meine ich, jedes noch so teuere Olivenoel ganz locker!
Aus Kuh- ode Ziegenmilch machten die Frauen derweil Butter, Quark und Kaese.
Entweder zum Verkauf auf dem Markt (Geld war im Bauernhaushalt immer knapp) oder fuer den Eigenbedarf.
Das Prozedere der Kaeseherstellung gibt es auf meiner Seite alte Rezepte
Ende Juli kam auch die Kornernte - mit der Sichel, in Handarbeit !
In Witten aufgestellt trocknete sie auf dem Feld.
Jeder Halm wurde aufgehoben und verwertet, nochmals das ganze Feld abgerecht..
Der August kam und gleich ging es weiter mit der Weizenernte.
Die Kunstduengung war noch unbekannt, dementsprechend magerer sah es damals auf dem Feld aus..
weil auch die Duenger aus dem Stall nicht reichten.
Hafer- und Gersteernte folgten - muehsam, weil es heiss war und deshalb haerter
als die Ernte des Winterkorns vorkam.
Regentage nutzte man zum Dreschen.
Ein Teil davon wurde zur spaeteren Aussaat gebraucht.
Bei einer solchen Ernte ging es sehr frueh los- daheim wurde Kaffee getrunken,
auf dem Feld gefruehstueckt. Um 11 Uhr gingen die Frauen nach Hause um
das Mittagessen zu bereiten- gut, wenn jemand eine Grossmutter daheim hatte !
Um 15 Uhr gab es nochmal Kaffee, zwei Stunden spaeter die Vesper.
Einer ging nach Hause um das Vieh zu versorgen.
Abends um acht Uhr war der Tag zuende und wurde mit einem kraeftigen warmen Essen abgeschlossen.
Die muehsame Krummet-Ernte (2. Heuernte) war im September.
Jetzt kam es darauf an, moeglichst viel Heu in der Scheune zu sammeln- der Winter konnte sehr lang sein!
Birnen und Pflaumen wurden zu Hoink gekocht- ein beliebter Brotbelag.
Ueberhaupt war die Einlagerung der Wintervorraete lebensnotwenig,
da kaum Geschaefte vorhanden waren, in denen man seine Lebensmittel haette kaufen
koennen - Geld war zudem immer sehr knapp, nicht nur bei den Bauern!
Dann folgte die Kirmes - eine willkommene Abwechslung zu Musik und Tanz, Verguegungen aller Art.
Die Alten kuemmerten sich zeitig um das Vieh, die Jungen blieben auf der Kirmes..
Im Oktober war die Kartoffelernte, wo wieder alle mithelfen mussten.
Manche Frauen aus dem Dorf halfen gegen einen Sack Kartoffeln gerne mit.
Mit dem Karscht ausgehackt, in Koerben gesammelt, dann abgesackt.
Auf dem Feld wurde ein Eintopf zu sich genommen- die Kinder waren vom Kartoffelfeuer immer begeistert.
In Kellermieten eingelagert, waren viele Kartoffeln der Garant fuer sorgenfreies Kochen der damaligen Zeit.
Das galt auch fuer die Kraut- und anderen Gemuesesorten.
Im November bekamen die Hirten ihren Lohn, meist in Naturalien bezahlt.
Frucht wurde gedroschen, alles gegen Kaelte abgedichtet.
Obstbaeume gegen Verbiss geschuetzt und geschnitten.
Die Spinnstube hatte wieder alle Haende voll zu tun- ein grosser Berg Schafswolle wartete!
Mit div. Spielen wurde es dabei nicht langweilig- auch ohne Radio und ohne Fernseher und ohne Computer.
Im Dezember wurde geschlachtet - das Prozedere habe ich auf meinen Seiten schon genug erzaehlt -
ein Fest fuer alle Bewohner!
Den restlichen Verlauf des Jahres ist jedem durch das Christfest und Silvester bekannt.


Aus einem kirchlichen Buch ein paar nette Dinge:
Visitation war die Beobachtung des Lebenswandels der Geistlichen und der Laien,
die Kontrolle der Rechtglaeubigkeit in der Lehre auf Kanzel und Schulen.
Die Sorge um die Liegenschaften, Kontrolle des Vermoegens und der Verwaltung durch den Bischof
ueber den Archidiakon, - die Berichterstattung an den Erzbischof. Die Hackordnung.
Darunter war der Landdechant ueber die Geistlichen seines Landkapitels gesetzt-
zeitweise auch Dekanat genannt.
So stellt der Bischof fest: "..daß die Dekane keine Beamten des Staates sind,
niemals als Diener des Landesherren zu betrachten"
So erzaehlt Pastor Philipp Peter Lauer, der im Jahr 1797 Pfarrer in Niederselters war,
quasi aus einer alten Truhe aus Eichenholz aus dem 18. Jhd.,
die im Pfarrhause stand, einiges aus seiner Amtszeit.
Die "Dismembration" (Ernennung zur Filialkirche) kam erst auf, als man in dem Ort
eine Heilquelle fand und diese bekannt wurde.
Bekannt durch das Werk des Arztes Dr Jacobus Thabermaemontanus 1581, die damals die Quelle
in Steine fassen und ueberwoelben lies.
Das durch die Befestigungsmauern eingeengte Nest hatte ein System von Rund- und Sackgassen,
nur einen einzigen Ein- und Ausgang zum Ort.
Ende des 17.Jhds kamen "Domestiken-Haeuser" ausserhalb dazu, die praechtig und mehrstoeckig waren-
der Kurbetrieb zog viele Leute an-
somit kamen auch vemehrt Kirchenbesucher..
In dem erst nach dem 30j. Krieg neu angelegten Kirchenbuch, das leider verschwunden ist,
wie das vorherige vor dieser Zeit, waren nur wenigen Geburten verzeichnet:
Mal 2, mal 6, mal 5- sieben Jahre spaeter erst 14 !

Interessant finde ich diese Bemerkung um 1600: "Waß Wiesen und Gerten anlangt,
hast Pastorr ungefherr 5 Rindstueck viegh erhalten und durchs Jahr außbringen konnen,
weil aber vor zwei Jharn die beßte wieß verderbt worden wegen eines BLEYBERCKERGS
kan er nit mehr alß einen wagen Hew dar auß haben die hiebevoren 4 wagen getragen"

Ganz offenbar ahnte man die schlimmen Auswirkungen eines solchen Abbaues von Blei..
der Pfarrer jedenfalls mußte wegen dem Mangel an Futter seinen Viehbestand auf die Haelfte reduzieren.

Vor 1613 fluechtete der Pfarrer Feltzer aus Niederselters vor den Schweden nach Diez,
wo er kurze Zeit spaeter starb. 1628 fuehrte man ein "Corpulationsbuch" in Oberbrechen.
Der aus Luxemburg stammende Pfarrer Reiff bemerkte, dass 1650 der Ort Niederselters
ueberhaupt unbewohnt sei- die Folge von Krieg, Pest, Pluenderungen
und Hungersnot und Brandschatzungen durch die Schweden.
Nur in den Randgemeinden lebten vereinzelt noch ein paar Leute.
1676 wird nochmal ein Beinhaus erwaehnt, das aber spaeter nicht mehr gefunden wurde.

Die Ackerfluren der Dreifelderwirtschaft waren die Brache, Sommerfeld, Winterfeld -
die jaehrlich im Anbau wechselten.
Das Winterfeld wird im Herbst mit Weizen, Dikel oder Roggen angesaet,
das Sommerfeld im Maerz mit Gerste oder Hafer-
die Brache bleibt frei und ruht- evtl. mit etwas Gemuese oder Kartoffeln oder Klee oder Rueben besetzt.
Die Ertraege schwankten deshalb nicht unerheblich.
Driesch-Aecker sind die Felder, die seit Jahren unbebaut liegen und als Viehweide benutzt werden.
Man beklagte die "schlechte Polizey, derenthalben so mancher Schaden in den Gaerten
und auf dem Feld muthwilliger Weiße ganz ungeahndet zugefuegt wird"

Wir haben ja schon von dem Zehnt genuegend gelesen, um die "Guelte" zu verstehen-
bequem finde ich dennoch, daß diese Abgabe eine Bringschuld war:
"Dermalen und nach der bisherigen Observanz wird diese Kornguelte alle jahre post festum
S. Martini EP. et. COnf. auf einen Tag, wo es dem Pastor beliebt, in dem Pfarrhauß gehoben.
Nachdem der Pastor dem ihm beliebigen Tag nach einer freylich nicht allerdings
loeblichen Gewohnheit den Sonn- oder Feyertag vorher in der Kirche oeffentlicht verkuendiget
oder angesagt hat, und der Tag angekommen ist, so laeßt er darauf des Morgends
das gewoehnliche Glockenzeichen geben, wornach als dann diejenige, welche zu liefern schuldig sind,
ihr Quantum bringen, messen und abtragen, wo dann die Entrichtung in dem Stock- und Lagerbuch angemerkt wird."
Es wird sich laut darueber geaeussert, daß die Nacharbeit des Getreides regelmaeßig
10-20 Prozent Ausschuß gewesen sein soll.
Die Pfarrei war mit 400 Gulden Startkapital gegruenden worden- Geld,
das sie tuechtig und gewinnbringend verliehen hat.
Damals hat man bereits mit Korn spekuliert und auch bereits von Geldentwertung gesprochen,
die man "allgemeine Muenzverschlechterung" nannte.
In den Kriegszeiten wurden irre Ausgaben fuer Soldaten und Bewaffung faellig-
so war mancher Landesherr zum Falschmuenzer geworden..

Ende des 18.Jhds beklagt sich ein Pfarrer, daß die Kommunikanten zu Ostern nicht
regelmaeßig ihre 2 Eier vorbei bringen wuerden- er schlug vor, diese Abgabe zuhause einziehen zu lassen..

Die Pferchduengung: Eine Herde Schafe graste auf einem eingezaeunten Feld- so wurde zuweilen geduengt.

Was ist ein "Schatzungs-Simpel"? Nun- die Minimalquote..

Offiziell beklagt sich ein Pfarrer "ueber die Ungezogenheit der Bauern",
die von ihm auf der "gemeinen Straße" gleich den anderen Leuten Frondienst verrichten solle..
(Es ging um die Ausbesserungen der in den 1770iger Jahren reparierten Landstraße
links dem Emsbaches. Gemaeß war niemand - auch kein Adel und
kein Geistlicher- davon ausgenommen helfen zu muessen..)

1790 beschwerte man sich ueber den Fruehmesser, der "von einer Schwachheit im Kopf" befallen sei"
Der Ruf nach besonders gebildeten Pfarrern wurde in den Kurorten laut,
die "eine Klientel mit hohem Anspruch" haben..

Noch 1802 wurden Urteile des Sittengerichtes von der Kanzel herab bekannt gemacht,
Dinge, die von "denunziatorischen Wegen" zu diesem gelangt sind.
Wehe ein Soldat, der irgendwo einquartiert war, flirtete mit einem Maedel !
Schlechtes Betragen in der Kirche landete schnell vor dem Sendgericht,
das "liederliches Leben" entsprechend strafte.
Dieses "Konsistorium" konnte auch Haftstrafen anordnen.
"Mißachtung der parrherrlichen Autoritaet" war auch ein beliebter Anklagepunkt,
wie Sexualdelikte, aber auch Versaeumnisse der Messen, Tanz und Spiel zu Gottesdienstzeiten und aehnlichem.
In unserer Zeit machen die "Geistlichen" schlimme Dinge mit Kindern,
wie die Presse ausgiebig verkuendet hat..
Damals wurde an die hohe geistliche Stelle gemeldet, wenn die Leute lieber Karten spielen wollten,
als sich "seelisch fuehren" zu lassen..
Schon damals gebaerdeten sich Kirchenvorstaende froemmer als die Frommen,
so manchem Pfarrer machten sie das Leben zur Hoelle.
Ein gewisses Maß an "Pastoralklugheit" wurde angemahnt.

1871 begann der "Kulturkampf" gegen die Bevormundung der Kirche, Kloester wurden aufgehoben,
Pfarreien blieben unbesetzt, Bischoefe wurden vertrieben, Orden verboten- fuer Bismarck,
wie die Chronik sagt, ein "gigantischer Fehlschlag".
(Ich persoenlich glaube das nicht- wobei wir wieder beim "Glauben" waeren)

Fakt ist, dass man aus der Behauptung, es sei in dem schwarzen Zimmer eine schwarze Katze,
die noch kein Mensch hat sehen oder hoeren koennen - ein Streit der Wissenschaftler und Gelehrten und
Glaubensleute verschiedenster Feinauspraegung und Philosophen geworden ist, der noch heute brennt...
Egal- Hauptsache man hat ganze Hierachien darum bauen koennen und die sind in der Tat
allesamt ausserordentlich gut dotiert- viel mehr jedenfalls, als man durch Haende Arbeit verdienen koennte..
(Nur mal so am Rande)

Der Streit der Konfessionen - die nur Fachleute ueberhaupt auseinander halten koennen -
fuehrte dazu, daß der Pfarrer den katholischen Glocken das Laeuten verbot,
wenn es um eine protestanische Beerdigung ging.

Aber auch die Landesherrlichkeiten waren nicht gerade zurueckhaltend,
wenn es darum ging, ihren Lebensstil oder Standard zu finanzieren - geschwind wurde mal im Kloster etc. abgegriffen..

Wenn Gesetze nach Gusto gemacht werden, ist das legalisierter Diebstahl- oder irre ich?

1914 kam die Mobilmachung als Befehl, wo eine Aeusserung kennzeichnend fuer diese Zeit gewesen sein koennte:
"Es ist des Wartens genug, so kann es nicht mehr weiter gehn, dieses ewige Hetzen
und Drohen von Westen, Osten und Nordwesten.
Wenn es denn sein muß, nun denn vorwaerts, in Gottes Namen.."
Pfarrer Kaiser meldet sich als Patriot freiwillig zum Dienst, kam nach Polen und wurde verwundet.
Man lobte ihn als pflichtgetreuen Seelsorger.
(Er war freilich Oberleutnant der Reserve, hat sich wohl eher nicht im Schuetzengraben
getummelt mit den "einfachen" Soldaten)

1839 wurde ein Dekret fuer den Johann Fluck, von Se. Durchlaucht dem nun in Gott
ruhenden Herzogen Wilhelm ausgestellt, der dadurch zum Pfarrer nach Weilburg berufen wurde..

"Berufen"? Aha- in dieser Preisklasse "bewirbt" man sich nicht mehr, man wird berufen-
und "ruht spaeter in Gott"..

Dieser Pfarrer Fluck geiselte die "Lauheit in religioeser Beziehung" in seiner neuen Gemeinde an.
Besonders intensiv widmete er sich den Kindern und Jugendlichen, so die Chronik.
"Ist in der Jugend einmal das religioese Leben erwacht, so theilt es sich allmaehlich
auch der ganzen Gemeinde mit"
O-Ton der Chronik:
"..auch wenn er in seiner fast 3jaehrigen Taetigkeit keine unbedingte Erfolgsmeldung geben konnte,
sah er sich seinem Ziehl doch sehr nahe"
Aha- wehe, das liest oder interpretiert ein heutiger "Personaler" !
"Diese Lauigkeit hat er nach Kraeften versucht von der Kanzel aus zu korrigieren"
Offenbar griff er gerne zu harten Strafen- so wurde in einem Sittengericht offiziell
vor allen anderen Kindern, die Klassenarbeit zerrissen und die Strafe ausgesprochen,
1- 2 Monate lang mit keinem Mitschueler spielen, reden oder umzugehen..
die extreme Strafe gab es nur selten, die linderen Formen der Zuechtigung jedoch wohl oft genug -
um diese "frueher hoechst verdorbenen Kinder zu bessern"

Die Kinder mußten alle 1/4 Jahr beichten.

Hirnwaesche vom Allerfeinsten- so erfuhr die Obrigkeit immer, was daheim gerade gesprochen wurde..

"Bei vielen Jugendlichen aus den Doerfern war das Muehen jedoch vergeblich"

In verschiedenen Gruppen, nach Alter und Geschlecht, wurde zwei Beichttage die Osterwoche gehalten.

"Die Nothwendigkeit der Taufe beseitigen zu wollen, verraet die Nachahmung der Protestanten"

Wie die Kirche schon immer die Tatsachen verdreht hat, ersieht man an folgender Tafel:
Hexen
Vielmehr war es der christliche Glaube, der Hexenverbrennungen und Inquisition und Exorzitien gemacht hat..
die Taetergruppe stellt Gedenktafeln auf!




30.

Geschichtliches

"..die hohe Leiche wurde in der Familiengruft nach Ceremonien beigesetzt"
Ihre herzogliche Durchlaucht ruht nun in der Gruft, unter Anteilnahme der Hofchargen,
Militaer, der Geistlichkeit und der Zivildienerschaft und "der zahllosen Volksmenge".
Nach fast tausendjaehriger Geschichte ist der letzte Sproß des Hauses Nassau verstorben.
Der Luxemburgische Hofprediger sprach die Trauerrede..
Wie Schmarotzerpflanzen hat sich die Aristokratie ueber ganz Europa verteilt und verheiratet..

Das Ruegegericht wurde auch "Umgebott" genannt, in diesem Quartalsgerichten
wurden die kleineren Frevler verurteilt, oeffentlich geruegt und abgeurteilt.
Der Chronist meint: "Viele der damaligen Strafbestimmungen sind heute nicht mehr nachvollziehbar
oder verstaendlich.."
Ein paar Sachen aber dennoch:
"Wer aus Bosheit oder Muthwillen Obst- und Waidenbaume umhauet, soll ein halbes Jahr geschlossen
im Schubkarren arbeiten."
"Wer von seinem Naechsten uebel redet oder ihm gar in das Gesicht laestert,
soll solches mit 3 Gulden bueßen"
"Wer anderen gelind oder mit der Faust schlaeget, soll 5 Gulden erlegen."
"Wer aber den anderen mit einem Stock oder anderen Instrument hefftig oder gar blutruenstig schaegelt,
soll nach Befinden mit 10,20- 30 Gulden bestrafet werden."
"Wer kein Wasser in einer Buett oder Faß vor der Thueren hat, soll 15 Weißpfenige erlegen;
wer aer einen Brunnen in seinem Haus hat, ist hiervon befreiet."
"So jemand auf den Hoefen, Straßen in Scheuer oder Staellen Taback rauchet,
soll das erste Mal mit 5 Gulden angesehen werden, das zweitemal aber ein Vierteljahr im Schubkarren arbeiten."
"Soll derjenige, der sich nach der Abendstunde badet, ab Straf erlegen 2 Gulden."
"Die Spiel- und Spinnstuben, wie auch alle uebrigen unordentlichen Zusammenkuenfte bleiben bei
Golden Strafe verboten"
(Ordentliche Zusammenkuenfte waren die, welche der Adel und der Klerus machte,
hielt oder anordnete.. gegen Zusammenrottungen waren die Herrschaften nicht grundlos-
mußten sie doch staendig um Revolten fuerchten.)
"Wer mehr als einen oder zwei seiner Nachbarn zur Nachtzeit in seinem Hause duldet,
soll allemal erlegen 10 Gulden."
"Das aberglaeubische Umbinden der Baeume mit Strohwinden in der Neujahrsnacht bleibt
ebenmaeßig bei 5 Gulden Strafe verboten"
1748 bestimmte die Weilburger Regierung:
"Wenn Kinder aus Nascherei oder Unverstand Gartenfruechte abbrechen oder entwenden,
soll deren Zuechtigung den Eltern aufgegeben werden.
Waeren sie aber der Pubertaet nahe, sollen sie in den Schulen oeffentlich ausgepeitscht,
auch wohl durch den Buettel auf dem Rathaus in die Futterwanne gespannet und maeßig ausgepeitscht
oder aber in den Triller gesteckt werden."
Nicht genug, es geht noch weiter:
"Reifen Burschen und Maedchen aber soll von den gestohlenen Sachen etwas aufgesteckt
und selbige solchergestalten durch den Buettel mit vorgehender Trommel durch die Straßen gefuehret,
oder aber statt des Umfuehrens eine oder mehrere Stunden an das Hals- oder Fußeisen
gestellt und angeschlossen werden"

Hat sich ein Schwein den Fuß gebrochen, hat man ein Stuhlbein verbunden
und diesen Stuhl stehen lassen, bis das kranke Tier wieder heil war..
berichtet die Hasselbacher Chronik. (Heute ein Ortsteil von Weilburg)

Der Bevoelkerungsanstieg nach dem 30j. Krieg lies viele Leute auswandern und in fremden Laendern,
bis nach Uebersee- ihr Heil suchen.
Der Fuerst meinte lakonisch: "In Hasselbach sind der guten sehr rar."

Der Schullehrer machte 1821 folgende Eintragung ins Klassenbuch:
"Auf den 21. December 1821 kehrten des Abends zwei fremde Maenner mit Weib
und Kindern bei Friedrich Kurz als Wirth ein. Am folgenden Morgen gingen diese Weiber
ins hiesige Ort und gaben sich fuer Heidenweiber aus, weil sie sehr schwarz von Farbe
waren und dies blos aus Unsauberkeit.
Wo sie in ein Haus kamen und die Frau alleine zu Hause antrafen, so ruehmten sie sich sogleich
ihrer heidnischen oder Egyptischen Kunst und Abstammung, bedauerten dann die Leute im Haus
und sprachen von nichts mehr als Ungluecksfaellen, welche sie bald in ihren Haeusern treffen wuerde.
Sie machten manche Versuche dieser Art um den Leuten zu zeigen,
daß sie genau wuessten bei dummen Weibern, wenn nicht inzwischen die Maenner nach Hause gekommen waeren.. Sie hatten auch schon bei manchen Weibern im Orte die besten Kleidungsstuecke eingepackt,
welche sie betoert hatten, ihnen dadurch ihr Unglueck abzuweisen,
die sie aber wegen der Ankunft der Hausvaeter aber wieder herausgeben mußten.
Endlich gelange es ihnen als sie bei Johs. Muellers Wittwe Johanette ins Haus kamen,
welche noch immer an Gespenster und dergleichen glaubte.
Da die beiden Zigeunerinnen zu der Wittwe kamen, so grueßten sie diese,
fingen sogleich von den Ungluecksfaellen an zu reden, die sie schon getroffen haetten.
Sie gaben durch mitleidige Worte und Mienen den herzlichsten Anteil zu erkennen
und sagten der Wittwe, daß sie schon sehr oft durch boese Menschen um ihr Vieh gekommen sei
und auch durch eben diese Menschen ihren Mann verloren habe.
Sie sagten ihr, es sei ihm ein Knochen von einem todten Menschen eingegeben worden in einem Trank,
woran er haette sterben muessen, und so wuerde es auch ihrem Tochtermann noch so gehen und,
sofern nicht vorgebeugt werden wuerde, auch noch ihren Kindern.
Die aelteste Tochter, welche den Mann hat dessen Untergang sie beschrieb,
erstarrte ueber diese Nachricht und waere bald in Ohnmacht zu Boden niedergefallen.
Ach Mutter, sagte diese, jetzt seht ihr woher unser Unglueck kommt!
Auch gaben die Zigeuerninnen noch vor, daß in ihren Gebaeuden noch ein großer Schatz verborgen laege,
den ein stinkender boeser Geist bewache.
Jetzt war es getroffen und alls war wahr. Die Wittwe mußte nun ein Ei herbeiholen,
aus welchem ihr die Zigeuner die Todenknochen und eine silberne Muenze zum Beweis heraus bringen wollte.
Sie steckten dieses Ei in ihren Sack und gingen miteinander in den Kuhstall.
Sie zog nun ein anderes durch Kunst zusammengemachtes Ei mit Knochen und Groschen
mit Wasser gefuellt aus dem Sack und bezauberte damit die Wittwe, teils aus Furcht,
teils aus Verlangen nach dem Schatz, daß diese nicht mehr wußte was sie tat.
Sie mußte nun so viel Geld zusammenbringen, wie nur moeglich war,
denn auf jeden Kreutzer sollte ein Kronenthaler zu Tag kommen.
Die Frau lehnte nun 100 fl und hatte noch 50 fl in ihrem Hause, welche sie der Heidenfrau gab
und diese tat von ihrem Geld noch zur Versicherung 2 Kronenthaler dazu.
Die Zigeunerin nahm nun zwei Topfen; und unterdess die Wittwe das Haus verschließen mußte,
in das eine Topf steckte sie ihr Geld und in das andere der Wittwe ihres ein,
gingen auf das Haus und schlossen die Topfen in einen Kasten von welchem
die Zigeunerin den Schluessel in den Sack nahm,
damit waehrend ihrer Abwesenheit der boese Geist nicht entkommen sollte.
Beim Herabgang vom Haus ueberreichte diese der anderen Zigeunerin den Schluessel
heimlicherweise und diese ging unterdessen, als die andere die Kleidungsstuecke und Leinwand einpackten,
auf das Haus und holte das Geld.
Diese Kleidungsstuecke bestanden aus dem Brautkleid ihrer Tochter,
sodann ihr und ihres Mannes Hemd, Struempfe, Kappen und Halstuecher und 25 Ellen feinen
Leinwand, den sie mithaben mueßte um mit diesen Sachen die Zauberei,
das heißt den Schatz hervorzubringen und zugleich den boesen Geist zu vertreiben.
Und dieses muesse außer ihrem Haus geschehen und sie sich deßhalb 24 Stunden,
wenn sie ihr Leben behalten wollte, entfernen mueßte.
Es muß ihr nun die aelteste Tocher diese Kleidungsstuecke bis außerhalb des Dorfes tragen,
wo ihre Maenner hin bestimmt waren, und alles ging gluecklich von statt.
Die Tochter kehrte um und die Heiden gingen weiter.
Die Wittwe sollte nun so lange still schweigen, bis sie wieder zurueck kam.
Allein gegen Abend, da dieses am Mittag geschah, kam ihr Mann nach Haus,
dem sie die Sache erzaehlte, welcher sogleich den Kasten oeffnete und statt des Geldes in jedem Topf einen Stein,
mit Flachs umwickelt, fand und der Betrug ward entdeckt.
Aufgesetzt von Justus Brueckel, Schullehrer"

Der Feldgendarm war eine Gestalt, die man nicht vergißt, so der Chronist-
mit russischem Schimmel und rotweißer Lanzenfahne, der um 1918 sogar die Kinder
auf dem Pferd reiten lies- waehrend er gemuetlich Kaffee trank..

Empoert schrieb der Pfarrer ins Kirchenbuch:
Der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch!
"Anfang 1924 ging ein jaeher Schreck durch unser Land auf die Nachricht von dem achtfachen Mord in Haiger.
Was fuer Schauertaten haben sich in Deutschland angehaeuft.
Der Knaben- beser Burschen-Schlaechter von Hannover, dem 25 Morde gerichtlich nachgewiesen wurden
und der andere Unmenschin Muensterberg, im Osten der ueber ein Dutzend Handwerksburschen
in sein Netz gelockt, abgeschlachtet und wie ein Kanibale verzehrt hat."

Die Berichte ueber die hohe Arbeitslosigkeit nach dem 1. Weltkrieg bis zum Hitlerreich sind zahlreich,
die Wirtschaft hat sich in den Jahren 1918-1933 nicht wieder erholt,
weil die Praeparationsleistungen an die Siegermaechte zu erdrueckend waren.
Ungluecke, Mißernten und Naturkatastrophen loesten sich ab.
1932 kam noch ein schweres Erdbeben dazu, das von Holland bis Limburg zu spueren war.

6 Millionen Arbeitslose und dreimal so viele ohne richtige Existenz waren zu ernaehren.

Unter diesen Umstaenden klammerte man sich wohl an jeden Strohhalm.

Firmenpleiten folgte haufenweise, bis dann 1934 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gemacht wurden -
Wald,- und Feld,- und Flurarbeiten groeßerer Art fanden damals statt.
Hauptsache man war beschaeftigt und brachte in paar Kroeten mit nach Hause.

Zeitspruenge sind in den Chroniken "normal" - wichtig sind mir die Begebenheiten,
die zuweilen aus dem chronologischen Ablauf fallen, aber die Stimmung wiedergeben.

Nach dem verlorenen 2.WK geisterten ehemalige polnische Landarbeiter als bewaffnete
Banden im Land herum und verstetzen die Menschen in Angst und Schrecken, so der Chronist.
Erst bei handfesten Maennern fluechteten diese aus den Orten.

1907 zahlte man in der Gastwirtschaft fuer einen Liter Bier 25 Pfg
und fuer einen Schnaps 10 Pfg bei einem Tagelohn von 2,70 Reichsmark.

Da damals praktisch jeder Landbewohner auch ein Landwirt war, der von seiner Scholle
oftmals kaum leben konnte, mußten die Toechter in "Stellung" gehen,- als Dienstmaedchen in der Stadt.
So verdienten sie vor dem 1.WK 10-12 Reichsmark im Monat -
der Butterpreis soll bei 0,90 - 1,20 RM gelegen haben.

Die Maenner und den Soehnen ging es nicht besser- sie arbeiteten vor der Landwirtschaft
im Bergwerk oder Steinbruch.

Die Funktion der Gemeinde- oder Buergerhaeuser hatten damals die Wirtschaften
und die Kolonialwarenlaeden, die gewissermaßen auch Treffpunkte waren.

Frueher hat mancher Hasselbacher sein Fuhrwerk angespannt um in Weilburg den Arzt
zum Kranken zu bringen, der zuweilen wegen der Eile noch die Pantoffel an hatte..
Selbst hatte er keinen Gaul - ohne Telefon...
Spaeter kam der Doktor Pontani mit dem Fahrrad, so wird berichtet.

1827 schrieb man von Scharlachfieber, "sehr empfindlich ansteckender Wangengeschwulst",
ansteckender Augenkrankheit, 1831 von der asiatischen Brechruhr und von der Colera
und empfahl Kamille, Holunder und Abreibungen dagegen..
"am ehesten waren liederliche Menschen davon betroffen" -
deshalb meint ein Hasselbacher Paedagoge, daß Maeßigkeit, Reinlichkeit und innere Ruhe" dagegen helfen wuerde.
1862 wurde der Unterricht durch Scharlachausbrueche gefaehrdet.
"Einige sind 3 Monate daheim geblieben und haben Fehler am Gehoer zurueckbehalten"
1876 kam das "Brustuebel", das hartnaeckig und mit heiserem Husten begleitet war -
ein Kind fiel der "Rachenbraeune" zum Opfer.
An Scharlach und braunem Krupp starb man in dieser Zeit ebenfalls.
1890 kam die Influenza und Lungenentzuendungen in Massen nach Hasselbach,
kaum ein Haus, wo nicht einer oder mehrere Personen betroffen waren, schrieb die Chronik.
Furchtbare Schmerzen in Brust, Ruecken und Kreuz liesen manche
auf der Straße zusammenbrechen- es starben nicht wenige daran.
1904 kam die Tollwut ins Dorf, dann kamen die Masern - der Pfarrer schreibt:
"Man kommt von den Graeber nicht fort!"
Diese gefaehrliche Grippe wurde als "Negerkrankheit" benannt, die wohl von der Westfront mitgebracht
worden sei- bezeichnet. Dieser Wuergeengel haette wohl mehr Tote gebracht,
als im Krieg gefallen sind, meinte der Geistliche.
1928/29 Selbst in Frankfurt sollen die Leichen laenger als drei Tage gelegen haben, bevor sie bestattet werden konnten.
Seuchenhaeuser wurden eingerichtet.

Ein Sprung ins 14.Jhd: " es sandte Gott eine neue Plage auf das Erdreich,
besonders nach Deutschland, das waren Heuschrecken.
Die kamen und flogen so dicht in der Luft und auf dem Felde, als waere ein großer Schnee gefallen.
Sie fielen in die Frucht und taten großen verderblichen Schaden und flogen dann wieder auf.
das waehrte von der Ernte an bis beinahe sechs Wochen, bis sie mit einem Reif und von der Kaelte vergingen.
Die Heuschrecken waren groß und eine halbe Spanne lang und laenger.
Diese Plage kam von der großen Hoffahrt..."

1390 ist so viel Wein gewachsen, daß er kaum getrunken werden konnte.

Ich lese von "Brandblaettchen", die waehrend des 2.Wk ueber den Waeldern von den Englaendern abgeworfen worden sein sollen.

Noch 1787 waren viele Lehrer Schneider, Leineweber und Musikanten..

"Der Lehrer wird darauf sehen, daß die Kinder vor ihrem Eintritt
in die Schulstuben sich moeglichst reinigen und nicht zuviel Naesse und Koth hereintragen,
auch nicht durch Uebersteigen der Geraetschaften und ihre Mitschueler beschmutzen,
daß sie die mitgebrachten Lebensmittel, welche einen starken Geruch verbreiten,
nicht in der Schulstube aufbewahrt und in keinem Fall darin genossen werden.."

Bei Strafe war untersagt, daß der Lehrer waehrend des Unterrichts rauchte.
Die Ofenhitze mußte reguliert und mit Frischluftzufuhr eine vertraegliche Raumluft bringen.

"In Erwaehnung, daß in Hasselbach machne unsittliche Familie ihre Kinder
nicht ohne Zwang zur Schule schicken und Trunkenbolde und andere Lasterhafte der Jugend ein boeses Beispiel geben,
hatte man im Ganzen aller Ursache."

1829 weist der Amtsinpektor darauf hin, aus der Schule die "platte Sprache zu verbannen".

1817: "Es war nichts seltenes, daß man an einem Tag 20 Bettler
und Notleidende von Dorf zu Dorf ziehen sah.." (Schlechte Ernten)

1835 wurde noch darauf geachtet, "..daß die Schueler,
wie die der Schule entlassene Jugend bis nach dem zurueckgelegten 18. Lebensjahr
abends weder auf der Straße noch in Wirtshaeusern, noch bei Tanzmusik sich aufhalten"

1885 in einem Rundschreiben der Koeniglichen Regierung zu Wiesbaden an die Schulen:
"Da in neuerer Zeit oefter Faelle von vorschriftswidriger
oder uebermaeßiger Schulzuechtigung vorgekommen sind
und zur gerichtlichen Klage gefuehrt haben, so finden wir uns veranlasst, Ew. Hochwuerden zu ersuchen,
die Lehrer Ihres Aufsichtskreises bei der naechsten Konferenz oder bei sonst geeigneter
Gelegenheit auf die Bestimmung in §29 der Nass. Dienst-Instruktion fuer
die Schulinspektoren hinzuweisen, wonach koerperliche Schulzuechtigung durch Schlaege auf
die flache Hand mittels eines zwei Finger breiten ledernen Riemens zu vollziehen ist"

Die gute alte Zeit um 1634: " nach dem Stiftsbuche sind keine Schafe mehr im Land gewesen"
- Pest, Mißhandlungen, Hungersnoete..

"Als 1918 der Waffenstillstand vereinbart war, nahm das ausgelassene Tanzen
in den Wirtshaeusern kein Ende- hinter Diez herrschte der Franzose.."
1939 hieß es schon wieder: "Deutschland befindet sich im Krieg"-
dabei hat sich das Land noch nicht von dem Krieg zuvor erholt.

Damals gingen Krautschneider durchs Dorf und hobelten die Rot- und Weisskrautkoepfe,
die dann in den Steintoepfen im Keller eingelagert wurden.
Das groeßte Vergnuegen der Jugend war wohl die Spinnstube,
von der ich schon oft interessante Dinge in den Analen gefunden habe.
So mancher Schabernack wurde dabei ausgetueftelt, so manche zarte Bande geknuepft.
Handarbeiten aller Art wurden dabei ausgefuehrt- vom Spinnen bis zum Schnitzen.
Zuweilen kreiste auch die Flasche. Alte Hasselbacher erinnern sich noch an das Flachs-Spinnen.
Webstuhl und Kreppel passten ganz gut zusammen.
Angeblich sollen beim Schlachtfest zuerst die Wurstsuppe, dann Erbsenbrei,
Sauerkraut und Fleisch serviert worden sein - als dritter Gang wurde Blutwurst, Leberwurst
und Apfelkompott gereicht, zum Abschluß soll es Sauerbrueh und den Klaren gegeben haben..
Ich kenne das viel spartanischer- Wurstsuppe war oft duenn,
wurde aber in verschiedene Haeuser gebracht,
ganz ganz selten "platzte" mal ein Wuerstchen darin- mehr aber auch nicht!
Es wurde eher sehr sparsam mit dem Fleisch umgegangen, Bauern waren immer sehr knickerig.

Ein alter Brauch war das "Bettenruecken"- am Tag nach Weihnachten.
Die Dorfjugend stuermte das Schlafzimmer der Jungfrauen und versuchte das Bett der "Eva"
zu ruecken oder zu verruecken.
Mit Eier, Speck und Wurst konnten diese sich loskaufen. Gemeinsam verspeiste man die Beute..

Der Allendorfer Pfarrer im Kriegsjahr 1914:
"Jede Schaedigung Englands wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen.
Stolz war man auf die Emden und die Erfolge des Geschwaders an der Ostkueste von Chile.
Die verschiedenen unausbleiblichen Katastrophen, die England uns zufuegt,
auch der Raub der Kolonien, nahm man grimmig hin in der Gewißheit:
daß alles ist noch nicht endgueltig, wir rechnen noch miteinander ab.
Ungemein bezeichnend ist ein neuer Vers,
der einem aelteren volkstuemlichen Soldatenlied hinzugedichtet wurde:
England, ach england, was wirst du erleben, wenn deutsche Luftschiffe ueber dir schweben.
Deutsche Zeppeline, die bringen Bomben mit. Wehe Dir, wehe, du falscher Brit!"
Ein friedlicher Pfarrer, das muß man sagen- wenn er sowas in das Pfarrbuch schrieb..

In der Chronik geht es weiter in dieser Art:
"In weiten Kreisen war zum Beispiel auch der Irrtum verbreitet,
als ob der Heldentod auf dem Schlachtfeld ohne weiteres die Seligkeit der Gefallenen verbuerge.
Das ist sogar ein Streitpunkt unter Pfarrern geworden und mag nur zu oft bei Begraebnissen
zur Verwirrung der Seelen genaehrt worden sein.
Das mag im Sinne Mohameds sein, aber nicht im Sinne Christi, der doch allein den Weg zum Vatger ist!"
Weiter:
"Die Leute tadelten die weitverbreitete Unzufriedenheit, die Ueppigkeit und Genußsucht,
dazu die vielen Feste. Auch gab es bei vielen gar keinen Glauben mehr,
und daß unser Herrgott dazwischen fuhr, sei kein Wunder."
Das glaube ich mal eben nicht- das wird wohl nur die oberen Zehntausend getroffen haben,
die Mehrheit der Leute aber nicht.
Weiter:
"Hier war man also auf dem besten Wege, den ganzen Krieg auch als eine unser Volk geltende Heimsuchung
Gottes hinzunehmen, also sittlich-religioes aufzufassen."
Es wird noch besser:
"Tatsaechlich war in vieler Beziehung das Maß voll.
Die edle Seele unseres Volkes, sie war angefressen und hatte einen bequemen Frieden nicht mehr vertragen.
Ich nenne nur ein paar Stichworte: Ehescheidungen, Geburtenbeschraenkung, Selbstmorde,
Schmutz in Wort und Bild, Schund- und Schauerlektuere, Alkoholismus, Materialismus, Parteiensplitterung,
Atteismus, Krititismus, Kirchenaustritt-Bewegung.."
Man koennte noch hinzufuegen: Vetternwirtschaft des Klerus mit den Maechtigen
und Unterdrueckung der Massen, Verdummung durch den Glauben..
Noch mehr:
"Jedes Wort zeichnet einen schweren Sorgenstein- moege unser Volk seinen Gott und Heiland wieder
neu finden in diesen entscheidenden Zeiten und genesen zur Ehre Gottes und zum Segen der Menschheit.."

"Morgengebet im Feldzug- fuer Kriege. Im Namen Gottes steh ich hier auf der Tuer,
schreite ueber diese Schwelle, Gott, unser Vater sei vor mir, Gottes Sohn sei hinter mir,
Gott der heilige Geist sei ueber mir. Die Engel Gottes schlagen die Feinde weg von mir.
Wer nun staerker ist als diese drei Mann, der kommt heute und fange etwas mit mir an.
Wer aber nicht staerker ist, der lasse mich unversehrt ziehen, im Namen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen."

"So komm denn neues Jahr! Du kommst aus Gottes hand. Fuehre uns in Gottes Naehe und an Gottes Herz,
bringe uns den Frieden, einen guten deutschen Frieden. Amen!"

Der Pfarrer war noch nicht fertig:
"Zu ernsten Toenen Anlaß gab am 21. der Bußtag. Im 2. Teil hatte
ich mich ereifert ueber das im Abgeordnetenhaus gefallene freche Wort:
Nach dem Krieg wird ein großer Abfall an der Kirche einsetzen,
denn die Menschen im Schuetzengraben haetten Nachdenken gelernt und stellten die
Frage: Wo war der liebe Gott? "

Der Uebergang aus 1918 in das neue Jahr vollzog sich nicht still,
wie es sich bei einem so furchtbaren, ernsten Jahreswechsel geziemt haette,
sondern mit einem Gewehrgeknatter, als ob im DOrf naechtliche Gefechte stattfaenden.."

Dieses Nachspiel der Truppendurchzuege brachte ueberall Gewehre und scharfe Patronen,
die in der Neujahrsnacht als Knaller benutzt wurden- bis
am naechsten Tag alles bei der Buergermeisterei abgegeben wurde..

1923 schrieb er: " Unserer Jugend fehlt Ehrfurcht und Zucht, von Takt nicht zu reden.
Sie ist in Gefahr, Wirtshausmanieren bis in die kirchlichen Unternehmungen zu bringen!"
(Was wollte er? Wieder "Zucht" und Krieg?)

Der Pfarrer gab nicht auf:
"Kurze Zeit spaeter sang auf der Straße ein Mann zur Laute christliche Lieder
und hielt Reden dabei. Es war ein frueherer Theatermensch aus Wiesbaden, und trug den Namen Windgasse.
er durchzog als Straßenmissionar das Nassauer Land und kam auch nach hier.
Pfarrer Schmidt sah dies mit Unbehagen und wenig spaeter warnte Wiesbaden offiziell
vor dem wilden Evangelisieren."




31.

Geschichtliches

Rene' Koenig schrieb 1958: "Es besteht wohl kein Zweifel darueber,
daß die Gemeinde neben der Familie eine der wichtigsten Grundformen der Gesellschaft darstellt."
Irgendwie scheint das zuweilen ein wenig verschuettet zu werden.

"In den Großstaedten fielen 1964 je Einwohner doppelt soviele einmalige Ausgaben,
aber fast fuenfmal soviel laufende Ausgaben an wie in den kleinen Gemeinden an.."
Das spricht nicht gerade fuer die Sinnhaltigkeit der Kommunalreform, die Ortszusammenlegungen brachte.
Allerdings steigen mit der Groeße der Gemeinden die Pro-Kopf-Einnahmen
von 74 auf 403 DM in den Großstaedten..
Hier duerfte die Statistik wieder einmal einen verrueckten Haken schlagen,
denn die Handelsherren und Banken waren in den großen Staedten.
Zwischen 185DM und 1321DM schwankte die Pro Kopf Verschuldung in gleichem Verhaeltnis
zur Groeße der Orte - proportional umgedreht lief es bei den Geldzuweisungen vom Land
zu den Gemeinden, wo die Quote der kleinen Orte hoeher lag.
Ob das nun mit der fehlenden Finanzkraft der Einwohner in den kleinen Gemeinden
oder an der vollkommen anderen Einkommensstruktur hing?
So war die Abgabe pro Einwohner von 16 bis 784 DM, wo 3/5 bei 80-150DM lagen -
geringe Ertragskraft der Boeden der alten Bebauungsordnung (3 Felder Wirtschaft)
und fehlende Industrie oder den wenigen Handwerksbetrieben groeßerer Art sind wohl die Ursachen dafuer.

Von 1871 bis 1964 haben sich die meisten Orte in der Einwohnerschaft verdoppelt.

Die an den Flußlaeufen entstandenen Klein- und Mittelstaedte,
die sich aus dem Stadtkern und den umgebenden Kaufmannssiedlungen ergaben,
waren um 1100 abgeschlossen.

Die alte Form des Namens Weil ist von dem keltischen "Wil" abgeleitet,
das Wort fuer Vollmond, dem Rad als Grundform.
Wil war auch der Name der Mondgoettin, deren zu Ehren besondere Stellen oberhalb
von Flußschlaufen angelegt wurden.
Mond, Wasser und Fruchbarkeit gehoerten zusammen.
Die Burg an dieser Stelle war somit besonders sicher - mit heiligem Ort.

Die alte Gewohnheit des diminutiven Neutrums (das Heidi, Verniedlichungsform)
lies die Form Wil- oder Wilnaburg, dh. der Wilma seine Burg.. ;) entstehen..

Wieder einmal baute man eine Kirche ueber eine Kultstaette "heidnischer" Art-
die Schloßkirche, um dem Christentum den Triumph zu geben -
man kann aber nicht verleugnen, daß immer wieder Schnittstellen
des Erdmagnetfeldes dort anzutreffen sind..

Wie die Mondgoettin rettet auch die spaetere Walburga Tote vor dem ewigen Tod..
(Wie praktisch!)
Sogar das Symbol ist sehr an die Antike (Osiris) angelehnt- drei Kornaehren!
Die Walpurisnacht und die Daemonen im Winter gehoeren wohl auch dazu.
Das Haupt der heiligen Walburga soll in Weilburg als Reliquie verwahrt werden..
(Kopf ab- Leichenfledderei nach dem Ableben war damals "normal" -
jede Kirche wollte etwas von den Heiligen haben)

1606: "Die beste Landstraß, so durch Loenberg gehet, koembt von Caßel
und außm landt zu Heßen, geht uff Coblentz.
Die Fuehrleut bringen Saltz, Keeß, Stockfisch, Hering und Leinduch,
bringen bisweilen Wein zurueck, kommen auch bisweilen, wan sie ettwan underwegs verkaufft und abgeladen haben, ledig wieder."

Wichtige Orte lagen an Furten und Paßstellen, die auch militaerisch gesicherte Hoefe waren.
Die großen Lagerkammern waren auch fuer durchziehende Heere einigermaßen geruestet
und hatten entsprechend feuerfeste Waende.
Die alten Straßen reichen bis in die Bronzezeit zurueck und waren
bis in das 18.Jhd die Hauptverkehrsadern !
Nachdem Konstantinopel von den Turkvoelkern eingenommen war, kam der ausgedehnte Fernhandel
mit dem Orient zum erliegen - der Hauptanlaß fuer die Seefahrer neue Wege ueber die Meere zu erkunden..

Interessant war der Umstand, daß nur die Zeit eine Rolle spielte,
wenn es um Transporte ging- lieber einen Umweg fahren, der letztlich schneller ist,
als ueber ein kurzes, aber beschwerliches Pflaster zu fahren.
Deshalb stellte man Stundensteine auf und keine Meilensteine.
Ausgebessert wurden die Fahrwege mit Faschinen oder Reisigbuendel mit Erdmaterial und Steinen.
Erst 1764 wurde in Limoges der Packlagenbau erfunden.
(Sonderbar, wo doch schon tausend Jahre vorher die Roemer gute Straßen hatten)
Das "Chaussee-Geld" wurde von Barriere zu Barriere entrichtet, gleichgueltig ob jemand davor abfuhr oder nicht..
Fluesse waren schon im alten Rom ein beliebter Transportweg.
"Ulmer Schachteln" waren "Einmalschiffe", die nach dem Transport als Brennholz verkauft wurden..
Die Roemer verlegten die Neckarmuendung in den Rhein, die damals bei Mainz war, in suedliche Richtung !
Ein ungeheueres Unterfangen zur damaligen Zeit.
Hungersnot und gutes Leben hing manchmal an 50km Entfernung.
Die Binnenschiff-Fahrt ging mit dem Aufstieg der Eisenbahn nieder.
"Zur Post", "Einhaus" und Zollhaus etc. lauten die Umspannstationen, in denen man auch uebernachten konnte.
Den Hinweis, daß Kurpfaelzische Postwagen am Tag 10 Meilen
oder 75 Kilometer zuruecklegen mußten, finde ich bemerkenswert.
Die Post zahlte keine Wegegebuehren, Maut, Barrieregelder oder Zoelle, auch nichts zum Unterhalt der Wege.
So manches traurige Nest wurde von dem jeweiligen Herren dahingehend mobilisiert,
wie es diesem gelang, die Postkutsche dorthin fahren zu lassen..
So manches Staedtchen war so einsam, daß solche Maßnahmen die Rettung sein konnten.
Die Postkutscher sollen sehr ungeschliffene Burschen gewesen sein, worueber sich viele Reisende beklagten.
Sie visitierten ggf. sogar die Boersen, erhoehten die Preise, wenn es ihnen angemessen erschien..
So mancher edle Reisende beschwerte sich ueber den "groebsten aller groben Postknechte",
den Kammerrath Doetsch zu Ehrenbreitstein..
1754 waren die Stadtbefestigungen weitestgehend niedergelegt, weil durch die neuen Waffen nutzlos geworden-
erst 1821 gelang es der Weilburger Buergerschaft sich von dem Wachdienst an den Stadttoren,
die noch blieben, zu befreien.

Im Weilburger Bergbau- und Stadtmuseum sind heute noch die Ablaßzettel zu sehen,
mit frommen Motiven bedruckt..

Die Dominikaner - und Franziskanermoenche, so die Chronik, waren nur darauf aus,
moeglichst viel fuer ihr Kloster einzuheimsen..
Ablaßhandel und anfeuern der Hoellenfurcht der Glaeubigen war ihr Geschaeft.
Der Papst stellte nochmal gesonderte Ablaßbriefe aus- Wunderschwindel half ebenso,
Gelder anzuhaeufen, die man dann (gewinnbringend versteht sich) weiterverleihen konnte.
Die Reformatoren wollten diesen "Baalsdienst" ausrotten - das Volk kam in Scharen
in die Martinskirche, "auch wenn sie von Kuehen und Schweinen verunreinigt wurde",
wie der Visitationsbericht sagt.
Dominikaner hetzten gegen die Reformation mit dem Wort der "Ketzerei".
Wenn wir schon mal wieder dabei sind, haben wir geschwind die Hexenprozesse vor uns-
im Zeitraum von Oktober 1658 bis Maerz 1660 sollen 31 Personen, 23 Frauen und 8 Maenner
durch Feuer oder Schwert hingerichtet worden sein.
Verbrannt oder enthauptet bis zum auf einer Kuhhaut mit dem Angesicht zur Erde,
die Stadt hinaus geschleift um dann in eine Grube geworfen und verbrannt zu werden..
(Nochmals zur Erinnerung- das sind die frommen Kirchenleute gewesen, die heute Gedenktafeln aufstellen!)
Hexen wurden auf gesonderten Friedhoefen bestattet, da sie aus der Kirche ausgestoßen waren.
Hexen sollen Salben aus Kinderleichen gemacht haben, Aecker verflucht
und fuer Unwetter verantwortlich gewesen sein.
Den "Pakt mit dem Teufel" sollen sie zelebriert haben.
Gegen "Werwoelfe" gab es nur ein Mittel - die Folter..
Wer aus der Kirche austritt, hat diesen wohl nicht mehr zu fuerchten - oder?

1607 brach das "Schnelle Sterben" aus, wo man nach wenigen Stunden tot war-
bis heute weiß man nicht, um welche Krankheit es sich dabei gehandelt hat.

Aber auch die Tiere erkrankten - an der Rinderpest- da halfen auch die "Beschwoerungssprueche" nicht viel.

Das "wilde oder heilige Feuer" war wohl eine Form des Mutterkornbrandes,
Blasenbildung und Brandigkeiten hinterlassend.
Die Moenche haben dann das "Antoniusbrot" gebacken, aus mutterkornfreiem Getreide.
Der Koenig hatte Aerzte, die Bevoelkerung durfte sich mit dem Bader abgeben.
Spaeter nannte man diese Bader "Chirurgen"- somit waren sie zunftfaehig.
"Doktor" durfte sich schon damals nur der studierte Mediziner nennen.

Ein altes handgeschriebenes Rezept ist im Weilburger Archiv aufgehoben,
gegen vielerlei Gebrechen und zur Lebensverlaengerung:
"Eine Unze und ein Quentel Aloe succotrina, ein Quentchen Zedoar,
ein Quentchen Agari, ein Quentchen Gentiana, ein Quentchen Levantinischen Safran, ein
Quentchen Rhabarbara, ein Quentchen Venetianischen Theriak und ein Quentchen Boehmische Angelika."

Und immer wieder finde ich in den Chroniken Hinweise zum 30j. Krieg:
Weilburg hatte zwar die Zusicherung und Schutzbriefe von Einquartierungen frei zu bleiben-
aber wie so oft in der Politik wurde das nicht eingehalten.
Die Haelfte der Leute sei geflohen, alles ruiniert, Mord, Pluenderungen,
Schaendung mit ruchlosem Wesen, Vieh geraubt, Haeuser verwuestet, weder geerntet noch bestellt,
strenger Winter, Aschehaufen, Blutlachen, verwesende Leichen, Raubvoegel und Aasvoegel,
verderbensschwangerer Pesthauch in den Straßen, so die Berichterstattung.

Seit Mitte des 15.Jhds wurde die Lage der Armen immer schlimmer,
die Leibeigenen wurden verkauft oder getauscht, deren Kinder und Frauen von den Grundherren
mißbraucht- die Muetter hatten keine Rechte, wenn die Kinder verschenkt wurden.
Ein Sklavenmarkt war damals normal:
Der Ausdruck "Menschenmaterial" kam in der Geschichte immer wieder hoch..
Abhaengige waren sie alle- abgabepflichtig sowieso. Pruegelstrafen waren normal.
Waehrend sich der Mensch im Mittelalter nicht zur Arbeit verpflichtet fuehlte,
war sie nach reformatorischer Ansicht eine von Gott gegebene Pflicht..

Die spaeteren Maßnahmen dienten der Hygiene, der Beschaeftigung und der aerztlichen Versorgung,
Hilfen fuer die Landwirtschaft.
2/3 der Arzthonorare wurde aus Landesmitteln bezahlt, ein Drittel zahlten die Kranken.
Wer kein Geld hatte, wurde kostenfrei behandelt.

1846 wurde das Kraetzhospital gebaut - darin gab es ganze, dreiviertel, halbe und viertel Portionen:
Eine Portion soll 24 Kr. gekostet haben und bestand aus:
1 1/2 Pfd. Brot fuer die Tag, morgens 1 Schoppen (1/2ltr) Suppe,
mittags 1 Schoppen Suppe und 1 Schoppen Gemuese und 8 Loth (120gr) knochenfreies Ochsenfleisch.
Abends 1 Schoppen Suppe, 1/2 Schoppen Gemuese und 3 Loth gebratenes Kalbfleisch.
Trotz Impfzwang flackerte die Pest immer wieder auf.
1887/88 kam eine heftige Scharlach-Epidemie, die ueber ein Jahr dauerte.
Der Verein der "Armen Dienstmaegde Christi" wurde gegruendet,
welcher auch evangelische Kranke aufnahm.
Zur Verbesserung der Armenversorgung lies der Graf schon 1735 alle seine Bediensten
die Haelfte ihrer Monatsbesoldung oder 1/24. ihre Jahreseinkommens an die Armenkasse zahlen.
1762 war die Not so groß, daß pro Untertan und Jahr die Koepfe
von 10 Spatzen oder Goldammern beim Buergermeister abgeliefert werden mußten,
damit diese die Felder nicht kahlfraßen.
Detaillierte Sparvorschriften an die Bevoelkerung liesen "Verschwendungssucht"
bei Hochzeiten und Feierlichkeiten klein halten. Alles haarklein geregelt, -
eine aehnliche Regelungswut kennt man heute wieder..

Suppenanstalten wurden errichtet, wer das Geld fuer die Suppe nicht hatte, bekam diese umsonst.
Eine Portion war eineinhalb Pfund - mit Beizettel und "Belehrung".
Den Traum vom "Barocken Ensemble" war dem Fuersten moeglich,
weil er eine Verordung zur Bebauung der Stadt erlies- wonach 37 Haeuser abgerissen wurden,
um die Stadt zu planieren und schoene ebene Plaetze anlegen zu koennen.
Neue Bebauung und Umsiedlung der Vertriebenen in die Randviertel waren wichtige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen,
die der Edle selbst bezahlte.
5 Kr. verdiente ein Arbeiter dabei am Tag, Frauen weniger, die als Hilfsarbeiter mit anpackten,
die Feudalanlage in Weilburg zu errichten.
Die Buerger sind dabei nicht reicher geworden- sie mußten bei der Witwe
Kellerin Rollwagen 600 Gulden Kredit aufnehmen, um ihrer vom Fuersten gegebenen
Pflicht fuer die Erneuerung der Stadttore zu sorgen, nachkommen zu koennen..
Heute wird er gefeiert wie nur sonstwas, dieser gute Graf Johann Ernst..
Damals wie heute haben sich die Baurenovierungen auf das Doppelte erhoeht..

Mit Bleirohren, die im nahen Loehnberg angefertigt und zuvor aus Frankfurt
in einer 8-Tage-Tour geholt worden waren, hat man unter der Lahn hindurch
das Wasser von der anderen Lahnseite in die Stadt geleitet- mit 6 Atu Druck -
und das mit Drahtverbindungen zwischen den Rohren!
So brauchten die Bewohner das Lahnwasser nicht mehr in den Ort tragen
und bekamen frisches gutes Quellwasser.
Innerhalb von 20 Jahren entstand so eine Residenz mit Brunnen und Schloss- alles was dazugehoert.
Die Franzoesische Revolution fand irgendwie auch in Weilburg statt,
die Truppen kamen und fraßen wie die Heuschrecken, nahmen Geisel, um ihre Forderungen durchzudruecken.
So folgten wieder Notjahre, Holz war knapp und mußte eingefuehrt werden..

Das juedische Leben in der Stadt Weilburg war mir eigentlich kein Thema,
es handelte sich eine kleine Gruppe von ca 50 Personen, die ueberwiegend der Familie Herz gehoerte.
Die Geldgeschaefte mit dem Herzog liesen Vater Herz in einen hohen Beraterposten
in diesem Adelshaus rutschen- was den Unmut der Bevoelkerung nach sich zog,
weil eben immer kleine oder groessere Gewogenheiten entstanden.
Die Pleitegrafen mit ihrer latenten Prunksucht und Groessenwahn suchten immer nach Geld-
und so fand sich eins und eins zusammen..
Die Integration in die christliche Umgebung gelang damals genau so wenig,
wie das heute bei den Muslimen zu sehen ist- die Glaubensvorschriften verhindern
eine Anpassung an die Weltlichkeit, ganz und gar, wenn diese "christliche Werte" zuvorderst haben.
Schon frueh war die Saat zum Hass gelegt, im 12. und 13. Jahrhundert- vermutlich
durch die Abkanzelung, dass Juden nur diese und jede Taetigkeiten ausueben durften.
Fatal und unmenschlich erscheinen dann die Folgen, die sich dann immer wieder in Progromen entluden-
hausgemacht waren sie wohl alle und vollkommen sinnlos.
Die extra herauskommentierten Dokumentenauszuege aus der Weilburger Chronik erspare ich dir,
geneigter Leser- so habe ich diese durch diese persoenlichen Gedanken dazu ersetzt.
Mir ist wichtig, dass Religion ganz grundsaetzlich nicht untereinander vertraeglich erscheint
und aus der Oeffentlichkeit ins rein Private geschoben gehoert,
damit nicht immer wieder Ungerechtigkeiten und Groll entsteht und keiner
mehr keinen provozieren kann: Alte verquarste Ideologien sind noch immer gefaehrlich,
wie man in den neuesten Nachrichtensendungen jeden Tag erleben muss.

1864 wurde noch auf den Auerhahn gejagt..

Bis zum 19.Jhd. wurd oberflaechennahes Erz abgebaut oder eingesammelt und mit kleinen Karren
oder Bauernwagen den Huettenwerken oder den Rennoefen zugefuehrt.
Dazu mußte ein Schein erworben und angegeben sein, wieviel Material gehauen wurde,
damit der Zehnt ordnungsgemaeß abgefuehrt wurde.
Diese Erlaubnis galt fuer ein Jahr und beinhaltete auch die Einigung mit dem Bodenbesitzer
(Wald, Haenge, Wiesen) und die Instandsetzung des Gelaendes durch den Schuerfer.
(Die Zeit vor den professionellen Gruben und den Schachtanlagen)
Hundert Jahre spaeter war unsere Gegend an der Lahn das staerkste Eisenfoerderungsgebiet im Land,
als die oberflaechennahen Vorkommen abgebaut waren.
Ein paar Daten sind erhalten: 1833 war der Durchschnittslohn je Schicht 20 Kreuzer -
bei hohen Strafen bestimmter Fehlverhalten:
Nachlaessigkeit 30 Kreuzer, gegen den Befehl gearbeitet dto. bis zum unreinen Stein gefoerdert,
1 Gulden! Trunkenheit kostete 1 Gulden Lohnabzug, Fernbleiben 24 Kreuzer..
Letzteres Vergehen kam durch die kleine Bauernwirtschaft, die jene Bergleute nebenbei betrieben,
wenn Erntezeit war und die Frau das nicht alleine schaffte.
Bei der 6 Tagewoche und langen Fußmaerschen waren schon mal 12 Stunden Abwesenheit von Zuhause drin.
Dem allem Rechnung zu tragen, genug "auf dem Brett" stehen zu haben, was der Steiger vorschrieb,
war nicht einfach.
Die Arbeitsschuhe un ddie vom roten Erz gefaerbten Klamotten waren bestimmt nicht leicht zu reinigen-
die Frauen hat deshalb wohl kaum einer beneidet.

1901 stiftete der Muehlenbesitzer 50.000 Mark und eine Freifrau 10.000 Mark fuer den Bau
des staedt. Krankenhauses.
Immerhin schon mit Zentralheizung, Klingelanlage und Wasserspuelungstoiletten und 27 Betten,
die ab 1905 zur Verfuegung standen. 22 Betten 3. Klasse a 2 Mark am Tag, 2 Betten 2. Klasse
a 3 Mark und 3 Betten erster Klasse zu 5 Mark am Tag..
So leicht legte man sich nicht ins Krankenhaus und lies lieber einen Mediziner ins private Krankenlager kommen..
(12 Betten davon fuer die oertliche Unteroffiziersschule)
Damals waren in Weilburg 3147 evangelische, 535 katholische und 13 "andere" Christen,
sowie 135 Israeliten als Bewohner verzeichnet.
2-3 Schwestern (Diakonissen) waren als Krankenschwestern angestellt,
sowie eine Koechin und 1-3 Dienstmaegde, sowie 2 Aerzte.
Der Hausdiener sollte "koerperlich ruestig, zuverlaessig, durchaus nuechtern
und moeglichst mit den Funktionen eines Krankenwaerters vertraut sein,
sowie die Zentralheizung sachgemaeß bedienen und Gartenarbeiten verrichten koennen.."

Vielen Leute gab das Krankenhaus als Zulieferer eine dauerhafte Beschaeftigung.

1912 erbaute man in Weilburg mit obigem Muehlenbesitzer, der seinen Mahlbetrieb
auf Stromerzeugung umbauen lies, das oertliche Stromnetz auf.
Nun bekam das Krankenhaus Licht und ein Roentgengeraet, Lichtbad,
Sterilisation und ein "Streckbett".
Die Anlagen haben sich wohl gelohnt und wurden auch von ausserhalb besucht- z.B.
von den evangelischen und katholischen Schwesternstationen, die noch immer wie zu vor -
fuer die ambulante Versorgung vorhanden blieben.
Erste 1936 kam ein aseptischer Operationsraum und ein diagnostischer Roentgenapparat
und eine medizinische Badeanstalt dazu.

Die Chronik berichtet 1937: "Die Maggigesellschaft teilt mit, daß eine
Preisherabsetzung stattgefunden habe- die diesem Zweckverband angeschlossenen Krankenanstalten bekommen
Vorzugspreise: Maggis gekoernte Fleischbruehe die 4kg Buechse RM18,60, der 10kg Eimer RM44,00,
Maggis Fleischbruehpaste (fettreich) der 4 1/2kg Eimer RM20,45 und der 10kg Eimer RM41,70"

1951 kamen Erweiterungsbauten, zwischenzeitlich wurde noch eine Station ausgegliedert-
so waren 140 Betten vorhanden, sogar mit Destillationsraum und Waescherei-
Wohnraeume fuer die Schwestern und.. ein Schweinestall war vorgesehen!

Die Zeit des 2.WK erspare ich uns, die aus dem Kadavergehorsam der Kaiserzeit entstand,
die der gute "Fuehrer" im fernen Berlin nur zu geschickt aufgriff um dem persoenlichen Groeßenwahn
zur Bluete zu verhelfen- dabei ging ein ganzes Volk unter, das blind dessen Hirngespinsten glaubte-
angefeuert von der Kanzel und besonders von den Gymnasien und hoeheren Schulen.
Ein einziges Land gegen den Rest Europas, sogar gegen Amerika- das war wohl so,
als kaempfte die Schweiz (vergisst man mal den Neutralitaetsstatus)
alleine gegen das vereinte Europa oder Kuba gegen die USA.
In den 1970iger Jahren drehten Gutmenschen den Spieß um, suchten in allem und jedem Ewiggestrige
und bauten so eine gegenteilige Ideologie, die heute bereits bedenkliche Auswuechse zeigt,
weil in dessen Windschatten eine richtig boesartige Religion andere Menschen als "Unglaeubige" bezeichnet,
"die man ohne Suende erschlagen darf". Rassismus hat immer mehrere Seiten, Intoleranz kann auf allen Seiten stattfinden und ist (leider) kein Zeichen von nur einer Denkweise.

Die Geschichte der Stadt Weilburg offenbarte mir einige alte Beschreibungen, Gemaelde,
Stiche und Drucke, die ein wenig Licht ins Dunkel brachten.
Dabei bin ich auf ein Buechlein gestoßen, das "Zuenftig zum Orient" titelte:
1940 erzaehlt der Sohn des Max Hultsch aus dem vergilbten Tagebuch seines Vaters,
das er aus seinen Wanderjahren nach Hause brachte. Gefaehrliche Krankheiten und chronischer Geldmangel,
freundliche Aufnahmen und Diebe, Priester und andere Heilige,
sowie die Erkenntnis "in einem Land ohne Liebe,
wie im mohamedanischen Aegypten erkannte ich, daß wir die aufopfernde Hilfe von Pflegerinnen und Krankenhaeuser
als viel zu selbstverstaendlich ansehen"
liesen dieses Buechlein entstehen.
Die "christliche Liebesarbeit habe unserer Kultur einen großen Segen beschert".
Das hat den Wandersburschen sehr beeindruckt, wie die Ordensleute Tag fuer Tag tausenden von Kranken halfen,
fuer die es in deren Laendern kein Ueberleben gegeben haette.. als Baeckergesell
auf Wanderschaft in drei Weltteilen, ein lesenswertes Stueck Vergangenheit.
PS: Aus dem Nichts hat der Autor des vergilbten Tagebuches eine groeßere Fabrik
fuer Kinderzwieback gezaubert- die, nun schließt sich der Kreis, in Weilburg eine Fabrik fuer Bretzel
und Laugengebaeck unterhielten. Heute leider nicht mehr existent.




32.

Geschichtliches



1794 schrieb der Geheimrat Isaac von Sinclair an den Hofrat Jung in Mainz:
"Ach! Geben sie bitte das liebe Homburg nicht so leicht auf! Es ist immer der Ort, der einzig in seiner Art ist:
Denn es ist vielleicht der einzige a proportion seiner Groesse, wo so wenig ab origines
und so viele Fremdlinge aus allen Zonen sind, die oft das Spiel des Schicksals waren
und alle sehr heterogen und oft originell sind.
Das Schoenste dabei ist, dass das Staatsband, das sie zusammenhaelt, so lax ist.
Dass sie sich nicht mehr aneinander abschleifen, jeder duenkt sich sein eigener Herr
und behaelt seine Ecken und Eigenheiten bei.
Doch ist der Ort so klein und die Verhaeltnisse so gedraengt beisammen,
dass trotz ihrer Independenz alle diese Personen immer in Collisionen kommen.
Es ist gewiss einer der Orte, wo man die meisten Erfahrungen machen kann,
und wo es, a proportion, die meisten Erfahrungen machen kann, und wo es
a proportion, die meisten interessanten Leute gibt.
Freilich, wenn man das Angenehme dieses wunderbaren Zusammenflusses von Menschen geniessen soll,
so muss das Band der Geselligkeit sie verbinden"

1799 schreibt Friedrich Hoelderlin, wohnhaft bei Hofglasermeister Wagner in der Haingasse, an seine Schwester:
"Das Staedtchen liegt im Gebirg, und Waelder und geschmackvolle Anlagen liegen rings herum;
ich wohne gegen das Feld hinaus, habe Gaerten vor dem Fenster und einen Huegel mit Eichbaeumen,
und kaum ein paar Schritte in ein schoenes Wiesental!
Da geh ich dann hinaus, wenn ich von meiner Arbeit muede bin, steige auf den Huegel
und setze mich in die Sonne, und sehe ueber Frankfurt in die weiten Fernen hinaus,
und diese unschuldigen Ausblicke geben mir dann wieder Mut und Kraft zu leben und zu schaffen.
Liebe Schwester! Es ist so gut, als ob man in der Kirche gewesen waere,
wenn man so mit reinem Herzen und offenem Auge Licht und Luft und die schoene Erde gefuehlt hat."

Karl August Varnhagen von Ense in einer Tagebuch-Notiz von 1844:
" Im Kurgarten unterhalb der Terrasse hatten wir ein kleines Schauspiel anzusehen.
Der Prinz und die Prinzessin von Preussen kamen mit dem Herzog von Nassau
und Prinzen Friedrich von Wuerttemberg langsam heran, setzten sich dann auf ein paar Baenke
und mehrere Herren standen umher oder gingen ab und zu.
Der Praesidialgesandte der Bundesversammlung Graf von Muench-Bellinghausen
war von Frankfurt gekommen, sprach lange mit Koenigsmarck, ging dann die Terrasse hinab, reckte sich,
spreizte sich, setzte sich auf einen Stuhl, aber es gelang ihm nicht, sich bemerkbar zu machen,
der Pfau verbiss seinen Aerger und hielt sich zu Herrn und Frau Bethmann,
die auch aus Frankfurt gekommen waren;
endlich erbarmte sich jemand und machte den Prinzen aufmerksam, der lies denn den Grafen kommen,
aber die Bethmanns auch, und der Graf hielt sich nicht fuer genugsam ausgezeichnet.
Da musste man staunen, wie der Mann sich buecken und gleich wieder stolz gerade machen konnte,
ja sich hinten weit ueberbog.
Als der Prinz und die Prinzessin nach einiger Zeit weggingen und der Graf entlassen war,
zog er eben so hintenuebergebogen mit grimmig wichtigen Mienen ab.
Das Ganze war hoechst ergoetzlich.."

Fachwerk war schon immer fraenkisch-hessisch in der Mitte Deutschlands vertreten.
Der signifikante Unterschied in den verschiedensten Bauweisen ist nicht so sehr die Umstellung von der Staender- zur Raehmbauweise, sondern vielmehr die nach 1800:
Etwa in dieser Zeit verschwand das krumme Holz aus der Konstruktion, das des Zimmermanns Kunst war.
Nun konnte er das Holz nach Laenge, Dicke, Breite und Anzahl auf einer Holzliste vermerken und beim Saegewerk bestellen.
Er war sozusagen vom Wald geloest und dem, was dieser gerade an Holz geboten hat.
Holz, besonders Eichenholz wurde in der Geschicht oft genug sehr knapp, so dass man sogar verboten hat,
die Schwelle zu setzen, das erste waagrechte Balkenstueck auf der Grundmauer, das die senkrechten Stuetzen trug
und gegen Verrutschen sehr gut absicherte.
(Deshalb musste spaeter unter der Geschossdecke mit querlaufenden Konstruktionen gearbeitet werden.)
Wie auch immer, das Konstruktionsmerkmal "Mann" oder "wilder Mann", jene krummen und quer verlaufenden
Absicherungen der Senkrechten verschwanden nach dieser Zeit, zu Gunsten einer besseren Symetrie.
Ich sehe heute noch einen Sinn im Fachwerk, solange es um ein- oder eineinhalb geschossige Bauten geht.
Huebsch anzusehen, zeitlos und sie fuegen sich gut in die Landschaft ein.

Das Aussehen von Fachwerken richtete sich freilich auch nach den vorhandenen Materialien,
die man zum Ausbau der Gefache nehmen konnte:
Wo es Ton fuer Backsteine gab, waren die Gefache gerader, wo Geflechte genommen wurden,
die mit Lehm ausgeschmiert waren, konnten krummere Hoelzer genommen werden.
In Gegenden ohne Ton und ohne Lehm blieb nur die Blockbohlenbauweise (Schwarzwald)

Wie die Leute in den Gegenden, so waren auch die Fachwerke- mal ernster, sachlicher,
mal kuenstlerisch oder froehlich - es ist schon ein heftiger Unterschied in der hessischen Bevoelkerung,
die vom Rheingau, Franken, Korbacher und Schottener geht. Wir hier an der Lahn haben ein wenig
von allen vorzuzeigen - auch nicht schlecht!

Hausinschriften waren recht haeufig zu sehen, genau wie individuelle Grabinschriften.

Erst nach dem WKII hat man die Fachwerk-Konstruktionen wieder unter dem Putz hervor geholt-
bei den Fachwerkhaeusern nach 1800 werden wohl die meisten mit Putz ueberzogen gewesen sein-
zumal die Hoelzer gerade waren und dem nicht so sehr entgegen standen.

Mir faellt bei der umfangreichen Lektuere auf, dass noch bis in das 20.Jhd von Strassenverkehr
kaum die Rede sein konnte- ueberall war laendliches Idyll angesagt, selbst in der Gross-Stadt Frankfurt:
Maegde mit Wassereimern, Frauen mit Einkaufskoerben, ab und zu ein Hund, spielende Kinder auf
den Strassen, Leiterwagen mit hochgeklappter Zugdeichsel.
Ein Mann mit einer Kiepe, in der Backwaren oder Obst transportiert wurden, eine Kaese-Frau
mit Tracht und Henkelkorb, die von Haus zu Haus ging...
man soll es nicht fuer moeglich halten, aber in kleineren Landstaedten liefen vom Hof
die Gaense mal eben ueber die Strasse, desgleichen die Huehner !

1781 - Verschleppungen nach Amerika- der gute Fuerst lies die kuenftigen Soldaten shanghaien,
betrunken machen, arglistig unterschreiben- und schon kaempften sie als Hessen in Amerika
fuer die Nordstaaten, manchmal sogar gegen Hessen auf der Seite der Suedstaaten..
Viele deutsche Einwanderer in die Staaten haben Karriere gemacht und zum Wohl
maßgeblich beigetragen, lange bevor die juedischen Emigranten kamen.

Sehr viel frueher schrieb Tacitus : " Noerdlich des Zehntlandes finden wir die Chatten.
Ihr Land beginnt am hercynischen Walde; es ist nicht so flach und sumpfig wie das anderer germanischer Staemme.
Ueberall erheben sich Huegel, ganz allmaehlich nur werden sie seltener;
und wo sie aufhoeren, endet auch das Land der Chatten.
Es sind besonders kraeftige menschen von gedrungenem Koerperbau;
ihr Blick ist durchdringend, ihr Geist aeusserst rege.
Beruecksichtigt man, dass sie Germanen und keine Roemer sind,
so findet man bei ihnen viel kluge Berechnung und Geschick.
Sie machen die rechten Maenner zu Fuehrern und hoeren dann auch auf sie.
Sie verstehen im Kampf Reih und Glied einzuhalten, wissen Bloeßen beim Gegner
wahrzunehmen, den richten Augenblick zum Angriff abzupassen und den Tag zweckmaeßig einzuteilen.
Fuer die Nacht verschanzen sie sich. Sie verlassen sich nicht auf das Glueck,
sondern setzen ihr Vertrauen in die Tapferkeit. Vor allem aber, was aeußerst selten
und eigentlich nur bei der roemischen Kriegszucht berechtigt ist,
sie bauen noch mehr auf ihren Fuehrer als auf ihr Heer.
Ihre Hauptstaerke liegt bei dem Fußvolk, das uebrigens außer den Waffen
auch noch Schanzgeraet und Verpflegung mit sich fuehrt.
Kurz gesagt: Die anderen Germanen ruecken zur Schlacht aus, die Chatten dagegen ziehen in den Krieg.
Einzelvorstoeße und Zufallsgefechte sind bei ihnen selten.
Allerdings ist es ja auch mehr die Art berittener Verbaende, durch raschen Angriff
einen Erfolg zu erringen und dann ebenso schnell wieder zu verschwinden.
Behendigkeit wird leicht als Angst gedeutet, behutsames Vorgehen als Festigkeit gewertet.
Eine Eigentuemlichkeit, die sich auch bei anderen Germanenstaemmen findet -
allerdings nur selten und als Kennzeichen fuer den persoenlichen Wagemut des einzelnen -,
ist bei den Chatten nur allgemeinen Sitte geworden. Sobald sie mannbar geworden sind,
lassen sie Haar und Bart ungepflegt wachsen und legen diese Haartracht,
durch die sie sich feierlich zur Mannhaftigkeit verpflichtet haben, erst dann ab,
wenn sie einen Feind erschlagen haben. Ueber dem blutenden Feind und der
Waffenbeute stehend, machen sie sich die Stirn frei; jetzt erst glauben sie sich ihr Leben verdient
zu haben und des Vaterlandes wie ihrer Eltern wuerdig zu sein.
Feige und Schwaechlinge behalten ihren wilden Haarwust.
Die Tapfersten unter ihnen tragen außerdem noch einen eisernen Ring, bei diesem Volk ein Zeichen der Schande,
gleichsam als eine Art Bindung so lange, bis sie sich durch Toetung eines Feindes losgekauft haben.
Sehr viele Chatten gefallen sich in diesem Schmuck und werden mit diesem Abzeichen grau;
Freund und Feind zeigen dann gleichermaßen mit Bewunderung auf Maenner, die so kenntlich sind.
Von diesen Maennern werden alle Schlachten eroeffnet, sie stehen in vorderster Front, fuchtbar anzuschauen;
und auch im Frieden mildert sich ihr Gesichtsausdruck nicht.
Keiner von ihnen hat ein Haus oder Landbesitz oder sonst eine Beschaeftigung. Wo sie hinkommen,
werden sie bewirtet. Fremdes Gut verschwenden sie, eigenes verachten sie,
bis Alter und Entkraeftung solch rauhem Heldentum ein Ziel setzen."

Die Geschichts-Seiten sind irgendwie an ihrem Ende angekommen,
zumal tatsaechlich fast nur Ortschroniken zu deren Ziel haben beitragen koennen:
Es ging immer um die kleinen Leute, diejenigen, die keine Gewogenheiten bei den Hohen
oder großen Tieren hatten, die ihren Kindern keine gehobene Schulausbildung
-mit den entsprechend langen Nachhilfestunden- geben konnten, die keinen reichen Onkel hatten.
Der Kontakt mit den "schoenen Kuensten" und der "Bildungselite" war mir schnell ueber,
ja inzwischen sind mir entsprechende Buecher ueber deren Leben derart zuwider,
daß mir der Ausdruck in den Sinn kommt, der das Gegessene eher wieder heraus kommen laesst,
als dieses sinngerecht zu verdauen..
..angewidert wende ich mich wieder den bodenstaendigen Dingen zu !
Nach diesen "angenehmeren Dingen", die sich als das Putzen des Hauses entpuppten-
die am aergsten anstehende Arbeit- besann ich mich zum Kaffee mit Doppelkeks (nur einen!)
noch einmal in das Buch zu sehen. Jeder bekommt eine zweite Chance.
So blaetterte ich die Grimms und die Goethes weiter und fand Otto Baehr, "Das Haus und seine Einrichtungen,
ca 1820" als wichtige Zeitstudie:

"Der Einfachheit der Nahrungsmittel entsprach auch die Einfachheit der Wohnungen.
Man hatte damals nur staedtisch angelegte Wohnhaeuser.
Diejenige Art von Haeusern, die wir heute mit dem Namen Villen bezeichen, war noch unbekannt.
Wurden auch hie und da in die vor den Thoren gelegenen Gaerten Haeuser zum staendigen Wohnen gebaut,
so wurden diese doch dicht an der Straße gesetzt und ganz nach Art der Stadthaeuser errichtet.
Bei den Haeusern herrschte der Holzbau vor.
So wurde z.B. die unter Kurfuerst Wilhelm II gegen Ende der 1820er Jahre angelegte
neue Straße (Artilleriestraße) durchweg in Holzfachwerk erbaut.
Ebenso auch die Haeuser der um das Jahr 1838 erbauten Wolfsschlucht.
Erst seit etwa vierzig Jahren ist der Steinbau mehr und mehr aufgekommen.
Durch die daran sich knuepfende Folge, daß die Waende der Haeuser staerker
hergestellt werden, sind ohne Zweifel die Wohnungen waermer und gesuender geworden.
Ganz unbekannt war die Verwendung von Eisen zum Hausbau.
Als man im Jahre 1851 zuerst hoerte, daß in London ein Industriepalast
nur von Glas und Eisen gebaut werden sollte, staunte die Welt.
Wo man jetzt eiserne Saeulen setzt, verwendete man frueher hoelzerne Staender.
Solche dicken Holzstaender trugen auch frueher noch die Logenreihen im Kasseler Theater;
und wer das Geschick hatte, hinter einem solchen zu sitzen, sah nur die Haelfte des Schauspiels.
Erst neuerdings sind dieselben durch schlanke eiserne Saeulen ersetzt worden.
Von alters her sind die Haeuser in Kassel nicht fuer den Eigentuemer allein bestimmt,
sondern zugleich zum Vermieten eingerichtet gewesen.
Die Wohnungen waren frueher ziemlich knapp.
Jeder suchte so viel wie moeglich sich einzuschraenken.
Die besseren Zimmer waren auch damals schon tapeziert,
das Holzwerk meist mit weißer Oelfarbe gestrichen.
Einen Anstrich mit dunkler Oelfarbe kannte man nicht.
Die Tapeten waren nicht immer geschmackvoll.
Auch gruene Tapeten scheute man noch nicht.
Die minder guten Raeume waren in Kalkfarbe gelegt.
Die Fußboeden waren einfach gedielt.
Angestrichene oder gebohnerte Fußboeden waren unbekannt.
Parketboeden waren aeußerst selten.
In einfachen Buergerwohnungen wurden die Wohnzimmer noch mit Sand bestreut.
Fast ganz allgemein war das Sandstreuen auf den Treppen im Hause.
Die Zimmerdecken waren geweißt.
Verzierte Plafonds hatte man nur selten.
Fuer die Fenster waren zwar die kleinen runden Scheiben, wie sie vielfach
noch auf den Doerfern sich fanden, in der Stadt schon verschwunden.
Gleichwohl waren auch hier die Scheiben noch so klein, daß deren vier
oder sechs den Fensterfluegel fuellten.
Sie waren in der Regel in Blei gefaßt.
Erst spaeter wurden die groeßeren, in Holz gefaßten Scheiben ueblich,
deren zwei oder drei auf den Fluegel gingen.
Fensterfluegel mit nur einer Scheibe sind erst innerhalb der letzten Jahrzehnte aufgekommen.
Auch an die Moeglichkeit von Doppelfenstern dachte damals niemand.
Oefen hatte man verschiedener Art.
Die aufgemauerten -sogenannten Berliner- Oefen waren in Kassel ganz unbekannt.
Einigermaßen vertreten wurden sie durch die Kacheloefen mit Thonaufsaetzen,
welche noch aus aelterer Zeit in vielen Haeusern vorhanden waren.
Fuer kleine Raeume waren die sogenannten Windoefen -Kanonenoefen- beliebt.
Sie wurden ebenso schnell warm, als sie wieder kalt wurden.
Haeufig wurde ueber schlechtes Heizen der Oefen geklagt.
Ein Grund davon lag ohne Zweifel in der schlechten Bauart der Schornsteine,
die in unverstaendiger Weise angelegt waren.
Dieselben konnten auch nicht durch Ausbrennen, sondern nur mittels
des durchkriechenden Schornsteinfegers gereinigt werden.
Die meisten Oefen waren fuer den Brand von Kohlen eingerichtet,
wodurch die frueheren fuer den Haushalt so bequemen Rauchkammern abfaellig geworden waren.
Gebrannt wurden in Kassel die Braunkohlen der nahen Bergwerke.
Steinkohlen aus der Ferne herbeizuschaffen, war damals unmoeglich.
Jetzt verdraengt bereits die Steinkohle vielfach die Braunkohle.
In der Kueche wurde in der Regel Holz gebrannt.
Der Herd war in den meisten Haeusern nichts weiter als ein gemauerter Aufsatz,
in welchem als Feuerstelle eine Vertiefung mit Rost sich befand.
Die Toepfe umstanden das offen brennende Feuer, welches mit Holzklibbern unterhalten,
oft auch noch mit einem hoelzernen Blasrohr angeblasen wurde.
Jedoch hatte man fuer die Anfertigung von Braten oefters einen besonderen Bratofen.
Ueber dem Herde oeffnete sich in weitem Busen der Rauchfang,
aus welchem der Schornstein unmittelbar ins Freie fuehrte.
Auch der unentbehrliche Ausguß fuer das Spuelwasser, der Gossenstein, ging unmittelbar ins Freie hinaus.
Die Kuechen waren deshalb meist zugig und kalt.
Man hatte auch schon damals in besseren Haeusern -Sparherde- mit einer eisernen Platte, welche, um gut zu heizen, gesprungen sein mußte.
Aber sie bildeten die Ausnahme.
Ofenartige Herde, wie man sie jetzt besitzt -in Berlin die Maschine genannt- kannte man garnicht.
Ebenso unbekannt waren in den Haeusern die Bequemlichkeiten, die man heute mit dem Namen Watercloset bezeichnet.
Die Aborte fuehrten haeufig noch in die zwischen Haeusern liegenden offenen Winkel
oder in schlecht abfließende Kanaele, was ihren Besuch nicht angenehmer machte.
Auch die haeuslichen Einrichtungen waren im Durchschnitt sehr einfach.
Von einem stilvollen Zimmerputz wußte man noch nichts.
Die Moebel waren oft von geringem Geschmack.
Vorherrschend war das polierte Kirschholz.
Mahagoni galt als etwas besonders feines.
Auch Polstermoebel mit Sprungfedern fanden sich nur in den besseren Haeusern.
Moebel mit Schnitzwerk kannte man gar nicht.
Einige Zeit hindurch war die Verzierung der Moebel mit Bronze stark in Mode.
Das Kunsthandwerk hatte nur selten Gelegenheit sich zu bethaetigen.
Im Jahre 1826 ließ der Kuerfuerst fuer seine Tochter, die Herzogin von Meiningen,
bei dem Schreinermeister Krug in der Wildemannsgasse eine prachtvolle
Wiege anfertigen, welche vor der Absendung oeffentlich gezeigt wurde.
Auch wir Schuljungen liefen dorthin.
Im allgemeinen aber hatte man keine Vorstellung davon, daß in dem Hausgeraete
ein Kunstsinn sich erweisen koenne.
So wie die Fensterscheiben, waren auch die Spiegel noch klein.
Groeßere Spiegel wurden aus mehreren Stuecken zusammengesetzt.
Es fehlte die Kunst, Glas in großen Platten zu erzeugen.
Die Waende schmueckte man auch schon damals gern mit eingerahmten Bildern.
Die Rahmen waren von Holz, braun oder schwarz poliert.
Goldrahmen hielt man nur fuer Oelgemaelde passend, deren Besitz aber selten war.
Die jetzt allgemein ueblichen Rahmen von Goldleisten fehlten, da man sie noch nicht herzustellen verstand.
Pendeluhren als Hausrat waren beliebt, namentlich solche mit Schlagwerken.
Die Gehaeuse waren oft geschmacklos.
Vielfach traf man auch noch aus aelterer Zeit Stehuhren in Gehaeusen von mehr als Manneshoehe.
Teppiche, durch das ganze Zimmer gelegt, gab es wohl nur in vornehmen Haeusern.
Aber selbst kleinere Teppiche, Vorlagen vor das Sofa etc waren selten vorhanden.
Noch hoerte man nirgends am Sonnabend das melodische Getoen des Teppichklopfens.
Vorhaenge vor den Fenstern hate man schon allgemein.
Sie waren durchweg weiß, meist von einfachem Zeug.
Dunkle Vorhaenge, wie sie jetzt oft vorkommen und dazu bestimmt scheinen,
eine staendige Daemmerung im Zimmer zu schaffen, waren nicht ueblich.
Portieren waren ganz unbekannt.
Zum Aufstecken der Vorhaenge kam nicht leicht ein Tapezierer in das Haus.
Das besorgte die Hausfrau selbst.
ueberhaupt wurde nicht bei jeder Gelegenheit zu einem Handwerker geschickt.
In jeden Haushalte fand sich das noetigste Handwerkszeug -Hammer, Zange etc.- und damit wurde sich geholfen.
Viele Buerger- und Beamtenfamilien hatten neben ihrem Wohnzimmer noch eine gute Stube,
welche nur fuer Besuch geoeffnet wurde.
In ihr standen die guten Moebel, die Polster von Sofa und Stuehlen darin fuer gewoehnlich
mit weißen oder gewuerfelten Schutz-Ueberzuegen bedeckt.
In ihr standen die Schaustuecke der Familie, meist von den Eltern ererbt,
chinesische Porzellanvasen, Uhren mit Glockenspiel und aehnliche Sachen;
mitunter auch noch ein Potpourri, dh. eine große Vase, in welche allerhand
wohlriechende Dinge -Rosenblaetter, Lavendel- hineingeworfen wurden.
Auf der ganzen Stube lagerte ein eigentuemlicher Duft, und den Kindern galt sie als ein Heiligtum.
Ich erinnere mich noch, mit welcher Ehrfurcht ich die gute Stube einer befreundeten Buergerfamilie betrat,
in welche wir Kinder mitunter hineingelassen wurden,
und in der mir vorzugsweise zwei in Rokoko-Goldrahmen eingefaßte Spiegel
einen Eindruck machten, welche gerade einander gegenueber hingen und dadurch eine Perspektive in die Unendlichkeit eroeffneten.
Noch mag hier erwaehnt werden, daß der heute so lebendige Sinn,
welcher an Hausrat aus aelterer Zeit Freude findet und welcher Rokoko-Moebel wieder
zu einer foermlichen Modesache erhoben hat, damals gaenzlich fehlte.
Man betrachtete alte Sachen, soweit sie nicht von ganz besonderem Wert oder im Haushalt
unentbehrlich waren, als abgethan und stellte sie in die Rumpelkammer.
Fuer die Betten bildeten Pferdehaar - Matratzen die Ausnahme.
Von Sprungfeder-Matratzen habe ich um jene Zeit nie etwas vernommen.
Vorherrschend war das Federbett, welches ueber dem grundlegenden Strohsack
sich ausbreitete und oft zu einer ansehnlichen Hoehe stieg.
Winter und Sommer versenkte man sich in ein solches.
Im Winter diente auch eine Federdecke zum Zudecken, waehrend man fuer den Sommer leichtere Decken besaß.
Sehr haeufig begegnete man noch den Himmelbetten, deren Himmel in der Regel aus gewuerfeltem Kattun bestand.
Wo sich Hausungeziefer fand, war man auch damals schon bemueht, dasselbe energisch zu bekaempfen.
Aber es fehlte das durchgreifende Mittel des persischen Insektenpulvers.
Auch in dem Petroleum ist ein solches Mittel neu erstanden.
In der Kueche hatte man, wie jetzt, Geschirr von verschiedener Form und verschiedenem Material,
kupferne, eiserne und irdene Toepfe.
Die eisernen waren im Innern noch nicht glasiert und mußten deshalb
einem energischen Auskochungsprozeß unterworfen werden, wenn sie nicht schwarz kochen sollten.
Luftdicht verschließbare Toepfe kannte man nicht.
Fuer Mittags- und Abendessen wurde der Tisch auch damlas, wie jetzt, weiß gedeckt,
und fuer jeden Tischgast eine Serviette aufgelegt.
Als Tischgeschirr diente meist schon Porzellan.
In manchen, auch wohlhabenden Buergerfamilien speiste man jedoch noch von zinnernen Tellern und Schuesseln.
Silberne Loeffel waren meist in Gebrauch.
Die Gabeln waren, so wie die Messer, von Eisen.
Gabeln von Argentan waren noch unbekannt.
Jetzt ist das Argentan bereits ueberholt durch das Alfenide.
Gegessen wurde natuerlich wie jetzt; aber es dachte noch niemand daran, daß es vornehmer sei,
die Gabel mit der linken Hand zum Munde zu fuehren.
Als Beleuchtungsmittel kannte man fuer gewoehnliche Haushaltungen nur Tag und Oel.
Zwar gab es auch Wachskerzen; sie waren aber sehr teuer, und wurden deshalb,
außer in Kirchen, nur bei Hof und in sehr vornehmen Zirkeln gebrannt.
In buergerlichen Kreisen hielt man sich hoechstens einen Wachsstock
zum augenblicklichen Anzuenden fuer kleinere Gaenge.
Stearin war noch nicht erfunden.
Gas kam erst weit spaeter nach Kassel.
Petroleum ist erst seit etwa zwanzig Jahren nach Europa gebracht worden.
Talglichter - die regelmaeßige Beleuchtung der Wohnzimmer - waren kein schoener Brand.
Ihre Helligkeit war zwar der der Stearinlichter ziemlich gleich.
Aber sie verduesterten alle Viertelstunden, bis sie wieder geputzt waren.
Fuer diesen Zweck stand eine Lichtputzscheere -auch kurzweg Lichtputze genannt-,
meist in einem lackierten blechernen Schiffchen, neben dem Leuchter.
Putzte man das Licht ungeschickt, so erlosch es, und die Gesellschaft saß ploetzlich im Dunkeln.
Oefters mußte auch ein "Dieb" vom Lichte genommen werden.
Um das Licht auszuloeschen, durfte man es nicht ausblasen,
weil es sonst einen sehr haeßlichen Geruch verbreitete; man mußte es mit einem kleinen
Kluempchen Talg, das man an die Spitze der Lichtputze nahm, ersticken.
Auch die Oellampen gaben nur ein maeßiges Licht.
Die meisten waren so eingerichtet, daß ihre Flamme offen brannte.
Man war noch nicht Herr der Kunst, durch einen geschlossenen Glascylinder die Leuchtkraft zu steigern.
Man hatte uebrigens fuer Gesellschaften auch schon groeßere, kuenstlich eingerichtete Lampen.
Selbstverstaendlich fehlten auch die schoenen Lampenschleier, die man jetzt besitzt.
In der Kueche herrschte allein das Oellicht, und zwar in der primitivsten Form als
offen brennende Lampe mit duennem Docht.
Vielfach war auch dort das "Hanglicht" in Gebrauch, eine Lampe ohne Fuß,
an einer aufwaertsgehenden Kette mit Haken befestigt,
mittels dessen man sie an hervorragende Gegenstaende -z.B. das Gesimse des Rauchfangs- haengen konnte.
Ein sehr bedeutsamer Fortschritt unserer Zeit liegt in der Art des Feueranzuendens.
Das gegenwaertige Geschlecht ist wohl kaum sich bewußt, welche Wohlthat
ihm angediehen sit durch die erst fuenfzig Jahre alte Erfindung des Streichholzes.
Bis zu dieser Erfindung war die Gewinnung des Feuers ziemlich muehselig.
Im Winter freilich hielt man meistens in dem Ofen oder Herde eine gluehende Kohle,
an welcher man ein Schwefelholz anstecken konnte.
Hatte man bereits eine lichte Flamme, so reichte ein Fidibus zum Weiterzuenden aus.
Der erloeschende Fidibus war dann die Freude der Kinder, welche darin hin und her ziehenden Funken beobachteten und sagten:
sie saehen die Leute aus der Kirche gehen;
der letzte Funken, welcher erlosch, war der "Kuester".
War aber Feuer im Hause nicht mehr vorhanden, so mußte man natuerlich ein solches
mit einem Feuerzeug anmachen.
Das gewoehnliche Feuerzeug bestand in Stahl, Stein und Schwamm.
Ein Stueckchen Feuerschwamm wurde auf den Stein gehalten, und dann wurde mit einem Stahl
so lange an der Schaerfe des Steines heruntergeschlagen,
bis der Schwamm von einem der herausspruehenden Funken Feuer gefangen hatte.
An dem glimmenden Schwamm hielt man dann ein Schwefelholz,
welches nach einiger Zeit in lichter Flamme brannte.
War aber eines dieser Ingredienzien schlecht, so konnte man sich lange abmuehen, bis man Feuer hatte.
Jedenfalls dauerte die Operation eine oder mehrere Minuten.
Nun hatte man freilich auch noch andere Feuerzeuge.
Es gab sogenannte Zuendmaschinen, in welchen Wasserstoffgas entwickelt
und dann beim Ausstroemen aus einem geoeffneten Hahn durch einen elektrischen Funken -
der einem im Fußgestell befindlichen Elektrophor entlockt wurde-
oder auch mit Hilfe eines Platina-Schwaemmchens in Brand gesetzt wurde.
Es gab ferner chemische Feuerzeuge, bei welchen man besondere Zuendhoelzer
in ein blechernes Buechschen tauchte, wo sie dann brennend wieder herauskamen.
Diese Vorrichtungen waren aber teils kostspielig, teils unsicher und unbequem,
weil sie immer wieder der Auffrischung bedurften.
Sie waren deshalb auch wenig in Gebrauch.
Allen diesen Dingen hat mit einem Schlage das Streichholz ein Ende gemacht.
Auch sind die in den ersten Jahrzehnten mit demselben verbunden gewesenen Unannehmlichkeiten
des ueblen Geruchs und der Feuersgefahr durch die Erfindung des schwedischen Feuerzeuges beseitigt.
Man geht jetzt damit so verschwenderisch um, daß man sich nicht scheut,
ein Streichholz zu verwenden, auch wo man eine brennende Flamme zum Anzuenden benutzen koennte.
Der Fidibus wird daher bald zu den ausgestorbenen Geschoepfen zu zaehlen sein.
Die Erfindung des Streichholzes hat noch einige Wirkungen geuebt,
die besonders hervorgehoben zu werden verdienen.
Vor zwei Menschenaltern galt noch als ein besonders wuenschenswerter Besitz
eine Repetier-Uhr, dh. eine Taschenuhr, welche auf einen Druck am Buegel die Stunde anschlug.
Gegenwaertig verlangt niemand mehr nach einer solchen.
Uhren dieser Art werden deshalb auch nicht mehr fabriziert und sind im Verkehr fast ganz verschwunden.
Der Grund fuer diese Erscheinung duerfte in dem Streichfeuerzeug liegen.
Der Hauptwert jener Uhren bestand darin, daß man nachts, wenn etwas vorfiel,
sofort, ehe man Licht hatte, erfahren konnte, wieviel Uhr es sei.
Das Beduerfnis hierfuer hat aufgehoert, seitdem das Lichtmachen nur einen Augenblick Zeit kostet.
Und damit sind auch jene Uhren wertlos geworden.
Auch Pendeluhren mit Repetierwerk, auf welches man frueher großen Wert legte,
sind ganz aus der Mode gekommen.
Ein andre Wirkung des Streichfeuerzeuges ist keine erfreuliche.
Es haben dadurch unzweifelhaft die Feuersbruenste sich vermehrt.
Sind auch die Gefahren, welche das fruehere Streichfeuerzeug mit sich brachte,
durch das schwedische Streichholz wesentlich verringert, so veranlaßt
doch auch dieses haeufig genug Braende dadurch, daß Kinder mit Feuerzeug gespielt haben.
Es liegt darin ein Zeugnis dafuer, wie unvorsichtig mit der Aufbewahrung der Feuerzeuge umgegangen wird.
Vielleicht wuerde sich das bessern, wenn die Feuerzeuge minder wohlfeil waeren.
Eine weitere Wirkung des Streichfeuerzeuges ist die, daß es unzweifelhaft die Sitte
des Tabakrauchens sehr gefoerdert hat.
Wir werden davon unten noch weiter reden. "

Die Lektuere ueber die Jugendzeit beruehmter Leute ist nicht so haeufig zu finden,
deshalb werde ich mal an die Arbeit gehen und die des August Bebel bringen,
wie er sie darstellt. "Jugend und Lehrjahre in Wetzlar, 1846-1858"
Diese Zeilen zeigen doch schon mal klarer das Bild des Lebens der einfachen Leute dieser Zeit!
"Unsere materiellen Verhaeltnisse konnten sich in Wetzlar nicht bessern.
Auf Pension konnte meine Mutter keinen Anspruch erheben.
Die einzige Unterstuetzung, die sie spaeter vom Staat erhielt,
bestand in 15 Silbergroschen pro Monat und Kopf von uns zwei Jungen.
Diese waren ihr gewaehrt worden, weil sie trotz des Abratens ihres ersten Ehemannes
uns beide als Kandidaten fuer das Militaerwaisenhaus in Potsdam angemeldet hatte.
Es war die Not, die sie dazu zwang; sie hatte zwar von ihrer mittlerweile gestorbenen Mutter
fuenf bis sechs Parzellen Land geerbt, die in den
verschiedensten Gemarkungen um Wetzlar herum zerstreut lagen.
Und sie hatte, der Not gehorchend, auch mehrere davon bereits verkauft, um leben zu koennen.
Aber dieser Verkauf fiel ihr herzlich schwer.
Ihr ganzes Dichten und Trachten war darauf gerichtet, uns den noch vorhandenen Besitz zu erhalten,
damit wir nicht gaenzlich mittellos in der Welt stuenden.
Was eine Mutter fuer ihre Kinder opfern kann, habe ich an der eigenen erfahren.
Einige Jahre lang hatte meine Mutter fuer ihren Schwager- einen Handschuhmacher-
weisse Militaer-Lederhandschuhe genaeht, das Paar fuer 6 Kreuzer, ungefaehr 20 Pfennig.
Mehr als ein Paar am Tag konnte sie aber nicht fertigen.
Dieser Verdienst war zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
Aber auch diese Arbeit musste sie nach einigen Jahren aufgeben,
denn auch sie war mittlerweile von der Schwindsucht ergriffen worden, die ihr in den letzten
Lebensjahren jede Arbeit unmoeglich machte.
Ich als Aeltester musste die Ordnung des kleinen HUaswesens, Stube und Kammer, uebernehmen.
Ich hatte Kaffee zu kochen, Stube und Kammer zu reinigen und sie samstaeglich zu scheuern;
ich musste das Zinn- und Blechgeschirr putzen, unser Bett machen usw.,
eine Taetigkeit, die mir nachher als Handwerksbursche und als politischer Gefangener sehr zustatten kam.
Da es meiner Mutter spaeter aber auch unmoeglich wurde, zu kochen,
ging jeder von uns beiden zu einer Tante zum Mittagessen, die sich zu diesem Liebesdienst bereiterklaerten.
Fuer die Mutter selbst holten wir abwechselnd bei verschiedenen bessersituierten
Familien das bisschen Essen, dessen sie benoetigte.
Um unsere Lange etwas zu verbessern, beschloss ich, als Kegeljunge taetig zu sein.
Nach Schluss der Schule ging ich zum Kegelaufsetzen auf die Kegelbahn in einer Gartenwirtschaft.
Von dort kam ich in der Regel erst abends gegen zehn Uhr nach Hause, am Sonntag weit spaeter.
Aber das fortgesetzte Buecken verursachte mir so heftige Rueckenschmerzen,
dass ich jeden Abend stoehnend nach Hause kam.
Ich musste diese Beschaeftigung einstellen.
Eine andere Beschaeftigung, an der wir Jungen beide teilnahmen,
war im Herbst das Kartoffellesen bei der Ernte auf den Aeckern einer unserer Tanten.
Es war, wenn es neblig, nass und kalt war, keine angenehme Beschaeftigung, von frueh
sieben bis zum Dunkelwerden auf den Kartoffelfeldern zu arbeiten,
aber es winkte uns als Lohn ein grosser Sack Kartoffeln fuer den Winter,
ausserdem erhielten wir jeden Morgen, wenn wir mit aufs Feld fingen, zur
Anregung ein grosses Stueck Zwetschgenkuchen, den wir beide leidenschaftlich liebten.
Als ich im dreizehnten und mein Bruder im zwoelften Lebensjahr stand,
kam vom Mi8litaerwaisenhaus die Nachricht, mein Bruder koenne einruecken.
Ich war auf Grund aerztlicher Untersuchung als koerperlich zu schwach dazu erklaert worden.
Jetzt sank aber meiner Mutter der Mut; sie fuehlte ihr Ende nahen, und so
glaubte sie es nicht verantworten zu koennen, dass mein Bruder fuer
zwei Jahre Militaererziehung nachher zu neun Jahren Militaerdienstzeit verpflichtet wurde.
Wollt ihr Soldat werden, so geht spaeter freiwillig, ich verantworte es nicht! Aeusserte sie zu uns.
So unterblieb der Eintritt meines Bruders in das Militaerwaisenhaus,
der fuer mich damals zu meinem Bedauern nicht in Frage kam.
Mein lebhaftes kindliches Interesse weckten die Bewegungsjahre 1848 und 1849.
Die Mehrzahl der Wetzlarer Einwohner war entsprechend den Traditionen der Stadt republikanisch gesinnt.
Diese Gesinnung uebertrug sich auch auf die Schuljugend.
Bei einer Disputation ueber unsere politischen Ansichten,
wie sie unter Schuljungen vorzukommen pflegt, stellte sich heraus,
dass nur ein Kamerad und ich monarchisch gesinnt waren.
Dafuer wurden wir beide mit einer Tracht Pruegel bedacht.
Wenn sich also meine politischen Gegner ueber meine antipatriotische Gesinnung entruesten,
weil nach ihrer Meinung Monarchie und Vaterland ein und daselbe sind,
so ersehen sie auch der vermeldeten Tatsache, vielleicht zu ihrer Genugtuung,
dass ich schon fuers Vaterland gelitten habe, als ihre Vaeter und Grossvaeter noch in ihrer Maienbluete
Unschuld zu den Antipatrioten gehoerten.
Im Rheinland war wenigstens zu jener Zeit der groessere Teil der Bevoelkerung republikanisch gesinnt.
Fuer meine Mutter brachte jene Zeit in ihr taegliches Einerlei insofern eine kurze Abwechslung,
als, ich glaube bei dem Rueckmarsch aus dem badischen Feldzug,
das Bataillon des 25. Infanterieregiments, bei dem mein Vater gedient hatte,
kurze Zeit in Wetzlar verblieb.
In demselben standen noch eine Anzahl Unteroffiziere, die meine Mutter von frueher her kannten.
Diese besuchten uns jetzt.
Auf ihr Draengen liess sich meine Mutter herbei, einen Mittagstisch fuer sie einzurichten.
Profitiert hat sie wohl nichts.
Ich hoerte eines Tages, dass zwei der Gaeste auf der Treppe beim Fortgehen
sich unterhielten und das Essen sehr lobten, sich aber auch wunderten,
dass es meine Mutter fuer so einen billigen Preis liefern koenne.
Sehr amuesant fuer uns Jungen waren die Bauernrevolten,
die sich in jenen Jahren im Wetzlarer Kreise abspielten.
Die Bauern mussten damals noch allerlei aus der Feudalzeit uebernommene Verpflichtungen erfuellen.
Da alles fuer die Freiheit und Gleichheit schwaermte, wollten sie jetzt diese Lasten auch los sein;
sie rotteten sich also zu Tausenden zusammen und zogen nach Braunfels vor das Schloss
des Fuersten zu Solms-Braunfels.
An der Spitze des Zuges wurde in der Regel ein grosse schwarz-weisse Fahne getragen,
zum Zeichen, dass man allenfalls preussisch, aber nicht braunfelsisch sein wollte.
Ein Teil des Haufens trug Flinten verschiedenen Kalibers, die grosse Mehrzahl aber Sensen,
Mist- und Heugabeln, Aexte usw.
Hinter dem Zug, der sich mehrfach wiederholte und stets unblutig verlief,
marschierte in der Regel die Wetzlarer Garnison, um den Fuersten zu schuetzen,
wenn sie nicht schon vorher ausgerueckt war.
Ueber die Begegnung der Bauernfuehrer mit dem Fuersten kursierten in Wetzlar sehr amuesante Erzaehlungen.
Die Wetzlarer blieben noch lange in ihrer oppositionellen Stimmung.
Als im Jahre 1849 oder 1850 der Prinz von Preussen, der spaetere Kaiser Wilhelm I.,
in Begleitung des Generals von Hirschfeld, der damals das 8. rheinische Armeekorps kommandierte,
auf seiner Inspektionsreise auch nach Wetzlar kam, wurde sein Wagen vor dem Tore mit Schmutz beworfen.
Ein Verwandter von mir, der sich bei einer Gelegenheit zum Sturmlaeuten hatte fortreissen lassen,
wurde mit drei Jahren Zuchthaus bestraft.
Fuer die Buergerwehr, die in den Bewegungsjahren auch in Wetzlar bestand,
hatte ich nur ein Gefuehl der Geringschaetzung, obgleich mehrere meiner Verwandten zu ihr
gehoerten, und zwar wegen der mangelnden militaerischen Haltung,
mit der sie ihre Uebungen vornahm.
Mit der wiederkehrenden Reaktion verschwand sie.
Das jahr 1853 machte meinen Bruder und mich zu Waisen.
Anfang Juni starb meine Mutter.
Sie sah ihrem Tode mit Heroismus entgegen.
Als sie am Nachmittag ihres Todestages ihr letztes Stuendlein herannahen fuehlte,
beauftragte sie uns, ihre Schwestern zu rufen.
Einen Grund dafuer gab sie nicht an.
Als die Schwestern kamen, wurden wir aus der Stube geschickt.
In truebseliger Stimmung hockten wir stundenlang auf der Treppe und warteten, was kommen werde.
Endlich gegen sieben Uhr traten die Schwestern aus der Stube und teilten uns mit,
dass soeben unsere Mutter gestorben sei.
Noch an demselben Abend mussten wir unsere Habseligkeiten packen und den Tanten folgen,
ohne dass wir die tote Mutter noch zu sehen bekamen.
Die Aermste hatte wenig gute Tage in ihrem Ehe- und Witwenleben gesehen.
Und doch war sie immer heiter und guten Mutes.
Ihr starben binnen drei Jahren 3 Ehemaenner, ausserdem zwei Kinder,
ausser meinem juengsten Bruder eine Schwester, die vor mir geboren worden war,
die ich aber nicht gekannt habe.
Mit uns zwei Bruedern hatte sie wiederholt schwere Krankheitsfaelle durchzumachen.
Ich erkrankte 1848 am Nervenfieber und schwebte mehrere Wochen zwischen Leben und Tod.
Einige Jahre danach erkrankte ich an der sogenannten freiwilligen Hinke,
kam aber mit geraden Gliedern davon.
Mein Bruder stuerzte, neun Jahre alt, beim Spiel in der Scheune
von der obersten Leiterstufe auf die Tenne herab und trub eine schwere Kopfwunde
und eine Gehirnerschuetterung davon.
Auch er entging nur mit genauer Not dem Tode.
Meine Mutter selbst litt mindestens sieben Jahre an der Schwindsucht.
Mehr Truebsal und Sorge konnten kaum einer Mutter beschieden sein.
Ich kam jetzt zu einer Tante, die eine Wassermuehle in Wetzlar in Erbpacht hatte;
mein Bruder kam zu einer anderen Tante, deren Mann Baecker war.
Ich musste jetzt fleissig in der Muehle zugreifen.
Besonderes Vergnuegen machte es mir, mit den beiden Eseln, die wir besassen,
Mehl aufs Land zu den Bauern zu transportieren und Getreide von ihnen in Empfang zu nehmen.
Am liebsten aber war mir, wenn ich nur wenig Getreide zum Ruecktransport erhielt,
dann konnte ich auf einem der Esel nach der Stadt reiten.
Das lies sich auch unser Schwarzer, der ein geduldiges Tier war, gefallen,
aber unser Grauer der jung und feurig war, dachte anders.
Er besass offenbar so etwas wie ein Standesbewusstsein, denn ausser der gewohnten Last
litt er keine fremde auf seinem Ruecken.
Als ich aber doch eines Tages auf seinem Ruecken Platz genommen hatte, setzte er sich sofort in Trab,
streckte den Kopf zwischen die Vorderbeine und schlug mit den Hinterbeinen nach Kraeften aus.
Ehe ich mich's versah, flogt ich in einem eleganten Bogen in den Strassengraben.
Gluecklicherweise ohne mich zu verletzen.
Er hatte seinen Zweck erreicht, ich lies in fortan in Ruhe.
Ausser den beiden Eseln hatte meine Tante ein Pferd, mehrere Kuehe,
eine Anzahl Schweine und mehrere Dutzend Huehner.
Und da sie auch Landwirtschaft betrieb, fehlte es nicht an Arbeit,
obgleich neben ihrem Sohn ein Muellerknecht - wie damals die Gesellen genannt wurden -
und eine Magd beschaeftigt wurden.
Hatte der Knecht keine Zeit, so musste ich Pferd und Esel putzen
und machmal auch das Pferd in die Schwemme reiten.
Die Sorge fuer die Huehnerhof war mir ganz ueberlassen.
Ich musste die Fuetterung der Huehner besorgen, die Eier aus den Nestern nehmen,
oder wohin sonst diese gelegt worden waren, und den Stall reinigen.
Bei diesen Beschaeftigungen kam Ostern 1854 heran.
Es folgte meine Entlassung aus der Schule, ein Ereignis, dem ich keineswegs freudig entgegen sah.
Am liebsten waere ich in der Schule geblieben.
Was willst due denn werden? war die Frage, die jetzt mein Vormund, ein Onkel von mir, an mich stellte.
Ich moechte das Bergfach studieren!
Hast du denn zum Studieren Geld?
Mit dieser Frage war meine Illusion zu Ende.
Dass ich das Bergfach studieren wollten, war dadurch veranlasste, dass,
nachdem im Anfang der fuenfziger Jahre die Lahn bis Wetzlar schiffbar gemacht worden war,
in der Wetzlarer Gegen der Eisenerzabbau einen grossen Aufschwung genommen hatte.
Bis dahin hatten Haufen Eisenerze fast wertlos vor den Stollen gelegen,
weil die hohen Transportkosten die Ausnutzung der Erze wenig rentabel machten.
Da auch dem Bergstudium nichts werden konnte, entschloss ich mich, Drechsler zu werden.
Das Angebot eines Klempnermeisters, bei ihm in die Lehre zu treten, lehnte ich ab,
der Mann war mir unsympathisch, auch stand er im Rufe eines Trinkers.
Drechsler wurde ich aus dem einfachen Grunde, weil ich annehmen durfte,
dass der Mann einer Freundin meiner Mutter, der Drechlsermeister war,
und der in der Stadt den Ruf eines tuechtigen Mannes genoss, bereit sein werde, mich in die Lehre zu nehmen.
Dies geschah dann auch.
Die Begruendung, mit der er meine Anfrage bejahte, war wunderlich genug.
Er aeusserte, seine Frau habe ihm erzaehlt, ich haette mein religioeses Examen
bei der Konfirmation in der Kirche sehr gut bestanden, er nehme also an,
ich sei auch sonst ein brauchbarer Kerl.
Nun war ich sich kein dummer Kerl, aber ich muesste die Unwahrheit sagen, wollte ich behaupten,
ich sei in der Drechslerei ein Kuenstler geworden.
Es gab solche, und mein Meister gehoerte zu ihnen, aber ich habe es trotz aller Muehe nicht
ueber die Mittelmaessigkeit gebracht, was nicht verhinderte, dass ich drei Jahre spaeter,
am Ende meiner Lehrzeit, fuer mein Gesellenstueck die erste Zensur bekam.
Meine physische Leistungsfaehigkeit wurde durch meine koerperlche Schwaeche beeintraechtigt.
Ich war ein ungemein schwaechlicher Junge, wozu wohl auch mangelhafte Ernaehrung beitrug.
So bestand unser Abendessen viele Jahre lang taeglich nur in einem maessig grossen Stueck Brot,
das mit Butter oder Obstmus duenn bestrichen war.
Beschwerten wir uns, und klagten taeglich, dass wir noch Hunger haetten,
so gab die Mutter regelmaessig zur Antwort:
Man muss manchmal den Sack zumachen, auch wenn er noch nicht voll ist.
Der Knueppel lag eben beim Hunde.
Unter sotanen Umstaenden war es erklaerlich, dass wir uns heimlich ein Stueck Brot abschnitten,
wenn wir konnten.
Aber das entdeckte meine Mutter sofort, und die Strafe blieb nicht aus.
Eines Tages hatte ich wieder dieses Verbrechen begangen.
Trotz aller Muehe, die ich mir gegeben hatte, den glatten Schnitt der Mutter nachzuahmen,
wurde am Abend die Tat von ihr entdeckt.
Ihr Verdacht fiel, ich weiss nicht warum, auf meinen Bruder,
der sofort mit der breiten Seite eines langen Buerolineals,
das aus der Vaeter Nachlass stammte, ein paar Schlaege erhielt.
Mein Bruder protestierte, er sei nicht der Taeter gewesen.
Das sah aber meine Mutter als Luege an, und so bekam er eine zweite Portion.
Jetzt wollte ich mich als Taeter melden, aber da fiel mir ein, dass das toericht waere;
mein Bruder hatte die Schlaege weg, und ich haette wahrscheinlich noch mehr als er bekommen.
Damit troestete ich auch meinen Bruder, als dieser nachher mir Vorwuerfe machte,
dass ich mich nicht als Taeter gemeldet hatte.
Es ist begreiflich, wenn jahrelang mein Ideal war, mich einmal an Butterbrot tuechtig sattessen zu koennen.
Meister und Meisterin waren sehr ordentliche und angesehene Leute.
Ich hatte ganze Verpflegung im Hause, das Essen war auch gut, nur nicht allzu reichlich.
Meine Lehre war eine strenge und die Arbeit lang.
Morgens 5 Uhr begann dieselbe und waehrte bis abends 7 Uhr ohne eine Pause.
Aus der Drehbank ging es zum Essen und vom Essen in die Bank.
Sobald ich morgens aufgestanden war, musste ich der Meisterin viermal je zwei Eimer
Wasser von dem fuenf Minuten entfernten Brunnen holen,
eine Arbeit, fuer die ich woechentlich 4 Kreuzer gleich 14 Pfennig bekam.
Das war das Taschengeld, das ich waehrend der Lehrzeit hatte.
Ausgehen durfte ich selten in der Woche, abends fast gar nicht und nicht ohne besondere Erlaubnis.
Ebenso wurde es am Sonntag gehalten, an dem unser Hauptverkaufstag war,
weil dann die Landleute zur Stadt kamen und ihre Einkaeufe an Tabakpfeifen usw. machten und Reparaturen vernehmen liesen.
Gegen Abend oder am Abend durfte ich dann zwei oder 3 Stunden ausgehen.
Ich war in dieser Beziehung wohl der am strengsten gehaltene Lehrling in ganz Wetzlar,
und oftmals weinte ich vor Zorn., wenn ich an schoenen Sonntagen sah, wie die Freunde
und Kameraden spazieren gingen, waehrend ich im Laden stehen und auf Kundschaft warten und
den Bauern ihre schmutzigen Pfeifen saeubern musste.
Nur am Sonntagvormittag, nachdem ich die Sonntagsschule nicht mehr besuchte,
wurde mir gestattet, zur Kirche zu gehen.
Dafuer schwaermte ich aber nicht.
Ich benutzte also die Gelegenheit, die Kirche zu schwaenzen.
Um aber sicherzugehen und nicht ueberrumpelt zu werden, erkundigte ich mich stehts zuerst,
welches Lied gesungen werde und welcher Pfarrer predige.
Eines Sonntags aber ereilte mich mein Geschick.
Beim Abendessen fragte mich der Meister, ob ich in der Kirche gewesen sei?
Dreist antwortete ich: Ja!
Er fragte weiter, was fuer ein Lied gesungen worden sei.
Ich hab die Nummer an, entdeckte aber zu meinem Schrecken,
dass sich die beiden Toechter, die mit am Tisch waren, kaum das Lachen verbeissen konnten.
Als ich nun auf die dritte Frage: Wer von den Pfarrern predigte denn?
auch eine falsche Antwort gab, schugen diese eine laute Lache auf.
Ich war hereingefallen.
Ich war zu frueh an die Kirchentuere gegangen, noch ehe der Kuester
die neue Liedernummer aufgesteckt hatte, und in Bezug auf den Namen
des Pfarrers war mir falsch berichtet worden.
Der Meister meinte trocken, es scheine, dass ich mir aus dem Kirchenbesuch nichts machte,
ich moechte als kuenftig zu Hause bleiben.
So war ein schoenes Stueck Freiheit verloren.
Ich warf mich nun mit um so groesserem Eifer auf das Lesen von Buechern,
die ich ohne Wahl las, natuerlich meistenteils Romane.
Ich hatte schon in der Schule meine Vorzugsstellun gegen Kameraden,
denen ich beim Loesen der Aufgaben half oder ihnen das Abschreiben derselben erlaubte,
dazu benutzt, sie zu veranlassen, mir zur Belohnung Buecher, die sie hatten, zu leihen.
Dadurch kam ich zum Beispiel zum Lesen von Robinson Crusoe und Onkel Toms Huette.
Jetzt verwandte ich meine paar Pfennige, um Buecher aus der Leihbibliothek zu holen.
Einer meiner Lieblingsschriftsteller war Hacklaender, dessen Soldatenleben im Frieden
mit dazu beitrug, meine Begeisterung fuer das Militaerwesen etwas zu daempfen.
Weiter las ich Walter Scott, die historischen Romane von Ferdinand Stolle, Luise Muehlbach usw.
Aus der Vaeter Nachlass hatten wir einige Geschichtsbuecher gerettet.
So ein Buch, das einen ganz vortrefflichen Abriss ueber die Geschichte Griechenlands und Roms enthielt.
Den Verfasser habe ich vergessen.
Ferner einige Buecher ueber preussische Geschichte, naturlich offiziell geeicht,
deren Inhalt ich so im Kopfe hatte, dass ich alle Daten in Bezug auf brandenburgisch-preussische Fuersten,
beruehmte Generale, Schlachttage usw. am Schnuerchen hersagen konnte.
Schmerzlich wartete ich auf das Ende der Lehrzeit, ich hatte sehnsucht,
die ganze Welt zu durchstuermen.
Aber so schnell, wie ich wuenschte, ging es nicht.
An demselben Tage, an dem meine Lehrzeit beendet war,
starb mein Meister, und zwa rebenfalls an der Schwindsucht, die damals in Wetzlar foermlich grassierte.
So kam ich in die seltsame Lage, an demselben Tage, an dem ich Geselle geworden war,
auch Geschaeftsfuehrer zu werden.
Ein anderer Geselle war nicht vorhanden, ein Sohn, der das Geschaeft haette fortfuehren koennen,
fehlte; so entschloss sich die Meisterin, allmaehnlich auszuverkaufen und das Geschaeft aufzugeben.
Fuer die Meisterin, die eine auffallend huebsche un fuer ihr Alter
ungewoehnlich ruestige Frau war, die mich stets gut behandelte, waere ich durchs Feuer gegangen.
Ich zeigte ihr jetzt meine Hingabe dadurch, dass ich ueber meine Kraefte arbeitete.
Von Mai bis in den August stand ich mit der Sonne auf und arbeitete bis abend 9 Uhr und spaeter.
Ende Januar 1858 war das Geschaeft liquidiert, und ich ruestete zur Wanderschaft.
Als ich mich von der Meisterin verabschiedete, gab sie mir ausser dem faelligen Lohn,
der pro Woche 15 Silbergroschen betrug noch einen Taler Reisegeld.
Am 1. Februar trat ich die Reise zu Fuss bei heftigem Schneetreiben an.
Mein Bruder, der das Tischlerhandwerk erlernte, begleitete mich ungefaehr eine Stunde Weges.
Als wir uns verabschiedeten, brach er in heftiges Weinen aus, eine Gefuehlsregung,
die ich nie an ihm beobachtet hatte.
Ich sollte ihn zum letzten Male gesehen haben.
Im Sommer 1859 erhielt ich die Nachricht, dass er binnen 3 Tagen einem heftigen Gelenkrheumatismus erlegen sei.
So war ich der letzte von der Familie.
Mein naechstes Ziel war Frankfurt a.M.
Von Langgoens aus benutze ich die Bahn und kam so noch am Abend des gleichen Tages in Frankfurt an,
wo ich in der Herberge zum Prinz Karl einkehrte.
Arbeit wollte ich noch nicht nehmen, so fuhr ich zwei Tage spaeter mit der Bahn nach Heidelberg... "

Ich bin von dieser Geschichte ziemlich durchgeruettelt worden und war der Meinung,
dass diese auf meine Seite gehoert ..


Die Autoren der Buecher sind schon lange tot, wenn aber nachfolgende Rechte
tangiert worden sein sollten, bitte ich um Abklaerung per E-Mail, damit die entsprechende
Zeile aus meinen Seiten heraus genommen werden kann.
Ansonsten gelten die Angaben in meinem Impressum.






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