Landfotografie




Exkursion "Geschichtliches", der 5. Teil


Diese Seite soll den Bogen zwischen der alten und der neuen Zeit unserer gemeinsamen Geschichte ziehen, die dann mit dem Denken
vor Ende des 19.Jhds. als "fertig" gelten darf - nur so kann man sich erklaeren, wieso die beiden Weltkriege kommen konnten..

Ein wenig Kulinarisches wird meine Seiten um die Geschichte, die eine der "kleinen Leute" oder der "Gemeinen" sein soll, beschließen;
alles ist gewuerzt mit persoenlichen Bemerkung und Anmerkungen, Ideen und Vorschlaegen..
Freilich ist noch nicht absehbar, wie weit sich die Geschichte entwickeln wird, diese Seite ist es nunmehr endlich doch!
Die Menschheitsgeschichte ist auch eine ueber die Esskultur und die Pflanzenzucht, kurz alles, was rund um das Leben so geboten worden ist.
Manches hat sich nur noch rudimentaer als maerchenaehnliche Erzaehlungen, manches aber bis heute seinen festen Platz in der Ernaehrung behalten.
Auf meinen Rezept-Seiten haben sich ein paar alte Rezepte eingeschlichen,
die jedoch in die heutige Zeit umgesetzt, dh. erst einmal entfettet und von all zu aufwaendiger Zubereitung befreit werden mussten.
Heute helfen "Convenience-Products" oder Halbfertigwaren bei der Zubereitung von Speisen ganz ungemein- was man nutzen sollte:
Erntefrisch eingemachtes Obst und Gemuese ist vermutlich vitamin- und mineralstoffreicher als solches, das lange in den Kuehlhaeusern gelagert hat.

"Wer Wurst, Brot und Kohl hat, der wird noch alle Tage satt"

Hier empfehle ich die Lektuere "Kohl und Pinkel Buch" aus dem Norddeutschen - unterhaltsam und wissenswert.

Die Urzeiten der Menschheit - das habe ich schon im 1. Teil "Geschichtliches" geschrieben, hielt Mann und Frau gleichberechtigt,
im Mittelalter war das anders. Auftragen durften die Frauen - aber im Wirtshaus am Tisch sitzen eher nicht.

Schnaeutzen in den Aermel oder in das Tischtuch, gleichzeitiges Essen-Trinken-Reden und die Reste unter den Tisch werfen
kam eher nur beim Adel vor, wie Grimmelshausen schreibt.
Der Gebrauch von Besteck war eher auf den Loeffel beschraenkt, der immer an einem Band um den Hals getragen wurde- zumindest auf Reisen..
(Das hat wohl eher nur Handelsleute oder Schreiberlinge oder schoengeistige Schnorrer betroffen)
Am Tisch wurde vom Hausherrn das Fleisch tranchiert und zugeteilt- sofern der Haushalt betucht genug war, ueberhaupt Fleisch zu haben.
Allerdings gab es zu den "Fleischtagen" gut 500gr pro Person, kleine Kinder und Greise mitgerechnet..
(Es war ja nicht immer Krieg, auch wenn man den Eindruck gewinnen koennte, liest man genug Geschichtsbuecher und Chroniken)
Der Gruenkohl- worum es in diesem Buechlein geht, soll so Vitamin C - haltig sein, wie Paprika
und reich an Vitamin A, E, B1 und 2 und 6 und Niacin, Kalzium,
Kalium, Phosphor und Eisen. Am besten ist der Gruenkohl nach dem 1. Frost.
Nach der Kartoffelernte wird er gepflanzt und 2 Monate spaeter -fast den ganzen Winter hindurch - geernet,
direkt vom Feld, ohne Lagerung irgendwo in einem Kuehlhaus.
Ein typisch deutsches Gemuese?
Nee, die alten Voelker- allen voran die Griechen- kannten und liebten Gruenkohl-
aber schon in der Steinzeit soll die wilde Form davon bekannt gewesen sein, die am Nordmeer wuchs.
(Als einzelne Blatt-Staengel, nicht in einer Art kleiner Palme, wie der heutige Gruenkohl)
Heilende Wirkung wird diesem Gemuese allemal nachgesagt und - ich bereite es sehr gerne zu: Kuhfladen
Wie gesagt, das Buechlein ist gut zu lesen und unterhaltsam.
(Mehr will ich hier nicht verraten)

Die Essgewohnheiten frueher Tage unterschieden sich deutlich- in einem Bauernhaus wurde anders gegessen als im Adelshaus,
dort freilich oppulenter als bei Tageloehnern..

Das Thema "Kohl" leuchtet wie eine Fackel aus vielen meinen Rezepten hervor-
in extrem vielen Arten der Zubereitung, in vielen Kohlarten- Blumenkohl, Brokkoli, Weißkraut -
im Web und in den Kochbuechern liest man von Roemisch-Kohl, Mangold und einigen Arten mehr.


Brot.

Aus Weizen, Mais, Linsen, Roggen, Gerste, Manjok oder Reis, auch auch Kastanien und Haselnuessen,
die mehr Streckmittel sind, wird Mehl gemahlen- der Grundstock, aus dem alle Brote entstehen.
Je nach Gegend nahm man auch Ruebenschnitzelchen und Traubentrester, Baumrinde, Ton, Stroh und angeblich auch Knochenmehl-
Not machte erfinderisch, wie man aus meinen Geschichtsseiten ganz gut erfahren kann..
Dieses Thema war meiner Frau und auch mir einige Muehe wert. Brotbacken ist k/eine Kunst !
Alte Rezepte waren der Anfang, so ein Brot zuhause, in der eigenen Wohnung backen zu wollen..
Warum machen wir das?
Nun, weil das Baeckerbrot unseren Kindern zu schnell "wieder Hunger" machte, kein ausreichend anhaltendes Saettigungsgefuehl vermittelten, je mehr die Zeit fortschritt.
Was zur Zeit unserer Heirat 1975 noch ueblich war, findet man heute kaum mehr:
Baecker, die den Namen noch verdienen und keine Fabrik-Brot-Verkaeufer sind.
Baeckereien sind nur noch Filialisten von Grossbaeckereien, die alles nach Schema F machen und immer mehr Chemie verbauen, damit sich der Kram haelt.

Rom hinterlies viele Schriftstuecke- so ist zu erlesen, dass die Sklaven Panis sordidus (schmutziges Brot)
z.T. aus Muehlenabfall bestehend, Panis secudarius war fuer die die Bessergestellten, das Panis palatius war am weissesten und beim Abbeißen am weichesten..

Mit der Muehlentechnik veraenderte sich die Ausarbeitung oder der genau definierte Mahlgrad des Mehles,
mit der Agrikultur die Qualitaet und Menge des angelieferten Getreides.

Statt Kohlehydrate zu verteufeln, sollte man lieber auf den Belag aufpassen - das sind so unsere persoenlichen Erfahrungen.

Die Kunst zu Backen ist auch eine der Oefen, in denen die Brote gebacken worden sind-
die Technik ging in den fruehesten Tagen der Menschheit mit dem Fladenbrot auf heissem Stein ueber den Fladen im Tontopf/Schale,
den gemauerten Stein - oder Tonofen, der Anfangs wohl auch aus Lehmerde war, bis zu den heute bekannten Elektrobackoefen, in denen die gesaeuerten Brote (die aufgehen) werden.
In der Wueste nehmen die Berberfrauen heute noch ihr ungesaeuertes Fladenbrot auf die heisse Kugel, wo es nach kurzer Zeit kunstvoll abgemacht und gestapelt wird.
(Wie Pfannkuchen)
In Marokko kaufen viele Familien wohl heute noch ihren Weizen saeckeweise auf dem Markt.
Anschliessend wird das Getreide verlesen, gewaschen und auf den Terrassendaechern getrocknet, anschliessend zum Mueller geschafft,
der verschiedene Mehlsorten daraus mahlt, die alle speziellen Verwendungszwecken dienen.
(Mal fuer Brote, mal fuer Teigwaren, mal fuer Couscous, das Gries, das dort so oft wie hier Kartoffeln Verwendung findet.
Die Kleie werden wohl noch immer die Maulesel bekommen) "Backen ist Maennerarbeit, Frauen bereiten den Teig und bringen ihn zum Baecker" - typisch arabisch eben.
Interessant ist, dass die Brote von jedem Haus ein etwas anderes Aussehen, Struktur und Konsistenz hatten, die der Baecker kannte und richtig zuordnete!

Es gibt heute wieder Backgemeinschaften auf den Doerfern oder im Hessenpark in Neuanspach, die wie zu Zeiten Mose mit Reisig-Wellen anheizen,
den Ofen auskehren, die vorgegangenen Brote einschiessen und nach einer Stunde wieder mit dem langen Backschieber heraus holen.
Manche Uebersetzung aus dem Englischen verwechselt Fahrenheit und Celsius in den Temperatur-Angaben;
hier ist die Empfehlung unserer eigenen Brotback-Seite laengst die am stimmigsten und vor allen Dingen die am sichersten.
(Wer will schon ein Brot mit verbrannter Kruste?)

Ob in Marokko oder 1950 in Deutschland- es war jedes Brot noch ein Unikat, das nach dem Geschick desjenigen gelang, der es gebacken und geknetet hat.

Die Brote haben nicht nur unterschiedliche Zutaten, sondern sind auch -unabhaengig davon- in unterschiedlichen Konsistenzen und Gewichten machbar.
Bei einem selbstgebackenen Brot sagt man eher: Ich habe eine Scheibe Brot mit etwas Kaese darauf gegessen, als "Ich habe ein Kaesebrot gegessen" !

Gewuerz- Nuss- Kartoffel- oder Oliven oder Zwiebelbrote oder Kuemmelbrote sind Spezialitaeten, die allesamt einen sehr eigenen und urigen Charakter haben.
Hier war die Not der beste Erfinder- und so manches Rezept oder manche Idee hat sich bis heute erhalten.
Gluten, das feine Bindemittel, der Klebstoff des Mehls haelt die Gaergase der Hefe gefangen und laesst das Brot aufgehen und porig werden.
Manche waelzen den Teig in Koernern, andere in Gries, viele bepinseln das Brot kurz vor Ende der Backzeit mit Wasser-
die Zubereitungsarten sind manigfaltig.
Experimentieren ist ein Teil der Freude am Backen- und auch am Kochen- ganz ohne Frage !

Es gibt richtige Brotfanatiker, die mit Naturhefen/Bakterien experimentieren, die z.B. von dem Befall auf Weintrauben kommen - aber:
Der Grad zwischen "klasse" und "Essig" ist ein ganz, ganz schmaler.
Ich habe das bei meinen Weinrezepten zuweilen recht deutlich erfahren muessen.
Aber Versuch macht bekanntlich kluch ;)
Obergaerige Weine ohne Reinzucht- oder Backhefe geht mal gut, mal aber auch nicht !
Risiken bei der Weinbereitung, sowie beim Backen mag ich eigentlich lieber vermeiden.
Sicherer ist da - so bin ich fest ueberzeugt - die Verwendung von EIN WENIG Backhefe im Wein und dem "vorgeschriebenen" Quantum fuer die Brotbaeckerei..

Der Hermann, wie der Sauerteig bei uns im Taunus genannt wird, ist ein natursaurer Teig,
der eigentlich nur ein Teigrest vom letzten Backen ist - er dient zum schnelleren Gaeren des Brotteiges und zum geschmacklichen Ansaeuern.
Wie bei der Weinbereitung kann auch hier schnell etwas schief gehen.
Kuehl lagern ist bei Hefe immer gut, kuehl vergaeren eigentlich auch, weil Hefe und Bakterien zusammen arbeiten.

Der Wert des Brotes bemißt sich nicht im Geldwert - da ist schon sehr viel mehr dahinter,
wenn dieses liebevoll zubereitet und gebacken wurde.
Man riecht das Getreidefeld durch das ganze Haus, wenn der Ofen geoeffnet und das Brot zum Abkuehlen auf das Holzbrett in der Kueche gestellt wird.
Man spuert den ewigen Kreislauf vom gepflanzten Korn, die Zeit der Reife im Sommer, die Muehle ..

Es gibt in vielen Laendern spezielles Brot, das mit Rosinen, Buttermilch und mit Eiern und freilich Mehl gemacht wird,
so eine Art Hochzeits- oder Festtagsbrot.
Die Bauern Irlands, das den "gefleckten Hund" backen, haben die Eier auf dem Markt verkaufen muessen-
nur zu besonderen Anlaessen haben sie selbst welche verwendet.
Diese Zutaten nur kurz durchmischen, nicht kneten. In die Form gegeben und backen.

Das Sodabrot aus Irland ist ebenfalls nur gemischt, nie geknetet, weil sonst zuviel Gluten frei wuerde, das dann das Brot zu fest machen wuerde.
Da kommen keine Eier rein, nur Buttermilch oder Sahne und Butter, wenn die Milch zu duenn war.
Backsoda und Zucker war die Hefe der kleinen Leute.
Das Brot geht, wird kreuzfoermig eingeschnitten, "damit die Feen raus koennen".. so bricht man spaeter das fertige Brot in 4 dreieckige Stuecke.

Brownbread wird nochmal gewalzt und nochmal ehen lassen, damit sich die Gaerblasen ganz klein verhalten-
es hat viele Weizenkleie - was schon mal zu einer Rachitisepedemie fuehrte, weil das irische Essen sowieso schon kalziumarm war:
Weizenkleie verhindert die Kalziumaufnahme.. !
Sirup ist staerker raffiniert als Melasse, fast schon fluessiger Zucker.
Chemischer Sauerteig ist wohl billig zu haben. Wer die Zutaten kennt, soll diese wohl noch aus dem Brot heraus schmecken koennen..

Auf alle Faelle rate ich zum Besuch - am besten mit den Kindern oder Enkeln - in einer alten Muehle, die noch die alten Maschinen hat:
Die Hausermuehle in Wetzlar war unser Mehllieferant.
Das Szenario:
Die Lahn fliesst traege in dem breiten Arm, der zur Muehle abzweigt bis zu einem Gatter, das zum Auffischen von Treibgut ist.
Wir stehen vor alten Bruchsteinmauern und einer Laderampe, darueber eine Art ausladenem Vordach, wie bei einer Scheune.
Das grosse Muehlenhaus ist zwar verputzt, da lugt hin und wieder das einfache Fachwerk durch.
An der Laderampe, vor der ein uralter Magirus-Deutz Laster in seltsamer dunkelroter Farbe, mit Plane ueber der Ladeflaeche steht.
Das riesige alte 4 Speichen Lenkrad ist duenn und aus weissem Material, das schon seltsam elfenbeinfarben nachgegilbt ist.
Die Sitze sind aus Leder und sehr durchgesessen, die runden Kotfluegel und Motorhaube sind zwar mit ein paar Beulen- aber sehr stabil..
Damit wird das fertige Mehl zu den Kunden gefahren, sagte der Mueller und seine Frau, der von seiner Mutter gelegentlich beim Verkauf unterstuetzt wurde.
Hinter der Laderampe war an der grossen alten Holz-Schiebetuer eine elektrische Klingel- alle Besucher mussten sich hier melden,
damit die Tuer aufgeschoben und den Blick auf das Innere der Muehle frei wurde:
Grober Holzboden, Balken, ein wackeliger alter Kuechentisch mit einfacher Kassenbox, ein Regal mit teueren Nudeln
und Bio-Freak-Artikeln zu saftigen Preisen, die er zugeliefert bekam, wie die frischen Eier.
So kam der Blick auf die 4 ? ebenso dunkelroten Maschinen in Isetta-Groesse aus den 1930iger Jahren, die mit vorderer Schau-Scheibe ausgestattet,
ruhig vor sich hin rumpelten, was man im ganzen Haus spueren konnte.
Lange Riemen, gut 25cm breit und aus Leder gingen durch die Decken zu Transmissions-Rollen,
auf denen sie einfach so und ohne irgendwelchen Schutz liefen - damit wurde die Ruettelsiebe und die Mahlwerke
mit ihren unterschiedlichen Mahlgraden und Fuellungen angetrieben.
Einzig von Wasserkraft des grossen Muehlrades, das man durch ein uraltes einfaches zweifluegliges Holzfensterchen sehen konnte-
sogar mit Licht, wie der Mueller stolz zeigte.
Frueher war das Muehlrad aus Holz, heute aus Stahl- es muesse aber immer wieder teuer repariert werden, weil das Flusswasser nicht ohne ist.
Die Saecke standen auf der anderen Seite der Maschinen, eine einfache Schliessmaschine war zum Zunaehen der Papiersaecke da, eine grosse Waage
- ein paar steile Holztreppen und viel mehr war da nicht zu sehen.
Es roch alles nach Weizen oder Getreide und man erlebte die Frucht der Erde, die immer zu spueren war.
Die Sackgroessen waren unterschiedlich, fuer Privatkunden gab es 5 und 12,5 Kg Groessen fuer die unterschiedlichen Getreidemehle.

Heute kaufen wir das Mehl in unterschiedlichsten Sorten im nahen Supermarkt,
was auch noch recht guenstig und vor allem in kleineren Mengen zu haben ist.

Im Hessenpark in Neuanspach / Taunus kann man die Arbeit der Muehlen und auch die der alten Baeckerei ganz genau sehen-
es gibt sogar Fuehrungen und Vortraege, die sehr anzuraten sind- besonders mit Kindern.

Ich lese viel, so auch ein Buch ueber Brot, das von Susan Seligson stammt, das ich uebrigens gerne empfehle,
auch wenn die Autorin symphatisch aus einer wohl sehr betuchten "Anderswelt" heraus die Welt bereiste,
was aber nur streckenweise auffaellt.
Dort ist die Rede davon, dass Matzen (juedisches ungesaeuertes Brot) , das nur aus Mehl und Wasser gemacht wird,
binnen 18 Minuten fertig hergestellt und gebacken sein muss- weil sonst der Teig von alleine geht:
Was waere fuer die Strengglaeubigen eine Katastrophe !

Irlaender backen mit Maismehl und Kanadischem Weizen.

In Mexico nimmt man Weizenmehl, Salz, Zucker, Wasser, Fabrikhefe, Margarine oder Schmalz fuer die Krustenbrote,
die in Lehmziegeloefen, der "Horno" genannt wird..
(uebrigens sehr aehnlich unseren heimischen "Backes" angeheizt..)

Suedstaaten-Bratensauce beinhaltet Mehl, Schmalz, Wasser und Pulverkaffee:
Mehl in eine Bratpfanne mit Oel oder Schmalz geben, anbraeunen und dann Milch und etwas Wasser zugeben..
Man nimmt White-Lily-Mehl, (aus Winterweizen mit geringem Proteingehalt) Crisco (Pflanzenfett) und Buttermilch.
Schweineschmalz ist beliebter, aber nur noch selten zu haben.
Backpulver braucht man dort nicht, das Mehl geht schnell von selbst auf.

Suedstaaten Landbroetchen:
Auf fuenf Pfund Mehl kommen zwei Pfund Fett, dann wird alles zerkruemelt, sodann zwei Liter Milch dazu,
nicht zu duenn, nicht zu fett, es darf nicht kleben. Flach druecken, immer wieder falten und walken, dann ausrollen und mit einer leeren Konservendose ausstechen. (ca 5cm) 8-10 Min bei 275Grad backen.

Die Freude am Selbstgebackenen kann jeder ganz leicht erfahren,
wenn das No Knead Bread zum erstenmal und das vollkommen ohne jede Back-Erfahrung gemacht, gelingen wird !
So ein schoenes Brot kann man beim Baecker mit der Lupe suchen.. und das ganz ohne chemischen Stoffe, die kaum ein Mensch aussprechen kann ;)

Die Verwendung des Brotes ist eine Geschichtliche, heute geht man daran, die Reduktion der Alterung oder der Verderblichkeit in den Griff zu bekommen-
es geht nicht an, dass Ladenhueter in die Baeckerei zurueck gehen und dem frischen Brot vor der Herstellung untergemogelt werden
oder noch schlimmer, weggeworfen wird.
Die Verlustquote ist wohl bis zu 25%, wenn man den Wissenschaftlern glaubt.
Angesichts der steigenden Zahl der Weltbevoelkerung ein Unding !
Brot muss also haltbarer gemacht werden, wenn es massenhaft zentral produziert wird.
Ohne Chemie ist das nicht zu machen und ohne entsprechende Verpackung ebensowenig, was schon die naechsten Probleme bringt:
Die Entsorgung des Verpackungsmaterials, das sinnvoll und energieeffizient geschehen muss. (Klimaerwaermung)
Ob Soldaten "Im Feld" oder Camper mit Vorratsdenken - dieses relativ feuchte Produkt vor Schimmel und Verderb zu schuetzen,
ist eine Herausforderung fuer gestandene Wissenschaftler.
Altmodische Baecker, keine Filialisten- haetten damit kein Problem, weil sie einfach frisch backen und nur soviel,
wie am Tag gebraucht wird- Reste werden entweder zu Broetchenmehl oder Weckmehl oder gehen an den Gefluegelhof,
der diese Sachen gut gebrauchen kann- ohne Schimmel, versteht sich!

Fuer die Logistiker unter uns ist das beste Brot das, was man daheim machen kann-
die Mehltueten gibt es in 1kg Groessen und in verschiedensten Getreide- und Ausmahlungsgraden zu kaufen. Ueberall.
Das neue Brot braucht auch nur noch wenig Energie (Link zu meiner Seite) und ist eine Woche lagerfaehig, wenn es trocken untergebracht ist.
Chemie braucht es dazu nicht, auch keine Umverpackung.
Muell, der nicht erst erzeugt wird, spart teure Transportwege und Energie bei der Aufarbeitung.

Fuer die Rationalisten unter uns ist das beste Brot das, was man gut und lange lagern kann- eingesiegelt.
Mal zum Aufbacken aus der Folie -ob tiefgekuehlt oder im "Schutzaroma",- mal einfach geoeffnet aus der Dose)

Fuer die Feinschmecker unter uns wird der taegliche Gang- heute eher die Fahrt- zum Baecker unumgaenglich sein.
(Die Umweltbelastung ist hier wohl am hoechsten, zumal die Fahrt mit dem Auto eine Kaltfahrt sein wird- mit dem Rad, zu Fuss oder der Trambahn
ergeben sich Alternativen, die freilich nicht wenig Zeit kosten)
Die Urahnen hatten eben diesen kleinen Erdbackofen oder die Fladensteine und.. immer frisches Brot, das auch noch knusprig war !

Selbst in Frankreich sind Zusatzstoffe im Brot erlaubt, ja sogar im Baquette !
Enzym, Vitamin C, Roggen- und Bohnenmehl..
Das Baquette selbst wird in recht umstaendlichen Geh-Verfahren hergestellt,- aber mit einfachem, ungebleichten Weizenmehl, Wasser Salz und Hefe.

Ob man dieses Brot braucht, wird wohl jeder selber entscheiden - ab und an ja, genau wie Broetchen und Kuchen..
in ganz schlechten Zeiten hat man sogar Eichel-Mehl genommen!
(das erst einmal die Bitterstoffe entzogen bekommen musste)


Ein wenig ueber die Geschichte unserer Kartoffel..

Fuer alle Teile Europas gilt folgendes:
Subjektive Berichte aus der Hand von Reichen ueber das Leben der Armen- Sozialgeschichte wie eine Aufnahme von Berg herab ins Tal- verzerrt und unscharf.
Selbst wenn kleine Leute schreiben konnten- haben diese noch lange kein Tagebuch gefuehrt !
Die Kartoffel hat sich in ihrer noch wilden Form wohl ueber 3000 Jahre an der chilenischen Kueste ausgebreitet,
man schaetzt aber, dass schon vor 7000 Jahren die Andenvoelker diese Knolle angebaut haben.
Vermutlich waren die ersten Knollen schon vier Jahre vor den Spaniern, die 1537 diese Frucht mitbrachten, nach Europa gekommen.
So genau hat wohl keiner hingeschaut, was die Eingeborenen damit machten, sonst haette es bei uns keine 200 Jahre gedauert, bis man den Wert der Knolle begriff..
Diese zaehe Pflanze waechst auf mageren Boeden und bis in 4- bis 5000 Metern Hoehe! Kohlehydratreich, Kalzium, Vitamin C und A und D,
und alle lebenswichtigen Mineralen und ideal um Mensch und Vieh zu ernaehren- man hat sogar eine Art Gefriertrocknung gemacht,
um dann aus dem Pulver ein leicht zu bevorratende Reserve zu bilden, die man schnell kochen und essen konnte.
Von einem halben Hektar war eine 10 koepfige Familie zu ernaehren !
230 Sorten hat diese Art zu bieten- so waren Kreuzungen nicht all zu schwer.
Zusammen mit Milcherzeugnissen kam keine Mangelerscheinung auf.

Die Suesskartoffel ist mit der Ackerwinde verwand, hat also mit der Kartoffel nichts zu tun- sie kam 1493 in Haiti als Schiffsproviant an Board der Schiffe..
(deshalb bald auch nach Spanien) Diese Knolle wird sich in den Adelshaeusern gut verbreitet haben, waehrend die normale Kartoffel den Ruf eines Hungerleider-Essens bekam
und zunaechst als reine Gartenpflanze angebaut wurde.
Gaertner teilten sich diese Knollen- so kamen Zuechtungen zustande.

Nachtschattengewaechse haben giftige Pflanzenteile- was der Kartoffel zuerst nicht gut bekam- alles Gruene ist giftig, es soll Schaedlinge abhalten.
Die vielen anderen erstaunlichen botanischen Besonderheiten wuerden an dieser Stelle viel zu weit fuehren-
die Pflanze ist wirklich beeindruckend- deshalb der Link zu Wiki..

Man witzelte zuvor:
"Die Mahlzeit des armen Mannes besteht aus einer grossen und einer kleinen Kartoffel!"
Man haette zurueckwitzeln koennen:
"Die ueppigen Fressen der Reichen bestehen aus geklauten Sachen, die sie den Armen wegnahmen!"
Freilich hat niemand ueber die Leute Witze machen duerfen, die einfach mal so das Land nahmen und alle Menschen darauf fuer "leibeigen" erklaerten-
was sogar die gute heilige katholische Kirche mit ihren Kirchenfuersten tat..

Die Kombination Kartoffel und Milchprodukte lies in Irland die Bauern ihre Butter kuebelweise vergraben-
die dann den ganzen Winter hindurch genutzt werden konnte- bis die Kuehe wieder auf der Weide waren und Milch liefern konnten.

Wie alle Kulturpflanzen gibt es auch bei der Kartoffel Krankheiten- die Kartoffelfaeule, Trockenfaeule und Kraeuselkrankheit -
die ganze Ernten vernichtete und verheerende Hungersnoete kommen lies.
Wo sonst nichts waechst ausser Hafer und Kartoffeln gibt es nicht so viele Standbeine der Ernaehrung.

Die Zucht von Kartoffeln, die mit unseren kuerzeren Sonnenscheinstunden auskamen, war bald geschafft und half schon einmal gut weiter.

In noerdlichen Gegenden war es schon immer kalt- bald waren die Baeume abgeholzt- weil immer mehr Menschen ernaehrt werden konnten,
die sich entsprechend vermehrten und wohnen wollten.
So wurde Torf gestochen, getrocknet und damit geheizt.
Viele einfache Haeuser hatten nicht mal einen Kamin, sondern ein Loch im Dach- die einfache Feuerstelle lies die Augen brennen,
wenn der Torf schlecht brannte:
Duester, schlecht belueftet, verraucht und feucht- zuweilen mussten sogar die Betten an eine andere Stelle gebracht werden, wenn die Lehmboeden vom vielen Regen aufgeweicht waren.
Nein, das war nicht in der Steinzeit, sondern bis 1836 der Fall.
3,5x4mtr hatten diese einfachen Bauernhaeuser, manche hatten einen 2. Raum, was dann 3,5x6,5mtr ergab.
Lehmwaende, Strohdaecher oder solche mit Gras-Soden, Schilf, Gefache mit Geflecht und Lehm.

So einfachst waren auch die Kuechen ausgestattet:
Ein grober Tisch, ein paar dreibeinige Hocker, ein Topf, ein Messer, ein paar Loeffel und Teller.
Der Topf diente auch zum Abwaschen und fuer den Abtransport der Schalen und Abfaelle.
Zuweilen sorgten auch die Tiere fuer Waerme im Haus.. bei 6-10 Kindern einer Familie eine ziemliche Enge.
Die Pfluege- wenn ueberhaupt vorhanden, meistens benutzte man den Sparten-
waren einfache Holzhaken mit etwas Metall an der Spitze, wie im alten Rom - und das noch bis 1880 !
Der Ertrag aus dem kraefteschonenden Huegelbeet-Anbau war hoch, was aber auch noetig war:
Fuenfeinhalb Pfund Kartoffeln soll jeder Mensch durchschnittlich am Tag verzehrt haben.. das Vieh bekam auch davon ab.
Der Ertrag eines Kartoffelfeldes ist heute gut ein paarmal so hoch: 400 dt (dezi-tonne, 100kg), also 40.000kg pro Hektar. (10.000qm)
Die warm gelagerten Setzkartoffeln erlaubten ein fruehes Setzen, was eine 2. Ernte moeglich machte- ein enormer Fortschritt!
Uebrigens sollen sich gesuendere Pflanzen entwickeln, wenn die aus den Samen gezogen werden und nicht durch Stecklinge (Saatkartoffeln).
In Kombination mit Rueben und Kohl- mit etwas Doerrfleisch- so denke ich mal, kamen die meisten Essen zustande.
Das Fleisch wird jedoch eher auf dem Markt gelandet sein, als im eigenen Topf, weil das mit den Milchprodukten die einzige Einnahmequelle fuer Geld war.

Wo wir gerade beim Fleisch sind- "meat" wurde in England zum Inbegriff fuer "Essen" -
bestenfalls Kraeuter waren beim schieren Fleisch dabei, das in Mengen verschlungen wurde- Gemuese galt bestenfalls als Fastenspeise,
Salat hielt man fuer gesundheitsschaedlich, der nahm es zur Dekoration.
(Zumindest bei den "besseren Leuten")

Spargel, Auberginnen, Artischocken und Tomaten (Liebesaepfel) waren auf den Tellern weitaus beliebter und bekannter als die Kartoffel.

Die einfachen Leute hatten keine Wahl- zu den Kartoffeln gab es Kartoffeln oder bestenfalls Quark oder Dickmilch?
Fleischessen galt als hohe gesellschaftliche Stellung.
Bei uns moechte ich mich ein wenig bei den "Alternativen" bedanken, dass wir sehr viel mehr Auswahl bekommen haben,
durch die Re-Kultur von Gemuesen und Obstsorten, die laengst verloren geglaubt waren.
Ganz so einfaeltig im Kochen wie die Briten sind unsere Landsleute nicht gewesen:
Es gab schon immer interessante Saucen zu den Kartoffeln, mit Speck, mit Eiern, mit Doerrfleisch, mit viel Gemuese, mit Kastanien - und und und...

Bratkartoffeln mit Salat und Eiern oder Speck sind allemal eine Delikatesse- man muss es nur mit Gefuehl zubereiten!

Pellkartoffeln und Stampf, Salzkartoffeln bis Pommes Frites sind so abwechslungsreich und auf hunderte Weise zuzubereiten-
viele davon habe ich auf meinen RezeptSeiten aufgeschrieben.

1765 schrieb der fuehrende Aufklaerer der franz. Revolution, Denis Diderot:
"Der Kartoffel wird zu Recht nachgesagt, dass sie Blaehungen verursacht;
aber was koennen Winde den robusten Organen von Bauern und Tageloehnern anhaben?"

Viele Menschen starben an seltsamen Krankheiten, die durch Beimischung (Panschen) von Getreide verursacht wurde:
Damals wie heute wurde mit allem "spekuliert" und somit auch gehortet:
Mit Wurzeln, Laub und anderen Dingen,die sich irgendwie mahlen und beimischen lassen, wurde das Mehl verdorben um die Menge zu erhoehen- die Kartoffel kam fuer die Armen gerade recht.
(Heute haben wir zum Glueck die Lebensmittelkontrollen)

Wohlhabende Franzosen dachten zwar aehnlich "fleischlich" wie die Englaender,
sie hatten aber im Gegensatz dazu die Neigung feine Gemuese und Salate dazu zu essen.
Den Armen blieb- wie ueberall, nur der karge Rest, die Zutaten waren fuer alle unerschwinglich, die keinen eigenen Garten hatten-
denen blieb nur das Brot- bei Missernten starben sie wie die Fliegen- bis sie begriffen, dass im 18.Jhd. die Kartoffel die Loesung sein kann.

1770 warnte ein Geistlicher davor, etwas zu essen, dessen Geruch sogar die Kuehe absties, was sie -angeblich- liegen liesen.
Feine Leute machten sich ueber die robusten Maegen und Gaumen der armen Landsleute lustig, die alles essen, was an "anstaendigen Tafeln" nicht in Betracht kaeme.
So hielten sich die meisten lieber an Brot und Bouillie, eine Art Getreide/Hafer-Schleim oder dicke Suppe, arme Landpaechter konnten sich Experimente nicht erlauben.
Noch im ausgehenden 19.Jhd buk man Haferbrot, das im Ofen so hart wie "Ziegel" war,
das man in der Suppe einweichen musste - ein Brauch, der sich bis heute in Frankreich gehalten hat.
Bouillie: Aus Buchweizen, Mais, Weizenmehl, Hafer oder Reis hergestellt, kochend heiss servierte zaehe Suppe, gerne mit Butter darauf gegessen.
Die Kartoffel konnte sich dort am leichtesten durchsetzen, wo "ihre Klientel" am dichtesten auftrat..
.. was auch von der Brennstoff-Armut abhing:
Die Kartoffel zu garen war leichter und sparsamer als Brot zu backen.
1770 soll eine ganz Schiffsladung Kartoffeln zu Linderung der Hungersnot in Neapel vor Anker geblieben sein - die Frucht wurde nicht angenommen.
Die Kartoffel wurde durch Propaganda der reichen Fresser und Schlemmer verteufelt, sie sei fuer viele Krankheiten verantwortlich - so streuten sie Angst.
"Nicht mal die Hunde wollen sie fressen!"
Friedrich der Grosse und Katharina die Grosse befahlen den Verzehr der Kartoffel,
um die sich weigernden Untertanen zum Verzehr der Knolle zu bringen.
In Frankreich war das anders - dort war der ruehrige Gelehrte Antoine Augustin Parmentier im 7. jaehrigen Krieg,
der sich fanatisch FUER die Kartoffel einsetzte und dicke Buecher ueber seine Forschungen schrieb, keine Gelegenheit auslies, diese zu loben.
Ludwig XV half mit einer Sinekure, damit der Forscher in Ruhe arbeiten konnte.
Die Zuckerruebe, Kleie und Esskastanien und andere Nahrungsmittel wurden so weitergehend untersucht.
Der Herr Parmentier soll ein "charmantes und feuriges Ueberzeugungstemperament" gehabt haben.
Ludwig XVI hat er ueberzeugt, eine lila Kartoffelbluete im Knopfloch zu tragen, was dadurch in Mode kam.
Parmentier lud zu Kartoffelessen ein, bekam vom Koenig 50 Hektar Land, wo er Kartoffeln pflanzte, die tagsueber bewacht wurden und ..
Nachts von den Bauern gestohlen wurden:
Ein listreicher Mensch, eine interessante Idee, die Knolle unter die Leute zu bringen, was ihn schmunzeln lies!
Bei der naechsten Hungersnot half die Knolle schon gut weiter, wo wurden Publikationen gedruckt und dem Adel das Land genommen,
das nur zum Jagd- und Reitvergnuegen da war- um darauf Kartoffeln zu pflanzen.

In den USA hatte es die Knolle leichter, dort war die Suesskartoffeln schon auf den Tischen,
die "irische Knolle", unsere beliebte Kartoffel kam so leichter dazu- niemand hatte Scheu davor,
nicht mal der Praesident war sich zu fein dafuer, "das zu essen, was wir unserem Vieh ebenso geben".
So gehoerte die Knolle auch zur Feldverpflegung der Soldaten.
Das Leben in den Kolonien war so hart, dass man die Vorurteile gleich beiseite lies und fuhr gut damit.
So wurde auch Mais in Mengen angebaut und fand guten Absatz.
Die Maisbrote und Maisbroetchen wurden nach der Erfindung von Pottasche als Triebmittel noch besser verkauft.
Mais lief noch besser als die Kartoffel und wurde noch mehr verzehrt.
Die Zeiten waren so, dass man Futter fuer das Vieh auf Pump kaufte und am Schlachttag nur noch die Haelfte des Tieres behalten durfte-
die andere Haelfte ging an den Futterhaendler.
Speck und Fett standen hoch im Kurs, weil man damit Gemuese wuerzen konnte- damals wie heute eine sinnvolle Sache.
1784 auf Reisen soll es in den engl. Kuechen "unbeschreiblich dunkel und dreckig" gewesen sein, "die Koechin schwarz wie Kohle" -
und das in "besseren Haeusern", wo dieser junge Herzog Rochefoucauld ein und aus ging.
1820 praegten glaenzende Kartoffelmaschinen die manche engl. Staedte, wo man Kartoffeln aus der Hand essen konnte-
aehnlich wie auf Jahrmaerkten die gegarten Maronen.
Das erste "Fastfood" und "Fish and Chips" ?
Auf alle Faelle beliebt und schmackhaft - wohl auch als Bratkartoffeln und dem Vorgaenger der "Fritten" angeboten-
eine gute und billige Alternative fuer die Arbeiter, denen daheim das Heizmaterial fehlte.

Das Land war fuer die Reichen nur Geldanlage, sie verpachteten die Parzellen und das war besser angesehen, als die Wohlhabenheit durch Fabriken und Handel.
Wer im Besitz von Land war, galt der Schutz des Staates, war ein "Leistungstraeger", der durch Verguenstigungen unterstuetzt wurde.
Der "Gentleman of Property" stellte mehr als nur Reichtum dar.
Er lebte auf einem anderen Stern als die, die sein Land bewirtschafteten:

Die Kartoffel war relativ leicht anzubauen, man konnte nebenbei noch Getreide anbauen und ein Schwein halten, mit dem die Pacht bezahlt wurde.

Allerdings durfte man sich nicht von nur einer Frucht abhaengig machen, wie die Erfahrung zeigte- wie schnell hat eine Krankheit die Ernte vernichtet.
Die wertvollen Schweine wurden meistens verkauft, selten selbst verwertet.
Die mangelnden Transportmoeglichkeiten und die unterschiedlichen Ertragsmengen pro Hektar
liesen Ueberfluss und Mangeln nur wenige Kilometer voneinander entfernt, auftreten.
So manche "Saukartoffel" entpuppte sich als ertragreicher und erfolgreicher als Edelzuchten.
Pellkartoffel mit Heringen war angesagt, so mancher witzelte ueber den einsamen Hering, der an der Lampe aufgehaengt wurde,
wo jeder mal seine Kartoffel daran entlang zog .. oft genug gab es nur Salz dazu.
Wenn die Kartoffeln im Keller zur Neige gingen und die Fruehkartoffeln noch nicht auf dem Markt oder -wie immer- viel zu teuer waren,
kamen die Brotmonate, bis ca vor dem Jahr 2000 auch Nudelmonate fuer viele Leute, die nicht so viel Geld hatten.
So mancher hat in den 1950/60iger Jahren noch "anschreiben" lassen und am Monatsletzten bezahlt,
bei Bauern war das noch laenger der Fall, wenn es um Landwirtschaftmaschinen und deren teuere Reparaturen ging.
Heute wir vermutlich der Zins an die Bank und der Ueberziehungskredit die Regel sein.
Mit dem Geldverleiher kommt leicht das Elend in die Geldbeutel.
Nach den grossen Kriegen verloren Bohnen und Hafer ihre Bedeutung, die Kartoffel wurde wichtigster Nahrungslieferant.
Andere Gemuese waren teuer, wenn man sie nicht im eigenen Garten ziehen konnte.
1830 war Kase ein Idikator fuer Wohlstand- wer sich echten Kaese, womoeglich vom Biohof- ohne Reue leisten kann,
ist auch heute noch als wohlhabender einzustufen:
(Alle anderen essen den Fake-Kaese, der weder verkaest noch aus voller Milch hergestellt wurde:
Eher ein Mix aus Magermilchpulver, Fette aller Art, Bindemittel, kuenstliche oder naturidentische Aroma- und Geschmacksstoffe, Enzyme, Farbe etc.
dieses "Lebensmittel" erkennt man daran, dass die Scheiben wie Gummi sind und nicht mehr zusammenkleben,
wie das richtiger Kaese tun wuerde.
Billig ist dieser Ersatz aber:
Um 2 Euro fuer 3-400gr, fertig geschnitten, ein echter Kaese der gleichen Sorte kostet locker 1,60-2 Euro fuer 100gr,
Kaese vom Biohof locker 3 Euro fuer 100gr. Wer Kinder hat und Pausenbrote macht, weiss wie schnell dann das Geld weg ist..
ich sehe beim Einkauf sehr wohl, wie nicht wenige Leute den Groschen ein paarmal umdrehen muessen!)
Ich habe noch erlebt, wie Kartoffeln (kleine, eben "Saukartoffeln") im Kartoffeldaempfer gegart wurden,
der mit einer Zugmaschine in den Bauernhof kam. Die Knollen wurden eingemietet, mit Ruebenblaettern und Erde abgedeckt,
damit die Schweine damit den Winter ueber genug Mastfutter hatten.
Wir Kinder standen dabei und hatten ein kleines Salzstreuerchen dabei- und bekamen von den Kartoffeln ab,
die mit Hochgenuss an Ort und Stelle gegessen wurden..
Die Lagerung von Kellerkartoffeln ist ungleich einfacher und billiger als Getreide zu trocknen (darren) und auf den Speichern zu lagern,
um dann von diesem zur Muehle gefahren werden zu muessen und von dort wieder zurueck, um daraus Brot zu backen..

Um 1850 herum war es auf dem Land noch vielfach wie im Mittelalter, die Dialekte, die gesprochen wurden, waren uralt.
Dunkle Raeume, verraeucherte Kuechen, die oftmals der einzige warme Raum im ganzen Haus waren.
Was an leckeren Dingen hergestellt wurde, kam auf den Markt- oft genug die einzige Moeglichkeit ein paar Muenzen zu bekommen.
Alles war knapp und teuer- bis zum Brennmaterial oder Lampenoel.
Man witzelte: In einem Haus, das mit Holz beheizt wurde, wollten nicht mal die Laeuse bleiben..
Die Bauernhaeuser waren - wie wohl ueberall in Europa - eingeschossig und mit niedrigen Decken, damit das Haus leichter zu beheizen war.
In manchen Gegenden musste man den Kopf einziehen, um durch die Haustuer zu gehen.
Sehr sparsam mobiliert und ausgestattet.
Fuer arme Leute war schon immer jedes Lebensmittel "akzeptabel", was erschwinglich war- so kam die Kartoffel in Mode.
Man hat alles selbst hergestellt, ob Holzgeraete, einfache Toepferwaren und Kleidung, ausser den "guten Sachen",
die Hochzeitskleider, die ein Leben lang halten mussten.
Suppen waren sehr angesagt- sie konnten auf kleiner Flamme, praktisch nebenbei- koecheln und waermten gut.
In sehr vielen Haeusern soll es 2-3 mal am Tag davon gegeben haben- z.T. mit einer Scheibe Brot dazu.
Nicht nur in Frankreich, sondern auch bei uns wurde diese Kombination geschaetzt.
Besonders wird der Duft einer Kartoffelsuppe erwaehnt, der alleine schon als angenehm waermend empfunden wurde.
Eine Suppe braucht nur wenig Speck oder Fleisch, das kritzeklein geschnitten wurde, damit viele Leute etwas davon haben.
Alte Rezepte machen den Eindruck, als waere ohne Butter, Kaese, Eier und Milch gekocht worden-
diese Zutaten waren einfach meistenteils zu teuer fuer "jeden Tag", sie wurden auf den Markt gebracht.
Ein Tageloehner konnte sich ein Pfund Fleisch die Woche leisten.
Erst nach 1900 soll das etwas besser geworden sein- bis dahin war der Metzger ein wichtiger Mann,
der "den Adligen und den Pfarrer regelmaessig mit Fleisch belieferte".
(Man achte auf die Wertung)
Fuer die Aermeren galt: Haferschleim bleibt Haferschleim, gleich was man darunter mischte..
1836/1845 / 1846 waren die Jahre der wiederkehrenden Kartoffelfaeule, eine Pilzkrankheit,
die sich rasend schnell auf den Feldern verbreitete, die sogar eingelagerte Kartoffeln befiel.
Die Kartoffel haetten gestunken wie die Pest, als haetten sie Frost abbekommen.
Den Wegfall dieses wichtigen Lebensmittels verursachte Mangelkrankheiten und eine unheimliche Anzahl an siechenden Menschen,
die wie die Fliegen starben, weil durch die Vitamin-Unterversorgung zusaetzlich die alten Seuchen wieder kamen.
1847 war dann noch der strengste Winter seit Menschengedenken.
In diesen Jahren wurden die Bediensteten der groesseren Bauern entlassen, niemand hatte mehr Einkommen,
weil sich diese Welle auf alle Gewerbe fortsetzte- wer kein Einkommen hatte, konnte schwerlich etwas kaufen.
Die Bauern zitterten, den Pachtzins zahlen zu koennen- entweder die Frucht selbst essen und diesen saeumig bleiben,
ggf. die Scholle abgenommen zu bekommen oder Tote durch Verhungern in der Familie ..
So ging der Konsum ins Bodenlose zurueck, das betraf alle in Europa- ausser eben den Grossgrundbesitzern oder die Herren und Pfarrer, denen man abgabepflichtig war.
Interessant war, dass sich in dieser Zeit der religioese Fanatismus verstaerkte.
Im Jahr 1883 erfand der franz. Botaniker Millarder -wohl zufaellig- ein Fungizid,
das aus Kupfersulfat und Kalk bestand- was die Kartoffel wieder zur sicheren Feldfrucht werden lies- ein Riesenglueck.

Die Kartoffel ist eine gute Ernaehrung gegen Atemwegserkrankungen wie Tuberkulose und auch gegen Kinderkrankheiten (Masern) - gegen Skorbut etc.

In Kombination mit Getreide- und Fleischprodukten ist und war die Knolle eine wunderbare Ergaenzung und Garant fuer eine dauerhaft ausreichende Ernaehrung.

In Amerika gab der "Homestead Act von 1862" die Moeglichkeit, einem Volljaehrigen ein 160 Acres grosses Stueck Land in Besitz zu nehmen,
indem sie ein Haus und einen Brunnen bauten - nach 5 Jahren erfolgreicher Arbeit auf dem Acker oder Weide war nur eine Gebuehr faellig, dann gehoerte das Land ihnen!
Die riesigen Landmengen, die unter dem Praesidenten Lincoln dafuer zur Verfuegung gestellt wurden, waren freilich anderen Menschen und der Natur abgenommen worden - wen stoert es?
So war in Amerika alles groesser, auch die Haeuser und auch die Kuechen- die, so wird erzaehlt, seien groesser gewesen, als in Europa ganze Bauernkaten.
Harte Arbeit war es dennoch, so eine Farm in Schwung zu bringen- ganz ohne Frage.
Viele Siedler haben das nicht ueberlebt.
In Europa hingegen herrschte die Erbteilung, wodurch die Aecker zu kleinen und immer kleineren Parzellen wurden, von denen keiner mehr leben konnte.
Geknechtet von weltlichen und klerikalen Herren waren hohe Abgaben zu entrichten.

Allen gleich war der Trend im Handel und Gewerbe zu panschen- so raten einige Verbaende zur Autarkie, dh. zu erforschen,
woraus die Lebensmittel bestanden und dann zur Selbstherstellung,damit mehr Verbrauchersicherheit geschaffen wird.
Das muss dann auch die Gauner - heute wuerde man Kapitalknechte dazu sagen - zum Umlenken bringen, weil sie dadurch schlicht sehr viel weniger absetzen koennen..
(Der Kommunist hat auch seine Bestimmer, die nicht viel anders reagieren und sich selbst zuerst den Sack vollstopfen, das sieht man heute noch bei den hohen Gewerkschaftlern)

So machten eben viele Leute diese Autarkie mit, in ganz Europa gab es kleine Gemuesegaertchen, kleine Hasen- und Huehnerstaelle,
die wesentlich mehr zur Ernaehrung beitrugen, als die allermeisten Politiker, die immer nur Krieg und Frieden im Sinn hatten.
Fuer eben dieses kleine Gemuesegaertchen war die Kartoffel sinnbildlich, wie Bohnen, Kraut, Kraeuter, Erdbeeren und Fruchtstraeucher,
Spalierobst am Haus- nichts wurde verschwendet oder weggeworfen, kein Fallobst und keine Fruechte mit Faulstellen; sorgfaeltig ausgeschnitten und zubereitet viel das niemandem auf.
Die Kunst der Hausfrau war die Haushaltung - ganz ohne Frage hatte sie stets die Hand auf der Ernaehrung und .. auf der Familienkasse!
Daran kann man ermessen, wie sehr sich heute die Lebensumstaende geaendert haben!
Ob wir heute wohl mehr Zufriedenheit haben, im Zeitalter der Massenmedien und Dauer-Kommunikation?
Ich habe da so meine Zweifel, wenn ich die Feedbacks im Web betrachte- meine Homepage hat nicht umsonst die entsprechenden Seiten,
die aufdecken und auch ablenken sollen, die zu mehr Zufriedenheit finden lassen sollen: Anregen geht, mitmachen muss jeder selbst.
Meine Hoffnung liegt ganz klar in der Anregung, dass junge Menschen sich nicht weiter verdummen lassen von der Werbung
und von der Politik und von der Kirche und auch von den Gewerkschaften und angeblichen "Arbeitnehmer-Freunden",
die in Wirklichkeit nur ihren einen Sack vollstopfen wollen.
Ob das durch Lebensmittelmanipulation oder durch Knebelvertraege ist, wird eher nebensaechlich sein-
die Auswirkungen der heutigen Beeinflussung durch die Medien und die Lobby sind heftig und fuehren ganz klar zum Pluendern des Sparschweines oder Sparbuches-
Hauptsache der sekundaere Gewinn bestimmter Leute stimmt, die dann die Kohle geschwind verstecken und die Allgemeinheit mit den Truemmern ihres Treibens belasten.
(Bankenkrise) Also:
Nicht irritieren lassen, "wir machen das mit den Faehnchen", lieber "klein klein", als sich in Schulden und damit in Abhaenigkeiten zu verstricken, halte ich fuer das Gebot der Stunde.
Je weniger an "Fixen Kosten" monatlich abgezogen werden, um so besser und "autarker" oder selbstbestimmter ist das Leben, um so eher kann man "sein eigener Herr" sein.
Die Werbung verdummt und hilft der Versklavung, sie will nur das Geld aus dem Saeckel ziehen-
diese einfache Erkenntnis wird schnell verdraengt, wenn man vor dem neuen Blech, vor der tollen Couch-Garnitur steht und "zu Null Prozent Zins" in monatlichen Raten angeboten wird.
(Irgendwo ist der Zins zuvor aufgeschlagen worden, da koennt ihr sicher sein) Desgleichen gilt fuer alle Versicherungen,
die, so versichere ich Euch, geneigte Leser oder meinetwegen aus Leserinnen, am ehesten denen helfen,
die das "Kleingedruckte" haben schreiben lassen- Versicherungskaufleute sind auch Kaufleute- die machen NICHTS aus Menschenfreundlichkeit,
alle wollen moeglichst schnell moeglichst viel verdienen.
Nun will ich nicht sagen, dass jede "Lebensgemeinschaft" (frueher Familie genannt) ueberall einen Gemuesegarten anlegen soll-
oft genug ist das unmoeglich geworden- aber:
Wenn alle in der Stadt wohnen um Fahrtkosten zur besser dotierten Arbeit in den Ballungszentren zu sparen, bleibt bestenfalls ein Balkonchen, mehr nicht.
Die hoeheren Einkommen kassiert der Vermieter und die Steuer und die Sozialkasse - die Lebensqualitaet bleibt dabei irgendwie auf der Strecke,
in vergammelten Miets-Treppenhaeusern mit Multikulti - "Ambiente", Fast-Food, weil es "Zeit spart"..
Auch wenn ich partout keine "Alternativen Leute" mag, so zuwider ist mir die Protzerei der Grosskopferten, die heute die Speckguertel der Gemeinden bilden.

Meine Seiten richten sich an Selbstdenkende, die sich selbst helfen wollen, um eine gewisse innere Zufriedenheit zurueck zu bekommen,
die in den 1950-1960-1970iger Jahren auf dem Land zu finden war.
Hier auf den Land sind inzwischen viele einfache alte Haeuser zu verkaufen, weil deren Bewohner im Altenheim oder schon verstorben sind und sich die Erben nicht einig sind.
Wer genuegsam ist und ganz langsam mit der Instandsetzung anfaengt, kann hier eine Lebensaufgabe finden, die zufrieden macht,
wenn man sich nicht von den Nachbarn und von der Werbung "narrisch" machen laesst.
Ein billiges einfaches Auto tut es auch, niemand muss den neuesten Grossfernseher haben,
niemand braucht ein internetfaehiges smartphone, wenn ein Festnetzanschluss mit Internetzugang vorhanden ist.
Der Versicherungsordner kann entruempelt werden, Sparen kann man sich sparen, solange nichts vom Betrieb dazu beigesteuert wird.
Die Werbung im Zeitungskasten wirft man am besten in die Tonne und kauft nur das ein, was auf dem Einkaufszettel steht- ohne links und rechts zu sehen !
Moeglichst viel selbst machen, auch wenn man lange in einer Baustelle wohnen wird- der Installateur macht auch nur Murks, wie ich in unserem Haus sehen muss..
grosses Maul und nichts dahinter- sehr hohe Stundenloehne, wo dann noch die MWSt drauf geschlagen wird.
Er ist oft "Material holen" gefahren, -zum Stundenlohn versteht sich- bis er sich mal verbabbelt hat;
er ist zum 30km entfernten Markt gefahren, wo es die leckeren 1-Euro-Fleischkaese-Broetchen gibt.
Sicher, man kann nicht alles selbst machen, aber doch eine ganze Menge - so schnell kann ein normaler Angestellter sein Geld nicht verdienen,
wie es durch Handwerker unter den Haenden verrinnt, eher weggespuelt wird..
Lieber langsam, nach und nach, evtl. nicht ganz so perfekt, aber ohne neue Schulden selbst gemacht.

Die Zufriedenheit durch rationellen und sehr ueberdachten Einkauf und etwas Gruenzeug und Obst im eigenen Garten,
mit der eigenen Grill-Ecke, dem selbstgemachten Essen, das eben doch sehr viel billiger und besser ist als in der Kantine oder gar Gastronomie und auch guenstiger ist, kann man mit Worten kaum beschreiben.
Wer selbst bruzzelt, weiss was darin ist, wer selbst denkt, wird nicht fremdbestimmt oder kann diese "Fernsteuerung" zumindest gut reduzieren.
Ich weiss, das ist nicht "angesagt" und modern ist diese Einstellung auch nicht- "Spießer" sind jedoch,
wenn man ehrlich ist und hinterfragen kann, ganz andere Leute!

Kartoffeln- um zum Thema zurueckzukehren, baut heute niemand mehr selbst an, das lohnt sich nicht mehr.
Die sind so guenstig in allen Laeden zu haben, perfekt konditioniert und perfekt den ganzen Winter hindurch bevorratet.
Trotzdem habe ich mit den drei Enkelchen ein kleines Kartoffelbeet bearbeitet und bepflanzt,
als ein kleines "Seminar Kartoffel", das auch die Ernte bis in alle Einzelheiten behinhaltete.
Die Kleinen hatten ihre Freude und haben jede Kartoffel einzeln mit dem aufgesammelten Regenwasser aus der Zisterne sorgfaeltig gewaschen
und getrocknet, um diese dann als "Beute" oder Lohn der Arbeit mit nach Hause zu nehmen und .. zu verspeisen.
Ich denke, das war fundamental-erkenntnisreich und wichtiger als ein Schoko-Osterhase einer angesagten Marke - oder?
Heute findet man nicht nur Kartoffeln, sondern jedes Gemuese derart billig in den Supermaerkten,
dass der regionale und vor allen Dingen der saisonale Kauf sehr viel Geld sparen kann.
Kochen nach Saison, einfrieren nach Saison, kaufen nach Angeboten- aber nicht extra dafuer in den Markt fahren-
hilft haushalten und so manchen Schein sparen:
Jede Fahrt mit dem Auto kostet Geld, nicht nur Benzin- es muessen alle Kosten bedacht sein und so sollten immer zwei, drei Touren kombiniert sein.

Die Kartoffel- um zum Thema zurueckzukehren, hilft auch heute noch ganz tolle und fleischarme Speisen zu machen,
die auf meinen Kochseiten zur Genuege auftauchen und zum Weitermachen anraten.

Roh geroestete Bratkartoffeln braet man in Rapskernoel (kein einfaches Rapsoel) mit einer gewuerfelten Zwiebel und etwas Speck an.
Zuvor wurden die Kartoffeln geschaelt und in ziemlich gleich grosse Wuerfelchen geschnitten. (Zuckerwuerfelgross)
Bei geschlossenem Deckel und voller Kraft der Platte !
(Niemals von der Kochstelle weggehen) Nach kurzer Zeit herabschalten, Fenster oeffnen, damit der Dunst abziehen kann,
und mit dem Holzpfannenwender gruendlich rundherum umwenden, Deckel wieder drauf, wieder auf "volle Kraft voraus" schalten.
Ein paar Minuten spaeter die Platte auf halbe Kraft stellen, etwas warten, den Deckel abnehmen und wieder sorgfaeltig rundherum wenden.
Nun kommt ein wenig scharfes Paprikapulver, ggf. etwas Curry und Maioran- je nach Gusto- und Salz aufgestreut.
Wieder wenden, wenn sich eine braune Kruste auf den ersten Kartoffeln zeigt.
Das wird dann nochmal wiederholt, bis auch die letzten Kartoffeln schoen braun - gelb in der Pfanne sind.
Mit dem scharfen Kuechenmesser wird nun die Garprobe an einem groesseren Kartoffelstueckchen gemacht, - wenn das Messer ganz leicht hineingeht, ist das Essen fertig.
Man kann einen gruenen Salat mit einer Milch/Oel/Kraeuter-Sauce ganz leicht selbst mit dem Schneebesen emulgieren,
mit etwas Salz und Zucker abschmecken und erst am Tisch unterheben..
Man kann auch ein paar Eier auf die Bratkartoffeln tun, wenn Platte gerade ausgeschaltet wurde:
Alles nochmal unterheben.
Die Eier stocken von selbst und sind dann perfekt im Essen integriert.
(Ohne nochmal Strom anzuschalten)
(Keiner wird bei diesem Essen den Fleischberg vermissen- wetten?)
Dieses Essen duftet derart gut, dass es garantiert bei kaum einem Menschen auf Ablehnung stoßen wird.
(Fragt mal einen Aussendienstler, was er unterwegs am liebsten bestellen wuerde..)
Dieses Essen ist im Lokal richtig teuer - weil sich der Koch dabei nicht vom Fleck ruehren kann und dabei bleiben muss..
Die Garzeit betraegt -wie bei allen Kartoffel-Gerichten- zwischen 25-30 Minuten, mehr nicht.

Mitte des 19.Jhds beklagt man sich, dass in den amerikanischen Staedten ein Viertel des Lohnes
fuer die Wohnung ausgegeben werden muesste- dabei ist heute praktisch die Haelfte in allen Teilen Europas eher die Regel, denn die Ausnahme.
Auf jeden Fall war das Leben dort nicht mehr so grosszuegig, wie einst die Grundflaechenzuteilung an Ackerland war- das inzwischen laengst vergeben war.
In engsten Buden hockte man oft genug kalt, dunkel und verraeuchert in den Metropolen, in "wandschrankgrossen Zimmern", der Rest war untervermietet:
Die Arbeiter konnten sich eine Wohnung nicht leisten, so war die Pension in irgendeiner Familie die einfachste und preiswerteste Loesung.
Auf dem Land lebten nicht nur Farmbesitzer, sondern auch kleine Arbeiter in 5x5mtr Haeuschen aus Holz,
wo oft genug der Herd fehlte und in einem kl. Anbau untergebracht werden musste.
Armut war normal, meistens war nicht mal ein Nudelholz vorhanden und ein 2. Topf, wie die Chronik erzaehlt.
Fliessendes Wasser war ebenfalls selten !
Engste Verhaeltnisse waren fuer die allermeisten Menschen taegliches Erleben.
Dass aus dieser Gemengelage die Frauenbewegung anfing,
wenn immer nur Arbeit in Handarbeit ohne richtige Hilfsmittel jeden Tag gemacht werden musste, leuchtet mir ein:
Nach der Heirat verurteilt zu lebenslanger harter Arbeit ohne Lohn..
Kochen konnten die meisten amerikanischen Frauen auch nicht mehr, wie berichtet wird:
Deshalb sind die Bratbuden mit billigem und arg riechendem Baumwoll-Oel -aehnlich wie Fish and Chips in England in Mode gekommen.
(ueber die Frauen Englands wurde aehnliches gesagt)
(Ein Abfallprodukt aus Baumwollsamen,was bei der Baumwolle-Herstellung entsteht.
Eingefuehrt aus Aegypten, dazu Bratfett aus Australien, Erbsen, Bohnen und Kartoffeln wurden oft aus Holland,
Deutschland und Belgien importiert)
Satt werden war wichtig, mehr nicht.
(Der Fisch war schlecht gekuehlt- so muss dieser denn auch gerochen haben)
Ironisch war wohl, dass die uralten Adenvoelker in aehnlich armen Verhaeltnissen hausen mussten,
wie spaeter die meisten Menschen des reichsten Landes der Welt, den USA.
Vor dem 20.Jhd hat jemand die Kartoffelchips erfunden, die gewuerzt und gesalzen in rauhen Mengen verkauft wurden.
Ab 1930 wurden diese luftdicht verpackt angeboten.
Die Essgewohnheiten gingen parallel mit dem Lebensstandard: Man sagt, wie einer arbeitet, so isst er auch!
Die Amerikaner hasten und eilen immer, die Englaender sind zweigeteilt, die Franzosen sollen angeblich mehr geniesen,
in den alten Berichten klingt das aber ganz anders.
Bei und in Deutschland ist ebenfalls ein bildungs- und abstammungsmaessiger Unterschied spuerbar, was die Tischsitten anbelangt.
Vermutlich regieren Vorurteile und der Stand des Betrachters eher, als dass man ein pauschales Urteil geben koennte.
Inzwischen gibt es auch bei uns genug Lokale, wo man den gerade leer gewordenen Platz einnimmt,
den schmutzigen Teller und die Tasse des Vorgaengers beiseite schiebt und stur sein gerade gelieferten Teller leer futtert, geschwind, ohne ein Wort.
Damals wurde Fish and Chips genau so bekaempft, wie heute das Fastfood- mit den gleichen Argumenten, herablassend bis zum erhobenen Zeigefinger.
Wie auch immer- die Fitteuse kam auch in Europa gross in Mode und haelt bis heute einen guten Umsatz:
Die Bruzzelbuden haben etwas Magisches, das man schwer in Worte fassen kann.
Fakt ist, dass Fritten daheim die ganze Wohnung einnebeln- das hat man sich erspart, wenn diese Kartoffeln ausserhalb gegessen werden.
Interessant war, wie man damals Kartoffeln schaelte, die ja in groben Mengen gebraucht wurden:
Zuerst mit zerklopften Ziegelsteinen in einem Bottich, der gedreht wurde, dann mit einem Hocker mit fuenf Beinen,
an dem je eine Muskatreibe angebracht war- wie eine Waescheschleuder funktionierend,
dann kam das "Schaelwunder" auf den Markt, das wie eine Drechselmaschine war...

Die Menschheitsgeschichte ist freilich besonders eine des Wohnens und des Essens, die Arbeit ist oder sollte nur Mittel zum Zweck sein.
Bei genug Leuten hat sich die Arbeit zum Selbstzweck gemausert:
Workoholiks, bei wenigeren erfolgreich, bei den meisten eher nicht so sehr..
Viele leben auf Pump, von der Werbung verfuehrt und rutschen immer weiter in eine Schuldenfalle,
aus der es kein Entkommen gibt, wenn der "Job" wegbricht.


Wiki weiss viel ueber Kaese, eines der aeltesten Lebensmittel der Menschheit


Weiter mit den Tischsitten, wo ich das Buch " Zück die Finger und iß " aus dem Jahr 1989 (Anita Homolka) empfehlen moechte,
das humorig und kurzweilig alles haarklein aufdeckt.
Eines darf verraten werden:
Der Freiherr von Knigge wird zu Unrecht als kleinkarierter Vorschreiber und Sittenapostel gesehen..
in seinem 454 Seiten starken Werk sollen nur 4 Seiten ueber die Tischsitten zu finden sein, so Frau Homolka in ihrem Buechlein,
das ans Herz gelegt werden darf.

Das Buch beschaeftigt sich mit Tischsitten aus aller Welt, aus allen Epochen und setzt auch mal Bemerkungen,
die Orgien der Aebte und andere Fressgelage mit Dirnen beschrieben.
Aber auch mit den Gepflogenheiten in der besseren Gesellschaft und in ganz normalen Familien anlaesslich von Festen.
Einig war man sich wohl, dass "Germanen" das Brot immer heilig war, ebenso wie die Gastfreundschaft- am Tisch wurden auch schon mal Verhandlungen gefuehrt.
Tabu's, wie in England oder Frankreichs kannt man nicht oder wollte damit nichts zu tun haben.
Es wurde alles gegessen, alles ausgetrunken und weder etwas in die Kueche zurueckgegeben, noch mit nach Hause genommen.
Gestoert wurde dieses natuerliche Verhalten durch den Einfluss der Kirchen und der Schranzen bei Hofe,
ueber die dann doch seltsame "Feinheiten" dazu kamen.
Auf jeden Fall wurde keine Edelfresswelle gehalten, wie bei Hofe und bei reichen Handelsleuten, die sowieso "unter sich" blieben.
Man sagt, dass an den meisten Tischen Frauen nicht gerne gesehen worden sein sollen- das halte ich fuer eine Entartung besserer Leute,
in den deutschen Familien war das mit Sicherheit nicht der Fall.
Das hat schon Tacitus als eine der "Germanischen Tugenden" beschrieben.
Die Diskrepanz der Tischsitten zwischen einfachen Leuten und denen der gehobenen Klasse kam einfach daher,
dass letztere sich am franzoesischen Hof orientierten.
Noch heute ist bei den meisten Leuten im Land das Gradlinige die Richtschnur,
die neuen Hoeflinge oder erbarmungslose Aufsteiger in Wirtschaft und Forschung und Bildung gehen eher opportunistische Wege,
kurz, sie aeffen alles nach, was "angesagt" und "fein" sein soll.
(Achtung Schleimspur, Rutschgefahr!)

Das Buch laesst sich in deftiger Weise ueber Sprueche alter Zeit aus, die ich fuer lesenwert halte- gewiss als Ergaenzung zum Geschichtsunterricht.

Heute sind die Tischsitten wohl nochmal andere, als noch zur Biedermeierzeit, wo man auf eine gute Tischkultur grossen Wert legte-
das "gute Geschirr" und Besteck war zwar auch nur zu besonderen Anlaessen aufgelegt worden,
dennoch war mehr Vollstaendigkeit da: Suppenterrinen und Saucieren oder Vorlegeplatten oder gar Messerbaenkchen wird man heute wohl eher vergeblich suchen-
zumindest im privaten Haushalt ohne Kuechenpersonal.

Jeder isst zu einer anderen Zeit, alle gehen arbeiten oder zur Schule-
der vollstaendig gedeckte Tisch kaeme dabei nicht so gut- so sind auch wohl die Tischsitten andere geworden;
man stuetzt sich auf, nach vorne gebeugt, isst mit uebervollem Loeffel- die Jungen haben das "Handy" an.

Ist Essen zur Nahrungsaufnahme verkommen oder wieder dazu geworden, was es ganz ganz frueher mal war?

Davon abgesehen, dass Frauen bei Tisch "nicht gerne gesehen" waren, - was sich wohl in einigen "Kulturen" noch heute zeigt,
sind die Essen im privaten Kreis daheim, unterwegs beim Einkehren in die Gastronomie, ein "Geschaeftsessen",
bei Banketten hoeherer Personen, Grill- oder Geburtstagsparties und Fastfood jeweils ganz andere Welten, die freilich auch andere Tischsitten haben.
Man kann also nicht generell von Tischsitten reden.

Heute darf man den Ausdruck "Tischsitte" so sehen, dass Loeffel, Messer und Gabel zum Allgemeingut gehoeren,
das "Trinkgeld" ebenso, wie das geduldige Warten auf die Bedienung.
Das Lob an die Kueche duerfte inzwischen bereits fast ausgestorben sein, man futtert gedankenlos oder ins Gespraech vertieft-
heute mit eben dieser "Smartphone" - Begleitung, diese Fussfessel, die sich unablaessig irgendwie bemerkbar macht.
Hypermotorische Kid's brummen im Lokal oder in der Wohnung herum, setzen sich nach Belieben ab und zu-
und nehmen einen Happen zu sich oder quaengeln, wenn sie sitzen bleiben sollen.

Sehr beliebt ist das "Grasing", das Futtern beim Spaziergang oder Besuch im Park oder Wochen- Floh- Wurst- Antikmarkt,
bei Autoausstellungen oder wo immer ein "Event" geboten wird:
Der Bratwurststand oder die Crepe-Bude wird als erstes angesteuert, - mit dem gleichen Elan,
wie man in der Steinzeit an die Fleischtoepfe eilte und hastig in sich hineinstopfte, was rein passte.
So wie einst die Zigarette oder Zigarre gehalten wurde, ist heute die Pommes oder Bratwurst oder der Doener an der Reihe,
der zwischen Menschenmassen, Staenden und Geschaeften gemuemmelt wird.

Viele Leute essen laengst in den Kantinen, im Kinderhort,- oder an der Bruzzelbude- Mittags wird kaum noch gekocht,
weil niemand daheim ist, wenn die Kinder aus der Schule kommen- sofern die Familie ueberhaupt noch Kinder* hat.
Abends sind alle muede, das Essen muss ganz schnell gehen- am besten anrufen und sich eine Pizza kommen lassen,
die schon fertig in Portionen geschnitten, aus der Hand gegessen wird- vor dem Fernseher, aus der Pappschachtel,
damit niemand Geschirre in die Spuelmaschine raeumen muss.
(Handspueler waren frueher)

* Heute zaehlt die "Lebensqualitaet" sehr viel mehr, als eine komplette Familie- teuere Autos,
Urlaube und Einrichtungen sind "in", die "Selbstverwirklichung" ist das,
was als "Emanzipation" oder Gleichberechtigung begann.
Nur noch weniger bemittelte Familien werden Kinder haben und mit und auf das "Kindergeld" bauen.

In der Freizeit wird lange geschlafen, dann "gebruncht" - eine Kombination zwischen Fruehstueck und Mittagessen -
eine moderne Art der Rittertafel:
Jeder grabscht wozu er oder sie gerade Lust hat.
Vermutlich wird erst danach geduscht und frisiert..
(Mir kam es so vor, als mir dieses "Vernuegen" als Gast war, daran teilhaben zu duerfen-
als notorischer Fruehaufsteher haette mir das Bad Stunden zur Verfuegung gestanden, weil alles noch in den Betten lag)

Nein, ich bejammere nicht den "Verfall der Tischsitten"- es soll nur eine kleine Bestandsaufnahme sein!

In einfachen Haushaltungen werden wohl immer weniger spezielle Glaeser fuer Sekt,
Wein, Suedwein, Champagner, Wermut, Likoere, Schnaepse, Wasser, Bier,
Weissbier, Limonade oder was auch immer benutzt, sollten diese Unterscheidungen vorhanden bzw. bekannt sein.
Man nimmt wohl eher ein Standardglas, wenn nicht gerade ein Familienfest angesagt ist.

Tischlaeufer oder Tischdecken werden wohl kaum noch irgendwo benutzt, eher Platzdeckchen oder Teller oder Platzunterlagen, die man abwischen kann.
Die meisten Essen werden wohl am Kuechentisch eingenommen, schon weil man kaum noch zusammen essen kann, - heute sind fast alle in der Schichtarbeit.
Der Trend geht vom Esszimmer zurueck zur Wohnkueche oder noch eher zum modernen Zuschnitt der Wohnung,
wo eine offene kleinere Kueche in das Wohnzimmer uebergeht, in dem ein grosser Esstisch mit Stuehlen steht,
der auch noch ausgezogen werden kann.
So braucht man keine Anrichte und hat keine weiten Wege beim Servieren.
Die Crux dabei ist wohl, dass der Fernseher im gleichen Raum steht..

Leben ist Veraenderung, Geschichte ist nur die Legende davon.
Keinesfalls sollten Berichte darueber zu einer schieren Aufzaehlung von Jahreszahlen wichtiger Ereignisse verkommen, wozu immer und immer wieder Kriege zaehlten.
Die Daten von beruehmten Leuten und Herrschern bestimmen noch immer den Geschichtsunterricht, was ich fuer traurig halte.

Erasmus von Rotterdam schreibt in "Diversoria" folgendes aus alten Tagen:
"Evtl. achtzig oder neunzig Menschen sitzen beieinander, nicht nur niederes Volk,
sondern auch Edelleute und Kaufleute, jung und alt, alles querbeet.
Jeder tut, was er fuer richtig erachtet, einer waescht seine Kleider und haengt die nassen Sachen am Ofen auf.
Der Naechste waescht sich die Haende, der Napf ist jedoch so sauber,
dass man nochmal Wasser brauchen muesste, um danach die Haende rein zu bekommen..
Essens- und Knoblauchduefte und andere ueble Gerueche steigen auf.
Man spuckt ueberall hin. Jemand reinigt seine Stiefel auf dem Tisch..
Ein Fremder hat es wohl besonders schwer - er wird angestarrt, wie ein Wundertier aus Afrika.
Nur die Adligen des eigenen Landes gelten den Leuten, der Wein ist schlecht - verlangt man einen besseren, antwortet der Wirt:
Wenn es euch nicht passt, sucht euch an anderen Quartier- ich habe schon genug Grafen und Edelleute beherbergt.."


Wer sich mit der Geschichte unserer Heimat beschaeftigt, wird an den altbekannten und weltberuehmten Schreibern nicht vorbei kommen -
ein wenig unbekannter ist W.h. Riehl,
der mir dabei auf Schritt und Tritt begegnet und in den Sinn kommt,
wenn wir unsere taeglichen 4 Kilometer um unser Dort drehen oder im Garten werkeln oder auf Wanderung -im Taunus und im Westerwald- sind.
(immer 20km, meistens einsam in den Waeldern und Hoehen, wo man stundenlang keinen Menschen trifft)
So meine ich, sind ein paar Zitate aus seinen Werken auch an dieser Stelle angebracht!
1823 in Biebrich bei Wiesbaden geboren, ist er frei von spaeterer Kontamination,
die unser Land durch einen Oesterreicher getroffen hat, der meinte germanisieren zu muessen,
um seine Idealvorstellungen und persoenlichen Aengste mit grausamer Gewalt durchzudruecken.
Das hat das Deutschtum nicht verdient.
Riehl empfand sich als Wanderer, als Freund der Natur und des Menschen, der in unserem Land lebte,
seine Charaktere, dem Gefuehlsleben der Leute hier.
Genau das trifft meines Pudels Kern dieser Seiten.. er lebte eben in der Zeit des zarten Erwachens der Demokratie!

"Das Studium oder die Ergruendung der Naturgesetze und des Volkslebens" nannte er seine Werke.
Er meinte zu seinen Wanderforschungen: "Das Leben ist so gut wie Buecher und Pergamente"
"dreissig Jahre bleibt ein gesunder Mann doch marschfaehig - in dieser Zeit kann er ganz Deutschland durchwandert haben"
"In der Wissenschaft des Staates und des Rechtes gehen Griechenland und Rom voran;
aber die Wissenschaft vom Volke, in ihrer ausgepraegtesten, naturgeschichtlich zerlegenden Form in ein Eigentum der modernen und vorab der germanischen Welt.
Es lag unserem Volksgeist seit Urwalds Zeiten naeher, die individuelle Sitte auszubilden, als das voelkerverschmelzende Recht,
das Sonderleben der Gesellschaft aufrechtzuerhalten neben und ueber der ausgleichenden Gewalt des Staates.
Die Deutschen sind geborene Sozialpolitiker, und von diesem Standpunkte aus sind sie stets ein politisch wunderbar strebsames und ruehriges Volk gewesen."
Er konnte freilich nicht ahnen, was 1933 begann.
Die einzige Gemeinsamkeit sehe ich in der Einschaetzung, dass der Deutsche Schaeferhund wie kein anderer Hund
die deutsche Seele auf das Positivste zeigt.
(Kein Witz, wer damit immer und eng zusammenleben durfte, weiss was ich meine:
Gerade, ehrlich, herzlich aber auch sehr hart, wenn es darauf ankommt-
die Disziplin eines Soldaten, das Herz einer Mutter, wenn ihm ein Jungtier -egal welcher Gattung- ihm zur Obhut gegeben wird.
Ob dieser Weibchen oder Maennchen ist, wird dabei egal)

"Der Wald hat nicht bloß einen wirtschaftlichen, sondern auch einen sozialpolitischen Wert.
Wo ein Gemeinbesitz des Waldes neben einem Privatbesitz des Feldes fortbesteht, da wird es bis in alle Ewigkeit keine rechte soziale Gleicheit im Volke geben.
Der Wald gilt in der deutschen Volksmeinung fuer das einzige grosse Besitztum, welches noch nicht vollkommen ausgeteilt ist.
Im Gegensatz zu Acker, Wiese und Garten hat jeder ein gewisses Recht auf den Wald, und bestuende es nur darin,
dass er nach Belieben in demselben herumlaufen kann."

Riehl sah eine Gegnerschaft in der Jagd zu den Bauern, die damals wohl noch gerne "gewildert",
dh. sich der latent feldschaedigenden Massen an Schwarzkitteln entledigen und diese auch gleich auffuttern wollten.
(Die sind sehr schwer zu jagen, die Jaeger aber -damals wie heute- haben diese Tiere
im Bestand durch Zufuetterung erheblich mehr in der Population anwachsen lassen, als dass es natuerlich waere.)
Heute sind die Bauern "automatisch" Teil der Jagdgenossenschaft, weil sie ueber eine gewisse Grundflaechenzahl verfuegen.
Vermutlich haette er in der allerjuengsten Entwicklung seine Freude an der sehr verbesserten Natuerlichkeit unserer Waelder durch den weiter erstarkenden Naturschutz.

Er sah ein "nahezu kommunistisches Herkommen" im Holzsammel-Recht der frueheren Zeit, dabei musste- damals wie heute ein "Leseschein" gekauft werden.
(Ob er das nicht wusste?) Im Grund ist die "Guetergemeinschaft Wald" noch immer eine kommunale Sache,
wenn man von den -leider immer noch vorhandenen- Privatwaeldern einmal absieht.
Es wird Zeit, dass das "Recht" dazu neu ueberdacht wird- der Adel hatte diese Gebiete nur geklaut, mehr nicht.

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, auch wenn wir keines Holzes beduerfen, wuerden wir doch den Wald noch brauchen.
Das deutsche Volk bedarf des Waldes, wie der Mensch des Weines bedarf.."

"In unseren Walddoerfern -und wer die deutschen Gebirge durchwandert hat,
der weiß, daß es noch viele echte Walddoerfer im deutschen Vaterlande gibt - sind unserem Volksleben
nach die Reste anfaenglicher Gesittung bewahrt, nicht bloß in ihrer Schattenseite, sondern auch in ihrem naturfrischen Glanze."

"Die Lehre von der buergerlichen Gesellschaft ist die Lehre von der natuerlichen Angleichheit der Menschen.
Ja, in dieser Angleichheit der Gaben und Berufe wurzelt die hoechste Glorie der Gesellschaft, denn sie ist der Quell ihrer unverschoepflichen Lebensfuelle."

"Wir muessen den Wald erhalten, nicht bloß damit uns der Ofen im Winter nicht kalt werde,
sondern auch damit die Pulse des Volkslebens warm und froehlich weiterschlagen, damit Deutschland deutsch bleibe"

"Ein Dorf ohne Wald ist wie eine Stadt ohne historische Bauwerke, ohne Denkmaeler, ohne Theater und Musik.
Unseren großstaedtischem Leben merkt man andererseits freilich auch tausend Zuege an, wie weit sich der echte Wald von diesen Staedten zurueckgezogen hat."

Er sah das Land in drei Volksgruppen, die Noerdliche, die Suedliche und die Mitte Deutschlands, wo die Franken vorherrschten.
Gerade diese Mitte des Landes sah er als ein Denkmal, das stehen geblieben ist. Dort sei das typische, sich selbst zersetzende,
haarklein betriebene Sonderleben der Ueberkultiviertheit und rastloser Strebsamkeit des Einzelnen mit tausend alten Ruinen zu erleben..

Diese Mitte bleibt tonangebend im gesamten kulturellen Leben, des Humanismus, der Standesunterschiede ausgleicht,
findet man in der typischen Kleinstaaterei dieser Region am besten ausgebreitet, die stets die Kulturpflege betrieb und auch den 30j. Krieg ueberstehen half:
"Wer die Geschichte der inneren Erhebung Deutschlands im 18.Jhd vorurteilsfrei schreibt, der wird manches Kleinstaates,
so mancher kleinen Residenzstadt dabei oft in Ehren gedenken muessen"

"Wir wuchsen aus dem Kleinen empor, wir wuchsen langsam, aber jene tief nachhaltige Kraft deutschen Wesens,
welche in seiner Vielseitigkeit gruendet, wurde doch dadurch gewahrt und gehoben,
bis sie sich zuletzt auch im Großen laeutern und bewaehren konnte"

Das -wie schon erwaehnt- war vor der Nazi-Epoche, die nur 12 Jahre dauerte, aber tausend Jahre der Arbeit zerstoerte.
Die Offenheit der Mitte-Region lies die Dialekte weniger arg zutage treten, wie das im Norden und Sueden der Fall ist.

"Eine der traurigsten Folgen des Dreissigjaehrigen Krieges besteht ueberhaupt meines Dafuerhaltens darin,
daß in so vielen deutschen Gauen das richtige Verhaeltnis zwischen Stadt und Land verschoben,
ein einseitiges Vorwiegen zuerst der kleinstaedtischen, dann der großstaedtischen Interessen ueber die Interessen des Landvolkes moeglich gemacht,
und so eine in sich hohle, aller Naturkraft bare Bluete des staedtischen Lebens geschaffen worden ist neben einer im Kern zwar gefunden,
aber in ihrem materiellen Bestand zurueckgeschobene, sozial und politisch vereinsamten Landbevoelkerung."

"Auch in dem riesigen Anwachsen vieler Staedte zeigen sich in unserer Zeit bedenkliche Symptome der Widernatur. Europa wird krank an der Groeße seiner Großstaedte."

Sonderbar, wo Riehl die "EU" nicht gekannt haben kann ;)

Mir faellt schon lange auf, dass unsere "Interlektuellen" oder "Linken" immer wieder beharrlich versuchen,
jede Art der Darstellung die Identitaetsbekundungen zu unserem Land zu behindern,
laecherlich zu machen und zu zerdeppen- mit dem Hinweis auf das dritte Reich.
Das hat max. 12 Jahre gedauert- in der langen Geschichte unseres Landes und wohl so viel in den Leuten kaputt gemacht.
Ich denke, dass auch dieses Treiben der Negierung der Flagge ein Produkt des Ostens war.
Wir als fruehe Touristen haben uns schon immer an den Fahnen der jeweiligen Laender erfreut,
die von Hotels und in den Privathaeusern von den Balkonen hingen, die bei jeder Gelegenheit gezeigt wurden.
Wir sollten auch wieder etwas mehr "Flagge zeigen", dem tuechtigen neuen Land, das aus den Ruinen erwachen ist-
schliesslich stammen auch die USA und div. andere Laender von dieser Kultur ab.
Nationalitaet und Nazionalismus ist etwas anderes - vergleichbar mit Religionszugehoerigkeit und buchstabengetreue, kritiklose Glaubenshoerigkeit !

Weiter mit Riehl:
"Das fabelhaft rasche Anwachsen unserer groesseren Staedte geschieht nicht durch einen Ueberschuss an Geburten,
sondern durch einen Ueberschuss an Einwanderung.
Das Land und die kleine Stadt wandern aus nach der Großstadt.
Die ueberwiegende Masse dieser Einwanderer besteht aber aus einzelnen Leuten, die noch keinen festen Beruf, kein eigenes Hauswesen haben,
die in der grossen Stadt erst ihr Glueck machen wollen.
Es ist ihnen daheim zu langsam vorwaertsgegangen, in der grossen Stadt aber hoffen sie ernten zu koennen, ohne gesaet zu haben.
Sicher finden nur wenige dieses getraeumte Glueck, die Mehrzahl dagegen stroemt nach einiger Zeit wieder ab;
dafuer treten aber wieder ebenso viele und noch mehr Nachstroemende ein, die ebenso rasch wieder verschwinden.
Nicht durch die sesshafte, sondern durch die flutende und schwebende Bevoelkerung werden unsere Großstaedte so ungeheuerlich.
In diesen Ziffern der Einwanderer vom Lande zur Großstadt liegt eine weit groessere Summe von Gefahren fuer die individuelle Entwicklung
unseres gesamten Volkslebens versteckt, als in den Ziffern der Auswanderer nach fernen Weltteilen,
die freilich dem Volkswirt unheimlicher ins Ohr toenen moegen.
Bei den in Ungeheuerliche und Formlose ausgereckten Großstaedten hoert der besondere Charakter der Stadt als eines originellen,
gleichsam persoenlichen Einzelwesens von selber auf.
Jede Großstadt soll eine Weltstadt werden, d.h. uniform allen anderen Großstaedten, selbst das unterscheidende Gepraege der Nationalitaet abstreifend.
In den Großstaedten wohnt das ausgleichende Weltbuergertum."

Heute scheint es jedoch so zu sein, als blieben die Zuwanderer und kochten ihr eigenes Sueppchen der Nichtanpassung,
mit den bekannten Problemen daraus, die hartnaeckig vom "angesagten Denkschema" negiert werden, das vor Restriktionen nicht zurueckschreckt,
ja sogar die eigenen Gesetze der Buerger gegen dieselben richten will, solle sich jemand zu kritisch aeussern.
Nach dem verlorenen Krieg wurde das Nationalgefuehl derart zum "no go",
dass man das geradezu mit der neuen Oekodiktatur vergleichen koennte, waere man Kabarettist..

"Die weit ueberwiegende Mehrzahl der grossen Maenner Deutschlands, namentlich in Kunst und Wissenschaft,
sind aus den kleineren Stadten hervorgegangen und vom Land gekommen. "

Riehl meint, die Großstaedte sonnen sich darin zu zeigen, "wie gross sind doch sind"..

"Kein anderer deutscher Fluss hat eine so ausgesprochene Persoenlichkeit wie der Rhein; Geschichte,
Volksleben und Natur sind in praechtiger Harmonie durch den Stromverlauf mitbestimmt und verbunden.
Bei aller Naturschoenheit entscheidet nicht bloß, was wir wirklich sehen, sondern oft noch viel mehr,
was wir uns einbilden, was wir durch Phantasie und Reflexion uns vorstellen."

Die unterschiedliche Entwicklung in Stadt und Land meint Ruehl in folgenden Zeilen charakterisieren zu koennen;
"Aber man braucht nicht mal Koeln und Amsterdam gegenueber zu stellen-
nehmen wir die zwei nachbarlichen Grenzstaedte Cleve und Nymwegen;
sie sind kaum drei Meilen entfernt, liegen aber im Charakter ihrer Bevoelkerung eine Welt weit auseinander,
waehrend die Doerfer von preussisch Geldern und Cleve den benachbarten hollaendischen Doerfern auffallend verwandt sind.
Die Tatsache erklaert sich dadurch, dass eben das urspruengliche Volkstum, wie es der Bauer am treuesten bewahrt,
ein gemeinsames war, waehrend der Gang der politischen Kultur, die in den Staedten gipfelt,
Holland und Deutschland seit drei Jahrhunderten auseinandergerissen hat."

Riehl sagt sehr richtig: "Das Studium des Volkes sollte aller Staatsweisheit Anfang sein und nicht das Studium staatsrechtlicher Systeme."

"Die Wissenschaft vom Volke gehoert zu den noch nicht existierenden Hilfszweigen der Staatswissenschaften. Ist das nicht seltsam?
Das Volk ist der Stoff, an welchem das formbildende tTalent des Politikers sich erproben, das Volksleben das natuerliche Element,
dem er als Kuenstler Maß und Ordnung setzen soll.
Wie laesst sich da eine Wissenschaft der Politik denken, die nicht begoenne mit der Naturgeschichte des Volkes?
es wird aber noch eine Zeit kommen, wo man auf den Universitaeten Collegien lesen und im Staatsexamen Noten erzeilen wird ueber die Wissenschaft vom Volke."

"Clemens Brentano hat ein wunderschoenes Wort gesprochen von den Mysterien des Naturlebens,
die nur dann den Wanderer befreundet anschauen, wenn er ueberallhin ehrfurchtsvolle Hingabe mitbringt.
Und der Dichter woertlich:
Weil ich alles Leben ehre, Scheuen mich die Geister nicht!"

"Ist es nicht auffallend, dass die Parteien, die das Volk am meisten im Munde fuehren, so wenig tun,
um das Volks- und Gefuehlsleben in einen Einzelheiten zu durchforschen?"

Riehl ueber sich:
" Es ist ein wahrer Herzenswunsch des Verfassers, man moege in seinen Beitraegen zur Wissenschaft des Volkes
ein Aktenstueck erkennen, welches bezeugt, dass eine mit liebevoller Hingabe an Art und Sitte des Volkes unternommene Durchforschung
der modernen Gesellschaftszustaende in letzter Instanz zur Rechtfertigung einer konservativen Sozial-Politik fuehren muesse.."

Er meinte,dass im Bauernstand der beste Teil des Konservatismus zu finden sei- das ist heute doch sehr viel anders geworden,
als vor bald 200 Jahren, als Ruehl geboren wurde und danach, wo er wirkte und schrieb- der Bauernstand ist heute eher zum Agrarier gekommen,
einem fabrikantenaehnlichen Zulieferer der Nahrungsmittel- und Kosmentik- und Pharmabranche,
der mittels Subventionen gesteuert, genau das anbauen wird, was gerade vom Markt benoetigt wird.
/Das impliziert freilich auch eine verdeckte Subvention der Lebensmittel, wodurch im kalten Krieg eine gewisse Systemueberlegenheit
gezeigt werden oder schlichterdings die immer weniger Lohn beziehende Masse an Menschen ruhig halten soll.

Riehl zitiert:
"Dieser Galgen ist fuer uns und unsere Kinder" so lies eine Stadtgemeinde auf den Balken schreiben,
da sie den fremden Spitzbuben im Tode ebensowenig wie im Leben bei sich Aufenthalt gestatten wollte...

Der Bauernstand hat heute nicht mehr viel mit den alten Traditionen zu tun, ist aber dennoch konservativ was die politische Beteiligung anbelangt.
Das "zaehe Verharren auf den Bauernstolz" darf man heute dem des Fabrikbesitzers gleich setzen-
darueber stehen heute die Banker, die ein sehr seltsames Diktat ausueben, laengst als Zecken,
denn als Helfer der Gewerbetreibenden und ganz besonders gegen den Privaten gerichtet.

"Ein alter Bauernspruch sagte: Selbst ist der Mann. Darin liegt Nervenstaerke und Zaehigkeit"
Ein "Bannertraeger des deutschen Geistes und Gesittung" ist heute kein Stand mehr, auch der Bauer nicht-
daran ist die ausufernde Parteienpolitik nicht ganz unschuldig, die JEDEN verkauft, nur damit die direkten Mitspieler schnell und gut reich werden.

Von "leg dich krumm bis Gottes Hilfe kumm" ist heute die Hilfe durch die EU geworden..

Riehl sah den Buerger als Gegenpol zum Bauern.
Er sah eine "Physiognomie der gebildeten Gesellschaft sich ueber ganz Europa ausbreiten, vornehmlich in den Staedten zuhause".
Heute sind die "Bauern" studiert, haben promoviert und das zuweilen gleich mehrfach..

Das, was man heute als "Buerger" bezeichnen koennte, sind wohl etablierte akademische Grade, Geschaeftsleute,
kleinere Fabrikanten, Banker, Vorstandsangehoerige und Geldanleger oder Erben.
Die anderen Bewohner von Stadt und Land sind kleine bis mittlere Bedienstete und Sozialhilfeempfaenger..
Darueber hat sich eine ausgedehnte Speckguertel-Schicht gebildet, die als graue Eminenzen ein abgeschiedenes Dasein zelebrieren.
Die Mehrheit schweigt, wie der Wald- in der Hoffnung, den "Job" nicht zu verlieren, da die Kredite zurueckgezahlt werden muessen..

https://de.nachrichten.yahoo.com/gro%C3%9Fe-koalition-will-sterbehilfevereine-verbieten-083752564.html
Inzwischen ueben sich unsere "Demokraten" weiter darin, lieber zu verbieten, als Volksabstimmungen zu wagen!

"Diese streitsuechtigen alten Zuenfte, die sich wohl das ganze Jahr hindurch in den Haaren lagen,
diese kriegsgewaltigen Buerger, die, wie weiland die Koelner gegen ihren Erzbischof Konrad von Hochstetten,
sich oft aufs tapferste mit Rittern und Knechten im Felde schlugen, waren doch nebenbei auch wieder diese Spießbuerger,
die ihre Ruhe liebten, und denen man oft viel bieten musste, bis ihnen der Geduldsfaden riß,
und bis sie dann aber auch um so ingrimmiger ihre Schlaege austeilten.
Darum ist jener Wahlspruch, welcher "Ruhe" als die "erste Buergerpflicht" bezeichnet, ganz aus der Seele des Buergertums gesprochen,
und ist doch dasselbe Buergertum die Seele aller grossartigen Bewegung,
des maechtigsten sozialen und politischen Fortschritts in Staat und Gesellschaft gewesen."

Nun gut, die Zeiten haben sich geaendert- es mag jeder fuer sich beurteilen, in wieweit diese Zeilen noch stimmen moegen.

Weiter meint Ruehl: " Der stabile Bauer ist gesund, der stabile Buerger ist krank.
Der einsichtsvolle Staatsmann wird daher uaf den duldsamen, notgedrungenen Konservatismus des Kleinbuergers durchaus nicht das Gewicht legen,
welches er dem natuerlichen, angestammten Konservatismus des Bauern beimessen muss.
Die idealere Natur des Buergertums weiss nichts von solcher Entsagung.
Ihr rechtes Lebenselement ist das Wetten und Jagen nach Erfindung, Vervollkommnung, Verbesserung.
Die Konkurrenz ist ein echt buergerlicher Begriff, dem Stockbauer liegt er sehr fern."

Da sieht man gleich, dass er die Arbeiter und Angestellten wohl nicht im Sinn hatte, wenn er von "Buergern" schreibt.
Der Bauer ist heute doch sehr wohl in das Konkurrenzdenken eingewoben, das wird wohl schon immer so gewesen sein.
Ruehl ist da wohl aus dem gehobenen Buergertum stammend- ganz einfach bar naeherer Beruehrung mit den Bauern gewesen.

"Darum liegt die Gruendung von Majoraten und Fideikommissen nicht im Geiste des Buergertums,
so sehr sie im Geiste der Aristokratie und des Bauerntums liegen mag. Das beste buergerliche Erbe
ist die Kraft und gegebene aeussere Moeglichkeit, Reichtum zu erwerben, nicht der feste Besitz..
Jener hoechste Stolz starker Geister, alles durch sich selbst geworden zu sein, ist ein echt buergerlicher,
im Gegensatz zu dem aristokratischen Stolz auf historischen Ruhm und ererbtem Gut."

Ich denke nicht, dass die heutigen Kleinbuerger "Reichtum" erwerben koennen-
hier darf gerne unterschieden sein zwischen diesen und den eigentlichen (Voll)Buergern,
die heute von "Anlagevermoegen" ausgehen.

"Der Sprachgebrauch nimmt "buergerlich" und "schlicht" haeufig als gleichbedeutend.
Entsprechend bezeichnet der Sprachgebrauch den Buergerstand als den "Mittelstand".
Dieser Ausdruck ist in mehrfachem Betracht trefflich, und wir moechten ihn namentlich auch in dem hoeheren und stolzeren Sinne fassen,
dass das Buergertum den Mittelpunkt, den eigentlichen Herzpunkt der modernen Gesellschaft bilde.."

So leicht kann man sich das heute nicht mehr machen, weil eben "buergerlich" zwar mit "schlicht"
-z.B. "buergerliche Kueche" gleichsetzt, aber der "Mittelstand" ist bestenfalls der Fabrikbesitzer ab 100 Leute Personal einzustufen.
Das Herzstueck des Staates sollten die Familien sein, deren Wohl und Wehe, der Sinn eines jeden Landes, einer jeden Kultur.
Die Suche nach Wettbewerb und dem Kraeftemessen, dem Konkurrenzdenken treibt zuweilen recht eigene Blueten- in der Geschaeftswelt andere als in der Welt abhaengiger Arbeit.
Die Gewohnheit zu solchem Druck laesst den Sport wieder neue Hoehen erlangen.

Nun geht Riehl weiter in seinem Tun:
"Luther selber in seiner zwiespaeltigen Natur ist ein wahres Urbild eines deutschen Buergers.
Der Drang, eine verrottete Welt aus ihren Angeln zu heben, und zugleich das Bewusstsein,
dass nur in dem Anklammern an das Beharrende und Bestehende die wilden Schwarmgeister gebannt werden koennen, kaempfte unablaessig in seiner Brust.
Daher so manche Widersprueche in seinem Leben, die nicht aus mattherzigem Verzagen, sondern aus der Tiefe des Kampfes selber quollen.
Es sind die Widersprueche des deutschen Buergertums."

"Neuere Schriftsteller haben mit Recht hervorgehoben, wie die erschuetternden Erfolge Luthers aufs engste damit zusammenhingen,
dass erseine Predigt an das deutsche Volk gerichtet habe.
Allein ein Volkstum im modernen Sinne bestand damals noch nicht.
Durch seine Stellung inmitten des Buergertums ist Luther erst in zweiter Linie volkstuemlich geworden."

Ohne Luthers deutsche Bibel, ohne die durch dieses Werk festgestellte allgemeine deutsche Sprechart und Schreibart
waere der moderne Universalismus des Buergertums gar nicht moeglich gewesen.
Denn seine oberste Voraussetzung ist, dass die Scheidungen der Staende gekreuzt werden durch die grosse Querlinie, welche lediglich eine gebildete und eine ungebildete Gesellschaft abteilt.
Diese gebildete Gesellschaft ist aber im Gegensatz zur gelehrten Welt nur moeglich geworden durch Luthers Zentralisierung der deutschen Schriftsprache.
Gerade dieser buergerlichen Richtung im Protestantismus konnte sich auch der katholizismus auf Dauer nicht entziehen,
er ist in Messe und Predigt und allerlei anderen Kultusformen, in der Zugaenglichkeit der verdeutschten heiligen Schrift fuer die ganze Gemeinde
und in vielen weiteren Stuecken buergerlicher geworden, waehrend hier frueher der priesterlich-aristokratische Charakter verwaltete.
Darin zeigt sich eine der entscheidenden sozialen Folgen der Reformation"

Richtig oder unrichtig, moeglich oder unmoeglich- heute urteilen wir ganz anders, als die Leute zu Ruehls Zeiten.
Mir ist die Gedankenwelt in Gegenueberstellung zu heute sehr wichtig, nur so kann jeder fuer sich seine Schluesse ziehen.
Aber gemach, es kommt noch dicker..

"Der Mann gibt dem Hause und der Familie Namen und aeussere Gestaltung;
er vertritt das Haus nach aussen.
Durch die Frau aber werden die Sitten des Hauses erst lebendig;
so haucht sie in der Tat dem Hause den Odem des Lebens ein.
Das innerste Leben des Hauses, sein individueller Charakter wird fast immer bestimmt durch die Frau, die aeussere Stellung gibt der Mann dem Hause.
Auch hier springt das beharrende, aristokratische Wesen der Frauen hervor."
(Meiner Frau standen beim Vorlesen dieser Lektuere zuweilen die Nackenhaare hoch)
Weiter im Zitatenschatz: "Ueber der unmittelbaren Beziehung des Mannes zum Staate wird die in der Familie vermittelte des Weibes vergessen.
Freilich wandelt der Mann auf der politischen Buehne, waehrend die Frau nur eine ruhende Macht im Staate ist"
(Nun steht auch mir der Kamm)
Die Auszuege aus den Schriften dieses Autors sind es, die eine Aussage machen-
die Gesamtheit des Textes mag ich niemandem zumuten, weil einfach zuviel Schuett- und Fuellmaterial eingebracht worden ist.
(Ob aus Gruenden der Verschleierung oder um das Buch voll zu bekommen, kann ich nicht sagen)
"Die Tracht ist ueberhaupt ein hoechst wichtiges Ding, wo es sich um die Familie und die Sitte handelt.
Die grosse Hauptscheidung der Tracht in maennliche und weibliche findet sich bei allen Voelkern und in allen Perioden der Geschichte.
Hier ist ein wahrer consensus gentium.
Die Zivilisation hat diesen Unterschied nicht entfernt auszugleichen vermocht.
Die besondere Frauentracht ist der handgreifliche Protest aller Nationen gegen die Berufung von Frauen und Maennern zu gleichem Wirken.
Darum liegt ein tiefer Sinn in jener altislaendischen Rechtsatzung,
kraft deren das Aufgeben der landesueblichen Tracht der Frau als ein Ehescheidungsgrund geltend gemacht werden konnte"

Ich kenne niemanden, der in einer "Tracht" geht- nach Bayern mag ich nicht fahren, auch nicht zum Oktoberfest..
- wie auch immer, das Traktat geht weiter:

"Das Web haelt die natuerlichen Stufenfolgen im Familienleben und den Gesellschaftsgruppen streng auseinander, nicht aus politischem Bewusstsein, sondern aus Instinkt"

Beim Barte des Propheten, ein sehr starker Tobak!

"Es hat die Selbstbeschraenkung auf einen engen Kreis im Hause kennengelernt;
es wird nur vollgueltig, indem es sich eins weiss mit einem Mann; es existiert nicht fuer sich, sondern nur in und mit der Familie.
Es lernt von Jugend auf seine Persoenlichkeit einem hoeheren Ganzen unterzuordnen.
Das Weib beurteilt die Gesellschaft nach dem Hause;
es begreift die Gliederung der Gesellschaft als eine Naturnotwendigkeit, der man seinen persoenlichen Eigensinn ebensogut beugen muesse,
wie der Idee der Familie, waehrend der Mann noch nach Beweisen fuer die Vernuenftigkeit dieser Gliederung sucht.
Auch darum sind die Standesschranken fuer das Naturell des Weibes weit fester gefuegt als fuer den Mann.
Das Weib weiss recht wohl, dass der aeussere Rang, - ganz im Sinne der Aristokratie- bei ihm strenger berechnet wird als beim Manne.
Einem bedeutenden Manne oeffnen sich alle Schranken der vornehmen Geselligkeit;
er kann hoffaehig werden, bloß um seines Talentes willen. "

Mein lieber Schwan, das glaubst du doch selbst nicht - keiner ueberwindet so leicht die gesellschaftlichen Schranken!

"Die geistvolle Frau dagegen wird niemals hoffaehig werden, weil sie geistvoll ist.
Sie steht in ihrem einmal angeborenen oder angeheirateten Rang, ueber den sie durch eigene Kraft nicht hinaus kann.
Wenn eine Frau aufsteigt zu hoeheren Gesellschaftsstufen, so tut sie dies zumeist durch die Familie;
der Mann dagegen schwingt sich rasch empor im oeffentlichen Leben.
Der Mann kann seinen Lebenslauf waehlen, er kann ihn wechseln, er kann sich selst im reifen Alter noch neue Berufe schaffen."

Sorry mein Guter, das geht nur, wenn der Vater Schlossverwalter war, wie bei dir.. ;)

"Der Frau wird der Beruf angeboren und sie muss in ihm verharren.
Das allein gibt den Frauen schon ein aristokratisches, konservatives Gepraege.
Allein die Zeiten wechseln. Das Mittelalter kanne auch noch viele angeborene Berufe der Maenner.
Die Neuzeit kennt deren nur wenige. Andererseits streben jetzt viele Frauen nach freier Berufswahl,
hauptsaechlich von zweierlei Motiven getrieben, durch den Ehrgeiz und durch die Not.
Der Unterschied von Mann und Weib konnte nicht dadurh ausgeglichen werden, dass wir die Frauen wie die Maenner erziehen.
Ich bin aber weit entfernt von dem Gedanken, dass die Frauen in Unbildung stecken bleiben sollten. "

Ein Einsehen? Ein Lichtblick? Mitnichten. Die Floskel "aristokratisch" ist nicht unbedingt nett gemeint!

"Ich will nur, dass ihre Bildung eine weibliche sei, eine gemuetliche, sittliche, religioese,
eine Bildung des Lebens, nicht der gelehrten Schule.
Mann kann den Frauen vielerei Gelehrsamkeit bieten, nur nicht jegliche Gelehrsamkeit.
Das Weib kann die mannigfachsten Bildungsstoffe in sich aufnehmen;
es kann in der Kunst und Wissenschaft selten Fuss fassen, und sofern es dadurch nur dem weiblichen Hauptberuf,
welcher der Familie gehoert, nicht untreu wird,
mag eine solche anspruchslose und seine maennliche Bildung auch dem Weibe ein koestlicher Schmuck werden"

"Der politische Volkscharakter ruht in letzter Instanz bei dem Weibe, die politische Tag bei dem Mann.
Der Mann ist nicht nur der rechtliche Vormund des Hauses, alle Bildungs- und Gesittungsarbeit des Hauses wird durch ihn den weiteren Kreisen, der Oeffentlichkeit vermittelt.
Wo die Ehe eine wahre, eine geistig ebenbuertige und sittlich vollgueltige ist,
da wehen stets zwei Personen in den vornehmsten Gedanken und Gesinnungen des Mannes- er selbst und seine Frau.
In diesem hohen und reinen Sinn werden auch alle echten Ehefrauen mitvertreten sein im Parlament, wenn der Ehemann darin ist.."

So so. Na denn!

"Gesellschaft und Staat aber werden erst in ihrer gegenseitigen Durchdringung ein lebendiges Ganzes, weil Weib und Mann zusammen erst einen ganzen Menschen ausmachen.
Die Maechte des sozialen Beharrens aber, Aristokratie und Bauerntum, sind die reinsten gesellschaftlichen Maechte.
In den Maechten der sozialen Bewegung, namentlich im Buergertum, wird die Gesellschaft schon ueber sich hinausgefuehrt zum Saate."

Es kommt noch dicker, was mich leicht bei den Gorillas um Asyl bitten lassen koennte:

"Bei dem rohen Naturmenschen, desgleichen bei verkuemmerten, in ihrer Gesittung verkrueppelter Volksgruppen zeigt sich der Gegensatz von Mann und Weib noch vielfach vermischt und verdunkelt.
Das Bauernweib ist in jeder Beziehung, bis auf das allgemeine koerperliche Gepraege hinab, noch ein Halbmann.
Bei einer verarmten und gedrueckten Landbevoelkerung wie bei den in harter koerperlicher Arbeit und Entbehrung erstarrten Proletariern
hat der maennliche und weibliche Kopf fast ganz die gleiche Physiognomie.
Erst im hoeheren Kulturleben tritt das ganze Weib dem ganzen Mann in jedem Zug charakteristisch gegenueber."

Nochmal: Nein, das ist kein Rechtsradikaler gewesen, das war ein sehr geachteter Wissenschaftler,
auf den und auf viele Leute seiner Gedankenwelt fußt unsere ganze Kultur, die ganze Wissenschaft und Forschung..
vermutlich werden sich einige aus der unseeligen Zeit daran die Fuesse gewaermt haben, das mag schon sein.

"Selbst der mittlere Durchschnitt der Koerperlaenge wird sich beim gemeinen Volke fuer beide Geschlechter weit gleichmaessiger stellen als bei den verfeinerten Klassen."

Vielleicht hatten die Leute schlichterdings nicht genug zu essen?!

"Wer Szenen aus den Nibelungen malt, darf seine Kriemhild und Brundhild nur um weniges kleiner messen als seinen Siegfried und Hagen.
Das Web des Recken ist selber noch reckenhaft gewesen.
In den nordeutschen Marschen sind grenadiermaessige Bauernweiber noch nahezu die Regel.
In unseren Staedten sind solche Erscheinungen bereits eine auffallende Ausnahme.
Selbst die Klangfarbe der Stimme der beiden Geschlechter ist bei einfacheren Zustaenden der Gesittung im allgemeinen gleichmaessiger."
Meine Frau: Eieiei!
"Der gemeine Mann bezeichnet das Weib gern geschlechtslos als "das Mensch", und zwar keineswegs immer im veraechtlichen Sinn,
also; ein treues, ehrliches, fleissiges Mensch."

Ich moechte ich die norddeutschen Landsleute arg arg troesten:
Der Autor ist tot.

"Auch der geschaeftliche Beruf des Weibes aus dem Volke faellt mit dem des Mannes noch voellig zusammen.
Bei dem baeuerlichen Tageloehner und dem armen Kuhbauern schafft die Frau ganz das gleiche wie der Mann.
Auch die geistige Bildungsstufe beider wird voellig gleichartig sein."

..dann sind wir heute wohl voellig auf den Hund gekommen, wo so viel Idioten-Jobs teilautomatisiert und vollschematisiert laufen!

"Beide arbeiten im Acker, lenken Pflug und Wagen gemeinsam, saeen, ernten und verkaufen gemeinsam oder in zufaelliger Abwechslung.
Ja, maennlicher und weiblicher Beruf findet sich auch hier oft ausgetauscht."

Das war der Beweis- er meint uns!

"So bewacht der Hirt vielleicht Struempfe strickend die Herde, waehrend seine Frau hinter dem Pfluge geht.
Es ist selbst oft, als waere der alttestamentare Fluch, dass das Weib mit Schmerzen gebaeren solle, von solchen Weibern genommen;
denn sie gebaeren wohl gar "hinter den Hecken" und stehen nach drei Tagen wieder an ihrer gewohnten Arbeit"

He du Spacken, jetzt langt es aber- die Krankenkasse will doch, dass die Frauen geschwind wieder zur Arbeit kommen- oder?

Die Haupttaetigkeit der Frau ist in den entwickelteren Schichten des Bauerntums schon selbstaendiger auf das Haus beschraenkt;
sie wuerde ausgelacht werden, wenn sie hinterm Pfluge ginge, und ihre Mann, wenn er Struempfe strickte."

Es ist schade, dass der Autor die heutige Zeit nicht mehr sehen konnte..

Die Absonderung der beiden Geschlechter im geschaeftlichen Beruf, wie sie beim entwickelteren Bauerntum begonnen,
setzt sich bei den Buergern stufenweise fort.
Bei den groesseren Gewerben und vollends bei den geistigen Berufen hoert diese weibliche Mitarbeit ganz auf.
Je hoeher der Berufskreis, um so gesonderter ist die Taetigkeit von Mann und Frau"

Heute haben wir eine Bundeskanzlerin..
Er laesst den ganzen Hochmut aus dem Sack, der aus einigen weiteren Zeilen spricht- vermutlich nicht nur sein alleiniger Duenkel,
sondern den der damaligen Zeit "hochstehender Geistesschaffender", ehemalige pickelige Streber,
die ihren Frust spaeter an den Menschen auslassen..

"Erst die Germanen haben die Wuerde der Frauen und die Wuerdigung der Frauen mitgebracht in die abendlaendische Welt."

Nee nee, die Steinzeitleute hatten die "Gleichberechtigung" schon laengst- erst nach der Christianisierung kam die Schraeglage und der Chauvinismus..

"Bei Jakob Boehme finden wir den sinnvollen Mytus, dass der Urvater Adam urpruenglich ein volles Bild Gottes gewesen sei,-
Mann und Weib und doch keines von beiden."

Da hat doch bestimmt wieder so ein Sprachenspezialist ein wenig auf dem Schlauch gestanden- oder?

"Man koennte nun waehnen, weil bei den niederen Volksschichten eine so auffallende Gleichartigkeit der beiden Geschlechter in Natur,
Sitte und Beruf herrscht, so muesse dort das Weib auch im buergerlichen Leben dreinreden koennen, gleich dem Manne.
Allein nirgends tritt in diesem Struecke das Weib tiefer in den Hintergrund der stillen Haeuslichkeit zurueck als gerade bei den Bauern."

Gab es nicht mal einen Gruselfilm "Es" ?

"Es pfluegt mit dem Manne den Acker, aber es schweigt in der Gemeinde.
In der Last der Arbeit steht die Baeuerin dem Bauern gleich, in der Zucht des Hauses ist sie ihm am gruendlichsten untertan.
Es fuegt sich zu einem wunderbar vollendeten Bau.."

"Wo sich die weibliche Natur noch nicht zu ihrer vollen Eigenart herausgearbeitet hat neben der maennlichen,
bleibt sie trocken, sproede, unbedeutend, sie entbehrt der Idealitaet.
Der Bauer ist oft ein viel groesserer Virtuose der Persoenlichkeit als unsere buergerlichen oder aristokratischen Maennercharakter;
alleine mit den gebildeten Frauen kann sich in diesem Punkte die Baeuerin nur selten messen.
Sie ist der leibeigene Gehilfe des Mannes, recht eigentlich die "Maennin" nach Luthers Ausdruck,
die nicht aufkommen kann neben dem Manne, weil sie ihm gleich ist."

"Maennin"? "Frauer"?
Nun klingt er schon wie die gruenliche Fraktion, die sich gerne sexistisch zeigt, aber in Formen, die gruseln lassen.

"Das Familienleben des Bauern hat darum auch eine sehr eintoenige Faerbung.
Weil der Gegensatz der Geschlechter aufs kleinste zusammengeschrumpft ist,
so wurzelt die eheliche Liebe hier auch weit mehr in der Freundschaft als in der Minne.
Daher ist die Ritterlichkeit des Frauendienstes,
wie sie in der Anschauung der feinen Welt immer noch durchklingt, dem Bauern ganz fremd.
Die Bauersfrau bewahrt die Sitte des Hauses am treuesten, aber dieses Leben in der haeuslichen Sitte ist auch wieder passiv und unbewusst;
ein dritter erschauert wohl die in diesem Hause webende Poesie, aber die darinnen wohnen, ahnen sie selber nicht"

Das ist ja wohl mal wieder eine typisch akademische Betrachtung der Menschen- kein Wunder,
weshalb die Gesetze nicht mehr lesbar sind, obwohl sie in unserer Sprache abgefasst wurden..

"Dieselben Ursachen und dieselbe Wirkung finden wir auch in der Familie des germanischen Altertums.
Man muss die romanischen Zuege aus dem mittelalterlichen Ritterschloss nicht in die Bauernhuette der deutschen Urwaelder uebertragen.
Treffend sagt Weinhold:
Die Hochstellung der Frauen unter den Germanen war eine mehr religioese als weltliche.
Die altgermanische Frauenverehrung ist durchaus nicht zu modernisieren;
das Weib war Weib, zu deutsch sein Wesen hinter dem Manne.
Rechtlich war die Lage der Frau voellig untergeordnet und laesst sich durchaus nur mit der den Kindern im vaeterlichen Hause vergleichen"

Wieder mal eine akademische Fehleinschaetzung- eine, wie sie die Wirtschaftskrisen und hochmuetige Studiengaenge und Prosa etc.
aus den Hirnen herausgequaelt hat..

"Erst als in den hoeher gesittenen Gesellschaftsschichten des Mittelalters die Sonderung der Geschlechter
bis ins Aeusserlichste vollzogen wurde, kam die romatische Minne und der ritterliche Frauendienst in das patriarchalische Haus.
Seit dem Mittelalter blieb nun der Aristokratie das Streben eigen, nicht nur die Sonderung der Geschlechter immer schaerfer zu vollziehen,
sondern sie auch in allem aeusseren Nebenwerk auf die letzte Spitze zu treiben. Dadurch sind wir dann endlich zu einem Extrem der Ueberweiblichkeit gekommen,
das ebenso einseitig ist, als die Unweiblichkeit bei dem rohen Volk. "

Rohes Volk ist gut!
Wer hat denn staendig die nachbarlichen Mit-Ritter ueberfallen und die Leute ausgepluendert?!

"Uebrigens wurde auch im Mittelalter die Ueberweiblichkeit zu Zeiten Meisterin ueber echte Frauenart.
Der uebertriebene Minnekultus setzt schon diese Ueberweiblichkeit voraus. Die feinste Schule der Galanterie an den provenzalischen Liebeshoefen stellte geradezu den Satz auf,
dass sich die Liebe mit dem Ehestand nicht vertrage."

Wir basteln uns ein Goetterstuhl und setzen uns darauf..

"Im Buergertum tritt die Soziale Geltung der Familie in den Hintergrund.
Die Ehe hat allenfalls noch ihre Romantik, aber nicht mehr ihre Politik.
Die Neigungsheiraten ueberwiegen in eben dem Grade, wie bei den Bauern und Edelleuten die Standes - und Konvenienzheiraten.
Die modern-buergerliche Sitte hat die patriarchalische Gewalt des Hausvaters moeglichst abgeschwaecht."

Evtl. haette man die Obrigkeiten, Pfaffen und Gelehrten und Rittersleute gleich in Kaefigen halten sollen-
oder noch besser: Arbeiten lassen, dann waeren ihnen die Flauseln vergangen, diejenigen zu verspotten, derenthalben sie uebehaupt haben leben und essen koennen..
(Unbestritten konnte eine Frau gepflegter sein, wenn sie bedient wurde, statt im Stall stehen zu muessen,
damit Milch und Butter verkauft werden - oder als ungerechte Zwangs-Abgabe der "gemeinen Leute" an die "Obrigkeit" gemacht werden konnte.. )

"Die veraeusserlichte und uebertriebene Sonderung der Geschlechter ist ein wahrer Keil zum Auseinandersprengen der Familie geworden.
Die Unweiblichkeit auf niederen Kulturstufen verdunkelt die eheliche Liebe und Hingebung;
die Ueberweiblichkeit der veraeusserlichten Zivilisation zerstoert das "Haus"

Die haben damals wirklich geglaubt, dass das, was oeffentlich nicht gezeigt wurde, nicht vorhanden war-
wieso dann die Aufnahme des fremden (christl.) Glaubens durch die "Herren",
die dann ihre "Untertanen" zwangen, diese Religion jeweils ebenso aufzunehmen?
Feinheit der Gefuehle ist nicht das, was man plakativ nach draussen zeigt, damit es so ein Hagestolz, wie diesem Schreiberling auffiele..

"Bei dem reicheren und gebildeten Buerger dagegen wird die Gruendung einer Familie fast immer rein die Sache persoenlicher Neigung sein.
Ist daher die Frau zu sein, um in der Familie und dem Hause, rein um der Familie selbst willen,
ihren Beruf und ihren Frieden zu finden, dann steht eine solche Ueberweibliche ganz ohne den sittlichen Halt eines festen Berufes in der Luft.
Die Frau, welche das Haus nicht erbaut, reißt das Haus nieder."

Der wohlhabende Buerger baute sein Leben immer in die Luft,
Luftschloesser haben sie den Narren verkauft, - und gut davon gelebt.

"Nun hat aber auch die neuere Zeit eine grosse Zahl selbstaendiger weiblicher Berufszweige ausgebildet,
durch welche das Weib der Familie ganz entrueckt wird.
Die Familie besteht fuer diese selbststaendigen Frauen nur noch als etwas Zufaelliges, wie auch ihr Geschlecht nur noch etwas Zufaelliges ist.
Dazu kommt eine andere Neubildung, der vierte Stand.
Der Stand setzt sonst das Haus voraus;
der vierte Stand hat aber kein Haus.
Das Weib steht hier vereinsamt, es kann sich nicht in seiner Eigentuemlichkeit entfalten,
weil es von seinem naturlichen Boden, der Familie abgeloest ist."

Das koennte man heute mit dem 5. Stand, dem der gleichgeschlechtlichen Hagestolze verbinden,
die das noch weiter getrieben und als Seilschaft ausgebaut haben, und zur "Mode" werden liesen..
geradezu ein Januskopf, was man entweder als "Unmaennlich oder Uebermaennlich",
am ehesten aber als schluepfrige Gleichartigkeit mit dem gleichen Sprachduktus sehen kann; als ein Resultat der Kultur?

"Durch die leibliche und sittliche Verbindung von Persoenlichkeiten der beiden Geschlechter zur Wiederherstellung des ganzen Menschen - die Ehe - entsteht die Familie."

Verhohnebibbelt und ad absurdum gefuehrt durch obige Mode?
Mit Sicherheit, sonst waere die gleichgeschlechtliche "Ehe" nicht moeglich geworden.

Weiter im grausamen Text, der die Zusammenhaenge der damaligen Denkungsweisen so richtig offenbart und uns heute erahnen laesst, wie es kam was kam..

"Die Familie ist uns aber nicht bloß religioes, sondern auch sozial und politisch ein Heiligtum.
Denn die Moeglichkeit aller organischen Gliederungen der buergerlichen Gesellschaft ist in der Familie im Keim gegeben."

Das klingt fast nach einer "sittlichen" Kehrtwende- oder?

"In der Familie ist gegruendet die sozialpolitische Potenz der Sitte, aus welcher das Gesetz hervorgewachsen ist.
Der Staat setzt die Familie voraus.
Die Familie ist das natuerliche Vorgebilde der Volkspersoenlichkeit, d.h. der buergerlichen Gesellschaft.
Beide sind, gleichsam als Naturprodukte unserer geschichtlichen Entwicklung, bestimmt durch die Idee der Sitte, der Staat dagegen ruht auf der Idee des Rechts."

jaja, das Recht- eigentlich zur Regelung bei Streitigkeiten gedacht,
aber als Machtinstrument der Oberen gegen die da unten geworden- was fuer ein Zufall!

"Ebenso steht der Mann zu seiner Frau in dem aus der Liebe hervorgewachsenen Verhaeltnis der Autoritaet.
Nicht gezwungen, sondern weil sie es ihrer Natur nach gar nicht anders kann und mag, tritt die Frau unter die Autoritaet des Mannes.
So war es, seit die Welt besteht, und so wird es bleiben"

Hier hat einer "Autoritaet" mit Zuneigung und Schutz verwechselt.

"Auch die Religion des Vater wird fuer das Bekenntnis der Familie entscheidend, denn er ist der Repraesentant der Familie"

Bloedsinn, die Frau geht oft den Weg des geringsten Widerstandes- in den meisten Faellen ist die natuerliche Naturreligion von der fremden,
abstrakten und von den Herren des Landes aufgezwungenen Religion "ersetzt", ueberbaut worden. Mehr nicht.

"In der Urzeit faellt Familiensitte und Staatsgesetz zusammen.
In den Perioden des entwickelten Rechtsbewusstseins kristallisieren sich die instinktiven Sitten zu einem Gewohnheitsrecht,
welches die Grundlage der aeltesten und allgemeinsten Gesetze der Voelker wird. Von da an ist Sitte und Gesetz fuer alle Folgezeit."

Familie und Staat war immer nur ein Gegensatz, da hat sich nichts "kristallisiert"- und eine "instinktive Sitte"
ist wohl eher Neidkomplex eines Mannes, der keine Frau abgekommen hat..

"Aus dem Autoritaetsprinzip der Familie geht niemals das Rechtsprinzip des Staates hervor,
aber der in der Familie genaehrte Geist der Autoritaet und Pietaet soll auch heute noch Staatsregiment und Staatsbuergertum durchdringen, weihen und verklaeren."

An solche hochgestochenen Wortgeschwulste wird in den Familien mit Sicherheit niemand jemals gedacht haben-
hier ging es um das Fruehstueck, wer fuettert das Vieh und maeht das Heu- oder wer weckt die Kinder?

"Man begehrt gegenwaertig wieder dringender als vorher Anerkennung der Autoritaet des Fuersten, der Verwaltung,
der Gesetzgebung, der Kirche, in Summa aller oeffentlichen Lebensmaechte"

..oder es setzt die Peitsche!
Willst du nicht mein Diener sein, schlag ich dir den Schaedel ein.
(Oder besser: Ich lasse dich auspeitschen, denn ich will mir die Haende an dir nicht schmutzig machen)

"Das kann nichts anderes heißen, als dass man die bewusst oder instiktiv dargebrachte Beugung des Eigenwillens vor diesen Gewalten im Interesse der Gesamtheit fordert."

Wer "fordert" das?

"Bei den Massen zieht dieser Geist des Respekts vor der Autoritaet nur ein, wenn das Geschlecht die volle Autoritaet der Familie
wieder durchempfunden hat.
Im Hause allein kann bei uns das Volk den Geist der Autoritaet und Pietaet gewinnen,
im Hause kann es lernen, wie Zucht und Freiheit miteinander gehen,
wie das Individuum sich ofern muss fuer eine hoehere moralische Gesamtpersoenlichkeit- die Familie."

Nun hoert sich aber alles auf!
Die Nichtsnutze haben den Staat gegen die Buerger umgeformt, um ohne etwas tun zu muessen ein Superleben zu fuehren- mehr nicht!

"Soll der einzelne nicht auch seinen persoenlichen Vorteil dem Vaterlande, der Nation opfern?
Wohlan!
Die Familie ist eine ebenso gewaltige, eine ebenso heilige und fuer die Entwicklung der Menschheit massgebende Tatsache wie die Nation.
Ist der aufopfernde Patriotismus etwas sittlich Grosses, dann muss dies auch die aufopfernde Familienhaltigkeit sein"

Was ist wohl eine "Familienhaltigkeit"?

"Frueher erzog man die Kinder im Hause;
moderne Art ist es dagegen, sie moeglichst frueh hinaus in die Schule zu schicken.
Die haeusliche Kindererziehung ist eine Arbeit, durch welche man gar nichts erwirbt- hoechsens Gottes und seiner Kinder Segen -,
und dennoch sollte fuer sie vornehmste Arbeit eines jeden Staatsbuergers sein.
Wir koennen die haeusliche Erziehung nicht mehr so weit erstrecken wie das Mittelalter,
weil der Staat eine ganz andere Stellung zur Familie eingenommen hat.
Denn in der Schule baut sich der Staat eine Bruecke zur Familie und macht ein in der modernen Staatsidee tief begruendetes Oberaufsichtsrecht ueber die Familie geltend.
Ihrer Form nach gehoert die Schule dem Staat, ihrem Inhalt nach aber sollte sie eine Vertretung und Fortsetzung des Hauses sein.
Ganz verkehrt aber ist das moderne Extrem, nach welchem die Schule das Haus absorbiert und ueberfluessig macht"

Soweit so gut- die Dialektik wird in der Schule hart bekaempft, der Individualismus, der Kriege verhindern kann, leider auch.

"Die politische Entwicklung blieber aber nicht stehen bei der absoluten Fuerstensouveraenitaet.
Neue Ideen wurden allmaechtig;
Gleichheit des Rechts, Gleichheit der Staende, Freiheit der Staatsbuerger, allgemeine Humanitaet, allgemeine Weltverbruederung.
Es war eine Periode dr Verleugnung des Hauses und der Familie.
Das Haus musste also auch aus der Schule fortgeschafft werden."

Wohin die sittliche Verbruederung der Welt durch die Fuersten gefuehrt hat, wissen wir..

"Die Zucht- und Meisterlosigkeit des Geschlechtes, welches Deutschlands tiefste Erniedrigung in der Napoleonischen Zeit
miterlebt und teilweise mitverschuldet hat, hing nicht wenig mit der Zerstoerung aller patriarchalischen Autoritaet
in der Schule und Haus zusammen.
Aus den neumodischen Schulen, in welchen vernuenftige Ueberzeugung und freundschaftlicher Verkehr die alte Zucht ersetzen sollte,
kamen tausend anmassliche Vielwisser hervor, aber selten ein Charakter."

Meint er nun die Walldorfschule oder sich selbst?
Mein Vater sagte mal:
Mit euch Jungen kann man keinen Krieg gewinnen.
Meine Antwort:
Mit euch auch nicht, denn ihr habt diesen gerade verloren..

"So schrieb ich vor fast einem Menschenalter.
Seitdem ist das Schulwesen maechtig vorgeschritten, aber nicht immer fortgeschritten"

Daran hat sich nichts geaendert- ausser den Skandalen, wo man sich an den Buben vergangen hat..

"Die Familie ist der Schwer- und Angelpunkt unseres sozialpolitischen, weil unseres nationalen Lebens.
Der deutsche Staat aenderte sich und die deutsche Gesellschaft - und die deutsche Familie blieb doch im wesentlichen, was sie war.
Ja, mir scheint sogar, in dem Maße, als wir beweglicher wurden in Staat und Gesellschaft, bleiben wir um so beharrender in der Familie"

Nun hat er's !
Die Familie war nie "deutsch" oder "nassauisch"- sie war einfach nur Familie, ein Verbund von Vater, Mutter und Kinder-
nicht "patriarch" oder "aristokratisch" oder "religioes" oder kriegsluestern-
das alles wurde nur von aussen aufgezwungen, von den "tausend anmasslichen Vielwissern".

"Die Humanitaetsidee verschlang den Gedanken an die Familie, ueber der Menschheit wurden die Menschen vergessen,
ueber dem Idealen Menschen das Volk in seiner derben, oft auch rohen Realitaet"

Die Roh-heiten kamen wohl eher von den Kriegsherren, die auf dem "Schlachtfeld" wueteten.

"Es zeigt die Aufloesung des Familienbewusstseins an, das es mehr und mehr Sitte wird,
die einzelnen Genossen des Hauses in Gruppen abzusondern; Mann und Frau, die Kinder, das Gesinde, die Geschaeftsgehilfen usw.
bilden in dem vornehmen Hause je eine Familie fuer sich.
Der alte Gedanke des ganzen Hauses ist damit faktisch aufgehoben"

Nun, da weiss ich nichts von- ich bin in einem einfachen Haus in einfacher Familie aufgewachsen und kenne auch keine "gehobenen" Leute.

"Die Aristokratie und die Bauern, die auch hier als Maechte es sozialen Beharrens erscheinen,
erkennen die Familie noch in viel weiteren Grenzen an.
Ein Andergeschwisterkindsvetter gehoert dem Bauern noch zur naechsten Verwandtschaft.
Man ist stolz auf eine recht grosse Sippe."

Nein, kann ich nicht sagen.. bei meinen Ahnenforschungen bin ich einmal auf einen Typen gestoßen,
der garantiert zum "echten" Zweig der Familie gehoerte- er lehnte jedes Gespraech schon im Vorfeld ab.
(Die Angst davor, angepumpt zu werden ist immer vorhanden)
Zudem will von den Jungen niemand mehr etwas von "Verwandtschaft" oder gar "Abstammung" oder "Herkunft" wissen- nicht mal ansatzweise.
In der Zeit von "Patchworkfamilien" und "Regenbogenfamilien" und wie die Bezeichnungen noch sein moegen,
ist Familienforschung sinnlos geworden- zumindest fuer die Nachwelt, weniger fuer uns selbst..

"Worte wie Gesinde, Magd, Haus, Sippe usw hatten frueher saemtlich einen weit umfassenderen Sinn als jetzt.
Von den Etymologen koennen unsere Hausvaeter lernen, dass das Radikalmittel wider die Entartung des Gesindes nicht in Medaillen
und Praemien fuer brave Maegde besteht, sondern in der entschiedenen Aufnahme der Dienstboten in den Bann des ganzen Hauses"

Davon habe ich kein Wort verstanden, dieser Satz steht nur zur Vollstaendigkeit da-
evtl. kann der geneigte Leser oder auch die Leserin etwas mehr damit anfangen.

"Bei vielen deutschen Bauerschaften ist der einzige Umstand, ob das ganze Haus einschliesslich des Gesindes an einem Tisch sitzt,
gerade massgebend fuer die Beantwortung der Frage, ob das Gesindeverhaeltnis dort schon ein rein rechtliches geworden
oder ob es noch ein teilweise patriarchalisches sei"

Ich weiss das aus Erzaehlungen meiner Mutter, die das "Landjahr" bei einem Bauern im Ort verbrachte -
die Bauern verspeisten zu den Pellkartoffeln die Schlachte-Wurst plus Quark,
das Gesinde bekam dazu nur Salz und ein wenig verduennten Quark- das musste reichen.

"Wenn der reichere Handwerker oder Kaufmann die Lehrjungen, Gesellen oder Gehilfen mit seiner Familie
am selben Tisch essen ließe, dann glaubt er gegenwaertig schon der Wuerde seines Hauses etwas zu vergeben."

Das habe ich schon ganz anders gelesen.

"Es gehoert heutzutage viel Mut, viel Selbstaendigkeit dazu, wenn ein Familienvater
aus den gebildeteren Schichten des Buergertums die Idee des ganzen Hauses noch praktisch aufrecht erhalten will.
Wenn der Beamte, der Gelehrte es se wagt, in den der haeuslichen Muße gewidmeten Abendstunden
mit Frau und Kindern und Gesinde sich um einen grossen Tisch zu setzen, dann wuerde man ihn einen Sonderling nennen.
Und doch ist gerade ein regelmaessiges Zusammensein des ganzen Hauses so fein und loeblich und unbezahlbar fuer die Festigung
des Familienbewusstseins, fuer die Kraeftigung des Hausregiments."

Merkwuerdig, den Gebildeten geht es immer um das Kommando- oder?

"Wenn der Familienvater, auch der vornehme und reiche, nicht mit dem Kaffeetisch das Tagewerk einleitet,
sondern mit einem gemeinsamen Gebet, zu welchem sich Weib und Kinder und Gesinde - das ganze Haus - um ihn versammeln muessen,
dann meint man wohl, das sei Zopf und Muckerei.
Wenn man nicht in die Kirche gehen konnte, dann las nach alter Sitte der Hausvater dem ganzen Hause aus der Postille vor.
Wahrlich, der Hausvater sollte den letzten Rest, der ihm von der hauspriesterlichen Wuerde seiner Urahnen verblieben,
naemlich das Amt, dem ganzen Hause vorzubeten, nicht so leichtsinnig wegwerfen."

Tut mir leid, aber das ist bekloppt- wer will schon "vorbeten"?
Das hat es in normalen Familien nie gegeben- das ist von den Pfarrern aufgewuenscht worden und oft genug auf dummen Boden gefallen.
Mehr nicht.

"Zu der Idee des ganzen Hauses gehoert es auch, dass Eltern und Grosseltern,
wenn sie sich in ihren alten Tagen zur Ruhe setzen, im Hause der Kinder wohnen.
Selbst bei den schwankenden Wohnungs- und Erwerbsverhaeltnissen der Staedter laesst sich diese schoene Sitte noch in sehr vielen Faellen aufrechterhalten.
Ist die Unvertraeglichkeit der Jungen mit den Alten,
die in den Staedten das Zusammenwohnen von ganzen Generationen einer Familie so selten macht, nicht mitbedingt.."

Da hat sich vieles geaendert - heute sind Grosseltern auf "Malle", die Kids sind weit weg gezogen, weil dort die Arbeit ist..
Im Kreise der Enkel koennen sich die Alten immer noch "sonnen" - gelegentlich, sonst werden sie verrueckt durch die hypermotorischen Kleinen..

"Am festesten zeigt sich dieses Zusammenwohnen von Großeltern, Kindern und Enkeln auf dem Lande, wenn der Grundbesitz geschlossen ist.
Bei Gleichteilung der Gueter, wenn Grund und Boden, Haus und Hof zu einer beweglichen Waren wird,
muss dieses Beisammenbleiben der Alten und Jungen allmaehlich verschwinden."

"Das Zusammenleben zu einem ganzen Haus, die Familienhaftigkeit des deutschen Gesindes,
wird besonders geruehmt in der Zeit unseres unverdorbenen aeltesten Volksstums.
Als dagegen die Deutschen durch die grausamen Kriege mit den Roemer und die trueben Gaerungen der Voelkerwanderung roher wurden, grausamer,
ueppig, beutegierig, da verblasste auch die Idee des ganzen Hauses.
Das menschlich soviel unwuerdigere roemische Verhaeltnis des Herrn zum Knechte dringt nun auch in das deutsche Haus,
und die ganze Rohheit und Barbarei in den Strafgesetzen und dem Untersuchungsverfahren der spaeteren Jahrhunderte entwickelt sich zuerst gegen das Gesinde.
Und dennoch ist nachgehends der Kern des deutschen Hauses wieder gerettet worden und ging aus dem Schutt und der Verwilderung der Voelkerwanderung wieder rein hervor.
So unzerstoerbar war die deutsche Idee der Familie, die als eine neue, zuendende in die Welt getreten ist und uns stark gemacht hat,
die antike Welt zu ueberwinden, das Christentum in uns aufzunehmen und so die grosse neue Kulturepoche des deutsch-christlichen Mittelalters aufzubauen"

So hat man das wohl noch nicht gelesen, bisher galten wir als "Barbaren", dank dem guten Julius Caesar.
Das Christliche wird inzwischen -langsam aber sicher- durch die neue Kultur der Religionslosen,
aber heimlich auch durch die Muslime verdraengt werden, die in gigantischen Zahlen zu uns kamen.
Auch diese Religion wird ihren Untergang bekommen- die Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein.
Fakt ist, dass roemische Gesetze bei uns sehr durchdrungen sind-
das fuehrte zu einem riesigen Wust an Auslegungen und Ausdehnungen, Anfuegungen und Erweiterungen.
Eine unueberschaubare Menge von foederal angelegter neuer EU-Gesetzgebung sitzt nun auch noch ueber den nationalen Gesetzen.

"Der Bauer hat einen Kultus des Hauses, bedingt durch das naive Fortleben in der ueberlieferten Familiensitte.
Die Stammburg unseres nationalen haeuslichen Herkommens ist das Bauernhaus.
Das wirtschaftliche und soziale Leben des Bauern ordnet sich seiner Sitte des Hauses unter.
In ihr ist dem gesamten Volke der Zusammenhang mit dem Urquell unserer aeltesten nationalen Lebensanschauung gesichert.
Bei der Aristokratie hat sich die altnationale Bauernsitte zu Standes- und Hausgesetzen kristallisiert.
Der Stand ruht auf diese Hausgesetzen."

"Das Buergertum hat die naive Bauernsitte und den Kultus des Hauses groesstenteils abgestreift.
Es wird der vierte Stand, bei dem ein berechtigtes Familienleben ueberhaupt kaum existiert,
durch eine Konzentration des buergerlichen Lebens grossenteils aufgehoben werden,
denn eben aus der Verleugnung des buergerlichen Hauses geht eine ungeheuere Schar von Proletariern hervor."

Das glaube ich nicht.
Jeder einfache Mensch weiss woher diese "Proletarier" kommen:
Daraus, dass schon in roemischen Zeiten Manufakturen entstanden, in denen die einzelnen Menschen nur einzelne Arbeitsschritte machten.
Und das tausende von Mal jeden Tag, bei geringsten Loehnen- bei hoechsten Gewinnen der Unternehmer.
Der Stand des Handwerkers wurde bereits auf diese Weise frueh unterhoelt, weil Menschen ohne fachliche Ausbildung
oder Gesamtwissen der Materie gesucht wurden- und die fand man billig auf dem Arbeitsmarkt..
(Ich weiss nicht, wie weit der Autor Ruehl in die roemische Geschichte hat eintauchen koennen,
mir sind viele Lektueren zu lesen gewesen, auch in der Originalsprache Latein- das hat den unschaetzbaren Vorteil,
dass keine Animositaeten der Uebersetzer mit eingeflossen sind,
wie das fast immer der Fall war und ist und bleiben wird, wenn uebersetzt wird.)

"Wir wollen unser eigensten, persoenlichen Wesen in unserer Arbeit geehrt sehen,
und aus diesem Drang nach persoenlicher Ehre der Arbeit, der um so maechtiger in allen Volkskreisen erwacht, so hoeher die Gesittung steigt,
kann man schon schliessen, dass die persoenlichste Arbeit die menschenwuerdigste sei."

Arbeit wird aber eher anonymer, als dass eine "persoenliche Ehre" entstehen koennte-
zudem macht eine neue Unsitte das Arbeitsleben nicht zur Freude:
Der latente Zickenalarm, die Hackordnung und die Unterordnung durch Fuehrungsdespoten-
losgeloest vom Betriebsresultat, mehr aus persoenlicher Freude heraus.

"Unser Beduerfnis nach Arbeitsehre ist so gross, dass wir sie selbst dem lieben Gott schenken zu muessen glauben.
Und wenn der Mensch nach der hoechsten, persoenlichen Ehre der Arbeit ringt, dann sagt er in stolzer Demut,
er arbeitet zur Ehre Gottes!"

"So galt es im vorigen Jahrhundert fuer ganz besonders adlig, nichts zu tun, arbeitslos von seinem Gelde zu leben.
Die buergerliche Kanaille sollte arbeiten, nicht der Edelmann.
In unseren Tagen sucht der großstaedtische Spekulant moeglichst rasch so viel Geld zusammenzuraffen,
dass er in voller Manneskraft bereits nichts mehr zu arbeiten braucht.
Dass der wahrhaft gebildete und sittliche Mensch ein Beduerfnis nach Arbeit hat, und dass es seine Ehre und Freude ist,
so lange zu arbeiten, als die Kraft des Leibes und Geistes widerhaelt,
davon haben jene Geld- und Genußsuechtigen keine Ahnung mehr.."

So weit so richtig, aber:
Der Adel und der Klerus haben immer schon nur "Wertschoepfen" wollen-
Kuenstler in weiten Teilen auch, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen- nur weil sie einmal ein Gedicht oder Lied gemacht haben !
Zudem:
Es ist ein ganz gravierender Unterschied, ob jemand fuer sich selbst oder im Auftrag oder unter der Fuchtel eines Fremden arbeiten wird.

"Die alten Zuenfte gingen oft bis zur laecherlichen Spielerei in den Formen der aeusseren Anerkennung der Arbeitsehre.
Gar mancher heutige Handwerker machts umgekehrt.
Man moechte ueberhaupt nicht gerne angesehen sein, als ob man arbeiten muesse, man treibts aus Liebhaberei.
Hat der Mann einen Sohn, so darf sich dieser beileibe nicht in den Beruf seines Vaters setzen,
es gilt als vornehm, die Kinder womoeglich etliche Stufen hoeher zu treiben."

"Die moderne Welt hat jede Arbeit frei gemacht und ehrt jede Arbeit.
Aber freilich ist die Ehre der Arbeit fuer uns keineswegs gleichheitlich und wird es niemals werden.
Wir unterscheiden mit Recht zwischen hoeherer und niederer Arbeit je nach der Groesse des dazu vorbedingten sittlichen,
intellektuellen und materiellen Kapitals und je nach der Tragweite ihres Erfolgs,
und messen demgemaess auch der hoeheren Arbeit hoehere Ehre zu als der niederen."

Mein lieber Schwan, ein starker Tobak.

"Der Bildungskreis, dem wir durch unsere Geburt angehoeren, zeigt uns in seinem Ring auch gewoehnlich das Ziel des Ehrgeizes,
dem unsere Arbeit zustrebt.
Es ist kein Zweifel, dass ausgezeichnete Geister, auch wenn sie auch der aermsten Huette hervorgehen, das hoechste in der Wissenschaft leisten koennen.
Die Arbeit ist nicht mehr kastenmaessig ausgemessen;
aber dass trotzdem hoehere und niedere Arbeit selbst nicht ausser allem Zusammenhang mit Geburt und Familie steht,
wird wohl kein ruhiger Beobachter bezweifeln."

Selbst als "ruhiger Beobachter" steigt mir zuweilen der Kamm- zumal jeder weiss,
dass gerade die Herkunft einen entsprechenden Einstieg erst einmal ermoeglicht, zuweilen sogar garantiert.

"Je persoenlicher und geistiger eine Arbeit ist und je weittragender ihr ideeller Erfolg, um so hoeher ehren wir sie.
Wenn sich heutzutage die Gesellschaft mehr und mehr in zwei grosse, alle Staende durchkreuzende Gruppen scheidet,
in die hoehere Gruppe der Gebildeten und in die niedere der Halb- und Ungebildeten,
so besagt dies nichts weiter, als dass wir nach dem Maßstabe der Geistesarbeit
eine neue innere Rangstellung innerhalb der Gesellschaft abstufen."

"Allein die Arbeit ist nur eine Seite unserer sittlichen Selbstveredelung,
die Ruhe und die Einkehr in uns selbst muss sich ergaenzend dem Wirken nach aussen gesellen."

"Je hoeher die Arbeit, um so persoenlicher wird sie sein.
Jede Arbeit ist die persoenliche Tag eines oder mehrerer Individuen."

Das ist allerdings auch heute sehr richtig- eine harte und ausdauernde und lange Arbeit
ist noch lange kein Garant fuer Anerkenntnis- weder persoenlich noch finanziell.
Eine Gerechtigkeit ist nur schwer moeglich, wenn mehr beim Investor als beim Taetigen bleibt.

"Der Mensch ist nicht bloss persoenlich als Einzelwesen, auch sein Gemeinleben in Familien, Staenden,
Staemmen, Voelkern gestaltet sich persoenlich.
Wir sind in Gruppe und Gattung doch wieder eine moralische Person, denn unsere freie Tat webt mit an der Entwicklung unseres Gemeinwesens."

Ich denke nicht, dass die Taetigkeit in der Familie anerkannt wird, mit "Staenden und Staemmen"
hat der Arbeiter wohl eher nichts zu tun.
Zudem ist es keinesfalls eine "freie Tat", wenn man die Verantwortung fuer mehrere Personen hat,
die alle ernaehrt und gekleidet werden sollen- der Zwang ist mehr als nur vorhanden..
Die "Entwicklung unseres Gemeinwesens" machen eher Leute, die mit ganz wenig Aufwand viel Wind zu machen verstehen.

Der Autor erzaehlt weiter:

"Darum darf man von einer Volkspersoenlichkeit reden, indem man sich das ganze Volk als einen Charakter denkt.
Je mehr sich ein Volk selbstbestimend entwickelt, um so groesseres Recht gewinnt es auf den Ehrentitel der Volkspersoenlichkeit.
Die Volkspersoenlichkeiten im weitesten, aber auch zugleich tiefsten und naturnotwendigsten Sinne sind die Nationen - die Stamm- und Naturvoelker."

"Die vier grossen S: Stamm, Sprache, Sitte und Siedlung, der Grund alles lebendigen Lebens, ein Urgrund,
der das wandelbare Staatsleben der Voelker weit ueberdauert und erst mit dem letzten Atemzug des Volkes in Truemmer faellt."

"Der Bauer bewahrt durch die Form seiner Arbeit sich selbst als einen Stammhalter unserer echtesten nationalen Altertuemer
im Stamm und Siedlung, Sitte und Sprache.
Die Bauern sind, was wir waren, wie Schiller von der Natur im Gegensatz zur Kultur sagt.
Der Bauer zeigt uns die Grundzuege der Volkspersoenlichkeit ruhend, gebunden, im naiven Instinkte waltend.
Und diese Ruhe ist nicht tot, denn unter der scheinbar erstarrten Huelle der Bauernsitte weht dennoch wiederum ein leises Leben
und schiebt ganz stille auch diese beharrende Volksgruppe vorwaerts."

Gut, dass diese Zeilen damals der Bauer wohl kaum gelesen haben wird- gut fuer sein Seelenheil:
"Naive Instinkte" sind schon extrem im Ausdruck, der durchaus auch fuer den Dichter gelten koennte..

"Uns Staedtebuergern zerrann die vererbte heimliche Sitte vielfach unter den Haenden.
Allein aus dem Verluste keimte ein neuer Gewinn.
Die ruhende nationale Sitte vertauschten wir mit weltbuergerlichen Braeuchen, damit usnere im steten Fluss
sich erneuernde Gesittung um so nationaler werde.
In den restlos wettkaempfenden Arbeiterresultaten der buergerlichen Berufe ward der Geist der modernen Kulturvoelker erst vollauf selbstbewusst."

Nee, selbstbewusst waren die Arbeiter eher weniger, die Wettkaempfe kamen aus der bewussten Bevorratung von willfaehigen,
weil armen Leuten, die jede Arbeit tun mussten.
Mit "Gesittung" hat das nichts zu tun.

"Ein Blick auf den Gegenpol des Bodenbaues, die Geistesarbeit, wird im Sinn dieses Satzes am klarsten erkennen lassen.
Im Grunde birgt jede Arbeit ein Stueck Geistesarbeit und ein Stueck koerperlicher Arbeit.
Mag einer rein wirtschaftliche Gueter erzeugen und umsetzen, so nennen wir ihn schon einen Geistesarbeiter,
wenn er dazu ueberwiegen mehr den Kopfes als der Haende bedarf;
da er aber keine geistigen Gueter produziert, so ist er ein Mann der angewandten Geistesarbeit."

Oh ihr Pharisaeer und Philister- das glaubt doch kein Mensch.
Mir geht es um das Denkmuster der damaligen Zeit Mitte des vorletzen Jahrhunderts, laengst bevor der letzte Kaiser abdankte
und lange bevor der Diktator kam, noch vor beiden Weltkriegen..

"Viel klarer und begrenzter erscheint die Geistesarbeit da, wo sie auf die Erzeugung eines Geistesproduktes, einen ideellen Wertes zielt.
Diese will ich die reine Geistesarbeit nennen.
Vom gemeinen Manne unverstanden vom sozialistischen Theoretiker missverstanden,
vom positiven Wirtschaftslehrer meist beiseitegeschoben, ist diese reine Geistesarbeit dennoch der Sauerteig,
welches unsere moderne Gesellschaft am kraeftigsten in Gaerung setzt."

Das will keiner bestreiten, jedoch muss man aufpassen,dass aus dem Sauerteig keine Essigfliege aufsteigt,
wie man in der Ueberproduktion von Geistesmenschen leicht erhalten kann- irgendwer muss die Kartoffeln anbauen,
Kleidung machen, das Tier schlachten, von dem das Steak kommen wird..

"Sie ist die persoenlichste von allen Arbeitsformen.
Sie heischt zumeist Charakter und Talent, wohl gar Genie, das heisst die selbstbewussteste, am reinsten durch sich selbst bestimmte Schoepferkraft."

..das geht, wenn "Stuetze" bezogen wird oder man ein wohlhabendes Elternhaus hinter sich weiss ;)

"Darum durchbrach sie am fruehesten die mittelalterlichen Arbeitsschranken der Familie, des Standes, der Gemeinde.
Die reine Geistesarbeit ist so persoenlich, dass sie bei ihrem hoechsten Schaffen jene Teilung gar nicht zulaesst,
durch welche die Fabrik den Sieg ueber das Handwerk begann."

(Vermutlich ein Resultat dieser Geistesgroessen,die freie Selbstbestimmung der Handwerker zu versklavten Handlangern gemacht zu haben?)

"Wir muessen darum zwischen zweierlei Teilung der Arbeit unterscheiden lernen.
Bei den hoechsten Leistungen der Handarbeit nehmen mehrere nebeneinander an demselben Arbeitsobjekte teil,
bei den hoechsten Leistungen der reinen Geistesarbeit bleibt das Arbeitsobjekt ungeteilt, aber Jahrhunderte haben in stetigem Nacheinander demselben vorgearbeitet."

Das war beim Handwerk immer schon ebenso, desgleichen in der Landwirtschaft, also Taetigkeiten,
die "nativ, naiv und instinktiv" gemacht werden ..

"Dies gilt auch von den eigensten Plaenen und Taten genialer Feldherren und Staatsmaenner.
Homer und Sophokles und Shakespeare sind Mitarbeiter, Arbeitsteiler, des modernen Dichters."

Die waeren dem Riehl mit dem nackten Hintern ins Gesicht gesprungen- wetten?
"Geniale Feldherrn" sind wahnsinnig gewesen, wie auch die Politiker,
die fuer Millioen Tote der beiden Weltkriege stehen.

"Die wahren Mitarbeiter Friedrichs des Grossen, Napoleons, Bismarks standen nicht neben ihnen,
sondern lebten vor ihnen.
Schon durch dieses Gesetz der Zeitlich, periodenweise geteilten Geistesarbeit fuehrt sie,
bewusst rueck- und vorbildend, die ganze Kette der Entwicklung der Nation stetig fort von einem Ring zum anderen.
Die Arbeitsprodukte sind die Urkunden dieses Ganges und wirken eben als solche maechtig dahin, das historische Selbstbewusstsein des Volkes wachzuhalten.
Obwohl die Geistesarbeit mit Haenden so wenig zu greifen ist wie der Geist ueberhaupt,
so ist sie doch die entscheidendste Macht fuer die bewusste Fortbildung der Volkspersoenlichkeit,
und wenn wir an den Gewerbeprodukten ein Gepraege nationaler Arbeit erkennen, soe geschieht dies doch nur,
insoweit in dem veredelten und geformten Stoff ein Stueck Geistesarbeit ruht"

Eine Suche nach Legitimation der eigenen Lebensumstaende war der Mensch noch nie verlegen.

"Wie die Produkte der reinen Geistesarbeit am fruehesten und klarsten den Charakter eines Volkes spiegeln,
so erkennen die Voelker auch das Persoenliche ihrer Arbeit zuerst in den Werken des Geistes"

..oder im Branntwein!

"Allein Geistesarbeit steckt nicht bloß in den reinen Werken des Geistes,
sie ruht auch im Erzeugnis des Gewerbes und der Industrie.
Und wenigstens bei den hoeheren Arbeitsprudukten dieser Gruppen spricht sich ein persoenlich nationales Gepraege bestimmt
aus im Geschmack der Form, in praktischer Gediegenheit, im Tiefsinn der Erfindung"

"Und so duerfen wir imerhin auf eine Zukunft hoffen, in welcher wenigstens die gebildete Volksschicht erkennt,
dass die Voelker durch ihre nationale Arbeit sich als lebensfaehig ausweisen, dass aber der Faktor der Geistesarbeit
einem jeden Arbeitsprodukte erst jenes nationale Gepraege gibt und dass folglich die Werke
der reinen Geistesarbeit am klarsten einen Ausweis liefern."

Poetisch oder sinnlos- wie man will.
Die Lehre bringt sich selbst in den Verdacht, eher Leere zu produzieren, als sinnhafte Darseinsberechtigung.

"Durch Werke der Geistesarbeit, welche zu weltgeschichtlicher Bedeutung aufsteigen,
erweist sich ein Volk als eine Kulturgrossmacht unter den Voelkern.
Und wie die persoenliche Arbeit, die reine Geistesarbeit, die Volkscharaktere am schaerfsten scheidet,
so erwaechst aus ihr andererseits auch die festeste, Voelker und Zeiten verbindende Einigung der ganzen gesitteten Welt."

Da sind wir noch lange nicht..

"Es waren aber die protestantischen Lande, wo es bei uns vor hundert Jahren zuerst wieder lebendig ward und nach langem Schlummer,
und niemand leugnet, dass von da an durch mehrere Menschenalter die deutsche Nationalliteratur,
die Philosophie, die Geschichtsforschung, ja selbst die sogenannten exakten Wissenschaften ein ueberwiegend protestantisches Gepraege trugen.
Es entstand ein Stuermen und Draengen, und nicht allein unter allen Geistesarbeitern.
Man hatte neue Ideen gefunden, von welchen man sich ein neues, heiteres, vernuenftiges, praktisches Leben aufbauen wollte.
Dies war keine im religioesen Sinn protestantische Bewegung;
sie verhielt sich vielmehr gleichgueltig, wo nich feindlich zu allem positiven Kirchentum,
und die strengen Protestanten sahen sich nicht minder von den Kopf gestoßen wie die Katholiken.
Trotzdem konnte diese Bewegung in Deutschland nur auf protestantischem Boden Macht gewinnen; denn sie stuetzte sich wenigstens auf ein protestantisches Dogma,
auf das Grundrecht des freien Forschens."

Soweit der Zeitzeuge.

"Die Leute sollten, nach dem Schlagworte der Zeit, aufgeklaert und human werden.
Nicht das Ererbte, Ueberlieferte sollte fuerder voranstehen, sondern das persoenlich Erarbeitete.
Eine ueberstuerzende Arbeitslust gaerte in den Geistern, und sie tat wohl not,
da man ja die halbe Welt des Wissens und kuenstlerischen Gestaltens nach eigenen Heften von vorn aufbauen wollte."

Erschreckend, wie sich ein halbes Jahrhundert nach diesen Zeilen die Welt verschlimmerte.

"Es stehet fest, dass Deutschland seit der Reformation keine geistige Krisis erlebte,
die so tief und bereit ins ganze Volk drang wie die literarische und wissenschaftliche des achtzehnten Jahrhunderts.
Nur mit einem Unterschied:
Die Reformation wirkte auf das Volk, weil sie in demselben gewurzelt stand;
jener literarische Humanismus hingegen, indem er von aussen seine Hebel ansetzte.
Darum packte jene den gemeinen Mann unmittelbar, diese mittelbar. Aber sie packte ihn. Der Bauer sang zwar nicht Goethes Lieder, wie er Luthers Lieder sang;
er lernte aber seinen Acker in neuer Weise bauen, weil die Denker und Dichter in neuer Weise denken und dichten gelernt hatten.
Die Geisteskaempfer jener Zeit hatten wenig Verstaendnis fuer des deutschen Bauern eigenste Art.
Alleine sie trieben zu neuer Arbeitsbegeisterung.
Absichtlich und absichtslos war der neue Geist volksfasslich gemacht."

Volksfasslich war auch der Ausdruck vom "gemeinen Mann" - ich weiss freilich, dass dieses Wort eher ein Synonym war,-
dennoch spricht daraus deutlich die verachtende Grundeinstellung Bessergestellter heraus.
(Ob aus Hochmut oder Selbstbestaetigungsversuch gegenueber den werklich Taetigen,
welche schliesslich grundlegende Dinge schufen, die von den Edlen taeglich verspeist und angezogen wurden?)
Heute gibt es Studiengaenge, die Hunde und Pop studieren lassen..

"In der zweiten Haelfte des vorigen Jahrhunderts kam bei uns ein neues Modewort in Schung, das Wort "Kultur".
Unter Kultur verstehen wir die Summe der Arbeitsresultate, wie sie zur Signatur der Persoenlichkeit des einzelnen oder eines Volkes werden.
Urspruenglich galt das Wort vom Bodenbau, in den deutschen Buechern des achtzehnten Jahrhunderts dagegen wird es fast nur von der Geistesarbeit gebraucht.
Kultur und Aufklaerung galten fuer Gleichnamen.
So einseitig lebte das Bewusstsein von der erziehenden Macht der Geistesarbeit in jener Zeit! "

Diese "Geistesarbeit" hat Gedichte, Gesetze und die Grundlagen fuer Kriege geliefert.

"Je mehr Geistesarbeit der Bodenkultur zustroemt, um so unwiderstehlicher wird der Bauer in den Schnellschritt
und Gleichschritt des staedtischen Arbeitsgeistes hineingezwungen.
Die Volkswirte streiten, ob es vorteilhafter sei, den Anbau unseres deutschen Bodens zunaechst extensio oder intensio zu steigern.
Sollen wir die Summe des ertragfaehigen Bodens mehren durch Kultur oeder Gruende, oder den Ertrag
des bereits kultivierten Landes durch gesteigerte Wirtschaft?
Der Sozialpolitiker bemerkt dazu noch ungefragt an den Rand:
Wollt ihr die Bauernsitte der buergerlichen naeherruecken durch den maechtigen Hebel der Arbeit, dann fuehret den Bauer zu intensivsten Ausbeutung seines Bodens;
wollt ihr aber die Bauernsitte in ihrer Eigenart bewahren in und mit Mehrung des allgemeinen Bodenertrags, dann lasset ihn oedes Land roden.
Kann die Stadt gleich dem Bauern nicht den wirtschaftlichen Geist des Buergers einimpfen, so kann sie doch die Bauernarbeit steigern."

Das waren wohl die Gedanken der Kontrollfreaks, die damals wie heute die einfachen Menschen latent beobachteten und kontrollierten,
bevormundeten und gaengelten, antreiben und lenken wollten, ohne selbst jemals etwas Sinnvolles geschaffen zu haben.
NUR mit diesen und ihren Herrschern waren landesuebergreifende Zwiste ueberhaupt moeglich.

"Man sagt: In der Stadt sind die Leute arbeitsruehriger als auf dem Lande.
Dieser allgemeine Satz ist ebenso wahr als falsch. Nicht der aeussere Unterschied von Stadt und Land,
sondern der innere des buergerlichen und baeuerlichen Geistes entscheidet.
Die Gruende, weshalb der staedtische Arbeitsgeist ruehriger sei als der laendliche, wurden schon gar vielfach durch- und abgedroschen,
mit Ausnahme gerade des ideellsten, der nicht am bereitesten, wohl aber am tiefsten wirkt.
Er ruht in der Herrschaft der Geistesarbeit in den Staedten."

Das ruhige Paradies vom Land gegen den hektischen und zaenkischen Stadtbewohner auszuspielen, ist typisch fuer die Kontrollfreaks.

"Schon unser Schulzwang ist eine zwangsweise Arbeitserziehung des Volkes auf Umwegen"

Sag ich doch- mit dem Mehr an Produktion wurden Kanonen und Burgen und Herrschaftssitze gebaut,
nutzlose Fresser -die jede ehrliche Arbeit scheuten, sofern diese ueberhaupt noch in ausreichender Zahl vorhanden-
die sinnlose oder noch schlimmer knebelnde Gesetze gebastelt haben.

"Der Schulzwang ist nicht bloß ein Zwang zum Erwerben gewisser Kenntnisse, er ist zugleich ein Zwang zur Arbeitsschule.
Nur wer von Kindesbeinen an geregelt arbeiten gelernt hat, taugt in unsere Gesellschaft."

Das ist laecherlich, weil auch der Landarbeiter geregelt arbeiten musste-
es waren nur halt nicht die Regeln der Kontrollfreaks, sondern die der Natur.

"Gerade der allgemeine Schulzwang wirkt sicher wesentlich mit,
dass das deutsche Volk vor anderen so universell zur Arbeit befaehigt erscheint"

Nee, es lies sich eher als andere Voelker treiben und war viel zu geduldig gegenueber der Religion und der Lenker oder Herrschern.

"Trotzdem wird in hohen und niederen Schulen bei fleissigster Arbeit noch gar oft die Aufgabe vergessen
und vergriffen, dass man die Kinder zum rechten Arbeitsgeiste und zum reinsten Arbeitsideal erziehe."

Die Lebenmaenner,die solche Saetze formten, lagen noch im Bett, wenn der Bauer bereits das Vieh gefuettert,
die Kuehe gemolken und andere vorbereitende Aufgaben fuer den Tag gemacht hatten.
Sie lagen noch in der Koje, wenn der Arbeiter in der Fabrik die erste Pause schon hinter sich hatte oder der Handwerker
oder der kleine Kaufmann die ersten Kunden laengst zufriedengestellt hatte.
Dann ging der Schreiberling -vermutlich sogar ungekaemmt, weil Schlampigkeit bei Kuenstlern immer schon modern war-
in das Cafe, um sich dem "Studium" der Gazette bei Kaffee und Broetchen zu widmen.
Schon danach ging er an seine "Arbeit" zum Schreiben in den Park oder bei schlechtem Wetter in die Arkaden oder in den Kurbezirk
... wo Rotwein floss.

"Die Arbeit ist des Arbeiters einzigster Besitz.
Die anderen arbeitenden Klassen haben Eigentum, Ruhm, Ehre, Aemter, Familienleben neben und mit der Arbeit,
der Arbeiter hat das alles nicht, er hat bloß die Arbeit, die Arbeit allein ist sein Stab und sein Trost.
Darf er sich da nicht schlechtweg "Arbeiter" nennen in Solz und Demut?
Weniger als allen anderen Berufen liegt dem Arbeiter Genuss und Poesie im Tagewerk selber;
Schweiß und Muehsal sind fuer ihn dreifach gehaeuft, er vermag am mindesten individuell und schoepferisch zu gestalten,
sein Schaffen im einzelnen wird vom Tag verschlungen, und er muss gegenwaertigen,
dass es morgen durch eine neue Maschine ueberfluessig gemacht wird.
Dennoch war es heute noch eien persoenliche, menschliche und nicht zu entbehrende Arbeit.
Wollt ihr diesen entsagungsvollsten Maennern den Ehrennamen der Arbeiter missgoennen?"

Tja, wenn der Vater Schlossverwalter war, kann man entspannt auf dem Cafestuhl sitzen und schreiben ;)
waehrend eine andere Geistesgroesse an neuen Rationalisierungsmaschinen bastelt,
die irgendwann in China landen und nochmal billiger Ramsch zu uns bringen - statt Qualitaet in Handarbeit zu machen,
die man immer wieder reparieren kann, die auch aus Umweltschutzgruenden sehr viel sinnvoller waere..
Eigentlich wurden alle Schraeglagen und Krisen und Kriege (Aus Besessenheit oder Gier)
von Geistesgroessen und Despoten gemacht, nicht von denen, die mit der Haende Arbeit sich durch das Leben schlagen mussten.

"Bei dem sauersten und entsagungsreichsten Berufe weiss aber andererseits der Arbeiter,
dass die Haelfte unserer modernen Kultur in dieser gesammelten und unendlich vielgestaltigen industriellen Betriebsamkeit ruht,
welcher er seine mit dem Tage versinkende Arbeit opfert,
und dass ohne dieses millionenfache Opfer die Kulturmacht Europas zusammenstuerzen wuerde."

Klar, weil es auf dem Ruecken der Leute absichtlich so konstruiert wurde, bestimmt nicht zur "Ehre der Arbeiter",
sondern zum vermehrten Gewinn von anderen gedacht.

"Der Arbeiter muss sein Tagwerk als eine Notwenigkeit erkennen, die unsere ganze Kultur taeglich fester haelt in eherner Faust."

Mit anderen Worten: Tu du mal, ich muss noch liegen bleiben..

"Vor allem soll der deutsche Arbeiter, dem es als angeborenes Erbteil im Blute liegt, neidlos,
entsagungvoll und um Gottes willen zu arbeiten,
diesem Ziele der Selbsterkenntnis nachtrachten"

Wer koennte schon seinen eigenen Nachwuchs kaeulen, wenn er sich zu einem solchen Sprach-Wanzt beginnt zu entwickeln,
der die Leute hochmuetig herabsetzt und verachtet und dabei sogar noch im Lob verspottet?
Ungeheuerlich, wie unsere "Kultur" geformt wurde - das macht fast sprachlos.
In Wirklichkeit war den allermeisten Leuten das "Deutschtum" und die "Nation"
und der "Kaiser" oder das "Vaterland" sowas von egal- wichtig war, taeglich ueber die Runden zu kommen, mehr nicht.
Nach diesen Zitaten stehen mir nun auch die Nackenhaare..

"Bei allem Stolz ueber seine Unentbehrlichkeit soll der Arbeiter auch nie seines Namens vergessen,
der ihm sagt, dass er in Demut arbeite und darum unentbehrlich ist.
Wer den Mut und den Stolz entsagungsvoller Arbeit nicht kennt, der taugt nicht zum Arbeiter"

Sei endlich still du Hirn!

"Der hauptpunkt, worin es den Arbeitern fehlt, ist nicht mangelnde Ehre und Wuerde;
die Arbeit ist ihre Ehre und soll ihr Stolz sein.
Auch der geringe Erwerb ist nicht der eigentliche Krebsschaden des Arbeitslebens, denn ein so geringer Lohn,
dass der einzelne dabei zugrunde gehen muesste- kann nach den Naturgesetzen aller Wirtschaftlichkeit dauernd und im ganzen sich nicht behaupten.
Der haerteste Fluch, welcher auf ihnen ruht, ist ueberhaupt kein oekonomischer, sondern ein sittlicher Fluch:
Es fehlt ihnen der Segen des Hauses und der Familie, es fehlt ihnen Zeit und Sammlung, dass sie sich sittlich und interlektuell fortbilden koennen.
Sie sind herausgetreten aus der naiven Sitte der Bauern und koennen doch nicht eintreten in die bewusste,
freie Gesittung des besitzenden Buergers."

Es waren wohl schon immer die, welche das Arbeit im Munde fuehrten, die am wenigsten taten und die,
welche Gesittung erfanden, es selbst nie waren..

"Darum gilt es ene moralische Mission bei den Arbeitern zu ueben, dass sie hoeher steigen in Religion und Sitte,
in Bildung und genossenschaftlichem und haeuslichem Gemeinleben.
Dies ist die wahre Organistation der Arbeiter, zu welcher in Deutschland schon so mancher Schritt geschehen ist."

Dieser Nichtsnutz weidet sich noch in der Niederlage unselbstaendiger Arbeit und der Bevormundung der Leute.

Das "Krebsgeschwuer" der Gesellschaft sind klar die Intellektuellen, die Vasallen der Kleriker und der Fuersten.
Die heimlich Religion der Gesitteten ist und war stets das Kapital - mehr nicht -
jedes Gerede war Heuchelei und Verdummung der Massen.

"Darum sollen wir Deutsche das letzte Ziel unserer Arbeitsschule grossen Stiles nicht dahin gesteckt sehen, dass wir das reichste Volk werden, sondern dahin, dass wir am groessten von der Arbeit denken und durch alle Volksschichten in freiester Sittlichkeit arbeitsgewaltig ringen nach diesem Ideal"

Der Ruf nach Volks und Vaterland und der Ruf nach der religioesen Gemeinschaft ist nichts anderes,
als dass eine Sache der anderen in die Arme spielt, schlicht um die Leute zu mehr Opferbereitschaft anzutreiben.
Die Fuersten machten das, was heute die Mafia tut- sie erpresst die jeweilige Bevoelkerung zu Abgaben und Leistungen,
um einen "Schutz" gegen einfallende Banden und Krieger zu bieten- dabei sagen die Fuersten der einfallenden Horden
das gleiche ihren "Buergern", um diese zu mehr "Leistung" zu treiben.
Die Religion hilft dabei, manchmal sogar in Personalunion.
In Wahrheit tobt seit dem Mittelalter ein Kampf zwischen Geistesarbeitern und Handarbeitern, welcher heute noch fortbesteht,
wenn auch durch eine unglaublich vermehrte Ablenkungsstrategie, die von wenigen Leuten der Opfergesellschaft der Handarbeitenden
und Lohnabhaengigen durchschaut zu werden scheint..

Mir geht es bei diesen Seiten "Geschichtliches" um den Versuch der Darstellung unserer gesamten Entwicklung,
nicht um Parteilichkeit oder darum, einen Glauben demontieren zu wollen.
Es zaehlen zu den Verdachtsmomenten nur noch die Fakten und der "state of art".

"Staatsforumen ersinnt und schafft kein einzelner, so wenig wie Sitten und Volkslieder;
sie werden erwachsen mit der Geschichte der Voelker.
Jede lebensfaehige Verfassung erwaechst aus dem Gesamtbewusstsein des Volks.
Wenn auch sehr viele einzelne Staatsbuerger nur eine hoechst dunkle Anschauung von der Landesverfassung besitzen,
so kann dieselbe doch ganz klar im Bewusstsein des Volkes stehn."

"Die schoepferischen Geister haben die historische Entwicklung des Staates mit so richtigem Blick erfasst und fortgefuehrt,
dass das ganze Volk diese Verfassung als das natuerlichste und selbstverstaendlichste befriedigt hinnimmt
und ihr als seinem eigenen Werk zustimmt.
Nur ein kleiner Teil des Volkes erkennt und durchdenkt die Verfassung;
aber das ganze Volk soll leben und sich daheim fuehlen in der Verfassung, zufrieden mit ihren Fruechten."

Wie bei allen Gesetzen sind diese Texte ebenso verfasst und gehalten, dass sie "auslegbar" bleiben,
damit eine grosse Gruppe "Gebildeter" davon vorzueglich leben kann- keine andere Schicht sonst kann diese gequirlten Saetze verstehen,
die angeblich in unserer Sprache abgefasst worden sind.
Vor Gericht und auf hoher See hilft dir nur noch Gott... oder ein Rechtsgelehrter?

"Die beste Verfassung ist der Stein der Weisen, den nur noch die Toren suchen.
Wenigstens hat es noch Zeit mit dieser absoluten Normalverfassung, bis einmal die ganze Erde ein Universalstaat geworden
und das Tausendjaehrige Reich gekommen ist"

Du meine Guete, das "tausendjaehrige Reich" !
Ist das nicht schon nach 12 Jahren verstorben als ein Produkt so einiger "Geistesarbeiter" und machtgeiler Herren?
(Es wird nicht nur einer gewesen sein, denn wie bei einem Eisberg nur ein Siebtel aus dem Wasser lugt,
sind es in der Geschichte immer eine Menge heimlicher Strippenzieher gewesen, die diesem zur Macht verhalfen.)

"Aber jede neue Staatsform kommt auf einem mehr oder minder gewaltsamen Wege zum Durchbruch.
Kriege und Revolutionen zerstoeren nicht bloß Staaten und zermalmen Nationen, dass aus ihren Truemmern
neue Staats- und Volksgebilde aufwachsen, sondern auch Staatsformen.
Neue Staatsformen macht schon um deswillen kein einzelner,
weil sie eine voellig neue Epoche der gesamten Volkskultur in sich schließen und vorbedingen."

Sicher macht das kein Einzelner, aber eine ganze Gruppe oder Stroemung anstachelnder Schreiberlinge oder Demagogen schon-
die graben so lange im Untergrund, bis es knallt und sie sich daran die Haende reiben,
wie dusselig die Massen sich haben beeinflussen lassen..
Die Macht der Werbung und vor allen Dingen die der Presse und des Rundfunks kann heute das viel leichter machen,
als damals, wo eher Versammlungen und Buecher diese treibende Rolle spielten.
Wer sagt, dass alles wahr ist, was geschrieben steht, was ein "Gesitteter" oder "Gebildeter" sagt und macht?

"Und wenn friedliche Maenner des Denkens die Geburtsstunde vorbereiteten,
so sind des doch meist Maenner der Gewalt, oft Kriegshelden und Staatslenker in einer Person,
die ploetzlich dem Alten den Scheidebrief geben und den Rechtsbestand der neuen Formen verkuenden."

Kriegshelden ist ein guter Ausdruck fuer die Fuehrer und Lenker, Offiziere und Feldherren-
die einfachen Soldaten werden eher nicht gemeint gewesen sein.

"Wo aber einmal der Boden der Gewalt betreten ist, da entscheidet zuletzt nur noch der Erfolg der groesseren Gewalt;
und wer das Notrecht der Revolution zugesteht, der darf auch das Notrecht der Diktatur nicht bestreiten."

Doch, das darf man und muss man. Der Boden der Gewalt entsteht aus dem einfachen Grund,
dass die Maechtigen schon immer wussten die Taugenichtse oder gar die armen Arbeitslosen,
die schuldlos ohne Brot waren- aber auch die vielen kleinen Gauner,
die es schon immer in jedem Volk gab, zu verdingen und kriegsluestern jaulend nach der Aufstachelung der Einpeitscher in die Schlacht zogen..

"Beides ist dieselbe Tat, nur von verschiedenen Haenden vollfuehrt,
beides ein Notrecht mit Berufung auf die allgemeine Wohlfahrt und das Volk,
beides gleich weit entfernt von dem stetigen Ganz gesetzmaessiger Entwicklung"

Das Gesetz hat mal grad gar nichts damit zu tun, dass der Kampf zwischen Geistesarbeitern und abhaengig Beschaeftigten tobt
und dabei das Wort vom "Volk" staendig parat gehalten wird- es gibt eigentlich kein Volk,
das gemeinsam ist, die Massen sind geteilt und nur mit dieser Klammer notduerftig durch eine Verfassung oder den Staatsgedanken zusammengeklammert.
Egal wie sich das System auch immer schimpft, es ist ein Feigenblatt, das nochmal in der Sozialgesetzgebung
einen weiteren Rettungsanker erfahren hat- sonst waere eine neue Revolution ganz schnell geschehen:
Immer wenigeren Menschen wird eine "Existenzberechtigung" zugesprochen, den Geistesgroessen aber ist sehr viel mehr Macht zuteil geworden.
Der Rubel der rollt, Kaminiski der lacht, er hat ihn selbst gemacht ;)

"Jede neue Staatsform hat ihre revolutionaere, vielbefehdete Jugendperiode.
Klaert und laeutert sie sich und gewinnt friedlichen Bestand,
so wird ihr weiterhin kein Vernuenftiger den gewalttaetigen Ursprung nachtragen."

Diese Vernuenftigen kleben an ihrer Arbeit und streben nach Sicherheit, - durch diejenigen,
die diese Zeilen verfassten, entsteht diese Sicherheit mit Sicherheit nicht.

"Braust die Politik der Leidenschaft rasch, wenn auch noch so gewaltsam, vorueber,
so kann sie wie ein erfrischender Gewittersturm die verdorbene Luft reinigen;
bleibt sie aber mit verhaltener Macht auf laengere Zeit stillestehn, so verrueckt sie den natuerlichen Schwerpunkt der Kraefte des Volksgeistes."

Wenn wenige Leute die Mehrheit bewegen, haben sie immer Angst, dass dieser Stein vom Berg herab auf sie zurueckrollt..

"Das schlimmste bei dem Wechselspiel zwischen revolutionaer beschlossenen
und diktatorisch befohlenem Recht und Gesetz bleibt die endliche Verwirrung aller Rechtsbegriffe im Volksbewusstsein."

Verwirrte und uneinige Massen kann man leichter lenken und manipulieren-
das ist ein ehernes Gesetz in jedem groesseren Betrieb..

Ich sehe die vordringlichste Aufgabe des Staates darin, ALLEN Menschen eine SINNVOLLE Beschaeftigung
und somit echte Darseinsberechtigung zu geben und zu sichern,
- Zuwanderung einzubinden und separativistischen Tendenzen, einer Subkultur vorzubeugen und Religionen in den Privatbereich zu setzen.
Extreme Einkommensunterschiede sollten endlich auch eine extreme Besteuerung erhalten.
Wer das "Ehrenamt" predigt, sollte nicht das Wasser einreden und selbst den Wein trinken..
Nun wieder in das vorletzte Jahrhundert, zum H.W.Riehl:
"Das Wort Partei ist viel aelter als der moderne Begriff politischer Parteien.
Zu einer Zeit, da sich der gemeine Mann noch blutwenig um den Staat kuemmerte, lernte er die Parteien vor Gericht kennen.
So erschien die Partei als das Zeichen des Streites und Unfriedens und Partei als das Widerspiel der Gerechtigkeit"

"In der Tat, wo es Parteien gibt, da ist Kampf.
Die grosse Masse des Volkes aber begehrt vor allen Dingen Ruhe im Staat, friedliches Gedeihen, ungestoertes Erwerben und Geniesen.
Die parteilose Zeit schwebte ohne Zweifel wie ein verlorenes Zeitalter vor der Phantasie"

In der Tat, da hat er recht, der Schreiberling. Ohne Interllektuelle und Geistesgroessen,
die immer wieder hetzen, waere die Welt friedlicher.

"Dieser Versuch, ueber den Parteien zu stehen, ist aber lediglich ein Akt politischer Selbsterziehung.
So muesste also der echte politische Mann zugleich in und ueber den Parteien stehen?
Gewiss, und sogar noch ausser den Parteien dazu.
Denn, wer bloß in einer Partei steht, ist unselbstaendig;
er muss zugleich ein Stueckchen ausser der Partei stehen, weil er eigene Gedanken im Kopf hat.
Allein, wo jeder ein Original sein will, da gibt es keine grosse geschlossene Gemeinschaft,
und nur wenn von aussen ein Donnerwetter dreinschlaegt, dass die einzelnen im Augenblick sich selbst vergessen, ist es dem Mann,
der auch dann noch allein Geistesgegenwart bewahrt moeglich, die anderen herumzureißen,
auf dass sie, wenn sie wieder zu sich kommen, ihre Koepfe gleichheitlich nach einem neuen Ziel gekehrt haben,
und in einer Front Partei machen, und wissen selbst nicht wie."

Umgedreht wird auch ein Schuh daraus.
Waere die Geschlossenheit einzig auf die oekonomischen Sicherungen und Belange der Verteidigung aller ausgerichtet,
die Parteien und die Vereinstypen weg, waere manches friedlicher in der Welt.

"Das Volk wird in seinen Parteien fortgerissen durch Charaktere, durch Maenner, die ganze Maenner sind; bloß kluge,
verschlagene, gebildete, gelehrte Leute koennen sein Herz nicht gewinnen."

Vielleicht liegt es am Eigennutz dieser aufgefuehrten Gruppen? Seit wann sind Parteien dem Volk?
(Vielmehr sind sie Konstrukte des Aufstiegs von Seilschaftlern, die den Hals niemals voll kriegen)

"Ich sage sein Herz, denn die Gefuehlspolitik ist des Volkes schwache Seite; der Verstandespolitik widersteht es."

Wer sagt was Verstand, was Bildung ist- die des Herzens oder die des Kalkuels?

"Wer nur mit dem Verstande rechnet, der mag auf den Ruhm eines feinen Fechters im Parteikriege Anspruch machen,
aber nur nicht auf durchschlagende volkstuemliche Macht."

Eben diese "durchschlagende Macht" ist es, die von den Oberen gelenkt werden soll- zu ihrem ganz eigenen Nutzen,
fuer ihr ganz eigenes Ego- nicht und nie zum Nutzen aller Menschen.

"Waeren- um an das erste Jahrhundert deutscher Parteischule zu erinnern- der heissleidenschaftliche Luther,
der kaltleidenschaftliche Calvin nicht so unwiderstehliche Gefuehlspolitiker gewesen,
sie haetten niemals die Massen so zaubergewaltig mit sich fortgerissen"

An diesem Satz stimmt vieles, er drueckt doch ziemlich unverbluemt die Machtbesessenheit der Geistestaeter aus
und zeigt die unheilige Macht der Religion recht gut.

"Es hat seinen guten Grund, dass wir das bloße Meinen eines einzelnen geringschaetzen,
das Meinen einer ganzen Volksmasse aber mit Respekt behandeln"

Das ist die Grundlage der Demokratie, aber auch ein Warnsignal, dass eine "Volkszeitung" auch "Meinung" machen kann!

"Meinen ist nicht Wissen."

Manipulieren aber schon!

"Das Wissen beruht im Erkennen der Gruende; das Meinen hingegen ist ein Fuerwahrhalten aus Instinkt, aus Empfindung und Neigung."

Hoppla- was ist es denn wohl, was im Leben zaehlt?

"Die oeffentliche Meinung ahnt viel mehr als sie erkennt; sie begehrt selten zu lehren und noch seltener zu lernen;
aber was sie als das Rechte empfindet, das will sie durchsetzen"

Und das ist ihr gutes Recht- wenn Fakten verborgen oder gar verschleiert werden von unseren Geistesarbeitern,
dann muss man sich auf den gesunden Menschenverstand, auf die eigene Meinung verlassen.
Damit ist man immer gut gefahren.
Manchem Luegenbaeren sieht man an der Nase an, was sie im Schilde fuehren,
indem sie das ganze Recht versuchen auf ihre Seite und gegen die Buerger zu wenden.

"Die oeffentliche Meinung fragt ueberhaupt nicht sowohl nach dem, was wahr oder irrig,
als was recht oder unrecht ist; sie wirft die Moral in die Politik.
Sie ist das Gewissen des Volkes. Darin ruht ihre Hoheit, mag sie nun im uebrigen toericht oder weise urteilen"

Alles ist menschengemacht, so auch der Begriff oder Inhalt von "toericht oder weise".
Moral gehoert dringend in die Politik, sonst haben wir eine Korruptionswirtschaft, eben das,
was diese Geistesgroessen ganz offenbar haben moegen.
Was recht ist, bestimmt das Gesetz, das von ebendiesen Leuten gemacht wird und andererseits das,
was schon immer und in jeder Familie recht war.
Das letzere Recht war gefuehlt und gelebt, ist aus der Erfahrung entstanden und nicht durch Kopfgeburten Studierter.

"Man redet viel von der Kritik, welche die oeffentliche Meinung uebt- diese ist aber keine Kritik im Sinne der Wissenschaft,
sondern eine Kritik des Gefuehls."

Hallo! Wir sind kein Weinbergschnecken, sondern gleichberechtigte Menschen. So ein Dussel.

"Die Kritik des Denkers vereinsamt, die empfindende Kritik der sittlichen Begeisterung hingegen verbuendet
und verbruedert lawinenartig anwachsende Volksmassen.
Gefuehle und Affekte wirken ansteckend, das Denken steckt leider nicht an."

Tja, was nuetzt es dem "Gemeinen" wenn er denken gelernt hat und trotzdem nicht zum Zuge kommt,
weil die Seilschaftler der Politik und der Parteien das nicht zulassen, weil die Herkunft nicht genehm oder vornehm genug war?
Gefuehle sollten anstecken, weil sie positiv sind, Affekte sind Tricks von Taschenspielern
und Gauklern oder auch Rhetoriker genannten Schleichern und Manipulanten..

"Kein einzelner macht eine oeffentliche Meinung.
Er kann den ersten zuendenden Gedanken ins Volk schleudern, aber dieser Gedanke wird fortgebildet,
umgemodelt, erweitert, gesteigert, vertieft oder verflacht- unter der unmerklichen Mitarbeit vieler Koepfe
wird er Gemeingut einer ganzen Volksmasse."

Was denn- nun doch demokratisch?

"Die oeffentliche Meinung entsteht ganz aehnlich wie Volkssitte, Volkssage und Volkslied,
sie ist eine durchaus verwandte Form der Aussprache des Volksgeistes.
Oeffentliche Meinung und Volkssitte sind leibliche Schwestern.
Diese Meinung ist so wenig rationell wie die Sitte, auch sie ist ein Stueck Romantik.
Mit ihr kommt die Poesie in die Politik, die Poesie des Volksgemuets."

Das glaubt der Verfasser und zehn andere nicht.

"Als den wahren Drachentoeter der deutschen Gefuehlspolitik nennt man den Fuersten Bismarck.
Er soll die reine Realpolitik an ihrer statt auf den Thron gehoben haben, die Staatskunst,
die mit Tatsachen rechnet, nicht mit Stimmungen, Gefuehlen, Leidenschaften.
Und wirklich ist er der grosse Realpolitiker, er wurde es aber gutenteils deshalb, weil er so trefflich mit -
der deutschen Gefuehlspolitik zu rechnen wusste."

Das lasse ich so mal stehen, bis zum Beweis des Gegenteils- mein Geschichtsunterricht
war so mangelhaft durch die Schulen vermittelt, dass mir diese Seiten sehr wichtig waren..

"Der Staatsmann soll verstandesscharf pruefen und mit den Tatsachen rechnen,
er soll nicht persoenlichen Stimmungen und Herzenneigungen folgen;
aber der Gefuehlszug des Volkes ist auch eine maechtige Tatsache, und indem der Staatsmann demselben huldigt,
herrscht er das Volk und mit dem Volke die Tatsachen. Subjektiv Realpolitiker sein, objektiv Gefuehlspolitiker:
Dies ist das Kennzeichen des epochemachenden Staatsmannes."

Das ist allerdings richtig und gut- bis zu dem Zeitpunkt wo die "Lobbyisten" mitgesprochen haben!
(welche heute fuer ihren unheimlichen Herrn im Hintergrund die Fische an Land ziehen sollen-
nicht immer zum Nutzen der Waehler und meinetwegen auch Waehlerinnen)

Der Autor hat noch mehr zu bieten:

"Der Freiherr vom Stein rechnete seit 1806 auf die oeffentliche Meinung,
die erst 1813 fest und fertig dastand.
Sie folgte den Tatsachen;
aber diese Tatsachen vorzubereiten und ihre notwendige Erfuellung aus der gegebenen aeusseren Lage un ddem Volkscharakter sicher vorauszusehen,
das ist die Kunst des grossen Staatsmannes, welcher die oeffentliche Meinung beherrscht, indem er ihr gehorcht,
welcher sie schafft, indem er sie weissagt.
Nicht die Vergangenheit oder Gegenwart, sondern die Zukunft der oeffentlichen Meinung muss er erfassen,
er muss den Charakter des Volkes und die Tragweite der Tatsachen im voraus berechnen,
er muss daraus den Schluss ziehen, wie sich die oeffentliche Meinung ausreifen wird,
wann auch seine Plaene reifen werden.
Als Prophet der oeffentlichen Meinung muss er sich zu ihrem Herrn machen"

Falscher Fueffziger.

"Die politische Universalkirche der franzoesichen Republik musste Proselyten machen im Namen der Freiheit.
Wer nicht frei werden wollte, den zwang man dazu.
Frei sein heisst dem Franzosen:
Ueber andere herrschen. Dem Deutschen dagegen ist Freiheit:
Von niemandem beherrscht zu werden.
Jeder soll unabhaengig sein nach seiner Art, und waere er auch nur ein Narr auf eigene Faust"

Unverstaendliche Ausdruecke machen noch keinen wirklichen Gebildeten,
das haette Riehl wissen sollen.
Und wer ein Narr und wer ein Wissender ist, weiss ich nicht zu sagen, je mehr Nachrichten ich sehe..

"Hiermit vergleiche man die neuere Geschichte Englands und Deutschlands.
Die Englaender ruehmen sich eines freien Staatswesens.
Aber sie versuchten nicht, ihre Freiheit den Nachbarn aufzudraengen.
Die Nation weiss, dass politische Institutionen, die den Englaendern bequem sind, anderen Voelkern laestig,
ja unertraeglich sein wuerden.
Sie weiss dies kraft ihrer deutschen, ihrer saechsischen Art,
und die besten freiheitlichen Entwicklungen Englands sind altsaechsischen Ursprungs. "

Hier hat der gute Mann doch glatt das "britisch Empire" vergessen, die Kolonisationsorgien,
die bis zum heutigen Tag ganze Voelker unter ihrer Knute halten.
Das war damals schon so und das haette er wissen muessen.
War diese Aussage absichtlich falsch gemacht oder wusste er nichts vom "great britain"?

"Die freie deutsche Landgemeinde war frueher durchgebildet als der deutsche Staat,
sie gehoert zu unseren kostbarsten Volksaltertuemern;
der deutschen Stadtgemeinde entsproßten die die fruehesten Keime modernen Lebens im feudalen Mittelalter.
Gegenteils ist die zentralistische franzoesische Gemeinde, welche nicht einmal den Unterschied von Stadt und Land gelten laesst,
ein neues Gebilde; sie entsprang den ansehenden politischen Ieen von 1789, sie ist ein Kind des Staates."

"Die franzoesische Freiheit fuehrte zur Zentralisation, die deutsche zum Partikularismus."

So weit ist das "germanisch" richtig, so waere der Sinn des Volkes in seinem ureigensten Willen.

"Wir waren lange gewoehnt, in jener die Hauptursache von Frankreichs Macht zu sehen und in diesem die Hauptquelle von Deutschlands Ohnmacht."

Das halte ich fuer nonsens oder akademisch, wie man will.
Ein paar Vertraege und gute Handelsbeziehungen zu frueher Zeit und es waere ein "bruderstaatliches" Verhaeltnis geworden,
wie heute zum Glueck in der EU Wirklichkeit wurde.
Viel Kriegselend waere allen erspart geblieben, wenn wir weniger Geisteswissenschaftler und Demagogen und Lobbyisten
in der Politik gehabt haetten- dafuer mehr "Gefuehlsmenschen und Landleute"

Weiter mit Riehl:
"Dann wurden wir misstrauisch gegen die franzoesische Zentralisation,
ohne deshalb besonderes Zutrauen zum deutschen Partikularismus zu gewinnen"

aha, also doch Fehleinschaetzung? Oder war es schlicht das Misstrauen gegen die eigene Bevoelkerungsmentalitaet?
Ich denke schon.
Ein wenig Quertreibereien und Mauscheleien von der Ruestungsindustrie - und schon knallt es.

"Ohne Zweifel wirkt das Uebermaß des deutschen Sondertums ebenso verderblich,
nur in anderer Weise.
Trotzdem wird der Franzose niemals von seiner Zentralistation lassen,
so wenig wie der Deutsche von seinem Individualismus;
beide Voelker werden noch oft genug die Form wechseln,
aber im Wesen entsprechen beide Formen dem Freiheitsideale beider Nationen und weden nur mit diesen zu Grabe getragen"

Nee, ich denke nicht, dass und diese Dinge tatsaechlich unterscheiden-
die Franzosen sind allemal genauso individuell wie wir,
wir inzwischen laengst so "zentralistisch" wie die Franzosen- wie waere sonst Berlin
nach dem WKII und der Wiedervereinigung 1990 wieder zur gesamtdeutschen Hauptstadt geworden?

"Es gibt heutzutage viele Leute, die meinen, durch die vielen Einzelstaaten sei der deutsche Partikularismus geschaffen worden,
aber diese Musterkarte von Staaten ist nicht die Ursache,
sie ist gegenteils eine Folge des angestammten Sondertums, dessen Urquell im deutschen Volksgeiste selber zu suchen ist."

Wieder total falsch:
Es waren die adligen und die kirchlichen und die Mischformen der Fuersten,
die sich das Land untereinander aufgeteilt haben, die staendig und immer wieder untereinander heftige Kriege fuehrten.
Das Volk oder besser die Bevoelkerung war nur willfaehig Masse, ohne Rechte aber mit hohen Pflichten..
das sollte man auch nach miserablem schulischem Geschichtsunterricht mitbekommen haben!
Sechs, setzen!

"In den kleinen Staaten wurzelte unser Partikularismus keineswegs am tiefsten, sondern vielmehr in den groesseren.
Waere Preußen nicht so preussisch gewesen, so wuerde es gar nicht die Kraft gewonnen haben, ein neues Deutsches Reich zu schaffen."

Das ist richtig, Macht war immer wichtig.

"Nun noch eine Frage:
Wer hat zuletzt Recht mit seiner Freiheit, der Franzose oder der Deutsche?"

Die Frage ist leicht zu beantworten- weg mit den Blutsaugern, wie es die Franzosen gemacht haben,
die noch viel zu viele davon uebrig gelassen haben.

"Das Deutsche Reich im Mittelalter hatte zwar schon eine ganz andere Gestalt als das Frankenreich Karls des Grossen;
dennoch lang auch bei ihm der Schwerpunkt der Kultur wie der politischen Macht weit mehr im Sueden und Westen als im Norden.
Mit dem Ausgange des Mittelalters und in der Reformationszeit begann sich jedoch die Achse des Reiches zu verschieben,
der Einfluss des Ostens, dann des Nordens wuchs gleichen Schrittes mit dem Zuruecktreten des Suedens und Westens.
Man braucht in dem engen alten Frankfurt nur durch wenige Strassen zu gehen und man hat einen Gang durch die ganze deutsche Reichsgeschichte.
In vergangen Tagen haette man Frankfurt oefters die deutsche Reichshauptstadt nennen koennen,
unsere Vorfahren fuehlten aber kein sonderliches Beduerfnis nach Hauptstaedten. Wir gewannen im neuen Reiche sofort das Beduerfnis, die Tatsache und den Namen, und Berlin ist jetzt wirkliche Reichshauptstadt."

"Ist aber die Reichshauptstadt auch eine solche von Deutschland? Deutschland hat niemals eine solche besessen,
weil es immer ungezaehlte Hauptstaedte besaß.
Berlin ist ein grosse Handelsstadt, aber der groesste deutsche Handelsplatz ist Hamburg.."

Wir kommen nach Hannover, in Hannover wird das reinste Hochdeutsch gesprochen - so sagt man.
Dieser Satz ist richtig, er laesst sich aber mit Vorbehalt auf ein gutes Stueck des gesamten deutschen Nordens ausdehnen.
Es ist aber nicht das hohe oder gute Deutsch, sondern das Deutsch des Hochlandes,
wie plattdeutsch das Deutsch des Niederlandes ist."

Sicher meint er dabei das Platt des Nordens und das Platt der Mitte oder des Suedens und des Ostens und des Rheinlandes ..
ein einheitliches, ja nicht mal ein zonales Platt gab es,
diese Regionalsprachen waren eben ein Ausdruck der Region, nicht einer Zone.

"Wir gliedern unsere Nationalliteratur nach der alt-, mittel- und neuhochdeutschen Periode,
weil bis zur Reformationszeit Hochdeutschland literarisch tonangeben gewesen ist.
Und auch Luther, dessen Bibelwerk zuletzt entschied, war ein Obersachse.
Heute liegt Eisleben und Wittenberg bereits im Norden, vor vierhundert Jahren griff oberdeutsche Kultur und Literatur viel weiter nordwaerts."

Jacob Grimm und Martin Luther waren fuer die deutsche Sprache sehr praegend und auch sinnvoll,
was die erstmalig einheitliche Auspraegung anschob.

"Die hochdeutsche Mundart zog als Schriftsprache erobernd nach dem Norden,
um als hoehere Bildungssprache von dort wieder erobernd nach dem Sueden zurueckzukehren.
Dem Sueddeutschen erhoert auch hier die groessere Vergangenheit, dem Norddeutschen die maechtigere Gegenwart."

"Keine andere europaeische Nation hat einen so haeufigen Frontwechsel erlebt, keine so oft ihren politischen Schwerpunkt verlegt,
keine solch eine gruendliche Verschiebung ihrer Kulturachse vollzogen, wie die deutsche."

Nun koennte man den Gedanken weiter spinnen: Was waere gewesen, haetten die Leute,
die Tacitus "die Germanen" oder "Chatten" nannte, sich still gefuegt haetten? Was waere gewesen, wenn sich die Voelker auf deutschem Boden- von einem deutschen Volk konnte man in keiner Weise reden,
da alles in einzelne Staemme zersplittert war-
sich einig gewesen waeren und gemeinsam etwaigen Feinden in geschlossenen Reihen entgegen getreten waeren?

Geschichte hat die Konstante, dass sie sich nicht zurueckdrehen laesst- in keinem Land, durch keinen Menschen und keine Partei.

"Der Fremde wundert sich, dass Deutschland vor lauter Uebergaengen nicht laengst zugrunde gegangen ist.
Wer aber Deutschland kennt und die Deutschen versteht,
dem enthuellt sich hier vielmehr ein Hauptgrund seiner unverwuestlichen Dauer"

..und dem unverwuestlichen Wiederauferstehungswillen, koennte man anfuegen.
Das ist so, dass jedes kleine Dorf diese Gene in sich traegt und so bleiben will,
dass man weniger das "Deutsche" als die Ueberlieferung und das Regionale bewahrt wissen will,
gewissermaßen ein Regional-Charakterschlag des Menschentypus, der sich festgewurzelt haelt.
Solange man diese Leute nicht ueberdreht und ueberreizt und ueberfordert,
sind sie eher wie in den Suedstaaten der USA gesonnen,
still ruhig und freundlich- sie tun ihr Werk und wollen das bitte ohne besserwisserische Einmischung tun.
Wenn sich etwas entwickelt, dann durch eigene Einsicht, nicht durch Zwang oder Bevormundung.
(Das laesst sofort den inneren Widerstand aufkommen)

"Die Philosophie umfasst den Menschen und die Menschheit; die Geschichte geht vom Staate und Volke aus."

Das glaube ich eher nicht- die Geschichte geht immer von der Staatlenkung aus-
aus dem Volk wuerde Geschichte nur die Story des Dorfes und der Sippe sein-
mehr nicht.
"Philosophie" waere in Griechenland geblieben, bei uns ist dafuer ein beharrlicher Leim der Sippe
und das Gefuehl fuer Ordnung und Sicherheit bis zur guten Vorratswirtschaft ausgepraegt.
Waffen waeren bestimmt recht einfach, dafuer in jedem Haus zu finden gewesen-
damit jederzeit das Gemeinwesen geschuetzt oder zur Treibjagd gegangen werden koennte.

"Die deusche Wissenschaft philosophierte, waehrend Napoleon Deutschland - ganz unphilosophisch - in Truemmer schlug"

Auch das waere mit mehr Zusammenhalt und ohne Zentralismus nicht denkbar gewesen.

"Napoleon zwang uns zu historischen Studien.
Nach dem zermalmenden Schlaegen von 1806 und 1809 fand der deutsche Patriot in den politischen Tatsachen der Gegenwart keinen Trost;
er suchte und fand ihn in der Philosophie, in der Religion und - in der Geschichte.
Als wir keinen wirklichen Kaiser mehr hatten,
kam der alte Barbarossa wieder zu fast unverdient hohen kaiserlichen Ehren.."

Ohne Adel waere kein Fuerst und kein Kaiser gewesen und keiner,
der die Nachbarstaaten provoziert oder gar ueberrennen haette wollen.

"Die Philosophie umfasst den Menschen und die Menschlichkeit;
die Geschichte geht vom Staate und Volke aus.
Wir waren so lange philosophisch kosmopolitisch gewesen, bis uns die erschuetternden Geschicke des Vaterlandes zwangen,
historisch national zu werden, wenn wir nicht zugrunde gehen wollten.
Seit den Befreiungskriegen wurden wir Deutsche wachsend national-politisch, wo wir frueher weltbuergerlichen Sinnes gewesen,
seit 1848 wachsend real-politisch, wo wir frueher einer philosophischen Idealpolitik gehuldigt hatten"

Das ist der Druck von aussen, nicht die so oft zitierte "deutsche Gesinnung", die dazu trieb.

"Die Vormacht der Geschichtswissenschaft und die Herrschaft der nationalen und realen Politik bedingen sich gegenseitig.
Der historische Genius der Wissenschaft unserer Zeit lehrte die Wucht und den Wert der Nationalitaet erst vollauf erkennen,
die Geschichte geht vom eigenen Volk aus zu den Voelkern und kehrt am liebsten wieder zum eigenen Volke zurueck"

Naja- "Wissenschaften" kann man aus allem machen.

"An historischem Lerneifer und historischen Kenntnissen fehlt es der Gegenwart durchaus nicht.
Dennoch eignet auch heut die echte historische Bildung nur wenigen."

Ich bin mir nicht sicher, ob nicht doch dieser ganze Muell der Vergangenheit besser in den Archiven verschlossen geblieben waere,
als weiter und weiter zu kontaminieren..

"Nur der historisch Ungebildete nimmt die Kultur des heutigen Tages zum Maßstabe fuer die Kultur vergangener Jahrhunderte."

Jein, auf jeden Fall nimmt der Dummy nicht die Historie als Maß fuer das Heute!

"Wir sollen die Vergangenheit nicht uebertreiben, damit jeder sehe, wie herrlich weit wir es selbst gebracht.
Jede Zeit ist nur verantwortlich fuer die Pflege des Erbteils, welche sie von den Vorfahren uebernommen,
und fuer das Neue, welches sie aus ihrem eigenen Geist geschaffen hat."

Das ist allerdings richtig, deshalb schreibe ich diese Zeilen!

"Es herrscht aber auch die umgekehrte Neigung, die Gegenwart stracks als Geschichte darzustellen.
Wir nennen grosse, kleine und kleinste Tagen und Ereignisse des Tages -epochemachend-,
obgleich man von Epochen doch erst reden darf, wenn sie fertig sind,
wenn man weite Zeitraeume aus der Vogelschau der Geschichte zu uebersehen vermag.
Kein Wunder, dass wir die Grossen von gestern so geschwind vergessen, wenn die Groessen von heute schon der Geschichte gehoeren!"

Nun, so wichtig ist keiner, auch wenn er oder sie das glaubt- das Wort "epochemachend"
ist mehr Reklame als woertlich gedacht gewesen, das hat der gebildete Mann einfach mal nicht verstanden ;)

"Keine Wissenschaft hat so gewaltige Revolutionen im Denken und Vorstellen, im Wuenschen und Fuerchten,
im Fordern und Entsagen des modernen Menschen hervorgerufen, wie die Naturwissenschaft,
keine so gruendlich mitgewirkt zur Umwaelzung unseres sozialen Lebens."

So weit wuerde ich nicht gehen- die Wissenschaft, dh. die exakte Forschung ist immer nur Helfer gewesen, mehr nicht.

"Gefaehrlich ist sie nicht, weil das ehrliche Ringen nach Erkenntnis niemals gefaehrlich ist,
wenigstens nicht halb so gefaehrlich wie die selbstgenuegsame Dummheit"

Man koennte auch Bescheidenheit statt "Dummheit" sagen.
Gefaehrlich ist die Religion als dauernde Beinflussung und so mancher Revoluzzer, der nur zufrieden ist,
wenn er das Bestehende laecherlich gemacht und Unruhe saehen konnte.

"Voraussetzungslos beobachten, das Beobachtungsmaterial zu suchen und zu finden,
das Beobachtungsmaterial mathematisch exakt erfassen und die Schluesse nur auf erwiesene Tatsachen bauen;
das ist das Meistergeheimnis der naturwissenschaftlichen Methode"

Das hat aber nicht mit euch, den politischen Schreiberlingen zu tun,
genau so wenig wie mit den kleinen Leuten- das ist einfach nur die Weiterentwicklung von Versuch
und Irrtum in festeren Bahnen und ist somit auch nicht soziologisch oder so -
die Erfolge der techn. Entwickler koennen sich weder Philosophen noch Pfaffen auf die Fahnen heften,
weder Schoengeister noch Dichterfuersten zu eigen machen.

"Naechst der neuen Methode liegt ein zweiter Grund des Sieges der Naturforschung in der unabsehbaren Fuelle neuer Entdeckungen.
Hierin ist ihr keine andere Wissenschaft unserer Zeit auch nur entfernt vergleichbar."

Dann sind die anderen Wissenschaften keine Wissenschaften, sondern nur Studien oder Arbeitsgaenge!
Die Naturwissenschaften sind nichts anderes als die Weiterentwicklung der Tierzucht und des Spartens,
der Schmiedekunst und zur besseren Ernaehrungssicherung in ihrem Ursprung - mystisch ist sie nicht,
wenn man von den alchimistischen Scharlatanerien mal absieht..

" Und jene entdeckungen fuehrten sofort zu greifbaren, gemeinverstaendlichen und hoest praktischen Resultaten.
Auch der Ungebildete erfasst die Neuheit der Resultate und Einfluesse naturwissenschaftlicher Studien;
sie sind ihm das moderne Wunder"

Je gebildeter der Mensch wurde, um so weniger hat er diese Modernitaeten, die auch dem obigen Satz erwuchsen, verstanden:
Die allermeisten Schueler verstehen komplexe Technik besser als ihre Lehrer,
so mancher Oberstudienrat verzweifelt ueber dem smartphone und hat von Computern "null Ahnung"..
Selbst die Allerkleinsten kommen mit der komplexen Kommunikationstechnik der Microchip- oder Elektronik-Zeit sehr bald klar,
die Erwachsene, die im Elektrikzeitalter oder gar in der Zeit der Mechanik aufwuchsen,
immer nur staunen lassen.
Wie viel mehr wird also der Gelehrte, der fachfremd ist, wie die Kinder staunen moegen -
Wer ist denn nun der Dumme?

"Wir erkannten, dass der neue Aufschwung der Geschichte Hand in Hand gegangen sei mit dem Erstarken des Nationalbewusstseins."

Viel eher der Abschwung und die Zerschlagung.

"Die Naturwissenschaft ist international.
Hierin liegt ein Quell ihrer weitgreifenden Macht.
Jede Vormacht neigt zur Diktatur;
jede Diktatur fuehr zu Einseitigkeit und Uebermut"

Sehr seltsam, dass man diesen Zusammenhang mit der Religion und mit dem Lobbyismus nicht ziehen mag..

"Aber das Christentum ist kulturfeindlich, sagt man,
weil es das Dichten und Sinnen der Menschen auf ein Jenseits hinueberleitet und dadurch vom Diesseits,
vom Studium der Naturwissenschaften ablenkt"

Suchet nicht was euch verborgen, meint die Bibel- das Christentum ist es nicht alleine,
es sind ALLE Religionen, die beharren lassen wollen.

"Gluecklicherweise fuehrte es daneben jedoch die Voelker schrittweise zu einer neuen Humanitaet,
ohne welche die moderne Wissenschaft ueberhaupt gar nicht denkbar waere."

Mit Verlaub nein, es waere schon lange zuvor zu einer vermehrten Wissenschaftstaetigkeit gekommen,
haetten die Pfaffen nicht derart stark gebremst.

" Alle Wissenschaften arbeiten einander in die Haende; denn zuletzt streben sie alle zu einem gemeinsamen Ziele:
zur Erkenntnis des Weltganzen und des Weltgeistes."

Das Weltganze ist schon naeher gekommen, der Weltgeist ist noch immer von Staatsformen
und Religionen durchzogen, die alles andere als bereit waeren, sich an einen Tisch zu setzen
und die nationalen Eitelkeiten hinten an zu stellen, damit niemand mehr hungern und frieren
oder gar verdursten muss.
Fuer Waffen ist immer Geld da, fuer Wasserleitungen und Reinigungssysteme leider nur wenig.

"Ohne das Forschen nach dem Grund und Zweck alles Seienden waer der menschliche Geist gar nie zur Wissenschaft gekommen"

Das ging aber nur durch Leute, die der Kirche den Ruecken gekehrt haben..

"Kuenstler, Theologen und Philosophen verstehen selten zu rechnen,
sie liegen mitunter wohl gar in persoenlicher Fehde mit dem Einmaleins,
sie streben zum Unendlichen, sie wollen es begreifen, ahnen, versinnbilden"

Aber fuer das Parlament taugen sie fuer jedes Amt -einfach weil sie irgendwas studiert haben?

"Was unsern Vorfahren unwiderleglich feststand,
das nannten sie fest wie ein Evangelium, was wir als unwiderleglich bezeichnen wollen,
das nennen wir statistisch erwiesen.
Die Zahl wird uns dabei zur lebendigen Person.
Zahlen sprechen, Zahlen entscheiden."

Ich weiss nicht was unsere Vorfahren als "feststehend" sahen- das Evangelium oder eher doch die Natur..

"Die moderne Zahlenstatistik wurzelt fuerwahr in einer bewundernswuerdigen Methode:
aus der Berechnung der quantitativen Verhaeltnisse folgert sie die Qualitaet.
In diesem Schlusse aus der aeusseren zahl auf das innere Wesen der Dinge ruht ihre Kunst, ihr Zauber, ihr Meistergeheimnis"

Wie wahr - und wenn damals, als Riehl seine Buecher schrieb, schon die Quantentechnik bekannt gewesen waere-
kaeme das Wunder nochmal feiner ans Licht.

"Mit Zahlen beherrscht man die Koepfe weit leichter als mit Gedanken;
denn seine Gedanken moechte sich ein jeder am liebsten selbst machen, die Zahlen aber macht sich keiner selbst."

Moderne Faktenwelten, an denen ganze Banken und Wirtschaftssysteme scheitern.

"Die Naturforscher marschieren heutzutage an der Spitze der gelehrten Welt.
Sie sollen und wollen exakt sein, sie ringen nach mathematisch formulierten Gesetzen der Tatsachen und Wirkungen,
sie sind geborene und geschworene Freunde der Zahlenstatistik.
Sie moegen die Gehirne, waehrend man sonst die Geister zu schaetzen trachtete,
sie messen die Kultur nach dem Metrischen System, die man sonst bloß schilderte;
sie suchen die Natur im Geiste, wobei ihnen die Statistik trefflich dient,
waehrend die frueheren Naturphilosophen - leider ohne Statistik - den Geist der Natur suchten."

Nun mein Freund, Statistik ist eine Hure- so mein alter Buchhaltungslehrer- sie sagt genau das aus, was du willst.

"Der akademische Lehrer ist zunaechst dem Staate verpflichtet;
aber kraft der Lehrfreiheit erfuellt sich diese Verpflichtung erst vollauf,
indem er sich noch bindender verpflichtet weiss seinem Gewissen, der Wissenschaft und seinen Schuelern.
Man nennt dies Lehrfreiheit.
Sie fuegt sich nicht der Ziffernkontrolle, sie ist ein Trotzkopf.
Der gewissenhafte Mann ist so trotzig dass er, aeusserlich ungebunden, weit mehr leistet, als wenn er gebunden zu leisten brauchte.
Hierin ruht das Geheimnis der in Selbstaufopferung rastlos vorwaerts draengenden wissenschaftlichen Tat"

Dann waere diese Leistung das, was man allen anderen "gemeinen Leuten" rundweg abspricht- oder?
Alleine dieser Satz entlarvt das wahre Denken der Kontrollfreaks gegen die Mehrheit der Lohnabhaengigen und Bauern im Land.

"Der Arbeiter fordert gerechten Lohn.
Aber fuer hoechste Leistungen gibt es gar keinen gerechten Lohn,
und das Defizit des Gewinnes wird durch den Ueberfluss des Erfolges gedeckt, gleichviel,
ob derselbe dem schaffenden Genius bei Lebzeiten zuteil wird, ob er ihn vorahnt oder sich einbildet"

Da waeren wir wieder beim Beweis meiner These und gleich auch noch bei so manchem wichtigen Manne, der schreibend sich hervorheben will.

"Es ist sehr loeblich, den unteren Schichten wachsende Gerechtigkeit zu gewinnen.
Aber die berechenbare Gerechtigkeit des materiellen Daseins wird sich auf Erden niemals ganz erfuellen,
und wir ahnen sie zuletzt doch nur in Gott und in seinem Reiche."

Die oberen Schichten sollen diese Gerechtigkeit als bereits auf Erden haben?

"Von allen Maechten des Menschdarseins hat die Religion den wenigsten Zusammenhang mit der Statistik,
und doch ist der Anfang der sozialen Frage der Unfriede der Menschen untereinander,
und das Ende der sozialen Frage die Versoehnung im religioesen Bewusstsein,
in Gottesliebe und Menschenliebe"

Papperlapapp- es hilft nichts, der dauernde Kampf zwischen Geistesarbeiter und Lohnarbeitern ist immer da-
die soziale Frage ist eher eine der Verteilung der Resourcen,
wovon der Hoeherstehende sich automatisch das Meiste sichert.
Selbstverstaendlich ist dabei der "Geistesmensch" hoeher und wichtiger, als der "Instinktmensch",
der eben mal so dahinvegitiert um zu ueberleben.
Der Grad der Erhebung erfolgt nur durch von von anderen Geistesmenschen, nicht und niemals durch die Allgemeinheit aller Menschen.
Wie oft wurde schon die "Gottesliebe" ausgenutzt um den kleinen Mann ruhig zu stellen,
indem er seine Hoffnung auf Gerechtigkeit ins Jenseits verlagerte um sich dort Trost zu holen?
Oben hat man unterdessen unter prachtvollen Luestern auf spiegelblankem Parkett getanzt,
in edlen Roben und mit feinen Damen und vollen Tischen ...
daheim von dem "Sozialleben und von den einfachen Leuten" dicke Buecher geschrieben,
die dann irgendwann in gebildeten Kreisen diskutiert hat.

"Es kommt eine neue Zeit.
Die Despoten werden aufgeklaert und die Aufklaerung wird zur Despotie der Bildung.
Das Herz der Menschen wird weich und weit, der Verstand wird heller, die philosophische Humanitaet beschleicht ganz leise die Geister.
Bis sie zuletzt den Geist der Epoche beherrscht.
Die harten Gegensaetze, in welchen die Vaeter gefesselt standen, scheinen sich so friedlich zu loesen!
Man schwelgt in dem Gedanken, dass der kuenftige Historiker das achtzehnte Jahrhundert die Epoche der Ideenwanderung nennen werde,
wie wir von einer Epoche der Voelkerwanderung sprechen."

Heute ist die Ideenwanderung eher ein Abwandern von Wirtschaftsstandorten und Produktionsstaetten.

"In der Voelkerwanderung aber ging es sehr barbarisch zu, in der Ideenwanderung dagegen sehr menschenfreundlich.
Das tausendjaehrige Reich des Weltbuergertums und der Bruderliebe erschliesst eine Pforten!"

Da hat aber spaeter einer was total falsch verstanden- von wegen Bruderliebe.
Leider war der Abschluss dieser Epoche damals voreilig verkuendet worden.

"Und sorgen wir, dass uns nicht wieder verloren gehe,
was unsere Vaeter in heisser Arbeit gewonnen und was ihnen Stab und Stuetze war in schweren Tagen,
dass uns nicht wieder verloren gehe in Religion und Gesellschaft, in Kunst und Wissenschaft,
in Handel und Wandel- bei aeusserer Macht die innere Gesundheit,- bei der neuen kriegerisch-politischen Groesse
die ideale Hoheit des Geistes und Herzens,- bei des Deutschen Reiches Kraft und Herrlichkeit die still aufwachsende innere Erhebung!"

So ist diese Quelle erschoepft, der Verfasser am Ende mit seinem Latein.
Mir tun die Finger weh, die Tastatur hat einen doch zu hohen Anschlag..

Was uns die nachfolgende Geschichte mit dem WKI und WKII lehrt, wissen wir-
wie stimmig die Geistesarbeiter waren, ist nun klar geworden.
Da ist auch von dem Bienenfleiss der vielen, vielen kleinen Leute nicht viel geblieben.
Megatonnen an Stahl liegen in den Meeren und unter der Erde vergraben, man findet "Blindgaenger" vermutlich noch lange lange Zeit nach den Kriegen.
Von Umweltschutz und von den Voelkermorden, die alle irgendwie durch die hohen Tiere sanktioniert worden waren,
will keiner mehr was wissen.. ab und zu mal eine duerre Gedenkstunde.
Wirklich geaendert hat sich in den Koepfen der Maechtigen nichts, aber auch rein gar nichts-
da bin ich mir sicher.
Im Gegenteil, man sieht in der totalen Zerstoerung u.a. die "Regulation der Menschenmassen und dem Neuerstehen von "Nachfrage" und Konsum.
Heimlich oder besser unheimlich in Buenden und Geheimorganisationen verbruedert,
heckt man aus, was noch keiner ahnt.
Warum?
Weil der Kampf zwischen Geistesarbeiter und den Abhaengigen noch immer nicht entschieden,
die Demokratie noch lange nicht weltweit gesiegt hat- vermutlich fehlt die Gabe der Ueberzeugung.
Jesus hat verloren, das wird der Demokratie vermutlich auch passieren.

Ich hoffe mit dieser Einschaetzung unrecht zu haben..


Die Autoren der Buecher sind schon lange tot, wenn aber nachfolgende Rechte tangiert worden sein sollten, bitte ich um Abklaerung per E-Mail, damit die entsprechende Zeile aus meinen Seiten heraus genommen werden kann. Ansonsten gelten die Angaben in meinem Impressum.


Button

Zurueck zum 1. Teil "Geschichtliches"

Zurueck zum 2. Teil "Geschichtliches"

Zurueck zum 3. Teil "Geschichtliches"

Zurueck zum 4. Teil "Geschichtliches"

Weiter zum 6. Teil "Geschichtliches"

Zurueck zur Startseite -
Impressum