Landfotografie




Exkursion "Geschichtliches", 7. Teil oder das siebend(t)e Siegel?


Vorwort:

Diese Seite faengt mit allgemeinen Dingen der Menschheit bis zur Neuzeit an, dann folgt der Hauptteil mit Entdeckungen in alten und neuen Ortschroniken, die sich wieder mit den "Gemeinen" befassen - fernab von Burgherren und Glauben, fern von Kriegen und Zehnten.
Die Linse wird noch schaerfer fokusiert..
Nun erst einmal das Allgemeine und Restliches der 6 vorgegangenen Seiten:

Begraebnisbraeuche.

Ob in der Schlacht "gefallen" oder dicht unter der Oberflaeche liegend oder sitzend oder hockend bestattet
ob verbrannt in der Urne, sind schon seltsame Dinge.
Die Haltung des Koerpers, die Ausstattung desselben oder des Grabes,
sogar die Richtung der Bestattung sind unterschiedlich von Volk zu Volk geordnet.
In Uruk kamen die Toten in Tongefaesse, in denen sie gekocht wurden !
Bei Ausgrabungen von unzusammenhaengenden Gebeinen wurde das Fleisch zuvor abgeschabt
oder durch Voegel abfressen lassen.. die Regeln waren zuweilen so,
dass alles, was den Toten war oder beigegeben wurde, absichtlich kaputt oder unbrauchbar gemacht wurde.
Manchmal band man mit Stricken fest, was nicht wieder im Dorf erscheinen sollte.
Die Hethiter loeschten den Scheiterhaufen mit Wein und Bier- sammelte die restlichen Knochen, tauchte diese in Oel und wickelte diese in feines Tuch.
Dieses Volk unterschied uebrigens bereits zwischen Toetung und Toetung im Affekt und fahrlaessiger Toetung..
in Tonkruegen fand man Goetteropfer - 5j. Kinder bei Jericho.
Manche Sklette schauten aus der Hockerstellung nach Sueden und ruhten auf der linken Koerperseite.
Manche Herrscher liesen sich mit ihren Hunden, Pferden, Frauen und Dienerschaft,
mit Geraeten und einer derartigen Menge an Vorraeten an Speisen und..
Wein bestatten, dass man eine ganze Stadt davon haette ernaehren koennen.

50.000 Maenner wurden gebraucht, nur um fuer den Tempel von Ischtar das Holz herbei zu schaffen..

80km lang waren die Trinkwasser-Zufuehrungen in Ninive mit riesigen Quadern und Viadukten.
Nur wenige Herrscher belohnten ihre Arbeiter entsprechend korrekt, wie man heute sagen wuerde.

Bogazkoey in Zentralanatolien scheint ein besonderer Ort gewesen zu sein, von dem viele Funde zu berichten sind.
Diese Kultur nannte sich Chattier oder "Chatti".
Indogermanische Dialekte sind bis zum 3. Jahrtausend v. Chr. nachweisbar-
diese Chattier sollen eine Bezeichnung oder Ordnung eines Mischvolkes gewesen sein.
Man behauptet sogar, es waere die Bezeichnung dafuer gewesen.

(Ob diese Chattier als das von den Roemern als "Chatten" oder von den Einheimischen
als Katten bezeichnete Volk suedlich Kassels, in Hessen gewesen sind?)
Dieser Verdacht gibt mir den Bezug zu meiner kleinen Heimatforschung..

Spaeter uebernahmen die Hethiter das Gebiet in Zentralanatolien.
In Nordsyrien lautete der Name eines Volkes aehnlich: "Chattuscha" - ob das von den Chattiern abstammte?
700 v. Chr. stand in assyrischen Urkunden noch die Bezeichnung "Chatti" ..

Spaeter wurden auch diese durch die Hethiter vernichtet.
Die Geschichte erzaehlt von dem "haesslichen" Echnaton, (gegen die sonst ueblichen Superhelden)
und dass ausgerechnet jener am eifrigsten zitiert und ueber den am meisten durch die Archeologen berichtet wurde.
Bei ihm war alles der Sonne zugeneigt und nichts verborgen.
(Er war der erste Gerechtigkeitsreformer, sogar mit dem revolutionaeren Glauben an einen einzigen und unsichtbaren Gott,
was bis dahin noch nicht ruchbar wurde:
Die Aton-Religion, ein Weiterleben im Jenseits) Vermutlich hat man versucht, alle seine Denkmale und Andenken zu vernichten,
als spaetere Herrscher kamen, man erklaerte ihn zum "Ketzer", von dem alles ausgeloescht gehoert.

Die Megalithkultur wanderte von 4-2000 v.Chr. ueber Spanien, den Mittelmeerinseln nach Frankreich, Holland,
England, Norddeutschland, Skandinavien.
Aus dem 5. Jahrtausend stammen deren Hinterlassenschaften, die sogar in der Bibel erwaehnt wurden, aus Palestina,
wo man versuchte diese Dinge auszuloeschen.

Zypern hat eine sehr interessante Geschichte, die man naeher beschreiben muesste, mit ein paar Zeilen kommt man da nicht davon.
Das wuerde meine Seite sprengen.
Auf alle Faelle war der Luxus enorm, der sich auf Erzfunde gruendete- ohne eigene Armee, dafuer mit fetten Villenvierteln ;)
mit unerhoertem Luxus, sogar mit Wasserspuelungstoiletten - die erst sehr viel spaeter durch die Roemer wieder aufgegriffen worden sind..
ein ausgekluegeltes Wasser- und Abwassersystem gehoerte damals schon dazu.
damals soll dort jeder freie Mann sein eigenes Siegel mit sich getragen haben.

Als in Mykene gegraben wurde, stuetzte sich Schliemann auf den alten Homer- die Geschichte wurde somit als wahr erkannt,
die von der groessten Voelkerwanderung durch den Einbruch der "Seevoelker" ausgeloest wurde.
(Ob Homer mit Atlantis ebenso recht hatte?)

Auf dem aegyptischen Kalender, der schon 365 Tage kannte, beruht noch immer unser jetziger.
Die Cheops-Pyramide ist aus ueber zwei Millionen Kalksteinquadern erbaut worden, wo manche bis zu 15 Tonnen wiegen-
147 Meter hoch ist dieses Ding.

Die Geschichte Afrikas beruht eigentlich nur auf Sagen und muendlichen Ueberlieferung,
bis auf Reste von nomadisierenden oder goldpluendernden Cro Magnon
aus dem spanischen, semitischen oder aegyptischen Raum.
Die spaetere Geschichte ist die der Kolonisationsversuchen durch Hollaender, Englaender und Portugisen, Spanier,
Italiener aber auch Kaiser-Deutsche und der Sklavenhandel,
dann folgte die Auspluenderung durch Muslime,
Missionare mit fremden Religionsansichten versuchten den Einheimischen eine Kultur aufzustuempen,
die eher weniger verstaendlich gewesen sein muss.
Dann folgten multinationale Energiekonzerne, dann die Chinesen mit ihrem ganz eigenen Resourcen-Hunger.
Mehr ist und war da wohl nicht.
Ich gehe mal davon aus, dass die Besiedlung hauptsaechlich semitisch oder aegyptisch angesteuert war.

http://www.zeit.de/news/2014-12/16/australien-abbott-geiselnehmer-von-sydney-war-psychisch-labiler-extremist-16001803
Ich denke, das ist bei allen fanatischen Religionsanhaengern der Fall - mehr oder weniger ausgepraegt eine Flucht vor der Lebenswirklichkeit..

Ich denke, ein Freund alter Bauten zu sein - aber dennoch habe ich dazu folgende Ideen..

Ich denke, dass Denkmalschutz oft gegen die Lebenswirklichkeit geht:
Die Denkmale der Unterdrueckung und Unfreiheit, bis zur Versklavung der Bevoelkerung,
Schloesser und Burgen- sollten nicht staatlicherseits getan werden.
(Diese Objekte koennen in private Haende verkauft werden, was sehr viel Geld an Unterhalt sparen wird).
Zu viele Auflagen sind eher restriktiv, was Innenstaedte und Privathaeuser anbelangt-
manches ist einfach nur Willkuer.
Vernunft ist die Anpassung an das heutige, an das tatsaechliche Leben.
Es koennte durchaus alt neben neu stehen - oder?
In Holland wirkt das sehr reizvoll.
Ensemble-Schutz und Bautenschutz oaehn. kann gerne hinterfragt werden, wenn Bauwerke stoeren oder nicht mehr gebraucht werden.
Warum soll man verputzte Haeuser in Fichte-Fachwerk nicht abreissen duerfen, wenn die Balken und interessante Details aufgehoben werden?
(Diese Haeuser waren nie fuer Sicht-Fachwerk konzipiert)
Daraus kann man jederzeit ein Dach oder Carport fuer ein anderes, ein neues Haus bauen.
Verblendungen sind ebenso denkbar wie ein komplett neues Fachwerkhaus mit zeitgemaesser Innenraumaufteilung.
Wer braucht heute noch die vielen alten Scheunen, die sinnlos in den Orten stehen?
Weg damit und die Hoelzer oder das Schiefer oder die Bruchsteine einlagern in einen Baustoff-Hof:
Dort kann sich jeder holen was er braucht und so kommt nochmal Geld in die Kasse und -was am wichtigsten ist- die Umwelt wird geschont !
(Wenn dieses gute alte Holz verbrannt wird, gelangt das ganze eingelagerte CO2 in die Umwelt)
Morsches oder kaputtes Holz kann man verheizen oder kompostieren.
Der Lehm aus den Gefachen ist auch heute noch wertvolles und oekologisch einwandfreies Baumaterial,
das leicht wieder verwendet werden kann.
Bevor so ein altes Haus abgerissen wird, kann man es von allen Seiten fotografieren und in die Ortschronik einbauen - das reicht.
Vermutlich kommen in einer Grossgemeinde auf diese Weise eine ganze Menge Gebaeude zum Abbruch, desgleichen Haeuser,
die zwar massiv gebaut sind, aber verloddert oder ueberkommen oder mit so grossem "Investitions-Stau",
dass ein Neubau billiger kommen wuerde.
Das Grundstueck ist schon "erschlossen" und muss nicht mehr fuer teueres Geld
und mit den ueblichen jahrelangen Wartezeiten - erstanden werden.
Diese Aspekte koennten kuenftig die Ortskerne neu beleben !

Begruendung: Im Hessenpark und aehnlichen Einrichtungen in anderen Bundeslaendern sind die alten Bauten so schoen gezeigt
und auch entsprechend eingerichtet, dass diese Bauweise sinnvoll ausgestattet ist-
es muss nicht zwangsweise in jedem Ort aehnliches zu sehen sein.
Wenn die Eigner die alte Substanz erhalten wollen, soll diesen selbstverstaendlich kein Hemmschuh angelegt werden!

Kirchen muessten ebenso wie Burgen und Schloesser behandelt werden- die Mitglieder sollen selbst dafuer aufkommen und nur laeuten duerfen, wenn das nach einer Umfrage im Ort von der ueberwiegenden Mehrheit gewollt ist.

Frueher setzen sich die Frauen auf einen Ameisenhaufen- das soll fruchtbar machen.
Damals gab es eine "Armenbibel" fuer Pastoren, die wohl nur das Noetigste wissen sollten- mit vielen Bildern drin.
Katzenminze, Nardenoel nutzte man mal zur Teufelsaustreibung, mal erzaehle man, Jesu wurde/haette sich damit eingesalbt.
Symbolik: Der auf dem Kopf stehende Baum war in vielen Kulturen das Zeichen fuer Kraft aus dem Himmel zu holen.

Ein neues Buch, ein neues Glueck: Joseph Stiglitz "Im Freien Fall" ist eine lesenswerte Lektuere, die sich mit der Krise und der Finanzpolitik in weitem Sinne befasst. Lesbar geschrieben, nicht unhumorig und von wissendem Mund kundgetan.
Ich bin nicht damit einverstanden, dass er kritisiert, die Bevoelkerung gaebe zu einseitig der Gier der Banker die Schuld an der Krise.
Nach seiner Idee sind es eher die Anreize, die jene angelockt haetten-
dieser Gewinn waere schliesslich die Grundlage des Kapitalismus, den wir schliesslich alle wollten.. Wollten wir denn? Ich glaube nicht. Auch Wirtschaftsprofessoren koennen irren-
vielleicht liegt es nur daran, dass zu viel vagabundierendes Geld, zu viel ueberschuessiges Geld vorhanden ist,
das angelegt werden will. (Manche Firmen und Personen "verdienen" einfach zu viel- offenbar viel mehr, als sie ausgeben koennen)
Soweit gebe ich recht, dass der Staat natuerlichen Personen Anteile an dem Haushalt und an der Rente verkaufen kann,
nicht jedoch an der Boerse damit zocken sollte.
Desgleichen duerften keine Subventionen oder Hilfen beim Bankencrash geleistet werden, die auf Kosten der Allgemeinheit gehen.
"Systemimmanente Banken" sollten ausschliesslich rein staatl. Banken sein, die sich nur und ausschliesslich um Staatsgeschaefte kuemmern sollten.
Private oder boersliche Investitionen, die aufgrund von Subventionen geschehen, sind ganz automatisch Strohfeuer, die man vermeiden kann.
Ich sehe, das Problem ist sehr komplex und nicht auf die Schnelle loesbar.
Hier muessen grossflaechig Umstrukturierungen vorgenommen werden, die diesmal vom Fokus der Privathaushalte ausgehen
und nicht weiterhin so einseitig die Interessen des Anlagevermoegens und dessen Verwaltern dienen.
Dazu gehoert freilich ein ganz anderer Ansatz, den man nur global, aber nicht auf nationaler Ebene machen kann.
Eine Abschottung der Maerkte halte ich fuer aussichtslos, eine Abkoppelung des Staates vom Finanzmarkt aber durchaus machbar.
Die Anlage natuerlicher Personen in die Rentenkasse waere so ein Modell, das als sicher angesehen werden kann.
Gut- das werden die Fachleute besser beurteilen koennen. Es sind nur meine eigenen Gedanken dazu, die freilich ausschliesslich kaufmaennisch,
nach den Kriterien aus der Sicht eines Einzelhaendlers entstanden sind.
Erschreckend finde ich den Umstand, dass durch den Regulierungswahn der Geld- und Warenwirtschaft,
der eigentlich eher eine Umverteilungsmaschine geworden ist, immer mehr Menschen unter die Raeder kommen.
Wie kommt das? Nun, wenn rationalisiert wird, Arbeit durch Maschinen verrichtet wird,
werden kaum noch Arbeitnehmer gebraucht. Diese Arbeitnehmer muessen "freigesetzt" werden-
was wiederum zu Alimentation ohne Arbeit fuehrt- und.. zu hoeherer Steuerlast aller.
Wenn die Arbeitnehmereinkommen so arm bleiben, koennen jene auch nicht konsumieren -
so duempeln 70% des BIP vor sich hin, der eigentlich lt. den Professoren und Wirtschaftsweisen auf "Wachstumskurs" sein sollte.
Zuviel Studierte mit zu hohem Anspruchsdenken fuehren zu dicken Buechern, die kein Schwein mehr versteht- soll man ja auch nicht!!

Ich brauche kein "Spielverderber" zu sein, um diese seltsamen Dinge, die vier Wochen vor Weihnachten stattfindet, ein wenig zu hinterfragen.
In einer Art Massenpsychose faehrt jeder in die Stadt -und das verflixt oft- um irgend einen Ramsch zu kaufen,
selbst wenn die Weihnachtsgeschenke schon lange daheim liegen..
Habe habe ich gerade 100 Euro ausgegeben (ohne den Sprit) um ein Teil fuer 20 Euro zu erbeuten, das gerade im Angebot war ;)
Man will etwas sehen, etwas erleben, eine schoene Zeit verbringen, mit Lichterglanz und Rummel.
Jeder Fress-Stand wird zum Stau-Stand, Gluehwein- obwohl das Auto auf dem Parkplatz wartet..
Die Erwartungshaltung wird vom ersten Tag im Advent (Ankunft) geschuert- als wenn wer weiss was passieren sollte,
wird an jedem Tag ein Kalendertuerchen geoeffnet, bis sich endlich nach 24 Tagen das Weihnachtsfest zeigt.
Zuvor wird alles gerichtet und ausgeschmueckt, es wird- ausgerechnet an den Tagen, wo kaum Bewegung ist- fett und festlich getafelt.
Viel zu viel- der arme Magen und erst recht das "Hueftgold", das anschliessend beklagt wird..
Geschwind noch einen Schnaps hinterher- das macht schlank!
Dann wird alles ausgepackt und mit dem ausdruecklichen Dank- in die Ecke gelegt und weiter gefeiert.
Wer keine kleinen Kinder im Haushalt hat, wird eher selten dabei singen ;)
24 Tuerchen und ein Fest, das ist doch noch irgendwie "unser" altes "heidnisches" Lichterfest:
Ueberliefert ist das "Mittwinter-Fest" bei den Nordgermanen. Niemand weiss, zu welcher Zeit diese stattfanden und auch der Inhalt ist nicht bekannt.
Mit der "DDR" ist die "Jahresendfigur mit Fluegeln" ueberwunden, deren Wendehaelse sind aber noch voll im Geschaeft- diesmal fuer den "Klassenfeind"!
So aendern sich die Zeiten, nur das gute alte "Christfest", das bleibt dauerhaft erhalten.
(Auch wenn die Jungen -nur im Falle eines Aufsatzes fuer die Schule- erst einmal "nachgooglen" muessen, was dahinter steht)
Als Country-Music-Fan fiel mir auf, dass die gleiche Massenpsychose in den Gospel-Songs vorhanden ist, wie in den 24 Tuerchen-Adventskalendern und in der Erwartungshaltung dazu..


"Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus.
Sinnend geh' ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in's freie Feld.
Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!"

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

Das Buch von Joseph Stiglitz "Im Freien Fall" ist nicht mal zur Haelfte durchgeackert- wobei mir immer klarer wird,
dass man sein Geld ausgeben und nicht auf die Bank und schon mal gar nicht bei Investmentfirmen "anlegen" sollte.
(Ausser in Eigentumswohnungen oaehnl. falls man das Geld dafuer hat)
"Die US-Depression wurde erst mit dem WKII ueberwunden!
Ich halte nur Geschaeftsbanken mit Kundeneinlagen und Privatkundengeschaeften fuer "systemimmanent",
nicht Grossbanken und auch nicht Inventments oder Boersen oder aehnliche Dinge - nur Geschaeftsbanken
sollten von der Bundesbank gestuetzt - aber auch streng kontrolliert werden.
Ratingagenturen und Boersen gehoeren eigentlich verboten oder zumindest als Spielbanken hoch besteuert.
Vor laengerer Zeit habe ich zum Spass eine Seite gemacht, die sich damit befasst: Murmelspiel
Genau wie es dringlich an der Zeit wird, dass Politiker von der Waehlerschaft kontrolliert gehoeren.
Wie das gemacht werden kann, wird man dann erarbeiten muessen..
Durch eine einmalige Wahl alle 4-6 Jahre darf kein "Pe rsilschein" entstehen, mit welchem jeder Unfug durchgesetzt werden kann.

Wohin politisches Desinteresse oder solches seitens der Politik fuehrt, zeigt Spanien,
wo ganze Doerfer zu einem Spottpreis verhoekert werden- weil dort niemand mehr wohnen will:
Keine Arbeit, keine Infrastruktur, langes Pendeln ..


Haetten die Chatten sich mit den anderen germanischen Staemmen verbunden um gemeinsam gegen die Roemer
und andere waffenstarrenden Eindringlinge zu kaempfen (nur Verteidigung) waere uns einiges erspart geblieben.
Keine Weltkriege und auch kein Despot, wozu auch Kirchenfuersten zaehlen.
Keine "DDR", keine Konzentrationslager (die uebrigens in England zuerst auftauchten) und wer weiss was sonst noch alles.
Die Geschichte laesst sich aber nicht zurueckdrehen, dieses Rad rollt nur in eine Richtung und ist nicht umkehrbar -leider !
Da es nun mal ist, wie es geworden ist, muessen wir damit leben,
dass Demonstranten gegen die "vermeindliche" Islamisierung auf die Strasse gehen, andere genau dagegen.
Die einen sind fuer dies, die anderen fuer das- wir hier auf dem Land gehen nicht demonstrieren,
soviel ist schon mal klar, wogegen oder wofuer auch immer.
Zuwanderung -in begrenztem Rahmen und wenn sich diese Leute anpassen- ist kein Problem, weil jeder jedem hilft.
(meistens ist das so)
Ich sehe die richtigen Probleme der Gesellschaft in diesem Dezember 2014 in den Folgen der Wiedervereinigung
und in der Nato-Zugehoerigkeit (statt Neutralitaetsstatus und Friedensvertraege) und in der ueberbordenen Religioesitaet,
gleich von welcher Gruppe.
Desgleichen halte ich die Einmischungen von Aussen fuer bedenklich,
ob das die Politik oder die Wirtschaft betrifft, ist schon fast egal.
Peter Scholl-Latour hatte in seinen Einschaetzungen recht- das wollte von unseren guten Menschen keiner hoeren,
die angeblich "links" standen und sich einfach nur selbst den Sack voll gemacht haben,
wie die von denen kritisierten "Etablierten" zuvor.
Selbstverstaendlich muss man eine Islamisierung des Abendlandes befuerchten, ja sogar der ganzen Welt,
man braucht nur die Nachrichten einzuschalten und ein wenig Geschichte erfahren zu haben:
JEDE Nahost-Religion will die Weltherrschaft- zumindest die flaechendeckende Einnahme der Welt.
(Das sagen diese Religion ja schon lange selbst!)
Wenn das Demagogen andersherum behaupten, dann laeuft bei denen was schief oder sie wollen -
aus welchen Gruenden auch immer- das nicht sehen, was laengst jeder sieht.
Wir haben nun "christliche" Parteien, die logischerweise die Andersglaeubigen oder ausgetretenen Gruppen nicht vertreten,
wir haben eine "Arbeiterpartei", die schon kurz nach der BRD-Gruendung nicht mehr so genannt werden wollte,
wir haben linke und rechte Gruppenparteien, die -zum Glueck- weniger Zustrom finden.
Der neutrale Buerger, der einfach nur in Frieden leben will, der wird nirgendwo vertreten..
es wird Zeit fuer eine Neuordung in Richtung Neutralitaet- so oder so- das geht mit der oeffentlich rechtlichen Verdummung jedoch nicht.

Ich musste dafuer leider sehr weit ausholen, um solche Dinge klar zu stellen, die ihre Wurzeln frueh in der Menschheitsgeschichte haben.

Nachtrag, nachdem ich das Buch "Im freien Fall" von Joseoph Stiglitz durchgelesen habe:
Wirtschaftswissenschaftler, Volkswirtschaftler und Oekonomen und wie die neuen Berufe alle heissen-
haben geirrt und das geradezu in prophetischer oder seherischer Weise.
Sie haben ihre Einschaetzung als Basis genommen und lagen meistens falsch damit.
Millionen von kleinen Leuten haben sie mit ihren schraegen Thesen das Geld geklaut,weil spekuliert und gezockt worden ist -
Lenkungsinstrumente wurden auf der gleichen (geratenen) Basis gesetzt, quasi im Blindflug darauf vertrauend,
dass andere Zocker und andere Staaten ihre Thesen ebenso annehmen..

Es fuehrt kein Weg daran vorbei,
dass die "freie" Marktwirtschaft und all ihre an die Kirchentuer geschlagenen Thesen aus der Luft gegriffen sind.
Die soziale Marktwirtschaft ist ein hilfloses Konstrukt mit tausenden von Regularien,
die ohne Kontrolle leider nicht funktionieren, zumal die Europaeisierung und Globalisierung
eine Abschottung einzelner Wirtschaftsbereiche oder gar Laender nicht mehr denkbar macht.
(Wobei schon der Aspekt der Resourcen-Tausche dieses Ansinnen im Ansatz verhindert.)

Was bleibt, ist die Moeglichkeit alle Finanztransaktionen, aus denen Gewinn erwirtschaftet wird,
mit der vollen MWSt zu belasten, wobei in jeder Organisationsform der Endverbraucher gesehen werden muss.
(Eine wirkliche Differenzierung zwischen Investment und Anleger ist nicht immer klar ermittelbar- besonders bei Rentenfonds)

Wenn nun die Geldwirtschaft von den reinen Geschaeftsbankengeschaeften getrennt wird,
kommt mehr Stabilitaet ins Geschehen und mehr Planbarkeit:
Zinsen aus den Geschaeftsbanken waeren vermindert besteuert (wie jetzt) und Spekulationsanlagen und Aktien voll mit 19% MWSt abgegolten.
(Was auch fuer den Computerhandel gelten muss - moeglichst in europ. Regelung)

Ich halte nach der Lektuere zu freie Geldstroeme und Spekulationen mit Geldern Dritter
(Lebensversicherungen, Renten etc.) fuer eine undurchsichtige Gaunerei, die ganz schnell schief gehen kann-
mit negativen Nachwirkungen auf die Unschuldigen, die in vollem Vertrauen ihr Geld angelegt haben.
Desgleichen muss der Staat nichts auf dem freien Bankenmarkt leihen, sondern sollte- nach einer Zinsregulierung
(Aussetzen der Zinszahlungen fuer ein paar Jahre, in denen nur Abtrag stattfindet)
neu mit Buergeranleihen beginnen.
Diese waeren im wahrsten Worte eine "sichere Bank".
Auf diese Weise wird der kommerzielle Geldmarkt abgetrennt vom Tagesgeschaeft und kann somit keine Instabilitaeten mehr schaffen,
wo sich regelmaessig bestimmte Halunken bereichern konnten, wie man bis zum heutigen Tag eindrucksvoll sehen kann.

Als flankierende Massnahme der Qualifizierung von Kompetenzen im Staatsdienst waere die Deckelung der Einkommen auf Ingenieursniveau noetig:
Nur so sind Idealisten findbar, die nicht nur auf das schnelle Geld aus sind.
(Selbstredend bei absolutem Verbot von Nebentaetigkeiten und Geschenken- wie das fuer Beamte schon seit Jahr und Tag gilt.)
Wer mit diesem Geld nicht auskommt, kann nicht rechnen und wer nicht rechnen kann, taugt fuer KEIN Amt..
Wem dieses Einkommen nicht genug ist, kann sich gerne in der "freien Wirtschaft" umsehen-
das bekommt jeder kleine Bedienstete im oeffentlichen Dienst seit Jahr und Tag erklaert, wenn es um Lohnerhoehungen geht..

Rauhnacht
Wintersonnenwende
Von Rechten missbraucht, von Christen fuer ihre Zwecke umgedeutet,
in Wahrheit von den Praehistorischen als hoechstes Fest ueberliefert -allemal denkwuerdig.

Grundsaetzlich oder als Fazit aus den vielen Buechern kann ich sagen:
Entwicklungshilfen sind grundsaetzlich schief gelaufen und haben genau so wenig wie Auslandseinsaetze gebracht,
wie Missionierungsversuche- ob religioes oder wirtschaftlich oder bezueglich einer bestimmten Staatsform.
(bisher hat noch KEINER den Stein der Weisen gefunden, deshalb ging jede Einmischung schief.)
Es ist nicht richtig arme Laender auszubeuten- egal wie und es ist nicht richtig Waffen zu liefern.
(Egal an wen)
Handel und Wandel und Diplomatie und Philosophie dagegen hilft den Menschen in der ganzen Welt.

Wie gruendlich jedoch "Multikulti" in die Hose geht, sehen inzwischen viele Staaten - wo sich die Meldungen ueberschlagen -
wieder einer der typisch akademischen Irrtuemer, unter denen dann alle leiden:
Das kommt davon, dass man auf die Anerkenntnis unserer Lebensform nicht deutlich genug draengt
und die Leute gleich wieder heim schickt, die das nicht tun wollen.
Asiaten haben wohl keine Probleme damit und passen sich an.
(Wir haben inzwischend genuegend Erfahrungen mit entsprechenden Nachbarn gemacht)

Die Reporter und die Presse kriechen den "Promis" und den "Adligen" in derartiger Beharrlichkeit in den Arsch,
dass eigentlich die ganze "Berichterstattung" darueber in braunen Lettern geschrieben sein muessten.
Die Zeitungsmeldungen und Fernsehberichte sind Manipulation, Quotenjagd, Sensationslust foerdernd,
Schadenfreude oder Angst machend, Neid schuerend - je nachdem mehr Geld durch Auflagen gemacht werden kann.
Die "Verbraucher" oder "Konsumenten" werden dabei in derartiger Manie an der Nase herumgefuehrt,
wie ein Pfingstochse- kaum einer scheint das zu merken.
Nicht mal "Horoskope" und "Herr Doktor raet" oder "Tipps zur Partnerschaft" werden dabei ausgelassen- egal, Hauptsache das Kaeseblatt wird verkauft.
Gewuerzt wird der ganze Muell mit Sexanzeigen, Moebelprospekten, tausende an Sonderangeboten der Supermaerkte,
Elektronik, direkt neben den Todesanzeigen und amtlichen Bekanntmachungen - ach ja,
den langweiligen Sport und die noch langweiligeren Vereinsnachrichten nicht zu vergessen!

Den politischen Teil zu lesen, ist geradezu gesundheitsschaedlich - davon darf man glatt abraten:
Wir aendern daran nichts- der letzte Urnengang duerfte der einzig sinnvolle sein.

Ludwig Erhards Buch von 1957 liegt vor mir- er hatte schon sehr gute Ideen, das muss ich sagen.
Aber ob diese Antworten in unserer globalisierteren Zeit noch greifen wuerden, wage ich zu bezweifeln.
Eine nicht mal sonderlich steinige Lektuere, die aber dennoch ihre Zeit erfordert.

Ich bin mit Sicherheit diesem Denken naeher als der S PD und den Gruenen zusammen.
Leider hat die C DU diese Tugenden verlernt - und schielt nur auf das Fortkommen ihrer eigenen Leute.
Die haste-nix-biste-nix Politik ist raumgreifend und rund um die Welt herrschend geworden.

Ob Erhards Thesen Groessenwahnsinn oder Genie waren, kann ich nicht beurteilen -
vermutlich hatte er recht, besonders im Bezug auf Europa.

Er vertrat leidenschaftlich die Meinung, dass durch mehr Leistung mehr Geld generiert wuerde,
das dann auch ein wenig fuer den Arbeiter und Angestellten abwerfen wuerde, wenn man nur genug Geduld zeigte.
Die Unternehmen sollten nicht angegriffen werden, nur weil sie Reserven fuer schlechte Tage anlegen wuerden-
vorrangig waere allemal der Expantionsgedanke, der Arbeitsplaetze schafft.

Adenauer kochte sein eigenes Sueppchen, das nicht unbedingt mit Erhards selbstlaufender Wirtschaftsleistung ueberein ging.

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bundeswehr

Diese Sache ist auch recht spannend- das Volk wurde wohl "ueberstimmt" und musste der Wiederbewaffnung zustimmen.
Die "grosszuegige Unterstuetzung durch die USA" half mit den ersten Waffen, die Finanzierung der neuen Bundeswehr durch die Rentenkasse war wohl eher ein Geruecht?

Das Buch Erhards deckt sich hier mit Wikipedia, so wollen wir es mal glauben,
dass nur Aussenhandelsbilanzueberschuesse dafuer heran gezogen wurden.
Der naechste Aderlass kam durch die Wiedervereinigung, die manche Leute ohne "e" schreiben.

+++++++++++++++++++++ Ende des Vorworts +++++++++++++++++++++++++

Nun geht es endlich wieder weiter mit einem neuen Stapel alter Ortschroniken - zum Glueck,
denn die hochgeistige Lektuere bin ich gruendlich leid geworden ;)



Obershausen gehoert zu Loehnberg und wurde 1307 erstmalig erwaehnt in einer Urkunde, wo eine Frau aus Obershausen gegen eine ebensolche aus Dillhausen "getauscht" wurde..
Im Jahre 1511 waren 14 Haeuser, 48 Kuehe, 166 Schafe und eine strohbedeckte Kirche erwaehnt.
"Mahrheck" kommt von Mahr, Mad, rheinisch gemahd, gemaehtes Gras.
Bis 1902 haben die Bewohner des Dorfes ihr Wasser noch am Dorfbrunnen geholt.
Der Boden war nicht gut, zu viel verwitterter Schiefer - dennoch wurden Kartoffeln, Hafer, Roggen, Weizen und Gerste angebaut.
Tongruben und Roteisenstein mit Huetten gaben Arbeit.
Die Gemarkungsnamen "Koehlerhag" und "Keelrach", "Schmidtwies" und "Bangert" (Apfel- Obsthain) oder "Koedinger Born" verraten einiges ueber ihre Entstehung.
Der Ort Koedingen fiel wuest, die Bewohner wurden abgefunden und haben sich in den Nachbarorten angesiedelt- sie nahmen die Fachwerkbauten mit..
Auf der Flaeche entstand ein fuerstliches Hofgut- somit war auch der Sauerborn futsch.

Interessant finde ich den Beitrag, dass heute noch in den vielen riesigen Schlackenhaufen noch 42-48% Eisen enthalten sein sollen:
Anscheinend konnte man damals missglueckte Schmelzungen nicht wieder "frischen", dh. aufarbeiten und hat diesen Guss dann auf die Halden geworfen.
Viele Gemarkungs- und Waldwege sind mit diesem Material aufgefuellt worden.

Weiher, Wasserraeder, Hammermuehlen, Blasebaelge mit mehreren Gaengen und gemauerte Guss-Oefen allerorten..

Biertrinken war im Westerwald noch nicht ueblich, dafuer wurde Wein angebaut.

Zusaetzliche Einkommen hatte der Fuerst aber auch durch die Hute, tausende von Schweinen wurden in die Eiche-Waelder getrieben und so gemaestet.

Der Chronist meint, dass man damals sehr viel bescheidener lebte,
wo an langen Winterabenden alle um den Tisch saßen und Erbsen oder Bohnen auspulten.
Dabei wurde viel erzaehlt und auch gelacht.
Die Alten erzaehlten vom Pfingstbrauch, wo alle zum Pfingstborn zogen, der mmit einem Holzkreuz zugedeckt war.
Selbstgebackener Weck und Wasser aus diesem Born im Kruegchen.. zu Ostern lies man Eier den Hang runter rollen.
Alles war schoen mit frischen Zweigen und bunten Baendern geschmueckt.
Die Maedchen hatten ihr Haar zu Kraenzen gebunden und alle trugen ihre guten Sachen.
Hauchduennes, pfefferkuchenaehnliches Gebaeck gab es zu Neujahr.
In der Kirche gab es sogenannte "Weiberstuehle", die Maenner saßen auf der Empore.
Ein Pfarrer hat ein selbstgebauten Umbau seines Fahrades gemacht, das zwei Hunde zogen -
so konnte er immer und bei jedem Wetter, selbst steile Strassen befahren.
Ein anderer Pfarrer bat seine Vorgesetzten, ihn "seines Dienstes zu entbinden, weil er schon ein alter Mann sei
und die Stelle mit einem anderen Subjekt - nur nicht mit einer Weibsperson - zu besetzen"

Die Wuestung Mittel(n)dorf soll 1325 in der Gemarkung "im Feld" gelegen haben.
Der schwarze Tod im 14. Jahrhundert und das Schwertrecht der Fehden und die noch sehr rueckstaendige und wenig ertragreiche Landwirtschaft verhalfen dazu.
Vermutlich war dieser Ort auch nur eine handvoll Gehoefte.

Eine uralte Eiche mit einem Umfang von bald 7 Metern ist zu erwaehnen, die wohl auf tausend Jahre geschaetzt wird:
Die Sauerborns-Eiche.

Keltische Huegelgraeber gibt es ueberall in unserer Gegend.

Die "Mahlgaeste" waren in "Bannbezirken" zusammengefasst- jeder musste dort malen lassen, wo die ihm zugeteilte Muehle war.
Das haben die Mueller damals ganz gut ausgenuetzt und so manchen Wucher getrieben - nicht umsonst hat dieser Berufsstand noch heute keinen guten Ruf.

Viel ist von Waldschmieden die Rede- sie zogen mit dem Holz, nicht mit dem Erz.
Die geschmolzenen Eisenstuecke wurden als Klumpen zu Luppen geschmiedet, gezogen und mit Halteoesen versehen,
damit sie besser zum Markt oder zur Ortsschmiede getragen werden konnten.
Reich ist von der Waldschmiede niemand geworden- ohne zusaetzliche landwirtschaftliche Betaetigung ging es nicht.

In der Hungersnot nach dem 2.WK ist eine Geschichte ueberliefert, wo ein eigens gebauter Handwagen mit Kartoffeln,
Getreide, div. Gemuese, Brot , Mehl und Aepfel - wohl an die 3 Zentner schwer - eine Odysee von Obershausen zu den Verwandten
in Oberhausen / Ruhrgebiet unternahm, wo viele Leute aus dem Westerwald arbeiteten und auch Verwandte hatten.
Zu Fuss, ueber Berg und Tal und immer obacht, dass keine Militaers oder Polizisten die Fuhre beschlagnahmen konnten.
Bei Zwischenuebernachtungen bei Bekannten wurde etwas abgegeben, der Wagen ansonsten aber streng bewacht.
Lebensmittel waren sehr knapp und buchstaeblich Mittel zum Leben.
200 Kilometer sollen die beiden Arbeitspendler gewandert sein - eine heute unglaubliche Leistung.

Wilddiebereien kamen immer wieder vor - in der Bevoelkerung ist schon von Alters her die Auffassung inne,
dass das Wild allen gehoert und nur aus Angst vor der Obrigkeit sah man sich vor, weiter mit Schlingen und Netzen auf die Pirsch zu gehen.
Die Familien wollten ernaehrt werden, Geld war knapp.. so sollen sich die Jaeger unter der Eiche getroffen haben, um das Vorgehen gegen die Wilderer zu besprechen.
In diesem Baum hockte jedoch im dichten Laub - der Robert, ein Wilderer, der so den Plan mitbekam und das auf der Kirmes erzaehlte,
was einen Freudentaumel ausgeloest haben soll..
Seither heisst dieser Baum "Robertseiche".

Bei Arbeiten am Kirchturm fand man im Zuge von Ausschachtungen immer wieder menschliche Knochen aller Art in grossen Mengen,
- Schubkarren voll wurden auf dem Kompost entsorgt.
Noch vor der Zeit, als Saerge aufkamen und die Leute in Tuechern bestattet wurden, gab es Armen- und Pestgraeber,
wo man schnell ganze Mengen vergraben konnte.

Der Galgen galt als Hoheitszeichen der absoluten Macht des Landesherrn -
der Scharfrichter entsorgte nebenbei noch Kadaver der Tiere und bekaempfte "raeudige Hunde".

Da gab es noch das "Feldgericht", das Verfehlungen bei der Ernte und Feldbestellung ahndete, mit Schoeffen als Beisitzer.
Damals musste man ueber das Feld des Nachbarn, um die Ernte einzuholen.
Es gab kaum Feldwege! Bis Ende des 19.Jhds bestand dieses Gericht.

Die Aelteren unter uns kennen vielleicht den Ortsdiener noch, auch Polizeidiener oder Gemeindediener genannt,
der mit der Glocke durch das Dorf ging und an bestimmten Stellen die amtlichen Bekanntmachungen laut und deutlich vorlas.
Wann die Wiesen gemaeht und Obst geerntet werden soll, das Getreide an der Reihe war, wenn wichtige andere Dinge anstanden.
(heute findet man diese Dinge in der Zeitung kundgetan, damals hatte jedoch kaum einer das Geld fuer ein Tageblatt)

Der Nachtwaechter ist wohl noch Mitte des 19.Jhds unterwegs gewesen - unbestechlich,
er durfte nicht mal ein Bier oder Schnaps annehmen, wenn er die Zecher in der Wirtschaft mahnte Feierabend zu machen.
Sperrstunde nannte man das auf die uebliche freundliche Art der Herren. Wer nicht hoeren wollte,
wurde gemeldet und bekam andern Tags seine Strafe durch den Buergermeister oder Polizeidiener verpasst.
Er achtete auf vergessene Lichter in Staellen und Werkstaetten, darauf,
ob jemand die Tuer vergessen hat zu schliessen und auf die allgemeine Ordnung, wenn er die Uhrzeit ausrief.

Der Flurschuetz mit seinem grossen scharfen Hund war ein gefuerchteter Mann, der sehr aufpasste,
dass niemand aus den Gaerten etwas nahm, was ihm nicht gehoerte.
Lebensmittel waren knapp und wenn diese weg waren, hungerte die Familie, da meistens das Geld fehlte, um im Laden etwas nachzukaufen.
Beide - der Flurschuetz und der Nachtwaechter bewegten sich auf rechlichem Boden und mit ihrer Petroleumfunzel - immer auf der Suche nach Missetaetern.
Unser Bekannter war damals Flurschuetz und sein deutscher Vorstehhund war eine Kruecke, die ausser ihm ..
nur ich als kleines Kind anfassen durfte.
Schallendes Gelaechter und Entsetzen- als wir gemeinsam aus der Hundeschuessel futterten ;)
Er betrieb nebenbei einen grossen Garten und eine Lohnkelterei, wo die Leute des Dorfes ihre ueberschuessigen Aepfel hin brachten,
um mit dem Saft wieder nach Hause zu fahren. (Handkarren - niemand hatte ein Auto)
So ein Flurschuetz war bei allen wichtigen Versteigerungen und Landverpachtungen, Landverkaeufen dabei,-
so wusste er ganz genau, wem was gehoert.
Zuwiderhandlungen waren somit unmoeglich, niemand konnte mal eben etwas ernten, was ihm nicht gehoerte.

Ich lese, dass in Obershausen selbst im Sommer noch oft Bodenfrost vorgekommen ist und 195 Tage im Jahr mit Schnee,
Graupel oder Hagel gerechnet werden musste.. 7 Grad Jahresmittel.
1783 soll der Schnee 2,5mtr hoch gelegen haben, so dass man in ihm Gaenge vom Haus zur Scheune graben musste.
Der Pfarrer soll durchgeschnarcht haben, weil er Nacht waehnte- das Fenster lag unter dieser Schneehoehe ;)
Die Westerwaelder sind frohen Mutes, die bringt nichts aus der Ruhe.

Eine reiche Grubentaetigkeit in Eisenstein, Schiefer und Ton gab vielen Leuten Arbeit, wie in vielen Orten unserer Gegend.

Sogenannte "Rennwege" findet der Wanderer noch heute als Gemarkungs- und Waldwegenamen vor - damals waren sie eine Notwendigkeit.
Die Nachrichtenboten oder Laeufer trugen die Meldungen von Ort zu Ort und waren das, was man heute die Post nennt.
Meistens von Obrigkeit zu den Aussenstellen- da wohl nicht viele Leute lesen und schreiben konnten -
so waren schriftliche Mitteilungen die Ausnahmen.
Spaeter musste man seine Post bei der Poststelle abholen, an eine Zustellung war nicht zu denken,
da viele Leute tagsueber auf dem Feld waren.
Spaeter, um 1930 wurden ueberall Poststellen eroeffnet, nach der Postkutsche kam der Kraftpostverkehr
und das sicherte in dieser armen Zeit so manchem Beschaeftigten ein kleines Wunder:
Das feste Einkommen !
Pendler nutzten diese neuen Befoerderungsmittel gerne, manche bis zur Bahnstation um von dort aus weiter zu fahren.
Ich kann mich noch erinnern, dass die Alten ihre Rente durch den Postboten bekamen..

1894 kam das Schaltkasten-Telefon-Netz in die Poststelle, nur ganz wenige Private hatten einen Anschluss beantragt.
Wurde jemand im Dorf von ausserhalb angerufen, musste erst ein Termin fuer den Rueckruf vereinbart werden-
tagsueber war kaum jemand erreichbar.
Das "Fraeulein vom Amt" vermittelte dann die Poststellen weiter zu anderen Orten,
bis sich nach und nach ueber div. Zwischenschritte die Selbstwahl durchsetzte.
Meine Eltern hatten einen der drei Anschluesse im Dorf, weil mein Vater Landmaschinen-Kundendienstler war
und jederzeit erreicht werden musste:
Die Bauern standen auf dem Feld und der Binder streikt- die Wolken warten nicht !

Man hockte zusammen bei dem roetlichen Licht des Herdfeuers, die Petroleumlampe brannte.
(Kerzen und Karbitlampe gab es im Stall.)
So wurde von jeher getan, bis 1923 das elektrische Licht kam, von dem ehrfuerchtig genannt,
eine "toedliche Gefahr" bei falscher Benutzung ausging.
Es soll fuer die Leute damals unfassbar gewesen sein, als mit einem Schalterdreh der Raum taghell wurde.

So mancher hat Raps in die Oelmuehle gebracht und zugeschaut, wie das Oel geschlagen wurde.
Auf einer grossen Schale wurde der Raps erhitzt, in der Mulde mit dem Stampfer,
der ueber eine Nocke mit der Welle ueber das Wasserrad betrieben lief,
die Frucht zerkleinerte, zertruemmerte.
Nun wurde die Schale ausgeleert und das Mus kam in ein Tuch, das passgenau in die Presse gelegt wurde.
Langsam, Drehung fuer Drehung kam das Oel heraus und wurde in Flaschen gefuellt.
Leinoel, Mohn,- Nuss,- Bucheckern,- und Sonnenblumenoel wurde so gewonnen.
In den Mast- und Notjahren wurde von ganzen Schulklassen Bucheckern gesammelt - es gab kein Oel zu kaufen !

Muehlen waren wohl immer irgendwie aehnlich aufgebaut - es wird berichtet,
dass ein alter Mueller jeden Tag im Staubecken sein Bad nahm-
egal ob bei 35 Grad Hitze oder bei 20 Grad Kaelte.

Die Vermahlung des Getreides kennt heute kaum noch einer, deshalb will ich diese hier aus der Ortschronik heraus schildern:
Das Getreide der Kunden wurde gewogen, dann mit dem Becherwerk zur hoechsten Stelle der Muehle transportiert.
Dort kam es in den "Aspirator" geschuettet, eine Reinigungsmaschine, die nach Teilchengroesse trennt - mittels Luftstrom.
Das gereinigte Getreide lief ueber die Foerderschnecke in das Getreidesilo- das vier Zellen hatte:
Roggen, Gerste, Weizen und Hafer.
Daraus lief das Korn zur Schaelmaschine - es musste (was ich besonders interessant finde) Wasser zugesetzt werden,
damit der optimale Feuchtigkeitsgehalt fuer die Weiterverarbeitung erreicht wird 15,5-16% Wassergehalt sollte es haben.
Durch einen Trichter lief das Getreide dann endgueltig in diese Schaelmaschine - sie diente dazu,
die unerwuenschten Bestandteile des Kornes (Oberhaut, Laengszellen, Baertchen und bei Roggen den Keim zu entfernen.
Aus letzterem macht man heute mehr)
Nun wurde wieder das Becherwerk aktiv, das ueber einen Trichter das Korn in den Walzenstuhl brachte -
einem Walzenpaar im Winkel von 45 Grad schraeg uebereinander liegend angebracht.
Das kann man gut in der Hauser Muehle in Wetzlar sehen..
Diese Walzen drehen sich gegenlaeufig mit etwas unterschiedlicher Drehzahl - so wurde das Korn grossflaechig aufgebrochen.
Der Schrot wurde wieder mit dem Becherwerk befoerdert - nach oben, in den "Plansichter", der waagrecjt kreisende Bewegungen machte.
Wie bei einem Kuechensieb setzten sich die unterschiedlich schweren Bestandteile entsprechend ab.
Schwere Teilchen, wie Gries sanken nach unten auf die Seidengaze, die leichten Teilchen "schwammen" oben.
Nun wurde das Mehl herausgesiebt und ueber ein Rohr in die Mehlmischmaschine einlaufen lassen.
Die Trennung von Mehl und Kleie wurde wiederholt in mehreren Mahlgaengen, wobei das restliche Schrot wieder in den Walzenstuhl kam.
Bei Ablieferung von 1 Zentner Roggen kamen ca 35kg Mehl und 12,5kg Kleie heraus.
2,5 Kilo waren Schwund, den der Mueller einbehielt.

Schmiede benoetigten Holzkohle - so half eine Kunst der anderen.
Es wurden praktisch alle landwirtschaftlichen Geraete in der Schmiede hergestellt, desgleichen Raeder und Hufeisen - fuer Pferd und Kuh !
Beschlaege fuer Tuer und Tor, Hacken, Aexte und Sicheln - Arbeit war immer da.

Der Beruf der Kipper war so entstanden, dass die Basaltsteine gedreht und gekippt wurden,
damit entlang der natuerlichen Bruchzone mit dem Hammer Abschlaege macht werden konnten.
(Katzenkopfpflaster) Das war ein Lehrberuf und erforderte Geschick- und brachte guten Lohn.

Desgleichen waren die Besenbinder und Korbflechter geachtet, wie schon erwaehnt.
Das Material kam in der saftruhenden Zeit von den Ufern der nahen Baeche.

So ein baeuerlich strukturierter Ort, wie eigentlich alle kleinen deutschen Orte - war auf Hausschlachtungen angewiesen.
Ohne Kuehlhaeuser wurde nur geraeuchert, eingepoekelt und eingekocht.
Gefrierschraenke kamen erst Mitte der 1950iger Jahre.
So war der Winter die Schlachtzeit.
So es Metzgereien gab, hatten dennoch nur wenige Leute Geld, dort zu kaufen.
Ende der 1960iger Jahre waren die Hygieneauflagen so hoch, dass man keine Hausschlachtungen mehr machte.

So manche Gastwirtschaft war der Mittelpunkt des Ortes, Post, Geschaeft,
Tanzsaal und Wirtschaft oder Gemeinschaftshaus bis zur Theaterbuehne zugleich.

So ein Kolonialwarenladen, der noch ueberall in den Doerfern zu finden war, hatte als Grundausstattung:
Dezimalwaage mit Gewichten, Messeinrichtungen fuer Fuessigkeiten.
Die Waren wurden in Papiertueten abgewogen oder in mitgebrachte Behaeltnisse gefuellt.
Mehl, Salz, Zucker wurden in 50kg Saecken geliefert, Essig, Oel und Likoere oder Braende in 5 Liter geliefert.
Kaese wie Edamer etc kam in Laiben von 2-12 Kilo an.
Seefisch gab es nur auf Bestellung, in Koerben, auf Eis.
Salzhering kam in Faessern an.
Das Leergut der Waren wurde vom Grosshaendler berechnet und wieder abgeholt.

Waehrend der Kriegszeit musste jeder Dorfbewohner -
es waren eigentlich alle nebenbei auch Kleinbauern - einen Teil ihrer Ernte an Sammelstellen abgeben.
Diese Abgaben kamen den Staedten zugute, wo die Leute hungerten.
1949 kostete -wegen der horrenden Kaffeesteuer- ein Pfund so viel, wie ein Arbeiter in der Woche verdiente.

Ein neuer Schuh musste ein paarmal anprobiert werden, bis er sauber zugeschnitten und angepasst war.
Noch so richtig mit Brandsohle und Eisenblaettchen an der Spitze und benagelten Sohlen, damit sie lange hielten.

Ich lese von Kriegsheimkehrern, die jahrelang in Gefangenschaft lebten, von Verwundungen und Verletzungen,
von langen Fluchten durch Feindesland,
von den armseeligen Anfaengen im Handwerk -
die kleinen Leute mussten Groessenwahnsinn der Politiker immer alleine ausbaden!
Die Grasnarben am Wegrand wurden mehr oder weniger heimlich oder auch mit "Genehmigung der Obrigkeit" zur Viehfuetterung benutzt.
Das Holz wurde manuell im Wald geholt, manuell mit der Trummsaege geschnitten -
an der Werkstatt war ein "Goebel" angebracht, ein Tellerrad-Getriebe, das mit Pferd,
Esel oder Kuh, die im Kreis liefen, angetrieben wurde.
Eine Transmissionwelle hat die Kraft auf einfache Maschinen uebertragen..
So mancher Wagner oder Schreiner half im Wald, damit der Rohstoff leichter zu bekommen war,
waehrend die "Weibsleut" das Haus,
den Garten und die Kinder versorgten, sich um das Vieh kuemmerten.
Die Ziege und das Schaf waren die "Kuehe des kleinen Mannes", wie es so treffend hies.

Tapeten waren auf dem Land unbekannt, man nahm Kalk- oder Leimfarben um zu verschoenern.
Mit Hilfe von Strukturwalzen
(die ich bei meinem Urgrossvater noch genuegend vorfand)
Mancher hat die Tueren mit kunstvollen Marmormaserungen versehen lassen, die mit Gaensefedern im Mehrschichtverfahren gemacht wurden.

Die kornblumenblauen Flachsfelder sind frueher allerorten zu sehen gewesen.
Man unterscheidet Faser- oder Oelflachs, man zur Herstellung von Stoffen, mal eben zur Oelgewinnung durch die Samen.
Faserflachssamen tat man in die Kaelbermilch zur Aufzucht und Mast.
120 Tage waechst Flachs heran, gut ist ein feuchtwarmes Klima -
deshalb fand man ihn in der schuetzenden Naehe der Waelder.
Die Ernte habe ich schon beschrieben- bueschelweise mit den Wurzeln aus der Erde gezogen,
fermentieren lassen, damit die Fasern frei wurden..
trocknen, bleichen, hecheln, spinnen, verarbeiten.
Im Webrahmen, der in vielen Haeusern stand, spannten Maenner die Laengsfaeden,
durch die dann die Holzschiffchen die Querfaeden "schossen".
Es gab grobes Leinen fuer die Arbeit und feines fuer die Waesche.

An Obst gab es neben Aepfel und Birnen auch Pflaumen und Kirschen, aber auch Beerenobst,
das oftmals von Lehrern in der Baumschule vermehrt und veredelt wurde.
So kam noch etwas zum damals spaerlichen Gehalt hinzu.
Als erwaehnenswert halte ich:
Die Schueler bekamen im Unterricht die Obstbaumpflege und die Veredelung in einer Art "Workshop" mit !

Hausschlachtungen waren damals noch allgemein ueblich, Kuehlhaeuser gab es keine,
auch keine Kuehltruhen, das habe ich schon geschrieben.
Wie aber genau so eine Schlachtung vor sich ging, weiss heute kaum noch jemand:
Zuerst kam der Fleischbeschauer, der sein Handwerkszeug gleich dabei hatte:
Mikroskop mit 100facher Vergroesserung und Glasplatten, zwischen denen Fleischprobe-Stueckchen platt gedrueckt wurden.
Erst wenn das Fleisch frei von den winzig kleinen schwarzen Spulwuermer,
die Trichninen war, wurde der blaue Freigabe Stempel auf das Fleisch gemacht.
(Trichninenbefall fuehrt beim Menschen zum Tode innerhalb weniger Wochen)
Man hielt Lebendbeschau und eine unmittelbar bei der Schlachtung, bevor das Fleisch Verwendung fand.
Der Fleischbeschauer untersuchte auch Wild - Rehe, Wildschweine, Dachse- alles Allesfresser, die auch vor Aas nicht zurueckschrecken !
Das Schwein wurde aus dem Stall getrieben, mit dem Strick am Hinterlauf an einem Mauerhaken festgebunden.
Mit einem Vorschlaghammer oder Axt (stumpfe Seite) oder mit dem Bolzenschuss-Apparat wurde das Tier tiefenbetaeubt.
Anschliessend wurden mit einem scharfen Schlachtermesser die Borsten am Hals enfernt,
die Hausfrau hielt eine Schuessel oder Eimer mit Kochloeffel parat-
dann wurde dem Schwein die Halsschlagader geoeffnet, damit das Blut auslaufen konnte.
Dieses musste staendig geruehrt werden, damit es nicht gerann.
Das fuehrte zum endgueltigen Tod des Tieres.
Ein grosser Blechtrog wurde seitlich beigelegt, das Schwein hinein gerollt.
Nun wurde das Tier mit kochendem Wasser uebergossen, die Borsten mit einer Art Schaber entfernt.
Das Wasser dazu wurde im Waschkessel (mit Holzfeuerung) erhitzt, der spaeter auch fuer die Wurstbereitung gebraucht wurde.
Nun wurde das Tier mittels Flaschenzug auf das Krampholz oder Dreibock gezogen, wo es kopfueber an den Hinterbeinen hing.
Der Hausmetzger schnitt das Schwein bauchseitig laengs auf, durchtrennte Brust- und Schoßbein mit der Knochensaege.
Nun wurde der Mastdarm und der Harnleiter an den Ausgaengen abgetrennt,
die Eingeweide heraus gezogen, am Zwerchfell abgemacht und in eine Wanne getan.
Die Inhalte wurden entleert, umgedreht, mit einem Loeffel mehrfach mit Hilfe von heissem Wasser ausgewaschen.
Das musste gruendlich geschehen, weil die Wurst in die Daerme gefuellt werden sollte.
Nun begann das Zerwirken, die beiden Schmalzbaenke wurden ausgetrennt, das Wellfleisch abgeloest.
Mit dem grossen Hackebeil wurde das Schwein in der Mitte von oben nach unten gespalten und der Kopf abgetrennt.
Die Bauchlappen, Beine, und Kotelettbaenke ausgeloest.
Die Keulen wurden ausgebahnt, das Abschnittfleisch wurde zur Wurstbereitung genommen.
Kopf, Schwartenstuecke, Zunge, Knochen und alle Innereien wurden im Wurstkessel gekocht.
Von der Keule kam der Schinken, je einen vom Vorderbein und Hinterkeule -
mit den Stuecken fuer das spaetere Doerrfleisch kam alles in die Holzbuett,
wurde wurde mit einem Sud aus 25Ltr Wasser, 5kg Salz, 1 P. Salpeter, 5 Knoblauchzehen,
1 Sellerieknolle und 1/4 P Kandiszucker uebergossen. Die Fleischstuecke mussten eintauchen,
oft half man mit einem Brett, das mit Steinen beschwert war, nach.
Nach ca 4 Wochen kamen die Schinken zur Abtrocknung und in die Raeucherkammer mit dem Buchenholzmehl.
Blutwurst wurde mit Blut, Salz, Grieben oder Speckwuerfeln, gemahlenen Innereien
-ohne Leber- und Fleischresten, Pfeffer, Nelken und Maioran gemacht.
Leberwurst aus grob gemahlener Leber, Speckwuerfeln, Fleischresten, Nieren, Pfeffer, Salz, Zwiebeln und Muskat gemacht.
(Wenn heute eine Leberwurst "seltsam" schmeckt, dann kommt das von Rinderleber oder von den Nieren)
Schwartemagen oder auch Presskopp genannt waren aus Fleischresten, auch Kopffleisch
(es musste ja alles verwendet werden, was heute die Metzger und Fabriken ganz genau so machen),
Zunge, Herz, Schwarten, Pfeffer, Muskatnuss, Knoblauch und Kuemmel gemacht.
Unter Salzwasser eingetaucht schrumpfte diese in die Schweinsblase gefuellte Wurst, die oft auch danach zur Raeucherung kam.
Mettwurst oder auch Hartwurst wird aus grob gemahlenem Mager- und Fettfleisch,
unter Zugabe von Rindfleisch, Salz, Pfeffer, Muskatnuss und Knoblauch hergestellt und luftgetrocknet, dabei taeglich in Salzwasser getaucht.
Aber auch geraeuchert - je nach dem.
Kochwurst kam auch in Dosen oder Einweckglaeser.
Am Schlachttag gab es morgens Hackepeter, Limburger Kaese und Dauborner Schnaps..
mittags frisch gekochtes Wellfleisch, Sauerkraut und Salzkartoffel oder Stampf, Apfelkompott.
Abends Wurstsuppe (Die Suppe aus dem grossen Waschkessel wurde auch in die Nachbarschaft verteilt)
und Kartoffelbrei - und Sauerkraut mit Wellfleisch, Blut- und Leberwuerstchen- und wieder Schnaps.
Der alte Brauch der Dorfjugend, einen Korb vor die Tuer des Hauses zu stellen,
wo gerade Schlachttag war, wird ueberliefert.
Knausern taten wohl nur die Bauern - sonst kam schon etwas zustande,
das die Jugend in der Spinnstube verdruecken konnte ;)

Wie schon erwaehnt, fanden nach den 1970iger Jahren eigentlich keine Hausschlachtungen mehr statt,-
Metzgereien und vor allen Dingen Supermaerkte lieferten hygienisch sauber und preiswert.
Damit keine Verklaerung der "guten alten Zeit" geschieht, darf ich sagen,
dass der Stress der Schweine durch den Transport zwar weitestgehend wegfiel,
dafuer aber ethisch einiges im Argen lag, was nicht nur mit dem Schlachtvorgang,
sondern auch mit der Fleischversorgung aermerer Schichten zu tun hatte.
Heute fuerchten sich die Landwirte (ehemals Bauern) vor dem Handelsabkommen mit den USA, davor,
dass der Markt mit Billigerzeugnissen ueberschwemmt werden wird.
(Amerika kennt keinen Landschaft- und Gewaesser- oder Naturschutz,
hat wenig teuere Auflagen fuer die Erzeuger und kann -wie China- sehr viel billiger produzieren).
Nun ist es aber auch so, dass unsere Landwirte nicht gerade zimperlich sind,
wenn es um den Einsatz von seltsamen Hormonen und kuenstlicher Befruchtung bis zur Liebaeugelung mit der Genforschung geht,
nur um den Ertrag zu erhoehen. Hauptsache, das kommt nicht in die Presse ;)
Wer auf dem Land aufwuchs, kennt die Tierhaltung der kleinen Bauern,
die nicht freundlicher oder artgerechter ist oder war, als das in den Grossbetrieben der Fall ist,
denen diese Preistreiberei vorwerfen.
Kleine Mengen koennen nur teuerer sein- das hat nichts mit der Qualitaet zu tun, egal was deren Lobbyvertreter ausrufen !
Und die Kirche bleibt im Dorf:
Man sieht Landwirte in den Diskountern ganze Steigen billiger Milch kaufen, auch Wurst und Fleisch!
Wir sehen im Diskounter Besitzer von Eis-Salons, von Pizza- und Doenerlaeden,
von Restaurants fleissig den Wagen voll packen..

Die Mistkaute nahm alles auf, was aus dem Stall kam, auch menschliche Faekalen rotteten dort vor sich hin.
Mit dem Jauchefass wurde die aus der Grube gepumpten fluessigen Bestandteile
und mit dem Mistwagen die festen auf die Felder ausgebracht, was meistens im Herbst war:
Frischer Kompost und Guelle verbrennt die Sproesslinge, die nur in verrotteter Erde wachsen koennen.
Auch der Hausgarten wurde sehr gepflegt- und gut geduengt.
Nach der Jauche kam Thomasmehl und Kali dazu,
das leidige Umgraben und die Vorbereitung der Beete mit dem Kruemeln und Rechen war zu tun.
Zwiebeln, Salat, Spinat, Moehren, Sellerie und Lauch, Kraut, Wirsing, Erdbeeren,
Himbeeren, Stachelbeeren, Rhabarber, Kartoffeln,
ein paar wichtige Kuechenkraeuter und einiges mehr wurde im Garten gezogen.
Ein feines Blumenbeet war die Freude der Hausfrau, der Hausmann zog an der Hauswand Wein und Spalierobst.
Man liest in den alten Chroniken von gemeindlich organisierten Hirten,
die Schweine, Rinder, Ziegen und Schafe hueteten - die daheim abgeholt und abends wieder in den Hof gebracht wurden.
Man liest von Faselvieh- das die Zucht ermoeglichte.
Diese Hirten kannten sich aus und konnten auch so manche Tierkrankheit heilen-
wenn ein Aderlass noetig war oder eine Kuh vor dem Platzen gerettet werden musste-
weil zu viel zu nasses, frisches Gras gefressen wurde.
Sie fuehrten deshalb die Herde zuerst zu der mageren Wiese- wo das weniger gute Gras dran kam,
viel Dung hinterlassen wurde- dann ging es zu den fetten Gruenden,
dann zur Ruhe und zum Wiederkaeuen, dann wieder auf eine andere magere Wiese, dann wieder zu einer fetten - dann nach Hause..

Man liest vom Kuesterdienst, die mit den dicken langen Tauen die Glocken laeuten mussten,
die vom Turm bis in den Altarraum hingen und nur waehrend des Gottesdienstes eine Etage hoeher gezogen wurden,
damit sie aus dem Weg waren.
Jede volle Stunde wurde gelaeutet, vor den Gottesdiensten, Samstagabends und Sonntagmorgens
mit beiden Glocken laenger gebimmelt.
Das Elfuhr-Laeuten bedeutete Mittagszeit.
Das Kirchenschiff wurde mit einem Holzofen mit langem Ofenrohr geheizt- was auch dieser Kuester versah.

Der Nieder- oder Hauwald war fuer das Heizmaterial und auch fuer die Lohe zustaendig, mit der gegerbt wurde.
Der Hochwald bestand war lichter darueber, damit das Bauholz gesichert war.
Die Foerster experimentierten - bis heute - mit vielen Baumarten, auch mit solchen aus Amerika.
Heute geht man mit Bodenanalyse zu Werke- bestimmte Baeume wachsen auf bestimmten Boeden besser und so wird der Wald ertragreicher..
Damals gab es nur einfachstes Werkzeug, keine Sicherheitskleidung und auch keine Motorsaege- so waren viele Waldarbeiter noetig.
Ganze Trupps von Pflanzerinnen waren unterwegs, streng vom Foerster kontrolliert,
der oft genug Willkuer walten gelassen haben soll.
Frauen schleppten die Backwellen auf dem Ruecken nach Hause -
allerdings nur mit zuvor eingeholter Genehmigung - gegen ein wenig Geld.

Bei den alten Germanen gehoerte die Almende, das Allgemeingut an Land und Wald
allen Bewohnern anteilig, dann kam der Adel und hat es ihnen abgeluchst
oder weggenommen - spaeter wurde daraus Gemeindewald und Staatsforsten.
Frueher galt:
Einen Stamm ernten, zwei Baeumchen pflanzen - davon profitiert der Waldbestand noch heute..
Der Wald wurde erst sehr spaet (1900) von den Lohgaerbern und 1860 von den Koehlern befreit..
Damals war der Wald zur Hute und auch mit Zwischenkulturen bewirtschaftet:
Hafer, Waldstaudenroggen, Kartoffeln und Gras und Buchweizen. (Weizen des Waldes)
Die Chroniken berichten davon, wie sehr man nach Arbeit im Wald draengte,
weil das wenig an Landwirtschaft (Realteilung) nicht zum leben und nicht zum sterben langte.
Die Arbeit war sehr gefaehrlich, wenn "Haenger" in den Baeumen waren und diese heraus geholt werden mussten -
nur mit einfachstem Werkzeug, ohne Havester und ohne Kettensaegen und ohne Beinschutz und ohne Helm.
Jeder versuchte sich so gut wie es ging mit dem Foerster zu stellen,
der neben dem Buergermeister und dem Lehrer und dem Pfarrer die Honoratioren waren.
So kam es wohl, dass ein Waldarbeiter auf Wunsch des Chefs in die Partei eintrat (1937) und die Kasse des Ortsvereins fuehrte -
was ihm 1945 als "N aziverbrecher" ins Internierungslager brachte - dort meldete er sich beim Wald-Arbeitstrupp,
der als besonders zum "Umerziehen" geeignet gewesen sein soll..
Nach einer Geldstrafe wurde dieser Mann dann als "entnazifiziert" entlassen.
Auf den Lohnzettel der Waldleute war eine Null vor dem Komma als Stundenlohn fest eingedruckt..

Der Waldwegebau gehoerte zum Berufsbild der Forstmitarbeiter - alles Handarbeit !
Mit Kreuzhacke und Schaufel wurde 30cm ausgeschachtet - immer schoen an der Richtschnur entlang.
Dann holten Pferde- und Kuhfuhrwerke Basaltbruch aus dem Steinbruch,
die Gestuecksteine kamen mit der breiten Flaeche nach unten in die Wegbefestigung, die Spitze nach oben.
Dann wurde mit kleineren Steinen aufgefuellt, mit Vorschlaghaemmern befestigt.
Zum Schluss kam eine feinere Steinschicht darueber.
Immerhin haben diese Wege alle Fuhrwerke- bis zum heutigen Tag- gut ueberstanden !

Unweit ist die Gemeinde Winkels, deren Jahrbuch nun vor mir liegt..
Ich bin immer gespannt, was wohl dort vom Leben unserer Urgrosseltern erzaehlt wird,
was in den anderen Chroniken noch nicht oder nicht so ausfuehrlich geschrieben wurde..
manches Detail ist zu Tage getreten, das mir unbekannt war.
In der Chronik stellt man fest, dass die mittelhessische Region rheinfraenkisch spricht -
mit Abaenderungen, aber im Grunde vom Menschenschlag her eine Art Mittelguertel gebildet hat.
Fraenkisches Mitteldeutsch.

Bevor sich die fraenkischen Koenige herausnahmen, die Weideflaechen oder Almenden der Germanen,
die eher als halbsesshaft angesehen wurden -
einfach zur persoenlichen Verfuegung aneignete und daraus immer wieder das Recht seiner und seiner Vasallen Bereicherung ableitete -
war es mit diesem Stueck "kulturelle Identitaet", wie man heute sagen wuerde, vorbei.

Im 15.Jhd entstand dieses Verslein: "Kompstu denn auf den Westerwald da ist es Sommer und Winter kalt"

Jacob Grimm beschrieb den Westerwaelder als "unbequem, rauh, duerftig".
"materielle Not und soziales Elend" waere schon seit Urzeiten "Buergerrecht" gewesen.
Andere sahen den typischen blauen Kittel als Ehrenkleid - so kontraer sind die Ansichten.
Die Wesensmerkmale der Leute auf dem Westerwald werden als "freiheitsliebend, arbeitsam, gastfreundlich und genuegsam" beschrieben.

Der 1865 gestorbene Dichter J. Hangard:

"Es liegt ein Wald im Westen, genannt der Westerwald
Da sieht man keine Festen, die Zeichen der Gewalt;
Man sieht da kahle Berge und Felsen von Basalt;
Das ist der Wald im Westen, das ist der Westerwald.
Hoch oben auf den Bergen da liegt der Westerwald,
Da brausen wilde Stuerme, da ist es rau und kalt,
Horch, wie euch durch die Luefte sein Lied entgegenschallt!
Drum toene, Lied der Lieder; Du Lied vom Westerwald!
Wo stolz des Mannes Blicke den Fremden treffen kalt,
Wo sich kein Ruecken beugt vor Unrecht und Gewalt;
Wo deutsche Kraft und Treue noch wohnt bei Jung und Alt,
Da sind der Freiheit Hoehen, da ist der Westerwald!
Wo schmucke Maedchen ziehen, gesund und stark und schlank,
Vom Felde heim zum Dorfe, mit froehlichem Gesang;
Wo kraeft'ge Weiber bauen mit ruest'ger Hand das Feld,
Da wohnen Westerwaelder, die einzigen der Welt!
Wo sich die Haeuser neigen, gar traulich hin zur Erd'
Wo man mit Stroh bedecket steht Dach und Fach und Herd;
Dort, wo in niedern Huetten die Gastfreundschaft noch weilt;
Da wohnen Westerwaelder, dorthin, ihr Freunde, eilt!
Was kuemmern uns die Thaeler, was grosser Staedte Pracht?
Wir froehnen nicht dem Luxus, wir dienen nicht der Pracht,
Wir lieben klares Wasser und atmen Luft so rein,
Sind froehlich bei Kartoffeln, wo koennt' es besser sein?
Lasst brausen wilde Stuerme, Lasst rauh es sein und kalt;
Lasst uns die kahlen Berge, die Felsen von Basalt!
Bleibt tief in euren Taelern, in euern Schluchten all -
Ihr taugt nicht auf die Berge, nicht auf den Westerwald!
Und wenn ich einst sollt waehlen in Laendern, gross undklein,
Das schoenste aller Maedchen, so duerft's vom Wald nur sein,
Und hab ich es gefunden, so sing' ich, dass es schallt;
Es lebe hoch sein Liebchen, es leb' der Westerwald! "

Wie kam es zu dem Erkennngsgruss " Hui Waeller ! " ?
1913 war en Preisausschreiben in Marienberg, bei dem man "echten Moselwein" gewinnen konnte.
Der Gewinner Adolf Weiss dichtete:

"Hui Waeller?" so toenet der Ruf, den in meiner Sehnsucht nach Wein ich schuf.
Das "Hui", das hat mich der Sturmwind gelehrt, wenn er wild ueber die Tannen faehrt,
und Waeller wir ja allemol sind - wir trotzden dem Regen, dem Sturm und dem Wind."

Die Chronik vermerkt sinngemaess:
Es beschleicht uns eine Ahnung davon, wenn wir bei dem Anblick der vielen Burgen im Land daran denken muessen,
welcher Fron- Hand und Spanndienst damals aufgezwungen wurde, um diese Denkmaeler der Gewaltherrschaft zu bauen.

Ein wenig Rueckbesinnung waere Orientierungshilfe zur Ueberwindung der Wohlstandsmentalitaet..

Dank des Denkmalschutzes wurden die enormen Verluste, die durch Bauluecken der alten Substanz entstanden,
etwas gemildert- so bleibt in Teilen der alte Orts-Charakter, zumindest im Kern- ein wenig erhalten,
auch wenn inzwischen das Hochdeutsch den Dialekt so gut wie verdraengt zu haben scheint.
Aber es scheint nur so, es entwickeln sich neue Auspraegungen der Dialektik,
die schon durch die veraenderten Lebensbedingungen kamen, durch die Auspendler,
die hoeheren Schulen und durch die Massenmedien, Rundfunk und Fernsehen.
Damals war ein Dorf noch eine geschlossene Einheit, ein Lebensraumbiotop,
aus dem nicht sehr viele Menschen entkamen, da die taegliche Arbeit eine
-wie auch immer geartete- Freizeit oder gar Urlaub nicht zulies.
Alte Agrarstrukturen haben sich gewandelt, wenige Landwirte versorgen mit rationellen Maschinen immer mehr Menschen -
die ihrerseits auf dem Land eben keine Arbeit mehr finden..
nach und nach entschwinden somit auch die ueberlieferten doerflichen Sitten.

Nehmen wir meine Familie als Beispiel:
Vater kam aus Frankfurt und sprach -fast- hochdeutsch mit Frankfurter Einschlag, er war ausgebombt
uns kuemmerte sich um 3 Geschwisterchen und um seine Mutter, die in einem Nachbardorf untergebracht war.
Mutter war einheimisch aus unserem Dorf und sprach nur Platt.
So wurden wir Kinder in einer Mischung aus beiden Sprachen erzogen.
Ja, es waren zwei Sprachen fuer uns - das Platt hat damals vielen Kindern in der Schule nur Probleme bereitet !
Ich habe spaeter meine Frau nahe der holl. Grenze gefunden - so sind unsere eigenen Kinder noch mehr Richtung Hochsprachlichkeit gerueckt.
Der fraenkische oder frankfurterische Einschlag ist bei allen noch zu hoeren.

Zurueck zu dem Dorf Winkels, das seinen Namen tatsaechlich nicht zu Unrecht hat - es bestand auch nur aus ein paar Haeusern..
abseits der bekannten Fahrwege.

Auf dem Eigenberg oder spaeter "Meienburg" genannte Erhebung mit verwitterter Burg ranken sich die Geschichten
um das habgierige und gewalttaetig Rittervolk, das die Leute ausbeutete.
Diese und auch die Kloester spannen immer wieder neue Dokumente, mit denen sie sich selbst den Herrschaftsanspruch sicherten.

Als "grausam und herzlos" wurden sie alle betitelt.

Die Bewaldung muss damals sehr spaerlich gewesen sein,
(Deshalb stimmen die Gedichte und die Schilderungen von den Hoehenblicken heute nicht mehr)
zu viele haben davon genommen - es war wohl ein Segen,
als endlich die modernere Waldbewirtschaftung kam und spaeter die "nachhaltige" Nutzungsart.

Frueher war der Zehnt, heute sind es andere Steuern, die Obrigkeit ist nicht mehr so greifbar,
ist mehr anonymisiert worden - in der Art der Schlachtung, die damals noch eigenen Hof stattfand,
heute in fernen Fabriken getan wird.
Demonstraten sind auf der Strasse, die noch mehr Asylanten wollen,
aber ohne die Kosten dafuer tragen zu wollen und wenn, dann anonym, allen aufs Auge gedrueckt.
(Durch Kosten, Folgekosten und mit allen sozialen Folgen)

Damals war es "der Kalendorfer Zehnt", eine Art fiskalisches Gebiet, heute sind die Bundeslaender diese Einteilungen.

Fuersten haben - nicht nur im Westerwald - den Gemeinden die Flaechen abgeluchst
oder abgezwungen und bis heute erhalten sie Zuschuesse zur Sanierung ihrer Luxusbauten,
diesmal unter dem Deckmaentelchen "Denkmalschutz", desgleichen die Kirchen..
die Demonstrantengruppen, die sich pro Hilfsgelder aussprechen oder fuer Sanierungen dieser Herrschaftssitze,
sollten das aus eigener Tasche zahlen!

Erst als die Bevoelkerung wuchs - nach dem 30j. Krieg - mussten Flaechen zurueckgegeben werden
(freilich nur auf Lehen), damit keine Hungersnot einzog..
..und die Leute ihrer Abgabenpflicht nachkommen konnten.
Die vielen Kleinbauern, die auch noch durch die Realteilung immer kleinere,
handtuchgrosse Flaechen hatten, waren auf Heimarbeit angewiesen,
auf Spanndienste, Dung fahren, Holzfaellung, urbar machen, Wegebau und Schneeschippen.. die gute alte Zeit !

Der verzauberte Anblick einer alten Burgruine auf Waldeshoehen verklaert,
was heute ganz hoch gehalten wird- und das will weder ich noch die Ortschronik nehmen - aber:
Ein wenig Nachdenken laesst zu ganz anderen Ergebnissen kommen.

Die Chronik meint:
Es war urspruenglich so, dass die Germanen freie Menschen waren, mit gleichen Rechten.
Herrsucht und Geldgier und die Machtgelueste brachte die Unfreiheit.
(Egal ob durch den Adel oder den Glauben)


Hayn: "Der oberste Lehensherr war der Deutsche Koenig,
dann kamen die geistlichen und weltlichen Fuersten, die Grafen und Herren.
Daneben entwickelte sich im Laufe der Zeit ein niederer Adel,
der sich vornehmlich im 13.-16.Jhd so stark vermehrte,
dass fast in jedem kleinen Dorf eine adlige Familie saß und ueberall sich Burgen
oder doch wenigstens Burgsitze erhoben"



Das rief irgendwann mal Leute auf den Plan, die man "radikale Literaten" nannte -
einer davon war Georg Buechner aus Goddelau, der 1834 schrieb:
"Im Jahr 1834 siehet es aus, als wuerde die Bibel Luegen gestraft.
Es sieht aus, als haette Gott die Bauern und Handwerker am 5ten Tage,
und die Fuersten und Vornehmen am 6ten Tag gemacht, und als haette der Herr zu diesen gesagt:
Herrschet ueber alles Getier, das auf Erden kriecht, und haette die Bauern und Buerger zum Gewuerm gezaehlt.
Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag.. das Leben der Bauern ein langer Werktag.. "

Aus "Friede den Huetten - Krieg den Palaesten":
"Im Grossherzogtum Hessen sind 718.373 Einwohner, die geben an den Staat jaehrlich 6.363.364 Gulden ..
Dies Geld ist der Blutzehnte, der von dem Leib des Volkes genommen wird.
An 700.000 Menschen schwitzen, stoehnen und hungern dafuer. ..
Das Gesetz ist das Eigentum einer unbedeutenden Klasse von Vornehmen und Gelehrten,
die sich durch ihr eigenes Machwerk die Herrschaft zuspricht.. "

Na, das war doch ein starker Tobak!
Damals hatte der Staat sich kaum um Wege oder gar um freie Schulen oder Klaeranlagen gekuemmert -
die Gelder flossen sofort in die Saeckel der Macher,
heute sind da schon andere Anforderungen an den Staat, die unser aller Lebensqualitaet verbessern.

Damals kamen die Leute um sich den Ruecken an den Brennoefen der Westerwald-Keramik
zu waermen und so kloenten sie auch ueber politische Dinge, "was keinem geschadet hat",
wie Zeitzeugen berichten.
Die Vorboten zur Deutschen Revolution 1848/49 waren schon lange zu spueren.
So kam es wohl, dass ein Meister mit dem Gesellen in der Wirtschaft
mit dem "Kroppedeckel Musik machte" - was die Maedels und dann das ganze Dorf
in diese Kneipe mitfeiern lies- ganz ohne besondern Grund.
Ob das heute auch noch machbar waere?
Ich glaube kaum.

Die Tonwaren waren und sind noch immer sehr bekannt - mit Fayence-Malereien, Glasuren im Kunsthandwerk.
Zuerst wurde der Ton gestochen, dazu musste erst einmal der Erdboden oder Mutterboden weg,
gerodet sein, dann wurde dieser Ton nach Hause geschleppt,
gemahlen, damit keine qualitaetsmindernden Steinchen blieben,
dann wurde mit Wasser gemischt und geformt, getrocknet und gebrannt, bemalt
und nochmal mit Salzglasur gebrannt..
so entstanden Schmuck und ganz besonders harte Gebrauchsgegenstaende, die in jedem Haushalt zu finden waren.
Bei uns stehen diese Steinguttoepfe noch ueberall herum -
mal als Zierde, mal im taeglichen Bedarf.

Die alte Chronik erzaehlt von den 24 Buergern des Dorfes (Winkels) aus dem Jahr 1566,
welche in Hoerpel, Winkelser Chronik Seite 3 finden kann.
Namentlich aufgefuehrt, der Wert der Gebaeude (von 4-30 Gulden),
Wiesen von 5 bis 105 Gulden, sogar den Heu-Ertrag von 1/2 bis 3 einhalb Wagen,
vom Land in 1 bis 3 einhalb Tagewerke, die Werte von 25 bis 150 Gulden,
das Gesamtvermoegen der Leute, von 35 bis 287 Gulden.
Ein Eintrag war: Kleinhenn, ein arm blind Mann.
(Ohne jedes Vermoegen)

Beim Streit um den Wald Johannisberg und Kahlenberger Forst dauerte hundert Jahre:
Zum Schluss sagte man "die Winkelser haben so wenig Wald, dass sie sich keinen eigenen Kuckuck halten koennen.."

Priester = griechisch Presbyter, Aeltere
Bischof = griechisch, Aufseher.
Die Franken sollen sich aus Sugambrer, Ripuarier und Chatten zusammengesetzt haben,
was die Foederation mit den Roemern leichter gemacht haben soll - mit Chatten bestimmt nicht!

Vor 1817 hatte Winkels keine Schule und keinen Unterrichtsraum.
Die Kinder gingen nach Mengerskirchen, die heutige Kerngemeinde.
Dort wurde Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht.
Der Unterricht wurde von Tageloehner, Handwerker oder Geistlichen gestaltet.
Von Allerheiligen bis Ostern wurde unterrichtet, im Sommer halfen die Kinder auf dem Feld mit.
Bei starken Schneefaellen war den Kleinen der Marsch nach Mengerskirchen nicht zuzumuten,
da gab ein eigens eingestellter Winterlehrer, der zusammen mit dem Kuhhirten saisonal eingestellt wurde.
Dieser musste ortsansaessig und "ein wenig lesen, schreiben und rechnen koennen"..

Der Boden in Winkels und Umgebung war karg und mager,
die klimatischen Bedingungen nicht gerade rosig, Kartoffeln und auch das Kraut wuchsen dementsprechend klein.
So musste jeder mitarbeiten, manchmal mit mehreren "Jobs", wie z.T. heute auch schon wieder.
Damals aber aus fundamentalen Gruenden der Ernaehrung und der Kleidung, fuer das Einfachste.
Heute mehr fuer den Urlaub und den Zweitwagen, Vereine etc.

So war ein wenig Landwirtschaft, ein wenig Viehhaltung, ein wenig Gewerk ueblich.
Ob das Schuster oder Weber oder Tischlerarbeiten waren, ist nicht so sehr die Sache.
Mangels geeigneter Raeume fuer den 2.Job fand dieser in einem der Zimmer des Hauses statt.
(Wie in den 1950/60iger Jahren, wo viele Frauen Nebenerwerbsarbeiten machen;
Strickteile, Knoepfe, Glaslinsen polieren oder wer weiss was damals alles von Firmen vergeben wurden,
die anlieferten und abholten. Bezahlt wurde nach Gros und Dutzend.)
Von Hilfsgeraeten konnte der Schuster damals nur traeumen,
die einfache Lampe wurde bei jedem Arbeitsschritt mit geraeumt..
Zudem war auch noch das Leder knapp und nur mit viel Glueck zu beziehen, wenn der ambulante Haendler nicht durch den Ort kam.

Es gab keine heutige Unterhaltung nach Radio- und Fernsehart,
keine Veranstaltungen, auf denen Zerstreuung geboten wurde.
Die Bewohner der Region haetten sich diese Unterhaltung auch kaum leisten koennen.
So blieb die Spinnstube und die Gastwirtschaft, wo ab und an aufgespielt wurde.
Damals war noch der ganze Ort dabei, - die Alten schauten zu und dachten an damals, als sie sich kennenlernten.

Ist heute das Lebensalter bei 80 Jahren, war es frueher deutlich weniger, vielleicht 65, evtl. 68?
Noch in meiner Kindheit, in den 1950iger Jahren,
war die uralte Frau neben der Gemeinde gerade mal um die 85 Jahre alt- eine richtige Seltenheit.
Heute ist dieses Alter ganz normal, ja viele werden sogar schon bis 100 Jahre alt.
Davon aber immer mehr in geistiger Armut, weil wohl der Mensch dafuer doch nicht vorgesehen ist;
die aerztl. Versorgung verhilft manchmal nur zu laengerem Leiden..
Frueher starb man an "gebrochenem Herzen", heute kommt der Notarzt und setzt einen Katheder oder eine Herzklappe..
Frueher starb man an der Gelbsucht oder an Lungenentzuendung, am Wundbrand, Thyphus, Ruhr und anderen Krankheiten.

Alte Rezepte

Die alten Hausnamen (habe ich schon einmal angeschnitten) haben z.T. bis heute Bestand.
Irgenwann lebte mal ein Baecker, Schmied, ein Langer oder Duerrer,
ein Schultheiss oder jemand mit lustigerem Namen in dem Haus- alle haben diesen Namen genannt,
noch viele Generationen spaeter sagte man: Geh mal zu Murzes.. In Traisberg / Taunus hat man an den Haeusern kleine Tafeln mit der Hausgeschichte und -
eben diesen Hausnamen - angebracht, die es zu lesen lohnt.

Eigentlich muesste unser Dialekt " Lahnfraenkisch " genannt werden, waeren da nicht so viele Unterdialekte !
So spricht praktisch jeder Ort ein wenig bis total anders..
" Rheinfraenkisch " ist im westlichen Westerwald die Regel, mit seltsamem Singsang in der Stimme.

Wer sich naeher damit befassen moechte, dem wird das Buch "Hessisch, wie es nicht im Woerterbuch steht" von Gerda Witte empfohlen.

Ein Beispiel von Ludwig Ruehle:
" Vum Moilern.

Gieh, san mr mol mei Maadche,
Host dau maich keitche gern?
Aich kaafe dr aach e Klaadche,
Dau musst mei Weibsminsch wern!
Gieh, geb mr doch e Moilche!
Och, sei doch net su schro!
Komm bei maich off mei Stoiblche,
Daa haels aich daich e mo!
Saei moilern un saei schmatze.
Kaa bische werd gerouht,
Sai lecke waei de Katze:
Harrjaesess'che waei gout!"

Ich finde, daraus kann man die Eigenart ganz gut erfassen.

Die Chronik schimpft richtig gehend ueber die Zwangsvereinnahme durch die Grossgemeinde Mengerskirchen
und dass das Ortsschild von Winkels "Mengerskirchen- Winkels" nennt.
Historische oder altgewachsene, jahrhundertealte Orte einfach zu entmuendigen, gefaellt den Verfassern nicht.
Es wird angeraten, zuerst den alten Ortsnamen zu schreiben und erst hinterher "Ortsbezirk der Gemeinde Mengerskirchen",
niemals "Mengerskirchen, OT Winkels" !

Ich sehe das ebenso, diese Zusammenlegungen in der Art der Verwaltungsvergroesserung ist ein Irrweg,
zumal hier auf dem Land keine raeumliche Naehe zur "Kerngemeinde" besteht und immer einige Kilometer gefahren werden muessen.
(Wo oft auch nur ein sehr rudimentaerer oeffentlicher Verkehr ist) Die Beispiele aus Berlin oder Frankfurt,
wo ehemalig selbstaendige Orte einfach als Stadtteile eingefuegt werden konnten, greifen auf dem flachen Land nicht.
Die Kuh kaeme leichter vom Eis, wenn die Verwaltungen nicht so von oben herab regieren wuerden -
es ist nun aber so, dass mit der Zahl der Einwohner die Menge und die Hoehe
der Posten zunimmt und mit der Bildung auch die Einbildung !


Hadamar wird die Grundlage fuer meine Auslesungen sein, die anschliessend folgen..
Die Hexenverfolgung zwischen dem 16. - 18.Jhd war ein trauriges Kapitel,
das nur noch von der "Vernichtung unwerten Lebens" in der NSZeit getoppt wurde,
wo zehntausende in den Oefen verschwanden.
Behinderte aller Art, besonders "Mischlinge" und Nachkommen von Juden, wohl auch ein paar Leute,
die den Mund aufgemacht haben?
Diese traurige Zeit, wo extra Mitarbeiter aus dem fernen Berlin ihre grausige Arbeit in Hadamar versahen,
darf nie wieder kommen.
Und was ist passiert- wieder ist Berlin die Hauptstadt Deutschlands geworden,
nach allen Kriegen und Grausamkeiten, die von dieser Stadt ausgingen.
Hier waere ein historisches Signal mit Bonn als Bundeshauptstadt ein deutliches Zeichen gewesen.
Wie auch immer, die "Irrenanstalt" Hadamars ist ein weiteres Kapitel, das der Durchleuchtung bedarf und -
sehr guter Nerven, dass man das aushaelt.
Ab 1941 wurde auf oberste Anordnung auf die Angabe von Gruenden "verzichtet", wenn jemand "eingewiesen" werden sollte.
Tragisch ist besonders, dass auch die Kirchen zumindest still gehalten haben !

Diese kl. Stadt besteht nicht nur aus diesen Anstalten!
Als das Limburger Becken noch ein See war, kamen Leute aus allen Ecken an den Herzberg und riefen:
"Ha, da ist das Meer" Hadamer..
So kam -lt. Sage- der Name Hadamar.

Die Franken teilten ihren Bereich in Gaue ein, wo je ein Graf eingesetzt wurde.
Ein Statthalter des Koenigs.
Um die Lahn herum, mit Limburg als Mittelpunkt und Gerichtsbarkeit und dem Thing.
Im Jahr 832 der ueberlieferungsarmen Zeit wird nur wenig Schriftliches hinterlassen.
Hatimer nannte man die Stadt Hadamar.
Lehen wurden vergeben und mit anderen Gebietsherren getauscht, wie es gerade passte.
Manches ist in karolingischer Minuskelschrift hinterlassen, was es an Vertraegen gab.

Das Kloster Eberbach gruendete 1190 landwirtschaftliche Reformhoefe in Hadamar,
die grauen Moenche -Benediktiner- standen fuer Fortschritt und Innovation in allem, was Landbau anging
und sie halfen auch bereitwillig jedem, der etwas lernen wollte, wie die Analen berichten.

Grangien nannten sie die groesseren Musterhoefe, die neben ihrer eigentlichen Missions- und Glaubenstaetigkeit betrieben wurden.

Es wird von einem unvorstellbaren Entwicklungschub und Segen berichtet, den diese Leute brachten.

Fuer ihr Seelenheil schenkten viele Leute ihren Besitz als Erbe an die Moenche, die Nachkommen der Verstorbenen
versuchten es diesen wieder abzujagen, wie in vielen Gerichtsakten hinterlassen ist.

In der Zeit des Interregiums gab es Gegenkoenige, der Kaiser weile auf Sizilien, -
eine schlechte Zeit fuer das Recht, die Maechtigen versuchten noch grober als heute sich auf Kosten der Schwaecheren zu bereichern.
Das Faustrecht regierte. Eine unritterliche Zeit der Ritter begann.

Stadtmauer und Schloss entstanden wohl 1320-1324, als die Grafen ausstarben,
die man Herrschaft nannte, wohnten weiterhin die Keller, Amtmaenner
und Schreiber in diesen Mauern und regierten einfach weiter, in der verwaisten Grafschaft.
Die Abgaben wurden einfach weiter entrichtet an obige und an viele Kleinadlige.
Die geraeumige Burg war beliebtes Etappenziel reisender Feudalen und ihrer Frauen,
aber auch Boten und Transporteuere stiegen hier ab.
Das Gemaeuer war immer in Ordnung gehalten worden, die Wirtschaft in Schuss,
so dass man hier gerne verweilte.
Man kann sich gut vorstellen, wie es ausgeschaut haben muss,
wenn der Landgraf von Hessen mit 67 Pferden und seinem Gefolge ankam..
Die ganze obeneren Zehntausend wussten zu leben und das zeigten sie auch - nicht nur die Fuersten hatten Geld.
Das brachte der Stadt und seinen Bewohnern Einkommen, den Handwerkern Arbeit,
viele besserten ihre Renten durch den freiwilligen Wehrdienst auf.
Wenn Mauer- und Instandsetzungsarbeiten am Schloss und den Liegenschaften stattfanden,
wurden die Einwohner herangezogen, die in dieser Zeit Essen und Trinken bekamen.
Zur Erweiterung der Schlossanlage wurden viele Grundstuecke abgekauft,
so manches schoene Buergerhaus soll damals verschwunden sein.
Der Grund?
Die Herren wollten Abstand zu den Buergern, falls die Pest oder Colera etc. ausbrechen sollte, wie schon mehrfach zuvor.
In den Kriegszeiten war das Schloss Lazarett fuer Aussaetzige - wie sich die Zeiten aendern!
Spaeter beherberte das Schloss div. Schulen.
Immer aber auch Verwaltung der Stadt.

Die Zeit der Voelkermorde und der Kriege suchte auch Hadamar heim, wie alle beschriebenen Orte zuvor.

Herumschweifende Soldadeska lies der Graf damals mit einer Bewaffnungs- und Wehrpflicht aller Maenner bekaempfen,
die mit allem um sich schlagen mussten, was sie hatten - nur so war der Schutz der Stadt moeglich.

Die Fuersten Hadamars sollen sich um die sogenannten "Hausarmen" gekuemmert haben,
aus christlichem Mitleid, sie foerderten Mittellose, Lehrlinge,
Studenten und junge Lehrer oder Geistliche.

Im 18. Jhd wurden die Menschen in Mitteleuropa reinlicher, verstaendiger und vernuenftiger, wie die Chronik berichtet.
Moderne Krankenanstalten wurden gebaut um die grausigen Epidemien zu bekaempfen.
Bis dahin glaubte man Boeses mit gleichen bekaempfen zu muessen, gegen das man keine Mittel hatte.
So entstanden Gutleut - und Siechenhaeuser, Daubhaeuser und aehnliches -
so ist wohl die Hadamarer Irrenanstalt, heute Psychiatrische Klink - entstanden.
An diesen Siechenhaeusern hingen Kaesten, in die Spenden geworfen werden konnten.
Die Insassen waren gesondert gekleidet und mussten mit einer Klapper rappeln, damit man sie erkennt.
So dachte man, koennen Ansteckungen vermieden werden.

Die Moenche studierten die Heilkunst der Antike und versuchten zu helfen.
Von 25-75% ging die Bevoelkerung durch die Pest zurueck.

Zeitweise beschuldigte man die Juden, dass ueberall Tausende starben.
Dabei waren die sanitaeren Verhaeltnisse sehr mangelhaft und unsauber, die Seuchen kamen nicht von ungefaehr.
1598/99 und 1613/14 war die Pest, 1615 die rote Ruhr, 1622 Blattern, 1625 wieder Pest,
1627 wieder die Blattern, 1632 fast vier Jahre die Pest.
So wurde irgendwann mal sogar aufgegeben, im Totenbuch einzutragen..

Die alten Germanen haetten das sogleich auf die staedischen Lebensumstaende beschrieben und .. sie haetten recht damit.

In Hadamr bildete sich eine Art Hausgemeinschaft der Strassen heraus,
wo jeder half, wo er konnte, wenn es den Nachbarn schlecht ging -
aehnlich wie man es heute noch in Schrebergaerten erleben kann.

Zu Gottes hoechster Ehr, saemptlicher Nachbarn gegeneinander tragenden Lieb und Einigkeit,
zur Handhabung guter Ordnung fuer Gesunde, Kranke und erweissende Ehr und Diensten den Absterbenden,
bei Leid und Begraebnissen fuer Einwohner und Fremde, wie es damals hies.

Trunkenheit wurde hart bestraft im Hadamarischen, jeder,
der erwischt wurde, kam ins Loch und wurde mit einer Tracht Pruegel entlassen.
Nachbarn sollten aufmerksam sein und den Trunkenbold ermahnen.
Die Leute sollten auf sich selbst aufpassen, damit die Obrigkeit nicht beunruhigt wuerde..
Hilflose und Kranke sollten dem Pfarrer gemeldet werden, damit dieser den fuer die Strasse zustaendigen Helfer schicken kann.
Die Nachbarschaftsordnung bestimmte, dass jederzeit zwei Fackeln bereit gehalten wurden,
mit denen zwei schwarz gekleidete Bewohner den Pfarrer und die Helfer zur letzten Oelung holen konnten.
So war der Vorlaeufer der spaeteren Buergerordnung,
die wohl notwendig war um die Wirrkoepfe einigermassen im Zaum zu halten,
die immer wieder auftauchen und Zirkus veranstalten - bis heute.

Die Frage nach dem guten Trinkwasser wurde durch die der chaotischen Abwassersysteme arg tangiert,
erst als diese neu geordnet und Rohre verlegt wurden,
kamen wohl neue Fernleitungen aus den umliegenen Quellen in die Stadt.

Weiches Wasser aus bestimmten Quellen nahm man bevorzugt fuer das Kochen von Huelsenfruechten..

Erst 1986 wurde die Hochdruckleitung und das Pumpwerk und der Hochbehaelter gebaut,
bei der Einweihung hatten alle ihre Spass mit den Hydranten..

Doch nun weiter mit der Ortschronik.

Es laesst sich nicht immer vermeiden, dass von Kriegen und Obrigkeiten gesprochen wird-
so sind diese Dinge eben auch schicksalshaft fuer kleine Leute,
fuer Menschen wie du und ich, geneigter Leser, liebe Leserin !
Der Bader und Barbier war frueher nicht nur fuer das Haareschneiden und fuer den Bart da,
sondern zog auch gleich die Zaehne, wenn diese schmerzten, er verband Wunden und half sogar bei Beinbruechen.
Pruefungen und der Zusammenschluss zu Kuenften kam erst viel spaeter.
Man berichtet, die Bader haetten sogar Salben gemacht, wie spaeter die Apotheker.
Es gab Leute, die Krankheiten "besprachen", was man heute wohl als psychosomatische Heilung bezeichnet
(Ich bin kein Mediziner).
Priester bekaempften diese Dinge gerne - auch sie beanspruchten diese Sparte der Heilung !
Durch diese heiligen Denunzianten, die zuweilen auch Machthaber waren, kam manche Hebamme in Erklaerungsnoete.

Damals wurde gerne gefeiert, noch lieber als heute - es gab keine Massenmedien und so war jede Abwechslung hochwillkommen.
Man schmueckte sich heraus, tat sein bestes Gewand an.
Tanzen hatte einen sehr viel hoeheren Stellenwert- waere ich gemein,
kaeme mir der Gedanke an ein fruehes "Petting" in die Gedanken ;) - naja,
immerhin durfte oder musste man sich anfassen, was sonst nicht der Fall war.
So manche Dorflinde war Schauplatz der Unterhaltung, des Gesangs und des Kennenlernens.

Streiflicher gehen quer durch die Zeiten - so liest man von der Seeblockade
der Feindmaechte gegen das Deutsche Reich, das die Lebensmittel sehr knapp werden lies.
Brotkarten wurden eingefuehrt, Glocken eingeschmolzen.
Alle Schweine geschlachtet, die ab 60kg hatten.
Ab dem April 1915 gab es kein Oel mehr fuer die Haushalte, Kaffee wurde beschlagnahmt, Metalle mussten abgeliefert werden.
Aus Berlin kamen Ferienkinder in die hess. Region. Bezugscheine folgten.
Der Kohlruebenwinter kam 1916/17 - weil alle Kartoffeln in den Kellern erfroren waren.
Kohlen waren knapp.
Lehrer und Schueler sammelten Wildgemuese, Brenn-Nesseln, Bienensaug, Sauerampfer, guter Heinrich,
Huflatttich, Geissfuss / Giersch, Loewenzahn, Sumpfdotterblumen ein.
Aus den Blaettern der Erd- und Him- und Brombeeren wurde Tee gemacht.
Knochen, Lumpen und Papier wurde gezielt gesammelt.
Inflation oder Geldentwertung. Gegen so viele (28) Staaten Krieg zu fuehren, war wohl selbst unserem starken Land zuviel.

Die Germanenbekehrung war eine Umpolung des alten Aberglaubens, der noch immer in den Menschen steckt und wohl nie auszurotten ist.
In Volksbraeuchen, Sagen und Maerchen leben sie fort, die alten Goetter.
Schlemmer und Fresser bei den Klerikern waren damals schon keine Ausnahmen, wie ich immer wieder lesen kann.
Heidnische Maerchen, wo ein Wolf ein Kirchenbuch gestohlen und wieder gebracht haben soll-
ergaenzen nach meiner Meinung nur die christlichen Maerchen, die allen aufgezwungen worden sind.
Als die Reformation ins Land zog, brachte man geschwind die alten Marien-Goetzenbilder in Sicherheit -
Christus mit ausgebreiteten Fluegeln, auf dem die Gestalten der fuerstlichen Familie hockten,
Maria mit wallendem Haar, das Zepter als Symbol ihrer Macht in der Hand..
die Pfarrer wurden ersatzt durch die der anderen Fakulaet- Schlaufuechse versuchten nun,
sich von den Kirchenabgaben zu loesen und zu behaupten, der Rueckkauf waere laengst schon abgetan.
Andere mischten noch mehr Dreck zwischen das abzuliefernde Getreide..
Prediger waren knapp und wurden von ueberall her geholt, um den "paepstlichen Sauerteig" wegzufegen.
Die Kirchenschuldner liesen sich sehr bitten und so mussten die Kleriker wie Bettelmoenche
zigmal zu den gleichen Haeusern pilgern, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

1632 floh der Fuerst nach Holland, die wohlhabenderen Buerger und erst recht die Priester
- nach Limburg oder Diez - die Pest war der Grund, die Mitbuerger im Stich zu lassen.
1637 waren sie alle wieder da, die wichtigen Leute und liesen 4 x im Jahr die Kirchengesetze von der Kanzel predigen.
Wer zum Widerstand aufrief, kam in den Turm.
Strenge Ruheordnung an Sonn- und Feiertagen, wir wir heute noch Reste davon geniesen duerfen.
Immerhin fiel weg, dass die Glaeubigen sich der heiligen Sakramente anzuschliessen hatten.
Durch die Glaubenszweifel des Fuersten konnte man -wohl auf dessen Anordnung dem Pfarrer zu bestimmten Zeiten Fragen stellen,
um nicht die Ausrede der Unwissenheit ob seiner Pflichten vortaeuschen zu koennen.
Sendboten achteten auf die strikte Einhaltung der Kirchenbesuche und auch des sonntagnachmittaeglichen Kinderbelehrung,
die wohl eine Art Konfirmantenstunde war.
Die Strafordnung sah vor: 1/2 Pfund Wachs oder 1/2 Gulden bei Messe-Versaeumnis.
Predigt versaeumen: 1 Pfund Wachs.
Waehrend des Gottesdienstes im Wirtshaus zechen:
6 Albus oder 7 Petermaennchen, 2 Heller - der Wirt zahlte zusaetzlich, 1 Gulden..
Waehrend der Messe hausieren, verkaufen oder aehnliches: 6 Albus, Handarbeiten oder 2 Pfund Wachs.
Christenlehre versaeumt: 1 Pfund Wachs Strafe.
Zu spaet zur Messe kommen oder zu frueh wieder gehen: 1 Albus.
Waehrend der Messe sprechen: 4 Albus.

Mach mich krumm, dass ich in den Himmel kumm..

Bewohner, die keine Vollbuerger waren, mussten fuer jede Tochter Schulgebuehren zahlen -
aber diese einzutreiben, muss es doch einiger Ueberredungskuenste bedurft haben.
Zwei Schwestern gestalteten eine Schule fuer Maedchen, von welcher die Chronik berichtet.
Dem Ordo militiae Jesu Christi (Miliz Jesu Christi) angehoerend, waren sie immer am betteln..

1746 waren deren Einkommen wieder einmal grossen Schwankungen unterworfen,
dann fiel auch noch die Ernte sehr schlecht aus.
Die Zehntfrucht ist wohl ganz ausgefallen, dazu gab es Einquartierungen von Soldaten -
es kamen arme Bewohner an deren Klostertuer, die auch noch etwas haben wollten.
Die Schwestern naehten und haben andere Einkuenft und ein paar Goenner gehabt, um das alles schultern zu koennen.
Geeignete Helfer waren auch schlecht zu finden - die gute alte Zeit !

Hoeflinge haben ihre Berichte an den Fuersten -immer schon- gerne so angefertigt,
wie sie gern gelesen wurden.
So verhielt es sich auch mit den haeufig auftretenden "Stigmata" und anderer seltsamer Dinge -
eine zweite Meinung einzuholen war den meisten damals zu gefaehrlich vor dem
"leicht schwankenden und bloedsinnigem Volke"..

Die Hadamarer Dominikanerinnen und die Franziskaner waren die letzten "Nachzuegler der Saekularisation",
weil man fuerchtete, die Pensionslasten waeren draussen teuerer, als in den Kloestern.

"dass auf dem Aufsatz des Altares ziwschen die Saeulen die zwei heiligen Apostel Peter und Paul so gross,
wie die Proportion es leiden will, auf beiden Seiten die Tueren des Coeritos mit Zierrat und Sprengwerk,
zwei stehende Engel mit dem Rauchfass in der Hand, auf dem Tabernakel das stehende Jesuskind
mit der Weltkugel in der Hand, ueber dem Altarblatt zwei fliegende Engel, die eine koenigliche Krone mit Lilienzweigen halten.
Auf dem zweiten Absatz zwei sitzende Engel mit Palmenzweigen in den Haenden zeigen mit dem Finger auf Maria
und die heiligen Jungfrauen Katharina und Caecilia so gross wie moeglich.
Der oberste Aufsatz zeigt Gott Vater in Wolken mit knieenden Engeln.."
Uff- was fuer ein Unfug.
Der Hirschberg oder Hirtzenberg wurde spaeter auch Herzenberg genannt,
weil in der Kapelle tatsaechlich die Herzen von einigen Herrschaften bestattet worden sind..

"Religioese Unterweisung" nahm man als Basis fuer schulische Uebungen im Lesen und Schreiben, vom Fuersten 1582 verordnet.
Sonntags in Reih und Glied in die Kirche, wo die "Standespersonen" die Kinder
oeffentliche und laut die Lehren des Heidelberger Katechismus abfragten..
"damit alt und jung um so besser die heilige Schrift und auf dem Weg der Seligkeit gefuehrt werden moegen".
In den Familien sollten Eltern und Kinder abends und morgens und am Tisch Psalmen und Gebete sprechen lernen,
zum guten Beispiel fuer die Nachbarn..
(Aber auch Spielstunden seien nicht zu vergessen)

Als dann 1941 der "totale Krieg" befohlen war, mussten halbe Kinder ausruecken,
kleinere Feldarbeit machen, mithelfen Graeben auszuheben - es gingen auch Militaerpfarrer mit um die lieben Engelein zu predigen.
Genug davon.

Das Limburger Talbecken war fruchtbar, mit guten Lehm-Schwemm-B÷den, eine wahre Kornkammer,
in welcher sogar Wein wuchs, bevor diese Flaechen zu Obstgaerten umgewandelt worden waren.
Bis Ende des 18.Jhds wurde dort Tabak angebaut- was wohl fuer die ganze Gegend ausreichte.
Wie die Haeuser, so hatten damals auch die Aecker keine Katasterzahlen, sondern Namensbezeichnungen.
"Elb" ist germanisch und meint "helles, weisses Wasser".
"Herzel" steht fuer Elstern.
"Lei" ist ein altes deutsches Wort fuer Felsen, Abhang.

"Simetze oder Simele" gleich Binsen.

Die Franziskaner haben bis wohl 1816 den letzten Weinberg in der Gegend von Hadamar betrieben zu haben.
Klimatische Veraenderungen werden wohl die Ursache gewesen sein.

Der Leser und die Leserin wird wohl schon gemerkt haben, dass sich zuweilen ein paar Dinge wiederholen.
Das laesst sich bei der Vielzahl der Chroniken und Erzaehlungen nicht immer vermeiden - ich bitte um Nachsicht..

"In god we trust" wollte ein lokaler US-Sheriff in den Teppich seines Amtszimmers gewebt haben -
leider vertat sich der Hersteller und lieferte:
"In dog we trust".. der Ordnungshueter versteigerte das gute Stueck und erzielte gutes Geld dafuer:
http://www.badische-zeitung.de/panorama/die-gute-nachricht-xhr2li7ix--99384734.html
10.000 Dollar, abzueglich die 500 Dollar fuer den Warenwert, der Rest ging ans oertliche Hundeheim..

Weil seit der zweiten Haelfte des 19.Jhds Oele billig eingefuehrt wurden und ein veraenderter Gebrauch kam,
starben unsere Oelmuehlen.
Es wurde Raps, Rueben, Mohn, Senf, Sonnenblumen, Walnuss, Bucheckern damals zu Oelen gemahlen.
Raps wurde nach und nach -neben Butter und Schmalz- zum wichtigsten Fettspender,
so wichtig fuer die Ernaehrung wie Roggen.
Nun wurde nicht mehr die Oellampe gefuettern, sondern Margarine gemacht.

Walkmuehlen taten eine Zerfilzung von Wolle mit gegenlaeufigen Walzen,
unterstuetzt mit Seifenwasser und fetten Ton, auch Walkerde genannt,
wurde der Stoff immer fester und haltbarer.

Die Lohmuehle mahlte Fichten - und Eichenrinde zur Lohe gepresst - der Saft wurde zum Leder gaerben gebraucht.

Im 17.Jhd holten Bauern die unterirdische Holzkohle im Wald - terziaere Braunkohle war lange Heizmaterial,
das die sehr ausgeduennten Waelder ein wenig entlastete.
So mancher Herd wurde noch bis 1805 damit betrieben - bis in unsere Zeit kann man Briketts kaufen,
die aus Steinkohlestaub und eben solcher Braunkohle gepresst werden.

1600 wurden folgende Handwerker genannt:
Gerber, Kessler, Leineweber, Maurer, Schmiede, Schneider, Schreiner, Schuhmacher, Weissbinder, Wollweber,
Kraemer fuer Kurzwaren, Tuche, Gewuerze etc. , Roterber, Baecker, Bierbrauer, Schlosser, Glaser,
Dreher, Fassbender, Nagelschmiede, Wagner, Leiendecker, Strohdecker, Haefner,
Strumpfweber, Strumpfstricker, Metzger, Sattler, Mueller, Kuefer, Buchbinder, Weinzapfer und Wirte.

Spaeter kamen dann Anstreicher, Bauunternehmer, Bonbonkocher, Buchdrucker, Drechsler, Fahrradmechaniker,
Former, Friseure, Gaertner, Heizer, Koeche, Korbmacher Lebkuechler, Monteure,
Putzmacher, Sattler und Tapezierer, Schleifer, Schlosser, Schneider, Schornsteinfeger, Steinhauer,
Stukkateure, Verputzer, Uhrmacher und Ziegler dazu.

Die Vielzahl der Berufe hat sich ganz enorm vergroessert, ein paar Berufe sind ausgestorben.
Ein wichtiges Kapitel waren die Maerkte und Marktrechte.
Wochen- Obst- und Gemuese,- Wurst,- Landwirtschaftsmaerkte in zig Auspraegungen,
die bis zum heutigen Tag frohe Urstaend feiern.
Immer gut besucht - egal was die Sachen kosten !
(Rationale Gruende werden wohl eher keine Rolle dabei spielen,
zumal man alle Sachen im Supermarkt oder Internet viel billiger beziehen kann..
Wichtig ist an den Maerkten, dass die Stadtmuetter und Stadtvaeter heftige Einnahmen dadurch erzielen koennen;
die Leute wollen unterhalten, wollen bespaßt werden..
Frueher war der Markt noch wichtig oder existenziell, weil es kaum Laeden gab,
in welchen die Kunden etwas erstehen konnten.
Aber auch der Handel ins Ausland (benachbarte Kleinstaaten zaehlten dazu) wurde dort abgewickelt.
Es gab auch keine Banken oder Sparkassen - der Geldhandel spielte sich ebenso auf dem Markt ab.
Es wurde getanzt, gelacht, sich vergnuegt - daraus entstanden, wie nebenbei,
auch die Kirmes, die Kirchweih mit ihren Vergnuegungen und Leckereien.

Die niederdeutsche Kaufmannsgesellschaft Deutsche Hanse hatte Ableger bis nach Sueddeutschland hinein.
Es gab fuer jede Sparte "Haense", - z.B. die Weinhanse.
Haensemeister nahmen Interessenten in das Haensebuch auf.
Zeugen und das kuenftige Hanse-Mitglied zahlten bei der Einschreibung.
Der Fuerst kassierte immer - so oder so - aus Handel und Wandel.
Damals noch ganz ohne Gegenleistungen.
Die Haelfte der Abgabe kam der Stadt, die andere Haelfte dem Grafen zugute.
Die Haenselmeister passten gut auf, dass niemand zu Unrecht "gehaenselt" wurde.

Boerries Freiherr von Muenchhausen
wurde in der Chronik mit seinem Gedicht "Die Glocke von Hadamar" abgedruckt.
Von dem ich -nach der Recherche bei Wiki- absehen moechte,
weil der Dichter zu arg durch seine Gesinnung oder Zugestaendnis zur NSZ eit kontaminiert ist.
(Das Gedicht selbst war ziemlich gut)

Deshalb ist man gut beraten, sich erst einmal im Web schlau zu machen ..

Der Skandalbischof von Limburg, der fuer riesige Verschwendung oder Prunksucht bekannt war,
soll nun eine Stelle im Vatikan bekommen
- na denn werden wohl (hoffentlich) noch mehr Mitglieder schwinden und nur noch wenige bleiben,
die man dann getrost als "glaeubig" ansehen kann.

Die Chronik Altenkirchens bei Braunfels wird der naechste Waelzer werden, der durchforstet gehoert..

Am 31.Mrz1933 hatten die Schueler unterrichtsfrei,
um den - woertlich - unglaublich tiefen Eindruck der Eroeffnungsfeier
des Deutschen Reichstags im Radio erleben zu koennen, wie die Chronik schreibt.
Ein neues Medium uebt freilich eine hohe Faszination aus, das wussten Politiker schon immer.
Damals wurde damit auch gelenkt - was sonst, wo das heute ebenso und noch immer der Fall ist.
(Wenn auch nicht mehr so plump)
Lt. einem Artikel der Tageszeitung wurde anlaesslich eines gemeinsamen Abendmarsches
des -fast- ganzen Ortes eine Fahne der S PD verbrannt und das Wessellied gesungen,
das die Allierten spaeter verboten haben, das wohl noch heute verboten ist, lt. Wiki.
Glockengelaeut, Lautsprecher und Faehnchen in den Gassen und Schulklassen,
die Parteigruppe bildete sofort Aufmaersche und richtige Festzuege.
Abends wurde die Rede des neuen Fuersten gehoert, von dem noch keiner ahnte, welchen Despoten man sich eingefangen hatte.
Lehrer waren wohl alle Parteigenossen und sprachen ploetzlich ueber Sonnwendfeiern und anderen "Quellen der Kraft fuer das deutsche Volk".
Bis Mittags hatten alle bereits ihre Wahlstimme abgegeben, bis auf ein paar Bettlaegrige und "ein paar Lumpen,
die ungueltige Stimmen brachten, bekannten sich alle zum Fuehrer"
Aha, sie haben sich dazu "bekannt" - das gleiche Vokabular, das auch die Kirchen verwenden ?
So wurde auch gleich das Erntedankfest publikumswirksam fuer die Partei umgesetzt..
Demagogen sind auch heute noch so geschickt, dass sie alles fuer "ohne Alternative" verkaufen,
auch wenn unsere Bundeswehr nun fast zur Fremdenlegion mutiert,
in der ganzen Welt seltsame Befriedungen macht.
Gut, unsere Gegend bestand nicht nur aus dieser Zeit, die nur 12 Jahre waehrte -
hier findet man Grenzsteine, die zwischen 2- und 3000 Jahre alt sind!


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