Landfotografie






Geschichtliches, Teil 12



Der Westerwald hat einige Basalt-Vorkommen, die z.T. fuer hollaendische und deutsche und belgische Deichbauten verwendet wurden, aber auch als Bahn-Schotter und feinem Basaltsplitt im Strassenbau eingesetzt wurden.
Frueher waren ganz spezielle Fachleute, die Klipper die bestbezahltesten Facharbeiter, die lange Anlernzeiten hatten - darueber habe ich schon geschrieben.
Deren "Katzenkopfsteine" waren handbehauen - 1 qm3 hat ein Klipper an einem Tag schaffen koennen.
Gewerkschaftlich hatte man damals nicht viel am Hut, es waren fast alles nebenbei Klein- und Kleinstbauern, denen Proteste und Aufmaersche nichts sagten - sie haetten auch kaum die Zeit dafuer gehabt.
Spaeter hat man aus dem Basaltsplitt Kunststeine gemacht und als haertende Zugabe im Asphalt verwendet. Basalt ist sogar schmelzbar und so wurde dieses Material als Beschichtung fuer stark beanspruchte Drainagen und Rohre in der Industrie eingesetzt, was deren Haltbarkeit um das zehnfache erhoeht hat.
Die Abriebfestigkeit ist 2/3 effizienter als V2A Stahl und sogar zum Grauguss um die Haelfte besser.
Basalt hat Haerte 9, Diamant Haerte 10 !

In dem Buch ueber Basalt lese ich, dass die Allmenden an jeden Einwohner aufgeteilt worden seien, die Huegel, die unwirtschaftlich waren, blieben dagegen in Gemeinde-Eigentum. Das hat der Vergabe der Schuerfrechte spaeter sehr geholfen.

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Das naechste Buch versucht den 100j. Kalender zu erklaeren - eine durchaus spannende Sache. (Kurt Allgaier, 1983)
Es faengt schon bei der Ungenauigkeit der Kalenderberechnung an.. Schalttage waren immer noetig, damit es stimmte.
Man behauptet, dass die Zahlen 365,2425 - also die genaue Zahl an Tagen des Jahres, bereits in den Abmessungen der Pyramiden fand, die vor ueber 4700 Jahren erbaut worden sind. So auch die Zahlen fuer das Zoll, 2,54 Zentimeter, was mal 25 die "heilige Elle" ergeben wuerde: 63,5cm, dem zehnmillionsten Teil des Erdradius. Diese Berechnung waere demnach genauer als unser Meter. Der Umfang der Pyramide des Cheops ist 36524 Pyramidenzoll, fast 928 Meter - die Zahl der Tage des Sonnenjahres, genau bis in die Kommastellen. 365,24 ! Von der Koenigskammer den Blick zum Polarstern, das ganze Gebaeude genau nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet..

Man versuchte schon sehr frueh, den richtigen Termin fuer die Aussaat zu finden - was lag also naeher, als diese Daten aufzuschreiben?

Dieses Werk hies nur in der Uebersetzung 100jaehriger Kalender, weil hundert Jahre fast als Ewigkeit empfunden wurden - der Abt Martinus Knauer hat das nur als Ratgeber gedacht, mit dem man anhand seiner Wetterbeobachtungen im Kontext zu den Sternenkonstellationen vorher sagen konnte: Wie wird die kommende Saison? Also wenig die Frage nach dem "wie wird das Wetter morgen" zu beantworten.. nicht alles stimmt, doch wohl das meiste. Es ist schon wichtig zu wissen, ob es ein nasses oder kaltes oder trockenes Jahr wird ! (Ob es wirklich "trockene" Planeten gibt, wage ich zu bezweifeln)
Stimmig ist wohl, dass der Lauf der Erde "eiert" und sich von daher bereits in bestimmten Abstaenden Aenderungen des Klimas ergeben.

Die alten Bauernregeln, das darf man nicht vergessen, sind schon aelter als der julianische Kalender, dh. sie hinten 10 Tage hinterher.. die "Hundstage" haben mit dem Haustier nichts zu tun, sie stammen von "Sirius", Hundsstern ab.

Die wichtigsten Wetter-Regel-Tage sind:
Das Weihnachtstauwetter,
der erste Vorfruehling zwischen dem 10. und 20. Maerz.
Die Eisheiligen Mitte Mai
Die Schafskaelte im Juni
Die Hundstage Ende Juli
Altweibersommer Ende Sept.- bis Mitte Oktober.

Die Region und die Zeit sind entscheidend ueber das Zutreffen der Wetterregeln, die nicht von Dummkoepfen gemacht worden sind - vielmehr waren diese "Faustregeln" dazu da, Hunger und Missernten zu verhindern. Heutige Wissenschaftler vermoegen - das kann jeder jeden Tag in den Wetterprognosen erleben - auch nicht treffender zu sein.

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Der roem. Geschichtsschreiber Tacitus riet dazu, "das Erb-Uebel der Germanen, die Uneinigkeit, mit allen Mitteln zu foerdern.."

Nicht nur die Germanen rechneten in Naechten statt in Tagen, daher kommt auch dieses "in 8 Tagen", womit eine Woche gemeint ist..
Die Germanen haetten ihre Goetter niemals in irgendwelche Waende eingeschlossen oder sich menschenaehnliche Figuren gemacht (Goetzen).
Dagegen gab es Waldtriften oder heilige Haine.
Hute (Huete) Baeume hatten eine dichte Krone, unter denen die Kuehe oder das Weidevieh wiederkaeuten, ruhten. Frueher sagte man bei uns im Dorf: Hau Onnern oder Haut Onnern sein isch dahamm. (Heute Nachmittag ruhe ich zuhause) Diese Ausdruecke stammen aus der Zeit, lange vor der Christianisierung, lange vor den Roemern.
Die alten Weidebauern waren mit ihrem Leben zufrieden, so ist es ueberliefert, erst spaeter musste man Felder anbauen.
5/6stel des Landes waren undurchdringliche Waelder, ideal um Tiere zu maesten und zu weiden.

Das Bestreben Karls des Grossen, dem man so viele gute Sachen zuschreibt, hatte aber auch sehr negative Seiten:
Er war bestrebt, die Zentralisierung der Regierungsgewalt zu erreichen - die letzten aristokratischen freien Gewalten des Reiches hat er beseitigen lassen. Ebenso die seit Urzeiten bewaehrten demokratischen Gemeindeverwaltungen wurden abgeschafft. Bald wurde der Gaugraf nicht mehr frei gewaehlt, sondern vom Koenig eingesetzt. So baute er ein absolutes Regime auf. Der Adel hat sich darauf ueber die Freien erhoben - daneben trat der Klerus heran, fett gefuettert vom Koenig, entstand ein dritter Stand. Unter seinem Sohn Ludwig dem Leutseeligen erfiel diese Macht wieder schrittweise..
Der Klerus berief sich auf das 3. Buch Mose, Kapitel 27 Vers30- "Schaetzungen von Mensch, Vieh, Aeckern, die dem Herrn heilig sind .. das ist der heilige Zehnt dem Herrn" - also den Priestern sein sollten ;) (ohne Witz)
Der Klerus hatte schon immer den Zehnten kassiert, aber ein weltliches Gesetz gab es wohl nicht nicht, zumal die Bauern bereits den 9. von von den Pachtguetern als Zins zahlten.. dazu kam die "Leibbede", die Kopfsteuer, die in Geld oder Vieh zu entrichten war - viele ueberliesen deshalb das Land lieber seinem Schicksal..

Interessant ist der historische Hinweis zu den Abgaben an die Obrigkeit:
Bei den Germanen war es Sitte, dass jeder von seinen Sachen etwas fuer den Fuersten abzweigte und unaufgefordert ablieferte.
Nur so konnte dieser leben, von diesen Ehrengaben.
Spaeter wurde Krongut erworben, das als Lehen verpachtet wurde, also direkt nur wenig eingebracht haben soll -deshalb, so die Chronik des Kirchspiels Biskirchen, Bissenberg und Stockhausen. So sei die Naturalienabgabe in eine Geldliche umgewandelt worden, die dann festgeschrieben war.
Vermutlich auch aus Gruenden der militaerischen Aufruestung kam der Fuerst mit den Mitteln nicht mehr aus - was immer weitere Abgaben einfordern lies. (Muehlenrechte, Huterechte, Gewerke zahlten extra, Wegegebuehren etc.

Man nimmt an, dass der Ort Bissenberg urspruenglich Bischofsberg oder sogar Bifang genannt worden sein soll. Dieses Bifang war aber die Bezeichnung fuer eine Rodung, damals gingen die Waelder bis zu den Fluessen, weshalb auf den Hoehen Platz fuer den Landbau geschaffen werden musste.
Dominante Stellen waren immer an der Einmuendung zweier Fluesse, es waren auch verkehrstechnisch bereits "Knotenpunkte".
Dieses altbesiedelte Gebiet hat die Bebauung vorzugsweise in den Talraendern mit ihren fruchtbaren Loes-Terrassen, weg von den sumpfigen Feuchtwiesen.

Die alte Pfostenbauweise hielt nur eine Generation, dann musste das Haus neu gebaut werden, weil die tragenden Pfosten schlicht weggemorscht waren.
So entstanden die Fundament-Bauten, die Fachwerk auf einen Sockel aus Wacke oder Schiefer setzten, in Staenderbauweise und fraenkischem Fachwerk.
(Suedeutsche Bauart ist alemanisch, norddeutsche Bauart nennt man niedersaechsisches Fachwerk)
Es gab Haeuser (von allesamt noch einige erhalten und zu sehen sind) mit angebauter Scheune, freistehender Scheune und mit Keller-Stall.
Um ca dem Jahr 1400 kam der Raehm-Bau auf, eine Rahmenkonstruktion aus Fachwerk.
Bis zum Beginn des 19.Jhds verwendete man ausschliesslich Eichen-Fachwerk, danach die billigere Fichte - in dieser Zeit kam auch die Pisee-Bauweise auf, der Lehmstampfbau, der sich ca 60 Jahre halten konnte und dann von kleinen Ziegeleien in der Naehe gebrannte Backsteine abgeloest wurde.
Ab 1920 wurden baustatische Berechnungen eingefuehrt, was viel Holz eingespart haben soll.
Nach den Backsteinen versuchte man es mit weissen Schlackensteinen, Hochofen-Resten, aus denen Steine gemacht wurden - billig, aber leider mit mangelhafter Waerme - und Feuchte-Eigenschaften. Deshalb kam man spaeter auf die heute noch bekannten Tuff-Steine.

Schon vor dem 30j. Krieg soll die Wuestungs-Quote bei 40% gelegen haben - Orte, deren Bewohner durch Seuchen oder Krankheiten oder Ueberfaelle gestorben oder weggezogen waren.

Die Schreibweise alter Dokumente ist von haarstraeubender Fettigkeit, voller Hochallerwuerdisten und dem lieben Jesu-Kindlein vollgestopft, in kaum les- und verstehbaren, total verdrechselten Formulierungen. (Der Vorlaeufer von unserem "Amtsdeutsch")

"In Gottes Nahmen Amen...
Jeder menniglichen, wem dieß gegenwertige offene Instrument zu sehen, lesen oder zu lesen hören, vorkommen wirdt, sey hirmitt kund, offenbahr undt zu wissen, daß in diesem Jahr unseres lieben Herrn undt Seligmachers Jesu Christi Sechzehnhundertfünfzig undt fünf, in der Siebenden Nommer Zinß Zahl, zu Latein indictio genannt, bey Herschung undt Regierung des Alerdurchlauchtigsten, Großmechtigsten undt unüberwindlichsten Fürsten undt Herrn, Herrn Ferdinandi, dieses nahmens des dritten, erwählten undt gekrönten Römischen Kaisers, zu allen Zeitten Mehrer des Reichs in Germanien, zu Hungarn, Boheimb, Dalmatien, Croatien, undt Slavonien, Königs, Ertzhertzogen zu Osterreich, Hertzogen zu Burgund, Steyr, Kärnten, Crain, und Würtenberg etc. Unseres allergnedigsten herrn, seiner Majestet reichen, deß Römischen im achtzehnden, deß Hungarischen im Sechsundzwantzigsten undt .."
Den Rest spare ich uns, es geht noch laenger so weiter.. die Herrschaften bekamen viele Kinder, wenige sind durchgekommen, es wurde in die Nachbarschaft geheiratet, Gebiete wurden getauscht durch Erbe, Mitgift, Schenkungen und so mancher musste sein Besitz mit einem Kredit beleihen, welcher als Lehen oder Guelte abgezahlt wurde. Verpfaendungen waren ebenso an der Tagesordnung, weil viele ueber ihre Verhaeltnisse lebten: Hofhaltung, Repraesentation und Kriegslasten waren oft die Ausloeser.

Die Strassenbezeichnung " vor dem Thor " besagt, dass es dort einmal ein Durchlass und folglich auch eine Stadtmauer oder Graben gegeben haben muss.
"Hackewies" oder "Hag", althochdeutsch fuer Hecke.
Der Wohnbereich wurde durch den Etter abgegrenzt, einen geflochtenen Zaun oder Hecke.
Die Abkuerzung "Möp" kommt von "Momper", es bedeutet Hand und Schutz. Muendel ist daran eng angelehnt.
Unter "Zollstock" versteht man wichtige Strassenkreuzungen in freier Natur, - vermutlich aus der Zeit der Strassenmaut.

1402 ist der erste Hinweis auf eine "Donnerbuechse" in dem Kirchspiel zu finden. (Pulverwaffe)
Schon 1618, also vor dem 30j. Krieg begannen die Aufstaende gegen die gierigen Landesherren.
Juedisches Leben ist schon ab 500 n.Chr. bezeugt - sie kamen mit den Voelkerwanderungen aus Italien, Spanien, Portugal und.. aus Taschkent. Wohl mit aehnlichen Problemen wie bei der heutigen Voelkerwanderung.
Ein weitverbreiteter Beruf, den Juden ausueben durften, war Viehhaendler. Nach der "Machtuebernahme" haben die Bauern nicht vergessen, so die Chronik, dass diese Viehhaendler fuer den Fuersten das Vieh einziehen mussten.
Juden haetten nicht als Mitglieder der Buergerschaft oder buergerlichen Gesellschaft gegolten, nur wenige seien zu Geld gekommen, so heisst es weiter.
Nach 1848 waren alle gleichberechtigt, zumindest fast. Nach dem 3. Reich waren von den 74.000 Juden unserer Gegend noch 6000 uebrig, so wird berichtet.
Viele davon sind noch schnell nach Brasilien (dort sei man stolz darauf, dass selbst die Kinder noch perfekt Deutsch sprechen) und USA etc. gefluechtet. (Vermutlich sind deshalb so viele Besucher aus diesen Regionen auf meinen Seiten? Sollte diese auch ein wenig zur sprachlichen Uebung dienen?
So kann ich nur hoffen, so objektiv wie moeglich zu berichten: Ich gehoere keiner Religion an, ich habe den evangelischen Glauben an den Nagel gehaengt, er ist mir sowieso nur durch die Geburt zugekommen und spaeter durch die "Konfirmation" aufgenoetigt worden - mitgemacht habe ich wegen den Geschenken, die es zu diesem Anlass gibt..

Nach dem 2.WK kamen die Heimatvertriebenen:
Von oestlich der Oder und Neiße, aus den Ostprovinzen des Deutschen Reiches, aus dem Baltikum, Polen, Ungarn, Rumaenien, Bulgarien, Jugoslawien, sowie die Sudeten und Karpatendeutschen- wobei die beiden letztgenannten an die Tschechoslowakei (1919) gingen, kam die Leute zu uns - ihrer Heimat beraubt, vertrieben, wegen eines verlorenen Krieges, den andere angezettelt haben.
Die naechste Vertreibung kam im Jahr 1944 -immer mit grosser Not, immer mit Verlust an Deutschem Boden, Einweisungen von Personen, Lebensmittelmarken etc.
(Dieser Teil der deutschen Geschichte duerfte weitestgehend bekannt sein, deshalb spare ich mir detaillierte Ausfuehrungen)
Was man aber nirgendwo erfaehrt (finde ich zumindest) ist die Tatsache, dass der Versailler Vertrag nach dem WKI "Deutschland zum alleinigen Kriegsschuldigen erklaert hat" Das hat zur Folge, dass die Praeparationsleistungen sehr erdrueckend gewesen sind.
(Wir erinnern uns: Oesterreich hat damals Serbien den Krieg erklaert, weil man dort die Attentaeter vermutete, die den Tod des oesterr. Herrscherpaares verschuldeten. Deutschland hat lediglich den Beistandspakt erfuellt, den Oesterreich einforderte.. )
Ergo waere der Versailler-Vertrag bereits im Ansatz falsch gewesen und koennte revidiert werden - was aber kam? Aus der Not der Bevoelkerung, die die Weimarer Republik nicht zu loesen im Stande war, z.T. durch die fehlende 5% Klausel der im Parlament vertretenen Parteien: Dauerstreit war so an der Tagesordnung, zu gross angelegte Industrievorhaben, Fehlplanungen, riesige Arbeitslosenzahlen und die Beratung Hindenburgs durch die Vertreter der Industrie und des Unternehmertums, heute Lobby genannt. Ein Vollversagen mit Hilfe der Unternehmerschaft und weltfremder linker Ideologien auf der anderen Seite. So war es Hi tler moeglich geworden, an die Macht gekommen und... der dann den WKII angezettelt hat, wie wir alle wissen.
Wer mehr Details will, kann sich in zig Ecken einlesen..
Diese Dinge sind aus den Dorf-Chroniken und somit auch aus dem dicken Buch ueber das Kirchspiel besser zu erfahren, als in Geschichtsbuechern. Das wird jedem sofort klar, wenn man sich den Werdegang oder die Entstehung der beiden Weltkriege betrachtet. Sicher gab es nach dem 2.WK amerikanische Hilfen, aber auch Demontagen von wichtigen Werken und Deportation von Konstruktionszeichnungen etc. was einen ganz enormen Wettbewerbsvorteil hatte: Die Ruestungsindustrie, die Raumfahrt und Foto/Kameratechnik und vieles andere hat danach in den USA ein viel staerkere Entwicklung erfahren. Die wirklich grausigen "Experimente und Versuche oder Untersuchungen" der Mediziner im 3. Reich war so schlimm, dass man nichts darueber wissen moechte - dennoch basiert heute noch der medizinische Grundstock darauf. Wie grausam der Mensch sein kann, hatte damals nicht mal direkt etwas mit dem Regime zu tun, das kam eher von innen heraus, aus dem Forscher selbst. Diese Tatsache kann keiner absprechen oder verneinen, Grausamkeit ist immer unmenschlich oder aber nur vom Menschen gemacht? Das muss jeder selbst entscheiden. Mir gruselt es immer wieder vor solchen Sachen wie "Koerperwelten", die an Abartigkeiten nichts mehr zu wuenschen uebrig lassen.. der Geist ist derselbe, im dritten Reich wie bei diesem "Kuenstler".

Brautleute mit einem unehelichen Kind durften nicht in der Kirche getauft werden, das tat man im Pfarrhaus.
Vielerorts gab es noch keine Lehrer, die Pfarrer unterrichteten auch.
1566 wird von Stoerern in der Kirche berichtet, die den Pfarrer gestoert und "irre" gemacht haetten.
Mancher wurde wegen Unsittlichkeit und wegen Schimpfreden verurteilt.
Ein anderer hat dem "Bandtwein zugesprochen" und hat vor der Kirche randaliert..
Manche "seien zusammengekrochen und haben Hurerey betrieben".

Ein Hinweis zur Schreibung von Familiennamen ist ueberliefert: Okt. 1833 wurde aus Karll oder Heintz der Karl und der Heinz, aus Schmitt wurde Schmidt, aus Zuth wurde Zutt - ein Pfarrer bereitete seinen Launen freie Bahn, indem er die Schreibweisen der Namen "vereinfachte".

1778 was das Wasser der Lahn " so gross, dass es in der Kirche stand".

1871 hat man beim Abriss der alten Bischofskirche unter dem Altar Gebeine gefunden, - nicht wie sonst an an den Aussenmauern. Man nahm an, es muessen Heilige gewesen sein, die in der alten quadratischen Kirche mit Apsis und gedrungenem Turm im romanischen Stil bestattet worden sind.

Besonderen Stellenwert hatte von jeher die Jagd, die seit der Feudalherrschaft nicht mehr zur Almende gehoerig, jedem war, sondern fortan nur noch dem Herren des Landes, das er sich "von Gottes Gnaden" genommen hat.
Es war nun jeder ein Wilderer, der sich davon etwas nahm.
Eine Geschichte ist ueberliefert, wo ein 29j. Enkel des Forstjaegers zu Biskirchen. Fuerstl. Jagdleute lauerten dem Wilderer auf, um ihm einen "Denkzettel zu verpassen", trafen diesen jungen Mann aber schwer. In Panik leisteten die drei Jagdleute einen Schwur, einer nahm die Schuld auf sich. Alle gingen Nachts aber nochmal zu dem Schwerverletzten - dass dieser sie nicht verraten konnte, sollte er das ueberleben und schnitten sie ihm die Pulsadern auf. Der Fuerst bestrafte zwar, es soll aber eine Art Vorstrafe ohne direkte Ableistung gewesen sein. (Es ging um sein Wild) Der junge Pfarrer, der die Beichte abhalten musste, hat sich danach selbst umgebracht: Er sei "zart besaitet" gewesen.

Die Flurbezeichnung "Auf der alten Lahn" sollte zu Papier gebracht werden, was mundartlich vorgetragen "off de aalt Leh" klang. Was tat der Katasterbeamte? Er schrieb: "Auf der Allee".

Sattel, Hoehe - oft waren das Weidelandbezeichnungen.
Bitzenstueck war ein Baumgarten, blaues Laendchen ein unter Birken gelegene Wiese, die bei Regen blaeulich schimmerte. Bangert war der Baumgarten, eine Ahle ein Hohlweg, Blankengaertchen mit Brettern eingezaeunte Gartenstuecke, Bled oder Bletz war die Bezeichnung fuer ein Beet oder laengeres schmales Gartenstueck. Desch ein Mistplatz, auf dem sonst nichts wuchs. Muck war der Bach, Geldkaut eine Lehmgrube, Heimes die Schaeferwiese. Hostert die Hofstatt, Hundsbach hatte nichts mit dem Tier zu tun, das kam von Hou, Housbach, von Huehnen, den Riesen. Auf der Kling - kam vom Plaetschern, Klingen, wo das Wasser rauschte. Urlos oder Ollesweg war ein Ausweichweg in der Wiese, weil es noch keine Feldwege gab, mussten die Wagen irgenwie aneinander vorbei.
Eine Pfingstweide war eine Wiese, die man nur einmal im Jahr ernten konnte, eine Magerwiese. Platt war die Hochebene. Ein Reuscherfeld kam von Reisch, Binse. Seidert war ein abschuessiger Acker weit vom Dorf entfernt. Der Ausdruck "Seifen" ist im Westerwald oft anzutreffen - das kommt von feuchter Niederung. Silberberg nannte man ertragreiche Aecker, Simmen kommt von Schilf, Ried, Binse. Schinnwasen waren freie Plaetze zur allgemeinen Nutzung, z.B. abhaeuten von Fellen, die gegerbt werden sollten oder gegerbt waren. Am Ziemer stand fuer Krammetsvogel, Wacholderdrossel..

So wie die Buecher gelesen werden, so springen auch die Zeiten auf meinen Seiten "Geschichtliches", die meistens aus der Stadtbuecherei stammen. Ich scheine der einzige Leser zu sein, der solche Werke im Archiv zu finden scheint- denn seit 12 Jahren hat man dort auf EDV umgestellt, was meine ausgesuchten Stuecke kaum tangiert hat: Sie muessen oft nachregistriert werden auf das neue System ;) Die Bibliothekarin meinte: "Ich brauche gar nicht alles durchzuforsten, sie finden immer wieder Exemplare, die noch nicht registriert sind"

Das Buch des Kirchspiels ist schon 21j. alt, schaut aber noch ziemlich ungelesen aus.

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