Reihenweck 93






Stadtchronikel




Einleitung:
Diese "Stadtchronikel" orangenen Anhanges sollen eine Ergaenzung der 14 Seiten "Geschichtlicher Exkurs" sein,
welche mehr auf die Zustaende alter Tage in den Staedten als in den Landgemeinden eingehen.
Selbstredenend wieder mit dem Fokus auf das Leben der einfachen Leute, was mit den Seiten "Geschichtliches" bereits der Fall war.
Die Stadtbewohner haben auch ihre Sorgen und Noete in den Chroniken hinterlassen,
man muss diese nur zu finden wissen und aus den Texten und Hinterlassenschaften der offiziellen Stellen extrahieren.
Somit werde ich aus der Stadtbuecherei einige dieser Stadt - Chroniken ausleihen und gruendlich lesen -
wenn ein Band nicht ergiebig genug ist, wird wohl etwas mehr daraus werden.
So ein Vorhaben ist keine Kurzzeitbeschaeftigung, das kann schon eine Weile dauern -
ich war sowieso auf dem Weg einen anderen Lesestoff zu suchen, so kam diese Idee gerade recht.
Nun, durchgehalten habe ich nur bis Nr8, dann hat mich die Lust verlassen- Stadtgeschichten behagen
mir nicht und die Buecher sind auch schlecht zu bekommen.
Eigentlich ist mit den Seiten "Geschichtliches" laengst genug gesagt, was zu sagen war.

..ich darf anmerken, dass mir bei der Stadtchonik Frankfurts richtig uebel wurde vor Wut:
Immer und immer wieder steinreiche Bankleute und Fuersten oder Adlige, die den Karren in den Dreck fuhren.
Diese Leute waren und sind bis heute ein Quell steten Aergers und Kriegen,-
zusammen mit Religionen ein sehr garstiges Gespann.
Nach der Frankfurter Chronik nehme ich mir eine "Auszeit" zur inneren Sammlung.
Danach will ich nie wieder etwas von "Geschichte" hoeren oder lesen!

***


Diez

In der Stadtbuecherei habe ich eine Chronik der Stadt Diez (Bei Limburg / Lahn) und eine von Braunfels gefunden.
Die Chronik Frankfurts stoesst von A mazon aus dazu.
Flankiert durch das Buch "Menschen und Staedte an Neckar, Lahn und Main
aus dem Jahr 1980 - es dreht sich dabei um Auszuege aus den Buechern
"Small Boat to Bavaria", Small Boat on the lower Rhine" und ist aus dem Englischen uebertragen.
Vielleicht ersehe ich daraus dies oder das, was meiner kleinen Mission "Stadtchronikel" helfen kann -
man weiss ja nie, manchesmal schon habe ich auf diese Weise Dinge gefunden, die sonst nirgends behandelt worden waren..
(Das Buch sieht aus wie neu und war so billig, dass ich mich fast schaeme.)

Ein ausgeliehenes Buch aus der Buecherei zu Weilburg "Menschen und Staedte an Neckar,
Lahn und Main" Koehler Herford 1980 ist so schoen geschrieben,
dass ich es bei Am azon gerade nachbestellt habe, damit dieses in der Familie herum
gereicht werden kann - gerade die Kinder und Enkel sind ganz versessen auf die alten,
schaurig schoenen Sagen des Lahntals.
Um es kurz zu machen - 3,56 Euro incl. Fracht.
Du meine Guete, warum sind gute Buecher so billig?
Auf alle Faelle moechte ich dieses Werk ganz warm ans Herz gelegt haben:
Gerade aus den alten Sagen und Geschichten wird das Wesen der Menschen aus alter Zeit
wieder lebendig, fuehrt uns in einen sanften Strudel der Gefuehle hinein, die kein Film bieten kann.
Wer hat schon mal was von "Kettenschiffen" gehoert,
die sich mittels spezieller Winden-Technik an der Kette Flussaufwaerts zogen?
Gewuerzt mit kl. alten Geschichten, die trockne Aufzaehlungen auflockern.
Hier gibt es viel zu lernen und zu lesen..
z.B. auf Seite 298 und 299, wo die Wegkreuze erklaert werden, die keine Kruzifixe sind - mehr will ich nicht verraten !
Seite 344/349 erzaehlt davon, wie der Adel und der Klerus zusammenhielt,
um den Bauernaufstand nieder zu kaempfen.
Seite 352 erzaehlt, wie die gefloesst wurde. (hunderte Meter lange Verbaende)

Bei mir geht es nicht um Schnelligkeit, diese Anhaenge "Stadtchronikel 1-14"
haben eine ganz schoenes Zeitchen in Anspruch genommen - aber bekanntlich
beginnt auch die laengste Reise mit einem kleinen Schritt..
Meine Homepage ist nicht unbedingt auf Aktualitaet oder Geschwindigkeit aus,
es geht vielmehr sehr langsam - aber "nachhaltig" zu, um es mal salopp zu formulieren.
Ich werde mit dem Band der Stadt Diez beginnen..

Diez also, die Stadt im Schatten Limburgs?
Mitnichten, der Dom mag gross sein, aber so schoen wie die Kirche St. Peter,
die leuchtend gelb auf dem Felsen vor der Stadt Diez steht, ist der Limburger Dom nicht.
St. Peter und Diez bleibt im Gedaechnis, auch wenn die Stadt heute eher einen heruntergekommenen Eindruck macht
und zuerst mit Billigsupermaerkten dabei ist, die leider den Blick kontaminieren. (Instinktlos geplant)
Die alten Haeuser der Innenstadt sind nicht sonderlich in Ordnung, sie sind eher alt als gepflegt.
Wie ueberall ist heute Multikulti in den Innenstaedten,
was auf keinen Fall heimelig macht oder zum Einkehren verfuehrt,
eher zum Weglaufen.
Der Autoverkehr ist praegend, zuweilen ruecksichtslos und flott, der Fussgaenger hat das Nachsehen.
Und da ist noch das Schloss.
(Wer's braucht, d.h. unvoreingenommen kann sich nur jemand daran freuen, der nichts mit Geschichte zu tun hat)

Aus der Buecherei kam jene Chronik ueber Diez, aus welcher hier im Anschluss etwas gesagt werden soll.

***

Diezer Chronik von Robert Heck, vom Buergermeister der Stadt 1988 in Druck gegebenes Werk als Neuauflage.
Die Inhalte sind aus dem Orginaldruck von 1923, Diezer Chronik oder die wichtigsten Ereignisse
aus der Vergangenheit der Stadt Diez (Lahn) und ihrer Dynasten: 1606 - 1866

Ich lese von der Pest, von Schweden-Einfaellen und davon, dass der Winter streng
und die Hochwasser an der Lahn wochenlang dauerten, ich lese, dass im Sommer,
wo alle auf dem Feld waren um das Korn zu ernten ein Habicht durch das offene Zimmerfenster flog
und ein Kleinkind darin attackierte, das an den Augen- und Gesichtsverletzungen kurz darauf starb..
ich lese von diesen "Dynasten", die untereinander heirateten, von 10 Kindern aber auch nur 2 durch brachten.
Die kamen zur Welt und waren bereits steinreich, weil irgendwann irgendwer sich durch Gewalt
etwas an Land nahm, Halunken oder Soldateska verdingte und ein Machthaber wurde,
der dann seinen "Besitz" verteidigte und weiter vererbte:
Land mit Mann und Maus, Gewaesser, Waelder und allem, was im Bezirk zu finden war.
Immer das alte Lied, der Klerus war sofort mit dabei !

Berichte, wie die Sache mit dem Habicht, muss man mit der Lupe suchen, weil alle,
die schreiben konnten, entweder Pfaffen oder zu den Schreibern des "Dynasten" gehoerte.

Tragisch waren die oft zu 100.000enden einrueckenden fremden Heerscharen, die alles verwuesteten
und wie die Pest heimsuchten - sie nannten sich "Feldherren" und waren doch nur handgemeine Pluenderer,
die von der Bevoelkerung versorgt werden mussten.
Andernfalls haben sie eben gepluendert und sich alles genommen, wo gerade der Sinn nach stand.
Die Verknuepfung zwischen den Offizieren oder Feldmarschall und wie diese Bezeichnungen
sonst noch heissen - waren so, dass der Sohn des Herrschers immer gleich in hohen militaerischen
Raengen landete, wie das heute noch in England zu sehen ist.
Irgendwie haben diese Burschen die Akademie im Sturmschritt durchlaufen..
und wenn sie nicht gestorben sind, haben sie geheiratet und ihr ererbtes Gebiet verdoppelt.
Die einen Heerscharen zogen von Schweden, die anderen von Spanien oder Holland
oder Bayern aus durch die Region Diez, garstig und handgemein waren sie alle.
Unterdessen hat man mal eben zwei Frauen verbrannt,
die hartnaeckig der Hexerei verdaechtigt wurden und als die zwei Wagen mit Holz,
die von der Gemeinde gestiftet wurden vor Ort waren, schickte die Nachbargemeinde gleich die Anfrage,
ob man deren Hexen nicht gleich auch.. und so kam das dann auch, ueber zig und zig Jahre hinweg.
Die Bevoelkerung wurde von zig durchziehenden Obersten, Feldmarschalls und anderem hohen Geruempel
ausgepluendert und gequaelt bis aufs Blut.
Mal fluechteten diese Herrschaften dorthin, mal paktierten sie mit anderen militaerischen
oder adligen Halunken, zahlten Loesegelder wie bei Erpressern ueblich.
Die Bevoelkerung kam kaum zu Wort, kleine Leute schon mal ganz und gar nicht.
Die ganze Chronik der kl. Stadt Diez liest sich wie der Leidensweg Christi,
der aber nun nicht eine Person, sonderen die komplette Bevoelkerung betraf -
die hohen Herrschaften hatten Macht und Einfluss und Geld um rechtzeitig zu tuermen,
die Bevoelkerung durfte alles ausbaden und den Ort nicht verlassen.
Junge Maenner wurden "ausgehoben", dh. gemustert und als Soldaten verdungen.
Verraten und verkauft, ausgehoben wie ein Elstern-Nest.
Diese Vorkommnisse, Raub, Diebstahl, Brandschatzungen, Vergewaltigung, Hexenverbrennungen, Folter und Erpressungen
zogen sich wie ein roter Faden durch all die Jahre hindurch.
Mich wundert, dass ueberhaupt noch ein Mensch ueberlebt hat.
Die Geschichte wird in dieser Stadtchronik wieder einmal ganz deutlich zum Sittenbild des
Verfalls oder Niedergangs bei Adel und Klerus und bei den Heeresfuehrern jedwelcher Sorte und Herkunft.
Es zeigt, dass die bis dahin tausend Jahre waehrende Christianisierung nichts verbesser hat -
im Gegenteil, die Menschheitsgeschichte ist eindeutig roher geworden und das kann man bis heute verfolgen:
Die Spaltung der Religionen, die Verfuegbarkeit von Waffen, die gesetzlichen Knebeln
bringen bis heute Hass und Willkuer zu Welt.
Ich frage mich, welches Geistes Kind Leute sind, die bis heute die eigene Bevoelkerung,
fuer welche diese eigentlich da sein sollten, knebeln und knechten, bevormunden und in Kriege schicken,
die legitimen Menschenrechte vorenthalten.
Wer ist mehr als der andere wert? Wer nimmt sich das recht zu bestimmen?
Wieso gelingt es bis heute der Menschheit nicht, sich aus ihren eigenen mentalen Fesseln zu befreien?
Tut mir leid, aber das ist die duesterste Ortschronik, die ich bisher habe lesen duerfen !

Man wuenscht sich angesichts obiger Lektuere, dass die damaligen Bauernaufstaende gewonnen haetten:

(Dann muessten wir die jetzt gerade laufende Muslimisierung nicht erdulden und duerften uns wehren)

***

"Wir sind des Geyers schwarze Haufen,
Hei a ho ho!
Und wollen mit Tyrannen raufen,
Hei a ho ho!
Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!

Wir wolln's dem Herrn im Himmel klagen
Kyrieleis!
dass wir die Pfaffen nicht duerfen totschlagen
Kyrieleis!
Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!

Als Adam grub und Eva spann,
Kyrieleis!
Wo war denn da der Edelmann?
Kyrieleis!

Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!

Jetzt geht's auf Schloss, Abtei und Stift,
Heia hoho!

uns gilt nichts als die Heilge Schrift,
Heia hoho!
Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!

Uns fuehrt der Florian Geyer an,
Heia hoho!
Den Bundschuh fuehrt er in der Fahn,
Heia hoho!
Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!

Bei Weinsberg setzt' es Brand und Stank,
Heia hoho!
Gar mancher ueber die Klinge sprang,
Heia hoho!
Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!

Des Edelmannes Toechterlein,
Kyrieleis!
Wir schicktens in die Hoell hinein,
Kyrieleis!
Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!

Geschlagen ziehen wir nach Haus,
Heia hoho!
Unsre Enkel fechten's besser aus,
Heia hoho!
Spiess voran, drauf und dran,
Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!"

***

Der Link zeigt jedoch, dass auch dahinter nicht unbedingt die befreiende Absicht steckte,
sondern damals persoenliche Rache, sowie die unterschiedlichsten Ideologien bis in spaetere Zeiten hinein -
und deshalb gingen solche Ansaetze gruendlich in die Hose(n)..

***

Die Diezer Chronik hat auf Seite 36 einen Elias Berlin benannt, der als Oberstleutnant
der Bayern die Stadt auf das Uebelste quaelte und pluenderte.
30jaehrigerkrieg.de/berlin-elias/ Die Bayern haben gegen die Heimischen schlimmer als die Schweden gewuetet oder die Franzosen.
Waehrend der Graefin Aufenthalt in Diez erlies sie eine Judenverordnung, wo genau festgehalten war, wie diese Gruppe sich zu verhalten habe.
(Dazu muss man sagen, dass Waldenser und Hugenotten in Diez Zuflucht fanden,
aber nur um die dezimierte Bevoelkerung aufzufuellen,
weniger aus christlichem Zusammenhalt:
Christen mussten immer tun, was ihre Herrschaft befahl)
Die Juden jedoch bedurften wohl besonderer Edikte, dass sie sich in die Stadt einfuegten.
Nicht nur religioeser Befall oder solcher von Soldateska oder Truppen
von diesen oder jenen Ecken Europas kamen, sondern auch die Pest und die Tollwut, Hunger und Not.
So fiel mehrfach die Ernte aus, weil das Wetter verrueckt spielte,
die staendigen hohen Zwangsabgaben an herumziehende riesige Heere brachten Hungersnoete,
einmal war es so schlimm, "man bediente sich unnatuerlicher Speisen.
Als Hunde und Katzen, Ratten und Maeuse nicht mehr ausreichten, vergriff man sich sogar an Leichnamen,
bis die Regentin endlich reichliche Mengen an Getreide verteilen lies"
Immer wieder lagerten Truppenverbaende zu Tausenden auf dem Land, oft fuer Wochen und Monaate,
manchmal auch ueber den Winter und frassen alles auf, was die Bauern hatten, sogar die Saat.
Staendig gab es mutwillige Verwuestungen aus Hass oder Neid,
Felder und Ernten wurden angezuendet, Leute erschossen oder abgeschlachtet,
die sich widersetzten.
Heeresfuehrer wurden mit Geld geschmiert, dass sie weiter zogen oder diese forderten dreist enorme Summen.
Immer wieder war die Willkuer der Soldatenfuehrer wie eine Peitsche ueber der Stadt Diez und der Region.
Die Fuersten und Regenten konnten sich zu Verwandten absetzen oder gingen zigmal in Kur fuer Monate -
das war den kleinen Leuten selbstverstaendlich nicht erlaubt, weil sie ohne Genehmigung des Herren nichts durften -
bis 1818, wo die Leibeigenschaft vielerorts endlich aufgeloest wurde..
Vor schierer Raserei wurden ganze Orte abgefackelt, wenn die Stadt ihre Tore nicht oeffnen
und zum Pluendern freigeben wollte.
Oft bekamen die Feldherren Order die Stadt zu pluendern und auszurauben -
der Kriegsverbrecher sitzt immer oben, nie unten in der Hierachie - bis heute !
Die adligen Familien oder Dynasten genannt haben untereinander geheiratet
und hatte so ganz Europa im Griff - nur wenn sie sich untereinander stritten
gab es Kriege unter den Kleinstaaten, die als Vasallen zu groesseren Maechten,
wie Frankreich, England, Spanien und Oesterreich-Donau-Monarchie gedungen waren.

Noch heute fallen Truppen in andere Laender ein,
es hat sich also nach ueber 2000 Jahren Christentum NICHTS verbessert,
was kriegerische Grausamkeiten anbelangt -
nur die Gruende und die Deckmaentelchen dazu sind andere.
Frueher waren es Koenige und Fuersten,
heute lenken Industrie und Waffenlobby die Geschicke, angefeuert von den Boersen,
wo gierige Spekulanten noch mehr Gewinne als im Vorjahr haben wollen
und das geht eben nur, wenn man anderen was wegnimmt:
Der sogenannte "Computerhandel" und "cum ex Geschaefte" sind nichts anderes,
als irgendein Ding vorzuschicken, um selbst die Haende vom Betrugsverdacht sauber zu haben.

***

Seite 84 des obigen Buches behandelt die "Fraeuleinsteuer", welche die Untertanen abfuehren mussten -
des Fuersten Toechterchen sollte es gut haben..

Seite 85 berichtet von 5 Brauhaeusern und 18 Baeckern, die in dieser sehr kleinen Stadt waren..

Seite 94 Steuern und Stapeln verteuerten alle Waren

Seite 95 durch den Stapel-Streit
(Umladen von Waren vom Schiff per Wagen)
mit Limburg konnten Diezer zwar in Limburg Fleisch einkaufen,
es wurde ihnen aber an der Stadtgrenze wieder weggenommen -
und gegen den halben Kaufpreis von den Haeschern den Metzgern wieder verkauft..

Seite 99, der Prinz hatte ein blausamtnes Kleid mit Goldbestickung und Knoepfen aus Diamenten,
jeder 300 Pfund wert zur Hochzeit getragen.

Seite 100 - als Mohren verkleidet standen links und rechts der Strasse die Lateinschueler Spalier
Seite 101 - ein Malter Korn (300Pfund) kostete 6 Taler oder 9 Gulden.
Seite 105 - die Bestattungsfeier des Fuersten kostete 300.000 Gulden !
Seite 108 - Im Jahr 1848 hat man die Beisetzungen in den Kirchen verboten.
In den Jahren 1777/78/79 waren alle seltsamen Unwetter und Katastrophen aneinander gereiht.
Seite 116 - fuer Fahnenflucht nach England gab es fuer "Bessere" eben mal 60.000 Pfund Jahressold,
einfache Soldaten wurden erschossen.
Seite 120 - Immer wieder waren angebliche Kriegsschulden von der Stadt zu begleichen,
mal an die Feldherren oder Heere, mal an die Fuersten.
Simultanschule, Realschule und Volksschule kamen.
Seite 122, wieder ein Januar - Unglueck oder Katastrophenjahr.
Seite 123/4 Oranienstein und seine Protz-Suchten
Seite 125 Ein schraeges Gedicht endet mit dieser Zeile:
"Sieh, wir schwoeren heute Dir aufs neue, Alte, deutsche Unterthanentreue,
die dem Fuersten ew'ge Ehrfurcht zollt"
Warum eigentlich "Ehrfurcht"?
Die sind doch auch nur geboren worden - allerdings mit dem goldnen Loeffel im Mund..

Seite 126 - "Festball mit Hoch und Niedrig"
Seite 135 - Nassau hob 1808 die Leibeigenschaft auf.
Seite 136 - Im Jahr 1813 hat der letzte Stadtpfeifer aufgehoert und ging in den Ruhestand.
Seite 137 - ein Gedicht:
" Unser Fuerst zu Bieberich,
Der hat kein Kreuzer ueberig,
Der stellt die Soldaten auf die Brueck
Die nehmen den armen Leut das Holz vom Rueck"
Weiter gehts:
"Aber unser Fuerst von Oranien
Der spendet gern den Armen
Der hat kein Geld in Engeland
Und ist in der ganzen Welt bekannt"

(Das duerfte wohl anbefohlen gedichtet worden sein, spaeter Propaganda genannt)

Seite 138 Alle Einberufenen des Landsturms gegen Napoleon mussten ihre Bewaffnung selbst bezahlen.
Seite 140 - aus Wilhelm VI wurde der niederlaendische Koenig Wilhelm I
Seite 147 - Kaelterekord bei Minus 20 Grad, die Kartoffeln sind in den Kellern erfroren
Seite 155 - Diez bekam Gaslicht
Seite 156 - die Lahntalbahn wurde gebaut und brachte guenstige Lebensmittelpreise
Im Jahr 1866 wurde Nassau Oranien aufgeloest und von Preussen uebernommen -
was allerdings friedlich geschah und mit einer grossen Feierlichkeit.
(Schinkenregiment)



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Stadtchronikel Braunfels (Lahn)






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Stadtchronikel - Braunfels

Dieses Staedtchen liegt oberhalb des Lahnbeckens, auf der suedl. Seite
und ist durch das markante Schloss schon von weitem zu erkennen.
Dieses gut erhaltene Gemaeuer beherbert ein Museum und kann
als ehem. Herrschergebaeude heute besichtigt werden.
Es wird noch heute von einem der Nachfahren des Fuerstenhauses bewohnt.
(Diese sind aber nur in den ehem. Dienstraeumen, weil so ein grosses Gemaeuer kaum zu beheizen ist)
Die Stadt selbst ist zwar klein, aber interessant.
Besonders der historische Marktplatz und viele Strassen rundherum sind mit praechtigen Fachwerkhaeusern zu bestaunen.
Dazu sollte man wissen, dass innerhalb der eigentlichen engeren Stadtmauern,
-die beiden um die Burg direkt herum-
nur Adel und hohe Bedienstete des Herrscherhauses ihre Haeuser hatten.
Der weitere Ring umschloss die Altstadt
Das Geschaeftsleben ist - wie ueberall in den kleinen Staedten - immer mehr eingeschraenkt,
wogegen heute ausl. Lokalitaeten dominieren.
(Es gibt aber noch eine oder zwei alte Gaststaette(n)
und ein feines und ein einfacheres Cafe unter deutscher Leitung)
Zwei Supermaerkte, eine Apotheke und eine Tankstelle, drei Autoreparatur-Services und ein kleiner Sportflugplatz,
wo auch Modellflieger starten gehoert dazu.
Auffaellig sind zwei groessere Kliniken, eine geriatrische und eine sportmedizinische
oder orthopaedische und eine Klinik fuer Neurologie, alle mit Reha.
Frueher hatte Braunfels eine eigene Brauerei, "Wahl" deren Teiche heute den Anglern
und Freizeitlern dienen.
Daneben ist gleich ein Campingplatz und eine Sportanlage, der Golfclub ist nicht weit und ein Heimatmuseum.
Es wird also einiges an Freizeitwert geboten und wir fahren gerne dorthin
um einen netten Spaziergang im Schlosspark zu machen.
Das alte Feriengebiet "Wintersburg" war mit Holzhuetten auf kleinen Grundstuecken im lichten Wald,
wo aber bald ein Niedergang kam, als die Grundstuecke in private Haende kamen.
(Genaueres erforsche ich erst noch - dieses Feriengebiet ist in sich eine herrliche Sache,
waeren da nicht die groesseren Aus- und Umbauten, der Unrat durch sozialen Abstieg,
wie man in vielen Ortskernen der letzten 20 Jahre sehen kann)
In der Altstadt Braunfels jedenfalls ist alles ordentlich und gepflegt.
Wer die Stadt erwandern will, sollte bei den Sportanlagen parken,
unten vor der Burg geht in der Senke rechts die Strasse nach Philippstein..
(von Weilburg kommend)
gegenueber des Parkplatzes kann man entweder zuerst an den Teichen entlang
oder direkt in den Hang unter der Burg angehen.

Nun liegt die Stadtchronik von 1990 auf meinem Leseplatz..
und tat sich schon einmal sehr gut an, zumal diese lt. Verfasser sich nicht nur um das Schloss und seine Bewohner,
sondern um die Leute der Stadt kuemmert, deren Erleben nur muehsam im Buch eingefangen werden konnte.
Drei Autoren haben sich wohl ihr Leben lang um diese Dinge gekuemmert und alles zusammengetragen.
Meinen Dank an dieser Stelle dafuer - vom Jahr 1100 bis heute ist eine weiter Weg..

..nun beginnt aber das Buch wie alle diese Chroniken mit der Aufzaehlung derer auf und davon,
deren Brueder, Verwandten und viele Heiraten unter den Adligen,
Gebietsabtretungen und Zugewinnen, von den kleinen Leuten keine Spur,
bis auf ein paar Preise und Loehne fuer Tageloehner, Waescherinnen
und andere Zugeh-Leute der Reichen.
Der Reichtum kam dem Grafenhaus erst, als eine Bruderlinie (Solms) erlosch und viel Land und Leute dazu kamen.
So ist bis heute die Wintersburg ein Zankapfel, eines von einigen wuestgegangenen Siedlungen jener Zeit,
das zu Solms gehoert hat.
Im Hirschgraben -westlich, etwas oberhalb der heutigen Strasse nach Leun-
war wohl diese Siedlung gelegen, die sich spaeter nach Norden hin ausgeweitet hat.
Man darf wohl vermuten, dass Pest, Cholera, Thyphus, Grippe-Ephedemien, Braende und
Kriegsgeschehnisse daran schuldig waren, dass Orte "wuest" gingen, wie ueberall im Land.
(Wenn die "wehrfaehigen" Maenner immer wieder "ausgehoben" wurden,
um fuer die Maechtigen in seltsame Kriege zu ziehen, braucht man sich nicht zu wundern,
dass daheim die Angehoerigen ein sehr sehr beschwerliches und armes Leben hatten.
Ausgehoben klingt wie das Einsammeln von Eiern im Huehnerstall und so muss das auch gewesen sein:
Dem Fuersten gehoerte alles Land, Wald, Gelaende nebst Haeusern und Bewohnern,
Wild und Getier- ganz automatisch, weil das die Dynasten unter sich ausgemacht haben.
Die Kirche war nur "moralische" Hilfe, die aber immer auf Seiten der Herrscher war,
zum Teil genau so arg wie diese, wenn es um die Beitreibung ihrer "Forderungen"
gegen die Glaeubigen ging.
Kirche war oft in Personalunion zur Macht, "glaeubig" hat folglich jeder Untertan zu sein!

"Gib dem Kaiser was des Kaisers ist"

Der "Glaube" konnte nur aufkommen durch die Ungebildetheit der allermeisten Teile der Bevoelkerung,
die weder lesen noch schreiben konnten - dafuer aber unter der Knute des Herren standen -
so herum oder auch anders herum.

Wie auch immer, man liest von innerer Burgmauer und aeusserer,
von Kirchenbauten (eine soll der Ursprung des Ortes gewesen sein) und vom Kleinadel,
welcher hinter den Mauern wohnte, von Strafregistern und so weiter.
In einer Zeile wurde erwaehnt, dass im heutigen Schlossgarten jede Menge
kleiner einfacher Haeuschen gewesen sein sollen, wo man Handwerker und Dienstboten
fuer die Herrschaften der Burg gehabt habe.
Der Zehntturm ist aber erhalten und mit Um- und Anbauten versehen worden..
auf dem Stich von Merian soll man noch ein paar Ansiedlungen sehen,
die es heute nicht mehr gibt.
Die Kirche St. Georgen mit ihrem Fischgraetenverband an Bruchsteingiebel - Mauern ist aelter als Braunfels,
so wird vermutet, obwohl es keinerlei Dokument darueber gibt.
Zum alten Herrenhaus St. Georgen geht es gegenueber der Sportanlage aufwaerts
die Schlesier-Str. / Untergasse auf der rechten Seite dieses auffaellige
grosse und langestreckte Fachwerkgebaeude.
Ueber die weitere Entwicklung St. Georgens wird spaeter in der Chronik berichtet..
Die Verbindungen des Hauses Braunfels zu anderen Raubritter,
pardon Steuereinnehmern nach Falkenstein und Katzenellnbogen etc.
sind kennzeichnend fuer die invasive Art der Adelsleute.
Mal ist nicht klar, ob die damalige Schreibweise Vor- oder Zunamen nennt,
die Schreibweise ist der damaligen Rechtschreibung entsprungen,
wie das heute z.T. auch wieder ist.

Auf Seite 29/30 wird gezeigt, dass die Graefin sehr fortschrittlich war
und im Schloss eine Apotheke zur Versorgung aller Leute des Ortes eingerichtet hatte.
(eher lies)
Seite 29 kuemmert sich auch um das Thema "Befreiung von der Leibeigenschaft".
Seite 35 behandelt ein Fest, wo 250 Leute eingeladen waren, die 15.000 Wein soffen
- in 2 Tagen und 2 Naechten, also gut 60 Liter pro Person.
Das Wort "Gemeine" (Menschen) kommt auf Seite40 und anderen Seiten immer wieder vor.
Auch bei "gemeine Taetigkeiten".
Die einfallenden fremden Truppen, ob Freund oder Feind "raubten und pluenderten
und quaelten ohne Ausnahme" Seite 47 - nur das Rothe Buch 1430-1450
und das Staylsche Repertorium -15.Jhd.- ist nach dem grossen Brand erhalten.

Was ist ein "Weed"? Das erklaert Seite 65, es sind Loeschwasserbecken,
davon gab es einige in Braunfels.
Seite 66, die "ehrbare Schaeferzunft" wird eingefuehrt,
eigentlich sollte diese Berufsgruppe, wie die der Scharfrichter
und Abdecker keinesfalls in die Gilden oder Zuenfte aufgenommen werden.

Ich bin gespannt, wie dieses total unspannende Buch weiter gehen wird-
bis jetzt wurden die normalen Menschen nicht bedacht, es ging immer nur um den Adel,
die "Dynasten", die besser selbst zum Opfer der Kriege geworden waeren,
als dass die Bevoelkerung darunter haette alleine leiden muessen.
Ein steiniger Waelzer, den ich euch,
geneigte Leser oder Leserinnen, hiermit ersparen will.

Nun hat sich das Buch doch noch entwickelt und zeigt sich von einer anderen Seite:
Seite 69 erzaehlt, dass ein pfiffiger Bauer dem Prinzen Albrecht
seinen huebschen Hund habe verkaufen wollen und nach langer Suche auf einen Prinzen traf,
der jedoch der Bruder Prinz Georg war.
Der Bauer sagte "Seid ihr der Hundenarr oder ist das euer Bruder?"
Der Angesprochene lachte und meinte:
"Ich gebe euch 10 Mark, wenn ihr das meinem Bruder sagt!"
Und gesagt, getan - der richtige Prinz gab als Antwort eine schallende Ohrfeige.
Der Bauer behielt seinen Hund und bekam 10 Mark vom Prinzen Georg.
Das hat den Geohrfeigten wohl versoehnt.
Mir zeigt diese Geschichte, dass der "kleine Mann" nichts galt,
der hohe Herr durfte diesen mal eben spontan strafen,
ohne dass irgendwelche Folgen gekommen waeren.

Seite 72 erzaehlt von einem Benderhaus, einem Benderkeller -
damals wurde die Dauben der Faesser noch mit Haselnussruten gebunden.

Damals gab es noch viele Weingaerten, seine Durchlaucht war wohl
ein begnadeter "Blindverkoster" von Weinen, der jedes Raten gewann.
Der hiesige Wein war nicht unumstritten:
Wohl dem, so sagte ein hoher Gast, der diesen trefflichen Tropfen nicht trinken muss..
Der Weinanbau ging ein, als die Bahnlinie Lahntal 1863 gebaut wurde-
dann kamen die Weine von der Mosel und vom Rhein billig in noerdliche Gefilde.
Der letzte Weinhang wird wohl vor 1900 gewesen sein, am Kloster Altenberg.
Seite 74 Damals war -wie ueberall- so auch in Braunfels jeder Handwerker
auch ein Kleinst- oder Ziegenbauer.
Aus dieser Zeit stammt die Geschichte, als eine Geis in ihrem sehr engen Keller
seltsam still verharrte und sich die Besitzerin keinen anderen Rat wusste
als den Nachbarn zu holen, der ebenfalls eine Ziege hatte:
Dieser besah sich das gute Tier und sagte:
"Hinne is de dud, ob se vorne dud is, waas ich net!"

Seite 74 damals im 18.Jhd. war noch die Dreifelderwirtschaft - Winterfeld, Sommerfeld, Brachland.
Angebaut wurde Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Erbsen, Flachs,
Linsen, Wicken, Buchweizen (auch Harekorn genannt,
nach lat. Haruspex, Zigeuner)
Hirse und Oelfruechte. Gemuese zog man in den eigenen Kleingaerten.

Seite 78 behandelt die Brunnen der Stadt,die bis 25mtr tief
in der Sohle waren und oft bis zu 10mtr tief in der Erde den Wasserspiegel hatten.

Seite 81 im Jahr 1735 wurde die Postlinie Wetzlar - Koblenz
ueber den St. Georgenhof Braunfels gefuehrt,
die heutige Weilburgerstrasse war noch nicht gebaut.

Auf dieser Seite 81 ist auch die Story vom "Eisernen Heinrich" vermerkt,
der 100 Jahre vor Hannes Bueckler, dem Schinderhannes dasselbe "Gewerk" tat.
Nach seiner Einkerkerung muss seine Bande oder Familie "gefressen haben wie die Ochsen" lt. Kerkermeister.
Noch heute heisst dieses finstre Verlies nach diesem Schandfleck "Eiserner Heinrich - Loch".
Er muss alles rundherum ausgepluendert haben und war sich fuer keine Schandtat zu schade,
aber lest es im Buch einfach selbst!
(Der eigens fuer ihn errichtete Galgen aus massivem Sandstein hat man spaeter gesprengt,
der Taeter selbst kam zu den Anwerbern des Militaers - der Galgen blieb ein "Jungferngalgen")

Seite 86 erzaehlt von den Stiefbruedern des Regenten als "Nebenfuersten".
Seite 85 von den fuerstlichen Bemuehungen um Sparsamkeit,
allerdings nur bei den Untertanen, nicht bei sich selbst:
Es wurde peinlich genau geregelt, wer wieviel und wie teuer feiern und Verwandte
beherbergen und verkoestigen durfte, wenn jemand heiratete oder starb.
Seite 93: Im Jahr 1845 sind aus den Amtsgemeinden einige Arme
nach Texas gegangen, ein Adelsverein hat das in die Wege geleitet.
Texas war damals ein Pufferstaat zwischen Mexiko und den heutigen USA.
Es war die Gruendung Neu-Braunfels in Texas.
Seite 94/95 hat einige weiterfuehrende Literaturhinweise zur Geschichte der Stadt Braunfels:
Louis Kleemann, Bericht ueber die napoleonische Zeit
F.v. Restorff, topographisch-statistische Beschreibung von 1830
J. Lenz, Bericht ueber die Bauernunruhen in Braunfels
Amtschronik, Bericht ueber die landwirtschaftlichen Verhaeltnisse
Fuerst Ferdinand im Spukschloss
Erlebnis einer Braunfelser Hebamme
Maria Kirchfels, Ein Eisfest
Karl Metz
Genehmigung der Personenbefoerderung auf der Eisenbahn
Ida Mehl, brave Belzgaesser Kinder
Brief eines Braunfelsers aus der Garnison
Eintrag des Kirchendieners Lutz 1880

(Diese Hinweise beziehen sich auf das Buch, auf spaetere Kapitel, nicht auf externe Buecher)

Seite 96 - was ist ein "Troeller"? Ein Schandgatter oder Schandpfahl?
Seite 97 wurde die Regierung Braunfels nach Nassau "mediatisiert" unter Napoleons Gesetze gestellt. (Rheinbund)
Das hielt die franz. Truppen nicht ab, in Massen die Stadt zu pluendern und zu quaelen.
Die braunf. Fuersten freilich sind feige nach Frankfurt geflohen, wo sie sicher waren.
Mit Napoleon zog auch ein Marschall Bernadotte
wie ein Schinderhannes durch die Gegend, kam sah und stahl alles, was nicht niet- und nagelfest war.
1813 sollen 99 Braunfelser an Typhus gestorben sein,
weil zu viele Verwundete der franz. Armee dort einquartiert wurden.
Danach fielen die Preussen in gleicher Weise ein, wieder wurde alles geklaut
oder feierlich ausgedrueckt "requiriert"
Im Jahr 1806 waren nur noch 1400 Einwohner in der Stadt.
Die Weilburger Herrscher nannte man "Napoleoniden", "bonapartistische Missgeburten"
und "Tyrann von Syrakus" und "Diebesbande".
Seite 108: Im Jahre 1831 wurden 8699 Evangelische, 135 Katholische, 16 Mennoniten und 255 Juden gezaehlt.

Seite 109 - ein Dragoner ist "von der Fahne nach Hause gefluechtet"
und bekam von Amts wegen alle seine Habe eingezogen..

Seite 111 die Mitgliederliste des Gesangvereins - dort schieb man Name mit "h": Nahmen.
Seite 112 zeigt mundartliche Sprueche:
(von mir mundartlich verbessert, im Buch sind da ein paar Fehler)
Wersch waas, werds wisse, zwaa wisse mieh wej aaner !
Dej hot die Daler in de Schirz metgebroocht !
Wer uffem Geldsack stieht, is gruß!
E hot die Ficht, e is voll wai en Kroppe, es is wei en Maadstecke!
Got, wenn ihr gih wollt, dort stiht euer Koerbsche!
E is wei bies Geld, kimmt immer wirrer..
Klaane Dippercher hu die grieste Henkelcher!
Besser wej es lier Schees nachgelaafe..
Es schlaeft bis die Kouh en Batze gilt.
E maecht Sticker, die krawwele die Wand enuff!
E kann e schie Stick ärwet leie lorre!
E laesst naut leie wej gleunig Eise.
Es haßt em alles, nur kaa Gaeulsgeschirr!
Säi is su dirr, säi kann e Gaas zwischisch die Hoerner kisse.
Die Fraa än die Saaf verlient me net.
Es seint scho Nachwaechter bei Daach gestorwe !

Seite 117 (hat heute noch Gueltigkeit!)

Der Kommunalpolitiker!
Gern will ich sein ein Rather, verlangt nur keine That,
ich bin Familienvater und auch Gemeinderath,
Ja freilich, beides bin ich, das macht mir viele Pein,
ich bin gewiss freisinnig wie's einer nur kann sein.
Haett' ich nicht viele Kinder, dann waer's mir einerlei,
vorsichtig waer ich minder, spraech auch noch mal so frei.
Allein Familienvater - der Punkt ist delikat
und noch viel delikater ist ein Gemeinderath!

Die Antwort kam wohl gleich:
Sei nicht allein ein Rather, sei auch ein braver Thater -
sei'st auch Familienvater und hast Du gleich den Kater.
Denn nicht allein zum Rathen hat man in Magistraten
die Herren eingeladen. Sie sollen dafuer sorgen,
dass nicht an jedem Morgen erwachet voller Sorgen
der Buerger und muss borgen das Brot, das Fleisch, das Bier.
Willst Du die schweren Pflichten des Amtes treu verrichten,
musst sonder Ruecksichten allweg die Streite schlichten
auf Buergersteu'r verzichten, auch Dunkelmaenner lichten,
Wahrheit und Luege sichten - das waeren so die Pflichten!

Seite 112-121 behandelt das Prozedere der Auswanderung nach Texas nochmal genauer.

Dann kam die Missernte, das Jahr 1848, die Revolution,
der schwarz-rot-goldne Burschenbanner, der Bauernaufstand unter der Fuehrung
eines Pfarrers Schaum, einige Tote und Verwundete, viel Geschrei,
das Einlenken des Fuersten, leere Versprechungen, nochmaliger Marsch in die Stadt
und Drohungen der Aufstaendischen.

Seite 131: Ein "Sensenstrecker Fritzchen" erhielt eine langjaehrige Freiheitsstrafe
wegen Landfriedensbruches, weil er in seiner Schmiede fuer die Bauern die Sensen
umgeschmiedet hatte in Spiesse, die als Waffen des Aufstandes eingesetzt wurden.

Seite 136 erzaehlt vom Branntweinmonopol, das schon immer von Regierenden
als Einnahmequelle angesehen wurde und.. von Schmugglern, die dieses umgehen konnten,
was auch schon immer so war - bis zum heutigen Tag!
Nun ja, der gute Onkel Fuerst musste schliesslich sein 2500 Morgen
grossen Tierpark besorgen, d.h. er hatte seine Leute dafuer.
Die dort eingesperrten Tiere futterten 700 Achtel (je 75kg) Hafer und 550 Ztr. Heu weg, jedes Jahr..
Das kostet !

Seite 137 berichtet vom Tee-Konflikt:
Der Fuerst war auf der Jagd, da befahl er:
Lasst mir Tee bereiten und schickte den "Leibjaeger" in die Wirtschaft um den Teebeutel
aufbruehen zu lassen.
Wieder zurueck wunderte er sich ueber die dicken Fettaugen auf dem Tee
und lies die "biedere Frau" vorladen:
"ach es woar gar so wink Gemeus, do huh aach noch e Werschtche nei geschnidde"

Seite 143 berichtet vom Waescher Joerg und seiner Familie,
die eine Bleicherei am Teich betrieben und seinen riesigen Haenden (12 3/4 Handschuhgroesse),
die dort sehr gluecklich gelebt haben soll.
und vom Eisfest, das ein holl. Freund des Fuersten Albrecht, der alle unterhalten und erfreut hat.
Seite 157 von div. Kleinbahnen, die zur Erzbefoerderung, teils aber auch zur Personenbefoerderung waren.
S157 erzaehlt vom Familienleben in der Altstadt, es kommen gelegentlich doch noch Dinge vor,
die vom Leben der kleinen Leute berichten, die allesamt sehr abhaengig gehalten wurden.
Meist wurde von Geschichten erzaehlt, die in den Ohren der Oberen drollig doof waren,
wie die obige Story mit dem Tee.
So gewinne ich den Eindruck, dass die ganze Bevoelkerung in Vasallen und in Zugaengern
und Dienstboten eingeteilt war, die dem Regierenden und seiner Familie
willig sein mussten, wie Nutztiere rechtlos und der Willkuer
und den Launen der Obrigkeit ausgesetzt.

"Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt!"
(Ringelnatz)

Seite 169 nennt Lebensmittelpreise: 1 Pfd. Ochsenfleisch 6 Pfg.
1 Pfd. Kalbfleisch 6 Pfg. 1 Pfd Hammelfleisch 2 Pfg. 1 Pfd. Butter 3 Pfg.
5 Brote erster Sorte 7 Pfg. 1 Ztr Weizen 9 Pfg. 1 Ztr Hafer 3 Pfg. 1 Ztr Kartoffeln 25 Pfg.
Mensch und Vieh wurden am gleichen Tag gezaehlt.
775 maennliche, 937 weibliche Bewohner in Braunfels,
1575 evangelische, 66 katholische und 71 juedische.
2 Zuchtstuten, 15 Pferde fuer die Landwirtschaft, 24 weitere Pferde,
3 Esel, 1 Bulle, 187 Kuehe, 72 Ochsen (vermutlich Zugtiere),
46 Schweine (ziemlich wenig) 360 Schafe, 147 Ziegen und 30 Bienenstoecke.

Auf Seite 170 ein trauriger Brief (1870) eines Soldaten an seinen Bruder,
den er nie wieder sah- er fiel..

Von der Hochzeitslinde, die leider nicht mehr da ist,
handelt ein Gedicht auf Seite 170 "mein alter Baum"
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/RXNDMEJEIJPOLRD4XFIZW4PWCC2DEJYP

Du musst nun fallen, alter Baum, da hilft kein Zaudern mehr
versperrst den andern nur den Raum wirst selber kahl und leer.
Wie hast du einst so schoen gerauscht im sanften Abendwind
ich aber habe oft gelauscht, ein traeumerisches Kind.
Ich saß im weichen Gras und sann und blickte lang empor
in dein Geaest, der Tag verrann, die Mutter rief am Tor.
Und wenn ich nachts im Bette lag und sah den Sternen zu,
dann rauschest du vorm Schlafgemach und wiegtest mich in Ruh.
Nun mußt du fallen, alter Baum, wird mir das Herz auch schwer,
schon laengst verfloß der Jugend Traum und du wirst kahl und leer.
Doch sollst du noch zu letzter Rast mir bleiben, treuer Freund!
Schon blitzt die Axt - ich glaube fast, ich hab um dich geweint.

(Ludwig Schellenberg 1828-1884 Belzgasse 10)

1877/78 raffte die Diphtherie viele Kinder weg.

Seite 174 erzaehlt, dass 1875 noch neue Brunnen gebaut wurden, an denen die Bewohner ihr Wasser zapften.

Seite 184 hat merkwuerdig formulierte Rechnungen..
Seite 191 erzaehlt vom Carl Castell, Seite 197 von W.C. Muschenheim, einem Auswanderer,
der vom Tellerwaescher in New York zum Millionaer wurde (Astor)
Auf Seite 198-200 ist die Liste der Auswanderer von 1850.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden grosszuegige Parkanlagen in 104 Kleingaerten umgewandelt,
um die schlimmste Not der Fluechtlinge zu mildern.
Seite 208 erzaehlt von der Wintersburg-Anlage als von der Firma
Ha pimag angelegte Ferienanlage 1973, die Firma gibt es wohl noch,
die Ferienanlage nicht mehr, die Haeuser sind privat verkauft worden.

Seite 210 erzaehlt davon, dass ca 1910 die Fachwerkhaeuser verputzt worden sind..
Seite 212 berichtet von der Besoldung der alten Postboten,
die 60 Thaler im Jahr bekamen, aber jeden Tag 1,5 Pfund Brot
und eineinhalb Maß "schlechtes" Bier. (einfaches Bier)

Viel spaeter, im Jahr 1909 hatte Braunfels richtig was zu bieten:
Duschen, Freizeitbad, Sport, Bibliothek, oeffentliches Grammophon..

Seite 238-239: Kallemaenner und das Hintertal:
Sprueche und Ausdruecke.

Das Hintertal
Der aelteste Teil unsres Staedtchens ist wohl das Hintertal.
Da gab es lauschige Eckchen, meist waren sie eng und schmal.
Da gabs auch noch Keuh und Gaase, und manchen Bauernhof und Hinkel, Saeu und Hase,
und selbstgebackenes Brot.
Wir Kinder kannten dies alles bei unserem Versteckenspiel,
da waren in jedem Falle die lauschigen Ecken das Ziel.
Wars Frieße oder Menni's Oale, ein Heuboden oder Stall,
wir sind hineingekrochen, uns war das ganz egal.
Ging der Wind um Adams Nußbaum, flugs standen wir Kinder bereit,
die Nuesse aufzulesen, bald war ja Weihnachtszeit.
In unseren Ferientagen, da holten wir in dem Wald das Futter fuer die "Gaase"
und Holz fuer den Winer, wenns kalt.
Im Sommer sagen wir gerne des abends auf "Kurze Trepp",
die aelteren lauschten von ferne, bis muede sie gingen zu Bett.
Hat der Nachtwaechter elf gepfiffen, war alle Freude aus,
wir durften dann nicht mehr singen und gingen still nach Haus.
Die "Buhne schipse und schneie" half mer abends de Nachbarsleut,
Mer halfe ach Kwetsche kerne und reuherten aach den Hoink.
So warn unsre Jugendtage erfuellt von Arbeit und Freud,
wer moechte nicht gerne noch mal sehen die Staette der Jugendzeit?
Doch, verschwunden ist Adams Nußbaum, verschwunden auch "Kurze Trepp",
und das Haeuschen, wo wir einst wohnten, ganz still und leer ist die Eck.

(Franziska Gontschar geb. Karbach)

Der Tipp den Kaffee zuerst kurz mit kaltem Wasser abzuschrecken,
erst dann aufzubruehen war goldrichtig.
Der Joerg wusste wohl was er tat in seinem Bleicher-Haeuschen am Teich.
(Ich habe das gleich am naechsten Tag ausprobiert..)

Seite 241, die Rees:
"Aich hun jo e bees Maul, awwer wenn aich
dess nit haett waer aich nit mieh häi !"
Seite 272 Die Bevoelkerung konnte fuer ihr Geld nichts mehr kaufen,
die Not und dann die Erregung wurde gross, so kam es zu Pluenderungen
in Wetzlar und in Braunfels.
Am 25. Oktober 1923 sollen hunderte Menschen aus den umliegenden Orten
in die Staedte gezogen sein und Geschaefte, vornehmlich Textilien - geraubt haben.
Die politischen Auseinandersetzungen wurden immer heftiger.
Seite 273 erzaehlt drastisch davon, wie arg die Teuerung die Menschen des Landes betraf.
Die Folgeseiten ab 275 zeigt, wie sehr ich mit meinen geschichtlichen Einschaetzungen richtig lag.
Aber es wird auf Seite 300 lustiger, die Rede ist vom Solmser Hof
und seinem Inhaber-Paar, dem Haehnchen und dem Huehnchen..
Seite 301 zaehlt Auswanderer und Rueckkehrer von 1921-1930 auf.
Seite 303-304 erklaert eindrucksvoll offen, wie es zur Naziherrschaft kam -
nicht von heute auf morgen, sondern durch das Vollversagen der sozialistischen Parteien,
vornehmlich der S PD und den anderen "Gegenspielern",
die nichts auf die Reihe brachten und die Arbeitslosigkeit und den Hunger
immer weiter vergroesserten.
Da kam eine Bewegung auf, die sich um die kleinen Leute kuemmerte und..
Arbeitsplaetze schuf.
Was spaeter kommen sollte, war damals nicht mal zu erahnen.
(Das weiss heute auch keiner, der in gutem Glauben sein Kreuz in der Wahlkabine macht,
egal was angekreuzt wird - es ist immer eine Wundertuete!)

Seite 722 - die Synagoge wurde um 1950 abgerissen,
mit dem Einverstaendnis der jued. Organisation, die eine Geldleistung erhielt.
Seite 323 berichtet von einem desertierten US Soldaten,
der in Wetzlar erschossen wurde.
Seite 327 nennt das "Loehrer'sche Speiseoel", ein techn. Oel,
das fuer kraeftig Durchmarsch sorgte und in der Bevoelkerung "Torpedo-Oel" genannt wurde.
Tja, die arme Zeit !

Die ersten Wahlen 1948 haben die freien Demokraten und die F dp nach vorne gebracht,
die Verursacher des 3. Reiches in der Weimarer Republik abgestraft:
S PD und Centrumspartei oder C du.
Diese Sache wurde wohl 1952 bereits wieder vergessen und die beiden,
SP D und C DU gewannen die Oberhand. Hap imag hat 1973-1978 zweihundert Wohneinheiten
auf der Wintersburg fertig gestellt.
Da die Chronik schon aelter ist, konnte ich die weitere Entwicklung der
Wintersburg noch nicht erfahren.
Vielleicht findet sich spaeter noch etwas dazu.

Seite 397 erzaehlt, dass der Weiher schon 1648 angelegt worden ist.
Seite 407 zeigt die Einwohnerentwicklung anhand einer Zahlenreihe auf.
Seite 417 die Synodalordnung 1585, wo sich Juden verpflichten mussten,
die Sitten und Gebraeuche der Christen anzuerkennen.
Seite 419 hat den Bericht einer Kutschfahrt mit 4 Toten und einen ganz erschuetternden
Beitrag zur Bestattung der Toten daraus.
In Kurzform:
Der Arzt bescheinigt den Tod eines jungen Opfers, dieser wird begraben,
die Totenwache hoert ein Klopfen, der Bestatter will nicht taetig werden
und isst erst einmal zuende, dann wieder ein Klopfen -
am naechsten Tag wolle er die Erlaubnis einholen das Grab oeffnen zu duerfen
- am naechsten Tag aber klopfte nichts mehr..

Seite 422-423 Dichtkunst der Rationalisten, Pietisten wollen junge Frauen anziehen
und aeltere Maenner mit Geld, gefallene Maedchen, treulose "Weiber",
immer feste mit einem heiligen Touch - etc.
Seite 445 hat interessante Grabinschriften zu bieten, Seite 460
die "Formula juramenti Judaorum" s.o. bis Seite 492 - Seite 466,
Juden hatten fortan ihre Buecher in deutscher Sprache abzufassen,
zuvor taten sie es in haebraeischer Schriftsprache.

Seite 477 - die Synagogenrettung durch einen benachbarten Bauern,
der Angst um seinen Hof hatte - in den Altstaedten
ist alles dicht an dicht bebaut, auch heute noch.
Das veranlasste einen Stadtbewohner waehrend einer Sitzung zu bemerken,
dass die vielen parkenden Autos nur noch den Rat erlaubten:
Helm ab zum Gebet, wenn es dort brennt und die Feuerwehr hindurch muss..
Seite 494: Schon im Jahr 1580/82 wurde von einer Volksschule berichtet.
Seite 496 - eine Familienschule fuer beide Geschlechter.
Seite 498 berichtet ueber die extreme Haerte der Lehrer bei geringen Verfehlungen.
Seite 501 zaehlt auf, dass im Kriegsjahr 1940 von der Schule 33kg Huflattich,
14kg Lindenblueten, 6kg Holunder, 86kg Bucheckern, 9 Tonnen Kastanien
und an Altmaterialien 52 Zentner eingesammelt worden sind.
Eingesammelt hat man auch Kartoffelkaefer, die damalige Plage auf den Feldern
durch die Schueler - quasi als Unterricht -
und zum Flachs-Zupfen wurden die Kinder auch gebraucht.

*** Soviel zum Thema Braunfelser Chronik, sollte ich noch etwas mehr erfahren, wird dies nachgetragen..








Stadtchronikel Ffm





Nun habe ich die Stadtchronik "Frankfurt" (Main) vor mir.
Herausgeber Dr. Waldemar Kramer 1964, (Erweiterte Ausgabe von 1987)
gekauft habe ich diese Chronik aus dem Web (A mazon) fuer billiges Geld.
Mir geht es bei solchen Dingen allerdings nicht um einen Geldwert..
..lassen wir uns ueberraschen mit dieser 3. Ortschronik meiner kleinen Serie.

Zuvordert faellt mir zum Thema Frankfurt das Moderatorenpaar Lia Woehr und Heinz Schenk ein,
die beiden sympathischen Originale, ohne welche der "Blaue Bock" des hessischen Rundfunks nicht so erfolgreich geworden waere.
Aehnlich Reno Nonsens, der hessisch babbelnde Oberkellner der Sendung.
Inzwischen ist die Stadt internationalisiert und akademisiert, veraendert, ausgetauscht und beliebig geworden.
Ich schreibe das wohl in Kenntnis, da ich dort meine Grosseltern vaeterlicherseits wohnen hatte
und oft genug dort anwesend war - desgleichen viel meine spaetere berufliche Taetigkeit dorthin,
wo mir der Wandel ziemlich drastisch wurde:
Ich habe ueber Jahrzehnte meines Lebens die Entwicklung der Stadt verfolgen koennen.
(Freilich nur aus meiner "subjektiven Sicht" - wie auch sonst?)
Als die 60iger Jahre so richtig aktiv waren, mit Aufschwung
und den vielen Warenhaeusern der Stadt, die namentlich Nec kermann und Qu elle
und viele aehnliche Alleskoenner des Konsumangebotes, die es heute nicht mehr gibt.
(die beiden Haeuser und Karsta dt und Kau fhof gibt es noch)
Die Frankfurter Zeil war das Sammelbecken aller Wuensche, die der Kinder wie die der Erwachsenen..
der Kunde war noch Koenig, heute wird er abgefertigt, ist zum "Verbraucher" abgestuft worden.
Dafuer ist der Strassenverkehr extrem heftig geworden, selbst gegen den schon immer sehr regen Verkehr damals.
Heute fahren viele Strassenbahnen unterirdisch, ein paar oberirdische Strecken gibt es noch,
die jene rasenden Stadtbusse ergaenzen, vor denen man sich hueten muss.
Der nahe Flughafen und Bahnhof und ICE Terminal bringen noch mehr Leute in die Region als je zuvor.
Umwunden von vielen Autobahnen ist die Stadt Frankfurt eine Metropole,
die den vergleich zu anderen Weltstaedten nicht zu scheuen braucht.
Frankfurt hat zwar nicht so viele Einwohner, ist viel gruener als andere Staedte
mit ihren Parks, aber eine Gemuetlichkeit oder Anziehungskraft
kann sie auf mich nicht ausueben.
Dafuer ist die Wirtschaftskraft deutlich angestiegen, weil sie ein Umschlagplatz erster Guete
fuer Deutschland geworden ist.
Daneben ist die europ. Zentralbank und die Bundesbank dort, neben vielen Hochhaeusern, die dazu gekommen sind.

***

Erwaehnenswert ist der Frankfurter Dichter und Kuenstler Friedrich Stoltze,
welcher folgendes Gedicht ueber Frankfurt schrieb:

"Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
die so merr wie mei Frankfort gefaellt,
un es will merr net in mein Kopp enei:
wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!"

***

Zur Chronik:
Es folgen gegenseitige Beweihraeucherungen von Kirche und Adel bis Seite 14,
wo die Rede von der Ansiedlung von "aufstaendischen Sachsen",
die im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen angesiedelt worden sein sollen.
Vermutlich wurde dieser Stadtteil dadurch gegruendet. (Im Jahr 794 - 814)

Es wird von Salzquellen im Nidda-Gau berichtet.
Der ganze Nied-Gau soll im Jahr 875 grosse Verwuestungen durch Ueberschwemmungen erlitten haben,
wo sich der Main bis weitab wagte.
Dieses gegenseitige Beweihraeuchern der "frommen Maenner" ging gut zwei Jahrhunderte unter,
im Jahr 851 wurde der Raub der Jungfrauen und Witwen verboten, die mit Staatsbediensten korpuliert wurden -
ohne deren Einverstaendnis.
Im Jahr 994 schenkt Otto III. dem Abt die "Fischereigerechtigkeit" im Main,
fuer sein Seelenheil erfolgte eine "Freisprechung von Suenden".
So hatten die Klosterbrueder ihren Freitags-Fisch, die Bevoelkerung schaute in die Roehre.
Seite 28 Der Handelsfernverkehr nimmt starken Aufschwung, die Stadt wird ummauert.
1160-1170 sind viele Kirchen dazu gekommen und ebenso viele Steuern.
Im Jahr 1241 zaehlte man 200 Juden.

1147 traegt Koenig Konrad den heiligen Wundertaeter Bernhard von Clairvaux
"auf seinen starken Armen" aus der Kirche durch die Menge..

Seite 29: "Weil der Herr unserer Armseligkeit es uebertragen hat, das Wort des Kreuzes zu predigen,
verkuendigen wir nach dem Rate unseres Herrn, des Koenigs und der Bischoefe und Fuersten,
die in Frankfurt zusammengekommen sind, dass die Macht der Christen sich waffne..
und dieses Zeichen des Heiles nehme, die Heidenvoelker zu vernichten oder zu bekehren.
Wir versprechen diesen Kreuzfahrern den gleichen Ablass, wie denen, die nach Jerusalem gezogen sind"

Im Jahr 1150 wollte der Rabbi der Stadt Massnahmen gegen die Entweihung der Sabbat-Ruhe durchsetzen.

Jahr 1187: "Francorum vadum" - daraus leitete man Frankfurt ab;
der fraenkische Kaiser soll damals ohne Kenntnis einer Furt den Main ueberquert haben.
Im Jahr 1194 praegte Frankfurt eine einseitige Silbermuenze mit dem Bildnis des Heinrich IV.
Alle anderen Muenzen lies man durch Kuno von Muenzenberg praegen - Nomen est Omen.

Im Jahr 1208 haben sich einige hohe Tiere gegenseitig umgebracht und 1219 laesst Friedrich II
Gewalttaeter hinrichten.
(Vermutlich dass diese durch diese kaiserliche Friedfertigkeit etwas lernen)
Auf Seite 32 sieht man das Siegel des Salvatorstiftes,
wo der heilige Bartholomaeus in der rechten Hand ein Marterwerkzeug (Zange und Messer) haelt,
in der linken Hand ein Buch..

Im Jahr 1225 ist der Reichsverweser verwest..

1228 ergibt sich die Karls-Legende oder der Karls-Irrtum, weil die Personen verwechselt worden sind..
in diesem Jahr bekam das Salvatorstift einfach mal so eben die Ortschaft Kelheim geschenkt.
(Mit Mann und Maus, da hatte niemand mitzureden)

1232 - Koenig Heinrich (VII) verspricht, dass er kuenftig keinen Frankfurter Buerger mehr dazu zwingen will,
dass dieser seine Tochter oder Enkelin einem von dem koeniglichen Hofgesinde
(de curia nostra) zur Ehegattin gebe,
sondern dass er sich bei den Buergern auf eine einfache Fuersprache (Petitio) beschraenken will.
Insbesondere befreit er die Tochter Johann Goldsteins von der erzwungenen Ehe mit einem Hofdiener (Servus noster).

Der edle Graf von Solms soll Traenen vergossen haben aus Furcht vor dem Tode durch seine Ketzerei..

(Wir erinnern uns, Kirchenkritiker waren immer "Ketzer")

Nicht nur im Jahr 1238 wurden 20 Jahre Ablass gewaehrt, wenn jemand grosszuegig fuer einen Kirchenbau
oder Sanierung Geld spendete.. das kam oefter vor.

1239 kam die Hirnschalen-Verehrung des heiligen Bartholomaeus durch den Bischof von Ratzeburg,
immer auf der Suche nach "Reliquien".

1240 kam die Bannschleuder gegen Frankurt durch den Papst Gregor IX,
der die Stadt "unbesungen" haelt.
(Keine Gottesdienste wegen des Kaisers Gerichtshof)
Einige "Kanoniker" blieben dabei und.. haben ihre Kirchenpfruende verloren.

1241 entflammte ein Krieg in der Stadt, Christen gegen Juden - von den 200 Juden starben 180 !
"Weil der Sohn eines Frankfurter Juden den christlichen Glauben annehmen will,
aber von seinen Verwandten darin behindert wird, entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen Christen und Juden,
bei dem hundertachtzig Juden ums Leben kommen und fast die halbe Stadt abbrennt.
etwa 24 sind uebrig geblieben, darunter auch der Rabbi, die sich nun taufen liesen.."

Um 1320 ueberfluegelt Frankfurt an wirtschaftlicher Bedeutung
die anderen wetterauischen Staedte Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen.
Frankfurt wird teilerbe der allmaehnlich bedeutungslos werdenen champagne-Messen,
weil sich der Schwerpunkt des Handels nach Osten bis hinein
nach Polen und Boehmen verlagert.
Das Frankfurter Tuch und aktiver Weinhandel kommt auf.

Im 14.Jhd waren 8-10.000 Einwohner in der Stadt.

1251 Papst Innocenz IV (der Name bedeutet Unschuld) empfiehlt den Frankfurtern
dringend Koenig Wilhelm von Holland zu huldigen, bei Widersaetzlichkeiten verfahre
er sonst gegen die Raete der Stadt bis diese erkennen, dass seinen Ermahnungen Folge zu leisten sei,
Friedrichs Sohn Konrad koenne niemals Koenig bleiben, weil dieser auf den Konzil von Lyon
des Reiches entsetzt worden sei - nicht die Geburt, sondern die Wahl berechtige..
4 Jahre zuvor haben drei rheinische Erzbischoefe den Wilhelm von Holland zum Gegenkoenig gewaehlt,
diesem ist es jedoch nicht gelungen, die Kaiserstadt Frankfurt zu nehmen:
Sachenhausen brennt nieder.
1257 spielen die Erzbischoefe wieder verrueckt.

Im Jahr 1266 hat man seltsame Zahlungen zur Messefreiheit der Anbieter beschlossen,
die dadurch keine Zoelle zu bezahlen hatten. 1268 wurde bestaetigt,
dass aller Verlust auf Kreuzzuegen -egal wohin- ersetzt wuerde..

1272 "Kapitularkanoniker" 1276 teure Empoerung - 1200 Silbermark fuer den Wiederaufbau
der zerstoerten Reichsgewalt.
Im Jahr 1281 verleiht Koenig Rudolf dem Frankfurter Schultheis von Praunheim
jedem dort in Frankfurt lebenden Juden bis auf Widerruf eine Mark.?!
1284 gab es Bestechungen der Baecker durch die Muehlenbesitzer.
Im Jahr 1288 erhielt derjenige 40 Tage Ablass, der dem heilig Geist Hospital Geld spendete.
1292 der Geist Gottes habe dem inbruenstig flehenden Graf Adolf von Nassau als kuenftigen Koenig vorgesehen..
Seite 41: Die Erzbischoefe der Stadt Mainz sind wohl oft Pleite gegangen,
haben viel verpfaendet und verlangten, dass die Juden die Schulden bezahlen.
(Diese Rechnung ging aber nicht auf, weil der Schultheis Praunheim dagegen war)
Die Mainer Pleite-Bischoefe bekamen aber feste Hilfe vom dem von Gott erwaehlten Koenig Adolf von Nassau..
im Jahr 1308 folgte ein Luxemburger fuer 1000 Mark Spende dorthin,
um in Gunsten zu kommen, Koenig Heinrich VII gibt nochmal 3950 Pfund Heller an Judengeldern nach Mainz -
das Jahr 1313 brachte ein grosses Pocken- Sterben.

Seite 45 links: "Am 3. August erneuerte Schultheis Volrad die Schoffen
und Rath der Stadt Frankfurt den Stadtfrieden:
"durch daz ein ieclichir, der arme unde der riche, friede habe zu Frankenfort in des richis stad" -
Das Kloster Ilbenstadt verzichtet auf alle Ansprueche an eine Fleischbank in Frankfurt.
(Fleischbank war der Begriff zur Verwertung minderwertigem Schlachttieres)

Viel liest man nicht von den einfachen Leuten in dieser Zeit,
aber schon die obigen Rahmenbedingungen zeigen, dass dieses leben nicht einfach gewesen sein muss.

Jahr 1324 "Defensor pacis", Wilh. von Ockham stellt die Lehre der weltlichen Macht
durch die Buergerherrschaft auf.

1329 erlaubt Kaiser Ludwig die Ansiedlung von 4 juedischen Familien, die keine Steuern zu zahlen brauchen.

1337 Kaiser Ludwig will keinen "Judenschlaeger" in seinem Herrschaftsgebiet dulden.

Anno 1338 weist Ludwig die Forderung des Papstes zurueck, ueber die Kaiserwahl zu entscheiden,
er droht dem Papst gemaess der christl. Lehre mit der Exkommunikation.
Die darauf folgende Bannbulle wurde verbrannt und die meisten Kirchen- und Ordensleute der Stadt verwiesen.
Einige haben sich dem Kaiser angeschlossen. Dann kam eine grosse Heuschreckenplage..

Die Juden durften 32 1/2 % Jahreszins nehmen, fuer Ausheimische 43 1/2 %

1342 hat man 9 Fuss Hochwasser bei der Weissfrauenkirche gemessen.

1344, im 100jaehrigen Krieg zwischen Frankreich und England hat sich das Deutsche Reich fuer England entschieden.

1346 Belohnung fuer zurueckgeholte Juden, die gefluechtet waren.

1349 - Verpfaendung der Judensteuern und die Ablehnung jener Haftung Karls IV,
wenn Buerger die zahlungspflichtigen Juden erschlugen.

2000 Einwohner starben an der Pest - 55 Priester riefen:
"Nu hebent auf die uweren Haend, dass Gott das grosse Sterben wend"
(Wieder waren die Juden an allem schuld)
Von 1349-1380 gab es keine Juden in Frankfurt, so die Chronik.
1350-1437 waren staendig Kriege zwischen drei Kirchenhaeuptern und drei Koenigen.

1359 Ritterturnier auf dem Roemerberg (Sitz der spaeteren Ratskammer)

1366 Verbot juedischer Gesetze, Gerichte und Meister.

Man missbrauchte die Feuerwehrleitern zum Obstpfluecken..

1368 kam das Schiesspulver.

1380 verpfaendet schon wieder ein Mainzer Erzbischhof- diesmal Zolleinnahmen an Juden, die ihm Geld gaben.
Der Frankfurter Rat verbietet Juden christliche Dienstmaegde und Ammen zu haben.
1387 waren 2781 Buerger verzeichnet, darunter 312 Wollweber.

1397 hatte einen Reichstag mit nie gesehener Pracht, 32 Fuersten und Herzoege,
150 Grafen, 1300 Ritter, 3700 Edelknechte, 550 Pfaffen und Doktoren wie berichtet wird.

Die erste Burg wird mithilfe von Feuerwaffen vernichtet.
1399 - vor der Stoff oder Handelsmesse mussten alle Stoffe zum Ausmessen
mit der Frankfurter Elle zum Gewandhaus.

Koenig Ruprecht erhaelt von der Stadt fuer sich, seine Frau,
seine Kinder und fuer alles Gesinde extra feine und extrem teure Geschenke.

1405 - Ankauf des Gebaeudes "Roemer" als Rathaus, Handelsmesse und Kroenungssaal.

1408 die 20 neuen buergerlichen Ratsposten werden wieder abgeschafft
und die Stadt ist wieder in den Haenden der Patrizier.

1420 - der ehem. Stadthauptmann erpresst und entfuehrt Stadt-
und Messebesucher - anschliessend wird er gefasst und hingerichtet.

1429 Gutenbergs "Donat-Type" ist eine Erfindung seines Stempelschneiders, des Peter Donne,

Koenig Sigismund verpfaendet die Reichsmuenzstaette..
mit dem Geld haushalten hat weder der Klerus noch der Adel gekonnt.

Im Jahr 1434 will die Wolltuchproduktion auf die modernere Leinentuchproduktion umgestellt,
beguenstigt durch die Frankfurter Messe,
die Grosskaufleute werden immer reicher, die kleinen Handwerker immer aermer.

1452 hat man in Heddernheim die Reste roemischer Mauern abgetragen.
Der Klerus hat 2000 gedruckte Ablassbriefe an die Frankfurter verhoekert.
Jeglicher Handel auf geweihtem Boden wird verboten, die Budenbesitzer von den Friedhoefen vertrieben.
Nach dem Beschluss der Mainer kurfuerstl. Synode mussten Juden
gelbe Ringe und Juedinnen einen blaugestreiften Schleier tragen, wie in Rom.
Ablassbriefe zur Finanzierung des Kampfes gegen die Tuerken wurden ausgegeben.
1457 mussten jued. Frauen einen Schleier mit grauen Streifen und Maenner
einen grauen Kreis in Apfelgroesse tragen. (lt. Erzbischhof Diether von Mainz)
1462 wurde ein juedisches Getto gegruendet, die alte Synagoge abgerissen und im Getto neu aufgebaut -
weil sich die Kirchenbesucher und der Klerus ueber den Laerm am Sonntag bei den Messen gestoert fuehlten.
In diesem Jahr war die Mainzer Mordnacht, wo der liebe Herzog Adolf von Nassau,
der vom Papst fuer die Nachfolge des lieben Erzbischofs Diether vorgesehen war -
er muss furchtbar gehaust haben in Frankfurt, wo er einfiel dieser Adolf.
(Der in Weilburg heute noch so hoch verehrt wird)
Das Steinerne Haus wurde 1464 durch einen reichen Handelsherrn errichten lassen.
1466 war ein Patriziergelage in Frankfurt, das ich Euch nicht vorenthalten will, liebe Leser dieser Zeilen..
"Den Sonntag und Montag Abend essen Maenner und Frauen auf der Trinkstube zu Limburg
und halten nach der Mahlzeit einen oeffentlichen Tanz.
Den Dienstag essen sie dort zu Mittag und ziehen dann in froehlichen Reihen hinueber nach dem Deutschen Haus.
Hier werden drei Taenze gehalten, nach dem ersten trinkt man firnen Wein,
nach dem zweiten neuen Wein, nach dem dritten werden Semmeln ausgeteilt.
Dann zieht die Gesellschaft zum St. Johannishaus.
Hier werden sie mit Kohl, Heringen und Braten bewirtet, an firnem und neuen Wein ist Ueberfluss.
Von hier wankt der Zug nach dem Antoniterhof.
Dort wieder drei Taenze.
Nach dem ersten weissen Wein und Konfekt nach dem anderen roten und Lebkuchen,
zuletzt Semmel und kleine Messer als Geschenk.
Am Mittwoch: die Gesellschaft speist auf Limpurg zu Mittag.
Nach Tische spielen die Frauen mit den Gesellen oder sie sehen einem Ritterstechen zu.
Sobald das Abendessen vorueber ist, blasen Stosspfeifer zum Tanz.."

1367 wird das Armbrust- durch das Buechsenschiessen abgeloest,
wieder fliehen viele vor der Pest -diesmal nach Gelnhausen.
1470 stehen 300 Haeuser wuest und leer- die Besitzer wurden vom Rat ermahnt,
Ordnung zu schaffen. (Spekulanten?)
1474 wurde verordnet, dass die Schieferdaecher zu kommen haben, die Holzschindeln abloesen,
die zuvor die Strohdaecher abgeloest hatten.
1478 milderte der gute Papst mit einer "Butterbulle" die sonst so strenge Speisenordnung anlaesslich der Feste und Messen..
(zugegeben hat er nix, diese "Bulle" ist auch nicht mit Butter gefuellt gewesen, es ist nur ein Stueck Papier)
Inzwischen nahm der Rat der Stadt Schutzgelder von Dirnen und schieb diesen genau vor, wo sie stehen durften.
1480 wurde durch den Rat verboten, dass sich Juden Frankfurter Buerger nennen durften. (!)
1482 tat die gesamte Geistlichkeit eine Pest-Prozession durch die Stadt.
Der "Herbarius und Hortus Sanitatis", ein Kraeuterlehrbuch wurde von Dr. Johann Wunnecke von Cube heraus gegeben,
zum Nutzen aller.
Der Reichslandfriede nannte im Jahr 1468 erstmalig den Begriff "Roemisches Reich Deutscher Nation".
1487 ein betruegerischer Ratsherr und Baecker richtete sich selbst, was einen unbescholtenen Buerger zu der Bemerkung veranlasste:
"Es gibt noch genug Diebe im Rat" - man hat ihn deshalb einen Kopf kuerzer gemacht..
1494 wollte der Herr von Eppstein, ein bekannter und wichtiger Adliger einen Scharfrichter aus Frankfurt ausleihen,
weil er einen Bauern hinrichten lassen beabsichtigte- dieser hatte aus dem herrschaftlichen Bach Krebse gefangen..
In der Stadt mussten sich inzwischen die Bader vorsehen, wegen der Syphilis -
was einen Dominikaner zu folgendem Spottvers trieb:
"Neues Gewand - neue Schand, neuer Fuend, neue Suend, neuer Schwur und Spott - neue Strafplage von Gott"

Im Roemer wollte man das grosse Fressgelage nicht zulassen, bei den Barfuessern wohl:
Die Hochzeit des Grafen von Hessen mit der Pfalzgraefin fand statt mit:
80 Tonnen Einbecker Bier, 400 Ochsen, 1500 Kapaunen, 6000 Gaense,
30.000 Eier, 1500 Karpfen und 10.000 Flusskrebsen..
Es gab aber auch noch die Rattenbekaempfung, wo am Rattenhaeuschen fuer jedes dieser Tiere
ein Rattenpfennig ueberreicht wurde - das Schwaenzchen wurde als "Quittung" abgeschnitten.
In diesem Jahr wurde viel "verfaelschter Wein" vernichtet- heute kann man kaum noch unverfaelschten Wein kaufen.
So aendern sich die Zeiten !
1508 wurde auf dem Klapperfeld ein Pestilenzhaus errichtet, aber auch das war viel zu klein..
1510 hat der getaufte Jude Pfefferkorn ueber des Koenigs Schwester erwirkt,
dass ein "Fachmann", ein "Humanist" die Judengasse nach ketzerischen Schriften absuchte -
er "konfiszierte" viele Buecher, die er aber nach der Sichtung zurueck gab.
Das erzuernte den heimlichen Auftraggeber, der die Vernichtung aller dieser Buecher wollte.
Der Humanist wurde dannach zum Ketzer erklaert.

Seite 93 Buergerbeschwerden ueber die Last des geistlichen Zinses
und dass die Geistlichen ihre Steuerbefreitheit ausnutzen um selbst Vorteile
bei Handel und Handwerk zu haben, das jene ausfuehren..

1519 - Franz von Frankreich nennt Frankfurt die beruehmteste Stadt Deutschlands, sondern beinahe des gesamten Erdkreises..

Seite 100: Der Dekan des Leonhardsstiftes Johannes ab indagine schreibt in einem Brief an Otto Brunfels:
"Nicht ganz ohne Grund wuetet gegen uns das Volk. Unsere Schuld ist es, wenn wir so leben,
dass unsere Schandtaten die der Schlemmer und Wuestlinge hinter sich lassen"

1523: Die Meisterin und das Konvent zu St Katharinen beklagen sich ueber die Unwissenheit der Stiftsvikare.
Hamman von Holzhausen holt daher, wohl kaum im Einvernehmen mit den dortigen geistlichen "Behoerden",
den Prediger an der Ignatiuskirche in Mainz, Dietrich Sartorius, nach Frankfurt,
dessen Predigten einen grossen Zulauf des Volkes haben.
Sartorius wendet sich gegen das Messopfer und leugnet das Fegefeuer und die Fuerbitte der Heiligen.
Seine Amtsgenossen verdraengen ihn aus der Kirche und schliesslich von der Notkanzel,
die ihm das Volk unter einem Schuppen erbaut hatte.

Die Gaertner aus der Neustadt und Sachsenhausen versammeln sich auf dem Peterskirchhof
und dringen in den Fronhof und das Predigerkloster ein und pluendern die Weinkeller unter dem Rufe:
Die Moenche haben lange genug mit uns gegessen, wir muessen auch mal mit ihnen essen!"

Seite 104, die alte Sitte, dass beim jaehrlichen Hirschessen die Dirnen der Stadt
den Raeten Blumen brachten und dafuer essen durften (nur essen?) wurde 1529 abgeschafft.

1541 kommt heraus, warum so viele Haeuser in der Stadt "wuest fielen":
Erbzinsen und Wiederverkaufsguelden lasteten darauf.

1543 wurde die erste Wasserleitung auf den Roemer gelegt, zur Speisung eines Springbrunnens.

Nur 368 Getaufte aber 2617 Gestorbene im Jahr 1547

Seite 118 - der Schmalkaldische Krieg brachte arge Lasten und "Fettmilch" und den 30j. Krieg:
Der Zuckerbaecker und Lebkuechler und Fuehrer des Aufstandes von 1612

1554 kommen 24 Glaubensfluechtlinge aus Holland, einige aus England und aus Frankreich nach Frankfurt.
Diese haengen die uralten Bilder in der Kirche mit Papier ab..
.. so wurde deren Gottesdienst verboten und so zogen 2000 Leute ab -
was einen Einbruch in der Seidenproduktion bedeutete.
Spaeter hat man an der Bockenheimer Warte eine kl. Holzkirche der Calvinisten genehmigt,
die aber nach weniger als 7 Jahren abbrannte.

1564 werden die Tuempel und Stadtgraeben als Seuchenherde erkannt.
Seite 130: Eine grosse Zahl von Aussaetzigen, denen das Betteln von Haus zu Haus
ebenso wie den Verstuemmelten aus dem Tuerkenkriege erlaubt war, werden ausgepeitscht,
weil sie sich bezecht und gestritten haben.

Frankfurt Main 1571: Einem Baecker, der gemahlene Steine in sein Brot gebacken hatte,
um mit geringeren Kosten das vorgeschriebene Gewicht zu erzielen,
laesst man ein Malter seines gefaelschten Mehles zu Brot backen und in seinem Gefaengnis als Speise vorsetzen,
worauf er nicht mehr lange gelebt hat, so wird berichtet.
Wie waere es, wenn unseren heutigen grossindustriellen Lebensmittel-Fakern
das gleiche Schicksal zuteil wuerde?!

Waehrend der Messezeiten war es ueblich, dass "Scharen von Bettlern" eingesperrt worden sind.
9 marodierende ehem. Soldaten wurden gleich zusammen hingerichtet.

1576 - die Herd- Ungeld- und Mahlsteuer belasten die unteren Schichten heftig.

Bankrotte oder schlechte Haendler und unsichere Schuldner mussten gelbe Huete tragen
und durften nicht mit den Ehrbaren der Zuenfte essen.
(Wieviel gelbe Huete waeren wohl heute in dem Stadtbild zu sehen?)
1583 wurden in den Kirchen Almosensaeckchen herum gereicht,
weil die oeffentliche Versorgung nicht mehr nach kam -
kein Testament und kein Erbe ohne entsprechende Armengelder als Spende!
1599 wurde das Wachtgeld oder Wachtsteuer eingefuehrt, weil die Welchen abgewandert waren
und die Stadt ohne die Einnahmen der Seidenproduktion auskommen musste.
Im Jahr 1607 hat ein eingewanderter Hollaender in Frankfurt eine fruehe Form des Patentes erhalten,
das keiner kopieren durfte:
Er lies seinen Hund in einer Trommel laufen und konnte auf diese Weise mit seiner Maschine
viele hundert Ellen Schnuere in kuerzester Zeit herstellen..

Im Jahr 1608 muessen Adlige schwoeren, der Stadt keinen Schaden zuzufuegen -
inzwischen langen die Ratsherren gruendlich und dreist in die Kassen.
Calvinisten werden der Irrlehre bezichtigt, weil sie gegen den "Mammon" sind.
1610 muessen Fasenachter Kaution fuer event. Schaeden durch Vandalismus hinterlegen.
1612 nimmt der Kaiser die Juden in Schutz und wirft den Schuldnern "liederlichen Lebenswandel" vor.
Die Katholischen haben die Kirchen, die Lutheraner die Macht und die Calvinisten oder Juden das Geld..
(Spruch)
1613 Fettmilch findet bei der Durchsicht der Privilegien die Verpfaendungsurkunde der Juden
vom Jahre 1349 und liest sie der Buergerschaft vor.
Darin steht, dass der Kaiser die Stadt nicht dafuer haftbar machen wuerde,
wenn alle Juden "von Todes wegen abgingen oder verduerben oder erschlagen wuerden" -
das wurde von den Hoerern so gedeutet, dass nun den Juden zugesetzt werden duerfe..
dann hat die Bevoelkerung die Judengasse gepluendert, die dann nach der Gefangennahme der Aufstaendigen
mit der Hinrichtung Fettmilchs auf Kosten der Stadt wieder errichtet worden ist.
"Allhida haben sie ihr Urteil angehoert, wie sie sterben sollen.
Erstlich Vinzenz (Fettmilch), dass er soll geschleift werden.
Danach sollen ihm zwei Finger an der rechten Hand abgehauen werden.
Danach der Koerper in vier Stuecke geteilt und an allen 4 Strassen aufgehaengt werden.
Da half kein Kniefall, kein Flehen, dass doch sein Koerper im Ganzen bestattet werden moege.
Er ging sodann wie ein Schaf zur Schlachtbank.
Auf der Tribuene fiel einer vom alten Rat tot um.
Es gab eine grosse Verwunderung, dass auch Gott sein Gericht hat an diesem Ort zu dieser Zeit hat tagen lassen !
(Fettmilch war nicht der einzige Hingerichtete an diesem Tag,
auch Schopp, Gerngross und Ebel werden zum abschreckenden Beispiel -
wo deren Koepfe dann am Frankfurter Brueckenturm auf eiseren Spitzen gesteckt worden sind.
Der junge Goethe soll diesen Anblick als "Opfer, die einer kuenftigen besseren Verfassung gebracht worden sind"
kommentiert haben. Ein Feingeist ist er ganz sicher nicht gewesen,
eher ein Opportunist, der sich hat aushalten lassen..
Zuvor hatte Fettmilch ein Gemetzel verhindert und den Juden die Moeglichkeit zur Flucht gegeben.
Dieser Fettmilch ist von den Welschen oder Calvinisten geldlich gut ausgestattet worden.
Er hat auch durch seinen Ruf "nicht schlagt tot" gegen den Poepel einen kaiserlichen Herold gerettet.
In dieser Zeit versuchte der Rat den Buergern Vorschriften gegen die "Verschwendungssucht" zu machen
und war selbst von der schlimmsten Sorte.
Immer und immer wieder belagerten Heerscharen die Stadt und forderten und bekamen riesige Geldsummen.

Unter der Vorherrschaft Frankreichs 1649-1758) kamen viele "Refugies" aus Frankreich
und Italien nach Frankfurt, die ein Auffuellen der Bevoelkerung vermochten.
1657 - zur Vorbereitung der Wahl halten die auswaertigen Gesandten glanzvollen Einzug in Frankfurt.
Der Gesandte des Koenigs von Ungarn fuehrt 15 sechsspaennige Kutschen mit sich,
der Gesandte des franz. Koenigs kommt mit 6 zwoelfspaennigen Kutschen -
viel Pracht, Samt und Seide, Gold und Schmuck auf allen Seiten bis zum Abwinken.
Die Stadt protzt mit Prunk.

1677 hat der Foerderer der Quaeker - Sekte William Penn -
Fraeulein Johanna Eleonore von Merlau aufgesucht und deren Kreis zur Auswanderung nach Amerika zu veranlassen.
Dort koenne man seinen Glauben in Ruhe leben.
Die Frankfurter Saalhof-Pietisten entschliessen sich 15.000 Acre Land in Pennsylvanien,
noerdlich von Maryland- aufzukaufen;
Frankfurter Kompanie, Germantown.
Der Name Johann Daniel Pastorius, der nicht auswanderte, soll dabei genannt worden sein.
(Der Name Pistorius kommt in D haeufiger vor, vielleicht liegt eine Falschschreibung vor?)

1679 Ein Armen-Waisen-Arbeitshaus wird gegruendet, erst 1810 wurden die Straeflinge von den Waisen getrennt..

1681 wurde ein Paar getraut, das aus dem Judentum konvertiert war, der Mann reformiert,
die Braut katholisch, der Pfarrer evangelisch.
1682 war wieder ein heftiges Hochwasser mit boesen Schaeden.
1683 der Kurfuerst von Koeln, Heinrich von Bayern laesst alle Bilder mit Nackten abhaengen.
Der Kurfuerst von Sachsen macht das wieder rueckgaengig:
"Sanis omnia sana" (den Reinen ist alles rein)
1683 verwuesten schon wieder die franz. Truppen alles was ihnen in die Haende faellt.
1689 gab es 5 Tote, als das kaiserl. Laboratiorium in die Luft flog- so woertlich.
Kaffeehaeuser grossen Stils kommen in Mode, die Juden bauen selbstverstaendlich eigene Kaffeehaeuser,
mit Billiard-Raum - das nennen die Integration?
1700 wurde der Gregorianische Kalender in Ffm eingefuehrt.
Dr Eisenbart zeigt sein Koennen.
1706 - Fremdlaendische Beissassen zahlen kaum Steuern, haetten aber alle Speditions-
und Kommissionsauftraege an sich gerissen..
1707 wurde wieder eine Million Franken Schutzgeld an die Franzosen bezahlt.
1709 sollen 3019 Juden gezaehlt worden sein.
18 Haeuser brannten auf einmal ab - alle halfen den Schutt zu beseitigen, wie es in der Chronik heisst.
1711 brannten in der Judengasse 500 Haeuser nieder.
1717 War der Sieg Prinz Eugens ueber die Tuerken, bei welchem er die Stadt Belgrad einnahm.
1719 brannten 400 Haeuser in der Bockgasse, ein Christenbrand nach dem Judenbrand.
1721 brennen wieder 110 Haeuser in der Judengasse.
1726: Der Frankfurter Arzt Dr. Grambs ersucht den Rat,
eine Anatomie auf dem Peterskirchhof errichten zu duerfen.
Auf Seite 196 liest man, wozu diese breiteren Wasserauslaesse in den Brueckenboegen waren
- dort wurden die Faekalieneimer noch bis ins 19.Jhd. entleert - in den Main.
1734 wurden Masken auf den Strassen und Festen verboten.
1735 konnten Schaulustige den Waisenkindern auf der Pfingstweide
beim "Spieltag der Waisenkinder" beim Reisbrei-Essen zusehen.
1743 Die erste Freimaurer-Loge in Frankfurt.

1747 Goethes Grossonkel Johann Michael von Loen veroeffentlicht
seinen "Freyen Gedanken zur Verbesserung der menschlichen Gesellschaft"
in welchem rechteckig und rechtwinklig angelegte Staedte mit ebensolchen Strassen,
mit Flachdach-Haeuser vorgestellt wurden, auf denen Gaerten angelegt waren.
So weit sind wir heute noch nicht !

1749 Ffm stellt 1. Geburtshelfer ein, angeblich weil Goethe so eine schwere Geburt gehabt habe..
Eingebildet waren diese Leute !
1750 wurde ein Freidenker oeffentlich verbrannt, weil der den Teufel leugnete
und an der Unfehlbarkeit der Bibel zweifelte.
1754 hat der Sachsenhaeuser Gaertner erstmalig Apfelmost in Faessern gemacht
und diesen gut verkaufen koennen.
Aus dieser Zeit stammt der gruene Kranz an den Wirtshaeusern dieses Stadtteils, wo jeder Gast sehen konnte:
Hier ist der neue Apfelwein fertig geworden und kann getrunken werden..
1758 wurde durchgesetzt, dass die Primaner des Gymnasiums Degen tragen durften -
gegen die Bedenken des Direktors.
Unter den Habsburgern ist Frankfurt 5x von den Franzosen besetzt worden.
Rechnet man alle franz. Ueberfaelle zusammen, waren diese schlimmer als der 1. und 2. Weltkrieg (zusammen).
Immer erlitt die Bevoelkerung schlimmste Untaten.
1760 wurden zur Seidenraupenproduktion eine Menge Maulbeerbaeume angepflanzt.
1761 wurde durch einen franz. Koenigsleutnant befohlen, die Strassen besser auszupflastern
und 1604 Oel-Strassenlaternen zu setzen.
24 Personen wurden eingestellt, diese Lampen an und aus zu machen.








2. Seite des Stadtchronikels Frankfurt Main






Ich beziehe mich weiter auf das vorliegende Buch "Frankfurt, Chronik"
und fuehre die geschichtliche Auslegung auf meine Weise fort, die sich selbstverstaendlich nicht im Rahmen bewegt,
welchen die Obrigkeit vorgab.

1765 wurde die "Trivialschule" gegruendet - mit Mitgliedsbeitraegen.
Fuer 22 Jahre kam der Senator Johann Erasmus von Senckenberg in den Turm, wegen Urkundenfaelschung, wie es hies.
"Eine politisch religioese Feierlichkeit hat einen unendlichen Reiz.
Wir sehen die irdische Majestaet vor Augen, umgeben von allen Symbolen ihrer Macht;
aber indem sie sich vor der himmlichen beugt, bringt sie uns die Gemeinschaft beider vor die Sinne!"
Johann Wolfgang von Goethe, aber trotzdem ein richtig dummer Spruch -oder?

Seite 220 zeigt den Fischmarkt, auf welchem Freitags und Samstags Fische aus dem Main verkauft wurden.
1772 wurde eine Kindsmoerderin mit dem Schwert hingerichtet - man vermutet, dass es das "Gretchen" aus Goethes "Faust" war.
1772 versucht der Rat erfolglos eine Feuerversicherung einzufuehren.
1783 hat man vom alten hadrianischen Kastell praktisch schon nichts mehr sehen koennen..
1778 kam der erste Blitzableiter auf ein Kirchendach in Bornheim.
Im gleichen Jahr hat die Kaiserin Maria Theresia von Oesterreich in einer Schuldurkunde erklaert:
"Wir haben in die Gebrueder Bethmann zu Frankfurt am Meyn diesfalls Unser Allergnaedigstes Zutrauen gesetzt und sie begewaltigt,
eine Summe von Fuenfmalhundert Tausend Gulden alida fuer unsere Rechnung aufzunehmen"
Aha, eine Pleite - Fuerstin.
1779 die Zuenfte der Schmiede, Schlosser, Schreiner und Schuhmacher begehrt wild auf,
weil ihre Arbeitszeit eine Stunde nach hinten verlegt werden soll.
(von 5 Uhr eben um 6Uhr, von 19Uhr bis 20Uhr)
Seite 231 erzaehlt die erste Luftfahrt in Deutschland, mit dem Ballon von Frankfurt nach Weilburg
- mit Fallschirm - Absprung eines Hundes.
1786 wird die Paulskirche auf 1076 Eichenpfaehlen im Morast gebaut.
1787 bekamen Handelsherren der Messe Strafen angedroht, wenn sie ihre grossen Schutzhunde einfach laufen liesen.
Eine Journal-Lesegesellschaft mit 89 Zeitungen wurde gegruendet, Mitgliedsbeitrag 11 Gulden im Jahr.
Weil eine angesehene Persoenlichkeit ueberfahren wurde, war die Schnell-Fahrerer auf der Zeil bald verboten.
1790 wirft der Senckenberg aus seinem Knast eine Menge Protest-Zettel auf die Hauptwache - am Kroenungstage..

Die "Selektenschule" bahnt sich an.
1792 zahlte die Stadt an den General der Franzosen Custine 2 Millionen Gulden als Strafe, weil die Stadt Emigranten aus Frankreich aufnahm..
dieser General stellte sich aber auf die Seite der Buerger gegen die Patrizier.
Inzwischen will sich Goethe durch einen Ratsposten schmeicheln lassen.
1796 brennen 140 Haeuser in der Judengasse.
Wieder werden 6 Millionen Livres in bar und 2 Millionen in Sachleistungen faellig, die nebenbei das 5mtr hohe Altarbild und die Glocken geklaut haben.
Frau Goethe sagte dazu:
"Mag das rechte und das linke Rheinufer zugehoeren, wem es will, das stoert mich weder im Schlaf noch im Essen!"
(Als wenn dieses "Ufer" gefragt worden waere - die Besatzer waren immer eine Leideform des Darseins -
fuer Hochwohlgeborene Leute wohl nicht)
Im Jahr 1780 wieder 800.000 Livres an Zahlungen (Erpressungen) an die Franzosen.
"Ihr seid reich, ihr koennt zahlen"
dann mussten wieder 14 Millionen an die Franzosen abgedrueckt werden.
Mir kommt da die Frage auf, ob dieses Volk jemals etwas selbst verdient hat?!
Auf jeden Fall ist der Pomp vieler Hoefe, allen voran der franzoesische mit deutschen Geldern bezahlt worden.
Das will die Geschichtsschreibung nach den beiden verlorenen Weltkriegen so ganz und gar nicht hoeren..
1803 Bethmann ist russischer Staatsrath und die Saekularisation der Kirchengueter bringt die Beute in staatl. oder besser fuerstliche Haende.
1804 droht Napoleon schon wieder und prompt muss Frankfurt 4 Millionen Gulden an die Franzosen zahlen.
Mir kommt der Gedanke, dass die Fuersten echte Flaschen gewesen sein mussten,
sonst waeren die Franzosen nie in der Lage gewesen zu drohen und staendig neue Gelder zu erpressen..
diesmal war der Grund fuer diesen Schachzug oder dreiste Forderung der Handel mit England, der dem Napoleon nicht passte.
1801 wurde die erste Kuhpocken-Impfung getan.
Es kam die Zeit des Grossherzogs, der das suedl. Hessen und Frankfurt umschloss.
Die Einwohnerzahl ist auf 35.000 angestiegen.
Die Bayern oder besser deren Herrsucht hatte Plaene das suedl. Hessen und die Stadt Frankfurt "zu annektieren", sprich sich einzuverleiben.
Denn auch dieser lebte auf viel zu grossem Fuss und das kostet Geld, Geld was man sich "besorgen" muss.
1807 drei Tage und drei Naechste mussten die Frankfurter Spalier an der Strasse stehen,
dann raste die Kutsche des Grossherzogs durch das Spalier hindurch,
niemand der Insassen nahm Notiz oder sah auch nur nach links oder rechts.
In dieser Zeit wurde endlich das franz. Salzmonopol abgeschafft, das ganz Deutschland ueberzog.
Das Arschkriechertum hat nun Hochkonjunktur, die Patrizier wandelten ihren "Reichsbuergersinn" geschwind in einen "Hof-Ton" um.
1808 durften die Juden erstmals ein Handwerk ausueben, fuer nur 400.000 Gulden
Zahlung bekamen sie die Buergerrechte zugestanden.
Auf Bitte des franz. Gesandten Graf deHedonville wurde der Eschenheimer Turm nicht abgerissen - er steht bis heute.
Der Bankier Rothschild finanziert fuer Napoleon ein Heer gegen England.
Eine Schwimmschule und Strandbad am Main kam zur Gruendung.
Nach Beschwerden von "Lustgartenbesitzern" und "Promenadenbesuchern"
wurden uebelriechende Industrien vor die Tore der Stadt verbannt.
Napoleon befahl Waren fuer 100.000 Gulden oeffentlich zu verbrennen, die aus dem Handel mit England stammten.
Er hatte seine Spione ueberall !
Seite 265 zeigt ein schraeges Bildnis eines "Hofmalers" als Geschenk an seinen Goenner den Erzherzog.
1811 erbettelt sich dieser hohe Herr Fuerst 80.000 Gulden Kredit von den Juden,
um sich zur Taufe des Koenigs nach Rom begegen zu koennen.
(Auch heute reisen viele Leute auf Kredit in den Urlaub)
Frankfurt verhoekert seine Waelder fuer 3,5 Millionen und kauft von den Franzosen Eichenstaemme
aus dem Spessart fuer laeppische 2 Millionen Gulden.
Zustaende wie im alten Rom !

Im Jahre 1812 hinterlaesst der Bankier Rothschild 12 Millionen private Taler.
Ein Jahr spaeter macht sich ein Oesterreicher (Habsburg) zum Kaiser, was sich 1933 wiederholen wird.
Auf dem Konkress 1813 wird auf jeden Fall zuerst einmal der Deutsche Bund gegruendet;
der Bundestag in Frankfurt unter dem Vorsitz des oesterr. Gesandten.
Die Stadt hat 4000 Flecktyphus-Kranke und bekommt dazu 1486 oesterr. Soldaten
-verwundet- zugewiesen, die zu umsorgen sind.
1816 tut sich Turnvater Jahn hervor.
Die Gleichberechtigung in Deutschland wird eingefuehrt.
Der Kaufmann Johann Friedrich Staedel hinterlaesst einen grossen Kunstbesitz und 1.113.358 Gulden an Geld,
das seiner Kunststiftung zufliessen sollte -die Staedel-Stiftung- prompt ziehen die Erben vor Gericht,
was die Gruendung der Stiftungsgalerie lange aufhaelt.
Die Polytechnische Gesellschaft und das Senckenberg - Museum werden gegruendet, unterstuetzt von den Bethmanns.
Das Bankhaus Rothschild leiht Preussen 5 Millionen Gulden - Pleite, aber Krieg fuehren!
Als Dank fuer den Kredit erhoeht Preussen die Zoelle, was zu ziemlichen Handelsproblemen fuehrte.
Anno 1818:
Bis auf ein paar kleinere Gebuehren, die Abgabe von Leib- und Rauchhuehnern wird den Frankfurtern die Leibeigenschaft erlassen!
Auf dem Main gibt es noch immer 24 Zollstationen.

In Frankfurt war es ueblich, dass Fastnacht zwei Kinder,
mit beiden Haenden einen Korb an den Henkeln fassend, vor sich schwenkten.
Mit Butter bestrichenen Wecken verdarben sich Jung und Alt die Maegen,
so wird die Chronik kund, gerade aermere Kinder haetten ihren Teil daran gehabt.
Die Koerbe vor den Haustueren bewegend, sagen sie:
hawele, hawele, lane / die fassenacht geht ane / oben auf dem hinkelshaus /
haengt ein korb mit eiern raus / droben auf dem firste / haengen die bratwuerste /
gebt uns die langen, lasst die kurzen hangen / ri ra rum, der winter ist herum!
Veiole und die Blumen / bringen uns den Sommer / Glueck schlag ins Haus / komm nimmermehr heraus!
Brentano hat das 1808 aufgenommen und im des Knaben Wunderhorn veroeffentlicht.

1824 die Juden duerfen sich nun "Israelische Buerger" nennen.
(Zuerst haben sie um die Frankfurter Buergerrechte gekaempft und nun wollten sie doch lieber fremd sein.
Das ist wieder so ein typischer Beweis dafuer, dass Fremde fremd und unter sich bleiben wollen,
sowie eine gewisse Gruppengroesse zusammen kommt -
Integration funktioniert nur in individuellen Einzelfaellen -
an den Haeusern der Judengasse waren haebraeische Schriften angebracht,
der Handel der Juden untereinander ging alles in dieser Fremdsprache)
1825 wird die Isomeric entdeckt, die Lehre von den Unterschieden trotz gleicher Zusammensetzung einer Menge, von Liebig und Woehler.
1826 wird das erste von vier Mithras-Heiligtuemern bei Heddernheim auf dem Heidenfeld gefunden.
Noch 1869 verkaufen die Metzger auf der Frankfurter Schirn in offenen Staenden ihre Fleischwaren.
Auf Seite 288 taucht unter einem Bild einer Faschingsveranstaltung erstmals der Name B ertelsmann auf..
1828 musste man Jagdscheine einfuehren, sonst haette kein Stueck Wild bei der wilden Ballerei ueberlebt.
Die Juli Revolution 1830 in Frankreich, Flugblaetter, Boerseneinbruch:
Schaffe ab Maut und Stempel, Zoll, Beamten, Maitressen und Juden, damit wir haben unser taeglich Brot!
7000 polnische Fluechtlinge kamen 1832 nach Frankfurt, inmitten der Revolutionszeit,
hier baut der Fuerst von Thurn und Taxis seine Generalpostdirektion auf,
richtet Post-Eilwagen ein, fuer die Schnell-Fahrt von 15 Kilometern die Stunde.
1835 mussten Dampfkesselanlagen vom physikalischen Verein geprueft werden, bevor diese zugelassen werden konnten - ein erster "Tuev"?
Die Anfaenge des mechanisierten Verkehrsknotenpunktes Deutschlands entstanden mit der Eisenbahn.

1844 erfand der frankfurter Arzt Dr Hoffmann den Struwwelpeter als Weihnachtsgeschenk fuer seinen Sohn.
Auf Seite 307 ist ein Bild der Deutschen Nationalversammlung, wo mir der unangenehm hohe Adelsanteil der
Versammelten auffaellt, wieder war ein Bethmann dabei, diesmal als preussischer Generalkonsul.
Seltsam, wie die doch gleich an die Posten gekommen sind..
Seite 306 ist ein Brief aus den USA (deutsche Kolonie) an das "Freie Deutsche Volk" gerichtet.
Im Jahr 1847 Zeitungsanfrage eines unbemittelten hiesigen Buergers und Metzgers:
(mal davon abgesehen, dass ein Metzger noch nie "unbemittelt" war)
"Warum beliebt es dem Kastenamt allhier alle hiesigen Buerger, Gaertner, Metzger, Auslaeufer,
Geruempler, Gesellen usw. ohne den Titel "Herr" in den Intelligenzblaettern aufzufuehren?
Sind dieses wohl keine Herren oder betrachtet man solche als Nullen in der Schoepfung?"
Recht hat er, aber es hat damals wie heute nichts genutzt - der feine Nichtsnutz ist wichtiger.
1848 Die Scharz Rot Gold - Fahne und der Reichadler werden als Symbol der Deutschen Einheit genommen.

***

Seite 312, Heinrich von Gagern eroeffnet die Frankfurter Nationalversammlung:
"Der grosse Tag des Zusammentritts der konstituierenden Nationalversammlung des deutschen Volkes ist gekommen,
ein Zeitabschnitt in der deutschen Geschichte, ein ernster, ein feierlicher.
Wo frueher die Willkuer seiner Fuersten, das Schwert seiner Kaiser gebot,
versammelt heute die Majestaet des Volkes zum ersten Male seine Vertreter,
um dem Vaterlande in seinem Namen eine Verfassung zu geben,
eine einzige Verfassung fuer das ganze Deutschland.
Was in Jahrhunderten den Fuersten nicht gelungen war, ein starkes einiges Reich zu schaffen, das Volk will es versuchen.
Das Volk will den Deutschen Bund, das Werk der Freiheitskriege und des Wiener Konkresses aus seinem Scheinleben zum kraeftigen Leben erwecken.
Die Frankfurter Nationalversammlung beraet mit besonderer Gruendlichkeit den Artikel 2 der Grundrechte des deutschen Volkes:
"Vor dem Gesetz gibt es keinen Unterschied der Staende.
Der Adel ist aufgehoben.
Alle Standesvorrechte sind abgeschafft.
Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich:
Die Wehrpflicht ist fuer alle gleich; Stellvertretung findet bei derselben nicht statt"

"Die Majestaet des Volks" ist bis heute -2018- noch immer nicht durchgesetzt !

***

Dann kamen Aufstaende, Barrikadenkaempfe und linke Ideen.
Seite 313 "bewaffneter Poepelhaufen" so der Sprachduktus des Dr. Schopenhauer, der sich damit enttarnt hat..
Lohnkutscher reissen die Schienen der Taunusbahn auf, weil sie sich um ihre Arbeit gebracht fuehlen.
Die Sicherheitszuendhoelzer werden erfunden.
Knapp wird beschlossen zwischen Grossdeutschen und Kleindeutschen (Parteien),
dass an der Spitze des Reiches ein erblicher Kaiser stehen soll.
Der Preussenkoenig lehnt jedoch ab, deutscher Kaiser zu werden,
die vorgepraegten Muenzen muessen wieder eingestampft werden.
Der Deutsche Bund wurde 1850 neu hergestellt.
1853 kommt das "organische" Gesetz fuer die Landbevoelkerung und fuer die Israeliten, die nun auch in die Versammlung gewaehlt werden koennen.
Juden allerdings max. 4 Personen.
Trotz alldem hocken in den Schaltstellen ueberall Adlige, Grafen, Fuersten, Bankster, wie ehedem.
1860 wurde die neue Synagoge eroeffnet:
514 Plaetze fuer Maenner und extra 506 fuer Frauen.
1876 war wieder ein grosses Hochwasser, weil man den Main noch immer nicht mit Spundwaenden gesichert hat.
1239, 1306, 1322, 1338, 1342, 1682, 1764, 1784, 1845, 1862, 1882 und 1909
immer wieder das gleiche Spiel gegen den Main, der sich Bahn brach bis in die Stadt.
Der erste richtige Metzgerladen wurde eroeffnet, die Wasserrattenbahn (Zubringer-Baehnchen).
1861 praesentiert Philipp Reis das Telefon mit einer grossartigen Demonstration.
1863 wieder eines der feisten Bankette im Kaisersaal, wo wieder die ganze -altbekannte-
Prominenz oder Nichtsnutze sich voll gefressen und gesoffen haben.
Rothschild gibt den Unionisten der USA 6 Anleihen, damit konnten diese gegen die Suedstaaten,
die Konfoerderierten ueberhaupt gewinnen.
(1863 Konsul Murphy und Rothschild verhandelten)
Immer wieder taucht dieser Kaiser Franz Joseph von Oesterreich auf und beherrscht ganz Deutschland,
wie eine Made im Speck, mit "goettlicher Vorsehung", wie er stets im Munde fuehrte.
Auch Bethmann und Kaiser treiben ihre Spielchen mit der Macht gemeinsam.
Man dekorierte sich gegenseitig, mal mit Orden, mal mit "Grosskreuz".
Es kam wie es kommen musste und 1866 kam die Schlacht von Koenigsgraetz, wo die Preussen
gegen Oesterreich gewinnen - unter von Moltke.
Der Frieden von Prag, Oesterreich stimmt der Aufloesung des Deutschen Bundes zu.
Die preussische Armee dringt in Frankfurt -ohne Kriegserklaerung-
ein und fordert 5.574.000 Gulden in Silber.
Acht Eisenbahnwagen waren noetig, um die Muenzen nach Berlin zu nehmen.
Der Kommandierende der einfallenden preussischen Truppen schreibt:
"Die Laender diesseits des Mains liegen der EW. preuss. Majestaet zu Fuessen!"
Am 20. Juli kommt die naechste Geldforderung der Preussen als "Kontributionsforderung" des Generals von Manteuffel
(Wieder ein Adliger) ueber 25 Millionen Gulden binnen 24 Std. zu zahlen.
In einer Konferenz zeigt sich der General "fatigiert" (ermuedet) und fuehlt sich an den Kaufmann
von Venedig erinnert, als die Bankiers der Stadt z.T. unter Traenen erklaerten,
dass diese Summe in der geforderten Zeit unmoeglich zu schaffen sei -
das Geld sei aus Sicherheitsgruenden ob der Unruhen ins benachbarte Ausland aufgeteilt worden.
Nun wollte die Bande eine Liste der wohlhabenden frankfurter Buerger, die persoenlich haftend die Summe begleichen sollten.
Der Buergermeister Fellner nahm sich in der Nacht das Leben, mitten in der Aufstellung der Namen..
Der preussische Adler wurde ueberall aufgestellt, aus mit der freien Reichsstadt Frankfurt..

Die Zeit der Industrie ist gekommen, die Stadt dehnt sich enorm aus,
die Strassendichte nach aussen nimmt zu.
Bismarck sagte: Frankfurt ist eine preussische Stadt.
(Was historisch falsch ist) Selbst das Postgewerbe der Thurn und Taxis wird einfach Preussen unterstellt.
Administrator wird der "Geheime Postrat" Stephan.
preussenchronik.de/person_jsp/key=person_stephan_heinrich+von.html
3 Millionen Taler geben die Preussen fuer dieses Monopol aus.

Altdeutscher Spruch aus dem Jahr 1718:
"Zu Frankfurt in dem Dom / Gibt man des Reiches Kron;
/Willst du mit List die Krone fahrn / wird Gott den ganzen Dom zerschlahn"
daran erinnert man sich, als am Tag vor der Ankunft des preussischen Koenigs Wilhelm I in Frankfurt -
er ging durch ein schwarz gekleidetes Spalier schweigender Maenner mit weissen Armbinden.
Die Stadt hatte durch den preuss. Ueberfall mehr Schulden als Besitz.
Immerhin stiftete der Koenig dann 20.000 Gulden jaehrlich 10 Jahre lang, um sich am Domaufbau zu beteiligen.
In diesen Jahren baute ein engl. Ingenieur die neue Kanalisation der Stadt auf.
1870 brach der deutsch-franzoesische Krieg aus, wo Elsas und Lothringen
und 5 Milliarden Franken an Deutschland gingen - genauer gesagt nach Preussen - und das war schon immer ein heftiger Unterschied.
Seite 346/7 zeigt das Frankfurter Waeldchesfest in einer Szene.

Die folgenden Bilder und Prachtentfaltungen lassen den Gedanken aufkommen,
dass Adel, Religion und Unternehmer nicht als politische Akteuere zugelassen werden sollten,
weil sie sonst sehr viel mehr und gruendlicher Einfluss auf die Geschicke des ganzen Volkes nehmen koennen
als mit nur ihrer eigenen persoenlichen Wahlstimme.

Durch die hohen franzoesischen Kontributsleistungen an Deutschland verliert
Silber enorm an Wert, d.h. die Boersenzocker gehen nach Angebot und Nachfrage,
der tatsaechliche Materialwert hat damit nichts zu tun.
Die Mieten explodieren in dieser Zeit und der soziale Wohnungsbau wird aus der Taufe gehoben.
1872 werden in der Judengasse die einstuerzgefaehrdeten Haeuser abgerissen und die Strasse in "Boerne-Strasse" umbenannt.
Eine Pferde-Strassenbahn wurde gebaut.
1880 goennen sich reiche und adlige Frankfurter ein Opernhaus, die Kosten dafuer
kommen mehrheitlich aus dem Stadtsaeckel und belasten alle Buerger.
(Die meisten werden da wohl kaum eingelassen oder koennen sich den Eintritt leisten)
Aus den Resten alter Glocken und aus erbeuteten franzoesischen Kanonen
wurde die "Gloriosa" gegossen, eine 11950kg schwere Glocke.
1883 wird der Main endlich kanalisiert, damit die Hochwassergefahr gebannt wird - mit 5 Stau-Stufen!

1882 ein "Legat" von 630.000 Mark vom Kanzleirat Dr. Adolf Mueller
fuer seinen Freund Dr. Otto Volger fuer dessen Senckenbergmuseums-Plaene wird getan.
Die Farbwerke Hoechst werden zur Arzneimittelfabrik.
1885 geht die Polizei mit blanken Saebeln gegen einen Sozialdemokraten vor,
der trotz Redeverbots am Grabe eines Sozialdemokraten spricht.
1886 beginnt die Fahrradproduktion.
(ein Dreirad sei kein Fuhrwerk, so die Polizei und die muss es schliesslich wissen)
1888 wird der Hauptbahnhof gebaut.
Die chemische Fabrik in Griesheim produziert nun Gase div. Art. (bis heute)
1891 ist eine elektrotechn. Ausstellung in der Stadt, wo eine maechtige
Stromturbine und die Uebertragung einer Oper ueber Draht gezeigt wird.
1895 Friedrich Naumann "Christentum und Sozialismus" bringt heftige Debatten,
er verlaesst darauf Frankfurt und geht nach Berlin.
Eine Baupolizei wurde noetig, weil zu viele kasernenartige 5 stoeckige Miethaeuser
mit viel zu wenig Freiraum dazwischen errichtet worden sind von Spekulanten schnell hochgezogen.
1900 Kaiser Wilhelm II legt den Grundstein zur Restauration des Roemerkastells auf der Saalburg.
Der Professor Jacobi soll ihn dazu bewogen haben.
(uebrigens ist er Wilhelm II dort mit Triumphator-Pose zu sehen,
dieser Ort ist nicht weit von uns und ein beliebtes Ausflugsziel)




1894 haben die Farbwerke Hoechst 1000 Pferde gehalten, zur Serum-Produktion (Diphterie und Tetanus)
1898 erfolgte die Umstellung der Pferde-Strassenbahn auf Elektrobetrieb..
endlich keine Pferdeaepfel mehr als Zierde der Strassen..
Von 1866-1900 ist der Facharbeiterlohn auf das Dreifache angestiegen: 1500 Mark.
(nee, nicht monatlich: Jaehrlich)
Wumms: In Griesheim explodiert was, 26 Tote und 200 Verletzte, 4 Millionen Mark Schaden!
1904 ist das Gordon Bennett - Rennen erstmalig publik. 64 Millionen
kostet der Bau des Westhafens, wo man beim Buddeln eine Dorfanlage aus der juengeren Steinzeit fand,
ca 4. Jahrtausend vor Chr. /
Im Jahr 1909 ist die Luftfahrtausstellung in Frankfurt.
1914 der erste Weltkrieg, zuvor waren 87% der Bevoelkerung als "Minderbemittele" eingestuft worden.
Der Hunger der Bevoelkerung kam.
Als der Krieg zuende war, hatte man 10753 Kriegstote, im 2.WK nochmal 5559 Tote,
fast 17.000 Frankfurter "fallen" als Soldaten ausserhalb, 2-3 Tausend bleiben vermisst.
Von den 29.000 Juden bleiben nur noch 1200 am Leben.
Als die Amerikaner kamen hausten noch 200.000 Menschen in den Truemmern der ruinierten Stadt.
12.Dez 1914 im Morgenblatt:
"Fuer Spekulanten! Einige tausend Militaerschlafdecken, einige tausend Normalhemden, Hosen,
Kopfschuetzer und Pulswaermer billigst abzugeben!"

Privatbanken zeichnen 2-3 Millionen Mark aus fremder Waehrung als Kriegsanleihen - Monatlich!
Von Hausfrauen wurde der Vorwurf gemacht, dass sie nur ueber die Butterpreise reden,
waehrend die Aktienkurse nicht mehr veroeffentlicht werden.
Hoechstpreis-Vorschriften wurden eingefuehrt fuer Lebensmittel.
1916 kam eine wachsende Hungersnot, weil andere deutsche Laender nichts mehr ausfuehren durften.
Da haben die 218 Wagons Kartoffeln aus Schlesien auch nicht mehr viel retten koennen.
Nach dem Hunger kam die Kaelte, bettelnde und schimpfende Menschen, die auf die Reichen wettern, die immer wieder Kriege anzetteln..
Tausende Arbeitslose ziehen durch die Strassen.
Kinder liefen 3 Stunden mit kaputten Schuhen bis aufs Land um ein paar Haende Kartoffeln
von den Bauern zu erbetteln und liefen wieder retour,
damit diese Beute nicht von der Polizei am Bahnhof weggenommen wurde..
(Hier sehe ich klar vor Augen, dass sich eine Stadt niemals selbst ernaehren kann, nicht mal notduerftig)
Frankfurts Wohlhabende zahlten den 27. Teil der Kriegskosten,
obwohl Frankfurt nur den 170. Teil der Bevoelkerung des Reiches darstellte.
3.567.700.000 Mark haben die Frankfurter "gezeichnet" und.. verloren.

(Auch heute noch zahlt Frankfurt in das "foederale System" mehr ein, als alle anderen Orte und Regionen)

Schrebergaerten und die Ruestungsindustrie bluehten.
Diese Zustaende bringen kommunistische Gedanken auf die Buehne.
Franzosen und Englaender weigern sich nach dem Versailler Frieden nach Deutschland
Rohstoffe und Lebensmittel zu liefern - im Gegensatz zu den Amerikanern.
1920 haben die Quaeker den Schulen und Kindergaerten Fruehstueck und Mittagstisch unentgeltlich zur Verfuegung gestellt.
6 Wochen lang halten farbige Franzosen Frankfurt besetzt und gehen erst, als 1 Million als "Buergschaft" gezahlt wurde.
(diese Form der ethisch demuetigenden Kriegsfuehrung ist oefter benutzt worden)
1921 Die 8. Jahrgaenge der Schulen werden fuer Wochen aufs Land geschickt.
1920 wird die Reichsregierung gestuerzt.
Wegen der Inflation werden 30 x die Fahrpreise der Strassenbahn geaendert:
200 Mark, 1500 Mark, 1 Million, 100 Millionen, 90 Milliarden Mark fuer eine Fahrt..
1926 gruendete man die "Hafraba", eine Autobahngesellschaft mit dem Ziel,
von Hamburg ueber Frankfurt nach Basel eine durchgehende Strecke zu bauen.
(erst 1962 wurde diese wirklich fertig)

Beim Bau der Roemerstadtsiedlung findet man eine Jupitersaeule und einen roem. Paradehelm.
Die Grossmarkthalle wird gebaut.
1929 kommt die Weltwirtschaftskrise.
1933 werden in Ffm 70179 Arbeitslose gezaehlt, dann kam die Machtuebernahme.
Eine Hetzjagd sondergleichen gegen die Juden und Marxisten begann.
Die Hafraba wird zur "Chefsache" und schnell durchgezogen - als Arbeitsbeschaffungsmassnahme, wie es hies.
Hitler hat sich auch diesen Gedanken auf seine Fahnen geheftet, dabei waren diese laengst in Vorbereitung.
Heinrich Heine meinte:
"Euch trennt von Goethe eine Welt, wie euch ein Fluesschen trennt von Sachsenhausen"
(Ein Fluesschen ist der Main wahrlich nicht)
Als weitere "Arbeitsbeschaffungsmassnahme" wurde die Frankfurter Altstadt 1936 saniert.
(Fachwerk frei gelegt)
Der Flughafen Rhein Main wird gegruendet. (Fuer Luftschiffe)
"Abstammungsnachweise" und "Rassenpflegedateien" wurden eingefuehrt.
1938 Otto Hahn entdeckt die Kernspaltung des Urans und Thoriums.
Hitler traegt sich in das goldne Buch der Stadt ein.
Die "Reichskristallnacht" kam am 9.11.1938 und die Synagogen brennen,
Buerger stuermen die juedischen Geschaefte, aber Gott half nicht.
Man fand stets genug Ausreden fuer solche Uebergriffe.
1939 erwirbt die Stadt (nicht konfisziert) fuer 1.819.395 RM den Grundbesitz
und die Friedhoefe der Juden Frankfurts 93.206qm genau.
(Die Begrifflichkeiten Juden waren von dieser Religionsgruppe gemacht worden,
sie haben sich ganz bewusst fremd gehalten)
Dann kam der Angriff auf Polen, ob Finte oder gemeiner Ueberfall ohne zuvorige Kriegserklaerung
scheint die Historiker bis heute zu beschaeftigen.
1941 werden von Frankfurt nach Minsk und nach Riga 3000 Juden abtransportiert,
nach Theresienstadt nochmal 6070 Menschen, Zivilist !
1942 ist die Stadt einen riesigen amerikanischen Bombergeschwader entkommen, die sich vernavigiert hatten.
So kam ein ca zehnmonatiger Aufschub des Elends.
Nach 1945 bekamen die Farbwerke von dem US-Unternehmen Merck eine Penicillin-Kultur.
1944 wird jedoch alles zerbombt. 1000 Tote an einem Tag.
Und das waren Zivilisten.
Dann kam der Aufruf, sofort die Stadt zu verlassen,
damit die "Kriegsmaschinerie" ohne Menschenopfer zerstoert werden koenne -
ohne Aufschub ist diesem Appell folge zu leisten.
Nach 1945 geht es schnell wieder aufwaerts, man gibt nicht auf und raeumt auf,
baut neu. Waehend der Aufraeumarbeiten fand man eine roemische Bauwerksreste und Funde aus dieser Zeit.
Die "Trizone" der Besatzer gruendet die "Bank deutscher Laender", eine Bezeichnung,
die man auf den fruehen Muenzen der neuen Bundesrepublik noch finden konnte.
Die Bundesbank wurde in Frankfurt installiert - eigentlich um spaeter nach Berlin umzuziehen.
(Was aber nie geschehen ist, zumal die Ostzone bis 1990 die Stadt umgab.)
Der Bundestag sollte ebenfalls nach Frankfurt - die Rotunde kann man beim hess. Rundfunk sehen,
was kam war aber die provisorische Hauptstadt Bonn,
wohin der Bundestag und der Regierungssitz verlegt wurde.
1963 sagt der amerikanische Praesident Kennedy anlaesslich eines Besuches in Frankfurt:
"..in nicht weniger als in 20 unserer Einzelstaaten gibt es Staedte mit dem Namen Frankfurt,
alle gegruendet von ehemaligen Buergern der Stadt Frankfurt am Main"
1986 verschlingt die Erneuerung des Kanalsystems der Stadt, das 100 Jahre alt wurde, 155 Millionen DM !

***

Was mich immer wieder aergert, ist das Wort "Buergerbegehren",
wo jeder politisch Taetige ganz genau den Inhalt unseres Grundgesetzes kennen sollte -
wo alle Gewalt vom Volke ausgeht.
Dieses "Buergerbegehren" muss also demnach in "Buergerentscheid" umgeaendert werden,
wenn die Sache demokratisch gehalten sein will.
Ein "Begehren" ist also nur ein vorsichtiger Einspruch,
eher Wunsch an die Obrigkeit und das geht in einer Demokratie ganz und gar nicht.
Hier sollten wir den Politikern Mores lehren, die sich noch in der Kaiserzeit waehnen:
Oh lodernd Feuer, o goettliche Macht!
Die sind aber nicht "von Gottes Gnaden", sondern von den Waehlern eingesetzt..
daran sieht man, dass auch bei uns im Laendle noch viel zu viel Gehorsam und Obrigkeitshoerigkeit steckt.
(Was den hochkriechenden Studierten entgegen gebracht wird,
die meistens auch noch fehlqualifiziert sind - was man an den groben Schnitzern sehen kann,
die jeder totale Laie nicht haette schlechter machen koennen - gib dem Bub die Geige nicht !)
Heute, am 19.3.2018 lese ich die Ueberschrift:
"Von Gol dman Sa chs in die Regierung :
Frankfurter Investmentbanker wird Finanzstaatssekretaer in Berlin "
So wird der Bock zum Gaertner und die Menschen im Land koennen sehen, wie sie das bezahlt bekommen.
Aber es gibt ja noch sooo viele Probleme, die aus den vielfaeltigen Ansichten kommen,
noch mehr jedoch durch "Lobbyarbeit", die man frueher mafiose Vereinigungen nannte.
Investmentbanker waren fuer die Krisen verantwortlich, die nebenbei die Zinsen
auf den Sparbuechern und die Zinsen der Lebensversicherungen ruiniert haben.
Ich sehe das als kalte Enteignung an, weil geliehenes Geld noch immer Zinsen kostet.
Was werden die erst an der Regierung anrichten?
Habe ich eine rosarote Brille auf und glaube an die Demokratie und Kontrolle durch das Volk?
Vermutlich ist diese eine Nachricht schon eine zuviel gewesen fuer mein Seelenheil.
Irgendwann haben wir sie wieder, die "gute alte" D DR, die angeblich so demokratische
Republik - es wird wie in Russland enden, wo man (Geruecht) zwei Wahltonnen hat:
Eine fuer P utin, die andere ist die Restmuelltonne.. was ist der Unterschied zwischen einem Hundehaufen und einem Politiker?
Keiner, wenn man reingefallen ist, wird man sie nie wieder los !
Desgleichen ist mir vollkommen unverstaendlich, wie ein Mensch auf den anderen schiessen kann
und das womoeglich noch in Begleitung eines Militaerpfarrers..
Ich finde, dass wir endlich ein zivilisiertes Land werden sollten:
Neutralitaet, die Haelfte an Parlamenten, die Haelfte an Politikern
und die Haelfte an deren Gehaeltern, mehr Ehrenamt,
Verbot von Nebeneinkuenften in der Politik und direkte Kontrolle der politisch Taetigen
durch einen Buergereinspruch, freie und geheime Abstimmungen
in den Parlamenten statt Fraktionszwang.
Kein Militaer, denn Zoll und Polizei genuegen vollauf,
wenn richtige Diplomaten ihr umsichtiges Gefach betreiben.
"Goetheinstitute" die besserwisserisch alle Welt verbessern wollen, braucht keiner.
(Zumindest darf nur echte Landesverteidigung gemacht werden,
keine Auslandseinsaetze und sinnlose Auslandshilfen, die immer nur in die falschen Saeckel fliessen.)
Davon sind wir -leider- noch meilenweit entfernt.
Eigentlich sollte ich hier noch 2-3 Bilder des jetzigen Frankfurt / Main einfuegen,
wir weigern uns bisher standhaft, dort hin zu fahren, zumal man die Stadt nicht mehr so vorfindet,
wie noch vor 20-30 Jahren, es gibt dort nur noch Fremde,
Einheimische wird man nur noch schwerlich finden..
Wie auch immer, Wikipedia hat genug Bilder fuer Euch, liebe Geschichts-Interessierte!



***





Stadtchronikel Frankfurt Main


Das Buch "Wege zur Stadtgeschichte, Spaziergaenge durch Frankfurt"
von der dortigen Zeitung (1995) ist die Grundlage fuer diese Kartusche.

Eigentlich ist Frankfurt ein 1200 Jahre altes riesiges Dorf
und heimliche Hauptstadt Deutschlands mit seinen vielen Vororten
und dem vielen Gruen - 3 Millionen Einwohner leben in diesem Raum.

Reichgruendung, Paulskirche und Demokratie sind die tragende Stichpunkte, die man hierbei naeher besehen sollte.

Seite 36 dieses Buches: "Als das Leinwandhaus im Jahre 1396 erbaut wurde,
waren staendig Fehden zwischen Adel und der Stadt, Steuerfrust und Ueberfaelle,
Buerger in Not - dieses Haus hatte bereits ein Vorgaenger- Gebaeude, gleicher Funktion:
Handelsplatz und Kontrolle der Waren. Eine Art fruehes "Eichamt" sozusagen.

Hier wurde das beruehmte "Frankfurter Tuch" gehandelt, aber auch alles,
was mit der Textilherstellung zu tun hat - Messen, Wiegen, Normen.
Spaeter wurden hier die Notvorraete gelagert, Kriegsgeraet untergebracht,
dann wurde es zum Gefaengnis.
Heute zur Kuenstlergalerie..

Katholische Umtriebe kennen wir vom Limburger Stadtchronikel, so das Bistum fuer Frankfurt war-
mit Ablasshandel und anderem Unfug wurde manches Kloster in Frankfurt finanziert.
Das Geschaeft mit der Dummheit der Leute hat sich verlagert-
ich habe NICHTS von Geldanlagen erwaehnt, die "spekulativen Charakter haben", nee..
1803 kam die Saekularisierung und die Gemaeuer der frommen Leute
wurden als Schulen, Turnhallen und Lagerstaetten genutzt.
Im Frankfurter Hof ist so mancher "Goldfasan" abgestiegen,
das waren Guenstlinge der Kaiser und andere arme Leute, ein Luxushotel eben.
Man wandte sich von den Seilen als Gelaender ab, weil diese Hautkrankheiten weiter gaben..
Die Hauptwache war fuer einen vergeblichen Umsturz oder versuchte Reichsneugruendung
oder Studentenunruhen und als Polizeistation und Knast bekannt. Kein netter Ort;
wir haben uns dort immer unwohl gefuehlt und sind schnell weiter gegangen..
Die Stadt wurde im 19.Jhd. zugepflastert mit scheusslichen Protzbauten, die sich im Stil uebel aehneln.
Boerse, Zoo, Bahnhof, Oper, Kunstinstitute und die Uni -
irgendwie alles gleich haesslich in dieser Delirium-Architektur.
Seite 77 - Die Sage vom "freien Wildbret-Schuetzen"- den man gefangen hatte
und im Eschenheimer Turm einsperrte.
Der Galgen war schon errichtet, als er die letzte Bitte aeusserte.
Er wollte die 47mtr hohen Wetterfahne mit seiner Buechse treffen - 9x ist ihm das hintereinander gelungen.
So hat er die Freiheit und eine Anstellung als Schuetzenhauptmann erhalten -
nebst der blonden Baerbel, wie berichtet wird..

Der Eschenheimer Turm sollte zum Schutz gegen Raubritter aus dem Taunus sein,
diese haben in ihrer Chronik (Kronberg und Katzenellnbogen)
aber ganz andere Sachen von der Stadtmiliz erzaehlt..
Der letzte Turmwaechter ist 1957 verstorben - er lebte in 30mtr Hoehe im Turm
und musste alle Besorgungen die 188 Stufen nach oben schleppen, auch das Trinkwasser.
Dieser Einsiedler soll dort oben Kaninchen gezuechtet und Geranien gezogen haben.
Nach dem 2.WK ist eine Familie aus Ostpreussen dort einquartiert gewesen,
wo die Tochter zur Welt kam und.. als 6jaehrige im Turmzimmer Rad fahren lernte..
Trotz fataler Zerstoerung 1944 durch die lieben Alliierten
hat Frankfurt eine Fuelle haesslicher Bauten erhalten und in zwei Phasen
noch haesslichere dazu schachteln koennen.
Die Entwicklung von der Handelsmetropole zum Boersenplatz und zum Industriestandort begann.
IG Farben und Mouson, Adlerwerke und andere bekannte Unternehmen
sind gewachsen und gaben vielen Menschen Beschaeftigung und Einkommen.
Das spaetere -riesengrosse- IG Verwaltungsgebaeude haben die Amerikaner vom Bombardement ausgenommen,
- weil sie den Sitz der Besatzungsmacht dort zu installieren vor hatten.
Grosse Stiftungen, wie das Buergerhospital, das Senckenbergmuseum und der Zoologische Garten
wurden von Juden gemacht.
Seite 158- die Praunheimer Kirche ist 1748 abgebrannt, weil trotz Warnung -
ein Schreiner darin geraucht und gekocht haben soll..
1926 wurde der Brentanopark staedtischer Besitz zur Erholung der Bewohner der Stadt.

Das Geheimnis der vielen verputzten Fachwerkfassaden ist auf Seite 164 geklaert:
Verputzte Fachwerke waren billiger in der neuen Brandversicherung !

Seite 186- seit 100 Jahren ist ein oeffentliche Reinigungsbad am Merianplatz
(Stand 1995), "denn in mancher Altbauwohnung des Nord- oder Ostends
oder in Bornheim gibt es bis heute weder Bad noch Dusche", so das Buch.

Diese Badehaeuse des 16.-17.Jhds. erfreuten sich grosser Beliebtheit,
sie waren allerdings auch Keimschleudern und fuer manche Seuche und Geschlechtskrankheiten beruechtigt.
Zeitlich mit dem Hauptbahnhof kam das erste "Brausebad" als Schenkung des Bankiers Stern an die Stadt.

Ein Sohn einer hugenottischen Einwandererfamilie gruendete nach seiner Lehrzeit Mouson,
die bekannte Duftmittelfabrik - er uebernahm zuerst die Seifensiederei seiner Lehrherrin.
1920 galt eine Einzimmerwohnung erst mit mehr als 5 Personen als "ueberbelegt" !

Die Roemerstadt war noetig geworden, ein neues Wohnbaugebiet,
das sich die Arbeiter der Stadt aber nicht leisten konnten.
Die Flachdach-Haeuser wurden damals schon von Besserverdienern belegt.
Am Urselbach steht die Untermuehle, ein grosser alter Holzbau aus dem Jahr 1695
mit drei Dachboeden zum Trocknen von Tabak, der wie Waesche auf der Leine hing.
Damals sehr gefragt und beliebt.
Seite 226: Voelkerschauen ?! Was soll das denn sein, so fragt man sich..
Angeblich soll ein Koenig einem Englaender ein "Affenmaedchen" geschenkt haben -
nebenbei wohl auch ein "Half monkey half woman" aus Afrika und eine aus Laos,
so wurde es auf Plakaten angepriesen.
Der Aussteller aus London hatte die "gute Erziehbarkeit fuer die Hausarbeit" gelobt.
Zuvor waren Indianer und Sudanesen zu sehen, wie das Buch meint.
Mir fehlen die Worte.

Die "Weed" war das Wort fuer eine "Gaenseschwemme", wohl ein Tuempel oder Teich, wo Gaense gehalten wurden.

Die Stadt lang in staendigem Streit mit Hanau, der Nachbarstadt aufwaerts des Mains.
Es ging immerhin um 20 Doerfer, die jede Kommune fuer sich haben wollte.
Wertvolles Bauernland.
So hat Hanau am nach Frankfurt gerichteten Stadttor einen Fratzenstein angebracht,
ein Menschenkopf mit einem Esels- und einem Schweineohr und der Inschrift
"Var du gauch" - was uebersetzt so etwas wie "betteln und hausieren verboten" bedeutete.
(Heute wuerde ich diesen Spruch als "Fahr weg du Buerger" deuten,
denn es geht hier nach der Sprache der Zigeuner - wie seltsam!

Schelm war die Bezeichnung fuer Todbringer, Schinder, Abdecker und Henker.
Bevor der amtl. Henker eingesetzt war, taten diese Verrichtung eben die Abdecker.
Um 1900 vernichtete die Reblaus in diesem Gebiet die gesamten Weinstoecke und deshalb hat man Obstbaeume gepflanzt,
die Rebenkulturen verschwanden,- nur in Bergen Enkheim stand noch ein Stock an einer Hauswand,
der jedes Jahr 30 Liter Rose-Wein gebracht haben soll.
Vom dem Wein der Gegend jedoch soll 1909 der letzte Tropfen getrunken worden sein.

1871 fielen offiziell die letzten Zollgrenzen, der Flickenteppich Deutschland begann Kontur anzunehmen -
leider haben einige Gauner auf die Zoelle noch Abgaben drauf geschlagen..
z.B. am Eisernen Steg in Frankfurt musste noch lange Brueckengeld bezahlt werden.

Eine interessante Sache hat das Buch auf Seite 268 genannt -
frueher habe man mit dem einfachen Werkzeug Eichenbalken nur bearbeiten koennen,
solange diese noch nicht ausgetrocknet waren - das erklaert auch
die nachtraeglich krumm gewordenen Balken von Fachwerken ein wenig besser !

Tuerme und Tore und aehnliche Befestigungen waren damals ueberall zu finden, fiele hatten Namen:
Affentor, Elefant, Rehkalb, Pulverturm, Tiergarten, Weisses Ross etc.
Kuh- und Schweinehirten wollte niemand naechtigen lassen, deshalb schliefen diese im Elefant -
diese Leute waren wohl zu anruechig..
1923 richtete sich ein Kapellmeister dort fuer 30 Jahre ein,
hinter 1,7mtr dicken Mauern konnte auch kein Schlagzeug nach aussen dringen.
1943 brannt der obere Teil des Turms ab, wurde aber wieder aufgebaut und hat heute "Turmfraeuleins",
er wurde ein Jugendzentrum.
Seltsame Dinge, wie Deutschherrenorden waren frueher sehr beliebt bei Adel und Patriziern,
die Kohle genug hatten, einen Privatkrieg gegen die "Feinde des heiligen Landes zu fuehren
und Jerusalem zu befreien"!
Geld verdirbt nicht nur den Charakter, es schein auch noch dumm zu machen..

Soviel aus diesem Buch, was sich auch wieder einmal fast nur um reiche Menschen,
reiche Bauten, reiche Fuersten und Industriemagnaten drehte..
Geschichte ist mir, pardon, aber so kann ich es benennen,
echt zuwider geworden und so bin ich froh, mit diesem Thema fertig zu sein..










Stadtchronikel Husum






Vor mir liegt die Stadtchronik oder besser "Beitraege zur Husumer Stadtgeschichte".
Heft 9 von 2004, mit dem Tagebuch eines Pfarrers und eben deshalb habe ich dieses Buechlein gekauft.

Zuvor ist die Rede von Ebio, einem im April 1591 als Ibsen oder ebsen geborenen Mann,
der sein Leben als Kantor in Husum zugebracht hat, statt diesen Posten als Sprungbrett
fuer den Pfarrer- oder Lehrerberuf zu nutzen -
er blieb so ganz ein Gegensatz zu seinen Kantoren-Kollegen und lehrte 57 Jahre lang nach eigener Methode.
Die Kinder gingen damals freilich noch alle in die Gottesdiensste und kannten folglich die Lieder,
die dort gesungen wurden - das war die Basis, wo das Verstehen der Texte in Latein,
die Erzeugung von der Tonleiter, Tonhoehen, Tonwerte, Tondauer hat er sehr praktisch erklaert,
bevor die Fachbegriffe nach und nach dazu gelehrt wurden.
Diese Methode klingt sehr modern, fuer die damalige Zeit war das wohl revolutionaer.
Ebio hat auch nie versucht "weiter zu kommen", sondern konzentrierte sich
ganz auf das praktische Ergebnis, das Komponieren
und Umstellen von Liedern zum ganzheitlichen Verstaendnis.
Er war wohl ein sehr geachtetes Unikum, kam auf der Karriereleiter nicht weiter,
dennoch bekam er mehr Geld, als seine Stellung gab, weil man ihn an der Schule halten wollte.

1465 erhielt Husum vom daenischen Koenig Christian I. die Erlaubnis
fuer eine eigene Gerichtsbarkeit und Befestigung durch Holzpalisaden.
1472 versuchten die Husumer die Stadtrechte zu erreichen und so kam der erfolglose Aufstand
gegen Koenig Christian I, angestiftet durch dessen Bruder, Graf Gerhard VII,
Graf von Oldenburg. Christian hat darauf im Jahr 1472 den Ort einnehmen lassen.
Amtmannes von Ahlefeld und der Stallmeister Tede Feddersen erbaten
die Vernichtung des Fleckens zu unterlassen, es kam aber dennoch eine Brandschatzung,
der Verlust aller Privilegien und die Hinrichtung von rund 70 Einwohnern und der Anfuehrer
und die Ausweisung unerwuenschter Personen, was den Ort in seiner Bluete hart traf.
Wieder war ein adliger Zwist der Grund fuer Not, Vertreibung und Ungerechtigkeit.
Die harte Strafsteuer an den daenischen Koenig wuerde erst 1878 abgeschafft.

1603 bekam Husum die Stadtrechte, der Krieg zwischen Daenemark und Schweden fand in Schleswig Holstein,
wo Husum liegt, den Westfaelischen Frieden.

Dieses Stadtchronikel wird eine Besonderheit haben,
das Tagebuch eines Pfarrers, 1753-1837,
das mit einer Art Gedicht beginnt.
Der fromme Kirchenmann hatte mit seiner 2. Frau
eine Predier-Witwen-Stiftung gegruendet,
wir gewinnen zum 19.Jhd. hin einen Eindruck in sein Leben,
das binnen 14 Wochen ihm Frau und zwei Kinder raubte.
"Beitraege zur Husumer Stadtgeschichte Heft 9 von 2004" zu erstehen.
Das ca 140 Seiten starke Buechlein in feinem Druck
ist leider schon wieder ausverkauft -
wohl mit einigem Glueck ist es mir gelungen ein Exemplar kaeuflich zu erwerben.
Es ist mir aus urheberrechtlichen Gruenden nicht ratsam erschienen,
den Text abzuschreiben.
Solange es noch einen Verlag gibt, der dieses Heft vertreibt,
soll dieser auch den Lorbeer daraus haben.

beitraege-zur-husumer-stadtgeschichte-heft-9-2004.html

archiv-friedrichstadt.de/famfindbuch.pdf

husum.de/Leben/Freizeit-Kultur/Stadtgeschichte

die-husumer-scharfrichterdynastie-moller-husum-stadtgeschichte

husumer-stadtgeschichte.de/

Staedte/H/Husum/Stadtgeschichte.html

husumer-nachrichten/der-wert-der-erinnerung-id19011841.html

Seite 75 des Buechleins ist die Rede vom "untergang des sagenhaften Handelsortes Rungholt.
Anno 1362 war eine Sturmflut so stark, dass der Ort Rungholt weggespuelt wurde
und ein direkter Zugang zum Meer fuer Husum entstand.
Im 15. -16Jhd. wurden die Waren umgeschlagen und nach Flensburg gebracht,
fuer den Weitertransport in die Ostsee-Bestimmungsorte per Schiff.
So wurde die gefaehrliche Umfahrung Skargens vermieden.
Seite 78 lese ich von den Abgaben auf Strandgut.
Im Kellergewoelbe des Herrenhauses, das vermutlich aelteste Haus im Ort
mit besonderen Rechten ist ein Kellergewoelbe mit "Zwistkoepfen" aus Sandstein,
die wohl jene streitenden adligen Brueder darstellt.
9mtr unter der Erde und 45mtr lang, bis zu 5mtr hoch
soll das 7 teilige Tonnengewoelbe sein, das mit zugemauerten Kammern
und einem geheimen Gang zu dem Franziskaner- Kloster haben soll.
Spaeter wurde die Anlage fuer eine Bauerei genutzt, dann alles privat verkauft.
Seite 87 nennt die Einwohnerzahlen - im Jahr 1939 waren es 14tsd.
und heute 21tsd.
Um 1964 hat Husum bereits 4 Millionen DM im Jahr als Zuschuss des Bundes benoetigt
fuer den laufenden Haushalt.
Seite 89 die Eingemeindung zweier Orte.
Seite 112 erzaehlt von der Pockenschutzimpfung durch den Amtsarzt Dr. Tholen,
was die Kindersterblichkeit halbierte.
Seite 121 bringt einige Literaturhinweise auf die Stadt Husum.
Seite 126 ein seltsam schoenes Gedicht:

Gelb ist der Sand,
der durch meine Haende glitt,
gruen das Gras,
auf dem ich laufen lernte,
rot das Haus,
in dem ich wohnte,
blau das Auto,
in dem ich davon fuhr.
(Sina Tornow)

Seite 130 behandelt die Tatsache deutscher Auswanderer nach Daenemark, wo es heisst:
"Der buergerliche deutsche Auswanderer ist unter staerkerem Anpassungsdruck gewesen
als die Angehoerigen niederer Schichten"
(Das koennte auf alle spaeteren Einwanderer, Immigranten oder Fluechtlinge nach Deutschland ebenso zutreffen)
Seite 132-137 sind interessante Abhandlungen bezueglich Zwangsarbeiter
in der Ruestungsindustrie des 3. Reiches zu lesen, Seite 136:
1945 wurden zwei Orte zwangsgeraeumt, die weithin frei einsichtig waren.
In die Haeuser wurden Polen verfrachtet.
Die Besitzer der Haeuser haben alles zuruecklassen muessen.
Dann durften sie wieder nach Hause,
ihre durch Vandalismus stark beschaedigten Anwesen wieder herzurichten.
Doch bald setzten die Besatzer, die Englaender Russen hinein,
wieder mussten die Besitzer der Haeuser beider Doerfer alles zuruecklassen.
Ein Dorf hatte zuvor 400 Einwohner, dort kamen 900 Polen unter.
Im anderen Dorf waren es zuvor 320 Einwohner,
dort kamen 1500 Polen unter.
In den einzelnen Haeusern waeren zwischen 30-60 Menschen untergebracht !
Diese haben alles rundherum gepluendert und ruiniert,
in einer richtigen Zerstoerungswut, wie berichtet wird.
Als diese ehem. Kriegsgefangenen wieder weg waren -
teils Richtung Ostsee, teils nach Kanada ausgewandert -
haben die verzweifelten Hausbesitzer beider Orte
noch viele Jahre auf geldliche Hilfen warten muessen.

Ich habe mich entschlossen,
in eigenen Worten dieses Tagebuch des Pfarrers in einem gesonderten blauen Thema unterzubringen.
Dem Interessierten wird das Original empfohlen,
mir geht es nur um einen Ueberblick der Geschehnisse vergangener Tage.

***
Ein passendes Sonderthema:

Angst vor der eigenen Kultur,
hier ein Liederreigen aus dem Jahr 1817 wurde als "N azilieder" diffamiert,
weil dieses 3. Reich sich Lieder aus vergangenen Tagen aneignete,
die aus dem deutschen Sagen-Denken entstanden sind.
(Also sehr viel aelter, denn von 1817 und da gab es noch kein "N azireich",
das kam 116 Jahre spaeter - rechne ich mal hoch:
Das jetzige Jahr 2018 plus 116 Jahre - 2134 was wird wohl die Presse ueber uns sagen,
wenn wir das Jahr 2134 schreiben?)
Martialisch,ja, aber.. hier wurde eine phobische,
an den Genderismus lehnende "Denke" zur Dauerzensur allen "deutschtuemelnden" Ueberlieferungen,
ob Dichtung oder Lieder, Sagen oder Maerchen - eingefuehrt,
die fuer das Volk selbstverleugnend ist.
Nun frage ich einmal:
Sind wir ueberhaupt noch "deutsch"?
Hat der Saenger recht (diesmal doppeldeutig) wenn er den Kritikern antwortet:
"Ich bin nicht schwarzbraun, ihr Haselnuesse! "
Ihm waere es immer nur um das Volkslied gegangen:

/ueberraschung-von-heino-nazi-geschenk-blamiert-nrw-heimatministerin.html

Dieser voreilende Gehorsam treibt zuweilen seltsame Blueten, aber was will man machen?
Ich habe die Welt nicht gemacht und zum Glueck diese unseelige Zeit nicht erleben muessen.
Den zwangsweise durch die Nachfolger der Besatzungsmaechte verordneten Verlust
aller deutscher Kultur kann man nur bedauern,
so arm ist ein Volk noch nie aus einem verlorenen Krieg hervor gegangen.
Sind wir -inmitten des vereinten Europas- am Ende der Nationalstaatlichkeit angekommen,
die Laender rundherum um Deutschland schwelgen aber weiterhin in "Vaterlandsliebe"?
Wir kranken an der "politischen Korrektheit", einer typisch linken Erfindung,
die uns uebergestuelpt worden ist, zur Schadenfreude all derer,
die Deutschland noch nie mochten.
(Davon gibt es mehr innerlandes als ausserhalb - die eigene Presse entpuppt
sich dabei als geifende Eiferer des "political correctness",
einer Art Hirnwaesche fuer Andersdenkende, wie damals in der D DR,
wo die Leute "auf Linie gebracht" worden sind:
Wir bestrafen uns im uebereifrigen Gehorsam - wie immer -
bereits selbst, bevor es andere tun..)
Soll verstehen wer will, dieser sympathische Saenger hat die Sache mit Humor aufgenommen -
einen Orden hat er fuerwahr nicht noetig !
(Meine Frau bemerkte am Fruehstuecktisch zu diesem Thema:
"..und was ist mit Wagner, diesen Wagner-Festspielen? "
Was ist mit den Inschriften des Niederwald-Denkmals bei Ruedesheim,
das uns als Besucherfamilie entsetzt hatte?
Dieser duestere Typ von Komponist soll doch ein gluehender Verehrer des Desposten gewesen sein?
Wieso wird das nicht auch verboten?
Wieso darf akzeptiert werden, dass sich die Kirche nicht von ihren eigenen
und von den Greueltaten-Beihilfen distanziert hat?
Die Antwort ist einfach, weil diese Festspiele eben nur eine bestimmte Sorte Mensch anschaut.
Aber wehe, wenn diese Heringsbaendiger zuviel Macht bekommen..)
Die Journalisten in obigem Beispiel sind ueber die Grenzen des Anstandes getreten,
weil somit praktisch alle zig tausend Jahre des "Deutschtums",
wenn ich das mal so nenne- was aber eher die gesamte Ueberlieferung
aller Menschen im deutschsprachigen Raum unmoeglich werden laesst.
So geht das nicht, nicht wegen 13 Jahren H itler-Regime..
wir haben das gleichen Identitaets - Problem wie die Rocker,
die als Kinder der tuerk. Einwanderer hier bei uns in Deutschland nach einer eigenen Identitaet suchen:
"Osmanen Germania" ist doppelt falsch,
weil Deutsche nur im Ausland als "Germanen" bezeichnet wurden
und "Osmanen" sind das Opfer-Volk, das von den Turk-Staemmen unterwandert
und uebernommen wurde, was das Osmanische Reich untergehen lies.
Geschichte, Osmanisches Reich.
Das Selbstbewusstsein junger arbeitsloser Deutscher und junger arbeitsloser Tuerken
in Deutschland wird eben durch seltsame Vereinigungen gestaerkt,
die sich krampfhaft an diesen alten heroischen Vorbildern orientieren.
Das die Presse daraus macht - siehe oben - ist eindeutig Sensationsmache, mehr nicht.
In diesem Falle besonders auffaellig linkslastig.
24.3.2018: Linkslastig sind auch die Tricks der Wetzlarer Stadtverwaltung die Stadthalle
an die N pd nicht vermieten zu muessen, was nach der Satzung eigentlich selbstverstaendlich waere.
Diese Verwaltung hat aus Brandschutz- und Rettungsvorsorge Maengel diese Parteiversammlung
nicht erlaubt, jedoch schon, dass die Gegner dieser -vom Verfassungsschutz freigegebenen- Partei
auf den Strassen gegen einen solchen Parteitag eine "Demonstration" stattfindet.
Das ist sehr einseitig politisch beeinflussend -
wenn diese Partei tatsaechlich gefaehrlich oder auch nur undemokratisch waere,
haette man die laengst verboten.
Geht aber nicht, weil tuerkische "Kulturvereine" mindestens genau so "rechts" sind, wie diese Partei.
Religions-Rechts ist das gleiche Ding: Intolerant und feindlich gegen Andersdenkende.
Hups - da waeren die linken Demonstranten ebenfalls in der gleichen Reihe !
So wie das ausschaut, muessen wir endlich einmal klar ausdiskutieren, was denn "erlaubt"
werden kann und von wem etwas "verboten" werden darf und warum.
Wuerde man alle alten Texte "gendern" und "auf Linie" bringen,
duerfte es keine Geschichtsbuecher mehr geben, weil auch diese "auf den Index" gehoeren,
sowie sie die wahre Vergangenheit -aller Voelker- kundtun.
Jedes Volk hat "Dreck am Stecken" und die korrekte Aufrechnung der russ. Revolution,
den Indianer-Abmetzeleien, den roemischen Eroberungskriegen
und Hi tlerdeutschland will keiner wirklich wagen..
da die Geschichte der Menschheit in der Vergangenheit geschehen war,
koennen wir Geschehenes nicht mehr aendern.
Es wird nicht viel helfen, wenn wir Liedtexte verbieten,
die aus der Vergangenheit her ruehren, denn durch Verbote werden sie noch interessanter.
Wie wir an den Ostblockstaaten sehen koennen,
ist der Kommunismus und somit auch die "linke Denke" nicht ohne kritische Texte,
die ganze Staatsform des Kommunismus ging schlicht und einfach pleite,
an sich und ihrer eigenen "Herrschaft des Proletariats" kaputt, es war auch nur eine Kader-Diktatur,
die ohne staendige Ueberwachung und Hirnwaesche der Menschen ihre Sache
laengst schon vorher verloren gehabt haette - mehr nicht.
Dieser Nachrichtenmacher ist also nur ein versprengter Kommunist?
Wer weiss.. ein heute typisches, wenn auch drastisches Beispiel von Nachrichten-Manipulation war es allemal:
Denke ich daran, dass diese neuen Studierten auch die Geschichtsbuecher schreiben,
dann wird es mir ganz anders.
Sicher ist, dass ich mir diese "Nachrichten" bestimmt nicht mehr antun werde und dieses Portal meide.

Gelegentlich denke ich wohl, dass statt der Gesetze und Regierungserklaerungen
das Lied von G odewind "Dat du mien Leevsten buest" vollkommen reichen taet'
- das Leben koennte so leicht und freundlich sein -
aber eben nur koennt und taet, weil die da oben das alles viel viel besser wissen als wie ich..
der heilfroh sein wird, wenn das Thema "Geschichtliches" mit diesen Stadtchronikel abgeschlossen ist.
(Ich habe mir verboten schon vorher aufzustecken..)







Das blaue Thema "Tagebuch eines Pfarrers, modern erzaehlt"

***

Hartmann Herr ward er genannt, sein Glueck stehet in Gottes Hand im Thueringer Land.

Anno 1785 hat mir, Friderich Ludwig Herr,
Pastor von Cating das Buch nach meinen aelteren Bruedern gab,
in welchem durch des Vaters Hand so mancher Eintrag stand.

Nach einer anhaltenden Durchfallerkrankung im Neujahr 1772
war Vater sehr entkraeftet, mit Muehe hielt er seine letzte Predigt
nach 31 Jahren im Amte, nach einer innerlichen Verhaertung
erlag er um Trinitatis dem Tode mit etwas ueber 64 Jahren.
Ein friedsamer und treuer Israelit ist er gewesen.
Seine Frau starb im April an den Folgen des Kindbettes.
Mein Bruder lernte bei der aeltesten Schwester meines Vaters
2. Ehemanns, den Kaufmannsberuf.
Meine Schwester wurde schon mit 3 Jahren zu den Grosseltern gebracht,
sie lernte fleissig, bekam mit 16 Jahren ein Geschwuer an den Hals,
nach dem Tode des Grossvaters 1765 kehrt sie geschwaecht
durch Auszehrung und Wassersucht
und starb vor dem 25. Lebensjahr an Schwaeche.
Mein zweiter Bruder verlebte 15 Jahre mit mir,
lernte Baecker, heiratete und bekam 3 Kinder,
wovon eines im Alter von nur 3 Monaten starb.

Meine eigene Geschichte war so, dass der Anfang meines Studium
durch die Sterbefaelle belastet war.
Latein, Philosophie, Theologie, einen weiten Weg
bis zum Pastor habe ich getan, nachdem auf Michaelis 1779
das Candidaten Examen im Oberconsistorio zu Gottorf ueberstanden
und die vacante Stelle in Cating angetreten werden konnte -
nach einiger Zeit von 11 Wochen zur Ordination.
1783 versprach ich mich der Tochter
des Closterpredigers Luetzen zu Husum, Demoiselle Anna Christina zum Manne.
Meine Frau hatte gerade das ihrige in unser Haus gebracht,
als ich zu Gast bei Verwandten war-
die Kunde kam, dass mein Haus durch Blitzeinschlag brannte -
gerade durch das Fenster in das Zimmer, in dem ich sonst arbeitete.
Die Brandversicherung hat den Schaden zum Glueck beglichen.
Dieser Versicherung trat ich gerne bei, zumal der Nachbar gerne raucht und trinkt.

Nach der Zeit in einem Mietverhaeltnis meldete sich unser Sohn an,
er kam und ging nach einem Tage wieder..
1789 bekamen wir eine Tochter geschenkt.
Mein Bruder bekam einen Sohn, dann erlitten sie eine spaetere Todgeburt.
1791 bekamen sie ein Toechterchen.
Oktober 1792 bekamen wir einen Sohn, dann bekam mein Bruder eine Tochter.
Fieber und eine Wurmkrankheit raffte unsere Tochter Margaretha Dorothea
dahin im Jahre 1794. Sie wurde nur 5 Jahre alt.
"Oh meine suesse Doris, der Himmel vereinige uns wieder auf ewig!"

Pfingsten 1794 starb meine Frau an trockenem Husten und am Gram
und den Tod der Tochter, sie wurde nur 44 Jahre alt.
"O meine beste Freundin, ewig belohne dir Gott deine gegen mich bewiesene Liebe!"
1795 starb unser einziger Sohn mit zweieinhalb Jahren,
er wurde bei der Beerdigung seiner Schwester krank am Schleimfieber.
"Gott! Wie hart sind diese Schlaege!
Auch das letzte nimmst du mir.
Noch vor einigen Monaten umarmte mich die beste Gattin,
liebkosten mir zwei zaertliche Kinder und jetzt bin ich allein -
doch Gott ist bei mir"

1795 nahm ich die Schwester meiner Frau, Anna Luetzen zur Gattin,
die schon waehrend unserer Ehe bei uns wohnte.
11 Jahre hatten wir Zeit, uns schaetzen und lieben zu lernen.
Im Hause des Schwiegervaters haben wir geehelicht.
1796 starb die Frau meines Bruders Peter Hinrich Herr,
nach einer vergnuegten und gesegneten Ehezeit von 17 Jahren
mit 4 Kindern im Alter von 40 Jahren.
Sie konnte ihr Ende spueren und gerade noch ihre Kinder segnen,
wo sie bald sanft entschlummerte.
Wegen der 4 Kinder heirate mein Bruder im gleichen Jahr sein 2. Frau
und sie bekamen bald eine Tochter dazu.

Nun hatte ich innerhalb 14 Wochens meine Frau und beide Kinder verloren,
lebte in einem feuchten zugigen Haus.
Ich hatte Grund zu glauben, dass dieses Haus Ursache daran gehabt haben koennte.
Nach einigem beruflichen Suchen wurde mir die Stelle des Pastors
in Uelsby und Fahrenstedt zuerkannt.
Nach 20 Jahren in Cating nahm ich dort den Abschied von meiner Gemeinde.
1802 bekam mein Bruder eine Tochter, der Mensch denkt und Gott lenkt.

Meine Schwiegereltern waren zu uns gezogen und wurden immer aelter,
als sie uns baten nach Husum zurueck zu ziehen.
So ging ich mit 200 Reichtaler im Jahr in Pension
und mit der Familie zurueck - und rufe aus:
"Herr ich bin viel zu gering aller der Barmherzigkeit und Treue,
die du an mir getan, Dir befehle ich meine Wege,
auf dich hoffe ich, du wirst es auch fernerhin wohlmachen".

Nacheinander wurden meinem Bruder 4 Soehne geboren und 4 Soehne wieder genommen.
"Der Herr hat sie gegeben, der Herr hat sie genommen".
Mein aeltester Bruder starb bald darauf kinderlos,
seine Gattin folgte kurz darauf.
"Moege die Gnade und das Wohlgefallen Gottes in ewig begleiten!"
1810 wurde meinem juengeren Bruder wieder eine Tochter geboren,
zwei Jahre spaeter ging auch der Bruder dahin.
Im Alter von 60 Jahren, an einer aehnlichen Krankheit
wie der Begruender des Tagebuches gestorben.
"Moege der Segen des Vaters auf ihm ruhen.
Dir aber, mein geliebter Bruder, ist gewiss jetzt recht wohl,
wer weiss, wie bald ich dir nachfolge und dann sehen wir uns wieder!"

Durch die hohen Kriegssteuern konnte ich unser Haus nicht laenger halten
und bezog ein Haus auf dem Land als Ruhesitz,
gerade noch rechtzeitig um etwas an Erbe fuer die Nachkommen zu retten.
1816 starb die Tochter meines Bruders Peter.
Meinem Brudersohn wurde ein Knabe geboren,
die Verehelichung der beiden aeltesten Toechter meines Bruders kam.
Wir zogen von Roedemis nach Husum, weil mir der Wind gesundheitlich nicht gut tat.
Das hin und her ziehen zwischen beiden Wohnsitzen wurde zu unbehaglich,
weshalb wir in Husum blieben.
Die 3. Tochter des verstorbenen juengeren Sohnes heiratet
und bekam bald einen gesunden Knaben, bald eine Tochter.

Nach und nach kamen Kindeskinder zur Welt,
es starb die aelteste Tochter meines Bruders mit 69 Jahren.
Es starben Kinder aus der Verwandtschaft in jungen Jahren,
die juengste Tochter meines Bruders heiratete.

Der Verfasser starb im Juni 1837,
seine 2. Frau ueberlebte ihn um 11 Jahre.
Als Candidat der Theologie fuehre ich, Peter Hinrich Herr
als geliebtes Erbe weiter, solange es Gott gefaellt.
(Pastor Friedrich Ludwig Herr verlebte seine letzten Tage in Ruhe)

***






Stadtchronikel

Pompeji !

Wie die Auswahl der Staedte zeigt, ist mir die Lage und Zeit der Geschehnisse egal- es
geht um das Leben in den Staedten und da ist mir jeder Vergleich recht.

Pompeji war eine Provinzstadt, wohl nicht bedeutend, aber mit feinen Villen und entsprechender Infrastruktur.
Hier zog sich der zurueck, welcher sein Geld in Rom gemacht hatte oder noch tat.
Man koennte es heute eine typische "Speckguertelstadt" nennen,
die ihre Bediensteten in der Naehe haben wollte und deshalb Profanbauten duldete.

Im Jahr 62 war die Stadt das Epizentrum eines schweren Bebens.
Unverstaendlicherweise hat man die div. Schutzheiligtuemer beim spaeteren Wiederaufbau wieder errichtet,
die Sache war noch nicht ganz fertig,
die Waende noch ohne Verputz, die man aus den Truemmern muehsam wieder errichtete oder errichten lies.
Heute wuerden man zu diesen Verfahren "Recycling" sagen.

Das Werk von Robert Etienne "Pompeji - Das Leben in einer antiken Stadt" aus dem Jahr 1978
stand mir bei dieser Ausarbeitung Pate.
Hier ist alles nochmal ausfuehrlicher erzaehlt - waehrend ich mich auf die "kleinen Leute" beziehen moechte,
die in der Geschichtsschreibung immer zu kurz kommen.

17 Jahre nach diesem Beben hatte man das Wasserleitungssystem wieder in der Reihe,
die alten samnitischen Brunnen wurden ueberfluessig, die bis dahin die Bewohner durch die Krise retteten.
Die Haeuser der Reichen standen schneller wieder, als die der einfachen Leute,
die entweder verschuettet wurden oder ausgewandert sind oder das Geld nicht hatten, um neu aufbauen zu koennen.

Dann kam das Leichentuch des Vesuv-Ausbruchs obwohl man an die von den Goettern garantierte Zukunft glaubte..
Nach den Berichten des Plinius haben sich die Leute Kissen auf die Koepfe gebunden,
um von dem Steinregen keine Verletzung zu bekommen.
Das Meer wich zurueck, der Himmel verfinsterte sich in Gestalt einer Pinie -
der Steinstopfen des Vulkans wurde herausgeschleudert, Asche und Steinregen prasselte herab,
der Berghang zeigte Risse, aus welchen Lava floss.
3 Tage spaeter war die Stadt tot.
Aus den in Bims eingeschlossenen Ungluecklichen hat man spaeter Gipsabdruecke gemacht,
die sogar die Mimik oder Gesichtszuege der Opfer zeigten.
Jeder war in seiner gerade ausgeuebten Taetigkeit oder Fluchtsituation eingeschlossen
und erstickt an den Rauchgasen.
Viele hatten das Familienvermoegen an Schmuck und Geld retten wollen,
ihre Kinder und Alten.
Herculaneum, der benachbare Ort war vom Erdboden verschwunden.
4mtr dick lag die Asche auf der Umgebung - spaeter versuchte der roem. Senat
die Goetter Pompejis zu bergen um die in Rom aufzustellen.
Im Jahr 1631 kam der naechste Ausbruch, von dem 40.000 Menschen fluechten konnten.
Dann kamen mal oesterr. mal spanische, mal franzoesische Despoten auf den Gedanken,
die besetzten Gebiete Italiens zum Grabraeubern zu nutzen.
1707 ein kleiner, 1767 ein grosser neuer Ausbruch des Vesuv.

Pluenderer kamen, mal staatliche mal private, die nach Schaetzen suchten -
diese waren nicht an archaeologischen Grabungen interessiert.
Bis 1860 hielt dieser Raubbau an.
Dann erst begann ein wissenschaftlich - systematischer Grabungsprozess.

Die neue Form der Grabungen um 1876 hat alles katalogisiert, auch Profan-Funde,
wie Koerbe mit Gemuese, Balkone, Brot in den Baeckeroefen, Keller und oeffentliche Badehaeuser.
Ansonsten war Pompeji - wie schon erwaehnt - so wohlhabend, dass Gladiatorenschulen, Theater,
Weinkeller, Impluvien, Dekorsaeulen, Nekropolen mit wertvoller Ausstattung und Villen oder Landsitze hatte..
das oeffentliche Leben war vom Dienen und Herrschen bestimmt, wobei die einfachen Leute -
wie heute wieder - mit dem stillen Dienen in privaten Villen zugange waren.
Das oeffentliche Leben wurde von den Lebenszyklen der Wohlhabenden und der Goetterdienste bestimmt.
Feldarbeit und Versorgung der Bevoelkerung nahm bestimmt einen groesseren Raum ein als heute.

Unter Nero war der Handel mit dem Orient offenbar bereits ueblich und nachweisbar.
Die Cumaer und Griechen, Etrusker gaben sich nach den Oskischen die Macht in die Hand-
oftmals wohl nicht freiwillig, zuerst war eine oskische Siedlung da, -
deren Strassenfuehrungen sich deutlich von denen der Roemer unterschied.
Ein Fischer- und Bauerndorf war der Ursprung, im Kontakt mit dem italischen Stamm der Ausonen.
Die Samniten waren die zweiten Bewohner nach den Samniten.
Das Strassennetz der Stadt unterschied sich arg in militaerischer und ziviler Nutzung.
Kurz, die militaerischen Strassen waren gerade.. und die anderen krumm.
Im Jahr 91 lief der Bundesgenossenkrieg, eine Neuverteilung der Landparzellen von Rom aus
brachte die Leute in heftige Aufruhr, das Land galt allemal mehr als das Haus.
Die kriegerischen Samniten unterlagen jedoch und mussten sich fuegen.
Im Jahr 194-206 legte man Suempfe trocken und es bekann die Brachfeld-Wirtschaft,
diese Modernisierung hat gute Ertraege und Erfolge gebracht.
Die Wirtschaft bluehte. Die Bewohner Pompejis sollen die Spiele ueber alles geliebt haben.

Auf dem Forum, das 38m breit und 142m lang gewesen war, konnte die Masse der Buerger
zu den Beschluessen des Stadtrats Stellung nehmen und abstimmen.
(Die waren weiter als wir heute!)
Die Wahlen liefen mit heftiger Propagada ab, jeder Hausbesitzer, dem danach war,
lies Werbung fuer seine Partei an die Hauswand malen - ganze Malertrupps waren damals unterwegs,
die alten Sprueche zu entfernen, neu zu tuenchen und die neuen Sprueche anzubringen -
zuweilen sogar in der Nacht, wo dann ein Laternentraeger mit einer langen Stange half.
Die Grabungen ergaben, dass diese Sprueche die typisch suedlaendischen Superlativen mit sich fuehrten.

Seite 132 - die Berufsgruppen haben gerne in Einstimmigkeit fuer ihren Kanditaten geworben
und wohl auch gewaehlt. Bauern, Handwerker waren extra,
die waren was Besseres, die dritte Ordnung waren Trnsporteure aller Art,
Parfuemhersteller und Perueckenmacher, sowie die Schuster waren am unteren Ende angesiedelt.

Die Arbeit galt aber noch was.
Es gab Wahlgeschenke, Schankwirte und Bordellbetreiber warben fuer ihre Kandidaten,
die Frauen dieser Leute waren oft Suffragetten, aber auch Unterstuetzer ihrer Maenner,
obwohl sie weder aktives noch passives Wahlrecht hatten.
Es war wohl einfacher Senator in Rom zu werden, als ein Dekurio in Pompeji -
so arg aufgewuehlt lief der Wahlkampf ab.
Die Wahlpropaganda an den Hauswaenden machen optisch und nach dem Schriftbild
eher einen griechischen Eindruck als einen roemischen.
Geschaeftsleute und Bauern mit internationalen Kontakten hatten den groessten Einfluss in der Politik, wie heute auch.

Die Fruchtbarkeit der Region war enorm, Getreide soll 2-3 x und Gemuese 4 mal geerntet worden sein -
im Jahr, wohlgemerkt.
Die Zwillingstraube Gemella, wuchs bis in die hoechsten Hoehen der Pappeln,
die man eigens fuer diese Traube angepflanz hat.
(Sicher gab es viele andere Sorten, die eben Stuetzhoelzer brauchten, wie die heutigen Sorten)
Die Erntehelfer der Gemella haben sich eine Feuerbestattung und ein Grab ausbedungen,
bevor sie ihre Arbeit antraten!
Die meisten Weine hatten keine Haltbarkeitsstoffe und mussierten noch leicht,
sie mussten flott und moeglichst ohne Transportwege an den Konsumenten kommen.
Dunkelrot und perlend und dann noch diese Hitze.. zudem hat man Weine aromatisiert,
mit allen moeglichen Tricks.
Weine und Oele wurden in den Landhaeusern der Grossgrundbesitzer erzeugt.
Viehhaltung war -wie heute- wichtig, noch wichtiger fast war die Dung-Erzeugung,
die bei allen Erzeugern und Winzern begehrt war.

Die Pompejianer liebten Kichererbseneintopf mit Speck!

Kaese war haupts. aus Kuhmilch (wohl auch mit Ziege und Schaf gemischt),
Huete- und Herdenschutzhunde bewachten die Nutztiere, man nimmt an,
dass Huehner die wichtigsten Fleischlieferanten waren.

Die Mehl-Mahlmuehlen waren Kunstwerke- man stelle sich einen aufrecht stehenden Kegel vor,
darauf ein doppeltes Gegenstueck, das sich unten auf dem stehenden Kegel dreht,
oben als Glocke auseinander geht als Trichter sozusagen.
Man konnte dieses Ding umdrehen und somit doppelt so lange nutzen.
Mittig waren Hoelzer in der Achse, an welche das Joch fuer den Esel kam,
der immer im engen Kreis herum laufen musste.

Sogar hoelzerne Teigknete-Maschinen hat man gefunden..
fuer kleines und feines Gebaeck gab es spezielle Backoefen, fuer grobes Brot andere.
Rohes Garum kam als Importware billiger aus Spanien, die hatten dort viele Makrelen -
in Pompeji wurde das Garum veredelt, verbraucht, verkauft, exportiert.
Das Salz dazu kam wohl aus nahen Salinen.
Aus den Rueckstaenden der Garum-Produktion hat man fuer arme Leute
und Sklaven "Hallex oder allec" gemacht, das auch aus Anchovis herstellt werden konnte.
Strohumpflochtene Amphoren wurden extra dafuer hergestellt und auch gesondert vertrieben, wenn gewuenscht.
An Grossunternehmern gab es derzeit einige Arten.
Aegyptische Baumwolle und heimische Schafwolle wurden in Hausarbeit,
aber auch in Manufakturen zu Stoffen gewoben.
Hier kamen viele unterschiedliche Spezialisten zu Werke, die Spinnereien und Webereien
und Faerbereien hatten gut zu tun, es gab sogar Umfaerber und spezielle Betriebe,
die aus alten Kleidern instandgesetzte Togen machten.
Eine ganze Bevoelkerungsschicht lebte vom Im- und Export.
Trimalchio soll damals 30.000.000 Sesterzen verloren haben, als ein paar seiner Schiffe unter gingen.
Osker und Samniten brachten diesen ausgepraegten Seehandel in die Stadt.
Der Wein war wichtiges Handelsgut, aber auch Dachziegel!
Die Handelsfamilien sorgten dafuer, dass in den Partner- Laendern ein paar Familienmitglieder dauerhaft stationiert waren,
damit alles unter Kontrolle blieb.
Dieser Umstand hat auch etwas frisches Blut gebracht - hueben und drueben.
So kam der Isiskult und einige anderen Religionen in die Region, Goettinnen mit seltsamen sexuellen Anwandlungen..
Kelten waren unter den Handelsleuten gut gelitten, sie blieben laenger in Pompeji.

Allerdings war dieser Handel auch Konkurrenz fuer die heimische Produktion-
waere Pompeji nicht verschuettet worden, so meint der Autor des Buches,
waere es bald sowieso bankrott gegangen.
Bis dahin bluete der Wollhandel und jeder versuchte seinen Reichtum zu zeigen.
Abzueglich der Bearbeitung und den Maklergebuehren wurden die Steuern gleich verrechnet,
alles wurde genau auf Wachstaefelchen festgehalten.
So eine Art "Pay-Paypal" - die Geldhaeuser gaben zeitgleich Kredite oder finanzierten eine geschaeftlich Transaktion vor..

Juedische und Phrygische Orientalen zogen zu, die ersteren hatten selbst beim Garum
nochmal eine Extrawurst, wie beide Gruppen je eine eigene Religionsgemeinde gruendeten,
die aus Arabien, die Syrer, Leute aus Tyrus, aus dem Libanon oder Palmyra wohl nicht.
Roms Gutbesitzer, meistens Aristokraten- haben Zweigstellen in Pompeji
und der ganzen Gegend unterhalten und ueberall Verwalter eingesetzt,
sie verdienten sich goldne Nasen und leben in Prunk.

Bronzegeraetschaften aller Art bis zu Praezisionsinstrumente hatten ihre Werkstaetten in der Stadt.
Sogenannte Aerarii hatten hohes Ansehen, es soll sogar so eine fruehe Art
der Recyclingbetriebe fuer Kleider und fuer Metalle gegeben haben, aber auch fuer kaputte Dachziegel,
aus denen die meisten einfachen Gartenboden- und Haus-Mosaike waren.
In den Laden-Kolonaden lebten die Besitzer ueber den Laenden, sonst im Hinterraum.
Die Haeuser und Laeden waren mit Holzlaeden verschlossen.
Badehaeuser haben viele Arten Leute beschaeftigt, z.B. Parfumhaendler, Friseure, Barbiere, Handtuch-Vermieter,
Masseure, Haarausrupfer und Bademeister.
Das Thermopoli war wohl eine Sorte "Garkueche", hier wurde auf einfache Weise das Essen bereitet.
Das Hospitium war das Gasthaus -wo meistens aermere Leute abstiegen,
die reicheren lebten in den Gastzimmern der Gastgeber.

Sklaven und Freie wurden ohne Unterschied eingesetzt, lebten aber unter den Bedingungen nicht lange,
weshalb wohl auch keine Renten ueberliefert waren.
Der Reichtum der Stadt entstand auf dem Ruecken dieser Schicht.
Die Stadt brummte und nach deren Untergang erlebte ganz Italien sein Krise, -
die in suesser Reihenfolge sich bis zum heutigen Tag hin zieht..

Man hortete Muenzen am liebsten aus der Zeit vor der Abwertung durch den roem. Kaiser.
Einfache Dinge des taegl. Lebens waren nicht teuer, so kostete ein Pfund Brot knapp ein AS,
1ltr einfacher Wein ebenso, wie auch fuer den Kaese.
Ein kleiner Fisch war 2 AS wert. Die Ernaehrung fuer 3 Personen hat der Tag wohl 25 AS gekostet,
eine Tunika 15 Sesterzen, 4 Sesterzen eine Reinigung.
Bis zu 1000 Sesterzen waren in den Haeusern an Barvermoegen,
die Goldmuenzen nannte man Aurei, die hatten 7,3gr Gold in sich,
Denare 3,41 gr Gold. Ein Aureus war 25 Denarii wert oder 100 Sestercii.
Besser gestellte Funktionaere hatten schon mal bis 1000 Aurei daheim liegen, wie die Ausgrabungen zeigten.
Vermutlich wollte man davon ein Landgut mittlerer Groesse erstehen, das ca 15% Gewinn abwarf.
Wohltaetigkeit war in der Stadt kein Fremdwort, das gehoerte zum guten Ton und vermied Aufstaende.

Die Bevoelkerung war von allen moeglichen Goettlichkeiten durchdrungen, aus zig Kulturkreisen.
Der aelteste Tempel ist wohl aus dem 6. Jhd. vor Chr. dem angeblichen Gruender der Stadt gewidmet:
Dem keulenschwingenden Herkules !

Die Gaerten waren ein Asyl fuer alle moeglichen steinernen Gottheiten und Schmuckstueck zugleich,
sogar noch an den Hauseingaengen und Fassaden, wie bei uns in Europa im Alpenraum.
Spaeter wurde Venus die offizielle Gottheit.
Seite 240/241 meint, dass man wohl keine christlichen Glaeubigen in Pompeji finden wird,
die Zeit der Verbreitung dieser Religion und dem Untergang der Stadt war zu knapp.
Erst nach dem Untergang sickerte diese Religion ein und breitete sich aus wie ein Krebsgeschwuer -
wie man dort heute noch erleben kann.
Grundsaetzlich galt der Kaiser als oberste Gottheit in dieser Zeit,
alle Goetter fuehrten zum Kaiser nach Rom.
Spaeter fuehrten alle Kaiser den Weg an zum Papst nach Rom... zu Ehren der Goetter gab es viele Spiele,
die das Volk begeisterten.
(Es gab ja noch kein TV und kein Radio) Der naechste seltsame Kult trat auf:
Der Phallus-Kult! (Vermutlich als eine fruehe Form der Aufklaerung)
Die Autoren des Buches glauben, dass ein Larenkult erst durch den Kaiser zur offiziellen liturgischen Ordnung kam.

Im Atrum wohnte man, hat gegessen und geruht.
Der Name kommt von Ater, schwarz- weil frueher dort der Herd stand.
Spaeter kam dieses Ding in die Kueche - wie praktisch.
Dieses Atrium wurde von einem Lichtschacht beleuchtet,
das vom Dach als Compluvium kommendes Regenwasser mittig in diesem Raum unter der Dachoeffnung
in einem Impluvium sammelte.
Der Ueberlauf ging in den Rinnstein der Strasse - vermutlich spuelte dieses das Faekal -
und Dreckwasser weg..
Dieser Baustil wird wohl eher auf dem Land, weniger in der Stadt vorgeherrscht haben,
wo zumindest eine Gaupentechnik der Haeuser fuer etwas mehr Wohnraum
auf den knappen Grundflaechen sorgte.
Dieses seltsame Essen beim Liegen kommt wohl aus Griechenland ..
heute ist dieses Speisesofa bei uns auf dem Vormarsch, wie ich sehe.
Die sogenannte Mysterienvilla hat sich ein Unternehmer-Familie aus Graeveneck,
meinem Wohnort nachbilden lassen, mit mittigem Lichtschacht, der mit Ornamentglas das Innere erleuchtet.

Die Schreiber des Buches "Pompeji" verlieren sich staendig in der Verherrlichung reicher Leute,
von den vielen normalen Bewohnern ist kaum etwas zu erfahren ..

Auch heute, hier bei uns, kann man die Haeuser der "Patrizier" nicht mit den Profanbauten
der "Normalos" vergleichen.
Das gilt fuer die Lage, die Ausstattung und alle Dinge im und um das Haus herum.
Kampanien soll damals wie heute suedlaendisch gepraegt gewesen sein,
lustige offene Leute, wie der Autor meint.
(er war wohl noch nie dort)
Man lebte, so meint er, draussen vor der Tuer und unterhielt sich gerne..

Ideallinien sollten die Strassen bilden, Von Ost nach West der Decumanus,
der Cardo von Sued nach Nord, nach diesen Achsen kamen die Stadttore.
(Die Urbewohner Pompejis dachten da wohl anders)

Polygone Kalksteinbloecke bildeten die Strassenpflaster, Aquaedukte fuehrten ueber weite Strecken
das Wasser bis auf 45mtr Hoehendifferenz hinauf, Brunnen wurden davon gespeist -
aus figuerlichen Wasserspeiern in die mit Eisenklammern zusammen gehaltenen Basaltplatten-Troege.
Aehnlich wie die Viehtraenken bei uns in Deutschland, die man noch in den 1960iger Jahren nutzte.
Heute sieht man das nur noch als Zierstueck an: KEIN Trinkwasser !

Die Aedilen kuemmerten sich um die Strassen, die Buerger um die Buergersteige,
die z.T. in den privaten Grundstuecksbereich uebergingen.
Man stelle Sitzgelegenheiten auf, pflasterte mit "Willkommen" (Have) statt "salve" wie in Rom.
Hoehere Randsteine halfen beim Besteigen der Wagen.
Manche hatten temperierte Getraenke oder Melonenstuecke parat, damit Passanten sich fuer die Auslagen der Laeden interessierten.
Trittsteine auf den Strassen waren ein guter Schutz gegen die ploetzlichen Gewitter dieser Region,
die schnell aus Strassen Baeche machen konnten.
Die Fuhrwerke fuhren genau zwischen diesen Steinen hindurch.
Spezielle Loecher in den Randsteinen waren zum Anleinen der Zugtiere.
Die Auslagen waren mit einer Art Markise ueberdacht, damit der Kunde bequem im Schatten stehen konnte.
Unter den Platanen der Arena fanden sich bei jeder Veranstaltung genuegend Haendler ein,
die alle versorgten. Bei einem solchen Klima gedeien die Geschaefte,
wie bei einer Kirmes. Die Arenen und Tempel waren in speziellen verkehrsberuhigten Zonen,
massiv verankerte Steine liesen kein Fuhrwerk passieren.
Die Forscher sind der Meinung, dass es damals bereits Einbahnstrassen gegeben haben muss,
genau wie herumziehende Musikanten.

Die alten Stadtteile des oskischen - etruskischen Kerns
hatten gewundene Strassen und hohe Mauern um die Grundstuecke, kleine Fenster -
alles war hermetisch abgeschottet.
Die Innenhoefe waren wohl um so wohnlicher.
Graffitti hat man in Pompeji mehr als genug gefunden ..
Der Totenkult war ausgepraegt, die Negropolen lagen ausserhalb der Stadttore.
Reiche Leute haben sich auch nach dem Ableben noch pompoes gezeigt - man goennt sich ja sonst nix !
Tribunen hatten schon mal eine Schola, eine runde Steinbank mit 6mtr Durchmesser am Grab..
man kannte Kinder und Saeuglingsgraeber.
Arme Leute wurden auf dem Pomerium bestattet, die Urnen tief eingegraben und mit einer Roehre nach oben versehen,
auf welche ein Stein gelegt wurde.
So konnten "Liberationen" trotzdem stattfinden:
Kleine Parfum-Flaeschchen wurden darin gefunden.
36 Urnen mit Asche hat man an einem solchen Ort gefunden.

Seite 350 versucht den Eindruck zu erwecken, dass nur wohlhabende Leute gebildet seien
und dass nur musische Bildung den gesellschaftlichen Stand oder Rang hat.
Zweisprachigkeit in Pompeji?
Der Autor behauptet, dass eine Sprache zwei Funktionen habe, "sie ist Kulturtraegerin" - nee,
es ist keine weibliche Person, denn es sollte lauten:
"Die Kultur wird durch die Sprache getragen".
Also ist der Autor selbst in der Naehe der Ehefrau Nero's, welche "listig und kokett Bildung vorzutaeuschen sucht".
Ich finde nicht, dass "Sprache" den Zusammenhalt einer politischen Gruppe ausmacht,
wie das Buch das nennt, sie gehoert einfach kommentarlos dazu. Mehr nicht.
Den hochgestochene Ausdruck moechte ich immer und immer wieder hinterfragen.
Der Versuch von Okkupation und kriegerischen Zuwanderungen deren jeweilige Hochsprache
ueberzustuelpen ist noch nie gelungen, die Ursprache der Einwohner wird nur voruebergehend
in die Position des Dialektes hinein gedraengt - es sei denn,
die zahlenmaessige Ueberlegenheit der Einwanderer (unter Unterwanderer, wie z.zt. gerade tuerkische Volksgruppen in Europa) erzwingt das dauerhaft.
Wie auch immer und in welcher Sprache auch immer, die Gebildeten brachten die Despoten hervor,
nicht die normalen Buerger. (Einige Ausnahmen gibt es wohl)
Warum das so war, kann ich anhand der nicht mehr selbst erziehenden Besserverdiener unserer Zeit erahnen,
deren Kinder spaeter das Benehmen in der Gemeinschaft der Familie nie so richtig erfahren haben -
statt dessen wurden sie so schraeg wie ihre Hauslehrer.

In der Schule hatte nur der Lehrer ein Pult und einen Stuhl,
die Schueler hocken halbkreisfoermig um ihn herum auf dem Boden - vorzugsweise im Freien.
So rueckstaendig wie in Griechenland, wurden Maedchen vernachlaessigt.
Selbst Frauen fuehrender Leute konnten kaum lesen und schreiben,
die Unterschriften wurden oft von Sklaven geleistet, die als halbwegs Gebildete nach Pompeji kamen.
Gefangene allemal. Der Sport war Selbstzweck und wurde hoch gehalten.
Bei den Roemern eher aus dem Grund hinterher in das Badehaus zu gehen,
bei den griechischen Zuwanderern als Ideologie oder Koerperkult.
Bei den Samniten aus Gruenden der "Wehrerziehung".
Frauen und Maenner waren wohl in allen oeffentlichen Einrichtungen getrennt.
Auch in der Arena, wo 20.000 Zuschauer Platz hatten.
Wohlhabende Damen, so erfaehrt man, haetten sich zuweilen mit den Gladiatoren in deren Zellen eingelassen.
Die Bewohner Pompejis sollen keinen Streit aus dem Wege gegangen sein.
6 Stunden am Tag wurde gearbeitet, die restliche Zeit dienter der Muse - das,
so das Buch, haette Arme und Reiche etwas naeher gebracht..



***

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Stadtchronikel ;
Limburger Stadtbuch von 1548 - ein Ausschnitt, mehr nicht.

Hessen und Kurtrier rangen im spaeten Mittelalter um die Macht, Limburg war die Nahtstelle und Handelsplatz,
sowie religioeses Zentrum der Katholiken an der Lahn.
Trotz allem war 1525 die Bauernkriegsbewegung auch hier, in der die Stadt,
deren Einwohner man bis heute "Saecker" nennt.
Die Herrscher geben sich die Klinken in die Hand, die Bevoelkerung wurde von der Fegmuehle
der Macht von Adel und Klerus immer schoen klein gehalten.
Pleite waren diese Halunken aus Herrscherhaeusern immer -
das Geld war stets von den kleinen Leuten abzupressen,
wenn die da oben sich wieder einmal vezockt hatten.
(Wie immer man diese Sonderabgaben nannte, sie aehneln in ihrer Willkuer und Beliebigkeit
den heutigen Steuern und Gebuehren und Abgaben)
Die Fuersten verpfaendeten ihre Besitzungen, manche Gebiete hat man dazu geheiratet,
auch wenn die Schrulle noch so furchtbar aussah -
ich empfehle die Galerien in den Schloessern einmal genauer zu betrachten ..

Der Limburger Markt war schon im 13. Jahrhundert bekannt, in der Stadt waren gleich
ein paar Maerkte angesiedelt, weil rundherum eine sehr fruchtbare Gegend ist und weil
gleich 6 Laender oder besser Kleinstaaten aneinander grenzen.
Die Lahn ist bis Limburg schiffbar - was nochmal zugute kam:
Man fuhr darauf in den damaligen Welthandel.
Im 15.Jhd. kamen die Reichssteuern dazu, was die Einwohner zusaetzlich belastete.
Die Stadt wurde zum Verwaltungsstuetzpunkt.
Im 15. und 16.Jhd. wuchs nach den Pestwellen die Bevoelkerung wieder stark an,
was zum Lohnverfall fuehrte und wegen der hoeheren Nachfrage zu hoeheren Preisen.
Das fuehrte zu einer verschuldeten Bevoelkerung.
Die Tuchweber erlebten ihre Krise, die Stadtvaeter kamen in Verruf ob ihrer Misswirtschaft.
Die "Kommunalisierung der Gesellschaft" erzwang die Kontrolle ueber die Stadtraete,
des Stadtsaeckels und aller oeffentlichen Angelegenheiten.
Der Rat hatte sich Verstaerkung bei dem Kurfuersten geholt und so wurden die Bauern wieder zurueck gedrueckt:
Schwups, die alten schwarzen Kirchenraben hatten wieder das grosse Sagen,
was sie gerne taten und jedem Bewohner, jeder Gruppe haarklein jedes Ding vorschrieben -
bis zu den Ausgangszeiten - ins taegliche Leben hinein diktiert.
"Gott" bestimmte nun wieder ueber die "Sitten".
Die Buergerversammlung wurde wieder abgeschafft, angeblich um Unruhen zu vermeiden.
Der Rat wurde fortan von der Obrigkeit gestellt.
(Wie heute, wo Parteien die Politiker aufstellen und "das Volk" nur aus diesem "Angebot" waehlen kann)
Das Umland war protestantisch und so leiteten diese katholischen Stadtspitzbuben eine "Gegenreformation" ein.
Umfangreiche Regelungen gab es fuer die wichtigsten Gewerbe:
Markt, Kaufleute, Weinschenken, Metzger, Tuchmacher, Baecker und Kraemer.
Es gab Vorschriften fuer Gruppen, welche wo und wann bis wieviel Uhr auf die Strasse gehen durften
in ellenlangen Katalogen, die in einer kaum mehr lesbaren Sprache geschrieben wurden:
Selbstgebasteltes "Hochdeutsch".
(Wie das heute linke Machthaber durch ihr "Gender" oder "politisches Korrekt-Sprech" tun)
Heute ist man wieder auf dem gleichen Weg der Verordnungswut, die aus Bruessel
kommt - diese Stadt ist wie eine Ameisenkoenigin staendig am Gesetzes-Eier legen, pausenlos..
Damals ging es um Speck, Eier, Judenwucher, Gotteslaesterer und Gewichtseinheiten,
heute um die Bananenkruemmung und Strassenmaut.

Seite 29 zeigt den Originaltext des Stadtbuches von 1548 auf dutzenden an Folgeseiten -
ich halte dieses fuer kaum noch uebersetzbar, weil die "Rechtschreibung" grauenvoll ist;
die Juden hatten sich bescheiden zu kleiden und zu kennzeichnen.
sie durften mit Christen weder essen noch trinken.
(Was diese Religionsgruppe wohl eher kaum tun wuerde)
Der Stadtbach entsorge die Schlachtrueckstaende von der Schirn, Ploetze und Fleischgasse in die Lahn..

Soviel zum 1. Buch zur Stadt Limburg.
Das zweite Buch lautet: "Geschichte des Bistums Limburg" von Klaus Schatz aus dem Jahr 1983

Dieses Werk faellt in die Zeit des Bischofs Kamphaus, der einmal sagte:
"Kirche ist und kann nicht demokratisch sein!"
Das war der Grund, warum wir beide aus der Kirche austraten.
Hier wird viel von "Amtskirche" und "Erwachsenenbildung"
und von "Marianischer Froemmigkeit" geschwurbelt, eine nicht in die Zeit passende Anmaßung von Leuten,
die von uns allen bezahlt werden,
von Kirchenmitgliedern doppelt.
Es wird erzaehlt, wie die "Entstehung kirchlicher Behoerden" im Limburger Raum zustande kam,
als 1801 der Friede von Luneville die linksrheinischen Erbfuersten
durch diese Grenzziehung durch den Strom auf dessen rechter Seite entschaedigt worden sind.
Diese Erbfuersten waren auch Kirchenfuersten - dann folgte der Kampf der Bistuemer untereinander um Gebiete.
Gebietsabgreifungen waren damals normal, denn es ging um Einnahmen, die man der Bevoelkerung abpresste:
Es wurde mit Tod und Teufel und dem Entzug des Himmels gedroht,
mit "Exkommunizierung" und der Rache Gottes, wenn man nicht tat, was diese Maenner in Frauenkleidern wollten.
Mir ist klar, dass es Leser kostet, wenn ich so offen schreibe - das darf mich an der Wahrheit nicht hindern!

Ich werde mich auch durch dieses schraege Buch beissen,
immer in der Hoffnung etwas von den normalen Menschen in dieser Zeit und in dieser Stadt zu erfahren.
(Die mir unsympatisch ist, was nicht nur mir so geht - auch meine Eltern und Grosseltern mochten dieses rabenschwarze Katholikennest nicht.)

(25.4.2018 - Eben hoere ich, dass der bayrische Minister So eder Kreuze
in oeffentlichen Gebaeuden und Schulen aufhaengen lassen will, damit der deutliche Bezug zu der christl. abendlaendischen Trallala -
gehoert das noch in die Zeit oder gehen wir rueckwaerts in der Entwicklung,
nur weil die Muslime zu uns stroemen um ihren Lebensstandard anheben zu wollen?
Der Hickhack mit dem Ueberfall auf einen jungen Kipa-Traeger -der dieses Kappe nur aus provokanten Gruenden trug
um zu beweisen, wie gefaehrlich das in unserer immer macho-artigen arab. Maennerwelt geworden ist..
da gehen tausende Leute aus Solidaritaet mit der Kipa auf die Strasse in Berlin, nur um Solidaritaet zu beweisen
und zu zeigen, dass "Antisemitismus" in Deutschland nichts zu melden hat.
(Gut gemeint, aber provokant sind ALLE Zeichen EINER Religion gegen die jeweils anderen Glaubensfreaks IMMER)

Seite 13 des Buches:
"zumindest die niedere Klasse scheint weniger als das mittlere und hoehere Buergertum die Arrondierung begruesst zu haben.
Die aufgeklaerten Reformen haben die Unterschichten wirtschaftlich und geistlich entwurzelt.
Die Saekularisation kam nicht zuletzt wegen schlechter Wirtschaftlichkeit kirchlicher Gebiete und Besitzungen.

18 Maenner- und 8 Frauenkloester wurden aufgeloest, es folgte eine Austrittswelle,
die von der weltlichen Regierung gestuetzt wurde.
Die Nutzlosigkeit des Ordenslebens wurde oeffentlich propagiert.
Die Priester stroemten in eintraeglichere Dioezesen.
Viele Kloester und Kirchengebaeude wurden auf Abbruch verkauft,
das Kloster Eberbach (ein Riesending), heute Tagungsstaette und hochpreisiger Staatsweinbau und Domainengut,
wurde 1808 ein Munitionsdepot, 1811 ein Zuchthaus, 1815 eine Irrenanstalt.
(Das hies damals so) Klosterausstattungen wurden in aermere Kirchen vergeben,
ganze Bibliotheken sollen verramscht worden, nur "das Nuetzliche" erhalten worden sein.

Durch diese Arrondierungen fielen den kleinen Herrscherhaeusern grosse ehem. katholische Gebiete zu,
die zu verwalten aber die Erfahrung fehlte.
Die freigewordenen Franziskaner und Kapuziner sollten vakante Pfarrstellen "begleiten",
weil dadurch die Pensionslasten geringer werden..
das fuehrte wohl im Jahr 1825 zu Disziplinarmassnahmen gegen viele Geistliche wegen "staendiger Trunksucht".
Die Saekularisation hatte einen enormen Wandel in den bisherigen Religionszugehoerigkeiten gebracht:
"Cuius regio, eius religio" galt nicht mehr, jeder konnte die Religion frei waehlen.
1791 wurde das Verbot katholischer Gottesdienste in den reformieren (evangelischen) Gebieten aufgehoben.
So entstanden in diesen ev. Gebieten ueberall kath. Pfarreien.
1806 hat das "Heilige Roemische Reich" aufgehoert zu existieren.
Der Rheinbund unter Napoleon kam.
Bischoeflicher Despotismus kaempfte gegen paepstlichen Despotismus in dieser Zeit.
1808 - Landesfuerstliche Verordnung fuer "die religioese Erziehung in gemischen Ehen" sorgte fuer wahre Gesetzesmonster.
(Man verstand darunter nicht die Ehe zwischen Mann und Frau, vielmehr die von verschieden religioesen Verbindungen in der Ehe,
heute hat man noch weitere seltsame Unterscheidungen parat..)

Der allzeit hochgelobte Marschall von Bieberstein wollte 1815 die monarche Gewalt sichern,
indem er die Domaenen (staatl. Vorzeigebetriebe) zum herzoeglichen "Hausgut" erklaerte, statt diese zum Staatseigentum zu zaehlen!

Seit 41 unten, "der Pfarrer.. hatte bei der Handhabung der Kirchenpolizei
an dem strengen nassauischen Amtmann mit seinen Gendarmen eine kraeftige Stuetze.
Religionsunterricht in der Schule, Christenlehre in der Kirche, Ordnung bei den Prozessionen,
Beaufsichtigung der Jugend in der Kirche, auf der Strasse, Wahrung von Zucht und Sitte in der Oeffentlichkeit -
alles im Rahmen der in Geltung stehenden staatlichen Gesetze und Regierungsverordnungen,
liesen nichts zu wuenschen uebrig .. und es waere in der Gegenwart
wohl um vieles im oeffentlichen wie im haeuslichen Leben weit besser gestellt,
wenn eine Reihe jener Verordnungen noch in Kraft staenden"
(Das Bistum Limburg S. 115)

Seite 47 Anwerbung:
Durch den staatlichen allgemeinen Religionsunterricht wuerden "die Unterscheidungslehren zur Nebensache".
Das Vikariat sah das als "katastrophal" an, da Religion "in den Sog des Rationalismus gerate,
ueber alles reden zu koennen" das hielt diese Stelle fuer "autoritaetszerstoerend,
die Menschen von der Maeßigung ab und fuer "Tugendschaedlich".

Auf Seite 52Punkt3 : "dass dem Bischof wieder die Schulinspektionen und die Aufsicht
ueber das sittliche Verhalten der Lehrer zukomme.."
(Sowie die Einrichtung einer Korrektionsanstalt fuer schuldig gewordene, bzw. eines Demeritenhauses,
fuer entgueltig unwuerdige gewordene Geistliche)
1791 gab es eine Fassung der kath. Lehre nach franz. Muster,
die von dem "aberglaeubigen Verstaendnis der Volksfroemmigkeit abwich:
Heilige sind keine Guenstlinge, die es zu bestechen gilt..
1815 bestand das staatl. Verbot bei Prozessionen die Pfarr-Grenzen zu ueberschreiten.
Wallduern im Odenwald, Wallfahrtsort "zum heiligen Blut" -
hier soll im Jahr 1500 ein Priester konsektrieren Wein verschuettet haben,
als auf dem Korporale ein "Bild des Gekreuzigten erschienen
und statt der Blutstropfen in roter Farbe rote Christuskoepfe" zu sehen gewesen sein.
Das wurde als Aberglaube bekaempft, als im 17.Jhd grosse Glaeubigenstroeme dorthin fuhren.
Im spaeten 19.Jhd setzte man sich verstaerkt fuer deutsche Kirchenlieder
und Gottesdienste ein, was sogar zuvor am Widerstand des Volkes gescheitert war.
Seite 72 - Frankfurt kam 1818 unter die Fuchtel des Limburger Bischofs -
zumindest seine Glaeubigen. Zuerst hatte Nassau dieses gemacht,
weil die Mainzer den Frankfurtern schon von jeher spinnefeind waren.
Diese Limburger Heiligen betrachteten die Eingliederung der Katholiken als Eingliederung Frankfurts unter ihre Herrschaft -
und bezeichneten diesen Vorgang als "Dienstbotenkatholizismus", den man hinzu gewonnen habe.
(Frankfurt hatte 2500 Einwohner kath. Glaubens und Nichtbuerger gesamt 6000 Personen,
die davon betroffen waren. Diese Nichtbuerger sollen zum erheblichen Teil Dienstboten gewesen sein..
Damals hies es: Die Lutheraner haben die Macht, die Reformisten das Geld, die Katholiken die Kirchen in Frankfurt.
Nichtbuerger waren Fremde mit Aufenthaltsgenehmigung, Beisassen und Juden.
Ausser durch Heirat war die Buergerschaft damals kaum zu erreichen.
Die Katholiken hatten ihrerseits in Ffm keinen leichen Stand,
Gottesdienste waren in der Oeffentlichkeit nicht erlaubt, auch keine privaten.
Es gab aber genug Kirchen, die fuer Ehesachen zustaendig waren - wie ein Staat im Staate.
Der neue Volksgottesdienst kam mit deutschen Kirchenliedern, das Fridericianum, ein Gymnasium in Frankfurt
wurde beidkonfessionell, aber mit getrenntem Geschichts- und Religionsunterricht.
Erst 1866 kam fuer die Katholiken die volle buergerliche Gleichberechtigung,
obwohl der Limburger Bischof fuer die freie Reichsstadt Frankfurt ein Auslaender war.
1802: Herzogliches Landesbistum Limburg gegruendet. (Seite84)

Seite 103 Nr95 Der Dekan zu Ruedesheim 1828 zu dem Bischof: (Thema Wallfahrten)
"dass wenigstens in unseren Gegenden nicht sowohl Mangel an Belehrung und Einsicht,
als der immer mehr einreissende Hang zu Saufereien, Zerstreuungen,
Zusammenkuenften, Vergnuegungen der Hauptgrund der oefteren Excursionen seyn mag - ein Uebel,
welches nicht durch sanfte, sondern mehr durch heroische Mittel gehoben werden kann;
2. dass der Standpunkt jener Pfarrgeistlichen, nach deren Kirchen solche Excursionen geschehen,
eben nicht der angenehmste ist, weil mehrere ihrer Parochianen
wegen des dabei zu erwartenden Gewinns die Wallfahrten moeglichst beguenstigen,
obgleich dieselben durch Verordnungen der Kirche und des Staates entweder eingeschraenkt oder verbothen sind -
abgesehen von manchen anderen Gruenden ist es Unverstand und Roheit
unbedingt das Wallfahrten verbieten zu wollen.
Der arme Bauer, das ganze Jahr geplagt und oft geaergert, verlaesst da seine schmutzige Stube und das Kindergeschrei
und Weibergebell, und die Gasse, wo sein Glaeubige wohnt und die Kirche,
wo der Anblick des Nachbarn, der mit ihm Prozess fuehrt,
oder des unbeliebten Pfarrers ihm die Andacht verdirbt.
Und wenn er aus dem Ortsbann hinaus ist, bekommt er erst wieder zur rechten Besinnung
ueber sich selbst und sein Leben und ist Gott ihm gegenwaertiger
und sein muedes Herz atmet wieder auf, und ihm ist wie dem Vogel,
der, halb erstickt im Garn, losgeloest nun iweder in freien Himmelsraum hinausfliegt"

Seite 108: "Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden, souveraener Herzog zu Nassau"

Seite 111 Nr145
"..aber dass das Volk nicht weiss das Unwesentliche vom Wesentlichen zu unterscheiden".
Seite 131 "Pauperismus des Industrie-Proletariats"..
(Genannt auf dem Limburger Kongress)

Wegen seltsamer Gesetze kamen bald mehr Glaeubige aus Trier als aus Limburg zu den Wallfahrtsorten.
Nach Bornhofen und Montabaur kamen barmherzige Brueder und Redemptoren zugewandert.
In diesem Umland gab es eine breite Stimmung gegen Nassau,
deren Fuerst immer noch zu Preussen und selbst zu Napoleon stand,
dieser war fuer die Wallfahrerei nicht zu haben -
auch wenn inzwischen 20.000 Pilger im Jahr kamen.
Wo viele Verwirrte sind, kommen noch mehr hin:
Die Jesuiten hielten Vortraege, die 6-8000 Zuhoerer hatten.
Die "einfachen Bauernmaedchen", die Dernbacher Schwestern,
die auch die Klostergemeinschaft der armen Dienstmaegde Christi gruendeten.
Hintergrund war die schlimme Lage der Leute im damaligen Westerwald, die ihre Kinder verkaufen mussten,
damit diese als Tingeltangel im Ausland Musik machen und Kram verkaufen mussten.
Diese Dinge habe ich in der geschichtl. Exkursion" genuegend beleuchtet.
Diese extreme Armut fuehrte zur extremen, ja geradezu vernagelten Froemmigkeit, die z.T. heute noch zu spueren ist.
Es gab dort viele Kinder und keinerlei Wohlfahrtseinrichtungen.
Die Dernbacher Schwestern sollen viele Fabrikarbeiterinnen vor der Verwahrlosung gerettet haben,
wie das Buch meint. Ambulanz und Krankenpflege waren deren weitere Standbeine,
spaeter unterrichteten diese Schwestern auch hoehere Toechter, wie man damals sagte
und trat dabei fuer die Emanzipation ein.
(Gottes Suffragetten?)
Der Kaplan Jakob Wittayer soll dabei tuechtig gegen diese- inzwischen von Rom bestaetigte - Gemeinschaft integriert haben.
(Wie sonst kommt man auf der Karriere-Leiter nach oben?)
Trotzdem kamen staendig neue Gruendung dieser Dernbacher Schwestern zustande, nach Boehmen,
Holland nach England und Amerika sind sie gezogen mit ihrer Mission.
Und warum hatten sie einen solchen Erfolg?
Nun, weil die Amtskirche verkrustet und verkrueppelt war, von Menschenfreundlichkeit soll nichts zu spueren gewesen sein,
nichts von sozialem Engagement, nichts von Christus' Naechstenliebe.

Die barmherzigen Brueder als Maennerorden tutete in das gleiche Horn,
angesport von dem Erfolg der Schwestern.
Bei so viel Armut in dieser Zeit wundere ich mich ueber die vielen Adelssitze
und Herrschaftshaeuser mit enormem Prunk !
Dieses neue Industrie-Proletariat lies viele neue Katholiken-Vereine
unter div. Bezeichnungen wie Pilze aus dem Boden wachsen:
In dieser Zeit der schwachen Kleinstaaten schwang sich die Kirche auf,
wieder die totale Kontrolle fuer Land und Menschen zu gewinnen:
Jeder Protest wurde sogleich "widerkatholisch" genannt.
Seite 192 Absatz 125:
"Staat und Kirche sind nach Gottes Willen durch ihre Grundlagen, ihre Organisation,
und ihre Aufgabe so eng miteinander verschwistert und so zwingend aufeinander angewiesen,
dass sie sich immer wieder suchen werden, auch wenn sie sich zeitweilig noch so heftig bekaempft haben"

Seite 194 spricht von der "Concordia zwischen Kirche und Kaiserstaat".
Genau das gleiche Vorgehen die Kirche im 3. Reich das tat -immer schoen Schulterschluss zur Macht halten,
nur so rutscht man nach oben. Nach dem Edikt von 1874, wo viele Kloester aufgehoben wurden,
existierten die Ursulinen und Schervier - Schwestern Frankfurts nur noch im Untergrund,
wie die Chronik sagt.
"Sie schuetzten weibliche Dienstboten vor den Gefahren der Gross-Stadt"
(Doch wohl eher vor den Uebergriffen ihrer Dienstherren -oder?)
Wie auch immer, dieses Gesetz hatte bis 1917 Gueltigkeit.
Spaetere Kloster-Neugruendungen wurden nur fuer Maennerorden zugelassen, unter der Bedingung,
"ausschliesslich Aushilfe in der Seelsorge" zu stellen und sich sonst nirgends einzumischen.
Vermutlich hat man die sozialen Engagements zu mindern gesucht,
damit die neuen Industriebarone ein leichteres Spiel hatten.
Danach gruendeten die armen Dienstmaegde Jesu Christi und die englischen Fraeuleins
hoehere Maedchenschulen, eine davon ist die bekannte Limburger Marienschule.
(Die es heute noch gibt)
Die Missionspallottinerinnen missionierten in Kamerun - wohl heute ohne nennenswerten Erfolg,
die Muslime haben das gruendlicher getan - ganz Afrika ist wohl eingenommen worden von dieser Religion.
Unter dem Limburger Bischof kamen die Alexianerinnen, die Benediktiner und Kapuziner in die Region.

1891 Die Schwestern von der Liebe des guten Hirten kamen ins Land,
1904 wurde die Abtei der heiligen Hildegard von Bingen neu gegruendet-
ehedem aus dem Jahr 1165 bekannt, diesmal unter dem Limburger Bischof und mit dem Fuersten Karl zu Loewenstein.
1888 lesen wir von der Wallfahrtsstaette Marienthal.
Im gleichen Jahr sind die Franziskaner gekommen und die Zistersienser nach Marienstatt im Westerwald,
wo es zuvor eine "Erziehungsanstalt" gab, die nach Marienhausen in den Rheingau abzog.
Der Hickhack zwischen den Orden, der Kirche und Preussen war beachtlich.

Auf Seite 213 NR194 - Simon Peter Paul Cohensky, geb. 1838 in Limburg bekam in Le Havre am eigenen Erleben mit, wie das Elend der Auswanderer im Zwischendeck war, wo er selbst oft genug nach Amerika geschippert ist. Er kuemmerte sich um italienische Saisonarbeiter. Als Kaufmann kam er mit vielen dieser Leute in Kontakt. Spaeter wurde er Abgeordneter im Reichstag und war auch als Seelsorger dabei. (Cohenskyismus)

Jesuiten und Franziskaner wurden misstrauisch beaeugt, setzten sich aber dennoch in Frankfurt fest.
Katholische Maennervereine wollten weltanschauliche Irrtuemer meiden,
was aber wohl von daneben ging- es kam die Weimarer Republik,
die bekanntlich zum 3. Reich fuehrte, die aus Bayern durch den Oesterreicher ins Land ausstrahlte
und unsere Elite mit sich riss.
Man muss sich den Irrtum einmal vorstellen:
Germanischer Nationalismus aus Oesterreich !
wenn das kein "weltanschaulicher Irrtum" war, dann weiss ich auch nicht mehr weiter.
Aus diesen Maennervereinen erwuch aber auch Soziales, wie die Sterbekassen -
es werden Arbeitervereinge gewesen sein.
1899 hat sich die christliche Gewerkschaft daraus gegruendet und die Caritas und Heime fuer geistig behinderte Kinder.

Von 1913-1930 war Augustinus Kilian Limburger Bischof,
er soll aus "einfachen Verhaeltnissen" aufgestiegen sein.
Sein Vater war Schuhmacher.
Der Augustinus absolvierte das Priesterseminar, studierte auf Wunsch und Promotion des Bischofs
kath. Recht, Spezialwissenschaften.
Er wurde zum Domkaplan und Religionslehrer.
Damals nannte man die Taetigkeit des Bischofs mal "Amtszeit", mal "Regierungszeit" -
er war also ein Kirchenfuerst und rief "dem deutschen Volk zu, dass Gott am Ende den Sieg schenken wird.."

Nach dieser gewaltigen Aufstachelung oder Luege warnte er vor den Gefahren des Pessimismus und vor Resignation.

1920 kam der Umbruch, die Kirche misstraute den Gewerkschaften und den Sozialisten.
Immerhin wurde der Druck von der Kanzel herab, "saeumige" namentlich vorzulesen,
endlich fallen gelassen.. aber nur, weil eine Austrittswelle war.

Das hielt die Franziskaner nicht auf, in Frankfurt ein "Exerzitienhaus" zu gruenden.
1919 kamen die "Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria" (OMI)
auf den Allerheiligenberg bei Niederlahnstein.
Die dort lebenden "Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung" zogen nach Johannisburg in den Rheingau ab.

Salesianer Don Bosco erziehen Knaben, katholische Juenglingsvereine
und die Pfadfinder wurden Ende der 20iger Jahre gegruendet.
1932 gab es 225 Jungmaennervereine allein in der Dioezese Limburg:
"Christusjugend an die Front!"
Jungschar und aehnliche Dinge folgten. (hinterher ist alles nicht wahr gewesen)

***

Seite 237 steht das Gedicht des Ulrich von Hutten:

Dank Loyalas schwarze Juenger
mit den Intrigantenminen,
welche weniger dem Himmel,
als dem Gottseibeiuns dienen,
sind zur Freude aller Frommen,
endlich auch zu uns gekommen.

Was das Kaiserreich verboten,
weils ein guter Geist beschattet,
ein'ger hellrer Diplomaten,
hat die Republik gestattet,
die doch fuehren scharfe Waffen,
sollte wider alle Pfaffen.

Sind DAS des Novembers Fruechte,
der die Schwerter uns entrissen,
dass wir nur fuer England schuften,
und als Sklaven frohnen muessen,
um auch noch mit Schleicherschritten
nah'n zu sehn die Jesuiten?

Sollten alle Stricke reissen -
was wir kaum zu denken wagen,
weil es zu entsetzlich waere -
und die Staatskunst ganz versagen,
setze man an Eberts Stelle
einen Jesuiten schnelle -

Besser werden ohne Zweifel
diese schwarzen Herren regieren
und im Sinn von Petri Stuhle
sicherlich das Zepter fuehren,
wie sie's in so vielen Staaten
unsichtbar schon fuehren taten.

Doch dann macht die Freiheit pleite
und von eifernden Zeloten
wird mit einem Federstriche
jedes freie Wort verboten
und die Tote Hand schlaegt wieder
die Gedankenfreiheit nieder.

***

Seite 245 kam eine Spaltung des Katholizismus durch progressive Jugendbewegungskraefte,
die von "der Faszination des Nationalsozialismus" kam,
wie in dem Buch von Klaus Schulz "Geschichte des Bistums Limburg" zu lesen ist.

In Frankfurt waren fast nur kleine Leute Katholiken,
wir erinnern uns an das Wort des "Dienstboten-Katholizismus",
wo praktisch keine Buerger oder Grossbuerger oder Adlige dabei waren, wie in Limburg, Mainz oder Trier..

Friedrich Ressauer, geb.1831 in Aschaffenburg, ein Industrieller baut 1907 Roentgenapparate in Frankfurt,
erlitt Strahlenschaeden, hatte davon Narben.
1921 wurde er Professor fuer physikalische Grundlagen der Medizin in Frankfurt, 1924 Reichstagsabgeordneter,
1939 ging er wegen der Nazis nach Istanbul, dann nach Fribourg,
seit 1951 war er wieder in Frankfurt wohnhaft, gestorben 1963.
Das Zusammenbringen des Glaubens, der Technik und der Naturwissenschaften war sein Ziel und Lebenswerk.
Sicherlich war die Zeitschrift RMV (Rhein-Mainische-Volkszeitung)
der Grund fuer diese Flucht, andere Mitwirkende dieses Blattes wurden spaeter in der DDR,
andere in Russland hart bestraft, obwohl die "Eingliederung der Arbeiter in die Gesellschaft"
und die "Aussoehnung Deutschlands mit Frankreich" gefordert worden war.
Fuer diese Zeitung war Limburg das "Symbol der normalen katholischen Rueckstaendigkeit"
- diese Seite warf dem Blatt "modernistische Tendenzen" vor.
Mir klingt das doch schon sehr nach dem Ausdruck "Querulatorisch", was immer wieder beweist,
wie einfaeltig Akademiker sein koennen !

Bischof Kilian lies der RMV als Warnung zukommen, eine Reihe der Artikeln in diesem Blatt
habe Gedanken verfochten,
"die sich als offene Haeresie darstellen und zur Gefahr fuer die katholische Gesinnung der Leser wuerden"
Alle Wege, diese Absicht Kilians durchzupeitschen standen offen, er mobbte nach allen Seiten,
sowie einer oder etwas nicht "auf Linie" war.
Seite 251 Nr118 "..zu verhueten, dass weniger reife Menschen beunruhigt werden"
Aha. Er ist also ein ganz "reifer"!

Seite 259 - Das Blatt zeigte eine Karrikatur, wo Christus am Kreuz haengend,
mit Gasmaske und Handgranate gezeigt worden sein soll, drunter stand:
"Maulhalten, weiter dienen!"
Seite 255 Nr132:
"..dass das deutsche Nationalgefuehl nach all den unerhoerten Demuetigungen sehr empfindlich geworden ist"
(Kapitulation nach dem 1.WK, die extrem teuer geworden war)
Seite 257 NR138: Hier findet man Konkordanzen zu Werken,
die jene Haltung der Katholischen Kirche waehrend der Zeit des 3. Reiches behandeln.
Die RMV milderte die die progressiven Kraefte der Kirche ab,
zu sehr mit dem N SRe gime zu kokettieren, wie es heisst..
Einzelne Geistliche haben aus taktischen Gruenden zum Beitritt in die SA oder HJ geraten..
Auch die RMV hat die Zustimmung der Zentrumspartei zum Ermaechtigungsgesetz zugunsten des Hitl er verteidigt !
Franziskanerpater Hygin Lattek wollte Kolping - Mitglieder zum Eintritt in die SA ermutigen,
damit durch deren wirken die Geistlichen ihren Einfluss wiederbekaemen -
er meinte wohl das typische Buettelwesen der Pfarrer,
die sich an die Staatsmacht klemmten.
Die politische Loyalitaet des Klerus zu den staatlichen Stellen war allenthalben groesser als gedacht!
Trotzdem fanden Schlaege der NS Partei gegen den Verbandskatholizismus
und gegen die Zentrumspartei statt.
Inzwischen bestellten die Abonnenten die RMV ab, als diese im NS-Stil weitergefuehrt
wurde unter Georg Schmidt.
Die Stiche der NS gegen einzelne Katholiken nahmen zu,
einzelne Mahner traten auf, aber die Bischoefe schwiegen.

Das "Landjahr" fuer die Jugend war dazu angedacht, der Kirche die jungen Leute zu entziehen.
Der Reichskultusminister Rust:
"Die Kinder gehoeren dem Volk und nicht den Eltern!"
(dieses Denken wird es immer noch geben.. bei denen da oben, da bin ich mir sicher -
zudem es aehnliche Tendenzen auch und gerade im Kommunismus gab-
Sozialisten und Kommunisten sind aus einer Wiege entstanden)

Die Sorge um die Seelen der Kinder (was immer noch nicht nachgewiesen ist - die Seele)
die von der Kirche "diasporafaehig" gehalten werden sollten,
lag nun nur noch auf dem Gutwillen der Eltern und der Kinder selbst.
(Aha, nicht mehr vom Druck des Klerus abhaengig,
taten sie was sie wollten und nicht was sie sollten - ganz so war es wohl nicht,
denn auch bei den Pfadfindern und anderen katholischen Verbaenden ging es nicht viel anders zu,
als in diesem Landjahr, die Kids sollten auf Linie gebracht werden,
wie im Kommunismus: Der Kampf um die Steuerung in den Koepfen ist der gleiche,
stets der gleiche Druck, die gleiche Beeinflussung.)

Die "Erfuellung religioeser Pflichten", Einkehrtage und "vorbereitende Exerzitien"
wurde eingefordert vom Klerus.
Die Arbeitervereine der Kirche und des Staates nahmen sich gegenseitig die Mitglieder weg,
dadurch wurden die Konflikte und Sanktionen staerker,
Ordensvisitationen als "Sexualsumpfbekaempfung" durchgesetzt,
Hirtenbriefe wurden als Angriffe auf den Staat beschlagnahmt.
die Kirche wurde aus den Schulen verbannt, die kath. Jugend wurde zunehmend unterdrueckt,
das bekam auch bald die Caritas zu spueren.
Festnahmen, Entwidmung kirchlicher Feiertage und aehnliche Dinge kamen -
wie spaeter in der DD R, wo alles in deren Sinne umbenannt wurde.
Es wurde sogar versucht, innerhalb der Anstalt der barmherzigen Brueder fuer geistig Behinderte - Euthanasie-Aktionen durchzufuehren..
Gerade heute (2018) hat eine Ministerin Weihnachtsgrusskarten ohne das Wort "Weihnachten" verschickt,
sie dachte wohl, das waere besser auf Linie..

Verhaftungen, Pruegel, Folter gegen Geistliche, denen man staatsfeindliche Propaganda vorwarf.
(auch aehnlich den Vorkommnissen in der spaeteren D DR!)
Hadamars Heimleiter soll zuweilen die Eltern "schwachsinniger" Kinder vorsorglich gewarnt haben,
vor dem was da kommen sollte..
Andere Anstalten kirchlichen Hintergrundes in dieser Sache wurden geschlossen, die Schwestern und Brueder entlassen.
1938 war dem "konfessionellen Volksschulwesen" ein Ende bereitet.
(Ebenfalls wie in der spaeteren DD R) Protest
e nutzten nichts, obwohl man als Katholik in Frankfurt besser mit den Juden
als mit den evangelischen Christen ausgekommen sein soll,
wollte der Kardinal nur "den getauften" Juden helfen.
Das grosse Schweigen zu der "Reichskristallnacht" war laut genug - die Zerstoerung
der Synagogen und die Verschleppung der Juden sahen die Christen nicht als ihre Angelegenheit an..
es folgte ein verbales hin- und her Geschwurbel um die Herkunft
des Christentums aus dem juedischen Teil, mit den seltsamsten Begruendungen -
teils durch den Staat, der die Religionsstroemungen aus dem "heiligen Land" als "undeutsch" ansah,
aber auch durch den Klerus, der ohne Legitimation fuer diese Teilnahmslosigkeit
gegen das Unrecht an den Juden zu finden suchte.
Die "Verherrlichung des juedischen Verbrechervolkes" sollte an den deutschen Schulen verboten werden,
sie bezogen das darauf, dass Christus auf Druck der Juden hin gekreuzigt worden war.
Interessant daran ist, dass das NS Regime auch die Christen des "undeutschen" bezichtigten und bekaempften -
so war man stolz darauf, dass ein ganzer Gau dem F uehrer als "klosterfrei" geschenkt wurden ist,
zu dessen 50. Geburtstag.
Nach und nach sind also alle kirchl. Orden aufgeloest worden.
Staatfeindliches Treiben und sexuelle Uebergriffe und Exzesse waren die Begruendungen der damaligen Ordnungshueter..

Ich muss sagen, dass mir diese verflixte Historie langsam,
aber sicher gegen den Strich geht- aber verschweigen darf man das nicht,
wenn es um eine ehrliche Aufarbeitung geht..
auch heute sind so viele Schieflagen zu beklagen, die durch seltsame Koalitionen und "Zuverdienste"
dunkler Art der Entscheidungstraeger, die Macht der Parteien, dem Lobbyismus und dem Treiben der Geldwirtschaft kommen.
Unter den roten und schwarzen und blauen und gruenen Faehnchen ist viel Muff und Hinterhalt versteckt,
Wortklaubereien statt klarer Texte.
Viel hat sich da nicht geaendert.
Mir graust es vor den naechsten Wahlen, vor denen man blank wie am FKK Strand erscheint
und nicht weiss wohin - ist "Enthaltung" die bessere Entscheidung?

Seite 234- die "Fluesterpropaganda" in Hadamar sprach davon,
dass 10.000 geisteskranke Menschen durch Kohlendioxyd vergast sein sollen.
Spaeter hat sich der Bischof mit einem Schreiben an den Reichsjustizminister aufgeschwungen.
(von den Kirchenkanzeln kam kein Ton darueber herab)
Die Kranken wurden weiter umgebracht, eine paepstliche Antwort kam wohl auch keine.
Weder der Klerus noch das Volk wussten von dem bischoeflichen Protest,
geschweige denn "das gemeine Volk", wie woertlich im Buch zu lesen ist.
Man vermutet, dass es in dem Brief eher nur um die Wegnahme dieser caritativen Anstalt ging.
Spaeter wurde von mehrere Bischoefen Proteste laut, angeblich wurden die Toetungen
"nicht mehr in dem bisherigen Umfang fortgesetzt",
d.h. es werden wohl keine "Geisteskranke" mehr da gewesen sein.
So kamen "missgebildete und schwer erziehbare Kinder" in diese Anstalt,
sowie polnische und russische Kriegsgefangene.
Wo dieses 3. Reich so gegen die Kirche war, wunderte sich der Klerus sehr wohl,
weshalb der "Fuehrer" den "Beistand Gottes gegen den gottlosen Bolschewismus" beschwor.
Die Pallottiner hat man wegen "defaetistische und staatsabtraegliche" Taetigkeiten vorgeworfen.
(Dieser Sprachduktus kommt mir auch heute noch unter, wenn Kommunen ihre Pamphlete gegen die Buerger publizieren)
Einzelne Geistliche werden abtransportiert und ermordet, weil sie Gefangenen etwas zu essen
gaben oder am Gottesdienst teilnehmen liesen oder Polenkinder tauften.
Auf der anderen Seite warf der Staat den Kirchen vor, die "Zivilehe" nicht anzuerkennen -
was uebrigens heute noch ist..

Die Nadelstiche der Parteifuehrer gegen alle und jeden,
besonders gegen mildtaetige Hilfe an Nichtdeutschen und Juden
und andere separatistische Bevoelkerungskreise wurden boesartig umgesetzt
und durch seltsame Verordnungen und Anordnungen in Mengen ueber die Bevoelkerung ausgekippt -
hier sind Behoerden entgleist und mit Partei-Denke vergiftet worden.
(Auch das Wort "separatistisch" klingt mir arg nach "querulatorisch",
typische Wortungeheuer von denen da oben, wenn man deren persoenlichen Willen nicht folgt)
Unter uns gesagt, gibt die Macht kleinen Despoten Instrumente in die Hand,
die auch im heutigen Bruessel bereits seltsame Formen annehmen.
Eine "Abwehrkampf" der kath. Jugend, wie das Buch meint, kann ich nicht erkennen,
der damals gegen diese Nadelstiche erfolgt sein soll.

Die positive Wachstumsentwicklung des Limburger Raumes, so das Buch,
sei von dem Bistum gekommen, was vorher nicht gewesen sein soll.
Das halte ich fuer eine Luege, denn Limburg war eine Handelsstadt, wie Frankfurt -
nur eben kleiner und mit einem aermeren Hinterland (Westerwald).
Der Bischofssitz hat nochmal mehr Leute angezogen - mehr nicht.
Die Armut es Westerwaldes - noch in den 1960iger Jahren -
lag eher an der fehlenden oder sehr schlechten Verkehrsanbindung an die Grossraeume - es gab nur geschlungene,
steinige und ungepflasterte enge Strassen, heute sind die geraden Linien alle sogenannte "Umgehungsstrassen",
die zu den Bundesstrassen und Autobahnen fuehren.
Das Buch spricht von einem "radikalen Wandel" durch das Bistum und von Umbruechen,
die ich nicht zu sehen vermag- ganz sicher hatte die Bevoelkerung nichts davon:
Das selbstaendige Denken wurde den Menschen schon von jeher und bis heute durch die Kirche nicht leichter gemacht,
im Gegenteil- sie wurden immer bevormundet- mal durch das Fuerstenhaus, mal durch den Klerus.
Dann kamen Heimatvertriebene (Deutsche) in grosser Zahl, die wohl meist katholisch waren.

Nach dem Krieg waren in Limburg wenigere in Frankfurt um so mehr Ruinen zu beklagen -
wie ueberall in Deutschland, wo der Krieg -unverhaeltnismaessig-
gegen die Zivilbevoelkerung gefuehrt worden ist.
Suppenkuechen:
"Fuer Christi Reich im armen Deutschland"
war in der Stadt oft die einzige Moeglichkeit an etwas Nahrung zu kommen,
um junge Menschen von der Prostitution und Kriminalitaet fern zu halten..
Enteignete und zerstoerte Gebaeude und der Dom zu Frankfurt wurden repartiert.
Ein kirchl. Siedlungswerk gegruendet, damit die Familien ein Zuhause hatten.
Tausende neue Wohlstaetten brachten auch Beschaeftigung.
Nun ging das neue Konzept auf - "Stundenlohnsparen" -
jeder gab eine Stunde dem Fond, damit von 1951-1974 5800 Eigenheime finanziert werden konnten.

Die kath. Kirche protestierte immer wieder dagegen, dass Kinder div. Konfessionen zusammen in den Schulen unterrichtet wurden.
Das grosse Ziel fuer den Generalvikar war eine glaubwuerdige und sendungsbewusste Gemeinschaft der Katholiken.
Die Aufloesung des kath. Milieus, eine lebendige Pfarrgemeinde, als aktive, caritative und apostolisch taetige Gemeinde,
die vom Altar her .. wurde propagiert.
Neuer Wein in alten Schlaeuchen oder umgekehrt?
Der Unterschied zwischen Stadt- und Landgemeinden sollte eigentlich aufgehoben werden -
das Gegenteil passierte:
Die Leute zogen in die Stadt, weil es dort Arbeit gab.
(Epoche der 2. Dioezesansynode)
Religionspaedagogische Arbeitsgemeinschaften, Brautleutekurse, Sozialschulungen folgten im Angebot der Kirche,
wie Bibelkreise und Gespraeche mit Evangelischen.
Italiener, Spanier und Kroaten kamen in Massen kamen nach den Kriegsfluechtlingen
und mussten ebenso integriert werden.
Auslaenderraete und Heimatvertriebenenverbaende wuchsen wie Pilze aus dem Boden -
und so viele Forderungen nach Gottesdiensten in der jeweiligen Muttersprache.

Der Bau supermoderner Kirchengebaeude steht allerdings diametral dem weiterhin verkrusteten Denken
des Katholizismus entgegen, der immer nur sendete, aber den Empfaenger auf "stumm" geschaltet hat.
Die Verbreitungsinhalte blieben gleich.
Eines der typischen Missverstaendnisse war die "Demokratisierung der Kirche", was viele Leute hoffen lies,
war aber anders gemeint:
(Haec sancta" - Die Glaeubigen dachten, dass sie nun endlich ein wenig mitbestimmen duerften,
dabei war die paritaetische Mitregierung der Kirche am Staat gemeint..
sind oder waren diese Zweideutigkeiten Absicht, Berechnung oder Dummheit?
"Evangelizare pauperibus" (unterweist die Armen)
"..nur derjenige kein Dieb und Raeuber sei, sondern ein wirklicher Hirte,
der durch die Tuer in den Schafstall eintrete und darum nur derjenige rechtmaessige Pfarrer
den Christus durch den Bischof sende" (S372)
Auf Seite 399: "in einzelnden Faellen sah man auch davon ab,
Unterschriften aus sozial niedrigen Schichten zu sammeln, um die Liste nicht dem Vorwurf auszusetzen,
sie enthalte nur Namen von Leuten, deren Urteil ohne Gewicht sei.."
Pfarrer uebten sehr wohl Druck aus, gingen von Haus zu Haus
und sollen dabei nicht zimperlich gewesen sein,
sie sagten, dass ein Verweigerer gegen die Kirche sei..

Seite 403 "..die Kirche gibt von ihrem Prinzipien nichts auf..!"
(Soviel zur Wiedervereinigungsabsicht der Kirche)
Es wurde klar auf die Zustaende vor der "Reform" gesetzt,
als eine Annaeherung beider Konfessionen zu wollen.
"Konversion nach Rueckwaerts".

Nach 1933 wurden katholische Jugendorganisationen als "staatsfeindlich" eingestuft.
Durch den Eintritt in die Partei entgingen viele Leute der drohenden Arbeitslosigkeit, was schon alles sagt.
Die Katholischen wurden als "schwarze Pest" bezeichnet und sollten als Menschen 2. Klasse behandelt werden,
(S416 Abs6) Auch wenn die Reichsregierung den Kirchenoberen etwas anderes garantiert hat.
Verhaertete Fronten bei der Partei und bei der Kirche, die beide versuchten,
sich jeweils ganz Deutschland unter den ideologischen Nagel zu reissen.
"Ein Volk zu sein, das ist die Religion unserer Zeit"
oder "Volksdienst ist Gottesdienst" oder
"Du -die Nation- bist ewig, wir vergehn, um in dir aufzuerstehn".
Bald wurden die Namen der Beamtenkinder weitergegeben,
die sich trotz Anordnungen von oben noch zur Pfarrstunde oder den kath. Jugendgruppen trauten.
Was das dienstlich fuer die Vaeter bedeutete, kann man sich vorstellen.
Ich erinnere daran, dass in den 1970iger Jahren in der Bun desrepublik Brieftraeger
sofort entlassen wurden, wenn bekannt wurde, dass sie Mitglied in einer kommunistischen Partei sind.
So weit ist das also nicht her..
"Den grossen Christenkampf fuehren wir mit Christus-Waffen!"
oder "Ihr seid nicht geistig besiegt, ihr weicht der obrigkeitlichen Gewalt.."

So, nun ist es aber gut, das Buch ist durchgeackert.



***

Zurueck zur Gesamtuebersicht meiner Homepage






Stadtchronikel Trier

Ich habe mir fuer diese jeweiligen Kartuschen ein Buch geliehen oder gekauft um die Daten zu erhalten,
im Web recherchiert usw. es geht um einen kuerzeren oder laengeren Abriss der Geschichte,
mit besonderem Fokus auf uns kleine Leute gerichtet - die Dinge der Grossen sind bekannt,
die der Opfer von denen da oben eher kaum..
und genau da moechte ich ansetzen. Geschichte aus der "Froschperspektive" sozusagen.


Nach der Sage Triers, die im Jahr 1105 aufgezeichnet wurde, soll Trebeta,
der Sohn des Assyrerkoenigs Ninus, Trier 1300 Jahre vor der Entstehung Roms gegruendet haben.
Also ca 2050 v. Chr. gewesen, das zeigt auch die Inschrift aus dem Jahr 1684 am Roten Haus am Trierer Hauptmarkt:
ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS. PERSTET ET AETERNA PACE FRUATUR.
(Vor Rom stand Trier tausenddreihundert Jahre.
Moege es weiter bestehen und sich eines ewigen Friedens erfreuen.)
Funde in der Stadt verweisen auf bandkeramische Siedlungen aus der aelteren Jungsteinzeit:
Es lebten im Trierer Tal schon im 3. Jahrtausend v. Chr. Menschen.
Spaeter siedelten Angehoerige des keltischen Stammes der Treverer auf dem heutigen Stadtgebiet.
Die Stadt Trier ist eine roemische Gruendung.
30 v. Chr. errichteten diese die Stadt Augusta Treverorum (Stadt des Augustus im Land der Treverer).
Unter Kaiser Claudius kam der Zusatz Colonia hinzu, die Colonia Augusta Treverorum.
Barbarathermen und Amphitheater und die ueber 6 Kilometer lange Stadtmauer mit Stadttor,
der Porta Nigra, das man heute noch erhalten sieht, kuendet vom Reichtum und von der Bedeutung, die die Stadt erlangte.
In der zweiten Haelfte des dritten Jahrhunderts wurde Trier Bischofssitz. 1. Bischof war Eucharius.
Im Jahr 275 wurde Trier durch den Alamannenen (Franzosen) zerstoert.
Von 293 bis 392 war die nun Treveris eine der Residenzen der roemischen Kaiser.
Unter der Herrschaft Konstantins des Grossen (306 bis 337) wurde die Stadt
wieder aufgebaut und die groesste Stadt noerdlich der Alpen.
Um 400 kamen die Vandalen, Alanen und Sueben in Gallien,
Im 5. Jahrhundert wurde Trier nochmal von den Franken und 451 von den Hunnen unter Attila erobert.
Rheinische Franken bemaechtigten sich um 455 der Metropole, behielten sie nur kurz,
dann wurde sie endgueltig von den Franken eingenommen.
882 haben die Wikinger alles wieder zerstoert und das gleich zweimal hintereinander.
925 kam es zu Ostfrankenreich, unter den Erzbischoefen mit Grafengewalt.
(Hier sieht man schon, wie "friedlich" dieser Glaube war und immer noch ist)
957 erhielt die Stadt wichtige Marktrechte.
Nach dem Ende des 10. Jahrhunderts begann man Stadtmauern anzulegen.
Es folgten -wie ueberall- wechselnde Herrschaften, Hexenverfolgungen,
im 30j. Krieg Erorberung durch Spanier, dann wieder ein Franzosenueberfall unter Turenne,
spaeter kamen die Preussen - jeder schlimmer als der andere, dann die beiden Weltkriege und Bomben...

Im Buch "Stimmen ueber Trier" Texte aus zweitausend Jahren (1968) habe ich einige Dinge gefunden.
Es steht geschrieben, dass die Urbewohner Triers "Treverer" genannt wurden,
eine feste Reiterei gehabt haetten und zu wenig kriegerisch im Sinne Roms gewesen sein sollen.
Allerdings sind sie wohl in taeglichen Kaempfen gegen die immer wieder einfallenden "Germanen"
gestaehlt gewesen- sie sollen dazu wohl eher gezwungen gewesen sein.
Nahe am Rhein war die Hauptecke dieser Treverer.
Irgendwann haben es die Germanen wohl doch geschafft, Gallien zu erobern,
aber nicht fuer lange Zeit.
Unter den naechsten Besatzern, den Roemern, bluehte die Stadt auf.
Die Roemer wurden gefuettert und ausgestattet- Trier wurde zur Waffenschmiede Roms.

Schon damals hofierte und ueberbezahlte man vollkommen nutzlose Gelehrte der Rhetorik,
lateinische und griechische Philosophie.
Seltsame "Heilige" haben hier studiert, die aus gelangweiltem Uebermut
sich der Froemmelei verschrieben haben.
Die Art Kirchengelehrsamkeit war sinnbefrei, weil "de gubernatione Dei"
drei aufeinander folgende Zerstoerungen der Stadt niemanden nachdenklich werden lies.
Wunden, Sichtum, - Hunde und Voegel rissen sich um die nackten Toten, die ueberall herum lagen-
so schreibt man.
Eine tolle Lenkung (de gubernatione Dei), das darf man sagen!
Die Trierer waren wohl sehr dumm, sie verlangten kein Brot oder Kleidung,
als man ihnen Hilfe anbot, sie wollten ..
Spiele im Zirkus!
Der Dank Gottes kam im Jahr 880 in Form der Normannen, die alles verwuesteten,
von Grund auf, wie ueberliefert wurde. Wenige entkamen.

Seite 19 - der ferne Assyrierkoenig Ninus fand bei Trier den Tod durch einen Pfeil,
er kam durch ganz Vorderasien und durch den Balkan,
wie der Teufel persoenlich hat er eine Spur der Verwuestung hinterlassen -
seine Absicht war verheerend, wie die Erfuellung der "gubernatione Dei".
50 Jahre lang hat dieser Irre Kriege gefuehrt und Leute abgeschlachtet.
Seine Witwe war ebenso bekloppt und wollte den Stiefsohn heiraten -
dieser tuermte und lies sich ueber das Meer schippern und an dem Ort nieder,
den man dann "Treveris" nannte.
(Nach diesem Trebeta)
Die Bewohner waren die Nachfahren Japet's, also Noa's Sohn, wie behauptet wird.
Dieses Treveris soll die erste Stadt Europas gewesen sein und die aelteste der Welt.
So ein Bloedsinn, aber Papier ist ja geduldig.

Schon damals begann die irrwitzige Goetterverehrung -
diese eingefallenen friedlichen Auslaender werfen alle Staemme rundherum unter ihre Knute.
Basel, Strassburg, Worms, Mainz und Koeln haetten hohe Tribute zahlen muessen -
ach, wie denn, wo Trier angeblich die erste Stadt in Europa ueberhaupt war?
Wenn was zu holen ist, kommen auch gleich die Adligen mit ihren gedungenen Vasallen,
den Kopfabschlaegern und zerstoerten und erpressen, raubten und branntschatzten -
wie es gerade beliebte.
Diesmal war es der Graf Heinrich aus Luxemburg, der jede Frucht auf dem Feld,
die Baeume und Weinstoecke abhauen lies.
Nun war die Stadt in der Hand Luxemburgs - dann folgte der Kirchenfuerst dem weltlichen Fuersten:
Balduin. Dieser ehrwuerdige Ganove lies sich huldigen und sich zum Deutschen Kaiser kroenen,
alles mit Gottes Beistand, versteht sich.
Der Glaube soll "die Vernunft erleuchten und den Verstand erhellen",
wie es genannt wurde. Haette das gewirkt, waeren wohl alle aus der Kirche ausgetreten.

In den Osterwochen ist uns "Herr Jesu Christi Rock fonden,
quae aliquantulum putrefactaet lacerata est, cum una preciosissima cruce
aurea et aliis reliquiis notabilibus"
(Also Klamotten und wertvolles Geruempel, das den Zorn Jesu erregen wuerde..)
"Gott selber wird das heilige Trier beschuetzen!"
Ach, nun ist die Stadt auch schon "heilig", irgendwie scheint das anzustecken..

Seite 36 - Dominikaner Ambrosius Pelargus beschreibt im Jahr 1534 die Weichheit der Gegend,
die Fruchbarkeit und die vielen Gaumenschmeichler - Futtern war wohl seine Hauptbeschaeftigung,
wie bei allen "heiligen Leuten", wenn sie sich nicht gerade der Trunksucht hingaben.
"Ich esse nicht nur, ich schwelge" antwortet er mir.
Wenigstens hat ihm die ehrliche Bevoelkerung gefallen.
(Wie das wohl umgekehrt gesehen wurde, darueber schweigt des Saengers Hoeflichkeit)
Man schrieb, dass Ausonius sich um die Trierer verdient gemacht habe,
"die Natur hat denen trotz des finsteren Gesichts ein gutes Gemuet und eine frohe Veranlagung geschenkt".

Die da oben sahen "die Menschen" so, wie die Menschen die Fische im Aquarium - soviel steht mal fest.
Hat sich heute so viel daran geaendert, an diesem Gottkomplex?
Weiter: "Das Klima ist wohl eher dunstig, die Nebel haengen zwischen den Bergen",
so war es, als die Leute im "Christenglauben unterwiesen" wurden.
(Seite 38 ist bezeichnend - Trebeta aus Babylon)

Im Jahr 1559 kamen protestantische Ueberzeuger nach Trier und das brachte den Erzbischof dazu,
"in Gewaltritten" (die armen Pferde!) in "seine" Stadt zurueck,
die er wegen Staatsgeschaefte kurzfristig verlassen hatte..
..und drang mit seiner Reiterei durch die geoeffneten Stadttore ein und besetzte
die ganze Stadt im Handstreich.
(Vermutlich hatte er genuegend Totschlaeger bei sich, denn alleine wird er das wohl nicht geschafft haben)
Die Protestanten bekamen es mit der Angst und verdufteten bis zum Morgengrauen,
als der Erzbischof "unter Pauken und Trompeten sein Edikt bekannt gab"
So erhielt die Tonsur und der Rosenkranz wieder seinen Respekt, wie geschrieben steht.
Soviel zu Christi Frieden.
Seite 43 hat einen Reisebericht aus dem Jahr 1623.
Ein Magister Georg Rave, einem begueterten Gelehrten,
kam die Ehre zu, beim Rentmeister zu wohnen.
Er besuchte die Sehenswuerdigkeiten der Stadt, das reiche Jesuitennoviziat,
besah sich den heiligen Rock und das Gewand der seeligsten Jungfrau,
sowie den Palast des Erzbischofs. Aha, der Vertreter Christi im Palast..

Merian schreibt, dass Trier 310 Jahre nach der Sintflut entstanden sein soll
oder als Abraham im 16. Jahr stand.
(16. Jahr seiner Taetigkeit oder wie?)
1966 Jahre nach der Erschaffung der Welt und 39 Jahre nach dem Tode des Noah.
Seite 47/48 zeigt den Bittbrief eines Grafen an den "Generalfeldzeugmeister"
um Moselwein - so eine widerliche Schleimerei habe ich noch nie gelesen..
Auf Seite 61 wird die Meinung geaeussert, dass die Trierer alles billigten,
was die Franzosen machten und alles tadelten, was die Pafferei tat.
1801 wird Trier Hauptstadt des franz. Saar-Departements.

Auf Seite 62 wird berichtet, dass "die Trierer Jugend fast so fix wie sie sehen lernen, tanzen konnten"
Die Bevoelkerung sieht in Napoleon den Befreier von graeflichen
und klerikalem Joch und bereitet ihm einen festlichen Empfang!
Dann kam eben wieder ein bischoeflicher hoher Herr daher- diesmal ein Franzose.
Das Stadtbild selbst war wohl trist und mit wenigen schoenen Fassaden, wie es heisst.
Rinnsale sollen ueber die Hauptstrassen geflossen sein - es gab dort eine Wasserfuelle,
einen Hafen mit Kraenen und viel Handel, da Tier zentral liegt.
Es wird ueberwiegend deutsch gesprochen, aber auch in weiten Teilen franzoesisch.
Maenner trugen einen tuchenen Leibrock, blaue Bluse ohne Guertel und rotes Halstuch und schwarze Kappe,
die Frauen ein "halbdutzend" Hueftroecke mit Oberkleid, das bis zu den Knoecheln ging.
Kastanien und Walnuesse und Weintrauben lassen einen suedlaendischen Eindruck entstehen.
Ein Besucher meinte, dass man fast kein einziges haessliches Maedchen auf den Strassen sah,
sie hatten die braeunliche Hautfarbe ihrer Ahnen noch in sich, waren gerade und schlank gewachsen.
Den Leuten wird nachgesagt, dass sie "treuherzig und gemuetlich" gewesen sein sollen.
Die Industrialisierung konnte hier wohl nur schwer Fuss fassen.
Eine duenne Oberschicht, teilweise adlig, hatte Grundbesitz in dem doch recht beengten Gebiet,
das durch die Mosel und die Berge ist.
Das Geld floss jedoch meistens in die Stadt selbst, wo viele Handwerker,
Gewerbetreibende aller Arten und die Lohnempfaenger lebten, die -wie immer-
die Drecksarbeit machten, ohne die kein noch so hoch dotierter Akademiker und Adliger existieren kann,
auch nicht die Beamten aus dem fernen Preussen, die spaeteren Herren,
die jedoch keinen Draht zur ansaessigen Bevoelkerung bekamen.
(Trier war Grenzstadt und hatte eine starke Garnison)

Seite 94 "Die Porta Nigra widerstand den wiederholten Angriffen der Barbaren.
Im Amphitheater warfen Kaiser, die mit harter Faust die staatliche Ordnung aufrecht hielten,
Tausende von Franken und Brukterern den Bestien vor"
Ganz so moechte ich das nicht stehen lassen:
Die Roemer und auch diese seltsamen Babylonier konnten nur einfallen,
weil wir "Germanen" uns niemals einig waren und nie zusammen hielten.
Es waren damals ja nur Doerfer und einzelne Sippenverbaende, keine Kampfheere vorhanden,
die Fremde haetten abhalten koennen.
Wir germanischen Voelker waren schon lange vorher da, gut 13.000 Jahr schaetzt man locker ein.
(Die Feldscheuerfunde bei Steeden an der Lahn sollen bis zu 32.000 Jahre alte Malereien gewesen sein)
Also weit vor diesen echten Barbaren, die von aussen kamen -
nicht wir sind die einfallenden Barbarenhorden gewesen, es ist und war unser Land, dieses spaetere Trier.
(Hier muss man ganz einfach mal "Geschichte" korrigieren!)
Seite 105: "Trierer Land ist heiliges Land, eine Eingangspforte des Evangelismus
des Jesu Christi auf dem Boden des heutigen Deutschlands, als dem Ort,
wo die milde und guetige Sonne des Glaubens zu leuchten begann,
da ueber den Waeldern Germaniens noch das drueckende Dunkel noch das Heidentum lastete"
Haha, wer hat denn die Leute mit Hirnwaeschen und Luftnummern ueberzogen,
um sie besser und direkter als je zuvor lenken - oder manipulieren - zu koennen?
Das Dunkel kam durch das Pfaffentum, davor leuchtete die Freiheit und Individualitaet
und danach der Irrsinn der Kirche.
Seite 108: Noch mehr Irrsinn in Tueten, von einer Frau verfasst-
"Erfurcht der Germanen vor dem Goettlichen im Weibe"
Ein weiterer Popanz schreibt: "Trier ist eine laendliche Stadt ganz grossen klassischen Stils.
Sie offenbart Urbanitas, das eigentlich Stadthafte,
Durchgebildete und in sich zusammengefasste in jedem ihrer Zuege und laesst doch das Bauernfuhrwerk,
das sie durchquert und sei es mit Ochsen bespannt, nicht als etwas Fremdes und Laecherliches erscheinen"
Hallo? Gehts noch? Das konnte nur einem Akademiker einfallen...
"Das stille Sonntagsglueck der kleinen Buerger bei gebackenem Moselfisch und dem bitterlichen Viez"
Dieser Viez ist aus dem lat. entliehen, eine Art Ersatzwein fuer Arme.
4-7mtr unter der Erdoberflaeche sind die Spuren vergangener Besiedlung in Trier ausgegraben worden,
es sollen bis zu 10 Strassen uebereinander gefunden worden sein.
1944 haben die Alliierten sogar Kirchen und den Dom bomardiert.. dazu spare ich mir jede Bemerkung!





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Stadtchronikel


Stadtchronikel Speyer

Funde aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit, Hallstattzeit und Latenezeit sind entdeckt worden.
Im zweiten vorchristlichen Jahrtausend war die Gegend von Speyer Siedlungsgebiet der Kelten.
Nach dem Ueberfall der Roemer 50 v. Chr. auf Gallien wurde der Rhein
die Grenze des Roemischen Reiches.
10 v. Chr. Das roemisches Militaer-Lager wurde zum Impuls fuer die Stadtbildung.
Um 150 entstand die Stadt unter dem keltischen Namen Noviomagus oder Neufeld oder Neumarkt.
Ab dem Jahr 260 konnten die Angriffe der Alamannen mit der Voelkerwanderung durch den Limes nicht mehr abgewehrt werden
und die roemische Reichsgrenze musste an den Rhein zurueckgezogen werden,
so wurde Speyer wurde zur Grenzstadt.
Fuer das 4. Jahrhundert ist ein erster Speyerer Bischof belegt -
das Bistum ging vermutlich waehrend der Voelkerwanderungszeit zum Glueck unter.
Um 406 kamen Sueben und Vandalen und Alanen unter dem Druck nachrueckender Hunnen
ueber den Rhein und ueberrannten auf ihrem Weg ins innere Gallien auch Speyer.
496/497 und im Jahr 505 besiegten die Franken unter Chlodwig
die Alamannen und Speyer wurde Teil des fraenkischen Reiches.
Damit erhielt Speyer wieder Anschluss an die gallisch-roemische Kultur.
Im Rahmen der Reorganisation der Verwaltung kamen romanisierte Beamte und
dann fielen Bischoefe aus Suedgallien ein und der Speyer-Gau
wird zu dem von den Alemannen eingefuehrtem Spira.
Seit dem 7.Jhd ist Speyer wieder Bischofssitz.
Im 11. Jhd. kamen die ersten juedischen Gemeinden aus Osteuropa dazu.
Kaiser Otto der Grosse verlieh 969 der Bischofskirche das Immunitaetsprivileg,
eine eigene Gerichtsbarkeit und die Kontrolle ueber Muenze und Zoll.
Ab 1030 gab Kaiser Konrad II. die Bauarbeiten am Dom zu Speyer den Startschuss.
Im 14. Jahrhundert kam die Auseinandersetzung zwischen Buergerschaft und Klerus,
ein Machtkampf um die Ratsbesetzung zwischen den Muenzer-Hausgenossen und den 14 Zuenften.

Doch hoeren wir, was das Buechlein "Speyer,
ein Fuehrer durch 2000 Jahre Stadtgeschichte" aus dem Jahr 1997 dazu sagt..

Im Jahre 10 vor Christus legen die Roemer mitten im keltischen Bauernland ein Militaerlager an,
nebst einer Garnison, Wohnort fuer Soldatenfamilien.
"Noviomagus", das spaeter von den Alamannen zerstoert werden wird.
Dann wird der Ort in Nemetum umbenannt und zur Bischofsstadt.
Im 6.Jhd. uebernehmen die Franken die Macht und legen neue Doerfer an.
Spira oder Speyer taucht auf.
Ein karolingischer Dom wird gebaut, 50 mal findet der Reichstag dort statt bis zum Jahr 1570.
Otto der Grosse gibt dem Bischof die Macht, im Jahr 1090 kommen die Juden als naechste Nahostreligion dazu.
Es geht aufwaerts mit Speyer, erst 1294 regieren die Buerger der Stadt, dann folgen wie ueberall im Land
Zwiste, Hunger, Pest, Typhus und Cholera, Judenverfolgung, Kirchenspaltung bis ins 16.Jhd.
Dann kamen die Spanier, die Kaiserlichen, die Franzosen
und die Schweden und verheerten jeweils auf ihre Art.
Und wieder die Pest - dann kam der "Pfaelzer Erbfolgekrieg" , die Franzosen schlugen alles kurz und klein.
9 Jahre spaeter kehrten die nach Frankfurt geflohenen Bewohner der Stadt wieder zurueck -
die Franzosen haben die Stadtbefestigung und den Dom zum Steinbruch erklaert um billiges Baumaterial zu haben.
Die Bewohner der kleinen Stadt, die erst spaeter bis zu 10.000 Einwohner hatte, lebten ueberwiegend
von der Landwirtschaft und von der Produktveredelung daraus, Wein, Hopfen und Hanf waren die wichtigsten Gueter.
In den 1850iger Jahren sind -aus wirtschaftlichen Gruenden- viele in die USA ausgewandert.
Im 19./20. Jahrhundert kam die Industriealisierung und die Arbeitslosigkeit, deshalb der Nationalsozialismus,
der wie ein Pilz auf morschem Holz wuchs:
Die wirtschaftliche Situation lies viele Leute arbeitslos werden.
Dann brannten die Synagogen, der Katholizismus treibt weiter seine seltsamen Blueten,
mal geistig, mal in Stein geformt - bis heute.
Ende des 15.Jhds wurde die riesige Schale aus Stein vor dem Dom mit 1550 Litern Wein gefuellt,
daraus durfte das Volk auf das Wohl des Bischofs einen Becher trinken.
Die "Dom-Immunitaet" ist ein Geisteskonstrukt zur Losloesung
der Kirchenbezirke von der Zivilgesellschaft oder von der weltlichen Herrschaft - abgabenfrei!

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