Reihenweck 94



"Aerolab verabschiedet sich"
Folge 1


Eine fiktive Geschichte in 12 Folgen; darauf erhebe ich - wie auf alle meine Seiteninhalte KEIN Urheberrecht. Mich wuerde aber freuen, wenn dieses Thema ein Buchautor oder Filmemacher anspringt.

***

Das Aerolab sollte in der Umlaufbahn hinter einem der Pluto
Monde, zwischen Charon, Styx, Nix, Kerberos und Hydra, damit beschaeftigt werden, nach Rohstoffen und nach Moeglichkeiten des Terraforming zu suchen.

http://mike-vom-mars.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/android-app-3d-solar-system-universe-universum-sonnensystem-galaxy-galaxie-weltall-space-cosmos-kosmos-planets-planeten03.jpg

https://blogs.nasa.gov/pluto/wp-content/uploads/sites/253/2015/10/nh-10-4blog-pluto_schem_1.png

Nahe am Rande des Universums
https://www.astronews.com/frag/antworten/frage974.html ist schon alles ziemlich dunkel -

http://www.br-online.de/wissen-bildung/spacenight/sterngucker/planeten/pluto.html

https://www.astronews.com/frag/antworten/3/frage3908.html

4,772 Milliarden Kilometer ist die Entfernung der groessten Annaeherung Erde-Pluto.
4,5 Stunden braucht das Licht um diese Strecke zu ueberbruecken.
Pluto zaehlt zu den Zwergplaneten und wurde von den Forschern als ideales Objekt ausgesucht -
die eigentlichen Gruende bis an den Rand unseres Sonnensystems zu fliegen und dort ueber mehrere Generationen zu forschen, sind nicht die Frage - eher die, dass die Menschheit dazu in der Lage ist.
Weniger die Sucht nach "hoeher, weiter, schneller" war die Triebfeder, als vielmehr die immer dringender gewordene Frage nach dem Ueberleben der Menschheit.

Andere Einheiten der Aerolab - Mission lagen bereits in den Umlaufbahn von Mars und Jupiter, die bessere Bedingungen versprachen.

Die Aerolab - Serie wurde mit einem biodynamischen Teil ausgestattet, welches alle verbrauchten biologischen Stoffe aufarbeitete und als Duenger nutzte, um immer wieder neue pflanzliche Nahrungsmittel zu produzieren. Fuer die Fleischversorgung gab es ein paar Huehner, die sorgsam gehuetet wurden.
Erstmals ist es gelungen, im Orbit die Station zu bauen und dann mithilfe wechselnder Raketentriebsaetze weiter zu beschleunigen, - zuvor wurde genuegend Treibstoff eingelagert fuer die langen Missionen.

Fuenf Jahre waere man unterwegs um zum Einsatzort zu gelangen, wo andere das Aerolab bereits vorbereitet hatten und auf den Rueckflug warteten.. https://www.astronews.com/frag/antworten/2/frage2289.html

Die Station hatte eine Besatzung von 3 Frauen und 3 Maennern, was nochmal spannender sein sollte- waeren es nicht allesamt Wissenschaftler, die dort ihren Dienst verrichteten - also nicht mehr ganz jung: Ausbildung und langes Training dauern eben ziemlich lange; dem Wunsch nach Fortpflanzung seitens der Raumbehoerde wird wohl nur sehr schwer nachzukommen sein.

Ruhig zog das Aerolab seine Bahn im Orbit, als das Shuttle eintraf und die Besatzung austauschte, neue Energie und Wasser und Medikamente brachte.
Neues Info-Material von der Erde, Unterhaltung und Fortbildung, Kleidung und was man so an Board braucht.
Eine solch lange Reise war noch nie gemacht worden, entsprechend sorgfaeltig ist die Bestueckung der Nahrungs- oder besser Ueberlebens-Vorraete geplant worden.

Sicher, die Position Mars oder ggf. noch Saturn waeren der neuen Besatzung lieber gewesen - aber darueber hatten sie wohl nicht zu entscheiden, sie waren dienstverpflichtet, wie Soldaten.

Ein winziger Punkt in einer riesigen Galaxy
https://i.pinimg.com/originals/4d/99/b3/4d99b332d7d03cec965791a3dd5b47a0.jpg
und doch solche unglaublich langen langen Strecken, die zu ueberwinden sind !

Die Vorgeschichte ist eben die Suche nach Terraforming - Moeglichkeiten, um Leben auf Planeten oder Himmelskoerpern zu bringen - und wenn es nur in abgeschottenen Stationen ist und die Erprobung neues Leben auf den Fluegen zu generieren zu schulen und spezifisch wissenschaftlich auszubilden. Die spaeteren Raumfahrten sollten ueber Generationen gehen.
Die Frage nach dem Ueberleben draengt auf der Erde immer mehr, weil durch die globale Erwaermung und die ueberbordende Fliegerei zu immer haeufigeren Unwettern und Klimaveraenderung kommt. Steppen breiten sich aus, Ueberschwemmungsgebiete ebenfalls. Afrika dehnt sich nach Europa aus und kontaminiert die Entwicklung, in den USA passiert aehnliches - gerade die Grossmaechte Russland, China und die USA ersticken im eigenen Dreck.
Soziale und hungerbedingte Unruhen begleiten die religioes bedingten Aufstaende.
Nach der Auspluenderung des Planeten wurde jede Resource knapp und der harte Kampf um Oel und Wasser und Lebensmittel begann..
..Besitze gerieten in Gefahr, Pluenderungen und Voelkerwanderungen weiteten sich mehr und mehr aus.
Die Staedte hatten nur stundenweise Strom und Wasser, Autos wurden verboten - aber die Mobilitaet der oberen Kasten war noch wie eh und je gegeben..

Eine bestimmte Kaste kaufte sich Suedseeinseln und richtete sich auf Belagerungen ein.

Es wird Zeit fuer die Aerolab - Mission "Pluto", das Training ist erfolgreich abgeschlossen,
doch dann sprangen zwei Leute der neuen Besatzung ab - "aus persoenlichen Gruenden", wie verlautbart wurde.
Das Raumfahrzeug stand schon auf der Rampe - fuer einen Ersatz war es schon zu spaet.
Gleichgeschlechtliche Wissenschaftler hat man nicht mitschicken wollen und so wurde in den Orbit gestartet, mit nochetwas mehr Wasservorrat, Lebensmittel und kleine persoenliche Dinge, die zugeladen werden konnten, um das fehlende Gewicht zu ersetzen..
Druckhelm auf, anschnallen - festhalten - die Luke wird geschlossen, der Countdown begann: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 - Start !
Das Droehnen und der gewaltige Dreck aus den Triebwerken laesst den Boden erschuettern und den Himmel droehnen.. langsam, aber sicher startet das Gespann von Aerolab-Station und Beschleuniger-Rakete ins Dunkel des Alls..




"Aerolab verabschiedet sich" Folge 2


Die Fluglage hielt sich stabil, die automatische Ankopplung an das Aerolab verlief reibungslos.
Vor dem entgueltigen Start wurden die Besatzungen ausgetauscht, das heisst, dass die Techniker zurueck zur Erde flogen und Abraum mitnahmen und fuer die Aufnahme der Ueberlebensmaterialien und Treibstoff Sorge trugen, bevor sie sich verabschiedeten und viel Glueck wuenschten.

Erleichtert die einen, mit "Reisefieber" die anderen..

Der Blick auf den "blauen Planeten" beruhigte und lies Hoffnung aufkeimen, dass letzten Endes doch noch alles gut werden wuerde..

Die Triebwerke wurden gezuendet fuer die lange Reise zum naechsten Himmelskoerper.
Der automatische Sprung zur Gravitation des naechsten Planeten, der das Aerolab weiter beschleunigte, war in vollem Gang.
Diese Aufgabe wurde von der Bodenstation -mithilfe der Bordelektronik- geloest, ohne dass die Besatzung mit der Steuerung beauftragt werden musste.
Viele Menschen auf der Erde waren damit beschaeftigt, diese gewaltige Aufgabe durchzufuehren, die Jahre der Vorbereitung zum Erfolg verhelfen sollte.

Ueber 5 Jahre soll die Reise dauern, eine sehr sehr lange Zeit, wenn man in der Station zu viert leben soll..

"Ein Stern, der deinen Namen traegt schenke ich dir heute Nacht" raunte Zen der Geologin Lea zu - und diese antwortete wie alle Frauen: "Haeh?"
Den anderen Probanten ging es nicht anders, hier wollte sich nichts, nicht mal "anflugweise" anbahnen.
Ob es am Orbit oder an der engen Wohnsituation lag oder schlicht daran, dass die 4 Leute schon deutlich aelter waren, wer weiss das schon?
Zen war zwar Psychologe und Soziologe, aber hier musste er passen - die Stituation war eine vollkommen andere als auf der Erde.
Der Biologe Flor war das juengste Mitglied der Mission, ein gelernter Gaertner und Homoeopath und ganz in "seinen Garten" versunken, der die ganze Besatzung am Leben halten sollte, dieser wollte mit Bini nichts zu tun haben- wer mag schon eine Physikerin und Mathematikern zur Frau?
Lea war Mikrobiologin mit dem Fachbereich Epigenetik, sowie Aerztin und das ist auch nicht so prickelnd fuer eine Partnerschaft..

Dass ausgerechnet ein politischer Informant -pardon Informatiker- und eine Geisteswissenschaftlerin und Programiererin in letzter Minute vor dem Flug in den Orbit abgesagt hatten, lag daran, dass beide bald geheiratet haben..
..das erfuhren die Vier auf ihrer Reise und mussten lachen - wer haette das gedacht, dass ausgerechnet die beiden Streithaehne sich zusammen getan haben?!

Die Vier hatten wohl mit Partnerschaft nichts am Hut, auch ueber Kreuz gedacht nicht - dafuer waren sie viel zu sehr mit wissenschaftlichen Dingen und dem Problem der Klaustrophobie beschaeftigt, die es staendig zu bekaempfen galt. Es ist doch was anderes wenn man auf der Erde oder im All ist, auf engem Raum in einem "Blechkasten" gefangen, wie ein Versuchstier.

Die Freizeit war nicht ueppig bemessen, auch wenn sie einen deutlich breiteren Raum einnahm, als bei den voran gegangenen Missionen. Man wollte einige Probleme bereits im Vorfeld vermeiden und das sollte wohl aufgehen.

So lag man in seiner Koje oder trainierte im Fitness-Raum, der gleichzeitig Aufenthaltsraum war.

Das vorherige Privatleben der Raumfahrer war tabu, es war ehernes Gesetz, dass nur das Hier und Jetzt wichtig ist. Probleme sollten auf der Erde verbleiben.

Die Nennung der Alias-Namen (Zen, Flor, Lea und Bini) waren Programm, man kannte zwar die Realnamen, die waren aber tabu, wie das private Leben an sich, weil der geistige Rueckzugsraum erhalten bleiben sollte.

Kein Geheimnis war das private Tagebuch Zen's, das er tapfer in seinen speziellen kleinen Rechner tippte - tick tick tick - er wollte irgendwann ein Buch ueber die Mission und sein Leben schreiben - falls, ja falls die Rueckreise gelingt - was buchstaeblich in den Sternen stand..
..wenn nicht, wenn etwas schief ginge und das war allenthalben leicht drin, wuerden vielleicht irgendwann irgendwelche Personen oder Lebewesen- ach was, das geht nun wirklich zu weit. Vielleicht war es auch nur das erleichternde "sich von der Seele schreiben", was ihn bewog, derartiges zu tun.

Auffaellig war, dass ihm an der restliche Besatzung nichts auffiel - Flor war bekanntlich immer in seiner Glaskuppel beschaeftigt und fuer die anderen "nicht da", bestenfalls zum Essen und zur Konferenz oder Unterricht. Lea hing staendig an den medizinischen Versuchen, Bini beobachtete die Programmierung und Steuerung - staendig und inbruenstig. Fuer den Psychologen Zen war die Schreibarbeit und Dokumentation - oder das Tagebuch? - bestimmend.

Die Routine begann, ab und an von Nachrichten unterbrochen, die von der Erdstation kamen, die wurde gleich automatisch auf "Mithoeren" geschaltet und waren im ganzen Aerolab zu hoeren.

Jeder hatte seine Arbeit und jeder ging seine eigenen Wege, ein naeheres Kennenlernen wurde schon bei der Auswahl der Kandidaten verhindert, um evtl. Rassismus oder anderen Vorurteilen zu begegnen. Persoenliche Dinge sollten nicht eroertert oder erzaehlt werden, nicht mal die Realnamen oder Geburtsorte etc. Unvoreingenommenheit war den Leitern dieser Aerolab Mission sehr wichtig, um empirisch saubere Daten - ganz besonders im sozialen Verhalten zu bekommen.
(Was in sich schon vollkommener Bloedsinn war, aber Wissenschaftler sind nun mal keine Ehe-Anbahner und von einem Privat- oder gar Eheleben wissen sie nicht viel mehr als ein Kind)
Wie das so ist im Leben, schieden viele im Vorfeld aus und es blieben nur ..hellhaeutige Leute uebrig, die in die engste Auswahl kamen. (Was nicht heisst, dass diese sich mochten - sie achteten einander, weil die Ausbildung oder der Bildungsstand gleichwertig eingestuft wurden) So reichten eben - wie im Internet - die "Nicknames", die man sich selbst ausgesucht hat.

Die Sonne rueckte weiter und weiter weg, die Beschleunigung der naechsten Planeten kam spuerbar, aber sonst war jeder Tag gleich, der selbe Tagesablauf, die Routine der Profis ihres Fachs, mehr nicht.





Folge 3 "Aerolab verabschiedet sich"


Bini's erkrankte ernsthaft an einer Bronchitis, die kurz vor einer handfesten Lungenentzuendung war und das gab den Anstoss fuer eine laengere Konferenz mit dem Bodenzentrum und der Besatzung:
Wenn einer ausfaellt oder gar sterben sollte, haben alle ein grosses Problem und die Zukunft der Mission ist gefaehrdet.

Anfaengliche Scheu, berufliche Geheimnisse preiszugeben standen dem wachsenden Misstrauen Pate, die Dialekte verrieten ein wenig die Herkunft der Kollegen, was bei Wissenschaftlern eigentlich vollkommen gleich ist, denn sie verfolgen praktisch immer das gleiche Ziel. (Wenn man von politischen Druecken einmal absieht)

So lernte eben jeder etwas von Bini, Flor, Zen und Lea - wobei die Steuerungskompetenz Bini's im Vordergrund stehen musste, desgleichen fast war Flor fuer die Lebenserhaltungssysteme zustaendig und gab davon genug preis, dass man sich ggf. helfen konnte um das Ueberleben zu sichern.

So entwickelte sich jeden Morgen nach dem Fruehstueck ein einstuendiges Frage und Antwort - Spiel, wo die Gefache der anderen das Lehrmittel war, man machte sich fleissig Notizen und war sehr aufmerksam:
Falls jemand ausfaellt, kann auf diese Weise die Mission gerettet werden, das war allen klar.
Die Zeit war wohl recht kurzweilig, weil jeder andere Fragestellungen hatte.

Flor kam kaum persoenlich in Erscheinung, er war der "seltenste Vogel" der Gruppe, der aber immerhin doch ab und an in den Garten einlud, wo er eine selbstgezimmerte Ruhebank fuer die Kollegen gebaut hat - von da konnte man den Tomaten und Zuccini oder Salatkoepfen beim Wachsen zusehen, die Kraeuter im Beet schnuppern. Vogelstimmen vom Band als Hintergrundgeraeusch hat er selbst installiert. Das helle Kunstlicht wurde exakt auf die Pflanzen abgestimmt, aber auch eine kleine Hoehensonne fuer die Besatzung hat Flor dazu gebaut.

Von nun an verbrachte mancher seine Freizeit in dem Garten des Aerolab.

Zen baute mit Bini eine Monitor-Verbindung zustande, auf welchem wie durch eine Frontscheibe beim Auto in die Flugrichtung schauen konnte.
Der Kontroll-Raum hat sich somit etwas anders entwickelt, als sich das die Entwickler des Aerolab dachten, denn sie fuerchteten, dass durch einen direkten Blick ins All das Gefuehl der Einsamkeit und Hilflosigkeit zu stark werden wuerde.
Man traeumte von der Zukunft, trank ein wenig Wein, den Flor selbst gemacht hat.
Vermutlich entwickelte sich so eine gewisse Bindung zwischen ihm und der Lea, die eigentlich eher eine sproede blasse Wissenschaftlerin war, die Juengste im Team.
Der Honig der echten Bienen im Aerolab brachte gewiss etwas "Honeymoon" in die Sache hinein, aber beide liesen sich ihr Tun nicht anmerken, bis man eines Tages etwas merkte.

Sollten Zen und Bini Paten werden? Weitere Fragen dazu erhielten ganz einfach keine Zeit, so viel war an Board zu tun.

Nun folgen sie schon bald ein Jahr, ohne dass eine besondere Langeweile eingezogen ist- Lea brachte eine Tochter "zur Welt" oder besser gesagt in das Aerolab hinein und alle waren irgendwie "Eltern" geworden.
Dieses neue "Forschungsprojekt" wurde auf der Erde sehr begruesst, nun kam die Sache ins Rollen, die man sich erhofft hatte.

Das erste Weltraum-Baby war da und schrie nach Leibeskraeften.

So sehr das freudige Ereignis begruesst wurde, so traurig waren die Nachrichten von der Erde, wo die Zustaende immer dramatischer wurden: Ganze Regionen lebten mit der Atemmaske oder starben wie die Fliegen - je nach Wohlhabenheit.

Religionen riefen zur Rache auf, riefen auf, des Herren Schoepfung zu raechen - und begannen die Pilze des Myzels "Zivilisation" zu zerstoeren, von welcher sie die ganze Zeit gelebt haben.
Die Geistlichen wollte auf den mosaische Entwicklungsstand zurueck kommen, andere wiederum wollten wieder in den Zeiten Mohammeds leben. Und so haben sie sich gegenseitig begonnen zu zerfleischen, wie schon sooft in der Geschichte der Menschheit: Religion, Religionsgruppe gegen Religionsgruppe und gegen Religion. (Heute wuerde man Quoten-Angst dazu sagen)

Rote Wolken zogen um die Erde, zerborstene Kraftwerke und kaputte Staudaemme, zertruemmerte Metropolen und Forschungseinrichtungen waren die Folge. Kein Flugzeug und kein Schiff (ausser solchen mit Segeln) verlies die Haefen.

Der Strom begann zum seltenen Gut zu werden, bis die Eiferer die Wind- und Solaranlagen auch noch verheerten.

Die Reichen der Welt haben sich verschanzt und fernab ihrer Laender auf einer grossen Insel zusammen gefunden - verteidigt von einer eigenen, hochgeruesteten Miliz.
Als Vorhut waren ein paar Geheimdienste dabei, die lebensnotwendigen Felder zu schuetzen, die von den noetigen Leuten bewirtschaftet wurden - alles kompakt und wie auf einer Arche auf Warteposition geparkt.

Die Erdstation wurde zwar stark beschuetzt und bewacht, sie fiel aber mit ein paar duerren Worten:
Es ist alles vergebens und vorbei, die Menschheit vernichtet sich selbst durch ihre eigenen Religionen, was zuvor die Habsucht und Gier nicht geschafft hat, zerdeppern nun die "Heiligen". Wir senden mit letzter Kraft, mit dem Notstromaggregat und hoffen, dass das Signal stark genug ist, die Aerolabs und die Mondstation zu erreichen. Wir hoffen, dass es ihnen in den fernen...

..dann erstarb das Signal in einem Weltraum-Rauschen, nicht mal das Sendepause - Signal war zu sehen, dann erstarb der Kontakt mit dem Zentralcomputer auf der Erde, was laute Warnmeldungen brachte..









Folge 4 "Aerolab verabschiedet sich"


Der Kontakt zur Erde ist nach etwas ueber einem Jahr im All abgebrochen, ein Fuenftel der Strecke zum Pluto hat man geschafft, als die automatische Steuerungskontrolle durch die Erdstation erlosch.

Von nun an war Aerolab eine moderne Arche Noa - eine durch das All rasende Station, die ganz auf sich allein gestellt war:
Eine Rueckkehr war nur mithilfe der Kommandostation auf der Erde moeglich, eine Rueckkehr war somit ausgeschlossen - sollte sich die Erde nicht mehr melden und alles sah danach aus.
Selbstverstaendlich kamen im Aerolab auch keine Nachrichten an, wen wunderts?

Nun zeigt sich die Sinnfaelligkeit der Vorsichtsmassnahme, dass alle Boardmitglieder in alle Bereiche des Labs eingeweiht worden waren - eine Reise ohne Wiederkehr wird da so oder so, darin waren sich alle einig.
Das Kind hat als erstes den letzten Gang angetreten und wohl die Schwerelosigkeit nicht vertragen, obwohl das Aerolab durch die Eigenrotation eine kuenstliche Schwerkraft hatte. Die Knochen konnten sich nicht richtig ausbilden und wurden mehr und mehr deformiert, bis die Rippen in die Lunge stachen.
Danach hat niemand mehr das Experiment "Zeugung" versuchen wollen.
Der Gram um den Tod des lieben Kindes hat auch die Lea vorzeitig sterben lassen, nur ein halbes Jahr hat sie noch gelebt, dann ist sie am Kummer gegangen.
Die sterblichen Ueberreste der Beiden gingen in die biodynamische Anlage ein und als Duenger wieder in die Pflanzen - an Board konnte sich niemand den Luxus leisten, wertvolles organisches Material zu verschwenden !
Das klingt grausam, war aber wohl notwendig, damit alle Ueberlebenden ein wenig laenger am Leben blieben.

Zens Tagebuch schwoll an, er hatte so viele Dinge nieder zu schreiben und im Detail zu berichten - und immer in der Hoffnung, es findet seine Notizen jemand, der diese Zeilen lesen kann.

Der grosse Monitor blieb dunkel, das Alamsignal wurde auf eine kleine Einheit und stumm geschaltet, es sei denn, man sah sich gemeinsam Videofilme an, von denen viele an Board eingelagert worden sind.

Leas Versuchsanordnungen blieben verwaist, denn einen Sinn in der Fortfuehrung dieser Dinge sah niemand mehr. Nun waren sie auf die Homoeopathie Flors angewiesen und auf das, was Lea zuvor vermitteln konnte.

Flor lebte noch ein Jahr, dann nahm er sich das Leben und ging den gleichen Weg, wie seine Lieben zuvor.

Bini und Zen waren nun ganz alleine auf Wache - eine Zweisamkeit entstand aber nicht, denn die Charaktaere waren viel zu verschieden. So tat jeder was er tun musste und versuchte die Toten, so gut es eben ging - zu ersetzen.

Sie hockten am Abend zusammen uns sahen sich Filme an, bis sie einschliefen.
Flor hat das Wissen um seinen Wein mit ins Grab genommen - so blieb nur die biologisch aufgearbeitete Lecitin-Limo.
Der Garten war noch halbwegs in Betrieb, fuer das Noetigste reichte es - zumindest als Beilage zum abgepackten Fleischersatz und den Protein-Plaetzchen oder Vitamin - Makronen - wer fuettert die Huehner?
Ein sehr bescheidenes Leben war das, was sich im Aerolab abspielte.
Keine persoenliche Waerme, geschweige denn koerperliche Beruehrung oder gar naeheren Kontakt.
Binis Kaelte kam nicht nur von den vorangegangenen Todesfaellen und die Angst, dass es ihr ebenso ginge - diese Gefuehlsarmut hat sie als Wissenschaftlerin schon immer gehabt - vermutlich war das der Grund fuer ihre intensiven Studien und den hervorragenden Abschluss auf allen Schulen und auf der Universitaet, erst recht im spezifischen Fachbereich. Gefuehle waren immer nur etwas fuer andere Leute, dafuer hatte sie nie Zeit !
(..und wohl auch keine Lust)
Wie auch immer, es wurde noch viel viel langweiliger an Board und als Bini auch noch auf den gemeinsamen Fernsehabend verzichtete und lieber in ihren Buecher oder wie man die elektronische Form davon nennt - lesen wollte, war es ganz vorbei mit der Unterhaltung..
Gut, Zen war eher auch ein Typ des in sich gekehrten Gelehrten, der zwar lachen konnte aber seine Gefuehle meistens verbarg- ob man das als "Berufskrankheit" ansehen mochte oder nicht- mag jedem ueberlassen bleiben.

Bini las nicht nur zur Auffrischung ihres Wissens, sondern sie hatte ganz spezielle Plaene..







Folge 5 "Aerolab verabschiedet sich"


Binis Forscherdrang lies neue Ideen finden, sie wollte Kontakt mit den beiden anderen Aerolabs um Venus und Saturn finden, vielleicht sogar an einem dieser Labs andocken.
Die Problematik waere dann aber die Eigenrotation und dass noch keiner zwei dieser Stationen gekoppelt hat-
bei den geringsten Turbolenzen koennte die Koppelung brechen, weil die Gewichte zu gross und die Schleussen einen zu geringen Durchmesser haben.
Diese Aerolabs waren fuer einen vorsichtigen Anschub bis zum Einsatzort gedacht und nicht als Raumschiff..
Die zweite Option, die sie Zen mitteilte war, bis zur Erde durchzustarten und dort im Orbit zu warten.
Bis dahin versuchte die Bordautomatik weiter Kontakt zur Erde - die sich jedoch nicht mehr meldete.

Der Monitor zeigte stets das gleiche Bild:

warten auf Erde -
warten auf Erde -
warten auf Erde -
warten auf Erde -
warten auf Erde -

Bis der ganze Bildschirm voll davon ist.

Sie stellte trotzdem weiter Berechnungen fuer eine Ankoppelung an und fuer eine Anpassung der Steuerung des Bordcomputer.
Die vorletzte Option waere die, einfach den Kurs beizubehalten um die Plutomonde zu untersuchen - was sich aber in dieser Lage als ziemlich sinnlos zeigte.
Die letzte Option waere die, den Kurs beizubehalten und Jahre weiter zu fliegen, einfach geradeaus.

Zen gruebelt und erklaert nach einer Weile seinen Standpunkt:
Wir werden nie wieder zur Erde zurueck kehren, weil die technischen Voraussetzungen dort alle zerstoert worden sind.
Das Andocken an eine der anderen Stationen waere wohl unterhaltsam, mehr aber auch nicht: Wir haben noch genuegend Vorraete, die anderen vielleicht bereits alles aufgebraucht - und falls die Besatzung noch lebt, verkuerzt sie schon dadurch unser eigenes Ueberleben. Riskant ist die Mission sowieso, navigatorisch und mechanisch: Ein wenig zittern am Steuerhebel und die Bolzen reissen ab - mit fatalen Folgen fuer beide Stationen.

Beide sind sich einig darin, dass die Vermehrung der Besatzung von Anfang an zum Scheitern verurteilt war und eine Schnapsidee von Wissenschaftler, die Generationen uebergreifende Raumfluege im Sinn hatten.
Es fanden sich keine Signale und kein Zeichen von funktionierenden Raumstationen, nur Rauschen - immer dieses monotone Rauschen, was das Gefuehl auf einem Totenschiff zu sein eben verstaerkte.
Die Huehner waren die einzige Gesellschaft der Beiden - zu futtern hatten alle - was schon mal gut war!
Nachdem die philosophischen Fragen geklaert und die Aussichtslosigkeit der gesamten Mission und auch die der Rueckkehr zur Erde genuegend eroertert worden waren, begannen sich beide Wissenschaftler naeher zu kommen: Sie waren Schicksalsgenossen.

Sie beschaeftigten sich also lieber mit Gesellschaftsspielen als mit der Forschung, die eben vollkommen nutzlos gewordenen Arbeitsaufgaben, mit denen die Reise begann.
Auf diese Weise war die Mission wenigstens ein wenig "erfolgreich", wozu das "Leben auf dem Land" ganz freundlich beitrug - Flor's Insel gedieh und wuchs und brachte gute Fruechte.
Die Zeit verging, der Flug ging weiter in Richtung Pluto und die Beiden konnten sich noch ueberlegen, ob sie umkehren und im Orbit der Erde eine geostationaere Position einnehmen oder gemeinsam in die Ewigkeit fliegen, ohne in die Umlaufbahn des Zielplaneten einzuschwenken, wie das vorgesehen war..
In dieser Frage, die eigentlich bei allen denkbaren Moeglichkeiten immer existentiell und chancenlos zugleich war, wogten bei Beiden die Gedanken nach beiden Seiten:
Zurueck oder weiter?
Das Wuerfeln brachte auch kein brauchbares Signal, aber Gelaechter.
Immerhin - nun war es nicht mehr so langweilig und die Arbeiten liesen sich vollkommen frei gestalten, ja sie gerieten zur Freizeitbeschaeftigung, sie waren frei - buchstaeblich vogelfrei und alleine fuer sich selbst verantwortlich.

Der grundlegende Gedanke fuer deren beider Zukunft ist also getan:
Geradeaus ins Nirgendwo oder retour in den Erd-Orbit - wohin die Reise letztlich gehen wird, ist noch nicht entschieden..

Und wie sich die Beiden entscheiden, sollte gemeinsam durchgezogen werden - darin gab es Einigkeit.
Weiter den Kurs halten - ohne die Mission zu erfuellen - war klar und logisch, - aber die Rueckkehr zur Erde?
Sollte man aus dem Orbit eher erfahren, was auf der Erde vorgeht?
Ganz sicher sogar.
Erleben wird man die Rueckkehr der Vernunft der Staatenlenker sicher noch,
aber der Aufbau der zerstoerten technischen Strukturen wird mit Sicherheit laenger dauern,
als dass die Beiden die Moeglichkeit einer Rettung erleben wuerden..
..das war von vorneherein vollkommen klar.
Wunder gibt es im technischen Bereich nicht, es ist alles reine Fleissarbeit und
ohne Strom wird eine Rueckkehr zur Zivilisation kaum stattfinden.
Wie sich das Leben auf der Erde auch entwickelt haben mochte, in den inzwischen drei vergangenen Jahren, die das Aerolab schon auf Reisen ist -
das vermochte niemand abzuschaetzen.
Wenn der Terror und Anarchismus und die Voelkerwanderungen und die Gier der Religionen noch weiter besteht, dann ist die Struktur wie im 30jaehrigen Krieg zu sehen.
Hunger, Tod, Seuchen, Pluenderungen, Verwuestungen und Braende, Inquisitionen Schrecken und Angst.

Das Leben auf der Aerolab Station wurde zum Warten auf den Tod, zum Warten schlechthin, ohne jede Aussicht auf Rettung.

Es war den Wissenschaftlern vollkommen klar: Lebend wuerden sie eine andere Zivilisation sowieso niemals erleben, weil die Raumstation viel zu langsam fuer solche weiten Entfernungen ist!
Mit viel Glueck koennten sie den "Ruecksturz zur Erde" wohl schaffen, auch ohne den Zentralcomputer der Bodenstation.
Alea iacta sunt..
Eines schoenen Morgens - beim Fruehstuecks-Ei piepst der Empfaenger..






Folge 6 "Aerolab verabschiedet sich"


Zen und Bini hatten nun genug Rechenarbeit und Programmierarbeit zu leisten, was sich wochenlang hinzog.
Das Aerolab abrupt abzubremsen um den umgekehrten Kurs zu fliegen waere viel zu riskant geworden, das haette zu viel Treibstoff gekostet, der dann fuer den Rueckflug fehlen wuerde.
Die unbekannten Groessen und Gravitationskraefteverhaeltnisse der umliegenden Himmelskoerper zu nutzen, um mit einem Schleudereffekt die Fahrt zur Erde zu beschleunigen, kam nicht in Frage, das waere viel zu riskant gewesen. Also wurde ein anderer Weg berechnet - eine lange Kurve um 180 Grad - nur mit dem rechten Seitentriebwerk, das eigentlich zur kurzen Kurskorrektur angedacht war. Dieses Triebwerk konnte deshalb nur als kurzer Schub in genauen Intervallen stattfinden..

Im "Himmel" gibt es bekanntlich keinen Nordpol und so konnten nur abstrakt, anhand der bekannten Anflugdaten des Hinflugs die Rueckkehr-Koordinaten berechnet werden. (Eine Orientierung an den sichtbaren Himmelskoerpern kam nicht in Frage, weil eine entsprechendes Teleskop zur genauen Bestimmung nicht an Board war - das Aerolab hatte schliesslich eine ganz andere Funktion!)

Bei dieser versuchten Kehrtwendung fiel Zen auf, dass Einstein wohl mit seiner "Raumkruemmung" recht gehabt haben muss:
Das Aerolab "uebersteuerte" bei jedem kleinen Schub zur Seite etwas mehr, als das haette sein duerfen-
Die Eigenrotation des Labs (von vorne rechtsdrehend) lies den Winkel (von hinten gesehen rechts angeschoben) deutlich mehr werden..
So war die Wendung -ohne Geschwindigkeitsverlust in relativ engem Radius von "nur" 100.000 Kilometern moeglich.
Das Lab flog also nun Richtung Erde, mit ein paar Korrekturen hat Bini die alten Anflug-Koordinaten wieder erfasst.
Der Rueckflug war schon erheblich leichter in den Gemuetern, als diese Mission am Anfang.
Die beiden Wissenschaftler, die auf die letzte Minute von diesem Trip abgesprungen waren, hatten wohl richtig gehandelt.
Nun waren fast drei Jahre Zeit, das Tagebuch zu vervollstaendigen, ein paar Alibi-Versuche wissenschaftlicher Art zu tun, damit man nicht mit leeren Haenden kam.
Messdaten und Ergebnisse aller Art wurden genau festgehalten - was eine Menge Daten brachte.
Ganz besonders ueber die Unmoeglichkeit im All ein Kind zu bekommen und dieses durchbringen zu wollen, selbst wenn eine kuenstliche Schwerkraft vorhanden und Vitamine und Spurenelemente kuenstlicher Art gegeben werden konnten.

So wie der Mensch nicht fuer ein Leben im Meer taugt, so taugt er auch nicht fuer das Leben im All.

Die Annaeherung der Beiden ging langsam, aber sicher weiter - sie verstanden sich immer besser.
(So haette die Mission, sollten sie gerettet werden - doch noch einen guten Ausgang - aber das lag noch in weiter Ferne!)
Dunkel war's, lange Zeit war kein Himmelskoerper zu sehen und doch vernahm die Technik einige Geraeusche - dh. man hoert freilich nur die ueber Bordlautsprecher wiedergegebenen elektrischen Impulse und kann auf dem Oszillographen die Linien sehen.
Die Aufzeichnungen liefen automatisch an und die entsprechenden Koordinaten wurden festgehalten.
Wie gesagt, das Aerolab war kein Raumschiff, sondern nur eine Orbital-Station.
Bini wagte sich an ein Fachbuch ueber dieses Thema heran und schrieb fortan sehr fleissig- auch wenn man von Fachbuechern nicht wirklich leben kann, ein wenig wuerde es schon abwerfen und bekannt wird man dadurch auch.

Zens Tagebuch hat mittlerweise Bibelstaerke erreicht - vielleicht soll auch dieses gedruckt und als Buch eines Tages erscheinen. Den Titel hat er schon erdacht: Reise ohne Wiederkehr. Evtl. ein Abenteuerroman oder Science Fiction oder Katastrophen-Triller - wer weiss, wie die Sache ausgehen wird!

Das Lab war noch gut in der Reihe, Schaeden waren keine zu sehen - aber das haetten die Beiden sowieso nur von aussen begutachten koennen und dafuer waren sie weder ausgebildet noch in der Lage. Keiner hat jemals aussen im Raumanzug arbeiten muessen und ohne Notwendigkeit darf man so etwas nicht wagen.

Der Monitor zeigte stets das gleiche Bild:

warten auf Erde -
warten auf Erde -
warten auf Erde -
warten auf Erde -
warten auf Erde -

Ein Programm, das so oede ist, als wuerde man eine Waschmaschine beobachten!

So vergingen die Monate und kein Wetter und kein Sonnenschein, nur ewige Finsternis umgab die Station, die still zu stehen schien - dabei raste sie mit unverminderter Geschwindigkeit dahin, auch ohne Antrieb.

Alleine dieser Fakt war schon erschreckend genug um als 'nicht real' vom menschlichen Hirn aufgefasst zu werden.

Zen forschte aber noch in einer ganz anderen Richtung weiter:
Er war sich fast sicher, dass fuer den Fall eines Falles etwas im Lab eingebaut sein musste, um eine Art Notausstieg moeglich zu machen. Schliesslich war die Aerolab Serie fuer bis zu 10 Menschen ausgelegt!

Die Suche in den gespeicherten Anleitungsdaten und Notfallplaenen ergab eine Ueberraschung, die auch Bini verblueffte und die haette das eigentlich bei den langen Schulungen lernen muessen. Entweder war die Schulung auf dem Typ I gemuenzt und der Typ II stand ueberraschend schnell zur Verfuegung, dass ein fast geheimer Test in dieser Sache nicht ganz unwahrscheinlich ist oder - er kam nicht weiter, denn ein Sigal hallte durch die Raeume..
piep pieeep pieeep piep - dann deutlicher piep piep piep, pieep pieep pieep, piep piep piep - halt warte mal, das ist doch.. klar, es ist ein Morsesignal fuer SOS !
Wie kommt die Kurzwelle hier in den Weltraum? Wie hat sie den Aether verlassen koennen? Ist die schuetzende Erdhuelle schon so durchloechert, innerhalb derer die Kurzwellenstrahlung wie ein Pingpongball abprallt und wieder reflektiert wird?

https://de.wikipedia.org/wiki/Erdatmosph%C3%A4re

Ist die Ionosphaere loechrig oder nur ein Zufall?

Wer sendet ein SOS Signal mit einem starken Kurzwellensender?
Antworten kann das Lab leider nicht, dachte Zen, denn solche altmodischen Sendefrequenzen - aber warte mal, vielleicht geht es doch?








Folge 7 "Aerolab verabschiedet sich"


Nun suchten beide Forscher fieberhaft nach einem Notausstiegssystem und nach der Moeglichkeit dem Kurzwellensender auf der Erde zu antworten, der wohl automatisch lief..

Diese Sendefrequenz anzusteuern hat nichts gebracht, entweder war die Sendeleistung des Aerolab nicht stark genug oder die Entfernung war noch viel zu gross oder die Ionosphaere oder Heaviside - Schicht ist gerade mal nicht durchlaessig genug, was aus dem All guenstig und auf der Erde unguenstig waere: Bei letzterer Konstellation "verschwindet" das Signal in den Weltraum und wird nicht mehr zur Erde reflektiert, wie eigentlich angedacht. Eine andere Moeglichkeit waere, dass es sich nur um eine Art Nachrichtensender handelt, der eben nicht zum Empfang ausgelegt ist, sondern eben nur eine Einbahnstrasse darstellt.

Nach einem weiteren halben Jahr war schon mehr an Signalen zu hoeren - es war wohl nur eine Raumboje, die ausser Kontrolle geraten war - irgendwo aus den Anfaengen der Raumfahrt.

Wieder eine Enttaeuschung, aber damit muss man leben, wenn -notfaellig- andere Wege eingeschlagen werden mussten..

Ein Jahr bis zur Erde - wieder ein Kurzwellensender, diesmal deutlicher als Nachrichtensender zu verifizieren:

"Der Dialog der Religionen ist abgebrochen, offene Feindseeligkeitn unter den Glaubensgemeinschaften der Erde verschaerfen sich - Rom ist gefallen, was nicht zuletzt durch die neue Inquisition kam, dadurch waren die Katholiken angreifbar und wurden deshalb vollstaendig vernichtet, die Glaeubigen sind schon zuvor in Scharen davongelaufen, weil Rom ueber alle modernen Dinge den Bannstrahl verhaengte und sich dann wunderte, dass die so aufgehetzte Menge nicht mehr zurueck zu rufen war und sich bald auch gegen die Prediger selbst wendete.. die Evangenischen taten nicht viel anders. Die Mullahs versuchen verzweifelt den Poepel zu baendigen, was aber wohl nicht gelungen ist - kaum einer der Prediger und kaum ein Gotteshaus blieb uebrig: Die Wut der Menschen raste wie eine Seuche um die Welt. Das Rad ist bei diesem Konvent ueberdreht worden und so zermalmte die wuetenden Menge ueberall in der Welt die Religionseinrichtungen, ob Juden oder Hindus - es traf alle gleich. Nun muessen wir auf Gott hoffen, der sich wohl abgewendet hat: Ihr seid so ein dummes und einfaeltiges Volk, dass mich reut euch geschaffen zu haben.. (sinngemaess die Bibel) Nun sind ueberall Pluenderungen und Raub und Totschlag"

Erschrocken sahen sich die beiden an - und was ist, wenn es uns gelingt dort irgendwie zu landen, fragt Zen
Das ist mit dem Lab vollkommen undenkbar, so Bini, das Ding wuerde schon den Eintritt in die erste Schicht nicht erleben und auseinander brechen, selbst wenn wir es so herab bremsen koennten, wie noetig waere um nicht zu vergluehen - wir haben keine ausreichenden Schilde und erst recht keine Lande-Hilfen !

Und was passiert uns, die wir als Angehoerige dieser technischen Elite erkannt werden, deren Dinge allesamt der Zerstoerung anheim fielen?

Hat denn der Wahnsinn und die Zerstoerungswut auf der Erde nie ein Ende?

Sind es Ausserirdische gewesen, die der Menschheit diesen Hirnwurm "Glauben" eingeimpft hatten?
Die Beiden philosophieren noch lange - diesmal bei selbstgemachtem Wein - die Rezepte Flors haben sich denn doch noch finden lassen..

Die Zeit vergeht und Zen liest sich weiter in die Betriebsanleitung des Aerolab ein und entdeckt Dinge, die nach der ersten Version dieser Raumstation hinzu gekommen sind. Speziell bei dieser Version sind wohl noch ein paar zusaetzliche "Gimmicks" eingebaut worden, vermutlich Versuchseinbauten, die spaeter ausgewertet werden sollten.
Was haben wir denn da?!
Schau doch mal - was ist das denn?
Bini meint: "Das schaut nach einer Notabtrenn-Einrichtung aus, der Anfang der Serial-Nummer koennte darauf hindeuten."
Oh, wer will schon "abgetrennt" werden?
Wo steht denn Naeheres ueber diese Einrichtung geschrieben?
Im Computer fand man endlich einen Hinweis dazu an einer Stelle, die nur Systemprogrammierern zugaenglich ist:
"Notabtrenneinrichtung, Hitzeschild, Flachkapsel fuer 4 Personen, Fallschirm, automatische Eintrittswinkel - Berechnung"
Und weiter: "Roten und schwarzen Hebel unter dem Tastatur-Pult zugleich umlegen, dann erfolgt die Bodenoeffung - die zu rettenden Personen sollten im Raumanzug innerhalb 10 Minuten dort Platz nehmen und angeschnallt werden- dann schliesst das Schott und die Reise geht automatisch vonstatten"
Wow! Das hat auf der langen Ausbildungsstrecke niemand auch nur ansatzweise erwaehnt - vermutlich sollte zuvor die Stabilitaet dieser erweiterten Bodenplatte des Labs getestet werden, bevor dieses Ding fest ins Programm aufgenommen wird.
Vielleicht war "das Ding" von Anfang an eingebaut und als die Aerolabs fuer einen weiteren Flug genutzt wurden, war der orbitale Umgang fehl am Platze - wo haette das Rettungsding denn in die Atmosphaere eintreten sollen, wo nirgendwo eine entsprechende Lufthuelle ist? Das Lab war offenbar nur fuer die Erdumlaufbahn gedacht, bevor die weitere Erforschung riskiert wurde.

Soweit, so gut - aber noch ist die Erde weit entfernt, noch ueber ein Jahr Flugzeit und in dieser Zeit kann sich auf der Erde noch einiges tun.

Die Beiden waren sehr erleichtert, das kann man sich gut vorstellen !

https://www.darc.de/der-club/referate/ajw/lehrgang-te/e09/

Die Tage verstrichen laengst nicht mehr so trostlos wie zuvor, eine Rueckkehr zur Erde war nun in greifbare Naehe gerueckt.
Die Beiden beschlossen noch mehr Nahrungsmittel zu horten, (von Hortus, lat. Garten) damit eine laengere Zeit im Orbit ueberwunden werden konnte - wer weiss wie lange es dauert, bis wieder normale Verhaeltnisse dort herrschen..
Bis dahin war dieser Kurzwellensender nicht schlecht, die Nachrichten wechselten woechentlich - besonders gut ausgestattet schien der Sender nicht zu sein. Sicher so eine Art "Piratensender" irgendwo in den Bergen oder auf einem Schiff - wer weiss.









"Aerolab verabschiedet sich" Folge 8


Die geostationaere Position wird erreicht, die Erde erwaermt durch den Monitor das Innenleben des Aerolabs..
Die automatische Bremsung hat funktioniert und die letzten Treibstoff-Reserven aufgebraucht, die dauerhafte Position des Labs ist gesichert worden und nun liegt das Ding fest wie ein Stein - bis auf die Eigen - Rotation, die fuer die Gravitation noetig ist.

Die Frontkamera liefert saubere Bilder von der Erde - besonders bei klarer Sicht, wenn die dunklen Wolken groessere Luecken zeigen. Diese Wolken sind eindeutig von kriegerischen Auseinandersetzungen, weil auch ab und an Explosionen zu beobachten sind..
Der Nachrichtensender uebermittelt endlich die News:
"Die Lage ist noch immer angespannt, obwohl alle Religionsfuehrer und ihre Werke vernichtet und abgeschlachtet worden sind. Die vielen einzelnen Braende taeuschen darueber hinweg, dass ein Wiederaufbau in vollem Gang ist. Gewissenlose Staaten haben die Gelegenheit dieses weltweiten Aufruhrs genutzt, um sich von dem ueberwiegenden Teil der Bevoelkerung armer Laender zu verabschieden, sprich: Man hat sie mittels Seuchen umgebracht, die absichtlich in Umlauf gebracht worden sind. Wer noch uebrig ist, hatte einen Luftschutzkeller und genuegend Vorraete !" Andere Regionen wurden eher von dieser "Saeuberung" verschont, weil noch Menschen zum Wiederaufbau der neuen Strukturen noetig waren - die Roboter-Technik ist noch nicht soweit gewesen, dass sie diese Aufgabe haette uebernehmen koennen. Nur aus diesem Grunde haben eine Menge Leute ueberleben duerfen- gesteuert, so wird vermutet, ist diese Revolution von einer kleineren Zahl wichtiger Leuten, sogenannte Hyper-VIPs, die sich auf einer Suedsee-Inselgruppe .."

Da brach die Verbindung ab..

Es ist allemal fraglich, ob diese "Hyper-VIPs" auf ihrer Insel eine entsprechende Satelliteneinrichtung haben, die Signale aus dem Orbit empfangen kann. (Das wuerde auch wenig Sinn machen, denn Sendeanstalten des Rundfunks und Fernsehens waren ebenfalls ausser Betrieb, wenn auch nicht zerstoert: Ohne Strom tut sich da nicht viel..)

Zen meinte: "Wenn diese seltsamen Freaks mitbekommen, dass wir hier oben warten, koennte alles passieren!"
Die Antwort Bini's: Ja - wenn wir einfach landen, werden wir entweder nicht entdeckt oder erschlagen oder erschossen oder wir ertrinken im Meer oder zerschellen auf einem Felsen - die Ueberlebenschancen bei einer nicht organisierten Landung waeren wohl nicht so gut..

Noch waren genuegend Ueber-Lebens-Mittel an Board des Aerolabs.
So konnte ruhig abgewartet werden - solange keiner ersthaft krank werden wuerde..

Die Hoffnung wuchs mit dem taeglichen Anblick auf den "blauen Planeten" weiter an, vielleicht war doch an eine Rueckkehr nach Hause zu denken?
Wie wird es den Angehoerigen gegangen sein und den zwei nicht mitgeflogenen Wissenschaftlern?

Durch die Kamerabilder ein ganzes Stueck auf dem Laufenden gehalten, beobachtete man an Board die Atmosphaere sorgenvoll. Die Explosionen hoerten auf, die Wolken verzogen sich, die schwarzen Schwaden wurden weniger. Da keine Flugzeuge mehr flogen, nur noch wenige Fabriken und keine Kraftwerke mehr arbeiteten, wurde die Luft schnell besser - zumindest optisch.

Dann kamen andere Wellen an, der Boardcomputer vermeldete Sendewellen von einem Satelliten:
Ein staatliches TV Programm hat seinen Dienst wieder aufgenommen!
Die Abstrahlung ging freilich nur zur Erde, aber Reflektionen waren zu empfangen, wenn die Bedingungen guenstig waren.
Mit Rauschen und stottern kamen die Nachrichten durch und ein holpriges Musikprogramm.
Ein Sender aus der Schweiz meldete sich - die haben Wasserkraftwerke und somit auch wieder Strom, an die Talsperren ist dort kein "Revolutionaer" heran gekommen, vielleicht hat von diesen Chaoten auch keiner daran gedacht..

"Gruezi miteinand!
Wir vermelden mit Freude, dass die marodierenden Banden aus der Schweiz vertrieben und Ruhe und Ordnung wieder hergestellt werden konnten.
Die anderen europ. Laender sind gerade dabei unserem Beispiel zu folgen und die Kraftwerke wieder hochzufahren um die Strom - und Wasserversorgung zu gewaehrleisten.
In den Staedten Europas ist nur noch jede 10. Wohneinheit belebt, Afrika ist menschenleer, Asien ebenso, von Russland und dem ganzen amerikanischen Kontinent ist kein Lebenszeichen zu erfahren, bis auf Alaska - England und die britischen Inseln sind nur noch spaerlich bewohnt. Die Menschen, die ueberlebt haben, sind oftmals verletzt oder versehrt. die Hyper-VIPs wurden von einer Atomrakete aus Russland getroffen und vernichtet, genau wie Russland und die USA, die sich gegenseiten beschossen haben - unter Mitwirkungen der Chinesen. Japan ist von einer Flutwelle buchstaeblich weggeschwemmt worden, genau wie Taiwan und viele andere Inseln - als die USA getroffen wurden. Australien und Neuseeland haben kaum etwas von den ganzen Geschehnissen mitbekommen - dort hat sich keine Revolution ereignet und es ist auch keine kriegerische Handlung passiert. Die Strahlenbelastung auf der Erde hat sich verdoppelt. Langsam laeuft die Nahrungsmittelproduktion wieder an."








"Aerolab verabschiedet sich" Folge 9


Es kehrt also wieder Leben zurueck und so sannen die Beiden auf eine Rueckkehr mit der Rettungseinheit in Richtung Australien, wenn ein entsprechender Kontakt mit den Behoerden dort aufgenommen werden konnte..

Der Kontakt kam aber nicht zustande, auch als auf allen denkbaren Frequenzen gesendet wurde - die Anfrage des Aerolabs blieb unbeantwortet, trotz Dauerschleifen-Nachricht.

Aus Australien und Neuseeland war kein Sender und keine Nachrichten zu empfangen - irgendwas stimmt da nicht..
.. des Raetsels Loesung fiel Bini ein: Elektromagnetische Stoerungen durch die vielfaeltigen Zerstoerungen umrunden den Globus, was auch das Rauschen erklaerte. Die GPS Satelliten sind wohl noch intakt, die Bodenstationen eher nicht mehr.

Warten ist bekanntlich eine der Tugenden, also fassen sich die Beiden in Geduld.
Der Garten funktionierte und das war sehr wichtig: Hier wird auch Sauerstoff produziert, bei Vollbesetzung fuer bis zu 10 Personen.

Die Position im Orbit war eigentlich recht bequem, ganz im Gegensatz zu den Zustaenden auf der Erde.
Besonders unheimlich waren die total unbelebten Erdteile, wo nicht einmal Tiere ueberleben konnten!
Keine Spur von Leben im Orient und im "heiligen Land", die Pyramiden wirkten wie Totempfaehle, wie unter einem Leichentuch.
Nachts war die Situtation nochmal beeindruckender: Nur wenige Lichter waren zu sehen, die meisten dort, wo die Alpen sind, sonst war alles stockdunkel. Kein Flieger, keine Schiffe, keine leuchtenden Metropolen - alles wie tot.

Am Morgen waren wenigstens ein paar Bewegungen auszumachen - vermutlich Rodungs- und Aufraeumarbeiten, die bestimmt noch lange Jahre in Anspruch nehmen. Die ersten Oeltanker fuhren wieder !

Dann meldete sich ein Amateur-Funker:
"Hallo Astrolab!.. vermutlich werden ihr dort oben die terristrischen Sender nicht bekommen, deshalb gebe ich Euch kurz einen Ueberblick ueber die Situation hier auf der Erde.
Es hat sich so viel geaendet!
Aus Sibieren empfange ich: "Im Himalaya haben sich zwei kleinere Staedte erhalten, der Staudam ist deren Energiequelle - notduerftig geflickt. In den Anden und in den Rocky Mountains senden ab und zu Funkamateure. Ganz Nordeuropa soll verstrahlt sein bis zum schwarzen Meer. Aus Jugoslawien kam ein schwacher Sender - Montenegro meldet, dass auch sie wieder am Netz sind - mittels der Staudamm-Energie dort. In den jugoslawischen Karstbergen sind noch kleine Doerfer existent - die Ultraorthodoxen sollen die Macht ergriffen haben und das mit eiserner Hand. Wie ein Reisender berichtet, haben die Isrealis den Libanon und Palestina beschlagnahmt, sowie Syrien annektiert. Die Hyper Vips hatten die Suedseeinseln wohl nur zur Tarnung besetzt, in Wirklichkeit bildeten sie im Untergrund eine neue Weltordnung. "
Bleich hoerten die Beiden diese Nachricht, ueber die man sehr erschrocken war - aber in den naechsten Wochen wurde gleich nachgelegt:
"Der neue Mose ist gekommen und befriedet mit dem Volk Gottes die Welt. Die unglaeubigen Wuestensoehne sind fuer ihren Glauben am Kreuze gestorben und ihre Oelquellen wechselten den Besitzer."
Du meine Guete, was ist denn das fuer ein Sender?!
So ein starkes Signal war noch nie im Aerolab angekommen..
"Hier spricht die Hauptstadt der Welt- Jerusalem - der Kampf gegen die Zionisten, der aus Karachi kam, wurde zurueck geschlagen - das Land ist erloschen und wird seine verdiente Strafe als Wueste erleben.. Wueste und Steine, Leere und Trockenheit !"

Einen Monat spaeter meldete sich New York:
"Das auserwaehlte Volk Gottes habe jeden Menschen auf Erden untertan gemacht, wie die Vorsehung versprach. Ketzern droht der Tod am Kreuz oder lebenslange Strafarbeit in den Steinbruechen. Man hat uns Christen in allen Schattierungen verfolgt und verraten, der Geheimdienst ist ueberall-" dann fielen Schuesse und die Station meldete sich nicht mehr..

Der Funkamateur meldete sich noch einmal - zum letzten Mal wie er sagte, weil ihm die Sache zu gefaehrlich geworden sei - die Spitzel seien ueberall, auch bei ihm in Melburne.. hier nochmal kurz das Neueste und dann verabschiede ich mich von Euch - viel Glueck auf der Mission, ggf. gute Landung !
Also: Missionieren wollten die neuen Herrscher "Hyper-Vips" nicht, sie entledigten sich bald der ultraorthodoxen Glaubensbrueder, die als Racheengel eingesetzt waren: Eine seltsame Krankheit raffte alle Strenglaeubigen weg- nur die Hyper-Vips blieben. Eine Art Pharaonen-Klasse, die alles lenkte und leitete. Vom Handel und Wandel bis zum Datum und Uhrzeit, sie bestimmten jeden Tag im Leben mit ihren Vorschriften.. "

Die Beiden ueberlegten, ob nicht doch ein Selbstmord die bessere Loesung waere, wenn die Vorraete zur Neige oder die Station am Ende waere - als mit dem Ersatz-Dingsda eine Landung zu wagen..








"Aerolab verabschiedet sich" Folge 10


Die Ueberlegungen liefen noch immer, ob der Zeitpunkt fuer eine Notlandung nicht doch besser hinausgeschoben werden sollte - denn die Umstaende auf der Erde waren fuer Raumfahrer nun wirklich nicht guenstig. Vermutlich wuerde, ja vielleicht sogar ganz sicher wuerde keine Hilfe zuteil werden, weil noch immer Technikfeinde ueberall waren.
Die Vips am Ruder der Welt waren dunkle Kraefte

Ueber eine russische Bodenstation meldete sich eines Tages eine fast fluesternde Stimme:
"Wir wissen, dass ihr dort oben seid und hoffen, dass ihr uns hoeren koennt - auf der ueblichen Aerolab-Frequenz sogar mit Bild - also bitte umschalten!"
Die Beiden staunten nicht schlecht, als diese Meldung kam - sollte das Programm noch laufen oder bereits von den Hyper Vips uebernommen worden sein?
Am folgenden Tag zur ueblichen Stunde kam das Signal tatsaechlich ueber den lange Jahre "nur Video taetigen" Monitor:

"Hier ist das Aerolab - Commando: Die beiden anderen Stationen des Typ I melden sich nicht mehr, sie jedoch sitzen im Typ II, der bereits mit der Rettungseinrichtung ausgestattet ist. Wir fordern sie hiermit auf, unverzueglich mit dem Notlandesystem auf den im Anschluss angegebenen Koordinaten zu landen, die wir soeben im Modul einprogrammiert haben. Zur Zeit ist eine Abholung mit einem Raumfahrzeug technisch nicht moeglich !" (Der Typ auf dem Monitor sah irgendwie seltsam aus, fast wie ein Priester, nicht wie jemand vom Raumprogramm)

Zen und Bini wunderten sich sehr, weil der vereinbarte Schlusscode nicht kam und die Boardsysteme keinen Programmierzugriff registriert haben..
Sie diskutierten eine Weile darueber und entschieden: Nein, wir bleiben lieber im Orbit, besser als gepfaehlt oder gekreuzigt zu werden, falls die Landung ueberhaupt gluecklich ablaufen wuerde.
Und diese Entscheidung entpuppte sich bald als sehr vernuenftig- denn der Funkamateur meldete sich wieder:
"Innerhalb der juedischen Hyper-Vips und den christlichen und muslimischen Hyper-Vips hat es moerderische Auseinandersetzungen gegeben, wir haben die Hoffnung, dass sich die Verbrecher selber erledigen.. haltet aus!"

Der blaue Planet drehte friedlich und ruhig seine Runden, wie seit Urzeiten - ein beruhigender Anblick, auch noch im 2. Jahr der Umrundung.. dank des umfassenden medizinischen Programms an Board, das der Boardcomputer vorgab, waren die Beiden noch gesund und guter Dinge.
Der selbstgemachte Wein halb freilich recht gut dabei, Fruehstueckseier und frischen Salat.. Bini richtete den Monitor so ein, dass der Videofilm unterbrochen wird, wenn eine wichtige Frequenz sendet.

Zens Tagebuch wurde voll und voller.

"Hier spricht die revolutionaere Stimme Moskaus,
hier spricht die revolutionaere Stimme Moskaus,
hier spricht die revolutionaere Stimme Moskaus -
an alle Raumfahrer, die vom Kosmodrom Baikonur gestartet sind!
Die Zeit war reif fuer eine Neuordnung der Herrschaftsverhaeltnisse auf der gesamten Erde.
Alle kommunistischen Kraefte wurde gebuendelt und weltweit aktiviert.
Die Kirchen und Moscheen und Tempel sind dem Erdboden gleichgemacht, die Prediger haben sich gegenseitig abgeschlachtet. Das heilige Land haben wir mit der Hilfe von Kontinentalraketen ins Meer geschickt, dort wo angeblich Mose und Noah gelebt haben sollen, ist nur noch Sand und Gestein.
Sie koennen unverzueglich mit der Landung beginnen oder warten, bis wir unser Rettungsteam zu ihnen schicken, die Lebenserhaltungsfunktionen zeigen gute Werte an."

Hm, das gefaellt mir nicht, sagte Zen - wir haben keine Lichtblitz auf der Erde bemerkt, der diesen Atomschlag bestaetigen wuerde.

Bald kam ein Funkspruch aus Cape Canaveral, Florida:
"An das Aerospace im Orbit! Halten sie noch etwas aus, die Umstaende hier auf der Erde sind nicht sehr guenstig fuer eine Landung, eine Rettung mittels Raumfahrzeug ist noch immer nicht moeglich. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Bergung." - Dann folgte die richtige Signatur.

Ein Wunder ! Ein verdammtes Wunder meinte Bini und freute sich..

Man sah wieder Flugzeuge und Schiffe - vereinzelt - auftauchen und wieder verschwinden, optisch schien sich die Situation entschaerft zu haben.










"Aerolab verabschiedet sich" Folge 11


Von nun an erfolgte kein einziger Kontakt mehr, weder aus den USA noch aus Australien oder Russland, ein ganzes Jahr lang..

Langeweile war nicht das Problem, denn die beiden Raumfahrer oder Wissenschaftler sind laengst ein ruhiges Paar geworden, das sich tief vertraute.
Wir ergreifen die Initiative und versuchen mal ueber Kurzwelle einen privaten oder Funker zu erwischen!
Zen war fest davon ueberzeugt, einen neutralen Beobacher der Lage zu finden - denn wo Menschen sind, wenn dort noch Menschen leben, dann sind sie geschwaetzig wie eh und je..

"Aerolab ruft Amateurfunker auf sich zu melden - bitte auf Frequenz... !
Nach einigen Tagen kam tatsaechlich Antwort:
Diese Antwort war recht unverstaendlich, auf Hebraeisch - der Bordcomputer uebersetzte:
"Und Mose bekam von dem Allerhoechsten die Order sein Volk in das gelobte Land zu fuehren, 40 Tage und 40 Naechte war er unterwegs seine Herde zu fuehren.."
So ein Quatsch! Die spinnend die Roemer!
"Der Herr schuf Himmel und Erde und am 7. Tag ruhte er"
Schalt das Ding ab!
Bini dreht dem Quacksalber den Hahn ab und suchte nach neuen Frequenzen, die gerade in Betrieb sind.
Dann endlich entlud sich eine Salve schnellen Geschnatters aus Suedamerika:
"Buenos Dias Hombres! Hier spricht Pedro aus Puerto Rico, wo nur noch ein Zehntel der Bevoelkerung lebt, wie ueberall auf der Welt- das habe ich von meinen Funker-Kollegen weltweit erfahren. Die Religionen sind wieder dabei ihre alten Positionen einzunehmen, die Machtstrukturen fangen an, sich neu zu ordnen und dabei die Religionen im Schach zu halten, dass sie nicht wieder mitregieren. Die Hyper-Vips sind in ihre Ursprungslaender abgetaucht und lenken die Geld- und Warenstroeme, wie eh und je. Israel hat seinen urspruenglichen Status und anfaengliche Groesse zurueck erhalten, ohne die besetzten Gebiete und muss Wiedergutmachung an seine Nachbarn leisten. Wie gesagt, die Weltbevoelkerung betraegt nur noch ein Hundertstel oder ein Tausendstel oder gar noch weniger der Zeit vor der grossen Weltrevolution. China ist nur noch in Shanghai bevoelkert mit wenigen hundert Einwohnern, Japan und Indonesien sind verschwunden oder zum Tropenparadies geworden. Russland und die USA sind fast vollkommen entvoelkert, Afrika ist leer - vollkommen leer, ohne Tiere und ohne Menschen - nur Dschungel und Wildnis - die Wueste gruent und blueht, von den Pyramiden ist kaum noch etwas zu sehen, die sind fast ueberwuchert von Gruenzeugs. Einzelne Flugzeuge und Schiffe sind unterwegs, um die Zustaende auf der Erde zu katalogisieren. Groenland wurde zum Gruenland, die Polkappen haben sich erholt. Man erwaegt die Fliegerei zu verbieten oder sehr zu begrenzen, politische Parteien gehoeren der Vergangenheit an - es wird nicht mehr gewaehlt. In den neuen Laendern herrschen jeweils Kader, die miteinander vernetzt sind - jeweils in den alten Hauptstaedten, wo die Energieversorgung wieder laeuft. Die Hyper-Vips regieren aus dem Untergrund mit fester Hand.









"Aerolab verabschiedet sich" Folge 12


Diese Nachricht war schon mal sehr viel besser, als die vorherigen!

Noch immer ist die Frage nach der Landung oder gar Abholung nicht geklaert.

Man lehnte sich zurueck und entspannte erst einmal - na, das kann ja dauern, vermutlich verrotten wir hier oben, waehrend die da unten sich die Koepfe einschlagen - mal so rum, mal anders herum !
Die Sonne ging auf und der blaue Planet wurde in ein strahlendes Licht getaucht, fast uebernatuerlich und unbeschreiblich schoen, leise Sphaerenklaenge drangen aus den Lautsprechern..
Was sind denn das fuer Toene?
Bini sagte nichts, sie hockte, unnatuerlich verzerrt in der Steuer-Ecke des Aerolabs.

***

Wasili wach auf, wach endlich auf !
Hoerst du mich denn nicht?
Die Stimme der Grossmutter war Zen wohl bekannt und er gruselte sich.
Wasili wach auf, wach endlich auf !

Wie kommst du auf die Station Grossmutter?
Doch sie antwortete nicht- er sah seine Eltern und seine Geschwister wie Schatten aus der Ferne auftauchen, seine Beine waren schwer wie Blei, Bini antwortete nicht auf seine Fragen und war ploetzlich weg..
..wieso zeit der Monitor kein Bild, was ist mit dem Ton?

***

Nach und nach kehrte er wieder zurueck auf die Erde, ihm war schwammig im Kopf - und er wusste nicht warum.
Der Arzt stand an seiner Seite und sagte:
Sie werden sich noch benommen fuehlen, sie hatten einen Unfall im Testcenter der Raumfahrtbehoerde!
Fuehlen sie sich nun schon etwas besser? Ich habe ihnen eine Vitalisierungsspritze gegeben.

Waas, wer- wer bin ich?
Wasil Krojowenko, 2. Aeronaut der Raumstation Aerolab, die gerade im Bau befindlich ist.
Sie sind schon 4 Monate hier im Nervenhospital in Nowosibirsk, ich bin Piotr Lowschenko, der leitende Oberarzt.
Der Kommandant hat sie ausgesteuert, sie sind leider nicht tauglich fuer das Raumfahrtprogramm, was sich beim allerletzten Test erst heraus gestellt hat.

Ihre neue Identitaet ist Zen Budawa, Leiter des Vermessungsamtes in Kachastan, in Astani - sie beginnen ihre Arbeit in einem Monat, wenn wir sie wieder hergestellt haben..
..ihre Frau heisst Swetlana Budawa, sie haben 3 Kinder und ist Krankenschwester im Hostital Astani's, ein schon etwas aelteres Semester, aber freundlich.

Ihr neuer Pass und die Wohnungsschluessel erhalten sie bei der Entlassung aus der Klinik, genau wie die weiteren Identitaetsnachweise, wie Fuehrerschein und Gehalts- und Kontoverbindung bei der oertlichen Bank.
Das Fahrticket 2. Klasse mit der Bahn ist dabei, auch die Rezepte fuer die begleitende Medikamentierung zur Rekonvaleszenz.
Wir wollen doch keinen Rueckfall riskieren - und dazu gehoert absolute Verschwiegenheit - sie werden beobachtet - nicht wahr?
Gute Besserung und auf eine gedeihliche Zukunft fuer Sie und Ihre Familie !

***Ende***




Hier noch weitere Kurzgeschichten, bevor man auf dem Titelbild
dieser Seite weiter im Nachtexpress dieser Unterhaltung bis Reihenweck100 kommt,
das Ende dieses Zuges..

Der alte Buchhalter, fiktive Story,
Eine fiktive Geschichte, die drei Schwestern. ,
Lebensgemeinschaft Otilienhof, fiktive Story,
Landleben versus Leben auf dem Land ,
Mein Freund Bernd, eine fiktive Story
Die Macht der Papiere,
Der Optimismus,
Gedicht der Hirte,
Indogermanen,
Glosse: Rasensport
Der Runkler, eine frei erfundene Geschichte ,
Vier Freunde vom Moenchshof, eine fiktive Story,
'1968',
Entwickung der Menschen ,
Alte Gebraeuche und Sitten ,
Das Krautfeld, innere Betrachtungen ,
Murmelspiel, eine fiktive Geschichte ,
Der Kraemer, eine fiktive Geschichte ueber 25 Seiten ,

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