Vivarium Seite 47


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Politiker sind die Leute, die sich um die Probleme kuemmern, die ohne sie gar nicht existieren wuerden.
Ralph Waldo Emerson




"Indogermanen"

Dez war mit Ola frueh auf dem Weg durch die Passage zur Markthalle,
mit dem vollbepackten Esel und Packtaschen auf den Ruecken hatten sie schon einen laengeren Marsch hinter sich,
als endlich die Skyline Frankfurts auftauchte.
Die Stroeme von Menschen aus den Wohnvierteln waren noch nicht in Gang gekommen,
die sich zu den Zentren durch den chaotischen Verkehr drueckten - man konnte das nur als "druecken" bezeichnen.
Einmal war Ola dort hinein geraten und anschliessend ihr Erlebnis daheim erzaehlt.
Sie hatten geradezu freie Bahn, bis auf die Bummler, die noch von der Nacht waren.
Als sie ihre Landwaren gut verkauft hatten-
fast immer an den gleichen Haendler der riesigen Markthalle, den Us,
ging es ganz schnell noch an den Stand mit Zucker und Schokolade,
den sich Ola gerne goennte.
Die Kinder "Es, Die, Da" werden sich freuen, dachte sie.
Dez hatte keine eigenen Wuensche, so dicke hatten sie es nicht und so sparte er eben an sich selbst.
Die buddistische Gemeinde verkuendete diese Bescheidenheit immer wieder und vermutlich hatte sie recht damit.
Sie taten sich auf und nahmen unterwegs noch einen Sparten mit, der gerade von einem der vielen Strassenhaendler angeboten wurde.
Sie freuten sich, als sie den Menschenstroeme in die Metropole gehen sahen, Mensch an Mensch, alle Strassen voll und alles verstopft.
Sie drueckten und wurden gedrueckt.
Dez meinte nur lakonisch:
Mein Grossvater hatte einmal das Wort "Pedding" genannt, das wird wohl so etwas gewesen sein..
Die Taunushoehen waren in Sicht, als sie das Nordend Frankfurts erreicht hatten-
Die Haeuser waren teilweise ueber den Strassen gebaut, so dass die Strecke oftmals wie ein einziger langer Tunnel vorkam, egal nach welcher Richtung man ging-
die Dunstglocke der Stadt wetteiferte mit dem Feldberg-Turm, um Aufmerksamkeit, wenn man kurz vor dem Bergkamm stand.
Flugzeuge konnte nur noch bei bestimmten Wetterlagen landen, so dicht ist die Suppe geworden.
Der Main und der Rhein gleichen einer Kloake, sie sind dem Hindus sehr aehnlich geworden.
Die Metropolen sind so arg angewachsen, dass sie ineinander uebergehen.
Die Bevoelkerungszahl Europas ist von 450 Millionen auf 1,5 Milliarden angestiegen,
weil die Voelkerwanderungen aus allen armen Laendern der ganzen Welt sogar die laengst begonnenen Islamisierung
gestoppt und ueberschwappt haben- nun teilen sich alle Arten von Menschen und alle Religionen zugleich den europ. Kontinent bis zum Ural.
Nach dem Zusammenbruch Chinas und Russlands sind allerorten indische Verhaeltnisse gekommen,
auch in Europa, das sich im Gegensatz zu den beiden Riesenstaaten freiwillig ueberfremden lies.
Dez Urgrosseltern kamen aus Sri Lanka, Ola hatte Vorfahren aus Uri in der Schweiz.
Die alten Nationalstaaten hatten mit der grossen Vermischung irgendwann aufgegeben,
der sogenannte Genscherismus war einer der Gedanken gewesen, dem die "Multikultur" und die "Willkommenskultur" gefolgt war.
Diese Begriffe der Vergangenheit wurden nur noch selten am Lagerfeuer genannt,
so man sich das ab und an leisten konnte.
Waelder waren laengst abgeholzt und eine weite Steppe mit weiten Anbauflaechen des Landes wurde nur noch von den Ackerbauern bewohnt, die sehr bescheiden in Lehmhuetten lebten.
Die Landflucht war vollendet, nun waren nur noch die kleinen Bauern mit ihren kleineren Parzellen draussen, ausserhalb der Staedte.
Doerfer gab es schon lange keine mehr, die sind nicht mehr rentabel gewesen
und so hat man sie abgetragen, um noch mehr Anbauflaeche zu bekommen.
Nicht mal kleinere Landstaedte blieben von dieser Abraeumaktion verschont.
Denkmale, Schloesser und was auch immer herum stand-
alles verfiel und wurde abgeraeumt.
Vorbei die Zeit, als sich das Wasserwirtschaftsamt um den Erhalt
der Wasserwege kuemmerte - bald war alles halb ueberwuchert.
Strom, Gas und Wasser oder Abwasser hat keiner mehr bezahlen koennen,
so waren die Leitungen auf dem Land marode und wurden schlicht abgeschaltet.
Niemand kuemmerte sich um die "Registrierung" von Personen, irgendwelche Register auf dem Land-
die Landbewohner wurden zu einer Randgruppe,
waehrend die Stadtbewohner noch deutlicher in Kasten eingeteilt waren,
aber ohne dieses offiziell zuzugestehen, man nannte das "Demokratie", wo niemand wusste wer wen vertritt.
Indische Verhaeltnisse sozusagen, das Chaos war wohl Programm - aber es war "multiethnisch" und frei,
die "besseren Leute" waren wohl eindeutig freier, von denen kannte unsere Landarbeiterfamilie aber niemanden.
Die haetten mit dem Landvolk auch niemals gesprochen, ausser beim Handeln.
Die indische Sorte Mensch hat wohl -zumindest optisch- die Dominanz errungen,
selbst Afrikaner konnten sich in diesem Voelkergemisch nicht behaupten:
Viele haben es versucht, aber viele sind auch wieder abgewandert nach Afrika,
weil sie ganz einfach keinen wirtschaftlichen Vorteil sahen, nach Europa oder Asien einzuwandern.

Viel wusste unsere Familie nicht von den globalen Verhaeltnissen, nur eben das,
was die Zentralregierung kundtat auf den Infotafeln in der Stadt.
Dez und Ola haben von ihren Grosseltern noch lesen gelernt, mit dem Schreiben taten sie sich aber bereits schwer.
Wozu etwas schriftlich aufbewahren, wem haetten sie schreiben sollen, wozu etwas schriftlich hinterlassen,
wenn abzusehen ist, dass die nachfolgenden Generationen damit nichts mehr werden anfangen koennen?
Auf dem Land wurden nicht mal Steuern gezahlt- die hat man gleich beim Handel in der Stadt abgezogen.

So gingen sie mit ihrem Esel langsam und sich unterhaltend durch die weiten Felder mit den Hecken, Knicks, Haine und Buesche,
die wegen der Bodenerosionensgefahr angepflanzt wurden..
"Eigentlich haben wir es sehr schoen bei uns auf dem Land, meinte Ola, da hat man wenigstens seine Ruhe."
In den Staedten brachen immer und immer wieder Seuchen aus, die tausende Tote forderten- mal war es diese, mal jede Krankheit.
Das Wasser war laengst rationiert, die Wasserleitungen in der Stadt belieferten nur Zapfstellen vor den Haeusern.
"Was hat Grossvater damit gemeint, als er sagte-
damals waren in jedem Haus Wasserleitungen, es gab Strom und Gas?"
meinte Ola nach einer Weile des stillen Marsches, der nur durch gelegentliche "Eselhalte" unterbrochen wurde.
Dez wusste es nicht, woher auch - seine Vorfahren stammen nicht gerade aus einem solch "noblem Gebiet", wie er sich ausdrueckte.
Wir koennen uns gluecklich schaetzen, hinter dem Taunuskamm in dem kleinen Tal zu wohnen, wo man aus dem Bach Wasser schoepfen kann.
Durch die duenne Landbesiedlung ist die Verschmutzung noch gering, die einstige "Ueberduengung" war Vergangenheit,
niemand hatte Geld fuer kuenstliche Duenger oder Spritzmittel-
womit haetten Herbizite oder Pestitide oder Funghizide auch auf die Felder aufgebracht werden sollten?
Mit dem Esel, ohne Maschinen?
Oel gab es keines mehr, das war rationalisiert und streng limitiert fuer die Kraftwerke reserviert.
Die Bevoelkerungsobergrenze ergab sich sozusagen "natuerlich", weil die Masse der Menschen das 50. Lebensjahr
kaum ueberlebte und nur die Oberklasse ein hohes Alter in Luxus geniesen konnte.
Die Forschung war ebenfalls nur noch fuer diese Klasse da, mit Genmanipulationen und bester Versorgung,
Wohnambiente, Dienstboten und Springbrunnen.

Nun waren sie wieder daheim angekommen, in ihren Trullis aus Lehm.
Eines war den Grosseltern, eines ihnen und je ein kleineres Trullo als Scheune oder Stall.
Nein, unzufrieden waren sie nicht, arm zwar und hier draussen recht einsam,
aber unzufrieden konnte man sie nicht nennen.
Sie kannten nichts anderes und fuegten sich - typisch indische Mentalitaet - ihrem Schicksal.
Hier draussen gab es keine Moscheen, keine Tempel und auch keine Kirchen oder Synagogen,
keine Regierungsgebaeude, Theater oder Museen, nicht mal mehr Wasserwerke oder Klaeranlagen -
kein Funkturm oder Aussichtsplattform, keine Strassen oder Autobahnen, Eisenbahnen oder Fabriken-
alles hat sich von selbst aufgerieben und aufgeloest.

Der Arzt war weit weit weg in der Stadt, hier auf dem Land gab es nur Kraeuter.
Langsam, aber sicher setzte sich die muendliche Ueberlieferung wieder durch:
Fernsehen oder Radio waren hier nicht denkbar, es war kein Strom da.
Fuer Solarzellen hatte man kein Geld und wenn, waeren die sowieso der Stadt vorbehalten.
Die Kinder kannten keine Schule und keinen Kindergarten-
es waren ja keine anderen Gebaeude auf dem Land vorhanden,
nur eben ab und zu eine winzige Ansammlung von Trullis und aehnlichen Huetten.
Es gab Schmiede, die aus gesammelten Alteisen-Teilen Messer und Sparten und anderes Geraet fertigten,
und als Gegenleistung Naturalien nahmen - Geld hatte hier kaum einer und wenn,
dann vom Eintausch auf dem Markt.
Die Klimazonen aenderten sich entsprechend,
weil der Wald ein Garant fuer feuchtes Wetter und Niederschlag gewesen war-
heute ist zwar durch das "Knick-Programm" der letzten Jahrzehnte einiges verbessert worden,
das aber das alte Wasserniveau nie wieder erreichte.
Folglich war Europa nun waermer und trockener geworden.
Die Landarbeiter hatten nicht mal Geld fuer Folien, mit denen sie die Verdunstung
aus dem Boden haetten reduzieren koennen.
Deshalb haben sie sich einige Tricks ausgedacht,
die wohl direkt aus der Urzeit der Menschen haetten stammen koennen..
Da sie keine Medikamente bekamen, konnte sie bedenkenlos die menschlichen Faekalien
mit denen der Tiere mischen und auf die Felder ausbringen.

Eines Tages erzaehlte Grossvater vor dem Trullo den Enkeln wieder einer seiner Geschichten:
"Es begab sich zu der Zeit, als in unserem Wohngebiet Menschen mit weisser Hautfarbe lebten,
die wohl daher kam, dass sie immer im Dunkeln der Waelder lebten, die so dicht waren,
dass einer den anderen nur sehen konnte, wenn er sich bewegte."
Die Enkelchen Es, Die und Da staunten und fragten:
"Und woher kamen die Doerfer, von denen du uns erzaehlt hast
und die breiten Strassen,
auf denen sich die Autos so schnell bewegt haben?"
Das will ich euch sagen, meint der Grossvater- als mein Vater auszog um besser leben zu koennen,
in die Fremde, wo diese Unglaeubigen wohnten, wie er sie nannte.
Dort hat man ihm geholfen sesshaft zu werden, mit Geld und mit einer Wohnung,
sie gaben ihm Arbeit und Einkommen.
Aber es kamen immer mehr und mehr und mehr in dieses gelobte Land..
Die Grossmutter meinte:
Dann musst du auch sagen, dass dadurch heftige Kriege entstanden sind.
Kriege, die durch die unterschiedlichen Glauben ausgeloest
und immer wieder geschuert worden sind.
Die Menschen sind immer mehr geworden, die Resourcen der Natur aber schwanden.
"Fuer diesen Tag soll das reichen, ich habe ja schon einen ganz trockenen Hals"
sagte Grossvater, lasst mich mal wieder in Ruhe, ich muss mein Mittagsschlaefchen halten.

Die naechsten Nachbarn waren Lothar und Claudia,
ein kinderloses Paar, das sich mit Gefluegelzucht befasste.
Sie waren noch Abkoemlinge der einstigen Urbevoelkerung,
sie war blond und er hatte einen starken Bartwuchs,
war kraeftig gebaut.
Dann kamen einzelne Holzbaracken mit je einer Schicksalsgemeinschaft,
die wie die Ola und der Dez sich mit Obst und Gemuese befassten.
Ein Wanderprediger sprach von der Autobahn, die heute eine Holperpiste ist-
"siehe das Ende der Welt ist nah!"
So ein dummes Zeug meinte der Grossvater,
es geht immer weiter, geh am besten weiter..
Anschliessend ging man auf das Feld um Saemlinge zu ernten,
die muehsam wieder kultiviert wurden, nachdem die grossen Pharmafirmen sich aus der Flaeche
zurueck gezogen haben, die nicht kollektiv zu den grossen Agrarfabriken der flachen Ebenen zugehoerten.
Die kleinraeumigen Taunus- Westerwaldgebiete und andere huegeligen Regionen
waren freilich vernachlaessigt, es hat sich fuer die grossen Betriebe nicht gelohnt.
Wie auch immer, die Kleinbetriebe waren alleine und machten ihr eigenes Ding.
Abnehmer gab es genug, die Metropolen vertilgen Unmengen an Lebensmitteln !

Die Kinder spielen im Dreck, das ist der schoenste Spielplatz -
so lernen sie den Umgang mit der Erde, die langsam aber sicher wieder "Mutter Erde" genannt wird.
Aber nur, wenn vollmundige Politiker sprechen- davon bekommt man auf dem platten Land nichts mit
und auch die einfachen Schichten der staedtischen Bevoelkerung werden davon bestimmt nicht berieselt..
Die Leute stehen an bei Lebensmitteln, an der Wasserzapfstelle, an der Bahn oder Bus-
die einzigen Verkehrsmittel funktionieren.
Zwischen den Metropolen fahren nur die Schnellbahn und Gueterzuege,
die Autobahnen sind von der Natur bereits ein ganzes Stueck eingenommen.
Geisterhafte Tankstellenanlagen, Kleinflugplaetze, Viadukte und Bruecken,
ueber die nur noch Eselskarren humpeln.

Grossvater, erzaehl uns doch nochmal von frueher!
Die Kinder bohrten- kein Wunder, sie hatte keine Schulen, Kindergaerten,
keine Spielplaetze und kein Fernsehen und kein Radio oder gar Computer oder Smartphone-
nicht mal batteriebetriebenes Spielzeug oder gute Schuhe,
die bei weitem wichtiger gewesen waeren.
Grossvater trug nur Schuhe, die er sich aus Rinde und Stroh und Kordel selbstgemacht hatte.
Selbst Kordel hat er selbst gemacht und das war sein "Gefach";
er nannte sich "Kordelmacher".
Brenn-Nesseln gab es mehr als genug, ueberall wuchs dieses Kraut und daraus
"hechelte" er die Nessel-Bahnen, die einzelne Faeden ergaben- hart, zaeh und langlebig.
Diese wurde gesponnen, gedreht, bis man daraus eine gleichmaessige Kordel aufwickeln konnte.
Das haben die Kinder oft bei ihm gesehen.
"Was soll ich euch von frueher erzaehlen?"
Nun, sagte da die kleine "Die"- wie war das mit dem Herd und dem Wasser im Haus?
Nun, wenn man einen Knopf drueckte, wurde die Herdplatte heiss,
man konnte den Topf oder die Pfanne darauf schnell erhitzen um Essen zu kochen.
Wie soll das denn gehen, ohne ein brennendes Holzscheit ?
Und das Wasser kam einfach so aus der Wand und abstellen konnte man das auch ?
Welche unheimlichen Wunderzeiten hast du denn erlebt?
"Wenn ihr gross seid, nehme ich euch mal mit in die Stadt,
dann koennt ihr vor jedem Haus einen Wasserhahn sehen und auch bestimmt mal kurz ausprobieren.."
Ich will das aber jetzt sehen!
Die Wanderung ist viel zu weit fuer dich, das schaffst du noch nicht..
Aber warte, ich habe da ein Lexikon aufgehoben, das mir mein Vater geschenkt hat,
dort muesste das eigentlich zu sehen sein..
Er holte das gut eingepackte dicke Buch hervor, das mit allerlei Kleinkram aus alten Tagen aufgehoben wurde.
W...w.... wasser.. Wasserhahn, gut, dass ich noch lesen gelernt habe!
Schau: Da ist das Ding zu sehen..
Unglaeubig schauten die Kinder und wollten wissen, was dort im Text alles zu erfahren war.
Ihr solltet lesen lernen, dann ist das ganz einfach.
Keines der Kinder hat je ein Buch gesehen, geschweige denn in einem geblaettert..
Nun hatte der Grossvater einiges zu tun.
Ola kochte auf dem Solarkocher, einer altmodischen Erfindung,
die mittels parabol gebogenem Spiegelblech die Hitze auf einen Punkt fokusiert.
Mit Brennholz musste man immer sparsam umgehen, seit die Waelder weg waren.
"Heilige Maenner" aller Weltreligionen zogen durch die Lande,
ab und zu kam mal einer dieser seltsamen Leute vorbei:
Sie lebten von den Glaeubigen, die bereitwillig etwas gaben.
Die Grossmutter war immer ganz wild auf eine "Segnung" dieser heiligen Leute.
Grossvater schuettelte nur den Kopf, wenn er das sah.
Die Verbrennung der vielen Toten in der Metropole
verbreitete in der ganzen Talsenke Frankfurts einen bestialischen Gestank,
aber religioese Tradition muss halt sein- offen wurden die Leichen verbrannt,
auf allem, was irgendwie brannte, auch auf Kunststoffteilen.
Anschliessend hat man alles "dem Fluss uebergeben", wie eben diese Traditon war.
Irgendwo am Unterlauf des Rheins haben Menschen davon gelebt,
Muell aus dem Wasser zu fischen und auf Brauchbarkeit zu untersuchen.
Heilige Kuehe sind eine Landplage, meinte Grossvater,
sie fressen uns nochmal die Haare vom Kopf-
und trotzdem darf man sie nicht mal verscheuchen.
Heimlich warf er mit Steinen nach diesen Tieren,
wenn es Grossmutter nicht sah.
So manche Ernte hat er dadurch retten koennen.

Am taeglichen Ablauf loesten sich Tristesse und Arbeit und Schlaf ab.
Dez meinte:
Die Kinder werden kaum jemals schreiben muessen,
dennoch werde ich sie beim Grossvater lernen lassen,
auch wenn ihre Arbeitskraft auf dem Feld gebraucht wuerde.
Im Winter lebte man auf dem Land nur von dem,
was eingelagert wurde - immer auf der Hut vor ungebetenen Vagabunden,
die das Land durchzogen.
Milde Gaben der Mitmenschen haben das fruehere Sozialsystem ersetzt.
Er hat auf dem Weg zur Markthalle oft Tote auf dem Gehweg gesehen,
die von den staedtischen Kraeften weggeraeumt wurden.
Nein, dieses neue Europa war kein Zuckerschlecken,
selbst Afrikaner mieden es.
Zu den Indogermanen zaehlen freilich auch Tuerken und Slawen,
mit all ihren ethnischen Minderheiten, die sich noch immer bis aufs Messer befeinden.
Ein falsches Wort und der Konflikt war da-
in der Stadt musste er immer aufpassen und allem aus dem Weg gehen.
Hier auf dem Land war der Tag Arbeit, aber auch Ruhe und Frieden.

Eines Tages im Fruehjahr wollte Ola die Claudia besuchen um etwas Wolle einzutauschen,
Als sie ihr Trulli schwarz verbrannt sah-
Pluenderer waren da, die zuweilen in Horden durch die Gegend zogen.
Deshalb hatte Dez seine Steinschleuder gebaut und Grossvater immer seinen Stock dabei.
Sie sah, dass sie hier zu spaet gekommen ist.
Lothar - oder das was noch von ihm war, lag unweit als Gerippe herum.
Die Dingos werden im Winter ihr Mahl gehalten haben,
dachte sie entsetzt ueber diesen Anblick.
Weggeraeumen wird das niemand, also werde ich die beiden verscharren.
Mehr kann ich nicht tun.
Den Rest wird die Natur gnaedig zudecken.
Um das Geschehene wird sich kein Polizist kuemmern,
niemand wird das interessieren..
..ihre Gedanken waren truebe und lagen bei den Erzaehlungen des Grossvaters,
wenn er von frueher erzaehlte, wo noch kein Multikulti war.
Daheim angekommen, waren die Kinder schon auf dem Feld und
stecken kleine Pflanzen in die Erde, heute waren die Gurken dran.
Wasser holen gehoerte zu den Hauptbeschaeftigungen,
in der Vegetationsperiode nochmal mehr.
Eines Tages kam Dez schwer verletzt nach Hause,
er war auf dem Weg vom Markt beraubt worden-
auch der Esel ist ihm weg gekommen.
"Die ganze Arbeit umsonst gemacht" stammelte er die ganze Zeit,
bis er von der beginnenden Sepsis geheilt wurde.
Ola und Grossmutter mit ihren Kraeutern waren noch zeitig dabei
und konnten ihn retten -
die Genese brauchte aber sehr lange
und hat ihm eine leichte koerperliche Behinderung hinterlassen,
er zog die Schulter immer hoch, wenn sie schmerzte.
Diesen Sommer kam eine arge Trockenheit,
die durch den Klimawandel kam..
.. selbst groessere Baeche sind ausgetrocknet, Tiere verendeten,
viele Menschen verdursteten,
bei den Reichen lief der Springbrunnen und am Schwimmbad lagen die reichen Frauen,
waehrend ihnen die Dienstboten kuehle Getraenke brachten..
..bis der Gatte mit dem Flugzeug von der Dienstreise zurueck kam,
er war auf dem Umweltkonvent der UN in New Jork
und hat bestimmt wieder feinen Schmuck und Konfekt mitgebracht.
Ueber die Hintertreppe ist der Latino davon, als er den Ehemann heim kommen hoerte.
Der Chauffeur hat die Limousine auf Glanz gebracht,
heute sollte sich das Gefaehrt wieder hupend durch die total verstopften Strassen draengen,
die Gattin wollte ein wenig "shoppen" und sich mit einer Freundin zum Plausch treffen.
Vorbei am Elend der Stadt, die langen Schlangen der am Wasserhahn wartenden Leute
beflissentlich uebersehend.
Von den "Unberuehrbaren" will ich nicht mal anfangen, die aus den "Harzern" kamen,
die niemand mehr bezahlen konnte.
Sollen sie doch sehen, wie sie durchs Leben finden,
dachte sie sich, ich muss das ja auch!
Sie schuettelte ihr langes schwarzes Haar, das zuvor vom Hausfriseur gepflegt wurde.
Der Polizist auf der Kreuzung machte dem schweren schwarzen Wagen die Strecke frei.
An der Flanierzeile der Stadt waren spezielle "VIP-Parkplaetze",
die von eigens dafuer eingestellten Ordnungskraeften frei gehalten wurden.
Der Chauffeur musste im Auto bleiben, sonst haetten bald die Raeder oder sonstige Teile
des Autos gefehlt.
Selbstverstaendlich trug jede Schutzperson der Reichen eine Waffe und einen Stock,
um den "Poepel" abzuhalten.
Die Wohngebiete der besseren Leute wurden speziell bewacht und genau kontrolliert.
Der Kordelmacher, der Grossvater, hat seinen Enkeln die Technik der Herstellung
vermittelt, damit sich die Kinder spaeter auf ein festes Tauschmittel verlassen konnten.
Er fand, das ist die beste "Erbschaft", die ich hinterlassen kann.
Allemal sicherer, als die grossen billig aussehenden Papierscheine, die man Geld nennt.
Gefragt waren essbare Landprodukte und die waren das Gewerk von Dez und Ola,
die irgendwann einen ehemaligen Soldaten einstellten, der den "Hof" bewachte.
Etwas Mitleid, besonders aber die unsicheren Zeiten waren der Grund dafuer.
Bald hat man die Trullis von den Nachbarn wieder aufgebaut und mit
zwei einfachen Wanderarbeitern aus Sizilien besetzt.
Nun konnte das andere Land ebenfalls bewirtschaftet werden-
hoch waren die Flaechenertraege nun wirklich nicht!
Wenn keiner keinen versteht und doch dessen Beweggruende begreift,
dann ist das Indogermanien, meinte der Grossvater.
Dieses Chaos wird ewig bestehen, so lange sich die Erde dreht..

"open End"



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Stadtchronikel 3





Nun habe ich die Stadtchronik "Frankfurt" (Main) vor mir.
Herausgeber Dr. Waldemar Kramer 1964, (Erweiterte Ausgabe von 1987) gekauft habe ich diese Chronik aus dem Web (A mazon) fuer billiges Geld. Mir geht es bei solchen Dingen allerdings nicht um einen Geldwert..
..lassen wir uns ueberraschen mit dieser 3. Ortschronik meiner kleinen Serie.

Zuvordert faellt mir zum Thema Frankfurt das Moderatorenpaar Lia Woehr und Heinz Schenk ein, die beiden sympathischen Originale, ohne welche der "Blaue Bock" des hessischen Rundfunks nicht so erfolgreich geworden waere. Aehnlich Reno Nonsens, der hessisch babbelnde Oberkellner der Sendung. Inzwischen ist die Stadt internationalisiert und akademisiert, veraendert, ausgetauscht und beliebig geworden. Ich schreibe das wohl in Kenntnis, da ich dort meine Grosseltern vaeterlicherseits wohnen hatte und oft genug dort anwesend war - desgleichen viel meine spaetere berufliche Taetigkeit dorthin, wo mir der Wandel ziemlich drastisch wurde: Ich habe ueber Jahrzehnte meines Lebens die Entwicklung der Stadt verfolgen koennen. (Freilich nur aus meiner "subjektiven Sicht" - wie auch sonst?) Als die 60iger Jahre so richtig aktiv waren, mit Aufschwung und den vielen Warenhaeusern der Stadt, die namentlich Nec kermann und Qu elle und viele aehnliche Alleskoenner des Konsumangebotes, die es heute nicht mehr gibt. (die beiden Haeuser und Karsta dt und Kau fhof gibt es noch) Die Frankfurter Zeil war das Sammelbecken aller Wuensche, die der Kinder wie die der Erwachsenen.. der Kunde war noch Koenig, heute wird er abgefertigt, ist zum "Verbraucher" abgestuft worden. Dafuer ist der Strassenverkehr extrem heftig geworden, selbst gegen den schon immer sehr regen Verkehr damals. Heute fahren viele Strassenbahnen unterirdisch, ein paar oberirdische Strecken gibt es noch, die jene rasenden Stadtbusse ergaenzen, vor denen man sich hueten muss. Der nahe Flughafen und Bahnhof und ICE Terminal bringen noch mehr Leute in die Region als je zuvor. Umwunden von vielen Autobahnen ist die Stadt Frankfurt eine Metropole, die den vergleich zu anderen Weltstaedten nicht zu scheuen braucht. Frankfurt hat zwar nicht so viele Einwohner, ist viel gruener als andere Staedte mit ihren Parks, aber eine Gemuetlichkeit oder Anziehungskraft kann sie auf mich nicht ausueben. Dafuer ist die Wirtschaftskraft deutlich angestiegen, weil sie ein Umschlagplatz erster Guete fuer Deutschland geworden ist. Daneben ist die europ. Zentralbank und die Bundesbank dort, neben vielen Hochhaeusern, die dazu gekommen sind.

***

Erwaehnenswert ist der Frankfurter Dichter und Kuenstler Friedrich Stoltze,
welcher folgendes Gedicht ueber Frankfurt schrieb:

"Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
die so merr wie mei Frankfort gefaellt,
un es will merr net in mein Kopp enei:
wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!"

***

Zur Chronik:
Es folgen gegenseitige Beweihraeucherungen von Kirche und Adel bis Seite 14, wo die Rede von der Ansiedlung von "aufstaendischen Sachsen", die im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen angesiedelt worden sein sollen. Vermutlich wurde dieser Stadtteil dadurch gegruendet. (Im Jahr 794 - 814)

Es wird von Salzquellen im Nidda-Gau berichtet.
Der ganze Nied-Gau soll im Jahr 875 grosse Verwuestungen durch Ueberschwemmungen erlitten haben, wo sich der Main bis weitab wagte.
Dieses gegenseitige Beweihraeuchern der "frommen Maenner" ging gut zwei Jahrhunderte unter, im Jahr 851 wurde der Raub der Jungfrauen und Witwen verboten, die mit Staatsbediensten korpuliert wurden - ohne deren Einverstaendnis.
Im Jahr 994 schenkt Otto III. dem Abt die "Fischereigerechtigkeit" im Main, fuer sein Seelenheil erfolgte eine "Freisprechung von Suenden". So hatten die Klosterbrueder ihren Freitags-Fisch, die Bevoelkerung schaute in die Roehre.
Seite 28 Der Handelsfernverkehr nimmt starken Aufschwung, die Stadt wird ummauert. 1160-1170 sind viele Kirchen dazu gekommen und ebenso viele Steuern. Im Jahr 1241 zaehlte man 200 Juden.

1147 traegt Koenig Konrad den heiligen Wundertaeter Bernhard von Clairvaux "auf seinen starken Armen" aus der Kirche durch die Menge..

Seite 29: "Weil der Herr unserer Armseligkeit es uebertragen hat, das Wort des Kreuzes zu predigen, verkuendigen wir nach dem Rate unseres Herrn, des Koenigs und der Bischoefe und Fuersten, die in Frankfurt zusammengekommen sind, dass die Macht der Christen sich waffne.. und dieses Zeichen des Heiles nehme, die Heidenvoelker zu vernichten oder zu bekehren. Wir versprechen diesen Kreuzfahrern den gleichen Ablass, wie denen, die nach Jerusalem gezogen sind"

Im Jahr 1150 wollte der Rabbi der Stadt Massnahmen gegen die Entweihung der Sabbat-Ruhe durchsetzen.

Jahr 1187: "Francorum vadum" - daraus leitete man Frankfurt ab; der fraenkische Kaiser soll damals ohne Kenntnis einer Furt den Main ueberquert haben. Im Jahr 1194 praegte Frankfurt eine einseitige Silbermuenze mit dem Bildnis des Heinrich IV. Alle anderen Muenzen lies man durch Kuno von Muenzenberg praegen - Nomen est Omen.

Im Jahr 1208 haben sich einige hohe Tiere gegenseitig umgebracht und 1219 laesst Friedrich II Gewalttaeter hinrichten. (Vermutlich dass diese durch diese kaiserliche Friedfertigkeit etwas lernen)
Auf Seite 32 sieht man das Siegel des Salvatorstiftes, wo der heilige Bartholomaeus in der rechten Hand ein Marterwerkzeug (Zange und Messer) haelt, in der linken Hand ein Buch..

Im Jahr 1225 ist der Reichsverweser verwest..

1228 ergibt sich die Karls-Legende oder der Karls-Irrtum, weil die Personen verwechselt worden sind.. in diesem Jahr bekam das Salvatorstift einfach mal so eben die Ortschaft Kelheim geschenkt. (Mit Mann und Maus, da hatte niemand mitzureden)

1232 - Koenig Heinrich (VII) verspricht, dass er kuenftig keinen Frankfurter Buerger mehr dazu zwingen will, dass dieser seine Tochter oder Enkelin einem von dem koeniglichen Hofgesinde (de curia nostra) zur Ehegattin gebe, sondern dass er sich bei den Buergern auf eine einfache Fuersprache (Petitio) beschraenken will. Insbesondere befreit er die Tochter Johann Goldsteins von der erzwungenen Ehe mit einem Hofdiener (Servus noster).

Der edle Graf von Solms soll Traenen vergossen haben aus Furcht vor dem Tode durch seine Ketzerei..

(Wir erinnern uns, Kirchenkritiker waren immer "Ketzer")

Nicht nur im Jahr 1238 wurden 20 Jahre Ablass gewaehrt, wenn jemand grosszuegig fuer einen Kirchenbau oder Sanierung Geld spendete.. das kam oefter vor.

1239 kam die Hirnschalen-Verehrung des heiligen Bartholomaeus durch den Bischof von Ratzeburg, immer auf der Suche nach "Reliquien".

1240 kam die Bannschleuder gegen Frankurt durch den Papst Gregor IX, der die Stadt "unbesungen" haelt. (Keine Gottesdienste wegen des Kaisers Gerichtshof) Einige "Kanoniker" blieben dabei und.. haben ihre Kirchenpfruende verloren.

1241 entflammte ein Krieg in der Stadt, Christen gegen Juden - von den 200 Juden starben 180 !
"Weil der Sohn eines Frankfurter Juden den christlichen Glauben annehmen will, aber von seinen Verwandten darin behindert wird, entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen Christen und Juden, bei dem hundertachtzig Juden ums Leben kommen und fast die halbe Stadt abbrennt. etwa 24 sind uebrig geblieben, darunter auch der Rabbi, die sich nun taufen liesen.."

Um 1320 ueberfluegelt Frankfurt an wirtschaftlicher Bedeutung die anderen wetterauischen Staedte Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen. Frankfurt wird teilerbe der allmaehnlich bedeutungslos werdenen champagne-Messen,m weil sich der Schwerpunkt des Handels nach Osten bis hinein nach Polen und Boehmen verlagert. Das Frankfurter Tuch und aktiver Weinhandel kommt auf.

Im 14.Jhd waren 8-10.000 Einwohner in der Stadt.

1251 Papst Innocenz IV (der Name bedeutet Unschuld) empfiehlt den Frankfurtern dringend Koenig Wilhelm von Holland zu huldigen, bei Widersaetzlichkeiten verfahre er sonst gegen die Raete der Stadt bis diese erkennen, dass seinen Ermahnungen Folge zu leisten sei, Friedrichs Sohn Konrad koenne niemals Koenig bleiben, weil dieser auf den Konzil von Lyon des reiches entsetzt worden sei - nicht die Geburt, sondern die Wahl berechtige.. 4 Jahre zuvor haben drei rheinische Erzbischoefe den Wilhelm von Holland zum Gegenkoenig gewaehlt, diesem ist es jedoch nicht gelungen, die Kaiserstadt Frankfurt zu nehmen: Sachenhausen brennt nieder. 1257 spielen die Erzbischoefe wieder verrueckt.

Im Jahr 1266 hat man seltsame Zahlungen zur Messefreiheit der Anbieter beschlossen, die dadurch keine Zoelle zu bezahlen hatten. 1268 wurde bestaetigt, dass aller Verlust auf Kreuzzuegen -egal wohin- ersetzt wuerde..

1272 "Kapitularkanoniker" 1276 teure Empoerung - 1200 Silbermark fuer den Wiederaufbau der zerstoerten Reichsgewalt. Im Jahr 1281 verleiht Koenig Rudolf dem Frankfurter Schultheis von Praunheim jedem dort in Frankfurt lebenden Juden bis auf Widerruf eine Mark.?! 1284 gab es Bestechungen der Baecker durch die Muehlenbesitzer. Im Jahr 1288 erhielt derjenige 40 Tage Ablass, der dem heilig Geist Hospital Geld spendete. 1292 der Geist Gottes habe dem inbruenstig flehenden Graf Adolf von Nassau als kuenftigen Koenig vorgesehen.. Seite 41: Die Erzbischoefe der Stadt Mainz sind wohl oft Pleite gegangen, haben viel verpfaendet und verlangten, dass die Juden die Schulden bezahlen. (Diese Rechnung ging aber nicht auf, weil der Schultheis Praunheim dagegen war) Die Mainer Pleite-Bischoefe bekamen aber feste Hilfe vom dem von Gott erwaehlten Koenig Adolf von Nassau.. im Jahr 1308 folgte ein Luxemburger fuer 1000 Mark Spende dorthin, um in Gunsten zu kommen, Koenig Heinrich VII gibt nochmal 3950 Pfund Heller an Judengeldern nach Mainz - das Jahr 1313 brachte ein grosses Pocken- Sterben.

Seite 45 links: "Am 3. August erneuerte Schultheis Volrad die Schoffen und Rath der Stadt Frankfurt den Stadtfrieden: "durch daz ein ieclichir, der arme unde der riche, friede habe zu Frankenfort in des richis stad" - Das Kloster Ilbenstadt verzichtet auf alle Ansprueche an eine Fleischbank in Frankfurt. (Fleischbank war der Begriff zur Verwertung minderwertigem Schlachttieres)

Viel liest man nicht von den einfachen Leuten in dieser Zeit, aber schon die obigen Rahmenbedingungen zeigen, dass dieses leben nicht einfach gewesen sein muss.

Jahr 1324 "Defensor pacis", Wilh. von Ockham stellt die Lehre der weltlichen Macht durch die Buergerherrschaft auf.

1329 erlaubt Kaiser Ludwig die Ansiedlung von 4 juedischen Familien, die keine Steuern zu zahlen brauchen.

1337 Kaiser Ludwig will keinen "Judenschlaeger" in seinem Herrschaftsgebiet dulden.

Anno 1338 weist Ludwig die Forderung des Papstes zurueck, ueber die Kaiserwahl zu entscheiden, er droht dem Papst gemaess der christl. Lehre mit der Exkommunikation. Die darauf folgende Bannbulle wurde verbrannt und die meisten Kirchen- und Ordensleute der Stadt verwiesen. Einige haben sich dem Kaiser angeschlossen. Dann kam eine grosse Heuschreckenplage..

Die Juden durften 32 1/2 % Jahreszins nehmen, fuer Ausheimische 43 1/2 %

1342 hat man 9 Fuss Hochwasser bei der Weissfrauenkirche gemessen.

1344, im 100jaehrigen Krieg zwischen Frankreich und England hat sich das Deutsche Reich fuer England entschieden.

1346 Belohnung fuer zurueckgeholte Juden, die gefluechtet waren.

1349 - Verpfaendung der Judensteuern und die Ablehnung jener Haftung Karls IV, wenn Buerger die zahlungspflichtigen Juden erschlugen.

2000 Einwohner starben an der Pest - 55 Priester riefen: "Nu hebent auf die uweren Haend, dass Gott das grosse Sterben wend"
(Wieder waren die Juden an allem schuld)
Von 1349-1380 gab es keine Juden in Frankfurt, so die Chronik.
1350-1437 waren staendig Kriege zwischen drei Kirchenhaeuptern und drei Koenigen.

1359 Ritterturnier auf dem Roemerberg (Sitz der spaeteren Ratskammer)

1366 Verbot juedischer Gesetze, Gerichte und Meister.

Man missbrauchte die Feuerwehrleitern zum Obstpfluecken..

1368 kam das Schiesspulver.

1380 verpfaendet schon wieder ein Mainzer Erzbischhof- diesmal Zolleinnahmen an Juden, die ihm Geld gaben.
Der Frankfurter Rat verbietet Juden christliche Dienstmaegde und Ammen zu haben.
1387 waren 2781 Buerger verzeichnet, darunter 312 Wollweber.

1397 hatte einen Reichstag mit nie gesehener Pracht, 32 Fuersten und Herzoege, 150 Grafen, 1300 Ritter, 3700 Edelknechte, 550 Pfaffen und Doktoren wie berichtet wird.

Die erste Burg wird mithilfe von Feuerwaffen vernichtet.
1399 - vor der Stoff oder Handelsmesse mussten alle Stoffe zum Ausmessen mit der Frankfurter Elle zum Gewandhaus.

Koenig Ruprecht erhaelt von der Stadt fuer sich, seine Frau, seine Kinder und fuer alles Gesinde extra feine und extrem teure Geschenke.

1405 - Ankauf des Gebaeudes "Roemer" als Rathaus, Handelsmesse und Kroenungssaal.

1408 die 20 neuen buergerlichen Ratsposten werden wieder abgeschafft und die Stadt ist wieder in den Haenden der Patrizier.

1420 - der ehem. Stadthauptmann erpresst und entfuehrt Stadt- und Messebesucher - anschliessend wird er gefasst und hingerichtet.

1429 Gutenbergs "Donat-Type" ist eine Erfindung seines Stempelschneiders, des Peter Donne,

Koenig Sigismund verpfaendet die Reichsmuenzstaette.. mit dem Geld haushalten hat weder der Klerus noch der Adel gekonnt.

Im Jahr 1434 will die Wolltuchproduktion auf die modernere Leinentuchproduktion umgestellt, beguenstigt durch die Frankfurter Messe, die Grosskaufleute werden immer reicher, die kleinen Handwerker immer aermer.

1452 hat man in Heddernheim die Reste roemischer Mauern abgetragen.
Der Klerus hat 2000 gedruckte Ablassbriefe an die Frankfurter verhoekert.
Jeglicher Handel auf geweihtem Boden wird verboten, die Budenbesitzer von den Friedhoefen vertrieben.
Nach dem Beschluss der Mainer kurfuerstl. Synode mussten Juden gelbe Ringe und Juedinnen einen blaugestreiften Schleier tragen, wie in Rom.
Ablassbriefe zur Finanzierung des Kampfes gegen die Tuerken wurden ausgegeben.
1457 mussten jued. Frauen einen Schleier mit grauen Streifen und Maenner einen grauen Kreis in Apfelgroesse tragen. (lt. Erzbischhof Diether von Mainz)
1462 wurde ein juedisches Getto gegruendet, die alte Synagoge abgerissen und im Getto neu aufgebaut - weil sich die Kirchenbesucher und der Klerus ueber den Laerm am Sonntag bei den Messen gestoert fuehlten.
In diesem Jahr war die Mainzer Mordnacht, wo der liebe Herzog Adolf von Nassau, der vom Papst fuer die Nachfolge des lieben Erzbischofs Diether vorgesehen war - er muss furchtbar gehaust haben in Frankfurt, wo er einfiel dieser Adolf. (Der in Weilburg heute noch so hoch verehrt wird)
Das Steinerne Haus wurde 1464 durch einen reichen Handelsherrn errichten lassen.
1466 war ein Patriziergelage in Frankfurt, das ich Euch nicht vorenthalten will, liebe Leser dieser Zeilen..
"Den Sonntag und Montag Abend essen Maenner und Frauen auf der Trinkstube zu Limburg und halten nach der Mahlzeit einen oeffentlichen Tanz. Den Dienstag essen sie dort zu Mittag und ziehen dann in froehlichen Reihen hinueber nach dem Deutschen Haus. Hier werden drei Taenze gehalten, nach dem ersten trinkt man firnen Wein, nach dem zweiten neuen Wein, nach dem dritten werden Semmeln ausgeteilt. Dann zieht die Gesellschaft zum St. Johannishaus. Hier werden sie mit Kohl, Heringen und Braten bewirtet, an firnem und neuen Wein ist Ueberfluss. Von hier wankt der Zug nach dem Antoniterhof. Dort wieder drei Taenze. Nach dem ersten weissen Wein und Konfekt nach dem anderen roten und Lebkuchen, zuletzt Semmel und kleine Messer als Geschenk. Am Mittwoch: die Gesellschaft speist auf Limpurg zu Mittag. Nach Tische spielen die Frauen mit den Gesellen oder sie sehen einem Ritterstechen zu. Sobald das Abendessen vorueber ist, blasen Stosspfeifer zum Tanz.."

1367 wird das Armbrust- durch das Buechsenschiessen abgeloest, wieder fliehen viele vor der Pest -diesmal nach Gelnhausen.
1470 stehen 300 Haeuser wuest und leer- die Besitzer wurden vom Rat ermahnt, Ordnung zu schaffen. (Spekulanten?) 1474 wurde verordnet, dass die Schieferdaecher zu kommen haben, die Holzschindeln abloesen, die zuvor die Strohdaecher abgeloest hatten. 1478 milderte der gute Papst mit einer "Butterbulle" die sonst so strenge Speisenordnung anlaesslich der Feste und Messen.. (zugegeben hat er nix, diese "Bulle" ist auch nicht mit Butter gefuellt gewesen, es ist nur ein Stueck Papier) Inzwischen nahm der Rat der Stadt Schutzgelder von Dirnen und schieb diesen genau vor, wo sie stehen durften. 1480 wurde durch den Rat verboten, dass sich Juden Frankfurter Buerger nennen durften. (!) 1482 tat die gesamte Geistlichkeit eine Pest-Prozession durch die Stadt. Der "Herbarius und Hortus Sanitatis", ein Kraeuterlehrbuch wurde von Dr. Johann Wunnecke von Cube heraus gegeben, zum Nutzen aller. Der Reichslandfriede nannte im Jahr 1468 erstmalig den Begriff "Roemisches Reich Deutscher Nation". 1487 ein betruegerischer Ratsherr und Baecker richtete sich selbst, was einen unbescholtenen Buerger zu der Bemerkung veranlasste: "Es gibt noch genug Diebe im Rat" - man hat ihn deshalb einen Kopf kuerzer gemacht.. 1494 wollte der Herr von Eppstein, ein bekannter und wichtiger Adliger einen Scharfrichter aus Frankfurt ausleihen, weil er einen Bauern hinrichten lassen beabsichtigte- dieser hatte aus dem herrschaftlichen Bach Krebse gefangen.. In der Stadt mussten sich inzwischen die Bader vorsehen, wegen der Syphilis - was einen Dominikaner zu folgendem Spottvers trieb: "Neues Gewand - neue Schand, neuer Fuend, neue Suend, neuer Schwur und Spott - neue Strafplage von Gott"

Im Roemer wollte man das grosse Fressgelage nicht zulassen, bei den Barfuessern wohl:
Die Hochzeit des Grafen von Hessen mit der Pfalzgraefin fand statt mit: 80 Tonnen Einbecker Bier, 400 Ochsen, 1500 Kapaunen, 6000 Gaense, 30.000 Eier, 1500 Karfen und 10.000 Flusskrebsen..
Es gab aber auch noch die Rattenbekaempfung, wo am Rattenhaeuschen fuer jedes dieser Tiere ein Rattenpfennig ueberreicht wurde - das Schwaenzchen wurde als "Quittung" abgeschnitten. In diesem Jahr wurde viel "verfaelschter Wein" vernichtet- heute kann man kaum noch unverfaelschten Wein kaufen. So aendern sich die Zeiten !
1508 wurde auf dem Klapperfeld ein Pestilenzhaus errichtet, aber auch das war viel zu klein..
1510 hat der getaufte Jude Pfefferkorn ueber des Koenigs Schwester erwirkt, dass ein "Fachmann", ein "Humanist" die Judengasse nach ketzerischen Schriften absuchte - er "konfiszierte" viele Buecher, die er aber nach der Sichtung zurueck gab. Das erzuernte den heimlichen Auftraggeber, der die Vernichtung aller dieser Buecher wollte. Der Humanist wurde dannach zum Ketzer erklaert.

Seite 93 Buergerbeschwerden ueber die Last des geistlichen Zinses und dass die Geistlichen ihre Steuerbefreitheit ausnutzen um selbst Vorteile bei Handel und Handwerk zu haben, das jene ausfuehren..

1519 - Franz von Frankreich nennt Frankfurt die beruehmteste Stadt Deutschlands, sondern beinahe des gesamten Erdkreises..

Seite 100: Der Dekan des Leonhardsstiftes Johannes ab indagine schreibt in einem Brief an Otto Brunfels: "Nicht ganz ohne Grund wuetet gegen uns das Volk. Unsere Schuld ist es, wenn wir so leben, dass unsere Schandtaten die der Schlemmer und Wuestlinge hinter sich lassen"

1523: Die Meisterin und das Konvent zu St Katharinen beklagen sich ueber die Unwissenheit der Stiftsvikare. Hamman von Holzhausen holt daher, wohl kaum im Einvernehmen mit den dortigen geistlichen "Behoerden", den Prediger an der Ignatiuskirche in Mainz, Dietrich Sartorius, nach Frankfurt, dessen Predigten einen grossen Zulauf des Volkes haben. Sartorius wendet sich gegen das Messopfer und leugnet das Fegefeuer und die Fuerbitte der Heiligen. Seine Amtsgenossen verdraengen ihn aus der Kirche und schliesslich von der Notkanzel, die ihm das Volk unter einem Schuppen erbaut hatte.

Die Gaertner aus der Neustadt und Sachsenhausen versammeln sich auf dem Peterskirchhof und dringen in den Fronhof und das Predigerkloster ein und pluendern die Weinkeller unter dem Rufe: Die Moenche haben lange genug mit uns gegessen, wir muessen auch mal mit ihnen essen!"

Seite 104, die alte Sitte, dass beim jaehrlichen Hirschessen die Dirnen der Stadt den Raeten Blumen brachten und dafuer essen durften (nur essen?) wurde 1529 abgeschafft.

1541 kommt heraus, warum so viele Haeuser in der Stadt "wuest fielen": Erbzinsen und Wiederverkaufsguelden lasteten darauf.

1543 wurde die erste Wasserleitung auf den Roemer gelegt, zur Speisung eines Springbrunnens.

Nur 368 Getaufte aber 2617 Gestorbene im Jahr 1547

Seite 118 - der Schmalkaldische Krieg brachte arge Lasten und "Fettmilch" und den 30j. Krieg:
Der Zuckerbaecker und Lebkuechler und Fuehrer des Aufstandes von 1612

1554 kommen 24 Glaubensfluechtlinge aus Holland, einige aus England und aus Frankreich nach Frankfurt.
Diese haengen die uralten Bilder in der Kirche mit Papier ab..
.. so wurde deren Gottesdienst verboten und so zogen 2000 Leute ab - was einen Einbruch in der Seidenproduktion bedeutete. Spaeter hat man an der Bockenheimer Warte eine kl. Holzkirche der Calvinisten genehmigt, die aber nach weniger als 7 Jahren abbrannte.

1564 werden die Tuempel und Stadtgraeben als Seuchenherde erkannt.
Seite 130: Eine grosse Zahl von Aussaetzigen, denen das Betteln von Haus zu Haus ebenso wie den Verstuemmelten aus dem Tuerkenkriege erlaubt war, werden ausgepeitscht, weil sie sich bezecht und gestritten haben.

Frankfurt Main 1571: Einem Baecker, der gemahlene Steine in sein Brot gebacken hatte, um mit geringeren Kosten das vorgeschriebene Gewicht zu erzielen, laesst man ein Malter seines gefaelschten Mehles zu Brot backen und in seinem Gefaengnis als Speise vorsetzen, worauf er nicht mehr lange gelebt hat, so wird berichtet. Wie waere es, wenn unseren heutigen grossindustriellen Lebensmittel-Fakern das gleiche Schicksal zuteil wuerde?!

Waehrend der Messezeiten war es ueblich, dass "Scharen von Bettlern" eingesperrt worden sind. 9 marodierende ehem. Soldaten wurden gleich zusammen hingerichtet.

1576 - die Herd- Ungeld- und Mahlsteuer belasten die unteren Schichten heftig.

Bankrotte oder schlechte Haendler und unsichere Schuldner mussten gelbe Huete tragen und durften nicht mit den Ehrbaren der Zuenfte essen. (Wieviel gelbe Huete waeren wohl heute in dem Stadtbild zu sehen?)
1583 wurden in den Kirchen Almosensaeckchen herum gereicht, weil die oeffentliche Versorgung nicht mehr nach kam - kein Testament und kein Erbe ohne entsprechende Armengelder als Spende!
1599 wurde das Wachtgeld oder Wachtsteuer eingefuehrt, weil die Welchen abgewandert waren und die Stadt ohne die Einnahmen der Seidenproduktion auskommen musste.
Im Jahr 1607 hat ein eingewanderter Hollaender in Frankfurt eine fruehe Form des Patentes erhalten, das keiner kopieren durfte: Er lies seinen Hund in einer Trommel laufen und konnte auf diese Weise mit seiner Maschine viele hundert Ellen Schnuere in kuerzester Zeit herstellen..

Im Jahr 1608 muessen Adlige schwoeren, der Stadt keinen Schaden zuzufuegen - inzwischen langen die Ratsherren gruendlich und dreist in die Kassen. Calvinisten werden der Irrlehre bezichtigt, weil sie gegen den "Mammon" sind. 1610 muessen Fasenachter Kaution fuer event. Schaeden durch Vandalismus hinterlegen. 1612 nimmt der Kaiser die Juden in Schutz und wirft den Schuldnern "liederlichen Lebenswandel" vor. Die Katholischen haben die Kirchen, die Lutheraner die Macht und die Calvinisten oder Juden das Geld.. (Spruch) 1613 Fettmilch findet bei der Durchsicht der Privilegien die Verpfaendungsurkunde der Juden vom Jahre 1349 und liest sie der Buergerschaft vor. Darin steht, dass der Kaiser die Stadt nicht dafuer haftbar machen wuerde, wenn alle Juden "von Todes wegen abgingen oder verduerben oder erschlagen wuerden" - das wurde von den Hoerern so gedeutet, dass nun den Juden zugesetzt werden duerfe.. dann hat die Bevoelkerung die Judengasse gepluendert, die dann nach der Gefangennahme der Aufstaendigen mit der Hinrichtung Fettmilchs auf Kosten der Stadt wieder errichtet worden ist. "Allhida haben sie ihr Urteil angehoert, wie sie sterben sollen. Erstlich Vinzenz (Fettmilch), dass er soll geschleift werden. Danach sollen ihm zwei Finger an der rechten Hand abgehauen werden. Danach der Koerper in vier Stuecke geteilt und an allen 4 Strassen aufgehaengt werden. Da half kein Kniefall, kein Flehen, dass doch sein Koerper im Ganzen bestattet werden moege. Er ging sodann wie ein Schaf zur Schlachtbank. Auf der Tribuene fiel einer vom alten Rat tot um. Es gab eine grosse Verwunderung, dass auch Gott sein Gericht hat an diesem Ort zu dieser Zeit hat tagen lassen ! (Fettmilch war nicht der einzige Hingerichtete an diesem Tag, auch Schopp, Gerngross und Ebel werden zum abschreckenden Beispiel - wo deren Koepfe dann am Frankfurter Brueckenturm auf eiseren Spitzen gesteckt worden sind. Der junge Goethe soll diesen Anblick als "Opfer, die einer kuenftigen besseren Verfassung gebracht worden sind" kommentiert haben. Ein Feingeist ist er ganz sicher nicht gewesen, eher ein Opportunist, der sich hat aushalten lassen.. Zuvor hatte Fettmilch ein Gemetzel verhindert und den Juden die Moeglichkeit zur Flucht gegeben. Dieser Fettmilch ist von den Welschen oder Calvinisten geldlich gut ausgestattet worden. Er hat auch durch seinen Ruf "nicht schlagt tot" gegen den Poepel einen kaiserlichen Herold gerettet. In dieser Zeit versuchte der Rat den Buergern Vorschriften gegen die "Verschwendungssucht" zu machen und war selbst von der schlimmsten Sorte. Immer und immer wieder belagerten Heerscharen die Stadt und forderten und bekamen riesige Geldsummen.

Unter der Vorherrschaft Frankreichs 1649-1758) kamen viele "Refugies" aus Frankreich und Italien nach Frankfurt, die ein Auffuellen der Bevoelkerung vermochten. 1657 - zur Vorbereitung der Wahl halten die auswaertigen Gesandten glanzvollen Einzug in Frankfurt. Der Gesandte des Koenigs von Ungarn fuehrt 15 sechsspaennige Kutschen mit sich, der Gesandte des franz. Koenigs kommt mit 6 zwoelfspaennigen Kutschen - viel Pracht, Samt und Seide, Gold und Schmuck auf allen Seiten bis zum Abwinken. Die Stadt protzt mit Prunk.

1677 hat der Foerderer der Quaeker - Sekte William Penn - Fraeulein Johanna Eleonore von Merlau aufgesucht und deren Kreis zur Auswanderung nach Amerika zu veranlassen. Dort koenne man seinen Glauben in Ruhe leben. Die Frankfurter Saalhof-Pietisten entschliessen sich 15.000 Acre Land in Pennsylvanien, noerdlich von Maryland- aufzukaufen; Frankfurter Kompanie, Germantown. Der Name Johann Daniel Pastorius, der nicht auswanderte, soll dabei genannt worden sein. (Der Name Pistorius kommt in D haeufiger vor, vielleicht liegt eine Falschschreibung vor?)

1679 Ein Armen-Waisen-Arbeitshaus wird gegruendet, erst 1810 wurden die Straeflinge von den Waisen getrennt..

1681 wurde ein Paar getraut, das aus dem Judentum konvertiert war, der Mann reformiert, die Braut katholisch, der Pfarrer evangelisch. 1682 war wieder ein heftiges Hochwasser mit boesen Schaeden. 1683 der Kurfuerst von Koeln, Heinrich von Bayern laesst alle Bilder mit Nackten abhaengen. Der Kurfuerst von Sachsen macht das wieder rueckgaengig: "Sanis omnia sana" (den Reinen ist alles rein) 1683 verwuesten schon wieder die franz. Truppen alles was ihnen in die Haende faellt. 1689 gab es 5 Tote, als das kaiserl. Laboratiorium in die Luft flog- so woertlich. Kaffeehaeuser grossen Stils kommen in Mode, die Juden bauen selbstverstaendlich eigene Kaffeehaeuser, mit Billiard-Raum - das nennen die Integration? 1700 wurde der Gregorianische Kalender in Ffm eingefuehrt. Dr Eisenbart zeigt sein Koennen. 1706 - Fremdlaendische Beissassen zahlen kaum Steuern, haetten aber alle Speditions- und Kommissionsauftraege an sich gerissen.. 1707 wurde wieder eine Million Franken Schutzgeld an die Franzosen bezahlt. 1709 sollen 3019 Juden gezaehlt worden sein. 18 Haeuser brannten auf einmal ab - alle halfen den Schutt zu beseitigen, wie es in der Chronik heisst. 1711 brannten in der Judengasse 500 Haeuser nieder. 1717 War der Sieg Prinz Eugens ueber die Tuerken, bei welchem er die Stadt Belgrad einnahm. 1719 brannten 400 Haeuser in der Bockgasse, ein Christenbrand nach dem Judenbrand. 1721 brennen wieder 110 Haeuser in der Judengasse. 1726: Der Frankfurter Arzt Dr. Grambs ersucht den Rat, eine Anatomie auf dem Peterskirchhof errichten zu duerfen. Auf Seite 196 liest man, wozu diese breiteren Wasserauslaesse in den Brueckenboegen waren - dort wurden die Faekalieneimer noch bis ins 19.Jhd. entleert - in den Main. 1734 wurden Masken auf den Strassen und Festen verboten. 1735 konnten Schaulustige den Waisenkindern auf der Pfingstweide beim "Spieltag der Waisenkinder" beim Reisbrei-Essen zusehen. 1743 Die erste Freimaurer-Loge in Frankfurt.

1747 Goethes Grossonkel Johann Michael von Loen veroeffentlicht seinen "Freyen Gedanken zur Verbesserung der menschlichen Gesellschaft" in welchem rechteckig und rechtwinklig angelegte Staedte mit ebensolchen Strassen, mit Flachdach-Haeuser vorgestellt wurden, auf denen Gaerten angelegt waren. So weit sind wir heute noch nicht !

1749 Ffm stellt 1. Geburtshelfer ein, angeblich weil Goethe so eine schwere Geburt gehabt habe.. Eingebildet waren diese Leute ! 1750 wurde ein Freidenker oeffentlich verbrannt, weil der den Teufel leugnete und an der Unfehlbarkeit der Bibel zweifelte. 1754 hat der Sachsenhaeuser Gaertner erstmalig Apfelmost in Faessern gemacht und diesen gut verkaufen koennen. Aus dieser Zeit stammt der gruene Kranz an den Wirtshaeusern dieses Stadtteils, wo jeder Gast sehen konnte: Hier ist der neue Apfelwein fertig geworden und kann getrunken werden..1758 wurde durchgesetzt, dass die Primaner des Gymnasiums Degen tragen durften - gegen die Bedenken des Direktors. Unter den Habsburgern ist Frankfurt 5x von den Franzosen besetzt worden. Rechnet man alle franz. Ueberfaelle zusammen, waren diese schlimmer als der 1. und 2. Weltkrieg. Immer erlitt die Bevoelkerung schlimmste Untaten. 1760 wurden zur Seidenraupenproduktion eine Menge Maulbeerbaeume angepflanzt. 1761 wurde durch einen franz. Koenigsleutnant befohlen, die Strassen besser auszupflastern und 1604 Oel-Strassenlaternen zu setzen. 24 Personen wurden eingestellt, diese Lampen an und aus zu machen.

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Anhang Thema: Stadtchronikel 4 Pompeji

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Anhang Thema: Stadtchronikel 6 Trier

Anhang Thema: Stadtchronikel 7 Speyer

Anhang Thema: Stadtchronikel 8 Frankfurt/M

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