Vivarium Seite 46


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Der alte Hirte.

Ein Hirt mit lichten Schafen
zieht still ins Abendrot hinein
und spielt ein Lied.
Da schlafen die Wälder ein.

Und wie sie leiser rauschend
im weiten Rund zur Ruh sich wehn,
bleibt müd ein Wanderer lauschend
am Wege stehn.

Die Wolken glühn versunken
am dämmerblauen Gipfelsaum,
Ihm wird, er wäre trunken
und Alles Traum.

Er sieht ins Dunkelklare
wie tief in Sagenzeit hinein,
als müßt's die wunderbare
Urheimat sein.

Es zieht geheime Kreise
das Lied aus Mondesferne her.
Er folgt der alten Weise
und kehrt nicht mehr.


Hans von Hammerstein, Oesterreich, geb. 1881 gest. 1947, an den Folgen der Kriegshaft



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Stadtchronikel 2






***







Stadtchronikel - Braunfels

Dieses Staedtchen liegt oberhalb des Lahnbeckens, auf der suedl. Seite
und ist durch das markante Schloss schon von weitem zu erkennen.
Dieses gut erhaltene Gemaeuer beherbert ein Museum und kann als ehem. Herrschergebaeude freilich besichtigt werden.
Es wird noch heute von einem der Nachfahren des Fuerstenhauses bewohnt.
(Diese sind aber nur in den ehem. Dienstraeumen, weil so ein grosses Gemaeuer kaum zu beheizen ist)
Die Stadt selbst ist zwar klein, aber interessant.
Besonders der historische Marktplatz und viele Strassen rundherum sind mit praechtigen Fachwerkhaeusern zu bestaunen.
Das Geschaeftsleben ist - wie ueberall in den kleinen Staedten - immer mehr eingeschraenkt,
wogegen ausl. Lokalitaeten dominieren.
(Es gibt aber noch eine oder zwei alte Gaststaette(n) und ein feines und ein einfacheres Cafe unter deutscher Leitung)
Zwei Supermaerkte, eine Apotheke und eine Tankstelle, drei Autoreparatur-Services und ein kleiner Sportflugplatz,
wo auch Modellflieger starten gehoert dazu.
Auffaellig sind zwei groessere Kliniken, eine geriatrische und eine sportmedizinische
oder orthopaedische und eine Klinik fuer Neurologie, alle mit Reha.
Frueher hatte Braunfels eine eigene Brauerei, "Wahl" deren Teiche heute den Anglern
und Freizeitlern dienen.
Daneben ist gleich ein Campingplatz und eine Sportanlage, der Golfclub ist nicht weit und ein Heimatmuseum.
Es wird also einiges an Freizeitwert geboten und wir fahren gerne dorthin um einen netten Spaziergang im Schlosspark zu machen.
Das alte Feriengebiet "Wintersburg" war mit Holzhuetten auf kleinen Grundstuecken im lichten Wald,
wo aber bald ein Niedergang kam, als die Grundstuecke in private Haende kamen.
(Genaueres erforsche ich erst noch - dieses Feriengebiet ist in sich eine herrliche Sache,
waeren da nicht die groesseren Aus- und Umbauten, der Unrat durch sozialen Abstieg,
wie man ihn in vielen Ortskernen sehen kann)
In der Altstadt Braunfels jedenfalls ist alles ordentlich und gepflegt.
Wer die Stadt erwandern will, sollte bei den Sportanlagen parken,
unten vor der Burg geht in der Senke rechts die Strasse nach Philippstein..
gegenueber des Parkplatzes kann man entweder zuerst an den Teichen entlang
oder direkt in den Hang unter der Burg angehen.

Nun liegt die Stadtchronik von 1990 auf meinem Leseplatz..
und tat sich schon einmal sehr gut an, zumal diese lt. Verfasser sich nicht nur um das Schloss und seine Bewohner,
sondern um die Leute der Stadt kuemmert, deren Erleben nur muehsam im Buch eingefangen werden konnte.
Drei Autoren haben sich wohl ihr Leben lang um diese Dinge gekuemmert und alles zusammengetragen.
Meinen Dank an dieser Stelle dafuer - vom Jahr 1100 bis heute ist eine weiter Weg..

..nun beginnt aber das Buch wie alle diese Chroniken mit der Aufzaehlung derer auf und davon,
deren Brueder, Verwandten und viele Heiraten unter den Adligen,
Gebietsabtretungen und Zugewinnen, von den kleinen Leuten keine Spur,
bis auf ein paar Preise und Loehne fuer Tageloehner, Waescherinnen
und andere Zugeh-Leute der Reichen.
Der Reichtum kam dem Grafenhaus erst, als eine Bruderlinie (Solms) erlosch und viel Land und Leute dazu kamen.
So ist bis heute die Wintersburg ein Zankapfel, eines von einigen wuestgegangenen Siedlungen jener Zeit,
das zu Solms gehoert hat.
Im Hirschgraben -westlich, etwas oberhalb der heutigen Strasse nach Leun-
war wohl diese Siedlung gelegen, die sich spaeter nach Norden hin ausgeweitet hat.
Man darf wohl vermuten, dass Pest, Cholera, Thyphus, Grippe-Ephedemien, Braende und
Kriegsgeschehnisse daran schuldig waren, dass Orte "wuest" gingen, wie ueberall im Land.
(Wenn die "wehrfaehigen" Maenner immer wieder "ausgehoben" wurden,
um fuer die Maechtigen in seltsame Kriege zu ziehen, braucht man sich nicht zu wundern,
dass daheim die Angehoerigen ein sehr sehr beschwerliches und armes Leben hatten.
Ausgehoben klingt wie das Einsammeln von Eiern im Huehnerstall und so muss das auch gewesen sein:
Dem Fuersten gehoerte alles Land, Wald, Gelaende nebst Haeusern und Bewohnern,
Wild und Getier- ganz automatisch, weil das die Dynasten unter sich ausgemacht haben.
Die Kirche war nur "moralische" Hilfe, die aber immer auf Seiten der Herrscher war,
zum Teil genau so arg wie diese, wenn es um die Beitreibung ihrer "Forderungen"
gegen die Glaeubigen ging.
Kirche war oft in Personalunion zur Macht.

Wie auch immer, man liest von innerer Burgmauer und aeusserer,
von Kirchenbauten (eine soll der Ursprung des Ortes gewesen sein) und vom Kleinadel,
welcher hinter den Mauern wohnte, von Strafregistern und so weiter.
In einer Zeile wurde erwaehnt, dass im heutigen Schlossgarten jede Menge
kleiner einfacher Haeuschen gewesen sein sollen, wo man Handwerker und Dienstboten
fuer die Herrschaften der Burg gehabt habe.
Der Zehntturm ist aber erhalten und mit Um- und Anbauten versehen worden..
auf dem Stich von Merian soll man noch ein paar Ansiedlungen sehen,
die es heute nicht mehr gibt.
Die Kirche St. Georgen mit ihrem Fischgraetenverband an Bruchsteingiebel - Mauern ist aelter als Braunfels,
so wird vermutet, obwohl es keinerlei Dokument darueber gibt.
Zum alten Herrenhaus St. Georgen geht es gegenueber der Sportanlage aufwaerts
die Schlesier-Str. / Untergasse auf der rechten Seite dieses auffaellige
grosse und langestreckte Fachwerkgebaeude.
Ueber die weitere Entwicklung St. Georgens wird spaeter in der Chronik berichtet..
Die Verbindungen des Hauses Braunfels zu anderen Raubritter,
pardon Steuereinnehmern nach Falkenstein und Katzenellnbogen etc.
sind kennzeichnend fuer die invasive Art der Adelsleute.
Mal ist nicht klar, ob die damalige Schreibweise Vor- oder Zunamen nennt,
die Schreibweise ist der damaligen Rechtschreibung entsprungen,
wie das heute z.T. auch wieder ist.

Auf Seite 29/30 wird gezeigt, dass die Graefin sehr fortschrittlich war
und im Schloss eine Apotheke zur Versorgung aller Leute des Ortes eingerichtet hatte.
(eher lies)
Seite 29 kuemmert sich auch um das Thema "Befreiung von der Leibeigenschaft".
Seite 35 behandelt ein Fest, wo 250 Leute eingeladen waren, die 15.000 Wein soffen
- in 2 Tagen und 2 Naechten, also gut 60 Liter pro Person.
Das Wort "Gemeine" (Menschen) kommt auf Seite40 und anderen Seiten immer wieder vor.
Auch bei "gemeine Taetigkeiten".
Die einfallenden fremden Truppen, ob Freund oder Feind "raubten und pluenderten
und quaelten ohne Ausnahme" Seite 47 - nur das Rothe Buch 1430-1450
und das Staylsche Repertorium -15.Jhd.- ist nach dem grossen Brand erhalten.

Was ist ein "Weed"? Das erklaert Seite 65, es sind Loeschwasserbecken,
davon gab es einige in Braunfels.
Seite 66, die "ehrbare Schaeferzunft" wird eingefuehrt,
eigentlich sollte diese Berufsgruppe, wie die der Scharfrichter
und Abdecker keinesfalls in die Gilden oder Zuenfte aufgenommen werden.

Ich bin gespannt, wie dieses total unspannende Buch weiter gehen wird-
bis jetzt wurden die normalen Menschen nicht bedacht, es ging immer nur um den Adel,
die "Dynasten", die besser selbst zum Opfer der Kriege geworden waeren,
als dass die Bevoelkerung darunter haette alleine leiden muessen.
Ein steiniger Waelzer, den ich euch,
geneigte Leser oder Leserinnen, hiermit ersparen will.

Nun hat sich das Buch doch noch entwickelt und zeigt sich von einer anderen Seite:
Seite 69 erzaehlt, dass ein pfiffiger Bauer dem Prinzen Albrecht
seinen huebschen Hund habe verkaufen wollen und nach langer Suche auf einen Prinzen traf,
der jedoch der Bruder Prinz Georg war.
Der Bauer sagte "Seid ihr der Hundenarr oder ist das euer Bruder?"
Der Angesprochene lachte und meinte:
"Ich gebe euch 10 Mark, wenn ihr das meinem Bruder sagt!"
Und gesagt, getan - der richtige Prinz gab als Antwort eine schallende Ohrfeige.
Der Bauer behielt seinen Hund und bekam 10 Mark vom Prinzen Georg.
Das hat den Geohrfeigten wohl versoehnt.
Mir zeigt diese Geschichte, dass der "kleine Mann" nichts galt,
der hohe Herr durfte diesen mal eben spontan strafen,
ohne dass irgendwelche Folgen gekommen waeren.

Seite 72 erzaehlt von einem Benderhaus, einem Benderkeller -
damals wurde die Dauben der Faesser noch mit Haselnussruten gebunden.

Damals gab es noch viele Weingaerten, seine Durchlaucht war wohl
ein begnadeter "Blindverkoster" von Weinen, der jedes Raten gewann.
Der hiesige Wein war nicht unumstritten:
Wohl dem, so sagte ein hoher Gast, der diesen trefflichen Tropfen nicht trinken muss..
Der Weinanbau ging ein, als die Bahnlinie Lahntal 1863 gebaut wurde-
dann kamen die Weine von der Mosel und vom Rhein billig in noerdliche Gefilde.
Der letzte Weinhang wird wohl vor 1900 gewesen sein, am Kloster Altenberg.
Seite 74 Damals war -wie ueberall- so auch in Braunfels jeder Handwerker
auch ein Kleinst- oder Ziegenbauer.
Aus dieser Zeit stammt die Geschichte, als eine Geis in ihrem sehr engen Keller
seltsam still verharrte und sich die Besitzerin keinen anderen Rat wusste
als den Nachbarn zu holen, der ebenfalls eine Ziege hatte:
Dieser besah sich das gute Tier und sagte:
"Hinne is de dud, ob se vorne dud is, waas ich net!"

Seite 74 damals im 18.Jhd. war noch die Dreifelderwirtschaft - Winterfeld, Sommerfeld, Brachland.
Angebaut wurde Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Erbsen, Flachs,
Linsen, Wicken, Buchweizen (auch Harekorn genannt,
nach lat. Haruspex, Zigeuner)
Hirse und Oelfruechte. Gemuese zog man in den eigenen Kleingaerten.

Seite 78 behandelt die Brunnen der Stadt,die bis 25mtr tief
in der Sohle waren und oft bis zu 10mtr tief in der Erde den Wasserspiegel hatten.

Seite 81 im Jahr 1735 wurde die Postlinie Wetzlar - Koblenz
ueber den St. Georgenhof Braunfels gefuehrt,
die heutige Weilburgerstrasse war noch nicht gebaut.

Auf dieser Seite 81 ist auch die Story vom "Eisernen Heinrich" vermerkt,
der 100 Jahre vor Hannes Bueckler, dem Schinderhannes dasselbe "Gewerk" tat.
Nach seiner Einkerkerung muss seine Bande oder Familie "gefressen haben wie die Ochsen" lt. Kerkermeister.
Noch heute heisst dieses finstre Verlies nach diesem Schandfleck "Eiserner Heinrich - Loch".
Er muss alles rundherum ausgepluendert haben und war sich fuer keine Schandtat zu schade,
aber lest es im Buch einfach selbst!
(Der eigens fuer ihn errichtete Galgen aus massivem Sandstein hat man spaeter gesprengt,
der Taeter selbst kam zu den Anwerbern des Militaers - der Galgen blieb ein "Jungferngalgen")

Seite 86 erzaehlt von den Stiefbruedern des Regenten als "Nebenfuersten".
Seite 85 von den fuerstlichen Bemuehungen um Sparsamkeit,
allerdings nur bei den Untertanen, nicht bei sich selbst:
Es wurde peinlich genau geregelt, wer wieviel und wie teuer feiern und Verwandte
beherberen und verkoestigen durfte, wenn jemand heiratete oder starb.
Seite 93: Im Jahr 1845 sind aus den Amtsgemeinden einige Arme
nach Texas gegangen, ein Adelsverein hat das in die Wege geleitet.
Texas war damals ein Pufferstaat zwischen Mexiko und den heutigen USA.
Es war die Gruendung Neu-Braunfels in Texas.
Seite 94/95 hat einige weiterfuehrende Literaturhinweise zur Geschichte der Stadt Braunfels:
Louis Kleemann, Bericht ueber die napoleonische Zeit
F.v. Restorff, topographisch-statistische Beschreibung von 1830
J. Lenz, Bericht ueber die Bauernunruhen in Braunfels
Amtschronik, Bericht ueber die landwirtschaftlichen Verhaeltnisse
Fuerst Ferdinand im Spukschloss
Erlebnis einer Braunfelser Hebamme
Maria Kirchfels, Ein Eisfest
Karl Metz
Genehmigung der Personenbefoerderung auf der Eisenbahn
Ida Mehl, brave Belzgaesser Kinder
Brief eines Braunfelsers aus der Garnison
Eintrag des Kirchendieners Lutz 1880

(Diese Hinweise beziehen sich auf das Buch, auf spaetere Kapitel, nicht auf externe Buecher)

Seite 96 - was ist ein "Troeller"? Ein Schandgatter oder Schandpfahl?
Seite 97 wurde die Regierung Braunfels nach Nassau "mediatisiert" unter Napoleons Gesetze gestellt. (Rheinbund)
Das hielt die franz. Truppen nicht ab, in Massen die Stadt zu pluendern und zu quaelen.
Die braunf. Fuersten freilich sind feige nach Frankfurt geflohen, wo sie sicher waren.
Mit Napoleon zog auch ein Marschall Bernadotte
wie ein Schinderhannes durch die Gegend, kam sah und stahl alles, was nicht niet- und nagelfest war.
1813 sollen 99 Braunfelser an Typhus gestorben sein,
weil zu viele Verwundete der franz. Armee dort einquartiert wurden.
Danach fielen die Preussen in gleicher Weise ein, wieder wurde alles geklaut
oder feierlich ausgedrueckt "requiriert"
Im Jahr 1806 waren nur noch 1400 Einwohner in der Stadt.
Die Weilburger Herrscher nannte man "Napoleoniden", "bonapartistische Missgeburten"
und "Tyrann von Syrakus" und "Diebesbande".
Seite 108: Im Jahre 1831 wurden 8699 Evangelische, 135 Katholische, 16 Mennoniten und 255 Juden gezaehlt.

Seite 109 - ein Dragoner ist "von der Fahne nach Hause gefluechtet"
und bekam von Amts wegen alle seine Habe eingezogen..

Seite 111 die Mitgliederliste des Gesangvereins - dort schieb man Name mit "h": Nahmen.
Seite 112 zeigt mundartliche Sprueche:
(von mir mundartlich verbessert, im Buch sind da ein paar Fehler)
Wersch waas, werds wisse, zwaa wisse mieh wej aaner !
Dej hot die Daler in de Schirz metgebroocht !
Wer uffem Geldsack stieht, is gruß!
E hot die Ficht, e is voll wai en Kroppe, es is wei en Maadstecke!
Got, wenn ihr gih wollt, dort stiht euer Koerbsche!
E is wei bies Geld, kimmt immer wirrer..
Klaane Dippercher hu die grieste Henkelcher!
Besser wej es lier Schees nachgelaafe..
Es schlaeft bis die Kouh en Batze gilt.
E maecht Sticker, die krawwele die Wand enuff!
E kann e schie Stick ärwet leie lorre!
E laesst naut leie wej gleunig Eise.
Es haßt em alles, nur kaa Gaeulsgeschirr!
Säi is su dirr, säi kann e Gaas zwischisch die Hoerner kisse.
Die Fraa än die Saaf verlient me net.
Es seint scho Nachwaechter bei Daach gestorwe !

Seite 117 (hat heute noch Gueltigkeit!)

Der Kommunalpolitiker!
Gern will ich sein ein Rather, verlangt nur keine That,
ich bin Familienvater und auch Gemeinderath,
Ja freilich, beides bin ich, das macht mir viele Pein,
ich bin gewiss freisinnig wie's einer nur kann sein.
Haett' ich nicht viele Kinder, dann waer's mir einerlei,
vorsichtig waer ich minder, spraech auch noch mal so frei.
Allein Familienvater - der Punkt ist delikat
und noch viel delikater ist ein Gemeinderath!

Die Antwort kam wohl gleich:
Sei nicht allein ein Rather, sei auch ein braver Thater -
sei'st auch Familienvater und hast Du gleich den Kater.
Denn nicht allein zum Rathen hat man in Magistraten
die Herren eingeladen. Sie sollen dafuer sorgen,
dass nicht an jedem Morgen erwachet voller Sorgen
der Buerger und muss borgen das Brot, das Fleisch, das Bier.
Willst Du die schweren Pflichten des Amtes treu verrichten,
musst sonder Ruecksichten allweg die Streite schlichten
auf Buergersteu'r verzichten, auch Dunkelmaenner lichten,
Wahrheit und Luege sichten - das waeren so die Pflichten!

Seite 112-121 behandelt das Prozedere der Auswanderung nach Texas nochmal genauer.

Dann kam die Missernte, das Jahr 1848, die Revolution,
der schwarz-rot-goldne Burschenbanner, der Bauernaufstand unter der Fuehrung
eines Pfarrers Schaum, einige Tote und Verwundete, viel Geschrei,
das Einlenken des Fuersten, leere Versprechungen, nochmaliger Marsch in die Stadt
und Drohungen der Aufstaendischen.

Seite 131: Ein "Sensenstrecker Fritzchen" erhielt eine langjaehrige Freiheitsstrafe
wegen Landfriedensbruches, weil er in seiner Schmiede fuer die Bauern die Sensen
umgeschmiedet hatte in Spiesse, die als Waffen des Aufstandes eingesetzt wurden.

Seite 136 erzaehlt vom Branntweinmonopol, das schon immer von Regierenden
als Einnahmequelle angesehen wurde und.. von Schmugglern, die dieses umgehen konnten, was auch schon immer so war.
Nun ja, der gute Onkel Fuerst musste schliesslich sein 2500 Morgen
grossen Tierpark besorgen, d.h. er hatte seine Leute dafuer.
Die dort eingesperrten Tiere futterten 700 Achtel (je 75kg) Hafer und 550 Ztr. Heu weg, jedes Jahr..
Das kostet !

Seite 137 berichtet vom Tee-Konflikt:
Der Fuerst war auf der Jagd, da befahl er:
Lasst mir Tee bereiten und schickte den "Leibjaeger" in die Wirtschaft um den Teebeutel
aufbruehen zu lassen.
Wieder zurueck wunderte er sich ueber die dicken Fettaugen auf dem Tee und lies die "biedere Frau" verlauten:
"ach es woar gar so wink Gemeus, do huh aach noch e Werschtche nei geschnidde"

Seite 143 berichtet vom Waescher Joerg und seiner Familie,
die eine Bleicherei am Teich betrieben und seinen riesigen Haenden (12 3/4 Handschuhgroesse),
die dort sehr gluecklich gelebt haben soll.
und vom Eisfest, das ein holl. Freund des Fuersten Albrecht, der alle unterhalten und erfreut hat.
Seite 157 von div. Kleinbahnen, die zur Erzbefoerderung, teils aber auch zur Personenbefoerderung waren.
S157 erzaehlt vom Familienleben in der Altstadt, es kommen gelegentlich doch noch Dinge vor,
die vom Leben der kleinen Leute berichten, die allesamt sehr abhaengig gehalten wurden.
Meist wurde von Geschichten erzaehlt, die in den Ohren der Oberen drollig doof waren,
wie die obige Story mit dem Tee.
So gewinne ich den Eindruck, dass die ganze Bevoelkerung in Vasallen und in Zugaengern
und Dienstboten eingeteilt war, die dem Regierenden und seiner Familie
willig sein mussten, wie Nutztiere rechtlos und der Willkuer
und den Launen der Obrigkeit ausgesetzt.

"Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt!"
(Ringelnatz)

Seite 169 nennt Lebensmittelpreise: 1 Pfd. Ochsenfleisch 6 Pfg.
1 Pfd. Kalbfleisch 6 Pfg. 1 Pfd Hammelfleisch 2 Pfg. 1 Pfd. Butter 3 Pfg.
5 Brote erster Sorte 7 Pfg. 1 Ztr Weizen 9 Pfg. 1 Ztr Hafer 3 Pfg. 1 Ztr Kartoffeln 25 Pfg.
Mensch und Vieh wurden am gleichen Tag gezaehlt.
775 maennliche, 937 weibliche Bewohner in Braunfels,
1575 evangelische, 66 katholische und 71 juedische.
2 Zuchtstuten, 15 Pferde fuer die Landwirtschaft, 24 weitere Pferde,
3 Esel, 1 Bulle, 187 Kuehe, 72 Ochsen (vermutlich Zugtiere),
46 Schweine (ziemlich wenig) 360 Schafe, 147 Ziegen und 30 Bienenstoecke.

Auf Seite 170 ein trauriger Brief (1870) eines Soldaten an seinen Bruder,
den er nie wieder sah- er fiel..

Von der Hochzeitslinde, die leider nicht mehr da ist,
handelt ein Gedicht auf Seite 170 "mein alter Baum"
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/RXNDMEJEIJPOLRD4XFIZW4PWCC2DEJYP

Du musst nun fallen, alter Baum, da hilft kein Zaudern mehr
versperrst den andern nur den Raum wirst selber kahl und leer.
Wie hast du einst so schoen gerauscht im sanften Abendwind
ich aber habe oft gelauscht, ein traeumerisches Kind.
Ich saß im weichen Gras und sann und blickte lang empor
in dein Geaest, der Tag verrann, die Mutter rief am Tor.
Und wenn ich nachts im Bette lag und sah den Sternen zu,
dann rauschest du vorm Schlafgemach und wiegtest mich in Ruh.
Nun mußt du fallen, alter Baum, wird mir das Herz auch schwer,
schon laengst verfloß der Jugend Traum und du wirst kahl und leer.
Doch sollst du noch zu letzter Rast mir bleiben, treuer Freund!
Schon blitzt die Axt - ich glaube fast, ich hab um dich geweint.

(Ludwig Schellenberg 1828-1884 Belzgasse 10)

1877/78 raffte die Diphtherie viele Kinder weg.

Seite 174 erzaehlt, dass 1875 noch neue Brunnen gebaut wurden, an denen die Bewohner ihr Wasser zapften.

Seite 184 hat merkwuerdig formulierte Rechnungen..
Seite 191 erzaehlt vom Carl Castell, Seite 197 von W.C. Muschenheim, einem Auswanderer,
der vom Tellerwaescher in New York zum Millionaer wurde (Astor)
Auf Seite 198-200 ist die Liste der Auswanderer von 1850.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden grosszuegige Parkanlagen in 104 Kleingaerten umgewandelt,
um die schlimmste Not der Fluechtlinge zu mildern.
Seite 208 erzaehlt von der Wintersburg-Anlage als von der Firma
Ha pimag angelegte Ferienanlage 1973, die Firma gibt es wohl noch,
die Ferienanlage nicht mehr, die Haeuser sind privat verkauft worden.

Seite 210 erzaehlt davon, dass ca 1910 die Fachwerkhaeuser verputzt worden sind..
Seite 212 berichtet von der Besoldung der alten Postboten,
die 60 Thaler im Jahr bekamen, aber jeden Tag 1,5 Pfund Brot
und eineinhalb Maß "schlechtes" Bier. (einfaches Bier)

Viel spaeter, im Jahr 1909 hatte Braunfels richtig was zu bieten:
Duschen, Freizeitbad, Sport, Bibliothek, oeffentliches Grammophon..

Seite 238-239: Kallemaenner und das Hintertal:
Sprueche und Ausdruecke.

Das Hintertal
Der aelteste Teil unsres Staedtchens ist wohl das Hintertal.
Da gab es lauschige Eckchen, meist waren sie eng und schmal.
Da gabs auch noch Keuh und Gaase, und manchen Bauernhof und Hinkel, Saeu und Hase,
und selbstgebackenes Brot.
Wir Kinder kannten dies alles bei unserem Versteckenspiel,
da waren in jedem Falle die lauschigen Ecken das Ziel.
Wars Frieße oder Menni's Oale, ein Heuboden oder Stall,
wir sind hineingekrochen, uns war das ganz egal.
Ging der Wind um Adams Nußbaum, flugs standen wir Kinder bereit,
die Nuesse aufzulesen, bald war ja Weihnachtszeit.
In unseren Ferientagen, da holten wir in dem Wald das Futter fuer die "Gaase"
und Holz fuer den Winer, wenns kalt.
Im Sommer sagen wir gerne des abends auf "Kurze Trepp",
die aelteren lauschten von ferne, bis muede sie gingen zu Bett.
Hat der Nachtwaechter elf gepfiffen, war alle Freude aus,
wir durften dann nicht mehr singen und gingen still nach Haus.
Die "Buhne schipse und schneie" half mer abends de Nachbarsleut,
Mer halfe ach Kwetsche kerne und reuherten aach den Hoink.
So warn unsre Jugendtage erfuellt von Arbeit und Freud,
wer moechte nicht gerne noch mal sehen die Staette der Jugendzeit?
Doch, verschwunden ist Adams Nußbaum, verschwunden auch "Kurze Trepp",
und das Haeuschen, wo wir einst wohnten, ganz still und leer ist die Eck.

(Franziska Gontschar geb. Karbach)

Der Tipp den Kaffee zuerst kurz mit kaltem Wasser abzuschrecken,
erst dann aufzubruehen war goldrichtig.
Der Joerg wusste wohl was er tat in seinem Bleicher-Haeuschen am Teich.
(Ich habe das gleich am naechsten Tag ausprobiert..)

Seite 241, die Rees:
"Aich hun jo e bees Maul, awwer wenn aich
dess nit haett waer aich nit mieh häi !"
Seite 272 Die Bevoelkerung konnte fuer ihr Geld nichts mehr kaufen,
die Not und dann die Erregung wurde gross, so kam es zu Pluenderungen
in Wetzlar und in Braunfels.
Am 25. Oktober 1923 sollen hunderte Menschen aus den umliegenden Orten
in die Staedte gezogen sein und Geschaefte, vornehmlich Textilien - geraubt haben.
Die politischen Auseinandersetzungen wurden immer heftiger.
Seite 273 erzaehlt drastisch davon, wie arg die Teuerung die Menschen des Landes betraf.
Die Folgeseiten ab 275 zeigt, wie sehr ich mit meinen geschichtlichen Einschaetzungen richtig lag.
Aber es wird auf Seite 300 lustiger, die Rede ist vom Solmser Hof
und seinem Inhaber-Paar, dem Haehnchen und dem Huehnchen..
Seite 301 zaehlt Auswanderer und Rueckkehrer von 1921-1930 auf.
Seite 303-304 erklaert eindrucksvoll offen, wie es zur Naziherrschaft kam -
nicht von heute auf morgen, sondern durch das Vollversagen der sozialistischen Parteien,
vornehmlich der S PD und den anderen "Gegenspielern",
die nichts auf die Reihe brachten und die Arbeitslosigkeit und den Hunger
immer weiter vergroesserten.
Da kam eine Bewegung auf, die sich um die kleinen Leute kuemmerte und..
Arbeitsplaetze schuf.
Was spaeter kommen sollte, war damals nicht mal zu erahnen.
(Das weiss heute auch keiner, der in gutem Glauben sein Kreuz in der Wahlkabine macht,
egal was angekreuzt wird - es ist immer eine Wundertuete!)

Seite 722 - die Synagoge wurde um 1950 abgerissen,
mit dem Einverstaendnis der jued. Organisation, die eine Geldleistung erhielt.
Seite 323 berichtet von einem desertierten US Soldaten,
der in Wetzlar erschossen wurde.
Seite 327 nennt das "Loehrer'sche Speiseoel", ein techn. Oel,
das fuer kraeftig Durchmarsch sorgte und in der Bevoelkerung "Torpedo-Oel" genannt wurde.
Tja, die arme Zeit !

Die ersten Wahlen 1948 haben die freien Demokraten und die F dp nach vorne gebracht,
die Verursacher des 3. Reiches in der Weimarer Republik abgestraft:
S PD und Centrumspartei oder C du.
Diese Sache wurde wohl 1952 bereits wieder vergessen und die beiden,
SP D und C DU gewannen die Oberhand. Hap imag hat 1973-1978 zweihundert Wohneinheiten
auf der Wintersburg fertig gestellt.
Da die Chronik schon aelter ist, konnte ich die weitere Entwicklung der
Wintersburg noch nicht erfahren.
Vielleicht findet sich spaeter noch etwas dazu.

Seite 397 erzaehlt, dass der Weiher schon 1648 angelegt worden ist.
Seite 407 zeigt die Einwohnerentwicklung anhand einer Zahlenreihe auf.
Seite 417 die Synodalordnung 1585, wo sich Juden verpflichten mussten,
die Sitten und Gebraeuche der Christen anzuerkennen.
Seite 419 hat den Bericht einer Kutschfahrt mit 4 Toten und einen ganz erschuetternden
Beitrag zur Bestattung der Toten daraus.
In Kurzform:
Der Arzt bescheinigt den Tod eines jungen Opfers, dieser wird begraben,
die Totenwache hoert ein Klopfen, der Bestatter will nicht taetig werden
und isst erst einmal zuende, dann wieder ein Klopfen -
am naechsten Tag wolle er die Erlaubnis einholen das Grab oeffnen zu duerfen
- am naechsten Tag aber klopfte nichts mehr..

Seite 422-423 Dichtkunst der Rationalisten, Pietisten wollen junge Frauen anziehen
und aeltere Maenner mit Geld, gefallene Maedchen, treulose "Weiber",
immer feste mit einem heiligen Touch - etc.
Seite 445 hat interessante Grabinschriften zu bieten, Seite 460
die "Formula juramenti Judaorum" s.o. bis Seite 492 - Seite 466,
Juden hatten fortan ihre Buecher in deutscher Sprache abzufassen,
zuvor taten sie es in haebraeischer Schriftsprache.

Seite 477 - die Synagogenrettung durch einen benachbarten Bauern,
der Angst um seinen Hof hatte - in den Altstaedten
ist alles dicht an dicht bebaut, auch heute noch.
Das veranlasste einen Stadtbewohner waehrend einer Sitzung zu bemerken,
dass die vielen parkenden Autos nur noch den Rat erlaubten:
Helm ab zum Gebet, wenn es dort brennt und die Feuerwehr hindurch muss..
Seite 494: Schon im Jahr 1580/82 wurde von einer Volksschule berichtet.
Seite 496 - eine Familienschule fuer beide Geschlechter.
Seite 498 berichtet ueber die extreme Haerte der Lehrer bei geringen Verfehlungen.
Seite 501 zaehlt auf, dass im Kriegsjahr 1940 von der Schule 33kg Huflattich,
14kg Lindenblueten, 6kg Holunder, 86kg Bucheckern, 9 Tonnen Kastanien
und an Altmaterialien 52 Zentner eingesammelt worden sind.
Eingesammelt hat man auch Kartoffelkaefer, die damalige Plage auf den Feldern
durch die Schueler - quasi als Unterricht -
und zum Flachs-Zupfen wurden die Kinder auch gebraucht.

*** Soviel zum Thema Braunfelser Chronik, sollte ich noch etwas mehr erfahren, wird dies nachgetragen..



Anhang Thema: Stadtchronikel 1 Diez an der Lahn

Anhang Thema: Stadtchronikel 2 Braunfels / Lahn

Anhang Thema: Stadtchronikel 3 Frankfurt am Main

Anhang Thema: Stadtchronikel 4 Pompeji

Anhang Thema: Stadtchronikel 5 Limburg

Anhang Thema: Stadtchronikel 6 Trier

Anhang Thema: Stadtchronikel 7 Speyer

Anhang Thema: Stadtchronikel 8 Frankfurt/M

Anhang Thema: Stadtchronikel 9 Husum






Der Schluss - Akkord - Steckenpferde: