plaetzchenwolf - Kurzwanderungen IX


Landfotografie



Kurzwanderungen IX



Niederwetz -Oberwetz Schwalbach- Schöffengrund
Auch diese Tour wartet noch auf die Planung !


Ab und an fällt mir einer dieser 1970iger Jahre - Witze ein:
Der Mieter beschwert sich beim Vermieter über die feuchte Wohnung, wo alle nur noch krank herum husten.
"Wie wollen sie denn das beweisen", toste der Hausbesitzer.
Nun, ich habe heute Morgen in der Mausefalle einen Hering gefangen!

***




2020 Kartusche: Der Fast-Aussteiger Teil 1

Christoph liest die Zeitung, die er in einem Papierkorb am Park fand:
"Fast Aussteiger nach 7 Jahren Leben im Wald zwangsgeräumt!"
Er liest interessiert weiter und erfährt, daß jener zwar eine monatliche Abfindung von 800 Euro haben soll, was weder zum Leben noch zum Sterben reicht, wie wir alle wissen.
Der unvermeidliche Gang zum Amt war ihm zuviel, denn seine "Lebenskrise" habe ihn, so das Blatt, aus der Bahn geworfen und in eine Jurte im Odenwald gebracht, wo er eben recht gemütlich lebt..
Das zweite Zwangsgeld wollte er nicht abwarten und verlies seinen selbstgewählten Wohnort.
Er sei auch nie wirklich ausgestiegen, beteuert der Jurte-Bewohner, denn er habe immer eine Postadresse und ein Konto bei der Bank unterhalten.
Die Behörden argumentierten klar: "Der Wald gehört den Tieren und Pflanzen"
Christoph malte sich aus, wo der Aussteiger wohl die Fäkalien gelassen habe - vom selbstgebauten "Erdkühlschrank mit Flaschenzug und Öfchen mit nachhaltiger Holzbefeuerung und den sonstigen naturbelassenen Innenraummaterialien" war er wohl überzeugt, aber einfach so - darf man einfach so mitten im Wald sein Nest aufschlagen?
Was wäre, wenn nur jeder 10. das tun würde?
8 Millionen Waldbewohner?
Das geht freilich nicht, das war wohl jedem Leser klar.
Man braucht sich nur einmal die dichte Besiedlung in den Städten anschauen und dann den Wald dazu rechnen, nee, das ist unvorstellbar.
Fahren diese Aussteiger mit dem Auto in den Wald oder mit dem Rad? Wie kaufen diese Leute ein? Wildern die gar im Wald herum?

***

Christoph kaute an seinem Brötchen herum, das er mit etwas Käse aus dem Supermarkt holte und begann ein wenig zu grübeln.
Die Leute gingen geschäftig an den Bänken des Parks entlang, es war kurz vor dem Bürobeginn und die Sonne schien bereits recht warm um die Häuserzeilen herum.
Er packte die Zeitung und die Tüte umständlich in den Papierkorb, schloß seine Aktentasche und eilte zum Büro.
Vor vielen Jahren war er schuldlos geschieden worden und sein 25jähriges Firmenjubiläum hätte dieses Jahr sein sollen. Aber nichts tat sich, seit dem die Anwaltskanzlei übernommen worden war. Kein Händedruck, keine Blumen und schon mal gar keine goldne Uhr.
Grau war sein Alltag als Büromitarbeiter, trotz ständigem Umlernens auf neue Techniken und dann war da noch der Zickenalarm, der nun auch das alte Büro erreichte.
Als er vorsichtig nach seinem Arbeitszeugnis fragte, bekam er dieses mitsamt der Kündigung ausgehändigt.
"Wir strukturieren um und müssten auch am liebgewonnenen Personal sparen. Unsere Kanzleigruppe möchte vier Büros zusammen schließen und benötigt deshalb nur noch wenige Mitarbeiter. Sie waren immer treu und zuverlässig, haben versucht mit der Zeit mitzuhalten. Wir werden sie vermissen und wünschen ihnen für den weiteren Lebensweg alles Gute. Ein Gehalt von großzügigen drei Monatsgehältern wurde Ihnen bereits angewiesen.
Wusch... das war's also, so murmelte er leise, als die wenigen persönlichen Utensilien bereits in einem Karton auf dem Boden neben seinem Schreibtisch platziert worden waren. Direkt neben dem Papierkorb. Wie sinnig !
Mit 50 Jahren ist das Leben noch nicht vorbei, meinten die Kollegen lapidar, da kann man noch so viel anfangen!
Jaja, meinte er noch irgendwie die 17 Jahre bis zur -nunmehr geringeren- Rente aushalten? Einen gleichwertigen Job, den er bislang immer als Beruf ansah, wird er wohl kaum mehr ergattern können. Seine Hoffnung und auch der Lebensmut sank auf einen Tiefststand - wie es wohl den meisten lohnabhängig Beschäftigten geht, die von heute auf morgen auf der Straße stehen.
Mit gesenktem Kopf ging er durch den Park, setzte sich aber nicht hin und ging gleich zur S-Bahn weiter, setzte sich ans Fenster und schaute mal hinaus, auf die Strecke, die er seit 25 Jahren fuhr, dann besah er sich seine Aktentasche, als wäre sie neu..
Sein Gegenüber sagte leise: Na, haben sie ebenfalls den Job verloren?
Christoph nickte stumm und mußte mit den Tränen kämpfen, aber- ein Mann weint bekanntlich nicht und schwieg lieber.
An der nächsten Station stieg der Fremde aus, winkte nochmal freundschaftlich und weg war er.
Nun gut, es trifft heute so viele Leute, die von heut auf morgen auf die Straße gesetzt werden, ging es ihm im Kopf herum - auf die Straße?
Nein, ich habe ja meine Einzimmer-Wohnung noch, das karge tröge Ding in der Altstadt, in welches er nach der Trennung eingezogen war - inmitten der neuen seltsamen Bewohner, wo keiner seine Sprache sprach.

Es kam die Nacht, es kam der nächste Morgen - sein Trott war noch der Gleiche, der gleiche Ablauf wie jeden Morgen, wenn er zur Arbeit mußte. Er nahm sich seine Aktentasche und ging damit aus dem Haus.
Die Monatskarte war heute abgelaufen, also keine S-Bahn - er ging in den Park, setzte sich auf die Bank..

***








2020 Kartusche: Der Fast-Aussteiger Teil 2

Langsam dämmerte es ihm, als er so nachdachte - ich muß zum Arbeitsamt und Hilfe beantragen!
Er ging wie ein geschlagener Hund die Straßen entlang zum ziemlich abseits gelegenen grauen Amt und sah eine Schlange Fremder vor der Tür stehen, die rauchten was das Zeug hielt.
Drinnen waren lange Flure, Ständer mit seltsamen "Aufklärungsbroschüren", wo der Reiter "Zum Mitnehmen" empfahl.
Du Nummer ziehen!
Wie? Ach so, danke.
Er zog sich eine Nummer aus einem Kästchen an der Wand und stellte sich in eine Reihe hinter den schon besetzten Stühlen, die eine mehr als bunte Schar aller Menschen der Welt zu beherbergen schien.
Die Nummer wurde aufgerufen und er schwankte zur Glastür und klopfte umständlich, wie er das gelernt hatte.
Herrrrrrein! Sind sie Nummer 4359?
Wie bitte?
Stellen sie sich nicht so an, haben sie die Nummer 4359 gezogen?
Ja, stimmt, nickte er schüchtern.
Füllen sie diese Fragebögen aus und kommen am Mittwoch wieder, Morgen haben wir geschlossen, wegen einer Betriebsfeier.
Verabsäumen sie nicht die nötigen Unterlagen mitzubringen, nebst Kontoauszug und Sparanlagen.
Auf Wiedersehen.
Nummer 4360 ! tönte der Lautsprecher im Flur..

Wie erschlagen ging er den langen Weg wieder zurück in den Park, setzte sich hin und begann in dem Fragebogen zu blättern.
"Ich hoffe für sie, dass keine Gelder nachvollziehbar angelegt sind und das Girokonto leer ist.."
Eine freundliche ältere Frau sah ihn an- "sonst ist alles weg, bevor das Amt einen Groschen an sie auszahlt!"
Sie erklärte ihm, daß es ihr von ein paar Jahren ähnlich ging und sie ihre Guthaben und Sparanlagen zuerst verleben mußte und nun vor dem Nichts steht - ein Sozialhilfeempfänger unter Millionen und das nach 40 Jahren Arbeit, sogar die Lebensversicherung mußte daran glauben !
Wenn sie glauben, rasch wieder einen guten Job zu bekommen oder überhaupt noch eine Anstellung, sind sie schief gewickelt..
Heute bekomme ich eine Rente, die etwas über dem Sozialhilfeniveau liegt, wenn man die Miete und Umlagen mitrechnet - ich kann davon leben, aber mehr auch nicht.
Sie haben ja noch viele Jahre vor sich, halten sie den Kopf hoch und lassen sich nicht unterkriegen!
Sie sprachs und ging langsam weiter, mit ihrer schweren Einkaufstasche vom Diskount-Laden.
Christoph ging nach Hause, füllte den Bogen gewissenhaft aus und legte seine Unterlagen zusammen mit dem Wisch in die Aktentasche.
Er hatte kein Sparbuch und die Lebensversicherung war schon ausbezahlt worden - danach hat er nur eine kleine Sterbeversicherung abgeschlossen. Er hob schon immer alles Geld, das nach den üblichen monatlichen Abzügen, wie Gas, Strom und Miete etc. blieb, sofort vom Konto ab. Schon seit der Bankenkrise hat er sich darauf besonnen.
Das war heute sein Glück, sinnierte er, ein Riesenglück.
Seine Eltern waren ziemlich altbacken, würde man heute sagen und sie hatten nur Christoph, keine weitere Kinder. Als sie ihr Lebensmittellädchen aus Altersgründen aufgegeben haben, hinterliesen sie mehr als gedacht. Sie hätten sich Enkel gewünscht, aber das war dem jungen Paar wohl nicht gegönnt und bald ging Christophs Frau andere Wege.
Seine Frau ging noch vor seinen Eltern.
Christoph verkaufte das Ladenlokal und die Wohnung,
mit diesem finanziellen Polster ging er beruhigt seinem nicht gerade üppig bezahlten Job nach.
Eigentlich war er sein Leben zufrieden, die Einzimmerwohnung war zwar winzig und alt, aber billig.

***








2020 Kartusche: Der Fast-Aussteiger Teil 3

Seine Eltern hatten ein winziges Stück Schrebergarten gepachtet, das er weiter betrieb - weiter draussen am Rande der Stadt, dies pachtete er sehr langfristig immer weiter.
Dorthin ging er immer, wenn ihm die Decke auf den Kopf zu fallen drohte - hier war noch Natur und die kleine alte Hütte, in die man sich zurück ziehen konnte. Sogar eine öffentliche Toilette war in der Nähe- sehr praktisch.
Das Arbeitsamt hat ihn zu div. Firmen geschickt, die aber dankend ablehnten: 50 Jahre alt? Nein danke.
So trug er dann und wann die Zeitung oder Kataloge aus, erwirtschaftete auf diese Weise ein kleines - plausibles - Zubrot vor der "Argen", wie sich dieses Sozial- oder Arbeitsamt heute nennt.
Einen Führerschein, den müßte man haben, so dachte er, als wieder eine Abfuhr einer Firma kam, bei der er sich beworben hat. Jung muß man sein, einen Führerschein haben und womöglich studiert, zumindest aber Abitur mit guten Noten, sonst hat man keine Chancen.
Er sann in seinem kargen Zimmer nach- eine Aktion Eichhörnchen sozusagen, ging ihm in seinem Kopf herum.
Bald war er ausgesteuert und in "AluII", wie man die Sozialstütze nunmehr nennt.
Er bekam ein wenig Wohnbeihilfe und Sozialhilfe von 432 Euro im Monat. Strom und Gas brauchte er kaum, es war immer kalt bei ihm, aber die Heizungsrohre der Mieter oben drüber liefen durch seine Wohnung..
Das Amt hat von dem Schrebergarten nie erfahren, der immer noch auf den Namen seiner Eltern lief.
Hier war sein Refugium und wahres Zuhause.
Die Hütte war nicht groß, aber Schlafgelegenheit und Öfchen, das mit Holz betrieben wurde. Sein Vater hat es recht gut isoliert und dem Sohn sein Versteck verraten.
Unter den zwei Betontreppenstufen war ein Hohlraum, den man nicht erkennen konnte.
Hier waren alle Ersparnisse versteckt.
Die Schrebergartenanlage war ausschließlich von Deutschen betrieben, die auch darauf achteten, daß hier kein Multikulti einzieht. Der Rentner von Gegenüber hatte einen scharfen Hund, der zeitig meldete, falls sich Unbefugte in diesem Gelände herum trieben.
So wohnte er fast jeden Tag in der Schrebergartenhütte und ging nur einmal die Woche in seine Wohnung, um die Post zu holen, danach holte er von der Bank die paar Euronen ab, die man ihm lies, nachdem die Abbuchungen getan waren.
In seiner Hütte lebte er nicht schlecht, aß und trank mäßig und war sein Leben zufrieden.
Wenn das Geld vom Amt nicht reichte, griff Christoph in die Reserve und so hatte er sein Auskommen.
Das ging ein paar Jahre lang gut, bis eben zu diesem Abend, wo er gerade die Box aus dem Versteck geholt und auf den Tisch gestellt hatte..

Eines Morgens stand ein Streifenwagen vor der Hütte, Polizisten durchsuchten alles, nahmen Spuren auf fanden Christoph erstickt im Bett, mit einer Schlagwunde am Kopf und an Kohlenmonoxidvergiftung gestorben.
Der Nachbar hatte die Ordnungshüter gerufen, als der Ofen dichten Qualm durch die Ritzen drückte - und niemand öffnete und er seinen Hund tot am Türchen seiner Parzelle fand, mit Schaum vor der Schnautze.

Die Spurensicherung ergab einige DNA und Fingerabdrücke einer schon seit langem gesuchten Bande, die mit weißen Transportern überall herum fuhren und wohl eng verquickt -sozusagen ein weiteres Standbein- mit den sogenannten Haushaltshilfenvermittlungen und Menschenschmuggel und Zuhälterei waren, aber das steht auf einem anderen Blatt.
In dem Transporter war Ware aus einem Einbruch in einen Baukontainer, teures Werkzeug und Messgeräte für den Straßenbau und mehrere gefüllte Diesel-Kanister - mit einer Abzapf-Vorrichtung für Fahrzeugtanks, sowie den Inhalt eines Zigaretten-Automaten nebst Münzgeld, einen ganzen Karton mit teurem Parfum, sowie einige Smartphones. Die Bande war wohl gerade auf dem Weg nach Hause und hat dieses "kleine Ding" noch geschwind mitnehmen wollen. Seit Tagen belauerten die beiden Spitzbuben alles und jeden, wo man etwas erbeuten hätte können. Europäische Grenzen sind offen und lukrativ !

In der Zeitung stand:
"Sozialhilfeempfänger in seinem Schrebergarten erstickt und ausgeraubt - man fand eine Box mit 150.000 Euro und Papiere (Die eindeutig auf Versicherung und Erbnachlasse hinwiesen.) in einem durchsuchten Transporter, der flüchten wollte. Die Täter haben geklopft, das Opfer machte die Tür auf und bekam einen Schlag auf den Kopf, dann haben sie den Ofen angemacht, die Klappe offen gelassen und das Abzugsrohr verstopft. Dichter Qualm alarmierte die Nachbarn. Die Täter wurden ermittlungstechnisch erfasst, mithilfe eines Dolmetschers befragt und abgeschoben in deren Heimatland."
Der Hund war durch vergiftete Wurst ausser Gefecht gesetzt worden und noch lange sprach man in der Schrebergartenkolonie von dem "Sozialmord".

Unterdessen fuhren viele andere weiße Transporter über die Grenze, um "Geschäfte zu machen" - wenn irgendwo ein frischer Diebstahl passierte und die Ganoven mit der Polizei rechnen mußten, hat ein 2. weißer Transporter dort in der Nähe Station gemacht und die Polizei auf sich gelenkt, während die Diebe auf und davon fuhren. Freilich ist der Lockvogelwagen immer clean gewesen ! Unterwegs traf man sich auf einem stillen Waldparkplatz und hat die "Sore" getauscht.. auf diese Weise sind ganze Waldstücke von Speisepilzen befreit und so mancher Laden Opfer von Taschendieben geworden. Offiziell waren das alles "Touristen"!

Sie hinterließen Luxuswagen ohne Lenkrad und Bordelektronik, ohne teure Aluräder in den Stadtrandbezirken, wo man -geschützt durch Büsche und Hecken - den "Bestellungen" aus Osteuropa nachgehen konnte. Die Besitzer der feinen Wagen wurden manchmal sogar mehrmals auf diese Art und Weise geschröpft. Die Polizei hat wohl nur selten die Täter, noch viel weniger deren Hintermänner fangen können.

Deshalb haben sich immer mehr Einheimische entschlossen, den "kleinen Waffenschein" zu beantragen oder illegal von schrägen Füchsen eine scharfe Waffe zu besorgen.

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"Uboot-Kartusche"

Unbekannte Kommentatoren mit Nicknames kommentieren die Geschehnisse um Erpressersoftware wider Pominente und wohlhabende Firmen, die aus Scham zahlen.. ..ein Forant kommentierte das mit "Der Kaiser ist nackt!

Er mahnt an, daß wir trotz überbordenden Geheimdiensten aller Sorten die wirklichen Verbrecher nicht zu fassen kriegen, weil wohl alle Verträge nichts taugen und das trotz heftiger Schnüffelei, wo der einfache Mensch, wo alle Menschen kontrolliert werden "müssen", um eine handvoll Ganoven zu suchen.

Nicht nur ich finde, daß hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, wo der Schädling unter dem Kanonenrohr sein Nest gebaut hat.. (Anwälte nennt man die)







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Kartuschen - Thema: Claus Lichtfelde 10,


Eine Fortsetzungsgeschichte, rein fiktiv.


Schon bald war die Zeit des neuerlichen Abschieds und Carl wurde von Vater zum Ice gefahren.
Wieder bleibt der schnelle Zug 20 Minuten irgendwo auf freier Strecke stecken..

"Frankfurt"!
Was soll ich denn in Frankfurt?
Die Frage erübrigt sich und sie gehorchte dem Befehl, zog sich aber erst einmal vor den Fernseher zurück.
Und so fuhr am Montagmorgen zeitig mit dem Auto zur angegebenen Adresse.

Claus Junior wartete in einem gepflegten Raum in der von der Partei angemieteten Etage eines guten Bürohauses in Aachen.
Anna tat es ähnlich und keiner von beiden wusste wo der jeweils andere Part steckte.
Zwei wichtige Funktionäre händigten Claus die Unterlagen aus, sein Smartphone und Tablet, die Zeugnis-Originale und den Anstellungsvertrag.
Anna ging es genau so zur gleichen Zeit.
Unser Ziel, so die Instrukteure, ist die Paarbindung unserer Agenten, die wir "Stabilatoren" nennen, wie sie wissen.
Wir wollen unseren künftigen Wählern das Gefühl vermitteln, daß sie die richtige Partei gewählt haben oder wählen werden.
Wir sind Familie, wir sind die Zukunft und der Garant für Sicherheit.
Die Familie ist das beste Beispiel für diese Dinge, fernab von Demagogie der rechten und linken Art,
fernab von Bürokratismus, aber schlechthin das Zeichen von einer neuen Bürgernähe,
die es so noch nicht gegeben hat.
Wir werden die neue Bürgerpartei werden - gewählt von Menschen, die es im Beruf zu etwas gebracht haben,
die auf das Land und auf Grund und Boden und auf ihre Kinder setzen.
Eine gesicherte Klientel für gesicherten Umsatz unserer Sponsoren.
Wir haben ihre künftige Frau bereits instruiert, daß sie beide als Paar ein Haus
zwischen ihrer beider Wirkungskreise erwerben können,
das wäre in diesem Falle die Gegend von Neuwied.
Auf diese Weise sind beide Einsatzorte gut zu erreichen.
Den anderen Akademie-Teilnehmern geschieht in ähnlicher Weise, aber in anderen Gegenden der Republik,
bis wir flächendeckend präsent sind.

Wir führen sie zuerst in ihr neues Tätigkeitsfeld ein und stellen uns dann zur Wahl auf,
die in einigen Monaten als Landtagswahl ablaufen wird.
Der Landtag ist die Ebene, in welcher sie - verzeihen sie - installiert werden sollen.
Zuvor werden sie als Sprecher unserer Partei in diesem Bundesland ernannt - ganz überraschend.
Die Presse wird sich auf sie und alle unsere anderen "Stabilatoren" stürzen,
die nach außen den Titel Parteisprecher innehaben werden.
Nordrhein-Westfalen also und wie wir wissen, wird ihre zukünftige Frau in Frankfurt, also in Hessen in der Zentrale sein.
Wir agieren nie direkt in den Landeshauptstädten.
Die Gründe dafür werden sie noch erfahren.

Am Wochenende werden sie frei haben und sich mit ihrer Zukünftigen treffen,
wir haben das bereits arrangiert und ein Treffen in Neuwied angesetzt.
Wir, also die Partei der Mitte, wird sich von allen anderen Mitbewerbern auch dadurch absetzen,
daß wir unsere Leute nur in ganz großen Ausnahmefällen am Wochenende auftreten oder tagen lassen:
Unsere Argumentation dazu:
"Wer sein Pensum innerhalb der Arbeitswoche nicht geschafft hat, taugt nichts."
Der Immobilienmakler ist ein treues Parteimitglied, er wird ihnen entsprechend zur Seite stehen.
Die Woche verging wie im Fluge, Claus rannte buchstäblich offene Türen ein und war schnell beliebt.
Die Spitze wußte freilich genau Bescheid und gab ihm einige "Hausaufgaben" mit, die das neue Parteiprogramm beinhalteten.
Er wurde weitergereicht wie ein neues Automagazin und freute sich.

Anna wurde genau auf die gleiche Weise überrannt und überredet und in dieses Korsett gepresst, das ihr aber wohl zu gefallen schien.
Die Stabilatoren arbeiten wie Agenten und so sind auch ihre Freiheiten.
Was sie nicht wollen, tun sie nicht, lassen sie sich niemals zu einer Aussage oder Handlung hinreißen,
die vermeindlich "alternativlos" oder "zwingend" erscheint oder als solches hingestellt wird.
Nach einiger Zeit, das wissen wir, erlischt das Interesse von TV und Presse daran, sie aufs Glatteis führen zu wollen.

Die Dienst-Einzimmer-Appartements wurden zweckmäßig ausgestaltet, sie lagen günstig an kleinen Lokalen oder Einkaufsquellen.
Notfällig war eine Kühlkombination da - in Miniformat - die immerhin ein paar Schnellgerichte vorrätig hielt.
Schwups in die Mikrowelle und dann ist das Essen geschwind auf dem Tisch - so manche Sitzung dauert eben länger -
manchmal hat man eben keine Lust, im Restaurant nochmal lange herum sitzen zu müssen.
Carl freute sich, denn es war eine Minibar im Kühlschrank und.. Würstchen im Glas.
Alles wurde jeden Tag aufgefüllt, Obst, versiegeltes Gebäck, Wasser, Säfte, Hygieneartikel aller Art.
Die Organisation hat an alles gedacht, noch bevor die Wünsche laut wurden.
Der Anrufbeantworter piepste und eine Moderatorin einesr Skandalsendung, pardon eines "Politik-Talkes"
verlangte energisch den Rückruf.
Carl drückte die Taste "Löschen".

Er telefonierte noch kurz mit Anna und bald fielen beide totmüde ins Bett.
Fast 270 Kilometer von einander entfernt schliefen sie ein.

Carl Senior machte in dieser Stunde seinen letzten Rundgang und streichelte nochmal kurz einen seiner Lieblinge,
die halbfertig herum standen.
Ein 1940iger Packard Hearse Funeral Car stand drohend und mächtig auf der Bühne - wehe,
wenn das Ding runter kracht, dachte sich Carl- und ließ die Bühne doch lieber herab.
Die 17. Serie brachte das letzte Produktionsjahr für den Twelve.
12 Zylinder und 7,7ltr Hubraum.
Ich möchte wissen, das dem Regierungspräsidenten eingefallen ist, daß er sich dieses Monstrum angelacht hat!
Na ja, mein Fall wäre dieser Wagen nicht gerade, den mag ich Henriette nicht mal zeigen!

Fortsetzung auf Seite Claus Lichtfelde 11

Claus Lichtenfelde Junior. Eine Fortsetzungsgeschichte über etliche Seiten, als Kartusche ausgeführt. Lektuere






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