Vivarium Seite 48


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Jeder Krieg ist eine Reifepruefung fuer die Generaele, aber ein Armutszeugnis fuer die Staatsmaenner.
George Bernard Shaw

***

Vier Freunde und der Moenchshof.
Eine Vision.

Im Internet haben sie sich wiedergefunden, vier Freude aus der Grundschulzeit.
Die Gemeinsamkeit dabei war, dass jeder irgendwie gefrustet oder gelangweilt, dem Leben irgendwie entsagend..
Die Kinder waren aus dem Haus oder Wohnung ausgezogen, die restlichen Jahre bis zur Rente lagen noch vor ihnen.
Sie hatten sich aus den Augen verloren,
weil einer mit der "mittleren Reife" in der Metallbranche im Sueden der Republik ein gutes Auskommen fand,
der andere mit seinem Bauernhof ganz alleine im Leben stand.
Der Dritte war ein Stadtmensch geworden, nachdem er Abi und Studium im medizintechnischen Bereich absolviert hatte.
Der Vierte schliesslich war auf dem "zweiten Bildungsweg" vom Kaufmann in die Sparkasse aufgerueckt.
Die grosse Gemeinsamkeit war, dass sie eigentlich nicht mehr gebraucht wurden -
teils vom Leben, teils von den Kindern,
besonders aber in ihrem beruflichen Wirkungskreis.
Bis auf den Bauern hatten sie ihre Frauen noch, die Erzieherin, Verwaltungsangestellte und Hausfrau waren.
Sie haben eine ganze Weile ueber das Social Network zusammen geschrieben
und sich gegenseitig ihr Leben geschildert, welche Wuensche sie hatten und was daraus geworden war.
So richtig zufrieden war keiner der vier Freunde, auch deren 3 Frauen fuehlten die beruechtigte "Leere",
wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Beruf auf der Stelle tritt, wie man so schoen sagt.
Immer auf der Hut wegrationalisiert und abgeschoben zu werden, hing die weitere Zukunft auch noch von der Gesundheit ab-
je aelter sie wurden, um so deutlicher wurden diese Dinge, die wie ein langsam wirkendes Gift ..
Gesellschaftlicher und politischer Frust oder religioese Enttaeuschung kam dazu.
Geld ist nicht alles, Geld kann man nicht essen und zufrieden wird man davon auch nicht.
Selbst wenn man mehrere Wohneigentuemer besitzt, kommt der Aerger durch Steuern und Mieter,
selbst wenn man viel Geld gehortet hat, kommt der Aerger durch Minuszinsen und Steuern, Neid und Missgunst.
Wie die anderen aelteren Zeitgenossen mit dem Oldtimer oder schweren amerikanischen Motorrad
oder Wohnmobil durch die Lande zu ziehen gefiel keinem der vier Freunde,
deren Frauen es ganz genau so ging.
Eigentlich, da waren sich alle einig, wollten sie aktiven Naturschutz betreiben und
vor allen Dingen ihre selbstbestimmte Zufriedenheit haben,
die schon seit der Schulzeit in den Koepfen aller Beteiligten schwebte.

Irgendwann trafen sie sich in einem bekannten Ausflugslokal "unter der Woche",
wo kaum Touristen unterwegs waren.
Zuerst nur die Vier, die aber - wer haette es gedacht? - kein Ende fanden
an diesem Tisch, wo gut gegessen und .. getrunken wurde.
An diesem Tag kamen sie zuhause abtelefoniert und sich an Ort und Stelle zur Ruhe begeben.
Am anderen Morgen, bei einer deftigen Schinkenplatte und gutem Kaffee
versprach man sich gegenseitig:
Wir erzaehlen das unseren Frauen und man wird sehen, wie wir uns wieder mal treffen..

Die Frauen waren noch im Dienst, bis auf die Hausfrau, die gerade einkaufen war-
so konnten die Vier jeweils das Essen kochen und sich die Geschichte zurecht legen,
wie sie den Tag so gut wie irgend moeglich schildern konnten.
Muede kamen die Frauen nach Hause und freuten sich ueber den gedeckten Tisch.
Schwer zu ueberreden waren sie allesamt nicht, denn die Tage waren recht gleichfoermig und traege,
alles war viel zu sehr eingeschliffen und glatt gehobelt.
Die einzige Abwechslung waren ein paar gemeinsame Stadtbummel, ab und zu mal essen gehen und der Jahresurlaub
im Massen-Hotel irgendwo im Sueden der Welt, wo fuer die Einheimischen bestimmt kein Milch und Honig fliesst..
Gesagt, getan, man verabredete sich beim Bauern, der hatte den meisten Platz -
fuer die Autos der anderen Freunde und ueberhaupt, hier konnte man endlich ungestoert grillen.

Der Bauernhof war ziemlich herunter gekommen, der Besitzer hat nach dem Tod seiner Frau keine Lust mehr verspuert,
etwas zu verbessern - die Kinder sind weit weg gezogen und hatten gute Jobs,
nein, die kaemen garantiert nie zurueck, zumal sie mit der Landwirtschaft so ganz und gar nichts am Hut hatten.
Er hatte die Landwirtschaft immer gut im Griff, kannte sich perfekt aus,
so leicht konnte ihm niemand etwas vormachen.
Wozu aber die grosse Kueche, mit den schon aelteren Moebeln, wozu die grosse Scheune,
wo nun nur noch ein alter Traktor und Geraet darin waren?
Die letzten Jahre hatte er nur noch "nebenbei" Grasland und Getreide bewirtschaftet -
Der Hof lag ziemlich abseits der naechsten Ortschaft, in einem kleinen Talchen,
das von Wald umschlossen war- und nur am Talanfang an einer abgelegenen Landstrasse dritter Ordnung grenzte.
Zwischen der Strasse und der Liegenschaft waren noch ein paar Meter wildes Gestruepp,
das man heute "Strassenbegleitgruen" zu nennen pflegt - das ist wohl akademisch.
Dieses Talchen wollte niemand haben, es war feucht und bald zwei Kilometer lang und an der Strasse dreihundert Meter breit.
An drei Seiten mit Anhoehen, die schlecht zu bewirtschaften waren, waren die Grenzen jeweils mitten auf den Hoehen.
Sein Vater hatte das so haben wollen, denn damals heizte man mit Holz.
Zaeune waren nirgends zu sehen, nur Grenzmarkierungen und ein altes zerfallenes Tor auf dem Weg von der Strasse zum Hof.
Ein mageres Baechlein durchrann dieses versteckt liegende kleine Tal,
wie man es zu Hauf im Taunus und im Westerwald finden kann, wenn man dort wandert.
Viele verlassene Hoefe kann man dabei sehen, manche werden feudal wieder hergerichtet,
wenn sie sich in der Naehe illustrer Zentren befinden.
Hier aber sagten sich Hase und Fuchs buchstaeblich "gute Nacht".
Zuerst waren die drei Freunde geschockt und dachten sich:
Oje, gut, dass wir diesen Hof nicht unser eigen nennen - das ist mehr Last als Freude.
Trotz dieser schoenen und ruhigen Lage in einer von der Menschheit vergessenen Lage.
Sie liesen sich aber nichts anmerken und nur die Frauen schauen recht pikiert drein.
Nicht mal der Hof vor dem Haus war in Ordnung, ueberall kam das "Katzenkopfpflaster" hervor,
wo sich der Bitumen oder Beton darueber aufgeloest hat,
die grosse gemauerte Mistkaute mitten auf dem Platz war zwar leer,
machte den Eindruck aber nicht besser, der durch das schiefe Scheunentor noch bestaerkt wurde.
Muffeliger Hauseingang, es ist wohl schon ewig nicht mehr tapeziert oder gar ein neuer Boden verlegt worden..
..die Tuer zur Stallkueche stand offen und offenbarte mehr als abgetragene Moebel und Kleider an groben Haken an den Waenden.
An diesem Bauernhof war nichts wirklich alt, irgendwo aus den 1950 - 1960iger Jahren, herabgekommen und hinfaellig,
keine erhaltenswerte Bausubstanz oder gar historisches Altertuemchen, nichts davon.
Einfach nur truebe und stumpf, morsch, schon recht gammelig und ein Blick zum Abwenden.
Ethernitplatten, Einfachglas, Oelheizung, rosa Badezimmerkacheln.. selbst der Elektroherd war alt,
noch ein Standmodell, das neben einem alten Kohleherd in der Kueche stand.
Eine Wachstuchtischdecke auf dem Tisch der Wohnkueche, darueber eine Zuglampe mit runder Neonroehre-
echt idyllisch, wie alle lakonisch raunten.
Aber der Bewohner konnte kochen- Hasenbraten (aus eigener Zucht), Rotkaut aus dem Garten
und echte Kartoffelkloese und zudem "protzte" er mit selbstgemachtem Wein !
Gelebt hat er die Jahre vom Verkauf der Stallhasen und von den Huehnern,
Eiern und frischen Kraeutern, die in dem grossen Bauerngarten so gut waren.
Daneben hat er in der Forstwirtschaft sich ein Zubrot verdient.
Das Auto - ein alter "Kadett" war lange schon ausser Betrieb und stand nur noch zur Erinnerung
in einem der vielen kleinen schiefen Anbauten des Hofes herum.
Der Traktor war ein D eutz, 4005 mit 35 PS aus dem Jahr 1965, gebraucht gekauft.
Aus dieser Zeit waren auch die anderen Geraete, die er zusammen mit seiner Frau
neu angeschafft hatte.
Sie war bei der Genossenschaftlichen taetig und hat noch so manche Mark mit nach Hause gebracht.
Die Ausbildung der Kinder hat wohl das meiste Geld in Anspruch genommen.

So hockten sie beisammen und unterhielten sich sehr angeregt ueber ihr Leben,
das sich jeder der vier Freunde und auch jede der 3 Frauen ganz anders vorgestellt hatten.
Was wird nun aus uns, wenn die Zeit der Kinder und dann auch noch die Zeit der beruflichen Beschaeftigung..
keiner sprach aus, was alle dachten.
Ueberfluessig! Nutzlos! Alt! "Friedhofsgemuese"!
Fuenfzig ist ja noch kein Alter, aber dennoch..
Den drei Paaren ging es finanziell recht gut, zwei hatten Wohneigentum und der Metaller lebte auf Miete.
(Man muss ja "flexibel" bleiben)
Der Bauer war der "aermere", auch wenn er ein recht grossen Grundbesitz hatte, war dieser eher nicht so viel wert,
nicht mal der Waldbestand, der nur aus minderwertigen Holz bestand, eine Art "Hauwald", wie man frueher sagte.
Von dem Anwesen wollen wir gar nicht erst anfangen, gespart hatte er auch kaum was-
wie halt das Leben so spielte, war er nun ganz alleine, wie ein Schiffbruechiger auf der Sandbank,
waere da nicht der Berg an Arbeit gewesen, den so ein Hof eben macht.
Alle gingen mit dem Bauern gemeinsam die Grenze ab,
die ein Trampelpfad markierte- wobei viel erklaert und gelacht wurde.
Immerhin viereinhalb Kilometer rundherum, ohne die Wege auf dem Grund selbst.
"Eigentlich ein Paradies", meinte eine der Frauen, "wenn man das richtig nutzen wuerde"..
"Ja, aber ohne Mittel und ohne Zukunft", so die Frau des Metallers.
Die Verabschiedung war recht herzlich und man versprach wieder zu kommen -
auf den Gedanken, den Bauern jeweils in ihre Wohnungen einzuladen, ist keiner gekommen.

Warum eigentlich nicht?
Die Gruende waren manigfaltig, der Metaller wohnte in einer groesseren Wohnanlage,
frueher Werkswohnungen genannt- ein multikulturelles Viertel allemal.
(Und so sah das auch aus im Treppenhaus und rund um das Haus.
Der Vermieter konnte so oft renovieren wie er wollte)
Der Mediziner hatte eine kleine Eigentumswohnung mit Blick auf einen staedtischen Busbahnhof,
der Sparkassenmensch wohnte im elterlichen Haus, das er nach dem Tod der Eltern aus- und angebaut hat.
So richtig gluecklich war keiner in seiner Wohnlage und wenn sie bedachten,
dass man diese Behausungen bis an das Lebensende bewohnen soll - undenkbar.
Am besten war der Sparkassenmensch dran, waere da nicht der bloede Nachbar,
mit dem die Familie und auch seine Eltern schon - im Klinch sind..
Hinter dem Haus ist auch noch die arg befahrene Bundesstrasse..
Nee, irgendwann waren sie es leid und wollten etwas Neues wagen - aber der Mut fehlt halt doch,
zumal beide Job's unter einen Hut gebracht werden mussten.
In der heutigen Zeit ist nichts mehr sicher und auch im Bankenbereich ist es kritisch geworden,
in der Verwaltung wird gespart und nur Hausfrau und der Erziehungsberuf ist noch sicher.
Zuhause angekommen, fing immer mal wieder dieses Thema an:
"Aber wir sind doch keine Aussteiger oder Alternative - das passt nicht."
Nach Wohnmobil oder Weltenbummeln war es niemandem zumute,
sie sind das ganze Leben so lang im Auto gesessen, um zur Arbeit oder zum Dienst zu fahren!
Nein, alle sind sich - unabhaengig voneinander und ohne von den jeweiligen Gedanken der anderen Paare zu erfahren -
einig: Wenn, dann muss es ein echter Wendepunkt sein, sollte man sich zu einem solchen Schritt entschliessen.

Wochen vergingen, die Metallbaufirma wurde aufgeloest und den Mitarbeitern eine Abfindung ausbezahlt.
Das war ein Riesenglueck, andere Firmen gehen einfach pleite und da wird es duester mit einem neue Job-
freilich ohne jede Abfindung.
Nun musste er zur "A rge", ein demuetigender Gang, wie jeder weiss, der dort schon mal war.
Er hatte davon schon einiges gehoert, am Stammtisch sprach man oft darueber und lies auch keine Details aus.
(Er hatte das Buch "die Krisenkoeche" gerade durchgelesen und danach stand ihm nicht mehr der Sinn,
sich nach so vielen Jahren der Arbeit verarschen zu lassen mit sinnlosen Beschaeftigungsprogrammen,
die am Ende doch zu nichts fuehren..)
Er war der erste, der sich am Wochenende beim Bauern einfand- mit seiner Frau,
sie wollten erst einmal nachfuehlen, wie seine Idee ankommen koennte,
die ihm in einer der schlaflosen Naechte kam, in denen er sich im Bett waelzte,
um irgendwann entnervt an den PC zu gehen und dies und das zu recherchieren..

Das Gespraech mit dem Bauern fand in gewohnt herzlicher Atmosphaere statt
und war auch nicht kompliziert anzustossen, zumal er mit seiner "Freisetzung" mehr als Thema genug hatte!
Sie blieben ein paar Tage und halfen mal hier, mal da auf dem Hof -
die Arbeit gefiel den Beiden doch sehr, hier waren sie endlich frei und ohne seltsame Umgebung,
ohne bevormundenen Zwang der Behoerde - was waere, wenn sie sich umorientieren wuerden?
Vielleicht eine Selbstaendigkeit?
Der Gedanke kam ihm im Scheunenanbau, wo eine kleine Schmiede aus alten Tagen, wohl eher aus uralten Tagen
war, ein Ueberbleibsel vom ganz alten Hof, der vor diesem maroden 1950-1960iger Jahre Bau war.
Man wollte das wohl wagen, den Bauern zu fragen- aber er wusste das laengst,
Bauern gelten nicht umsonst als schlau, auch ohne hohe Schulbildung.
"Ich kann Dir das Ding vermieten, kein Problem - und bei mir wohnen koennt ihr auch, wenn es euch gut genug ist.."
Er fuhr fort:
"Platz ist in dem Bauernhaus ja genug- wenn das wieder auf Vordermann gebracht wird, gibt das ein gutes Wohnen."
Wir wollen die anderen Freunde anrufen - wer weiss, was die vorhaben, wenn es auf die Rente zugeht,
meinte der Metaller zu seiner Frau, ich muss die Selbstaendigkeit anmelden und die Sozialversicherungen
lebendig halten, das geht auch ohne Arge.
Unterstuetzung haette ich von denen sowieso keine Bekommen, weil erst die Abfindung verlebt werden muss.

Das naechste Wochenende kam und auch die Freunde, die alle froh waren, wieder einmal zusammen feiern zu koennen.
Da die Frauen sich inzwischen ebenso naeher gekommen sind - die hatten nach dem ersten Treffen
oft ueber die Smartphones Kontakt,
war der Austausch der Ideen sehr rege und aeusserst gesellig.
"Du findest doch keinen Job mehr, ueber fuenfzig und so, das kannst du vergessen"
"Deine Frau ist Hausfrau- was soll die denn machen, um dich zu unterhalten?"
"Dir bleibt nichts anderes als die Selbstaendigkeit!"
Das waren so die Saetze die er, der Metaller zu hoeren bekam.
Die uralten Gaestebetten waren nicht bequem- aber was soll's -
wo das Thema so heiss war, spielte das auch keine Rolle mehr.
Man wurde sich einig: Wir halten zusammen und wollen etwas gemeinsames an Projekt anstossen.
Die Langeweile war dem Bauern sowieso schon lange ein Graus- auf zu neuen Ufern!
Ich melde die Schmiede als Selbstaendigkeit an, mache fortan mein eigenes Ding-
evtl. als Kunstschmied oder fuer Spezialauftraege,- gelernt ist gelernt..
Meine Frau koennte den Ausbau der Wohnung ueberwachen, den Rest machen wir gemeinsam..
Die Freunde applaudierten:
"Siehste, es geht immer weiter, man darf sich nicht unterkriegen lassen!"
Die Miete wurde nun eben an den Bauern gezahlt - ist ja egal, wer das Geld bekommt.
Der Sparkassenmensch war in seinem Element:
Der Bauer muss irgendwann seine Kinder auszahlen oder den Hof vererben- wenn das nach der Restauration geschieht,
haben wir uns ein Eigentor geschossen, wenn hier investiert wird.
Dem Bauern waren seine Kinder fern geworden, sie waren nicht mal zur Beerdigung seiner Frau gekommen.
Angeblich hatten sie keine Zeit oder Schichtdienst oder im Urlaub- wer weiss das schon.
"Machen wir doch eine gemeinsame Sache und jeder zahlt einen Anteil in ein gemeinsames Projekt,
das dann nur noch einen Namen braucht"
Auf der Sparkasse lernt man sowas
und wie man uebermaessige Steuern umgehen kann oder Foerderungen erhalten kann.
Der Gang zum Anwalt lies dann die Sache in der folgenden Woche Wirklichkeit werden:
Der "Moenchshof" (nach der Gemarkung) wurde in 8 Anteile unterschiedlicher Groesse gegruendet.
Der 8. Anteil war der verstorbenen Frau des Bauern gewidmet und sollte die gesetzlichen Erbanteile garantieren,
die von einem Sachverstaendigen VOR dem Ausbau festgehalten wurden.
Der Metaller hat seinen Anteil gleich bezahlt und auch unterschrieben,
dass eine gegenseitige Hilfsleistung getan werden muss,
was fuer den Bauern eine Garantie fuer eine sichere Zukunft war:
Viel Rente haette er nicht zu erwarten, es konnte vom kargen Umsatz des Hofes nur der Mindestteil eingezahlt werden.
Der Hof stand immer kurz vor dem Verkauf, Geld war sehr knapp.
Die Bauarbeiter kamen bald, die Wohnung im 1. Stock wurde ausgebaut, im Erdgeschoss blieb der Bauer wohnen.
Dann kamen der Umzugswagen - so viel Moebel hatten sie nicht, geschwind war man umgezogen und im neuen Zuhause.
Seine Frau sagte:
"Dem Wohnblock weine ich keine Traene nach."
Sie lies es nicht dabei bewenden und fuhr fort:
"Wenn niemand was dagegen hat, fange ich bald mit dem Garten an,
der muss dringend entunkrautet werden und neu angelegt-
ich moechte unbedingt ein grosses Kraeuterbeet mit Kuechen - und Heilkraeutern haben!"

*** Benni und Norma waren nun bei Peter auf dem Hof zuhause und auch sehr bald richtig daheim. ***

Bei den naechsten Besuchen waren die Elli und der Rolf von der Sparkasse schon recht neidisch..
Ulrich der Medizinmann und seine Rosa, ihres Zeichens Erzieherin - sprachen auch schon vom Umzug!
Peter lachte: "Das scheint mir nun doch schon eine Art Seuche zu werden .."
Dass es Ulrich und Rosa nahe war, konnte man an den feuchten Augen sehen,
wenn sie aufbrachen um in die Stadt in ihre Eigentumswohnung zu fahren..
Beim naechsten Besuch brachten sie einen boesen Hund aus dem staedtischen Tierheim mit -
"der ist noch relativ jung und ist gerade erst von einer Mutter eines meiner Kindergartenkinder
abgegeben worden, weil die Kinder allergisch geworden sind."
Nun habt ihr auch einen Hofhund - hoffentlich macht der seine Sache gut !
Weiss der Kuckuck, welcher Rasse dieser Koeter angehoeren mag - gross und massiv und flott war er -
und sehr wachsam allemal !
So weit draussen ist es gut, wenn Nachts jemand wacht und wer waere dafuer besser geeignet,
als ein "gelernter" Hofhund?
Fortan ging das Tier gemaechlich trottend mal hier mal dahin auf dem Gelaende.
Die Ohren waren gut, sein Schutzinstinkt sehr ausgepraegt.
Ulrich und Rosa machten sich Gedanken, wie sie ihr Leben entsprechend umstricken koennten -
oder sollten sie noch warten, bis die Rente genehmigt wuerde?
Der Sparkassenmensch, der Hartmut und die Thea, die Verwaltungsfachangestellte
waren so etwas wie der Verwaltungsrat des Moenchshofs.
Dieser Verwaltungsrat war nun fast an jedem Wochenende zu Besuch und lies keine Gelegenheit aus, zu feiern.
Peter kuemmerte sich - wie bisher auch, um seine Hasen und seine Huehner, maehte die Wiesen und presste das Heu zu Ballen.
Diese "Bioartikel" liesen sich sehr gut verkaufen und erfreuten sich wachsender Beliebtheit:
Die Leute werden umweltbewusster und wollen saubere Lebensmittel-
das Heu war eine begehrte Ware bei den vielen modernen Pferdehoefen,
die unweit wie Pilze aus dem Boden sprossen.
Norma hatte den Garten bald im Griff und arbeitete dort so gerne, dass sie sich eine Bank zimmern lies,
wo abends alle eintraechtig bei Peters selbstgemachtem Apfelwein hockten und dem Sonnenuntergang zusahen.
Apfelbaeume waren auf dem Grund mehr als genug- die alte Kelter in einem kleinen Anbau am Haus war gut zu gebrauchen.
Ueberhaupt ist Peter wieder besser zu Farbe gekommen, die Blaesse ist aus seinem Gesicht verschwunden,
die Mundwinkel haengen nicht mehr nach unten, der Gang ist wieder zielgerichtet.

Benni bekam die ersten Auftraege:
Treppengelaender und Handlaeufe und Fenstergitter in Schmiedeeisen.
So toenten die typischen Hammerschlaege der Schmiede im Talchen, prallten an den Scheunen- und Hauswaenden ab,
brachten dabei ein seltsam vertrautes Echo, das bald zum Hof gehoerte, wie das sonore "WUFF!" des Hundes,
wenn sich jemand naeherte.
Der naechste Besuchstag war ein Grill-Event, wo die Rosa und der Ulrich Grillsteaks und Salat mitbrachten,
um den neuen Grill von Benni einzuweihen..
Als Hartmut und Thea kamen, gab es ein besonders lautes Hallo:
Sie hatten einen grossen Wohnwagen angehaengt, den man gemeinsam in eine gute Ecke des Grundstuecks schob:
"Dort koennen wir und die Rosa und der Ulrich schlafen, Platz hat dieser Wagen genug,
es war eine Gelegenheit, ein Kunde wurde insolvent und da habe ich geholfen und den Haenger gekauft."
Das war wieder ein Event, das befeiert werden musste..

Nach und nach wurde der Hof, die Scheune und das Bauernhaus so hergerichtet, dass wieder alles huebsch weiss und gepflegt aussah.
Neue Fenster kamen und das Katzenkopfpflaster wurde von der Bitumenschicht befreit, die Mistgrube aber blieb..
Der Moenchshof, da waren sich alle einig, sollte ein Bauernhof bleiben und keinesfalls zu einem der modernen Kuenstler-Hoefe werden!
Hartmut und Thea kuemmerten sich um die Aemterangelegenheiten, die anderen brauchten nur noch Quittungen sammeln und Kontoauszuege aufheben.
Der Vermoegens-Fond war klar beziffert, klar geteilt und notfalls beleih- oder veraeusserbar, aber nur innerhalb der Gemeinschaft.
Die Regeln waren klar gesetzt, schliesslich ging es um die gemeinsame Zukunft, da durfte nicht gepfuscht werden!

Durch Bescheidenheit waren Peter und Benni und Norma dabei, das Einkommen zu sichern.
Sozialversicherungen mussten sein, die kamen zuerst dran, bevor an Spargroschen gedacht werden konnte.
Helmut hat ein neues Produkt in sein Portfolio aufgenommen:
Er stellt schmiedeeiserne Gartenpavillions her, die Wind- und Wetter standhalten.
Kunststoffplatten werden eingeschraubt und bieten Sicherheit bei Sturm und Hagel.
Nun kamen LKWs auf den Hof gefahren, mal mit Eisen, mal mit Kunststoffplatten oder Schmiedekohle.
Reklame hat er nie gemacht, das Produkt sprach sich schnell herum - und zudem:
Er war alleine in der Schmiede, zu viele Auftraege waeren auch gar nicht zu bewaeltigen.
Benni wollte geruhsame Arbeit, keinen Stress-
lieber weniger Geld und lieber das alte Auto behalten, als sich fuer ein neues Fahrzeug versklaven..
Norma hatte keine "Einkuenfte", noch immer nicht..
irgendwann fiel ihr ein, das Biogemuese weiter auszubauen und dieses direkt am Hof zu verkaufen.
Der Garten wurde ganz gehoerig ausgedehnt - mit dem Traktor, der ihr vom Peter gerne zur Verfuegung gestellt wurde,
war die grobe Bearbeitung kein Problem- eher eine Freude.

Das Gemuese lief gut, sie hatte auch genug Auswahl, die dann direkt im Beisein des Kunden geerntet wurden.
Frischer gehts nun wirklich nicht.
Die meisten Kunden nahmen auch frische Kraeuter mit, die sie in Toepfchen bereit hielt oder als Schnittware einpackte.
Es dauerte nicht lange, dass bekam ihr Mann den Auftrag ein Gewaechshaus zu machen-
Die Reste der Stegplatten waren dafuer gut genug!
Wasser wurde von den Daechern aufgefangen und in den nahen alten Teich geleitet,
der wohl irgendwann einmal ein Fischteich war, heute aber mit Schilf zugewachsen ist.
Gut um klares sauberes Wasser fuer den Garten in Huelle und Fuelle zu liefern.
Nora spannt den Wagen an den Traktor und holte vom Pferdehof Dung - einige Wagenladungen,
dann war der Misthaufen auf dem Hof endlich wieder "adaequat gefuellt", wie Hartmut und Thea meinten.
Duenger konnte Norma immer gut gebrauchen, Gemuese braucht Kraft.
Kunstduenger kam ihr nicht in die Tuete, auch kein Spritzmittel- deshalb hat sie sich gut eingelesen in die Materie,
was immer einige selbstgemachte Naturpraeparate brachte,
die sich ebenfalls zum Verkaufsschlager mauserten- wer haette das gedacht?
Peter half nach Leibeskraeften, das baeuerliche Wissen alter Tage,
jenes VOR dem Chemiezeitalter der Landwirtschaft,
das man heute faelschlich "konventionelle" und nicht "chemische" Landwirtschaft nennt,
bei zu bringen und ihr eine Routine darin zu geben.

Die beiden Gast-Paare waren jedesmal sehr erstaunt, was sich an neuen Dingen getan hat -
bei jedem Besuch ein neues Event.
Benni brachte recht gutes Geld ein, mehr als er gedacht hatte-
bald baute er hauptsaechlich Pavillions und Vordaecher aus Schmiedeeisen.
Die Spezialitaet war die Verschraubung mit staehlernen Madenschrauben,
die jeder leicht wieder demontieren und handhaben konnte.
Fast unsichtbar und doch fest wie geschweisst.
Dem Peter machte er den alten Kadett wieder flott- zusammen mit zwei jungen Autoschlossern aus dem Dorf.
Die Lackierung erfolgte in Eigenregie- sowas muss ein Schmied wohl koennen,
der seine Eisenteile mit der Spruehpistole behandelt.
Peter freute sich wie ein kleiner Junge ueber dieses Geschenk, es war sein Lieblingsauto-
nicht schnell, aber geraeumig und zuverlaessig mit seinen 45 PS.
Hinten in der Scheune stand noch der alte Transportanhaenger,
der an den Kadett gehaengt wurde- so waren kleinere Lieferungen noch effektiver zu leisten.

Ulrich und Rosa haben sich einen langen Streifen am Waldrand - schoen auf der windgeschuetzten Seite -
als Obstanlage eingerichtet - Pfirsich, Pflaumen, Birnen und auch einen Quittenbaum,
sowie Beerenobststraeucher dazwischen.
Rosa bekam eine Stelle im Kindergarten der kleinen Stadt in der Naehe, Ulrich drueckte nochmal die Schulbank,
um zur Heilpraktiker umzuschulen.
Ihre Eigentumswohnung haben sie verkauft und begannen alsbald,
den von Peter nicht bewohnten Teil des Erdgeschosses auszubauen,
den er grosszuegig zur Verfuegung stellte.
"Was soll ich allein mit den Raeumen, die doch nur immer wieder Erinnerungen wecken-
ich ziehe in die nicht mehr benutzte Stallkueche, die gross genug ist.."
Diesmal ohne Handwerker, alle halfen mit und so wurde aus den zwei Raeumen des Anbaus
eine schoene "Single-Wohnung" zu bauen, die freilich auch ein kleines Bad bekam.

Die Eigentumswohnung war verkauft und das meiste Geld daraus wanderte in diesen Fond,
den Hartmut und Thea verwalteten.
Ulrich bueffelte den ganzen Tag, wenn er nicht zur Schule ging
und Rosa war ausser Haus beschaeftigt.
Abends hockten alle auf der Bank zum Garten und liesen sich den Wein und die restlichen Sonnenstrahlen gefallen.

Wo war das Paradies, wenn nicht hier?

So wurde der Wohnwagen halb zum Buero, halb zur Ferienwohnung von Hartmut und Thea,
dem "Verwaltungsrat" des Moenchshofs.

Der Ulrich hat die Pruefung bestanden, die Ernte war eingefahren, der Wein lag schon in den Faessern,
als Ulrich sein Behandlungszimmer von der gemeinsamen Wohnung abzwackte
und dieses mit einer Tuer versah, damit man vom Hof direkt dort hinein gehen konnte.
Er meldete sein Gewerk an, das sich auf Kraeuterheilkunst berief-
weniger auf die eigentliche Homöopathie, aber mit Schwerpunkt auf den Bewegungsapparat,
der alten Leuten so zu schaffen macht.
Seine Praxis lief von Anfang an ganz ordentlich und so konnte er sich seine Patienten einteilen.
Ohne Stress bitte!
Bald konnte die Rosa seine Helferin sein, die auch die Verwaltung der Praxis uebernahm-
in ihrem Alter wurden langsam, aber sicher die Kinder zu nervenaufreibend.
Man sieht auch nicht viele aeltere Erzieherinnen, bestenfalls als Leiterin und diese Posten sind rar.

So hatte jedes der zwei Paare gut zu tun, dem Peter fehlte es sowieso nie an Beschaeftigung,
ihn konnte man ueberall gut gebrauchen.

Beim naechsten gemeinsamen Fest beschloss man folgende Punkte nochmal ganz fest einzuhalten:
Kein Stress, immer mit der Ruhe und so ist die Kraft mit uns..
Lieber weniger Geld haben.
Gegenseitigen Respekt und Achtung, auch bei Entschluessen, die man nicht so leicht nachvollziehen kann.
Gegenseitige Hilfe in Notlagen aller Art, die selbstverstaendlich sein muss.

So rollte irgend wann im November ein Bagger an, der den Teich auf die urspruengliche Tiefe und Groesse ausbaggerte.
Peter wollte wieder Forellen haben und das schon im naechsten Fruehjahr!

Normas Garten wurde mit dem Traktor und Pflug umgeackert -
aus dem Hauwald genug Holz heran geschafft,
der Keller war mit eigenen Vorraeten bestueckt,
nun konnte der Winter kommen.

Nun fing Thea an und bestellte sich fuer das kommende Jahr ein dutzend Bienenvoelker,
die am Waldrand ihren Platz bekommen sollten.
Sie wollte die Imkerei im Winter bei einem Bekannten lernen,
nun war die Gelegenheit dazu, sich diesen alten Traum zu erfuellen.

Von keinem der Kinder hat man in der ganzen Zeit irgendetwas vernommen -
die waren wohl alle mit sich selbst genug beschaeftigt oder nicht interessiert daran,
was ihre Eltern so trieben.
Was jedem auf dem Moenchshof auffiel war:
Niemand hat auch nur einen einzigen Gedanken an "Urlaub" verschwendet !

Der Betrieb auf dem Hof war stetig, aber nicht nervig- die Leute, die hier hin kamen,
waren meistens selbst in Rente oder hatten es nicht eilig.

Alle auf dem Moenchshof waren sich einig:
Nach aussen sind und bleiben wir bescheiden, es darf "nie nach Geld aussehen",
niemand soll auf den Gedanken kommen, dass sich ein Einbruch lohnen koennte.

Eier, Huehner und Hasen gingen immer gut, auch die Heuballen waren gut zu verkaufen,
was alles von den Kunden direkt vom Hof gekauft wurde.
Mit dem Holz aus dem Wald wurde das Gewaechshaus beheizt, das recht gut isoliert wurde:
Stegplattenabfaelle gab es genug und so konnte man schon mal zwei Lagen uebereinander machen.
Das Fundament war tief genug gegruendet.
Alles in allem eine echte Freude fuer die Norma, die viel Zeit darin verbrachte.
Eigentlich hatte sie immer frischen Salat, frische Kraeuter und Radischen parat,
was zusammen mit den Kartoffeln und Eiern stets fuer ein tolles Mittagessen sorgte:
So schmeckt das Land!
Fuer das kommende Freiland zog sie aus Samen Pflaenzchen heran,
was eine kleine Wissenschaft fuer sich darstellt,
wenn der Erfolg kommen soll.

In der Winterszeit war mehr Ruhe in allen Ecken,
der Benni stellte in Musestunden div. Teile "auf Halde",
damit es im Fruehjahr gleich mit Schwung zur Sache gehen konnte.
Der Mist vor der Tuer war ein wenig "Garant", dass alle Besucher einen Eindruck relativ bescheidener Verhaeltnisse hatten.
Das war sozusagen Lebens-Prinzip aller auf dem Moenchshof lebenden Leute.
Ruhephasen gab es genug und dazu gehoerte auch der persoenliche Rueckzugsbereich fuer jeden Bewohner.
Hartmut und Thea gingen oft im Gelaende spazieren und hockten oben an der Talhoehe
auf der neuen breiten Holzbank, wo man die Beine baumeln lassen konnte.
Hinter dieser Bank, links und rechts waren nur die Huegel und viel Gemeindewald, weit und breit eine Strasse und kein Anwesen.
Von hier konnte man das ganze Talchen gut ueberblicken und die Ruhe geniesen.
Von der Strasse hinter dem Moenchshof war nichts zu sehen, die war auch nicht sonderlich belebt.
Hoch ueber der Bank kreiste ein Busard, der von zwei Kraehen attackiert wuetend pfiff.
Schmetterlinge lobten die Buesche am Waldrand mit ihren Blueten,
die unglaubliche Zahl an Blueten auf den naturbelassenen Wiesen,
die hinab links und rechts des kleine Baches bis zum Garten fuehrten.
Auf dem Trampelpfad des Grenzverlaufs auf den Anhoehen kam man bequem
und mit abwechslungsreichem Blick wieder zum Hof zurueck.
Die steinigen Boeden hier oben sind schnell abgetrocknet, selbst wenn es kraeftig geregnet hat.

Die Bienenvoelker kamen und begannen auch gleich fleissig mit ihrer Arbeit.
Die Kunden fuer die Pavillions trudelten ein, sowie die ersten Sonnenstrahlen kamen.
Sogar Spargel hat die Norma anbieten koennen - zusammen mit den typischen Kraeutern fuer die Frankfurter gruene Sosse.
Klar, dass das der Renner schlechthin war!
Sie achtete aber immer darauf, dass von keiner Sorte Gemuese zu viel angebaut wurde -
lieber ausverkauft als Ladenhueter!
Alles getreulich dem Prinzip des Moenchshofs, das auf Bescheidenheit und Zurueckhaltung ausgelegt war.

Die Heilkunst der Praxis Ulrich und Rosa war bald bekannt und bestaendig kamen Patienten vorbei,
die zuweilen auch Erzeugnisse des Hofes mitnahmen.
Kinder wollten unbedingt die Huehner besuchen, denn einen Huehnerstall,
in den man gehen kann, gibt es nicht mehr oft zu sehen.
Die bakteriologische Untersuchungen wurden von Ulrich gemacht, das war ja schliesslich sein Fach.

Hartmut und Thea sind -trotz des "bloeden Nachbarn" in ihrem Haus geblieben,
das sie mit viel Muehe ausgebaut hatten.
Ihnen reichte die Beteiligung an diesem Paradies und die kleine Obstplantage, die Bienen -
und die ruhige Gesellschaft der Freunde, mit denen man so gut feiern konnte.

Kein Mensch kann in Frieden leben, wenn es dem boesen Nachbarn nicht gefaellt-
auch wenn der Moenchshof keine Nachbarschaft hatte, kam doch Ungemach in Form von behoerdlichen Auflagen,
die "besorgte Buerger" angeregt haben.
Da alle Auflagen eingehalten, alle Steuern gewissenhaft beglichen und lebensmittelrechtliche Normen
beachtet wurden, war es nie leicht, alle Kontrolleure zufrieden zu stellen -
einer meckerte am Wasserrueckhaltebecken, der andere an dem Fischteich herum-
der naechste wollte Russfilter eingebaut wissen..
Die Nachweise kosteten Geld und haben die Gemeinschaft schon etwas geschaedigt.
Vielleicht wollten das die Antraeger so haben, die wie immer "anonym" waren.
Durch einen Zufall bekam Thea ein Gespraech in der Verwaltung mit,
wo sich ein Bauer damit bruestete, "den seltsamen Leuten auf dem Moenchshof einen ausgewischt zu haben".
Dieser Bauer war auch der Buergermeister, Ortsverbandsvorsitzender der groesseren Partei und Kreislandwirt..
nebenbei Direktvermarkter von Obst, Gemuese und Gefluegel..
Eine direkte Konfrontation konnte man sich nicht erlauben, besonders dann nicht,
wenn man in der Verwaltung und Sparkasse arbeitet..
Als musste die Kroete geschluckt werden - ein bestimmtes Hausverbot auf dem Moenchshof
wurde per Anschlag beim Briefkasten unter dem Schild "Moenchshof" angebracht.
Das sprach sich schnell herum und reduzierte die Kundschaft nicht unerheblich.
Bald kamen zwei Kuendigungen ins Haus..
..und der Wohnwagen auf dem Moenchshof wurde wieder dauernd bewohnt,
bis das Haus von Hartmut und Thea verkauft und die Hypotheken abgeloest waren.
Die Freunde troesteten sich gegenseitig:
Ihr wolltet doch immer von dem "bloeden Nachbarn" weg- oder?
Ob der etwas mit dem Buergermeister zu tun hat?
Wie auch immer- das Haus wurde gut verkauft, die Hypothek abgeloest und vom Rest des Geldes
wurde in den Fond einbezahlt und in die Scheune - im alten Stall -
eine gemuetliche kleine Wohnung eingebaut.
Der Wohnwagen war nun ganz und gar das Buero des Hofes geworden,
wo nun die Thea ihr Domizil hatte.
Langeweile kam nicht auf dabei- zu viele Antraege und Genehmigungen und Steuerlisten waren zu machen.
Der Hartmut war am Boden und musste sich erst einmal berappeln,
wie man so schoen sagt.
Auch er machte mit Hilfe dieser Arge eine Weiterbildung oder Fortbildung.
Bald bekam er wieder eine Stelle, diesmal in der Genossenschaftsbank in der Kreisstadt als Kassenleiter.

Thea und ihr Honig..
Die Bienchen waren fleissig und so kam ihr erstes eigenes finanzielles Standbein,
zusammen mit gutem Obst ein schoenes Taschengeld zustande.
Sie hatte allemal ihre Freude daran und das war ihr wichtiger als alles andere.
Ulrich hatte einige sehr zufriedene Patienten - so auch einen Rechtsanwalt,
der sich laengst in Pension befand - dieser hatte die Sache mit dem Buergermeister im Gemeinderat gehoert.
"Ich hatte diesen Beruf ergriffen, weil es mir im Leben um Gerechtigkeit geht".
Willi ist vom "Betreuten Wohnen" in das leere Gaestezimmer zum Peter gezogen-
die beiden aelteren Knaben verstanden sich gut, was wohl durch die Kommunalpolitik kam.
Nun hatten sie immer was zu diskutieren - als Mieter kam fuer den Peter noch etwas Zubrot,
mehr noch an Unterhaltung und Gemeinschaft, auch wenn sie sich nur zum Essen und Diskutieren zusammen setzten.
Willi brauchte seine Ruhe und die hatte er in der "Seniorenresidenz" eher nicht.
Von nun an hatte Willi ein neues Hobby:
Er forschte nach, was der Buergermeister und Kreisbauer und Parteimensch (der gegnerischen Sorte)
an Dreck am Stecken hatte- und das haben alle, so war er der festen Ueberzeugung,
die irgendwie nach oben gekommen waren.
Eine gewisse Skrupellosigkeit war dabei vonnoeten, sonst bleibt man unten oder wird uebergangen.
Ein paar Gemeindesatzungen hat er demontiert, Anzeigen wegen Erpressung geschaltet,
verschiedene Umweltprogramme als Schiebung enttarnt, Vorteilsnahmen im Dienst aufgedeckt-
kurz, der Buergermeister nahm seinen Hut und hielt fortan den Schnabel,
der Sparkassenchef wurde in den vorzeitigen Ruhestand versetzt,
der "bloede" Nachbar hat sein Holz hinter dem Zaun zur Bundesstrasse abraeumen muessen und seine Garageneinfahrt aendern muessen.
Nach zig Anzeigen wegen behinderndem Parken seines neuen Nachbarn, der das Haus von Hartmut und Thea kaufte kamen dazu,
bis er die Ausdehnungs- und Provokationsversuche einstellte- zusaetzlich hat man ihn "zufaellig" bei der Schwarzarbeit erwischt.
Die Gemeindeverwaltung hatte Theas Stelle wieder neu vergeben, die eigentlich "weg rationalisiert" sein sollte -
an die Tochter des Bruders des Buergermeisters, der das Busunternehmen hat, das die Schueler transportiert.
In der Genossenschaftlichen bekam der Grossbauer oder ehem. Buergermeister immer ein wenig besseres Geld,
was sich dadurch ein wenig aenderte: Dort war nun Hartmut, der fuer mehr Gerechtigkeit kaempfte.
Thea hatte genug mit der Verwaltung des Moenchshofs zu tun und er wurde sehr gut verwaltet und lief sehr geordnet-
kein Steuerpruefer hatte daran etwas auszusetzen, diese Leute kamen gerne dorthin, weil die Bewohner keinen Grund zur Mogelei hatten:
Geld war ihnen nur Nebensache, die Freude an der freien Natur wurde mit der Freude am taeglichen Gewerk "erkauft" -
ein toller Deal allemal !

Die "haptischen" Dinge waren in den Haenden von Peter, Benni und Norma,
die medizinischen bei Ulrich und Rosa, die sich nebenbei auch noch mit Oelmalerei befasste.
Welcher "Aussteigerhof" hat schon einen eigenen Anwalt?
Die beiden jungen Autoschlosser, die den alten Kadett flott machten, halfen immer mal wieder beim Benni-
der einen "richtigen" Maenner-Job macht. Schmied- das ist schon mal was, das junge Maenner anreizt, auch heute noch.
Hier wurde mal eben in der Mittagszeit gegrillt- einfach so und ein Bier getrunken, deshalb kamen die beiden so gerne zu Fuss.
Die Staffelei stand bei schoenem Wetter mal auf dem Hof, mal auf der Wiese - so viel "Freilauf" war in Rosas Job allemal.
Und genau das war es, was die Gemeinschaft wie Pech und Schwefel zusammen hielt - die Freizeit.
Mitten im Sommer wurden die beiden Jungs arbeitslos, weil sie die letzten waren, die eingestellt worden sind-
so kam es, dass sie sich auf dem Moenchshof ausheulten, wie man so schoen sagt:
Das war von Anfang an Tradition bei diesen seltsamen Leuten, wie man im Dorf meint.
Benni war nicht dumm- er nahm die Beiden voruebergehend in Arbeit, bis die Saison gelaufen war.
Bis dahin werden die Jungs schon etwas gefunden haben und nicht herum lungern und sich graemen.
Eine unglaubliche Menge an Material wurde verbraucht,
ein Musterexemplar eines besonders schoenen Pavillion-Modells wurde aufgebaut.
Der Anwalt regte -zusammen mit Thea eine Reportage der Tageszeitung und des Rundfunks an,
"die Region lebt" hies das Thema.
Bald war die Zeit reif, dass noch ein Gebaeude gebraucht wurde- ein ganz einfaches mit Pultdach,
lang gezogen wie die Scheune, dieser gegenueber den Hof zum Fischteich begrenzend,
mit eigener Parkflaeche parallel des Zufahrtsweges zum Moenchshof.
Platz war auf dem Gelaende - 300 mtr Anlieger an der Strasse,
das ist schon mal eine Hausnummer, wie man so schoen zu sagen pflegt.
Dorthin siedelte Benni um, die alte kleine Schmiede lies er aber bestehen -
sein Plan war, eine Autoreparaturwerkstatt zu eroeffnen.
Aus bescheidenen Anfaengen, mit gebrauchtem Material, das er im Internet bei einer Insolvenzaufloesung gefunden hatte.
Die beiden Jungen freuten sich wie die Schneekoenige- ihre Ausbildung war zuende, die Gesellenbriefe in der Tasche-
Benni war als Industriemeister durchaus in der Lage den Laden zu fuehren.
Der alte Kadett stand oft als Vorzeigestueck herum und wurde gebuehrend bewundert- was den Peter stolz machte.
Die Werkstatt war ein ganzes Stueck billiger als andere in der Gegend- trotzdem eine gewisse Pacht in den Moenchshof-Fond floss.
(Benni bekam kein Geld daraus, er gab nur den Meister ab, sozusagen unentgeltlich, bis der Laden lief)
Neue Autos wurden erst gar nicht angeboten, es ging nur um Reparaturen von allen Automarken und Modellen -
die Kunden waren Leute, die Zeit hatten:
Es dauert laenger, wenn man die Ersatzteile erst besorgen muss und nicht alle vorraetig haben kann.
In enger Zusammenarbeit mit einem Autoverwerter der Gegend kamen einige aeltere Fahrzeuge wieder auf die Strasse.
Nicht jeder hat das Geld fuer ein neues Auto, das ist nun mal so und auf dem Land nochmal mehr,
weil die Renten immer niedriger werden, kleine Bedienstete recht weit pendeln muessen und so die Autos schnell verschlissen sind.
Bald stand der Parkplatz an der Zufahrt voll mit wartenden Kunden-Fahrzeugen.
Die beiden Jungen, der Tim und der Jan hatten alle Haende voll zu tun - Flaschenbier war nun erst mal tabu,
bis auf die Ausnahmezeiten beim Grilling..
Es kam gutes Geld herein, die Jungen erhielten ein ueberdurchschnittliches Gehalt,
die Thea verwaltete alles perfekt, das war "ihr Ding", wie man so sagt.
Nun gingen die Bewohner und die Kunden "ins Buero" in den grossen Wohnwagen, wenn etwas anstand.
Thea hatte die Schlafgelegenheiten entfernt und mit Buerokram ausgefuellt.
Man betrat einen Warteraum mit Sitzgelegenheiten, sie verschwand hinter einem Tresen, auf dem der Monitor stand.
Hinter dem Tresen hatte niemand was zu suchen - nur so konnte sie ihre absolute Ordnung halten.
Der Hund hatte sich angewoehnt, unter dem Wohnwagen zu schlafen - direkt unter dem Eingang.
Da kam niemand hinein, ganz sicher nicht..
Ueberhaupt hatten alle Bewohner des Moenchshofs ihre Angewohnheiten und Schrullen - deshalb waren sie ja zusammen..

Bald machten die Jungen die Werkstatt ganz alleine und der Benni werkelte wieder in der Schmiede.
Thea und der Anwalt rieten den Beiden sich schon mal mit der Meisterpruefung zu befassen und die Zeit,
in der sie noch gut zu lernen in der Lage sind, zu nutzen.
Je aelter man wird, um so schwerer geht das.
So blieben sie nach Feierabend noch so manche Stunde im Pausenraum der Werkstatt und bueffelten.
Viele Kunden brauchten ihr Auto schnell wieder oder mussten am Montag wieder pendeln,
so war am Samstag bis Abends noch ordentlich Betrieb in der Werkstatt.
Irgendwie haben die beiden Jungs die Wagen immer wieder flott gemacht und sich so einen zufriedenen Kundenstamm geschaffen.
So mancher Kunde konnte die Rechnung nur abstottern, also auf Raten bezahlen - das Geld waechst nicht auf den Baeumen..
Der Moenchshof-Fond wurde ganz gut mit den Einnahmen gefuellt, der kam allen Bewohnern zugute.

Sicher war, dass der Bauer Peter einen riesen Gewinn gemacht hat- besonders menschlich und auch geldlich nicht schlecht.
Schlechte Laune oder Verdruss war in seinem Gesicht seitdem die Freunde eingezogen waren, nie wieder zu sehen gewesen.
Der alte Anwalt hatte seinen "Knochendoktor" gleich nebenan- nicht schlecht..
..keine Wartezeit, Behandlung gratis und immer und zu jeder Stunde.
Deshalb zahlte er eine gute Miete in den Fond ein- so hatten alle was davon.
Die Besucher des Moenchshofs, egal ob sie Eier kaufen oder ihr Auto reparieren liesen,
ob sie Honig oder Obst oder Gemuese suchten,
Hasen oder Huehner- sie wussten, warum sie gerade hier her kamen:
Niemand ging, kaufte und zahlte und verschwand gleich wieder, -
immer war ein Tratsch drin und ein wenig Trost, wenn das noetig war.
Den Rest besorgten Ulrich und Rosa in der Naturheilpraxis.
Angelockt durch den Zeitungsartikel und den Rundfunkbeitrag kam auch die Hessenschau,
im Rahmen "dolles Dorf", wo der nahe Ort aus der Lostrommel gezogen wurde.

Regelmaessig hat Thea eine Versammlung abgehalten, wo das Fonds-Vermoegen erklaert wurde,
das in seinem aktuellsten Auszug immer unter Glas im Wartezimmer des Wohnwagens aushing.
Mit den 8 Anteilsinhabern mit ihrem jeweiligen Einlagevermoegen.
Es sollte bei dieser Zahl bleiben, da waren sich alle einig und die "Kleinraeumigkeit" der jeweiligen Aktivitaeten
und die Verpflichtung zur Offenheit wurde immer wieder "eingeschworen".
Die Erbfolge war - bis auf den staatl. Pflichtteil an die Hinterbliebenen - auf Gegenseitigkeit angelegt,
damit die Idee des Hofes erhalten bleiben kann.
Die Anteilseigner brauchten sich eigentlich nur die Anteilsnummer merken- 1 bis 8 mehr war nicht zu beachten.
Selbstverstaendlich war auch ein evtl. Ausstieg eingeplant-
dann soll der Anteil abzueglich der faelligen Vermoegenssteuern ausgezahlt und das interne Konto geloescht werden,
ohne dass der Grund und Boden und die Liegenschaften beruehrt wuerden.
Der Moenchshof sollte niemals fremdbestimmt werden !
Daran dachte niemand auch nur andeutungsweise.
Nichts und niemand sollte aufufern und expandieren - die Ruhe war die oberste Maxime.
Der offizielle "Patron" oder Hausherr blieb immer der Peter, wer sonst?
Das Geld war bei der Genossenschaft gut angelegt und verwahrt.
Jeder zahlte der Thea jeden Abend sein eingenommenes Geld auf den Tresen, mitsamt den Quittungen.
Ein Teil der Einnahmen wurde auf das jeweilige Fond-Konto eingezahlt,
der Rest nach den Sozialversicherungs- und Steueranteilen gleich bar ausgezahlt.
So waren 8 Toepfe mit Namen darauf im Tresor, die jeden Monat auf die entsprechenden Konten der Versicherungen,
Steuer und auf das Fond-Konto "Moenchshof" eingezahlt wurden.
Die Buchhaltung recht einfach gestrickt, dafuer aber fuer alle jederzeit ueberschaubar.
So war der Hof selbst der Inhaber des Kontos und alles andere wurde intern geregelt,
gesichert durch entsprechende Unterschriften und mit anwaltlicher Segnung.
Es bekam praktischer jeder der 8 Anteilseigner jeden Monat sein Geld bar ausgezahlt, das netto verblieb.
Das mag vielleicht altmodisch sein, war aber praktisch und lies den Ueberblick behalten.
Auf Wunsch wurde monatlich auf das jeweilige Girokonto ueberwiesen,
das jedes Mitglied weiterhin bei einer Bank hatte.
Bald wurde beschlossen, den Werkstatt-Trakt aufzustocken, damit er wie die Scheune vis a vis aussah
und der Hof eine geschlossene Einheit bildet.
In die Raeume zog Thea mit ihrem Buero ein, sowie die Praxisraeume von Ulrich und Rosa, somit war alles nochmal grosszuegiger.
Der Wohnwagen kam zur Werkstatt auf den Parkplatz, als Ersatzteil-Lager.

Ein guenstiger Kredit mit staatlicher Foerderung brachte eine Solarstromanlage
und eine Warmwassergewinnung auf beide suedlichen Scheunendaecher.
Das kostete zwar lange Zeit einen Abtrag, aber auch Gewinn dadurch,
dass man praktisch den Eigenbedarf ganz und gar damit abdecken konnte.
Ueberschuessige Energie wurde eingespeist und brachte noch ein wenig Geld in den Topf.
In der Marke "Gebraucht und Eigenbau" hat man einen Lift angebracht,
damit fuer alte Leute die Praxisraeume leichter zu besuchen waren.

Der Stil des Moenchshofes blieb in dem der 1950-1960iger Jahre, da hat sich nichts veraendert-
gekuenstelt auf "alt" wollte niemand der Bewohner haben,
das sah man allerorten bereits bis zum Ueberdruss.

Ohne den stoerenden Wohnwagen sah die Anlage nochmal so gut aus und dort, wo das Ding nun stand,
richtete es keinen "optischen Schaden" an.
Der Hund ist immer darunter geblieben- auch nach dem Umzug auf den Werkstatt-Parkplatz..

Was treibst du heute? Nichts! Das war des oefteren zu hoeren,
wenn sich die Freunde auf dem Lieblingsweg trafen, der die Grenze bildete.
Im Talchen brummte der Peter mit dem Trecker, das Gras wurde gemaeht und das musste recht flott gemacht werden,
damit Zeit zum Trocknen reichte-
so ein Bauer kennt das Wetter besser als die Profis im Fernsehen..
Der Schornstein rauchte auf dem Hof, das stellten alle begeistert fest,
auch wenn sich keiner "ein Bein ausgerissen" hat.
Ab und an kamen Besucher, die sich fuer den Gartenbau oder fuer die Schmiedekunst interessierten.
Gegen einen Obolus gab es detaillierte Warenkunde und Hilfe bei Fragen zum Eigenanbau und Gewaechshaus oder zu Schmiede-Tricks.
Was der Hund nie so recht mochte, waren die Katzen, die sich einfach zugesellten - ob man wollte oder nicht.
Der grosse Renner waren Haehne, die ganz natuerlich aufwuchsen und mal eben (ausgenommen) drei Kilo schwer waren.
Die wurden von Feinschmeckern gekauft und waren nicht eben billig - aber unvergleichlich im Geschmack.
Das "Bio-Heu in Press-Ballen" verkaufte sich wie verrueckt- unglaublich, wieviel die Leute dafuer zahlen!

Der Hof war ein Jungbrunnen fuer die Freunde, keine Frage !

Thea und Hartmut, Benni und Norma, sowie Ulrich und Rosa nahmen je zwei Pflegekinder auf,
die von der oertlichen Verwaltung vermittelt wurden.
Dabei kam nochmal Geld in den Hof, wovon die drei Paare aber die Haelfte fuer die Kinder beiseite legten -
das sollten sie aber erst spaeter erfahren, das gab sie nichts an.
Die Kinder verlebten eine wunderbare Zeit in der freien Natur- fuer Computerspiele blieb fast keine Zeit,
das Handy war unwichtig, es sei denn, man konnte damit Freunde einladen.
Die drei Maedels und drei Jungen packten ueberall gerne mit an:
Landbau, Kleinvieh- und Fisch-Zucht, Schmiede, Autowerkstatt, Anwalts- und Verwaltungsbuero, Heilpraxis und Waldbau,
hier konnte sich jeder das aussuchen, was am besten zu der jeweiligen Begabung passte!
Platz war mehr als genug, weil inzwischen der Dachboden des Bauernhauses in sechs kleinere Einzelzimmer umgebaut wurde.
Rosa war bekanntlich Erzieherin und somit gut ausgelastet - dort trafen sich alle zur gemeinsamen Hausaufgabenhilfe.
Da kein Kind das andere kannte, waren die schulischen Hausaufgaben kein Problem - es wurde viel gelacht,
keiner kam auch nur auf die Idee, sich vor diesen taeglichen Treffen zu druecken.
Die Kinder haben ihre oft nicht so gluecklichen Tage zuvor bald vergessen und begannen ein neues Leben,
das keines aufs Spiel setzen wollte.
Die Kontrolleure hatten ihre Freude an der Sache, sie kamen gerne auf den Hof, auch die Lehrer aus den Schulen.
Bald wurde diese Hausaufgabenhilfe von einem Studenten gegleitet, der sich etwas Taschengeld zuverdienen wollte.

Eigentlich fielen die Kinder nicht wirklich auf- sie gingen irgendwie unter auf dem Hof:
Sie waren staendig irgendwo auf dem Gelaende unterwegs, halfen hier und da oder lagen am Fischteich,
in dem freilich alle Bewohner in der heissen Jahreszeit Abkuehlung suchten.
Sonnenoel war verpoent, das haette den Bio-Effekt kaputt gemacht-
Es standen ja genug Weiden um den Teich, dass eine direkte Sonneneinstrahlung nicht zu befuerchten war.
Ueberhaupt - Weiden:
Eines der Kinder kam auf den Gedanken den Kurs des Lehrers zum Thema
"Wir flechten Weidekoerbchen" auf den Hof zu verlagern.
Fuer Verpflegung war gesorgt- irgendwer hat sich immer bereit erklaert etwas zu stiften.
Zwei der Pflegekinder machten das als Hobby dauerhaft und bildeten auch nach dem schulischen Kurs
einen eigenen "Flecht-Kreis", aus dem einige Kinder aus dem Dorf kamen.
Andere bastelten Seifenkisten und veranstalteten Rennen damit-
ein Junge hockte die ganze Freizeit beim Anwalt und las und hoerte zu.
Dass die sechs Kinder in der Schule ueberdurchschnittlich gut waren, braucht man nicht zu betonen.
Selbst der lernschwache Junge aus schlechten Verhaeltnissen entwickelte sich zu einem mit dem beruehmten "gruenen Daumen",
ein allemal guter und ethisch toller Beruf des Gaertners, den er mit aller Macht anstrebte.
Die Kinder sollten auch nur eine bestimmte Zeit "untergebracht" werden, da waren die Behoerden ziemlich eindeutig.
Mir liegt das Wort "eifersuechtig" auf der Zunge.
Wie man lernt und Erfolg haben kann, das sahen die Pfleglinge auf dem Moenchshof in manigfacher Art und Weise.

Immer wieder kommt etwas, was keiner vorher gesehen hat- die kleine Autowerkstatt bekam "Besuch" vom Ordnungsamt:
Es waeren Beschwerden eingegangen, dass die dort abgestellten Autos Oel ins Erdreich abgeben wuerden
und dieser Sache muesste man nachgehen.
Die beiden Autoschlosser haben schon immer Pappe unter die Motoren gelegt-
sicher ist sicher- aber das beeindruckte die Herren der Behoerde nicht.
Sie muessten sofort eine bauliche Massnahme zum Oelabscheiden einbauen lassen,
alles versiegeln und jeden Schritt kontrollieren und genehmigen lassen.
So viel Geld war nicht da, also wurde die Werkstatt dicht gemacht,
alle Teile und die paar alten Wagen vom Schrottplatz abholen lassen.
Zwei Kundenfahrzeuge wurden noch instand gesetzt und das war's - das "aus".
Mit Hilfe des Anwaltes konnte man groebere Strafen verhindern, weil dieser zu sofortigen Schliessung des Ladens riet.
"Schade um die beiden Jungen" meinte Peter, daraus haette was werden koennen..
Wer hinter dieser Anzeige steckte, hat man nie erfahren.
Die Autoschlosser drueckten nun weiter die Schulbank-

Den Parkstreifen hat man gelassen, das ist immer praktisch, weil dann der Hof frei blieb,
welchen man mit baulichen Massnahmen ein wenig von der Zufahrt abgrenzte.
Ein schoener alt gepflasteter Platz mit dem Misthaufen in der Mitte, das hat etwas,
das wollte keiner missen.

Rosa hat eines der Maedchen mit ihrer Oelmalerei "angesteckt".
Nach einem halben Jahr Leerstand der Werkstatt kamen die beiden,
Tim und Jan vorbei und hatten einen Plan vorzulegen:
Wir haben vor die Werkstatt und den Parkplatz neu zu pachten,
diesmal wuerden wir die Selbstaendigkeit auf uns nehmen und weiter unter der Egide des Moenchshof arbeiten,
zu den gleichen Bedingungen.
Ein koreanischer Autohersteller will in Deutschland Fuss fassen und ist bereit die Werkstatt
und den Parkplatz modern und gesetzeskonform zu gestalten.
Diese stellen einfache Kleinwagen her, die besonders sparsame Leute ansprechen.
Nur ein Modell, eine Farbe und eine Motorisierung- und basta.
Der "Verwaltungsrat" stimmte zu, hauptsaechlich aber deshalb, weil dann der anonyme Denuntiant sich so richtig aergern wird..

Es dauert nicht lange und die Bagger kamen, geschwind war alles so gemacht, wie das heute vorgeschrieben ist.
Ein paar von diesen seltsamen Kleinwagen kamen auf den Hof, ein paar Motorroller dazu,
die ebenfalls aus diesem Werk stammen und Elektrofahrraeder.
Elektro? Nun als die ersten Autochen herum kurvten, hoerte man nichts- nur ein leises Surren..

Dann kam der Tag der Eroeffnung und einige Leute kamen, die Presse war eingeladen und es gab Kaffee und Kuchen,
den die Autoschlosser aus dem Dorf besorgten.
Sie wollten gerne fuer sich sein, damit sie niemanden zur Last fallen; "nur deshalb" wie sie betonten.
Einige Leute haben sich fuer eines der Fahrzeuge interessiert,
es war eine ganz blitzsaubere Werkstatt fuer ganz blitzsaubere Fahrzeuge geworden.
Hier konnte man schwerlich einen Oeltropfen entdecken!
Als dann die Kontrolleure kamen und "nichts zu beanstanden" attestierten, ging die Feier so richtig los.

Merke:
Es kann der Friedlichste nicht in Ruhe leben, wenn es dem boesen Nachbarn nicht gefaellt -
und wenn dieser noch so weit entfernt ist, wie in diesem Falle.
Ladestrom war genug auf dem Hof- sogar eigener Strom!
Beide Autoschlosser stuerzten sich in die Arbeit- zwei Meister und kein Geselle?
Aus dem Dorf meldeten sich schnell zwei junge Frauen, die Autoschlosser lernen wollten.
Heute ist alles moeglich - warum nicht?
Peter kam die Sache etwas sonderbar vor- er sagte aber nichts.
An der Einfahrt zum Hof war nun ein Fahnenmast mit dem Firmenemblem des Fahrzeugherstellers neben dem des Moenchshofs.
Das Interessante war, dass die Autochen nicht per Autotransporter kamen, sondern in Kisten - als Einzelteile geliefert wurden.
In der Werkstatt war also immer einer am schrauben und der andere im Verkauf oder Reparatur beschaeftigt.
Die Fahrzeuge waren sehr einfach gestrickt, was den Aufwand in Grenzen hielt-
an jedem Rad ein kleiner Motor, etwas Batterie, etwas Achsen und Steuerung,
die Modulbauweise der Karosserie war in Kunststoff.
"Hochfest und leicht mit Bambusfasern", wie die Werbung versprach.
Intelligent gebaut, leicht und guenstig zu reparieren.
"Rennwagen" waren das nicht- eher "Oeko - Modus" in der Beschleunigung und Hoechstgeschwindigkeit,
deshalb war die Reichweite recht gut.
"Wer kauft denn sowas?"
hat Benni gefragt- Achselzucken war die Antwort.
"Lass den jungen Leuten die Chance nutzen", meinte Norma- dem Peter war es lieb und wert,
wenn sein alter Kadett wieder seine Betreuer auf dem Hof hatte.
Das Einkommen war freilich bescheiden, das die beiden Jungen damit schafften, mit so wenig haetten sie nicht gerechnet.
Es reichte nur fuer einen - also musste wieder neu ueberlegt werden.
Der Oelabscheider war nun eingebaut, was lag also naeher, als den alten Reparaturbetrieb wieder aufzunehmen?
Schnell waren die Kunden wieder da und freuten sich und wie man hoert, aergerte sich die drei teuren Autohaendler in der Stadt.

Von den herkoemlichen Altwagen, die wieder muehsam geflickt wurden,
sind spaeter einige Kunden auf die neuen Kleinstwagen umgestiegen:
Wer nur kurze Strecken zu fahren hat und alleine oder zu zweit darin sitzt, dem reicht das dicke.
Wer ueberholen will, soll das gerne tun.
Die heile Welt kam irgendwie wieder und das war gut so:
Die beiden weiblichen Azubis hatten ihren Job und irgenwie waren die seltsam zu den beiden jungen Meistern.
Auf alle Faelle schafften die Vier wie die "Kesselflicker".

Rosa und Norma tuschelten die ganze Zeit irgend etwas- die Maenner kuemmerte das nicht,
auch wenn diese Aktivitaet recht deutlich geworden ist.
"Pass mal auf, ich denke, wir bauen die Scheune oben aus - wir werden bald zwei Wohnungen brauchen.."
Das Fruehjahr und die Schwalben- die bekanntlich noch keinen Sommer machen..

Die Maenner merkten - wie immer - nichts von dem Geturtel.
Tim bekam eine Erbschaft ausgezahlt, was recht passend kam:
Er kaufte sich -mit Billigung aller Moenchshoefer- den 9. Teil des Hofes und buergte fuer den 10. Teil,
den er dem Kumpel Jan versprach: "Der zahlt mir das mit links".
Diese Anteile waren freilich geringer, aber immerhin!
Sicherer konnte man sein Geld nirgends anlegen, der Meinung war auch Hartmut,
der Sparkassenmensch und der Anwalt Willi, die alles rechtlich absicherten.

Jeder war froh, dass nun zwei ? junge Leute nachruecken - was waere aus der Idee des Hofes geworden,
wenn nach und nach die Alten wegstuerben?
Die Pflegekinder wechselten, die Verhaeltnisse blieben.
Als Erwachsene kamen sie mal eben auf einen Kaffee vorbei- wie schoen.
Die beiden Unken hatten recht- es hat sich gelohnt, die obere Scheune auszubauen!
Zwei Paare bildeten sich- Tim und Usch, Jan und Petra.
Die Lebenseinstellungen passten perfekt zur Mentalitaet des Moenchshofes.
Besser konnte es nicht laufen.

Ein Kunde erzaehlt:
"Ihr habt ja ein interessantes Konzept mit dem Moenchshof gewagt, das muss ich sagen.
Andernorts ist eine aehnliche Gemeinschaft dabei, ganz ohne Modernitaeten zu leben - ohne Strom,
ohne Wasseranschluss oder Internet,
Telefon und Abwasserkanal gibt es dort auch nicht.
Die wohnen etwas weiter draussen und loesen alles selbst- wie, das weiss keiner so recht.
Vermutlich haben die einen Brunnen und weiter weg einen Klaerteich, aber ganz ohne Strom?"
Das war bei dem ersten Treffen der 4 Freunde auch schon im Gespraech,
man hat sich aber doch anders entschieden.
Er fuhr fort:
"In der Stadt ist doch das alte Ratshotel, das schon laenger leer steht-
das gehoert nun einem Investor, der hat es geschwind herrichten lassen
und 200 Asylanten reingesetzt.
Fuer jeden dieser Leute bekommt er 39 Euro pro Tag fuer die blosse Unterkunft
und wenn die verpflegt werden, das Doppelte, wie man munkelt.
Bei einem Unkostenabzug waere ein Bruttogewinn von 50 Euro am Tag pro Person drin- im Monat 10.000 Euro !
Das nenne ich ein effektives Modell!"

Ja, aber- stammelte Peter- wer will denn das, das Gebaeude kann man hinterher glatt abreissen- oder?
Der Kunde meinte:
"Das soll unsere Sorge nicht sein, das ist von oben so gewollt,
das hat man auch im Gemeinderat so erzaehlt..
das ist immer noch besser als Zwangseinquartierungen, die lt. Gesetz zulaessig sind!"
Peter war entsetzt- welche Partei hat das denn beschlossen?
"Vermutlich alle, sagte der Kunde- das ging klammheimlich ueber die Buehne".
An diesem Gespraech nahmen spontan noch ein paar andere Leute teil-
wie das so ist auf dem Dorf- die alle einer Meinung waren:
Die machen grad was sie wollen, wenn man die Stimme erst einmal abgegeben hat, sind alle Hasen gefangen!
Man gruesste und verabschiedete sich- jeder ging seinem Gewerk nach, diesmal nachdenklicher.

Die Tage vergingen in aller Ruhe, die Nachstellungen hatten aufgehoert.
Durch die Jungen kam gutes Geld in den Fond, das kam allen zugute,
auch dem Abtrag fuer die Energiemodule auf den beiden Scheunendaechern.
Die Pflanz-Saison war immer ein Highlight auf dem Hof,
wo Norma ihre Pflaenzchen und Saemlinge oder Stecklinge verkaufte.
Ein Autor hat seine Buchreihe dort deponiert und freut sich ueber jedes verkaufte Exemplar der Gartenbuecher und Ratgeber.
Der Hof war irgendwie in aller Munde- woher wusste dieser Buchautor von unserem Hof?
Wir machen doch keine Reklame und im Internet sind wir auch nicht zu finden- oder etwa doch?
Der koreanische Hersteller hat wohl die Adresse als eine seiner Werkstaetten
auf der Liste veroeffentlicht- wer weiss?
Irgendwann kam per Zufall heraus, dass eines der aelteren Pflegekinder, das heute bereits in Ausbildung ist,
eine Bilderserie mit Bericht ueber den Hof gemacht hat, im Rahmen einer Projektwoche der Schule.
Die Lehrer fanden das wohl gut genug, dass sie es auf die Schulseite gestellt haben.
So passiert es, dass man ploetzlich im Web bekannt ist.

Benni meinte zum Ulrich:
"Autsch, schau doch bitte mal nach meinem Knie-
das ist besser als ein Barometer und heute tut es wieder besonders weh!"
"Jaja, das kenne ich, herzlich willkommen beim Ueber Sechzig, ich habe da eine gute Salbe.."
Danke, ich hoffe doch, dass die hilft-
"klar, ein bisschen Glaube ist beim Heilen immer dabei!"
Bei den Jungen tut sich irgend etwas - ich glaube die tun sich fest zusammen, insistierte Benni-
gut, dass wir die beiden Wohnungen bald fertig haben.
In der Werkstatt hat das noch keiner mitbekommen, das gibt eine feine Ueberraschung -oder?
"Das will ich meinen, hoffentlich geht alles gut und die haben sich noch nicht anderweitig umgesehen"

Die Verkuendigung oder Einladung zur Besichtigung der Wohnungen ueberlies man Peter,
der generoes seiner Hausherrenpflicht nachkam.
Hee- ihr Vier- hoert mal auf mit dem Geschraube, ich habe da etwas fuer euch..
Verschwitzte Gesichter schauten ihn an- der Peter!
Was der wohl will- der ist doch schon ewig nicht mehr in der Werkstatt gewesen..
leise widerstrebend gingen alle mit, es war noch so viel zu tun fuer diesen Tag,
am naechsten Tag soll neue Lieferung kommen und zwei Fahrzeuge waren noch immer in Einzelteilen verpackt..
"Was hast du in der Scheune versteckt? Etwas zum reparieren?"
Nicht ganz- bitte die Treppe hoch!
Oben war ein kleiner Flur mit breiten Tueren links und rechts.
Ein Oberlicht spendete gutes Licht, das eine hohe Topfpflanze gierig aufsog.
Die beiden Paare wurden je in eine Wohnung geschoben ..
Petra und Usch gaben zusammen eine spitzen, schrillen Freudenschrei von sich.
Alle Waende, bis auf die jeweilige Giebelwand waren schraeg- aber die Raeume waren hoch, hell und luftig,
mit Holzbalken-Konstruktion als Raumteiler und guten komfortablen Dachfenstern in bequemer Hoehe.
Peter: "Wir haben alles mit Gipskartonplatten gemacht, dahinter ist das Dach gut isoliert.
Wie ihr die Waende gestalten wollt, ist euer Problem.
Die Leitungen liegen alle und sind angeschlossen.
Viel Spass damit !
Mein Gott, ein Traum fuer junge Leute - die Frauen begannen gleich zu fachsimpeln:
Das gibt ein Wohnzimmer, dort kommt das Bett hin- dann kann man im Liegen die Sterne sehen!
Und hier ist ein guter Raum fuer das Kinderzimmer..
"Kinderzimmer?!" fragten die beiden Schrauber verbluefft, "wir haben doch kei..."
Nun ging Peter ganz leise und geschwind nach unten- er hatte noch viel zu tun an diesem Tag.
Morgen musste wieder einmal Dung vom Pferdehof geholt werden.

An diesem Abend hat man die vier Schrauber nicht mehr gesehen, im Laden und Werkstatt waren sie auch nicht..
Dafuer musste Peter den anderen Moenchshof-Bewohnern mehrfach ganz genau erzaehlen, wie die Sache abgelaufen ist.
"nun habe ich aber Fusseln um den Mund und einen ganz trockenen Hals-
ich hole mir erst mal einen Apfelwein und gehe frueh zu Bett, morgen frueh ist die Nacht vorbei.."
Diesen Spruch hatte er immer drauf.
Rosa brachte ihm noch zwei Frikadellen und den Rest vom Kartoffelsalat, den die Kinder nicht geschafft haben.
Nach und nach gingen im Hof die Lichter aus, geredet wurde aber noch recht lange in den Betten.

Die Behoerde wollte unbedingt die 6 Pflegestellen auf dem Hof beibehalten,
was sehr ungewoehnlich fuer die Leute ist, die dort sitzen.
Geldlich hat sich das immer gelohnt, aber noch viel mehr fuer die verkorksten Kinder oder Jugendlichen,
denen es im bisherigen Leben nicht gut ging.
Es ist auch niemand rueckfaellig geworden, was immer zuvor angestellt worden war.
Jeder Pflegling wusste ganz genau:
Wenn ich mir das verscherze, habe ich ein Problem.

Der andere Tag kam, Haehne kraehten auf dem Mist- wo sie originaer hin gehoeren- und die Sonne ging auf ueber den Solarzellen..
Kaffeewasser pfiff, irgendwo machte es "bling",
Geschirr klappert allerorten, Badezimmergeraeusche und die Stimmen schwollen an.
Peter war wieder frueh auf- er war immer viel zu frueh, was vermutlich an seinem Mittagsschlaefchen liegen mag-
er hat nur etwas Brot mit selbstgemachter Marmelade verputzt und hat sein Traktorgespann angeworfen -
eine Dieselwolke stieg auf und weg war er.
Die Pflegekinder gingen zur Bushaltestelle, der Willi blieb im Bett,
er hatte wieder einmal eine Erkaeltung und wurde von Ulrich und Rosa behandelt,
die schon auf den Beinen waren.
Benni macht heute "blau", wie er sich ausdrueckt- dabei hat er die Rechnung ohne Norma gemacht..
"Nix da, ich brauche deine Hilfe beim Umgraben im Gewaechshaus!"
Die vier Schrauber waren noch nicht zu sehen, die oeffnen erst um acht Uhr,
weil sie noch einen Anmarschweg zurueckzulegen haben.
Hartmut faehrt auch schon zur Arbeit,
Thea raeumt noch ab und macht die Betten- um dann ins "Office" zu gehen, wie sie sagt.
Ein ganz normaler Tag.
Es dauert nicht lange, dann sind die ersten Patienten im Wartezimmer,
die ersten Kunden wollen Eier oder Obst kaufen oder besuchen die Werkstatt.

Langeweile? Was ist das? Wo ist der Hund?
Er sabbert die Reste in einem guenstigen Moment ab-
wird mit einer Frikadelle fuendig und verabscheut auch die restlichen Plaetzchen vom Vorabend nicht..
(Noch bevor abgeraeumt werden konnte- auf leisen Sohlen!)

Ohne die Eigenleistung waeren die beiden Wohnungen nur mit einem neuen Kredit bezahlbar gewesen,
ging Benni durch den Kopf, der nicht gut einschlafen konnte.
Man kann nur hoffen, dass bei den Jungen alles so klappt, wie die sich das so vorgestellt haben..
Dann schlief er ein und musste am naechsten Morgen geweckt werden- Norma schickte den Hund- das wirkt immer.
An diesem Morgen schliefen alle etwas laenger, bis auf die Schrauber, die haben wohl kaum ein Auge zugemacht,
sie hatten alle dicke Raender unter den Augen.
In der Werkstatt wurde froh gepfiffen, die Tueren waren auf, die Voegel sangen mit,
der Hund ging genervt zu seinem Wohnwagen..
An diesem Tag kam ein Moebelwagen und alle haben geholfen, die Sachen in die neuen Wohnungen zu bringen.
Luxus gab es auch bei den Jungen nicht, ein wenig moderner - das war auch schon alles.
Geld spielte auf dem Moenchshof noch nie die wichtigste Rolle, es gab ganz andere Sachen, die viel wichtiger waren.

Die seltsamen kleinen Elektroautochen verkauften sich nicht schlecht- als erst einmal eines davon fuhr,
hat sich das schnell herum gesprochen.
In den alten Ortskernen sind viele Haeuser, die kaum Abstellplatz fuer ein Auto haben-
da kam so ein kleines Fahrzeug gerade recht.
Damit waren zwei Leute gut mobil, um Ausfluege in der weiteren Region zu machen oder den Wocheneinkauf zu erledigen.
Weg vom Oel, weg von "der Tanke" und bei der Versicherung war das auch viel billiger, die Reifen waren billiger,
besonders die Ersatz- und Karosserieteile waren guenstig auszutauschen und nicht so wirr konstruiert,
dass ein Scheinwerfer tausend Euro kostet, wie das bei vielen modernen Fahrzeugen der Fall ist.
(Kein Witz)
Die Wartung ist auch deutlich guenstiger als bei einem herkoemlichen Auto, dessen Fahrer immer neidischer wurden,
wenn sie die Reparaturpreise der Elektro-Dinger im Aushang sahen, wie sie die Kleinstwagen nannten..

Im Unterschied zu anderen Autohaeusern hatten die Jungen nur eine Werkstatt,
kaum Verkaufsflaeche und schon mal gar keine Finanzierungsangebote.
Eigentlich waere das keine Konkurrenz zu den anderen Anbietern gewesen und dennoch wurden sie bekaempft mit allen Mitteln.
Guenstigere Reparaturen mit Gebrauchtteilen war ihr Programm, das hatte durchschlagenden Erfolg bei wenig zahlungskraeftigen Kunden,
von denen es immer mehr gibt, zumal die heutigen Autos immer umfassender ausgestattet und suendhaft teuer geworden sind.
Die Werkstatt hatte immer gut zu tun und das wurmte die Konkurrenten.
Da die Jungen nun vollwertige Moenchshof-Mitglieder geworden sind,
hatten sie "den Ruecken frei", wenn es um Abrechnungen und Steuern ging.
Die Auftraege waren in der Werkstatt, die Quittungen und die Kasse kam jeden Abend "ins Office" im 1. Stock zur Thea.
Mitnahme von Fahrzeugen nur gegen bar sollte die Regel sein, aber viele Kunden mussten "abstottern",
weil sie schlicht nichts hatten.
Sie waren dankbar, dass nichts von den Schulden nach aussen drang, viele haetten auch keinen Kredit mehr bekommen.
Immer mehr Billigjobs und Zeitarbeit und halbe Arbeitsstellen oder kurzfristige Beschaeftigungen oder die Frau war arbeitslos..
..Handyvertraege, Sch uhfa und andere Dinge, wie die dringend benoetigte Oel-Lieferung oder Energienachzahlung waren die Ursachen.
Die Leute in der Gegend waren aber eigentlich immer ehrlich, ab und zu musste mal einer "erinnert" werden, das war es aber auch schon.
Im Internet hat Tim einen gebrauchten Abschleppwagen gefunden - der aber erst einmal hergerichtet werden musste -
als er mit dem Ding die Einfahrt hoch gehumpelt kam, dachte jeder an "das Ding aus dem Sumpf" oder wie dieser Film hies..
Auf alle Faelle war der alte Abschleppwagen die Attraktion des Tages, von allen mit Misstrauen betrachtet.
In jeder freien Minute bastelten die Jungen daran herum.
Neue Polster auf die Sitze, Innenraum auffrischen, ausbeulen, spachteln,
grundieren, lackieren - auch mal etwas schweissen -
das hatten sie schliesslich gruendlich gelernt in ihren Ausbildungen.
Der Wagen sollte nur fuer den eigenen Bedarf sein, ohne Automobilclub oder so,
sonst waere immer einer damit unterwegs gewesen -
was den Sinn der gemeinschaftlichen Idee ruinieren wuerde, der Wagen sollte mehr fuer die eigenen Kunden ein Dienst werden.
Mit diesem Wagen konnte man auch schwere Sachen, wie Motoren und Getriebe vom Autoverwerter holen- sehr praktisch.
Das "Ding aus dem Sumpf" war bald ein schmucker Oldtimer, sogar mit relativ neuen Raedern.
Auf eine Beschriftung hat man verzichtet, um die Mitbewerber nicht noch weiter zu provozieren.

Nach der Pflanzsaison ist wieder mehr Ruhe eingekehrt-
manche Dorfbewohner haben den Hof als Ziel fuer den Spaziergang gemacht,
von dem man ein paar Eier oder Salat mitbringen konnte.
Ein recht guter Waldweg fuehrt oberhalb der kleinen Landstrasse durch das Waeldchen und ueber die Felder-
hier geht man ruhig und sieht noch etwas von der Landschaft.
Willi hatte schon laengst seine Pension, Peter eine Mini-Rente,
Benni und Norma waren kurz vor dem Rentenantrag, die anderen hatten noch ein paar Jahre bis zum gesicherten Einkommen.
Alle lebten recht billig auf dem Hof, miete war keine zu bezahlen und so kam man ueber die Runden.
Neben Benni, der seine Pavillions gut verkaufen konnte, war die Werkstatt das zweite sichere Standbein fuer alle.
Normas Umsatz war nicht so stark, dass man von einem Geschaeft sprechen konnte,
weil im Supermarkt die Sachen viel billiger und immer zur Verfuegung waren.
Mancher kam mit einem schweren Wagen auf den Hof gefahren und wollte keine 2,40 Euro fuer 10 dicke Eier zahlen:
"Im Diskountermarkt kosten die Eier nur 99 Cents!"
Es hatte auch keinen Sinn, darauf hinzuweisen, dass es Bio-Eier und auch noch viel dicker waren, die hier verkauft wurden-
man kann die Kunden heute nach dem Auto beurteilen, mit dem sie kommen..
Dumpfbacken sind nicht nur dumpf, sie bilden auch eine Gefahr, weil sie gerne hinterhaeltig sind.
Bald kam ein Lebensmittelkontrolleur auf den Hof, der alles untersuchen wollte:
Ein Kunde hat sich beklagt, weil er Durchfall bekommen hat - vermutlich von ihren Eiern.
"Sind die denn nicht gestempelt? Wo kontrollieren sie die?"
Da konnte der Ulrich helfen, der darin recht gut ausgebildet war-
fortan wurde nur noch an ausgewaehlte Kunden verkauft..
..und der Rest dem Eigenbedarf zugefuehrt.
Das galt nun auch fuer Huehner, Haehne und Hasen, die nur noch an ganz bestimmte Leute verkauft wurden.

Immer wieder kamen Kontrolleure, die sich fuer den Brandschutz,
fuer die Abwaesser und die Hygiene und sogar fuer den "nicht angeleinten Hund" interessierten,
fuer den niemand Steuern zahlte.
Willi konnte das alles leicht abblocken:
"Auf einem Hof, der weiter als soundsoviel von der naechsten Siedlung entfernt ist,
muessen keine Steuern entrichtet werden, er geht als Wachhund durch."
Die Gemeinde war niemals kooperativ,
die Lebensmittelkontrolleure schon eher und die Dorfbevoelkerung war zunehmend auf der Seite des Moenchshofs.
Der Willi darf niemals sterben, lachten alle und freuten sich, wenn sie wieder einmal gewonnen hatten.
Der Beamte der Finanzbehoerde machte keinen Aerger, da er um die gruendliche Buchfuehrung von Thea wusste.

Die Renten wurden nach und nach genehmigt und boten mehr Sicherheit fuer den Hof,
was der Ausstattung zugute kam.
Selbstverstaendlich wurden die Elektroautos favorisiert und neu bei den beiden Schraubern gekauft,
was denen nochmal Provision brachte.
Inzwischen waren 3 Kinder zur Welt gekommen- bei Tim und Usch.
Bella, Kurt und Rosaria.
Platz war ja mehr als genug in der riesigen Scheunenwohnung.
Nun kam auch noch genug Kindergeld herein- aber eine Schrauberin fiel aus, die mit dem Nachwuchs sehr beschaeftigt war.
Jan und Petra wollten noch warten.
Die aelteren Bewohner machten sich den taeglichen Grenzgang zur Pflicht,
ein wenig Fitness muss schon getan werden, wenn man in die Jahre kommt.
Norma veranstaltete wieder einmal ein riesiges Essen mitten auf dem Hof - mit einer gewaltigen Pfanne:
Pellkartoffeln und einen Berg frischen gruenen Salat mit duftenden Kraeutern und Ruehrei mit Speck..
Die Jungen haben Unmengen verdrueckt, kein Wunder, wenn sie den ganzen Tag hart arbeiten.
Der selbstgemachte Wein floss in Stroemen - anschliessend legte man sich zum Mittagsschlaefchen aufs Ohr.
An diesem Tag hat keiner mehr gearbeitet, keiner geschraubt- und die Kunden nahmen es mit Geduld.
Ab und zu kam einer mit der alten Milchkanne oder Flasche und holte vom Peter dessen beruechtigtes "Stoeffchen"-
ein paar Feinschmecker waren im Dorf schon noch zugegen, keine Diskounter- Kaeufer oder Billigheimer.

Die Geschaefte sollen nicht ausgedehnt werden, darin waren sich alle einig.
Die Tenne aber, die sollte zum Hofladen ausgebaut werden,
damit die Kunden nicht auf dem ganzen Grundstueck herum irrten,
um eine Salatkopf zu kaufen.
Es laeuft ja niemand mehr, jeder kommt mit einem grossen Wagen an,
der viel Parkraum stiehlt.
Ein neuer Tag, ein neues Glueck.
Diesmal wollte man sich Zeit lassen und den Plan fuer den Laden in aller Ruhe angehen lassen.
Zu "feierlich" sollte dieses Vorhaben auch nicht werden- ganz einfach baeuerlich oder abgeteilt?
Was passiert mit dem Traktor und den Wagen und Geraet?
Das war also auch nicht der Weisheit letzter Schluss.
Um Kosten zu sparen, so meinte schliesslich Norma, die am ehesten davon profitieren wuerde,
waere eigentlich eine Art Wagen..
Peter hob an: So wie ein Marktwagen? Das ist aber sehr teuer!
Nein, eher wie ein italienischer Obstwagen von frueher- aus Holz,
mit zwei alten Holzkutschenraedern und einer Deichsel dran, damit man das Ding aus der Sonne ziehen kann,
wenn es im Sommer fuer den Salat oder die Eier zu warm wird.
Das ist kein Problem, meint Peter, so ein Ding steht im Dorf schon seit langen Jahren -
ich frage mal den Kurt, ob er mir das verkaufen mag..

Und so kam es auch- bald wurde der Wagen abgeholt - angehoben mit dem Abschleppwagen und auf den Hof gestellt.
Nun muss nur noch eine wetterfeste Plane oben drauf- und die Plane braucht auch ein Geruest.
Das Geruest war geschwind gemacht, ein paar uralte Obstkisten waren genau richtig, die auf der breiten Seite schraeg gestellt
die dort eingelegten Waren fein praesentieren werden.
Nora hatte keine Ruhe- nun fuhr sie in die Stadt und besorgte sich knallgelbe Wachstuch-Tischdecken, die gut passten.
Als diese angebracht waren, der Wagen in "Nussbaumfarbe" gestrichen, sah das schon ganz toll aus.
Der Wagen wurde zu linken Scheune gefahren, die der Werkstatt gegenueber auf der anderen Seite des Hofes ist,
dort ist das Ding weit genug vom Mist weg, - nicht dass noch einer Anstoss nimmt!
Von nun an wurde der Wagen morgens frueh bestueckt mit Salat,
Radieschen, Radi, Kohl, Mangold und anderem Gemuese,
was gerade die Experimentalphase oder Saison hatte.
Eier im Karton - immer alle Groessen gerecht gemischt und keinesfalls pedantisch sortiert.
Wer hier kaufen will, muss nehmen was da ist!
Norma verstand dabei keinen Spass, auch nicht, wenn Kunden jeden Salatkopf antaschten
und achtlos wieder zurueck ins Regal warfen.
Die Leute, die sie verkraulte, kamen nie wieder und die, welche sich zu benehmen wussten, brachten neue Kunden mit.
Im Sommer und Herbst waren einige Fruchtsorten in den Kisten!

Alle waren sich einig- man haette, koennte, duerfte - aber wollte nicht vergroessern oder "richtig Umsatz machen", -
der Moenchshof stand fuer eine ganz besondere Lebensphilosophie:
Die Schrauberfamilien sind auch mal zwischendrin zum Weier gegangen um sich zu erfrischen oder ein Sonnenbad zu nehmen,
manchmal haben sie sich dort verpflegt und ein Picknick gemacht.
Urlaub?
Was ist das?
Und wozu braucht man das?

Willi begann sich zu langweilen und sann auf neue Beschaeftigung -
koerperlich ging nicht mehr viel aber geistig war er noch sehr fit!
Fortan begann er Leute zu sammeln, die etwas gegen den Buergermeister hatten - oder von diesem gedrueckt worden sind.
Es war noch alles sehr geheimnisvoll.
Eines Tages quoll es aus ihm hervor:
Ich habe Klagen von 7 Leuten laufen,
die vom Buergermeister in ihren Rechten beschnitten worden sind.
Die will ich zu Gericht bringen und zudem noch eine von mir,
weil er im Amt Vorteilsnahme betrieben hat- ich habe Zeugen.
Das waere doch gelacht, wenn man diesen schraegen Vogel nicht endlich los werden koennte..

Den Moenchhofsbewohnern hat er sonst nichts mehr dazu gesagt-
eines Tages verlautbarte die Gemeinde, dass der Buergermeister "aus gesundheitlichen Gruenden" sein Amt aufgegeben habe,
desgleichen das als Kreislandwirt.
Er hat eine private Spende an den Kindergarten gegeben um einen Vergleich zu erzielen.
Soso, meinte Peter, welch ein Zufall.
Die Posten sind hoch dotiert und schnell fand sich ein anderer Studierter, der die Nase ebenso hoch trug.
In der Gemeindeverwaltung hat man den Bauunternehmer und den Holzhaendler nicht mehr gesehen,
zumindest nicht ausserhalb ihrer geschaeftlichen Belange.
Desgleichen hielten sie sich vom Stammtisch fern, damit niemand "lange Ohren" bekam.
Als der nun ehemalige Buergermeister nochmal kurz auf das Thema zu kommen versuchte,
wobei er sich nicht zu schade war, auf dem Moenchshof bei Willi vorstellig zu werden,
verlies er alsbald mit hochrotem Kopf den Hof, als der Willi hinterher rief:
Machen sie nur weiter so, dann werde ich die Subventionen ihres Hofes unter die Lupe nehmen lassen..
Man hat nie wieder etwas von ihm gehoert, er soll auch niemandem im Dorf mehr geschadet oder nachgestellt haben.

Willi war gut drauf und genehmigte sich zur Feier des Tages ein Flaeschchen Sekt..
ganz fuer sich alleine.

Ein Pflegesohn hat das mitbekommen und war nun geradezu besessen von der Idee Anwalt zu werden.
Ein arges Vorbild war zur Stelle und Willi gab alles, um den Jungen "auf Vordermann" zu bringen.
In jeder freien Minute wurde gepaukt und gelesen und wieder gepaukt..

Man darf wohl annehmen, dass der Hof viel mehr Probleme bekommen haette, gaebe es hier keinen Willi.
Es kann der Friedliche nicht in Frieden leben, wenn es dem .. nicht gefaellt.

Nun hat der "Erklaer-Baer" ein Opfer gefunden, das willig mitmacht -
das war die Meinung aller auf dem Hof.
Die Tage vergingen und Peter hat gerade seine Forellen aus dem Rauch geholt,
die heute von einem Gastromen abgeholt werden sollten.
Er traf den Jan, der gerade Pause machte und die Fuesse in den Teich hielt:
"Der Willi meinte heute Morgen zu mir, dass die Petra Nachwuchs erwarte
und er wuensche sich, dass das Kind Willie heissen soll"
Das habe er, der Willi getraeumt und mir erzaehlt, so Peter weiter.
Jan wunderte sich ueber den wunderlichen Alten immer mehr -
"ich kann sie ja mal fragen, eigentlich muesste ich das gemerkt haben!"
Ach was, Maenner merken das zuletzt.. war sie irgendwie anders, weicher, weiblicher?
Aeh- ja, das kann durchaus sein.
Aha.
Als Petra in die Werkstatt kam, hat der Jan gleich gefragt -
"Ich habe gerade eben gebrochen, da warst du aber schon in der Werkstatt"
Sie war ziemlich bleich und wirkte- tatsaechlich- weiblicher als sonst schon der Fall war.
Woher wusste der Alte das?
Gibt es tatsaechlich "Visionen"?
Wie auch immer - die Freude war gross, zumal irgendwie immer ein "Komplex" entsteht,
wenn die Nachbarin gleich drei Kinder hat und sie selbst nicht eines..
Abends wusste es jeder auf dem Hof, nicht von Peter und auch nicht von Willi.

Die Autowerkstatt lief gut, sie beschraenkten sich auf Reparaturen und liesen die koreanischen Produkte einschlafen,
die immer weniger Nachfrage hatten:
Ihre Klientel war die mit dem geringen Einkommen, die mit den alten Autos, die praktisch eher wiederbelebt wurden..
Nun kam auch die Fahne an der Einfahrt wieder weg.
Reklame war bei dieser Werkstatt nicht noetig, die "Mund zu Mund Propaganda" war viel wirksamer.
Immer mal musste einer der Kunden abgeschleppt werden, die Karren waren allesamt ziemlich betagt.
Der Autoverwerter kam oefter mal vorbei und brachte dies oder das, was telefonisch bestellt wurde
inzwischen selbst vorbei- angetrieben durch Neugier.
Dabei entstand immer ein kleines politisches Symposion,
bei dem es hoch her ging, lautstark zuweilen, aber auch mit Gelaechter.
Der Einzige mit Zeitungsabo war der Willi, bei dem traf man sich, wenn dies oder das interessierte.
Dort las er von einem Fachanwalt, der sich auf Kommunalrecht spezialisiert hatte.
Mit diesem wollte er sich mal "kurzschliessen", damit Neuigkeiten ausgetauscht werden konnten,
evtl. Gesetzesaenderungen und neue Verordnungen, die ihm, dem Willi, bei aller Sorgfalt ausgekommen waren.
Irgendwann kam dieser Theodor von Guetelshausen auf den Moenchshof vorgefahren -
an einem Sonntagmorgen, seine Freizeit zu einem Ausflug nutzend.
Seine Frau Gundula fuhr den dicken Benz behutsam in die Parkbucht,
schwerfaellig knirschten die maechtigen Reifen auf dem Kies.
Wer hat schon mal einen toprestaurierten "600er" in Langausfuehrung gesehen?
Das rabenschwarze Monster beeindruckte heute noch genau so wie zu alten Tagen.
Die beiden Insassen waren bei Willi- und kamen erst zum Kaffee auf den Hofplatz,
wo Norma geschwind etwas aufgebaut hat.
Die jungen Schrauber unterhielten sich:
"Man, die stinken ja vor Geld!"
Nach dem Kaffee, wo alle gut auftauten und sich ueber die Unkompliziertheit der Gaeste wunderten,
verabschiedete man sich und gedachte "gerne mal wieder zu kommen", weil es hier so idyllisch sei.
Die 8 Zylinder Maschine grollte leiste und sonor, als die schwere Limousine rueckwaerts auf den Weg stiess,
um dann fast geraeuschlos davon zu schweben.
"Mein Gott, die haben anthrazitfarbene Gardinen im Auto!"
Und eine Bar und Trennscheibe und damals schon Telefon..

Auf dem Hof unterhielt man sich noch lange darueber, was dieser seltsame Besuch zu bedeuten hatte.
Der Willi schwieg und das allein war schon seltsam genug.
Am naechsten Wochenende war der Benz wieder da.
Wieder vergingen viele Stunden, wo die Beiden mit Willi zusammen hockten.
Wieder Kaffee und Kuchen, wieder grollte die schwere Limousine davon..
Das ging noch zwei- drei Mal, bis Willi sich entschloss etwas zu sagen:
Wir sollten darueber beraten, ob wir noch zwei Anteile am Moenchshof dazu nehmen,
mit dem Peter bin ich schon klar, der ist im Moment gerade bei der Heuernte.
Er fuhr fort:
Die beiden sehnen sich nach einem ruhigeren Leben,
solange sie noch gut beieinander sind, wollen sie sich aus der Praxis zurueckziehen.
Wenn unser "ok" kommt, wuerden sie gerne zu uns kommen und schon mal mit den Verhandlungen
mit dem Nachfolger der Praxis verhandeln..
Ich bin schon recht betagt, wie ihr wisst- wer weiss, wie lange ich euch in Rechtsfragen noch helfen kann!
Willi plante immer lange im voraus, er wollte immer "Naegel mit Koepfen" machen.
Nun, gegen frisches Geld hatte niemand was, aber was ist, wenn die Beiden sich als unzuverlaessig entpuppen?

Der "Verwaltungsrat" wurde am naechsten Wochenende einberufen und dabei waren erstmals Theodor und Gundula.
Was alle verwunderte- sie kamen mit einem gammeligen Kaefer,
sie hatten den Benz an einen "Liebhaber" verkauft,
fuer sehr gutes Geld.
Sie kamen in normalen Strassenklamotten, nicht im feinen Zwirn.
Sie wollten dem neuen Leben in Bescheidenheit auch nach aussen Nachdruck verleihen-
"wir haben so was von die Schnautze voll von den feinen Pinkeln, dass man es kaum beschreiben kann.."
Unser Haus ist in Koeln in guter Lage, ein 3 stoeckiges Geschaeftshaus, das wir dem Anwaltskollegen
und seinen Kollegen als Gemeinschaftspraxis auf Rentenbasis verkauft haben.
Die Abwicklung der Obligationen und Beteiligungen, die wir im Laufe der Zeit angehaeuft haben,
sollen Thea und Hartmut erledigen- Kinder haben wir keine.
Leider.
Unseren buckeligen Verwandten soll kein Pfennig bleiben.
Sie gaben sich damit zufrieden, die Regeln der Gemeinschaft zu inhalieren-
ganz ungewohnt, wo sie doch gewohnt waren, Befehle zu geben.
Wieder kam ein Wohnwagen auf das Grundstueck - wo die Beiden geschwind einzogen.
Die ganzen Moebel blieben in dem verkauften Haus, nichts sollte sie an die Vergangenheit erinnern.

So kam erst einmal Ruhe und Erholung, baden im Weier, Fisch-Essen, spazieren gehen,
den Hof besichtigen, jedes Gewerk dort zu erforschen und auch zu helfen, wo gerade Hilfe gebraucht wurde.
Lilienweisse Haende, die noch nie eine Schaufel angefasst haben, werkelten mit Eisen,
in Erde, halfen Motoren zu wuchten oder Heuballen zu ruecken..

Abends sind sie dann - ohne Tabletten - muede wie die Murmeltiere seelig eingeschlafen.
"So gut haben wir noch nie geschlafen- es ist doch was anderes, wenn man koerperlich arbeitet!"
Offiziell sind Gundula und Theodor im Haus wohnhaft-
sie wohnten aber immer im grossen luxurioesen Wohnwagen einer sueddeutschen Firma.
"Klosterputz und Balkendecke, Fernsehen und Elektrokamin, mit Feuchtraum und Umluftheizung"
Stand im Prospekt - von aussen eigentlich recht unauffaellig.
Der Wagen stand etwas abseits beim Fischteich, von keiner Seite von welcher die Besucher kommen koennten zu sehen.
Sie legten einen Splitweg an, der zum gepflasterten Hof fuehrt,
so konnte man immer trockenen Fusses zu den anderen Moenchshoflern.
Strom wurde gelegt und Zu- und Abwasser in kleiner Dimension zu und aus der Werkstatt.
Die Fondeinlage war gewaltig, die anderen Bewohnern verschlug es glatt die Sprache-
der Anteil war jedoch fuer jeden Teilhaber gleich.
Nun gaben sie ein Willkommensfest - nicht etwa vom Feinkosthaendler, wie man denken sollte,
sondern ganz bescheiden mit weissen Grillwuerstchen und Krautsalat,
frisch gezapftes Bier und frische Broetchen.
Das kommt immer an- ganz ohne Frage.
"Wir haetten eine Idee," sagte Gundula, "wir wuerden gerne zum Hof ein wenig mehr beitragen
und gegenueber des Parkplatzes an der Einfahrt auf der gegenueberliegenden Seite- sozusagen als Symmetrie-
eine 3. Scheune bauen.
Ganz genau so wie die anderen beiden Scheunen, nichts protziges."
Theodor fiel ein: "Mit dem Peter haben wir auch schon gesprochen, dem ist das recht"
Sicher, dagegen hatte niemand etwas.
"Der Wohnwagen wuerde dann eine Unterkunft fuer Gaeste von uns allen, bis die Scheune bezugsfaehig ist, wohnen wir im Haenger."
Peter ging ins Dorf und sprach mit einem alten Freund, dessen Kinder das Baugeschaeft uebernommen haben.
Als Architekt war er gerne bereit, die Sache in die Regie zu nehmen.
Theodor und Gundula traten nie selbst in Erscheinung, es war ausschliesslich Sache des Moenchhof-Fonds.

Die Bagger kamen und die Baugrube fuer die neue Scheune wurde ausgehoben-
im Gegensatz zu den anderen beiden Scheunen hatte diese einen ganz in der Erde versenkten Keller,
in den die neue Heizanlage fuer den ganzen Hof eingebaut wurde- die alle Gebaeude versorgte.
Man kann sich vorstellen, dass hier einige Arbeiten noetig wurden.
Der Heizungsbauer hat sich vor Freude nicht mehr einbekommen, er stand kurz vor der Pleite..
Nun waren im ein ganzes dutzend Leute aus dem Dorf beschaeftig.
Waehrend der Bauphase lieferte der Baecker und der Metzger ganze Ladungen an Brotzeit fuer alle,
die sich daran satt essen wollten.
Knausrig waren die Neuen nicht.
Aussen Scheune, innen 6 Wohnungen !
Das Gebaeude sah ganz genau so aus, wie die anderen beiden Scheunen,
selbst das Ethernit-Dach und die Tenne wurden nachgebaut.
Man musste schon genau hinsehen, dass man den Neubau ueberhaupt bemerkte.
Die Auffahrt zum Hof und rund um die Scheune wurde neues Katzenkopfpflaster verlegt- alles schoen einheitlich.
Die Neuen nahmen sich eine kleine 2 Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss und einen Buero-Raum.
Die restlichen Raeumlichkeiten sollten von Hartmut und Thea verwaltet werden -
deren "Office" in das Paterre der neuen Scheune umzog, schon um naeher am Eingang des Hofes zu sein.
Platz war nun ohne Ende- Willi knurrte:
Nein, ich bleibe in meinem Zimmer, sonst muss ich zu viel sauber machen ..

Jan und Petra bekamen einen kleinen Willie - und waren erst einmal im Himmel.
Die Gundula und der Theodor entpuppten sich als perfekte Babysitter, wenn die beiden Schrauberinnen ihrem Gewerk nachgingen.
Sie wurden nie muede, die Kleinen zu schaukeln und vorzulesen, den Kinderwagen zu schieben-
da merkt man, sie haben keine Kinder bekommen koennen.

Die Handwerker und alle am Bau beteiligten Leute bekamen sofort und ohne Verzoegerung ihr Geld-
durch Hartmut ueberreicht, damit alles ein wenig anonym blieb, es war ja auch eine Sache des Fonds.

Der Sommer kam und es war alles fertig - den letzten Dreck entfernten Hilfskraefte von ausserhalb,
heute ist jeder froh, einen Job zu ergattern.
Die neue Scheune hat ebenfalls Solarzellen auf der Sonnenseite bekommen - wenn schon, denn schon.
Die Nachfrage nach den kleinen seltsamen Elektrowaegelchen hat wieder zugenommen-
das gute Beispiel ist die beste Reklame!

Im Dorf hat niemand mitbekommen, dass zwei erfolgreiche Anwaelte im Kommunalrecht im Hof eingezogen sind -
die Gemeindeverwaltung las nur die Namen und als Berufsbezeichnung "Pensionisten".
Sie vermieden jede Spinnerei und blieben fortan auf dem Boden oder besser:
Sie verbrachten die meiste Zeit auf der Wiese beim Weiher, mit den Nasen im Gras -
oder hockten auf der Bank und haben gelesen - stundenlang.
Die "Enkelchen" waren meistens dabei und spielten still, ab und zu wurde mal Windeln gewechselt
oder etwas zu trinken verabreicht oder eingekremt.
Usch und Petra haben die Kleinen nach Feierabend abgeholt.

Peters Hasenbraten im grossen schweren Guss-Braeter war eine Offenbarung, immer wieder ein umschwaermtes Event.
Mit Knoblauch und Lorbeer- wohl aehnlich dem Rezept meines Urgrossvaters ,
mit Knoedel und Kraut.
Schon alleine der Duft- er brauchte nie zum essen laeuten- die meisten waren schon recht zeitig am Tisch,
der dann draussen auf dem Hof stand.

Von nun an ging es so bescheiden wie zuvor auf dem Hof zu- niemand kam auf den Gedanken,
dass genug Geld im Hintergrund war, wie man zu sagen pflegt.

Die Freiflaechen des Talchens wurden nie in Frage gestellt, die waren allen heilig, die Oase der Ruhe vor der Welt da draussen.

Die Dorfbewohner haben nie so richtig begriffen, wie die familiaeren Verhaeltnisse auf dem Hof waren- wozu auch?
Es reicht ja, wenn der Kindergarten und die Schule und das Fianzamt Bescheid wussten - die Verwaltung des Hofes war strikt intern geregelt.
Inzwischen ein kleines Dorf am Rande des Dorfes.
Das "Aus" der Direktvermarktung, die immer ein gefaehrliches Spiel war:
Nun kam jeden Tag ein Haendler auf den Hof gefahren,
der die Erzeugnisse des Hofes einlud und auf dem Markt verkaufte-
im Gegenzug lies er Brot und Broetchen und Kaese und Wurst oder Milcherzeugnisse auf dem Hof.
Dann war noch der Getraenkehaendler, die Post und der Zeitungsbote- neben den Kunden der Werkstatt und freilich Bennis Schmiedekunden,
die immer fuer genug Abwechslung sorgten.

Ein neuer Tag begann mit einem satten Morgenrot, es war schon recht warm und die Voegel sangen ihr Lied.
Die Pflegekinder waren schon zur Schule gegangen, die ersten Kunden kamen zur Werkstatt,
da kam Jan mit dem Abschleppwagen zurueck vom Einsatz.
Am Haken hing ein Unfallwagen, der bis zum Eintreffen des Sachverstaendigen auf dem Hofparkplatz abgestellt wurde.
Zum Glueck ist der Fahrerin nicht viel passiert, wieder einmal ein Wildunfall, so meinte Jan lakonisch.
Beide passen nicht auf- das Wild nicht und auch nicht die Fahrer, beide sind ohne Kopf unterwegs.
Wenn ich sehe, fuhr er fort, wie die unterwegs Schminke auflegen und telefonieren,
sich kaemmen usw. muss man denken, sie meinen im Badezimmer zu sein.
Er ging erst einmal fruehstuecken - in der Nacht kam der Anruf zum Abschleppen -
dann legte er sich schnell mal fuer ein Stuendchen aufs Ohr.
Peter war mit seinen Fuetterungen beschaeftigt, Norma und Benni sind gerade erst aufgestanden und streckten sich,
bei Theodor und Gundula war noch kein Licht zu sehen.
Hartmut fuhr gerade mit seinem leisen Elektromobil vom Hof zur Arbeit, Thea raeumte ab und spuelte um dann ins Office zu gehen.
Ein ganz normaler Tag auf dem Hof.
Irgendwas stimmt trotzdem nicht- der Hund war so seltsam und bellte immerfort Richtung Aue -
Irgendwann nervte das und so ging Norma mit dem Koeter, der viel aufgeregter als sonst war bis auf die Hoehe des Talchens,
wo sie schon von weitem dem Willi sitzen sah:
"Was machst du zu dieser Stunde hier oben, ist dir nicht gut?"
Willi antwortete nicht mehr, sein Gesichtsausdruck war waechsern und starr,
er sah aber zufrieden aus, mit seinem Stock zwischen beiden Haenden, als wuerde er noch immer ins Tal zum Hof sehen..
Norma erschrak- er war ganz kalt- wie lange mochte er wohl hier sitzen?
Im Hof angekommen, rief sie den Arzt an, dieser kam mit der Polizei zeitgleich an.
Ulrich und Rosa eilten gleich zum Willi, sie hatten die Aufregung schnell mitbekommen.
Die spaeter anrueckenden Bestatter mussten den langen Weg mit der Bahre zuruecklegen,
weil dort oben kein breiter Weg hinfuehrt.
"Der ist friedlich gestorben, da ist keine Fremdeinwirkung zu sehen und betagt genug war der alte Knabe auch schon"
meinte der Polizist und der Arzt pflichtete bei:
Ich stelle noch geschwind den Totenschein aus, dann muss ich schnell zurueck in meine Praxis, das Wartezimmer ist voll..

Als die Kinder von der Schule kamen, war schon alles vorbei, der Willi abgeholt und in die Leichenhalle gefahren.
Auf eine Obduktion hat man verzichtet, die Sachlage war eindeutig:
Er hat sein Ende gespuert und wollte genau an diesem Ort sterben..
Thea hat die Formalitaeten erledigt, die Erben angeschrieben, das Aufgebot bestellt,
den Fondanteil durch Hartmut angefordert,
den Beerdigungskaffee organisiert, den letzten Willen gesucht und gefunden.
Willi war ein ordentlicher Sonderling und wollte keine Predigt,
keine Kirche und keinen "Dummschwaetzer" am Grab.
Es sollten die Bewohner des Hofes ein paar Worte sagen und fertig.
Er wollte in die Urnenwand, kein Getoese und Tamtam.

Nach der Beisetzung bekam auch der Hund ein grosses Stueck selbstgebackenen Kruemelkuchen, den er mit Sorgfalt verputzte.
Man war an diesem Tag noch lange wach und beschloss, das Zimmer erst auszuraeumen, wenn die Erben kommen.
Bis dahin wollte man alles geregelt haben,
damit die Abwicklung ordentlich und reibungslos lief.
Das Ortsgericht hatte sich wohlwollend verhalten und die Vorarbeit Theas belobt.
Die Ueberraschung war wohl, dass der entfernte Verwandte im Testament mit wenigen Dingen bedacht war,
der geldliche Anteil den Pflegekindern zugedacht wurde..
Den Pflegekindern wurde die Sachlage bekannt gemacht, auch sie nahmen an der Beerdigung teil -
fuer junge Menschen ist das eine einschneidende Erfahrung,
wenn sie zum erstenmal mit dem Tod konfrontiert werden.
Aus dem Dorf sind mehr Leute zur Beerdigung mitgegangen, als man dachte!
Besonders nachdenklich war Peter, er war noch lange wie ausgewechselt und ganz still.

Die Tage vergingen, die Erbschaft war abgewickelt, das Zimmer leergeraeumt.
Hier ist voruebergehend eine junge Familie aus dem Kosovo untergekommen, die von der Gemeindeverwaltung vermittelt wurden.
Verschleiert die Frau, der Mann und die beiden Kinder dunkel - es waren ganz andere Menschen als hierzulande.
Der Sprache kaum maechtig, befanden sie sich auf der Flucht - niemand erfuhr von was oder vor wem.
Tagsueber waren sie im Haus bis am spaeten Abend,
wo mehrere andere Fluechtlinge aufgetaucht sind, die im Dorf untergebracht waren.
Laut war es und keiner hat einen Ton verstanden.
Das ging die ganze Woche so und keiner hat auch nur einen Handschlag getan,
sie haben sie bekochen lassen und die Waesche waschen lassen,
die Kinder haben alles in Beschlag genommen und kannten keine Hemmungen oder Grenzen.
Dann kam ein Prediger auf den Hof, der die dort lebenden Frauen mit strafenden Blicken ansah, weil sie nicht verschleiert waren.
Er rief die Familie zum Gebet- auf dem Moenchshof - als es Jan zu dumm wurde und er die ganzen Typen,
die nicht zur untergebrachten Familie gehoerten, des Hofes verwies.
Nun brachte man mit Hilfe der Anwaelte diese Familie wieder vom Hof- so wollte man nicht helfen!
Damit war das Kapitel "Fluechtlingshilfe" gelaufen, die Moenchshofer waren nicht mehr bereit -
und wenn es noch so lukrativ war - Fremde unterzubringen,
die fremd bleiben wollten.
Subkultur darf man nicht unterstuetzen!
Willis Raum musste grundgereinigt werden und stand nun wieder zur Verfuegung.

Benni hat von all dem nicht viel mitbekommen, er hatte in seiner kleinen alten Schmiede "Hochkonjunktur"-
diesmal waren schmiedeeiserne Baenke in Mode, mit Eichenhoelzern - richtig feine und sehr individuelle Stuecke.
Durch die taeglichen Besuche des Haendlers war das Fruehstuecksangebot auf dem Hof traumhaft-
niemand vermisste die staendig noergelnden "Direktvermarktungskunden",
die manchmal auch von der Konkurrenz geschickt wurden um Fehler zu suchen.
Auf den kleinen Doerfern sind schon lange keine Baecker und keine Metzger mehr und wenn,
verdienen sie diesen Namen nicht, es ist nur noch Fabrikware zu haben,
aehnlich wie im Supermarkt und im Diskounter.
Das ist allemal eine Marktluecke, so der Haendler, der bei ganz bestimmten Lieferanten seine Waren holt.
Die alten Leute sind froh, wenn ich in der Strasse halte,
sie haben sich schon darauf eingestellt, die meisten warten schon eine Weile,
bis ich komme, weil man die Zeit nicht so genau planen kann;
wenn ein Kunde laenger braucht, bis er was ausgesucht hat,
muessen alle etwas warten, die hinterher beliefert werden..
"Ich bin es zufrieden und habe schon den zweiten Wagen bestellt, den meine Tochter fahren wird"
Bei uns geht alles telefonisch- meine Frau macht die Lagerung und Bestellungen,
damit wir am Ende des Tages gleich beim Lieferanten vorfahren und beladen koennen..
..bald werden wir noch mehr Doerfer abklappern koennen, wenn der 2. Wagen erst mal da ist, freut er sich.

In solche Gespraeche waren die Leute auf dem Moenchshof oefter verwickelt,
das gehoerte dazu- man war gleichberechtigt und frei und stolz,
auch wenn manches bescheidener ging als anderswo -
dass genau diese Eigenschaft oder Tradition wohlhabende Leute wie die beiden Anwaelte anlocken koennte,
hat damals keiner gedacht.
Von denen hat man niemals -auch nur den leisesten Anflug von Duenkel gespuert.
Sie wollten einfach mit den Spinnern in der Stadt nichts mehr zu tun haben, wie sie sich aeusserten.

Eben diese selbstgewaehlte Bescheidenheit war es,
die den Charme des Hofes ausmachte und auch auf andere Ruhesuchende einen unwiderstehlichen Reiz ausuebte.
Zuviele Leute wollte man sich nicht auf den Hof holen, da waren sich alle einig.
Das Prinzip der evtl. Selbstversorgung sollte noch greifen,
dass man sich zur Not ganz von den Hof-Erzeugnissen ernaehren koennen soll,
wenn die Zeiten dazu angetan waeren.
Das Anwaltspaar half mit im Garten die Norma entlasten - sie lernten begierig und mit Freude:
Das war es, was sie immer etraeumt haben!
Nach getaner Gartenarbeit mit Genuss einen Salat von den eigenen Fencheln essen oder in eine Moehre beissen,
die sie selbst gezogen haben.
Der Honig und das Obst von Ulrich und Rosa waren eine feine Sache -
in der Saison konnte man sich davon fast schon ernaehren.
Peter lernte jeden an, der sich mit der Forellenzucht befassen wollte -
er dachte wohl auch schon das eine oder andere Mal an Willi
und dessen unerwarteten "Heimgang".
Dabei war der Willi laengst schon zuvor in seinem "Daheim" angekommen, wo er auch verschieden ist.

Die Zeit der Pflegekinder ging zuende, die Vergabe ging wohl diesmal in eine andere Ecke des Landkreises.
Es wurde erheblich stiller auf dem Hof, waeren da nicht die Enkelchen gewesen,
"die vier von der Tankstelle",
pardon, von den Autoschraubern..

Der Kurt hat sich meistens bei Peter aufgehalten und schien sich fuer die Landwirtschaft zu interessieren -
ein wenig wird es auch der Traktor gewesen sein, der ihn faszinierte.
Die Beiden verstanden sich gut und machten nicht viele Worte - kurze Frage, klare Antwort.
Peter sagte immer, wenn Kritik in dieser Weise kam "ist das nicht zu gefaehrlich fuer den Kleinen?":
Er lernt mit der Gefahr umgehen, wenn er Respekt vor dem Wasser und vor Maschinen hat -
dann passiert weniger, als wenn er unaufgeklaert heimlich damit umgeht.
Dem konnte wohl keiner etwas entgegen setzen.
Man hatte ausserdem unbeschraenktes Vertrauen zu den anderen Hof-Bewohnern,
man kannte sich eng und nannte sich gerne vertraut.
Seltsamer Weise auch die beiden Anwaelte, die sich nahtlos einfuegten - sie gingen quasi jeden Tag "zum Spielen" in den Garten..
..und kamen zufrieden wieder in ihre Behausung, wo sie wie die Murmeltiere schliefen- zufrieden und froh, ohne Tabletten.
Langsam, aber sicher tauten sie noch weiter auf und auch ihre Gesichtsfarbe hat sich zunehmend gesuender gezeigt.
Das ganze Leben Aktenstaub und Kunstlicht ist nicht so toll.

Die neue Scheune war erst zu einem kleinen Teil belegt, hier waren noch Moeglichkeiten frei -
die 6 Zimmer der Pflegekinder waren wieder frei..
..und die sollten auch frei bleiben, bis die Enkelchen so weit waren, dass jedes sein eigenes Zimmer bewohnen wollte.
(so waren sie den Eltern ein wenig aus dem Auge und konnten den eigenen Freiraum geniesen, wenn sie wollten)
Unter einer gewissen Kontrolle waren sie immer, auch wenn sie das nicht so spuerten-
auf dem Hof passte jeder Erwachsene wie der Hofhund auf,
dass keinem Kind etwas zustiess.

Eines Tages beschloss man den oberen Teil der 2. Scheune, ueber der Werkstatt zu raeumen,
das Office und die Wohnung in die neune "Scheune" umzuverlegen- eine gehoerige Raeumaktion, bei der alle mithelfen mussten.
Nun war unten in der neuen Scheune die Heilpraxis und oben wohnten Ulrich und Rosa und dort war auch das neue Office.
Der neu gewonnene Platz fuer die Werkstatt wurde noetig, weil immer mehr Elektroautochen,
Elektro-Roller und Elektro-Fahrraeder
dort ausgestellt und auch repariert werden mussten - der Lift war dafuer ausreichend konstruiert !
Unten reparierte man die schweren Dinge- wie immer alte Autos.

Eines Tages bewarb sich ein "Hartzer" fuer das freie kleine Willi-Appartementchen -
ein kraeftiger Mann, der durch Scheidung und berufliche Fehlschlaege den Boden unter den Fuessen verloren hatte.
Durch die Autowerkstatt kam er auf den Gedanken, sich auf dem Moenchshof umzusehen und vorzusprechen:
"Ich bin gerade 50 geworden - und finde keine Arbeit mehr, habe schon alles gemacht was man sich vorstellen kann,
wurde von einer "Qualifizierungsmassnahme" zur naechsten geschickt.
Ich bin es leid und moechte endlich wieder rechtschaffen muede sein, wenn ich Abends nach Hause komme.
Zudem muss noch Rente eingezahlt werden, sonst bin ich im Alter arm, weil die Scheidung so viel weg genommen hat.."
Er wollte in der Schmiede arbeiten, das war so sein Ding, ggf. auch in der Autowerkstatt aushelfen, wenn Not am Mann war.
Schmiedetaetigkeiten waren ihm aus seiner Lehrzeit vertraut, dann war ich Spengler und Schlosser,
habe als Monteur gearbeitet und gutes Geld verdient, fuegte er hinzu.
Geblieben ist mir nicht mehr viel, als die Firma insolvent wurde und meine Frau sich scheiden lies,
die beiden Autos auf Leasing abgeholt wurden, das frisch bezogene Haus verkauft werden musste..
Ja, ich bin insolvent und muss noch mindestens 3 Jahre warten, bis das abgetan ist.
Eine Vita wie viele in der heutigen Zeit- wer das Pech hat, gerade 50 geworden zu sein, hat schlechte Karten.

Abends kamen die Freihoefler zusammen und berieten - man wolle es versuchen, so die Antwort.
Es muss ja nicht jeder Mit-Eigner auf dem Hof sein, um hier Arbeit zu finden.
Schon am naechsten Tag begann er mit dem Umzug aus der Garage seines Hauses, das schon von einer neuen Familie bezogen wurde..
Nun war er doch noch schnell untergekommen!
Das Einraeumen war kein Thema, so viele Haende, die halfen - frisch tapeziert war nach Willis Ableben laengst getan.
So war schon Abends ein neuer Moenchshofler bei Tisch - er futterte erst mal reihum bei jeder Familie einmal.
Er fing am naechsten Morgen an, beim Benni in der Schmiede.
Dort hoerte man nur Gehaemmere, ab und an Gespraeche und das plaerrende Kofferradio - wie immer in dieser Schmiede.
Bertram war kein schneller Arbeiter, aber einer mit viel Ausdauer und Sorgfalt -
was er einmal angefangen hatte, das machte er fertig.
Bald kam ein Kontrolleur von der Arge vorbei uns wollte ein wenig aufmischen oder gute Ratschlaege geben.
Benni: "Rat-Schlaege" kann es bei mir durchaus geben- es ist besser, wenn sie dorthin zurueckgehen, wo sie hergekommen sind...
Unsere Rechtsabteilung hat sich bereits mit ihrer Behoerde kurzgeschlossen, evtl. Ueberzahlungen wurden zurueck ueberwiesen.

Dem Bertram stand der Mund offen.
Donnerkittel, das ist Selbstbewusstsein- das kam aus harter, selbstaendiger Arbeit und Rueckendeckung einer starken Gemeinschaft.
Nun war es ihm noch wohliger bei dem Gedanken, dass er sich niemals wieder um "Jobs" und Frauen kuemmern musste..

Die Arbeiten gingen bestens von der Hand- ab und an musste Norma doch mal schauen, warum niemand zum Essen kam-
die beiden Maenner verstanden sich wohl sehr gut, sie hatten gerade "zur Feier des Tages ein Bierchen gekoepft",
wie sie sagten - "nimm dir doch auch eins.."

Die Beiden sind wie die Saecke in die Betten gefallen und mussten am anderen Morgen wach geruettelt werden -
nicht wegen der einen Flasche Bier, sondern vielmehr durch des Tages Arbeitslast ausgenockt.
Wer hart mit Schweiss arbeitet, merkt eine Flasche Bier eher gar nicht..
(Das weiss man aber erst, wenn einmal entsprechend koerperlich gearbeitet wurde)

Bald war Bertram "eingegliedert", dh. er fiel ueberhaupt nicht auf.
Bald mussten die anderen Bewohner ihn wegen seiner "Verfehlung" ermahnen:
Die Grundsaetze unserer Hof-Gemeinschaft solltest du nochmal durchlesen und beherzigen!
Der Schreck schoss im in die Glieder- was denn nun?
"Na, du solltest dich mal am Teich ausruhen und zum Grillen einfinden-
die Fuesse ins Wasser haengen und ein paar Stunden lesen-
das macht man hier so .."
Der Stein fiel vom Herzen- meine Guete, was fuer ein Laden ist das hier, sowas erlebt man nicht alle Tage!
Nun wurde auch fuer ihn immer mehr und mehr der Stress zur Vergangenheitserinnerung, obwohl mehr als genug gearbeitet wurde.
Thea kuemmerte sich um alles "schriftliche" mit den Behoerden und Sozialversicherungen etc.
Benni gab Abends den Zettel mit Betrams Stunden bei Thea ab.
Hoch war der Lohn nicht, weil sonst zu viel an die Frau abgefuehrt werden musste.
"Die ist bestimmt nicht mittellos und laengst mit einem Lehrer zusammen"
Sagte er Thea einmal.
Ich verdiene lieber weniger, zahle dafuer aber so viel wie moeglich eine private Vorsorge ein.
Wie die das genau geloest haben, mag uns eigentlich nicht so wichtig sein,
der Kern der Aussage war jedoch, dass ein neues Mitglied in der Gemeinschaft war.

Die Pavillions sind in groesserer Zahl hergestellt worden, aber nie an Supermaerkte oder aehnliche Laeden abgegeben worden-
Preistreiberei kam nie in Frage, die Ware war solide und handwerklich und haltbar, das darf nicht verramscht werden.
Die beiden Schrauberfrauen bauten eine einfache Homepage zusammen,
auf der ein paar Bilder und Beschreibungen der Pavillions zu sehen waren.
Mit Bestell-Moeglichkeit.
Bald kamen die ersten Mails bei Thea an, im Office.
Das ist heute kein Hexenwerk mehr, meinten die beiden jungen Frauen.
Da staunten die beiden Anwaelte:
"Oh, das kann man heute machen, das gab es zu unserer Zeit noch nicht.."
"Wir haetten da einen Auftrag fuer euch:
Wir denken uns einen Webauftritt aus, den ihr ggf. umsetzen koennt, es soll euer Schade nicht sein"
Klar, das war doch ein Heimspiel, im wahrsten Sinne des Wortes..
"Wir moechten eine Seite haben, die sich den Problemen mit dem Kommunalrecht widmet, wo sich Leute an uns wenden koennen,
wenn sie in einer scheinbar ausweglosen Lage sind."
Das war kein Problem, also noch eine Werbeseite, kein grosses Tamtam, eher bescheiden:
Es sollten auch nur ganz bestimmte Sachen angenommen werden, die von anderen Anwaelten als aussichtslos abgelehnt wurden.
Auf diese Weise waere eine gewisse Selbstbestaetigung als Kroenung der beruflichen Laufbahn denkbar, dachten sie..

Die Schmiede brummte, die Heilpraktiker hatten genug zu tun, die Schrauber erst recht.
Hartmut und Thea waren jeden Tag professionell beschaeftigt,
Norma, Peter und die Anwaelte waren oefter in Freizeit als die anderen.
Eine Anfrage der Schulbehoerde zur Unterbringung von Pflegekindern kam nicht mehr und warum das so war,
haben die Moenchshofler erst spaeter -durch einen Kunden der Werkstatt- erfahren.
Eine Schwiegertochter des ehemaligen Buergermeisters hat dort das grosse Sagen im Schulamt,
der Schwiegersohn sitzt auf einer anderen wichtigen Stelle, dem Landratsamt.

Solche Dinge sind nicht einmal selten, wie viele Dynastien, ja so kann man das schon nennen,
sickern in alle denkbaren Schluesselpositionen ein und man wird sie nie wieder los:
In so mancher Behoerde oder Krankenhaus sind die gleichen Namen an zig Stellen zu lesen -
die Vetternwirtschaft laesst gruessen.

Der Lebensmittelwagen kommt jeden Tag regelmaessig und zuverlaessig,
er ist ein zuverlaessiger Partner, auch was Geruechte und Dorfklatsch anbelangt..
..so war man immer auf dem Laufenden.
Diesmal dauerte sein Aufenthalt auf dem Hof etwas laenger, es waren am Abend zuvor Hasen geschlachtet worden
und die wurden gewogen, abgepackt und beschriftet.
Kisten mit Obst und Gemuese und Honig verladen, Fleisch und Wurst und Kaese durfte er immer nur versiegelt anbieten-
was nicht nur bei sommerlichen Temperaturen eine zusaetzliche Sicherheit war,
wie schnell haetten sich unbemerkt Fliegen eingestellt und Probleme verursacht.
Haendler und Lebensmittelhersteller stehen immer mit einem Bein im Gefaengnis,
so war des Haendlers Lieblingsspruch.
Er achtete ganz besonders auf absolute Sauberkeit - und das war gut so.
Die Wichtigkeit solcher guten Vorsaetze wurde an diesem Tag nochmal eindrucksvoller bewiesen,
als gerade ein Lebensmittelkontrolleur um die Ecke bog.
Wie immer war nichts zu beanstanden, trotzdem wurden Proben genommen und "Abklatsche" gemacht.
Die Kontrolleure sprachen von wilden Zustaenden in Lokalen, die von neuen Buergern und Zuwanderern gefuehrt werden-
gerade hatten sie ein gutes Dutzend schliessen muessen,
die sich partout nicht an unsere strengen lebensmittelrechtlichen Vorschriften gehalten haben,
egal wie oft abgemahnt worden war.
Nun waren mit einem Aufwasch der Wagen und der Lebensmittelbereich des Hofes kontrolliert- ein gutes Ergebnis fuer diesen Morgen.

Nach dem der Futteralien-Wagen von Hof war, wurde erst einmal gefruehstueckt -
tolles Wetter und so wurde die Bierzeltgarnitur auf dem Katzenkopf-Pflaster aufgestellt,
Norma hat eine Unmenge Kaffee und Saft bereit gestellt, ganze Koerbchen mit Wurst,
Kaese und frischen Broetchen standen auf dem Tisch, selbstverstaendlich auch gute Butter,
eigener Honig und Marmeladen in guter Auswahl.
Frisch gestaerkt ging jeder seinem Gewerk nach.
Die Sonne war laengst aufgegangen und stand wie ein gluehender Ball ueber dem Talchen,
wo der Tau von den Wiesen aufstieg und sich zu einem Schleier verdichtete.
Norma ging zur "hohen Bank", wie man die Sitzgelegenheit am Ende des Talchens nannte und betrachtete in aller Ruhe
die Szenerie der Natur, die seit Urzeiten nach dem gleichen Schema geht.
Peter war bei den Huehnern, hatte sich nach dem Fuettern der Tiere einen alten Stuhl geschnappt
und erst einmal die Zeitung in Angriff genommen.
Die Anwaelte schliefen noch- wie fast immer bis zum fruehen Mittag, sie legten sich nach diesem gemeinsamen Fruehstueck -
was denen eine Ausnahme war - gerne nochmal hin.
In der Werkstatt war schon seit ueber zwei Stunden geschaeftiges Treiben, etwas spaeter waren die beiden Schmiede am Werk.
Thea war im Office, Hartmut in der kleinen Stadt in der Genossenschaftsbank, Ulrich und Rosa oeffneten gerade die Praxis.
Schon war der erste Patient da, es war eine Frau aus dem Dorf, die Vorsitzende des Landfrauenvereins ist.
"Seit wir den Hof aufgegeben haben und mein Mann unter der Erde ist, wollen die Knochen nicht mehr!"
Sie war um jede Rezeptur dankbar, die auch nur ein wenig Linderung brachte.
Die Fango-Packung war so manchesmal ihr bester Freund, den sie hier fand.
Bei der Anwendung sprach sie unverdrossen - vermutlich war sie oft allein auf dem Hof.
"Das Geld ist knapp, wir haben nur den einfachen Beitrag eingezahlt und nun komme ich kaum noch ueber die Runden,
weil die Gemeinde immer hoehere Abgaben verlangt, verkaufen kann ich den Hof leider auch nicht:
Diese Arbeit tut sich niemand mehr an und auch die Kinder wollen damit nichts zu tun haben- das habe ich davon,
dass wir sie -unter Entbehrungen - studieren lassen haben."
Ihr Hof ist ein sogenannter "Aussiedlerhof", den man damals nach zwei Mustern gebaut hat.
Sie fuhr fort:
Zwei Frauen waren da, die eine "Hofreite" suchten - was immer das sein mag,
vermutlich sollen dort private Reitereien stattfinden.
Ich haette den Hof ja verkauft, aber den Frauen war die Sache denn doch zu gross und teilen wollte ich den Hof nicht.
Felder verpachten bringt ja auch nichts ein und das wissen die Bauernkollegen- immer abwarten,
bis sie nicht mehr kann, dann bekommen sie die Felder billiger zu kaufen.
Inzwischen habe ich eine zweite Hypothek auf dem Hof, weil die Gemeinde einen neuen,
unterirdischen Brandschutzteich fordert, der installiert werden muss.
Fuer mich eine unbezahlbare Aufgabe und so wuchsen die Untersuchungskosten,
Mahngebuehren und Nachzahlungen, Sondergebuehren, Gutachter von der anderen Seite und so weiter.
Die Kinder denken, dass sie eines Tages viel Geld ernten koennen - aber blicken lassen sie sich nicht -
nicht zum helfen und nicht mal um zu sehen, wie es mir, ihrer Mutter geht.
Damit war sie auf dem Moenchshof gerade richtig, den anderen Mitgliedern,
bei den drei urspruenglichen Paaren und dem Witwer Peter auf offene Ohren gestossen.
Uns ging es nicht viel anders, so bekam sie zu hoeren.
Darueber muessen wir noch gruendlich nachdenken, dann wird uns schon noch eine Loesung kommen, so der Peter-
die Patientin war inzwischen langsam humpelnd bei den Hasen angekommen, die sie gedankenverloren streichelte:
"Mein Mann hatte immer Hasen".
Nach einer Weile stiller Betrachtung der weiten Wiesenflaechen meinte sie noch:
"Ich will und kann von unserem Hof nicht weg, was soll denn daraus werden?"
Wieder sah sie sich um und sagte gedankenversunken:
"Ich bin sowieso nicht mehr lange auf der Welt und alte Baeume verpflanzt man nicht,
wenn man den Hof pfaendet, muessen sie mich auch irgendwie im Heim unterbringen."
Dann fuhr sie mit ihrem uralten Ford wieder vom Hof.

An dieses Gespraech hat Peter noch lange denken muessen.
Wochen spaeter hat man die Todesanzeige gelesen und gehoert, dass der Hof "verkauft" worden sei.
Wieder ein paar Wochen spaeter war von Werkstattkunden zu erfahren,
dass den Hof ein grosser Bauer "mitbewirtschaften" wuerde,
der fruehere Buergermeister sei es wohl, der den Zuschlag erhalten hat.
Ob der wohl diesen unterirdischen Loeschteil gemacht hat?
Ist ja auch egal, meint Peter, so hat sie wenigstens das Heim nicht mehr erleben muessen.

Es dauerte nicht mehr lang, da bekam Hartmut einen Brief:
Es tut uns leid, dass wir ihren Arbeitsvertrag mit dem ablaufenden Quartal kuendigen muessen.
Die Umstrukturierungen, die uns der Vorstand vorschreibt,
laesst uns keine andere Wahl als uns von den Kraeften, die zuletzt eingestellt wurden, zu trennen.
Wir bedauern das sehr und wuenschen ihnen fuer die Zukunft alles Gute.
"Alles Gute", meint Thea, na super, davon kann man sich was kaufen.
Dass diese Entscheidung nicht so helle war, wurde der Bank bald klar:
Das gesamte Fond-Vermoegen wurde gekuendigt und auf dem Hof eingelagert.
Zwar hatten alle noch ein Girokonto - mal auf dieser, mal auf einer anderen Bank,
andere bei einer Onlinebank- das war aber reine Privatsache und losgeloest vom Fond-Konto Moenchshof.
Hartmut war nun bald daheim, wie man so treffend zu sagen pflegt, wenn einer versagt hat..
..zumindest sieht das jeder, der ein wenig verzweifelt ist.
Der Rueckenhalt durch die Gemeinschaft lindert jedoch viel mehr, als der Gedanke an die Arge erschreckt..
Mit Hilfe der Anwaelte gelang ein Deal, dass eine Ueberbrueckung bis zur Rente gemacht wurde -
auf eine Klage wollte es die Genossenschaft nicht ankommen lassen.
Nun lernte Thea ihren Mann im Office an, obwohl er die grundlegenden Dinge laengst wusste.
Jetzt endlich war es ihr moeglich, "endlich auch mal richtig zu leben", wie sie sich ausdrueckte.
Er konnte den Frust durch Arbeit ueberbruecken, so dass er manchesmal dachte in "seiner" Bank zu sitzen.
Mit dem Abschleppwagen unter einer Plane hat man einen groesseren gebrauchten Tresor gekauft und diesen so im Gebaeude eingebaut,
dass evtl. Diebe diesen gleich angehen sollten.
(Dabei war das Geld ganz woanders und nur eine doppelte Ladung Traenengas waere durch den "Bruch" die Ernte gewesen)
Das hat allen richtig Spass gemacht und man hat noch lange darueber gelacht.
Bescheidenheit hatten die Moenchshofler sowieso "auf dem Programm", so fiel der Verdienstausfall eigentlich gar nicht auf.
Die "heile Welt", die sie nach aussen -aber auch nach innen- zeigten, lockte viele an, auch Neider.
Ja ja, diese Neider - das Dorfgeschwaetz war immer und immer wieder dazu angetan,
dass sich die Moenchshofbewohner dort so selten wie moeglich blicken liesen.
Die einen waren neidisch, weil sie diese als reiche Sonderlinge, andere waren neidisch,
weil sie deren Freiheit bewunderten- es sich selbst aber nicht zugestehen wollten.
Die Gemeinde wurde nicht muede, immer und immer wieder einmal kleine Gemeinheiten gegen den Hof zu erfinden.
Diese Dinge wurde dann ueber den Rechtsweg -meistens zum Nachteil der Gemeindekasse- aus dem Weg geraeumt.
Die beiden Anwaelte waren irgendwie "scharf darauf" und fanden die Sache recht spassig:
Als Fachleute aus der Metropole waren die Dilettanten der Provinz keine Gegner fuer die Beiden
und wenn die inzwischen laengst schon den Doktorgrad im Buergermeisteramt hatten.
Diese kleinen Kommunen waren der Landesverordnung hilflos ausgeliefert und diesen Druck wollten
sie an die "lieben Buergerinnen und Buerger" irgendwie weiter leiten.

Der Hof war nun wieder stiller geworden, der Herbst kam jeden Tag naeher, die Schmiede lief schon ruhiger
und schaltete langsam, aber sicher auf "Winterbetrieb" um:
Das Vorarbeiten von Fertigteilen.
Die Schrauber nahmen nur so viele Auftraege an, wie sie ohne Hilfskraefte bewaeltigen konnten.
Selbst der Abschleppwagen wurde nicht auf einen Automobilklub gemuenzt, sondern war nur fuer den Eigenbedarf da.

Der Bertram war eher ein stilles Wasser und stille Wasser sind bekanntlich tief.
Seine "Flamme" war die Lori aus dem Dorf, die schon lange ein Auge auf den kraeftigen Mann geworfen hat.
Auch sie war ein "gebranntes Kind" und war mit ihren 2 Kindern allein gelassen worden -
ihr Mann verdiente nicht schlecht,
er war immer unterwegs fuer eine Firma und lernte so div. Damen kennen..
So wohnte sie in einem alten, aber schuldenfreien Haeuschen am Dorfrand,
verdiente sich etwas Geld durch Putzdienste bei alten Leuten.
Mittags kamen die Kinder nach Hause und wollten versorgt sein.
Es kam wie es kommen musste- der Bertram zog zu ihr und lebte fortan mit ihr zusammen.
Seine Arbeit auf dem Moenchshof hat er behalten und getreulich ausgefuehrt.
Die Sozialleistungen des Hofes waren vorbildlich und so kam ein gesichertes Auskommen in diese neue Familien-Gemeinschaft.
Niemand fragte ihn woher und wohin, er war ganz einfach anerkannt und gelitten.
Beide "Partner" sprachen nie wieder von der Vergangenheit und freute sich auf jeden Tag.
Der Bertram konnte zu Fuss zur Arbeit gehen, was viel Geld spart.
Nun konnte sich Lori endlich dem verwilderten Garten widmen und das war so richtig "ihr Ding"-
es gab nichts, was dort nicht gedieh- ueberall wuchs und bluehte es.
Das Gewaechshaus hat nichts gekostet- das hat er aus der Schmiede "mitgenommen" -
immer wenn Reste waren, hat er daraus etwas gemacht, was dieses Vorhaben bald gedeihen lies.
Benni lieferte gerne das Material dazu: Zufriedene Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter
und gute Mitarbeiter haben Klauereien nicht noetig.

Man soll es nicht glauben, aber das nun verwaiste kleine Appartement des Willi
und danach des Bertram hat begierliche Blicke auf sich gezogen..
Bald meldete sich ein aelterer Mann, der seinen "Juweliergeschaeft" in der Stadt durch Umbaumassnahmen verloren hat-
der Juwelier hatte eher einen Uhrmacherladen, in dem zumeist seltene Uhren restauriert oder repariert wurden.
Nur ab und zu hat er mal etwas einfachen Schmuck verkauft, nichts Wertvolles -
trotzdem wurde in den Jahren ein paarmal die Scheibe eingeworfen um Armbanduhren zu stehlen.
Die Versicherungspraemie war deshalb hoeher als der Umsatz an so manchen Tagen.
Kurt, so war sein Name, sah sich nach einer neuen Unterkunft um,
die ihm die Moeglichkeit gab, sich ganz und gar dem Hobby Restauration und Instandsetzung widmen konnte,
aber bitte in aller Ruhe, wie er betonte.
Kurt war nicht arm, er hatte ein Haus im Industrieviertel vermietet, das aus einer Erbschaft stammte.
So kaufte er sich sofort in den Hof ein durch einen Anteil,
dessen Bedingungen er nach ausfuehrlicher Beratung und Ueberdenkerei akzeptierte.
Kurt war recht gesellig und auch gespraechig, ganz anders als es die Bewohner zunaechst vermuteten.
Seine Geschaeftsbeziehungen gingen in alle Welt, sogar namhafte Auktionshaeuser waren darunter.
Seine Werkstatt bezog er in der neuen Scheune, in einem groesseren Kellerraum- dort war er absolut ungestoert.

Seltsame Uhrenfreaks tauchten auf- mit noch merkwuerdigeren Gebilden, die nach und nach instand gesetzt wurden.
Seine Werkstatt hatte wirklich tausend winzige Schubladen - eine Miniwerkbank,
schmale Tische mit groesseren Lupen, die schwenkbar befestigt waren- viel Licht,
was heute in den Zeiten der LED Lampen kein Thema mehr ist.
Ein Wagen hielt und noch einer- die Hessenschau war mit einem Team da,
mit dem sie einen "Dreh" fuer die Sendung machen wollten.
"Es gibt sie noch, die Uhrmacher der alten Zunft!"
-war der Titel des Beitrags.
Kurt war still, aber ueberall bekannt- eine Homepage hatte er schon lange-
aber eben ausschliesslich als Reparaturstaette fuer historische Uhrwerke.
Somit war der Moenchshof mit 3 Webseiten im Internet vertreten und immer,
wenn jemand nach dem Ort "googelte",
war der Moenchshof vor den Vereinen und sogar vor der Gemeindeverwaltung oder anderen Unternehmen zu finden.
Man muss kein Seher sein, um die naechste Missgunst-Attacke zu ahnen.
Der neue Buergermeister trat nie persoenlich in Erscheinung,
vermutlich war er mehr daheim oder auf Reisen, als im Amt.
Dafuer war sein Bueroversteher, ein Verwandter des alten Buergermeisters-
um so emsiger dabei, anderen Leuten ein Bein zu stellen.
Eines Tages kam er mit einer kleinen Kommission -unangemeldet- auf den Moenchshof:
"Wer ist hier der Hausherr?" bellte der Vorsteher den erstenbesten Menschen an, den er traf.
Es traf den Benni- der gerade mit einer Flasche Bier ueber den Hof ging..
dieser nahm erstmal einen Schluck:
"Was sind denn sie fuer Gestalten, hat sie jemand eingeladen?"
(Er kannte die Leute wohl schon - aber eben nur so vom sehen)
"Wir sind von der Gemeindeverwaltung und beabsichtigen ihre geschaeftlichen Unternehmungen zu kontrollieren"
Warten sie, sagte Benni- holen sie sich am besten einen Termin in der Verwaltung des Hofes-
so wie sie sich das vorstellen, geht das nicht.
Nun standen die Leute schon sichtlich veraergert vor der neuen Scheune und suchten nach der Klingel der Verwaltung,
dem "Office", in dem Hartmut und Thea ihren Dienst versahen.
"Ja bitte?" quaekt es aus dem Lautsprecher, "kommen sie herauf!"
Die Delegration kam in das Wartezimmer und musste dort demuetig Platz nehmen,
weil an der Buerotuer nur ein Drehgriff war, keine Tuerklinke.
Nun ging an der Seite das gepanzerte Schiebefenster ein wenig auf und die Thea fragte die Anwesenden nach dem Grund ihres Besuchs.
"Wir moechten, aeh, haetten gerne einen Termin zur Besichtigung ihres Hofes und der dort befindlichen Unternehmungen"
Die Thea war nicht dumm und hat den Braten sofort gerochen.
Gut, ich habe ihnen hier einen Termin auf die Visitenkarte geschrieben, dann moechten sie bitte nocheinmal kommen.
Die Rechtsabteilung moechte auf jeden Fall zugegen sein, wenn sie irgendetwas besichtigen.
Ansonsten darf ich darauf hinweisen, dass sie ohne Hausdurchsuchungsbeschluss sich auf dem Grundstueck nicht aufhalten duerfen.
Zerknirscht und leise nahm man die Visitenkarte und schlich davon, ohne sich weiter umzusehen.

Der Termin war erst in 14 Tagen angesetzt, das war reine Absicht und eigentlich nicht noetig gewesen,
zumal Thea wusste, dass die beiden Anwaelte im Haus waren.. die schliefen aber noch.

Der Buergermeister tobte und auch der Gemeinderat kochte ueber diese Nachricht.
In dieser Zeit stand ein grauer Kombi der Gemeindeverwaltung gegenueber auf dem Parkstreifen,
der wie ein Telekommunikationwagen aussah, der wohl gerade irgendwas an den Leitung ausmessen sollte.
Der Tag des Termin war da und auch die Delegration, diesmal mit dem Buergermeister,
damit die Sache mehr Gewicht bekam.
Die Anwaelte haben sich geruestet, Thea und Hartmut warteten bereits.
Die Leute kamen ins Office und haben sich artig vorgestellt.
Um welche Belange geht es, meinte Gundula, waehrend ihr Mann Notizen machte.
(Er fertigte eine Niederschrift oder Protokoll an)
"Wir muessen bei ihnen eine Personenstandsfeststellung machen und dabei kontrollieren,
ob die Gewerke vorschriftsmaessig angemeldet sind."
Thea meint:
Ich habe fuer sie bereits Kopien der Genehmigungen, Gewerbeanmeldungen,
Gesundheitskontrollbescheinigungen und Steuerbescheinigungen
und Melderegister - Bestaetigungen angefertigt, die sie anbei erhalten.
"Wir haben nicht vor, den Zoll zu bemuehen, um festzustellen, ob nicht ggf. ein Schwarzarbeiter hier angestellt ist".
Aha, ein Schwarzarbeiter. Sehr interessant, meinte Hartmut.
Ich habe hier die Aussagen einer privaten Detektei, die wir inzwischen beauftragt haben,
dass in ihrer Liegenschaftsstelle mindestens 14 Leute taetig waren,
die nicht als offiziell angestellt angesehen werden - es handelt sich um Fremdarbeiter,
die kommunale Taetigkeiten verrichtet haben.
Belege und Bilder anbei.
Die Sache wurde bereits zur Anzeige gebracht und waehrend unserer Zusammenkunft wird der Zoll bereits
in ihrem Gemeindebuero und in der Gemeinde-Liegenschaft untersuchen.
Sie koennen nun gerne unser Anwesen besichtigen, wir haben nichts zu verbergen- im Gegensatz zu anderen Leuten..
Ich habe nicht gehoert, ob die Gemeindevertreter sich umgesehen oder auch nur ordentlich verabschiedet haetten!

Gut, sagte Theodor, das war nicht billig, hat aber wohl gesessen:
Ein dutzend Polen wohnen im Wohncontainer hinter dem Werkhof der Gemeinde,
die sich um Gruenanlagen und um die Reinigung der Gullis bemuehen.
Auf diese Weise hat der Buergermeister seine Bilanz ein wenig schoenen wollen..
..angeblich im Rahmen der Staedtepartnerschaft.
Eine seltsame "Partnerschaft" ist das, wenn der Buerovorsteher als Vermittler von privaten "Haushaltshilfen" auftritt,
die unqualifizierte Pflegetaetigkeiten verrichten.

Abends hat man sich die Sache nochmal "revue" passieren lassen und der Wein floss..
auf dem Moenchshof war man guter Dinge.
Auch diesmal waren die handgemeinen Angriffe aus dem hohlen Bauch heraus schiere Schikane der Gemeindeverwaltung gewesen-
sie hofften wohl, mit wuchtigem Auftreten Respekt zu erzwingen.
Schieres Machtgehabe, so meinte Peter lakonisch- nun haben sie ihr Fett weg und das nicht zu knapp.

Nun war es den Anwaelten eine Freude, alles zu kontrollieren,
was diese Gemeinde so trieb- ob "Anordnungen", "Verordnungen" oder "Bekanntmachungen" - sie haben alles sofort angefochten,
was nicht absolut hieb- und stichfest war.

Darueber schlug die ganze Verwaltungsspitze das Rad und konnte sich bei der Arge melden,
so viele Unregelmaessigkeiten waren durch die Kommunalaufsicht bemaengelt worden.
Der Gemeinderechner hatte sich sogar "nur etwas entliehen, das er gleich wieder zurueck zahlen wollte".
Ausschreibungen der letzten 10 Jahre wurden ganz genau unter die Lupe genommen und Seltsamkeiten zur Anzeige gebracht.
Kontrolle von Konten wurden im Rahmen der Untersuchung gemacht,
die immer wieder Einzahlungen - neben dem Gehalt - an den Buergermeister gingen.
Es fanden sich sogar Zeugen, die eine Gewogenheitsleistung im privaten Haus des Gemeindevorstehers durch einen Bauunternehmer sahen.
Fortan wurde man vorsichtig und bestellte sogar auswaertige Wahlbeobachter, weil man immer mit der Faust im Nacken arbeitete..

Die himmlische Ruhe war wieder hergestellt, der Kontakt zum Dorf abgebrochen,
mit der Gemeinde wurde nur der noetige Schriftkram gemacht,
wie von Behoerde zu Behoerde, keine weiteren Einlassungen.
"Ach von diesen komischen Leuten seit ihr?"
so wurden die Kinder im Kindergarten gefragt..
Die Kleinen waren schon recht fit: "Ja, wir sind Kaempfer!"
Rosa war ja Erzieherin und so konnten die Kleinen schon recht gut gefirmt werden,
das ist immer gut, selbst im Kindergarten ist schon "Konkurrenz-Denken".
Eines schoenen Tags an einem Vormittag stand eine Gruppe Kinder mit einem Lehrer zwischen Garten und Gewaechshaus,
als die Norma gerade ein wenig Petersilie holen wollte:
Ja schau, was sind denn sie fuer welche?
Deshalb hat der Hund gemeldet- ich hatte vorne zum Hof niemanden gesehen.
Die Jugendlichen spielten die ganze Zeit auf den Smartphones, keiner sah auf und wenn, um nicht zu stolpern.
Der Lehrer meinte: "Was haben sie denn hier zu sagen?"
Norma meint nur verdutzt- vom Eingang sind sie aber nicht gekommen- oder?
Wir sind durch den Wald gekommen und den Weg gegangen, der uns hier her fuehrte.
Norma pfiff auf der Notfall-Pfeife und der kraeftige Bertram wies dem Lehrer den Ausgang vom Hof
und griff diesen am Kragen, als er noch grosses Geld heraus haben wollte.
Es kam uebrigens nie etwas nach.. die "Kids" hat das wohl alles nicht interessiert-
sie trotteten einfach hinterher, die Haelfte sprach sowieso in irgendwelchen anderen Sprachen miteinander.

Mein Gott, das sind Zeiten! Was waren denn das fuer seltsame Voegel?
Bertram war etwas aufgebracht und hatte den Hund dabei nur muehsam im Griff, der schon die Zaehne wetzte.
Norma: "Ei Hundchen, du kannst ja richtig boese werden- wer haette das gedacht?"
Ab und zu kamen Wanderer durch den Hof, sie haben sich wohl ein wenig verirrt,
weil der obere Weg im Wald einen Wanderweg tangiert.
Die waren aber meistens recht umgaenglich und tranken auch mal einen Kaffee mit und nahmen ein Stueck Kuchen zu sich.
Theodor meinte zu Norma- pass auf, sonst wirst du wegen fehlender Schankerlaubnis angezeigt,
Freundlichkeit zahlt sich heutzutage nicht mehr aus, selbst wenn kein Geld dafuer genommen wird..

Ab und zu durften die Kinder auch mal bei einer Uhren-Reparatur zusehen und den Glockenschlag ausloesen..
..die Kleinen waren auf dem Hof in alle Gewerke direkt eingebunden, wenn sie das wollten.
Man kann nie frueh genug anfangen zu lernen, sagte Gundula immer.
Lori und die Kinder sorgten auf ihre Weise dafuer, dass kein schlechtes Geruecht ueber den Hof unbekannt blieb-
die Dorfbewohner waren deshalb vorsichtig bei ihr und den Kindern.
Die Honigbienchen waren fleissig, Ulrich und Rosa hatten ihre Freude daran - was kann schoener sein,
als ein Steckenpferd, das zufrieden macht?
Inzwischen kuemmerte sich Rosa um Heilpflanzen, die sie in einem gesonderten Garten anbaute und unter dem Dach trocknete.
Eigene Heilkraeuter sind allemal besser als die gekauften, das merkt doch jeder, so ihre feste Ueberzeugung.
Wer mal Salbei - Tee aus der Apotheke gekauft hat und den gegen selbstgezogenen probiert hat, weiss was ich meine.
Die Kunden der Heilpraxis kamen von weit her und waren ganz offensichtlich sehr zufrieden -
halbe Sachen gab es bei den Beiden nicht.
Es wurde auch schon mal nach Feierabend gearbeitet, wenn jemand Schmerzen hatte.
Ulrich sagt: "Es muss niemand unter Kopfschmerzen leiden, da helfe ich selbstverstaendlich immer"

Die Genossenschaft hat es geschafft- niemand wusste, wie gross das Fondvermoegen tatsaechlich war-
es gab offizielle Zahlen und solche, die keiner zu wissen brauchte.
Gewiss als eine Art Sparbuch, wo man auf keinen Fall Steuern drauf bezahlen wollte,
was ja alles schon zig und zigmal versteuert war-
das waere ja nochmal schoener.
Das Haupthaus hatte einen Keller, klar- aber unter dem Keller war noch ein Gewoelbe,
in dem Wein gelagert wurde dieser tiefe Keller hatte Zugang zu einem Stollen,
der in die linke Hangseite hatte.
Dort durfte nur Peter hinein, es ist nicht sicher, wie er sich ausdrueckte,
ich will nicht, dass jemandem etwas passiert.
Wer weiss, wann dieser Erzstollen gegraben wurde, darueber war nichts eingetragen,
nicht mal beim Bergamt hatte man Unterlagen davon.
(Peters Vater hat frueher mal vorsichtig nachgehoert, wo in der Gegend Bergtaetigkeit gewesen ist)
Heute wollte Peter auch keine "schlafenden Hunde" wecken, wer weiss, was dann an Auflagen gekommen waeren..
Den Zugang zu diesem Stollen konnte kein zufaelliger Besucher entdecken,
weil das grosse alte marode Fass als Blende davor stand, das sein Vater zersaegt hat.
Ein versteckter Riegel gab zwei der Bohlen frei, durch die man in diesen Schacht gelangen konnte.
Vielleicht war dieser Schacht doch viel eher ein Luftschutzkeller?
Auf alle Faelle war er nirgendwo verzeichnet.
Die Temperatur war immer gleich in dieser Hoehle- auch Peter ist nie ganz hinein gegangen.

Eines Tages hat er den Mut gefasst und ist mit dem Fotoapparat und einer guten Lampe dort hinein gegangen-
mit Gummistiefeln, festen Klamotten und Helm.
Der Gang war nur am Anfang feucht, nahe des Keller-Fasses, dahinter war trockener Fels- kein Faulfels, sondern richtig festes Material -
was ist das denn? Gemauert?
Selbst die Sohle war trocken- es ging geradeaus mit geringem Gefaelle in die Tiefe.
Der Gang ist irgendwann gemauert worden, ob aus Sicherheitsgruenden,
weil das Gestein zu broeselig war oder wegen Wasseradern,
selbst der Boden ist gemauert, mit Rinne.
Aha, dachte er, dort ist das Ende des Ganges, als seine Lampe auf einen dunklen Widerstand stiess.
Eine Wand- und rechts herum ging es rechtwinklig weiter und links herum ebenfalls.
Peter entschloss sich, rechts herum zu gehen - auf den Boden zeichnete er mit Kreide einen Hinweis -
das hatte er irgendwann mal in einem Film gesehen.
Bald kam er in einen riesigen Gewoelbekeller, in dem Steinsitzbaenke um eine Steinstatue gruppiert standen.
Die Figur war ihm unbekannt- nun, er war ja auch "nur" Bauer und hatte keine so umfassende Bildung.
Egal, dachte er sich- irgendwer wird es wissen und machte ein paar Bilder.
Hier schien der Gang zu enden, nirgendwo ging es weiter.
Gegenstaende waren keine zu sehen, nicht mal ein Kelch oder ein Leuchter, Fackelhalter oder so.
Also ging er zurueck zur Abzweigung und den anderen Weg.
Was ihn wunderte,- es war alles wie blank gekehrt und sauber.

Inzwischen war oben auf dem Hof das normale Leben wach geworden-
Peter sah auf die Uhr-
Fruehstueckzeit!
Eilig ging er nach oben und kam mit einiger Verspaetung an.
Na, du hast aber lange geschlafen, schlecht getraeumt?
..fragte Norma.
Nein, ich war einem Geheimnis auf der Spur und das kann ich erst sagen, wenn ich es ergruendet habe..
Naja, grosse Buben sind nicht besser als kleine Jungs- dachte sie sich,
als sie -scheinbar gedankenversunken- Kaffee einschenkte.
Frauen lassen sich dieses Bemuttern nicht nehmen, sie fallen trotz aller Gleichberechtigung in diese Schiene immer wieder zurueck.

Diesmal futterte auch Bertram mit, da seine Frau eine Erkaeltung habe und noch schlafen wuerde,
er habe die Kinder fertig gemacht und darueber sein eigenes Essen vergessen.
Solches war auf dem Moenchshof immer drin, ein paar Broetchen wurden gerne ueberzaehlig gehalten:
Ab und an fand sich ein "Mitesser" und wenn doch mal welche blieben,
dann wurden sie getrocknet fuer Frikadellen oder Paniermehl.
Die Frauen denken immer an alles.
Versuche doch mal meine neue Heidelbeer-Marmelade, die ist besonders gut geworden.
Das lies sich Peter nicht zweimal sagen.
Bertram griff ebenfalls beherzt zu - und fragte Peter:
Wie siehst du denn auch, haben wir schon.. er war nicht zuende mit dem Satz,
als es aus dem Tuerrahmen sagte:
Karnevall?
Gundula kam um sich Marmelade zu holen.
Gelaechter, frohe Stimmung - dann riefen die Kinder:
Tschuesssssss..
Aha, Kindergarten-Zeit.
Die beiden Schrauber, Jan und Tim kamen kurz vorbei-
im Overall und schauten sich nach Resten des Fruehstuecks um.
Norma meinte: Hier stehen noch Broetchen und frische Leberwurst, - hier ein Messer.
Sie wusste, dass jungen Maenner niemals satt werden, besonders dann nicht,
wenn sie gut in Arbeit oder Training standen.
Die beiden hatten mit wenigen Bissen die Broetchen verschlungen und trafen mit vollen Backen auf Kurt,
der noch ganz verschlafen aussah:
Hmgrf !
Wie bitte? Ach so, das war ein "guten Morgen", grinste er.
Meine Guete, das war eine Nacht, ich habe getraeumt, dass der Peter verschuettet gegangen ist und ich ihn suchen musste.
Ausserdem habe ich noch lange an der alten Rathausuhr-Mechanik geschraubt, es ist spaet geworden.
Ich esse geschwind eine Kleinigkeit und lege mich gleich wieder hin.
Der Peter wirkte betroffen, sagte aber nichts.

Nach dem Fruehstueck meinte er nur:
So, das war wunderbar, doch nun lockt das Gewerk..
Dankeschoen und bis nachher im Garten!
Lass dir Zeit, wir sind alle nicht mehr die Juengsten, rief Norma hinterher.

Peter ging unauffaellig wieder hinab in den Keller, von dort in den tiefen Keller, durch den geheimen Fass-Durchgang
den Felsengang bis das Mauerwerk kam, dann links ab- dort wo der Kreidepfeil auf den Boden gemalt ist.
Dieser Gang war enger als der nach rechts fuehrende.
Irgendwie geht der leicht im Bogen links, dachte er sich, als ein paar Treppenstufen nach unten fuehrten.
Auch hier war alles sauber und gemauert.
Die Kurvenkruemmung wurde beibehalten, selbst in den Stufen und Absaetzen-
er dachte nach- eigentlich muesste ich unter dem gepflasterten Hof sein..
bald traf er auf eine weitere Halle mit gemauerten viereckigen Saeulen, wo ueberall Fackelhalter angebracht waren,
die nicht mal verrostet waren- vermutlich sind die nicht aus Eisen, dachte er sich,
sonst haette man Rostspuren sehen muessen.
Hier waren keine gemauerten Sitze, sondern gemauerte Rundboegen, die in kleinere Kammern fuehrten -
es werden wohl ein dutzend sein, das war im Schein der Lampe nicht gleich zu sehen.
Die Kammern waren alle gleich, mit einem verfallenen Bettgestell und Stuhl und Tisch ausgestattet.
Seltsam ist es hier, das spuerte er sofort.
Hier war wohl Endstation der Reise?
Er suchte nochmal rundherum in dem rechteckigen Saeulenraum alles ab- nirgendwo ein weiterer Gang, nur Kammern.
Auf der gesamten Anlage war kein Schacht nach oben zu sehen, durch den Luft stroemen koennte,
einen Wetterschacht, wie man im Grubenbau sagte.

Langsam ging er wieder zurueck an das Tageslicht, die ganze Zeit darueber gruebelnd,
was das wohl fuer eine Anlage gewesen sein mag.
Oben angekommen, machte er sich daran, Fackeln zu basteln,
ein paar waren noch aus seiner Zeit als freiwilliger Feuerwehr-Mann uebrig.
Er tat so, als waere nichts gewesen und ging dann seinem Gewerk nach.
Als am Abend die Ruhe einkehrte, lies er die Katze aus dem Sack:
"Wer will eine Fuehrung mitmachen?"
Wie, welche Fuehrung?
Nun - es geht in den Untergrund - wer hat den Mut und kommt mit mir?
Die Augen der Bewohner waren schon recht muede, deshalb gingen nur Ulrich, Rosa, Benni und Jan mit -
Wo fuehrst du uns hin, willst du uns besoffen machen, hier im Keller bei den Faessern?
Ach was, es geht weiter nach unten- hier durch die Klappe die steilen Stiegen hinab-
bitte gut aufpassen, hier ist es rutschig!
Langsam stieg der Tross nach unten- hier war kein elektrisches Licht mehr,
schon wegen der Feuchtigkeit, sondern nur Petroleum-Lampen.
Sie kamen an die Stirn des alten grossen Weinfasses, wo Peter demonstrativ den versteckten Hebel betaetigte.
Oh! Ah! Ach du liebe Zeit..
Ein Tunnel!
Keine Angst, meint Peter, einen Helm habt ihr nicht noetig, hier ist alles in Ordnung, ich war erst vor kurzem..
..hier, zuendet erst einmal jeder eine Fackel an!
Unheimlich war es zumute, wie in einem Gruselfilm oder beim Kukluxklan oder wie das heisst-
Der Gang war gut 3 Meter hoch- und.. gemauert!
Die Muender standen offen, so etwas hat noch keiner der Bewohner gesehen, nicht mal im Museum.
Im Schein der Fackeln war alles noch viel unheimlicher,
als sie in die "Kapelle" kamen, mit der grossen seltsamen Steinfigur in der Mitte.
Diese Figur kannte keiner der Anwesenden.
"Irgendwie heidnisch, eine Goettin" meinte Norma.
Heidnisch war alles, als die Kirche Fuss gefasst hat, sagte Ulrich,-
vermutlich wird man nach der Kirche auch von heidnischen Goetzen sprechen,
wenn man die Christusfigur sieht..
Als sie den Gang zurueck bis zur Abzweigung gingen, dachte jeder- na,
das war ein hochinteressantes Ding, was uns der Peter da gezeigt hat.
Nun ging es aber nochmal weiter, den linken Gang, wie er ihn nannte.
Wieso dieser kurvig verlief, war jedem aufgefallen, aber freilich nicht klar.
Und dann erst dieser grosse viereckige Raum mit den viereckigen Saeulen und den 12 Kammern..
Die Zahl 12 deutet eigentlich auf die Apostel hin - oder ist da noch ein weiterer Gang in einer der Kammern?
Jan hatte wohl gut geraten - tatsaechlich war ein schmaler hoher Durchlass in einer Ecke einer Kammer,
die weiter in die Dunkelheit fuehrte.
Peter fuehlte sich verantwortlich und rief- halt, da war ich noch nicht drin,
ich will erst mal vorsichtig erkunden,
schliesslich habe ich den Helm und die Stiefel und die starke Stablampe dabei.
Dieser Gang war in der gleichen Weise gearbeitet, fuehrte aber nach gut 30 Meter zu einem Schuttberg,
hier war etwas zugeschuettet worden.
Staunend und kopfschuettelnd gingen die Besucher zurueck durch die Keller und auf den Hof- die Sonne blendete wie nie zuvor.
Was nun? Muessen oder sollten wir das den Behoerden melden, meinte Ulrich.
Wo die Behoerden uns so wohl gesonnen waren, meinte Rosa.
Wenn erst einmal die hochnaesigen Studierten die Sache an sich gerissen haben,
koennen wir einpacken, meinte Jan.
Nach und nach bekamen alle Bewohner des Moenchshofs dieses Geheimnis gezeigt,
bevor man die grosse Ratsversammlung einberief.

Peter sagte als erster etwas: Die Zahl 12 stimmt nicht,
da von innen des letzten Saales der gemauerte Bogen genau so ausschaute,
wie die anderen 12 Boegen, dort, wo wir in den Raum kamen.
Irgenwo habe ich gelesen, dass die Zahl 13 eine germanische Glueckszahl gewesen sein soll- in irgendeinem Roman stand da einmal etwas..
..das Mauerwerk schaut auch viel aelter aus, als das in den Kirchen und Kloestern zu sehen ist.
Jeder wusste etwas und doch nichts.
Alle waren sich einig: Das ist ein Fall fuer echte Fachleute, Laien sind damit ueberfordert.
Aber, so der Einwand von Rosa, aber: Wenn die Archaeologen etwas finden,
brauchst du nichts mehr anzubauen, die wuehlen alles um,
reissen den Hof auf und suchen ueberall herum, der Betrieb auf dem Hof wuerde zum Erliegen kommen.
Klar, meinte Ulrich, das kann passieren - aber wir wuerden sehr bekannt werden, so wie mir das ausschaut.
Zu sagen haetten wir garantiert nichts mehr, das duerfte klar sein, fuhr er fort.
Nun wurde noch ein wenig hin und her ueberlegt und diskutiert, -
zu einem gemeinsamen Nenner ist man nicht gekommen und hat erst einmal vertagt.

Wie auch immer, man beschloss erst einmal "Gras ueber die Sache wachsen zu lassen".
Theodor und Gundula sind danach ein paar Tage verschwunden gewesen.
Hinter der letztgebauten Scheune, ein Stueckchen im Wald, kam ein Sparten aus der Erde..
Theodor - was ganz und gar ungewoehnlich war,
hat sich als Grabungsarbeiter betaetigt und zusammen mit seiner Frau,
was mindestens genau so ungewoehnlich war, den schmalen Gang ausgeschachtet und ueberall die gleichen Mauern,
statt rohen Fels oder Erde vorgefunden.
Dieser Gang muendete als Fluchweg, wurde wohl hastig zugeschuettet und nicht zugemauert.
Den Erdaushub haben die Beiden auf dem Parkplatz in einer Ecke aufgetuermt,
falls sich darin irgendwelche Spuren befinden, die das Alter der Anlage bestimmen helfen koennten.
Bis auf eine Tonscherbe, die wohl mal ein Trinkgefaess war,
haben die beiden heimlichen Graeber nichts gefunden,
obwohl sie alles ganz gewissenhaft untersucht haben,- kein Metall-Teil oder Holzstueck oder Tuch,
eben nur diese Scherbe.
Diese Scherbe zeigten sie dem Ulrich, der einen Kommilitonen der Archaeologie als Freund hatte- gut,
das ist frueher gewesen,
ob der Gute heute noch an solchen Sachen interessiert ist, weiss ich nicht.. kam seine Antwort,
ich will sehen, ob ich diesen dazu befragen kann.

Unterdessen wurde von allen Bewohnern der neue Gang bewundert.
Da das ganze Moenchshof-Grundstueck nicht eingezaeunt war,
hat der Benni geschwind ein eisernes Gitter davor gesetzt und dieses fest verankert und verschlossen,
ein Schild daran gehaengt:
"Fledermaeuse, betreten verboten".
Er dachte sich, das wirkt immer.
Nun konnte schon mal kein ungebetener Besucher unbemerkt durch die Keller ins Haus schleichen.
Ulrich hat telefonisch nachgeforscht und erfahren, dass der Archaeologe noch aktiv ist und sich der Forschung widmet.
Ein Termin wurde ausgemacht, wo Ulrich die Scherbe an einem neutralen Ort praesentieren wollte.
In einem Cafe am See, das zu dieser Stunde kaum besucht war, konnte man in aller Ruhe fachsimpeln.
Er begutachtete das Stueck ganz genau, sprach etwas von "im Stil der Badorfer Keramik aber mit modernerer Glasur,
sicher eher um das Jahr 1000 herum, vermutlich ottonisch
Weiter meinte er: "Ich wuerde mir gerne mal den Fundort ansehen, um das genauer bestimmen zu koennen."
Ulrich druckste herum, wir wissen nicht, ob das so eine gute Idee ist,
dann kommen so viele Archaeologen und staatliche Bevormunder,
dass wir nicht mehr Herr unserer selbst sein werden..
"Das war einmal, heute geht man sorgsamer mit diesen Fundorten um,
nicht nur die Grabungen sind ruecksichtsvoller,
auch der Umgang mit den evtl. Grundstueckseigentuemern."
Ulrich schwieg oder ueberlegte, als der Kollege zum naechsten Satz anhob:
Auf alle Faelle sollte man ausschliessen, dass da nicht noch mehr zu finden ist-
die ganze Menschheit hat ein Recht darauf zu erfahren, was in der Vergangenheit in unserem Land war.
"ja ja, schon, aber.."
Ach was, lass mich mal machen,
ich kann am Sonntag mal vorbei kommen und den ersten Blick riskieren- wenn man einverstanden ist.
"Ich rufe Dich heute noch an"

Das hat Ulrich getreulich den anderen Bewohnern erzaehlt - es waren alle einverstanden mit der anonymen Untersuchung.
So rief er beim Freund an: Es geht, aber nur, wenn das anonym durchgefuehrt wird.

Der Sonntag kam und ungelaublich frueh der Freund, der wohl neugierig genug geworden -
noch vor dem Fruehstueck musste der Peter den Dr. Podollsky durch die Keller fuehren und diesen mit Lichtern begleiten.
Sein Staunen war spuerbar, auch wenn er das zu verbergen suchte-
nur ab und zu stammelte er ein "unglaublich" oder "oh weh!" in die Halle.
"Wie konnte das so lange verborgen bleiben?"
Ich weiss es nicht, meinte Peter, mein Vater hat immer nur gesagt,
dort ist wohl Erz abgebaut worden, nach ein paar Metern ist hinten eine Wand,
vermutlich ist dort alles eingestuerzt.
Was er nicht gesagt hat, so Peter weiter, dass sein Vater dort schon bis zu dieser Wand gegraben hat.
Hinter dieser Wand, die schlampig und wohl eilig gebaut worden war, befand sich dieses sehr aufgeraeumte Gewoelbe.
Davon hat er nie etwas erzaehlt- warum, kann ich nicht sagen.
Diese Statue ist wohl Freya oder Hulda - letztere hat man auch Frau Holle genannt-
ob Goettin des Herdes oder der Fruchbarkeit- es handelt sich um einen germanischen Goetzenkult..
"Goettin, Goetzenkult?" Ulrich hatte sich dazu gesellt und sagte:
Vor der Christianisierung war das kein "Goetzenkult", sondern Religion,
erst der christl. Glaube hat mit aller Gewalt alles ueberbaut,
was an alten Kulten zu finden war..
Ja, meinte der Doktor, das stimmt freilich, vermutlich hat sich ein geheimer Kult hier unten bewahrt,
obwohl oben an der Oberflaeche alles zwangschristianisiert wurde, durchgesetzt durch die Fuersten,
die den Untertanen ihre neue Religion aufdrueckten.
Er sprach nun wie ein Buch: Ich werde der Sache auf den Grund gehen und herum hoeren,
ob in dieser Zeit in dieser Gegend entsprechende Aktivitaeten gegeben hat.
Bitte nun nichts mehr in dieser Sache graben oder raeumen, ich muss erst ganz sicher sein,
dass da nicht noch mehr ist.
Damals hat man versteckte Fallgruben und aehnlich Ueberraschungen eingebaut- es ist also nicht ganz ungefaehrlich,
hier zu suchen, wenn man nicht ganz genau weiss, aus welcher Zeit und fuer welchen Zweck..

Er verbrachte den ganzen Tag in der Anlage, rief daheim an, nahm sich frei -
angeblich wegen Unpaesslichkeit, wie Rosa mithoeren konnte.
Er kam nur zum Essen nach oben - und ist schnell wieder mit div. kleinen Geraeten dort unten verschwunden.
"Schlaeft der dort unten?" meinte Norma.
Nee, sagte Peter, der wohnt in einem der Dachstuben, dort habe ich ihn eingewiesen -
man sieht ihn eben nie, weil er morgens extrem frueh und abends extrem spaet ist.
Die Tage vergingen, ab und an kam der Dr. Podollsky nach oben um im Internet zu recherchieren -
unten war kein Emfang fuer sein Smartphone.
Dann - beim Abschied - sagte er: Ich habe ein paar Proben genommen, weil das Alter der Steine und die Art,
wie diese behauen sind, nicht ganz klar ist.
Ich rufe auf alle Faelle an, wenn das untersucht ist.
Bis dahin bitte nicht mehr in diese Raeume gehen.

14 Tage vergingen, als der Anruf kam:
Auf euerem Gelaende war einmal ein Kloster, nach dem diese Gemarkung benannt ist.
Das ist meistens so, dass man nur durch solche "etymologischen Zusammenhaenge" etwas ueber die Urspruenge
von Sprache und auch evtl. verborgene archaeologisch interessanten Dinge erfahren kann.
In den letzten Jahren hat man zwar auch dieses Gebiet ueberflogen und mit den speziellen Kameras
nach Mauerresten unter den Aeckern gesucht,
aber nichts gefunden.
Bei dieser Anlage waere das auch nicht zu sehen gewesen, die ist unter dem Fels verbaut.
Die Untersuchungen der Steine habe ein Alter von gut tausend Jahren ergeben,
vor welchen die bearbeitet sein mussten -
kleine Spuren von Steinhaemmern, die man damals einsetzte, sind zur Genuege vorhanden.
Die Statue ist noch sehr viel aelter, vermutlich handelt es sich um ein Fundstueck,
das einmal im Freien aufgestellt gewesen sein muss.
Ich habe Pollen in den Rillen gefunden, die - nach der Radiokarbonmethode -
aus der Zeit des Hulda, Holle Kultes stammen wird,
also locker nochmal tausend Jahre aelter sein wird.
So genau kann man das nicht sagen, weil die Fundstuecke zu klein waren - evtl. kam die Statue auch spaeter erst in diese Halle.
Um die Statue war auf jeden Fall ein Wasserbecken, was meinen Verdacht erhaerten wuerde.
"Was soll diese Anlage bedeuten, wenn oben drauf ein Kloster gewesen sein soll?" meine Ulrich.
Nun, meinte der Freund, vermutlich hat man nach aussen hin fromm getan
und unten drunter weiter heimlich dem alten Kult gehuldigt..
..allemal eine sehr interessante Sache, die wohl eher nicht so selten ist.
Ich komme bald mit zwei Kollegen vorbei, wenn es euch recht ist- die sind Spezialisten fuer Mauerwerke.
"Ok, ist recht, aber bitte.."
..ist schon klar, wie machen keinen Wind um die Sache, bis alles geklaert ist-
wir sind schon aus Eigennutz daran interessiert,
dass nichts zu frueh an die Oeffentlichkeit gelangt-
die beiden sind angehende Doktoranten, die noch kein Thema haben.

Die Aktivitaeten des Hofes gingen weiter, als waere nichts geschehen und bald dachte keiner mehr daran,
als unverhofft ein VW Bus auf dem Parkplatz stand und ein paar Maenner mit seltsamer Montur und Geraetschaften ausstiegen.
Die Kinder riefen: "Mama, Mondmenschen"!
Der Hund war knurrig drauf und so sind die Leute geschwind wieder in das Fahrzeug geklettert-
als das Telefon beim Ulrich in der Praxis klingelt:
Ruf doch bitte den Zerberus zurueck, der haette uns fast erwischt!
Der Hund wurde zurueck gerufen und im Beisein von Norma schnuffelte er an den Fremdlingen herum-
so merken sich Hunde, wenn der Besucher von Herrchen oder Frauchen als "ok" verifiziert wurde.
Die Leute gingen sofort an die Arbeit.
Nach dem ersten Tag war klar:
Der Zugang vom Keller sollte zugemauert werden, dann konnte das eine vom anderen getrennt sein,
der Zugang von der Waldecke hinter der neuen Scheune war ja mit einer stabilen Tuer mit Schloss zugaengig,
dann brauchte man nicht immer durch den ganzen Hof und durch beide Keller stiefeln.

Peter mauerte den Durchgang zu- fuer ihn kein Thema, genug Steine lagen noch in der alten Scheune,
dort wollte er frueher einmal eine Zwischenwand einziehen- endlich konnte er diese gebrauchen
und "zweckdienlich" einsetzen, wie er das in seiner Bauernart nannte.
Die Wand war schnell hochgezogen und gut gesichert, die alte Fass-Fassade kam wieder davor und fertig.

Es kam heraus, dass das alte Kloster exakt die Umrisse des Bauernhauses hatte,
deshalb auch die beiden Keller- und der Scheune.
Es war nur ein ganz kleines, unbedeutendes Kloster, das auch nicht lange bestanden haben soll.
Spaeter wurde das Gelaende und die Gebaeude verpachtet,
nachdem diese Liegenschaft ueber das Fuerstenhaus an der Land gefallen war.
Peters Grossvater hat die ganze Anlage gekauft- fuer "billiges Geld", wie in der Familie ueberliefert war,
es galt als ein "armes Landstueck, von dem keiner reich werden konnte".

Die alte Ruhe kehrte wieder ein, nur am VW-Bus sah man, dass die Leute wieder aktiv waren.
Ob man nun diese Kultstaette als wichtig oder unwichtig einstufen wuerde,
war den Moenchshoflern eigentlich ziemlich egal.
Sie wurden davon eigentlich auch nicht beruehrt, weil an der Oberflaeche des Grundstueckes nichts,
aber auch rein gar nichts auf etwas Spektakulaeres hinwies.
Von der kleinen Landstrasse aus war diese Ecke des Grundstuecks nicht, wohl aber vom nahen Parkplatz zugaenglich.
Auf das eigentliche Hofgrundstueck musste niemand kommen, der mit dieser geheimnisvollen Sache betraut war.
Bald kamen auch andere Fahrzeuge an, andere Leute und die Presse hat auch Wind davon bekommen..
..die beiden Doktoranten hatten ihr Thema, das war schon mal klar und auch gut so.
Ulrichs Freund beteuerte, kein Sterbenswoertchen gesagt zu haben und auch die beiden jungen Maenner
haetten kein Interesse gehabt, hier etwas oeffentlich zu machen.
Die Sache kam von ganz woanders her, evtl. vom Labor, mutmasste er.

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und da muessen wir durch,-
wir schliessen auf alle Faelle gut ab und da es -nach wie vor-
euer Privatgrundstueck ist, hat da auch niemand was zu suchen.
Ihr Wort in Gottes Gehoergang, meinte Peter, der das mitbekommen hatte.
Gut, dass ich die Mauer besonders fest gemacht habe- da kommt keiner rein !

Bald wurden Bilder in der Zeitung veroeffentlicht, die Rundschau war da und brachte eine Sondersendung,
der Buergermeister und die Gemeindeverwaltung tauchte auf,
mied aber beim Besuch dieser Anlage den Besuch auf dem Moenchshof selbst..
Jeder wollte ein wenig von der Sonne dieser Entdeckung fuer sich mitnehmen,
um noch ein wenig bekannter zu werden und wichtiger erscheinen..
"Tausend Jahre altes Geheimnis der schwarzen Moenche" oder "Was trieben die schwarzen Brueder im Geheimen?"
waren die Schlagzeilen.
Schlag-Zeilen ist wohl ein gutes Wort fuer diesen Mist, so brummte Peter.

Die Sache nahm weiter Gestalt an, verschiedene Institute und Universiaeten haben sich mit dieser Sache befasst,
den Denkmalschutz hat das wohl kalt gelassen, kann sein, dass diese Leute in in ein paar Jahre wach werden..
meinte Ulrich, man kennt das ja.
Die Statue hat man im Museum untersucht und geroentgt, dabei kam heraus,
dass das Ding hohl war und Schriftrollen enthielt.
Diese Schriftrollen wurden gesichert und kopiert, die Statue ebenso - die Kopien kamen zurueck in die Hoehle des Moenchshofs.
Fuer einen evtl. Publikumsverkehr war dem Amt die Statue doch zu selten und unersetzlich gewesen,
als dass man das Original wieder dorthin verbracht haette.
Die Leute auf dem Hof wurden weder gefragt noch informiert- das nennt man heute Demokratie.
Der Freund Ulrichs hatte dafuer nur eine Erklaerung:
Die Fakultaeten koennen sich einen Fehlschlag oder gar Verlust nicht leisten.
Ihr habt ja keine Nachteile, weil die Kopie mittels Laserverfahren exakt dem Original entspricht -
es wurde aus einem Kunstquarz heraus gelasert.
Die kopierten Dokumente sind auf haltbarem, saeurefreien Papier versiegelt in der Kopie untergebracht.
Auf CD haben wir fuer euch eine PDF - Datei mit den Seiten dabei gelegt.
(So muss niemand versuchen an die Dokumente und deren Inhalt zu gelangen)
Wir wollen, dass das so bleibt.

Bald wurde ein gemeinsamer "Dia-Abend" mit allen Hofbewohnern gemacht,
als die Erklaer-Baeren wieder abgezogen waren.
Salzgebaeck, Sprudel und Wein, gemuetlich bereit gehalten, ging es los..
Der damalige Fuerst und sein Bruder hatten eine kleine Abtei
fuer die "ueberzaehligen" Adelsfraeulein gegruendet, mit dem Segen der Kirche,
der immer an frommen Aktivitaeten gelegen war- und besonders dann, wenn Spenden geflossen sind.
Sehr erfolgreich schien das Kloster nicht gewesen zu sein,
denn nach nur einer Generation schlief es ein und wurde als Domaine verpachtet.
Selbst fuer eine Domaine war der Hof zu gering im Ertrag.
Als die kleinen Fuerstentuemer aufgeloest wurden, ging der Hof -unter ferner liefen- an das Land.
Auch das Land brauchte Geld und so wurde der Hof verkauft an den naechstenbesten, der es haben und bezahlen konnte.
Soweit kam jeder klar- aber dann kamen die alten Pergamente
- zumindest deren digitale Kopien- aus denen seltsame Sachen
auf die Zuseher eindrangen:
Wir haben das Kloster im Jahr 1759 gegruendet und eines Tages beim Graben nach Silber und Kupfer einen Gang entdeckt,
der eine heidnische Goettin in einer Art Kapelle behinhaltete, die wohl schon lange vor unsererem Kloster vorhanden war.
Dieses Kloster wurde auf zwei alten, uebereinanderliegenden Kellergeschossen errichtet.
Alte Leute berichteten uns, dass der Fuerst, als nur die Kellerruinen standen,
bereits regelmaessig dort gewesen sein soll
und ploetzlich "wie vom Erdboden verschluckt" weg gewesen sein soll.
Nach Stunden soll er -ebenso ploetzlich- wieder da gewesen sein, an einer ganz anderen Stelle.
Aus vertraulichen Kreisen hat unsere Bruderschaft erfahren,
dass in den fuerstlichen Archiven von einer heidnischen Statue die Rede gewesen sein soll,
die die Geheimnisse der Menschheit wissen soll..
Nun kam Peter dazwischen: Die meinten wohl, beinhalten soll und nicht wissen soll..
Psst!
Jaja, ist ja gut.
Wir halten es fuer angemessen, der Nachwelt von unserem Fund
in der ebenso verdeckten Art und Weise dieses Pergament zufuegen zu muessen,
damit die nachfolgenden Dokumente, die am besten verborgen bleiben, deutlicher werden.
Einer der Vorvaeter des Fuersten haben diese Statue beim Ackerbau gefunden und vor den kirchlichen Eiferern verborgen.
Trotz des Lippenbekenntnisses zum Christentum,
sind sie heimlich weiter zur alten Goettin gegangen und haben dieser gehuldigt.
Um die Statue war ein lehmgemauertes Wasserbecken, das von ihr geweiht die Heiligkeit weiter tragen sollte.
Aus welcher Zeit diese Statue stammt, weiss keiner nach unserem Wissen und Gewissen.
Viele von diesen Statuen hat man damals gefunden
und durch die Steinmetze in Christus - und Marienstatuen umgehauen.
Diese heimliche Kapelle jedoch war zu verborgen um entdeckt zu werden.
Wir gruessen alle Brueder in Christo und alle Schwestern Marias, Amen.

Rosa: Das ist ja ein starker Tobak, das muss man sagen!
Sie sprach wohl allen aus der Seele.
Und was jetzt, fragt Gundula..
Wir werden erfahren, was die Behoerden damit vorhaben -
allen voran wird wohl der Gemeinde das Recht zugesprochen werden,
darueber zu entscheiden, meinte Theodor.
Und so kam es denn auch.
Zwischen der Strasse und dem linksseitigen Teil an der Zufahrt zu Hof wurde ein Parkplatz angelegt,
damit Besucher dort ihren Wagen abstellen konnten.
Das Gitter hat man heraus getrennt und "entsorgt", ein anderes Tor kam davor und das war abgeschlossen.
Der Schluessel war wohl in der Gemeindeverwaltung.
Bald kam ein behoerdliches Schreiben vom Landratsamt:
An die Eigentuemer des Moenchshofs.
Wir haben die Parzelle mit der Grotte und deren Nutzungsrechte
unter ihrem Grundstueck als Gemeindeeigentum ueberfuehrt.
Sie erhalten als Ausgleich ausgedehnte Erweiterungen rund um die Erhebungen,
die auf der Hoehe ihr Grundstueck abgrenzen.
Nunmehr befinden sich die flachen Huegelumgebungen zum Moenchshof -
der mit Krueppelwald bewachsen ist -
zu diesem gehoerig.
Ein entsprechender Grundbuchauszug geht ihnen zu.
Im Uebrigen ist es ihnen strikt untersagt, den zugemauerten Zugang
aus dem tiefen Keller zur Grotte zu entfernen oder anderweitig zu versuchen,
in diese zu gelangen.
..gesehen und genehmigt:
xxx, Oberamtsrat

Die Bewohner waren fertig mit der Welt, wie man so schoen sagt- bis endlich jemand das Schweigen brach:
Gut, das sind 100mtr von 300mtr Strassenanliegerfront, fuenfzig Meter in den Grund hinein,
das koennen wir verkraften. Ansonsten wird ja keine Nutzung beschraenkt,
kein Gebaeude ist betroffen, es ist ja nur Gestruepp gewesen..
Theodor und Gundula sahen auch keinen Grund dagegen anzugehen,
was auch recht aussichtslos sein duerfte-
zu viele vorgesetzte Dienststellen der Verwaltungen waren daran beteiligt.
Die Gemeindeverwaltung mahnte zur Vorsicht,
weil die Moenchshofler "gerne prozessieren, was teuer werden kann".
Das erweiterte Gelaende brachte einen Zuwachs von gut 4000 x 100 Meter, weil rund um gemessen werden muss-
von "wertvollem Land" konnte keine Rede sein, es war steinig und wenig humusreich,
es wuchsen nur krumme Baeume darauf - es wollte zuvor schon keiner haben..
Nun schnell unterschreiben, meinte Theodor, bevor die es sich anders ueberlegen!
Diesmal ging das Schreiben per Boten direkt ans Landratsamt,
wo auch gleich die neuen Grundbuchauszuege abgeholt wurden.

Norma und Benni stoerten sich an dem Ton, den die Behoerde angeschlagen hat.
Aber das ist wohl eher subjektiv, wie die jungen Schrauber meinten.
Wie auch immer, uns braucht das nicht zu stoeren, meint Peter-
wer braucht schon eine Heilige oder Goetzin oder wie auch immer?
Die Gemeinde hat das Ding ruhen lassen, es wurde nie irgendwo publik gemacht,
es ist auch auf der Gemeindehomepage oder in den Reisefuehrern nie erwaehnt worden.
Die CD wurde auf dem Hof vervielfaeltigt, damit jeder ein Exemplar sein eigen nennen konnte.
Damit war die Sache wohl abgehakt.

Eines Tags meldete sich ein "Exorzist", der sich dort umsehen wollte auf dem Hof.
Nachdem er vom Hund verbellt wurde, wurde er von Gundula "behandelt":
"Ich geb ihnen gleich "Exerzitien" auf die Ohren, sie Spitzbube - hauen sie ab, sonst setzt es was"
Die jungen Schrauber machten gerade zu viert Pause und bekamen das Geschrei mit und lachten sich krumm-
so kannte man die feine Frau Anwalt nicht!

Man hat nie wieder von dieser Sache gehoert,
keiner kuemmerte sich mehr darum und ging seiner eigenen Wege des taeglichen Krams.
Die himmlische Ruhe kam endlich wieder.

Was aus den vier Freunden geworden ist, fragt ihr?
Nun, sie sind nach und nach verstorben und haben ihre Anteile
- abzueglich des Pflichtanteils an ihre leiblichen Kinder -
an die Nachruecker des Moenchshofs vererbt.
Die vier Kinder vom Hof sind irgendwann selbst Eltern geworden und sind -
unter gleichen Bedingungen - auf dem Hof zusammen geblieben,
die diese vier Freunde gegruendet haben.
Dieser Fond war immer "heilig" gehalten worden und blieb ueber Generationen hinweg -
wo das Fondvermoegen versteckt war, hat keiner verraten brauchen:
Es war in Mietwohnungen mit bester Autobahnanbindung angelegt- und hat gute Ertraege gebracht,
die allen ein ruhiges Leben garantiert haben.
Einen eigenen Anwalt hat die Gemeinschaft in Gestalt des kleinen Willie bekommen,
der eine gutgehende Praxis mit seiner Frau - uebrigens einer Enkelin des ehemaligen Buergermeisters - betrieb.
Bella und ihr Mann, ein junger Bauer aus dem Dorf, der von seinem aelteren Bruder ausbezahlt wurde,
haben den Hof bewirtschaftet.
Die Werkstatt blieb allemal durch Kurt und seine Frau aus dem Hause von Bertram und Lori erhalten,
Rosaria hat einen der Soehne aus gleichem Hause geheiratet.
Kinder folgten in gewohnter Weise auf dem Hof- nicht nur, damit der Moenchshof weiter Bestand haben sollte..
Die Baeume und Bienenvoelker und das Gewaechshaus haben lange lange durchgehalten,
bevor sie erneuert werden mussten.
Grosse Spruenge hat man nie machen wollen, ist immer bescheiden geblieben und badete
wie frueher im Fischweier, statt in Urlaub zu fliegen..

***

Ende.


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Hartmut und Thea, Sparkassenmensch und Verwaltungsangestellte.
Benni und Norma, Metaller und Hausfrau.
Ulrich der Medizinmann und Rosa die Erzieherin
und Peter, der Witwer und Bauer.
Willi der Anwalt ( t )
Tim und Usch mit Bella, Rosaria und Kurt die Kinder-
und Jan und Petra die Autoschlosser mit dem kleinen Willie..
Theodor von Guetelshausen, Fachanwalt fuer Kommunalrecht. Seine Frau Gundula, desgleichen Gefachs.
Kurt, der Uhrmacher.
Bertram, der Schlosser, mit seiner Braut Lori, im Dorf wohnhaft.



Stadtchronikel 4

Pompeji !

Wie die Auswahl der Staedte zeigt, ist mir die Lage und Zeit der Geschehnisse egal- es geht um das Leben in den Staedten und da ist mir jeder Vergleich recht.

Pompeji war eine Provinzstadt, wohl nicht bedeutend, aber mit feinen Villen und entsprechender Infrastruktur. Hier zog sich der zurueck, welcher sein Geld in Rom gemacht hatte oder noch tat.
Man koennte es heute eine typische "Speckguertelstadt" nennen, die ihre Bediensteten in der Naehe haben wollte und deshalb Profanbauten duldete.

Im Jahr 62 war die Stadt das Epizentrum eines schweren Bebens. Unverstaendlicherweise hat man die div. Schutzheiligtuemer beim spaeteren Wiederaufbau wieder errichtet, die Sache war noch nicht ganz fertig, die Waende noch ohne Verputz, die man aus den Truemmern muehsam wieder errichtete oder errichten lies. Heute wuerden man zu diesen Verfahren "Recycling" sagen.

Das Werk von Robert Etienne "Pompeji - Das Leben in einer antiken Stadt" aus dem Jahr 1978 stand mir bei dieser Ausarbeitung Pate. Hier ist alles nochmal ausfuehrlicher erzaehlt - waehrend ich mich auf die "kleinen Leute" beziehen moechte, die in der Geschichtsschreibung immer zu kurz kommen.

17 Jahre nach diesem Beben hatte man das Wasserleitungssystem wieder in der Reihe, die alten samnitischen Brunnen wurden ueberfluessig, die bis dahin die Bewohner durch die Krise retteten. Die Haeuser der Reichen standen schneller wieder, als die der einfachen Leute, die entweder verschuettet wurden oder ausgewandert sind oder das Geld nicht hatten, um neu aufbauen zu koennen.

Dann kam das Leichentuch des Vesuv-Ausbruchs obwohl man an die von den Goettern garantierte Zukunft glaubte..
Nach den Berichten des Plinius haben sich die Leute Kissen auf die Koepfe gebunden, um von dem Steinregen keine Verletzung zu bekommen. Das Meer wich zurueck, der Himmel verfinsterte sich in Gestalt einer Pinie - der Steinstopfen des Vulkans wurde herausgeschleudert, Asche und Steinregen prasselte herab, der Berghang zeigte Risse, aus welchen Lava floss. 3 Tage spaeter war die Stadt tot. Aus den in Bims eingeschlossenen Ungluecklichen hat man spaeter Gipsabdruecke gemacht, die sogar die Mimik oder Gesichtszuege der Opfer zeigten. Jeder war in seiner gerade ausgeuebten Taetigkeit oder Fluchtsituation eingeschlossen und erstickt an den Rauchgasen. Viele hatten das Familienvermoegen an Schmuck und Geld retten wollen, ihre Kinder und Alten. Herculaneum, der benachbare Ort war vom Erdboden verschwunden. 4mtr dick lag die Asche auf der Umgebung - spaeter versuchte der roem. Senat die Goetter Pompejis zu bergen um die in Rom aufzustellen. Im Jahr 1631 kam der naechste Ausbruch, von dem 40.000 Menschen fluechten konnten. Dann kamen mal oesterr. mal spanische, mal franzoesische Despoten auf den Gedanken, die besetzten Gebiete Italiens zum Grabraeubern zu nutzen. 1707 ein kleiner, 1767 ein grosser neuer Ausbruch des Vesuv.

Pluenderer kamen, mal staatliche mal private, die nach Schaetzen suchten - diese waren nicht an archaeologischen Grabungen interessiert. Bis 1860 hielt dieser Raubbau an. Dann erst begann ein wissenschaftlich - systematischer Grabungsprozess.

Die neue Form der Grabungen um 1876 hat alles katalogisiert, auch Profan-Funde, wie Koerbe mit Gemuese, Balkone, Brot in den Baeckeroefen, Keller und oeffentliche Badehaeuser. Ansonsten war Pompeji - wie schon erwaehnt - so wohlhabend, dass Gladiatorenschulen, Theater, Weinkeller, Impluvien, Dekorsaeulen, Nekropolen mit wertvoller Ausstattung und Villen oder Landsitze hatte.. das oeffentliche Leben war vom Dienen und Herrschen bestimmt, wobei die einfachen Leute - wie heute wieder - mit dem stillen Dienen in privaten Villen zugange waren. Das oeffentliche Leben wurde von den Lebenszyklen der Wohlhabenden und der Goetterdienste bestimmt. Feldarbeit und Versorgung der Bevoelkerung nahm bestimmt einen groesseren Raum ein als heute.

Unter Nero war der Handel mit dem Orient offenbar bereits ueblich und nachweisbar.
Die Cumaer und Griechen, Etrusker gaben sich nach den Oskischen die Macht in die Hand- oftmals wohl nicht freiwillig, zuerst war eine oskische Siedlung da, - deren Strassenfuehrungen sich deutlich von denen der Roemer unterschied. Ein Fischer- und Bauerndorf war der Ursprung, im Kontakt mit dem italischen Stamm der Ausonen. Die Samniten waren die zweiten Bewohner nach den Samniten. Das Strassennetz der Stadt unterschied sich arg in militaerischer und ziviler Nutzung. Kurz, die militaerischen Strassen waren gerade.. und die anderen krumm. Im Jahr 91 lief der Bundesgenossenkrieg, eine Neuverteilung der Landparzellen von Rom aus brachte die Leute in heftige Aufruhr, das Land galt allemal mehr als das Haus. Die kriegerischen Samniten unterlagen jedoch und mussten sich fuegen. Im Jahr 194-206 legte man Suempfe trocken und es bekann die Brachfeld-Wirtschaft, diese Modernisierung hat gute Ertraege und Erfolge gebracht. Die Wirtschaft bluehte. Die Bewohner Pompejis sollen die Spiele ueber alles geliebt haben.

Auf dem Forum, das 38m breit und 142m lang gewesen war, konnte die Masse der Buerger zu den Beschluessen des Stadtrats Stellung nehmen und abstimmen. (Die waren weiter als wir heute!) Die Wahlen liefen mit heftiger Propagada ab, jeder Hausbesitzer, dem danach war, lies Werbung fuer seine Partei an die Hauswand malen - ganze Malertrupps waren damals unterwegs, die alten Sprueche zu entfernen, neu zu tuenchen und die neuen Sprueche anzubringen - zuweilen sogar in der Nacht, wo dann ein Laternentraeger mit einer langen Stange half. Die Grabungen ergaben, dass diese Sprueche die typisch suedlaendischen Superlativen mit sich fuehrten.

Seite 132 - die Berufsgruppen haben gerne in Einstimmigkeit fuer ihren Kanditaten geworben und wohl auch gewaehlt. Bauern, Handwerker waren extra, die waren was Besseres, die dritte Ordnung waren Trnsporteure aller Art, Parfuemhersteller und Perueckenmacher, sowie die Schuster waren am unteren Ende angesiedelt.

Die Arbeit galt aber noch was. Es gab Wahlgeschenke, Schankwirte und Bordellbetreiber warben fuer ihre Kandidaten, die Frauen dieser Leute waren oft Suffragetten, aber auch Unterstuetzer ihrer Maenner, obwohl sie weder aktives noch passives Wahlrecht hatten. Es war wohl einfacher Senator in Rom zu werden, als ein Dekurio in Pompeji - so arg aufgewuehlt lief der Wahlkampf ab. Die Wahlpropaganda an den Hauswaenden machen optisch und nach dem Schriftbild eher einen griechischen Eindruck als einen roemischen. Geschaeftsleute und Bauern mit internationalen Kontakten hatten den groessten Einfluss in der Politik, wie heute auch.

Die Fruchtbarkeit der Region war enorm, Getreide soll 2-3 x und Gemuese 4 mal geerntet worden sein - im Jahr, wohlgemerkt. Die Zwillingstraube Gemella, wuchs bis in die hoechsten Hoehen der Pappeln, die man eigens fuer diese Traube angepflanz hat. (Sicher gab es viele andere Sorten, die nur Stuetzhoelzer brauchten, wie heute) Die Erntehelfer der Gemella haben sich eine Feuerbestattung und ein Grab ausbedungen, bevor sie ihre Arbeit antraten! Die meisten Weine hatten keine Haltbarkeitsstoffe und mussierten noch leicht, sie mussten flott und moeglichst ohne Transportwege an den Konsumenten kommen. Dunkelrot und perlend und dann noch diese Hitze.. zudem hat man Weine aromatisiert, mit allen moeglichen Tricks. Weine und Oele wurden in den Landhaeusern der Grossgrundbesitzer erzeugt. Viehhaltung war -wie heute- wichtig, noch wichtiger fast war die Dung-Erzeugung, die bei allen Erzeugern und Winzern begehrt war.

Die Pompejianer liebten Kichererbseneintopf mit Speck!

Kaese war haupts. aus Kuhmilch (wohl auch mit Ziege und Schaf gemischt), Huete- und Herdenschutzhunde bewachten die Nutztiere, man nimmt an, dass Huehner die wichtigsten Fleischlieferanten waren.

Die Mehl-Mahlmuehlen waren Kunstwerke- man stelle sich einen aufrecht stehenden Kegel vor, darauf ein doppeltes Gegenstueck, das sich unten auf dem stehenden Kegel dreht, oben als Glocke auseinander geht als Trichter sozusagen. Man konnte dieses Ding umdrehen und somit doppelt so lange nutzen. Mittig waren Hoelzer in der Achse, an welche das Joch fuer den Esel kam, der immer im engen Kreis herum laufen musste.

Sogar hoelzerne Teigknete-Maschinen hat man gefunden.. fuer kleines und feines Gebaeck gab es spezielle Backoefen, fuer grobes Brot andere. Rohes Garum kam als Importware billiger aus Spanien, die hatten dort viele Makrelen - in Pompeji wurde das Garum veredelt, verbraucht, verkauft, exportiert. Das Salz dazu kam wohl aus nahen Salinen. Aus den Rueckstaenden der Garum-Produktion hat man fuer arme Leute und Sklaven "Hallex oder allec" gemacht, das auch aus Anchovis herstellt werden konnte. Strohumpflochtene Amphoren wurden extra dafuer hergestellt und auch gesondert vertrieben, wenn gewuenscht. An Grossunternehmern gab es derzeit einige Arten. Aegyptische Baumwolle und heimische Schafwolle wurden in Hausarbeit, aber auch in Manufakturen zu Stoffen gewoben. Hier kamen viele unterschiedliche Spezialisten zu Werke, die Spinnereien und Webereien und Faerbereien hatten gut zu tun, es gab sogar Umfaerber und spezielle Betriebe, die aus alten Kleidern instandgesetzte Togen machten. Eine ganze Bevoelkerungsschicht lebte vom Im- und Export. Trimalchio soll damals 30.000.000 Sesterzen verloren haben, als ein paar seiner Schiffe unter gingen. Osker und Samniten brachten diesen ausgepraegten Seehandel in die Stadt. Der Wein war wichtiges Handelsgut, aber auch Dachziegel! Die Handelsfamilien sorgten dafuer, dass in den Partner- Laendern ein paar Familienmitglieder dauerhaft stationiert waren, damit alles unter Kontrolle blieb. Dieser Umstand hat auch etwas frisches Blut gebracht - hueben und drueben. So kam der Isiskult und einige anderen Religionen in die Region, Goettinnen mit seltsamen sexuellen Anwandlungen.. Kelten waren unter den Handelsleuten gut gelitten, sie blieben laenger in Pompeji.

Allerdings war dieser Handel auch Konkurrenz fuer die heimische Produktion- waere Pompeji nicht verschuettet worden, so meint der Autor des Buches, waere es bald sowieso bankrott gegangen. Bis dahin bluete der Wollhandel und jeder versuchte seinen Reichtum zu zeigen. Abzueglich der Bearbeitung und den Maklergebuehren wurden die Steuern gleich verrechnet, alles wurde genau auf Wachstaefelchen festgehalten. So eine Art "Pay-Paypal" - die Geldhaeuser gaben zeitgleich Kredite oder finanzierten eine geschaeftlich Transaktion vor..

Juedische und Phrygische Orientalen zogen zu, die ersteren hatten selbst beim Garum nochmal eine Extrawurst, wie beide Gruppen je eine eigene Religionsgemeinde gruendeten, die aus Arabien, die Syrer, Leute aus Tyrus, aus dem Libanon oder Palmyra wohl nicht.
Roms Gutbesitzer, meistens Aristokraten- haben Zweigstellen in Pompeji und der ganzen Gegend unterhalten und ueberall Verwalter eingesetzt, sie verdienten sich goldne Nasen und leben in Prunk.

Bronzegeraetschaften aller Art bis zu Praezisionsinstrumente hatten ihre Werkstaetten in der Stadt. Sogenannte Aerarii hatten hohes Ansehen, es soll sogar so eine fruehe Art der Recyclingbetriebe fuer Kleider und fuer Metalle gegeben haben, aber auch fuer kaputte Dachziegel, aus denen die meisten einfachen Gartenboden- und Haus-Mosaike waren. In den Laden-Kolonaden lebten die Besitzer ueber den Laenden, sonst im Hinterraum. Die Haeuser und Laeden waren mit Holzlaeden verschlossen. Badehaeuser haben viele Arten Leute beschaeftigt, z.B. Parfumhaendler, Friseure, Barbiere, Handtuch-Vermieter, Masseure, Haarausrupfer und Bademeister. Das Thermopoli war wohl eine Sorte "Garkueche", hier wurde auf einfache Weise das Essen bereitet. Das Hospitium war das Gasthaus -wo meistens aermere Leute abstiegen, die reicheren lebten in den Gastzimmern der Gastgeber.

Sklaven und Freie wurden ohne Unterschied eingesetzt, lebten aber unter den Bedingungen nicht lange, weshalb wohl auch keine Renten ueberliefert waren. Der Reichtum der Stadt entstand auf dem Ruecken dieser Schicht. Die Stadt brummte und nach deren Untergang erlebte ganz Italien sein Krise, - die in suesser Reihenfolge sich bis zum heutigen Tag hin zieht..

Man hortete Muenzen am liebsten aus der Zeit vor der Abwertung durch den roem. Kaiser. Einfache Dinge des taegl. Lebens waren nicht teuer, so kostete ein Pfund Brot knapp ein AS, 1ltr einfacher Wein ebenso, wie auch fuer den Kaese. Ein kleiner Fisch war 2 AS wert. Die Ernaehrung fuer 3 Personen hat der Tag wohl 25 AS gekostet, eine Tunika 15 Sesterzen, 4 Sesterzen eine Reinigung. Bis zu 1000 Sesterzen waren in den Haeusern an Barvermoegen, die Goldmuenzen nannte man Aurei, die hatten 7,3gr Gold in sich, Denare 3,41 gr Gold. Ein Aureus war 25 Denarii wert oder 100 Sestercii. Besser gestellte Funktionaere hatten schon mal bis 1000 Aurei daheim liegen, wie die Ausgrabungen zeigten. Vermutlich wollte man davon ein Landgut mittlerer Groesse erstehen, das ca 15% Gewinn abwarf. Wohltaetigkeit war in der Stadt kein Fremdwort, das gehoerte zum guten Ton und vermied Aufstaende.

Die Bevoelkerung war von allen moeglichen Goettlichkeiten durchdrungen, aus zig Kulturkreisen. Der aelteste Tempel ist wohl aus dem 6. Jhd. vor Chr. dem angeblichen Gruender der Stadt gewidmet: Dem keulenschwingenden Herkules !

Die Gaerten waren ein Asyl fuer alle moeglichen steinernen Gottheiten und Schmuckstueck zugleich, sogar noch an den Hauseingaengen und Fassaden, wie bei uns in Europa im Alpenraum. Spaeter wurde Venus die offizielle Gottheit. Seite 240/241 meint, dass man wohl keine christlichen Glaeubigen in Pompeji finden wird, die Zeit der Verbreitung dieser Religion und dem Untergang der Stadt war zu knapp. Erst nach dem Untergang sickerte diese Religion ein und breitete sich aus wie ein Krebsgeschwuer - wie man dort heute noch erleben kann. Grundsaetzlich galt der Kaiser als oberste Gottheit in dieser Zeit, alle Goetter fuehrten zum Kaiser nach Rom. Spaeter fuehrten alle Kaiser den Weg an zum Papst nach Rom... zu Ehren der Goetter gab es viele Spiele, die das Volk begeisterten. (Es gab ja noch kein TV und kein Radio) Der naechste seltsame Kult trat auf: Der Phallus-Kult! (Vermutlich als eine fruehe Form der Aufklaerung) Die Autoren des Buches glauben, dass ein Larenkult erst durch den Kaiser zur offiziellen liturgischen Ordnung kam.

Im Atrum wohnte man, hat gegessen und geruht. Der Name kommt von Ater, schwarz- weil frueher dort der Herd stand. Spaeter kam dieses Ding in die Kueche - wie praktisch. Dieses Atrium wurde von einem Lichtschacht beleuchtet, das vom Dach als Compluvium kommendes Regenwasser mittig in diesem Raum unter der Dachoeffnung in einem Impluvium sammelte. Der Ueberlauf ging in den Rinnstein der Strasse - vermutlich spuelte dieses das Faekal - und Dreckwasser weg.. Dieser Baustil wird wohl eher auf dem Land, weniger in der Stadt vorgeherrscht haben, wo zumindest eine Gaupentechnik der Haeuser fuer etwas mehr Wohnraum auf den knappen Grundflaechen sorgte. Dieses seltsame Essen beim Liegen kommt wohl aus Griechenland ..heute ist dieses Speisesofa bei uns auf dem Vormarsch, wie ich sehe. Die sogenannte Mysterienvilla hat sich ein Unternehmer-Familie aus Graeveneck, meinem Wohnort nachbilden lassen, mit mittigem Lichtschacht, der mit Ornamentglas das Innere erleuchtet.

Die Schreiber des Buches "Pompeji" verlieren sich staendig in der Verherrlichung reicher Leute, von den vielen normalen Bewohnern ist kaum etwas zu erfahren ..

Auch heute, hier bei uns, kann man die Haeuser der "Patrizier" nicht mit den Profanbauten der "Normalos" vergleichen.
Das gilt fuer die Lage, die Ausstattung und alle Dinge im und um das Haus herum.
Kampanien soll damals wie heute suedlaendisch gepraegt gewesen sein, lustige offene Leute, wie der Autor meint. (er war wohl noch nie dort) Man lebte, so meint er, draussen vor der Tuer und unterhielt sich gerne..

Ideallinien sollten die Strassen bilden, Von Ost nach West der Decumanus, der Cardo von Sued nach Nord, nach diesen Achsen kamen die Stadttore. (Die Urbewohner Pompejis dachten da wohl anders)

Polygone Kalksteinbloecke bildeten die Strassenpflaster, Aquaedukte fuehrten ueber weite Strecken das Wasser bis auf 45mtr Hoehendifferenz hinauf, Brunnen wurden davon gespeist - aus figuerlichen Wasserspeiern in die mit Eisenklammern zusammen gehaltenen Basaltplatten-Troege. (Aehnlich wie die Viehtraenken bei uns in Deutschland, die man noch in den 1960iger Jahren nutzte. Heute sieht man das nur noch als Zierstueck an: KEIN Trinkwasser !

Die Aedilen kuemmerten sich um die Strassen, die Buerger um die Buergersteige, die z.T. in den privaten Grundstuecksbereich ueber gingen. Man stelle Sitzgelegenheiten auf, pflasterte mit "Willkommen" (Have) statt "salve" wie in Rom. Hoehere Randsteine halfen beim Besteigen der Wagen. Manche hatten temperierte Getraenke oder Melonenstuecke parat, damit Passanten sich fuer die Auslagen der Laeden interessierten. Trittsteine auf den Strassen waren ein guter Schutz gegen die ploetzlichen Gewitter dieser Region, die schnell aus Strassen Baeche machen konnten. Die Fuhrwerke fuhren genau zwischen diesen Steinen hindurch. Spezielle Loecher in den Randsteinen waren zum Anleinen der Zugtiere. Die Auslagen waren mit einer Art Markise ueberdacht, damit der Kunde bequem im Schatten stehen konnte. Unter den Platanen der Arena fanden sich bei jeder Veranstaltung genuegend Haendler ein, die alle versorgten. Bei einem solchen Klima gedeien die Geschaefte, wie bei einer Kirmes. Die Arenen und Tempel waren in speziellen verkehrsberuhigten Zonen, massiv verankerte Steine liesen kein Fuhrwerk passieren. Die Forscher sind der Meinung, dass es damals bereits Einbahnstrassen gegeben haben muss, genau wie herumziehende Musikanten.

Die alten Stadtteile des oskischen - etruskischen Kerns hatten gewundene Strassen und hohe Mauern um die Grundstuecke, kleine Fenster - alles war hermetisch abgeschottet. Die Innenhoefe waren wohl um so wohnlicher. Graffitti hat man in Pompeji mehr als genug gefunden .. Der Totenkult war ausgepraegt, die Negropolen lagen ausserhalb der Stadttore. Reiche Leute haben sich auch nach dem Ableben noch pompoes gezeigt - man goennt sich ja sonst nix ! Tribunen hatten schon mal eine Schola, eine runde Steinbank mit 6mtr Durchmesser am Grab..man kannte Kinder und Saeuglingsgraeber. Arme Leute wurden auf dem Pomerium bestattet, die Urnen tief eingegraben und mit einer Roehre nach oben versehen, auf welche ein Stein gelegt wurde. So konnten "Liberationen" trotzdem stattfinden: Kleine Parfum-Flaeschchen wurden darin gefunden. 36 Urnen mit Asche hat man an einem solchen Ort gefunden.

Seite 350 versucht den Eindruck zu erwecken, dass nur wohlhabende Leute gebildet seien und dass nur musische Bildung den gesellschaftlichen Stand oder Rang hat. Zweisprachigkeit in Pompeji? Der Autor behauptet, dass eine Sprache zwei Funktionen habe, "sie ist Kulturtraegerin" - nee, es ist keine weibliche Person, denn es sollte lauten: "Die Kultur wird durch die Sprache getragen". Also ist der Autor selbst in der Naehe der Ehefrau Nero's, welche "listig und kokett Bildung vorzutaeuschen sucht". Ich finde nicht, dass "Sprache" den Zusammenhalt einer politischen Gruppe ausmacht, wie das Buch das nennt, sie gehoert einfach kommentarlos dazu. Mehr nicht. Den hochgestochene Ausdruck moechte ich immer und immer wieder hinterfragen. Der Versuch von Okkupation und kriegerischen Zuwanderungen deren jeweilige Hochsprache ueberzustuelpen ist noch nie gelungen, die Ursprache der Einwohner wird nur voruebergehend in die Position des Dialektes hinein gedraengt - es sei denn, die zahlenmaessige Ueberlegenheit der Einwanderer erzwingt das dauerhaft. Wie auch immer und in welcher Sprache auch immer, die Gebildeten brachten die Despoten hervor, nicht die normalen Buerger. (Einige Ausnahmen gibt es wohl) Warum das so war, kann ich anhand der nicht mehr selbst erziehenden Besserverdiener unserer Zeit erahnen, deren Kinder spaeter das Benehmen in der Gemeinschaft der Familie nie so richtig erfahren haben - statt dessen wurden sie so schraeg wie ihre Hauslehrer.

In der Schule hatte nur der Lehrer ein Pult und einen Stuhl, die Schueler hocken halbkreisfoermig um ihn herum auf dem Boden - vorzugsweise im Freien. So rueckstaendig wie in Griechenland, wurden Maedchen vernachlaessigt. Selbst Frauen fuehrender Leute konnten kaum lesen und schreiben, die Unterschriften wurden oft von Sklaven geleistet, die als halbwegs Gebildete nach Pompeji kamen. Gefangene allemal. Der Sport war Selbstzweck und wurde hoch gehalten. Bei den Roemern eher aus dem Grund hinterher in das Badehaus zu gehen, bei den griechischen Zuwanderern als Ideologie oder Koerperkult. Bei den Samniten aus Gruenden der "Wehrerziehung". Frauen und Maenner waren wohl in allen oeffentlichen Einrichtungen getrennt. Auch in der Arena, wo 20.000 Zuschauer Platz hatten. Wohlhabende Damen, so erfaehrt man, haetten sich zuweilen mit den Gladiatoren in deren Zellen eingelassen. Die Bewohner Pompejis sollen keinen Streit aus dem Wege gegangen sein. 6 Stunden am Tag wurde gearbeitet, die restliche Zeit dienter der Muse - das, so das Buch, haette Arme und Reiche etwas naeher gebracht..



Anhang Thema: Stadtchronikel 1 Diez an der Lahn

Anhang Thema: Stadtchronikel 2 Braunfels / Lahn

Anhang Thema: Stadtchronikel 3 Frankfurt am Main

Anhang Thema: Stadtchronikel 4 Pompeji

Anhang Thema: Stadtchronikel 5 Limburg

Anhang Thema: Stadtchronikel 6 Trier

Anhang Thema: Stadtchronikel 7 Speyer

Anhang Thema: Stadtchronikel 8 Frankfurt/M

Anhang Thema: Stadtchronikel 9 Husum



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