Schattenseite 64 Der Schluß der Geschichte Der Herr Graf





Die Enkel Annabella und Laurens gerieten prächtig, sie waren aufgeweckt und gesund.
Die Brauerei verkaufte ihre Biere mit reißendem Absatz, die Produktion wurde bewusst knapp gehalten.
Desgleichen lief die Konserven-Manufaktur im Kielwasser.
Dieser Adelshort, der keiner sein wollte, war aber gerade deshalb so erfolgreich.
Das war allen Beteiligten vollkommen klar, auch wenn man sich das nicht eingestehen mochte.
Nach und nach besann man sich seiner Herkunft und trug die Würde auch wieder nach aussen,
nur Helenes Eltern machten dabei nicht mit.
Die beiden Enkelchen gingen in den Kindergarten, dann in die Grundschule und
bald in die Zukunft - Laurens wurde Koch und erwarb sich viele Qualifikationen in Fernost,
wo einige neue Rezeptideen für die Suppen geboren wurden.
Die Manufaktur belieferte sogar Kunden in Hongkong und Tokyo,
die Männerkonserven fanden Kunden in den USA und Kanada bis nach Alaska.
Bald hat Laurens die Fabrik aufstocken und die Produktion verdoppeln lassen,
die Grundidee jedoch stets beibehalten.
Helene und der Graf sind bei einem Autounfall umgekommen, als ein
osteuropäischer Lastwagen mit übermüdetem Fahrer die Kontrolle verlor.
Sie waren sofort tot und wurden auf dem Familienfriedhof beigesetzt.
Helenes Eltern, und die Gastwirtsleute, die ein paar Jahre zuvor starben,
wurden im Friedwald bestattet.
Annabella hat diese Gaststätte mit ihrem Lebensgefährten zusammen übernommen,
welcher Doktor der Philosophie war und an der nahen Uni lehrte.
Laurens war auf den Adel stolz, Annabella auf die Hexenkunst und die Freude mit Menschen in Kontakt zu kommen.
Laurens hat nie geheiratet, Annabella bekam nie Kinder und hat mit ihrem Lebenspartner zufrieden gelebt.
Claude und Julia sind uralt geworden und waren sich immer gut.

Theo und Steffen gewannen die Erbrechtsklage und gewannen das Unterhaus dazu.
Steffens Kinder wohnten darin und haben wohl eines Tages das Gold entdeckt,
als sie die Garage erweitern wollten.
Diese haben nur ihren Eltern, Steffen und Nana davon erzählt und mit diesen geteilt.
Theo hat vom Golde nie erfahren, er ist mit seinem Bargeld-Anteil zufrieden gewesen,
das Valter auf dem Konto angehäuft hatte.
Die Konservenmanufaktur hat man nach dem frühen Tod Laurens verkauft,
ohne auf die Kündungsrechte Rücksicht zu nehmen.
Das Gold wurde für den Aufbau einer neuen Partei .. verjubelt und war bald aufgebraucht,
ohne daß die Sache einen Nutzen gehabt hätte, denn nach ein paar Jahren war diese wieder
von der Bildfläche verschwunden.
Seifige Politiker und Verwandte haben immer große Taschen und dazu gehörten wohl auch die Nachkommen
Helenes und Valters, die auch jene kleine Burg mit dem Palas zugesprochen bekamen.
Die Richter ließen zu, daß Luisza's Plan in letzter Instanz gescheitert ist und
die Abfindungensummung von Julia und Claude bezahlt werden sollten -
abgegolten mit der Burg und den 2,5 Hektar drum herum.
So blieb diesen gerade die Brauerei und die wurde zur Aktiengesellschaft, von welcher
Annabella und Laurens zeitlebens schlecht oder recht profitierten.
Die kleine Burg wurde irgendwann zur Jugendherberge und das einzige Sinnvolle,
was diese Linie hinterlassen hat..

***

Julia erwachte aus ihrem Mittagsschlaf, den sie immer mit den Kindern hielt,
wenn diese aus dem Kindergarten und aus der Schule kamen..

Sie lief sofort zu ihren Eltern in das Unterhaus, die Kinder an der Hand -
sie war aufgeregt und tarnte diesen Ausflug als Spaziergang zu den Großeltern..
Die Kleinen blieben mal hier mal dort stehen, wollten diese mal jede Pflanze kennen
und so verging schon seine Zeit, bis die Drei endlich "beim dicken Hund" im Unterhaus ankamen.









Julia ging mit Annabella und Laurens auf die Terrasse zum "dicken Hund", der
gerade zu überlegen schien, ob er mal müsse oder nicht..

Valter saß an seiner Zeitung und hatte noch den Kaffee vor sich stehen.
Was treibst du dich denn hier in der Wildnis herum?
Papa, ich muß dir etwas erzählen!
"Papa" sagte sie nur, wenn irgendwo etwas im Busch ist..
Sie erzählte ihren bösen Traum und war danach schon recht erleichtert.
Die Hälfte davon hat Helene hören können, denn sie kam gerade vom Einkauf zurück
und stand mit frischen Kaffee-Stückchen in der Terrassentür.
Die Tochter nahm sich eine Tasse aus dem Schrank, goß Kaffee ein, futterte Stück für Stück
alle Kaffee - Wecken weg, so daß gerade mal je eines für die Kleinen blieb.
"Sind die Weck weg? Die sind all all! Wer war denn da da?"
Annabella grinste..
Die Eltern schüttelten die Köpfe und murmelten:
Da müssen wir etwas "nachregeln", damit sich das Schicksal gütiger gestaltet.
(Das sagte man in der Familie immer - vermutlich war ein wenig "Hexe" in allen)

Helene fuhr die Drei nach Hause zurück, während Valter zu Manufaktur aufbrach.

"Steinpilz,- Pfifferlings,- Champignon,- Austernpilz,- Waldpilzmischung,- Bovist,- Suppen,
Kalb, Rind, Huhn, Schwein, Truthahn, Ente, Gänse, Fasan, Wachteln, Lamm,
dutzende Gemüsesuppen und solche mit Teig und Füllungen etc. ergeben eben viele Varianten,
die als feinste Suppen den Appetit anregen."
So las er auf einem Plakat an der Werkhalle.
Schön, das läuft ja wohl ausgezeichnet:
Es wurde an Zutaten nicht gespart und auch feiner Cognac und edlen Calvados, Whisky, Bordeaux, Cherry etc.
verwendet, welche z.T. die Suppen abrunden.
Man ging ganz bewusst nicht auf Diätler oder Alkoholabstinenzler oder Allergiker ein.
Die Zielgruppe war klar der Feinschmecker und nicht die vielen heutigen Randgruppen.
Zuweilen wurde das kritisiert, das konnte Valter nicht anfechten:
"Wer genau weiß, daß er Pflaumen nicht verträgt, sollte sich keine Pflaumen, sondern Äpfel kaufen",
so war sein Argument und ich finde, da hat er recht.

Eine Woche später:
Die Familie war von der Führung in der Konservenmanufaktur sehr angetan,
hat sich aber dennoch gewundert, daß der Laden so schnell so gut lief.
Laurens war im Labor und wurde gut gefüttert, wie Helene lachte, selbst die kleine Annabella kostete, was sie sonst nicht gerne tat.

***

Valter hat die Manufaktur nicht mehr so oft besucht, weil der Laden brummte.
Geld kam herein und wurde hübsch gestapelt und wenn eine Summe beisammen war,
hat Valter diese in moderne Goldmünzen umtauschen lassen.
Nach und nach wurde auf diese Weise wieder aufgefüllt, was ausgegeben worden war.
Im Regional-TV kam eine Reportage über diese alte neue Fabrik,
wo der Reporter verbessert werden mußte: Manufaktur bitte.
Wir wollen uns ganz bewusst von der Konkurrenz unterscheiden, die auf Automaten setzt
oder im Ausland billig produzieren - aber hier im Land verkaufen will um den Rahm abzuschöpfen.
Wir halten das für Wirtschaftsschädigung und keiner scheint das zu merken.
Danach hat man keine Besichtigung mehr genehmigen wollen.
Die Marktanalyse hat ergeben, daß die Kunden Singles waren oder keine Zeit hatten zu kochen,
denen es in den Lokalen viel zu lange dauerte und oft genug mit dürftigem Ergebnis verlief.
Eine gewisse Mittelschicht, die nicht auf den Pfennig zu achten brauchte, griff hier zu.
Mit den Qualitäten dieser Manufaktur wird sich niemand blamieren, selbst wenn Fachleute
der Nahrungsmittelbranche zu Besuch kommen, so der Werksleiter leutseelig und stolz.
Stolz waren auch alle Mitarbeiter, denn deren Ruf war nun ein ganz anderer und sie
wurden bei der Bank wie Beamte behandelt: "Unkündbar"!
Ging jemand in Rente, durfte diese oder dieser einen Nachfolger vorschlagen.
Man kann sich vorstellen, daß die Aussicht auf einen solchen Posten recht begehrt wurde.







Die Tage vergingen und Valter war sehr beschäftigt.
Er holte Angebote ein und bekam von der weltbekannten Delikatessenfirma ein verlockendes Angebot gemacht,
das er im Betriebsrat besprach.
Der Name des Interessenten hatte einen sehr guten Ruf, ganz ohne Frage und das Personal wurde dort
hochgeschätzt, denn ohne entsprechende Mitarbeiter, kann man in dieser Sparte nicht überleben.
Valter verkauft die Manufaktur, die gerade in voller Blüte stand,
mit Mann und Maus, aber mit den gleichen Schutzbedingungen.

Er kündigte sein Konto bei der Bank in dieser Stadt und eröffnete in seiner Gemeinde
ein Konto, das sich gewaschen hat.
Nach Rücksprache mit Claude und Julia wurde auch die Brauerei veräußert, die ebenfalls blüte
und sofort Abnehmer fand, die sich gegenseitig hochgeboten haben.
Die Mauern der Burg wurden originalgetreu nachgebaut, die 2,5 Hektar Wacholderheide blieben.
Der Fluchttunnel war ja noch da und nun wurde nur noch der Innenhof ausgebaggert und
ein tiefer, betonierter Keller angelegt, mit hoher Decke, der den ganzen Innenhof umfasste,
der Keller des Palas stand wie eine Insel in der Mitte.
Auf diese Weise waren 4 unterschiedliche Bereiche entstanden, die ineinander über gingen.
Der Rittersaal war entstanden, der Aufenthaltsort für die Familie.
Die Funktion war der des Salons in der Villa Siegelhort sehr ähnlich.
Prächtig der Kamin, prächtig die Familienwappen, prächtig der goldene Name am Burgtor:
"Hexenburg".
Der Bauunternehmer freute sich, diesmal aber ein ganz anderer, von weit her..
Die beiden Ausgelaugten, Claude und Julia waren froh, dass sie endlich wieder Zeit für die
Kinder und für sich selbst hatten, dehalb haben sie froh und erleichtert zugestimmt.
Hier war der Familienfriedhof, hier war eigentlich der Hexenhort, ihr Platz und der ihrer Eltern.
Die Beiden hatten sich mit der Brauerei ganz schön übernommen und gearbeitet wie die Pferde.

In der Gaststätte hat man von diesen Veränderungen nichts mitbekommen.
Der Adel feierte die Rückkehr, man war wieder wer und das lies man alle anderen Menschen
spüren, auch und gerade die Verwandtschaft, die niemals eingeladen worden wären.
Nach einigen Attacken der Zwillige, also ihrer Geschwister, ist Julia immer wieder gerne in die Obhut
der Hexenburg zurück gegangen, wenn sie in der Stadt zu tun hatte.
Hier riecht noch alles nach Luisza, so sagte sie immer, wenn sie ein wenig melancholisch war.
Als wenn sie anwesend wäre, zumindest habe ich immer das Gefühl, wenn es ganz still ist.
Graf Valter und die Gräfin Helene kleideten sich fortan geziem und stellten ein
Hauswirtspaar ein, das sich um die Pflege und Reinhaltung des Anwesens kümmerte.
Die Köchin und ihre 2 Helferinnen, die auch auftrugen und der Diener wohnten etwas entfernt
in einem Haus am Ortrand:
Im Unterhaus, das man entsprechend unterteilt hat.
Vier weitere Hilfskräfte aus dem Ort kamen bei Bedarf dazu.
So mancher war froh, sich etwas hinzu verdienen zu können, gerade in der Zeit der
Niedriglöhne und "520 Euro Jobs" ist eine solche Tätigkeit nicht zu verachten.

***

Graf Valter hatte nun nur noch die vornehme Aufgabe, einen Anhänger mit Brennholz vom
Unterhaus zu holen und in der neuen alten Burg zu verstauen.
Dafür hat er sich einen Traktor gekauft, einen Oldtimer, mit dem
er ab und zu herum tuckerte - diesmal war der Anhänger sehr schwer,
der alte Trecker hat sich gut anstrengen müssen..

Der Salon hatte eine Doppelwand aus Beton zum Tor hin,
deren schmaler Hohlraum nicht zugänglich war - dort ist das Gold untergekommen,
auf einem langen stabilen Regal aus Eisen, die Münzen gestapelt wie
Marmeladen-Gläser..
Der Baumeister riet zu dieser Konstruktion, die als Isolation und Stabilisierung gedacht war,
falls eimal ein schwerer Lastwagen durch das Burgtor in den Hof fahren sollte.
"Wir sorgen dafür, dass die Decke trägt"
Nach und nach hat der Graf das viele Geld in gängige Goldmünzen umgetauscht und eingelagert,
nach Luxemburg, wie er murmelte- gerade noch so für einen Bankmitarbeiter vernehmbar.
(Er verpackte die Goldmünzen in ein Karton-Couvert, wo eine Code - Adresse in Luxembourg drauf stand,
er wußte vom Tratschverhalten der Leute und von den "Stilaugen")
Das gemeinsame Konto für die Familie war nun fertig und jeder bekam seine Scheckkarte,
wie jeder andere Mitbürger.
Ganz unauffällig, keine "Platin" oder "Goldkarte", ganz einfach eine Euroscheckkarte.
Die Einlage ist ausreichend, meinte Valter zuhause auf der Burg, ausreichend für alle.
Als Julia Geld holen wollte, viel sie bald in Ohnmacht..
Der Bankdirektor kam gleich aus seinem Büro geflitzt und hat die Tür aufgehalten..
Bitte sehr, Prinzessin Julia, bitte besuchen sie uns bald wieder !
(Obwohl Valter zäh gefeilscht hat, um Zinsen auf die Geldeinlage zu bekommen,
sonst wäre er zur Konkurrenz gegangen und hätte dort das Konto eröffnet.
Ein einziges Girokonto für die ganze Familie, das kam dem Finanzamt seltsam vor..
..und -ausser den Zinsen- kein Geldeingang!

***

Gräfin Helene pflegte sich fortan noch viel mehr und bemühte sofort den Arzt,
welcher selbstverständlich einen Hausbesuch machte - ohne zu zögern.
Wartezimmer sind für das Personal, da war man sich einig.

Laurenz und Annabella waren nun ebenfalls Prinz und Prinzessin und spielten diesen Rolle bald perfekt.
Der Musiklehrer kam regelmäßig und unterrichtete im Salon, wo Helene ihre Volksmusik zu
sammeln und zu spielen pflegte - sie hatte sich sogleich wieder einen Flügel kommen lassen.
Die Fahne wehte ständig auf dem Söller und wenn sich jemand der Burg näherte, erscholl nach aussen aus
dem Burgtor die Fanfare - ein kleines, aber echt klingendes Gimmick, das sich Julia gewünscht hatte.
Claude schüttelte den Kopf und meinte:
Wir sollten meine Eltern einladen, nun wo alles fertig ist!

Der Notar und Rechtsanwalt hatten alle Hände voll zu tun, die Testamente auf den neuesten und
felsenfesten Stand zu bringen, wo niemand auch nur im Entferntesten rütteln konnte.
So abgesichert war es Valter und Helene deutlich wohler und Julia meinte:
Ich denke, dass wir dem Schicksal wieder einmal von der Schippe gesprungen sind!
Laurens entpuppte sich als stolz und klug, er war der Schwarm der Adelsdamen, die
ihre Fühler bekanntlich früh ausstrecken, wobei stets die Tanten halfen, wie seit tausend Jahren.
Annabella tat das ebenso, sie war wie Julia, ihre Mutter, fast ein Ebenbild.
Laurens war kräftiger veranlagt als Valter, aber vom Charakter ebenso fein.

Langsam, aber sicher kehrt der neue "Alltag" ein auf der Hexenburg.
Der Söller scheint beleuchtet in die Ferne - Valter war zuweilen dort oben und schaute
den Wildtieren zu, die sich auf dem Areal an dem Gras gütlich taten,
die Sonne ging blutrot unter - er zuckte zusammen und konnte gerade noch
einen Schatten entschwinden sehen.
Am Kamin gruselte man sich ein wenig und meinte:
Luisza !
Der Diener brachte die Nachricht, daß jemand am Tor warte -
wer ist es?
Der Bürgermeister und seine Frau.
Wir lassen bitten!
Die Gräfin saß in ihrem Ohrenbackensessel, die Füße auf den zugehörigen Hocker gelegt
und strickte an Socken für die Enkel.
Die Besucher wurden das breite Vestibül im Palas nach unten geführt,
was ein wenig verwunderlich schien.
Dann standen sie vor einer riesigen Flügeltür, die den Blick in einen Rittersaal freigab -
das war eben weniger fürstlich als der Salon des alten Sitzes, aber deutlich gemütlicher eingerichtet.
Aber mit einer schönen hellen Kassettendecke und mächtigen geschmiedeten Leuchten im gesamten Geschoß.
Die Gäste konnten den Luxus kaum glauben und stammelten herum, als sie zuvor
vom Diener mit -gewohnt lauter Stimme wie früher- angekündigt worden waren.
(Kein Wunder, es war ja auch der gleiche Mann)

Das Denkmalschutzamt war am Tor, nachdem man von aussen alles fotografiert hatte -
und wollte nun innen ebenfalls "nach dem Rechten sehen".
Aber es wurde nicht geöffnet:
Der Herr Graf hat mir keine Order gegeben, sie zu empfangen, lassen sie einen Termin machen!
Rums, dann war die Klappe wieder zu.
"Dieses verfluchte Adelspack!, so zischten die zwei Bevormunder, pardon, Bautenschützer.

Der Graf fuhr den Traktor mit Anhänger wieder zurück in die Garage des Unterhauses,
erkundigte sich nach dem Befinden der dort -gratis- wohnenden Beschäftigten, die sich
in ihrer Freizeit auf der Terrasse aufhielten und ging zufrieden den Trampelpfad durch den Wald
zur Hexenburg zurück.
Valter hat nie mehr nach einem großen Wagen oder Landaulet Ausschau gehalten,
er genoß den "schrillen" Auftritt mit den beiden Kleinstwagen.
Helene und Valter fuhren LKWs gerne aus dem Weg..
..der Traum war noch deutlich im Kopfe.
Überhaupt war Helene sehr froh, daß die junge Familie so nah bei ihnen wohnte - oder war es
hier eher umgekehrt?
Die Beiden wohnten in nur einem Raum der Burg, ein Gemach, das früher Luisza war.
Ansonsten hielten sie sich immer im Rittersaal auf, der ihr Wohnzimmer wurde.
Das historisch orginalgetreu wieder aufgebaute Spitzdach der Burg beherbergte die Räume
der beiden Kinder und die Gästezimmer in üppiger Pracht.
Valter lies eine Photovoltaikanlage zur Sonnenseite an die Burgmauer anbringen,
mit dieser beleuchtete er und heizte er den Rittersaal, der eine Fußbodenheizung besaß.
Im Keller wäre ein Wohnen sonst zu kühl gewesen.
Eine kleine Reminiszenz an die Moderne, wie er scherzhaft sagte.
Bald kam ein Brief von dem Denkmalschutzamt, in welchem gerade diese Abweichung
reklamiert wurde.
Er hat nie darauf geantwortet.
Auf jeden Fall war die ganze Anlage schön warm.
Im Sommer hat er umgschaltet und den Strom im Haus verbraucht,
oder ins Netz eingespeist.
Auf diese Weise tut man ein gutes Werk, weil das kaum Geld bringt,
aber Kraftwerksleistung einspart, so sein Argument.
Wichtig ist die Umwelt, denn ohne sie könnten wir nicht leben!









Die beiden dicken Hunde waren nun irgendwie vertauscht,
aber beide sind standorttreu geblieben.
Das hat denen nichts ausgemacht und die Bewohner des Unterhauses waren froh um ihren
schützenden Hausgeist..

Dann erscholl die Fanfare und ein älterer großer Wagen fuhr in den Burghof.
Claudes Eltern, pardon die Herzogsfamilie kam auf einen Besuch und hatte den Kofferraum
voller Wein, den die Bediensteten in den Vorrats- und Weinkeller des Palas brachten.
Ein großes Hallo und freundlicher Empfang durch den Diener führte die Beiden durch
das Vestibül in den Rittersaal.
"Du meine Güte, ihr habt es euch aber fein gemacht, eine neue Adelsburg, ist denn das zu fassen?!"
Claude war gerade dabei, auf seinem Laptop die Homepage neu zu gestalten,
Julia las in einem Liebesroman, Helene spielte auf dem Flügel klassische Werke.
Der Abend wurde sehr lang, es gab so viel zu erzählen und es wurde viel aufgetragen
an feinsten Häppchen und edlen Getränken.
Die Kinder lagen längst schon im Bett und sollten nicht geweckt werden,
weil am nächsten Morgen die Schule begann.

***

In der Kemenade unterhielten sich Herzog und Herzogin über den wiedererwachten Adel im Hause, was sie gut fanden:
Wir waren immer der Garant für Sicherheit und Stabilität, vielleicht erleben wir eine Renaissance.
Die Beiden sind wenigstens nicht nachtragend, zumal sie sehen konnten, wie man uns die Flügel
geschnitten hat und auf den Boden zurück geholt.
Was ich nicht verstehe, meinte der Herzog zu seiner Frau, woher hat Valter das ganze viele Geld?
Seine Unternehmungen waren immer Goldgruben, alles was er anpackte wurde -wohl buchstäblich- zu Gold.
Das scheint mir auch so.
Und nun die Hexenburg, wie er die Anlage nennt - nein, sagte sie, das hat Luisza so bestimmt..
Ach ja, die hochmütige und spinnerte Freifrau, die uns wie Aussätzige behandelt hat.
Auch du, mein Gemahl, solltest erkennen, daß sie recht hatte, denn wir waren eben die schwarzen Schafe.
Heute geht es uns wieder besser, weil der Wein gut zu verkaufen ist.
Sparen müssen wir aber immer noch..
Sei zufrieden, denn Claude hat es hier sehr gut getroffen.
Das kann man wohl sagen - vermutlich wird er im ganzen Leben nie wieder arbeiten müssen,
er kann wohl tun was er gerade mag..
..und Julia ist immer noch reizend zu ihm und dann die niedlichen Enkel - ist das nicht herzig?
Nun sei bitte still, wir sollten schlafen, sonst geht es in der Früh mit Trompetenschall aus den Federn.

***

Anderntags, nach dem Frühstück sind die zwei Weinbauern wieder aufgebrochen, weil sich ein
Spediteur angemeldet hat um viele Kisten Weinflaschen abzuholen.
Der Wein war gefragt und wurde gut bezahlt, weil nicht gepfuscht, also ohne Chemie gearbeitet wurde.
Ein herzliche Verabschiedung und weg waren sie..

Die Herzogs haben sich während der ganzen Fahrt nach Hause über die Eindrücke unterhalten.
"Die haben alle Unternehmungen verkauft und das wohl sehr gut, wie mir scheint, wie lange
wird man davon wohl in dieser feudalen Form leben können?"
Achselzucken.
Ich habe die Annabella etwas "ausgequetscht" und die Kleine sagte:
Opa hat gesagt, wenn nichts dazwischen kommt, braucht die nächsten 500 Jahre niemand arbeiten
zu gehen - eher noch länger..

Unterdessen waren Valter und Helene gerade auf dem Weg in Stadt,
wo sie einen kleinen Bummel machen wollten, als Helene wie ein Blitz links ab
in eine Hauseinfahrt abbog - das geht eben nur mit einem solchen 2 Personen Flitzer,
jedes andere Auto hätte sich wohl überschlagen oder wäre ins Schleudern geraten.
Wupps und schon stand die Fuhre - zeitgleich fuhr ein großer Sattelzug in die Gegenspur
Schwarze Streifen zogen sich über zwei Fahrspuren hinweg bis auf den Bürgersteig.
Gut, daß dort niemand stand.
Valter stieg aus und erkundigte sich wie es dem Fahrer geht, ob er helfen kann..
"Nicht Deutsch spoken, schlafen, sorry, Irlandse Driver."
Bis auf einen kaputten Vorderreifen war der Fuhre nichts passiert.
Wenn wir geradeaus weitergefahren wären, hätte uns der schwere Sattelzug überrollt.
Beladen mit Eisenträgern und Bandstahl, wie der Seitenwandbeschriftung zu entnehmen war.
Wir waren durch den Traum aber vorgewarnt!
Gibt es solche Sachen oder sind das Zufälle?
Darüber wurde daheim noch lange philosophiert.
Anschließend hat man auf Luisza's Grab eine besonders feine Kerze aufgestellt.

***

Daheim trötete die Fanfare des Burgtores: Taaaaataaaaataaaa !
(Wie früher die Postkutscher die Hörner erschallen ließen)
Ein fremdes Fahrzeug mit Firmenlogo einer Schuhfabrik stand im Hof.
Zwei eilige Männer stiegen aus und der Diener kündigte diese im Rittersaal an:
Zwei Herren einer Schuhfabrik benötigen dringend eine Audienz.
Helene daddelte auf dem Tablet, Valter saß in seinem "Thronstuhl",
der jenem Lisza's nachempfunden war.
Ich lasse bitten!
Der Diener wies den Beiden ihre Plätze an der ellenlangen und breiten Tafel zu.
"Entschuldigen sie die Störung Herr Graf, wir sind am Ende und wissen nicht weiter.
eine Wirtschaftsberatungsfirma haben wir auch schon bemüht, aber uns nicht vor dem drohenden Konkursverwalter
retten können, wie mir scheint.."
Na und, das gibt es heute so oft, man kann das längst als natürlich ansehen!
Sie verstehen, wir sind ein altes Familienunternehmen, das schon 175 Jahre in der Stadt
einen guten Namen hat und durch die Investition in modernes Equipment und die Zinsen darauf
in Schieflage kam, weil die Umsätze durch die dadurch gestiegenen Verkaufspreise zurück gingen.
Wir haben von ihren Erfolgen gehört und möchten sie herzlich bitten, uns beizustehen,
damit den Kindern und Enkeln nicht alles verloren ist.
Wir haben ein paar Unterlagen mitgebracht.
Zeigen sie mal!
Graf Valter klatschte in die Hände und eine entsprechend kostümierte Serviererin stand am Tisch.
Sie wünschen Herr Graf?
Fragen sie die beiden Herren, ob sie etwas zu sich nehmen möchten - was gibt es denn heute Spezielles?
Heilbutt auf Gemüsesülze mit Rosmarin-Kartöffelchen.
Die Beiden haben sich das nicht zweimal sagen lassen und nahmen auch das alkoholfreie Bier dazu.

Ich habe alles überflogen und gesehen, daß ihre Außenstände recht hoch sind und säumig.
Das stimmt.
Es sind einige unserer Kunden ein wenig in Schieflage geraten, weil der Onlinehandel
denen das Geschäft wegnimmt.
Wissen sie was?
Sie schreiben diese Debitoren an und bieten eine Ratenzahlung an, praktisch eine Art Dispokredit
und bieten weitere Lieferungen darauf hin an.
Halten sie ihre Hausbank an, daß ich ihrer Firma mit einer Sicherheit helfen würde,
falls die Sache brenzlig werden sollte.
Ich gebe ihnen hier meine Karte und viel Erfolg!
Noch etwas:
Raten sie ihren Geschäftspartnern, selbst im Internet aktiv zu werden - das lohnt sich!

***

Drei Monate später riefen die Schuhhersteller an und bedankten sich:
Ihr Name hat bei der Bank mehr als nur gefruchtet, wir haben sofort grünes Licht bekommen.
Die Mitarbeiter wurden bezahlt und weiter ging die Produktion.
Die Abnehmer haben ebenfalls sofort reagiert und Zugänge bei den beiden großen Online-Plattformen
schalten lassen, was eine sehr gute Resonanz gebracht hat.
Die heutigen Besserverdiener, die unsere Produkte kaufen, sind alle im Web daheim,
wenn ich das mal so formulieren darf.
Und so findet man eben unsere Angebote sofort.
Mein Sohn und Nachwuchs ist heute ständig mit dieser Webpräsenz beschäftigt und
räumt dort gut ab.
Wie können wir ihnen danken?
"Die Rechnung kommt - Scherz beiseite, mein Schwiegersohn wird sich künftig
dieser Firmenrettung explizit widmen, wir haben schon länger an diesem Projekt gearbeitet,
das nun endlich spruchreif ist - hier haben sie dessen Karte - ich ziehe mich aus geschäftlichen Dingen
vollkommen zurück, verstehen sie?"
Claude kam gerade in den Saal und die Beiden stellten sich vor.
Ich weiß Bescheid, so Claude - wir können die Vorgänge in unseren Gemächern sehen und hören,
ggf. auch mitreden, wenn es die Situation erfordert..
Oh! Dann sind sie ja bestens informiert.
So ist es - wenn sie fertig sind, führe ich sie zum Abschluß auf den Söller..
und so standen sie zu Dritt oben zwischen den Zinnen und besahen sich die Landschaft,
in der Ferne sehen sie die Villa Siegelhort, rechts davon über die Allee hinweg die Hexenbrauerei,
den Ort und danach der Wald und Heidelandschaft mit Holunderbüschen.
"Das ist ja wunderbar hier, aber verraten sie uns, wie macht der Graf das?"
Claude antwortete:
Was der Graf anpackt, wird zu Gold.
Wie sehr das stimmt, hat Claude freilich nicht einmal angedeutet.
"Wir würden dem Herrn Grafen ein paar exklusive Schuhe zukommen lassen wollen -
und benötigen dazu nur seine genaue Schuhgröße!"
Kein Problem - er klatschte in die Hände und der Diener erschien, etwas atemlos
von den vielen Treppenstufen im Söller.
(Der Diener hat mitgehört, weil Claude diese Funktion in seinem Handy direkt an das Ohr
des alten Dieners schickte, welcher immer einen Ohrstecker..)
Hier habe ich ein paar gute Schuhe, die der Graf Valter gerade nicht anzieht -
er bevorzugt z.zt. eher sommerlichs Schuhwerk.
"Am besten, wir nehmen die Schuhe mit und schicken diese mit den neuen zu ihnen,
wenn diese fertig sind.."
Man ging und verabschiedete sich mit ausdrücklicher Freundlichkeit und Hochachtung.

***

"Gräfliche Firmenberatung in der Hexenburg"
Die Webadresse wurde geschaltet und bald kamen einige Anfragen.
Das Honorar war gut, Claude und Julia hatten wieder Arbeit- aber sehr viel ruhiger als früher.










Die "Gräfliche Firmenberatung in der Hexenburg" bekam genügend Aufträge und immer war
der Auslöser der Krisen alter Traditionsbetriebe der Schuldendienst,
angefacht durch Automatistationswahnsinn und Materialschlachten, zu hohen Managergehältern
und der Gewerkschaftsarbeit, die letzten Endes immer negativ auf die Beschäftigtenzahlen wirkte.
Die Sanierung der Unternehmen war also mehr eine "Kopfsache", als eine geldliche Hilfe.
Das allerdings bedurfte immer einer gründlichen Analyse, die nicht aus den Betrieben selbst,
sondern nur von aussen getan werden konnte.
Das sprach sich schnell herum, auch hier war eine Werbung für diese Firmenberatung nicht nötig.
So mancher Firmenchef ist im Rittersaal gelandet, mit seinen engsten Vertrauten.
Valter sagte immer:
Repräsentative Orte wecken die Phantasie auf das, was möglich ist!
Valters Schuhe kamen an - das neue und das alte Paar - und er hat sich sehr gefreut darüber.
Da also waren meine schwarz-weißen Treter abgeblieben - nicht zu fassen!
Ein persönliches Dankesschreiben lag dabei und die Bemerkung, daß einige Weiterempfehlungen getan wurden.
"Das ist mehr wert als Geld", meinte Helene.
Geld kommt zu Geld, so ist das eben.
Der Kontostand auf dem gemeinsamen Konto wurde zumindest nicht niedriger,
was im Angesicht der Ausgaben für Burg und Personal ein sehr gutes Ergebnis genannt werden konnte.
Nicht lange hin und schon kamen - nach und nach - der neue Inhaber der Brauerei und
wollte beraten werden.
Die riesige internationale Delikatess-Suppen-Firma hatte das nicht nötig,
genau wie der Klinikkonzern - die waren finanzstark genug, um evtl. Krisen zu überstehen.
Und das ist einfach Fakt, jede Firma wird Krisen erleiden, jede, meinte Valter,
sprach's und machte sich auf den Weg zur Weinlese im Unterhaus,
wo am nächsten Tag gekeltert und Wein in die Fässer kommen sollte.

Der eine dicke Hund schaute kurz auf, schnupperte an seiner Hose,
im Unterhaus kam der andere dicke Hund, roch das und schleckte an der gleichen Stelle.
(So eine Art Nachrichtendienst in Form einer Arbeitshose)
Graf und Gräfin waren die Beiden nur, wenn Empfänge gegeben wurden,
die niemals - auch nur andeutungsweise - gesellschaftlichen Charakter hatten.
Die Händler aus der Großgemeinde waren immer froh, wenn die Köchin oder die Hauswirtschafterin
ihre Bestellungen durch das Telefon schickten, denn "die Hexenburgleute" achten nicht auf den Preis..
Das junge und das alte Paar machten kaum unnütze Einkäufe, gaben auch kein oder kaum Geld für Speens aus.

***

Wir sind bodenständiger als mancher Kleinunternehmer, so sprach Claude immer,
wenn die Rede auf die verschwenderische Burg kam, was ab und an von um Rat suchenden Unternehmern
angemerkt worden ist.
Wir machen nichts, was keinen Ertrag abwirft, das können sie uns glauben.
Na ja, einen Kredit werden sie wohl bei größeren Umbaumaßnahmen wohl brauchen - oder?
Da sagten Claude oder Julia gerne:
Fragen sie den Bankchef, auch wenn dieser keine Auskunft geben wird, sehen sie an seinem Gesicht,
wie unsere Solvenz eingestuft wird..
Das hat tatsächlich ein Klient gemacht, gerade als Annabella dort einige Dinge vom Weltspartag
abholen wollte - diese kleinen Kindergeschenke, die man so kennt.
Unterwegs im Auto erzählte die Kleine ihrer Mutter:
"Stell dir vor, der hat unseren Namen bei dem Herren der Bank genannt und gefragt,
ob sich die Bewohner die Burg auch wirklich leisten können oder ob das alles nur geleast sei.."
Und? Was hat der Bankchef gesagt?
Er hat Tränen gelacht und gemeint, daß bei denen buchstäblich alles zu Gold wurde,
was die jemals angefasst hätten..

***

Die Fanfare ertönte und bald darauf ging die Tür zum Saal auf und der Diener rief mit hohler Stimme:
Der Graf Douglas zu Montelimare bittet um Einlaß !
Helene lag halb auf dem Sofa, halb saß sie, das Strickzeug in der Hand, die Brille auf der Nase
und war eifrig beschäftigt - nur die Maschen nicht verlieren - und schaute nur mal eine Sekunde
über ihre Luxuslesebrille..
Graf Valter studierte in Fachzeitungen "Wein und Sekt", - ich lasse bitten!
Der Diener wies dem fremden Grafen einen Sitzplatz zu, nahe beim Valter,
denn es geht hier in der Burg um strenge Regeln aus alter Zeit.
Siegelring-Träger saßen nah beieinander, wenn man bei diesem Monstrum von Tisch von "nahe" reden kann.
Der Gast stellte sich vor und überreichte ein Portfolio mit einem dutzend Bilder.
Diese zeigten eine Burg in Schottland und ein modernes Wohnhaus daneben.
Die Burg war groß, aber nur als bessere Ruine erhalten.
Man sprach über Segen und Fluch des modernen Denkmalschutzes und über die alten Zeiten.
Dieser Graf Douglas war in Claudes Alter und so wunderte Valter sich, als ein Brief
Annabella's vorgezeigt wurde - ich hätte sie mir, entschuldigen sie, jünger vorgestellt.
Valter schmunzelte und meinte:
Unser Sohn wird bald zu uns kommen, es handelt sich um seine Tochter, unsere Enkelin,
deren Brief sie in Händen halten.
Sie haben den Zeitpunkt ihres Besuches gut ausgesucht, denn die Kleine ist gerade in der Schule.
Graf Douglas war ein recht moderner Mensch, man könnte fast denken, einen Uniprofessor vor sich zu haben.
Darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen?
Das Klatschen in die Hände beeindruckte immer noch, wenn perfekt aufgetragen wurde.
Und so war es auch diesmal.
Die Beiden unterhielten sich über die Hexenburg und deren Geschichte,
der Gast wunderte sich über den riesigen Saal und die dennoch darin enthaltene familiäre Gemütlichkeit.
Helene setzte sich an den Flügel und komponierte ungerührt weiter an einer Volksweise.
Der Graf Douglas war beeindruckt:
Mein Gott was für eine feine Frau und gewandet, wie im Mittelalter.
Desgleichen lief Graf Valter in einem entsprechenden "Outfit" herum.
Im dunkelgrünen Samt-Morgenmantel mit Goldlitzn und ebensolchem Barett.
Meistens dann, wenn Gäste angemeldet waren, aber auch schon mal zwischendurch- einfach so,
weil man das kann und darf und überhaupt - was haben sich Burgbewohner um "Mode" zu scheren?
Der Morgenmantel jedoch wurde nicht aus modischen Gründen angelegt, sondern
weil Valter gerade eine Schwitzkur gegen seine Erkältung machte.

Dieser Saal war eben nicht sofort einsichtig, weil das Hausfundament wie ein Monolith asymetrisch in der Mitte stand.
Dahinter und daneben war noch mehr als genug Platz, um z.B. für ein Prinzession auf dem Stuhl
stehend von der Schneiderin ein neues Kleid angepasst zu bekommen.
Wo kommst du denn her?
Mutti hat mich von der Schule abgeholt, es sind ein paar Stunden ausgefallen und das paßte der
Schneiderin gut.. wir sind hier schon eine halbe Stunde!
Der Gast merkte gleich:
Das ist eine ganz normale Familie, wie zuhause in Schottland.
Nun muß ich ihnen gestehen, daß ich unseren Sohn Prinz Fritz-Patrick mitgebracht habe -
er wird vermutlich heimlich auf den Söller gestiegen sein und sein neues Fernglas ausprobieren,
das wir hier in Deutschland als Souvenier gekauft haben.

Meine Frau ist schon vor Jahren bei der Geburt des 4. Kindes gestorben.
die beiden anderen jungen Männer sind schon in der Lehre, sie wollen auf Architektur studieren
und zuvor praktische Bau-Erfahrung sammeln.
Fritz-Patrick, der Jüngste, ist ein Romantiker und will unbedingt die Tradition fortführen, egal wie.
Inzwischen ist Annabella von ihrem Stuhl herab gestiegen und schwebte in ihrem
neuen Kleidchen mit Ballettschuhchen an der langen Tafel entlang zu Großvater..
..schau' mal, ich habe mich wieder einmal in die Prinzessin verwandelt.
Die du schließlich auch bist, denke immer daran!
So sprach der Valter, wieder ganz der Graf.
Das sah der junge Besucher, der in der schmaleren Tür des Monolithen stand..
Vater, eine richtige Burg und alles ist in bestem Zustand, sogar die Geschütze!
Welche Geschütze?
Nun, die oben an den Emporen, wo die Burgmauer ihre Zinnen hat.
Seltsam, sprach Valter zu seinem Gast, das höre ich zum ersten Mal.
(Später stellte sich heraus, daß Claude diese aus einer Museumsauflösung gekauft
und von Fachleuten wehrtauglich hat herrichten und aufstellen lassen)
Annabella und Fritz-Patrick sind unbemerkt verschwunden - irgendwo in den Weiten der Gemäuer.

Helene meinte trocken:
Wie verlegen die Beiden waren und wie schnell die entschwunden sind..
Julia sagte mir, daß der Kontakt über das Internet schon länger läuft und die Kleine denkt,
das merken die Alten sowieso nicht..
Da kam Laurents zum Mittagstisch, er stellte sich perfekt vor und sah aus,
wie eben ein Prinz auszusehen hat..
..modern zwar, aber teuer gekleidet und sehr gepflegt.
Er aß nicht, sondern tafelte und das bemerkte der Graf Douglas, sehr erstaunt.
Laßt uns ebenfalls etwas zu uns nehmen, sprach Julia, die noch immer eine strahlende jüngere Frau
war, in der Blüte ihrer Jahre.
Zuletzt kam der amtierenden Firmenretter, wie Julia ihren Gatten nannte -
Claude stellte sich formvollendet vor und erbot dem fremden Grafen seine Ehrerbietung.
Helene spielte ein Minuett aus dem Mittelalter, die Enkel tanzten um die Ecke zu diesen Klängen
und keiner sah es -nur der Diener.
Die beiden Schotten blieben eine Woche und sahen sich gründlich um.
Was Valter nicht wußte, war der Umstand, daß deren Weg in die Bank führte,
um Geld umzutauschen - dort fragte er nach der Hexenburg und wie man dort zurecht komme..
Oh mein Gott, die schwimmen in Geld, wie immer die das machen - aber entschuldigen sie,
es gibt mich ja nichts an, denn wir sind sehr froh um einen so solventen Kunden !
Hups - das hatte der Schotte so noch nie von einem Banker gehört, das waren total ungewohnte Töne.
Anschließend fuhren sie durch die "Freifrau Luisza von Oswilde - Allee", die inzwischen
beiderseits mit Kirschbäumen verschiedenster Art, schon recht gut beschattet war.
"War das nicht der Name unter einem der Bilder in der Ahnengalerie?"
Sie kamen folglich auch an der ehemaligen Villa Siegelhort vorbei und wunderten sich sehr,
wie riesig dieser Prachtbau doch ist.
Ebenso die wunderbar anzusehende Hexenbock-Brauerei, die geradezu einlud.
Man nahm sich Prospekte mit und war beeindruckt.
Fritz-Patrick wäre lieber in der Hexenburg geblieben..

***

Es wurde dort gut aufgetragen und die Gäste waren sehr zufrieden.
Annabella hatte ziemlich gerötete Wangen, als ihre Mutter die Tür zur Kemenade öffnete-
um das neue Kleidchen in den Schrank zu hängen-
sie war wohl in den ersten Kuß ihrer Tochter geplatzt.
Am nächsten Tag sind die beiden gräflichen Kinder gleich im Heidepark verschwunden
und kamen durch den Geheimgang zurück, aber erst viele Stunden später.
Der besorgte Vater konnte beruhigt werden - lassen sie nur, die werden im Unterhaus
und in der Gaststätte gewesen sein - Hunger haben die mit Sicherheit nicht mehr.
Und so war es auch.
Annabella hat ihren Großeltern mütterlicherseits ihren Prinzen vorgestellt.
Mit Hofknicks und Verbeugung, wie in einem alten Film.
(Das kam erst später heraus)
Die Beiden hätten dort allerlei erzählt und "Pommes rot - weiß" gegessen und Kola dazu getrunken.

Wir waren mit 11 Jahren noch richtige Kinder, ist das nicht ein bißchen zu früh?
Nein, Valter, rechne doch mal nach - so Helene.
Das hörte auch Julia in ihrer Kemenade mit.









Die Zeit des Abschieds war nah.
Am Abreisetag war eine kleine Hoftrauer angesagt bei den Kindern,
wo sich sogar Laurens anschloß, auch er hatte den Fritz-Patrick gerne,
weil ihm ein Bruder fehlte.
Händchen haltend sind Annabella und ihr Freund in der Kemenade gesessen
und haben sich ausgetauscht.
Inzwischen ist sein Vater nochmal in die Stadt gefahren um ein paar Souveniers
einzukaufen, er kam aber nicht mehr in die Burg zurück.
Er hatte einen Unfall und war dabei nicht angeschnallt gewesen und ist von einem entgegen
kommenden Wagen abgedrängt worden, welcher über die Fahrbahnmmitte fuhr.
Das sieht man oft, weil diese heutigen SUVs zu breit sind und von vielen Drivern
nicht mehr so recht eingeschätzt werden können.
Fritz Patricks Vater hat falsch reagiert und ist zur falschen Seite hin ausgewichen,
im Reflex und dabei gegen einen Baum gefahren -
Nach kurzem Koma ist er im Krankenhaus verstorben.
Graf Valter hat die Formalitäten durch seinen Anwalt und Notar klären lassen,
welcher auch nach Schottland flog, um mit den dortigen Behörden zu verhandeln.
Inzwischen blieb der Junge in der Burg.
Der Anwalt kam zurück und berichtete, daß die Behörden mit einer Adoption einverstanden wären,
weil keine Verwandten in Schottland gemeldet seien und die beiden Brüder noch nicht mündig,
deshalb unter dem Vormund der Behörden bleiben mußten.
Das Haupt-Erbe fiel an den Ältesten.
Das Gastwirt - Ehepaar adoptierte Fritz-Patrick also,
sie waren immer da, wenn man sie brauchte.
Das geschah in weiser Voraussicht, weil bei einer späteren Bindung
nicht zweimal der gleiche Name auftauchen würde..
das ist dem Anwalt eingefallen und er wurde gelobt dafür.

Die Trauerzeit war schon schlimm, denn ein tragisches Schicksal bleibt eines,
auch wenn es Fritz - Patrick nun sehr gut ging, als neuer Bewohner der Gaststätte.
Die beiden Kinder trösteten sich gegenseitig und bald kam eine Normalität auf,
ein tiefes gegenseitiges Verstehen.
Alsbald kam ein behördliches Schreiben aus Schottland, wo Fritz Patrick ein
einsames Strandhaus im Norden, mit einer großen Parzelle Land zugesprochen wurde.
Dieses war vermietet an einen Rinderfarmer und brachte etwas Geld in die Kasse des Jungen,
der sich dort nie wohl gefühlt hat, ihm gefiel das Leben in der Burg deutlich besser
und die Menschen auch, wie er sagte.

Der Straßenverkehr wird immer bedrohlicher, so kam man übereins, man muß
für die anderen Leute quasi mitdenken..
Laurens hatte unterdessen ebenfalls Kontakt zu einer feinen jungen Baronessa,
die sich jedoch nicht auf der Burg blicken lassen wollte - sie war einfach zu schüchtern,
wie Laurens meinte.
Maretta stammt aus einer ursprünglich italienischen Adelsfamilie, welche seit
Generationen einen Eissalon in der unweiten Kurstadt betrieb, in einem alten
großen Stadthaus aus der Gründerzeit, welches die Familie damals von ihrem Erbteil gekauft hat.
Dieser Eissalon war recht groß und lief wunderbar, die zentrale Lage des Hauses in der Stadt
tat ein Übriges dazu, zwischen Kurviertel und Einkaufspassage und Bürostadt.
Gegenüber war der Kurpark mit Parkplätzen davor - sehr praktisch.
Die Castellianis stammten aus Napoli und deshalb ging es dort recht laut zu.
Wenn ein fremder Besucher in die Diskussionen innerhalb der Familienmitglieder geraten ist,
dachte dieser an einen handfesten Streit, dabei war das ganz normal und alltäglich.
Keiner war dabei nachtragend, das ist eben so - basta!

Julia ist dort mit Laurens im Eissalon gewesen und hat eben diesen Bericht zuhause im
Rittersaal erzählt - Laurens war verlegen, lachte aber herzhaft:
Hast du gesehen, wie ihr Vater seinem jüngeren Bruder eine Ohrfeige gab, weil dieser
über ihn gelacht hat?
Ein nicht zu übersetzendes Schimpfwort und .. Platsch.
Die Mutter hat wohl gemerkt, daß ihre schüchterne Maretta zappelig war und rot wurde..
deshalb ging sie selbst an den Tisch, wo Julia und Laurens saßen und hat die Beiden bedient
und ganz genau angeschaut.
Julia fragte unverhohlen- sie sind sicher Marettas Mama?!
Mütter haben da so ihre "Antennen", was Männer nie verstanden haben.
So unterhielten sie sich kurz:
Kommen sie mit in die Küche, hier kann ich nicht richtig reden!
In der Küche war ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, wo Familienmitglieder
geschwind etwas essen konnten - Mama kocht.
Ruck zuck standen zwei Teller Pasta auf dem Tisch - serviert von Maretta.
Richtig guter Parmesan darauf und basta.
Maretta holte sich einen Stuhl dazu, Mama war wie ein Helikopter immer present,
mal hier mal da, den Herd scheuern, Töpfe wegräumen, mit dem Handtuch über dem Arm,
wo die Armel der Bluse hochgeschoben wurden, kam sie an den Tisch - und nun
ein kleines Früchteeis, das geht noch rein..
Mama war nicht umsonst so dick..
..sie lachte und meinte:
Mein Bauch hat viel Geld gekostet und klopfte sich darauf.
Maretta war das peinlich, wie Kindern ihre Eltern meistens peinlich sind,
ob dick oder dünn,- das ist wohl egal.

Als sie wieder in der Burg waren, gab es einiges zu erzählen und
alle lachten - nun auch endlich wieder Fritz - Patrick, der langsam auftaute.
Er merkte wohl, dass man hier eng zusammen hielt und er wurde zu einem Teil dieses Zusammenhaltes.
Bald fuhr er mit dem Traktor spazieren, was er ganz sorgfältig und mit großer Umsicht tat,
denn die Annabella war dabei.
Die Beiden halfen beim Wein machen und kümmerten sich um den Heide - Park.
Der Saal wurde ein wenig mehr mit Leben gefüllt.
Fritz Patrick wurde in der gleichen Schule wie Annabella eingeschult,
in der Parallelklasse - und so hatten die Beiden den gleichen Weg.

***

Durch die Adoption war Fritz Patrick freilich meistens in der Gaststätte bei seinen
neuen Eltern, in deren Wohnung er nun sein Zimmer hatte.
Er hat sich dort immer sehr wohl gefühlt und bald war ein großes Vertrauensverhältnis aufgebaut.
Sein Lieblingsessen war.. Erbsensuppe und andere deftige Essen!
In der Gaststätte und bei Helenes Eltern war nun also "etwas mehr Familie",
wie man das nannte und das bekam beiden alten Paaren gut:
Man kann nicht altern, wenn Kinder im Haus sind..

Annabella war immer schon eine Prinzessin und sie blieb eine,
auch wenn sie mit den einfachen Verhältnisse in der Gaststätte zu tun hatte.
Helenes Eltern wußten nichts von den Grafenthalern und woher Valter das Geld hatte,
das machte diesen das Leben leichter.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, so sagten sie immer,
wenn die Rede darauf kam.

Claude und Julia bekamen genügend Firmenanfragen und hatten gut zu tun.
Sie ließen eine "stille" Alarmanlage in der Burg anbringen, die gleich
zur Polizei durchschaltet, wenn sich etwas tut.
Auch wenn die Lage der Burg nicht gerade im Fokus der Ereignisse lag,
konnte man nie wissen - und recht hatten sie damit getan.
Steffens Nachwuchs hat man festgesetzt und wegen Einbruchs verdonnert,
was wohl nicht das erste Mal passiert sein muß.
So erfuhr auch Fritz Patrick, daß Verwandten nicht zu trauen war,
weil wieder einmal Rufmord - Kampagnen in der Großgemeinde gegen die
"Halunken in der Burg" angezettelt worden waren.
Es ging schon seit dem Ausbau der Burg, schier aus Konkurrenzneid heraus,
weil eine entfernte Baufirma den Auftrag bekam - warum das so war,
wissen nur die Burgbewohner und .. die Leser dieser Geschichte.









Fritz Patrick hat sich früh für das Fach Philosophie interessiert und Annabella
für Biologie und Pflanzenkunde, eigentlich für Naturheilkunde und Magie.

Laurens wollte einmal Rechtsanwalt werden und Maretta eine Prinzessin sein..

Im großen Saal wurde jeden Tag über alles diskutiert, ständig waren
irgendwelche Debatten, die spontan gehalten wurden.
Valter und Helene war das ganz wichtig, damit die Kinder zu aufrechten Demokraten
erzogen werden, wie sie betonten.

Die Tage gingen dahin und Fritz-Patrick ging erst nach Hause, als er die Hausaufgaben
mit Annabella zusammen gemacht und sie eine Weile zusammen gewesen waren -
anschließend spazierten beide fröhlich zur Gastwirtschaft.
Abends wurde sie dort von einem der Erwachsenen abgeholt.
Sicher ist sicher, man weiß ja nie, welches Gesindel sich im Wald herum drückt.
Die Polizei kann nicht überall sein und zudem erst eingreifen, wenn etwas passiert ist,
nicht schon vorher.
Bald wurde auch versucht in der Burg einzubrechen, was einen stillen Alarm auslöste
und den Hund auf den Plan rief, der ohne zu zögern zubiß.
Man muß kein Hellseher sein um zu ahnen woher diese Verbrecher kamen, die dort eindringen wollten.
Diesmal war es keine Diebesbande aus Südeuropa oder Osteuropa, sondern jemand aus der eigenen Verwandtschaft.
Steffen war verzweifelt, wieder wurde sein Sohn gefasst und eingesperrt.

Es dauerte nicht lange und wieder kam einer der Priester und wollte
"seine Pfarrkinder" in Obhut nehmen.
Er wurde nicht vorgelassen und gleich vom Diener abgewimmelt:
Habe ich sie nicht schon einmal fesseln lassen müssen?
Der Hund hob bereits zu einem Bellkonzert an, so ging der schwarze Vogel besser wieder Richtung
Burgtor, vor welchem er sein Auto geparkt hatte.
Diesmal nicht fast im Blumenbeet, sondern so dusselig vor der Einfahrt, daß diese blockiert war.
Die Anzeige wegen Hausfriedensbruchs folgte dem "Geistlichen" auf dem Fuße.
Da aber die Kirche eine eigene Gerichtsbarkeit hatte, kam dieser Pfarrer straffrei davon,
wie alle Kirchenleute, die sich etwas zu schulden haben kommen lassen.

Der nächste Besucher war ein junger Mann, der in der Stadt den kleinen Laden für Bürobedarf
von seinem gerade verstorbenen Vater übernommen hat.
Er wollte vom Grafen, wie er sich ausdrückt, gerne ein paar Tipps haben, wie man einen
solchen Laden gewinnbringend betreiben könne..
Der Diener war fassungslos und sagte:
Warten sie hier, ich frage nach, ob der Besuch genehm ist - wie war gleich ihr Name?
Einen Augenblick später kam er wieder zurück in das Vestibül, wo der jungen Mann
etwas verwirrt und erstaunt herum stand.
Sie sind kein Verwandter, also dürfen sie gerne kommen -
er öffnete die Saaltür und lies den jungen Mann eintreten, diesmal ohne laute Namensnennung.
Er durfte sich an einen ihm genehmen Platz setzen und stellte seine Fragen.
Der Siegelring des Grafen blitzte im Licht der Lüster, Helene strickte wieder ein paar Socken
für die Kinder und hörte aufmerksam zu.
Ist der Laden gemietet?
Ja.
Dann werden sie wohl kaum einen grünen Zweig kommen, das sage ich auf den Kopf zu.
Was haben sie gelernt?
Buchbinder und Archivar, gearbeitet habe ich in einer großen Bibliothek,
bevor diese auf Computer umgestellt hat, als eine der letzten.
Und diejenigen, die als letzte eingestellt wurden, mußten zuerst gehen...
.. die Computer-Phobiker haben sie behalten, weil diese Leute schon viele Jahre dort arbeiteten
und mich, der mit Computern aufgewachsen ist, haben sie gehen lassen.
Das ist eben so, sprach der Graf, da fällt so mancher in ein tiefes Loch.
Es war gut, daß sie bei mir vorbei geschaut haben, denn hier gibt es jede Menge
Arbeit und zwar in unserem Familienarchiv, das recht umfassend ist.
Wenn sie Zeit haben, können sie sich dieses gerne einmal anschauen.
Der junge Mann war verblüfft, dass man derart feudal wohnen konnte in der heutigen Zeit
so auf "Gestern" fixiert und luxuriös - er ging gerne mit in den Keller - Monolithen,
wo ein feuersicherer Raum über und über mit Regalen zugestellt war, in der Mitte ein schmaler langer Tisch.
Neonlicht und Leselampen - ein Tresor und einen Panik-Knopf, bei dem sich die Tür von innen
verriegelt und nur mit einem Spezialschlüssel geöffnet werden konnte.
Sogar ein kleiner Sanitärraum war darin, falls sich jemand unbeabsichtig einsperrt.
Wir haben nebenan eine Kammer mit allem, was Archivare und Buchbinder so brauchen,
denn die Volianten müssen ab und an repariert oder ausgebessert werden.
Das war das Metier des jungen Piet, der fortan seine Probezeit in der Burg absolvierte
und in einem der oberen Gästezimmer des Unterhauses einquartiert wurde.
Fein dachte er sich, das spart viel Miete!

Ab und an war Piet auch bei Claude im Büro, während sich Julia ganz
daraus zurück zog - die Kinder forderten ihre Mutti.
Piet war pfiffig und wollte weiter kommen, ganz ohne Frage.
Als er nach einem Jahr alle Archivarbeiten sauber erledigt hat,
war er ganztags bei Claude im Büro, das bald in die Kommune ausgelagert wurde:
In das - noch immer leer stehende kleine Schreibwarengeschäft, in welchem die Auslage
wieder mit Schreibutensilien bestückt wurde.
Vorne wurden Griffelkasten und Malfarben verkauft, hinten fand die Unternehmensberatung
statt, die hinter einer gepolsterten Tür ihren Sitz erhielt.
So war eine perfekte Tarnung sicher, welche die Probanten sehr schätzten.
Der Piet machte sich mithilfe des Grafen selbständig und erledigte bald -
mit gelegentlicher Unterstützung der Hexenburg die Anfragen locker in Eigenregie.
Das Konzept war klar und die Hexenburg wieder frei von jeglichem "Fremdverkehr",
wie Helene und Julia das nannten.
Die Frauen haben ihre Männer geschickt dahin gelenkt, wie zu allen Zeiten.

***

Laurens arbeitete an einem Projekt, das er noch keinem verraten wollte.
Annabella ebenso - sie wollt mit ihrem Fritz - Patrick nach Schottland in das einsame Haus ziehen.
Er sann darauf, dort eine Rinderfarm zu betreiben.
Sie wollte nur Hausfrau sein und zwei Kinder haben,
Biologie und Pflanzenkunde, eigentlich für Naturheilkunde und Magie betreiben.
Julia schüttelte nur noch den Kopf.
Unglaublich, wie sich die Prinzessin wandelt..
..ich bin mir sicher, das ziehen die Beiden durch, da halte ich jede Wette.
Sie hat mich schon gefragt, wie hoch ihre Mitgift sein wird..
Was? Claude konnte es nicht fassen.

Piet zog vom Unterhaus in die Stadt, in ein Hinterzimmer des Ladens.
Die Fahrerei war ihm zu viel.
Laurens arbeitete wie besessen und büffelte fast immer.
Das war Loretta zu langweilig und sie sprang ab, suchte sich einen neuen Freund.

***

Im Unterhaus war alles ruhig und gepflegt, niemand im Dorf wußte von den
neuen Bewohnern, weil schon Valter und Helene kaum Kontakte zur Nachbarschaft hatten.
Im Gasthaus lief alles wunderbar, Fritz - Patrick war wie ein Sohn aufgenommen worden.
Annabella war bald kaum mehr in der Hexenburg und meistens in der Gaststätte,
wo die beiden Unzertrennlichen so oft wie es ging zusammen hockten.
Julia meinte nur:
Mir kommt das irgendwie bekannt vor und Claude sagte nichts.









Die Zeit heilt manche Wunden

Loretta war nicht zufrieden, ihr "bürgerlicher" junger Freund war nicht genug.
Es dauerte nicht lange und sie wurde von ihren Eltern zur Hexenburg gefahren.
Die Eltern haben sich aus dem Verwandtenkreis Vertreter besorgt,
was immer mal wieder vorkam - denn so ein Betrieb erfordert lange Öffnungszeiten,
wenn man Erfolg haben will und Erfolg hatten sie allemal.

Die Fanfare begrüßte die Gäste, die sich irgendwie ins Mittelalter zurück versetzt fühlten.
Der dicke Hund kam - und verbreitete den ersten Schrecken.
Lorettas Mutter meinte:
Mich würde nicht wundern, wenn dieses Monster Feuer spuckt..
Aber sie kamen unbehelligt im Burghof an und wurden vom Diener begrüßt,
der selbstverständlich instruiert worden war.
Der Herr Graf geruht auf dem Söller die letzten Sonnenstrahlen zu geniesen,
ich soll sie dort hinauf führen.
Schnaufend kamen die Drei dort oben an und wurden herzlich begrüßt - ganz formlos,
einfach wie unter Eltern üblich, die ihr Kind in eine andere Familie mitbringen.
Die Sonne ging blutrot unter über den Dächern der fernen Gebäude, der Wald
fiel mehr und mehr in Dunkelheit, die Amsel sang bereits ihr Nachtlied.
Ab und an huschte eine Fledermaus über die Köpfe.
Wie jeden Abend ertönte der Gesang des Nachtwächters, ein älterer Mann aus Dorf
wollte diesen Job unbedingt haben, weil er sonst keine Beschäftigung habe und
hier in der Wachstube des Burgtores sich deutlich wohler und gebraucht fühlte.
Der Nachtwächter also hob an,
"hört ihr Leut und lasst euch sagen, die Uhr hat g'rade 9 geschlagen.."
zu singen mit seiner rauchigen alten Stimme.
Die altmodische Laterne in der Hand ging er umher wie ein Gespenst.
(Alle Burgbewohner fanden das witzig, die Gäste aber waren stets fassungslos)

Der Graf führte die Besucher hochselbst die Stiegen des Söllers hinab, durch massive
Holztüren mit Eisennägel bewehrt und über den Burghof zum Palas.
Dort stand die Pforte auf, der Diener nahm die Überkleidung entgegen und
führte die Schar durch das weite Vestibül in den Rittersaal, wo er im Eingang
mit hohler lauter Stimme den Namen der Gäste und den Titel ankündigte.
Wie durch Geheimtüren geschlüpft, saß der Graf Valter an der langen Tafel auf seinem
"Thronstuhl" und hieß die Gäste offiziell willkommen.
Der Diener wies die Plätze zu und zog -formvollendet- die Stühle in Position.
Der Graf klatschte in die Hände und Serviererinnen trugen das Abendbrot auf.
Fein kalte Platten und heiße Hummersuppe mit frisch gebackenen Baguettes.
Edler Rotwein von Bacharach war in Karaffen abgefüllt und wurde bei Bedarf
eingeschenkt.
Die Lüster dimmten sich ab und die Tafel begann.
Alle waren daran versammelt und speisten buchstäblich wie Fürsten.
Anschließend spielte ein junger Pianist aus der Stadt italienische Operetten auf dem Flügel
und ein junger Tenor sang wie Carruso ein Potpourri.
Die Musiker zogen wieder ab und Helene spielte eine Auswahl ihrer Volksmusik-Stücke.
Die Stunde rückte vor und man beendete den Abend mit freundlichem Geplaudere,
dann führte der Diener die Gäste in ihre Zimmer.

Loretta war ganz mäuschenstill und sehr verlegen, während Laurens wie ein junger Edelmann
sich ganz "cool" gab, angetan mit feinem Zwirn, einem Käppi, das mit seiner Feder dran
ein wenig an "Robin Hood" erinnerte.
Er flüsterte Loretta ins Ohr, als sie kurz hinter dem Monolithen verschwanden:
Ich habe immer nur an dich gedacht und nie eine andere angeschaut.
Noch ein Jahr und ich bin aus dem gröbsten Lernen heraus und kann den -noch geheimen-
beruflichen Weg bekannt geben.
Die Kleine hielt keine Ruhe und so hörte sie, dass ihr Prinz staatlicher Förster werden wolle
und nebenbei die Jagd in diesem Wald zu pachten gedenkt.
Ferner will er Fasane züchten und vermarkten.
Loretta schüttelte den Kopf und konnte es nicht fassen,
was da auf sie zukommen sollte:
Bleibe eine Prinzessin und du wirst irgendwann Burgherrin sein, halte aus und halte durch!
Wir sind noch so jung und können warten, aber wir dürfen uns keinerlei Versagen leisten.

***

Wo bleibt Loretta nun schon wieder, schimpft ihr Vater - die Kleine macht doch nur Scherereien!
Ihre Mutter beruhigte ihn und meinte:
Sie wird schon kommen, man soll den jungen Leuten ein wenig Leine geben.

Am anderen Tage wollten die Besucher wieder in ihrem Eissalon stehen, zumindest gegen Abend dort sein.
So blieb nur das gemeinsame Frühstück.
"Hört ihr Leut und lasst euch sagen, die Uhr hat Sieben geschlagen!"
"7 Tage in der Woche, wo ich meine Runden moche..!"
Helene schüttelte den Kopf - was hat er da schon wieder gereimt?
Die Stimme aber, die muß wohl schon im Mittelalter so geklungen haben,
die von den Wehrmauern zurück schallte.

Nach einem "Brunch" moderner Art verabschiedeten sich die Gäste
und traurige Gesichter der jungen Leute waren zu bemerken.
Unterwegs waren die drei Besucher verdächtig still, kein lautes südländisches Gezeter,
wie normalerweise üblich, sondern betretenes Schweigen.
Loretta meinte leise, wie zu sich selbst:
Fasanista, ich soll Fasanen züchten!
Wie?
Entschuldigte bitte, ich habe geträumt.
Du meine Güte, meinte ihr Vater, die Kleine ist ja ganz durch den Wind.
Was die Eltern nicht ahnten, war die Zusammenkunft der Beiden in der Nacht.









Loretta hat gerade so die mittlere Reife geschafft,
mit Ach und Krach, wie man so schön sagt.
Laurens war mit dem Abi durch und schon auf dem Studiengang,
als bester Schüler und deshalb früher als die anderen.

Annabella sang des Öfteren gerne "oh my sweet Lord" und meinte damit
sicherlich nicht den Herrn im Himmel, den dem sie sich wohl befand.

In dieses Idyll platzt freilich immer einmal wieder ein sogenannter
"toxischer Mensch", der aufmischt und vermiest:
Der Pfarrer wiegelte die Verwandtschaft des Grafen auf,
behauptet eine Erbschleicherei an Luisza begangen zu haben und ging dabei offen die leerstehende Familienbank in der Kirche an.

Loretta schrieb schon früh Romane und wurde später zur bekannten italienischen Schriftstellerin.
Sie ging diesen beharrlich weiter, weil es ihr leicht aus der Feder kam.
Laurens bestand das Examen also und bekam die Stelle als Revierförster,
er machte den Jagdschein und pachtete sich ein Jagdrevier, das gerade vakant war.
Lorettas Robin Hood war an seinem Ziel.
Er verkörperte immer mehr das Idealbild eines Prinzen und Valter war stolz.
Später würde Laurens ein würdiger Nachfolger sein, da war er sich nun sicher.

Nicht lange und Loretta stand mit dem Koffer vor dem Burgtor.
Sie wurde daheim hinaus geworfen, weil sie schwanger war..
Helene und Julia haben das verzweifelte Mädchen getröstet
und einquartiert, bevor die Männer nach Hause zurück kehrten.
Mit 16 ein Kind, jammerte sie, mein Leben ist ruiniert,
meine Eltern haben mich aus dem Haus geworfen und bei euch blamiere ich mich.
Hätte ich Geld, wäre ich in ein Hotel gezogen, denn auf die Schnelle ist eine
Wohnung oder auch nur ein Zimmer nicht zu bekommen.
Was gibt es da zu heulen, schimpfte Helene, du wolltest es so und nun hast du es.
Andere wollen gerne Kinder haben und bekommen keine, du hast es eben gleich beim ersten Versuch ..
Claude hörte das zufällig mit und mischte sich ein:
Hier wird niemand hängen lassen, niemand deswegen verachtet, denn wo die Liebe hinfällt,
da fällt sie hin - basta.
Basta? Heult sie laut auf, das kenne ich doch!
Als der Dienstwagen des Revierförsters im Hofe stand,
kam auch ihr Prinz mit dreckigen Stiefeln an dem Geräteschuppen an,
zog sich die Arbeitskleidung aus und bis auf die Unterwäsche und ging
in grünen langen Strickstrümpfen in den Palas
um geschwind in seinen Umkleideraum zu gelangen.
(Sein Arbeitstag war hart und im Wald wird man zuweilen recht schmutzig)
Im Vestibül drehte sich der Diener geschamig um, wie man in Bayern sagen würde
und sagte nur: Oh my Lord!
Die drei Heulsusen standen oben auf der Empore, als Laurens die breite Treppe hinauf eilen wollte, und von denen auch prompt ausgelacht wurde:
Haha, der Prinz ist gekommen und wie fein er wieder ausschaut, sogar mit Feder am Hut !
Verflixt, den Hut habe ich vergessen auszuziehen - alles lachte, auch Loretta.
Bald war der Burgfriede wieder hergestellt und die Braut bereitete sich für die Hochzeit vor.
Die Formatitäten für eine standesamtliche Heirat wurden gleich am nächsten Werktage getan.
Alle wunderten sich, dass Lorettas Eltern, trotz Einladung nicht gekommen waren.
Sie sind streng katholisch und das geht eben nicht mit einer staatlichen Trauung alleine,
ohne Kirchengetöse war das in deren Augen ein Sakrileg, wie auch das Kind ein Skandal ..

Die alte Köchin und Karl von der Brauerei als Trauzeugen wurden geladen.
"Laurens kümmert sich rührend um die Kleine", so schwärmte Helene am Abend im Bett,
Valter schüttelte nur den Kopf.
Zeiten sind das!
Ich darf dich an die Familienchronik erinnern, meinte Helene trocken.
Das stimmt.
Dieser Fall ist schon öfter gewesen, das ist kein Novum.
Der Nachtwächter drehte die Runde:
"hört ihr Leut und laßt euch sagen, die Uhr hat grad Elf geschlagen!"
Die Nacht war samten und windstill, das Fenster der Kemenade war offen,
ganz ruhig war es in der Burg geworden und das neue Paar schlief tief und fest,
eng aneinander geschmiegt.

***

Fritz - Patrick belegte Biologie und Annabella ebenso.
Noch während des Studiums sind die Beiden nach Schottland gezogen,
haben sich dort in die Uni eingeschrieben und in dem oberen Stockwerk
ihres ererbten Hauses ihre Wohnung gegründet.
Das alte Mieter-Ehepaar sah sich in der Elternrolle und
zeigte dem jungen Paar, worauf es bei der Rinderzucht ankam.
Dort war ein einsames Fleckchen Erde, weit und breit kein Haus.
Die Longhorns grasten ruhig und nur ab und an kam der Postbote
mit einem Scheck der Eltern vorbei.
Die Beiden schickten eine Fotoserie zur elterlichen Burg,
die ein abendliches Event im Saal wurde, an welchem alle teilnahmen,
auch die Dienstleute.

Der nächste Tag brachte Regen und .. Piet, der an der Pforte stand.
Claude war gerade auf dem Weg in die Stadt und so beredeten sie die Situation
der Unternehmensberatungsfirma, die keinen Gewinn abwarf:
"Die Ratsuchenden wollen die Kompetenz der Burg und kein Hinterzimmer,
das ist mir klar geworden."
Claude meinte ruhig:
Wir haben das Büro im Palas noch nicht ausgeräumt und können dort jederzeit wieder firmieren,
das ist kein Problem.
du wirst sehen, das klappt schon.
Am besten ist es, du beziehst wieder das Gästezimmer im Unterhaus,
wo es dir gut ging.
Und so kam es denn auch.
Die Beiden haben das Büro wieder in Schwung gebracht und Anzeigen geschaltet.
"Gräfliche Unternehmensberatung in der Hexenburg"

***

Die Zeit der Schwangerschaft verlief sehr ruhig und ausgeglichen
für Loretta und Laurens, der sich als Ritter der Zunft zeigte und fürsorglich war.
Ihr Bauch wurde fast bedrohlich rund, er ragte wie eine Insel aus dem Wasser der Badewanne.
Helene war eine sogenannte "Kurzzeit-Zofe" und reichte der Kleinen das Handtuch
und passte auf, dass sie nicht ausrutschte.

Eines schönen Morgens war es passiert und noch im Bad kam das Kind zur Welt,
so schnell und einfach, dass nachher der eilig gerufene Arzt sich wunderte
und bei der Versorgung der jungen Mutter meinte:
Das gibt es heute leider nur noch selten, daß alles so einfach verläuft.
Bleiben sie eine Woche ruhig im Bett, ich komme jeden Tag kurz vorbei.
Das Kind war ziemlich klein, aber rund und gesund, ein Mädchen kam zur Welt.
Wie soll es heißen?
Wir dachten an Helena, die aus dem Ei geborene Tochter Zeus' und Ledas.

***

Die Behauptung des Pfarrers, daß Valter eine Erbschleicherei an Luisza begangen hat,
brachte diesem Menschen einigen Ärger ein..









Valter ging in die Kirche, wo gerade der Küster auskehrte,
stellte seinen Werkzeugkoffer auf den Boden und riß eigenhändig die Bank
aus der Bodenhalterung und stellte sie auf den Kirchplatz,
entlieh sich vom Küster Schaufel und Besen, kehrte die Reste zusammen.
Der Küster stand die ganze Zeit mit offenem Mund dabei und stammelte..
Draussen auf dem Platz zündete Valter die Bank an und fuhr nach Hause.

So, nun ist die Familienbank im Himmel.
Das sprach sich in Windeseile im Ort herum:
"Die da oben erlauben sich was!"
"Toxische" Menschen geben niemals auf, wenn es darum geht Stunk zu machen,
so Helene am Abend, das wird ein Nachspiel haben, da kannst du sicher sein.
Und so kam es auch, dass Valter "exkommuniziert" worden ist.
Dieses Papier hat er auf dem Kirchplatz verbrannt, dort wo der
schwarze Fleck von der Bank verblieb.
Wir sind doch längst aus der Kirche ausgetreten, was will dieser Spinner
immer noch weiter von mir, warum gibt er keine Ruhe?
Die Stadtreinigung hat den Fleck entfernt - ein Trinkgeld können die Männer immer gebrauchen..

***

Es dauerte nicht lange und die Unternehmensberatung lief wieder wie zuvor.
Die Klienten erfreuten sich an dem Ambiente und sonnten sich im Glanze des Rittersaales.
Der Adel zeigte wieder einmal, wie man Erfolg hat.
Der nun wieder zum Angestellten gewordene Piet war zufrieden, die Burgkasse
wurde stetig weiter aufgefüllt durch den Firmen-Erfolg.
"Erfolg hat einen Namen", stand auf dem Prospekt, das die Firmenchefs oder Beauftragten
in den Händen hielten, wenn sie in den Burghof kamen um beraten zu werden.
Wie im Schwabenland der Spruch "Wir können alles, außer Hochdeutsch" grassiert,
so war der Spruch "Erfolg hat einen Namen" bald in aller Munde.

Valter erfuhr, daß die Hexenbrauerei Liquiditätsprobleme hatte,
wie ein Hopfenanbauer berichtete, welcher gerade bei der Beratung war.
"Die Investoren ziehen zu viel Geld aus dem Laden, das kann auf Dauer nicht gut gehen",
sagte dieser, der selbst dadurch Absatzprobleme bekommen hatte.
Was ist denn mit diesen Leute los, so schimpfte der Graf und fuhr zu Karl in die Brauerei.
Die Gewerkschaft bestreikte diese gerade und alles stand still.
Spruchbänder, brennende Ölfässer vor dem Tor, rote Fähnchen und laute Tuten.
Wieso demonstrieren die Leute, warum sind die so unzufrieden?
Karl antwortete:
Die Investoren kürzen beim Personal, damit mehr in deren Kassen fließt,
so konnte die Gewerkschaft eine Menge neuer Mitglieder gewinnen.

Karl berief auf Anraten Valters den Betriebsrat und eine Investorenabordnung ein und befragte diesen,
in Zusammenarbeit mit der Buchhaltung, wie das weitere Schicksal der Brauerei sein sollte.
Die Investoren zeigten sich kompromißbereit, weil sie nicht noch mehr Geld verlieren wollten
und unterbreiteten Valter ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte.
Daheim erzählte er, ein Schnäppchen gemacht zu haben und bald ging es ans Werk.
Diesmal brauchten keine Holländer zu kommen, denn die Barschaft war ausreichend,
um die Abstandssumme zu zahlen, die noch etwas herab gedrückt werden konnte,
weil eben "Bargeld lacht", wie man früher so schön zu sagen pflegte.
(Wer nicht auf sein Geld warten muss, ist einfach kompromißbereiter)
Die neuen Arbeitsverträge waren nur für Mitarbeiter bestimmt, die keiner Gewerkschaft angehörten
und die auf eine solche Mitgliedschaft auch in der Zukunft verzichten würden.
Dafür stand eine lebenslange Beschäftigungsgarantie der Hexenburg Pate.
Die Gewerkschaft spuckte Gift und Galle, aber es half nichts - wer in der Hexenbrauerei
weiterhin arbeiten wollte, mußte eben unterschreiben.
Von den einst hundert Beschäftigten waren zur Zeit der Investoren nur noch 50 übrig geblieben,
die alle unterschrieben haben - bis auf einen, der die Funktion des Betriebsratsvorsitzenden hatte und
nur herum schwadronierte und nichts Produktives leisteten mußte..
Dieser Mensch wurde vom Grafen "freigesetzt" - nun lernt er arbeiten, so Valter.
"Wer hier einen Betriebsrat gründen will, bricht den neuen Arbeitsvertrag und muß mit Entlassung rechnen, genau wie Glaubensrichtungen nichts auf dem Betriebsgelände zu suchen haben!
Refa-Leute wurden des Hofes verwiesen, Gewerkschaftsplakate entfernt und die ganze Buchhaltung
auf den Kopf gestellt.
Karl war den Zirkus leid, konnte aber zuvor wegen des Betriebsrates auf sich allein gestellt, nichts bewirken.

Die Steuereintreiber wurden zufrieden gestellt und der Vertreter der Gläubigerbank zog zufrieden ab.

Die Produktion wurde überprüft und korrigiert, die alte Qualität neu eingeregelt,
die Hygienebedingungen verbessert und das Vorschlagswesen wiederbelebt.
Die alten Stammkunden, die inzwischen zum Teil abgesprungen waren, bekamen ein Gratis-Fass
in der ursprünglichen Qualitätsstufe - zugestellt.
Dieses Geschenk kostete eine Menge Geld, aber es hat auch alle Stammkunden wieder zurück
gebracht, bis auf einen, der inzwischen insolvent geworden war.
Die Mitarbeiter staunten nicht schlecht, als sie wieder die altbekannten Lastwagen auf dem Hof sahen, die ihre Fässer holten.
Auch optisch wurde die Brauerei neu hergerichtet und lautete fortan "Hexenbrauerei".

Die Kunden der Unternehmensberatung von Claude und Piet staunten, als sie dieses neue Referenzprojekt gezeigt bekamen.

Die Ordnung war wieder hergestellt und die Produktion lief wie früher -
aber nur noch als Doppelbock, ohne das Lagerbier, so Valter, das machen viele Brauereien und
denen wollte ich nicht zu nahe treten, weil schließlich jeder leben will..
und genau diese Einstellung kam bei den Unternehmern gut an.
Die 50 Mitarbeiter reichten erst einmal vollkommen aus - und "aus" - Lastung war eines jener
Schlüsselworte, auf die es heute im Management ankommt.

Die Eventmanager von einigen Hotels freuten sich,
den Hexenbock als Highlight erneut anbieten zu können,
"unter Gräflicher Leitung" war auf den Fässern zu lesen, "wie in alter Zeit",
das Siegel prankte wieder auf jedem Faß und beeindruckte wie zuvor.

Das alte-neue Firmenkonto bei der bekannten Bank lief und der Bankmensch war sehr zufrieden:
Was die da oben in die Hand nehmen, das wird zu Gold !
Die Brauerei warf bald wieder gute Gewinne ab, die Fässer rollten buchstäblich
und die Mitarbeiter waren stolz auf ihr Werk.
Karl regierte wieder mit harter Hand, mit dem Segen der Burg, wie er sich ausdrückte.
Bald war die Nachfrage wieder auf altem Niveau und die Mitarbeiter durften jeweils
einen Neuen nennen, der hier sein Brot verdienen wird.
Der alte Personalbestand war schnell erreicht, denn die Jobs in der Brauerei
waren die erste Adresse in der Region.
Die Umsatzzahlen sprangen in die Höhe und der Chef des Finanzamtes und
der Bürgermeister rieben sich die Hände.
100 Leute in gutem Lohn, statt 100 Alimentierte gibt ein interessantes Potential,
denn es hängen bei fast jedem Mitarbeiter Familienangehörige dran, die
schon mal nicht mehr zum Sozialamt gehen und auch keine Mietbeihilfen beantragen mußten..

***

Nicht lange, und der Delikatessen-Konzern wollte die Konservenmanufaktur abstoßen,
weil sich die Aktionäre mehr versprochen hätten:
Eine Manufaktur ist heute nicht mehr zeitgemäß, so argumentierten sie unisono.
Aus einem rennendem Unternehmen ist eine "lahme Ente" geworden, deren Produkte
immer weiter ausgedünnt und verbilligt worden waren, bis nur noch der Diskounter blieb,
welcher die Löhne drückte bis es nicht mehr ging und danach Wanderarbeiter eingestellt wurden.
So sah dann der Betrieb aus:
Eine Kontrolle des Gesundheitsamts lies das Werk mit sofortiger Wirkung still stellen,
bis alle Mängel beseitigt seien, wie man sagte.
Der Graf hat dieses Projekt wieder zurück gekauft, "Für ein Butterbrot", wie er sich ausdrückte,
weil noch Verbindlichkeiten als Malus hinzu kamen.
Die Bank der Stadt wollte sich den Kuchen nicht entgehen lassen und hat der Manufaktur
jeden Kredit eingeräumt, in Sorge, dass wieder die Holländer kämen ..
So blieb das Gold wo es war.
Graf Valter ging mit dem eisernen Besen durch, warf alle Mitarbeiter raus, gründete den Betrieb neu
als "Hexenburg - Delikatesskonserven - Manufaktur" und lies durch den noch anwesenden, aber depressiven
Koch und ehemaligen Leiter zu Zeiten vor dem 1. Verkauf alles wieder so herrichten, wie es mal war.
Mit dem alten Sortiment, mit den viereckigen Dosen a 600gr, mit den 850gr Dosen in rund, den Männerkonserven.
Wieder bekamen die alten Kunden Gratislieferungen zugeschickt und wieder ging das Konzept des Grafen auf,
wie die Rose von Jericho..
Das alte Etikett war noch im Rechner, die Nachbestellung also kein Problem und schon prankte das Grafensiegel wieder auf den feinen Dosen mit den feinsten Inhalten, die man auf diese Weise unter die Leute bringen kann.
Auf einer der Videokonferenzen sagte Graf Valter:
Unsere Klientel achtet weniger auf den Preis, als auf den Inhalt - es geht um euere Zukunft:
jede Unregelmäßigkeit, die gemeldet wird und jeder angenommene Verbesserungsvorschlag bringt 100 Euro Belohnung!
Es dürfte jedem klar sein, daß diese "Kummerkasten/Vorschlagskasten" - Idee brummte, wie bald der ganze Laden.
Wieder kamen die Postunternehmen in Mengen auf den Hof und wieder holten sie die Pakete ab
mit den Bestellungen der Online-Kunden, genau wie in der Brauerei, wo die Lastwagen der Kunden anliefen.








Die Honoratioren der Stadt waren neidzerfressen und dennoch buckelten sie vor der Hexenburg.
Wo immer deren Bewohner auftauchten, wurden sie mit allergrößter Ehrerbietung behandelt.

Auf der Burg gingen die Lichter aus, die Helena war gestillt und schief, wie alle,
bis auf Loretta, die in einem mittelalterlichen Gewande ihren neuesten Roman begann:
Die romantische Geschichte einer Baronessa in unserer modernen Zeit.

Ihre anderen Romane haben sich so gut verkauft, daß Loretta nun an einem richtigen Buch arbeitete.
Sie wurde zu einer Buchausstellung eingeladen und Julia versorgte die kleine Helena,
die schon nicht mehr gestillt werden mußte.
Lorettas Buch verkaufte sich gut, es war zwar kein Bestseller, aber es hatte genügend Käufer gefunden,
die nun ihrerseit kaum das nächste Buch abwarten konnten.
Loretta schrieb unter ihrem echten Namen und war bald ein Geheimtipp unter der Leserschaft.
Welche Autorin ist schon eine echte und leibhaftige Baronessa, die noch dazu
in einer richtigen Burg lebte?
So trug auch sie zum Familienunterhalt bei, aber mit eigenem Konto, wie auch
Claude und Valter jeweils ein separates Konto haben mußten,
damit das Finanzamt nicht überall herum stöbern konnte.
Valter war der Motor der Hexenburg und Helene die Karosserie, die alles zusammen hielt.
Die Geschäfte liefen prima und überall prankte des Grafen Siegel,
wie ein Fels in der Brandung der Zeit.
Und genau so sollte diese Idee sein, die er damals mit dem Ausbau der Burg angedacht hatte.
Die ganzen Vorhaben wären gleichen Schiene der Freifrau gewesen und das half Valter.

An einem schönen Abend vor dem Kamin im Rittersaal, den man mehr und mehr "Salon" nannte,
meinte Helene zu Valter:
Eigentlich ist uns alles ganz gut gelungen, bis auf ein paar Irrungen und Verwirrungen,
wie das so ist im Leben.
Den Verkauf der Unternehmen hätten wir uns schenken können - aber wir haben aus jeder Aktion
einen satten Gewinn ziehen können, das muß ich sagen.
Valter nickte stumm, er war einfach nur müde und bald war er eingeschlafen,
die Fernbedienung des Fernsehers noch in der Hand, welchen er nicht einmal geschafft hat einzuschalten.
Alle gingen leise an ihm vorbei, denn er hatte den Schlaf dringend nötig.
Den halben anderen Tag hat Valter verschlafen und dann ging er zum Vorratsregal und
öffnete eine Dose Ravioli, eine aus der eigenen Fabrik.
Mit der Qualität war er sehr zufrieden und so ist nur noch wenig für den dicken Hund übrig geblieben,
welcher seinen Obolus einforderte - wie das Finanzamt, murmelte Valter in sich hinein.
Er trank ein Gläschen Doppelbock auf seinen Erfolg und schlief wieder ein.

Niemand hat mich gefragt, ob ich zur Welt kommen wollte und ob ich überhaupt zur Schule und
zur Arbeit gehen und eine Familie gründen wollte - niemand wird mich fragen, wenn mein Leib
wieder abgeholt wird, eines Tages.. träumte er gerade.
Als Loretta in die Halle trat und jubelnd ihren Erfolg vermeldete, wachte Valter mit dicken Augen auf..
es hat eine Weile gedauert, bis er wieder ganz der Alte war.
Gemeinsam hat die ganze Burggesellschaft das Buch gefeiert und Helene hat dazu auf dem Flügel gespielt.
Die kleine Helena fest im Arm, die begeistert dazu wippte.
Ihre Mutti war froh und so ging sie mit der Kleinen im Kinderwagen die Wege im Heidepark entlang,
immer das gewärmte Fläschen griffbereit.

***

Ruhe kehrte ein in die Burg, als der Nachtwächter sang:
"Zwölf ihr Leut ist es geworden, Mitternacht die Eule ruft, bald ist wieder Morgen mit der lau-haun-en Luuuuuft!"

Mann mann, der reimt sich was - dabei sind alle eingeschlafen, auch der oder die letzte der Nachteulen
in den Kemenaden.

Der Tag graute und die Vögel sangen laut ihre Lieder, als die Tor-Fanfare erschallt.
Lorettas Eltern kamen zu einem spontanen Besuch vorbei, als Ausrede gaben sie eine geschäfliche Unterredung
in der Nachbarstadt an.
Man tat, als sei nichts gewesen und so ist das eben in Italien:
Blut ist dicker als Wasser und Familie ist und bleibt Familie, auch wenn oft genug Zank war.
Das Enkelchen wurde bestaunt und hin und her getragen, die Väter unterhielten sich,
Loretta wurde zu ihrem Erfolg gelobt, ob Enkelchen oder Buch, wer weiß schon was diesen Leuten wichtiger war-
denn traditionell zählen eher Knaben als Mädchen.
Die Mentalität der Burgleute war eben eine ganz andere, das merkten die Besucher wohl.
Lange blieben sie deshalb nicht, vermutlich auch, weil sie nichts provozieren wollten.
Auf dem Nachhauseweg unterhielten sie sich und meinten:
Loretta, die dumme Nuß hat alle Sechse gewürfelt!
Wenn das mal reicht..

Valter hatte eine Kollektion der Konservenmanufaktur in den Kofferraum gelegt,
die man eben nicht im Laden kaufen konnte und die deshalb schon etwas Besonderes war.
Freilich auch eine 2ltr Flasche Hexenbock, den man noch weniger zu kaufen bekam.

So dumm war die "Nuß" wohl nicht, denn sie wußte ganz genau, was ihre Eltern über sie dachten:
Dumme eitle Gans, eine Prinzessin eben..
Mit diesen Gedanken zückte sie ihren kleinen Notizblock und schrieb eine paar Zeilen nieder.
Der Anfang für den neuen Roman: "Das Luna-Kind".
Und auch gleich den Anfang für einen Krimi: "Mord im Heidepark".
Ihre hausfraulichen Pflichten beschränkten sich auf die Körperpflege und auf das Kleine,
sowie die Umsorge ihres Laurens, wenn er nach Hause kam - und fertig.
Den Rest erledigte das Personal, nicht wie in normalen Familien, wo man als Frau
so viel zu tun hat, daß für einen Roman wohl eher kaum die Zeit wäre.
Laurens war jeden Tag im Wald und in seinem Element.
Er kaufte eine alte kleine Hühnerfarm, die schon ziemlich verrottet war.
Dort wurde nun gewerkelt und wieder aufgebaut, mit stabilen Zäunen gegen
Füchse und Greifvögel und Marder etc. aber auch gegen menschliche Räuber gesichert.
Futter wurde in die Silos gefahren, von den örtlichen Bauern gerne geliefert
und mithilfe eines eigens eingestellten Geflügelzüchters kamen die ersten Fasane
in ihre Gehege, welche mit Sand und Buschwerk ausgestatten wurden,
damit sich die Vögel natürliche Nester bauen konnten.
Große Freilauf-Gehege und so naturnah wie möglich, so war die Devise.
Ein künstlischer kleine Bachlauf gehört freilich dazu, keine billige Massentränke,
wo sich die Bakterien und Salomellen stauen!
Nicht lange und die ersten Käufer aus der gehobenen Gastronomie kauften hier ein.
(Ohne Schrotkugeln oder Pharmaprodukte im Fleisch befürchten zu müssen)

Der Ertrag tilgte zumindest den Abtrag und den Lohn für den Geflügelzüchter,
das war ein guter Anfang.
Nach und nach kamen mehr und mehr Tiere dazu, desgleichen Tauben und anderes Edelgeflügel,
das einer feinen Schicht an Kunden vorbehalten blieb.
Massenware kam nicht von hier, sondern von sonstwo.
Hier punktet die Qualität und Frische, nichts sonst.
"Bio haben wir nicht nötig", so Laurens, "bei uns können die Kunden sehen was sie bekommen".
Sein Konzept ging auf, wie das des Grafen, seinem Großvater.









Das Kleine begann zu krabbeln und.. robbte in die Küche zur Köchin, -
wieder waren in der Puddingschüssel verräterische Spuren.
Bald ging Loretta mit dem Kinderwagen zur Gaststätte und stellte die Helena vor.

Wie die zwei alten Paare so sind, war dieses ein ganz besonderes Event des Tages für sie.
Loretta bekam eine Frikadelle und Salat, die Kleine sollte einen Milchbrei bekommen -
vor Wut würgte sie den Gummibaum, der arglos in der Stubenecke stand.
Anschließend gab man dem Kindchen eine Hühnersuppe - das ging sofort und hat sie zufrieden gemacht.

Daheim in der Burg haben alle herzhaft über diesen Bericht gelacht.

Claude und Piet erlebten einen Boom, weil durch die politischen Vorgaben viele Firmen
ins Straucheln kamen, weil man praktisch keinen "Mitarbeiter" mehr entlassen kann,
der auch nur eine kleine Behinderung hat
oder ein armer Migrant in der Eingliederungsphase ist oder EU-Bürger oder Religionsfreak mit Kopftuch oder eine in Mutterschutz Befindliche oder in Wiedereingliederung, in der Personalvertretung etc..
Der verrückte Datenschutz, die irren EU-Verordnungen und der Umweltschutz, der sowieso
nur für den Boden zu gelten schien - während in der Luft mit dem Treibstoff geplantscht wird,
als gäbe es kein Morgen.
Es gibt immer Tricks und diese Schlupflöcher zu finden, das ist die Aufgabe von Spezialisten.
Wie auch immer, die Beiden hatten viel zu tun und es kam viel Geld herein,
meistens freilich nach Erfolgsprämie, was für die Kunden eine ganz enorme Sicherheit war.
Das hat ein geschickter Anwalt mitbekommen, der Sohn des Anwaltes, mit dem die Villa Siegelhort
schon lange zu tun hatte.
So war ein weiterer Posten gerettet - denn auch dort lief der Laden nicht mehr so wie früher.
Man versuchte zwar die Presse dahin gehend zu manipulieren, daß gewisse Dinge nicht mehr genannt
wurden und nur noch positive Entwicklungen zu "Schlagzeilen" wurden, aber so ganz ließen sich die
Fehlleistungen nun doch nicht unter den Tisch kehren.
Irgendwann wirft auch dieser Teppich eine Blase und es stolpert jemand darüber.
Auf diese Weise hat der Bürgermeister "das Rad geschlagen", weil bewiesen werden konnte,
daß ein bestimmter Bauunternehmer öffentliche Aufträge zugeschanzt bekam und der Kreisdirektor
mit Schmiergeldzahlungen still gestellt wurde, welcher davon zufällig Wind bekam.

***

Ein Gespräch im Salon lief auch schon mal in diese Richtung, daß Graf Valter intervenierte
und zu mehr Bodenhaftung aufrufen mußte.
Nur weil wir Bodenhaftung bewiesen haben, gibt es dieses Haus noch - sonst wären wir längst
untergegangen, wie die meisten Adelshäuser.
Wer unvorsichtig oder gierig wird, hat schon im Vorfeld verloren!
Das konnte besonders die Seniorchefs alter Traditionsbetriebe überzeugen.
"Weg mit zu viel Repräsentation, weg mit Outsourcing, weg mit Rationalisierung und weg mit Schulden!"
Gutes Personal ist nicht teuer, wenn man selbst ausbildet - das kostet eigentlich nur Zeit und Mühe.
Die Chefs und ihre Begleiter waren immer von der einzigartigen Atmosphäre dieser Burg und seines Rittersaales beeindruckt,
wo dennoch eine familiäre Art zu spüren war.
Da krabbelt schon mal ein Kleinstkind herum, dort wird gestrickt oder komponiert oder
Klavier gespielt.
Der Raum war riesig, nicht nur einfach groß und hoch..

Valter meinte auf die Frage der Beheizbarkeit antwortend:
Die Solaranlage heizt den dicken und nach unten gut isolierten Boden,
nebst Innenwände, die halten jene Wärme des Tages bis zum frühen Morgen.
Das ist meine Erfindung und spart richtig viel Geld, was denken sie, würde an Brennmaterial
für einen solchen Salon pro Tag verbraucht werden?
Am Kamin war es früher kochend heiß und hinten im Saal sind den Bewohnern die Zehen erfroren.
Viele waren damals krank und sind nicht alt geworden.
Unsere Burg war eine traurige kleine Ruine, die eifersüchtig vom Denkmalamt bewacht wurde,
heute ist das ganze Grundstück bewohnbar, nicht nur der Palas.
Der ganze Innenhof der Burg ist unterkellert und stellt diesen Salon hier da, in welchem sie
gerade konferieren.
Nach aussen hin ist die Burg wie sie früher einmal hier gestanden hat,
bis ins Detail mit Kanonen und Söller, Fahnen und Wappen.
Dieses Modell macht gerade Schule, es waren schon einige Besitzer sehr großer Häuser bei uns
und haben sich die Anlage zeigen lassen - gegen Honorar versteht sich, denn wir sind nicht die Heilsarmee, gell?
Die Lacher waren Valter mit diesem Spruch immer sicher und er wußte das ganz genau.

Die gräfliche Fasanerie, wie man diesen Zuchtbetrieb nun nannte, rannte allen Wachstumsprognosen davon.
Bald waren fünf Mitarbeiter aus dem Ort beschäftigt.
Gespart wird im Diskounter, so meinte Laurens dazu, im Restaurant wird auf Spesen geprasst
und da ist kein Braten zu teuer, im Gegenteil:
Exklusivität ist immer mehr Trumpf.

Bald fing der Klinkkonzern an und hat aus der ehemaligen Villa Siegelhort eine moderne große Klinik
bauen lassen, mit tausend Betten und entsprechend viel Verkehr und Parkplätzen, einem Hubschrauber Landeplatz
und Ärztezentrum und alles was dazu gehört, von A wie Apotheke bis Z wie Zahnbehandlung, alles unter einem Dach.
Die teuersten Hopfenfelder aller Zeiten, so Valter, hat er an diesen Konzern verkaufen können.

Von nun an kam der Hopfen aus dem Schwabenland angereist, zur Hexenbrauerei.
Der Heidepark zur Burg grenzte nun also an den Zaun des Klinikums, wo die Patienten in ihrem eigenen Park
spazieren gehen konnten- das ist wichtig für die Rekonvaleszenz, so sagte man.
Die Klinik profitierte freilich auch an dem Löschwasser des Badeteiches und konnte so viel Geld sparen.

***

Aus Schottland traf die Nachricht ein, daß Nachwuchs zur Welt kam und die Annabella mit Zwillingen nieder kam.
Fritz - Patrick hat die Farm etwas modernisiert und ist dabei auf dem Boden geblieben.
Sie konnten gut davon leben und mehr hatten die jungen Leute nicht im Sinn.
Es geht uns allen gut!

Vom Rhein kamen auch keine Hiobsbotschaften, was in sich schon ein gutes Zeichen ist,
meine Claude dazu.

Nun war nicht mehr Lisza diejenige, die "Hof hielt", sondern Helene, die in deren Hexen-Fußstapfen stand.
Die Kräuter- und Heilkunde hat sich von Generation zu Generation weiter vererbt und so manchen
Arztbesuch erspart, das fand besonders Loretta sehr praktisch, deren kleine Helena immer einen Schreianfall bekam,
wenn der Arzt sie abhören wollte.
Ansonsten waren Baronessa Loretta und ihr Prinz Laurens gerne in altertümlicher oder standesgemäßer Kluft
in der Stadt unterwegs, wenn sie ihren Bummel machten, einkehrten und großzügig Trinkgeld gaben.
Zuweilen fuhren sie im Fiaker und genossen die laue Luft, als Loretta die Idee kam:
Wir sollten auf dem Pferdehof vorbei schauen und ein paar Konditionen aushandeln..
Und so kam es, daß sie von der Burg mit diesem Gefährt abgeholt und wieder nach Hause
gefahren wurden - wie mit einem Taxi.
Das gefiel Laurens so gut, dass er den Hof kaufte, mit allem drum und dran,
Mann und Maus sozusagen - der Pferdehof war kurz vor der Pleite und war somit gerettet.
Mietställe liesen sich gut verkaufen, viele Leute stellten ihre Pferde dort unter
und wußten diese fachmännisch betreut.
Der Hof lief bald wie geschmiert und die Erweiterung der Stallanlagen machte sich bezahlt.
rundherum wurden Weiden angepachtet oder gekauft, wie es gerade kam.
Pferdewirte wohnten auf dem Hof und achteten darauf, daß nichts verkam.
Ordnung war sehr wichtig für Laurens, genau wie der herrschaftliche weiße Zaun um die Anlage.
Die Bank gab die Kredite sofort und ohne nachzufragen, was die alten Pferdeleute sehr erstaunte.
Es kam an die beiden Tore der Einfahrten das gräfliche Wappen und bald rollte ein Lastwagen aus Holland heran,
der eine seltsame Fracht mit sich trug:
Ein elegantes weißes Landaulet für zwei Pferde und mit gräflichem Wappen an den Türen.
Ein paar passende stattliche Schimmel waren schnell gefunden.
Als der Kutscher sich eingewöhnte, ein älterer Rumäne aus der Gegend des Grafen Valter,
ging ein Raunen durch die Großgemeinde:
Jetzt drehen die da oben völlig am Rad!
Der Vladimir wohnte in einem Nebenraum bei den Pferden, er war genügsam und
wollte immer bei "seinen Tieren" sein.
Eine einfachere Kutsche kam dazu, mit denen er sich ein Zubrot verdienen konnte,
wenn der Graf die Pferde und das Landaulet nicht benötigte.
Laurens hat dieses Gimmick als Geschenk für seine Eltern erdacht,
die sich riesig darüber freuten.









Der Wandel.

Afrika und der vordere Orient gerieten immer mehr unter den politischen Islam,
die Wirtschaft ging danieder und viele Menschen flüchteten in die Wohlstandsregionen Europas.
Millionen Menschen waren unterwegs und überfluteten die Auffanglager der EU Aussengrenzen.
Überall zogen Nachts Fremde in großen Gruppen umher, damit sie nicht gesehen werden.
Von Nachtsichtgeräten haben diese freilich noch nichts gehört und so haben Jäger und Förster Alarm geben können.
Schlangen bildeten sich vor den Sozialämtern und Bürgermeistereien, an den Suppenküchen
der großen Städte gab es Gerangel bis zu Schlägereien, sexuelle Übergriffe wurden so schlimm,
daß Frauen besser zuhause blieben oder sich verschleierten, wenn sie in den Laden zum Einkaufen gingen.
Die Polizei war total überforderte, weil dieses Phänomen zeitgleich und im ganzen Land war,
desgleichen in den östlichen Mitgliedstaaten bis nach Frankreich.
Felder wurden zertrampelt und Gemüseanlagen, Obsthaine geplündert und in den Läden
alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war.
Viele Ladenbesitzer haben ihre Türen verrammelt und verschlossen, die Kunden hatten das Nachsehen.
Supermärkte und Diskounter reagierten in Panik und öffneten die Türen, damit die technischen
Anlagen nicht auch noch zerstört werden..
die riesigen Diebstahl-Verluste haben die Kalukulation durcheinander gebracht
und die Preise explodieren lassen:
Anfänglich wurden den Supermarktbetreibern die Diebstähle stillschweigens von der Bürgermeisterei
erstattet, damit die Bevölkerung nicht revolutierte - denn der Zuzug war von oben gewünscht -
nun aber, ging die Sache über deren Liquidität.
Die Leute gingen über Tisch und Bänke, die Exkremente in den öffentlichen Anlagen und Parks,
in Unterführungen und Fußgängertunnels, in der Bahn und in öffentlichen Gebäuden waren bekotet
und mit Abfällen aus den Plündertouren verschmutzt.
Die Anarchie war da.
Diebstähle nahmen überhand, Einbrüche und Automaten-Sprengungen jeden Tag in der Zeitung zu lesen.
Bei der Burg und der Fasanerie kam kaum ein Täter an, das Unterhaus hat sich verbarrikatiert
und sich mit Knüppeln gewehrt.
Der Pferdehof wurde vollkommen verwüstet, die Kutschen als Schlafstätten mißbraucht,
die Pferde geschlachtet und gebraten.
Bald wurde das Militär eingeschaltet und die Horden wurden in einem riesigen Pferch mitten im Gelände
zusammengetrieben, überall in Europa war das gleiche Szenario.
Diese eingesperrten Menschen mußten freilich ernährt werden, was die Lebensmittelpreise nochmal in die Höhe
schnellen lies, die Sozialhilfe für die eigenen Landsleute wurden sehr eingekürzt,
bis auch dort der Hunger Einzug hielt.
Nach und nach wurden die abermillionen Flüchtlinge eingefangen und nach Nordafrika zurück gebracht,
die dortigen Staaten bekamen von der EU Beihilfen in gigantischer Höhe, damit die Leute
in ihre Herkunftsländer zurück geführt werden konnten.
Das hat eine große Finanzkrise ausgelöst, was zu drastischen Steuererhöhungen geführt hat.
Weite Kreise der ärmeren Schichten, Niedriglöhner bis zu einfachen Angestellten rissen sich
in den Diskountläden die erschwinglichen Lebensmittel aus der Hand, die sich im Preis verdreifacht hatten.

Europa hat sich wieder einmal retten können, aber dabei arg Federn gelassen.
Die ärmeren Teile der Bevölkerung waren - wie immer - am stärksten betroffen.

Der Wandel in der Gesellschaft jedoch hat seinen Lauf genommen, überall wurde gespart und gekürzt.
Laurenz hat sich von der Versicherung den Diebstahl und von der Brandversicherung den Pferdehof
geschwind auszahlen und diese Anlage sofort wieder aufbauen lassen.
Auf diese Weise war wenigstens etwas Arbeit im Ort und Verdienst.
Die Brauerei und die Luxuskonserven - Manufaktur lief immer noch, wenn auch mit etwas geringerem Umsatz.
Das Luxussegment lief, die Diskounter klagten, wie die Bauern.
Gewaltige Präparationsleistungen haben alle Bankguthaben bis auf eine gewisse Einlagensicherung
konfiszieren lassen und "Solidarbeiträge" von allen besseren Einkommen erhoben.
Die Bewohner der Hexenburg haben Millionen verloren und gehörten zu den am stärksten Betroffenen.
Die Brauerei lief bald wieder stärker, genau wie die Luxuskonserven und der Reiterhof,
die Fasanerie blühte auf, Gelder kamen wieder herein.
Am stärksten boomte die Firmenberatung von Piet und Claude.
In der Bürgermeisterei war man verblüfft, wie "die da oben in der Burg" das wieder einmal geschafft haben.

***

Als Laurens und Loretta in der neuen Landaulet-Kutsche mit neuen Schimmeln vor das Rathaus fuhren
und dort ein paar Formalitäten erledigen wollten, standen alle Bediensteten an den Fenstern und schauten.
Mein Gott, die leben wirklich noch immer wie die Fürsten !
Laurens hat der Gemeinde mit einer Spende geholfen und dann sind die Herrschaften
wieder zum Einkaufsbummel gestartet, während der Vladimir ruhig auf dem Kutschbock wartete, die Peitsche in der Hand.
Damit hat er allzu neugierige Leute, die mit den Fingern "guckten" auf Distanz gehalten.
Wie in einem alten Dragula-Film.
Das Personal in den gräflichen Unternehmungen hat kaum etwas von dieser Katastrophe mitbekommen.

Was keiner in der Gemeinde wußte, was die große Geldabhebeaktion der Familie zwei Tage davor, die Adelshäuser riefen sich gegenseitig an und warnten vor.
Der Goldpreis schnellte in ungeahnte Höhen.
Einige Politiker adliger Natur waren wohl unter den Warnern, sonst wäre der Verlust der Hexenburg riesig gewesen.
So sind nur mal eine Million als Gemeindespende abgeflossen, damit niemand Verdacht schöpft.
Na gut, dachte sich der Bürgermeister, die hatten das Geld wohl unter dem Kopfkissen, statt auf den
Konten gelagert - Sachen gibt es!
Der Bürgermeister war nicht dumm und hat noch am gleichen Tag bei der Bank die Schulden beglichen..
..als hätte er etwas gewittert.
Nach und nach normalisierte sich die Lage wieder und die Außengrenzen wurden sehr streng bewacht.

Das Land, ja ganz Europa sah hinterher anders aus:
Gewerkschaften zerfielen, Tarifverträge waren danieder, überall waren Wander- und Billigarbeiter
unterwegs, denn der Osten und Süden Europa sind zu Armenhäusern geworden.
Die Autobahnen waren nur noch wenig befahren, Urlaubsreisen fanden nicht mehr statt,
aber Kreuzfahrtschiffe sind mehr denn je unterwegs gewesen, mit wohlhabenden Leuten darauf.
Halbe Pensionen und Renten, halbe Gehälter im Staatsdienst, nur die Politiker bekamen eine Erhöhung.
Arbeit war so billig wie nie zu haben, viele Bauern haben sich daran kräftig gesund gestoßen und
nochmal drastisch billigere Erntehelfer verdingen können und heftige Summen für ihre Früchte
verlangt - Gier kennt keine Grenzen.
Die Bauern kauften die feinsten Luxuswagen, die dicksten Teppiche, liesen edle Ausbauten machen -
wie nach dem Krieg sind sie die größten Absahner des Unglücks anderer gewesen.
Nachts wurden die Gemüsefelder und Obstplantagen bewacht, genau wie alle Geschäfte und Banken.
Geldautomaten wurden geschlossen, weil zu viele gesprengt wurden.
Die Bahn hat die Fahrkarten wieder in bar verkauft, die Automaten verwaisten, weil auch diese
sofort wieder und wieder geplündert worden waren.
Wer keine abschließbare Garage hatte, fand sein Auto am anderen Morgen ausgeschlachtet vor.
Nutzvieh kam nur noch auf die Weide, wenn bewaffnete Hüter dabei sein konnten.
Viele Diebe sind dabei erschossen oder erschlagen worden, die man dann in Massengräbern beisetzen mußte.
Sogenannte Schnellgerichte kamen wie giftige Pilze aus dem Boden des Rechts hervor und haben -zuweilen
viel zu schnell und viel zu hart geurteilt.
Was einst zu lasch war und zu sozial, kippte mit einem Mal um, wie schon so oft.
Die Gefängnisse waren total überfüllt und so kam die furchtbare Todesstrafe a la Scharia auf den Plan,
weil die muslimischen Bevölkerungsteile in den Städten längst einen Drittel-Anteil ausmachten.
Bei dieser Gelegenheit haben sich die anderen beiden "Mosaischen Religionen" aus dem Morgenland
den Status einer Staatsreligion zugeschustert und ihre seltsamen Sitten und Gebräuche allesamt, mit den
zugehörigen Feiertagen vom Gesetzgeber als verbindlich eintragen lassen.
Fortan war der Sonntag für die Christen, der Samstag für die Juden, der Freitag für die Mohamedaner
bindender Ruhetag, bald haben alle Religionsfreaks die Feier- und Ruhetage und Tage des Herrn
gleich mit eingehalten - was für die die Produktionsstandorte freilich verheerend war.
Kein Bewohner wagte etwas zu tun, was einen der Fanatiker auf allen vier Seiten verärgern würde -
auch wenn jener keiner Religion angehörte.
Das war auch bald vorbei, denn "Gottlose" wurden denunziert und bekamen von allen Seiten Ärger gemacht.
So war bald jeder in einer der 4 Religionen, nur um ruhig leben zu können.
So war bald jeder an den vorgeschriebenen Tagen in einem der Gotteshäuser und wer das nicht wollte,
bekam Probleme der manigfaltigsten Arten..









Wie geht es weiter?
Der Geldwert sank rapide und die Inflation begann ihre gierigen Finger nach allem und jedem
auszustrecken und verschlang gigantische Vermögenswerte.
Die Leute bezahlten mit alten Silber- und Goldmünzen, sofern welche im Haus waren oder
mit kleinem Goldschmuck, um überhaupt an Nahrung heran zu kommen.
Überall sah man Gold- und Silberaufkäufer, an jedem Markt standen sie:
"Verkaufen sie ihres ungenutzt Gold- und Silberschmuck für gutgeld."
Auf einem dieser Banner hatte jemand mit Filzstift ein "e" dazu gemalt..
So mancher ehemalige Daddelklauber hat nun Gold und Silber geklaubt und ist damit reich geworden.
Den Banken hat man am wenigsten vertraut, denn die hatten dieses Vertrauen bei den letzten
Krisen längst schon verspielt..

***

Eine interne Order unter dem Adel Europas lies aufhorchen:
Man veranstaltete an jedem ihrer Standorte ein Fest für die Bevölkerung,
mit bevorrateten Lebenmitteln und alkoholischen Getränken, lies Musik aufspielen
und verbreitete Optimismus.
Das sprach sich herum, die Presse reagierte und man war wenigstens vorübergehend guter Dinge.
Das Geld wurde wieder angenommen, zuerst an den Ständen dieses Festes, dann wieder überall.
"Wenn die Reichen das Geld haben wollen, dann kann es nicht wertlos sein!"
Später nannte man dieses Phänomen die "kleine Inflation".
Das Geld war zwar weniger wert als zuvor, behielt aber in weiten Teilen seine Kaufkraft
und wurde bei den Banken - danach erst - weiter gestützt.
Die Wirtschaft lief wieder an, Investoren aus aller Welt kamen wieder.
Geld ist nur ein Glaube, so meinte Valter, mehr nicht.
Ab und an kam wieder ein Schwall Leute aus Afrika, meistens junge unzufriedene und aggressive Männer,
die von sich bildenden Männerngruppen in jedem Ort, die in brauen Kutten kamen, vertrieben wurden.
Wie Mönche wirkten sie und am Stock ausgebildet, einem uralten Kampfsport-Gerät.
Überall in Europa war nun das Gewaltmonopol der Staaten aufgeweicht.
Man vermutet, das oft genug staatliche Ordnungskräfte in diesen Kutten steckten,
sonst wäre diese Tarnung wohl nicht nötig gewesen - oder?
Bald wurden die Richter ausgetauscht und viele Gesetze geändert - zugunsten der eigenen Bevölkerung,
gegen subversive Kräfte aller Art.
Eine Zeit ging kaum noch jemand zu den Wahlen, bis sich die politische Landschaft neu geformt hat.
Eine freiheitliche Partei mit demokratischen Wurzeln entstand, viele Adelige waren darin die Mandatsträger.
"Rechte machen gefangen, Linke gehen um, Glauben macht dumm"

***

Es ging wieder aufwärts, ein neuer Zusammenhalt der Unternehmer entstand, Radikalitäten
wurden neu definiert und alsbald verboten, sowie diese ausfindig gemacht wurden.
Die Wahlpflicht war vom Tisch, die man zuvor angedacht hatte.
Europa wurde nun von einer Schicht regiert, die zwar demokratisch abstimmte,
aber nur mit einer ordentlichen Geld - Summe an den Abstimmungen teilnehmen durften.
Der Lobbyismus erstarb an sich selbst, der Adel kam aber nicht stärker ans Licht als vorher,
weil viele davon längst verarmt waren.
Wenige adlige und kapitalkräftige Familien regierten alsbald ganz Europa und sorgten für Stabilität.
Der Adel wurde mit neuen Aufgaben und neuem Kapital ausgestattet.
Ohne politische oder religiöse Interessen - was zählte war der Besitz - Politik war zur Besitzstandswahrung
reicher Despoten verkommen und Schuld trugen linksradikale oder politische Glaubensstrukturen, die alle
rechtsradikalen Kräfte zuvor verfolgen ließen, bis keine mehr zu finden waren.
Dann hat man sich dieser linken Strukturen entledig, indem diese nach und nach auf mysteriöse Art und Weise
-Stück für Stück- von der Bildfläche verschwanden.
Niemand wußte, wer hinter dieser "Braunkuttenbewegung" stand..
Der kommunistische oder sozialistische Gedanke war -buchstäblich- tot, mitsamt den Gewerkschaften
und Genossenschaften und Krankenkassen und Rathäusern - alles wurde neu strukturiert.
Parlamente waren aufgelöst, die Einheitsrente für alle Menschen und die staatliche Krankenvorsorge eingeführt.
Niemand bekam mehr Rente als der andere - auch Politiker und Staatsbedienstete nicht.
Die Presse wurde aufgelöst und verboten, das Militär vollkommen neu organisiert,
wie auch die Ordnungsstrukturen.
Regionale Fürstenhäuser entstanden neu, der Schultheiß kam wieder.
Religionen wurden streng bestraft, sowie sich welche öffentlich zeigten.
Man wollte alte Fehler nicht wiederholen, wo Fürstbischöfe die Menschen
doppelt erpresst hatten - mal in geistiger Gefangenschaft, mal durch pseudostaatlichem Druck.

***

Die neuen Gesellschaftsklassen kamen.
Der Adel regierte nunmehr vernetzt, der König und Kaiser war nur noch Schreckgespenst
alter Tage - die interkommunikative Demokratie der Adelshäuser bestimmte fortan
alle Geschicke Europas, das europ. Parlament wurde aufgelöst und zu reinen Sachwaltern
der neuen zentralen Gesetze erklärt, die sehr sehr einfach gehalten wurden.
Alle regionalen, religiösen und Ländergesetzgebungen wurden für obsolet erklärt.
Die "Parlamentsarbeit" lief nun über das Internet und die Opposition waren Nichtadlige,
die Geld, Macht und Einfluß genug hatten um hier mitreden zu können.
Gelb und Blau waren also die einzigen Richtungen, "Parteien" wurden verboten.

Es kam wie es kommen mußte:
Aus den "lieben Bürgerinnen und lieben Mitbürgern" wurden wieder Unterthanen,
sogar in alter Schreibweise, die zudem keinerlei Mitbestimmungsrechte besaßen.

Wenn der Schultheiß etwas anordnete, dann stets im Namen der Fürsten und wer das nicht tat,
half bald "freiwillig" im Straßenbau mit -mit Hacke und Schippe, bis eine "Besserung" eingetreten war.
Die Strafen wurden von den Schultheissen oder seinen Vertretern sofort ausgesprochen und
mußten sofort angetreten werden.
Die Kriminalitätsrate sank drastisch, trotz dem keine Gerichte mehr existent waren.
Gefängnisse waren dadurch unnötig geworden.

Politik und Geschichte wurden vom Unterrichtsplan gestrichen, genau wie Religion und Ethik,
sowie Sport und Philosophie etc.
Der Fortschritt im Lehr- oder Lernerfolg war bald da, weil man naturwissenschaftliche Fächer
dadurch wieder stärker in den Fokus bringen konnte.
Kinder gingen zu Fuß zur Schule, die Schulen wurden wieder entflochten und dezentral eingerichtet.
Nach dem gemeinsamen 10. Schuljahr wurde die Lehre oder das Studium angetreten.
Wer wohin ging, bestimmte der Schuldirektor, welcher sich mit dem Schultheiß abstimmen mußte.
Eltern waren dieser Mitsprache beraubt.

Die medizinische Versorgung oblag von nun an den Fürstenhäusern, was ehedem "staatlich" war,
wurde gestrichen, was ehedem "privatisiert" worden war, ebenso.
Die Standardkrankenversorgung entstand mit medizinischen Zentren.








Soweit war die politische Großwetterlage Europas stabil, von Polen bis Portugal,
von Norwegen bis Nordafrika, weil die Anreinerstaaten um das Mittelmeer herum
sich spontan dieser Bewegung anschlossen - andernfalls wäre die Bevölkerung zu einer
breiten Revolution gekommen, die keinen Stein über dem anderen ..
Der Adel saß in jedem dieser Länder sozusagen in den Kellerlöchern und so folgte bald auch die Ukraine und Russland.
Die Verständigung untereinander war direkt und sehr kommunikativ, ohne parlamentarische Umwege.
Handelshemmnisse wurden abgebaut, Steuern und Abgabenlasten waren ausschließlich direkt an das
Fürstenhaus vor Ort zu entrichten.
Alle Banken unterstanden dieser Kontrolle und ein Gemauschel und Börsengezocke und Spekulationen wurde bei Todesstrafe verboten.
Investments durften die 12jährige Sperrklausel mit keinem Trick umgehen, sonst wären sie
an wohltätige Organisationen gefallen - ersatzlos.
Militär war überflüssig geworden, trotzdem standen jedem Adelshaus kräftige verdeckte Verbände zur Verfügung.

Die Zeit der Atomraketen und "Schlachtschiffe" und "Knobelbecher" und Panzer war definitiv vorbei.
Diplomaten kehrten die Straße, Philosophen und Geheimdienstmitarbeiter,
Gewerkschaftslenker und Kleriker halfen denen dabei, sowie sie aufgemuckt hätten.

Die Kraft des Handels wurde gestützt und gefördert, Angebot und Nachfrage bestimmten die Geschicke der Region,
ganz einfach und ganz direkt.
Die einzige Steuer war die an der Quelle, jede andere Steuer und Gebühr war Vergangenheit,
das Finanzamt hatte nur noch ganz wenige Mitarbeiter, niemand konnte etwas "absetzen" oder "abschreiben",
Kirchensteuern waren gestrichen worden, Kirchen mußten ihre Einkommen offenlegen, wie jeder Betrieb
war auch hier die Besteuerung an der Quelle.

Der Geldwert hat sich sodann nur noch am Warenwert orientiert und so brauchte man keine Börsen,
weil der Handel direkt reagieren konnte, niemand schöpfte unterwegs in der Informationskette den Rahm ab.
Die Presse kam wieder in Schwung und berichtete fortan wieder ohne staatliche Kontrolle.
Der Presserat wurde als kartelltechnische Verschwörung bestraft, wie jeder Versuch einer Partei-
oder Gewerkschaftsgründung, der Datenschutz wurde wie die "S chufa, G ez" aufgelöst.
Religionen wurden auf Hirnwäsche kontrolliert und bald wanderten einige wieder zurück in ihre
Herkunftsländer, weil die Fürsten fremdsprachliche Verbreitungsinhalte verboten haben.
Die Identifikation mit der Region, NICHT mit der Religion sollte unbedingt wieder in den Fokus kommen,
so war der allgemeine Tenor, auch ohne Order von oben.
Die Fürstenhäuser zogen sich wieder aus der Öffentlichkeit zurück, das Leben normalisierte sich.
Ohne politische Nachrichten, weil eben keine mehr entstehen konnten..

Man darf sagen, daß das zu mehr allgemeiner Zufriedenheit geführt hat, weil die Aufwiegler sogleich
mit schwerer körperlicher Arbeit für die Allgemeinheit "betraut" wurden.
Niemand wurde zu einem Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag gezwungen, es gab keine "AGBs" und keine
"Geheimverträge" mehr, keine Kartelle und Glaubenszwänge, die Menschen wurden freier als je zuvor.
Die Mafia hat man Stück für Stück am nächsten Baum aufhängen lassen.
Jede Abweichung landete im virtuellen Kummerkasten des Fürsten und dieser tat was er tun mußte.
Ob das ein Einigung zwischenstaatlicher Art war oder unter Handelspartnern war dabei gleich -
über das Internet ging das fix und ebenso einfach war man sich wieder einig.
Alle zogen am gleichen Strang, denn diese "Opposition" der "Gelben" würde bald im Adel einheiraten, einfließen
und untergehen, ganz ohne Frage..

Die Hexenburg verdiente weiter kräftig mit, die Beschäftigten waren zufrieden,
die Ruhe und Sicherheit wurde wieder greifbar und so kam die ganze Bevölkerung wieder
in den gewohnten Rhythmus von Leben und Arbeit, Freizeit und Kinderspaß.
Bald dachte niemand mehr daran, wie es mal war.
Nach und nach hat man das Geld virtuell werden lassen.
Nur die Goldreserven der Fürsten, die erlebten weiterhin ungeahnte Stärken.
Valter hat zeitig so viel Gold und Silber gehortet, wie er nur konnte,
wie inzwischen alle Adelsleute diesem Beispiel nachgefolgt sind.

Der Adel heiratete gezielt in den Geldadel ein und umgekehrt.
Auf diese Weise kam Geld zu Geld und Macht zu Macht.
Die "Gelben" waren bald überflüssig und wurden ersatzlos gestrichen in der Mitbestimmung.
Die überregionalen Vereinbarungen liefen wieder über Brüssel,
alle Landes- und Länderhauptstädte wurden einfach zu Metropolen ohne politischen Einfluß.
Desgleichen wurden Parallelgesetzlichkeiten, wie z.B. solche der Kirche und des Militärs
strikt verboten und sofort verfolgt, wenn sich eine Lücke bildete.
Das Netz der Kontrolle war feinmaschig genug, daß jedwede Gruppierung bereits im Keim zu ersticken war.
Die Akzeptanz des Adels in der Bevölkerung wurde größer und größer, weil dieser als Hort der Stabilität
angesehen wurde:
Die Menschen wollten eigentlich nur leben und um leben zu können mußte man eben Arbeit oder Beschäftigung
finden -so einfach war nun alles geworden.
Vollkommen unpolitisch, wie Familien eigentlich sind..
Das Gefühl der Bevormundung war früher größer als zur Zeit dieser neuen Fürstenherrschaft
und weit weniger willkürlich, wie man fand.

***

Die Zeit vergeht und alles in der Hexenburg, in der Brauerei und in der Luxuskonservenmanufaktur lief
bestens, den Bereich der Unternehmensberatung hat bald der Piet wieder selbst gemacht, mit
einem arbeitslosen Philosophie-Professor und einem arbeitslosen Kleriker zusammen und das lief wohl gut.
Die Bewohner der Hexenburg wurden geachtet wie früher und kein Mensch spottete jemals wieder über
den Laurens und seine Loretta, die nun - ganz und gar "neu veredelt" mit ihrem Perde-Landaulet durch die Gegend zogen.
Die Steuereinahmen liefen nun bekanntlich in oder besser über die Fürstenhäuser,
denen die Finanzämter zur weiteren Verwendung zuständig waren, als Organ des Fürstenhauses.
Eine Unterscheidung zwischen "staatlich" und "privat" wurde aber weiter gehalten, wobei das Eigentum
als eines der höchsten Güter des Staates geschützt wurde:
Ohne Eigentum hat niemand Interesse mehr als der andere tätig werden zu müssen.
(Das war eines der größten Irrtümer des Kommunismus:
Die Menschen waren eben noch nie gleich und
nur wer etwas besitzt, will das auch erhalten und wenn es geht, diesen Besitz vermehren
und nur dadurch, nicht durch Spekulationen, wird der Geldwert erhalten.
Geld muß fließen um glaubwürdig zu sein!)

Wirtschaftsschulen wurden verboten und geschlossen, die meisten Bankmitarbeiter und Banken
verloren ihre Darseinsberechtigung.
Der Handel aber florierte ohne wirre Reglements sehr viel besser als je zuvor.
Der Hunger in Afrika wurde eingedämmt, weil der Handel mit den nordafrikanischen Staaten
zu den innerafrikanischen Ländern direkter und persönlicher abgewickelt werden konnte.
Mafiose Verbindungen flogen überall sofort auf und bald hallten Schüsse durch die Nacht,
weil Gewaltverbrechen an Ort und Stelle geahndet wurden.
Die Verteilung dieser Waren sind die Einnahmequellen der nordafrikanischen Länder
geworden, die direkte EU-Mitglieder geworden waren.
Eine Aufnahme- und Auffanglager mehr, die viel Geld gekostet hatten, keine Asylverfahren
und Eingliederungsgelder, keine Sozialhilfegelder - die Streichliste war sehr lang geworden
im Laufe der neuen alten Herrschaft.
Wer arbeitslos wurde, bekam vom Schultheißen einen Tipp, wer eine einfache Arbeit für unwürdig
fand, bekam einfach eine zuteilt - und ohne Arbeit gab es eben kein Geld.
So einfach ist das geworden.
Heuschrecken zogen geschwind wieder ab..
Von nun an studierten nur noch Begabungen - selbst der Adel hat sich daran gehalten,
daß eine Parallelbildung nicht zielführend sein konnte.
Sagen wir es einmal so:
Ein weniger Intelligenter tat einfache Jobs und ein weniger intelligenter Adelssproß tat..
nichts, Geld spielte dort keine Rolle, man konnte auch ohne eine Arbeit leben, wie zu allen Zeiten.
Man kann auch mit interessanten Hobbies oder sozialem Engagement den Tag herum kriegen - gell?
Valter lehnte sich zufrieden zurück und meinte zur Helene:
Luisza wäre sehr zufrieden mit uns, nicht wahr?
Das kann man sagen, in der Tat!
Manche Interlektuelle in der Großgemeinde daber dachten:
Irgendwie hat sich die Hexe posthum doch noch durchgesetzt!

Wie auch immer, bald rief in jedem Ort - nein, nicht der Muhezzin, - sondern
der Nachtwächter, welche ehemalige Soldaten und Polizisten waren, mit Bewaffnung
herum und sang:
"Hört ihr Leut und lasst euch sagen, die Stund hat grad Elf geschlagen..!"
Wenn er bei seinen sonst so stillen Gang in seiner dunklen Kluft einen Einbrecher ertappte
oder einen Vergewaltiger, wurde dieser sofort erschossen.
Wer auch immer subversive Aufwiegler erwischte, bekam eine Belohnung, egal ob diese
politisch oder religiös oder gewerkschaftlich motiviert waren und dabei waren "Lager" im Untergrund zu bilden.
Dazu waren allerdings Zeugen nötig, denn das Denunziantentum wollte man unterbinden.
Das Internet lief nur noch mit eindeutiger ID des Nutzers, die sich aus den Zugangsdaten
und der Passnummer zusammen setzte.
Keine Geldautomaten, keine Räuber, keine Bargelder, keine Nachrichten aus aller Welt,
nur noch ein einziger europ. TV und Radiosender, die über die Neuigkeiten und Bekanntmachungen
berichteten, zwischendurch mit Natursendungen und gewaltfreien Filmen und Musik aufgelockert.
Die freien Kanäle wurden an private Sender verkauft.
Langsam, aber sicher wurde die Bevölkerung beruhigter, zufriedener und konnte sich auf die
eigentlichen Themen ihres Seins konzentrieren.
Gold hat man in jedem Haushalt in kleinen Mengen zur Sicherheit in der Hinterstube haben sollen,
so der Adel, denn wer weiß, was uns noch alles von aussen drücken und erwischen will..
Eine neue Staatsform war geboren, uralt und doch ganz neu.









Das Gastwirtspaar hat einen richtigen Positivschub in ihrem Leben erhalten,
so ging es auch Helenes Eltern.
Gemeinsam war so eine Gaststätte eine überschaubare Last und in Urlaub sind die Vier
nicht mehr gefahren - wozu auch, wo ihr Leben im Grünen verlief?
Die Gäste kamen von alleine, ohne Werbung schalten zu müssen, weil schon der Friedwald
für genügend "Laufkundschaft" gesorgt hat.

Im Unterhaus ging es ähnlich zu, wie in einem guten Wohnheim.
Das Personal ward entsprechend aufgestockt und bald war kein Zimmer mehr frei.
Laurens und Loretta und die kleine Helena waren oft draußen bei den Pferden
oder in der Fasanerie, besonders wenn die Küken schlüpften.
Der Verkauf lief großartig, die Gastwirte gehobener Art gaben sich die Klinke in die Hand.
Der Absatz der Luxuskonserven lief wie am Schnürchen, ebenso der Hexenbock.
Piet hatte nun endlich Fuß gefasst mit seiner Selbständigkeit und meldete sich bald nicht mehr,
weil er alle Hände voll zu tun hatte.

Es ging überall im Land, überall in Europa aufwärts.
Die Gewerkschaften und Parteien waren tot, Arbeitslose gab es keine mehr,
junge Familien bekamen wieder Kredit und haben sich nach bezahlbarem Wohnraum umsehen können.

Graf Valter war im Ruhestand, wie er sich ausdrückte, lief fortan nur noch in Pantoffeln herum
und trug feine Strickjacken, wenn man ihn sah.
Ihm und Helene ging immer mehr auf den Wecker, was durch die Zeitungen und Nachrichten
in die Burg flatterte - bald haben sie sich von den Abonnements getrennt und haben Abends
andere Dinge gemacht, als sich das Elend der ganzen Welt anzusehen.
Julia und Claude begannen ein neues Projekt, zusammen mit Steffens und Nana's Baufirma.
Man wollte nicht nachtragend sein und so begann ein gewisser Neustart mit beiden Zwillingen,
die sogar auf die Burg eingeladen wurden.
Dort fühlten sie sich aber in keiner Weise wohl und das lag wohl auch an der abweisenden Art
Valters und Helenes.

Das neue Projekt betraf eine neue Form des Eigentumswohnungsbaues,
einer richtungsweisenden Idee, wie die Beiden fanden.
Man kaufte billige Grundstücke entlang der Autobahn,
lies dort eine Quader-Mauer als Lärmschutz errichten.
Diese Quader waren -noch nicht recyclefähige Wertstoffe, die irgendwann einmal wertvolle Resourcen
werden, wenn die Technik in der Lage sein wird, diese zu verwerten.
Diese Quader also sind wie eine versetzte Wand aufgeschichtet und oben mit Solarpanels ausgestattet worden,
die modular gesteckt werden konnten.
Der Strom daraus hat dann eine ellenlange Reihe von Privathäusern gespeist, die als
Einfamilienhäusern kleinen Zuschnitts durch jeweils eine Doppelgarage voneinander getrennt waren.
Die Grundstücke hat man nicht so groß gestaltet, aber vernünftig geplant.
Die Häuser wurden mit einer langen Straße verbunden und konnten somit gut erschlossen werden.
Die Fertigbauweise lies das Projekt flott wachsen und bald waren die ersten Familien darin.
Ein Jobmotor war entstanden.
Der Möbelhandel und das Gartenzenter brummte, bis zu den Gardinen und Kinderschaukeln
trug dieses Projekt zum Wachstum der Gemeinde bei, weil eben eigene Leute
für die Kaufkraft standen und keine Empfänger mehr finanziert werden mußten,
die viele Jahre lang Empfänger geblieben sind.
Für eine Gemeinde sind eben nur Steuerzahler interessant und förderlich!
Die Baufirma war bald wieder dicke im Geschäft und konnte eigenen Projekte angehen.
Claude und Julia haben nicht gekleckert, sondern geklotzt, wobei die Bank mitzog.
Die Verträge liefen nur auf Provisionsbasis, d.h. in Cooperation, so war den Beiden
der Rücken eigentlich bald wieder frei.
Die Häuschen haben sie wie "geschnitten Brot" verkauft, weil die Autobahnanbindung
in der relativen Nähe war - aus einer Behelfsausfahrt für die Straßenmeisterei
hat man eine richtige Anbindung machen können - aber nur, weil die Behörden
in dieser Zeit gesagt bekamen, was sie zu tun hatten und nicht mehr selbstherrlich diktieren
und Schwierigkeiten machen durften.
Schluß mit den einfältigen Ausdrücken wie "Straßenbegleitgrün" oder "Jahresendfigur mit Flügeln"..
Geschwind wäre der Leiter der Behörde versetzt worden, wie am Fall des Bürgermeisters des Ortes
vorgeführt worden war:
Dieser Hemmschuh wurde ganz einfach mit den Aufgaben eines Hausmeisters in der Schule betreut
und hätte er diesen Job nicht haben wollen, wäre immer noch der Gang zur Sozialstelle geblieben,
die ihn hätte die Straßen kehren lassen.

***

Der Umweltschutz hatte in dieser Zeit leichtes Spiel, weil Resourcen aller Art und auch
Treibstoffe einer hohen Besteuerung unterworfen wurden:
Dieses Geld wurde für die Forschung gebraucht, damit alternative Konzepte gefunden werden konnten.
Wir haben nur diese eine einzige Welt, wir sollten sie nicht vorzeitig kaputt machen!
Lobbyarbeiter und Ideologen und Demonstranten und Querulanten waren weg, wer meckerte, kehrte bald die Staßen.

Die Heuschrecken aus fernen Ländern waren wieder weg, den wirklich Armen in diesen Ländern sollte es bald
besser gehen, eben denen, die das Geld für eine Wirtschaftsflucht nicht einmal ansatzweise aufbringen konnten
und in ihren Ländern zurück bleiben wollten oder mußten.
Inzwischen, wo die Wohlhabenderen auf der langen Flucht waren, bekamen die Armen in ihren Ländern
durch Aufbauhelfer gezeigt, wie man aus der Krise finden kann.
Die Geflüchteten kamen also nach und nach wieder und versuchten den Standorttreuen ihr neues Habe
zu entwenden, was - man kann es sich schon denken - bald auch geschah.
Wieder waren die Reichen reich und die Armen arm.
Wieder wurde gehungert und wieder war Korruption an der Tagesordnung.

***

Afrika wird nie zu sozialisieren sein, da war man sich nun sicher geworden.
Europa war also vom Adelsgeflecht gelenkt und gedieh prima, bis zu dem Zeitpunkt,
wo von Frankreich aus "Grünkappen" begannen, Schlösser und Burgen, bald auch Behördensitze und
bessere Hotels anzuzünden..
Diese Bewegung verband sich mit den Separatistenbewegungen alter Art, mit Basken und Katalanen,
Sorben und Sinti und Roma, Rechts- und Linksradikale, Sozialisten und Gewerkschaftler
angeheizt von den großen Weltreligionen - die Gewalt wurde kanalisiert.
Manche ewig unzufriedene Strömungen in den alten Ostblockländern verbanden sich mit den
"Nehmerländern" Südeuropas, die immer pleite waren, egal wieviel Geld dort zugeschoben wurde..
Nun war eben Schluß mit den Zuschüssen, die durch nichts begründet werden konnten -
der Adel hatte diesem lustigen Schuldenmachen einen Riegel vorgeschoben.
Dort gärte es schon lange und nun kam auch noch Benzin aus Frankreich in diese schwelende Glut.

Es kam wie es kommen mußte, manche Regionen hatten arg unter der Mangelversorgung zu leiden,
weil LKWs überfallen oder angezündet worden sind.
Kanaldeckel warf man von Autobahn- und Eisenbahnbrücken, die Schäden häuften sich.
Als dann die Serverfarmen brannten und das Internet kollabierte,
war die Leitung Brüssels tot, wie querschittsgelähmt und nicht mehr lenkbar.

Die Zerstörungswut vieler Leute kannte kaum mehr Grenzen, es brannte bald auch die
Villa Siegelhort lichterloh, wo alle alten Leute und deren Bediensten verbrannten,
weil die Ausgänge zugenagelt worden waren.
Eine wütende Horde zog auch Richtung Hexenburg und so lies Valter mit den Kanonen,
die mit Basaltsplitt gefüllt waren, auf die Leute feuern, die jene Außenzäune überrannten
die Wächter abschlachteten und selbst vor den Hunden keinen Halt machten.
Mord und Totschlag, der Boden der Heide war mit Blut getränkt.
Claude und Valter und Laurens standen Seite an Seite und haben mit dem Degen
das Tor gegen Angriffe verteidigt.
Bald war alles mit Leichen übersät und die Burg war für's Erste gerettet.
Die Kanonen wurden neu geladen, geladene Karabiner an die Ballustrade gelehnt.
50 Mann des Wachdienstes, der schon früher für die Villa tätig war, haben sehr gut geholfen.
Mit 45iger Colts gingen die Streifen nun auf und ab.
Überall haben die kleinen Armeen der Adelshäuser wilde Gefechte ausgetragen.
Im Gegensatz zu den Angreifern waren diese Trupps mit modernsten Waffen ausgestattet,
die Hexenburg eher nicht..

***

Die Grünkappen wurden überall zurück gedrängt und bald verlief der Sturm im Sand.
Die Wiederaufbaumaßnahmen waren so teuer, daß ganz Europa hohe Schulden machen mußte.
Langsam kam wieder Schwung in die Wirtschaft, weil eben sehr viele Dinge neu hergestellt
werden mußten - Beschäftigung war das Losungswort.
Wieder war das Gestüt ein Opfer der Flammen und diesmal wurden die Pferde einfach
erstochen und nicht gegessen, wie beim letzten Überfall.
Der Neid war wohl grenzenlos und die Wut flammte immer wieder neu auf, angefacht von
den Gewerkschaften und den Kirchen.
Die Leichen wurden in große Gräber getan, weil kein Friedhof diese ganzen Leiber hätte aufnehmen können.
Das Internet wollte nicht mehr funktionieren, weil die Schaltstellen allesamt zerschlagen
oder angezündet worden waren.
Diese Grünkappen waren oft in Personalunion von Linksparteien und der Jugendbewegung der beiden Kirchen,
gestützt von der Gewerkschaftsidee, die noch immer im Untergrund schwelte.
Irgendwo war eben immer einer von diesen Leuten eingesetzt, die ihr heimliches und zerstörerisches Werk taten.
An den Bäumen hingen Amtsträger, Polizisten, Lehrer, Finanzamtsmitarbeiter, aber auch
Ladenbesitzer und Kontrolleure jedwelcher Art, besonders Leute aus dem Adel und deren Nachkommen.
Überall brannten die Adelssitze, bald auch die Gotteshäuser, denn die Revolution frißt bekanntlich
ihre eigenen Kinder, die vor blinder Wut kaum mehr Freund und Feind zu unterscheiden vermochten.
Horden zogen durch Wohlstandsviertel und plünderten, was nicht niet- und nagelfest war.
Banken wurden ausgeraubt, Supermärkte geplündert, Hochhäuser in Brand gesteckt.
Bahnschienen und Oberleitungen wurden beschädigt und bald brach der ganze Verkehr zusammen.
Die Brauerei brannte und auch die Konservenfabrik, die Fasanerie hat man wohl nicht gefunden,
sonst wäre diese vermutlich ebenso den Plünderern und Brandschatzern zum Opfer gefallen.
Die Gaststätte wurde geplündert und die Bewohner abgestochen.
Dem Unterhaus ging es ähnlich, dort hat man die Türen und Fenster von außen zugenagelt und
die Bewohner darin mit dem Haus zusammen verbrannt.
Die wütenden Horden zogen Richtung Hexenburg und wurden von dort mit ganzen Salven "begrüßt".

Der Geschützdonner verebbte, die Schwaden zogen ab, der Pulverdampf verdunkelte die Sonne.

Wenige der Angreifer konnten fliehen.
Nur die Bediensteten, die gerade Dienst in der Burg hatten, überlebten den Angriff.
Auch von Piet und von den Zwillingen hat man nichts mehr gehört.
Die Baufirma lag in Schutt und Asche.
Die Reihenhaussiedlung war verschont geblieben, die war noch in keiner Karte verzeichnet,
fast unsichtbar hinter der Autobahn verborgen.

Alle packten an, um die Trümmer zu beseitigen, die Leichen zu bergen und zu begraben.
Von den Verwandten fand man nichts mehr, was man hätte auf dem Familienfriedhof beisetzen können.

Die Bauern lieferten gerne ihre Waren in die Burg, die bestellt hat, wie eh und je.
Die Burg und die Reihenhaussiedlung waren die einzigen Gebäude, die noch Strom hatten -
bis auf die unzerstörten Häuser, auf denen Solaranlagen waren.
Die Fanfare ertönte und ein ziemlich zerrissen aussehender Priester stand davor:
Machen sie auf, um Jesu Willen.
So, so meinte Valter, sehen sie nur, was er rundherum angerichtet hat, ihr Herr Jesu!
Der Degen hing an seiner Seite, der Schaft war noch ganz blutig.
Mit eiskalter Miene erschlug Valter den Mann, welcher einer der Hetzer und Aufrührer war und lies ihn liegen.
Später trug man ihn weg und begrub in im Wald.

Es dauerte ein ganzes Jahr, bis sich die Lage wieder einigermaßen normalisiert hatte
und die restlichen Adelsleute Kontakt zueinander aufnahmen.








Die neue Zeit.
Der Aufbau begann, der Adel allerdings war vollkommen am Boden und nur wenige Häuser überlebten
die Wut des Pöpels, des Mobs der Straße, als Helene sagte:
"Mit nur 20 Leuten Personal wird das knapp werden, hier auf der Hexenburg."
Valter besorgte sich zusätzlich moderne Munition und entsprechende Granatwerfer
aus dem Arsenal der Sicherheitsfirma, deren Munilager noch keiner der Plünderer gefunden hatte.
Von den 50 Mann es Wachdienstes sind nur 10 übrig geblieben.
Von Claudes Eltern kam die Nachricht, dass der Ort zwar brannte, aber
der Schaden relativ gering blieb - der Ort war zu unbedeutend, genau wie
die Großgemeinde zu Füßen der Hexenburg.
Die Leute suchten händeringend Arbeit und der Graf gab sie ihnen:
Die Aufräumarbeiten um die Burg gingen gut voran und bald merkte man dem Heidepark
die blutige Vergangenheit nicht mehr an.
Der Siegelhort war so stark verwüstet, daß man von einer Ruine sprechen konnte,
deren Aufbau Unsummen verschlungen hätte.
Deshalb hat man diese Anlage rekultiviert und der Hexenburg zugeschlagen.
Der Heidepark vergrößerte sich auf 5 Hektar.
Die Hexenbrauerei hatte nur das Fasslager und eine Halle verloren, in die Keller ist man
nicht eingedrungen, weil Karl geistesgegenwärtig auf die Einstiege Paletten räumen
und anzünden lies.
Die Konservenfabrik war vollkommen geplündert und gebranntschatzt worden.
Valter verkaufte das Grundstück an den Stahlbaubetrieb nebenan.

Die Gaststätte war nur noch ein Haufen Schutt und Asche, was man später rekultiviert hat.
Von den Leichen hat man nichts finden können, trotz intensiver Suche.
Desgleichen ist von all den Verwandten der Burgherren nichts mehr gefunden worden,
dieses Schicksal erlitten 99% aller Adligen in Europa.

***

Nach und nach gründeten sich Parteien, Parlamente entstanden neu,
die Kirche bekam wieder ihre Steuern, die Hexenburg und die Adelssitze, die noch übrig waren,
gingen leer aus; die Finanzämter dienten wieder dem Staat, der sich neu formierte.
Es kam eine Währungsreform und Europa zerfiel in die alten Länderstrukturen
mit den alten Währungen.

Laurens war in der Fasanerie, Helena spielte mit den Küken, Loretta versuchte ihre Eltern zu erreichen,
die sich schon lange nicht mehr gemeldet hatten.
Helene und Valter liesen sich den Mittagstisch schmecken,
Claude und Julia waren in der Stadt und wollten in den Eissalon.
Da kam der Startschuß für die neue Währung und der Run auf die Banken begann.
Alle Geld- und Anlagewerte waren weg, sie wurden eingezogen, um den neuen Geldwert
zu sichern, wie zu allen Zeiten.
Das Eis haben sie schon mit dem neuen Geld bezahlt.
Sie brachten einen postlagernden Brief aus Schottland mit,
den alle in der Hexenburg lesen sollten:
Die Ortsverwaltung gibt bekannt, daß von den Angehörigen keiner überlebt hat,
die Rinderfarm in Schutt und Asche gelegt wurde.
Die Grünkappen waren überall in Europa.

***

Die Pfarrer wurden nicht müde, mit Demonstranten vor das Burgtor zu ziehen
und die "Mörder ihrer Strafe zuzuführen".
Valter ließ über deren Köpfe schießen und rufen:
Sie haben unberechtigt unseren Grund betreten und wenn sie nicht sofort verschwinden,
schießen wir ein wenig tiefer.
Dann zündeten sie Molotowcocktails und warfen diese gegen das Burgtor.
Valter ging aus dem Seiteneingang und erschlug jeden Einzelnen mit dem Degen und hieb
mit dem Grafendolch zu, schoß aus der großkalibrigen Waffe als wäre er Dschingiskhan.
Keiner der 30 Demonstraten hat das überlebt, auch der Pfarrer nicht.
Ein Bestatter holte die Leichen ab und übergab sie dem Krematorium.
Dann lies sich Graf Valter in voller Bewaffnung in der Stadt sehen und aß in aller Ruhe
in der Metzgerei ein Blutwurst-Brötchen.
Das sprach sich herum, aber niemand getraute sich etwas zu sagen oder Hand an ihn zu legen..

***

Laurens und Loretta bekamen noch einen Knaben, den Ludwig, der nun sehr umhätschelt wurde.
Claude und Julia lebten von der Fasanerie inzwischen wieder recht gut,
die Brauerei lief und wurde von Claude und Julia geführt, nach und nach kam der alte Schwung
in diese Unternehmung, denn gegessen und getrunken wurde immer, selbst in Kriegstagen.

Die gräflichen Luxuskonserven wurden nun in der Hexenbrauerei in einer gesonderten Halle hergestellt.
In der gleichen Qualität, wie eh und je.
Der Werksleiter und ein paar Leute haben sich retten können und wollten freilich ihre
Beschäftigungsgarantie haben - die auch gerne gewährt wurde.
Nun wurde noch etwas kleiner gefahren und das war gut so:
Exklusivität war Trumpf!
Die Bestellungen wurden zu Wartelisten und die Kunden warteten wohl gerne.
Die Produkte der Fasanerie wurden bald ausschließlich dort vermarktet.

***

Valter hatte in den fetten Jahren genügend frisches Gold und Silber einlagern können,
wovon nur ganz, ganz wenige Angehörige wußten:
Andere ahnten nichts davon.

Luisza hat diesen Krieg gegen die Obrigkeit nicht mehr erleben müssen,
das hätte sie umgebracht, meinte Helene.
In die Trauer auf der Burg, die halbmast geflaggt hatte, mischte sich die Hoffnung
auf eine friedlichere Zeit.
Loretta erfuhr von den Nachbarn des Stadthauses ihrer Eltern, daß diese enteignet und deportiert
worden sein sollen, nach Italien, wo sie der gerechten Strafe entgegen sehen - so spöttisch klang die Frau am Telefon.
Die Justiz wurde neu formiert und aufgestellt, bald kamen die ersten Anklagen gegen die Hexenburg
und die Rufe nach der Todesstrafe für dieses Mörderpack, wie skandiert wurde.

Nun fanden - aufgehetzt durch die Presse - täglich Demonstrationen statt.
Der Prozess verlief aber Richtung Notwehr, weil damals ein rechtsfreier Raum dazu gezwungen hat,
so der Richter in seiner Urteilsbegründung.
Er war - was wenige wußten, ein Schulkamerad Valters und traf sich - sehr viel später - mit diesem
im Rittersaale der Hexenburg.

Man hat den Wachdienst wieder deutlich verstärkt und die Grenzzäune gut bewacht,
auch die der Hexenbrauerei.








Die Zeit danach.
Es kamen nach und nach Überlebende des Adels und besuchten die Hexenburg,
das Bollwerk gegen Anarchie, wie man sich ausdrückte.
Die Verwunderung war sehr groß, daß hier alles in bestem - und vor allen Dingen -
äußert wehrhaftem Zustand zu sehen war!
Die alten Zeiten wurden beschworen, die Helene spielte entsprechende Weisen auf dem Flügel,
die Kinder tanzten dazu.
Die Gäste waren ganz gerührt und haben den gediegenen Luxus der Hexenburg ausgekostet,
sind wieder zur Besinnung gekommen und versprachen sich gegenseitig zu helfen.
Ein schöner Tag ging zuende, oben auf dem Söller mit dem Glas Sekt in der Hand.
Valter hat das Unterhaus nie wieder herrichten, sondern abtragen und
einen Rebhang anlegen, einen Weinberg neu gründen lassen.
Ein neuer kleiner Traktor wurde angeschafft mit Hänger und eine Kelter und Fässer -
Flaschen und was man so braucht, um selbst Wein und Sekt zu machen.
Als die Gäste am anderen Morgen an der Tafel des Rittersaales waren und ihr Frühstück
zu sich nahmen, meinte die alte Köchin zur Gesellschaft:
Ihr habt uns alle das Leben gerettet und uns immer Arbeit und Brot gegeben,
wir Beschäftigten der Hexenburg möchten uns dafür mit einem Ständchen bedanken.
Helene begleitete auf dem Flügel und bei gedimmten Lüstern und Kerzenschein war eine feierliche Stimmung.
Unter Beifall aller Anwesenden ging das Personal wieder seiner Arbeit nach.
Nur Helene wußte von dieser kleinen Verschwörung.

Der Staat wurde wieder neu aufgebaut, auch die Landesverteidigung und die Burg wurde somit
aufgefordert, die Waffen abzulegen.
Der Staat hatte das Gewaltmonopol neu gegründet.
Die Waffen wurden eingezogen und nur die alten Kanonen blieben, getarnt als historische Stücke.
Desgleichen blieben die Degen und die Bewaffnung der Leibgarde in der Burg, wie die Behörde dazu sagte.
Der Burgfriede war wieder hergestellt.
Die Verluste bei der Währungsumstellung waren dennoch heftig gewesen und so brauchte
niemand ein schlechtes Gewissen haben, dafür hat der Bankdirektor gesorgt, dessen Frau
ab und an etwas ausplapperte, was sie nicht hätte sagen dürfen.
"Die Burgleute haben ordentlich Federn gelassen"
und alle ihre Zuhörer feixten.
Ludwig fing an zu krabbeln und Helene schaute zu.
Bald waren in der Puddingschüssel wieder .. verräterische Spuren zu sehen und alle lachten!
Die Hexenburg fiel wieder in einen tiefen Dornröschenschlaf, alle Tage waren friedlich
und nur der Staub der Geschichte sollte die Taten um diese langsam, aber stetig verdecken.
Das kollektive Gedächnis der Bewohner der Region jedoch war immer noch wach und
insgeheim hasste man die Leute in der Burg da oben.
Die Hexenbrauerei und De Luxe Konserven Manufaktur ernährte alle.
Die Bauern lieferten nur zu gerne die Rohstoffe und der Rubel rollte.
Ab und an weinte man um Fritz - Patrick und Annabella, stellte Kerzen an die Fenster.
Eines Tages tutete das Horn und die beiden verlorenen Kinder waren wieder da,
mit ihrem Nachwuchs, den Zwillingen Catu und Poux.
Sie hatten sich in einem Erdkeller versteckt, einem Rübenkeller, in dem sie überlebten.
Eine Woche haben sie rohe Wasserrüben gegessen, bis der Spuk weiter gezogen war.
Die Zwillingen waren schon recht agil und irrten überall in und auf der Burg herum,
schlimmer als ein Sack Flöhe und sie ärgerten mit Vorliebe Helena, die sich aber zu wehren wußte.
Sie blieb das einzige Kind des Laurens und der Loretta, auch wenn diese noch zwei Mal schwanger wurde.

Die Schotten zogen bald wieder ab, sie wollten nur die Ferien in der alten Heimat verleben und
dann wieder nach Hause, wo das Farmhaus wieder aufgebaut worden war - Valter hat etwas zugesteckt
und Helene ahnte das.

***

Die Zeiten waren endlich wieder ruhiger geworden, wenn auch immer noch ein unterschwelliger Groll
in manchen Teilen der Bevölkerung lag.
Die Hexenburg hat viele "Opfer" gekostet und wurde als Tatort berüchtigt,
obwohl man dort in einer Passivrolle der Verteidigung in höchster Not war.
Jeder vergißt was er vergessen will und Wahrheit und Dichtung liegen nah beieinander.

Graf Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg stand auf dem Grabstein des Familienfriedhofes,
als man ihn auf dem Wege vom Weinberg zur Hexenburg fand.
Der Traktor war stecken geblieben und beim Versuch diesen flott zu bekommen,
erlag der Graf einem Herzinfarkt.
Nur wenige Tage nach ihm starb Helene, vor Kummer, wie man sagt.
Das Geheimniss des Goldversteckes hat sie Claude verraten.

Claude war mächtig stolz auf seinen Schwiegervater und zeigte Julia
den Familienschatz, den sie sich kopfschütteln ansah..

"Es ist unfassbar, wie die Beiden das geschafft haben und erst die Chronik
dazu, die ist sehr lesenswert!"
Valter hatte jede größere Transaktion und auch den Urgrund des Schatzes detailliert beschrieben.

***

Niemand kam zu der Beerdigung des Grafen und seiner Gräfin, nicht mal Claudes Eltern,
nur die Bewohner der Hexenburg und die Bediensteten, die gerade frei hatten.
Die Burg wurde niemals wieder unbewacht und ungeschützt gelassen.
Das gemeinsame Familiengrab zierte die Statue, die einst auf dem Brunnen stand, auf welcher nun der Name
und das Wappen und der festgeschweißte Degen Valters prankte.
Die Burg war nun in Claudes und Julias Händen, mit allem war darin war und sie zeigten sich würdig
und wurden von der Besatzung vollauf respektiert und voller Achtung angesehen.
Kein Pfaffe hat sich dort jemals wieder hin getraut und kein Aufrührer hat jemals wieder eine "Demo"
dort tun wollen, alle sind lieber durch den Ort gezogen und haben die Hexenburg gemieden wie die Pest.
Düster war die Zeit und noch düsterer sind die späteren Legenden darüber gewesen, die man sich erzählt hat.
Die Leute im Ort hörten auf zu reden, manche bekreuzigten sich, wenn das weiße Pferde-Landaulet
die Straßen entlang fuhr, mit Loretta und mit Laurens und Helena darin.
Aus Schottland kam kein Kontakt oder Besuch.
Man sagte in diesem Ort, sie könnten nach Australien oder Irland gezogen sein,
wisse es aber nicht genau, es könnte auch Kanada gewesen sein.
Man wisse nur, daß die Familie mit dem Adel nichts zu tun hätte haben wollen,
weshalb sie eine Namensänderung beantragten.

***

Man kann sich denken, daß die junge schottische Familie nicht nocheinmal derart attackiert werden wollte.
Sie waren einfach nur froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein und verkauften die Farm und woanders
neu zu starten - unbekannte Leute in einem unbekannten Land.

***

Die Hexenburg lief gut und man fing an, den normalen Tagesablauf zu gestalten.
Valter und Helene waren in recht hohem Alter von ihnen gegangen, abgekämpft und erfolgreich.
Ihr Bild war in allen Adelshäuser als ein Beispiel für Ritterwürde und Mut daheim,
sie wurden wie Penaten verehrt und man sprach ehrfurchtsvoll von ihnen.
Claude besichtigte die Kanonen und lud diese sicherheitshalber, deckte das Innenrohr mit Wachs ab,
so daß das alte Stück wie eine wehrunfähige Replika aussah, das tat er mit allen diesen Stücken.
"Man kann nie wissen, der Pöpel ist und bleibt der Pöpel!"

Die Unternehmung lieferte wunderbares Doppelbock und einmalige Luxus- und deftige Männerkonserven.
Das Wappen änderte sich auf das der Freifrau Luisza von Oswilde, auf der Burg waren die Wappen
der jungen Grafen und der alten Grafen, auf jedem Torflügel als Prachtstücke,
desgleichen im Rittersaale.
Die Einnahmen sind gut geflossen, aber in der Bank ist der Direktor niemals wieder
aus seinem Büro gekrochen.
Für viele Bewohner des Ortes waren das die "Familie Dragula in der Hexenburg",
ein blutrünstiges Volk, das nur im Dunkeln um Mitternacht oder so aus ihren Gräbern steigt.
Hexenkultler und Esoteriker schlachteten diese Geschichte aus und webten eine Fabel darum.
Claude führte den Weinberg fort und vergrößerte diesen, er brachte einen guten Wein zustande
und kümmerte sich um die Belange der Hexenburg.
Julia beaufsichtigte die Unternehmung und war erfolgreich damit:
Sie erzielte immer mehr Gewinn, als die laufenden Kosten waren und es waren nicht wenige Dinge,
die an diesen Einahmen zerrten, das ganze Personal lebte davon.
Die kleine Helena wurde eine reizende Prinzessin, die privat unterrichtet wurde -
auf den Schulen war die Hexenburg geächtet und niemand wollte ein Kind von dort aufnehmen.
Im Adel allerdings war Helena die allererste Adresse und sehr begehrt, nicht nur wegen ihres
reizenden Wesens, das keinerlei Wutausbrüche und keine Aggressionen kannte.
Helena träumte jedoch öfter "von Dingen" und man munkelte, sie habe das "2. Gesicht".
Das wußte freilich nur das Personal und die Familie.
"Luisza ist zurück", so sprachen sie unter vorgehaltener Hand..
..einige kannten die Freifrau noch persönlich.
Helena wußte um den plötzlichen Tod des Fredericks von Oswilde und
würde ihren Prinzen mit Sicherheit davor warnen um dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen.
Ihr Hobby waren alte Runen und die Geschichte des Uradels, sie begann die Chroniken der Burg zu pflegen,
mehr als einen Goldschatz (von dem sie nichts wußte, den kannten nur Claude und Julia).








Die Fasanerie wurde weiter ausgebaut und modernisiert,
Die Pferde und alles was damit zusammenhing, kamen in den Burghof, wie das früher schon war.
Die Autos wurden durch Pferde ersetzt.
Die Sattel und Satteldecken trugen das gräfliche Wappen und machten einen sehr edlen Eindruck.
Wo immer die Burgbewohner damit auftauchten, wurden sie betrachtet wie Conquestadores,
man ging denen aus dem Weg.
Claude und Laurens hatten selbstverständlich ihre Edelleute-Kluft an, mit dem Degen umgehängt.
Niemand wagte etwas dagegen zu sagen, auch die Polizei nicht.
Daran wollte niemand rühren und betrachtete die Burgbewohner als "touristisches Gimmick",
was viele Besucher anzog.
Niemand wurde in die Burg eingelassen, der nicht ausdrücklich eingeladen war.
Der Heidepark besaß bald einen Doppelzaun, professionell gemacht mit einem Laufgang für die Wachen,
bzw. deren scharfe Wachhunde.
Dahinter hat mein eine üble Dornenhecke gepflanzt, in welche auf Bedarf Stromdrähte aktiviert werden konnten.
Das Einfahrtstor war stärker bewacht als eine Kaserne und konnte in der Fahrspur eine tiefe Grube aufklappen,
die unten mit Eisenpfählen bestückt war.
Oben eine harmlose Brücke und unten lauerte der Tod.

Die beiden Wachhäuschen hat man mit verdeckten Waffen bestückt.
Auf diese Weise war das Burgtor noch in weiter Ferne für jeden Angreifer und unerreichbar.
Neugierige Journalisten, die mit Hubschrauber kamen und gelegentlich dicht über
die Burg flogen, hat man mit Tontaubengewehren mit Hartgummi beschossen - ohne Vorwarnung
und zwar bereits, wenn sie das Grundstück einflogen.
Korea lieferte diese automatische Einrichtung, eine auf dem Söller und
eine auf der Burgmauer der gegenüber liegenden Seite.
So mancher Hubschrauber ging mit zerborstenen Scheiben auf Distanz,
weil die Schußfolge beachtlich war.
Die professionellen Wachen waren im Nahkampf ausgebildet, manche waren in Spezialeinheiten
und haben sich hier etwas zuverdient oder sind nach der Rente zur Burgmannschaft gestoßen.

Alle Waren mußten an den Wachhäuschen abgeliefert werden, niemand kam bis ans Burgtor.
Gas- und Wasserableser wurden mit Doppelstreifen begleitet.

***

Eine Familie des holländischen Adels war angemeldet und kam mit ihrem Akke, was "Schwert" bedeutet.
Wie zuvor schon die Eltern, lernten sich Akke und Helena über das Internet kennen,
tauschten Bilder aus und bald lud man die Drei Nachkommen des holländisch-dänischen Adelsgeschlechts zur Hexenburg ein
was eine ganz große Ausnahme war und sich schon im Vorfeld herum sprach und
ungläubiges Staunen auslöste unter den Adligen Europas.
Die Kinder waren gerade mal 11 Jahre (schon wieder diese Zahl (!) und waren sich praktisch schon versprochen.
Im Rittersaal waren die Eltern und Großeltern beisammen und sprachen über so viele Dinge,
wo immer mal wieder der Name Valter und Helene und Luisza fiel.
Die Holländer waren beeindruckt von der Anlage, aber hielten sich dort dennoch nur mit Gänsehaut auf.
Gerne kamen sie nicht, auch in späteren Jahren nicht in die Hexenburg.
Der Akke jedoch war hier so richtig in seinem Element, er war immer schon mit Leib und Seele "Ritter",
und sein Burgfräulein war sehr hübsch und edel und klug dazu.
Wie reich die Kleine einmal sein wird, hat keiner geahnt, auch Laurens und Loretta nicht.

***

Laurens hat die Jagd und den Förster abgegeben und hatte genug mit der Fasanerie und den Pferden zu tun.
Die Feder am Hut, die hat er stets beibehalten.
Er ging bevorzugt im dunkelbraunen Morgenmantel aus Samt mit Goldbordüren und ebensolchem Barett in der Burg umher.
Auf der Brusttasche prankte Valters Wappen.
Die gleiche Ausstattung in Grün trug Claude.
Der kleine Ludwig schien ebenso gekleidet werden zu wollen..
Der Winter ging und der Frühling kam, die Natur ist erwacht und mit ihm kam Akke.
Er wurde auf der Hexenburg privat unterrichtet, in Holländisch und Deutsch.
Im nächsten Halbjahr ging Helena nach Holland zum Privatunterricht in deren Herrensitz
inmitten der Altstadt an den Grachten.

Die Eltern beiderseit waren über das stille Verstehen der Kinder mehr als nur erstaunt und
meinten, das müssen Seelenverwandte sein, uralte Seelen, die sich wieder gefunden haben.
Wir wissen ja, daß der holländische Adel deutsche Abstammung hat.

***

Akke's Mutter hat Helena versehentlich erblickt, als sie sich ohne Kleidung vor dem Spiegel drehte,
sie kam gerade in den Umkleideraum um nach einem Kleidungsstück zu sehen.
Am Abend erzählte sie ihrem Manne, daß Helena ihrem Namen mehr als nur Ehre macht,
sie könnte spielend an Schönheitskonkurrenzen teilnehmen.
Helena war aber immer züchtig bekleidet und zeigte niemals mehr als das Knie,
sie benahm sich immer distanziert und nie kokett,
wie das die meisten Mädchen in ihrem Alter tun.
Sie war die Wiedergeburt Luiszas, das war den Holländern ganz klar geworden,
als die die Familiengeschichte in der Hexenburg erfuhren.
Helena tat nie eine unbedachte Bewegung oder Bemerkung,
alles war wie antrainiert, aber echt und nicht irgendwie gestelzt oder schauspielerisch.
Sie war so, von Geburt an.
Akkes Eltern waren sehr stolz auf die Kleine und schlossen sie alsbald in ihr Herz.
Ihr Akke war nicht schön, eher sehr derb und stark, groß und immer schon sehr durchsetzungsfähig,
bei Helena jedoch war er vollkommen anders als ihn seine Eltern kannten.

Auf der Hexenburg wurde die Schlacht Graf Valters regelmäßig gefeiert und mit Feuerwerksraketen
und Sekt abgehalten, es gab Häppchen -
vom Spießbraten oder Grillfleisch hat man gerne abgesehen.








Ein paar Jahre gingen ins Land, der junge holländische Graf
heiratete in Holland seine Helena und ging mit ihr auf Weltreise.

Claude und Julia feierten gerade ihren Hochzeitstag, als eine Videobotschaft
auf dem Tablet-PC erschien:
Wir grüßen aus Winnipeg und haben uns in einem Motel einquartiert.
Stellt euch vor, Fritz - Patrick und Annabella arbeiten dort als Putzkräfte.
Sie haben uns nicht erkannt und wir haben uns nicht zu erkennen gegeben.
Sollen wir etwas sagen?
Nein, besser nicht, schrieb Julia, die Beiden wollten wohl untertauchen und nicht gefunden werden.
Wenn die uns wirklich brauchen würden, hätten die sich bestimmt schon einmal gemeldet.

Nach ein paar Wochen kamen die Beiden zurück von ihrem weiten Trip, zufrieden wieder zuhause zu sein.
Helena widmete sich weiter ihrer Hexenkunst und sah immer mal wieder "Dinge".
Das junge Paar wohnte in Luisa's Kemenade und war innig miteinander.
Julia lernte Akke in der Verwaltung der Brauerei ein, wobei er alle Stationen der
Manufaktur kennen lernen mußte - Karl half dabei nach Kräften.

Unter einem Jahr war da nichts zu machen und Julia freute sich schon darauf,
danach mit ihrem Claude "in Rente gehen" zu können und sich aus den Geschäften zurück ziehen zu können.
Claude war bereits dabei, sich auf seinen Wein zurück zu konzentrieren und danach den Grafen
spielen zu können, ungestört von irgendwelchen Pflichten.
So ging es auch Julia, die ihm dabei helfen wollte.
Helena fand die Volksmusiksammlung ihrer Oma Helene und vertiefte sich darin,
sie fand in der Kemenade später in einem verdeckten Wand-Spalt seltsame Aufzeichnungen Luisza's.
Bald fing sie an, die Rittersaale auf dem Flügel zu spielen, wobei sie tüchtig Hilfe bekam.
Es war schon dunkel, das Schmiedefeuer loderte noch, die Hammerschläge auf dem Amboß
klangen langsam aus, ein junger Stallknecht hatte daheim bei seinem Opa das Schmiedehandwerk
erlernt und hier auf der Hexenburg kümmerte er sich um alles, was mit den Pferden zu tun hatte.
Bei ihm war stets der kleine Ludwig, der sich für keine Arbeit zu schade war.
Zehn Pferde standen in den Stallungen unter der Burgmauer im Innenhof, daneben ein paar Kutschen
und wieder ein funkelnagelneues Landaulet für 2 Schimmel, das mit modernen Scheibenbremsen
und modernen, aber alt aussehenden Speichenrädern -
und gutem Licht ausgestattet worden ist.
Auf den Türen prankte das Wappen der Hexenburg.
Der Nachtwächter zog seine Runde:
"Hört ihr Leut und lasst euch sagen, die Uhr die hat Acht geschlagen, noch 10 Stunden, seit auf der Hut, zeigt die Sonne wieder ihre Glut!"
Helena war am Morgen sehr aufgeregt, sie war ganz außer sich, als sie an die Kaffeetafel wankte.
Was ist mit dir Helena, fragte Julia besorgt, hast du schlecht geträumt?
Ja, das kann man wohl sagen!
Ich habe Luisza gesehen und sie sprach zu mir:
Ich will, daß das Gasthaus wieder aufgebaut wird und will, daß Fritz - Patrick und Annabella
dort ihr Auskommen haben mit der Gaststätte, die beiden Kinder Catu und Poux selbstverständlich auch.

***

Claude lies das Gasthaus neu errichten, ausstatten mit allem, was man so braucht und
Julia nahm mit dem Motel Kontakt auf.
Die "gestrandete" Familie war heilfroh, dem derben Publikum des Motels entkommen zu können
und nahm die Schiffspassage gerne an:
Vermutlich werdet ihr nie wieder eine so weite Schiffsreise machen, so schrieb Julia im Brief,
wo ein Hinweis auf eine Geldtransaktion enthalten war.

Eine stürmische Überfahrt stand bevor und die Reise auf dem großen Frachter blieb
denen für immer im Gedächnis.

Die Kutsche mit Helena auf dem Bock hielt vor dem Bahnhof der Stadt,
ein ganz und gar ungewöhnlicher Anblick in der heutigen Zeit.
Man lud die paar Koffer ein und nahm Platz in dem geräumigen Fahrzeug.
Ruhig trabten die starken Schimmel dahin und schienen wohl den Ausflug zu genießen.
Die Zwillingen hatten ihren Spaß, wie man sich denken kann.
Es ging über Nebenstraßen, die für eine Kutsche sicherer sind und die Vögel sangen.
Erholt kamen sie in der Hexenburg an, wo bereits ein Barbecue wartete, mit Doppelbock.
Ein riesiges Hallo und die Kinder tanzten zur mittelalterlichen Flötenmusik, die
Helena zum Besten gab - Julia spielte dazu auf dem Flügel.
Ludwig, Catu und Poux spielten Nachlaufen und Fangen.
Annabella war froh, endlich wieder daheim zu sein.

Am nächsten Tag schon sind sie zu Fuß mit den Koffern in der Hand durch den Wald zu ihrem
Domizil gegangen, das wollten sie sich nicht nehmen lassen.
Die Gaststätte war genau so aufgebaut worden, wie sie einmal dort stand.
Geradezu historisch genau.









Zwischenspiel.

Alternativ könnte diese Geschichte des Graf Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg auch folgend ausgehen:

Im Untergrund sind aus dem Ausland gesteuerte Kräfte dabei gewesen,
die EU zu destabilisieren und mit Störungen des Internets und der Kommunikation
zeitweise ganz gezielt lahm zu legen.
Es geht um globale Resourcen, es geht um Handel und Wandel, den Wettbewerb..
..aber noch immer auch um ideologische Rechthabereien.
Die Bündelung ewig Unzufriedener wird im Verborgenen mithilfe der verschiedensten Mafia-Strukturen
Attentate und Morde ausüben lassen.
So hätte die Presse schnell Falschinformationen aufsitzen und mit polarisierenden Schlagzeilen
die Leute auf die Straße getrieben, würde ich die Geschichte in diese Richtung weiter spinnen.
Man muß kein Prophet sein, um bei einem zu schnellen Urteil, wo ein vermeindlicher Dieb
dem Schuß eines Ordnungshüters erliegt, zu einem Systemopfer hoch zu stilisieren.
Ein wenig Aufmucken der Religioen käme dazu und schon hat man die schönste Revolution,
Mord und Totschlag, Plündereien und Hass und Krieg
mit "Bündnispartnern" und schließlich den totalen Ruin und die Vertreibung.
Ewig Unzufriedene werden die Selbstherrlichkeit der Fürstenhäuser reklamieren,
auch wenn sie selbst nicht in der Lage sind, diesen Wagen besser zu steuern als die Kritisierten.
Vielen geht es vielmehr um die Destruktion, nicht darum das Gemeinwesen zu verbessern.
Besonders ausgeprägt ist das bei Studenten zu sehen, die immer den Anfang gemacht haben,
wenn es um das Aufmischen schlechthin geht.
Sich widersprechende und hohle Phrasen wechseln sich ab, verquirlen sich zu Parteiparolen,
bis irgendwann die Schlagworte so plump sind, dass auch der letzte Einfältige im Volk mitrennt.
Das ist kein Novum und das wiederholt sich in der Menschheitsgeschichte immer und immer wieder.
Ob nun die Religion zündelt oder politische Ideologen oder ein Mix zwischen Beidem, wie im Iran z.Zt.
ist, kann dabei vollkommen egal sein - es gibt immer Tote und neues Unrecht.
So wäre mein schönes fiktives Konstrukt der Grafenstory ganz schnell am Galgen der Geschichte aufgehängt.

Wir haben Ideen, aber die Wege dorthin führen leider über eingefahrene Wege, aus deren
Spurrillen das Vehiculum Vitae nicht heraus zu kommen vermag.
Letzten Endes landen wir an der selben Kreuzung, aber wohin soll man abbiegen,
was ist das "kleinere Übel"?
Geradeaus geht es steinig und steil, nach rechts bleibt der Wagen im Sumpf stecken,
nach links bläst der Wind die Fuhre um.. zurück geht auch nicht, weil hinter uns noch
viele andere Wagen dicht an dicht stehen und auch nicht wissen, wo sie hin fahren sollen..

Seit der Mensch denken kann, haben wir als Spezies dieses Problem,
das uns mit Sicherheit von diesem Planeten wieder verschwinden lassen wird..
Dazu brauchen wir keine neue Eiszeit oder einen Meteoriten,
welcher uns - wie damals die Saurier - auslöschen wird.
Habgier, Neid, Mißgunst werden uns wie Fahnen voran eilen und selbst
wenn wir als Einzelwesen zu Heiligen oder zur Vollkommenheit gelangen könnten,
ich sage bewußt "könnten",
sind die anderen eben ganz anders eingestellt:
Wer dumm ist, hält die andere Wange auch noch hin oder
man ist so "sozial", daß die Türen des Nachts sperrangelweit aufstehen,
damit sich der Dieb nicht die Hände an der Glasscheibe verletzt..
Das Ergebnis dürfte wie das Hornbacher Schießen sein.
Das Haus wird ausgeplündert, wenn keine Verteidigungsstrategien gehalten werden.
Man kann nicht einmal den Nachbarn oder Verwandte, Geschwister oder den Kollegen zu einem guten Wesen machen,
wie wenig dann wohl ganze Regionen oder Völker oder Staaten?
Wem es gut geht, der hat Neider und der Dieb ist nicht weit.
Sollte man besser auf den Erfolg oder Wohlstand oder Besitz verzichten,
um nicht dadurch in Gefahr zu geraten?
Leider ist das auch nicht der Königsweg, weil schon immer in der Geschichte
die geistige Gefangenschaft zur Abhängigkeit geführt hat:
Die Glaubensrichtungen machten das schon immer sehr subtil.
So bleibt nur noch das Eremiten-Dasein, irgendwo im nirgendwo - das auch immer seltener
wird, je mehr Menschen auf der Erde herum laufen.
Immer noch bekommen bestimmte Kulturen ein Kind nach dem anderen,
früher wegen der hohen Kindersterblichkeit und heute eben, weil Entwickungshilfen
einen hohen Viehbestand brachten, der weiteren Menschen Nahrung gibt,
die Tiere aber grasen alles ab und lassen die Erde kahl werden
und nach vielen weiteren Hilfen rufen..
..ausgerechnet von Staaten, deren Bevölkerung sich zurücknimmt, damit
wir nicht noch schneller am eigenen Dreck und Luftverschmutzung sterben.
Das Ganze ist wie eine Kette ohne Ende, die nur durch den persönlichen Tod ein Ende findet,
hoffentlich ein schmerzfreies und schnelles.
Und hier wird wieder offenbar, daß das letzte Hemd keine Taschen hat und
alles auf der Erde zurück bleiben wird:
Gold, Geld, Häuser, Grundstücke oder was auch immer jemand besessen hat.
Diese Erkenntnis oder das Wissen um die eigene Sterblichkeit hat bisher
wohl noch niemanden zum Nachdenken gebracht.
Statt dessen wird Münze auf Münze gestapelt, als hätten man das ewige Leben gepachtet,
statt dessen werden immer mehr und immer weitere Reisen mit dem Flugzeug gemacht,
werden immer mehr und immer dickere Autos gekauft..

***

Nun könnte man denken, ich hätte die ganze Feldgemarkung aller Dinge um mich herum
in einen Wäschekorb getan, alles gut durchgemischt und mich dann ans Werk gestürzt,
um diese Seite hier zu schreiben -
weit gefehlt.
Als jemand, der bereits im Kindesalter am elterlichen Tische das Diskutieren gelernt hat,
kommen mir die heutigen Debatten der heutigen Studierten doch sehr abgehoben und abgedreht
und weltfremd vor.
Nach meiner geschichtlichen Exkursion,
die aus der Neugier heraus entstanden ist, waren einige Rückschlüsse geradezu zwingend.
Auf den Wanderungen im Taunus trifft man auf Schritt und Tritt -buchstäblich- auf Historie und
so war das Interesse schnell geweckt.
Hier ein Buch aus dem Internet, dort eines aus dem Antiquariat, dort etwas Genealogie und
viele Ortschroniken aus der städtischen Bücherei zu Weilburg, die durchgeackert wurden.
Jahre habe ich dafür gebraucht und tat dies in der Hoffnung, mit oder durch meine Seiten hierzu
angeregt oder zumindest gut unterhalten zu haben.
Die politische Schiene ist eigentlich so ganz und gar nicht mein Ding, genau wie die Religion,
was sich aber erst sehr viel später so richtig plastisch gezeigt hat.
Nach jahrelanger, sozialromantischer Träumerei in Richtung "Basisdemokratie",
möchte ich dieses Kapitel als Prosa abschreiben.
Desgleichen die Erkenntnis zufügen, daß Umweltschutz nur jener betreibt,
der sich Verschwendung nicht leisten kann - das ist nun mal so.
Nach allen bisherigen Erkenntnissen sind die allermeisten Mitmenschen, sollten diese sich noch
für Politik interessieren, meisten viel zu wenig informiert oder geschult um sich ein klares Urteil
vor einer Wahl haben bilden wollen oder können.
Ohne eine gewisses Basiswissen kann man nicht kochen und so ist dieses Essen "EU" entweder zu lasch
oder zu scharf, meistens jedoch penetrant bevormundend geraten.
Die Mehrheitsverhältnisse der alten und abgehalfterten Parteien erinnern mich an morsche Bäume,
die sich aneinander abstützen um nicht umzufallen.
Mir ist klar, daß der Adel genügend "Dreck am Stecken" hat, wie die Geschichte lehrt -
und dennoch sitzen diese Sípppen schon wieder in den Startlöchern, zuerst vorsichtig um sich schauend,
dann frech und bald wieder bestimmend.
Die Jagd nach Macht, Ruhm, Fläche, Resourcen und Geld geht bis in die Köpfe hinein,
wie die Religionen noch immer eindrucksvoll demonstrieren.
Psychologie, Mythologie, Glauben, Rhetorik.

Dazu kommt, daß heute immer mehr Menschen studiert haben und auf dieser Schiene
eine weitere Schranke oder einen Sockel errichteten, so daß eine neue Kaste entstanden ist.
Eben diese neuen Studierten verhalten sich nicht weniger autoritär als die Beamten im Kaiserreich,
oder die Schranzen am Hofe Ludwigs des XV.
Egal ob diese in privaten Firmen oder in staatlichen Organisationen oder in den Glaubenseinrichtungen sitzen.
Wobei der Glauben an der Basis wie Staubsaugerhersteller agiert.
Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, springt die Seele aus dem Fegfeuer, man ist Mitglied und..
darf zahlen - ob bei den "Zeugen" oder eine der anderen Religionen, ist ziemlich wurscht.
Und eben genau dieses Gefühl macht sich nach der Wahlbeteiligung immer deutlicher breit:
Sie haben ihre Stimme AB gegeben!
(Und folglich danach nichts mehr zu melden.)
Eigentlich müssten alle Wahlversprechen und Aussagen nach der Wahl einklagbar sein,
erst dann wird die Spreu vom Weizen getrennt.
Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Wahlberechtigten ist die Sache zu dumm geworden,
die Zahl der Verweigerer wächst von Wahl zur Wahl.
Die bange Frage wirft sich für viele auf:
Wir der Wahlzwang kommen?
Wird jeder an Dingen teilnehmen müssen, von denen man nichts versteht?
Werden wir damit demnächst zwangsbeglückt, ähnlich wie mit der G EZ?
Kann die EU die "lieben Bürgerinnen und Bürger" noch "mitnehmen" und vermitteln,
was in Brüssel geschieht, dieser Stadt mit ihren Geheimverhandlungen
und babylonischer Sprachverwirrung als ein gigantischen Bürokratismus?
An diese abstrakten Gebilden heften sich immer mehr Einzelinteressen, wie
Gender und Gleichgeschlechtlichkeiten, die sich unter dem Deckmantel einer Suffgragettenbewegung
zuvor und der schlimmen Verfolgung während des "3.Reiches" als Unangreifbarkeitsstatus geheftet haben,
wie einen Panzer; diese Seilschaften werden immer zahlreicher und treffen heute diejenigen,
die unschuldig an den alten Verbrechen sind - die Nachkommen in der 3. Generation.
Wer in der Geschichte aufgepasst hat und zwischen den Zeilen lesen kann,
wird wohl erfahren, dass Hass und Gewalt mit ideologischen Mitteln immer von oben kamen,
nie aus der einfachen Bevölkerung heraus !
Obige fiktive Geschichte hat diese Dinge ein wenig zusammen raffen wollen,
wohin die Reise gehen könnte, sollten wir auf diesem Kurs bleiben.
(Wobei sich dieses "wir" keinesfalls auf die Masse der einfachen Wahlberechtigen bezieht,
die sowieso noch nie etwas zu melden hatte)

Um es mit Altvater Goethe zu sagen, möchte ich hiermit das Werk beenden,
weil zuvor eben das mir Mögliche getan worden ist.

Ich bin gespannt - passiv allerdings - wie die Story weiter gehen wird.
Eine Jahre werden mir wohl noch vergönnt sein..
aber auch das liegt genau so wenig in meiner Hand, wie die Politik,
die mir seit Jahren immer befremdlicher geworden ist.
Es ist selbst das "kleinere Übel" weg, das man in den vergangenen Jahrzehnten hat wählen koennen,
verschwunden und niemand weiß wohin man dieses gebracht hat.
Der restliche Bestand an Parteilichkeiten erinnert an Apfelbrei, wo man auch hin löffelt,
es ist immer das Gleiche.
In den Läden laufen immer mehr "Wurzeln" herum und die Einheimischen scheinen in der Minderzahl zu sein.
Eine andere Welt?
Weniger, die Zeiten wandeln sich eben und Wandel ist Leben oder umgekehrt.
Wer sich da nicht anpassen kann oder mag, hat verloren.
Der Wähler und meinetwegen auch die Wählerin wurde schlichtweg verkauft,
wie heute ganze Firmen mit Mann und Maus verkauft werden, so wie andere Obst in der Kiste kaufen.
Der Adel hat heute nichts mehr zu sagen, heute sind ganz andere "graue Eminenzen" am Ruder,
im Eu Parlament ist Mitbestimmung durch Lobbyisten ersetzt, die ihre Politiker wie Handpuppen mit sich führen.
Apfelbrei.
Die EU Wahlen stehen an und die Informationen sind einfach nur .. Apfelbrei.
Deshalb gehe ich davon aus, daß die Mitbestimmung nur noch das Minzblatt auf der Pasta ist,
mehr nicht.
Mit diesen Zeilen habe ich mehr als das gesagt, was mir ursprünglich vorschwebte.
Niemand soll mir eines Tages vorhalten können,
daß auch ich nichts gesagt habe, wie alle anderen Leute.
(Ich denke dabei besonders an meine Kinder und Enkel)








Der Herr Graf, eine freilich rein fiktive Story. Teil 3

Tante Helena, Tante Helena, warum antwortest du nicht?
Die Kinder ihres Bruders sind am quengeln, sie sind immer scharf auf ihre handgemachten
Pralinen gewesen, schon seit diese krabbeln konnten.
Helena kramte in ihrer Schreibtischschublade und fand tatsächlich noch ein paar
Pralinen vom besten Konditor der Stadt, wo sie seit Jahrzehnten kaufte.
Er, der Konditor war immer einer ihrer Verehrer gewesen, aber viel zu zurückhaltend, ja fast scheu zu nennen.
Außer einem tiefen Blick und ihren allwöchentlichen Besuchen in seinem Cafe ist nie etwas gewesen.
Er war eher ein Mann, den man "Jungeselle" nennen konnte und zu sehr in seine Arbeit vertieft,
die er virtuos machte und so hat er auch schon viele Preise gewonnen.
Stolz waren diese in einer Vitrine hinter der feinen Ladentheke aufgereiht.
Seine Kundschaft war treu und nicht gerade arm, denn er hatte gesalzene Preise.

Man fragte sich, was er wohl mit dem vielen Geld machen würde, denn er gab kaum welches aus,
wenn man von den Lieferantenrechnungen absah.
Nicht mal ein Auto hat der olle Geizknopp, dachte Helena manchmal.
Sie hat nie geheiratet, sie war eine der ersten Flüchtlinge aus Ungarn,
wo sie als sogenannte Ungarndeutsche aufgenommen worden war.
Sie wurde Gesellschafterin einer alten Adelsdame, die irgendwann in hohem Alter verstarb,
so mußte Helena sich nochmal eine Arbeit suchen.
Sie half im Büro ihres Bruders, der schon lange vor ihr geflüchtet war, als man noch auf
die Flüchtlinge geschossen hat.
Mit viel Glück und viel Eingliederungshilfe hat er in Dortmund Fuß gefasst,
er war tüchtig und bescheiden, deshalb hat er die Tochter eines Bauunternehmers heiraten können.
Sie bekamen drei Mädels, die wie die Orgelpfeifen das Haus in dem Berghang mit Leben füllten.
Helena passte auf die Kinder auf, während die Eltern ihrn Job taten - der Bruder als Bauaufsicht,
seine Frau als Bürokraft.
Helena kochte für die ganze Familie und war immer ausgelastet, die Küche betrachtete sie als ihr Reich.
Wenn sie Freizeit hatte, schrieb sie auf der Terrasse, auf dem Balkon ihres Zimmers
oder an dem kleinen Schreibtisch an ihrem neuen Roman weiter:

"Der Herr Graf, eine freilich rein fiktive Story"
Die ersten vier Romane hat sie als Gesellschafterin geschrieben und mit ihrer
Arbeitgeberin die Inhalte besprochen oder diskutiert.
Auf diese Weise war ein TV - Gerät überflüssig und immer genug Gesprächsstoff vorhanden.
Ihre Handschrift war noch "ganz alte Schule", gestochen sauber.
Sie schaute bei Schreiben meistens auf den Rhein, der gleisend in der Sonne lag,
hier oben im Hang waren nur kleine Weinbauern und eben diese kleine Baufirma,
die von den örtlichen Gegebenheiten lebte.
Reich konnte man damit nicht werden, aber recht gut leben.
In diesem Viertel der großen Stadt war alles wie auf dem Lande, jeder kannte jeden.
In der Nähe war ein kleiner Adelssitz, der gerade einen Erweiterungsauftrag ihrem Bruder
angedeihen lies, was die Saison gerettet hatte.
Der alte Bau war wie eine kleine Burg vor der Altstadt, eingeklemmt zwischen der belebten
Rheinuferstraße und dem alten Stadtkern, wie eine Insel mit hohen Mauern und Efeubewuchs.
Dort kam Helena ab und an vorbei, wenn sie mit den Kindern zum Strand des Rheinufers ging,
wo die Kleinen mit dem Füßen im Wasser nach Muscheln suchten.
Der Kindergarten war nicht weit und so war dieses seltsame alte Gemäuer wohl in ihr haften geblieben.
Das hat sie zuweilen auch etwas beflügelt und zu dem neuen Roman inspiriert, als eines Tages
ein eitler älterer Mann mit samtgrünem Hausgewand und ebensolchem Barett auf dem Balkon
die Morgenzeitung aufschlug und sein Wecken in den Kaffee tauchte.
"Notar Walther Zerbeg" stand auf dem marmornen Schild an der prächtigen runden Pforte,
aus dunkelem alten Holz, mit stabilem alten Schmiedeeisen verziert..
..im Hof stand ein Oldtimer, ein Landaulet, das er sorgsamst pflegte.

Als sie im Cafe gegenüber dieses Hauses einkehrte, hörte sie unwillkürlich ein Gespräch
dreier junger Leute mit, die wohl an der Uni lehrten.
Worthülsen, Gender- und Linksschwafeleien in ungekürzter Form, langatmige Political Correctness
wo immer es traf oder nicht traf und sie wußte danach:
Die wissen unglaublich viel und doch nichts vom Leben, die sind gehemmt und verklemmt,
kommen mit der Geschlechtlichkeit nicht zurecht und sind zu weißlichen Bildungswürmern verkommen.
Ihr Vorhaben, einen Zukunftsroman zu schreiben, hat sie auf dem Weg nach Hause aufgegeben und
versprach sich, ein sinnvolleres Vorhaben zu beginnen:
"Omas Küche vereinfacht und leicht umsetzbar beschrieben"
Es sollte ein recht kompaktes Werk werden, das in mehreren Folgen die einzelnen
Gänge extra behandeln und mit vielen farbigen Bildern zeigen sollte.
Dazu wurde - wie immer - ein Konzept aufgelegt, dann begann sie die Zutaten zu kaufen,
hielt die kleine Kamera nahe des Herdes griffbereit,
schieb jeden Schritt des Kochvorganges in einen Block..

*** Ende ***











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