plaetzchenwolf - Satire Die Macht der Papiere

Die Macht der Papiere




Diese Seite soll sich mit der unglaublichen Macht des Papiers, der Papiere beschaeftigen:
Von der Geburt ueber den kirchl. Werdegang, wie Taufe, Kommunion oder Konfirmation und Heirat,
die Geburt von Kindern, Rentennachweise, Versicherungen bis zur Sterbeurkunde
und das Nachlasspapier, Verfuegungen, Verordnungen, Anordnungen, Gesetze usw.
Mit der Herkunft des Papiers nach dem Pergament und der "Haut" heraus wollte ich auf dieser Seite nicht nerven,
mir geht es um die "gewoehnlichen" Papiere, ohne die nichts geht, auf deren Kraft heute das ganze Land gesetzt ist:
Spaetestens aus der Wilhelminischen Zeit heraus ist praktisch jeder Buerger davon betroffen.
Davor waren noch viele Menschen des Lesens- und des Schreibens unkundig,
da haetten Buecher oder Papiere nicht viel Nutzen gehabt.
Dann folgte eine Zeit, in welcher noch viele Frauen nur lesen konnten und das auch nicht besonders gut-
die Maenner waren im Beruf schon eher gehalten lesen und schreiben zu koennen.
Meine Urgrossmutter hat es vermieden, irgend etwas vorlesen zu muessen..
..waehrend der Urgrossvater selbstaendig war und entsprechend mit den Papieren zurande kam.

Auf Papier wird die Zeitung gedruckt, die eigentlich das erste Massenmedium war.
Wie ein Rundbrief erreichte es viele Leute, damals haben noch viele mitgelesen -
die Information war also nicht nur auf den Abonnenten beschraenkt !

Papier ist nicht nur "geduldig", sondern auch sehr nachtragend, wenn es um behoerdliche Eintraege geht!

Vor der Geburt geht die kuenftige Mutter zum Frauenarzt,
der die Schwangerschaft feststellt und waehrend dieser Zeit div. Untersuchungen macht.
(Und Papiere dazu anfertigt)
Bald danach bekommt die junge Familie Post von Babynahrungsherstellern und div. Firmen..
"Ei wie huebsch, unser Baby besitzt schon Schnuller und viele Proben"
Bei der Geburt bekommt das Paar (damals war das so, dass Vater und Mutter vorhanden waren,
heute scheint das ein wenig anders geworden zu sein)
eine "Geburtsurkunde" ausgehaendigt, nachdem die Gemeinde von der Geburtsklinik oder von der Hebamme
(auch heute gibt es zuweilen noch Hausgeburten)
benachrichtigt worden ist.
(Freilich kostet diese Urkunde Geld- umsonst ist nicht mal der Tod, wie wir noch lesen werden)
Nun steht schon mal der Familienname und der erstmalig vergebene Vorname und das genaue Datum der Geburt auf diesem Schein.
Die Eltern lassen zig Ausfertigungen davon machen, was auch nochmal Geld kostet.
(Dieses Geld oder der Wert ist uebrigens auf .. Papier gedruck)
In weiteren Papieren (Stammbuch der Familie) werden dann Eintraege bezueglich der Geburt des Kindes gemacht.
Der Pfarrer bekommt auch gleich Wind davon und fertigt ebenfalls Eintraege ins Kirchenregister an.
Die Gemeinde traegt die Sache weiter an die Gesundheitsbehoerde, das Schulamt und ins Einwohnerregister.

Nun hat der neue Mensch schon eine ganze Menge Papier auf seiner Seite.
Nun kommt der Geistliche zu Besuch und will das neue "Schaefchen" ansehen und am besten gleich den Termin fuer die Taufe ausmachen.
(Auch das bringt wieder Eintraege und eine Taufbescheinigung,
eine Meldung an die Gemeinde, dass bei einem spaeteren Einkommen Kirchensteuer vom Lohn abgezogen wird.
Nun ist der junge Erdenbuerger schon an einigen Stellen gelistet und wird bald beim Onkel Doktor eine Akte bekommen,
in welcher die Impf- und Vorsorgeuntersuchungen vermerkt werden.
Das Impfbuch - ein Papier - wird ausgefertigt.
Und schon kommen weitere Proben ins Haus.
(Windeln und Breie, Prospekte ueber Kleinkindprodukte)

Im Kindergarten geht es weiter mit Papieren, die offiziellen und inoffiziellen,
die das Kind unwissentlich bis zum Ende der Schulzeit begleiten.
Der "Gottesbezug" in der Betreuung wird sich wie ein roter Faden oder Blutvergiftung oder Hirnwurm festbeissen.

Die naechsten Papiere nennt man "Zeugnisse" - ueber dieses Kapitel ist schon genug geschrieben worden.
Zwischendrin kommt noch ein Papier dazu- Kommunion oder Konfirmation,
diese seltsamen Rituale, die kein Mensch wirklich versteht.

Manches 14j. Kind goennt sich ein weiteres Papier, den Kirchenaustritt.
(Diese Erkenntnisse sind jedoch von den Eltern abhaengig)
Das Kind lernt mit Geld umzugehen, weiteren Papieren im Leben,
die wohl die wichtigsten werden..
Der junge Mensch tritt in Vereine ein oder gruendet ein Bankkonto: Papiere, Papiere!
Dann steht die Ausbildung an - Papiere, Papiere!
Beim ersten Fahrzeug entstehen .. Papiere.
Kreditantrag, Tuev - Bescheinigung, Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief, Versicherungspolice..
bald kommt ein neues Papier dazu: Das erste "Knoellchen".

Jede Leistung im sportlichen und beruflichen Bereich wird auf Papier "beurkundet" und traegt zur Vita bei.
Irgendwann kommt tatsaechlich die erste feste Anstellung,
wieder Papiere und Versicherungen und Steuern, Sparanlagen und Qualifikationsnachweise.

Sollte der junge Erwachsene jemand zum Heiraten gefunden haben,
geht der Kreis ins Rund.
Papiere, Papiere.
Kaufvertraege, Mietvertraege oder gar ein Hausbau - Papiere, Papiere.
Irgendwann -schneller als gedacht- steht der Rentenantrag ins Haus, Papiere, Papiere.
Irgendwann wird es Zeit fuer die Pflegeverfuegung, fuer das Testament - Papiere, Papiere.
Die Sterbeurkunde kommt bestimmt so sicher wie das Amen in der Kirche,
die Nachlass-Feststellung, die Erbscheine..
Kontoaufloesung, Eintraege in allen Registern bis zur Fuehrerscheinstelle..
Papiere, Papiere - die dann alle irgendwo in Archiven verstauben..

Wenn etwas auf dem Papier steht, ist man entweder reich oder arm oder Sozialhilfeempfaenger,
ist Doktor oder Praktikant, Obdachlos oder Millionaer, krank- oder "gesund geschrieben".

Wenn etwas "schwarz auf weiss" geschrieben steht, hat es eine unglaubliche Macht,
das gilt fuer diese obigen Papiere, erst recht fuer Gesetze:
Eher faellt der Taunus um, als dass man ein Gesetz aendern koennte
und wenn es die Todesstrafe in der hessischen Verfassung ist,
die dort noch immer besteht.
(Nachtrag 2018: Dieser "Paragraph" ist gestrichen worden -
vermutlich ist das doch jemandem aufgefallen, der den Volksentscheid ins Leben rief-
mit vielen, vielen Papieren.)
Es ist alles in "Papier gegossen", somit unter Dach und Fach gebracht.
Seltsam ist, dass die nachfolgende Generation den Glauben an die Papiere direkt 1:1 uebernimmt,
ohne diese zu hinterfragen,
ob dies den eigentlich abstrakten Wert des Geldes auf Papier geht oder um irgendwelche Akten ist dabei egal.
Das Geld hat es schneller in die virtuelle Welt gepackt als die Akten und Behoerden-Papiere,
weil die Vernetzung neue gemeinsame Standards der Dokumente und der Speichersysteme noetig macht.
Das ist fuer unsere Verwaltung noch immer ein Buch mit sieben Siegeln,
was erst 2017/18 mit entsprechend geschulten Kraeften ueberwunden worden ist -
aber wehe, wenn ein Fehler im System oder Programm ist..

Papier!
Papier ist Wald, waren Baeume, die zwar wieder aufgeforstet werden -
aber sinnvoll ist weder die gedruckte Zeitung noch der unglaubliche Wust
an Formularen bei Behoerden und Versicherungen aller Art.
Eine Eindaemmung dieser Flut hat die Computertechnik offenbar nicht gebracht:
Entweder verstehen die Entscheider nicht damit umzugehen oder man moechte lieber alles
"schwarz auf weiss" in der Hand halten koennen; "haptisch" nennen sie das,
sie moechten die alten Aktendeckel und Ordner einsortieren,
wie ich meine Vorraete im Keller ;)
Dass man mit dieser Vorsicht nicht nur altmodisch ist, beweisen Buecher zum Thema
"Datensicherheit" und Datenlesbarkeit bei Computersystemen, wenn es ueber laengere Dauer geht..
Deshalb wird das gedruckte und beschriebene Papier immer Bestand haben!

Wer sich fuer Datenspeicherungen, Buecher und den Sinn und Unsinn von Wissenerhalt und Ueberlieferung interessiert,
fuer den habe ich hier eine interessante Ausarbeitung gefunden:
"Wie die Menscheit ihr Kapital an Koennen und Wissen vergeudet",
in Kapitel des Buches "Am Puls des Planeten" von Wolf Schneider, ISBN 3-455-1120-3 aus dem Jahr 1999 .
In ebendiesem Buch ist dieses Kapitel, das ich hier empfehle, von der Seite 165-186 zu finden.
Das Wissen der Menschheit fuer immer aufbewahrt?
Tipp zur Lektuere: "Alex Ruehle ohne Netz, mein halbes Jahr offline" aus dem Jahr 2010 -
etwas lustiges und durchaus bekanntes Treiben!

***

Weitere seltsame "Papiere":
Luftverschmutzungsrechte, Bilaterale Vertraege, Handelsabkommen, Foederale Abkommen, Abruestungsvertraege, Protestnoten, Zeugnisse, Empfehlungsschreiben, Flugblaetter, Plakate, Werbeblaetter, Gebrauchsanweisungen, Garantie-Zertifikate, Duldungsbescheinigungen, Asylanerkennungen, Gesundheitsbescheinigungen, Wahlzettel, Wahlbenachrichtigungen, Handzettel, Briefe, Postkarten, Versandtaschen, Briefumschlaege, Beglaubigungen, Urkunden, Verfuegungen, Vorladungen, Abmahnungen, Landesehrenbriefe, Pruefberichte, Bauplaene, Konstruktionszeichnungen, Testberichte, Reiseberichte, Patentschriften, Niederschriften, Durchschriften, Kopien und sogar Wertpapiere..
und viele andere mehr:
Die Fotografien gehoeren irgendwie auch dazu, siehe Titelbild..

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Das blaue Thema.



"So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig,
man muss sie fuer fertig erklaeren,
wenn man nach Zeit und Umstaenden
das moegliche getan hat."

Johann Wolfgang von Goethe - Italienische Reise, 1787

***









*** Nachgetragen ***

Der Sessel.

Es brummt vor dem Haus, ein LKW wendet und landet direkt gegenüber.
Auf dem Gehsteig hält das Ding, mit Getöse werden von zwei Männern die beiden Klapptüren geöffnet
"Möbel Keller" steht mit großen Buchstaben auf jeder Seite des Lasters.
Die Karls gegenüber bekommen Möbel, rufe ich zu meiner Frau in die Wohnung.
Ach wie schön, rief sie zurück, kann man sehen was ausgeladen wird?
Ja, ein bequemer Fernsehsessel, du weißt schon, so ein klotziges Ding mit eingebautem Motor zum Verstellen.
Sorgsam wird das gute Stück ausgepackt und von den beiden kräftigen Männern zum Haus gewuchtet.
Dort werden sie schon erwartet.
Nun durch die recht enge Tür und 3 Treppen hoch.

Das hat recht lange gedauert und oben wurde offenbar noch eine kleine Schulung gehalten,
damit die Nachbarin das Ding bedienen konnte.
(Ich denke noch: Früher wurde man bedient, heute muß man..
egal, sie kann nicht mehr so gut und da kommt ein solcher Sessel wohl gerade recht)

Wir sind auch nicht mehr ganz jung,
ich bin schon 68 Jahre und meine Frau 4 Jahre jünger -
ich finde gerade im Briefkasten den Katalog vom Versandhaus und blättere darin;
nach ebensolchen bequemen Sesseln.

Tatsächlich, die haben welche und teuer sind die eigentlich auch nicht
- was hälst du davon, frage ich.
Na ja, die sind schon sehr altbacken,
damit verhunzt man sich das schöne Zimmer.
Unser Fernseher steht im Wohnzimmer, dort wo die Couch-Garnitur ist
und hier geht es um das Zimmer mit dem Computer und den 2 Regalen
und den 2 Hochlehner - Korbsesseln, den zwei Hockern davor und dem Tischchen dazwischen,
den Raum den wir "Teezimmer" genannt hatten, nachdem der Nachwuchs selbständig wurde
und eine eigene Wohnung bekam.

Im Internet hatte es auch einige Modelle, die ziemlich genau wie die im Katalog aussahen, sogar frachtkostenfrei !
So richtig gefiel uns ein solcher Trümmer von Sessel nicht und wenn,
dann bitte ohne motorische Verstellmöglichkeit - wir sind doch nicht alt!
Das Problem, so meine Frau, ist wie draussen auf der Terrasse,
wenn die Fußlehne gleich eingebaut ist - man kann schlecht daraus aufstehen
und muß zuerst den Stuhl wieder einfahren.
Ja, wo sie Recht hat, hat sie Recht - praktisch war das nicht.
In diesen Teezimmer-Sesseln will man lesen und Tee oder Kaffee trinken, nicht schlafen.

Für diese Korbsessel haben wir dickere Polster gekauft, weil die Originalen eben zu dünn waren -
eigentlich sitzt man nun gut darin.
Korbmöbel schauen gut aus, lösen sich aber nach ein paar Jahren von selbst auf,
weil die kleinen Metallklammern aus dem Verborgenen der Konstruktion weg und auf den Boden zu springen pflegen,
wo sie dann der Staubsauger frißt.
Selbst wenn ich so eine Klammer retten kann, finde ich die Stelle nicht,
wo das Ding irgendwas zusammen gehalten hatte..

An diesem Tag waren wir in der Stadt - aus anderen Gründen -
und nutzten die Wartezeit in der Werkstatt aus,
um im nahen Möbelhaus ein wenig zu schnuppern..
Am besten wir bleiben unten, denn im 1. Stock waren die Möbel so teuer, meinte meine Frau.
(In diesem Haus haben wir bislang alle Möbel gekauft, hier wird man gut beraten und aufgestellt werden die Stücke auch sehr fachgerecht:
Wer billig kauft, kauft zwei Mal)

Innerlich habe ich mich von 2x 300 bis 500 Euro befreit,
der Trennungsschmerz wäre dann nicht mehr so groß, wie die Überraschung meiner Frau,
wenn ich die Dinger spontan kaufe - die ihr gefallen und wo sie gut drin sitzen wird..
(Ich sitze z.zt. viel öfter am PC, auf dem einfachen Holzklappstuhl, der mir so ans Herz gewachsen ist - das Stühlchen hat viel länger durchgehalten, als alle "Chefsessel" zuvor)

Wir gehen also par Terre, werden freundlich begrüßt und treffen nur auf freundliche Angestellte.
Der Monat hat gerade erst angefangen und die Verkäufer denken an ihren Provision -
Weihnachten ist bald und da braucht man Geld..

Meine Frau hat wieder diesen Blick, den sie in der Boutique immer hatte, kaum daß sie in die Tür eintrat - leider gibt es diesen Laden nicht mehr und so lässt sie diesen Blick eben hier ab.
So gingen wir auf den erstbesten dieser Sesselmonster zu und sie setzte sich zur Probe, neeee ih, das ist aber seltsam!
Der 2. Sessel war schon bequemer, pock - irgendwie lässt sich das Ding nicht verstellen.
Der sehr junge Verkäufer sah das, wollte helfen und sah die Beine meiner Frau, war etwas verwirrt -
weil sie trotz ihres Alter.. na ja, es ließ sich nicht verstellen,
weil der junge Mann erst den 2. Tag dort war -
das kann passieren, ist ja auch nicht so wichtig.
Der Stoff des Sessels hat uns eh nicht gefallen.
Ich erzähle beiläufig, warum der Sessel so bequem sein muß:
"So ein Renterdasein ist hart, man muß stundenlang im Sessel sitzen und bekommt noch Geld dafür!"
(Er hat den Gag nicht verstanden, war wohl mit den Gedanken woanders)
Er führte uns "um die Ecke", wo eine ganze Galerie dieser Monstren auf uns lauerte-
einer klotziger als der andere Sessel.
Manche gingen auf Anhieb, andere waren nicht an den Strom angeschlossen oder der Hebel klemmte-
FALLS man dieses Ding überhaupt finden konnte.
Da!
Es bewegt sich doch und sie kam kaum noch aus dem Ding heraus.
Nein, das ist auch nichts, das kostet richtig Kraft aufzustehen..
Nach gut 30 Stücken stand ein schmalerer, in der passenden Farbe in einer Ecke
mit Poster von einer jungen Frau, die wie aus den 1970iger wirkte -
das geht, meinte sie, setz dich doch auch mal -
schon etwas ermüdet nahm ich Platz und war nicht so recht angetan,
obwohl die Farbe des Sessels zum Zimmer passen würde.
Die anderen Fernsehsessel hatten alle seltsame Metallkonstruktionen unten dran,
was so ganz und gar nicht in das Teezimmer zu passen schien,
wo - wie überall in der Wohnung - Landhausdielen sind.
Dieser Sessel war mit Seitenwangen aus Stoff, deutlich weniger "breitarschig" als die anderen Modelle.
Was kostet der denn?
Der Preis lag bei 300 Euro, als hätten die Leute meine Gedanken gelesen.
Ohne Motor - siehste, es gibt sie noch, die einfacheren Modelle, meinte meine Frau.

Gut, meinte ich dazu, halten wir den mal fest und schauen noch ein wenig weiter,
wir haben ja noch viel Zeit, bis das Auto endlich fertig gewartet ist.
Es kamen seltsam "stylische" Sessel, ein paar haben mir gefallen,
sind aber bei der Sitzprobe sofort durchgefallen.
Man sitzt wie auf einem Sack oder man versinkt darin und hat Mühe sich heraus zu winden..
Was kostet denn so ein Teil?
Huch! 1900 Euro?
Sind die verrückt?
Das kommt davon, wenn man nach oben geht, hier ist alles teuer - schau doch mal die Couchgarnitur !
Was ist damit?
Nichts, hier ist noch ein Fernsehsessel, der ist doch bequem und hat sogar Getränkehalter!
Aha und wer schlabbert Abends immer und dann dieses weiße Leder!
Recht hat sie, wie immer.
Dort steht ein bequemer Zweisitzer, auch flott, aber ohne Fußschemel-
was ist mit den Füßen, wo tut man die hin, wenn man lange sitzt?
Die Füße hoch zu legen ist gesund!
Na ja, auf den Klappsesseln liegen die Beine auch gekrümmt,
mehr nach unten als hoch und das Rückenteil flutscht dann nach hinten -
ich kann im Liegen nicht lesen.
Diesmal schien ich Recht zu haben, denn sie sagte nichts,
sondern ging ein Stück weiter, setzte sich und rief begeistert:
Deeeer ist aber bequem!
Mein Gott, was für ein breitarschiges Monstrum, wie kriegt man das durch das Treppenhaus nach oben?
Gefällt dir das optisch?
In zig Farben und Stoffen oder Leder erhältlich, war dieses Leder-Exemplar schon für 3000 Euro zu haben -
das ebenan in Stoff war noch teurer:
3500 Euro.
Ganz spezielle Taschenfederkerne sollen dort verbaut sein, wie das Schild verriet.
Wir müssen uns ja nicht gleich entscheiden, sagte sie,
als er Aufbruch nahte und wir am Restaurant des Möbelhauses vorbei kamen -
mein heimlicher Gedanke war - wollen wir einen Kaffee nehmen?
Der erste Blick dort in den Raum zeigte das gleiche Szenario wie das letzte Mal:
Giftige Blick der alten Leute, die dort hockten - als hätten sie Angst um ihren Kaffee oder Kuchen,
Angst davor, daß wir denen etwas wegnehmen würden..
nichts wie weg, dort gehören wir nicht hin und schnell gingen wir zum Ausgang hinaus,
setzten die Mützen umständlich auf und nahmen den Weg zurück zum Autohaus.

In diesem Gewerbegebiet ist ein Autohaus am anderen und so kamen wir an einem Anbieter vorbei, der gerade warb:
M itsubishi Sp ace St ar 7490 Euro Basismodell mit 5 Jahren Garantie..
Waaas, rief meine Frau spontan, der Wagen kostet nur so viel wie 2 Sessel?!
In "unserem" Autohaus schickte man uns in den "Kundenbereich",
wo eine dieser typischen Italo-Kaffee-Mokka-Kakau-Cappuchino-Monstren stand,
die laut zischend unter den erwartungsvollen Blicken der "Genieser" ihren Dienst verrichtet.
Mit viel Getöse kam nur wenig bitteres Zeug in die Tasse.. wenigstens waren diese kleine Milch-Dinger dabei,
wo immer der Zipfel abreißt, aber nie die Öffnung frei gibt, damit die .. egal,
irgendwie klappte es und der Kaffee kostete nichts.

Als wir wieder daheim angekommen waren, setzte sie sich in ihren Korbsessel und meinte:
So bequem wie die im Möbelhaus sind unsere allemal!
Meine Güte, das stimmt, wieder hat sie Recht..
An diesem Tag haben wir nichts ausgegeben, keinen Pfennig -
denn die Rechnung des Autohauses kommt immer erst später.
Erschreckend fanden wir die Tatsache, dass nach dem Möbelhaus die Sonne schon untergegangen war
und wir im Dunkeln zum Autohaus gehen mussten - die armen Leute haben alle noch Dienst
und beim Kaffeetrinken sahen wir blutrot in der Ferne die letzten Sonnenstrahlen,
dann versank alles im Schwarz.
Die ungewohnte "Nachtfahrt" nach Hause war erst kurz nach 17 Uhr..
..meine Frau meinte noch:
Der Supermarkt hat noch 3 Stunden geöffnet, aber ich antwortete nicht,
weil die Fahrt in fast völliger Dunkelheit meine Aufmerksamkeit forderte.