Schattenseite 51









Eine Adelsgeschichte oder Hexe Luisza

Freifrau Luisza von Oswilde und ihr Gatte Freiherr Fredericks von Oswilde
bewohnten eine herrschaftliche Villa, mit einigen Ländereien,
eine Burgruine war dazu gehörig.
Das Leben der beiden Edelleute war von Ruhe und Einsamkeit geprägt,
wären da nicht die vielen Bediensteten gewesen, die beide in ihrem prächtigen
Anwesen umsorgten.
Der junge Freiherr hat einen Teil des Geländes dazu benutzt, eine gut gehende Brauerei
mit dem gräflichen Lagerbier zu betreiben, von welcher man bald recht gut leben konnte.
Der Freiherr war immer guter Dinge und soff gerne einen über den Durst,
sein Förster oder Jäger machte mit, der eigentlich den herrschaftlichen Wald behüten sollte.
Das eigene Bier ist immer ein guter Grund gewesen, um das auch gebührend zu begießen.
Seine junge Hexe Luisza war ein Feuerwerk in sich, mit tausend Leben beseelt,
wie man so schön sagt.
Im Ort sprach man von den Orgien im Schloß und meinte die Villa,
die mit ihrem riesigen Ballsaal eine Institution war, wo aber nur adlige Gäste
eingeladen wurden - keine normal Sterblichen.
Dort kam nicht einmal der Bürgermeister oder Landrat hinein,
denn der treue Diener wies alle ab, die eine ausdrückliche Einladung vorweisen konnten.
Eine Art frühe "Bungaparty" war dort jede Woche, die Dessous flogen über den Balkon,
Sektgläser klirrten, Musiker gaben sich die Klinke in die Hand - Ballmusik war dort ganz normal.
Der Freiherr hat seine Frau in Luxemburg kennen gelernt, wo sie als Tochter eines
feinen Bankhaus-Besitzers - ein gewisser Baron Edler von Bukowitz - ein wenig
Mitgift in die Ehe brachte.
Der Baron war schon hochbetagt, als er seine Tochter zeugte - was seine Frau
nicht überlebt hat.
Eine Gouvernante zog Luisza auf, die eine ausgemachte Kräutertante war.
Nach dem Tod ihres Vaters war Luisza plötzlich Erbin eines Bankhauses,
was sie aus steuerlichen Gründen verkaufte und ihr Geld in Immobilien anlegte.
Dieser Tipp ihres Marklers hat sich als buchstäblich "goldrichtig" erwiesen und
brachte ordentlich viel Geld in die Kasse des Freiherrn Fredericks von Oswilde.
So viel Geld, daß man besser nicht darüber sprechen sollte.
Der Luisza gehörten nun in 10 Städten des Landes Immobilien -
immer dort, wo sich "bessere Leute" um die Wirtschaftszentren schaarten.
Gut ausgestattete Wohnungen in guten Wohnanlagen und keine Sozialkisten,
wie sie spöttisch zu sagen pflegte.
Sie behielt die Häuser und die Gelder daraus als ihre "Rente",
mit welcher sie bis an ihr Lebensende gut auskam.
Der Freiherr, ihr Mann hat durch seine Ländereien und die Brauerei nicht viel weniger
"verdient" - er war es zufrieden, so sprach er darüber, bescheiden wie er nun mal war.
Während die anderen Leute des Ortes sich jeden Tag zur Arbeit und durch den Tag
quälen mußten, ging es in der Villa und im Salon heiß her.
Die Partys waren ausgelassen, manchmal traf man sich bei der Burgruine und feierte
die ganze Nacht hindurch "Fruchtbarkeitsrituale" der Kelten, wie man das nannte.
Eines Tages ging man mit dickem Kopf zur Jagd, die Pferde wieherten und die Hunde
jaulten - die Herrschaften in feinem Jagd-Zwirn und die Flinten geschultert.
Lässig trug der noch schlaftrunkene Jäger des Freiherrn sein Gewehr unter dem Arm,
als er sein Pferd bestieg- da löste sich ein Schuß aus der doppelläufigen Waffe.
Ein ganzes Stück weiter viel ein Reiter von seinem Gaul, er war sofort tot.
Der Freiherr war das erste "Wild" dieser Strecke und auch das einzige - die Jagd
wurde freilich abgebrochen und bald lag er zwischen seinen Ahnen auf dem Familienfriedhof.

Luisza hat danach keine Party und auch keine Jagd mehr gehalten, sie war ganz in sich gekehrt
und brachte ihrem toten jungen Manne jeden Tag frische Blumen auf sein Grab.
Fortan schlichen die Bediensteten immer ganz leise durch die riesige Villa
und sie durften die Freifrau niemals stören.
Luisza zählte am liebsten ihr Geld, hortete eine Menge davon und führte
ein strenges Regiment.
Ihre Bediensteten schätzten die "lebenslang Beschäftigungsgarantie",
was ein ganz wichtiger Faktor in der heutigen Zeit ist.
Nur durch dauerhafte Beschäftigung ist ein Arbeitnehmer solvent für die Banken.
Deshalb hielten ihre Beschäftigten eisern zu dieser eisernen Lady.
Luisza lebte in dieser Zeit sehr zurückgezogen und ging bestenfalls ab und an
auf den Balkon, einmal im Monat ließ sie den Chauffeur das alte Landaulet vorfahren
und so ging die Fahrt nur wenige Kilometer weit zur Bank und danach zur Gastwirtschaft
im Talchen hinter dem fürstlichen Wald, wo sie ihre Pacht kassierte.
Wie immer.
Man konnte die Uhr danach stellen, so scherzten Diener und Köchin, wenn sie
mal wieder alleine in dem riesigen Kasten waren.
Luisza vertrieb sich die Zeit mit dem Schreiben von Romanen, die sie unter Pseudonym "Doris Kramer"
veröffentlichte, ganz sicher kein einträgliches Geschäft, aber eine dauerhafte Beschäftigung.
Sie meinte nur einmal zur Köchin, die eher eine Vertraute als Bedienstete geworden war:
"Sticken und Häkeln ist nicht meine Welt, so schreibe ich eben und finde durch die
vielen Recherchen um diese Inhalte zu einigem Wissen - beim letzten Roman kam einiges an Kräuterkunde vor.
Davon war ein Giftmord zu lösen, denn "Doris Kramer" schrieb auch ab und an Krimis.
Das Geld auf der Bank hielt sie in überschaubaren Grenzen, daß das Finanzamt nicht zu gierig wird,
wie sie sich auszudrücken beliebte.
Die vermieteten Wohnungen wurden zu Eigentumswohnungen umgewandelt und nach und nach
verkaufte sie über eine Immobilienfirma Objekt für Objekt, immer dann, wenn die Preise gerade
recht hoch standen.
So war zwar die Mieteinnahme weg, aber viel Geld in die Kasse gekommen,
was sie in gängige Goldmünzen umgetauscht hat - unauffällig, fast an der Steuer vorbei.
Der Verwalter und der Steuerberater oder besser Notar waren gute Helfer dabei.
So kam ein Transporter vor die Villa gefahren und ein paar kleine, schäbige Weinkisten
standen vor der Lieferantentür, zwei Bedienstete schafften diese in den privaten Keller,
welcher sorgsam verschlossen wurde.
"Die Alte hat wohl einen guten Durst, tuschelte man im Hause- bestimmt sind da Magnumflaschen drin,
so schwer wie diese Kisten sind."
Die Größe der Kisten, die mit Holzwolle gefüllt waren, täuschten über den Inhalt sehr hinweg:
In der Mitte war jeweils eine Rolle südafrikanischer, Krügerrands, 917er Feingold,
31,1gr reines Gold, 3,262cm im Durchmesser, ca 1300 Euro teuer.
In jeder Kiste eine Stange davon - Luisza schloß den Keller von innen zu,
leerte die Weinkisten und legte das Gold in das Versteck zwischen den Kaminen, das ihr
Mann angelegt hat - sicherer als in einem Tresor, sagte dieser immer.
Zur Tarnung war ein Weinregal in der Nähe, das noch von den letzten Zechereien randvoll
mit edlen Tropfen war - man kann ja nie wissen!
Die leeren Weinkisten stapelte sie vor dem Versteck, wie billiges Verpackungsmaterial
ohne eben sonderlichen Wert - zumindest nicht für Bedienstete oder Besucher oder
neugierige Leute, die sich evtl. doch einmal in diesen Raum verirren sollten.
Nicht deutete auf irgendwelche Werte hin, wenn man vom Wein einmal absah.
Luisza wischte ein paar Flaschen ab, die anderen blieben verstaubt - so kam niemand
auf dumme Gedanken.
Danach schloß sie alles wieder gründlich ab und ließ diesen Teil des Kellers
wieder in der Dunkelheit versinken, "privat" Zutritt verboten.

Die Bank war immer im Unklaren, welche Vermögensverhältnisse des Hauses vorlagen,
Der Notar sorgte für einige Verschleierungen, so munkelte man im Ort,
"die Alte schleppt alles nach Luxemburg"
Die Bonität war allerdings über jeden Verdacht erhaben, was Luisza jedoch fehlte,
war halt nur ein ebenbürdiger Gesprächspartner und den fand sie nicht.
Ab und zu traf sie sich mit Leserinnen, die sich in Kräuterkunde auskannten
um zu fachsimpeln - Recherche über das Internet war nie ihre Sache.
Es gab einige Annäherungsversuche von einigen Adligen - die aber
ergebnislos geblieben waren.
Wer Geld hat, achtet mir Argusaugen darauf, daß der evtl. Partner mindestens ebenso viel Geld hat -
nicht weniger - und so bleibt man heute meistens alleine.
Die gute Erinnerung an ihren verstorbenen Mann hielt sie zudem von einer näheren
Überlegung in dieser Sache ab - spätestens, wenn Luisza an dem Familiengrab
vorbei kam oder gar Blumen auf dem Verblichenen abstellte, gab sie die Hoffnung
auf einen partnerschaftlichen Neustart ganz schnell wieder auf.
Auf diese Weise angesäuert ging sie in den Salon, klatschte in die Hände
und ließ sich einen Eisbecher kommen.
Sie war eben oft allein in ihrem Gemach und schrieb an einem Roman weiter -
schaute aus dem weiten Fenster zum Balkon hinaus, sah vom 3. Stock aus
nur die Weite bis in den Ort hinab, zur Linken die Brauerei, zur Rechten die Ruine und der Wald.
Das waren ihre Begleiter.
Sie hatte einen Brigde - Abend inszeniert,
der jeden Donnerstag ab der Kaffee-Stunde anberaumt wurde, wo dann dieser Sport begann,
an welchen 3 feine Damen der weiteren Gesellschaft teilnahmen.
Der Salon war freilich die beste aller denkbaren Lokationen dafür,
hier war mehr als genug Platz.
Ab und an spielte ein engagierter Musiker auf dem Flügel,
leise, als musikalischer Rahmen für die Damen.
Der Diener öffnete die Salontür und rief:
Es ist eine Depesche aus Rumänien angekommen, Herrin.
Ach, warten sie bitte bis nach dem Brigde, das lenkt mich doch zu sehr ab.
Der Diener zog leise die riesige Tür wieder ins Schloß und
die Partie ging weiter, bis spät in den Abend - wo ein paar Häppchen
und Sekt gereicht wurde.
Der Chauffeur fuhr die Damen danach nach Hause.
Die Damen waren immer ganz angetan von dem Chauffeur, der jedoch verheiratet war
und von dem feinen großen Landaulet waren alle ganz hin und her gerissen.
Wie der mächtige Kühler sich um die Straßenecken schob, ehrfuchtgebietend
und bestaunt von allen.
Fast lautlos glitt der Wagen durch die Orte und entschwand ebenso leise.
Das hat ein Zeitungsredakteur mitbekommen und so sann er nach einer List,
doch einmal aus diesem Salon berichten zu können.
Er schickte ein offizielles Schreiben an Freifrau Luisza von Oswilde,
in welchem um eine Audienz und ein Interview nachgesucht wurde.

Der Diener versuchte sein Glück noch einmal und wartete, bis die Damen
ihre Partie beendet hatten und bot noch einmal den Brief aus Rumänien an.
"Ach nein, ach nein, das ist mir zu viel am heutigen Abend, sie wissen doch,
wie sehr mich dieser Sport anstrengt!"
Leise zog der Diener wieder ab.
Am Morgen danach servierte er das Frühstück im Gemach der Herrin,
wie sie es gerne nahm und so steckte neben der Kanne auch eben dieser Bief.
Sie öffnete diesen und las:
Graf Valter Ottokar von Transilva und Siebenbürgen ersucht seine Verwandte, Freifrau Luisza von Oswilde
um ein "familiäres" Treffen in Bälde.
Luisza wußte wohl um diesen entfernten Verwandten, einer der wenigen aus ihrer Linie,
die sich über die Tausend Jahre Geschichte haben retten können.
Rumänien gilt als sehr armens Land, vermutlich will er etwas abgreifen, dachte sie.
Was Luisza nicht ahnte war, daß der Graf Valter recht vermögend und wohlgebildet war.
Aber das stellte sich erst später heraus.
Sie legte diesen Brief zur Seite und öffnete den nächsten, jenen des Zeitungsredakteurs.
"Eine Audienz!
Ich bin doch nicht der Papst und für die Gemeinde auch nicht wichtig -
was will dieser Mann von mir?"
Sie rief den Diener und fragte ganz unverblümt:
Was halten sie von diesem Ansinnen?
"Ich darf mir kein Urteil erlauben, aber dieser Mensch ist schon wegen diverser
Schlagzeilen aufgefallen, die sich als haltlos heraus gestellt haben."
Aha, danke sehr, das ist schon eine Frechheit, aber so sind sie, die Schreiberlinge -
sie zuckte ein wenig zusammen, weil sie selbst..

Am nächsten Tag meldete sich der Redakteur - ohne eingeladen zu sein,
am Portal und wurde nicht eingelassen.
Schimpfend ging er weg:
Ich habe doch gerade gesehen, daß sie da oben auf dem Balkon stand!
Was bildet die sich denn ein?
Der Wachdienst kam schon mit den Hunden - da ging er lieber aus dem Tor auf die Straße hinaus.
So ging das dem Pfarrer und auch dem Bürgermeister, die "nur mal so"
vorbei schauen wollten - ohne einen Grund dafür nennen zu können..

Luisza ahnte schon, wieso man sich für sie interessierte:
Sie hat eine der Brigde - Damen von einer gemeinen Allergie befreit -
was sich wohl herum gesprochen haben muß.
Kein Arzt hat das gerne und auch kein anderer Heilberufler, wenn
man ihm in sein Handwerk pfuscht und dann werden die Leute auch noch gesund!
So eine Frechheit.

Graf Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg
kam mit den offenen EU- Grenzen aus Siebenbürgen,
er besuchte seine entfernte Tante Freifrau Luisza von Oswilde,
die in der Nähe der Burgen Katz und Burg Maus bei St. Goarshausen am Rhein
ihren prächtigen Adelssitz bewohnte.
Deren Namen wurden schon seit Kaiser Karls Zeiten erwähnt, als Siegelhort.
Er war ein Nachfahre eines uralten Adelsgeschlechtes und wollte - nun,
wo die Grenzen endlich wieder offen waren und
das Kommunisten - Regime nicht mehr existent,
welche alle freien Reisen blockierten, sein Erbe antreten.
Seine Tante hatte keine weiteren Nachkommen und war froh,
den Besitz nun in die Hände der Familie legen zu können.
(Auch wenn diese Verwandtschaftsgrade schon weiter entfernt waren)
Als Bedingung bat sie sich aus, nun müsse Valter Ottokar bei ihr im Hause einziehen.
Nichts leichter als das, so war Valter Ottokar klar, denn in Rumänien war nicht viel zu holen,
der Besitz herunter gekommen und eher als Landgut zu bezeichnen gewesen,
das lange Jahre als "Kolchose" diente.
Im Osten war alles knapp, so auch Baumaterialien.
Es roch zu sehr nach Arbeiterschaft, die Trennung von diesem unseeligen Ort fiel im leicht,
denn er hatte als Adelsmann keine gute Vergangenheit und auch keine gute Zukunft im Osten,
auch wenn er bislang auf den Titel "Graf" verzichtet hat -
zumindest diesen nicht nach aussen trug -
man spürte den Unterschied des Standes eben doch sehr.

***

In Deutschland:
Die beiden Verwandten unterhielten sich prächtig und beklagten immer wieder die neuen Zeiten,
in welcher der Adel viel zu wenig gefragt wird.
Man legte zwar keinen Wert auf eine Vorherschaft, wie das eigentlich immer gewesen war und
dennoch zeigte sich das gemeine Volk undankbar.
Man sann nach Abhilfe und lud auch zu div. Zusammenkünften hier im "Hause" ein,
welche als eine von aussen relativ unscheinbare Riesenvilla aus alten Tagen bezeichnet werden könnte.
Am eigenen Wald gelegen, mit Bach und Feldern außen herum, die an die Bauern der Umgebung
verpachtet worden waren.
Freifrau Luisza von Oswilde war keine Bäuerin und wollte mit diesem "Treiben" nicht zu tun haben,
wie sie geruhte von oben herab zu formulieren.
Ihr jung verstorbener Mann Fredericks von Oswilde erlag bei einer Jagd einer verirrten Kugel,
so wird in der Familienchronik berichtet.
Deshalb hatten sie auch keiner Kinder bekommen können.
Vor Gram zog sich die Luisza zurück in ihre Gemächer und ging auch nie in die Orte ringsherum.
Dienstboten waren schließlich dazu da, das Haus in Ordnung zu halten und für alles zu sorgen.
Gemeinsam beklagten nun die Beiden, dass man heute so hohe Löhne zahlen müsse, wo die Dienstboten
früher stolz darauf waren, in einem Adelssitz Arbeit gefunden zu haben.
Bei uns hatten es diese Leute immer schön warm und zu essen und auch Kleider bekamen sie -
heute reicht das wohl nicht mehr, jammerte Luisza, die Freifrau.
Diese Beiden nannten sich beim Vornamen und sprach miteinander - geziem - in der 3. Person.
Wir lebten immer in äusserster Bescheidenheit, hier in diesem Hause mit nur zwanzig Dienstboten.
Mein Mann achtete immer darauf, dass wir den Neid der einfachen Leute nicht zu sehr erregen.
Einmal in der Woche geruhe ich auf dem Balkon die Leute zu grüßen, ihnen zuzuwinken,
damit sie nicht denken, ich wäre hochmütig.
Hier, vom 3. Stock aus ist das ja auch nicht so gefährlich, nicht wahr?
Gewiss Luisza, ihr habt freilich recht und seid die Güte in Person,
geradezu vorbildhaft und freimütig.
Die Welt um uns herum ist wohl recht derbe - früher sogar noch ungehobelt dazu !

***

Für einen Grafen ist dieses Haus vielleich ein wenig zu bescheiden, so die Freifrau,
aber auch dich, mein Lieber, wird die Bescheidenheit zieren und formen.
Gewiß meine Hochverehrte, gewiß, in Rumänien oder Transsilvanien habe ich das lange genug üben können..
Luisza hielt sich geziert ein mit dem Familienwappen besticktes Tuch vor den Mund und lächelte dort hinein.
Sie klatschte in die Hände - das Dessert bitte !
Die Bediensteten sprachen nur leise miteinander in diesem Haus, gedämpft war jede Arbeit,
jeder Ton, denn die Freifrau durfte nicht gestört werden.
Die Leute der Umgebung hatten mit einer recht hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen und so
kamen die 20 Halbtagsstellen hier gerade recht.
Dazu kamen noch:
Der Verwalter und Notar, sowie der Wachdienst.
Früher hatte sie eigene Söldner, heute tat das ein professioneller Dienst, ähnlich wie am Flughafen.
Man kann nie vorsichtig genug sein, diese äusserte Obacht rate ich auch dir an!
Gewiss, Luisza, ihr habt freilich recht, wie immer zeigt sich die Weisheit erst so recht im Alter.
Sie war es zufrieden und freute sich still, dass nun ihr Habitat in würdige Hände übergehen konnte.
Zwar hatten sie keine Kinder, dieses Glück war nicht vergönnt, aber in Valter sah sie dennoch
einen würdigen Nachfolger.
Er hätte gerade ihr Sohn sein können.

***

Valter wurde in die Buchhaltung eingeführt, die der Verwalter sorgsam betrieb.
Der Notar war zugegen, beide waren schon alte Hasen -
irgendwie, wie man so schön sagt gerne in der Nähe
ihre älteren und immer noch attraktiven Dame,
die nebenbei von einer Brauerei mit eigenem Fuhrbetrieb lebte.
Damit, so der Buchhalter, hat sie nur so viel zu tun, daß der Betrieb zwar ihr gehört,
die Geschäfte aber inzwischen von einer Inhabergemeinschaft geführt werden,
die der Freifrau die Tantiemen überwies - lebenslang,
danach soll der Betrieb in das Eigentum der Inhabergemeinschaft über gehen.
Du siehst, lieber Valter, wie nützlich mein Leben dir sein kann - wieder lächelte sie in das Spitzentuch,
hob den Rock geziert an, um die Stufen hinaus aus dem Büro zu gehen.
Im Treppenhaus klatschte sie in die Hände - der Chauffeur !
Die Tür zum Gesindetrakt sprang auf, der Fahrer kam im Livre herbei, zog die Schirmmütze an und grüßte:
Sie haben gerufen, gnädige Herrin?
(So wollte sie von der Dienstbotenschar genannt werden)
Ja, holen sie den Wagen, ich möchte mit dem Herren Grafen auf's Land fahren.
Sehr wohl, gnädige Herrin.
Er entschwand durch eine Hintertür und bald surrte eine riesige alte Landaulet-Limousine
"Maybach Zeppelin von 1930", damals gebraucht gekauft und gut erhalten,
vor das Portal mit den 4 prächtigen Marmorsäulen mit den 2 großen, schmiedeeisernen Balkonagen darüber,
über welche man Markisen ausfahren konnte.
Die Herrschaften bekamen den Wagenschlag aufgehalten und bald schwebte die herrschaftliche Fuhre davon.
Genau so lautlos wie früher.
In der Garage war noch ein weiteres Landaulet, ein Benz W100 aus den 60iger Jahren,
ein äusserst feines Stück, - für Sonntags.
Der Chauffeur war gerne mit den Laudaulet unterwegs,
weil jeder diesen Riesenkutschen respektvoll aus dem Wege ging und fuhr.
Er wohnte mit seiner Familie in der weitläufigen Remise, wo früher einige Pferdeställe waren
und einige Kutschen standen.
Sein privates Auto steht gerade dort, denn mit dem Dienstwagen herum kurven ist nicht gestattet!



Sie hatten immer Vorfahrt:
Wenn die lange Motorhaube auf die Straße ragte, mußte der andere Verkehr wohl anhalten,
um damit nicht zu kollidieren - der Fahrer hat das schmunzelnd daheim erzählt.
Die Landschaft glitt vorbei und Lisza erzählte vom Grundbesitz, von den zugehörigen Waldungen,
die sogar eine eigene Beförsterung besaß, wie auch einen Holzrücker in dauerhaftem Subbetrieb.

***

Auf und hinter den Rheinbergen sind noch recht ausgedehnte Ecken, die eben nicht bekannt oder
touristisch erschlossen sind - still und abgelegen,
bestenfalls Wanderern geläufig.
Dieser Förster betrieb eine Baumschule und hatte auch das Jagdrecht inne,
woher zuweilen ein feines Wildbret auf den Tisch des Hauses kam.

***

Unterwegs hielten sie an einer Gastwirtschaft, die ebenfalls dazu gehörte und verpachtet war.
Achtung, die Herrin kommt, das schöne Geschirr herbei!
Sie nahm dort ihren Tee ein und dazu ein Gläschen Cognac,
eine Praline und dann fuhr sie wieder davon.
Das geschah genau jedes Vierteljahr, wenn die Pacht fällig wurde.
Damals wurde das Geld persönlich abgeholt, heute auf das Konto überwiesen.
Diese Tradition wollte Luisza jedoch unbeirrt fortführen, auch ohne ihren Mann,
der diese Fahrt immer sehr genossen hat, genau wie Graf Valter heute.
Die Freifrau lies den Verwandten gebührend vom Chauffeur vorstellen,
wo die Serviererin artig einen Hofknicks machte.
Valter war beeindruckt.
Luisza erzählte, als sie durch das nahe Dorf fuhren, früher hat die kleine Kirche immer nur
Wein - Wein, Wein - Wein gebimmelt, dann haben wir neue Glocken gestiftet, die
ein "Bämbelwein und Bämbelwein" erläuteten, was sich herrlich zum Klang der Stadtkirche
verband, die man durch das Tal hören konnte:
"Vinum bonum, Vinum bonum"
Valter lachte besser nicht, sondern nickte zustimmend.
Alte Leute haben eben ihren Tick - warum auch nicht?
Als sie durch den Wald kamen, trafen sie auf die Ursprünge derer von, auf die schon
Karl IV gesetzt hatte, um sein Reich zu festigen.

Dort wohnte schon lange keiner mehr, es war mehr eine kleine Burganlage,
heute eine Ruine, in welcher nunmehr nur noch Gerätschaften gelagert werden.
Ab und an gingen ein paar Wanderer auf den Söller und fotografierten die Aussicht.
Früher war da mehr los, sagte Luisza, dort gab mein Mann Jagdgesellschaften,
heute werden wir gezwungen mit dem Denkmalschutz zusammen zu arbeiten um die Ruinen
zu erhalten, das ist alles sehr kostspielig, genau wie der Unterhalt
des Familien - Friedhofes, der dorten liegt - alle meine Vorfahren sind hier beigesetzt.



















Die Rosenanlage der Herrin war eines ihrer Steckenpferde,
die sorgsam gepflegt wurden - da durfte niemand Hand anlegen,
auch der Gärtner nicht.









Die Pflege der Anlagen erfordern jedes Frühjahr zusätzliche Hilfskräfte,
die seit Jahrzehnten regelmäßig hier um Arbeit anfragen.
So ein Adelssitz verpflichtet, Nomen est Omen, wie man so schön sagt.

***

So fuhren sie in das Haus zurück und kamen gerade zum Abend-Dinner an.
Sie zogen sich dafür selbstverständlich um, wie zu jeder Mahlzeit, die im Salon genommen wurde.
Der Salon war das Prunkstück des Hauses und zwanzig Meter im Quadrat,
Dort stand der Flügel, ein großer Kamin und eine feine Standuhr, ein langer Tisch,
an welchen geschwind fünfzig Leute hätten sitzen können.
Der Salon hatte eine 8 Meter hohe, bunte Stuckdecke mit Goldrändern
und mächtige Kristall-Leuchter, mit einer eigene Akustik,
die vom Parkett-Intarsien-Fußboden resonierte.
Der Grundriß des Hauses gab noch mehr her, nebenan war der Eindeck- und Buffet-Raum
mit dem Geschirr, von welchem aus aufgetragen wurde -
unter dem weitläufigen Vestibül,
das ihr Mann nachträglich hat einbauen lassen, installiert.
Die Speisen kamen mit dem Aufzug aus den Kellerräumen, wo die Küche ist, wie in einem Hotel.
Die 4 mtr hohen Wohnräume haben mit ihren Stuckdecken ebenfalls herrschaftlich genug gewirkt:
Weinrote schwere Samtvorhänge und hohe Türen im ganzen Haus erzeugten einen besonderen Eindruck.
An der Kopfseite des riesigen Tisches im Salon stand ein Armlehnen-Sessel mit hoher Lehne -
ihr persönlicher "Thron", wie die Bediensteten sich zuflüsterten.
Hier beliebte sie zu empfangen, wer immer auch eingeladen war.
Auf eigenes Verlangen hat diesen Raum nicht einmal der Bürgermeister betreten dürfen-
der Diener hat jeden ungebetenen Besucher sofort abgewimmelt.
Notfalls wurden die zwei immer anwesenden Sicherheitsleute hinzu gerufen, die Waffen trugen.
Das Arbeitszimmer mit Balkonzugang, ein feines Schlafgemach waren im 3. Stock,
nebst Ankleideraum und großzügigem Bad, dies nannte sie ihr Refugium.
Der ganze erste Stock war mit Gästezimmern belegt, der zweite Stock beherbergte Gesellschaftsräume
und die Bibliothek und einen Billiard- und Roulett-Tisch, die Ideen ihres Gatten.
Unter dem Dach waren die Dienstboten-Zimmer, wie schon zu allen Zeiten in diesen Herrenhäusern üblich.
Nach diesem Tag der "Führung" waren beide müde und gingen bald zur Nacht.
Die Security-Leute mit ihren Hunden haben rund um die Uhr Dienst geschoben - ein Abschließen war nicht nötig,
hier wäre niemand hinein gekommen !

***

Der nächste Tag graute, die Dame des Hauses nahm ihr Frühstück auf dem Balkon ein,
der Herr Graf speiste im Salon und erwartete an diesem Morgen noch den Notar,
um seine Liegenschaften in Rumänien zu verkaufen und über die Modalitäten
seiner Staatsbürgerschaft hier im fernen Deutschland zu konferieren.
Er war noch im edlen Morgengewande, als die Türglocke ging und eilig der Notar
erschien - wie gewohnt von Stock und Mantel befreit - welche der Diener entgegen nahm.
Er wartete in der Diele, bis er gebührend angekündigt worden war:
"Herr Graf, der Notar erwünscht den Besuch!"
Ich lasse bitten..
Die Unterredung war bald nicht nur mehr nur geschäftsmäßig, sondern schon ein wenig
freundschaftlich, der alte Notar hätte Graf Valters Vater sein können.
(zumal er irgendwie das Gefühl vermittelte, dass die Luisza und er.. aber das gehört nicht hierher.)
Die Beiden sind sich schnell übereins gekommen und die Geschäfte liefen flott ab.
Nicht lange und der Valter erhielt seinen "Personalausweis",
den er mittels Vollmacht ausgehändigt bekam:
Graf Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg, Alter 33 Jahre,
Wohnhaft im alten Herrenhaus in ... - fertig.

Nun ging er in sein Zimmer, belud den Schreibtisch und die Schränke mit seinen Habseeligkeiten,
die eine Spedition aus Rumänien brachte und im 1. Stock unterbrachte, mit Zugang zum Balkon.
Er lies sein Wappen an dem Gebäude anbringen und über dem Kamin, an der Tür zu seinem Büro ebenso.
Nun ging der Graf bei dem Verwalter in die Lehre und erarbeitete sich haarklein alle
Obliegenheiten des Besitzes, die Freifrau sah gütig über seine Schultern und war froh,
diese Last endlich los zu sein, die wie ein Mühlstein über ihren Träumen hing, seit ihr Mann tot war.
Der Verwalter hatte keine Angst um seinen Job, der war garantiert auf Lebenszeit - wie praktisch!
Dem Grafen war diese Verwaltungslast auch nicht sonderlich angenehm, deshalb schaute er nur ab und zu
in diesem Büro vorbei, um dem Verwalter einen guten Whisky oähn. als Aufmerksamkeit vorbei zu bringen.

***

Bald meldet sich der Bürgermeister an und auch der Pfarrer, der schon vor Neugier ganz fiebrig
gewesen sein muß - ein neues Kirchenmitglied war zu begrüßen,
auch wenn dieser bisher noch nicht in dem Gottesdienst erschienen war, obwohl -
die Familie von Oswilde hatte immer schon eine eigene Sitzbank inne,
wo das Wappen in der Rückenlehne eingelassen war.

Der Bürgermeister und sein Vertreter standen an dem Eingangsportal wie Schulbuben herum,
bis der Diener des Hauses sie in den Salon führte.
Dort bekamen sie ihre Plätze zugewiesen, die Servierkraft fragte nach ihren Wünschen.
Der Herr Pfarrer wollte sich gleich an die Stirnseite der Tafel setzen,
was vom Diener mit einem bösen Blick abgestraft wurde -
auch der Pastor fügte sich und nahm dort Platz,
wo man ihm diesen zuwies.
Leicht angesäuert warteten die wichtigen Männer, bis die mächtige Salontür sich öffnete
und mit hohler lauter Stimme der Diener ankündigte:
Der Herr Graf Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg geruht zu erscheinen!
Der Diener machte ein Zeichen und man erhob sich erfurchtsvoll, wie in alten Zeiten.
(Denen kam das ärgerlich vor, als der Graf dann huldvoll das Zeichen gab,
dass sie sich wieder setzen mögen)
Der Graf trug ein grünes Samt-Barett und eine feine passende Robe, schlicht und doch würdig, wie er fand.
Der Siegelring mit dem Familienwappen glänzte in der Morgensonne, bis in die hinzu gehängten Bilder
aus Transsilvanien in der Ahnengalerie an der Wand.
Eine sehr beeindruckende Szenerie, die der Graf seinen Vorfahren abgelauscht hat.
Nichts, keine Geste und keine Bewegung waren unkontrolliert, kein Wort oder Satz zu hastig formuliert.
Die Bekanntmachung glich eher einer Intronisierung, als dass diese Leute aus dem Ort
irgendwelche Vorschriften hätten anbringen können.
Recht unverrichteter Dinge zogen sie wieder ab und hatten .. nichts erreicht.
Heute würde man sagen:
Die waren stinksauer, wie der alte Adel auf sie hernieder stach und plättete.
Der äussere Eindruck eines jüngeren Mannes war eine fundamentale Fehleinschätzung der Besucher.
Was der Valter nicht wusste:
Die Freifrau hat zuvor eine Videoanlage installieren lassen
und konnte damit in ihrem Gemach dem Treiben ganz gemütlich beiwohnen -
sie hätte auch mitreden können, was sie aber tunlichst lies.
Beim Abend-Dinner lobte sie "ihren Nachwuchs" und war stolz auf ihn:
Das hätte mein Mann nicht besser bewerkstelligen können, hier sieht man mal wieder,
was der gute alte Adel aus seinen Kindern macht.
Mein Kompliment !

Es bedarf keiner Hellseher, dass nun der Valter noch deutlich mehr Vertrauen genoß.
Die Dame des Hauses machte sich nun deutlich rarer und ruhte sich auf ihren Lorbeeren aus,
wie man so schön sagt.
Der Graf, nennen wir ihn fortan so, denn "Valter" wäre viel zu salopp gewesen,
"Valter Ottokar" wäre auch nicht viel besser,
begab sich oder lies sich mit dem alten Landaulet couffieren.
Sein Interesse galt der alten Befestigung, der Ruine aus uralter Zeit.
Man hat aus der Küche eine Brotzeit mitgenommen und so fotografierte der Graf und beobachtete
die Natur, stellte Überlegungen zur Sinn jener Burg an, lies sich die Schlüssel dazu kommen.
Er bat sich aus, hier ungestört seine Untersuchungen machen zu können, was selbstverständlich
von allen befolgt wurde.
Der schwere Wagen mit dem Chauffeur fuhr hinweg.

Der Graf schaute hier und klopfte da, bestieg alle Gemäuer und alle Kellertreppen, begutachtete
ganz genau und notierte und fotografierte akribisch jedes Detail, die Messlatte angelegt.
Das dauerte den ganzen Tag bis zum frühen Abend, da kam das Landaulet wieder und holte ihn ab.
Luisza war freilich sehr neugierig und bekam im Salon die Bilder und Skizzen vorgeführt.
Der Graf wollte ein familieninternen Bildband erstellen, damit man eigene Unterlagen
vorweisen konnte und nicht länger auf das Denkmalschutzamt angewiesen war, sollte dort
einmal etwas erneuert werden müssen.
Sicher ist sicher sagte er dazu.
Aber sicher, tue das, was du für nötig erachtest, sagte die Freifrau Luisza.
An diesem Tag war er sich sicher, dass es mit dem alten Gemäuer etwas auf sich hatte,
was lange, lange Zeit verborgen..

Der nächste Tag brachte nichts an neuen Erkenntnissen, so ging das die ganze Woche hindurch.
Am letzten Tag, kurz bevor er die Mission beenden wollte, stieß er in einem der Keller auf
eine interessante Sache.
Er lies sich in die Stadt fahren und kaufte ein neues Schloss für diesen Raum,
das er täglich neu versiegelte.
Dann schaufelte er eigenhändig den Boden weiter auf, den die letzte Treppenstufe in diesem "Bückkeller"
bedeckte - nun kam etwas ans Licht, das er schon vermutete:
Die Treppe ging früher sehr viel tiefer hinab und dieser Keller unter dem Keller war nicht die Sohle
der Burganlage, wie das Denkmalamt meinte.

Ein schönes Stück Arbeit, eine gesunde Schufterei, so meinte der Graf zu sich selbst.
Nach drei Wochen war das Werk getan und dieser recht kleine Kellerraum war freigelegt.
Die Treppenstufen waren zum Teil auseinander gefallen, die hat er wieder aufgesetzt
und provisorisch befestigt.
Das kann später die Baufirma fachlich richtig machen, dachte er dabei.
In einer Ecke unter der Treppe war eine Abdeckung aus Stein, die hob er mit dem Brecheisen weg
und fand einen größeren Tontopf, auf dem ein weiterer flacher Stein lag.
In diesem stabilen Tontopf waren in Säckchen eingewickelte Goldmünzen aus alter Zeit.
Erhalten wie frisch aus der Prägeanstalt.
Dazu eine Menge Rubine und andere Edelsteine, die damals als Zahlungsmittel des Adels
recht gängig waren.
Rundherum und unten drunter war sonst nichts mehr, nur noch nackter Fels.
Er entnahm den Tontopf und packte diesen in eine Arbeitskiste,
was nur durch vorheriges Ausleeren möglich war, so schwer war dieser Topf -
und legte alte Arbeitsklamotten darauf
und verschloss diese sorgfältig.
Nun begann er sein Vorhaben zu verwerfen, durch eine Baufirma die Treppe wieder zugänglich zu machen
und schüttete den ganzen Keller wieder so zu, wie er ihn vorgefunden hatte.
Abends war der Graf totmüde und hatte Schwielen an den Händen, das Rückgrat schmerzte höllisch -
solche Arbeiten war er nicht gewohnt, ohne Frage.
Das alte Vorhänge - Schloß kam wieder an die Kellertür der Ruine.
Zuvor hat der die verräterischen Spuren im Felsversteck gründlich dergestalt präpariert, als
wäre da unten eine alte Holzkiste mit Gerät und Kleidung, Essgeschirr etc. aufbewahrt worden.
Wie Arbeitsutensilien der Bauarbeiter in der alten Zeit, als die Burg errichtet worden war.
Das alte Geschirr und Kram hat er bei seinen Grabungen in der Erde darüber finden können.
Die Kiste mit dem Tontopf brachte er eigenhändig mit einer Transportkarre
in seinen eigenen kleinen Kellerraum des Adelshauses,
in welchem nun allerlei Dinge aufgehoben wurde:
Bilder von daheim, aus Rumänien, ein alter Polsterstuhl,
der noch aufgearbeitet werden sollte, Kisten und Kasten mit Fotografien, Dokumente und
abgetragene Edel-Kleidung, die zum wegwerfen viel zu schade..
Ein muffiges Räumchen, in der Tat, sagte er zu sich und ging selbstzufrieden in sein Arbeitszimmer.

Die Münzen und die Pretiosen hat er geschickt in sein Bettgestell eingebaut, indem die
originalen Teile durch hohle Exemplare ersetzt worden waren.
Auch das mußte er in Eigenarbeit erledigen, - der geringste Verdacht wäre einer zuviel gewesen
und Diebe wären in Scharen gekommen.
Freifrau Luisza wurde selbstverständlich davon unterrichtet und sie begutachtete
auch die Fundbilder, die sie alle ganz genau in Augenschein nahm, bevor diese gelöscht wurden.
Sicher ist sicher.

*** Fortsetzung folgt -







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