Schattenseite 63
Der Herr Graf - Fortsetzung -









Und was kann mehr entzücken, als ein freier Rücken, meinte Helene dazu..
Das junge Paar war nun aus dem Wege, die Zwillinge unter Dach und Fach,
Luisza ging ihrer eigenen Intention nach und war ausgelastet,
was sie frisch und munter hielt.
Sie fuhr auch gerne mit Claude und Julia im Reisebus auf Tour,
welche inzwischen auch Höhlenbesichtigungen und Panoramatouren im Programm hatten.
Fahrten zu Theater - und Opernaufführungen, Musicals und ähnlichen Events,
an denen besonders ältere Leute ihre Freude hatten, waren die Renner.
Ihr kleines Unternehmen lief prima.
Valter und Helene waren am liebsten auf der Terrasse oder sind ein wenig
wandern gegangen, als sie unterwegs von einem Gerücht hörten, das ihr Haus betraf.
Wie Wanderer eben so sind, tratschen die ganz gerne mal am Zaun, wo man eben
zufällig jemanden trifft, der ebenso gesprächsbereit ist.
"Haben sie schon gehört?
Die da in der Adelsburg sollen bankrott sein,
insolvent sozusagen, was wohl daher kommt, dass die sich verspekuliert haben bei den Geldanlagen"
Nein, das haben wir noch nicht gehört, so Helene, aber ich kann ihnen sagen,
daß wir uns dafür interessieren.
Wer hat dieses Gerücht in die Welt gesetzt?
Das kann man nicht genau sagen, es kam aus der Ecke der Turn-AG, welche
von der Frau des Bankdirektors geleitet wird.
Ich habe das zumindest in dieser Weise vernommen.
Das ist ja lustig, wenn es nicht so traurig wäre, sagte Valter,
wir halten sie auf dem Laufenden.
Wir verraten sie nicht und forschen in aller Ruhe nach und werden
dann diese Sache aufklären und Bescheid sagen, was daraus geworden ist.
Ein richtiger Kleinstadt-Krimi bahnt sich an..

***

Luisza hat sich unauffällig im Cafe und in einem typischen Tratsch-Laden umgehört,
sie hat Interesse an der Turn - AG geheuchelt und so manches gehört,
aber nichts von einem Gerücht, was das Haus betraf.
Sie heuerte einen Arbeitslosen an, von denen immer einige vor dem Cafe saßen
und bat diesen, die Ohren ein wenig aufzuhalten.
Es solle sein Schaden nicht sein, sagte die Freifrau gütig.
Sie wartete inzwischen in einem Lokal bei einem 2. Frühstück und las die Zeitung.
Dieser Rentner-Eindruck, dachte sie, ist immer noch die beste Tarnung..
nach einer Stunde kam der Mann in das Lokal, bestellte sich ein kleines Essen
und ein Bier.
Er hob danach an und sagte:
Der Gemüsehändler hat wohl aus Wut, daß die Küche des Hauses keine Waren von ihm
beziehen wollte, durch seine Frau, die ebenfalls in dieser Turn- AG ist,
eine Tretmine gelegt:
Ich habe gehört, dass im "Blättchen" keine gute Kritik dazu abgedruckt war,
diese Mitteilungen sollten nur für Gewerbetreibende zu lesen sein,
die sich damit vor Schuldnern schützen.
Aha.
Und das hat man so einfach geglaubt?
Weniger, aber dieses Gerücht kam auch bei der Bank an und so tuschelt man auch dort,
obwohl die Höhe der Bankeinlage eigentlich bekannt sein müsste.
Ja, meinte Luisza, aber in dieses Konto kann nur der Direktor schauen, nicht jedoch
die Schalterbediensteten..
Luisza zahlte dem Informanten sein Essen und ein gutes Geld, dieser
dankte und grüßte:
Immer gern, gnä' Frau, immer gern zu Diensten!
Er gab Luisza seine Telefonnummer und wenn wieder einmal etwas geregelt werden müsse,
sei er gerne bereit, incognito sozusagen.

Luisza lies den Zeitungsreporter kommen und ging mit diesem zur Bank,
um das Konto aufzulösen:
Der Bankdirektor war entsetzt und versprach hoch und heilig, dass sich solche Dinge
nicht mehr wiederholen würden und er wäre untröstlich, weil die Villa Siegelhort und
erst recht die beiden persönlichen Konten der Inhaber über jeden Verdacht erhaben,
ja die am besten gefüllten des ganzen Bezirks seien - seit Jahr und Tag schon.
Sie sah von der Kündigung ab und nahm den Reporter am Arm:
So, nun berichten sie mal recht schön.
Das tat er dann auch !

***

Die Zeit geht weiter, wie sie das gewöhnt ist und macht dabei weder vor Groß noch vor Klein Halt.
Die Alten aus der Villa Siegelhort waren eben keine "alten Leute" oder gar "Altersheim - Bewohner",
sondern Privatiers und Hochwohlgeborene, die es sich leisten konnten, unter sich zu bleiben.
Diesen Unterschied spürte man überall im Hause.
Die Dienstboten machten eine Verbeugung oder Hofknicks, dann gab es Trinkgeld.
Eine Gruppe Krimi-Freunde traf sich im Club, wo gerade ein Autor eine Lesung seines neuen Werkes hielt.
Gebannt lauschte man auf den feinen Polsterstühlen, geräuschlos wurden ein paar erlesene Spirituosen
ausgeschenkt - der Butler wußte bald ganz genau, welche Person welches Getränk zu welcher Zeit
"zu sich nahm" und wann nicht.
Ansonsten hatten hier Fremde auf keinen Fall Zutritt.
Niemand wollte bei einem Nickerchen erwischt werden, das war klar.
Dicke Teppiche dämmten die Schritte bis zur Geräuschlosigkeit ab.
Diese eigentliche Bibiliothek war auch ein Lesesaal, in dem eben Stille herrschen mußte.
Die gediegene Ausstattung lies eher an ein Schloß denken, als an eine Villa -
diese Bezeichnung war ganz bewusst - tiefstapeln - hier hatte man die sonst übliche Angeberei
nicht nötig, da waren sich alle einig.
Wir sind ja unter uns und da kann man gerne ein wenig lockerer sein, nicht wahr?
Selbst wenn einige im Morgenmantel durch das Haus schritten, war dieses Kleidungsstück
noch immer ein paar Mal so teuer, wie bei manchen Leuten der Anzug.
Der Graf ging gerne im dunkelgrünen Morgenmantel aus Samt mit feiner Goldkettelung
und dem ebensolchen Barett in den Salon,
zumindest früh am Morgen oder spät am Abend.
Sein Wappen prankte dezent auf der Brusttasche.
Das Personal hütete sich noch immer, über die Herrschaften zu witzeln oder zu tuscheln -
nur die Köchin sagte ab und an einmal:
Mein Gott, wie hat Helene sie wieder rausgeputzt, Graf Valter !
Er lächelte und wußte wohl um ihren mütterlichen Humor, den er von keinem anderen Menschen
geduldet hätte.
Das sagte sie auch nur, wenn es sonst niemand hören konnte.

Das Leben in einem solchen Hause hat seinen eigenen Rhythmus,
wobei er über dieses seltsame Wort immer und immer wieder stolperte.
Valter ging sehr früh am Tag in die Verwaltung, schaute mal hier und mal da,
bevor die Verwalter kamen.
Information ist alles, sagte er zur - ebenfalls schlaflosen - Luisza.
Sehr tüchtig, Valter, sehr tüchtig, ich sehe das ebenso.
Man darf die Kontrolle niemals abgeben, die Arbeit jedoch, die kann man delegieren,
den Überblick muß man schon selbst behalten.
Valter fand alles in Ordnung vor und so ging er nochmal schnell in den privaten Bereich des
weitläufigen Kellers, der nur ihm, Helene und Luisza vorbehalten war,
wo er sich umzog, einen Arbeitskittel antat und fleißig räumte.
Ein uralter Schreibtisch aus Transilvanien wurde wieder aufgestellt, ein
ebenso alter Stuhl dazu, vor der Platte an Wand zwischen den Kaminen,
die nun die beiden Wappen trug.
Er setzte noch ein paar Sicherheitsmaßnahmen ein und zog sich von Zeit zu Zeit
hier zurück, wenn es im Sommer zu heiß war oder er seine Ruhe brauchte.
Diese Steinplatte war auch im heißesten Sommer immer seltsam kalt..
Luisza kam ab und an vorbei und schaute in die Familien - Alben oder in die Chronik
des Hauses, die fortlaufend eingepflegt worden ist.
Valter lies den Zugang zu den restlichen Kellerräumen vermauern - nicht grundlos..
In den Mauern waren Hohlräume, wie in der Tür, die mit zähen Nylonfäden gefüllt wurden,
die Maurer wunderten sich über dieses angebliche Dämm-Material.
Ein Bohrer wäre daran festgelaufen..
Bei so vielen Menschen im Haus kann man nie so ganz genau wissen, wer sich alles
in welchen Räumen bewegt oder.. sich Zugang verschafft.
Die Würde des Hauses spiegelte sich selbst in diesem Kellerraum, ganz ohne Frage.

***

Helene kam von der Bank und war ein wenig verärgert, weil die Modalitäten
anders geworden waren - ein anderer Chef, andere Schalter, andere Sicherheitsbestimmungen.
Warum nehmen sie sich nicht unsere "goldne" Kreditkarte?
Wieso?
Wozu brauche ich einen Kredit?
Das sagt man heute so, mit dieser Karte können sie bargeldlos zahlen und brauchen sich
keine Sorgen zu machen, sie sind damit immer flüssig.
Was ist das denn?
Nun, ich verstehe ja Spaß, aber das nehme ich ihnen nicht so ganz ab..
Wir haben so etwas nicht nötig, sagte sie - und bevorzugen unsere althergebrachten Zahlungsmethoden.
Ich bin zwar noch lange nicht so alt wie die Freifrau, bin aber ganz deren Meinung.
Schauen sie, meinte Helene, wenn ich zum Beispiel ein Auto oder Haus kaufen möchte,
dann braucht der Verkäufer nicht warten, bis die Bank ihr "ok" gibt, das wird bar bezahlt.
In Anwesenheit des Notars, der sich um die vertraglichen Dinge kümmert -
wir lesen uns solche Profanitäten wie "Datenschutz" oder "AGB" und "Kleingedrucktes" nicht durch.
Der Bankchef wurde ein wenig blaß, sah sich das Konto auf dem Monitor an, welcher hinter dem
Tresen versteckt angebracht war und wurde nochmal blasser.
Sie haben mehrere Konten bei uns, ist das richtig?
So ist es.
Er öffnete diese alle nach und nach, wo Helene zeichnungsberechtigt oder als Inhaberin
eingetragen ist und stammelte nur noch:
Darf ich ihnen einen Stuhl holen oder möchten sie zu mir in den Sicherheitstrakt kommen?
Wir beabsichtigen Gold zu kaufen und das möglichst günstig,
wir haben noch ein Eisen im Feuer mit zwei anderen Anbietern und
nehmen selbstverständlich das für uns passende Angebot.
Wir bringen einen Sachverständigen mit, der immer dabei ist, sowie einen Notaren oder Anwalt.
Wir sind an einer Größenordnung von xx Millionen interessiert, wobei noch mehr als genug
auf den Konten verbleiben würde.
Unserer Familie geht es um die Sicherheit der Wertanlage, nicht um die Rendite.
Das Gold wird sowieso eingeschmolzen und als 28gr Stück mit dem gräflichen Siegel versehen
und in einem Depot in Luxembourg eingelagert für schlechte Zeiten.
Wie schon seit tausend Jahren in dieser Linie.
Der Bankchef war der Ohnmacht nahe, verstand die Gräfin nur in ihren Worten,
nicht aber im Sinn ihrer Sprache, die wie aus einer fernen alten Zeit klang.
Helene parkte mit dem smart vor dem Schaufenster der Bank und kam nicht mit einem riesigen Luxuswagen.
Der Mann stotterte nur noch herum und bedankte sich für den Auftrag nicht einmal,
sondern wollte einen Fertigkaffee bringen..
Nein danke, ich nehme den Kaffee lieber im Salon, ich muß jetzt weiter,
bis zur Terminabsprache also.
Das hat sich Valter schon bald gedacht und nur noch gefeixt:
"Wie schon seit tausend Jahren"
Das sieht man dir nicht einmal an!
Nun hör' aber auf, damit scherzt man nicht - ich weiß schon, daß mein Spiegel die Wahrheit sagt..
man alberte nur, wenn keine anderen Leute dabei waren, Lisza ausgenommen, die gerade
um die Ecke kam:
"Was gibt es hier zu kichern?"
Helene erklärte die Sache nochmal und meinte:
Ich glaube nicht, daß die Bank sich bei uns meldet - und wenn, dann abschlägig.
Mit dem Geld können die "arbeiten", mit dem Golde nicht
und die zahlen kaum etwas an Zinsen für die Geldeinlagen - wie schön!
Und so kam das auch, kein Anruf erfolgte.
Keine Terminvereinbarung.
Die Drei waren sich einig- wir lösen die privaten Konten auf
und behalten nur noch das Geschäftskonto des Hauses,
auf welchem die nötigen Umlaufgelder geparkt werden.
Sie avisierten die Auszahlung persönlich am Schalter, legten die Autorisierungen vor
und erhielten bald einen Geldtransporter vor das Portal der Villa Siegelhort.
Dort wurde das Geld in Packen in Empfang genommen, frisch von der Zentralbank und
versiegelt und geprüft.

***

Die Holländer kamen und hatten bereits ihre Kollektion mitgebracht.
Der Handel war kein Problem, die Bewirtung im Salon ebenfalls nicht -
alles lief wie am Schnürchen.
Der Graf schmolz mit dem bewährten Öfchen das Gold und goß seine Münzen daraus,
die freilich nur Medaillen sein durften, denn auf Münzen war das staatl. Monopol.
Das ebenfalls bewährte Siegel kam darauf und dann wurde "eingelagert".
Zur Tarnung hat Valter bei der Bank im Ort ein Golddepot eröffnet, wo er
"ein paar Kilo" Gold einlagern lies, falls Erpresser auf den Gedanken kommen,
auf das Geschwätz der Leute hin - man weiß ja nie!

Das Golddepot muss wohl durchgesickert sein, daß der Graf ein paar kleinere Goldbarren
und Krügerrands über den Tresen schob, um dieses dort einzulagern,
Das haben ein paar Angestellte der Bank gesehen.
Daheim sagte er nur:
Eine Million ist doch nun zu überblicken, nicht wahr?
Auf diese Weise hat er vom Versteck im Haus abgelenkt.
Deshalb sollten ein paar Angestellte dieses Bank - Depot - wie zufällig - kennen.

***

Die Drei zahlten am liebsten in diesen "Goldmünzen des Hauses", den "alten Familienreserven",
wie Luisza sich feierlich auszudrücken beliebte,
was aber so gut wie nicht mehr vorgekommen ist:
Alles fertig, alles war längst abgewickelt.
Die Reingewinne aus der Vermietung gingen in das familiäre Girokonto
und waren zum Verbrauch bestimmt.
Das Golddepot bei der Bank wurde im Testament als Eigentum Julias und Claudes eingetragen,
aber davon wußten eben nur die Drei.

Steffen und Theo gingen eigene Wege, Theo heiratete innerhalb des Adels
und lebte in Namur zur Miete und verdingte sich in einem Betrieb als Ingenieur,
er wurde auf Messen geschickt, wegen seiner Deutschkenntnisse.
In dieser Firma war die Baroness Anneleen als Vorzimmerdame eingestellt,
so kam man sich näher.
Steffen hatte "weniger Glück", er mußte mit der Tochter des Bauunternehmers vorlieb nehmen,
wie sich Luisza ein wenig herablassend ausdrückte.
Steffen wollte auf keinen Fall seinen Adelstitel angeben und heirate bürgerlich
und benahm sich bürgerlich - wer ihn mit "Euer Hoheit" ansprach - zum Beispiel
unter jungen Burschen auf der Kirmes, bekam er "eine auf's Maul",
wie der Bauunternehmer seinem Freund, dem Grafen erzählte.
So ein grober Klotz, meinte Helene - dabei war das immer so ein zartes Kind.
Das kann ich nicht bestätigen, so benimmt der sich hier bei uns nicht.
Steffen hat ordentlich Kraft und die setzt er auch ein.
Unsere Nana, also die Sabine, ist ganz vernarrt in ihren Prinzen.
(So nennt sie Steffen nur wenn es dieser nicht hören kann)

Theo kam mit seiner neuen Familie zu Besuch in die Villa Siegelhort
und es ward ein großer Empfang gegeben.
Die Familie war im Freiherrenstand
des alten Uradels und zwar schon seit dem alten römischen Konsulargeschlecht der Coeli(i),
was eigentlich Unionierte bedeutet oder bedeuten könnte.
Anneleen war sehr anmutig und eine echte Baronesse, vom Scheitel bis zur Sohle.
Sie war mit ihren Eltern angereist und ohne Dienstboten.
Der Wagen wurde von der Baronesse selbst gesteuert, weil ihre
Eltern im Dunkeln nicht mehr so sicher waren und .. Dienstboten hatten sie schon lange keine mehr.
Wir haben nur eine Haushälterin und eine Putzfrau, die zweimal die Woche kommt,
so sprach die Freifrau aus Belgien, wir haben auch keine Burg oder so etwas,
sondern wohnen in einem Bungalow am Stadtrand.
Und wie ich sehe, fuhr sie fort, bewohnen sie noch heute ein sehr großes Haus!
Das kann sich bei uns niemand mehr leisten, die Unterhaltskosten wären viel zu hoch.
Wir leben von einem Papier- und Buchhandel und kommen gut über die Runden,
aber eben nur, wenn wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben.
Der Adel hat eben heutzutage keine Steuern von den Bürgern zu erhalten, das war einmal !

Das war der Punkt, auf den die Luisza gewartet hatte.
Nun kommen sie doch bitte erst einmal in den Salon, der Diener wird ihnen die Sachen abnehmen.
Der Kamin war angeheizt, Helene spielte gerade ihre Volkslieder und notierte sich im Notenheft ein paar Stellen.
Luisza setzte sich in ihren "Thron" und wartete ab, was da kommen mag.
Graf Valter kam im Morgenmantel und mit seinem Barett und schaute ein wenig verwirrt -
ein Empfang und warum weiß ich nichts davon?
Luisza stellte Valter vor und alle waren von seiner Erscheinung und Haltung beeindruckt.
Das belgische Paar schaute sich an und meinte leise:
Daher hat Theo seine Art !
Graf Valter klatschte in die Hände und das Personal kam und deckte die Kaffeetafel ein,
mit wertvollstem Besteck und Geschirren und erlesenstem Konfekt und Kuchen.
Luisza schaute ein wenig ärgerlich, als sich die Service-Kräfte mit Hofknicks rückwärts gehend
zurück zogen - das wird wieder teuer!
Die belgische Familie kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als Helene mit Bach anfing
und in ein leichtes Potpourrie der Klassik überging, das von den Seitenflügeln der Orangerie her
mit Geigen und Violinen begleitet wurde.
Helene setzte sich nun ebenfalls zu Tisch und die Musikergruppe, die eigens engagiert worden war,
spielte leise Salonmusik.
Die riesigen Lüster wurden gedimmt und man unterhielt sich über dies und das.
Ach, meinte Luisza leutseelig, wir bewohnen ja nur einen Flügel, das reicht uns schon.
Darf ich sie später zum kleinen Abendbrot auf die Terrasse bitten, dort sollen Häppchen
serviert werden, ein einfaches und leichtes Mahl zur Nacht, mit ein wenig Champagner,
den der Hausherr selbst gemacht hat?

***

Die Leute waren genau so begeistert, wie alle zuvor, die hier im Hause zu Gast waren.
Der Graf hatte vor dem Besuch die Fahnen aufziehen lassen, die auf dem "Söller"
oder besser auf den Außenflügeln des Hauses (wo die Zinnen sind) aufgestellt wurden.
Die Gäste blieben eine Woche und haben sich alles genau angeschaut und gewundert,
wie man eine solche große Anlage derart in Schuß halten kann.
Wir wollen den Hopfengarten, wie er die mehrere Hektar großen Felder benannte,
der Brauerei verpachtet lassen, weil wir eben keine Bauern sind und das Land
für uns nicht benötigen, sonst wäre der Park viel zu groß geworden.
Es reicht, wenn man darin ein wenig spazieren gehen kann, denn wir haben kein Schloß,
sondern nur eine Villa, nicht wahr?
Verhaltenes Lachen folgte, wobei der Graf sein Taschentuch vor seinen Mund hielt und
auf die Mauer zu sprechen kam.
Das ist so eine Mischung aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Sicherheit,
denn hier klettert so schnell keiner drüber.
In den letzten Jahren ist sehr viel seltsames Volk unterwegs und die Polizei
kann schließlich nicht überall sein, gell?
Da kam gerade eine Streife der Sicherheit mit ihren Hunden vorbei, die
für diese Woche Doppelschichten fuhr.
Still salutierend gingen sie vorüber.
Bald kamen sie an der Kiwi-Anlage vorbei, die ein Projekt des jungen Gärtners war
und an den Weinstöcken oder Reben, dort hat die Köchin ihre frischen Kräuter und Salate,
wir haben freilich auch ein Rosenrondell, das meine Frau pflegt und hegt.
Die Kieswege sind das kontemplative Hobby von einer Menge der Insassen, deshalb
stehen hier auch überall Rechen herum.
Boule wird dort gespielt, bei der Aussen-Schach-Anlage.
Jenes ist ein Gymnastik - Parkour, wir haben auch eine kleine Kneippsche Anlage zu bieten.
Im Keller ist der Saunabereich und die Schwimmhalle, Lagerräume und der Tanzclub.
Bis weit unter den Rasen geht vom Keller aus die Kegelbahn.
Neben der Kegelbahn ist der ABC - Schutzraum, wenn wir uns im Falle eines Angriffs zurück ziehen müssen.
Bei Bedarf wird aus dem Salon ein Kino, wenn auf der Leinwand alte Streifen flimmern.
Die großen Lautsprecher sind verborgen.
Auf den beiden großen Dachterrassen sind die Liegewiesen, wo auch das Tontaubenschießen
stattfindet, nach den Seiten hin, dort wo niemand läuft während dieser Zeit.
Deshalb sind an den Flügeln des Hauses diese Überdachungen angebracht,
wo man trockenen Fußes um das Haus herum spazieren kann, auch wenn es regnet.
Was wir nicht haben, ist eine Klimaanlage, die ist bei diesen Mauern noch
nie nötig geworden, nicht wahr, Helene?
Gewiß mein Gemahl, gewiß, hier ist es immer kühl.
Waren für heute nicht die Latinos angemeldet, mit ihrer Mariachi - Musik?
Die werden sich wohl verspätet haben oder sind am Flughafen aufgehalten worden.

***

In der Orangerie ging das Licht zu beiden Seiten an, die Türen schwangen auf
und die ersten Töne drangen heraus in die Frühlingsluft.
La Cucaracha, la Cucaracha..
Die ZuhörerInnen saßen schon längst auf der Terrasse vor dem Salon und
hatten typisch mexikanische Spezialitäten auf dem eingehängten Tischchen an den Stühlen,
lauschten und schnippten den Takt dazu.
ein paar tanzten und die Luft war lau.
Eine Tänzerin und ein Tänzer der Gesangsgruppe boten ihre Künste auf
und die Hausbewohner waren begeistert.
Das Konzert hat der Club finanziert, sagte eine der Bewohnerinnen zu den Gästen,
einmal im Monat leisten wir uns auch mal was, verstehen sie?
Die Belgier konnten das nicht fassen und staunten.
Der Abend kam und ein dutzend Serviererinnen brachten mexikanische Häppchen als Abendbrot.
Tief beeindruckt gingen sie zu Bett und haben noch lange davon erzählt, wie
sie bei Hofe empfangen wurden und das haben sie nicht im Scherz gesagt.

***

Anneleens Eltern fuhren wieder nach Hause, das junge Paar war schon drei Tage vorher abgereist,
weil beide arbeiten mußten.
Was hier nicht passt, ist diese automobile Tiefstapelei, so meinte die belgische Freifrau
zu ihrem Gatten, als sie auf der Autobahn waren.
Wenn du meinst - ich war in der Remise und der Chauffeur hat mir ein paar Bilder gezeigt
und den Familienbus vorgestellt.. unglaublich so etwas.
Bei denen geht es nicht einmal um den Besitz des Hauses, der Anlagen drumherum,
sondern viel eher habe ich den Eindruck, dass dort noch viel mehr dahinter steckt.
(Wie recht die Besucher hatten, ahnten sie kaum)

***

Das Geld läuft gut in die Kassen der Villa Siegelhort, das darf man sagen,
so der Bankier, wie die das machen ist mir ein Rätsel.
Nebenbei haben sie die alte kleine Burg instand gesetzt und diese Mauer bauen lassen,
die schon alleine ein Vermögen wert ist.
Ein seltsames Altenheim, das darf man ruhig sagen, meinte der Bürgermeister dazu,
die machen sich ein tolles Leben, besser als auf einem Kreuzfahrtschiff.
Und es schaukelt nicht so, scherzte seine Frau.
Nur der Prinz Steffen ist aus der Art geschlagen, nicht wahr?
Ja, der Junge arbeitet hart und verdient sich sein Geld schon,
das hat mir der Bauunternehmer versichert.
So war das Haus, pardon, die Villa Siegelhort immer ein beliebtes Gesprächsthema im Ort
und weit darüber hinaus.

***

Valter und Helene sind die Wandertour noch einmal gegangen und haben bei den
Leuten im Dorf, von denen sie vom angeblichen Bankrott des Hauses hörten,
gesprochen und die Hintergründe erzählt, wie dieses Gerücht entstanden war.

***

Der Reisebus von Julia und Claude hatte Vollbeschäftigung und die Beiden ihren Spaß,
Langeweile war denen immer schon ein Fremdwort gewesen.
Auch ohne große Worte verstanden sie sich, wie am ersten Tag.
Eines Tages war Julia so sonderbar zumute und sie brauchte eine Tüte..
einige der weiblichen Gäste wußten freilich sofort Bescheid,
die Männer vermuteten die Schaukelei des Fahrzeugs als Grund.
Eine der Reisenden meinte lakonisch:
Männer merken aber auch rein gar nichts.
Es kam der Tag, da blieb Julia lieber zuhause und ihre Mutter Helene war
in dieser Zeit oft bei ihr.
Die Zeit der Niederkunft war da und ein kleiner dicker Knabe ward zur Welt gebracht.

Bei Steffen und Nana kamen Zwillinge zur Welt, zwei Mädchen.
Der Junge war Laurens und die Mädchen taufte man Lisa und Lola.
Bei beiden Paaren ist es dabei geblieben, man wollte keine weiteren Kinder,
aus welchen Gründen auch immer.
Heute kann man sich das Leben schon eher einrichten, als in den alten Zeiten,
meinte Luisza dazu.

Überhaupt war Helene und Luisza als Großmutter und "Urgroßmutter" nunmehr gut ausgelastet.
Zumindest bei Julia, denn Nana hatte ihre Mutter ganz in der Nähe und die war
nun schließlich ebenso Großmutter geworden, die sich auf keinen Fall von den Adelsdamen
verdrängen lassen wollte, in ihrem eigenen Haus.
Das haben Luisza und Helene freilich gut verstehen können.
Die beiden jungen Familien haben nichts miteinander zu schaffen gehabt,
die Gegensätze waren viel zu arg.

Das dicke Baby, wie man Laurens gerne nennt, ist ein spaßiges Kerlchen,
der alle Leute auf Trab hält.
Claude ist den Bus noch eine Weile gefahren, bis er ihn wieder verkaufte
und sich als Reisefachmann einem Büro in der Stadt selbständig gemacht hat.
Die Geschäfte liefen mal gut, mal weniger gut, je nach Konjunktur.
Die junge Familie war zufrieden und froh in dem Palas der kleinen alten Burg.
Mit einem Kind waren die Palasbewohner vollauf zufrieden,
keine der beiden jungen Familien wollte dieses Glück erneut versuchen und weiteren Nachwuchs haben.
Heute muß man sich sehr kümmern und dann wird die Arbeit schnell zuviel, war man sich einig,
was selten vorkam.







Luisza konnte wegen ihres Rheumas wieder einmal nicht einschlafen und nahm
sich eine Tablette, na besser zwei, denn heute ist es schlimm.
Ich werde eben älter und die Sorge um die Familie lässt mich nochmal mehr ergrauen.

Sie schlief felsenfest, war aber zu gut zugedeckt und schwitzte im Schlaf.

Sie träumte, daß die neue "Europapartei der Mittenhaftigkeit" inzwischen in allen Ländern
gewählt werden konnte, womit sie schnell hohe Punktzahlen erreichte:
Die Aufkäufe Chinas haben den Wirtschaftsabschwung nicht aufhalten können,
was zusammen mit einer Autokrise, verursacht durch den CO2-Wandel und die Treibhausgase
zu immer drastischeren Verordnungen und zum Zwang des Elektroautos führte.
Das wiederum hat die Stromnetze überlastet und zu längeren Stillständen der Industrie geführt.
Entlassungen und weitere Rationalisierungen führten bald zu sozialen Spannungen bis
zu separatistischen Auseinandersetzungen in allen Städten Europas, wo sich Kurden und Türken und
Afrikaner und Palestinenser und wie die Gruppen alle waren, bis aufs Messer bekämpften.
Nur durch die Bildung starker Verbände konnte die Polizei diesse Ausschreitungen und Plünderungen
bekämpfen.
Dann kam mit der hohen Arbeitslosigkeit die Autokredit-Krise.
Dann lieferte die Waffenindustrie wieder mehr Waffen unkontrolliert in Spannungsgebiete, was
zu weiteren Vorbehalten gegen deutsche oder europäische Waren führte.
Die Soziallasten waren nicht mehr zu bedienen, es wird geteilt, wie man den Arbeitslosen sagte.
In dieser Partei manifestierte sich seit langem der Linksruck, der zuvor durch die "Groko"
eingeläutet und nach deren Sturz von der SP D und den L inken in einer neuen Koalition weiter
betrieben wurde - immer mehr Betriebe wurden verstaatlicht.
Dennoch fehlte das Geld an allen Ecken und Enden, die "Badbank" meldete sich und die Gläubiger
gewannen einen Prozess nach dem anderen gegen den Staat, welcher diese Schulden angehäuft hat.
Bald zogen die Solidar-Sammler los und gingen von Haus zu Haus um Edelmetalle aller Art
einzusammeln, welche zum Schuldenabtrag sein sollten, um der "Bürgerinnen und Bürgersolidarität"
ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
Wer nichts geben wollte oder zu wenig gab, war verdächtig und kam auf eine Liste.
Der nächste Schritt war, dass eine Verschärfung der Solidarverordnung durchgesetzt wurde.
Mit Metallsuchgeräten wurde jedes Haus, jede Villa, jeder Wohnblock etc. abgegrast und das
Metall und die Münzen und Edelmetalle etc. wurden "eingezogen", verblombt und versiegelt zur Zentralbank geschickt.
So fand man auch den Goldschatz der Villa Siegelhort und konfiszierte diesen "Solidarbeitrag".
Das Haus konnte nun nur noch auf die Geldreserven der Bank zurück greifen, die zu 50% nachversteuert
werden sollten, wie es hieß.
Den Insassen der Villa ging es nicht anders, selbst das Golddepot der jungen Palas-Bewohner war weg.
Niemand war in der Lage die Miete an Luisza zu zahlen, weil auch die Privatvermögen der Insassen beschlagnahmt wurden.
Bei den rapide steigenden Grundsteuerabgaben
fiel das Haus bald unter den Hammer und wurde versteigert-
zugunsten einer "Fortbildungseinrichtung der Europapartei der Mittenhaftigkeit, wie verlautbart wurde.
Gerade als diese linken Halunken im Salon ihre Reden schwingen wollten,
wachte Luisza schweißgebadet auf und ging schlaftrunken unter die Dusche..
Kommunisten! Alles Kommunisten!
Wenn eines Tages die Wüste kommunistisch regiert wird, dann passiert 5 Jahre nichts,
dann wird der Sand knapp!









Luisza kam erst sehr spät zum Frühstück, so daß Helene nach ihr sah.
Was ist denn passiert, ihr seht ja furchtbar aus Luisza!
Danke mein Kind, das baut mich auf!
Die Beiden gingen in den Salon und nahmen ihr Mahl ein,
während Luisza mit vollen Backen, ausgehungert und ausgezehrt erzählte -
sie sprach sonst nie mit vollem Mund, das geziemt sich nicht -
"Mein Kind, es ist ein schrecklicher Albtraum gewesen, das kann ich dir sagen."
Und sie erzählte ihr alles haarklein, was in dieser düsteren Traumwelt geschah.
Helene gruselte sich und meinte:
Wenn man die Nachrichten schaut, ist dieses Szenario auf keinen Fall abwegig!
Valter kam dazu und auch er bekam von Luisza alles nochmal erzählt, so daß
Helene evtl. verlorene Bruchstücke aufnehmen und zusammensetzen konnte.

Träume kann man VOR dem Eintreffen der Wirklichkeit ein wenig abmildern, meinte Volker,
ich denke, es ist Zeit zu handeln und die Weichen ein wenig umzustellen.

So einfach entkommt man der staatlichen Zugriffe nicht, der Kaiser oder König
ist eben nur von mehrfach dotierten politischen Menschen ersetzt worden,
deren seltsame "Berufungen" inzwischen der Bevölkerung wie von des Himmels Gnaden vorkommen muß.
Diese seltsamen Leute regierten recht selbstherrlich und doch werden sie an unsichtbaren
Fäden gezogen, wie Marionetten, so Valter.
Die Wirtschaft - wer oder was immer sich dahinter verbergen mag - ist ein undurchschaubares
und global agierendes Gespenst geworden, vernetzt und allmächtig.
Nach aussen hin hatte der neue verkappte Kommunismus unter verschiedenen Bezeichnungen das Sagen, aber nach innen schaute
die Sache aus wie ein natürlicher Achat - Stein, hohl und kristallin, der Inhalt würde nur zu sehen sein,
wenn man diesen zerschlüge.

Valter schrieb die beiden großen Klinikkonzerne an und sprach von Zurruhesetzung,
weshalb er das florierenden Haus verkaufen oder verpachten wolle.

Die Angebote kamen verdächtig schnell und obwohl die beiden Konzerne sich verabsprachten,
ging doch der Preis kräftig in die Höhe.
Eine Art Gier entstand, wie bei Onlineversteigerungen, wo knapp vor Schluß keiner "verlieren" will.

Man kam übereins und verkaufte die ganze Anlage mit Mann und Maus, wie in
seinem Traume bereits angedacht.
Helene sah sich nach einem ganz normalen kleinbürgerlichen Haus um, das am Ortsrand
lag und in flotter Arbeit vom Bauunternehmer und Steffen kernsaniert wurde.

Das Haus wurde vollkommen neu eingerichtet, Luisa nahm eine kleine Einliegerwohnung
im Keller des Hauses, das etwas im Hang stand.
Ein großer Garten kündete von der Erbauung in der frühen Nachkriegszeit,
aber 1000qm Grundstücksgröße sind für Adelsleute nichts, nur etwas mehr als ein Stockwerk
eines Flügels der Villa Siegelhort vorzuweisen hat.

Bald war der Umzug und die Gartenanlagen wurden von der Gartenbaufirma
als Weinhang mit Terrasse und Rosenanlage eingerichtet.
In dem neuen Remise zwischen Haus und Straße waren die beiden Autos untergebracht
und dahinter ging ein kurzer unterirdischer Durchgang -neu angelegt- in den Keller des Wohnhauses.
Das letzte Konto bei der Bank wurde gelöscht und das "kleine" Golddepot,
das für die Palasbewohner sein sollte, aufgelöst.
Zuvor hatten die Holländer den imemnsen Betrag in Gold umgetauscht,
den der Verkauf der Villa Siegelhort einbrachte.
"Ein Milliönchen habe ich mir an Bargeld auszahlen lassen", so Valter,
damit man nicht immer gleich das schöne eingelagerte Gold äh - kein Brikett verscherbeln muss..
Nach und nach holte Valter und Helene das Gold aus dem Versteck zwischen den Kaminen und fuhr damit
zum neuen Hause in die Garage..
..dort stapelte er diesen Schatz an der Garagenwand und setzte Kaminholz davor.
Er fing an, in die Seitenwand dieses kurzen Durchgang-Tunnels zum Haus einen Einschub
zu bauen, in welchen die Goldmünzen und Barren sorgsam eingelagert wurden.
Nichts verriet den Wert hinter der Wand, der tief in die Waagrechte des Hanges
eingebracht war, so tief, dass man mit keinem Ortungsgerät etwas erspüren konnte.
Nach allen Seiten war eine Einfassung aus Dachblei und Aluminium.
In diesem kurzen Durchgang war nichts Wertvolles zu erahnen, einfache Backsteine, mehr nicht.
(Er hat absichtlich alte Backsteine vermauern lassen, angeblich aus optischen Gründen)
Die Goldmenge war so ordentlich aus dem Verkauf der Villa, daß diese Fahrten bis ans Ende
der kulanten Wohnzeit gingen, die man in der Villa bleiben durfte.
Auf den letzten Drücker, so Luisza, haben wir den Schatz der Nibelungen gerettet..

Von dort bis zur kleinen Burgruine ist nur ein Spaziergang nach oben durch den Wald am Dorfe,
wo sie damals die Frau getroffen und vom Gerücht gehört hatten.
Diese Frau wohnte nicht weit entfernt und so traf man sich ab und an um einen Plausch
zu halten - zur anderen Seite des Waldes entlang lag die Wirtschaft von Helenes Eltern und
des Gastwirt-Paares, allemal einen Plausch wert und ein Mittagessen dazu.
Im Dorf sprach man vom verarmten Adel, bei dem es gerade mal gereicht hat,
um das gebrauchte Haus zu kaufen und umbauen zu lassen.
Die blaublütige Zunft in der Villa wäre wohl überschuldet und alles nur
eine Seifenblase, auf Pump gebaut und mehr war wohl nicht gewesen.
Selbst der hohe Kontostand auf der Bank scheinen nur verschobene Kredite von irgendwo anders her gewesen zu sein.

Der Bankdirektor war nicht mehr zu sprechen und man behandelte Luisza und die Beiden nicht gerade
sonderlich freundlich, als sie das letzte Bankkonto auflöste..
Da sieht man mal wieder, was die Person wirklich zählt, meinte Helene.
Nun, unsere Kinder haben es uns längst vorgelebt und sich vom Pomp und auch von der Familiengeschichte
verabschiedet - wer interessiert sich heute noch für Genealogie?
Niemand, waren alle Drei unisono dabei dieser Ansicht zuzustimmen.

Fortan fuhr Luisza in den kleinen Supermarkt einkaufen und besorgte das Nötige.
Wer etwas essen wollte, mußte eben zur Selbsthilfe greifen.
(Wie der Rest der Bevölkerung das schon immer tat)
Die Post brachte ab und an nochmal einen Brief, bald aber nur mehr Reklame und Gratiszeitungen,
die voller Werbeblätter steckten, nichts Wichtiges.
Valter hat nicht einmal seinen wertvollen Bademantel mitgenommen, alle Drei haben sich
total neu und bürgerlich eingekleidet, von Kopf bis Fuß.
Genau wie das Inventar, das zwar gehoben, aber nicht auffällig wertvoll gekauft wurde.
Beim Aussuchen der neuen Sachen hatte man viel Spaß und mit den neuen Gebrauchsgegenständen ebenso,
wo diese Adelsleute nicht einmal wußten, wofür oder wozu die eigentlich nütze sein sollten..
Ihh - was ist denn das für ein Ding?
Eine Toilettenbürste, so steht es auf der Verpackung.
Was soll das?
Muß man das hinterher selbst reine machen?
Was hast du denn gedacht, Valter, soll ich das für dich machen?
Schalt Helene und alle lachten herzhaft.
Die Kinder hatten recht, der Adel ist tot.
Wovon leben wir, wenn ich fragen darf, äusserte Luisza -
ach gottachgott..
Nun hör' aber auf, schau' mal, so eine Teller Erbsensuppe mit Würstchen oder ein Jägerschnitzel
kostet ja nur 7 Euro in der Wirtschaft..
So kann man das auch sehen.
Wenn die Million alle ist, wir verkaufen immer mal ein paar Goldstücke
und dann geht es weiter, gell?
Wie lange können wir das durchhalten, fragt Luisza -
Valter antwortete:
Bis die nächsten Götter auf die Erde schweben und auch für die reicht es noch ein paar hundert Jahre..

Wieviele Sorgen sind wir nun auf einen Schlage los geworden und wie leicht ist das Leben nun?
Ich denke, so Helene, wir sollten uns einmal ganz genau in diesem bürgerlichen Mikrokosmos umschauen
und diesen schlußendlich liebgewinnen - es ist unser neues Leben, unsere neue Tarnung !

***

Es gab morgens hausmacher Leber- und Blutwurst, derben Käse und selbstgemachte Marmelade,
selbstgebackenes Brot und Brötchen.
Luisza kaute und meinte trocken:
Irgendwie ist das wie Camping, alles so klein bis winzig, witzig dieses 5x4mtr Wohnzimmerchen,
ach gottachgott..
Nun hör' aber auf zu jammern, wir sind doch nur drei Personen hier im Haus und das 140qm Wohnraum.
Meinst du nicht, daß dieses genügen sollte, wo sonst 5 und mehr Personen darin wohnen?
Wir haben schließliche keine Repräsentationen mehr und keine Empfänge auszurichten..
Zu oft sollten wir Julia nicht auf den Wecker gehen, aber den kleinen "Wombart"
möchte ich doch schon öfter mal haben, sagte Helene -
Luisza schalt:
Der Laurens und die Zwillings - Mädchen Lisa und Lola fehlen uns eben,
aber man soll die jungen Eltern erst einmal zu Geruch kommen lassen, wie man so schön sagt.
Luisza ist zur Gaststätte gefahren und hat sich dort ein wenig ausgeheult,
aber letztendlich doch eingesehen, dass der Adel tatsächlich an seinem Endpunkt angekommen war
und auch die Bewohner in der Villa Siegelhort bald im Grabe liegen würden, vergessen und vorbei.
Nur in den Märchenbüchern werden wir weiter existieren, aber auch nur dort.

Valter hat ein Girokonto bei einer anderen Bank angelegt und eine gute Einlage getan,
ein paar Goldbarren dort in eine Depot legen lassen, damit die Liquidität des neuen Hauses
ersichtlich war und nicht ohne jedes Einkommen nach Armenhaus riecht:
Das reicht locker für zehn Jahre, nun können wir bequem online kaufen und überweisen,
mit der Eurokarte einkaufen und müssen nicht immer Bargeld mit uns herum schleppen, was verdächtig wirkt.
Auf der Bank erzählte er etwas von "Erbschaft" und fertig war die Lauge.
Das Finanzamt hat etwas davon abgegriffen und gut war's.

***

Keiner der Drei Hausbewohner hatte je wieder einen so schlechten Traum und so ging das Leben
in hobbyistischer Weise weiter, jeden Tag ein wenig Freude und nichts übertreiben.
Die beiden Kleinstwagen blieben, man zeigte nach aussen in keiner Weise, dass Geld im Hause sein könnte.
Die "Erbschaft" kam nie heraus, weil diese neue Bank in einer anderen Stadt war.
Die Nachbarn vermuteten die Drei in Rente und so kam nie irgendein Verdacht oder Neid auf.
Man werkelte im Garten, wie alle anderen Leute im Ort und grub ein wenig in den Beeten,
fuhr in den Baumarkt um Zement oder Blumen oder Hölzer zu kaufen, wie alle anderen Leute.
Man ging zum Friseur und in die Geschäfte des Dorfes.
In die Kerngemeinde sind die Drei erst einmal nicht mehr gefahren..
..die vielen Fragen wären allen zu viel gewesen.

Helene las laut aus der "Kräbbelzeitung" vor:
Eine neue Partei springt aus dem Brüssler Politikzirkus in die Länderebenen
und ist auf Anhieb erfolgreich:
Nicht rechts, nicht links, sondern fast radikal "mittig", wie man sich ausdrückt.
Nun geht das los, meine Luisza..
Bald kamen die Meldungen vom "Kurseinbruch des Euro oder neue Weltwirtschaftskrise?"
ins Haus geflattert.
Man weiß ja, so Luisza, wie diese Spirale funktioniert, das grenzt an Rufmord
und führt ganz schnell hinab in ein Jammertal.
Aber es kam anders und die wirtschaftliche Lage berappelte sich.
Die Kinder und Enkel kamen gut voran und hatten - bis auf keine Krankheiten -
wenig Probleme, die berichtenswert gewesen wären.

***

Julia und Claude waren die einzigen, die sich um die Alten kümmerten,
den anderen waren sie schlicht egal geworden, nicht einmal besuchen hat
man die Drei in ihrem "kleinbürgerlichen Haus" wollen, vermutlich schämten sie sich,
weil in der Kerngemeinde die Gerüchteküche brodelte und auch in Belgien
war man enttäuscht über diesen Verlauf und hielt sich distanziert.
Uns kann es recht sein, solange es allen gut geht, ist alles in Butter,
murmelte Valter ein wenig still geworden.
Wer nicht will, der hat schon !
Laurens hat sich gut entwickelt und wuchs gesund heran,
auch die Leutchen im Palas hatten zu den restlichen Verwandten und Geschwistern keinerlei Kontakte mehr.
So verläuft sich das Modell Familie und Adel, sinnierte man vor dem TV, wie alle anderen
Bewohner der Gemeinde, die mit einer Flasche Bier und dem Abendbrot auf die Nachrichten warteten.
Die Ankündigung verhies nichts Gutes:
Die Republik ist von einer Klagewelle der Investoren überzogen worden,
die von der letzten Krise als Verlierer hervorgingen oder von solchen,
die Genußscheine gekauft haben und diese erst einmal nicht eingelöst bekamen,
weil ganz einfach zu viele Menschen im Land "alimentiert" werden.
Also ohne Arbeit waren und ernährt werden mußten und wohnen.
Diese Summen liefen ins Astronomische, weil der Schuldendienst Privatbanken bemühte,
um liquide zu bleiben und Privatbanken nehmen Zinsen, je mehr das Wasser am Halse steht!
Immer mehr Menschen strömten ein, in das letzte Wohlstandsbollwerk in Europa
während die Firmen in Billiglohnländer abwanderten oder "outsourcten",
wie man diesen Mißbrauch an Macht nennt.
Nun ist es wie es ist und führte zu dringenden Appellen an die Bevölkerung,
unnötige Importwaren zu meiden und lieber heimische Produkte zu kaufen.
Wer aber weiß wirklich, wo ein Ding hergestellt worden ist, wo nur noch die
Abpackungen aus Deutschland kommen und der Inhalt "irgendwo" hergestellt war?
Ob ganz oder teilweise Import in den Artikeln steckte, kann heute niemand mehr sagen.
Die Aussenhandelsbilanz geriet in Schieflage, weil wir ein rohstoffarmes Land sind,
so der Pressesprecher der neuen Partei und so müssen wir die Notbremse ziehen
um die Konvergenzkriterien des Euro gerade noch zu schaffen.
Wir ziehen deshalb die privaten Goldreserven ein, auf die bekanntlich
in Notzeiten der Staat ein Anrecht hat.
Die Banken haben bereits reagiert und Depots freigegeben.
Wir weisen die Bürger und Bürgerinnen nochmals darauf hin, dass Gold- und Silber
und auch andere Edelmetalle abgegeben werden müssen.
Diese sollen an den internationalen Börsen verkauft und auf diese Weise
die Liquidität des Landes retten, dessen Goldreserven bereits verpfändet worden sind.

Hört euch das mal an, keuchte Luisza, diese Halsabschneider!
Was denn, entgegnete Valter, "wir" hatten das damals doch ganz genau so gemacht, oder etwa nicht?
Auch wenn dieses "wir" unsere Ahnen waren, die alle Leute ausgepresst haben.
Nun ist das schöne Gold auf der Bank weg und nur das Geld ist geblieben.
Ach, hört auf zu jammern, das war doch nicht viel - davon haben wir noch mehr als genug..
Solidarität hätten wir somit gezeigt, da waren sich alle einig.
Die Quittung über die beschlagnahmte Goldmenge kam per Post und die hängt man sich
hinter Glas ins Wohnzimmer - so können wir vorzeigen, dass bei uns nichts mehr zu holen ist,
meine Helene trocken. Na und?
Wir leben noch und der Geldwert ist einigermaßen erhalten geblieben - 10% Teuerung kann
das Land verkraften - oder?

Am nächsten Tag kam der Gerichtsvollzieher mit einem Hausdurchsuchungsbefehl an,
einen Wagen und zwei Spezialisten waren dabei.
Fangen sie schon mal an, kommandierte der Beamte, wir haben noch mehr zu tun!
Er war barsch und schaute sich im Wohnzimmer die Quittung hinter dem Glas an,
runzelte die Stirn und sagte:
Wo hatten sie denn so viel Geld her?
Das ist alles zigmal versteuert, meinte Helene.
Das habe ich nicht gefragt, herrschte der Mann sie an.
Wir gehen zuerst in die Häuser, die der vergangenen Pfändung von Depots unterlagen.
Antworten sie auf meine Frage präzise, mehr will ich nicht von ihnen.
Luisza zischte:
Vor einiger Zeit hätten sie vor uns eine tiefe Verbeugung machen müssen, sie Tölpel!
Das kostet sie eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung !
Das zahle ich gerne.
Eine Diplomatin war Luisza freilich nicht.
Helene grinste feist und applaudierte zu diesem Auftritt:
Herrlich, wie immer, Freifrau Luisza von Oswilde, köstlich !
Die zwei Angestellten forschten unter den Schränken, klopften hier und da,
schauten geschäftig und taten, als hätten sie diese Dialoge nie gehört.
Eine Zeugen konnte der Herr Gerichtsvollzieher also schon einmal nicht nennen..
Wollen sie meine Ohrringe auch noch stehlen?
Die dürfen sie behalten!
Wie gütig.
Und nun sehen sie, dass sie das Haus verlassen, meinte Valter und
die Leute zogen ab, ohne etwas gefunden zu haben.
(wie denn auch, wo nichts ist, kann man nichts finden -oder?)

***

Die Sache verlief so, dass diese neue Partei immer weiter ihre dirigistischen
Fühler ausstreckte und Gesinnungsschnüffelei betrieb.
Wer einen Namen nennen kann, der Edelmetall "hinterzogen" habe,
kann mit einer Belohnung rechnen und wer zur Befragung "eingeladen" wurde,
und niemanden hat nennen oder besser denunzieren können, hatte ein Problem,
weil das die Behörde nicht glaubte. Basta.

Überall liefen seltsame Typen herum, die schnüffelten und spionierten,
Passanten ansprachen nach dem Woher und Wohin.
Seltsame Demokraten, so meinte Valter, Zeiten sind das !
Es wurden sparsame Zeiten bis zur nächsten Wahl,
als endlich wieder die alten Chaoten ans Ruder kamen,
die für die letzten zwei Krisen zwar nicht verantwortlich, aber dennoch
als grob fahrlässig einzustufen gewesen waren..
Diese seltsame neue Partei unterlag, wenn auch knapp, weil mehr Neider auf der Welt sind,
als harmlose Zeitgenossen, so Luisza.
Viele Teilnehmer dieser Völkerwanderungen sind wieder ab oder weiter gezogen,
dorthin, wo noch was zu holen war.
Nach einem Jahr war noch mehr als genug Geld auf dem Konto der neuen Bank,
daß kein Knausern in diesem Hause nötig war.
Die beiden älteren Kleinstwagen erregten keinen Neid und kein Aufsehen in dieser Zeit.
Die Investoren begannen erneut Geld anzulegen und die Wirtschaft lief wieder stärker.
Es wurden wieder mehr Menschen eingestellt, weil die Nachfrage inzwischen stark geworden ist.
Die Parteienlandschaft war zwar noch immer "rot" unterwandert, aber schon mit schwarzen Streifen,
so Helene - es geht wieder aufwärts!
Langsam kamen die Edelmetalle wieder in den Binnenmarkt, woher die auch immer gekommen sein mochten..
Ein Wirtschaftswunder, wie nach dem Krieg, freute sich Luisza.

***

Luisza fuhr in die Gemeinde und bestellte sich erstmals wieder ein Eis,
schaute sich in dem Orte um und vernahm so manche Neuigkeit.
Da sie nur noch mit ihrem Namen, ohne Titel angesprochen wurde,
war sie eine von vielen, eine Bürgerliche.
Der Gemüsehändler schaute falsch wie ein Fuchs, der Bankdirektor ging gerade
vorrüber und tat, als kenne er sie nicht.
Der Bürgermeister war nun privat und der Nachfolger längst auf dem Posten.
Der Bauunternehmer hat den Betrieb an die Jungen überschrieben und bekam
von diesen eine monatliche Rente.
Der Karl war gerade aus der Bank gekommen und grüßte dünn und eilig,
bevor er wieder in der Passantenschar entschwand.
Sie fragte den Kellner:
Warum sind denn heute so viele Leute in der Stadt?
Wissen sie denn nicht?
Heute ist der 10. Prozess gegen Denunzianten, die wegen Rufmordes angezeigt wurden.
Die halbe Stadt scheint sich strafbar gemacht zu haben - zuerst unter der vergangenen
Regierung, weil sie niemanden -ohne Beweise zu haben- melden wollten und nun,
weil sie sich später doch haben erpressen lassen:
Schnell ist man arbeitslos geworden und das konnten und wollten sich nicht viele Leute antun,
also haben alle mitgemacht und das getan, was die Partei wollte..
"Davon haben wir im Dorf da unten nichts mitbekommen.
Bis etwas nach Dasselbach durchsickert, ist es schon lange veraltert.."
Ich kenne das Nest nicht, ich bin noch nicht so lange in Deutschland,
meine Familie stammt aus Sizilien..
Sie zahlte und dankte, ging die Fußgängerzone entlang..
bald darauf traf sie vor einem Schaufenster auf ihre ehemalige Köchin.
Luisza freute sich und grüßte, erhielt aber keine Antwort und die Frau drehte sich um
und ging weiter..
Die Erschütterung war doch schon recht heftig, die in Luisza vorging.
Der Ruf der Familie war dahin, einige Leute hatten ganze Arbeit geleistet.
Aber der Hintergrund für diese Ächtung kam erst später heraus,
als sie "ihren Arbeitslosen" wieder traf.
Die Beiden setzten sich zum 2. Frühstück ins Cafe und plauderten
aus zwei völlig Verschiedenen Sichtweisen heraus.
Wissen sie, sagte dieser, hier waren sehr viele in der neuen Partei und
wollten es ihren Vorgesetzten ganz einfach heimzahlen.
Das kann man auch irgendwie verstehen -oder?
Ja, meinte Luisza, viele - auch unser Haus - hat sich sehr hochmütig verhalten.
Die Denunzianten sind in dieser Zeit sehr stark angestiegen und niemand war sicher,
nicht evtl. das nächste Opfer zu sein, nur weil diese Parteigänger Namen haben wollten.
Die Richtigkeit der Behauptungen hat man erst sehr viel später geprüft, wenn überhaupt!
Es war wie in Strittmatters Triologie "Der Wundertäter", die ich hier im Buchantiquariat gekauft habe,
sagte der noch immer Arbeitslose.
"Der Kommunismus frißt seine eigenen Kinder und der Kapitalismus auch - nur eben später."
Luisza zahlte das Frühstück und beide gingen zufrieden dahin.

*** Ende des 1. Teils.***










Der Herr Graf, eine freilich rein fiktive Story, 2. Teil


Die Familie war zum großen Teil zerfallen, die Brücken zum Adel weitestgehend
abgerissen und so lebte man in dem "kleinbürgerlichen Hause" eben wie alle anderen Leute
des Dörfchens Dasselbach, ganz unbedeutend und nur noch als Teil der Großgemeinde existent.
Der Ortsvorsteher hielt den verwaltungstechnischen Draht zu dieser Kerngemeinde,
an ihn sollten sich die "lieben Bürger und Bürgerinnen" wenden, wenn sie etwas zu sagen hatten.
Im "Einvernehmen", wie sich die Verwaltung auszudrücken pflegte..
So weit so seltsam.
Helene war diese Verwaltungsreform, wie man die Zerschlagung der einst selbständigen Gemeinden
nannte, immer schon ein Dorn im Auge.
"Es geht in Wahrheit nur um höher dotierte Dienstposten, um sonst nichts, die Bewohner
sind denen da oben doch eigentlich vollkommen egal, ob das Einheimische oder aus Afrika
eingeschleppte oder eingewanderte Menschenmassen sind.
Und nur um die schiere Menge geht es - je größer die Einwohnerzahl und so besser die Besoldung
der Verwaltung und des Bürgermeisters und seines Stellvertreters, des Bürovorstehers und so weiter
und so fort - und nun entdecke ich bei der Mitbestimmung die gleichen Ungereimtheiten, wie damals
bei uns Fürsten und Regenten der Kleinstaaten dereinst.."
Luisza und Valter stimmten ein, wenn auch unter Vorbehalt, wie man sich ausdrückte.
Julia und Claude mit ihrem Laurens sind zu Besuch angemeldet und
erwarten unsere leckeren Pfannkuchen, so meint Luisza, also Helene tu was !
"Ich kann schließlich nicht kochen, das mußte ich als Freifrau nie lernen!"

***

An diesem Tag gab es Pfannkuchen, die an einer Seite mit Schokoladenglasur bestrichen wurden.
Die Kinder haben sich ein wenig gewundert und gedacht, es wäre wohl eine Art spezielle
Kakaubohnenröstung gewesen, die hier verarbeitet worden ist.
Es wurde dennoch alles aufgefuttert.
Laurens hat im Weinhang gegraben und Schnecken weggelesen, diese gegeneinander ein
Wettrennen laufen lassen und die Gewinner-Schnecke prämiert mit einem Salatblatt.
Schau mal Oma, den Salat habe ich hier gefunden !
Na super. Alle lachten.
Die Jungen bekamen von Valter ein paar "Grafen-Thaler" zugesteckt,
so daß gewisse Notgroschen in deren Haus sein sollten.
Claude konnte es nicht fassen - du meine Güte, habt ihr diese selbst geprägt Graf Valter?
Ja, aber den Grafen möchten wir doch bitte weglassen, denn ich bin inzwischen ein normaler Bürger,
wie alle und das soll man schon am Haus sehen, warum wären wir wohl sonst hier eingezogen ?
Du kannst mir glauben, dass wir die Villa Siegelhort in Hunderten von Jahren nicht hätten
veräussern müssen, es bestand in keiner Weise ein Zwang dazu.
Das hat Luisza bestätigt, als sie heimlich von Claude deshalb angegangen worden war,
als es sonst niemand hören konnte.
Oh ja, Valter könnte den ganzen Ort kaufen und bar bezahlen - nebst der Villa und der Brauerei.
Claude lies den Mund wohl zu weit offen stehen, so daß auch Julia das mitbekam.
Was ist mit dir?
Äh, äh, äh - seit wann stotterst du?
Er erzählte, was die "ehemalige Freifrau" gerade sagte bevor sie wieder in ihr Rosenbeet stieg -
ja, das war mir bekannt, ich kenne Vater nur zu gut.
"Vater" hatte sie eigentlich nie gesagt, schon früher nicht, sie mußte Graf Valter immer mit "Ihr"
und "Euch" ansprechen, wie in uralter Zeit, eben wie beim Adel üblich.
Ja, er hat sehr sehr viel Geld gehortet und man munkelt, es sei in Luxembourg in einem Nummerndepot.
Die Beiden fahren ja auch ab und an dorthin.

Was Julia und Claude nicht ahnten war, daß die Eltern nur durch die Kasematten gingen und
an einer Schloßbesichtigung teilnahmen, die Sehenswürdigkeiten der Stadt ansahen und
ein wenig bummeln gingen - den Gerüchten war Genüge getan !

Nach dem Besuch ist die kleine Familie wieder nach oben durch den Wald gezogen und in ihren kleinen "Palas",
der ihr Daheim geworden war.
..daheim hat Claude seine Aktentasche für den nächsten Morgen gepackt, das Portemonaie dort einlegen wollen,
als ihm dieses ziemlich aufgedunsen vorkam.
Es war voller Geldscheine und ein Zettel war dabei:
Die Höhle der Zwerge hat euch ein wenig Wind unter die Fittiche gegeben,
ist das nicht märchenhaft?
Unterschrift:
Mutter, Hexenclub - Anhängerin nebst Lisza, der amtierenden Hexe.

***

Die Jungen haben sich gewundert, wie man die Krise so gut in diesem "Unterhaus" überstanden
hat und was immer noch so viele Rätsel aufgab.
Das eigentlich interne Wort "Unterhaus" ist später zum Synonym der Jungen und die Alten geworden:
Oberhaus und Unterhaus und Gasthaus.
Zuweilen trafen sie alle im Gasthaus, wo Helene ihre Eltern wußte,
für welche diese totale Entsagung aus Sicht der "besseren Leute" oder des Adels
eine wahrlich lebensverlängernde Maßnahme gewesen ist.
Die Eintracht der beiden alten Paare und die lässige Arbeit des Bedienens der Gäste
lies weder Streit noch Mißgunst aufkommen - im Gegenteil.
Diese dort, am Parkplatz am Wald, hatten in keiner Weise Zeit für Nachrichten und ähnliche Dinge.
Diese sagenhafte, selbstsichere und selbstzufriedene Ruhe steckte an, ohne Zweifel.
So mancher Wanderer und Friedwaldbesucher empfand die Einkehr als stilles Gebet.
Die einfache Holzausstattung, die einfachen Stühle und Tische, die Theke, die eigentlich keine war,
sondern eine Durchreiche zur Küche, zweckmäßig und gemütlich zugleich.
Sparsam eingesetzte Hand - Malerei, mit Blumenmotiven aus uralten Märchenbüchern war wenig
für die Kinder angedacht, als vielmehr für die älteren Besucher, die gerne in alten Zeiten schwelgten.
Dort spielte vom Recorder ab und an dies oder das wunderschön gesprochene Märchen vom Band,
wo die Gäste abwinkten, als sie in die Gaststube eintraten:
Nein, lassen die Kassette um Himmelswillen laufen, das ist
einfach wunderschön, das haben wir schon ewig nicht mehr gehört !
Der Kassettenrekorder und die Music-Cassetten waren vom Flohmarkt.
Ab und an hing das Ding und wurde mittels Bleistift wieder aufgewickelt oder geklebt-
wie man das damals bei den Kindern hat üben "dürfen" - das verlernt man nicht,
wie das Radfahren oder Schwimmen.
Heute gab es Frikadellen nach Hausfrauen Art und einfachen Kartoffelsalat mit selbstgemachter Maionaise.
Das kennt heute kaum noch einer und ruck zuck war selbst die Riesenmenge verputzt,
die in weiser Voraussicht in der Küche erwerkelt worden war.
Garniert mit frischer krauser Petersilie, einer geviertelten Tomate und Ei,
serviert mit einem kühlen spritzigen hessischen Apfelwein.
Weder Luisza noch die Drei aus dem Unterhaus waren knausrig -
man wollte zwar kein Geld von Familienangehörigen annehmen,
aber die Kaffeekasse hat den Obolus doch gerne geschluckt.
Draussen war die Terrasse auf beiden Seiten, wo nur noch sparsam mit wenigen Sitzgruppen
mobiliert wurde, damit man sich nicht eingeengt oder wie sonstwo - "speditiv"
abgefertigt fühlen sollte.
Die Gastwirtsfrau machte zuweilen feine Kuchen, einfache, aber sehr schmackhafte.
Um die Haltbarkeit brauchte sich keiner Gedanken machen - eine Tortenhaube war
darüber und eine Tortenschaufel und ein paar Desertteller und Gäbelchen und schon
war es passiert und alles war ratzeputz aufgefuttert.
Bald ist so mancher Vertreter dort angelandet und hat diesen Ort als Geheimtipp
an seine Kollegen weiter gegeben.
Trotzdem ist es hier, unter dem Schatten der mächtigen alten Bäume immer still gewesen.

So manchesmal habe ich den Eindruck, als wären wir nicht die einzigen, die
sich die Märchenkassetten anhörten, meinte einmal die Gastwirtsfrau.
Ihr wart alle weg und ich fühlte mich nicht alleine, als das Hörspiel vom Hans im Glück lief.
Es war gerade kein Gast anwesend und doch war da was im Raum.
Ein etwas gruseliges und doch anheimelndes Erlebnis, das man später gerne zum Besten gab.
Nach und nach sahen die anderen drei Bewohner mal hier einen Schatten, mal dort eine Bewegung
nur aus den Augenwinkeln, nie konkret.

***

Man sollte denken, daß die Geschichte unserer Adelsleute nun vorbei wäre
und nach und nach alle wegsterben würden, aber so weit sind wir noch lange nicht:
Die Ereignisse überschlugen sich vielmehr, der Großbrauer geriet in Schieflage.
Durch die großangelegte "systemische" Propaganda der Parteien wurde jeder sofort
zum Alkoholiker abgestempelt, der dem Bier fröhnte, man vorverurteilte sofort
und bannte dieses uralte Getränk als "Alkoholkonsum".
Bald war auch der Name "Gräfliches Lagerbier" und "Hexenbock" zum Verkauf ausgeschrieben.
Karl und das Verwalterehepaar, das gerade zum dritten Mal Nachwuchs bekam,
hatten ganz einfach Existenzangst, zumal die Beschäftigungsgarantie kippelte.
Der Großbrauer wand sich händeringend an Graf Valter, mühsam hat er in Erfahrung
bringen können, wo dieser nun wohnhaft sei.
Er stand bald höchstpersönlich im Hof des Unterhauses und bat um Einlaß.
Im bescheidenen bürgerlichen Wohnzimmer erzählte jener von dem Ungemach,
das vielen Leuten die Existenz kosten wird.
"Ich bin gezwungen auf alkoholfreies Bier und auf Limonaden und Wasser zu gehen,
Smooties und Gemüsesäfte etc,
also mein bestehendes Sortiment umzuschichten"
Leider darf mir die Bank zum weiteren Erhalt und für Reklame zum Alkoholkonsum,
wie man sich äusserte, kein Geld mehr geben."
Sie würden mir sehr helfen, fuhr er fort, wenn sie ihre beiden Namen wieder an sich nehmen könnten
und vor allen Dingen die still stehende Hexenbockbraurei mit ihren 100 Mitarbeitern
wieder abkaufen könnten, denn diese Parteischranzen machen mir das Leben zur Hölle.

Woher wissen sie, daß ich noch so liquide bin, mir das leisten zu können?
Sie erinnern sich noch an die Holländer?
Aha.
Sind sie an der Sache interessiert?
Wenn ja, dann kann ich den Konkurs abwenden und mich den neuen Geschäftsfeldern zuwenden,
bis eines Tages doch wieder ein wenig politische Vernunft einkehrt.
Sagen wir's mal so:
Denken sie an einen Betrag und ich äussere mich dazu.
Der Großbrauer sagte die Summe an und Valter meinte:
Wenn es nicht mehr ist, dann sollten wir das so machen.
Ich rufe die Holländer an und den Notar und den Anwalt,
dann regeln wir das bei einer guten Flasche Bier, gell?
Der Mann war sehr froh und erleichtert, als er nach Hause fuhr.

Der alte Adel hat doch immer noch genug Reserven, obwohl er sein Golddepot verloren hat,
wie ich im Wohnzimmer lesen konnte.
Wer hängt sich denn solch einen derben Verlust wie eine Trophäe an die Wand hinter Glas,
das hat die Welt noch nicht gesehen..?
Und zudem kommt "der Graf" auch in Jeans und Polohemd noch immer sehr aristokratisch zum Ausdruck.

Der Tag kam und Valter hatte die beiden Autochen in den Hof gefahren und in der weiträumigen Garage
einen Tisch und ein paar Stühle aufgestellt, ein paar Flaschen Bier und einen Holzkohlegrill,
Baquettes frisch gebacken und Grillfleisch parat.
Willkommen meine Herren, treten sie ein, haben sie bitte Verständnis, dass wir
erst das Geschäftliche abwickeln.
Er knipste die Neonlampen an, machte das Garagentor von innen zu.
Wir brauchen keine Neugierigen gell?
Stellen sie sich vor, der Postbote sieht uns mit dem Golde hier werkeln..
Der Graf war wie in alten Tagen, damals im Salon der Villa Siegelhort dabei,
diese Garage in einen Verhandlungsort zu verwandeln.
Die Holländer hatten das Geld in bar dabei, denn Graf Valter war denen die erste Adresse
und genoß uneingeschränktes Vertrauen.
Sie können den Koffer dem Geschäftspartner geben, er möge hier den Erhalt quittieren,
sagten der Notar und der Anwalt zeichnete gegen.
Graf Valter zog unter der Bierkiste die Goldbarren der Scheideanstalt hervor
und die Holländer prüften die Echtheit.
Nun gehört der Gräfliche Lagerbier und der Hexenbock wieder dem Grafen Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg.
was sich geschwind überall herum sprach.
Man grillte ein wenig, genoß das so geächtete, aber wunderbare Bier, unterhielt sich
ziemlich gut, als einer der Herren fragte:
Wir haben gehört, daß sie öfter nach Luxemburg fahren, - stimmt das?
Ja, das ist ein wunderbares Ländchen, nicht wahr und so goldig anzuschauen..
..alle lachten herzhaft - man blieb sogar über Nacht, was bei diesen Leuten noch nie vorgekommen
sein muß, besonders dann nicht, wenn Werte zu transportieren waren.
Am nächsten Morgen wurde erst einmal gemeinsam in der Gaststätte gefrühstückt,
bevor man sich verabschiedete und auf weitere gute Geschäfte hoffte.

In der Hexenbock Brauerei flogen die Sektkorken, gestiftet von dem Verwalter - Paar.
Nach dieser Transaktion ist Valter erst einmal nicht mehr als Graf oder Adliger aufgetreten,
zumindest nicht in dem Unterhaus, bestenfalls bei Betriebsbesichtigungen der Hexenbrauerei,
wenn diese - schon von aussen interessante Anlage - besichtigt wurde.
Der Großbrauerei-Besitzer hat daheim noch lange von diesem seltsamen Deal in der Garage erzählt
und sich über die bescheidenen Verhältnisse in diesem "Unterhaus" mit seiner Frau unterhalten.
Wieso in der Garage und nicht im Büro oder wenigstens im Wohnzimmer ist mir schleierhaft.
Den Holländern war das wohl egal, sie kannten die Freude am Tarnen und Täuschen dieses Grafen.
Nun hat Valter höchstpersönlich im Ort bei der Bank ein Geschäftskonto eröffnet, im Namen
der Brauerei, unter der alten Firmierung.
Er zahlte in bar eine Million ein, als Startkapital.
Der Bankdirektor verbeugte sich wieder und hielt die Tür auf.
So ein Schwein, dachte Valter, aber warte nur, dich kriege ich noch ganz klein..

Die relativ kleine Brauerei lief bald wieder auf eigenen Füßen und
begann zu florieren, trotz diesen seltsamen Regierungsvorgaben.
(Oder besser ideologischen Diktate)
Nach und nach begannen sich einige Leute gegen diese linke oder g rüne Bevormundung aufzulehnen
und taten eher das Gegenteil dessen, was von oben herab vorgeschrieben war.
Auf den Events besann man sich wieder auf dieses herrliche Getränk,
dessen Nachfrage immer und immer deutlicher wurde.
Karl lachte wie ein Honigkuchenpferd und keiner der Brauereibeschäftigten
ist je wieder zu den Wahlen gegangen.
Valter kam dabei an der Villa Siegelhort vorbei, die inzwischen "Sanatorium Siegel"
genannt wurde und recht gut lief, auch ohne adligen Hintergrund.

Valter war nicht oft dort in der Verwaltung der Brauerei, die regelmäßig schöne Gewinne abwarf,
welche auf des Grafen Konto einer anderen Bank in der anderen Stadt aufliefen.
Der Banker des Ortes bekam davon nichts mit und konnte auch dem Finanzamt keine Tipps mehr geben.
Überhaupt ist die fianzielle Lage der Leute im Unterhaus in dem Ort nicht bekannt gewesen.
Die Verwalter haben im Gespräch beim Bürgermeister nur gesagt -
darauf hatte man sich im Unterhaus rückversichert -
"Die zahlen so was aus der Portokasse"
Bei dieser Goldtausch-Aktion hat sich Valter auch gleich das Konto auf der neuen Bank ein
wenig aufgefüttert, sozusagen als kleine Belohnung, für den Trennungsschmerz.
(Valter trennt sich ungern von seinen "Münzen" und Barren, diesmal hat er nur letztere
gebraucht, um sich die Arbeit der Schmelze zu sparen.)

Die Nachbarn und Bekannten haben von dieser Aktion nichts mitbekommen.
Wer der Eigentümer dieser Brauerei nun war, interessierte die wenigsten Genieser.
Ab und an las mal jemand auf dem Etikett-Rand:
Privatbrauerei des Grafen Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg.

***

An einem schönen Sommermorgen stand die Terrassentür auf,
Vögel sangen, Bienen flogen herum und .. Luisza saß in ihrem Korbstuhl auf der Terrasse
über einem Buch eingenickt.
Als Helene sie rief, kam keine Antwort..
Der Arzt hat den natürlichen Alterstod festgestellt und murmelte nur,
weiter zum nächsten Termin eilend - "Herzstillstand, Exotus, ein schöner Tod, bemerkenswert!"
Die Beerdigung haben nur die allernächsten Verwandten mitbekommen, als sie
- ohne Pfarrer - im Familienfriedhof beigesetzt worden ist, neben ihrem Manne.
"Freifrau Luisza von Oswilde" war nicht mehr.
Man traf sich im Gasthaus bei Kaffee und Kuchen und bald war alles vorbei.

So ruhig möchten wir auch mal gehen und in einem solch begnadeten Alter,
da war man sich einig.
Wer weiß, ob wir einmal 88 Jahre alt werden!
Ein Erbe war nicht mehr zu verteilen, nur noch die Sterbeversicherung
war als nennenswerter Geldbetrag oder Vermögensteil vorhanden.
Das Finanzamt hat also nichts holen können und kein Verwandter.
"Geschickt gemacht, meinte Julia, geschickt gemacht, alle Achtung!"
Die Burgruine und der Ausbau, das Gelände waren nach und nach so überschrieben
worden an die Enkel und Gemahl und Urenkel, daß keine Steuern entrichtet werden mußten, Luisza
muß daran schon seit Julias Geburt gearbeitet haben, meinte Helene.
Valter war stolz auf seine "Tante", ganz ohne Frage.
Nun lag sie in Sichtweite zum Hopfengarten, den man nach ihrem Mann Fredericks von Oswilde benannt hatte.

Im Unterhaus war noch eine ganze Weile eine bedrückende Ruhe, die Einliegerwohnung
blieb leer, die neuen Möbel hat man gelassen und als Gästeunterkunft angedacht.
Diese Räume hatten keinen Zugang zum Haus, den hat Valter eigenhändig zugemauert und verputzt.
(Sollte jemand einbrechen, könnte dieser nicht überall im Hause herum strolchen, war sein Gedanke,
dabei hat er auch eine massive Tür von der Garage zu dem kleinen Haustunnel eingesetzt,
mit Alarmanlage versteht sich:
Ein stiller Alarm, wo der Gang zwischen seinen beiden Türen blitzschnell mit Tränengas geflutet
wurde, ganz automatisch und unsichtbar installiert.

Helene bekam Luisza's "Landaulet", das smart Cabriolet, das sie mit Andacht nutzte und eigenhändig pflegte.
Nach und nach sind alle -noch einigermaßen beweglichen- Insassen des Sanatoriums,
welche die Freifrau kannten, dort auf dem kleinen Familienfriedhof gewesen, um Abschied zu nehmen.
Wieder ist eine von uns gegangen, bald sind wir dran - die letzten unseres Standes.
Einige besichtigten die Hexenburg und kamen nie wieder dort hin.
Der Bürgermeister kam vorbei und wollte salbungsvolle Worte sagen, wurde aber abgewiesen,
von Julia und bei Helene.
Valter war auch nicht mehr bei seinem Freund, dem Bauunternehmer, sondern hat die Konkurrenz
beauftragt, die Brauerei optisch und aus Reklamegründen wie eine Adelsburg ausbauen und aufmöbeln zu lassen.
Nobel geht die Welt zugrunde, sagte man im Ort, die haben richtig Kohle diese Herrschaften,
dabei wohnen nur die jungen einigermaßen standesgemäß und die haben mit der Brauerei nichts zu tun.

***

Das Rätselraten in der Gemeinde ging weiter.
Die Lastwagen kamen und brachten leere Fässer, nahmen volle wieder mit.
Nur das Lagerbier wurde weiterhin in Alu-Fässern abgefüllt, aus Gründen
des eindeutigen und typischen Geschmacks, der einen Wiedererkennbarkeitsfaktor behalten sollte.
Eine der beiden Roll-Lager-Tunnels war für das Bock und die andere Anlage für das Lagerbier.
So bleibt eine gewisse Knappheit und das ist gut so, dachte Valter,
der Karl und die Verwalter auf seiner Seite wusste:
Ein neuer Kollaps wäre das Aus für die Brauerei.
Die Gelder kamen recht flott wieder herein, der Ausstoß oder besser Warenumschlag lief prima.
Den Innenhof hat Valter in "Katzenkopf-Pflaster" verlegen lassen, selbst die Türgriffe waren
so, wie man sie früher hatte, Schmiedeeisen.
So wurde auch das Inventar "erneuert" oder besser gesagt "antikisiert" oder "authentisch"
gehalten, wie in einem Burghof.
Silos wurden wie Söller verkleidet und mit Zinnen versehen.
Man hatte das Gefühl, in einen Burghof zu fahren, mit einem sehr breiten Tor,
auf welchem die beiden alten Wappen prankten, provozierend und unverwechselbar.
Auf den Söllern wehten die Fahnen des Grafen Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg.
Das Verwaltungsgebäude sah nach dem Umbau aus, wie der mächtige Palas einer Burg,
mit Spitzbogenfenstern versehen.
Die Presse meldet sich an und so kam die kostenlose Werbung zustande,
die im Lande weit und breit die Bierfreunde auf den Plan rief.
Viele sind nicht mehr wählen gegangen und haben sich lieber dem Gräflichen Lagerbier
und dem Hexenbock gewidmet, das nur an diesem Tag - als Konkurrenz zur Wahl-Lokation -
stattfand - regelmäßig und als Freibier mit der bekannten Grillwurst, -
- der Budenbesitzer am Schwimmbad hat extra dafür einen Grillstand aufgebaut
und mit zwei Leuten besetzt.
Ein kleines Volksfest, mit Luftballons und Hüpfburg, Fähnchen und Wimpeln,
süßen Waffeln und Blaskapelle.
Na warte, sagte Valter, zeigen wir es den Schrumpfköpfen der angeblichen Antialkoholikerfraktion
mal, die - wenn keiner hinschaut - in die "Shisha-Bar" gehen und sich zukiffen.
Oh ihr Pharisäer und Philister !

Valter lebte richtig auf und tat, was eines Grafen würdig war.
Bald zog er sich wieder "ins Privatleben" zurück und war einfach wieder nur der Valter,
mehr nicht, aber auch nicht weniger, wie Helene dazu sagen würde.
Am Unterhaus und in dem ganzen Gebäude hat man kein einziges Wappen erblicken können..
Inzwischen wuchs der Ruf der Brauerei weiter an und wurde überall gelobt.
Die Produktion wurde nicht erweitert und so blieb die Exklusivität gewahrt.

So mancher hatte das Gefühl, daß Luisza aus ihrem Gemach die Szenerie wie auf ihrem Bildschirm
von oben betrachtete und sich daran freuen würde:
Da sieht man wieder einmal die Überlegenheit unseres alten Adels !

***

"Wie die neuesten Initiativen in Berlin für ein Volksbegehren zeigen,
sollen Wohnungsbaugesellschaften enteignet werden, weil die Mieten zu sehr gestiegen seien.."
las Valter aus dem Tageblatt vor, gut daß wir nicht in Wohnungen investiert haben!
"Enteignet", das klingt doch arg nach Ostblock - oder?
Man kann es nicht fassen, aber links hat über rechts und auch über jede Vernunft gesiegt,
tarnt sich an die neue Mitte, dabei sind diese Typen ganz anders, als die meisten Leute,
welche als "Normalos" beschimpft werden und als Reaktionäre, als "Humankapital" etc.
Das hatten wir mit dieser Rufmordkampagne und dem Denuntiantentum gerade erst erlebt.
Diese seltsame Partei ging wieder in die Versenkung, lauerte aber fortan immer wieder
auf Wählerstimmen von Unzufriedenen oder Protestwählern.
Die alte Koalition derjenigen, die diesem Treiben durch ihre "Fähigkeiten" den Boden bereitet hatten,
war wieder am Ruder, was keinen gefreut hat.
"das kleinere Übel" oder "es hat eben nix besseres" waren die Schlagworte bei den
"Wählerinnen und Wählern" in dieser Zeit.
Man hat den Eindruck, dass die Psychiatrie Ausgang hat, sehe ich mir die Gestalten
auf den Wahlplakaten an, meinte Helene dazu.
Schau dir den hier an, der ist nur nach oben gekommen, weil er vom anderen Ufer ist!
Nun pass' aber auf, sonst denunziert dich noch einer, das darf man nicht mehr sagen,
das wird hart bestraft, weil sich eine Menge davon nach oben gezogen hat..
Die Wahlbeteiligung war "auf historischem Tiefststand", wie die Presse meldete.









Die Tage verliefen friedlich und alles gelang wie am Schnürchen,
die Brauerei brachte gutes Geld auf die Bank, das Finanzamt und die Gemeinde waren zufrieden,
endlich nun doch noch den einst so guten Steuerzahler erhalten zu haben, wie man sich ausdrückte.
Dabei hat von diesen Burschen niemand auch nur einen Finger krumm gemacht, meinte man im Gasthaus dazu.
Trotzdem geriet die Gemeinde "unter den Schutzschirm des Landes", wie in der Zeitung zu lesen war.
Valter engagierte eine Detektei, die sich dort einmal genauer umsah.
Diese Detektei hat wohl auch diesen "Arbeitslosen" in ihren Reihen gehabt,
welcher dort zum Mitarbeiter wurde.
Die Detektei bediente sich immer solcher arbeitslosen Einheimischen, die unzufrieden waren.
Auf diese Weise war viel mehr Insiderwissen parat, auf welches man bauen konnte
und was die Recherchen deutlich verkürzt hat.
Der Anwalt der Familie und auch der Notar haben ihre Fühler ausgestreckt und mit der Detektei
kooperiert um gebündelt noch bessere und schnellere Ergebnisse zustande zu bringen.
Dabei kam heraus, daß man ein viel zu große Menge an Flüchtlingen in leerstehende Häuser einquartierte,
die jene Gemeinde billig aufgekauft oder angemietet hat,
mit geliehenen Geldern zu überhöhten Zinsen, an denen die Bank gut verdiente.
Der Bürgermeister und der Bankdirektor und der Leiter des Sozialamtes trafen sich seit vielen Jahren schon
beim Stammtisch des italienischen Eissalons der Großgemeinde, dessen Inhaber einige Immobilien
sein Eigen nannte und eben für solche Fälle gerne zur Verfügung hielt.
Die Siegelring-Träger klüngeln eben gerne..
Zu vollkommen überhöhten Mieten, versteht sich, die nicht für eine Wohnung oder Zimmer,
sondern pro Bewohner berechnet wurden, hat man den Staat kräftig abgezockt.
Selbstverständlich wurde gepfuscht und geknausert und getrickst, wenn es darum ging,
die vorgeschriebenen Mindeststandards für diese "Unterkünfte" zu gestalten.
Die Bauten waren eigentlich fast abbruchreif, wurden aber von den neuen Bewohnern als "Villa" angesehen,
weil in deren Heimatländern schlimme Zustände herrschen.
Und eben diese Zustände brachten sie mit, sozusagen in der Mentalität begründet,
die sie als ihre Lebensweise nicht ändern sollen, wie man denen zu sagen pflegt.
Nun kamen Fördergelder in die Kassen, die in den Büchern nur zum kleinen Teil auftauchten.
Diese neuen Hausbewohner wurden knapp gehalten und die eingesparten Gelder an anderer Stelle verwendet.
Die ganze Verwaltung hat sich gehörig aufgebläht, weil nun 1/3 mehr an Bewohnern der Gemeinde gezählt wurden,
mit sprunghaft wachsender Tendenz;
Steffen und Nana haben eine leerstehende Halle geschwind in eine Notunterkunft verwandelt
und schönes Geld abräumen können.
Je mehr Einwohner, um so satter wird die Besoldungsstruktur und Personaldecke,
welche akribisch vom Land vorgeschrieben ist.
Das gemeindeeigene Ordnungsamt nahm seltsame Geldmengen ein, wenn man in den Firmen -
wozu auch dieser Eissalon gehörte - beide Augen zugepetzt hat, was die Geschäftsverflechtungen
und auch die Hygiene betraf;
ein Kebab-Betreiber hatte ein Taxiunternehmen, ein Baugeschäft,
ein Reisebüro und wer weiß was sonst noch an Firmen waren, auf den Namen seiner Familienmitglieder laufen.
Schwere Wagen fuhr sie alle, nett per Leasingvertrag über die Steuer als Geschäftsausgaben verbucht.
Ein richtiger Tango Korruptikus, der da gespielt wird, meinte Helene dazu.
Mit Hilfe eines guten Anwaltsbüros in der Metropole wurden hunderte von Anzeigen gestellt
und die Kommune mit einem Berg an Klagen überschüttet.
Mit lieben Grüßen vom Grafen..
Die gesamte Presse des Landes hat sich auf diesen Skandal gestürzt und berichtet.
Graf Valter hat nur gegen gutes Honorar Interviews gegeben und dieses Geld zur Kostendeckung
dieser Aktion verwendet.
Dann "rollten Köpfe", wie man so schön sagt und es wurde abgeschoben statt angeworben.
Die Gemeindeverwaltung schrumpfte gewaltig ein, die Bücher wurden von Grund auf überprüft
und so kamen einige Gefängnisstrafen -leider nur auf Bewährung- dabei heraus.
"Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!"
Valter schmunzelte.
Ob von der asiatischen, türkische oder italienischen Mafia der Schuß auf sein Unterhaus
"abgegeben" wurde, hat man nie klären können, weil die Menschen mit "Wurzeln" längst auch schon
in den Behörden und in der Polizei zu finden waren.
Helene meinte nur, daß ihr Mann schließlich auch "mit Wurzeln" sei und dieser
darauf antwortete:
Radieschen auch.
Wie?
Tomaten haben auch Wurzeln..
Was?
Na gut, ich mache dir eine Zeichnung - und beide lachten..

***

Danach ist man wieder sehr sehr freundlich und zuvorkommend gewesen
zu allen Familienmitgliedern, die Leute der Gemeindeverwaltung !

Laurens bekam von Claude und Julia ein besonderes Geschenk:
Das Tierheim hatte zwei Welpen inseriert, die dringend ein neues Zuhause suchten..
Der Junge sollte sich einen aussuchen, aber der andere Welpe pfiepste und weinte,
als diese Geschwister auseinander gerissen wurden.
Also hat Julia kurzerhand den 2. auch noch genommen und diesen im Unterhaus abgesetzt..
..wie Mose, in einem Körbchen und dann klingelte sie.
Sowas dürfen nur Töchter, meinte Valter, unglaublich.
Was machen wir mit diesem Vieh?
Schau doch mal, wie niedlich der ist, freute sich Helene..
Wie das eben so ist in den "kleinbürgerichen" Familien, so wurde der Welpe aufgenommen
und kam in die Flegeljahre, zerbiss den Teppich und rannte Vasen um, stand überall im Wege
und knurrte den Staubsauger an.
Er zerstörte das Körbchen und pinkelte ins Blumenbeet -
grub und scharrte zwischen den Weinstöcken -
wollte den Postboten beißen -
es war ein schönes Stück Arbeit mit der Erziehung, aber man hat es geschafft.
Es ist wie bei kleinen Kindern, meinte Helene, bis man die aus dem Gröbsten heraus hat..
Exakt das Gleiche spielte sich im Palas ab, bei Claude und Julia - und Laurens freute sich.
Dann trafen sich beide Familien unterwegs im Wald, als sie sich gerade haben besuchen wollen.
Die Hunde spielten zusammen wettlaufen und "ich-beiße-dir-in-den-Hintern-und-du-mir",
gegenseitiges Anrempeln und Drohgebärden einüben etc.
wie das Rüden zu tun pflegen, wenn sie sich leiden können.
Nicht lange hin und die Beiden haben sich gegenseitig besucht,
auf dem Waldweg, der eher ein Trampelpfad zwischen den beiden Gebäuden war,
geht bekanntlich kaum jemand und früh am Morgen schon mal sowieso nicht.
(Mittags war das den beiden schweren Hunden zu warm und zu mühsam)
Einen Jäger brauchte man im Friedwald nicht befürchten und so trafen sie die beiden Hundegeschwister
nach eigenem Gutdünken immer mal wieder, wenn sie nicht gerade Haus und Grundstück zu bewachen hatten.
Den Wachdienst versahen die ziemlich stabil und groß geratenen Rüden sehr gut.
Jeder hatte seine isolierte und im Winter beheizte Hundehütte an der Terrasse stehen
und keiner der Beiden wurde jemals angeleint.

***

Die anderen Verwandten sind längere Zeit auf Tauchstation gewesen,
Theo und Steffen haben sich nicht mehr gemeldet, bis an einem schönen Sonntag,
wo die Brüder sich gegenseitig besuchten.
Sie fuhren mit den Autos am Unterhaus vorbei, ganz langsam, um einen Blick darauf zu erhaschen.
Valter freute sich, dass er zwei gebrauchte Garagentore in diese Remise hat einbauen lassen:
Hauptsache, es schaut nicht am Haus nach Geld aus!
Dann sind sie zum Gasthaus gefahren, um dort ein wenig zu spionieren - ohne etwas zu verzehren.
Das hat man gerne, so Helenes Eltern nach diesem seltsamen, fremdelnden Treffen,
was eigentlich keines war, einen Kaffee und etwas Kuchen hätten sie schon bestellen können..
Man schaute nur mal kurz in die Gaststube, sagte nur ein verstohlenes "Hallo" und schon waren
alle wieder weg, ein Umgang wie unter total fremden Menschen.
Am Grabe Luisza' sind sie fast mit dem Auto zwischen den Gräbern hindurch,
ohne auszusteigen und dann sind sie wieder davon - gedreht haben sie im Hofe der alten Burgruine.
"Was war das denn?"
Claude antwortete seiner Frau:
Das waren die buckeligen Verwandten, vielleicht sollten wir uns doch ein Burgtor anlachen?!
Ach was und unsere schöne Freiheit kaputt machen lassen von diesen Chaoten - nee,
das muß nun wirklich nicht sein.
Ich denke, so Valter später, als das Gespräch auf dieses seltsame Vorkommnis lief,
man wollte nur mal abtaxen, wie es uns finanziell geht.
Hat die Brauerei etwas in dieser Sache vermeldet?
Nein, Karl wusste nichts und die Verwalter schauten etwas betreten aus der Wäsche.
Ich denke, ich werde mir die mal vorknöpfen und auf den Zahn fühlen.

Als er beim nächsten Routinebesuch in der Hexenbrauerei war, quetschte er die Beiden
Verwalter aus.
Ihre Kinder haben versucht in die Bücher zu schauen, was wir aber verwehren mußten.
Valter hat genug gehört und ein Hausverbot ausgesprochen für die gesamte Verwandtschaft
und dieses Edikt an das Tor und an den Eingang zur Verwaltung heften lassen.
Das sprach sich schnell herum und gab "böses Blut", wie man so schön sagt.
Die Ächtung ging weiter und wieder wurden Gerüchte gestreut, deren Ursprung im Dunkeln blieben.
Man sagt, sie seien aus Belgien gekommen, andere behaupten, sie kämen aus dem Bauunternehmen.

***

Das Bier lief - buchstäblich - ausgezeichnet und brachte weiter gute Gewinne,
was den Neid so manches Unternehmers in der Großgemeinde einbrachte.
Die Brauerei war auch noch nie Mitglied im Unternehmerverband und ähnlichen kommunaleren
Gewerbeförderverbänden gewesen, was Mißtrauen bei diesen Leuten hervorrief.
Neid und Mißtrauen sind eine gefährliche Mischung, sagte Luisza immer,
hier mußt du sehr auf der Hut sein!
Und so war das denn auch, es kamen unangemeldete Hygienekontrollen und die Steuerprüfung
war überdurchschnittlich oft anwesend in der Brauerei, genau wie die "untere Gewässerbehörde" etc.
Die Gewerkschaftsleute haben sich einfach an diese Untersuchungen angehängt und deren Vollmacht
für eine Personalbefragung innerhalb des Betriebsgeländes mißbraucht.
Das wurde fotografiert und mit Zeugen dokumentiert.
Die Mitarbeiter der Brauerei jedoch waren bestens abgesichert und zufrieden,
die Gewerkschaftsvertreter haben sich nur zwei Beschäftigte krallen können
und diese Beitrittsformulare unterschreiben lassen.
Unter den typischen Drohungen haben sich diese Beiden überreden lassen, um auch in der Zukunft
abgesichert zu sein, falls es zu einem Streik kommen sollte.
Wir wollen das Beste für die Mitarbeiter und raten zu einem Streik auf, sollte sich die
Geschäftsleitung nicht sofort auf bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne einlassen:
Wir haben kein Toiletten und keine Stellenanzeigen und das "dritte Geschlecht,
also männlich / weiblich / inter oder divers" finden können, was diesen Betrieb anbelangt.
Graf Valter war in seinem Element und hat mithilfe der Anwälte aus der Metropole
gegen jeden Einzelnen der Gewerkschaftler div. Anzeigen erheben lassen und hohe
Schadensersatzforderungen wegen Hausfriedensbruchs und unerlaubtem Eindringen auf privates Gelände erhoben,
sowie gegen Falschanschuldigungen und Leumundsverletzung.
Die reklamierten Gender-Toiletten hat er so kommentiert:
Zeigen sie mir erst einmal einen solchen Vogel, der auf diese 3. Toilette geht und dann
sehen wir weiter.
Die beiden Gewerkschaftler hat er sofort entlassen, weil das in den Arbeitsbedingungen unterschrieben wurde.
Die Gewerkschaft hatte ihr Einfallstor gefunden und klagte ihrerseits gegen die ungerechtfertigte
fristlose Entlassung der beiden Gewerkschaftsmitglieder.
Diese mußten danach wieder eingestellt werden und bekamen fortan in diesem Betrieb neue Arbeitsverträge,
die allerdings ohne diese spezielle lebenslange Beschäftigungsgarantie waren.
(Die hatten die Gewerkschaftler wohl übersehen)
Vor dem Ablauf des Vierteljahres Probezeit, schließlich war eine Neuanstellung die Vertragsgrundlage,
kam eine erneute Kündigung und die war rechtens.
Die Gewerkschaft wurde zu einer recht hohen Geldstrafe verurteilt, mit welcher
gerade mal die Anwälte bezahlt werden konnten.

Daheim erzählte Valter freilich von diesen Vorfällen, die immer wieder mehr als ärgerlich waren.
Vom Adel geächtet, von den Kindern verachtet, im Ort geschmäht, von Luisza verlassen -
das sind ja tolle Zeiten..

Am nächsten Tag ist er in die Brauerei gefahren und sah sich die Betriebsunterlagen
ein wenig gelangweilt durch, holte sich das Leselicht in eine stille Ecke und trank seinen Tee.
Das tat er gut 3 Wochen lang, holte sich einen Buchprüfer dazu und lies die sofortige Kündigung
des Verwalterehepaares vom Stapel, mit dem sofortigen Verbot die Betriebsräume noch einmal zu betreten.
Die Beiden mußten fast fluchtartig ihre Wohnung räumen und kamen mit den Möbeln in den Hallen
des Bauunternehmers Steffen unter - die beiden Paare hatten wohl gemeinsame Sache gemacht
und über längere Zeit etwas für sich abgezweigt und in den Büchern verschleiern wollen.
Ich sehe, so Graf Valter, von den Anzeigen gegen euch beide ab, wenn das Arbeitsverhältnis und
das Wohnverhältis mit sofortiger Wirkung in "gegenseitigem Einverständnis" gelöst wird,
aber nur, weil mein Sohn in der Sache mit drin steckt.
So eine Sauerei, so eine ausgemachte !

Valter wollte die beiden Posten neu ausloben, da kam auch schon das Feedback von Claude und
Julia, deren Geschäfte zurück gegangen waren:
"In diesen Zeiten wird immer weniger verreist und wenn, dann nicht über ein Reisebüro gebucht,
wenn, dann nicht mehr in unserem, sondern Last-Minute im Internet gekauft"
Claude wickelte das Reisebüro ab und hatte gerade recht getan, denn viel Solvenz war nicht mehr da.
Die Beiden wurden angelernt und bekamen eine älteren und integeren Buchhalter dazu,
welcher in seinem vorherigen Betrieb "wegrationalisiert" worden war und schon bald ein Jahr
arbeitslos herum gegammelt hat, wie er sich ausdrückte.
Claude und Julia sind aber beide in gleicher Weise gefirmt und gründlich eingewiesen worden.
"Gut, daß ich im Betrieb immer auf dem Laufenden war, sonst wären wir in eine böse Falle geraten!"
Meinte Valter trocken.

Die alte Hausmeisterwohnung war schnell wieder bezogen, der Karl und seine Lebensgefährtin sind
dort eingezogen.
Sie ist eine Geschiedene, die von ihrem Mann mit zwei Kindern sitzen gelassen worden war.
Wichtig ist, daß der Betrieb niemals unbewacht bleibt, so Valter.
Der ältere Buchhalter freute sich auf die neue Aufgabe und bewältigte diese auch ohne große
Einarbeitung bald fast ganz alleine.
So konnte Claude das Management und den Verkauf ohne Probleme erledigen.
Die Küferei und das Leergutmanagement war fast selbständig geregelt und funktionierte einwandfrei.
Nun kam der Gewinn nochmal mehr auf des Grafen Konto und Valter freute sich.
Helene arbeitete mit dem Notar an einem Überschreibungsplan a la Luisza,
daß die Jungen die Brauerei nach so und so viel Jahren als ihr Eigen hatten,
wobei die Steuerbehörden fast leer ausgingen.
Valter zog sich zurück und kam nur noch auf dringendes Bitten dort hin.

***

Das war vielleicht eine Geburt, meinte er im Gasthaus, wo die Beiden bei den anderen beiden Paaren
eingekehrt sind - furchtbar.
Wir sind heilfroh, endlich wieder privat zu sein und .. vollkommen unwichtig!
Helenes Eltern begrüßten das besonders nachdrücklich, denn es war schließlich deren Lebensweg.
Am Abend, nach ein paar Stunden "kniffeln" und etlichen Flaschen Bacharacher sind sie nach Hause
geschwankt, wo der Hund schon entgegen kam um zu sehen, wo denn Frauchen und Herrchen abgeblieben
waren - sein Abendbrot war längst überfällig!
Daheim bekam er die Reste der Schweinsrippchen ausgepackt und die Knochen-
die Reste aus dem Gasthaus,
womit er sich in seine Hundehütte verzog und zufrieden zu kauen begann.
Von nun an hatte das Unterhaus keinerlei Einkommen mehr, weil auch die Hopfenfelder
zur Brauerei gehörig, aus der Pachteinnahme Valters fielen.
Ach Gottchen, verhungern werden wir nicht, meinte Helene lachend, notfalls essen
wir nur noch Salat aus dem Garten, gell Valter?
Dieser sagte nichts, sondern stopfte sich - ganz unadelig - gerade ein Stück Forellenfilet in den Mund.
Ich habe da ein Projekt, sagte er, das könnte..
Weiter ist er nicht gekommen, als Helene eine Tasse gegen die Wand warf!
Patsch!
Schepper und kaputt.
Das wollte ich schon immer mal tun, man sieht das in den Filmen ab und an.
Das befreite sie wohl ziemlich, denn auch sie "genoß eine gute Erziehung, in der man sowas nie tun würde",
wie sie bemerkte - beim Zusammenkehren der Scherben, wobei sie sich in den Finger schnitt.
Das blöde Ding hat mich zur Strafe gebissen, griente sie und wurde von Valter getröstet und
mit einem Heftpflaster versehen.

Von dem Goldhort oder Siegelschatz oder wie auch immer man dieses Versteck benennen wollte,
hat niemand etwas erfahren, auch die Kinder nicht.









Niemals wieder wollten Adelsleute oder Verwandte oder eine Kombination aus beidem
im "Unterhaus" vorstellig werden, weil man dort kein Geld vermutet hat,
einzig die Pachterträge aus der Gastwirtschaft sind denen verblieben und
die waren so wenig, dass auch das Finanzamt davon nichts abnehmen konnte und wollte.
Die Beiden haben die Pacht -buchstäblich- verfrühstückt und konnten
somit Besuch und Pacht verknüpfen.

Beim Fernsehen überlegten die Beiden, was sie nun aus ihrem weiteren Leben machen wollten.
Was wird mit dem reichlich vorhandenen Gold?
Wenn wir nicht aufpassen, wird dieses später dem Käufer des Hauses zufallen,
weil wir nach unserem Tode nichts mitnehmen werden -
sollte der Käufer also dieses bei einem evtl. Umbau zufällig entdecken.
Ist das der Plan, sollte das Gold "irgendwem" zufallen?
Nein, das wollten beide nicht.
Die Verpflichtung den Ahnen gegenüber war beim Adel immer schon sehr ausgeprägt
und so sinnierend gingen sie an diesem Abend zu Bett.

Nachts gab es ein paar Schläge im Haus, die nicht zu lokalisieren waren.
Beide schreckten im Bett auf und überlegten, was das wohl gewesen sei.
Schlaftrunken gingen sie um das Haus herum und schauten, ob nicht evtl. etwas umgefallen oder jemand um Hilfe
nachsuchte oder mit dem Auto gegen das Garagentor gefahren wäre oder was auch immer.
Zwei Mal Wumm, Wumm.
Ganz kurz hintereinander, vielleicht hat der Nachbar die Tür zurück federn lassen,
weil nach der Kneipentour evtl. etwas zu schwungvoll die Haustür geschlossen..
..aber es kam wohl eher aus ihrem eigenen Haus.
Nichts zu sehen und so versuchten die Beiden wieder zu schlafen, was erst nach einer ganzen Weile
gelungen ist, als das Herzklopfen abgeklungen war.
Am Morgen danach, - der Krach war um 01.40 Uhr, zumindest laut der Küchenuhr an der Wand,
war Helene beim Staubsaugen in Luiszas ehem. Einliegerwohnung.
Diese war bekanntlich im Kellergeschoss, das nur zur Straße hin
fast ganz aus dem Boden ragte, nach dem Garten hin war der Keller ganz in der Erde, wie das so ist
bei diesen Häusern aus den 1950/60iger Jahren, die oft in leichte Hänge gebaut wurden.
Sie machte die Tür nach draussen auf, um die Wohnung zu saugen und staub zu wischen,
als sie einen seltsamen Gedanken hatte:
Irgenwie waren neben dem Schloß von außen Abriebspuren auf der weißen Tür,
gerade als hätte dort jemand etwas Schweres dran gestoßen oder so.
Die Beiden versuchten das nächtliche Geräusch zu verifizien:
Valter, ich schließe die Tür und du versucht mal draussen an dieser Stelle feste zu schlagen und
ich höre vom Bette aus, ob das so ählich klingt wie dieses Geräusch,
das uns aus dem Schlaf geschreckt hat.
Valter tat das und hämmerte mit der Faust zwei Mal an genau diese Stelle der Tür.
Ja! Das ist es gewesen, rief sie von oben.
Er sah auf dem Rechner nach, was die Aussenkamera aufgezeichnet hat, die er erst von wenigen Wochen
an der Hausecke hat installieren lassen.
Nichts, nur die Köpfe der beiden Hausbewohner, die gerade nachschauten - im Schlafanzug -
was passiert sein mag.
Wenn wir etwas vorspulen?
Valter tat es und stellte sich nicht so geschickt mit dieser Software an, so daß alles recht langwierig war.
Die Systemuhr ist auch nicht richtig eingestellt gewesen, deshalb dauerte die Suche ein wenig.
Da!
Ein Auto kam angefahren, hielt abrupt mitten auf der Straße, wo die Straßenlaterne steht und die
Fahrertür geht auf, ein Mann ging Richtung Tür zur Einliegerwohnung -
wo kein Gartenzaun und kein Einfriedungs - Türchen davor gesetzt ist.
Der Mann trug ein Sportshirt, Jeans und Sportschuhe, hatte eine Gesichtsmaske auf und noch etwas darunter,
wo man die Hautfarbe des Gesichtes hätte sehen können,
hielt sich an der rechten Mauerzarge fest und trat DREIMAL mit enormer Wucht, eben mit
krimineller Energie - die Tür, direkt neben dem Schloß..
Der Bruch war erfolglos, die Tür hielt stand und der Mann ging -leicht humpelnd zum Auto und fuhr weg.
Die Kamera lief im Infrarotmodus, weil der Sicherheitsfachmann dazu geraten hat.
Die Polizei wurde gerufen und die Kripo kam mit zwei Beamten in einem neutralen Wagen.
Zwei mittelgroße Koffer hatten diese dabei und so wurde alles genau fotografiert und mit dem Zollstock
abgemessen, die Hauskamera - Position und die Höhe des Türsockels festgehalten.
So waren Rückschlüsse auf die genaue Größe des Täters machbar.
Die Tür jedoch war solide und aus Metall, auch wenn sie außen ganz harmlos wie eine Holztüre,
wie eine gewöhnliche Kellertüre ausschaute.
Die Schlösser jedoch sind wertig und doppelt verbaut worden, innen ist ein massiver Eisenriegel angebracht,
an der Scharnierseite entsprechende Sicherheitsbänder und zwei massive Flacheisen mittig oben und unten waagrecht innen befestigt,
welche durch die ganze Tür verschraubt waren.
Aussen waren nur Schloßschrauben zu sehen, diese Tür war also von außen mittig nicht durchzubrechen.
Dieser Gag ist Valter selbst eingefallen, er hat lange daran gebastelt, bis sich Luisza sicher genug fühlte.
Und nun hat sich diese Konstruktion tatsächlich bewährt.
Lediglich etwas Farbe und eine winzige Dehnung in der Eisenzarge, dort wo der massive Schließ - Riegel einlief,
war zu beheben.
Kleinigkeit !
Dabei hatten wir nicht einmal das zweite Schloß aktiviert, sondern nur das Hauptschloß!
Super, toll, Valter war sehr happy an diesem Tag und hat die Konstruktion den Kommissaren gerne vorgeführt.
Am nächsten Tag hat die Polizei diese Kamera-Datensicherung abgeholt, so lange wollten die Kripoleute nicht warten,
bis der ältere Rechner des Hauses dieses Video abgespeichert hätte - der nächste Einsatz wartet schon.
"Wir kommen morgen nochmal vorbei und holen die Datensicherung ab, was uns nicht gefällt,
ist die Sturmhaube, die Augenlöcher, statt einen Sehschlitz hat - haben sie Feinde?"

Die Grenzen sind offen, bald auch die Türen, so meinte Helene trocken.
Der Hund hat das nicht gehört, er schläft hinter dem Haus in seiner Hütte.
Daß dieser Typ dreimal mit voller Wucht zugetreten hat, konnte die Beiden doch schon sehr erschrecken.
Gehört hat man nur 2 Schläge und bis die Hausbewohner ihren Kontrollgang antaten,
waren schon 10 Minuten vergangen und alles gelaufen.
Laut Videoaufzeichung hat der Einbruchsversuch ganze 57 Sekunden gedauert, mehr nicht.

Wie kam das, dass er unser Haus ausgesucht hat?
Das Anwesen schaut von aussen nicht teurer aus als die anderen Häuser dieser Straße?
Nun, die Straßenlaterne war an, weil Wochenende und die Türen der Nachbarhäuser von Büsche verdeckt,
unsere jedoch ist weiß gestrichen und schon von weitem als Nebeneingangstür zu erkennen..
Die anderen Kellertüren waren ebenso braun oder grau wie die Sockel der Häuser und unsere
leuchtete hell im Laternenlicht und.. in dem Licht des eigenen Bewegungsmelders dazu !
"Haben sie im Ort Feinde?"
Na ja, die Polizei muß das wohl fragen.
Wäre das der Fall gewesen, hätte ein solcher Angriff wohl nicht mit dem Auto oder
eher mit Farbschmierereien oder so stattgefunden, nicht mit einem solchen Lärm.
Na ja, das ist reine Spekulation.
Fortan hat man gerne die kleine Unbequemlichkeit in Kauf genommen und
tat beide Schlösser verriegeln und zusätzlich den bewährten Eisenhebel umlegen;
immer und prinzipiell.

Fort Knox?
Die Nachbarn haben den Polizeieinsatz nur am Rande mitbekommen und hatten schon zuvor gewitzelt
über diese - aus deren Sicht - übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen.

Man kam langsam wieder zur Ruhe und ging der üblichen Gartenarbeit nach.
Als sich alle in der Gaststätte trafen, wurde davon erzählt.
Erschrocken versicherten alle, daß man beim nächsten Baumarktbesuch entsprechend nachrüsten wird.
So schnell nahm das Kopfschütteln kein Ende und das versteht tatsächlich nur jemand,
der das selbst erlebt hat.

***

Die Nacht war eine, deren Traum es in sich hatte:
Valter war das ganze viele Gold nicht recht geheuer und so sann er nach einer Lösung.
Mit dem Grafensiegel protzen war nun nicht mehr sein Ding, wo doch gerade dem Titel
so vehement abgeschworen worden war..
..die Goldstücke mit ihrem Siegel darauf und die Herkunft desselben - nee, das Zeug mußte weg!
Er wog das Gold grob durch, nahm die Hälfte ab und
lies die Holländer kommen und diese brachten das Geld mit.
Danach erstand er ein recht großes Stück Land im "Outpost", einem unwirklichen
Winkel in Transsylvanien, das wenig ertragreich war bald
auch noch ein Stück Wald dazu.
Im heutigen Europa der offenen Grenzen war das vielleicht eines schönen Tages ein Anlageprojekt.
Er drehte sich zur anderen Seite, ging zur Toilette und wieder zu Bett, wo
der Traum anders weiter lief:
Wir sind nicht mehr so jung und sollten Nägel mit Köpfen machen.
Ich habe einen Plan - so erzählte er lang und breit von dem Vorhaben und Helene war
damit einverstanden:
Ein so einfaches Haus ist vielleicht doch nicht die Lösung,
also machen wir was.
Man besprach den Plan mit Claude und Julia und denen war das recht, die Hexenburg zu verlassen
und sich in der Brauerei eine Wohnungserweiterung mit Dachterrasse ausbauen zu lassen.
So war die nervige Pendelei weg und der Junge konnte viel leichter
unter Aufsicht gehalten werden.
Claude und Helene liesen vom 2. Bauunternehmer die Burg ganz und gar wieder aufbauen,
wie sie auf dem alten Stich zu sehen war, mit Söller und Burgtor.
Massiv und stabil.
Das Spitzdach von früher wurde getreu dem Original nachgebaut,
haarklein auch die schmale Zufahrt zum Burgtor.
Beide Wappen prankten bald wieder am Tor, das immer automatisch geschlossen und verriegelt wurde.
Die Burgmauern in gleicher Stärke und Höhe neu aufgebaut..
selbst die Ballustrade hinten den Schießscharten war bald wieder funktionfähig.
Der Fluchttunnel ward ausgebuddelt- und gut verschlossen.
Die Holländer bekamen nur die neutralen Barren - die Grafenthaler blieben in der Burg.
Offiziell gehörte die Burg -nach Luiszas Testament und Grundbucheintrag dem jungen Paar,
das sowieso alles erben wird.
Der Goldhort verschwand in den Mauern unter dem Tunnel.
Das "Unterhaus" wurde wieder verkauft - zuvor hat Valter das alte Goldversteck zugemauert
und die Gaskartuschentechnik entfernt -
Der Umzug in die Burg war leicht zu machen, aber sie fühlten sich dort nicht so recht zuhause..

Wieder wachte er schweißgebadet auf und erzählte den doppelten Traum seiner Helene
und meinte:
Das muß wegen diesem Einbruchsversuch gewesen sein, Träume entladen das Unterbewusstsein,
habe ich einmal gelesen..

Vielleicht solltest du die Tabletten weglassen, die bekommen dir nicht!
(Er hatte nach dem Ärger oft Bauchschmerzen)








Das Leben und so mancher Albtraum ging vorbei, bis man sich wieder im Griff hatte
und zur Tagesordnung übergehen konnte.
Das Unterhaus erlebte seinen Aufschwung an diesem Morgen,
denn der Bürgermeister kam auf einen spontanen Besuch vorbei,
mit seiner Gattin.
"Wir haben gerade im Gasthaus gefrühstückt und uns gedacht,
daß wir uns wieder um gutes Wetter bemühen sollten, nach den Wirrnissen
der letzten Zeit, die uns sehr sehr leid getan haben."
Man erfuhr, daß der politische Druck enorm war und Mandats- oder Amtsträger,
- wie früher in den unseeligen Zeiten des Diktators und danach der Kommunistenherrschaft -
bespitzelt und denunziert wurden und noch immer werden.
Unter anderem Namen zwar und mit Gender und Datenschutz und GE Z, Sch ufa, Eu und AGB oder wie
diese Dinge eben hin mutiert sind, die man auch gesetzmäßige Gefangenschaften nennen könnte.
Auch Bürgermeister sind keinesfalls frei in ihren Entscheidungen, denn der Stadt-
oder Gemeinderat sind längst von gewogenen Parteikräften der neuen Sorte durchsetzt,
was Entscheidungen zum Teil arg beschneidet.
Eine falsche Bemerkung und der Tanz geht los, das könnt ihr mir glauben.
Wir wurden die ganze Zeit ganz genau beobachtet und bekamen mehr als genug Drohungen,
die vielleicht aus dem rein verbalen in tätliche Angriffe übergegangen wären,
hätten wir uns nicht sogleich gefügig gezeigt.
Der Kollege in der Nachbargemeinde hat sein Haus verloren, weil dieses über Nacht angesteckt wurde.
Seine Kinder haben laufend Ärger in der Schule bekommen, seine Frau wurde aus nichtigen Gründen entlassen.
Die neue Partei wollte Namen, Namen und nochmal Namen von abweichend wählenden Personen.
Inzwischen - nicht zuletzt durch eure mutige Initiative der Bierfreunde ist eine außerparlamentarische
Opposition entstanden, die jenen Bevormundungswahnsinn ein wenig zurück drängen konnte.
Die Sache ist nur so, daß diese Wellen jederzeit zurück schwappen können.
Wir sollten entweder eine neue Partei gründen, was ich für wenig ratsam halte,
denn soviel Zeit, daß sich diese etablieren und dann auch noch eine wichtige Rolle inne haben würde,
haben wir schlicht und ergreifend nicht.
Eine kleine blaue Partei ist seit Gründung der Republik - als erste demokratisch Neugründung nach dem Krieg -
dabei Stimmen zu sammeln.
Leider nicht sonderlich erfolgreich, denn Politiker sind auch nur Menschen und sehr schnell
ist etwas gesagt - besonders im Wahlkampf - das eine ganze Menge Leute verärgert,
auch wenn jene grundsätzlich auf der Partei-Linie gewesen sind.
Durch diese neuen radikalen Parteien hat das Wort "Parteilinie" einen üblen Geruch.
Gerade der Adel hat da sehr an den historischen Gegebenheiten zu knabbern und wird heute
getreten bis gehasst, was nicht wundert.
(Das hat nichts mit jener Art der Yellowpress mit ihren Speichelleckern zu tun,
die an den kleinen und größeren Skandalen und familiären Meldungen dieser Klasse berichten,
um selbst gut davon leben zu können.
Die kleinen Leute schauen noch immer zu den Fürstenhäusern und deren Nachkommen auf,
weil sie sich wünschen so wie diese zu sein;
frei und unabhängig, statt angestellt.)
Wir haben verstanden, aber der Adel ist doch ein Auslaufmodell und hat inzwischen
mehr als genug Kinder, die diesen Zirkus - wie diese sich ausdrücken - nicht mehr mitmachen wollen.
Geld ist heute der neue Adel, mit Geld ist man frei und unabhängig:
Adelshäuser sind in unserer Zeit unerschwinglich und auch nicht mehr begreifbar zu machen.
Früher hat man, sorry, haben wir einfach ein paar Leute "ausgehoben", die zum Straßen-
oder Befestigungsbau heran gezogen wurden.
Mit ach und krach bekamen diese Leute zu essen und zu trinken und etwas Kleingeld.
Sie meinen, daß man dieser kleinen Partei, die sich auch mit Adelstitel in ihren Reihen schmückt,
helfen sollte?
Ja und nein.
Einerseits ja, weil Tradition und Erziehung und Vernunft dort sind, andererseits
Hochmut, Herrsch- und Verschwendungssucht im Adel zuhause sind, sagte Helene.
Wie immer wir die Sache angehen, diese Partei hat sich längst in einen "säkulären"
und in einen wirtschaftspolitisch-radikalen und in einen kritzekleinen Kreis
der letzten Adligen in der Politik verzettelt, soziale Gesichtspunkte werden
bestenfalls aus der Sicht der Besserverdiener behandelt.
Doch kommen wir zu unserer Gemeinde zurück:
Die wirtschaftliche Lage ist - wegen der vielen neuen Aufgabenfelder ..
mit den Ausgaben aus dem Ruder gelaufen, denn die Steuereinnahmen sind nicht beliebig
vermehrbar und selbst wenn wir die Steuerschraube anziehen wollen um den Haushalt zu konsolidieren,
ist das Gemeindeparlament der Hemmschuh.
Von der einen Seite der Steuer - Zahler zu verstehen, von der anderen Seite der Gläubiger unserer
Kommune nicht, wo schon Firmenpleiten waren, weil die Gemeinde die Rechnungen verschleppt hat,
die sie selbst beauftragt und als Leistung erhalten hat.
Inzwischen haben wir Kredite aufnehmen müssen, - trotz sprudelnder Einnahmen, - um die
Tilgung alter Kredite zu gewährleisten, die noch in der Zinshochphase abgeschlossen worden waren.
Wir erinnern uns an das Geklüngel von Bürgermeisterei und der ansässigen Bank.
Wir sind in einem Boot, aber jeder rudert in die andere Richtung..
..je besser es den Gemeinden geht, z.B. wenn wir genügend Holz aus dem Wald holen und gut
vermarkten, daß ein wenig Geld herein kommt,
bekommen wir Sonderaufgaben vom Land zugewiesen oder der Umweltschutz
hat ein ganzes Büschel an Auflagen, ob Gewässerreinhaltung oder Abgase,
Schädlingsbekämpfungsmittel - Kontrollen oder Gülleeinträge Überwachung oder was auch immer.
Deshalb müssen wir die Kosten der Straßensanierung an die Anlieger weiter geben und
sogar das Regenwasser besteuern, was auf die Grundstücke fällt.
Durch die Rationalisierung und Abwanderung von Arbeitsplätzen in die Metropole
sind viele Einnahmen weggefallen und das beißt die Kasse nochmal zusätzlich.
Dieser Trend kehrt sich nur langsam um, es kommen vereinzelt wieder Firmen zurück aufs Land.
Dieser Prozess dauert und bis wir in die Haben-Zone geraten, fressen uns die Asylanten die Haare vom Kopf:
Rechnen sie mal:
3000 Euro kostet ein "unbegleiteter Jugendlicher" im Monat, bis 4500 Euro, je nach Fall.
Es kommen aber ganze Familienverbände an und dann setzen wir diese Zahlen einmal direkt in die
Menge an Steuerzahlern um - na, wieviele werden wohl letztlich gebraucht, um ein Flüchtlingskind zu finanzieren,
das viele Jahre lang brauchen wird, um irgendwann einmal selbst zum Steuerzahler zu werden?
Viele können weder lesen noch schreiben, geschweige denn eine moderne Berufsausbildung !
(Wobei Niedriglohngruppen eher nicht zu den Steuerzahlern gerechnet werden)
Die Ideologie des Ostens war schon immer, den Westen ausbluten zu lassen, das kann man seit Jahrzehnten
beobachten und nun sind die eine riesige Menge Ostbürger unter uns, die ihr stilles Werk tun.
Vielleicht tun das nicht alle und vielleicht noch nicht einmal bewusst - aber im Hinterkopf ist er drin,
der Kommunismus und dies wirkt wie eine Würgeschlage in unserer Politik,
in der gesamten Arbeitswelt, bis uns dieses Denken die Luft abdrückt:
Team-Work: T oll, E in A nderer M achts.

Der Vortrag war erschütternd vorgetragen, so daß weder Helene noch Valter Lust auf Politik verspürten.
Valter erzählte ein Gleichnis, das etwa so ging:
Wenn ein notorischer Sozialhilfeempfänger - ich rede nicht von den Leuten, die unverschuldet in diese Lage kamen -
einen Reichen zum Teilen bewegen könnte, dann passiert eine Zeit nichts, dann hat der notorische Sozialhilfempfänger
bald wieder .. nichts mehr und der Reiche hat nur noch halb so viel Geld wie vorher.
Wieder entsteht Neid.

Hättest Du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben.

So gesehen, wäre jede pekuniäre Hilfe für die Gemeinde bald wieder in der Schuldenfalle - oder?
So sehe ich das, meinte Valter trocken.
Es ist so, als wollte man Treibsand mit Wasser stabilisieren.
Wenn sich oben nichts sofort und grundlegend alles ändert, werden die Gesetze bleiben und wenn diese bleiben..
..dann werden sich diese neuen oder besser zusammengereimten Strukturen nicht verbessern,
und wohl kaum jemals demokratisieren lassen.
Wir brauchen klare und lesbare Gesetze, wenigere, aber bessere.
Die Richter sollten nicht mehr so nachsichtig mit den Straftätern sein und
Strafen viel schneller ausgesprochen werden.
Viele der Serientäter können sich nicht mehr an jede Tat erinnern,
wenn der Prozess Jahre später beginnt, weil die Gerichte überlastet sind.
Kurz, sagte Helene dazu, kurz gesagt, wären unfassende Strukturveränderungen
in Sachen Basisdemokratie nötig - oder wie?
Na ich weiß nicht, sagte die Frau des Bürgermeisters dazu, ich weiß nicht,
ob die Leute dazu überhaupt fähig oder willens sind, denn man ist heute phlegmatisch
und meistenteils uninteressiert:
Fragen sie doch mal - wieviele Leute auf der Straße wissen, wer der Aussenminister oder
Finanz- oder Sozialminister etc. ist, die älteren Leute nennen Namen, die schon nicht mehr im Amt sind,
die jungen Leute haben "keinen Plan von Politik".
Ich möchte hier nicht anfangen, tiefere Fragen zu der europ. Gemeinschaft oder zur Wirtschaftspolitik
stellen zu wollen, denn das geht garantiert schief.

Wir Vier können freilich keine Verbesserungen einläuten - oder?
Der Valter war nicht davon überzeugt, daß in dieser verfahrenen Situation überhaupt
noch stabile Mehrheitsverhältnisse machbar sind.
Er gab zu Bedenken, daß die Mitmenschen "feige Hunde" seien, das habe seine Familie
gerade erst am eigenen Leibe erfahren müssen..
Obwohl der Wink mit dem Zaunpfahl saß, verabschiedete man sich freundlich und fuhr nach Hause.

Helene meinte zu Valter:
Die sind ja herzig, erst sollen wir vergessen was war und dann heulen die sich ausgerechnet bei uns aus!

Selbst wenn wir alles Geld in die Gemeinde stecken, dann wird eben noch mehr verbraten
und ein zwei- drei Jahren ist alles wieder beim Alten.
Ist der demokratische Gedanke am Ende?
Ich denke, daß die Gelder der Wirtschaft, die den Politikern nebenbei zufließen,
selbstverständlich denen Entscheidungen beeinflussn - und das ist nicht einmal
so richtig in der ganzen Gänze des Sumpfes bekannt geworden.
Ich denke, daß mafiose Strukturen unser aller Geschick bestimmen.
Nach dieser Diskussion oder Besuch haben die Beiden erst einmal nach einem Hexenbock
gegriffen - Familienabfüllung - in der 2 Liter Bügelflasche - eine Stiftung des "kleinen Karl",
wie Valter scherzte.
Herrlich, dabei kann man den ganzen Politikquatsch vergessen..

***

Am anderen Tag erkundigten sie sich nach einer Versammlung dieser kleinen Partei und
hätten dafür durch die ganze Republik fahren müssen - und erst im späten Sommer,
nach den Wahlen wäre der nächste Termin in der relativen Nähe in der Metropole gewesen.
Die Partei hat auf Anfrage ein Video geschickt und das sahen sie sich zuhause an.
Nach einer Stunde sinnfreiem Geschwafels und merkbereiten Marketingsprücheklopfern
sind beide im Unterhaus eingeschlafen, tief und fest.

Was war denn das für eine seifige Schlaftablette?

Der nächste Tag fing jedoch freundlich an, die Vögelchen sangen, die Luft war lau,
der Hund schnarchte, dass die Terrassenmöbel zitterten..

Am Morgen sollte ein Stadtbummel gehalten werden,
Valter wollte mit der neuen Bank ein paar Sachen regeln,
während Helene - wie Frauen so sind -
sofort mit dem Shopping begann, von der Parfümerie zum Hutladen,
von der Boutique zum Optikergeschäft, die Brille richten lassen.

Valter sprach mit dem Bankchef über Zinspolitik und Geldwertstabilität,
Plausibilität des virtuellen und des gedruckten Geldes
versus Edelmetalle dinglich und als Anlagepapiere oder ob eine Geldanlage in Staatobligationen
oder Immobilien, Grundstücken oder was heute noch sinnvoll ist.
Der gute Mann wußte freilich von den Transaktionen des Grafen,
denn das spricht sich herum, trotz "Bankgeheimnis".
Die Größenordnung ist beträchtlich, so Valter, was raten sie mir?
Ich würde zu einem Reiterhof raten, wenn sie mich privat fragen,
als Banker freilich sind mir Depots am liebsten -
ob das gemischte Fonds oder spezielle Anlagen in Industrie und Forschung sind,
ist dabei heute eigentlich fast egal.
Wenn man genügend Kapitalreserven hat, so wie das bei ihnen, verehrter Graf ist,
kommt freilich auch eine massive Anlage in einen Pharmabetrieb infrage.
Desgleichen ist die Nanotechnik und die Robotik immer ein gutes Geschäft,
das Wachstum verspricht - ohne Wachstum, ich denke da sind wir uns einig,
hat ein solches Wagnis nicht den geringsten Sinn.
Sie haben wohl recht, meinte Valter tonlos.
Ich werde mich über die modernen Fortschrittsbranchen informieren.
Da fällt mir ein, daß die Großbrauerei in Nordbeck seit Jahren schwächelt und diese
gehört zu den Motoren der Region Mitteleuropas.
Oh, das ist aber ein recht dicker Brocken!
Soll ich meine Fühler ausstrecken und sie kontaktieren?
Ja bitte, tun sie das.

Er ging gerade aus der Bank, als er Helene mit vielen Tüten auf dem Boulevard
gegenüber entdeckte - Hallo!
Na, wie war es gelaufen, fragte Helene beiläufig, obwohl sie dieses Thema Geld
eigentlich nur wenig tangierte.
Toll schau'st du aus, ist das die neueste Mode?
Ja - und es war so billig, es ist kaum zu fassen.
Die Stadt geht irgendwie vor die Hunde, überall watscheln dicke vermummte Frauen
mit vielen Kindern über die Straßen und alles muß anhalten und darf nicht einmal schimpfen,
weil das inzwischen bereits geahndet wird als Fremdenfeindlichkeit - man fühlt sich wie in Kalkutta!
Wenn man schimpft, wenn Autos Fußgänger bedrängen, muß man davon ausgehen, geschlagen zu werden..
Gruppen dunkler Gestalten an jeder Straßenecke, Messer und Ketten blitzen,
schwere Sport- und Luxuswagen mit lauter orientalischer Musik fahren provozierend
mit dröhnenden Motoren herum, lassen die Reifen durchdrehen und das in den Fußgängerzonen,
pomadige junge Männer mit dicken Goldketten machen die Frauen aus dem Auto heraus an..
..die Polizei hat sich offensichtlich verzogen und wartet lieber ab,
bis sie gerufen wird.
So macht ein Einkaufsbummel keinen Spaß, wenn man die Handtasche festhalten muß,
wie eine Tür beim Sturm.
Seltsame Männergruppen halten Frauen ohne Kopftuch für Huren und das
rufen sie den modernen Frauen auch nach..
Was hat sich das soziale Umfeld gewandelt, seit wir das letzte Mal hier waren, furchtbar.
Ohne Bodyguard gehe ich hier nicht mehr einkaufen !








Als sie wieder zuhause angekommen waren, begann Helene mit dem Einsortieren der Kleidungsstücke
in den Schrank, entfernte die Etiketten, probierte diese und jene Kombination vor dem Spiegel an.
Valter hat sich auf die Couch gelegt und ist vor Müdigkeit fest eingeschlafen - zu seinen Füßen der Hund.

Er träumte vom "Humankapital" und von dieser schrägen Denkungsweise der Manager,
die mit diesem verächtlichen Ausdruck die Mitarbeiter der Werke meinen.
Ihn gruselte diese Gesittung jener aalglatten und gestylten Gestalten,
daß er einen Hustenanfall bekam.
Furchtbar, bei einem solchen Traum kann man doch nicht schlafen!
Ich würde mich schämen, meine Mitarbeiter derart respektlos zu behandeln!
Schließlich kann kein Unternehmer ohne seine Mannschaft sein und so ist
selbstverständlich das Betriebsergebnis und der Gewinn auch der Verdienst meiner Crew.
Alleine kann kein Unternehmer etwas unternehmen, es sei denn, er ist ein sogenannter
"Alleinunterhalter", also ein Einmann-Betrieb.

***

Julia und Claude haben den Laden gut in Schuß, meinte Helene, dort
hört man nur Gutes aus der Brauerei.
Unter unserer Führung gedeiht eben alles besser, meinte Valter -
auch wenn die Jungen das nicht so recht einsehen wollen und auch wir
in der heutigen Zeit unsere Zweifel am Sinn und Fortbestand des Adels haben.
Die Zeiten der Märchen und Schlösser sind vorbei und kommen nie wieder.

***

Die junge Familie bekam Nachwuchs und ein Mädchen kam auf die Welt.
Zum Glück waren das kein Zwillige, meint Julia, die sind irgendwie alle dämlich,
das war schon bei den Klassenkameraden so.
Die kleine Annabella war eben so ein geradliniges, fröhliches Kind wie ihre Mutter,
aber das sollte sich erst später zeigen.
Laurens interessierte sich mehr für sein Fernlenk-Auto und tat,
als gäbe es ihn nichts an, daß nun noch ein Kind in der Familie ist.
Laurens lebte immer schon in seiner eigenen Welt.
Er hatte in der Schule keinerlei Probleme, alles flog ihm zu.
Ab und an ist er im Unterhaus aufgetaucht - immer dann, wenn es Kartoffelpuffer gab.
Er hat gefuttert für Zwei und ist gut gewachsen, stellte Helene zufrieden fest.

Der Bankdirektor hat sich gemeldet zu einem Gespräch eingeladen,
wo Valter nun nachkommen mußte, wollte er ein Geschäft machen.
Irgendwie gefällt mir das nicht, so meinte er - wie nebenbei gesprochen -
früher haben wir diese Leute in den Salon eingeladen..

So fuhr er in die Stadt und kam auch schon bald wieder:
Diese Leute haben ein Problem und das kann ich nicht sagen,
ohne unhöflich zu werden, es ist unfassbar.
Das Geschäft ist geplatzt, weil die Vorstellung zu weit auseinander gingen,
ich wollte das Personal halten und soziale Verantwortung zeigen und der
Brauereibeauftragte war einer, der unbedingt automatisieren wollte.
"Am liebsten ohne Personal"
Dem Typen war nur ein Hemd nahe, nicht die Jacke der Konsumenten, welche
nunmal die Beschäftigten ebenso sind..
..einen solchen kontraproduktiven Unfug lehrt man auf den Wirtschaftsschulen:
Produktion ohne Menschen, Verkauf ohne Service - man fragt sich allen Ernstes,
ob diese plastifizierten Typen wohl vom Mars zu uns gekommen sind.

Na ja, da haben wir eben Geld gespart.

Als er so sprach, überkam ihn irgendwie ein Heißhunger auf Erbsensuppe:
Heute ist im Gasthaus Erbsensuppen-Tag.. darf ich dich einladen?
Der Spaziergang dort am Wald entlang, wo der Auenbach fließt,
wo man ab und an noch Wild sieht, ist immer wieder entzückend.
Sie kamen bester Dinge bei den beiden Paaren an und unterhielten sich prächtig.
Die Erbsensuppe punktete wie immer, denn die alten Rezepte sind immer noch die besten.
Ein Vertreter putzte sich gerade den Mund ab und rieb sich den Bauch:
Sogar mit Nachschlag - wo gibt es das heute noch?
Valter sann nach und bald hatte er schon wieder einen neuen Plan im Kopf.
Auf dem Nachhauseweg eröffnete er Helene:
Ich bin noch nicht zu alt, um doch noch zu etwas nütze zu sein!
Er recherchierte im Internet, besuchte ein paar Fabriken und nicht immer
fuhr Helene mit, denn sie saß lieber in der Sonne auf der Terrasse und las stundenlag Bücher,
mit einer Tasse Kaffee und etwas Kuchen,
der Hund zu ihren Füßen, der mit blutunterlaufenen Augen ab und zu nach oben zum Tisch
schaute, ob nicht doch etwas für ihn abfiele..
(Klar, denn Menschen sind irgendwie auch "Rudeltiere")
Valter fuhr in aller Seelenruhe durch die waldreiche Gegend, mied dabei Autobahnen
und kam auf einem Fabrikgelände an, das schon ziemlich herunter gekommen ausschaute.
Er parkte seinen "Straßenkreuzer" vor der Direktion und bekam ein wenig mitleidige Blicke
zu spüren, als er aus dem smart stieg.
Zwischen all den großen Wagen, SUVs und wie diese Schwimmpanzer waren - wirkte sein "Wagen"
eben winzig.
Niemand kam, um ihn zu begrüßen und so trat er in das Büro ein.
Ich möchte den Geschäftsführer oder Inhaber sprechen!
Ein älterer Mann kam herbei, grau, das Gesicht fahl und leblos,
ein trauriger Anblick.
Valter stellte sich vor:
Graf Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg.
Oh, Herr Graf, ich habe schon viel von ihnen gehört und muß mich doch schon sehr wundern,
daß sie zu uns gefunden haben !
Wir sind nur eine unbedeutende Konservenfabrik, die Suppen für Diskounter herstellt,
wir vertreiben schon seit vielen Jahren nicht mehr direkt-
wenn sie also etwas kaufen wollen, sollten sie sich dahin wenden.
Der Valter lachte, nein danke, ich bin nicht hungrig und will auch meinen Vorratskeller
nicht neu bestücken, mein Besuch hat ganz andere Gründe.
Sie setzten sich und kamen auf das Thema geschäftliche Zukunft der Fabrik.
Ich bin ein Unternehmer des alten Schlages und will Verantwortung für meine Leute zeigen.
Das hat schon mein Vater als höchstes Gut angesehen, daß man nicht beneidet und nicht gehasst wird,
nur weil man ein "Kapitalist" oder eben Unternehmer oder Fabrikbesitzer ist.
Ich habe diese Konservenfabrik geerbt und erweitert, aber inzwischen ist die Anlage längst
veraltert und überkommen und die Diskounter drücken die Preise immer weiter, während
die Einstandspreise für die Lebensmittel ständig steigen.
Mal ist das Frühjahr zu trocken gewesen, mal der Sommer zu heiß, dann war die Vogelgrippe
und die Schweinepest - es ist immer irgend etwas, was den Gewinn schrumpfen lässt.
Ich fürchte mich vor jedem Zahltag.
Nun zu ihnen, was führt sie also zu mir?
Ich möchte ein neues Projekt beginnen und wäre an ihrer Fabrik interessiert,
ohne Automatisation und würde gerne die Belegschaft behalten, mit Beschäftigungsgarantie,
wie mein Haus das schon immer praktiziert hat.
Beschäftigungsgarantie ?!
Du lieber Himmel, was müssen sie solvent sein, das habe ich ja noch nie gehört.
Vermutlich doch - denken sie einmal an die Hexenbock- und Gräfliches Lager - Brauerei..
Davon habe ich schon einmal gehört, die sind ziemlich exklusiv und nicht im Massenmarkt vertreten.
Sehen sie und genau das würde ich mit ihrer Fabrik tun wollen.
Mein Sohn ist in der Pharmaindustrie und nicht an der Konservenfabrik interessiert,
ich bin schon lange Witwer und wollte mich eigentlich zur Ruhe setzen, was aus Sorge
um die Angestellten eben nicht ging..
Was halten sie von einer Betriebsbesichtigung?
Sehr gerne.
Das Gelände ist weiträumig und man kann noch recht viel daraus machen,
meinte Graf Valter, wir sollten uns den Werksmeister kommen lassen.
Zu dritt sind sie also weiter auf Besichtigungstour mit Verkostung gegangen.
Gut! Die Erbsensuppe braucht sich auf keinen Fall zu verstecken - und zu welchem Preis
wird diese beim Diskounter angeboten?
Meine letzten Beobachungen waren 1,09 Euro für die 850ml Dose.
Das kann doch nicht wahr sein, unglaublich!
Sehen sie, das hat meine Frau, man habe sie seelig, auch immer gesagt.
"Gesunde Hausmannskost ist nicht teuer!" und "Getrunken und gegessen wird immer"

Der Werkmeister war noch recht jung, Koch hat er gelernt und in Kantinen hat er gearbeitet,
das Erbsensuppenrezept hat er "vom Bund", also beim Militär gelernt.
Wir haben ein Sortiment von 6 Sorten Dosensuppen und 6 Sorten Nudel- und Kartoffelgerichte.
Valter hat nur zu gerne von jeder Sorte ein paar Löffel gegessen - und meinte scherzhaft:
So spare ich mir das Mittagessen meine Herren, hat mich sehr gefreut, auf Wiedersehen!
Dann machte er den Beiden klar, daß er an dem Kauf dieses Objektes interessiert sei.
Der Werksleiter sah traurig aus und fühlte schon die Arbeitslosigkeit anrücken.
Der Besitzer rief die Beschäftigten kurz zusammen und sprach:
Graf Valter Ottokar von Rumpenstein - Zerbeg beabsichtigt die Fabrik zu übernehmen.
Ich bin die erste Zeit noch dabei und bleibe ihr Ansprechpartner.
Der Herr Graf verspricht eine Beschäftigungsgarantie für alle und eine 10%ige Lohnerhöhung
ab sofort für jeden Beschäftigten.
Ein Hurraruf erschallte durch die Halle und so sprach Valter:
Ich habe dann nur noch den Termin mit dem Anwalt, dem Notar und zwei Herren aus Holland
in dieser Halle vorzubereiten:
Es sollen alle mitbekommen, vom Lehrling bis zum Meister,
alle, auch die gerade frei haben oder im Urlaub sind!

Der Termin kam und der Notar legte die neuen Arbeitsverträge auf den Tisch,
das Personalbüro hat sich gleich ans Werk gemacht und die Namen übertragen.
"Lebenslanges Arbeitsverhältnis!"
Das gräfliche Siegel prankte auf dem Vertrag wie bei einer Ernennungsurkunde.
Feinstes Papier, feinstes Couvert.
Der Besitzer der Fabrik ermahnte seine Leute:
Macht mir keine Schande, seit aufrichtig und ehrlich, es geht auch und gerade um EUERE Zukunft.
Die Beschäftigten waren schon ganz gespannt, als ein Lieferwagen der Hexenbrauerei anlief
und für jeden eine 2 Liter Flasche des Doppelbock auslud:
Sonderabfüllung.
Der Graf hat den Wagen selbst gesteuert, der Karl war als Helfer mit dabei.
Gemeinsam haben sie die Flaschen abgeladen und ausgehändigt.
Ja, sagte der Graf zu den gerade eintreffenden Holländern,
ich bin ein Sozialromantiker, wie man heute so schön sagt!
Nun meine Herren, lasst uns beginnen.
Ich brauche ein paar Helfer, die ein paar schwere Kasten heben können..
es kamen sofort einige herbei, die diese Kasten neben dem Tisch aufstellten.
Graf Valter öffnete persönlich die Schösser und lud kleine Goldbarren für Goldbarren
auf den Tisch - vor allen Leuten.
Die Augen der Beschäftigten braucht man sich dabei nur vorzustellen..
Die Holländer prüften - wie immer und hatten - wie immer - das Geld im Koffer dabei.
Die Goldhändler haben nicht gefragt, woher das Gold kommt noch warum es diesmal keine
"Grafenthaler" waren, die Valter zu Geld machte..
Die Anwesenden registierten alles mit fassungslosem Staunen.
Der Betrag war doppelt so hoch, wie die Fabrik kosten sollte.
Dieses Geld, so der Graf in die Runde, ist für die Modernisierung der Fabrik!
Dieses Geld ist für den Kauf der Fabrik!
Die Holländer bedankten sich, nahmen jeder ihre Flasche Doppelbock mit,
von der Fabrikation eine Konservenkollektion und fuhren geschwind
nach Hause.
Anschließend ist Valter mit dem ehemaligen Besitzer zur Bank gefahren,
wo dieser eine große Einzahlung auf sein Konto tätigte.
Valter eröffnete mit dem anderen Koffer Geld ein neues Geschäftskonto
und zeigte damit die Solvenz der gerade übernommenen Fabrik.

Karl hat sich noch etwas mit den Leuten der Konservenfabrik unterhalten
und vor einer Gewerkschaftsmitgliedschaft gewarnt:
Der Graf zahlt sowieso über Tarif und das mit der lebenslangen Beschäftigungsgarantie
kann ich nur bestätigen:
Vermutlich wird Graf Valter bald einen Vorschlags- und Kummerkasten an das Büro hängen lassen.
Er schilderte ein wenig seine Eindrücke aus der Villa Siegelhort und der Freifrau,
wie diese zu ihren Leuten war..
das überzeugte schließlich alle.

Karl fuhr in die Brauerei- nicht ohne ein paar Konserven erbeutet zu haben
und Valter ging in einen Blumenladen und brachte diese seiner Helene.

***

Die neuen Etiketten wollte Valter selbst gestalten - aber bis dahin war ja noch so viel zu tun..
..in der Gaststätte lachten alle und freuten sich, daß ausgerechnet Erbsensuppe
heute so gut ankommt, genau so, wie heute noch human zum "Kapital" Mensch zu sein, wie Valter bewiesen hat.








Die Beschriftung des Etiketts war in Valters Kopf:
" à la soupe! " auf gut Deutsch "essen kommen!"
So sollte die Fabrik ursprünglich umbenannt werden,
was aber später nur als Aufkleber auf den Deckeln zu lesen war.
Das gräfliche Siegel als Aufdruck auf jeder Dosen feinster Suppen,
das war sein Plaisir, um bei der Sprache Französisch zu bleiben.
Freilich "lift pull", denn Komfort ist heute wichtig.
Das kommt immer an, schwärmte er vor sich hin,
ich will versuchen die feine Hofart in der Konserve zu verkaufen.

In der Fabrik hat er nach und nach Vorbereitungen treffen lassen,
auf dieses neue Produkt hin zu experimentieren.
Der Verkauf des alten Sortimentes lief weiter, denn zu viel Geld darf
nie verloren gehen, wenn man Erfolg haben will.
Koch, Lebensmitteltechniker und Labor arbeiteten inzwischen an feinen
Suppen, a la Haute cuisine, aber dennoch so "bodenständig" wie am französischen Hof
Ludwig XIV, dem Sonnenkönig oder wie an anderen Fürstenhöfen Europas,
und auch wie in Gourmet-Restaurants, also querbeet bis zur schwäbischen Minimaultasche.
Unsere Produkte sollen auf keinen Fall am Inhalt und an der Qualität knausern,
sondern im Gegenteil, üppig ausfallen und ausgefallen sein, aber nicht schrill.
Deshalb fangen wir erst einmal an, mit einer Miniküche zu experimentieren.
Jeder Vorschlag der Mitarbeiter ist hochwillkommen gewesen.
Wir Adligen der alten Sorte mögen keine abrupten Entscheidungen,
vielmehr wird immer versucht, mehrgleisig zu fahren.
Ich habe mich entschlossen, auf keinen Fall im Massensektor zu bleiben
und diesen zu gegebener Zeit an die Konkurrenz für gutes Geld zu verkaufen.
So hielt Valter die Ansprache bei der Betriebsversammlung.
"Wir werden stolz sein auf unsere Produkte, die weltweit praktisch einzigartig sein werden"
Ich schaue mich gerade nach entsprechenden Konservendosen um, denn die
Größe 425ml ist mir zu klein und die 850ml Dose zu groß.
600ml dürfte eine sinnvolle Menge für 2 Personen zu sein,
denn Vorsuppen haben eben diese Menge - feine Suppen dürfen niemals geknausert ausschauen,
was auch und gerade für den Tellerinhalt gilt - zu viel ist unfein, zu wenig aber auch.
Zudem sollte sich die Form von den Konserven anderer Hersteller unterscheiden.
Mir schwebt eine rechteckige Form vor, die passt gut in die neuen Convectomaten,
die sind dort rationell einzufahren und auch sehr gut in Kartons zu stapeln.
Wir werden nicht an, sondern umbauen, denn Exklusivität ist nicht groß, sondern klein.
Und vor allen Dingen, deshalb brauche ich jeden von euch, ist bei uns Handarbeit Trumpf -
das wird ordentlich auf dem Etikett verkündet werden.
Die Inhalte der Dosen haben verfixt und zugenäht ganz genau so lecker auszusehen,
wie auf dem Etikett!
Valter war in seinem Element.
Im Labor kam ein Internetanschluß und ein paar Monitore hinzu.
Eine der Mitarbeiterinnen und einer der Mitarbeiter forschten unabhängig
voneinander nach exklusiven Suppen und hielt diese Seiten im Speicher fest.
Bald wurden die ersten Suppen in der kleinen Küche gekocht und verkostet,
rezensiert, verbessert, nochmal gekocht und so weiter, bis das dosenfähige Konzept stand.
Billige Zutaten wurden so lange durch bessere ersetzt, bis der Graf zufrieden war.
Es gibt keine Geheimnisse, so der junge Koch, nur Handarbeit und vor allen Dingen abschmecken
und immer wieder abschmecken und zwar durch mehrere Personen.
beste Zutaten, keine Chemie und keine künstlichen Aromastoffe.
Wenn die Suppe nicht schmecken will, dann waren die Zutaten nicht gut genug!
Auf diese Weise kamen ganz andere Zulieferer ins Haus, Biobauern und Biofleisch-Produzenten.
Das Kunstwort "Bio" ist mir zu billig, wir sollten das "aus traditionellem Landbau,
ohne Chemie und ohne Gentechnik-Einsatz" nennen, meinte der Graf.
Unsere neuen Produkte müssen unbedingt Exklusivität ausstrahlen,
der Preis ist bei der angestrebten Käuferklientel fast egal.
Und die Haltbarkeit muß stimmen, denn Konserven sind bekanntlich Reserven
bester Ordnung und keine Frischware.
Wenn ich zum Beispiel in den Keller gehe und Heißhunger auf eine Krabbensuppe habe,
möchte ich diesen Vorrat nicht in einem halben oder dreiviertel Jahr am Ablaufdatum sehen.
Diese Genußsuppe sollte auch so schmecken, wie auf dem Etikett versprochen und
noch eine Nummer besser, denn nur so bleibt das Produkt in Erinnerung.
Die Form und Größe der Dose ist ein weiterer Marker, damit sich der zufriedene Kunde
daran erinnert und keine Verwechslung beim Nachkauf riskiert.
Jede Dose hat einen Indexstreifen, welcher "grün" anzeigt, wenn der Inhalt
beim Kunden daheim die richtige Temperatur hat:
Im Wasserbad erhitzen.

***

Die Erbsen- und Linsensuppe und ein Bohnentopf, sowie der Gulaschtopf sollen unbedingt in der alten Art bleiben,
denn diese sind gut und sollen weiterhin in den 850ml Dosen geliefert werden, erweiternd sollen Ravioli kommen,
vor denen man sich nicht ekelt - mit richtig gutem Fleisch zubereitet und richtigen Tomaten.
Diese fünf typischen "Männerkonserven" sollen künftig als solche vermarktet werden:
Männerkonserve, handfest, deftig und mit vollem runden, natürlichen Geschmack,
kein dünnes Süppchen, sondern mit handfesten Inhalt, der auch gut satt macht.
(Genau so will ich das auf dem Etikett stehen haben,
ohne diesen Luxusanspruch des Premiumproduktes in der viereckigen Dose)
So entsteht eine Marke, die gerne gekauft wird, auch wenn sie das Doppelte des Marktüblichen kostet!
Die Mitarbeiter waren fortan mit Feuereifer dabei und brachten sehr viele Verbesserungsvorschläge
in die Entwicklungsabteilung:
Jeder angenommene Vorschlag brachte 100 Euro bar auf die Hand.
Die Modernisierungen der Fabrik wurden sparsam gestaltet, also eher nur renoviert
und neu umzäunt, das restliche Gelände wurde für gutes Geld verkauft.
Ein Nachbarunternehmen der Stahlbranche suchte händeringend nach mehr Platz.
So kam wieder viel Geld herein.
Die nun deutlich kleinere Fabrik wurde auch aussen modernisiert und auf dem Tor
wurden zwei große Etiketten des Dosensortiments als Art-Deko angebracht, genau wie auf den Konserven.
Das verkauft sich -gerade heute wieder- gut, so Graf Volker zu den Mitarbeitern,
die ihn bald alle ziemlich privat kannten, auch Helene, die sich dort ebenfalls
vorgestellt hat - neugierig, wie Frauen eben sind.
Das alte Sortiment wurde an die Konkurrenz verkauft, mitsamt dem Abnahmevertrag
an den Diskounter, was auch nochmal gutes Geld brachte.
Auf diese Weise macht man Geschäfte, die dauerhaften Bestand haben, sagte er
zur Belegschaft - wir sind hier alle eine große Familie und beschissen wird nicht.
Er hat ein Videovortrag über die Brauerei gehalten, den Werdegang geschildert
und auch ein paar Verkaufszahlen genannt.
Die Mitarbeiter waren verblüfft, dass ein so hoher Preis erzielt werden kann.
Von nun an zählt nicht mehr die Menge, sondern die Qualität.
Die großen Kessel wurden dem Wettbewerber gleich mitverkauft,
was dieser fast als "christlichen Akt" ansah und gerne mitnahm.
Das Lager wurde mehr und mehr zum Kühlraum, Gemüse und Fleisch separat
untergebracht, man achtete sehr streng auf die Hygienebestimmungen.
Und schon bald kamen die ersten Kontrolleure..
Der dortige Stadtrat war auf diese Veränderung aufmerksam geworden,
weil der Stahlbetrieb nebenan ein ganzes Stück des Betriebsgeländes dazu gekauft hat.
(Was keiner wusste war, daß Valter den Kauf der Konservenfabrik dadurch fast kostenneutral gestaltet hat)
Das neue Firmenkonto wurde mit einem guten Startkapital ausgestattet, die Menge des restlichen Geldes
der Holländer hat Valter auf sein eigenes Konto eingezahlt.
Bei der gleichen Bank, die er zuvor bereits favorisiert hatte.
Das alte Firmenkonto erlosch.
Der Bankmensch war froh, dass nun wieder etwas Umsatz dazu kommen sollte.

Die Mitarbeiter fragten sich freilich schon, woher der Graf das Gold hat.
Tja, der Adel hat aus alter Zeit wohl doch eine Menge retten können..

***

Die Rezepte standen schneller, als je zuvor gedacht und die Etiketten und Dosen
waren auch schon angeliefert worden.
Genau wie die neue Dosenmaschine - für diese " à la soupe! " auf gut Deutsch "essen kommen!",
desgleichen für die "5 Männerkonserven" - wie sie genannt wurden:
"5 Männerkonserven - Inhalt Ravioli, 5 Männerkonserven - Inhalt Erbsensuppe,
5 Männerkonserven Inhalt Linsensuppe, 5 Männerkonserven Inhalt Gulasch, 5 Männerkonserven Inhalt Bohnentopf"
Das habe ich gern gemacht, so der Graf, weil Männer auf diese Weise leichter behalten,
daß es davon 5 Sorten unserer Marke gibt!
Die Unterscheidungen, mit Würstchen oder Chili oder Bolognese und all diesen Kram sparen wir uns:
Wir schreiben einfach: Zutaten wie bei Muttern.

Dieses extreme Gegenteil zu den Luxuskonserven der eigenen Manufaktur
sollte ein Kontrast sein, weil auch das Publikum sehr unterschiedlich ist, so führte er aus.
Gegessen und getrunken wird immer - die einen mögen es fein, die anderen derb.
Das Personal soll sich wohl fühlen und geschätzt, dann wird auch das Produkt bestens,
deshalb ihr Leute:
Keinen Pfusch, keine Ausrutscher!
Wenn eine Charge nicht so gelungen war, was immer passieren kann, wenn Handarbeit im Spiel ist,
kommen diese Dosen in den Personalverkauf, nicht in den Handel - denn der Ruf ist schneller
kaputt als aufgebaut !
Da könnt' ihr buchstäblich auslöffeln, was ihr euch selbst eingebrockt habt, schmunzelte er.

***

Vor der Fabrik sind immer wieder neutrale Autos vorbei gefahren und haben angehalten.
Die Fahrer telefonierten und nur dem Werksleiter ist aufgefallen, daß diese Wagen
osteuropäische Merkmale hatten.
Die Polizei interessierte das nicht, man müsse warten, vielleicht passiert ja nichts.
Valter hat das gehört und sofort den bekannten Sicherheitsdienst angerufen, welcher nun auch hier
Augen offen hielt und für später bereits eine Person parat haben wird.
Ebenfalls mit neutralem Wagen, in welche zwei Hunde und 3 Sicherheitsleute saßen,
wartete der Dienst in der Nähe des Tores.
(Der Transporter hatte im Laderaum keine Fenster, die Personen waren also nicht zu sehen.)
Der Fahrer sah wie ein typischer Kleinspediteur aus, mit Schirmkappe und Overall.
Er trank Kaffee und aß sein Pausenbrot hinter dem Lenkrad, wie das alle machen.
Der Schichtwechsel kam, die meisten Mitarbeiter gingen oder fuhren nach Hause,
bis die Leute des Spätdienstes anrückten, waren wohl noch 30-50 Minuten Zeit.
Dann war wieder Schichtwechsel und wieder waren 30-50 Minuten zwischen dem Spätdienst und dem Nachtdienst,
bis die Leute auftauchten.
Über Nacht wurde für den nächsten Tag vorbereitet,
deshalb waren das nur 2-3 Personen, die man dafür einsetzte.
Während des 2. Schichtwechsels war also keiner auf dem Gelände und keiner in der Fabrik
oder besser gesagt in der Manufaktur.
Nun sprangen die Türen des fremden Wagens sprangen 2 Personen und liefen
zur Fabrik und wollten gerade die Nebentür zu Halle aufhebeln,
als die Hunde kamen und die Schlagstöcke.
Der Wachdienst hat deren Wagen umgeworfen und ist nach Hause gefahren,
bevor der Nachdienst kam, die Diebe sind davon gerannt in die Nacht hinaus.
Die Polizei bekam am nächsten Tag einen Hinweis einer Passantin, die sich über den
fremden Wagen gewundert hat, der auf einer Seite lag.

***

Valter hatte diese Aktion bestellt:
Ohne Schreibkram, denn nur so kann man sich dem rollenden Gesindel erwehren.
(bis die Polizei gekommen und die Sache aufgenommen hätte und das fast immer
ohne späteres Resultat, wollte man nicht vertrauen,
weil die Grenzen bekanntlich aus politischen Gründen offen sind
und folglich dieses Konzept als Erfolg verkauft werden soll - die steigende Zahl
an Diebereien und Einbrüchen wollte man partout verschleiern)
Die verhinderten Diebe sind nicht mehr aufgetaucht.
Im Werk war wieder Frühschicht und Hochbetrieb, Lieferwagen kamen und
Lieferwagen fuhren ab.
Das Büro der "Gräflichen Feinkonserven Manufaktur" verkaufte die Waren ausschließlich
über das Internet, mit eigenen Webauftritt und so kamen die Paketdienste und luden die
Kartons ein und entschwanden wieder.
Das Sortiment umfaßte inzwischen 45 Sorten viereckige Delikatess-Suppen - Dosen,
und 5 Sorten "Männerkonserven".
Der Verkauf lief freilich nicht besonders flott an, weil zuerst ein wenig Reklame
geschaltet werden mußte:
An jedes Fass der eigenen Brauerei wurden ein paar Prospekte beigelegt.
Bald waren die Premiumkunden informiert und orderten zunächst ein paar Dosen zum Probieren.
(Diese hat man den Premiumkunden der Brauerei selbstverständlich gratis zukommen lassen,
die Preisliste wurde beigelegt und auch die Frachtkonditionen und auch
gleich Werbung für die Wasserbad - Geräte, zum perfekten Erhitzen der Dosen:
Auf jeder Dose war ein Code und wenn der Kunde diese sammelte, gab man
ein solches Gerät gratis heraus - das rechnet sich sehr schnell,
denn der Kunde denkt eben auch rationell)
In der fast verkaufsfreien Anlaufphase stapelten sich die Dosen im Lager bis zur Decke.
Mitsamt den Wasserbad-Erhitzern, die inzwischen ebenfalls angekommen waren.
Der Graf ließ die Mannschaft mit voller Kraft fahren.
Der Werkmeister und Koch hatte zwei Vertreter, die inzwischen immer mehr Mitarbeiter
zu noch mehr Selbständigkeit innerhalb der Manufaktur schulten.
Dann kamen die Bestellungen und das nicht zu knapp !
Die vier verschiedenen Paketdienste holten Pakete stapelweise ab und diese gingen
an Adressen in ganz Europa.
Unglaublich, so staunten die Mitarbeiter, unglaublich, wie der Graf das gemacht hat!
Genau wie mit der Brauerei hat er ein goldenes Händchen bewiesen und alle lachten laut:
wie er gesagt hat!"

***

Feinste Fisch- und Fleisch- und Gemüselieferung kamen zur Anlieferung und
wurden verarbeitet, Mehl, Salz, Kräuter und alle möglichen Gewürze, neue Dosen, Etiketten, Prospekte,
Kartons und Verpackungsmaterial..
Es war ein ständiges An- und Abfahren, das streng kontrolliert wurde.
Der Markt ist da und das Geld auch, die Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist prima,
man muß eben nur direkt verhandeln und nicht in der Markthalle kaufen.
Das macht unser türkischer Gemüsegroßhandel in der Stadt für uns.
Es soll niemand sagen, daß wir nur den eigenen Leuten Arbeit geben - gell?
So, der Laden brummt und die Werkswohnung ist mit einem Wachmann und seiner Frau nebst Schäferhund
besetzt - was soll da noch schief gehen?
Der Wachmann war ein Profi, der beim Militär ausgeschieden war - wegen psychischer Probleme.
Der fackelt nicht lange!

So, meinte Valter daheim zur Helene, jetzt ist die Sache so weit, dass wir mit Julia und Claude
einen Ausflug zu meiner Konservenmanufaktur wagen können !






Zum Schluß der Geschichte:




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