Schattenseite 50



Nur Pommes.
Etwas mehr als zehn Jahre hat er geschuftet, um sich die Pommesbude leisten zu können,
die an der B8, zwischen zwei Städten steht.
Nicht mehr neuwertig, aber noch gut erhalten und mit festem Platz, für den er
nicht wenig Geld als Abstandssumme zahlen mußte.
Ein längerer Parkstreifen am Straßenrand ist vor der Bude, allemal genug, daß zwei Lastwagen
dort halten können, aber keine Stühle und keine Tische -
nur eben dieser Wagen, an dem man eine große Klappe nach oben schwenken kann,
damit die Kunden nicht naß werden, wenn es regnet.
Diese Klappe verriegelte die Bude, wenn geschlossen war -
mit entsprechendem Aufkleber als Reklame "Nur Pommes"
Zwei große Gasflaschen waren hinten, in einem abgeschlossenen Gitterkasten,
die eine größere Friteuse beheizt - mit ordentlich Power, wenn es darauf ankam.
Strom war nicht verlegt und so wurde nur geöffnet, solange es hell war.
Der kleine Wagen wurde umgestaltet und nur mit dem Nötigsten bestückt,
Pit hat sogar auf den Kühlschrank verzichtet, denn das Einzige,
was hätte gekühlt werden können, war die Maionaise und die war auch so haltbar.
In einer abgeteilten dunklen Ecke es Wagens wurden Kartoffeln gelagert, die von außen
hinein gekippt wurden - so blieb der Wagen selbst sauber.
Pit schälte die Kartoffeln mit der Hand, tupfte sie ab und schnitt die Pommes
mit einem selbst konstruierten Schneidegerät, das einfach von oben mit einem Hebel
die Kartoffel in zig Streifen spaltet, die dann nach unten in den Fritierkorb fielen.
Ein Korb im Öl, der andere an der Kartoffelstanze, so war sein Plan.
Die Kartoffelschalen kamen in einen Plastiksack, der jeden Tag beim Bauern
abgeliefert wurde - für die Schweine.
Die Kartoffeln standen schon bereit und einmal im Monat haben die beiden abgerechnet.
Sein alter Benz lief eben mit Pommesöl - ein dufter Oldtimer, wie er das nannte.
In seiner Pommesbude gab es nur Pommes, sonst nix, wie er an die Bude schrieb -
aber mit guter Maionaise und selbstgemachtem Ketchup,
noch richtig aus Tomatenmark gemacht, ohne Kunstkram.
Bratwürste gab es überall, bei ihm nicht, hier gab es keine Schaschlikspieße oder Frikadellen
oder was auch immer sonstwo verkauft wird, er hatte nur Pommes.
So kam er mit der Konkurrenz in der Stadt niemals ins Gehege.
Es war nicht viel in dieser Pommes-Station, wie er das Ding nannte - was man hätte klauen können,
wenn er am Abend nach Hause fuhr, mit seinem Stinke-Diesel,
pardon, "dufter Oldtimer".
Er unterhielt sich gerne mit Menschen, wenn die Kartoffeln geschält und geschnitten wurden,
so konnte man unglaublich viel erfahren und getratscht hat der Pit auch gerne.
Er lebte alleine auf Untermiete in einem Zimmer im Haus seiner Schwester,
ganz unauffällig und fast geräuschlos, bis eben auf diesen Stinkediesel.
Wenn er so am Schälen war, verging die Zeit, er schaute ab und an zur B8, einer belebten
Bundesstraße, wo immer mal ein Trucker hielt oder Vertreter oder Leute mit quängelnden Kindern.
Pommes haben alle irgendwie gerne, jung und alt, groß und klein, arm und reich - hier
an der Pommesbude waren alle gleich.
Die Portionen lieferte er so wie der Hunger war - die Leute tippten auf eines der 3 Fotos
am Fenster mit den Worten:
Groß, mittel, klein.
Den Ketchup oder die Maio gab zuerst der Spender auf der Theke dem Kunden auf sein Essen.
Servietten und Feuchttücher waren dort und kleine Kuchengäbelchen, die wie die einfachen
Porzellantellerchen immer wieder gespült wurde - Handarbeit,
versteht sich, aber hygienisch einwandfrei.
Das Gesundheitsamt lobte diese Bestückung und freute sich, daß hier kein Plastikabfall entstand.
Auf Getränke hat Pit verzichtet, die - so meinte er, gibt es in jedem Supermarkt und an dieser
B8 gibt es eine Menge davon, in den unterschiedlichsten Preisklassen - aber gute Pommes,
ohne Chemie, die sucht man vergebens.
Nach und nach sprach sich das herum und daran war nicht zuletzt das einwandfreie Sonnenblumenöl
ursächlich, ein leichtes, aber bekömliches Speiseöl, das hier bestimmt nicht alt wurde:
Pits Benz wollte auch was haben!
Billig sind die Pommes nicht, aber sie machen satt
und man braucht oftmals nicht mehr, um zufrieden zu sein.
So futterten die Leute einträchtig beeinander, Lastwagenfahrer, Vertreter,
Pfarrer, Schüler, Großeltern mit Enkelchen..
..eigentlich ißt fast jeder Pommes Frites, zumindest dann, wenn wenig Zeit für die Küche ist
oder schlicht der Heißhunger darauf kam.
Ein Dachdeckerwagen hielt und vier kräftige Burschen sprangen heraus:
Schnell, 4 x Pommes rot weiß!
Schnelle haben wir nicht, aber gute und frische..
Hinterher haben die Männer verstanden, was Pit damit meinte.
Ein neuer Kunde bekam immer etwas mehr auf den Teller - das spricht sich rum'
und ist die billigste Reklame.
So kam das denn auch - bald kamen immer mehr Leute des Öfteren vorbei.
Spannend wurde es, wenn ein Ökofreak auftauchte, wie Pit sich gerne scherzhaft äußert -
diese Leute nörgeln für ihr Leben gern!
Warum heizen sie nicht mit Solarenergie?
Das überlege ich mir gerade, wer weiß, vielleicht kommt das bald.
Warum heizen sie nicht mit Pommesöl?
Nun, weil mein Diesel sonst zur Tanke müßte.
Jeder wußte was anderes, alles wussten alles besser -
Welche Kartoffelsorte die beste sei oder wo der Bauer sein Feld nicht spritzt..
Das kann ich sagen, meinte Pit - ein Stückchen weiter ist ein Feld, da wird nicht gespritzt,
auf allen anderen Feldern jedoch schon.
Nach dem Pommesverzehr sah man aus dem Auto heraus jenes Feld, das Pit meinte:
Es handelte sich klar um eine Brache.. nur Unkraut wuchs darauf, keine Frucht.
So ein Witzbold, das ist eben doch kein ökologisch einwandfrei arbeitender Betrieb,
da fahren wir nicht mehr hin!
Der gute Mann wohnt nur eine Querstraße weiter, wie Pit zufällig an seinem dort parkenden
auffälligen SUV sah, mit dem er die Pommesbude zuparkte,
bevor er zu stänkern anfing - und der Typ regt sich auf?
Später erzählte ihm die "Tratsche", daß dieser Zwangsneurotiker Lehrer sei..
Was der aus seinen 4 Auspuffrohren bläst, ist bestimmt auch nicht "ökologisch einwandfrei"!
Ja ja, sagte er dem nächsten Kunden, Leute gibt es!
Manche meinen immer andere belehren zu müssen - das wird wohl ein "G rüner" sein.
So war das denn auch - wie ein paar futternde Schüler verrieten, die
bei diesem Rechthaber Unterricht haben.
Ein eiliger Kunde hat sein Tageblatt auf der Theke liegen lassen,
wo schon von der Titelseite das Blut nur so aus den Schlagzeilen tropfte..
Igitt, die sammeln alle Schandtaten der ganzen Welt ein und "vermarkten" diese,
wie andere Leute ihre Würstchen oder .. Pommes.
Wichtig ist, dass konsumiert wird, was und wie ist schließlich egal,
der Rubel muß rollen.
"Wenn die Münz im Kasten klingt, die Seel' aus dem Fegfeuer springt",
kam ihm dabei spontan in den Sinn.
Die Münz im Kasten war perfekt gelöst, die Kunden gaben ihr Geld in einen Schlitz
unter der Theke - und in eine Geldschale kam das Wechselgeld zurück.
Ein Stoffhandschuh in einer Halterung darüber hat er sich selbst ausgedacht,
damit nicht nach jedem Geldwechsel die Hände gewaschen werden mußten.
Das spart Pit viel Zeit und Wasser, denn mit Kartoffelhänden ist das so eine Sache.
Vor zehn Uhr war nichts los, denn niemand frühstückt Pommesfrites..
..auf diese Weise hatte Pit die Ruhe auszuschlafen und sein Leben ruhig angehen zu lassen.
Das war ihm wichtig, sehr wichtig sogar, denn in seinem vorherigen Beruf
wurde sein nervöses Augenzucken immer schlimmer, was er als Fernpendler bekam,
das geht früher oder später den meisten Leute so.
Sein Job als Handelsreisender war zwar sehr einträglich, aber aufreibend.
Wer erfolgreich ist, macht das nicht länger als ein paar Jahre, erzählte Pit
der ersten Kundin, eine ältere Frau, die als "Schwätze" bekannt ist.
Von ihr erfuhr man immer ein paar Neuigkeiten, fast wie von einer Zeitungsredaktion.
"Haben sie von dem großen Chemikalienfund in einer Lagerhalle gehört?
Tausende Liter hochgiftiger Sachen soll man darin gefunden haben und Gaskartuschen..
..ich wette, das waren Terroristen, die von den Anwohnern gesehen wurden,
als sie sich mit dicken Wagen aus dem Staub gemacht haben!"
Ja, das habe ich auch gehört, ein Kabelbrand soll der Grund gewesen sein,
daß man die Feuerwehr rief - und dann kamen Spezialtrupps und Sicherheitsleute..
Zwei weitere Kunden kamen an der Bude an, einmal Mittel bitte, einmal Groß.
2 Euro und 3 Euro bitte.
Pit arbeitete immer weiter, während er sich unterhielt und die Leute machten nur zu gerne mit.
Manche Kunden lieferten sich heftige politische Debatten, andere lehnten dieses Thema rundum ab.
Er hat immer eine große Pastikschüssel mit geschälten Kartoffeln parat, so sind die Pommes
ein wenig schneller fertig - dennoch dauert die Portion hier deutlich länger als anderswo,
weil Pit niemals mit vorfrittierten oder gar Pommes aus dem Sack arbeitete, die chemisch
gebleicht wurden, das käme ihm nie in den Sinn.
Die Fritteuse war nach hinten raus, wo eine schwenkbare Blech-Esse direkt nach aussen lüftet.
Das war seine Erfindung, auf die er sehr stolz ist - das Ding ist fix heraus gezogen und
draussen sauber gemacht, auf diese Weise ist sein Wagen deutlich fettfreier als andere Buden
geblieben - das Gesundheitsamt war immer wieder angetan davon.
Diese direkt gesottenen, frischen Kartoffelstreifen sind eben viel besser, als diese Fabrikware,
auch wenn diese sehr viel mehr an Wasser ausdunsten bei der Garung,
davon waren seine Kunden allesamt überzeugt und so kamen sie immer wieder.
Wer dieses stundenlange Aufstoßen des Magens nach dem Pommesgenuß
an anderen Ständen kennt, weiß das zu schätzen.
Schauen sie sich das an, sagte ein Kunde - mir wollen sie die Fahrt in die Stadt verwehren,
weil meinem 5 Jahre alter Diesel, der schon mit Kat ist - zu Zufahrt verboten wird und dieser Vogel da,
der darf herum tuckern wie er lustig ist - und zeigte auf einen älteren Mann mit Hut,
der lustig mit einem Oldtimer-Traktor herum fuhr und für Stau's und für waghalsige Überholmanöver sorgte.
Ja, der fährt hier zweimal am Tag vorbei, der holt seine Brötchen mit dem Ding und ab und an
parkt der auf dem Diskounter - Platz.
"6 km/h" steht auf dem Traktor, der braucht nicht mal zum Tüv!
Das Ding ist laut wie narrisch, weil der Typ den Auspuff verändert hat, damit der
kleine Einzylinder-Motor wie ein großer Traktor klingt.
Er fährt mit 20km/h und knattert wie wild und stößt dabei rabenschwarze Wolken aus.
Die Schwätze meint:
Warum kümmert sich die Polizei nicht darum?
Nun, meint ein Kunde, der gerade an der letzten Pommes kaute -
weil da wo kein Kläger auch kein Richter ist.
Ich habe vor Jahren einen notorischen Falschparker angezeigt, worauf man mir 2x die Reifen zerstach -
Zeugen gab es keine, wer war's?
Das kann ich bestätigen, meinte der andere Gast - ich hatte nur gehupt, als ein Kolonnenspringer
mir fast den Kotflügel touchiert hat - und was war?
Der Typ machte eine Vollbremsung, sprang aus dem Auto und schlug mir gegen die Scheibe:
Halt die Fresse, sonst mache ich dich kalt!
Dann schwang der Vogel sich in seinen Boliden und pretschte davon - hinter mir hatte sich eine
Wagenschlage gebildet, wo manche heraus hupten und mir den Vogel zeigten,
obwohl ich unschuldig war oder besser, mich in der Opferrolle befand:
Die Passanten der Stadt- stellt euch vor, das war mitten in der Stadt -
haben mich angeschaut, als hätte ich etwas verbrochen..
Ein Kunde ging, der nächste kam - eine Sanitätswagenfahrerin, eine Veganerin, wie sie sagte -
worauf sie wohl stolz war, wie eine Angehörige einer seltenen Religion -
mich hat man gschupst und geschlagen, als ich einem Betrunkenen helfen sollte,
eine ganze Gruppe seltsamer Leute drohten mir und so blieb mir und meinem Kollegen
nur die Flucht, bevor sie den Wagen angegangen wären.
Der andere Kunde meinte:
Bei mir hat man versucht die Tür des Hauses einzutreten, ein Nachbar sah einen Mann
mit Sturmhaube aus einem großen Wagen springen, der nach weniger als einer Minute wieder
auf und davon fuhr - unverrichteter Dinge - weil ich einen eisernen Hebel umlege,
wenn Nachtruhe angesagt ist - abgeschlossen wird trotzdem.
Die Diskussion wurde hitzig, als sich einige dieser Vorfälle offenbarten.
Da kam ein Polizeiwagen angefahren und die zwei Beamten bekamen ebenfalls - Pommes,
denn etwas anderes gab es hier an der Bude nicht.
Die Zwei haben wohl mitbekommen, was hier für eine Diskussion im Gange war und
meinten kauend:
Wir wissen wohl, welche Klientel das ist, dürfen aber nichts
darüber sagen - seien sie versichert, wir wissen Bescheid und sind bereit.
Einigermaßen zufrieden und beruhigt fuhren zwei Kunden weg, die Schwätze hatte
wieder eine neue Story und so ging auch sie.
Zwei dunkle Männer kamen, die nur die Hälfte zahlen wollten oder erst bereit waren
ihr Geld in den Schlitz zu geben, wenn sie die Pommes in der Hand hätten, wie sie sagten.
Pit ging mit dem Hanbostock nach draussen und da verzogen sie sich lieber,
denn er war groß und kräftig und bereit Konflikte ggf. auch anders zu lösen:
Vor einiger Zeit versuchten düstere Gestalten zu Fünft die Bude auszurauben,
am Abend, wo genug Geld in der Kasse war.
Es wird immer schlimmer, so meinte eine Frau, die gerade ihrer Enkelin
eine Portion "rot weiß" bestellte.
Man traut sich als Frau nicht mehr alleine in die Stadt und sogar meine Kolleginnen,
die von der Schicht um 21 Uhr kamen und die immer in Gruppen gingen,
wurden betascht und begrapscht, als das nicht gelang, wurde Geld gefordert.
Das kann nicht sein, schrie plötzlich eine sogenannte "Alternative",
sie lügen sich eins zurecht, sie sind wohl rechtsradikal eingestellt?
Rechtsradikal?
Nee Kindchen, ich habe mich - im Gegensatz zu ihnen - eben nur gewaschen und gekämmt.
Die schönste Diskussion war im Gang, als ein Brummifahrer meinte:
Gibt es hier Pinguine?
Häh?
Pinguine - wie kommen sie denn darauf?
Oh dann habe ich etwas anderes umgefahren, was rabenschwarz verschleiert herum watschelte..
Sie Rassist!
Rief die Alternative, sie abscheulicher Mensch!
Ach was Kindchen, sagte die Frau mit der Enkelin, welches sich inzwischen ziemlich bekleckert hat-
der Fahrer macht doch nur einen dummen Witz - dieser grinste über alle Backen und kaute weiter.
Mit hochrotem Kopf ging die Alternative zornig weg -
der Brummifahrer meinte nur:
Vermutlich kommt der rote Kopf von ihrer Gesinnung - das sieht man inzwischen überall,
in allen Parteien, denn man will ja "in" sein und nicht als "rückständig" gelten.
Inzwischen darf keiner mehr beschrieben werden, der was ausgefressen hat, es könnte ja
"rassistisch" sein - bei uns im Land wird eben alles total übertrieben, das sage ich ihnen.
Mich können bald alle am Arsch lecken, ich reiße meine 3 Monate noch ab, dann bin ich in Rente
und ziehe mich zurück auf das hinterste und platteste Land und halte mir ein paar Schafe,
mir geht der Kram sowas von auf den Zeiger.. nur Bekloppte, wohin man auch schaut.
Weg ging er, der schwere Wagen rollt an und hinterließ ein nette Dieselwolke.
Pff - ein starker Tobak, meinte der nächste Kunde, ein Handwerker, der gerade auf Kosten
seiner Kunden "Material holen" war, - mitten in seiner Arbeit davon gefahren ist.
Das machen alle Handwerker so, am dollsten trieben es wohl die Installateure.
Eine Oma hat ihren zwei Enkeln große Portionen bestellt und sich selbst nichts,
obwohl ihr hörbar der Magen knurrte.
Die Kinder fingen an zu futtern, da reichte Pit ihr einen Teller -
essen sie, es ist von mir.
Danke schön, es gibt doch noch gute Menschen!
Meine Rente ist klein und die Miete wird von Jahr zu Jahr teurer,
bald kann ich mir gar nichts mehr kaufen - die Enkel kommen hungrig von der Schule
und die Eltern sind den ganzen Tag auff'er Arbeit.
So ging das jeden Tag, der Umsatz lief prima, der Bauer war zufrieden, Pit auch.
Ein Kunde erklärte, er wäre bald der neue Nachbar, weil in der Nähe auf dem steinigen Acker
oberhalb der Straße seine Investmentfirma ein neues Forschungslabor gründen wolle.
Hydrometallurgie, wissen sie, so ein Ding, das sich auf Recyclingverfahren
spezialisiert, wo man aus Abwässern aller Art Metalle aller Art zu extrahieren versucht.
Oh, das klingt aber spannend - aber lohnt sich das?
Für uns schon, denn Pharma- und edelmetallverarbeitende Betriebe interessiert das schon lange.
Wir forschen sogar daran, aus Klärschlämmen unbedenkliches Kompostmaterial zu machen und
Metalle heraus zu spülen, die viel Geld bringen.
Ein weiterer Punkt wäre die Phosphatgewinnung, den Dünger, wissen sie, den die Gärtner brauchen
und dessen natürliche Vorkommen längst erschöpft sind..
Meinen Glückwunsch, im Namen der Natur kann man ihnen nur einen guten Erfolg wünschen!
Der freundliche Mann bekam seine Pommes und aß zufrieden.
Die sind ja wirklich klasse, so gute habe ich zuletzt vor 20 Jahren bei meinr Mutter gegessen!
Tja, Qualität hat eben ihren Preis, ich beziehe nur vom Bauern um die Ecke,
da bin ich auf der sicheren Seite.
Der Postbote brachte einen Brief vom Polizeipräsidium, was Pit sehr aufhorchen ließ-
was wird denn das wohl sein?
Es war eine Anzeige eines Vaclav sowieso, welcher damals eins mit dem Hanbostock abbekam und
deswegen beim Arzt war - nach dem versuchten Raubüberfall oder Erpressungsversuch,
den Pit damals der Polizei meldete.
Hier liegen medizinische Indikationen vor, die ihn zwei Wochen von einer Arbeitsaufnahme
abhielten, weshalb dieser eine Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung stellte.
Er habe Prellungen am Rücken erlitten und wäre 2 Wochen krank geschrieben worden.
Als Zeugen nannte er niemanden.
Damals waren aber 5 junge Männer aus fremdsprachigem Raum dabei gewesen, seine Tageseinahmen
zu kassieren, wie schon beim Kiosk und in der Drogerie des Viertels,
so hatte Pit aus der Tageszeitung erfahren und den Artikel ausgeschnitten.
Als die Verhandlung beim Amtsgericht war, wollte Pits Anwalt diese Zeugen der Stockschläge
vorladen lassen - was aber vom "Geschädigten" nicht beabsichtigt war,
sonst hätte er seine Kumpels verraten und die Polizei hätte evtl. eine ganze Bande ausheben können,
eine von mindestens 4 Banden, die "Großfamilien" angehören.
Der Anwalt der Gegenseite riet dem jungen Mann, die Klage zurück zu ziehen, ehe sich der Fall ausweitet.
Das tat dieser denn auch und der Richter beließ es bei einer Ermahnung beider Parteien,
daß bei uns Selbstjustiz nicht statthaft sei und die andere Seite ermahnte er,
sich einer ehrlichen Arbeit zuzuwenden.
Das hat der Ankläger angeblich nicht verstanden und wollte eine Dolmetscher haben.
Der Richter ließ den Mann hinausführen,
wo sich die Polizei weiter um seine Taten kümmerte, wegen denen
er schon seit einiger Zeit unter Beobachtung steht.
"Das Urteil und die Begründung geht beiden Seiten schriftlich zu,
die Staatkasse trägt die Kosten für dieses Verfahren."
So eine verschwendete Zeit, schimpfte Pit, als er die Pommesbude wieder öffnete, das Gas anstellte,
damit das Öl auf Temperatur kam.
Die Schwätzerin wartete bereits und wartete gerne, weil sie die Story brühwarm erzählt bekam.
Die Kartoffel waren geschält, die Pommes durchgedrückt und schwammen bald im siedenden Öl.
Wohin wird das führen, wenn man sich nicht mal mehr wehren darf, fragte Pit.
Das bekam ein anderer Mann mit, der sich einmischte - wie das eben so ist bei diesen Pommes-Stationen,
"mir haben sie die Tür des Zeitungsladens aufgehebelt, am hellichten Tag, während den Mittagsstunden"
Die Täter kamen zu fünft und sprachen auswärts, so formulierte er seinen Frust.
"Ich habe gerade mitbekommen, wie es ihnen ging - was wäre gewesen, wenn ich mit meiner
Gaspistole geschossen hätte?"
Man darf sich nicht mehr wehren, damit den Tätern nichts passiert und man sie gesund einbuchten kann,
so ein weiterer Kunde, der mit kaputter Seitenscheibe sein Auto vor der Pommesbude parkte.
Mir haben sie gestern Morgen die Scheibe eingeschlagen, kurz bevor ich zur Arbeit fahren wollte.
Nun ist schon der 2. Tag Urlaub futsch und ich warte bis heute Nachmittag die Scheibe per Express
zur Autowerkstatt geliefert und dort eingebaut wird- mit viel Glück schaffen die das heute noch,
sonst ist der 3. Tag Urlaub fällig.
Das ist in unserer Straße schon 3 x passiert in der letzten Woche, manche hat es sogar zweimal getroffen,
einem teuren SUV wurde das Lenkrad und das halbe Amaturenbrett ausgebaut -
fachmännisch ausgebaut und geklaut.
Die Versicherung meint, daß inzwischen Auftragsdiebereien immer häufiger vorkommen.
Ich betrachte so manchen Monteur in der Werkstatt nun mit ganz anderen Augen,
weil nach der Reparatur dieses SUVs am nächsten Morgen schon wieder alles fehlte - diesmal konnten
die Täter sogar einen Sitz gebrauchen und die Heckscheibe.
Der geschädigte Mann hat Geld genug und konnte sich einen Leihwagen leisten,
aber ich musste immer schon sparen
obwohl mein Arbeitstag lang und hart ist - das Geld ist einfach nicht da,
weil die weite Pendelei Zeit und Geld kostet und das Auto schneller verschlissen ist, als
es abgezahlt werden kann..
Neulich, so sagte er, habe ein Nachbar eine riesige Beule im Heck seines Autos gehabt,
als er mit seinen Einkaufstüten den Kofferraum beladen wollte.
Bis die Polizei kam, sind div. Dinge des Einkaufs schon aufgetaut gewesen,
die Erdbeereispackungen ist ausgelaufen und hat den Kofferraum verdreckt.
Ein Zeuge sagte nur, es wäre ein alter weißer Kastenwagen davon gefahren, ohne sich um den
Schaden zu kümmern, von diesen Dingern fahren seit Jahren einige herum,
anfänglich osteuropäischen Nummernschildern, später mit deutschen, weil
man die Wagen nun hier anmeldet, damit keiner unnötig Verdacht schöpft.
Der Geschädigte hatte sein Fett weg:
Aufenthalte bei der Polizei, beim Anwalt, bei der Versicherung, in der Werkstatt, der Leihwagenfirma
und der Autolackiererei, weil der Farbton nicht stimmte und dann der Wertverlust des Wagens!
Der Geschädigte hat immer die Arschkarte gezogen, so die Schwätzerin.
"Deshalb gehe ich nur noch zu Fuß, weil mir das Auto ein paarmal kaputt gemacht wurde durch
Kinder, die hart Ball spielten und als ich was sagte, sind sie darüber gelaufen, was ich aber
nicht beweisen konnte - die Abdrücke und Beulen sprachen Bände, aber in denen wollte die Polizei
nicht lesen - die Leasingfirma hat Zirkus gemacht und so bin ich 2000 Euro ärmer geworden.
Dann bin ich auf das Fahrrad umgestiegen, das hat man mir schon bald gestohlen und in den Bach geworfen -
verbogen - dort lagen schon einige Räder verschiedenster Art.
Spät Abends geht bei uns in der Innenstadt der Punk ab,
da brauchen sie als Heimischer nicht mehr vor die Tür gehen..
Zwei Kundinnen gingen kopfschüttelnd weg und murmelten hörbar:
"Die hat doch einen Schuß die Alte, die soll sich nicht so anstellen!"
Die Zeiten sind eben andere geworden durch die Grenzöffnung und die Wiedervereinigung,
so die Schwätzerin - ich gehe mal noch ein wenig durch den Park,
heute muß ich noch zu einem Putz-Termin, man will ja leben..
Sie ging privat putzen, z.B. bei in einem Anwaltsbüro oder bei Pensionären,
eben dort, wo man bereit war, einen besseren Lohn für bessere Arbeit zu zahlen.
Pit freute sich an diesem Morgen, wo die Vögel zwischerten und die B8 nach den letzten
Pendlerströmen fast schon ein wenig ruhig da lag.
Die Luft war aber noch deutlich mit Abgasen belastet.
Eine Gruppe Motorräder amerikanischer Bauart kam angedonnert, laut wie ein Trupp Panzer.
Die Spaziergänger, die mit dem Einkaufsroller vorbei zogen, duckten sich unwillkürlich.
Man erschrickt eben, wenn ein solcher brutaler Stoßtrupp von hinten kommt.
Ein Enkelchen an der Hand der Oma machte einen Schritt auf den Bordstein, um darauf
zu balancieren, als eines der Motorräder einen Schlenker machte und den nebenan fahrenden
vom Bock riß - die touchierte Maschine rutschte weg, überschlug sich und der Fahrer lag
unten drunter- zwei weitere Maschinen sind in das Hindernis gefahren und bald lagen fünf Maschinen auf der Seite.
Die Oma mit dem Kind ist schnell weiter gegangen, in den nächsten Weg zwischen den Häusern
zum Bach, wo sie entschwand.
Ein Pommes-Kunde rief die Rettungskräfte an, die auch bald kamen -
das Ärztezentrum ist ganz in der Nähe an der B8 gelegen -
die "Jungs" haben die Maschinen schon wieder aufgerichtet, die Schäden
betrachtet und haben mit der Polizei gesprochen.
Der Pommesbudenheini muß das gesehen haben, fragen sie den mal, sagte einer der "Biker".
Pit sah grundsätzlich nichts, er schälte Kartoffeln und behauptete kackfrech,
er habe von dem Unfall überhaupt nichts mitbekommen - das Fett brutzelt laut und das Radio
plärrt dagegen an - wie hätte ich dabei auch noch auf den Verkehr achten können?
Ich rate ihnen die Wahrheit zu sagen, meinte einer der Driver, wir haben einige
Rechtsanwälte in der Gruppe!
Der Polizist hörte die Drohung und riet dem Pit zur Anzeige dieser Drohung -
was dieser nicht tun wollte:
Den Ärger erspare ich mir, denn die stricken ihre Gesetze wie sie das gerade brauchen,
dagegen kommt niemand an, ob man was gesehen hat oder nicht, die Burschen haben genug Geld,
der Schaden ist wohl einkalkuliert, sonst wären die nicht zu zweit nebeneinander her gefahren.
Der Polizist tat, als hätte er den letzten Satz nicht gehört und ging wieder.
Pit hatte Glück, daß gerade kein Kunde an der Theke stand, sonst wäre die Sache aufgeflogen.
Ein Wagen voller Bauarbeiter hielt und bestellte große Portionen, wollte aber
alles für die Hälfte haben - wir Polen und nicht viel Geld.
Dann du keine Pommes!
Die Bauleute zogen weiter, als ein Brummifahrer zu Hilfe kommen wollte-
die Leute sind schon bei der Raststätte bei der Autobahn aufgefallen,
sie hatten Glück, sonst wäre der Ärger programmiert gewesen.
Was haben die denn angestellt?
Nun, genau weiß ich das nicht, aber einer zahlte und nur einen Teil der Zeche,
das war deren Masche - ein anderer
wollte hinter der Theke zur Kasse schleichen, als ich den Typen gepackt habe.
Eine seltsame Baufirma, meinte Pit, das muß ich schon sagen.
Das hat der Kioskbesitzer mitbekommen, der sich gerade eine kleine Portion Pommes
kaufen wollte - als Abendbrot sozusagen.
"Ich habe kein gutes Gefühl mehr, wenn meine Frau alleine im Laden steht,
was heute alles an Grobzeug herum schleicht, geht auf keine Kuhhaut!"
Das ist alles nur "gefühlt", sagen die Politiker, antwortete Pit und der Trucker stimmte zu.
Alles nur gefühlt, eingebildet und vollkommen aus der Luft gegriffen, es hätten genau so gut
die einheimischen Nachbarn sein können, gell?
Ganz genau - gibt es denn sowas noch?
Das Lachen der drei unterschiedlichen Männer klang gequält.
Der Abend nahte und Pit zählte das Geld, tat es in einen Beutel,
schloß die Bude ab, der Gashahn war längst zu, die Friteuse kaltete aus.
Der alte Benz rödelte kurz, sprang dann aber an, wie schon seit 30 Jahren.
Sein Vater war 25 Jahre damit gefahren - allerdings mit Diesel- bevor Pit den
kleinen Umbau machen ließ.
Nagelnd fuhr der Wagen die 500mtr bis zur Bank, dort zahlte er das Geld ein und
holperte den Feldweg bis zum Bauernhof, wo er den Sack mit Schalen ablieferte,
einen Sack Kartoffeln in den Kofferraum wuchtete, den der Bauer hinter die Remise stellte.
Bei seiner Schwester angekommen, füllte Pit die 2 Wasserkanister auf, stellte diese in den Wagen
und begann mit seiner Feierabendbeschäftigung:
Er las Kriminalromane - büschelweise, alle aus dem Tauschladen der Stadt.
Pit hatte keinen Fernseher nötig, nur eine Leselampe.
Kein Telefon, kein Internet, kein Handy war ihm anzudrehen.
Er schlief mit den Vögeln ein und wachte nach den Hühnern auf,
ging eine Runde joggen,
bevor er ins Bad ging und sich fertig machte für den Tag.
Manche dachten, sein Leben wäre eintönig, aber weit gefehlt,
denn er war mitten unter den Menschen, jeden Tag, gut 10 Stunden lang,
im Winter etwas kürzer.
Eines Tages meldete sich an der Theke ein Mann, der behauptet von der Gesundheitsbehörde zu sein,
konnte aber keinen Ausweis vorzeigen.
Pit griff nach dem Hanbo-Stock, der innen an der Ecke des Wagens stand.
Das sah der Fremde und zog lieber weiter - bald versuchte jemand von aussen die
Buden-Tür zu öffnen, langsam, ganz langsam ging der Griff nach unten - aber nur ein paar Millimeter,
weil Pit stets von innen verschloß, seit den letzten Vorfällen.
So schaute er vorsichtig über die Theke und sah - nichts, kein Auto und kein Fahrrad.
Eine Viertelstunde müssen die Täter vor der Tür gelauert haben, als Pit
Schritte hörte und eine weibliche Stimme rief:
Hallo!
Ist da wer drin?
Pit antwortet:
Hätten sie sich an die Verkaufsfläche gestellt, wären sie beachtet worden.
Isch will nur Goldkett zeign, schaunz mal wie hibsch!
Sehen sie zu, daß sie weiter kommen, sonst setzt es Prügel..
.. so kam ein Kunde auf den Parkstreifen gefahren und verlange 2 x mittlere,
rot - weiß bitte !
Ein Kind war dabei und freute sich schon auf sein Essen.
Die Zigeuner sind leise wieder abgezogen - es waren 5 Leute.
Uh- da haben sie ja nochmal Glück gehabt, denn bei uns in der Stadt
wäre längst ein Alarmknopf bereit gewesen, aber sie haben so etwas wohl nicht?
Nein, meinte Pit - ich habe ja nur Kartoffeln und Öl und die Tageseinnahmen -
mehr ist nicht in der Bude drinnen.
Das lohnt sich doch nicht für die Diebinnen und Diebe!
Sagen sie das nicht, mir haben sie aus der Hosentasche beim Einkauf im Diskounter
das Portemonaie geklaut, gerade wo ich das Haushaltsgeld abgehoben hatte-
die Burschen beobachten sowas und verfolgen das Opfer manchmal eine halbe Stunde lang..
..zumindest hat mir das die Polizeiwache erzählt, die Masche sei nicht neu.
Am nächsten Tag kam die "Schwätze" vorbei und meinte:
Hier fehlt ein Kaffeeautomat!
Hören sie nur auf, dann habe ich die ganzen Plastikbecher zu entsorgen,
das wird teuer und die Umweltbehörde hängt mir wieder an den Fersen.
Na ja, sagte sie, da mögen sie wohl recht haben - wie ist denn die Sache
mit den Motorrädern ausgegangen?
Haben sie den Unfallhergang denn nicht sehen können?
Ja, hätte ich wohl, aber sie wissen ja, ich muß in der Bude meine Arbeiten
verrichten und kann nicht dauernd über die Theke gucken.
Das ging ihr wohl ein und so zog die Schwätze weiter.
Pit dachte sich nur:
Das hätte ins Auge gehen können.
Die Tage kamen, die Tage gingen, bis sich die Konkurrenz aufraffte,
Gerüchte zu streuen:
Es hätte Fälle von Magenkrämpfen gegeben, nachdem die Kunden seine Pommes verzehrt hätten -
es hat aber keiner der "Geschädigten" Anzeige beim Gesundheitsamt gemacht.
Rund herum wurden Lokale nach Kontrollen sofort geschlossen, reihenweise !
Die meisten waren längst in fremder Hand und so mancher "Italiener" oder
Pizzeria wird von türkischen Döner - Organisationen betrieben,
die in einer Art Großfamilienstruktur
geführt werden - patriarch sozusagen.
Die Asia-Leute waren auch nicht besser, dort gab es ebenfalls reihenweise Schließungen,
weil die Hygienebestimmungen mißachtet werden, latent mißachtet, wie die Zeitung schrieb.
Bei ihm, in seiner Pommesbude waren die Kontrolleure auch, sogar öfter als bei den
Wettbewerbern, weil man sich wohl die Konkurrenz klein halten wollte und immer
und immer wieder bei der Behörde antrug.
Ein falsches Ding irgendwo auf dem Tresen - z.B. eine Tageszeitung, die vergessen wurde,
ein klebriger Salzstreuer oder was auch immer, wie Speisereste auf den Tellern oder Gabeln
und die Bude wäre sofort abgemahnt oder dicht gemacht worden.
Dann kam ein Pommes-Test in der Zeitung, der anonym gemacht worden sein muß -
und dort wurde seine Pommesbude hoch gelobt und als ökologisch einwandfrei eingestuft.
Der Bauer freute sich, denn an der Bude stand ein Hinweis:
Die Kartoffeln stammen aus kontrolliertem Anbau, ausschließlich vom Bauern Pumbeler aus
dem Nachbarort ..
.. wir verwenden nur Sonnenblumen - Öl, zertifiziert nach Din und täglich gewechselt.
Die Kunden waren begeistert, besonders vom selbstgemachten Ketchup aus reinem Tomatenmark,
Wasser und etwas Zucker.
Die Maio ließ sich Pit lieber von einem renomierten Anbieter kommen, "Schweizer Qualität" sozusagen.
Billig, das machen andere, bei mir gibt es so etwas nicht !
Deshalb gab er das Ketchup und die Maio bald nur noch selbst auf die Portionen,
damit der Preis nicht ausuferte.
(Manche haben sich wahre Berge auf die Teller gepumpt, die danach kleben geblieben sind)
Die Kunden honorierten das und kamen immer wieder.
Ein Kunde meinte:
Warum expandieren sie nicht, wo ganz sicher ein Markt dafür wäre?
Nun, sagte Pit- ich bin nur ein einzelner Mensch und habe nur ein einziges Leben -
mir langt das, was der Laden abwirft, ein teures Leben führe ich nicht und Nachkommen
sind auch keine da - wozu also, nur um das Finanzamt glücklich zu machen, ?
Da haben sie auch wieder recht, was nützt das dickste Bankkonto, wenn man keine Wünsche hat.
Er, der Kunde stellte sich als ein Reporter vor und bat um ein kurzes Interview mit Pit:
"Köpfe aus der Region, Wirtschaft im Aufschwung."
Ein Bild wurde gemacht, dann noch eines vom sauberen Öl und von der Handarbeit,
die hier jeden Tag stattfand, im Dienste des Kunden.
Pommes ohne Chemie - ist das nicht schon ein echtes Altertümchen?
Pit hatte immer genug zu tun, sein alter Diesel fuhr mit ihm in die Rente,
ab und an wurden beide "repariert" und weiter ging der Job,
der eine Lebensaufgabe war - ein erfülltes Leben,
bis zum Ruhestand - und da hat sich Pit von der Bude getrennt,
die Lizenz weiter verkauft - aber an einen Einheimischen, das hat er zur Bedingung
gemacht und ist nicht von diesem Passus abgewichen.
Bald war ein Blumenverkauf darin, bald ein regionaler Direktvermarkter,
dann ein Eisverkäufer, dann brannte die Bude ab.
Man munkelt, daß hier ein Konkurrent - aber lassen wir das.
Die Aufklärung ist Sache der Polizei und Pit ging
lieber durch den Park, suchte sich eine Bank aus und las seine Kriminalromane.
Eine Flasche Wasser dabei und ein belegtes Brötchen - damit war er vollauf zufrieden.
Seinen treuen Benz hat er an einen anderen Pommesbudenbesitzer,
der diese Art des Antriebs sehr schätzte, für gutes Geld verkaufen können..
ohne Unterhalt für ein Fahrzeug war sein eigener Unterhalt nun leichter
finanzierbar, denn seine Rente war nicht hoch - er hat nach seinen 10 Beschäftigungsjahren
nur den Mindestbeitrag in die Rente einzahlen können, wie viele Selbständige.
Wie gesagt, Pit führte immer schon ein bescheidenes Leben, so
fiel ihm der Einschnitt eigentlich nicht auf.
Sein Tag war friedlich und sonnig, Nachrichten sind nie sein Ding gewesen.

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